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Meilensteine & Wendepunkte 4: Berufung zwischen Leistungsdruck und Beziehungsangebot
Season 11 · Episode 66
Thursday, October 8, 2026 • Duration
Meilensteine & Wendepunkte 4: Berufung zwischen Leistungsdruck und Beziehungsangebot
Meilensteine & Wendepunkte 4: Berufung zwischen Leistungsdruck und Beziehungsangebot
Was bedeutet es eigentlich, «berufen» zu sein? Für viele Menschen – gerade im freikirchlich-christlichen Kontext – löst das Wort Berufung eher Stress, Versagensängste und immensen Druck aus als Freude. Es schwingt die Frage mit: Was ist der eine, grosse Plan Gottes für mein Leben, und was passiert, wenn ich ihn verfehle?
In dieser Folge der Staffel Meilensteine & Wendepunkte teilt Lukas Amstutz, wie sich sein Verständnis von Berufung von einem quälenden Leistungsauftrag hin zu einem befreienden Beziehungsangebot gewandelt hat. Gemeinsam mit Martin Benz beleuchtet er, warum Nachfolge nichts mit Heldengeschichten zu tun hat, wieso die Trennung zwischen «geistlichen» und «weltlichen» Berufen überholt ist und wie die Zusage an Abraham – «Du wirst ein Segen sein» – auch heute jeden Alltag prägen kann.
Die Kernpunkte der Folge:
1. Berufung als Stressfaktor der Jugend: In Jugendjahren war der Begriff oft mit Vollzeitdienst oder Missionseinsätzen verknüpft, was die ständige Sorge erzeugte, Gottes Willen zu verpassen.
2. Gott als rufendes Gegenüber: Die Einsicht, dass im Wort Berufung der Ruf steckt: Gott wünscht sich Beziehung und Kommunikation mit dem Menschen, statt bloss Aufgaben zu verteilen.
3. Die Berufenen Jesu Christi: Im Neuen Testament (besonders bei Paulus) werden alle Glaubenden als «Berufene» angeredet – Berufung ist kein Privileg für geistliche Helden.
4. Buchimpuls von Magnus Malm: Gott braucht keine Helden half Lukas Amstutz zu verstehen, dass Jesu Ruf schlicht lautet: «Kommt her, folgt mir nach!»
5. Geistlich vs. weltlich aufgelöst: Ein Beruf ist an sich weder weltlich noch geistlich; entscheidend ist die Haltung und die Art und Weise, wie man ihn lebt.
6. Kulturauftrag und Abrahams Berufung: Jeder Lebensort – ob Pfarramt, Handwerk, Lehre oder das Dasein als Mutter am Wickeltisch – ist ein Ort, an dem man Gottes Segen und Menschlichkeit in die Welt bringen kann.
7. Grundsätzliche vs. spezifische Berufung: Die grundlegende Berufung zur Nachfolge Jesu bleibt stabil, während sich spezifische Aufgaben, Berufsfelder und Rollen im Lauf des Lebens verändern dürfen.
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Meilensteine & Wendepunkte 3: Eros & Agape – Warum Gottes Liebe alles verändert
Season 11 · Episode 65
Thursday, September 24, 2026 • Duration
Meilensteine & Wendepunkte 3: Eros & Agape – Warum Gottes Liebe alles verändert
Müssen wir uns Gottes Liebe erst verdienen oder uns ihrer im Nachhinein würdig erweisen? In dieser Folge blicken Martin Benz und Lukas Amstutz auf einen entscheidenden theologischen und persönlichen Meilenstein zurück: Die Unterscheidung der verschiedenen Formen der Liebe im Griechischen – insbesondere zwischen Eros (der bedingten, auf Wert reagierenden Liebe) und Agape (der bedingungslosen, schenkenden Liebe Gottes).
Martin erzählt, wie die Auseinandersetzung mit dem Werk «Eros und Agape» von Anders Nygren sein Gottesbild, sein Bibelverständnis und sein Glaubensleben radikal und nachhaltig verändert hat.
Aus dem Inhalt:
Drei Arten der Liebe im Griechischen:
- Philia: Freundschaftliche Liebe
- Eros: Sinnliche/affektive Liebe, die auf den Wert des Gegenübers reagiert («Ich liebe dich, weil du wertvoll/liebenswert bist»)
- Agape: Göttliche, bedingungslose Liebe, die nicht motiviert werden muss, sondern den Wert im Geliebten erst hervorbringt
Die Eros-Falle im Glauben: Warum wir oft unbewusst meinen, in «Vorleistung» gehen zu müssen oder Gottes Gunst erwidern/verdienen zu müssen.
Agape als Feindesliebe: Warum Gottes Liebe maximal und nicht steigerbar ist
Persönliche & theologische Auswirkungen:
- Was diese Erkenntnis für das Bibelverständnis und das Bild von Gottes Wesen bedeutet.
- Persönliche emotionale Momente: Von prägenden Filmerlebnissen bis hin zur Geburt der eigenen Kinder als Abglanz bedingungsloser Liebe.
- Wie Agape andere Liebesformen (Eros & Philia) heilt und heiligt, statt sie abzuwerten.
Erwähnte Bücher & Bibelstellen
- Buch: Anders Nygren – Eros und Agape
Bibelstellen:
- 1. Johannes 4,19: «Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.»
- Römer 5,8: Christus starb für uns, als wir noch Sünder/Feinde waren.
- Epheser 2,4–5: Aus reiner Gnade und reichem Erbarmen gerettet.
- Lukas 6,27–36: Von der Feindesliebe und dem barmherzigen Vater (Feldrede).
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Meilensteine & Wendepunkte 2: Glaube als dynamische Beziehung
Season 11 · Episode 64
Thursday, September 10, 2026 • Duration
Meilensteine & Wendepunkte 2: Glaube als dynamische Beziehung
Was passiert, wenn der Glaube, mit dem wir aufgewachsen sind, Risse bekommt? In dieser Folge der Staffel Meilensteine & Wendepunkte sprechen Martin Benz und Lukas Amstutz über einen entscheidenden Wendepunkt: die Erkenntnis, dass Glaube kein starres Set aus Dogmen ist, sondern ein dynamischer Entwicklungsprozess und ein Beziehungsgeschehen.
Lukas berichtet, warum Enttäuschungen, Glaubenskrisen und Zweifel keine Abkehr vom Glauben sein müssen, sondern notwendige Schritte hin zu einem eigenständigen, reifen Vertrauen darstellen.
Zudem beleuchten die beiden das wegweisende Konzept aus John Howard Yoders Buch «Die Politik Jesu»: Glaube erschöpft sich nicht im Fürwahrhalten jenseitiger Heilslehren. Vielmehr lädt Jesus in eine konkrete, sichtbare Nachfolge ein – ein gesellschaftliches Gegenmodell, geprägt von Gewaltfreiheit, Feindesliebe und dem Abbau von Machtstrukturen.
Erwähnte Literatur & Konzepte:
- James Fowler: Stufen des Glaubens (Stages of Faith)
- John Howard Yoder: Die Politik Jesu
Glaubenswert – Der Podcast des Bildungszentrums Bienenberg mit Lukas Amstutz und Martin Benz.
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Meilensteine & Wendepunkte 1: Mein Weg mit dem Heiligen Geist
Season 11 · Episode 63
Thursday, August 27, 2026 • Duration
Meilensteine & Wendepunkte 1: Mein Weg mit dem Heiligen Geist
Wir starten in die neue Staffel von Glaubenswert zum Thema «Meilensteine & Wendepunkte». In dieser Folge nimmt uns Martin Benz im Gespräch mit Lukas Amsturz mit auf seine persönliche Lebensreise rund um das Thema Heiliger Geist. Von den ersten prägenden Erfahrungen mit dem Sprachengebet als Teenager über schmerzhafte Enttäuschungen und ausbleibende Wunder bis hin zu einer reifen, inspirierten Spiritualität: Ein ehrliches Gespräch über die Kunst, progressiv zu glauben und gleichzeitig geisterfüllt zu leben.
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Hoffnung in schwierigen Beziehungen 2: Drei Gewohnheiten für eine Kultur der Versöhnung - mit Dr. Marcus Weiand
Season 10 · Episode 62
Thursday, July 16, 2026 • Duration
Hoffnung in schwierigen Beziehungen 2: Drei Gewohnheiten für eine Kultur der Versöhnung - mit Dr. Marcus Weiand
Der Difference-Kurs
In dieser Folge von „Glaubenswert” sind Martin Benz und Lukas Amstutz im Gespräch mit Marcus Weiand, Konfliktmediator, Dozent und Studienleiter am Bildungszentrum Bienenberg. Sie sprechen über hilfreiche Haltungen, wie sie im Difference-Kurs thematisiert werden. Difference ist ein kompakter, aus fünf Teilen bestehender Kurs, der von der Church of England entwickelt und vom Bienenberg in den deutschsprachigen Raum gebracht wurde.
Der Kurs widmet sich einer der drängendsten Fragen unserer Zeit: Wie können wir konstruktiv mit Unterschieden, vielfältigen Meinungen und kulturellen Diversitäten umgehen, bevor diese in festgefahrene Konflikte eskalieren?
Die Kernthemen der Folge:
Konfliktmanagement vs. Konfliktransformation: Warum es oft nicht nur um das schnelle Lösen oder Verwalten von Problemen geht, sondern darum, die darunterliegenden Beziehungs- und Strukturmuster durch langsame Veränderungsprozesse und Reifung nachhaltig zu verwandeln.
Das Konzept von „Difference“ (Unterschiede): Warum der Fokus des Kurses bewusst auf dem Umgang mit alltäglichen Unterschieden liegt und wie er helfen kann, Gräben in Gemeinden, Familien oder Teams zu überbrücken.
Die 3 zentralen Gewohnheiten für schwierige Beziehungen:
1. Sei neugierig / interessiert (Be curious): Wie echtes Zuhören und das Anerdecken des Gegenübers als Mensch den Fokus vom „Rechthaben-Wollen“ zum Verstehen verschiebt.
2. Sei präsent (Be present): Warum es wichtig ist, mit ganzer Aufmerksamkeit, eigener Verletzlichkeit aber auch mit den eigenen klaren Standpunkten als echtes Gegenüber wahrnehmbar zu sein.
3. Stell dir Neues vor (Reimagine): Die kreative Suche nach Wegen und Möglichkeiten, die über das klassische Entweder-oder hinausgehen – verwurzelt im Hier und Jetzt, aber offen für Gottes transformatives Handeln.
Aufbau des Kurses: Einblicke in das kostenlose Online-Material (Leitfaden und Teilnehmerhefte), das für Kleingruppen, Hauskreise oder Teams konzipiert ist und in fünf Einheiten à 1,5 Stunden durchgeführt werden kann.
Webseite Difference Kurs: https://de.bienenberg.ch/difference
Artikel zum Kurs: https://static1.squarespace.com/static/579b39792994ca23a79a9a08/t/686e53d7c5cf51622e4e14b6/1752060888796/Artikel+Difference+im+Bienenberg+Magazin+17+2025+Juni.pdf
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Hoffnung in schwierigen Beziehungen F1: Versöhnung im Angesicht des Völkermords – Mit Dr. Christine Schliesser
Season 10 · Episode 63
Thursday, July 2, 2026 • Duration
Hoffnung in schwierigen Beziehungen F1: Versöhnung im Angesicht des Völkermords
Mit Dr. Christine Schliesser
In dieser Folge von Glaubenswert sprechen Lukas Amstutz und Martin Benz mit Dr. Christine Schliesser über die tiefgehenden Themen Beziehungen, Versöhnung, Vergebung und die Bewältigung von Traumatisierungen. Sie ist Titularprofessorin für Systematische Theologie an der Universität Zürich und arbeitet für die Reformierte Kirche Bern-Jura-Solothurn im Bereich Grundlagenarbeit Theologie. Zudem unterrichtet sie im CAS Konflikttransformation am Bildungszentrum Bienenberg.
Christine Schliesser teilt in dieser Episode ihre bewegenden Erfahrungen und akademischen Erkenntnisse aus ihrer Forschungsarbeit in Ruanda – einem Land, das vor rund 30 Jahren einen schrecklichen Völkermord erlebte, heute jedoch als beeindruckendes Beispiel für gelingende Versöhnungsprozesse steht.
Die Themen der Folge im Überblick:
1. Versöhnung vs. Vergebung: Wo liegt der Unterschied? Während Versöhnung immer ein Beziehungsbegriff ist, der beide Seiten braucht, kann Vergebung auch einseitig und als innerer, persönlicher Prozess stattfinden.
2. Die Rolle der Religion im Konflikt: Wie Religion sowohl als Brandbeschleuniger für Hass dienen kann, als auch unschätzbare Ressourcen für Frieden und Heilung bereithält.
3. Theologische und politische Verfehlungen: Ein kritischer Blick auf eine zu enge Staatsnähe der Kirchen und eine einseitige Theologie, die Gehorsam über Nächstenliebe und Verantwortung stellte.
4. Wege zur Heilung: Das historische Detmolder Bekenntnis von 1996 und wie handfeste, praktische Initiativen (wie das Projekt „Kühe für den Frieden“) dabei helfen, Traumata zu überwinden und Beziehungen Schritt für Schritt zu heilen.
Ein inspirierendes Gespräch über die Frage, wie wir auch in den schwierigsten gesellschaftlichen und persönlichen Polarisierungen sprach- und handlungsfähig bleiben.
Mehr über die Angebote des Bildungszentrums Bienenberg, Seminare und den CAS Konfliktransformation findest du unter: https://de.bienenberg.ch/cas-konfliktberatung
Bekenntnis von Detmold: https://www.pv-lippe-detmold.de/media/kirchorte/St-Stephanus-Detmold-Hiddessen/Bekenntnis_von_Detmold_deutsch.pdf
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Kirche und Macht 8: Macht, die ermächtigt
Season 9 · Episode 60
Thursday, June 18, 2026 • Duration
Kirche und Macht F8: Macht, die ermächtigt
Woran wir ungesunde Machtstrukturen erkennen
In der achten Folge unserer Reihe „Kirche und Macht“ ziehen Lukas Amstutz und Martin Benz Bilanz. Sie bündeln die Erkenntnisse der vergangenen Episoden und gehen der Frage nach, wie ein gesunder Umgang mit Macht im kirchlichen Kontext gelingen kann – und wo die systemischen Fallen lauern.
Ein zentraler Schwerpunkt dieser Folge ist das Phänomen der „Toxic Church“. Anhand von drei Thesen des Theologen Manuel Schmid beleuchten die beiden, woran man toxische Dynamiken und Gemeinden erkennt.
- Misstrauen gegenüber den eigenen Gefühlen: Wenn die gesunde Intuition („Bauchschmerzen“ bei Entscheidungen) zugunsten einer vermeintlich höheren Wahrheit weggewischt wird.
- Verdächtigung des Verstandes: Wenn kritisches Denken und wissenschaftliche Erkenntnisse als „ungeistlich“ oder mangelnde Reife abgetan werden.
- Bedingungsloser Gehorsam: Wenn von geistlichen Autoritäten ein kompromissloser Verzicht auf Widerspruch eingefordert wird.
Haltungen und Strukturen für einen gesunden Umgang mit Macht
Martin Benz teilt persönliche Einblicke aus seiner langjährigen Erfahrung als Gemeindeleiter und reflektiert eigene Fehler. Um Machtmissbrauch vorzubeugen, braucht es laut den beiden Podcastern eine Verknüpfung von Macht mit klaren, guten Haltungen und gesunden Systemen:
- Geduld vs. Geschwindigkeit: Machtmissbrauch entsteht oft dort, wo unter Zeitdruck schnelle Ergebnisse erzielt werden sollen. Komplexe, partizipative Prozesse brauchen Zeit.
Bescheidenheit statt Ehrgeiz: Wenn der zahlenmäßige Erfolg über die Barmherzigkeit gestellt wird, wächst die Rücksichtslosigkeit in der Leitung.
- Selbstfürsorge der Leitenden: Überlastung, Stress und Einsamkeit machen anfällig für autoritäres Durchdrücken von Entscheidungen. Nur wer gut für sich sorgt (Körper und Geist), bleibt reflektiert und dialogfähig.
- Strukturelle Gewaltenteilung: Das System muss so gebaut sein, dass es Feedback und Kritik zulässt, ohne dass Kritiker um ihren Ruf oder ihre Position fürchten müssen. Macht gehört geteilt – zum Beispiel in echten Teams statt bei Einzelpersonen.
- Am Ende geht es um die Frage welche Auswirkungen die ausgeübte Macht immer auch auf die am wenigsten Privilegierten in unserer Gemeinschaft hat? Befähigt und ermächtigt unsere Macht die anderen, oder macht sie sie kleiner?
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Kirche und Macht 7: Machtfallen in Kirche und Leitung
Season 9 · Episode 59
Thursday, June 4, 2026 • Duration
Kirche und Macht F7: Machtfallen in Kirche und Leitung
In der siebten Folge der Staffel „Kirche und Macht“ nehmen Lukas Amstutz und Martin Benz vom Bildungszentrum Bienenberg die sogenannten „Machtfallen“ unter die Lupe. Warum neigen gerade christliche Gemeinden dazu, Machtstrukturen zu tabuisieren, und wie entstehen dadurch gefährliche Dynamiken im Verborgenen?
Anhand einer bekannten Bibelpassage und psychologischer Modelle werden vier konkrete Machtfallen entlarvt, in die Leitende und Denominationen besonders leicht hineintappen.
Die 4 Machtfallen im Überblick
1. Das Machtgerangel im Verborgenen (Die Pseudo-Hierarchiefreiheit)
- Die Falle: Besonders in Gemeinden, die von sich behaupten, „völlig hierarchiefrei“ und „alle gleich“ zu sein, entsteht oft ein Leitungsvakuum.
- Die Dynamik: Da Macht nicht offiziell und transparent verteilt ist, verlagert sich das Machtgerangel hinter den Rücken der Verantwortlichen. Es kommt zu Allianzen, Manipulationen und informellen Hierarchien.
- Der Ausweg: Offene und transparente Diskussionen darüber, wie Macht in einer Gruppe tatsächlich verteilt ist und wie Rollen definiert sind.
2. Der Erfolgsdruck und die Performance-Mentalität
- Die Falle: Kirchen stehen oft unter dem Druck, „Gottes Vorzeigeprojekt“ auf Erden zu sein. Unvollkommenheit, Scheitern und Schwäche haben in dieser Mentalität keinen Platz.
- Die Dynamik: Um den vermeintlich nötigen Erfolg zu garantieren, wird charismatischen Führungspersönlichkeiten uneingeschränktes Vertrauen und unkontrollierte Machtbefugnis übertragen. Methoden aus der Wirtschaftswelt werden blind kopiert, während das biblische Modell des „Kindes in der Mitte“ (das Zulassen von Schwäche) verloren geht.
3. Komplexe Entscheidungssituationen & die Sehnsucht nach einfachen Lösungen
- Die Falle: Das Leben und die Gemeindeleitung sind oft komplex oder gar chaotisch. Es gibt keine einfachen Ursache-Wirkungs-Prinzipien mehr, sondern viel Unsicherheit.
- Die Dynamik: Aus mangelnder Ambiguitätstoleranz (der Fähigkeit, Unsicherheiten auszuhalten) sehnen sich Menschen nach Schwarz-Weiß-Antworten. Wer als Leiter einfache, vermeintlich unfehlbare Lösungen präsentiert, bekommt enormen Zulauf und Macht.
- Der Ausweg: Es braucht Leitungskompetenz, die Menschen durch die Unsicherheit führt (prophetische/poetische Leitung), statt Scheinklarheiten zu verkaufen.
4. Unreflektierte Persönlichkeit
Orientiert an der Transaktionsanalyse wird gezeigt, wie unbewusste Ich-Zustände die Machtausübung toxisch machen: Persönlichkeitstypologien
- Der Unterdrücker-Typ (Kritisches Eltern-Ich): Regiert über die Schiene der Moral. Er nutzt Angst, Warnungen und Drohungen, um die Gemeinde im Zaum zu halten.
- Der Retter-Typ (Fürsorgliches Eltern-Ich): Agiert scheinbar selbstlos und überfürsorglich, nimmt den Menschen aber jegliche Eigenverantwortung ab. Das entmündigt die Gemeinde und bindet sie in ungesunder Weise an die Leitung.
Fazit & Ausblick
Macht an sich ist nicht das Problem – sie ist immer vorhanden. Toxisch wird sie erst im Verborgenen und wenn es an Selbstreflexion fehlt. Der Heilige Geist stellt uns auch heute die Frage, die Jesus den Jüngern stellte: „Was habt ihr auf dem Weg miteinander besprochen?“ In der nächsten und finalen Folge in zwei Wochen geht es darum, welche gesunden Strukturen und Haltungen helfen, diesen Machtfallen dauerhaft zu entgehen.
Über Glaubenswert: Der Podcast des Bildungszentrums Bienenberg mit Lukas Amstutz und Martin Benz. Weitere Infos, Seminare und Angebote finden Sie unter www.bienenberg.ch
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Kirche und Macht 6: Christen und ihre Nähe zu autoritärer Herrschaft
Season 9 · Episode 58
Thursday, May 21, 2026 • Duration
Kirche und Macht 6: Christen und ihre Nähe zu autoritärer Herrschaft
In dieser Podcast-Folge analysieren Lukas Amstutz und Martin Benz, warum gläubige Menschen oft eine inhaltliche und strukturelle Nähe zu autoritären Führungspersönlichkeiten oder Diktatoren aufweisen. Sie führen dies auf tief verwurzelte Gottesbilder absoluter Macht, die Sehnsucht nach klaren moralischen Ordnungen und die Reaktion auf gesellschaftliche Ängste zurück. Als christliches Korrektiv betonen sie das Vorbild Jesu, der Machtansprüche zugunsten von Demut, Hingabe und der Würde des Einzelnen ablehnte.
Kernpunkte der Diskussion
- Die Krise der Demokratie: Aktuelle Studien (wie die Leipziger Autoritarismus-Studie) zeigen ein sinkendes Vertrauen in demokratische Prozesse. Während die Theorie der Demokratie noch geschätzt wird, wächst der Wunsch nach Vereinfachung und harten Entscheidungen.
- Das erlernte Gottesbild: Ein tief verwurzeltes Verständnis von Gott als absolutem, universalem Herrscher im Alten Testament schafft eine intuitive Vertrautheit mit hierarchischen Strukturen. Wer an eine göttliche Allmacht gewöhnt ist, fremdelt weniger mit irdischen Herrschaftsansprüchen.
- Sehnsucht nach „Law and Order“: Christliche Milieus neigen dazu, politische Akteure nach ihrer Fähigkeit zu bewerten, moralische Ordnung und klare Regeln (ähnlich der Tora) durchzusetzen. In einer komplexen Welt bietet die „Schwarz-Weiß-Logik“ autoritärer Führer eine vermeintliche Sicherheit.
- Angst als Katalysator: Gesellschaftliche Veränderungen werden oft als Bedrohung der eigenen Identität wahrgenommen. Autoritäre Politiker instrumentalisieren diese Ängste und versprechen den Schutz altbewährter Strukturen.
Christliche Korrektive
Die Autoren schlagen Wege vor, wie der Glaube stattdessen die Demokratie stärken kann:
- Jesus als Gegenmodell: Jesus wird als jemand beschrieben, der Macht ablegt, statt sie zu instrumentalisieren, und den Randständigen eine Stimme gibt.
- Die Tugend der Demut: Eine christliche Haltung, die anerkennt, dass die eigene Meinung nicht absolut ist (Kenosis), passt ideal zum demokratischen Diskurs.
- Vom Herrschaftsanspruch zum Dienst: Ein Wechsel vom autoritären Gottesbild hin zu einem Gott, der in der Schwachheit wirkt.
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Kirche und Macht 5: Die Kraft der gewaltfreien Minderheit
Season 9 · Episode 57
Thursday, May 7, 2026 • Duration
Kirche und Macht 5: Die Kraft der gewaltfreien Minderheit
In dieser Episode diskutieren Lukas Amstutz und Martin Benz über das Verhältnis von Kirche und Macht und beleuchten die Wirksamkeit von gewaltfreiem Widerstand im Vergleich zu militärischer Gewalt. Gast Benjamin Isaac Kraus stellt dazu eine Studie vor, die zeigt, dass gewaltfreie Bewegungen historisch gesehen doppelt so oft erfolgreich waren und nachhaltigere demokratische Strukturen förderten als bewaffnete Aufstände. Ein zentraler Aspekt ist dabei die Macht der Ohnmacht sowie die Bedeutung von Empathie und strategischer Mobilisierung kleiner Minderheiten zur Systemveränderung. Abschliessend wird erörtert, wie sich diese Prinzipien der Gewaltfreiheit auch auf alltägliche Bereiche wie Erziehung und Gemeindearbeit übertragen lassen.
Wichtige Impulse:
„Gewaltfreiheit ist oft nachhaltiger: Während bewaffnete Siege häufig in neue Diktaturen kippen, legen gewaltfreie Bewegungen oft den Grundstein für stabile Demokratien.“
„Mut bedeutet manchmal, stehen zu bleiben und eine Position nicht aufzugeben – und manchmal bedeutet es, sich dem System zu entziehen.“
Links zur Folge:
Buch von Haim Omer: https://www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com/downloads/productPreviewFiles/LP_978-3-525-49077-8.pdf
Deutsches Mennonotisches Friedenskomitee: https://www.dmfk.de/
Studie zur gewaltfreiem Widerstand: https://www.sicherheitneudenken.de/zivile-sicherheit-ist-wirksam/chenoweth-studie/
Über Glaubenswert: Ein Podcast des Bildungszentrums Bienenberg. Besuche uns auf bienenberg.ch für weitere Informationen zu Seminaren und Projekten.
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Glaubenswert., a podcast by Bildungszentrum Bienenberg - Stats, Episodes and Rankings - My Podcast Data