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TitlePub. DateDuration
Im zweiten Wohnzimmer von Daniela Krien 22 Aug 202400:47:06
Große Teile von "Mein drittes Leben" hat Daniela Krien im Café der Hugendubel-Filiale in Leipzig geschrieben, daher nennt sie es auch ihr "zweites Wohnzimmer". In ihrem neuen Roman erzählt die Bestsellerautorin von einer Frau, die ihre Tochter durch einen Unfall verloren hat, von den Phasen der Trauer und vom Finden eines langsamen Wegs zu einer Art Umgang. Mit Blick auf die Thomaskirche sprechen Anne-Dore und Daniela Krien über Figuren, die selbstständig werden, über die kraftspendende Energie des Schreibens, über die erstaunliche Stärke, die in einem steckt und über die große Frage, was dem Leben Sinn verleiht. Das Buch von Daniela Krien, über das wir im Podcast reden Daniela Krien: "Mein drittes Leben", 304 Seiten, Diogenes Verlag, 26,00 Euro. Anne-Dore Krohn empfiehlt Ulrike Draesner: "zu lieben", erscheint am 11.09.24, Penguin, 352 Seiten, 24,00 Euro. Daniela Krien empfiehlt Robert Spaemann: "Moralische Grundbegriffe", C.H. Beck, 109 Seiten, 9,95 Euro. Der Ort Café der Buchhandlung Hugendubel, Petersstr. 12-14, 04109 Leipzig. Die Autorin Daniela Krien wurde 1975 geboren und lebt in Leipzig. Ihr Debüt erschien 2011: "Irgendwann werden wir uns alles erzählen" und wurde mittlerweile verfilmt. Es folgten "Muldental" (2014, Erzählungen), "Die Liebe im Ernstfall" (2019), "Der Brand" (2021). "Mein drittes Leben" ist ihr vierter Roman.
Mit Julia Jost in ihrem Wiener Wohnzimmer, dem "Café Rüdigerhof"20 Jun 202400:46:59
Wie ist es, als queeres Mädchen im Kärnten von Jörg Haider aufzuwachsen? Wo die Großväter in der SS waren, die Familien stolz darauf, in "Führergemeinden" zu leben? In einem Bundesland, dessen Landeshauptmann die NS-Vergangenheit relativiert, zweisprachige Ortstafeln entfernt, gegen die slowenische Minderheit hetzt und dem nach seinem Unfalltod gehuldigt wird. Julia Jost ist in diesem Umfeld aufgewachsen und schreibt aus der Perspektive eines elfjährigen Mädchens, das unter dem Umzugs-LKW ihre Umwelt betrachtet und das Dorfleben Revue passieren lässt: Den tragischen Tod des gemobbten Zugereisten im Brunnen, das Mobbing von Andersartigen, die toxische Männlichkeit, die Eltern, die mit dem Völkermord in Bosnien reich werden, den Georg Pfandl, der Bürgermeister und Parteichef wird – und der biographische Ähnlichkeiten mit Jörg Haider aufweist – und von einer zarten und heimlichen Liebe zum bosnischen Mädchen Luca. Schreiben ist für sie "wie ein Nahrungsmitte", sagt Julia Jost, es zeige ihr ihren Platz in der Welt. Mit Stephan Ozsváth spricht sie über Anderssein in Kärnten, vergleicht Wien und Berlin und erzählt, dass sie schon morgens um sechs mit Kaffee und im Pyjama schreibt. Stephan Ozsváth empfiehlt Dénes Krusovszky: "Das Land der Jungen", 284 Seiten, Die Andere Bibliothek Julia Jost empfiehlt Kristin Höller: "Leute von früher", 316 Seiten, Suhrkamp Das Buch von Julia Jost, über das wir im Podcast reden Julia Jost: „Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht“, 231 Seiten, Suhrkamp Der Ort Café Rüdigerhof, 1050 Wien, mehr als hundert Jahre altes Jugendstilcafé, gleichsam das „Wohnzimmer“ von Julia Jost. Sie kommt so oft hierhin, dass sie sogar schon ein Weihnachtsgeschenk bekommen hat, erzählt sie. Schräg gegenüber – am anderen Ufer des Wien-Flusses – ist die türkis-rosa-lila Villa, ein Zentrum der LGBTQI+-Szene in Wien. Die Autorin Julia Jost, 1982 in Kärnten geboren. Mit 17 Jahren kommt sie nach Wien, beschäftigt sich in queeren Kreisen mit ihrem Coming Out. Sie studiert Philosophie, Bildhauerei und Theaterregie. Als Regisseurin und Dramaturgin hat sie u.a. für das Thalia Theater in Hamburg gearbeitet, hat auch in Berlin gelebt. Ihr Theaterstück ROM hatte im April 2024 am Volkstheater Wien Premiere. Für einen Auszug aus ihrem Debütroman „Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauffletscht“ erhielt sie den 2019 den KELAG-Preis im Rahmen des Bachmann-Wettbewerbs in Klagenfurt. Julia Jost lebt in Wien und spielt E-Gitarre.
Mit André Kubiczek unterwegs in seiner Kindheit und Jugend in Potsdam13 Jun 202400:45:04
In "Nostalgia" erzählt André Kubiczek die Geschichte seiner Kindheit und frühen Jugend, die geprägt waren von Verlust und Trauer. Als er ein Teenager ist, erkrankt seine Mutter, die einst der Liebe wegen aus Laos in die DDR einwanderte, unheilbar an Krebs und stirbt. Wenig später ist auch sein kleiner Bruder tot. All die Jahre habe er das alles verdrängt und sich davor gedrückt, vom Sterben zu schreiben, sagt André Kubiczek. Stattdessen entstand die autobiografisch beeinflusste Coming-of-AgeTrilogie rund um den Potsdamer René, angeführt von "Skizze eines Sommers". Romane voller Leichtigkeit, Musik, erster Liebe und der Tragikomik des Erwachsenwerdens. "Nostalgia" zu schreiben aber war für André Kubiczek wie Therapie: schonungslos ehrlich, schmerzhaft, aber befreiend. In dieser Episode nimmt der 1969 in Potsdam geborene Schriftsteller Nadine mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Er zeigt ihr, wo er aufgewachsen ist, sie spazieren zu Romanschauplätzen und Kindheitserinnerungen. Der Autor André Kubiczek ist für seine Romane mehrfach ausgezeichnet worden. "Skizze eines Sommers" (2016) war für den Deutschen Buchpreis nominiert. Zuletzt erschienen "Straße der Jugend" (2020) und "Der perfekte Kuss" (2022). Er lebt in Berlin. Das Buch "Nostalgia" ist im Rowohlt Verlag erschienen, hat 400 Seiten und kostet 25,00 Euro. Buchempfehlungen dieser Folge Nadine empfiehlt: Franz Kafka: "Der Landarzt". Erzählungen. Illustriert von Kat Menschik. Illustrierte Lieblingsbücher Band 1, Neuauflage. Galiani Berlin. 112 Seiten, 22,00 Euro. André empfiehlt: Joseph Conrad: "Herz der Finsternis". Übersetzt und Hrsg. von Daniel Göske. Reclam Verlag. 166 Seiten. 10,00 Euro. Podcast-Tipp Die Entscheidung. Politik, die uns bis heute prägt https://www.ardaudiothek.de/sendung/die-entscheidung-politik-die-uns-bis-heute-praegt/57448438
Mit Inga Machel “auf den Gleisen” 06 Jun 202400:48:39
Mario kommt aus der brandenburgischen Provinz, lebt aber in Berlin. Hier folgt er dem Junkie P. auf Schritt und Tritt. Ist es sein Vater, der sich doch eigentlich vor einen Zug geworfen hat? In präziser, raffinierter Sprache schildert Inga Machel Beziehungslosigkeit und Traumaverarbeitung. Dabei wird Berlin selbst nicht nur zur Kulisse für Menschen ganz unten, sondern zum Protagonisten. Wie in einer Schnitzeljagd bewegen sich Mario und P. durch die Stadt, mit der Autorin hat sich Stephan Ozsváth auf die “Gleise begeben”, mitten rein in den Berliner Nahverkehr – in Gerüche, Geräusche und Gerempel. Eine erste Fassung ihres Debütromans ging ihr verloren, erzählt sie, ihr Laptop wurde geklaut – ein Alptraum für jede/n Autor/in. Das Buch Auf den Gleisen, Rowohlt 2024, 160 Seiten, 22 Euro. Die Autorin Inga Machel (Jg.1986) lebt in Berlin. Sie studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Freie Autorin für den Rundfunk und Lektorin. Ausserdem Heilpraktikerin für Psychotherapie. Ihre Erzählung “Lieber A” wurde mit dem New German Fiction Prize ausgezeichnet und ins Englische übersetzt. “Auf den Gleisen” ist ihr Debütroman. Er stand auf der SWR-Bestenliste und war nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2024. Inga Machel empfiehlt: Denis Johnson: Jesus´Sohn. Rowohlt, 176 Seiten. Stephan empfiehlt: Jörg Hartmann: Der Lärm des Lebens. Rowohlt, 304 Seiten. Hör-Tipp: Arbeit, Hörspiel-Podcast nach dem Roman von Thorsten Nagelschmidt. https://www.ardaudiothek.de/sendung/arbeit/13217577
Mit Hans-Gerd Koch im Fotoalbum der Kafkas30 May 202400:48:52
Am 3. Juni vor 100 Jahren starb Franz Kafka. Wir wiederholen deshalb eine Episode aus dem März! Denn in Berlin kann man noch bis zum 7. Juli im Fotoalbum seiner Familie spazieren gehen: Der Kafka-Forscher und Autor Hans-Gerd Koch hat Originalfotos von Franz Kafka im Kreis seiner Verwandten zusammengestellt. Anne-Dore hatte das Glück, von ihm eine private Führung zu bekommen. Die beiden sprechen über Kafkas Verhältnis zu Vater, Mutter und Geschwistern, sie betrachten das vermutlich letzte Foto, das vom Schriftsteller aufgenommen wurde (im Kaufhaus Wertheim in Berlin), und Hans-Gerd Koch erzählt, warum auch er fast schon zur Familie Kafka gehört. Das Buch Das Begleitbuch mit Fotos und Texten von Frank Kafka ist zeitgleich im Wagenbach Verlag erschienen: Hans-Gerd Koch "Kafkas Familie. Ein Fotoalbum“, Wagenbach Verlag, 208 Seiten, etwa 200 Fotografien und Auszüge aus Briefen und Tagebüchern. Die Ausstellung Die Ausstellung "Das Fotoalbum der Familie Kafka" im Kulturwerk der Staatsbibliothek Unter den Linden ist bis zum 7. Juli verlängert worden, der Eintritt ist frei. https://stabi-kulturwerk.de/portfolio-item/kafka Der Autor Hans-Gerd Koch, Jahrgang 1954, ist Literatur- und Editionswissenschaftler. U.a. hat er die Briefbände und die Kritische Gesamtausgabe Franz Kafkas herausgegeben. Er ist Leiter des Karl Rauch Verlags und hat zahlreiche Bücher publiziert, u.a. "Als Kafka mir entgegenkam" und "Kafka in Berlin" (beides Wagenbach Verlag). Hör-Tipp: Zum 100. Todestag Franz Kafkas bringt Radio 3 seine unvollendeten Romane– gelesen von großen Stimmen wie Ulrich Matthes – in die ARD Audiothek. Zur hören sind "Das Schloss", "Der Verschollene" und ab 1. Juli auch "Der Prozess". https://www.ardaudiothek.de/sendung/kafka-der-verschollene/13420017 https://www.ardaudiothek.de/sendung/kafka-das-schloss/13259977
Mit Veronika Peters in den Hackeschen Höfen23 May 202400:45:48
In ihrem neuen Buch "Nackt war ich am schönsten" hat Veronika Peters eine Dada-Künstlerin zum Leben erweckt: Baroness Elsa von Freytag Loringhoven. Und nicht nur das: Sie hat sie einfach in unser Jahrhundert geholt, mitten in die nordhessische Provinz. Dort trifft sie auf Antonia, Mitte 40, die nach 20 Jahren zurückkehrt in ihr Heimatdorf und einiges aufzuarbeiten hat - begleitet von der wilden, scharfzüngigen Elsa. Anne-Dore und Veronika Peters treffen sich in den Hackeschen Höfen und unterhalten sich über die Freiheit der Phantasie, die Autonomie von Romanfiguren und darüber, wie viel die Dada-Künstlerin der Welt heute noch zu sagen hat. Das Buch Veronika Peters: "Nackt war ich am schönsten", Rowohlt Kindler, 320 Seiten, 24,00 Euro. Die Autorin Veronika Peters, geboren 1966, wurde gleich mit ihrem Debut bekannt: "Was in zwei Koffer passt. Leben im Kloster". Seit vielen Jahren lebt sie als freie Autorin in Berlin, zuletzt erschien "Das Herz von Paris". Der Ort Der erste der acht Hackeschen Höfe wurde von Elsa von Freytag Loringhovens erstem Mann, August Endell, gestaltet. www.hackesche-hoefe.de Veronika empfiehlt: Deborah Levy: "August Blau", aus dem Englischen von Marion Hertle, Aki Verlag 2023, 176 Seiten, 24,00 Euro. Anne-Dore empfiehlt: Gaea Schoeters: "Trophäe", aus dem Niederländischen von Lisa Mensing, Zsolnay 2024, 256 Seiten, 24,00 Euro. Gewinnen Sie ein signiertes Buch! Wer eine signierte Ausgabe von "Nackt war ich am schönsten" gewinnen möchte, sollte gut zuhören bei der aktuellen Folge von "Orte und Worte"! https://www.radiodrei.de/buch-gewinnen
Orte und Worte trifft Salman Rushdie im Hotel16 May 202400:47:26
15 Stiche in 27 Sekunden. Die Messerattacke auf Salman Rushdie im August 2022 war kurz und brutal. Der Autor der "Satanischen Verse", von "Mitternachtskinder" und "Victory City" verlor dabei ein Auge und musste sich zurück ins Leben und Schreiben kämpfen. Um den Angriff zu verarbeiten, schrieb er ihn sich von der Seele in: "Knife. Gedanken über einen Mordversuch". Nadine hatte die Gelegenheit den Star-Autor in einem Hotel in Hamburg zu treffen. Er erzählt, wie es ist einhändig zu tippen, warum er trotz allem ein optimistischer Mensch bleibt und wie er heute über seinen Attentäter denkt. Er empfiehlt außerdem seine aktuellen Lieblingsbücher und verrät seine liebste Kindheitslektüre. Salman Rushdie ist gerade auf Lesereise in Europa und hat nur einen einzigen Auftritt in Deutschland: Am 16. Mai im Deutschen Theater Berlin. Das Buch: "Knife. Gedanken nach einem Mordversuch". Aus dem Englischen von Bernhard Robben. Penguin Verlag. 256 Seiten, 25,00 Euro. Der Autor: Salman Rushdie, geboren 1947 in Bombay (heute Mumbai), Indien, ist Bestsellerautor, Weltstar der Literatur, Friedenspreisträger, mit dem Booker Prize ausgezeichnet und von Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagen worden. Er hat bisher 22 Bücher veröffentlicht, darunter "Mitternachtskinder", "Die Satanischen Verse", "Joseph Anton" und "Victory City". 1989 - nah der Veröffentlchung der Satanischen Verse - hat Ayatollah Khomeini eine Fatwa gegen Rushdie verhängt und damit Muslime weltweit dazu aufgerufen ihn zu töten. Der Schriftsteller musste daraufhin jahrelang unter Polizeischutz leben. Seit seinem Umzug nach New York vor über 20 Jahren fühlte er sich weitgehend sicher. Am 12. August 2022 stach ihn ein Islamist bei einer Veranstaltung auf der Bühne nieder und verletzte ihn lebensgefährlich. Buchempfehlungen von Salman Rushdie: Percival Everett: "James". Aus dem Englischen von Nikolaus Stingl. Hanser Verlag. 336 Seiten. 26,00 Euro (Hardcover). Seine Lieblingsbücher als Kind: Lewis Carroll "Alice im Wunderland" und "Alice hinter den Spiegeln" Arthur Ransome "Swallows and Amazons", auf Deutsch: "Der Kampf um die Insel"
Mit Inka Parei in der Flakturmruine im "Humboldthain"09 May 202400:45:26
Mit Inka Parei geht es diesmal an den Schauplatz ihres neuen Romans "Humboldthain". Es geht darin um eine Familie, die im Berlin der Nullerjahre auseinanderbricht, um Versöhnung zwischen Vater und Sohn, und um die Folgen von Krieg, Gewalt und Traumata. Zentraler Schauplatz im Buch ist die Flakturmruine im Berliner Volkspark Humboldthain. Im Zweiten Weltkrieg wurde vom Dach aus mit schweren Kanonen geschossen, im Inneren waren Schutzräume, ein Lazarett, Munitionslager. Die Überreste des Hochbunkers sind heute ein begrünter Trümmerberg mit Aussichtsplattform und Kletterwand. Durchs Innere kann man sich vom Verein Berliner Unterwelten e.V. führen lassen. Inka Parei und Nadine haben die Gelegenheit genutzt und sind dabei ganz tief in die Schichten der Geschichte und des Romans hinabgestiegen. Das Buch Inka Parei: "Humboldthain", 308 Seiten, Schöffling & Co., 26,00 Euro. Die Autorin Inka Parei, 1967 in Frankfurt am Main geboren, lebt seit 1987 in Berlin. Sie schreibt über geschichtsträchtige Orte und brüchige Familienkonstellationen. 2003 erhielt sie den Ingeborg-Bachmann-Preis für "Was Dunkelheit war". Sie hat viele weitere Auszeichnungen gesammelt. "Humboldthain" ist ihr vierter Roman. Inka Parei empfiehlt David Albahari: "Das Tierreich", 160 Seiten, Schöffling & Co., 20.00 Euro. Nadine empfiehlt Stefan Sommer: "Trabant", 236 Seiten, 25,00 Euro. Podcast-Tipp Familiengeheimnisse – Sag mir, wer ich bin https://www.ardaudiothek.de/sendung/familiengeheimnisse-sag-mir-wer-ich-bin/13172909
Mit Barbi Markovic in der Geisterbahn 02 May 202400:48:44
Seit sie den Preis der Leipziger Buchmesse für "Minihorror" gewonnen hat, nennt sich Barbi Markovic eine "Olympiaschriftstellerin". Die Belgrader Autorin stolpert von Interview zu Interview, arbeitet gleichzeitig an mehreren Projekten, sie schreibt Romane, Theaterstücke und Hörspiele. In ihrem Comic-Roman "Minihorror" nimmt sie die Comics mit Mini und Miki als Blaupause und entführt Leser/innen in die gruseligen Untiefen des Alltags - von Verwandtenbesuch bis Ikeabestellung. Am Ende sind Zeichungen und Tipps für weitere Horrorgeschichten - die Tipps trägt sie auch vor. Ihr größter Horror ist "Blut zu sehen". Die Bombardierungen der Nato auf Belgrad hat sie "bekifft" erlebt und als "weird" empfunden, dass sie als Milosevic-Gegnerin als "Kollateralschaden" mit bombardiert wurde. In ihrem nächsten Buch geht es um Fußball und den Zerfall Jugoslawiens. Stephan Ozsváth ist mit der Autorin im Wiener Prater Geisterbahn gefahren. Stephan Ozsváth empfiehlt Rayna Breuer: "Platte 317", danube books, 212 Seiten, 20,00 Euro. László Végel: "Exterritorium, Szenen vom Ende des Jahrtausends", S.Fischer, 256 Seiten, 9,99 Euro. Barbi Markovic empfiehlt Jenni Egan: "Candyhouse", S.Fischer, 416 Seiten, 15,00 Euro. Das Buch von Barbi Markovic, über das wir im Podcast reden "Minihorror", Residenz-Verlag, 192 Seiten, 24,00 Euro. Der Ort Das Geisterschloss - und das Café am Blumenrad im Wiener Prater Der Autorin Barbi Markovic, geboren 1986 in Belgrad, lebt seit 2005 in Wien. Schreibt Romane, Hörspiele, Theaterstücke. Für “Mini-Horror” bekam sie 2024 den Preis der Leipziger Buchmesse. Die Nato-Bombardierungen auf Belgrad verarbeitet sie in ihren Tagebüchern, sie sind Grundlage für das Hörspiel “Frag die Angst” (WDR).
Mit Stefanie de Velasco im Park am Gleisdreieck25 Apr 202400:46:19
"Diese kinderfreie Perspektive, die fand ich so gar nicht erzählt", sagt Stefanie de Velasco – und hat ihn einfach selbst geschrieben, den Roman über drei Frauen Mitte 40, die sich bewusst und zufrieden gegen Kinder entschieden haben. Anne-Dore hat Stefanie im Park am Gleisdreieck getroffen, in dem weite Teile des Buches spielen. Sie laufen durch die Schrebergärten, entdecken ein Bett, das im Baum hängt und setzen sich ins geschlossene Café Eule. Ein Gespräch über Lebensentwürfe, die Symphonie der Großstadt, Schreibkrisen und selbstgewählte Familien. Die Autorin: Stefanie de Velasco wurde und lebt in Berlin. 2013 erschien ihr Debut "Tigermilch", der auf die Bühne und ins Kino kam. 2019 kam "Kein Teil der Welt" heraus. Das Buch: "Das Gras auf unserer Seite", Kiepenheuer & Witsch, 256 Seiten, 23 Euro Der Ort: Park am Gleisdreieck Café Eule Stefanie empfiehlt: Ingeborg Drewitz "Das Karussell", antiquarisch z.B. bei zvab.de Anne-Dore empfiehlt: Connie Palmen "Vor allem Frauen. Über Virginia Woolf, Sylvia Platz, Joan Didion u.a.", Diogenes Verlag, 160 Seiten, 22 Euro
Mit Tilman Birr auf den Spuren von Loriot in Berlin-Charlottenburg18 Apr 202400:44:32
"Wie sind Sie hier reingekommen?" ist nicht nur ein Zitat aus einem Film von Loriot, sondern auch der Titel des neuen Romans von Kabarettist, Musiker, Lesebühnen-Autor und Schriftsteller Tilman Birr. Er erzählt darin von einem jungen Mann, der mit 20 aus der Provinz nach Berlin zieht und sich hier durch einen Zufall mit Vicco von Bülow anfreundet – ohne zunächst zu wissen, dass er es mit dem berühmten Komiker Loriot zu tun hat. Das Buch ist ein witziger Ritt durch die Nullerjahre in der Hauptstadt, ein Berlin-Roman, eine Satire und eine Loriot-Hommage. Nadine sagt: "Ich musste wirklich mehrfach laut loslachen beim Lesen". Sie ist mit Tilman Birr zum ehemaligen Wohnhaus von Loriot gegangen und hat mit ihm über Humor, Lesebühnen, Berlin und Bücher gesprochen. Der Autor: Tilman Birr, geboren 1980 in Frankfurt (Main), zog im Jahr 2000 nach Berlin. Studium der Geschichte und Anglistik, war mal Stadtführer, ist Liedermacher, Lesebühnen-Autor, Poetry Slammer, Schriftsteller und Kabarettist. 2012 erschien "On se left you see se Siegessäule – Erlebnisse eines Stadtbilderklärers". "Wie sind Sie hier reingekommen?" ist sein viertes Buch, aber sein erster Roman. Mit der Lesebühne "Prunk und Prosa" ist er regelmäßig in der ufa-Fabrik in Berlin zu erleben. Gerade ist er mit seinem Kabarettprogramm "Birr Royal" auf Tour. Das Buch: Tilman Birr: "Wie sind Sie hier reingekommen?", Satyr Verlag, 330 Seiten, 23 Euro Buchempfehlungen in dieser Folge: Tilman empfiehlt ... Thomas Glavinic: "Wie man leben soll", dtv, 240 Seiten, 14 Euro (Taschenbuch) Thomas Glavinic: "Das bin doch ich", S. Fischer, 238 Seiten, 16 Euro (Taschenbuch) Nadine empfiehlt ... Bora Chung: "Der Fluch des Hasen", Culturbooks, 264 Seiten, 24 Euro, aus dem Koreanischen von Ki-Hyang Lee Ilona Hartmann: "klarkommen", park x ullstein, 192 Seiten, 22 Euro Podcast-Tipp: Loriot 100 – Mehr Lametta https://www.ardaudiothek.de/sendung/loriot-100-mehr-lametta-mit-ariana-baborie/12866833/ Nicht witzig – Humor ist, wenn die anderen lachen https://www.ardaudiothek.de/sendung/nicht-witzig-humor-ist-wenn-die-anderen-lachen/12662427/
Mit Jackie Thomae im Haus des Rundfunks 15 Aug 202400:46:07
Ist eine Frau ohne eigene Kinder unvollständig? Dieses Gefühl wird Marie-Claire und Anahita jedenfalls ständig vermittelt. Durch ihr Umfeld, die Medien, die Gesellschaft. Beide sind fast 40, erfolgreich, selbstbewusst und unabhängig, aber ständig werden sie bemitleidet, denn sie sind kinderlos und die berühmte biologische Uhr tickt, wenn es nicht sogar schon zu spät für sie ist Mutter zu werden. Aber was wollen sie selbst? Und was passiert, wenn plötzlich eine einfache Pille Frauen mehr fruchtbare Zeit verschafft? Jackie Thomae entwirft in ihrem neuen Roman "Glück" ein Panorama von Frauenleben am Wendepunkt. Eine wichtige Szene spielt im Haus des Rundfunks und weil Orte und Worte an die Schauplätze der Romane oder an Orte geht, die für die Autorin oder den Autor wichtig sind, sind Nadine und Jackie diesmal hier unterwegs. Nadine Kreuzahler empfiehlt Scholastique Mukosonga: "Kibogos Himmelfahrt", aus dem Französischen von Jan Schönherr, 144 Seiten, Claassen, 23,00 Euro. Jackie Thomae empfiehlt Edward P. Jones: "Die bekannte Welt", aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser, Claassen, 448 Seiten, 28,00 Euro. Das Buch von Jackie Thomae, über das wir im Podcast reden Jackie Thomae: "Glück", 432 Seiten, Claassen. Der Ort Das Haus des Rundfunks in Berlin-Charlottenburg. Hier lässt Jackie Thomae ihre Figuren, die Podcasterin Marie-Claire und die Politikerin Anahita, für ein Interview aufeinandertreffen. Die Autorin Jackie Thomae ist Journalistin und Schriftstellerin, 1972 wurde sie in Halle (Saale) geboren und lebt seit dem Mauerfall in Berlin. 2015 erschien ihr Debütroman "Momente der Klarheit", 2019 war sie für "Brüder" für den Deutschen Buchpreis nominiert.
In der Leipziger Stadtbücherei mit Deniz Ohde 11 Apr 202400:45:52
Bibliotheken sind für Deniz Ohde zum einen Orte der Entspannung und zum anderen Orte zum Arbeiten. Schon als Kind war die Bücherei ein Lieblingsort für die Schriftstellerin. Mittlerweile stehen ihre eigenen Werke in den Regalen zum Ausleihen. "Streulicht", ihr Debütroman von 2020, war ein großer Erfolg und für den Deutschen Buchpreis nominiert. "Ich stelle mich schlafend" heißt ihr zweiter Roman, der von einer toxischen Liebe erzählt, von Glauben und Spiritualität, einem Leben im Korsett und von den Grauzonen der Gewalt und der sexuellen Übergriffe gegen Frauen. Deniz lebt seit 2011 in Leipzig und nimmt Nadine mit in die Stadtbibliothek. Gemeinsam machen sie sich auch auf die Suche nach anderen Büchern, die sie empfehlen möchten. Die Autorin: Deniz Ohe wurde 1988 in Frankfurt am Main geboren und ist in Sindlingen aufgewachsen, einem Arbeiter-Viertel ganz im Westen der Stadt. Ihr Debütroman "Streulicht" landete direkt auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis und wurde mehrfach ausgezeichnet. Die Autorin lebt in Leipzig. "Ich stelle mich schlafend" ist ihr zweiter Roman. Das Buch: Deniz Ohde: "Ich stelle mich schlafend", Suhrkamp, 248 Seiten, 25 Euro Die Buchempfehlungen: Angela Sommer-Bodenburg: "Der kleine Vampir", Buchreihe, Rowohlt Verlag, Deniz empfiehlt außerdem: Terézia Mora: "Fleckenverlauf. Ein Tage- und Arbeitsbuch", Luchterhand Literaturverlag, 288 Seiten, 22,00 Euro. Louise Meriwether: "Eine Tochter Harlems", Rowohlt (rororo Entdeckungen Band 3), hrsg. von Magda Birkmann und Nicole Seifert, übersetzt von Andrea O’Brien, 304 Seiten, Taschenbuch, 15,90 Euro. Nadine empfiehlt: Lana Lux: "Geordnete Verhältnisse", Hanser Berlin, 288 Seiten, 23,00 Euro.
Mit Elias Hirschl im Wiener Café Jelinek 04 Apr 202400:47:42
Elias Hirschl hat einen dystopischen Roman geschrieben, der auf alte Bergbau-Industrie die neue Start-Up-Welt setzt. In "Content" geht es um die Produktion von sinnlosen Inhalten für eine Internet-Welt, in der es vor allem um eins geht: Aufmerksamkeit. Stephan Ozsváth hat ihn im Wiener Café Jelinek getroffen, wo Elias Hirschl auch schreibt. Ein Gespräch über die perversen Blüten von Internet- und Startup-Kultur, Schreibstrategien und über das Musikmachen während der Pandemie. Das Buch: "Content", Zsolnay-Verlag, 224 Seiten, 23,00 Euro. Der Ort: Café Jelinek https://cafejelinek.steman.at/cafe-jelinek/ Elias Hirschl empfiehlt: Miri Yu: "Tokio Ueno Station", Riverhead Books, 192 Seiten, Englisch, 12.95 Euro. Sayaka Murata: "Die Ladenhüterin", Aufbau-Taschenbuch-Verlag, 145 Seiten, Paperback, 13,00 Euro. Sayaka Murata: "Das Seidenraupenzimmer", Aufbau Taschenbuch-Verlag, 253 Seiten, 12.00 Euro. Stephan empfiehlt: Vladimir Vertlib: Zebra im Krieg, Residenzverlag, 288 Seiten, 24,00 Euro. Michal Hvorecky: "Troll", Tropen, 215 Seiten, 18,00 Euro. Paavo Matsin: "Gogols Disko", homunculus, 176 Seiten, 20,20 Euro. Podcast-Empfehlung: Dunkelkammer: https://dunkelkammer.simplecast.com/
Im Messetrubel mit Nora Krug27 Mar 202400:48:24
Als am 24. Februar 2022 der Großangriff auf die Ukraine begann, hat Nora Krug Kontakt aufgenommen zu zwei Menschen: einer ukrainischen Journalistin aus Kiew und einem russischen Künstler aus St. Petersburg. Ein Jahr lang begleitet sie die beiden mit Texten und Illustrationen – jetzt erschienen als "Im Krieg. Zwei illustrierte Tagebücher aus Kiew und St. Petersburg". Anne-Dore hat Nora Krug am Stand des Penguin Verlags auf der Leipziger Buchmesse getroffen und mit ihr gesprochen: über visuellen Journalismus, Illustrieren und Beleuchten, über Mitläufertum und Graubereiche und kollektive Schuld – und warum es sie immer wieder beschäftigt, wie einzelne Menschen zum Lauf der Geschichte beitragen. Das Buch: Nora Krug: "Im Krieg, Zwei illustrierte Tagebücher aus Kiew und St. Petersburg", übersetzt von Alexander Weber, Penguin Verlag, 128 Seiten, 28 Euro. Die Autorin/ Illustratorin: Nora Krug wurde 1977 in Karlsruhe geboren und lebt seit über zwanzig Jahren in New York, wo sie als Professorin für Illstration lehrt. Ihr Buch "Heimat. Ein deutsches Familienalbum" wurde u.a. für dem National Book Critics Award ausgezeichnet und in Deutschland zur Schullektüre ernannt. Zuletzt erhielt sie den Gerti Spieß Preis für literarische Arbeiten zu gesellschaftspolitischen Themen.
Auf der Leipziger Buchmesse mit Dilek Güngör23 Mar 202400:32:40
Vor einem Jahr haben wir unseren rbb Bücher-Podcast zum ersten Mal auf der Leipziger Buchmesse präsentiert. Nun kehren wir mit vielen Folgen im Gepäck zurück. Nadine spricht mit Dilek Güngör über "A wie Ada", das neue Buch der Schriftstellerin und Journalistin, die 1972 in Schwäbisch-Gmünd geboren wurde und in Berlin lebt. Bekannt wurde sie mit ihren Zeitungskolumnen über ihre deutsch-türkische Familie. Für "Vater und ich" war sie 2021 für den Deutschen Buchpreis nominiert. "A wie Ada" erzählt in Miniaturen, Szenen, Anekdoten und Erinnerungen das Leben einer Frau zwischen der Sehnsucht nach Zugehörigkeit und der Suche nach einem eigenen Weg. Zwischen Herkunft und Zukunft, Fremd-Sein und Geborgenheit. Das Buch: Dilek Güngör: "A wie Ada", Verbrecher Verlag, 112 Seiten, 20 Euro. Die Autorin: Dilek Güngör, 1972 in Schwäbisch-Gmünd geboren, wurde durch ihre Kolumnen in der Berliner und Stuttgarter Zeitung bekannt. Unter dem Titel "Unter uns" und "Ganz schön deutsch" erschienen sie gesammelt als Bücher. 2007 veröffentlichte sie ihren ersten Roman "Das Geheimnis meiner türkischen Großmutter". Es folgten "Ich bin Özlem" (2019), "Vater und ich" (2021) und nun "A wie Ada". Podcast-Empfehlung: "Kehlmanns Helden" – Daniel Kehlmann und sein Sohn Oscar sprechen in sechs Folgen über ihre Helden von Kafka bis HipHop. In der ARD Audiothek seit dem 20. März. https://www.ardaudiothek.de/sendung/kehlmanns-helden-kafka-vs-hiphop/13224391/
Mit Paula Fürstenberg im Berliner Techno-Club "About Blank"14 Mar 202400:47:56
Tanzen und Schreiben sind zwei Gegensätze, die sich anziehen, sagt Paula Fürstenberg. Beides ergänze sich gut und schaffe einen Ausgleich, den sie brauche. In ihrem neuen Roman "Weltalltage" erlebt die Erzählerin einen Moment der Befreiung auf dem Dancefloor. Sie leidet unter einer chronischen Krankheit und erlebt ihren eigenen Körper hier von einer ganz neuen Seite. Deshalb lag es für Nadine und Paula auf der Hand, die Nähe einer Tanzfläche zu suchen. Sie haben sich im Techno-Club "About Blank" in Friedrichshain getroffen, im Osten von Berlin, und sich über Körper, Körpersprache und Krankheit unterhalten, übers Tanzen, die Liste als Literatur, über Nachwendekinder und Freundschaft als Familienmodell. Die Autorin: Paula Fürstenberg wurde 1987 geboren und ist in Potsdam aufgewachsen. Sie studierte am Schweizerischen Literaturinstitut und veröffentlichte 2016 ihren ersten Roman "Familie der geflügelten Tiger". Seit 2011 lebt sie in Berlin. "Weltalltage" ist ihr zweiter Roman. Das Buch: Paula Fürstenberg: "Weltalltage", Kiepenheuer & Witsch, 320 Seiten, 23,00 Euro. Der Ort: About Blank, Markgrafendamm 24c, 10245 Berlin, Homepage: aboutblank.li Paula empfiehlt: Asmus Trautsch (Hrsg.) Martina Hefter: "Tanzen. Verschriftlichung einer Installation mit dem Titel 'Tanzen, eine Vorratskammer'", Verlagshaus Berlin, 48 Seiten, 7,90 Euro. Nadine empfiehlt: Barbi Marković: "Ausgehen". Aus dem Serbischen von Mascha Dabic, 96 Seiten, 15 Euro, Edition Suhrkamp. Annett Gröschner, Peggy Mädler, Wenke Seemann: "Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat." Hanser, 320 Seiten, 22,00 Euro. Erscheint am 18. März!
Mit Stefanie Sargnagel im Wiener Gürtel-Kaffeehaus Weidinger07 Mar 202400:44:21
Iowa - ein Ausflug nach Amerika. So heisst das neue Buch von Stefanie Sargnagel. Die Bestsellerautorin aus Österreich hat einen Arbeitsaufenthalt im Mittleren Westen, bei dem sie von der Berliner Musikerin Christiane Rösinger begleitet worden ist, zu einem Buch gemacht. Heraus kam eine Art Reisereportage im unverwechselbaren Sargnagel-Stil (lakonisch, witzig, mit dem Blick für´s Absurde, aber auch das Soziale), Frauen-WG-Report und Expedition in das echte Amerika. Stephan Ozsváth ist mit der Wienerin abgetaucht in ihre Kindheit am Wiener Gürtel, ihre kollektive Schreibpraxis im Kaffeehaus und die Abgründe menschlicher Existenz bei der Telefonauskunft. Das Buch Stefanie Sargnagel: Iowa - ein Ausflug nach Amerika. Rowohlt Berlin. 304 Seiten. 22,00 Euro. Der Ort Café Weidinger, Lerchenfelder Gürtel 1, Wien, 16.Bezirk. Schreibort und Wohnzimmer von Stefanie Sargnagel. Die Autorin Stefanie Sprengnagel, Künstlername Sargnagel, wurde 1986 in Wien als Tochter einer Krankenschwester und eines Installateurs geboren, wuchs bei der Mutter auf. Schule und Kunststudium brach sie ab. Als Cartoonistin hat sie unter anderem für das Wiener Stadtmagazin "Falter" gezeichnet. In mehreren Büchern hat sie ihren früheren Brotjob im Call-Center beschrieben. Sie ist Mitbegründerin der feministischen Parodie-Burschenschaft "Hysteria", der rechtsextreme Männerbünde persifliert. Auch zwei Filme gibt es über sie. Ihr Markenzeichen ist eine rote Baskenmütze und ein derber Humor. Stefanie Sargnagel empfiehlt die Wiener Autorin Puneh Ansari. Von ihr sind bei Mikrotext bisher erschienen: Hallo Everybody, 2023 Hoffnun´, 2017 Stephan empfiehlt: Least Heat Moon, Blue Highways. Eine Reise in Amerika. Suhrkamp 1989. Antiquarisch. Podcast-Tipp Im Auge des Sturms - das Kapitol am 6.Januar 2021. WDR-Dokudrama 2024 https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/hoerspiel-am-sonntag/sturm-auf-das-kapitol-108.html
Mit Hans-Gerd Koch im Fotoalbum der Kafkas29 Feb 202400:49:08
In Berlin kann man jetzt im Fotoalbum der Familie Kafka spazieren gehen: Der Kafka-Forscher und Autor Hans-Gerd Koch hat Originalfotos von Franz Kafka im Kreis seiner Familie zusammengestellt. Bevor die Ausstellung in der Staatsbibliothek Unter den Linden offiziell die Tore öffnete, hat er Anne-Dore durch die Räume geführt. Sie sprechen über Kafkas Verhältnis zu seiner Familie, betrachten das vermutlich letzte Foto, das von Kafka aufgenommen wurde (im Kaufhaus Wertheim in Berlin), und Hans-Gerd Koch erzählt, warum er auch fast schon zur Familie Kafka gehört. Das Buch Das Begleitbuch mit Fotos und Texten von Frank Kafka ist zeitgleich im Wagenbach Verlag erschienen: Hans-Gerd Koch "Kafkas Familie. Ein Fotoalbum", Wagenbach Verlag, 208 Seiten, etwa 200 Fotografien und Auszüge aus Briefen und Tagebüchern. Die Ausstellung Die Ausstellung "Das Fotoalbum der Familie Kafka" im Kulturwerk der Staatsbibliothek Unter den Linden ist vom 1. März bis zum 2. Juni zu sehen, der Eintritt ist frei. https://stabi-kulturwerk.de/portfolio-item/kafka Der Autor Hans-Gerd Koch, Jahrgang 1954, ist Literatur- und Editionswissenschaftler. U.a. hat er die Briefbände und die Kritische Gesamtausgabe Franz Kafkas herausgegeben. Er ist Leiter des Karl Rauch Verlags und hat zahlreiche Bücher publiziert, u.a. "Als Kafka mir entgegenkam" und "Kafka in Berlin" (beides Wagenbach Verlag).
Mit Michael Köhlmeier im Wiener Literatencafé "Sperl"22 Feb 202400:43:23
In den 1920er Jahren schickten die Bolschewiki Hunderte Intellektuelle auf sogenannten "Philosophenschiffen" ins Exil, um sie später nicht umbringen zu müssen, wie Trotzki erklärte. Auf einem solchen Schiff ist auch die Hauptfigur des Romans, eine 14-Jährige aus St.Petersburg, die mit ihren Eltern ins Exil geht. Auf dem Oberdeck entdeckt sie einen prominenten Fahrgast: Es ist Lenin selbst. Sie wird Zeuge des – fiktiven – Mordes an Lenin. In den Gesprächen mit ihm entpuppt er sich als paranoider alter Mann, gezeichnet von Schlaganfällen und Misstrauen. Mittlerweile ist aus der 14-Jährigen eine greise Stararchitektin geworden. In Rückblenden erzählt sie im vornehmen Wiener Bezirk Hietzing einem Schriftsteller – dem Alter Ego Michael Köhlmeiers - ihr bewegtes Leben. Stephan Ozsváth spricht mit dem Autor Michael Köhlmeier über seinen neuesten Roman "Das Philosophenschiff", wieviel Lenin in Putin steckt, das Leben als Schriftstellerpaar und den frühen Tod seiner Tochter Paula. Das Buch Michael Köhlmeier "Das Philosophenschiff", Hanser-Verlag, 224 Seiten, 24,00 Euro. Der Ort: Das Wiener "Café Sperl". Hier traf Köhlmeier einst Robert Menasse zum Frühstück, Elfriede Jelinek besuchte es, und hier trafen sich Vater Köhlmeier und seine früh verstorbene Tochter Paula, die damals in Wien studierte. Der Autor: Der 74-jährige Michael Köhlmeier lebt mit seiner Frau Monika Helfer in Hohenems (Vorarlberg) und in Wien. Auch sie ist Autorin. Köhlmeier hat in Marburg/Lahn studiert, er hat Musik und Radio gemacht, mit seinen Büchern hat er zahlreiche Preise gewonnen. Köhlmeier zählt zu den bekanntesten Autoren Österreichs. Immer wieder mischt er sich auch in die Tagespolitik ein. Zum Holocaust-Gedenktag 2018 hielt er eine Brandrede im Wiener Parlament, in der er vor den "kleinen Schritten" hin zu einem autoritären Regime warnte. Damals regierten die Konservativen unter Kanzler Kurz mit der Rechtsaußen-Partei FPÖ. Michael Köhlmeier empfiehlt: Richard Ford: Valentinstag, Hanser Berlin, 384 Seiten, 28 Euro. Stephan empfiehlt: Lisa Weeda: Aleksandra, Kanon-Verlag, 288 Seiten, 25 Euro. Podcast-Empfehlung: "Ostausschuss der Salonkolumnisten" auf Apple Podcasts https://podcasts.apple.com/de/podcast/ostausschuss-der-salonkolumnisten/id1641873299
Nachtspaziergang mit Alem Grabovac 15 Feb 202400:49:01
Smilja träumte eigentlich von einem angenehmen Ruhestand, nach einem Leben als jugoslawische Gastarbeiterin am Fließband, begleitet von zweifelhaften Männern. Der Vater von Alem Grabovac ist ein bosnischer Säufer und Taschendieb und für die Kinderbetreuung denkbar ungeeignet. Und so gibt Smilja ihren Sohn Alem zu deutschen Pflegeeltern. Ein neuer Mann taucht auf, Dušan. Er säuft, er ist gewalttätig. Als er stirbt, bricht Smiljas Welt zusammen. Sie hört seinen Geist im Schrank, wendet sich einem kroatischen Wunderheiler zu, der vorgibt, nur durch seinen Blick zu heilen. Ein Buch über Heimat, Hoffnungen, und Herausforderungen in der Fremde. Das Buch Alem Grabovac: "Die Gemeinheit der Diebe", Hanserblau, 240 Seiten, 24,00 Euro.   Buchpremiere | 20.02.2024 | 19:00 Uhr Buchhandlung Ocelot, Brunnenstraße 181, 10119 Berlin Der Ort Mauergedenkstätte und Mauerpark, Bank vor der Notaufnahme in der Kastanienallee Der Autor:   Alem Grabovac ist 1974 in Würzburg geboren. Seine Mutter ist Kroatin, sein Vater war Bosnier. Alem Grabovac hat in München, London und Berlin Soziologie, Politologie und Psychologie studiert. Er lebt mit seiner Familie in Berlin. Er schreibt auch für Zeitungen und führt als kulinarisch-kultureller Stadtführer durch seinen Bezirk Prenzlauer Berg. Sein Debütroman "Das achte Kind" wurde ein großer Erfolg. Darin verarbeitet er seine Geschichte als Pflegekind in einer deutschen Familie mit Nazi-Pflegevater und kroatischem Partisanengroßvater. Stephan empfiehlt:   Tijan Sila: "Radio Sarajevo", Hanser Berlin, 176 Seiten, 22,00 Euro. Damir Ovčina: "Zwei Jahre Nacht", Rowohlt Berlin, 752 Seiten, 26,00 Euro. Alem empfiehlt:   Marcel Proust: "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", Suhrkamp Verlag, 5200 Seiten, 55,00 Euro.
Mit Mely Kiyak im Maxim-Gorki-Theater08 Feb 202400:43:31
Mely Kiyak ist gerade in aller Munde, weil die Schriftstellerin 2022 gesammelte Kolumnen unter dem Titel: "Werden Sie uns mit dem FlixBus deportieren?" veröffentlicht hat. Darin denkt sie über Rechtsextremismus, rechte Radikalisierung und ihre Folgen nach, lange bevor die Correctiv-Recherchen öffentlich geworden sind. Das Buch zur Stunde, sagen gerade viele. Mely Kiyak aber hat aufgehört, politische Kolumnen zu schreiben. Warum, erzählt sie Nadine im Maxim-Gorki-Theater, dem Ort, dem sie sich künstlerisch und menschlich verbunden fühlt. Vor allem aber reden die beiden über Melys neuen Roman: "Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an". Nach "Frausein" von 2020 erzählt die Schriftstellerin hier von einer Vater-Tochter-Beziehung und dem Kampf gegen Krebs. Das Buch: Mely Kiyak "Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an", Hanser, 224 Seiten, 23,00 Euro. Die Autorin: Mely Kiyak ist Autorin von Büchern und Theatertexten. Bei Zeit Online erscheint ihre Serie "Gute Momente", für das Gorki-Theater schreibt sie "Kiyaks Theater Kolumne". Für ihre Arbeit wurde Mely Kiyak vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Theodor-Wolff-Preis und dem Kurt-Tucholsky-Preis. Zuletzt erschienen bei Hanser "Frausein" (2020) und "Werden sie uns mit FlixBus deportieren?" (2022).  
Im Hinterhof mit Maria Bidian08 Aug 202400:47:07
Wie starb Vater? Dieser Frage geht Ana nach, die Protagonistin in Maria Bidians Debütroman "Das Pfauengemälde". Sie macht sich auf zur Familie nach Siebenbürgen, in die Zwischenwelten von Familie und Securitate-Akten. Die Familie bekommt das enteignete Haus zurück, aber sie interessiert sich vor allem für "Das Pfauengemälde", von dem der Vater immer erzählt hat, während die Menschen für ein europäisches, modernes Europa auf die Straße gehen. Ein kunstvoll komponierter Roman über Liebe, Verrat, Freundschaft und demokratischen Aufbruch. Stephan Ozsváth empfiehlt Catalin Partenie: "Die Goldene Höhle", 176 Seiten, Hoffmann und Campe. Maria Bidian empfiehlt Dorothee Riese: "Wir sind hier für die Stille", 240 Seiten, Berlin-Verlag. Das Buch von Maria Bidian, über das wir im Podcast reden Maria Bidian: "Das Pfauengemälde", 320 Seiten, Zsolnay. Der Ort Der Hinterhof des "Café Cinema” neben den Hackeschen Höfen. Hier hat Maria Bidian zu Beginn ihrer Berliner Zeit ihre Absacker nach der Arbeit im Theater getrunken. Der Autor Maria Bidian ist Deutsch-Rumänin, sie ist 1988 in Mainz geboren, hat am Literaturinstitut Hildesheim und Schauspiel studiert. Sie lebt in Berlin und einem kleinen Dorf in Siebenbürgen. In Berlin hat sie an der Garderobe eines Varieté-Theaters gejobbt, Werbetexte und Portraits für Zeitungen geschrieben. "Das Pfauengemälde" ist ihr erster Roman. Er hat 320 Seiten und ist bei Zsolnay erschienen., 24,00 Euro.
Mit Lene Albrecht auf den Spuren des Kolonialismus am May-Ayim-Ufer in Berlin01 Feb 202400:45:37
Die Spuren des Kolonialismus sind auch in Berlin überall zu finden – wenn man danach sucht. Die Schriftstellerin Lene Albrecht zeigt Nadine eine Anlegestelle aus dem 19. Jahrhundert am Spreeufer in Friedrichshain-Kreuzberg. Von hier legten einst Boote ab, um Berlinerinnen und Berliner 1896 in die Kolonialausstellung im Treptower Park zu bringen, wo Menschen ausgestellt wurden wie im Zoo. Auf diese Geschichte ist Lene Albrecht bei den Recherchen zu ihrem neuen Roman "Weiße Flecken" gestoßen. Darin reist eine junge Berlinerin nach Togo um zu Fluchtursachen und Migration zu forschen und wird mit den Folgen des Kolonialismus konfrontiert. Schon bald befragt sie vor allem sich selbst und ihre Identität als weiße Europäerin. Lene Albrecht war selbst eine Zeitlang in Togo und verfolgt in ihrem Roman auch Spuren ihrer eigenen Familiengeschichte. Das Buch: Lene Albrecht, "Weiße Flecken", S. Fischer, 256 Seiten, 24,00 Euro. Die Autorin: Lene Albrecht wurde 1986 in Berlin geboren und ist in Schöneberg aufgewachsen. Lene Albrecht hat Kulturwissenschaften in Frankfurt (Oder) studiert und das Literaturinstitut Leipzig absolviert. Ihr Debütroman "Wir, am Fenster" erschien 2019. "Weiße Flecken" ist ihr zweiter Roman. Nadine empfiehlt: Dilek Güngör: "A wie Ada", Verbrecher Verlag, 112 Seiten, 20,00 Euro. Lene empfiehlt: May Ayim, Katharina Oguntoye, Dagmar Schultz (Hg.): "Farbe bekennen. Afro-Deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte", Neue Ausgabe 2020, 308 Seiten, 18,50 Euro.
Grenzgänge: Mit Iris Wolff an der Gedenkstätte Berliner Mauer25 Jan 202400:49:59
"Bücher sind Archive gegen das Vergessen", sagt Iris Wolff und kehrt selbst in ihren Romanen immer wieder zurück an Orte ihrer Kindheit: Rumänien, Siebenbürgen, ins Banat. In ihrem neuen Roman "Lichtungen§ erzählt sie von Lev und Kato und ihrer engen Verbindung über Jahrzehnte und vom Aufwachsen hinter dem Eisernen Vorhang. Wie lebt es sich in einer Diktatur? Wie sehr wird das private Leben, das Lieben davon geprägt? Und wenn eine Grenze aufgeht, sollte man sie dann überschreiten? Anne-Dore und Iris Wolff treffen sich an der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße und sprechen über Erinnerung und Recherchereisen, über Geschichten, die mitauswandern und die Frage, warum Wolff den Roman dieses Mal rückwärts erzählt hat. Am Ende steigen sie gemeinsam auf den Aussichtsturm und sehen hinab auf einen Original-Abschnitt des früheren Grenzstreifens. Das Buch: Iris Wolff "Lichtungen", Klett-Cotta, 256 Seiten, 24,00 Euro. Hörbuch beim DAV, gelesen von Marek Harloff. Der Ort: Gedenkstätte Berliner Mauer Bernauer Str. Die Autorin: Iris Wolff wurde 1977 in Hermannstadt in Siebenbürgen geboren und kam als Kind nach Deutschland. Heute lebt sie in Freiburg. Ihre Bücher: Halber Stein (2012), Leuchtende Schatten (2015), So tun, als ob es regnet (2017), Die Unschärfe der Welt (2020), Lichtungen (2024)
Mit Nataša Kramberger in der Markthalle18 Jan 202400:48:46
Die Bäume blühen zur Unzeit, die Flüsse treten über die Wasser, der Himmel öffnet seine Schleusen, Waldbrände, Stürme, Dürre, Hitze. Der Klimawandel zeigt sich überall, auch in Slowenien, wo Nataša Kramberger einen Biobauernhof betreibt und Umweltkurse veranstaltet. Im Winter lebt sie in Berlin und schreibt. Dieser Essay ist ein poetisches Plädoyer für einen partnerschaftlichen Umgang mit der Natur. Stephan Ozsváth hat die Autorin in der Marheineke-Markthalle in Berlin-Kreuzberg - auf dem Weg zu einer Lesung - getroffen. Das Buch Nataša Kramberger: "Mauerpfeffer", Verbrecher-Verlag, 128 Seiten, 16,00 Euro.  Die Autorin Nataša Kramberger ist 1983 in Maribor geboren, sie studierte Kommunikationswissenschaften in Ljubljana, lebte in Utrecht und zog 2004 nach Berlin. Schon in der Schulzeit begann die Slowenin mit dem Schreiben. 2010 gewann sie mit ihrem Romandebüt "Der Himmel in einem Brombeerbusch" den Literaturpreis der Europäischen Union. Sie schreibt Prosa, Lyrik, Essays und Zeitungsartikel. Ihr Lieblingsgenre ist die Reportage, sagt sie. Seit 2009 bewirtschaftet sie den Biobauernhof ihrer Mutter in Jurovski Dol bei Maribor. Dort hat sie das Kollektiv Zelena centrala gegründet, das das Bewusstsein für Umwelt und Kunst fördern soll. Ihr zweiter Roman "Verfluchte Misteln" erzählt vom Aufwachsen bei den Großeltern auf dem Land und wie die Autorin zur Biobäuerin wurde. Nataša empfiehlt:  Maruša Krese: "Trotz alledem", S.Fischer, 256 Seiten, 22,00 Euro. Vitomil Zupan: "Menuett für Gitarre (zu 25 Schuss)", 597 Seiten, 28,00 Euro. Stephan empfiehlt:   Marie-Luise Kaschnitz: "Der alte Garten" (erhältlich über das ZVAB) Zoltán Danyi: "Rosenroman", Suhrkamp, 441 Seiten, 26,00 Euro.
Mit der Übersetzerin Ursula Gräfe in Haruki Murakamis Welten11 Jan 202400:44:13
Am 12. Januar feiert Haruki Murakami nicht nur seinen 75. Geburtstag, er beschenkt sich und seine Leserinnen und Leser auch mit einem neuen Roman: "Die Stadt und ihre ungewisse Mauer". Ursula Gräfe überträgt seit mehr als 20 Jahren Haruki Murakamis Bücher ins Deutsche und kennt sich aus im Kosmos des japanischen Bestseller-Autors. Zusammen mit der Übersetzerin betritt Nadine Murakamis Welten – die sich fließend im magischen Raum zwischen Wirklichkeit und Irrealem bewegen. Damit ist Haruki Murakami seit Jahrzehnten weltweit erfolgreich. Was macht seine Literatur aus? Was hat es mit der geheimnisvollen Stadt im neuen Roman auf sich? Wie ist der scheue Autor so, wenn man ihn persönlich trifft? Was macht die Arbeit von Ursula Gräfe besonders knifflig? Darüber unterhalten sich Nadine und Ursula Gräfe in der virtuellen Zwischenwelt zwischen Frankfurt am Main und Berlin. Das Buch: Haruki Murakami: "Die Stadt und ihre ungewisse Mauer", 640 Seiten, DuMont Buchverlag, 34,00 Euro. Die Übersetzerin: Ursula Gräfe lebt und arbeitet in Frankfurt am Main, wo sie 1956 geboren wurde. Sie hat Japanologie und Anglistik studiert und übersetzt aus dem Jampanischen die Werke von Haruki Murakami ins Deutsche, außerdem u.a. Yukio Mishima, Hiromi Kawakami, Sayaka Murata. Für ihre Arbeit erhielt sie 2019 gemeinsam mit Nora Bierich den japanischen Noma Award for the Translation of Japanese Literature. Ursula Gräfe empfiehlt: Georgi Gospodinov: "Zeitzuflucht", aus dem Bulgarischen übersetzt von Alexander Sitzmann, Aufbau Verlag, 342 Seiten, 24,00 Euro Nadine empfiehlt: Zeruya Shalev: "Nicht ich", aus dem Hebräischen übersetzt von Anne Birkenhauer, Piper Verlag, 208 Seiten, 24,00 Euro Außerdem sprechen Nadine und Ursula Gräfe über diese Bücher: Haruki Murakami: "Hard Boiled Wonderland und das Ende der Welt", übersetzt von Amelie Ortmanns, DuMont Buchverlag, 512 Seiten, 26 Euro Haruki Murakami: "Die Chroniken des Aufziehvogels", neu übersetzt von Ursula Gräfe, DuMont Buchverlag, 1008 Seiten, 34 Euro Haruki Murakami: "Die unheimliche Bibliothek", übersetzt von Ursula Gräfe, illustriert von Kat Menschik, DuMont Buchverlag, 64 Seiten, 14,99 Euro.
Mit Jan Peter Bremer im Kreuzberger Bethanien04 Jan 202400:46:03
In seinem neuen Buch kehrt der Berliner Schriftsteller Jan Peter Bremer in seine Kindheit in die Provinz zurück – sie war die Inspiration für seinen Roman "Nachhausekommen". Ein Junge zieht mit seinen Eltern in eine Künstlerkolonie im Wendland. In der Schule wird er ausgegrenzt, Weltsichten prallen aufeinander, und es dauert lange, bis er seinen Platz findet. Ein kunstvoller, melancholisch-komischer coming-of-age Roman über ein Künstlerkind, das selbst zum Künstler wird. Anne-Dore hat Jan Peter Bremer im Kunstraum Bethanien getroffen, dort saß früher die Edition Mariannenpresse, in der 1987 Bremers erstes Buch erschien. Sie setzen sich auf die Stufen im Treppenhaus und sprechen über Kreuzberg als Sehnsuchtsort, Schreiben als Rettung und das Gefühl, an einem Ort zuhause zu sein. Der Autor Jan Peter Bremer wurde 1965 in Berlin geboren und wuchs im Wendland auf. Er wurde u.a. mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis, dem Alfred-Döblin-Preis und den Nicolas-Born-Preis ausgezeichnet. Von ihm erschienen u.a. die Romane "Feuersalamander", "Der amerikanische Investor" und "Der junge Doktorand". Der Ort Bethanien am Mariannenplatz, https://kunstraumkreuzberg.de Das Buch Jan Peter Bremer: "Nachhausekommen", Piper Verlag, 208 Seiten, 22,00 Euro. Jan Peter Bremer empfiehlt Stig Dagerman: "Deutscher Herbst", aus dem Schwedischen von Paul Berf, Guggolz Verlag, 190 Seiten, 22,00 Euro. Anne-Dore Krohn empfiehlt Nicolas Mahler: "Kafka für Boshafte", insel Verlag, 127 Seiten, 12,00 Euro.
Der große Orte und Worte Jahresrückblick in Nadines Küche28 Dec 202300:44:45
Nadine, Anne-Dore und Stephan treffen sich diesmal in Nadines Küche und lassen bei Erbsenrahmsuppe, Rotkohl-Pilz-Strudel und Cremant das Literaturjahr an sich vorüberziehen. Sie erinnern sich an Begegnungen mit Autorinnen und Autoren wie Paul Maar, Judith Hermann oder Ulrike Draesner. Sie sprechen über ihre Literatur-Highlights 2023 und über Themen, die sie bewegt haben in 36 Folgen Orte und Worte. Jede Menge Büchertipps haben die drei auch versteckt und Anne-Dore hat extra eine Orte-und-Worte-Torte gebacken. Bücher dieser Folge: Johanna Sebauer: "Nincshof", DuMont, 368 Seiten, 23,00 Euro Paul Maar: "Wie alles kam. Roman meiner Kindheit", S. Fischer, 304 Seiten 50 Jahre "Das Sams" – Die Sams-Bücher sind bei Oetinger erschienen. Caroline Schmitt: "Liebewesen", Eichborn, 221 Seiten, 20,00 Euro. Judith Hermann: "Wir hätten uns alles gesagt" , S. Fischer, 192 Seiten, 23,00 Euro. Daniel Wisser: "0 1 2", Suhrkamp, 448 Seiten. Ulrike Draesner "Die Verwandelten", Penguin Verlag, 608 Seiten, 26,00 Euro. Haruki Murakami: "Die Stadt und ihre ungewisse Mauer", aus dem Japanischen übersetzt von Ursula Gräfe, DuMont, 640 Seiten, 34 Euro, erscheint am 12. Januar 2024. Iris Wolff: "Lichtungen", Klett Cotta, 256 Seiten, erscheint am 13. Januar 2024. Nataša Kramberger: "Mauerpfeffer", Verbrecher Verlag, 126 Seiten, aus dem Slowenischen von Liza Linde, 16,00 Euro.
Mit Simone Hirth in der Stadtteilbibliothek in Wien-Meidling 21 Dec 202300:40:05
Gott als Stalker, der per SMS ein schlechtes Gewissen macht, Adam als Gewalttäter, Eva als schwangeres Opfer in einer Gewaltbeziehung, aus der sie ausbricht. Simone Hirth schreibt in ihrem aktuellen Roman "Malus" die Bibelgeschichte von der Vertreibung aus dem Paradies in einen modernen Kontext um. Der Hintergrund ist ein ernster: Denn jede dritte Frau wird im Lauf ihres Lebens Opfer von Gewalt. Täter sind meist Nahestehende. In Simone Hirths Roman geht es um weibliche Emanzipation, die Deutsche will "Sand ins Getriebe bringen". Seit einigen Jahren lebt sie mit ihrem Sohn in einem kleinen Ort in Niederösterreich. Stephan Ozsváth hat sie in der Stadtteilbibliothek von Wien-Meidling getroffen - Schauplatz, Inspirationsquelle und Ort der Stille. Das Buch: Simone Hirth: Malus, Kremayr & Scheriau, 176 Seiten, 24,00 Euro. Die Autorin:   Simone Hirth wurde 1985 in Freudenstadt geboren, seit 2012 lebt sie in Österreich, mittlerweile in Kirchstetten in Niederösterreich. Sie hat am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig studiert und eine Ausbildung zur Bibliothekarin gemacht. „Malus“ ist ihr dritter Roman. Sie gewann zahlreiche Preise und Stipendien. Der Ort: Bücherei Philadelphia-Brücke, Wien-Meidling; Stephan empfiehlt:   Tatiana Tibuleac: Der Garten aus Glas. Schöffling&Co., 272 Seiten, 25 Euro Simone empfiehlt:   Alba de Céspedes: Das verbotene Notizbuch. Insel, 301 Seiten, 24 Euro. Podcast-Tipp: "Im Visier": Manga-Mord – Tod einer Schülerin in Eichwalde https://www.ardaudiothek.de/episode/im-visier-verbrecherjagd-in-berlin-und-brandenburg/manga-mord-tod-einer-schuelerin-in-eichwalde/rbb24/12939959/
Mit Hallgrímur Helgason im Berliner Aquarium14 Dec 202300:36:31
Hallgrímur Helgason ist in Island berühmt und hat mittlerweile auch in Deutschland viele Fans. In seinem neuen Roman "60 Kilo Kinnhaken" erzählt der Autor, Maler und frühere Stand-Up-Comedian davon, wie Anfang des 20. Jahrhunderts die Heringe nach Island kommen und mit ihnen der Wohlstand und die Moderne. Innerhalb kurzer Zeit wurde aus einem rückständigen Fjord-Dorf eine boomende Industriestadt. Nadine hat sich mit Hallgrímur Helgason im Aquarium in Berlin getroffen. Umgeben von Fischen haben sie über seine Recherchen im Schneesturm gesprochen, über Heringe, Haie, das Island von heute und Bücher. Ein Löwe taucht auch auf – zur Freude von Hallgrímur. Das Buch: Hallgrímur Helgason "60 Kilo Kinnhaken" ,Klett Cotta, 672 Seiten, 26€, Aus dem Isländischen von: Karl-Ludwig Wetzig Der Autor: Hallgrímur Helgason, geboren 1959 in Reykjavík, hat dort Kunst studiert und ein Jahr an der Kunstakademie in München verbracht. 1996 feierte er seinen Durchbruch als Schriftsteller mit "101 Reykjavík". "60 Kilo Kinnhaken" ist der zweite Teil einer dreibändigen Island-Saga. Helgason ist einer der international erfolgreichsten Schriftsteller Islands. Hallgrímur Helgason empfiehlt: Toni Morrison: "Menschenkind" ("Beloved"), übersetzt von Thomas Piltz und Helga Pfetsch. rowohlt. 14,00 Euro. Beloved, ungekürztes Hörbuch, gelesen von Toni Morrison, Random House Audio. Nadine empfiehlt: Benjamín Labatut: "Maniac", aus dem Englischen übersetzt von Thomas Brovot, 395 Seiten, Suhrkamp. 26,00 Euro.
Mit Christoph Peters in der Akademie der Künste 07 Dec 202300:52:28
Christoph Peters hat mit seinem neuen Roman eine pointierte und hinreißend bissige Momentaufnahme der Berliner Kunst- und Kulturszene geschrieben, ein vielstimmiges Kaleidoskop mit zahlreichen Figuren. Der Roman spielt am 9.11.2021 – an diesem Tag wird abends in der Akademie der Künste ein großer Literaturpreis an einen französischen Starautor verliehen, der Knotenpunkt, der alle und alles zusammenhält. Christoph und Anne-Dore treffen sich in der Akademie der Künste und rücken sich zwei Stühle an die großen Fenster zum Pariser Platz. Sie sprechen über Wolfgang Koeppen, dessen Nachkriegstrilogie Christophs Inspirationsquelle war, über die Lebendigkeit der vielen Figuren, und Christoph erklärt, warum er den selben Parka wie Michel Houellebecq trägt. Der Ort: Akademie der Künste am Pariser Platz Das Buch: Christoph Peters: "Krähen im Park", Luchterhand 2023, 320 Seiten, 24,00 Euro. Der erste Band "Der Sandkasten!" ist 2021 erschienen (Luchterhand, 256 Seiten, 22,00 Euro) Der Autor: Christoph Peters wurde 1966 in Kalkar am Niederrhein geboren und studierte nach dem Besuch des Bischöflichen Internatsgymnasiums "Collegium Augustinianum Gaesdonck" Malerei an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe, 1993 als Meisterschüler. Er lebt als freier Schriftsteller in Berlin. U.a. erschienen von ihm "Dorfroman" (2020), "Selfie mit Sheik" (2017), "Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln" (2014) und "Wir in Kahlenbeck" (2012). Christoph empfiehlt: Jenifer Becker: "Zeiten der Langeweile", Hanser Berlin, 240 Seiten, 23,00 Euro. Anne-Dore empfiehlt: Nicolas Mahler: "Komplett Kafka", Suhrkamp 2023, 127 Seiten, 18,00 Euro. Podcast-Tipp: Tolstois Krieg und Frieden – Hörspiel in 35 Teilen https://www.ardaudiothek.de/sendung/tolstois-krieg-und-frieden-hoerspiel-in-35-teilen/12935987/
Mit Deniz Utlu im Medizinhistorischen Museum Berlin30 Nov 202300:43:44
Deniz Utlu erzählt in seinem neuen Roman "Vaters Meer" vom Locked-In-Syndrom. Seine Hauptfigur Yunus ist 13, als sein Vater nach zwei Schlaganfällen ohne Sprache, aber bei vollem Bewusstsein, eingeschlossen im eigenen Körper zurückbleibt. Alles, was er noch bewegen kann, sind die Augen. Deniz Utlu stellt in seinem Buch nicht die Krankheit in den Mittelpunkt, sondern den Versuch des Sohnes, sich an den Vater zu erinnern und von ihm zu erzählen. Der Schriftsteller, der in Berlin lebt, arbeitet eigene Erfahrungen auf. Sein Vater litt unter dem Locked-In-Syndrom. Nadine und Deniz besuchen die Ausstellung "Das Gehirn in Wissenschaft und Kunst" im Medizinhistorischen Museum und unterhalten sich über ein Kunstwerk zum "Locked-In-Syndrom", über Buchstaben unter Weingläsern, Erinnerungsarbeit, das Schreiben und Bücher. Das Buch: Deniz Utlu "Vaters Meer", 384 Seiten, 25 Euro. Tipp: Lesung in Berlin: am 3.12. ist Deniz Utlu im Gespräch mit Fatma Aydemir und SashaMarianna Salzmann zu seinem Buch "Vaters Meer" im Maxim Gorki Theater in Berlin https://www.suhrkamp.de/lesung/deniz-utlu-v-43146 Und: ab Januar 2024 ist "Vaters Meer" als Lesung bei rbb Kultur zu hören. Der Autor: Deniz Utlu, geboren 1983 in Hannover, lebt in Berlin. 2014 veröffentlichte er seinen ersten Roman: "Die Ungehaltenen", 2019 folgte "Gegen Morgen". 2021 hat er für das Manuskript von "Vaters Meer" den Alfred-Döblin-Preis erhalten. In diesem Jahr war er zum Bachmann-Wettbewerb eingeladen. "Vaters Meer" ist mit dem Bayerischen Buchpreis 2023 ausgezeichnet worden. Nadine empfiehlt: Marica Bodrožić: "Mystische Fauna. Von der Liebe der Tiere". 166 Seiten, Matthes & Seitz Berlin. Deniz empfiehlt: Jean-Dominique Bauby:"Schmetterling und Taucherglocke", aus dem Französischen übersetzt von Uli Aumüller, Hanser, 134 Seiten, 18,00 Euro. Virginie Despentes: "Liebs Arschloch", aus dem Französischen übersetzt von Ina Kronenberger und Tatjana Michaelis, Kiepenheuer & Witsch, 336 Seiten, 24,00 Euro. Theodor W. Adorno: "Erziehung zur Mündigkeit - Vorträge und Gespräche mit Hellmut Becker 1959 bis 1969", Suhrkamp, 160 Seiten, 10,00 Euro. Podcast-Tipp: https://www.ardaudiothek.de/sendung/deep-doku/10731189/
Mit Ingo Schulze an der Currywurstbude01 Aug 202400:43:40
Der Schriftsteller Ingo Schulze ist bekannt für Erzählungen und Romane, die die DDR, die Wende- und Nachwendezeit aus Ost-Perspektive verhandeln. Etwa in "Simple Stories", "Neue Leben", "Adam und Evelyn" oder zuletzt "Die rechtschaffenen Mörder". Diesmal ist er tief in den Westen gereist, ins Ruhrgebiet. Ein halbes Jahr lang hat der 1962 in Dresden geborene Autor als "Metropolenschreiber Ruhr" in Mühlheim gelebt. Aus Begegnungen, Beobachtungen und Erkundungen ist das Buch "Zu Gast im Westen" entstanden. Natürlich war der Fußballfan Ingo Schulze auch im Stadion und er hat sich Currywurst Pommes schmecken lassen, das "Nationalgericht" des Ruhrpotts – und Berlins. Da lag es für Nadine nahe, sich mit Ingo Schulze auf eine Currywurst zu verabreden, um nicht nur über das Buch, sondern auch darüber zu reden, warum es immer noch eine Rolle spielt, ob jemand aus West- oder Ost-Deutschland kommt, und wie der Krieg in der Ukraine Ingo Schulze auf einem Kriegsgräberfriedhof in Mühlheim an der Ruhr eingeholt hat. Nadine Kreuzahler empfiehlt Pajtim Statovci "Meine Katze Jugoslawien", aus dem Finnischen von Stefan Moster, 320 Seiten, Luchterhand Literaturverlag. Ingo Schulze empfiehlt Olga Martynova "Gespräch über die Trauer", 304 Seiten, S. Fischer Verlag Olga Martynova "Such nach dem Namen des Windes", Gedichte. S. Fischer Verlag Das Buch von Ingo Schulze, über das wir im Podcast reden Ingo Schulze "Zu Gast im Westen. Aufzeichnungen aus dem Ruhrgebiet", 344 Seiten, Wallstein Verlag. Der Ort "Curry 36", Mehringdamm 36, Berlin Kreuzberg Der Autor Ingo Schulze, geboren 1962 in Dresden, lebt seit Mitte der 90er Jahre in Berlin. Seine Bücher wurden vielfach ausgezeichnet. Zuletzt erschienen die Romane "Peter Holtz" (2017) und "Die rechtschaffenen Mörder" (2020), die Erzählungen "Tasso im Irrenhaus" (2021) und der Essayband "Der Amerikaner, der den Kolumbus zuerst entdeckte …" (2022). Seit November 2023 ist Ingo Schulze Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.
Mit Daniel Wisser auf dem Wiener Kahlenberg23 Nov 202300:49:21
Erik Montelius hat sich einfrieren lassen. Vielleicht gibt es ja später einmal Heilung für den an Krebs erkrankten Computerexperten. 30 Jahre später wird der Eingefrorene aufgetaut und erlebt eine Wiederauferstehung, die alle Beteiligten irritiert: Seine Frau ist mittlerweile mit seinem früheren Geschäftspartner verheiratet und nicht nur um 30 Jahre gealtert, sondern auch spießiger geworden. Alle benutzen Smartphones, Laubbläser und fahren in riesigen SUVs - für Montelius ein ökologischer Alptraum. Er ist einem Verrat auf der Spur. Die Medien machen ihn berühmt, die Geschichte seiner Wiederauferstehung macht ihn reich, aber die Uhr lässt sich nicht zurückdrehen. Wie viel Zukunft hat er? Hat er noch genug Zeit für seine Rache, die süß ist … so süß wie ein Baby mit der Tochter seines früheren Geschäftspartners? Ein Schelmenroman der Extraklasse. Das Buch: Daniel Wisser: "012", Luchterhand, 447 Seiten, 25,00 Euro Der Autor: Daniel Wisser ist 1971 in Klagenfurt geboren, aber im Burgenland aufgewachsen. Er nennt sich selbst "Sozialist", mischt sich auch mit Kolumnen in politische Tagesdebatten ein, er fordert Bündnisse aller Demokraten, um die große Errungenschaft der liberalen Demokratie gegen Rechts zu verteidigen. Ein Gewinn in einer Quizshow erlaubte ihm, seinen IT-Job an den Nagel zu hängen und nur noch als Autor zu arbeiten. Mit dem "Ersten Wiener Heimorgelorchester" vertont er auch Gedichte - etwa seines Kollegen Clemens Setz. Im Januar 2024 erscheint ein neues Album der Band. Daniel empfiehlt: Marjana Gaponenko: "Der Dorfgescheite", C.H.Beck, 287 Seiten, 22,00 Euro. Stephan empfiehlt: Christoph Salcher: "Ich und Kehlmann", Milena, 220 Seiten, 22,00 Euro.
Mit Valery Tscheplanowa hinter den Kulissen am Deutschen Theater16 Nov 202300:44:32
Vorhang auf für Valery Tscheplanowa! Die Schauspielerin hat ihren ersten Roman geschrieben. "Das Pferd im Brunnen" erzählt das Leben von Ur-Großmutter, Oma, Mutter und Enkelin. Vier Generationen von Frauen zwischen der Sowjetunion, Russland und Deutschland, zwischen unterschiedlichen Systemen und Lebensentwürfen. Das Buch ist von Valerys eigener Biografie geprägt. Mit acht Jahren kam sie 1980 aus Kasan nach Norddeutschland. Heute ist sie eine gefeierte Schauspielerin und lebt in Berlin. Sie nimmt Nadine mit ans Deutsche Theater, wo sie 2006 ihre Karriere startete. Gemeinsam gehen die beiden die Wege, die Valery Tscheplanowa immer gegangen ist, öffnen noch einmal die Tür zur "Hamlet"-Maschine, saugen die Gerüche von Kantine und Requisiten ein und machen es sich in der Garderobe bequem. Immer dabei: Valerys Hund, der Pudel Juri Gagarin. Das Buch: Valery Tscheplanowa: "Das Pferd im Brunnen", 192 Seiten, 22,00 Euro, Rowohlt. Die Autorin: Valery Tscheplanowa wurde 1980 in Kasan, damals noch UDSSR, geboren und kam im Alter von acht Jahren mit ihrer Mutter nach Deutschland. Sie studierte Puppenspiel und Schauspiel in Berlin und Dresden und ist heute eine gefeierte Schauspielerin. 2017 wurde sie von Theater Heute für ihre Rolle in Frank Castorfs "Faust" als Schauspielerin des Jahres ausgezeichnet. Seit einigen Jahren steht sie nur noch selten auf der Bühne, sondern dreht vor allem für Kino und Fernsehen. "Das Pferd im Brunnen" ist ihr erster Roman. Valery empfiehlt: Eva Menasse: "Alles und nichts sagen. Vom Zustand der Debatte in der Digitalmoderne", 192 Seiten, Kiepenheuer & Witsch, 22,00 Euro. Nadine empfiehlt: Inger Maria Mahlke: "Unsereins", Roman, 496 Seiten, Rowohlt, 26,00 Euro
Im Bett mit Theresia Enzensberger25 Jul 202400:45:06
Für diese Folge von "Orte und Worte" legen sich Anne-Dore und Theresia Enzensberger ins Bett - schließlich hat die Autorin ihr neues Buch über das "Schlafen" geschrieben. Nach ihren erfolgreichen Romanen "Blaupause" und "Auf See" begibt sich die "Schlaflosigkeitsveteranin" jetzt auf einen philosophischen, politischen und kunsthistorischen Streifzug durch die Nacht. Zum Beispiel geht sie der Frage nach, inwiefern das Schlafen – je nach Blickwinkel - ein unproduktiver Zustand oder ein subversiver Akt ist. Anne-Dore und Theresia Enzensberger legen sich in einem Berlin-Neuköllner Bettengeschäft in die Horizontale und sprechen über das Träumen, das Nichtschlafen und das Schlafen als Leerstelle, Schwäche und Thema der Kunst. Das Buch Theresia Enzensberger: "Schlafen", erschienen in der Reihe "das Leben lesen" bei Hanser Berlin, 112 Seiten, 20,00 Euro Die Autorin Theresia Enzensberger wurde 1986 in München geboren und lebt in Berlin. Sie arbeitet als Journalistin, Essayistin und Autorin. 2017 erschien "Blaupause", 2022 "Auf See". Der Ort MFO Matratzen, Berlin Hermannplatz Theresia empfiehlt Haytham El Wardany: "The Book of Sleep", translated into English by Robin Moger, Seagull Books 2020. Anne-Dore empfiehlt Louise de Vilmorins: "Belles Amours", aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky, Dörlemann, 200 Seiten, 22,00 Euro.
Mit Jan Schomburg in einer Hypnosepraxis 18 Jul 202400:45:49
Hypnose ist nicht gleich Hypnose – sagt die Hypnosetherapeutin Flora Schoeller. Bei ihr hat der Filmemacher, Drehbuchautor und Schriftsteller Jan Schomburg nicht nur für seinen Roman "Die Möglichkeit eines Wunders" recherchiert, sondern auch ausprobiert, ob Hypnose bei seiner Hypochondrie hilft. Die Antwort darauf bekommt ihr in dieser Folge. Gemeinsam mit Nadine besucht Jan Schomburg die Praxis erneut und die beiden lassen sich von Flora Schoeller hypnotisieren. Sie sprechen aber natürlich auch über "Die Möglichkeit eines Wunders". In seinem Roman erzählt Jan die skurrile Lebensgeschichte des Arztes und Hypnosetherapeuten Albert von Schrenck-Notzing. Er wollte um 1900 mysteriösen Phänomenen auf den Grund gehen - schwebenden Tischen, Klopfgeräuschen, Ektoplasma – und veranstaltete auch Séancen, bei denen die Bohème Münchens zusammenkam. Auch Thomas Mann nahm mehrfach daran teil und machte den "Geisterbaron" Schrenck-Notzing zu einer Figur in seinem Roman "Der Zauberberg". Nadine Kreuzahler empfiehlt Unda Hörner: "Solange es eine Heimat gibt. Erika Mann", 250 Seiten, Verlag Ebersbach & Simon Jan Schomburg empfiehlt Emmanuel Carrère: "Limonow", aus dem Französischen von Claudia Hamm, 414 Seiten, Matthes & Seitz Verlag Berlin. Françoise Sagan: "Blaue Flecken auf der Seele", aus dem Französischen von Eva Brückner-Pfaffenberger, 144 Seiten, Wagenbach Verlag. Das Buch von Jan Schomburg, über das wir im Podcast reden Jan Schomburg: "Die Möglichkeit eines Wunders", 268 Seiten, dtv. Der Ort Hypnos Zentrum für Hypnose in Berlin-Mitte Der Autor Jan Schomburg, geboren 1976, ist Filmemacher, Drehbuchautor und Schriftsteller. Gemeinsam mit Maria Schrader, die auch seine Lebensgefährtin ist, schrieb er die Drehbücher zum preisgekrönten Kinofilm "Vor der Morgenröte" und "Ich bin dein Mensch". Er lebt in Berlin. "Die Möglichkeit eines Wunders" ist sein zweiter Roman.
Mit Caroline Wahl am Wasser in Potsdam 11 Jul 202400:46:13
Wenn man Caroline Wahl trifft, sollte das Wasser in der Nähe sein. Schwimmrituale spielen in beiden ihrer Bestseller eine Rolle: In "22 Bahnen" zieht Tilda konzentrierte Bahnen im Schwimmbad, im zweiten Roman wirft sich ihre Schwester Ida auf Rügen grenzüberschreitend in die Ostsee. Die Autorin nennt sich "im Herzen ein Küstenkind" und ist inzwischen selbst ans Meer gezogen. Mit "Windstärke 17" ist sie gerade auf Lesereise, u.a. in Potsdam, wo Anne-Dore sie am Jungfernsee trifft. Sie sprechen über die wütenden, traurigen, jungen Frauen, über die Wahl schreibt, über ihren Glauben an das Gute im Menschen und über Wahls enormen Erfolg: Vom ersten Buch hat sie sich ein Cabrio, vom zweiten einen Wohnwagen gekauft. Der steht in Holland – natürlich mit Blick aufs Meer. Das Buch von Caroline Wahl, über das wir im Podcast reden Caroline Wahl “Windstärke 17”, 256 Seiten, DuMont. Die Autorin Caroline Wahl wurde 1995 in Mainz geboren und arbeitete in verschiedenen Verlagen, bevor sie den Bestseller "22 Bahnen" schrieb. Sie lebt in Rostock und zieht demnächst nach Kiel. Caroline Wahl empfiehlt: Margit Mössmer: "Das Geheimnis meines Erfolgs", Leykam, 288 Seiten, 24 Euro. Anne-Dore empfiehlt: Dana Grigorcea: "Das Gewicht eines Vogels beim Fliegen", Penguin, 224 Seiten, 24 Euro. Der Ort Jungfernsee in Potsdam Jungfernsee | Landeshauptstadt Potsdam
Mit Marc-Uwe Kling unter Bäumen im Verlagsgarten04 Jul 202400:45:55
Die Idee spukte schon seit Monaten in seinem Kopf herum und musste endlich raus: so erinnert sich Marc-Uwe Kling an den Moment, als er seinem Verleger unter hohen Bäumen im Innenhof des Ullstein-Gebäudes in der Berliner Friedrichstraße zum ersten Mal davon erzählte, dass er einen Krimi schreiben wollte. Ein ganz neues Genre für den Schöpfer des Kängurus und der dazugehörigen Bücher und Filme. Das Ergebnis: "Views". Ein Page-Turner, der sich vielen politischen Themen und Krisen widmet: der Polarisierung der Gesellschaft, Deepfakes, Rechtspopulismus. Früher gab der Lesebühnenmacher, Kabarettist, Schriftsteller, Liedermacher und Regisseur selten bis nie Interviews. In diesen Zeiten aber, sagt er, sei es wichtig, sich mit den zur Verfügung stehenden Mitteln für die Demokratie zu engagieren. Mit Nadine unterhält er sich über Politik, soziale Medien, die Verantwortung als Künstler, übers Schreiben und über Bücher. Das Buch von Marc-Uwe Kling, über das wir im Podcast reden Marc-Uwe King: "Views", 272 Seiten, Ullstein und mit Johanna und Luise Kling: "Der Spurenfinder", 336 Seiten, Ullstein. Der Autor Marc-Uwe Kling, geboren 1982 in Stuttgart, wurde mit seinen Känguru-Chroniken berühmt. Seine Geschichten rund um einen Kleinkünstler und seinen Mitbewohner, ein kommunistisches Känguru, wurden mit dem Deutschen Radiopreis und dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet, zwei Kinofilme entstanden. Seine satirischen "Qualityland"-Dystopien sind Bestseller, genauso wie sein Kinderbuch "Das Neinhorn". In Potsdam veranstaltet er regelmäßig die Lesebühne "Die PotShow". Im Rahmen von Lit:Potsdam hielt er in diesem Jahr die "Rede zum Ende der Schulzeit". Der Ort Im grünen Innenhof des Ullstein-Verlags an der Friedrichstraße in Berlin-Mitte Nadine Kreuzahler empfiehlt Don Winslow: "City in Ruins", aus dem Englischen übersetzt von Conny Lösch, 448 Seiten, Harper Collins. Marc-Uwe Kling empfiehlt Kurt Vonnegut: "Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug", 256 Seiten, Hoffmann und Campe.
Mit Robert Stadlober und Kurt Tucholsky in Berlin Mitte27 Jun 202400:48:07
Robert Stadlober ist ein gefragter Schauspieler – bekannt geworden mit den Filmen "Sonnenallee" und "Crazy", aktuell in der ARD-Serie "Kafka" und im Kino in "Andrea lässt sich scheiden" zu sehen. Aber allein deshalb würden wir ihn nicht zu Orte und Worte einladen. Sein Herz schlägt auch für Literatur und Bücher, zum Beispiel für Kurt Tucholsky. Stadlober hat jetzt den Sammelband "Wenn wir einmal nicht grausam sind, dann glauben wir gleich, wir seien gut" mit Texten des Schriftstellers, Satirikers und Gesellschaftskritikers der Weimarer Republik herausgegeben. Mit Vertonungen einiger Tucholsky-Gedichte ist der Schauspieler, Sänger und Musiker auch gerade auf Tour. Wie aktuell Tucholsky heute noch ist, welche Bücher den Schauspieler durchs Leben begleiten, warum er aus Berlin weggegangen ist, und wie es ist, den NS-Propagandaminister Joseph Goebbels zu verkörpern (im Film "Führer und Verführer", Kinostart: 11. Juli 2024), darüber haben sich Robert Stadlober und Nadine in der Tucholskystraße in Berlin Mitte unterhalten. Das Buch: Kurt Tucholsky: "Wenn wir einmal nicht grausam sind, dann glauben wir gleich, wir seien gut". Verbrecher Verlag, 20,00 Euro. Unter dem gleichen Titel erscheint das Album mit vertonten Tucholsky-Gedichten beim Label Staatsakt als CD und auf Vinyl. Der Gast: Robert Stadlober, 1982 in Kärnten in Österreich geboren, in Berlin aufgewachsen. Durchbruch als Schauspieler in "Sonnenallee" und "Crazy". Hörbuch-, Hörspiel- und Synchronsprecher, Musiker und Sänger. Herausgeber von Kurt Tucholsky: "Wenn wir einmal nicht grausam sind, dann glauben wir gleich, wir seien gut". Er lebt in Wien. Der Ort: Keyser Soze, Tucholskystraße 33, Berlin Mitte. Tucholskystraße in der ehemaligen Spandauer Vorstadt, seit 1951 nach dem Schriftsteller Kurt Tucholsky benannt. Robert empfiehlt: Lisa Kränzler: "Im Nachhinein", 272 Seiten, Verbrecher Verlag. Lisa Kränzler: "Coming of Karlo", 624 Seiten, Verbrecher Verlag. Nadine empfiehlt: Volha Hapeyeva: "Trapezherz", Gedichte. Aus dem Belarussischen übersetzt von Matthias Göritz. Droschl Literaturverlag.
Mit Gábor Fónyad am Wiener Flughafen 05 Sep 202400:44:57
War das alles? Was will ich noch von meinem Leben? Was kommt noch? Das sind Fragen in der Mitte des Lebens. Und die stellen sich auch die Protagonisten im neuen Roman des Österreichers Gábor Fónyad, der eigentlich Lehrer und Universitätslektor ist. Aber als Vater von zwei kleinen Kindern weiß er auch um die Untiefen von Beziehungen mit Kindern. Im Roman stellt er die Fragen: Wann wird eine Ehe zur reinen Wir-AG ? Wie lässt der Tanz um die Kinder Beziehungen so erodieren, dass zwei Paare an unverhoffte Weggabelungen kommen? Trigger-Punkt im Roman ist ein gemeinsamer England-Urlaub mit Kindern – und mit Folgen. "Was noch kommt" ist Gábor Fónyads dritter Roman. Er hat selbst ein Jahr in Brighton studiert und hasst Hitze. Typisch für den ungarisch-stämmigen Österreicher ist ein feiner ironischer Ton, der ein Lachen provoziert, das einem im Hals stecken bleibt. Das zeichnete schon den Vorgänger "Als Jesus in die Puszta kam aus". Das Buch von Gábor Fónyad, über das wir im Podcast reden Gábor Fónyad: "Was noch komm", 200 Seiten, Elster & Salis Wien. Stephan Ozsváth empfiehlt Alhierd Bacharevic: "Europas Hunde". 744 Seiten, Voland & Quist Leipzig. Gábor Fónyad empfiehlt Anthony Powell: "Ein Tanz zur Musik der Zeit". 12 Bände. Elfenbein Berlin. Der Ort Flughafen Wien-Schwechat Der Autor Gábor Fónyad, 1983 in Wien geboren, wuchs in einer ungarischen Theologen- und Musikerfamilie auf. Er hat Germanistik und Finno-Ugristik studiert. Gábor Fónyad unterrichtet an einem Gymnasium in Niederösterreich und als Lektor an der Universität Wien. 2015 erschien sein erster Roman "Zuerst der Tee", der in England spielt. Sein zweiter Roman "Als Jesus in die Puszta kam" wurde ins Ungarische übersetzt. Darin geht es um einen Wiener Spielwarenverkäufer, der von einer ungarischen Politsekte zum Messias auserkoren wird. "Was noch kommt" ist sein dritter Roman.
Mit Katja Oskamp im Sportforum Hohenschönhausen29 Aug 202400:48:34
Wenn Katja Oskamp den Tag am Schreibtisch verbracht hat, dreht sie abends eine Runde im Sportforum Hohenschönhausen. Dort in der Nähe wohnt sie inzwischen, dort hat sie ihren neuen Roman fertig geschrieben: "Die vorletzte Frau". 20 Jahre ihres Lebens beschreibt Oskamp darin: wie sie Autorin wurde, warum sie als Fußpflegerin arbeitete und den Bestseller "Marzahn mon amour" schrieb. Vor allem aber geht es um die großen Liebe zu einem Schweizer Schriftsteller, um den Anfang, das Ende und die Zeit dazwischen, die sie selbst "Sex und Text" nennen. Mit Anne-Dore schlendert Katja Oskamp durch das Sportforum und erzählt, warum sie ihre eigene Geschichte zur Verfügung stellt und dann auch wirklich alles sagen muss, warum es sinnvoll ist, einander mit allen Schwächen zuzumuten und warum das Älterwerden und ihr Marzahn-Buch ihr zu einer anderen Freiheit verholfen haben. Das Buch Katja Oskamp: "Die vorletzte Frau", Ullstein Park, 208 Seiten, 22,00 Euro. Der Ort Sportforum Hohenschönhauen Sportforum Berlin und Sportkomplex Berlin Paul-Heyse-Straße Die Autorin Katja Oskamp, Jahrgang 1970, ist in Berlin aufgewachsen und arbeitete u.a. als Dramaturgin. Von ihr erschienen "Halbschwimmer", "Die Staubfängerin" und "Hellersdorfer Perle". Das Buch "Marzahn, mon amour. Geschichten einer Fußpflegerin" war ein großer Bestseller und wurde mit dem Dublin Literary Award 2023 ausgezeichnet. Katja Oskamp empfiehlt Katja Lange-Müller "Unser Ole", Kiepenheuer & Witsch, 240 Seiten, 24,00 Euro. (erscheint am 5.9.) Anne-Dore Krohn empfiehlt Jana Scheerer "Die Rassistin", Schöffling, 224 Seiten, 22,00 Euro. Podcast-Tipp "Der zweite Gedanke" ist am 1.09. beim Podcast-Festival "House of Podcast" live zu erleben, um 11 Uhr im Haus des Rundfunks (Masurenallee 8-14, 14057 Berlin. Mehr unter www.houseofpodcast.de oder www.radiodrei.de/podcasts/der-zweite-gedanke
Auf der Bühne mit Mithu Sanyal 13 Sep 202400:46:34
Orte und Worte trifft Mithu Sanyal auf der Bühne – ein Ort, an dem die Autorin in den nächsten Monaten häufig anzutreffen sein wird, denn mit ihrem neuen Roman "Antichristie" geht sie jetzt auf Lesereise. In "Antichristie" hat sich Sanyal den indischen Unabhängigkeitskampf gegen das Empire vorgeknöpft. Und wie in ihrem Debüt "Identitti" beweist sie, dass man aktuelle Debatten in humorvolle, fundierte und gleichzeitig unterhaltsame Literatur verwandeln kann. Bei der Weltpremiere im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals sprach Sanyal mit Anne-Dore im Haus der Berliner Festspiele über Zeitreisen, literarische Annäherungen an Berühmtheiten wie Gandhi und Savarkar, über Erkenntnisschranken, Agatha Christie, postmigrantische Identitäten und die Frage, warum Literatur ein Trojanisches Pferd ist. Das Buch von Mithu Sanyal, über das wir im Podcast reden Mithu Sanyal: "Antichristie", 544 Seiten, Hanser Verlag, 25,00 Euro. Der Ort Auf der Großen Bühne des 24. internationalen literaturfestivals berlin (ilb) im Haus der Berliner Festspiele. Mehr unter https://literaturfestival.com Die Autorin Mithu Sanyal wurde 1971 in Düsseldorf geboren. Die promovierte Kulturwissenschaftlerin veröffentlicht Sachbücher, Essays und Artikel. Ihr Romandebut "Identitti" (2021) erreichte die Shortlist des Deutschen Buchpreises und wurde mit dem Literaturpreis Ruhr und dem Ernst-Bloch-Preis 2021 ausgezeichnet. "Antichristie" steht auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis.
Auf dem Bürgersteig mit Ulrike Draesner19 Sep 202400:49:24
"Ich erinnere mich nicht zu knapp an Stunden auf Gehwegplatten. Heiße Stunden", schreibt Ulrike Draesner in ihrem neuen Buch "zu lieben". Kurz nachdem sie ihre Tochter aus Sri Lanka adoptiert hatte, verbrachten sie viel Zeit auf dem Bürgersteig - weil das Kind sich weigerte, Schuhe anzuziehen und weiterzulaufen. Anne-Dore und Ulrike Draesner verabreden sich für diese Folge "Orte und Worte" also auf einem Gehsteig in Berlin Prenzlauer Berg. "zu lieben" ist ein persönliches und poetisches Buch über Eltern- und Kindschaft, über Fremdheit und Annäherungen, das weit hinausgeht über eine private Geschichte. Ulrike Draesner erzählt, warum dieses Buch für sie anders ist, warum sie es erst gesprochen hat und wie sie als Mutter irgendwann zum "Erdgeschoss" ihrer Tochter wurde. Das Buch Ulrike Draesner: "zu lieben", Penguin Verlag, 352 Seiten, 24,00 Euro. Die Autorin Ulrike Draesner wurde 1962 in München geboren und lebt in Berlin. Zuletzt erhielt sie den Großen Preis des Deutschen Literaturfonds (2021) für ihr Gesamtwerk, das multimediale Arbeiten und Übersetzungen einschließt. Von ihr erschienen u.a. "Die Verwandelten" (2023), "Schwitters" (2020) "Kanalschwimmer" (2019) und "Sieben Sprünge am Rand der Welt". Podcast-Tipp Lesungen | Ulrike Draesner: "zu lieben". Gelesen von Nina Kunzendorf. https://www.ardaudiothek.de/sendung/lesungen/9839150/
Mit Arno Geiger in seinem Arbeitszimmer26 Sep 202400:53:38
Im Country-Song "The Streets of Laredo" erzählt ein sterbender Cowboy von seinem Leben. Was hat Country mit Arno Geigers neuem Roman "Die Reise nach Laredo" zu tun? Arno Geiger mag Western und Laredo ist ein Sehnsuchtsort, am Ende der Reise zu sich selbst. Diese unternimmt der zurückgetretene Habsburger Kaiser Karl der Fünfte. Er büxt aus dem Kloster Yuste in der Extremadura aus, des Lebens überdrüssig. Gemeinsam mit seinem unehelichen Sohn und zwei Ausgestoßenen macht er sich auf zur letzten Reise – die zu sich selbst. Der Roman ist Heldenreise, Abenteuergeschichte und vieles mehr: Eine literarische Wundertüte. Stephan Ozsváth war dort, wo Arno Geigers Romane entstehen, in seinem Arbeitszimmer in Wien und hat mit ihm vor der Bücherwand (voller ungelesener und Bücher aus der Papiertonne) über sein Faible für Western gesprochen, über Demut, was er jungen Literaten empfiehlt und warum ihn vor allem der Rücktritt des Monarchen Karl V. interessiert hat. Arno Geiger ist einer der wichtigsten österreichischen Gegenwartsautoren, mit vielen Preisen geehrt. Stephan Ozsváth empfiehlt Daniel Gräfe: "Wir waren Kometen", 241 Seiten, danube books. Arno Geiger empfiehlt Georges Simenon: "Die grünen Fensterläden", 251 Seiten, Kampa-Verlag. Anna Seghers: "Transit√, 309 Seiten, Aufbau TB. Anna Seghers: "Das siebte Kreuz√, 448 Seiten, Aufbau. TB Das Buch Arno Geiger "Die Reise nach Laredo", 272 Seiten, Hanser. Der Ort Das Arbeitszimmer von Arno Geiger in Wien. Der Autor Arno Geiger wurde 1976 in Bregenz geboren, er wuchs in Vorarlberg auf und studierte in Innsbruck und Wien Geschichte, Germanistik und vergleichende Literaturwissenschaft. Für seinen Roman "Es geht uns gut" erhielt er 2005 den Deutschen Buchpreis. In seinem vorletzten Roman “Das glückliche Geheimnis” beschreibt er, wie er gebrauchte Bücher aus Papiertonnen fischte und wie er mit seiner heutigen Frau krank durch die Extremadura wankte – die Keimzelle seines neuen Romans "Reise nach Laredo"
Mit Domenico Müllensiefen in Salzwedel03 Oct 202400:48:31
Domenico Müllensiefen war ein Kleinkind, als die Mauer fiel und wenig später - am 3. Oktober 1990 – die Wiedervereinigung besiegelt wurde. Trotzdem prägen DDR, Wende und Nachwendejahre auch sein Leben bis heute. So geht es auch Marcel, der Hauptfigur in seinem neuen Roman: "Schnall dich an, es geht los!". Marcel harrt aus in der ostdeutschen Provinz, in der Altmarkt, und los geht bei ihm nicht mehr viel. Aber dann kehrt seine Jugendliebe ins Dorf zurück und sein verschwundener Vater taucht plötzlich wieder auf. Domenico Müllensiefen ist mit Nadine nach Salzwedel in die Altmark gefahren und zeigt ihr Schauplätze des Romans und Orte seiner Kindheit und Jugend. Nadine Kreuzahler empfiehlt Clemens Meyer, "Die Projektoren", 1056 Seiten, S. Fischer Domenico Müllensiefen empfiehlt Annika Büsing, "Nordstadt", 128 Seiten, Steidl Verlag Das Buch Domenico Müllensiefen "Schnall dich an, es geht los!", 314 Seiten, Kanon Der Ort Salzwedel (Altmark) Der Autor Domenico Müllensiefen, 1987 in Magdeburg geboren, ist auf einem Bauernhof in der Altmark aufgewachsen. Mit 16 hat er eine Lehre zum Systemelektroniker absolviert und als Techniker gearbeitet, bevor er am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig studiert hat. Während seines Studiums jobbte er als Bestatter und war jahrelang Bauleiter, bevor 2022 sein Debütroman "Aus unseren Feuern" erschien. "Schnall dich an, es geht los!" ist sein zweiter Roman.
Mit Slata Roschal in einer Berliner Hotel-Lobby 10 Oct 202400:44:35
"Ein Zimmer für sich allein" – das forderte Virginia Woolf in ihrem berühmten Essay schon vor fast 100 Jahren. Die Übersetzerin Maria sucht und findet dieses Zimmer für sich allein in einem Hotel im heutigen Berlin Prenzlauer Berg. Die junge Mutter polnisch-jüdischer Herkunft flieht vor ihrem eigentlich guten Leben mit Mann, zwei Kindern und Häuschen in Mecklenburg und denkt über Herkunft, das Mutterbild, den Körper, Einsamkeit und ihre Familiengeschichte nach, während sie 100 Jahre alte Briefe deutscher Auswanderer übersetzt. Sie ist die Hauptfigur im zweiten Roman von Slata Roschal: "Ich möchte Wein trinken und auf das Ende der Welt warten". Wein gab es nicht beim Treffen von Nadine und Slata Roschal in einem Berliner Hotel, aber auch so haben sie viel Gesprächsstoff gefunden. Die Liebe zu Hotels, das überhöhte Mutterbild in der Gesellschaft, Slatas russisch-jüdische Herkunft, Antisemitismus, die Anschläge der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und natürlich Bücher. Nadine Kreuzahler empfiehlt Bezad Karim Khani, "Als wir Schwäne waren", 192 Seiten, Hanser Berlin. Domenico Müllensiefen empfiehlt Nora Zapf, "No Notizen", 42 Seiten, hochroth München. Dana von Suffrin (Hrsg.), "Wir schon wieder. 16 jüdische Erzählungen", (mit einem Text von Slata Roschal), 240 Seiten, Rowohlt. Das Buch Slata Roschal "Ich möchte Wein trinken und auf das Ende der Welt warten", 176 Seiten, Ullstein. Der Ort Lobby des Hotels Eurostars in Berlin Mitte Der Autor Slata Roschal, geboren 1992 in Sankt Petersburg, aufgewachsen in Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern, ist promovierte Slawistin, Lyrikerin, Literaturwissenschaftlerin und Prosa-Autorin. Ihr Romandebüt "153 Formen des Nichtseins", war 2022 für den Deutschen Buchpreis nominiert. Sie lebt in München.
Mit Isabel Bogdan auf der Frankfurter Buchmesse17 Oct 202400:29:12
Die Büchermenschen treffen sich in dieser Woche in Frankfurt auf der Buchmesse, und dort hat sich Anne-Dore auch mit Isabel Bogdan verabredet. In ihrem neuen Buch "Die Wohnverwandtschaften" erzählt die Bestseller-Autorin von einer Hamburger WG: Vier Menschen zwischen Anfang 30 und Ende 60 teilen nicht nur Küche und Bad, sondern auch ihre Sorgen und wichtige Fragen des Lebens. Wer oder was ist eigentlich Familie? Ist man unkomplett, wenn man als Single in einer WG lebt? Und wie geht man damit um, wenn einer krank wird? Anne-Dore und Isabel unterhalten sich auf der ARD-Bühne über Wahlverwandtschaften, Wohnungsnot, Rollenprosa und die Rettung des Wortes "anderthalb". Das Buch von Isabel Bogdan, über das wir im Podcast reden Isabel Bogdan "Wohnverwandtschaften", 272 Seiten, Kiepenheuer & Witsch Der Ort Die Literaturbühne von ARD, ZDF und 3Sat auf der Frankfurter Buchmesse, www.buchmesse.de Die Autorin Die Übersetzerin und Autorin Isabel Bogdan wurde 1968 in Köln geboren und lebt in Hamburg. Sie hat u.a. Jane Gardam, Jonathan Safran Foer und Alice Sebold ins Deutsche übersetzt. Von ihr erschienen "Sachen machen. Was ich schon immer tun wollte" (2012), "Der Pfau" (2016) und "Laufen" (2019). "Wohnverwandtschaften" ist ihr dritter Roman.
Mit Ulla Lenze in Beelitz Heilstätten 24 Oct 202400:47:51
Die Arbeiterheilstätten Beelitz in Brandenburg waren Anfang des 20. Jahrhunderts die modernste Kureinrichtung Europas für Tuberkuloseerkrankte. Im Laufe der weiteren Geschichte dienten die in einem Wald verstreuten Gebäude als Lazarett und sowjetisches Krankenhaus, bis sie nach der Wende verfielen und zum "Lost Place" und Foto-Mekka wurden. Die Schriftstellerin Ulla Lenze macht die Heilstätten zum Schauplatz ihres neuen Romans "Das Wohlbefinden". Sie spannt einen weiten Bogen von 120 Jahren bis in die Pandemiejahre von heute. Mit Nadine reist sie nach Beelitz und zurück in die Zeit. Es geht um verordnete Entspannung und Wellness-Apps, um Utopie und Spiritualität, um Frauenleben und Reisen nach Indien. Und natürlich um Bücher. Nadine Kreuzahler empfiehlt Thomas Mann, "Der Zauberberg", 100 Jahre Zauberberg Geschenkausgabe in Leinen, 1120 Seiten, S. Fischer Verlag. Jan Schomburg, "Die Möglichkeit eines Wunders", 269 Seiten, dtv. Ulla Lenze empfiehlt Gabriele Reuter, "Aus guter Familie. Leidensgeschichte eines Mädchens", 270 Seiten, Reclam Verlag. Das Buch Ulla Lenze: "Das Wohlbefinden", 333 Seiten, Klett-Cotta. Der Ort Beelitz Heilstätten Die Autorin Ulla Lenze wurde 1973 in Mönchengladbach geboren, sie lebt in Buckow und Berlin. Mit 16 zog es sie für ein halbes Jahr nach Indien, seitdem reist sie immer wieder dorthin. Lesereisen und Stipendien führten sie auch nach Syrien, in den Irak und Iran, und in die USA. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. "Das Wohlbefinden" ist ihr sechster Roman.
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