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Explore every episode of the podcast Frisch an die Arbeit
Dive into the complete episode list for Frisch an die Arbeit. Each episode is cataloged with detailed descriptions, making it easy to find and explore specific topics. Keep track of all episodes from your favorite podcast and never miss a moment of insightful content.
| Title | Pub. Date | Duration | |
|---|---|---|---|
| Leena Zimmermann: »Man trifft immer eine Aussage mit der Kleidung, die man trägt« | 20 Oct 2026 | 00:45:16 | |
»Es ist immer eine Freude, wenn man jemanden sieht, der sich mit seiner
Kleidung Mühe gegeben hat«, sagt Leena Zimmermann im Podcast »Frisch an
die Arbeit«. Als Stylistin kleidet sie Schauspielerinnen für Premieren,
Politiker für Staatsbesuche und Führungskräfte für Konferenzen oder
Talkshows ein.
Zimmermann hat eine Schneiderlehre in Berlin absolviert. Nach ihrer
Ausbildung bekam sie einen Job beim Musiksender MTV und durfte dort die
Outfits für die Moderatorinnen und Moderatoren auswählen. Irgendwann
sprach die Schauspielerin Nora Tschirner sie an und fragte, ob sie ihr
beim Styling für eine Premiere helfen könne. Durch Tschirner bekam
Zimmermann den Kontakt zu Schauspielerin Hannah Herzsprung, die sie bis
heute berät.
Meistens wenden sich Frauen an sie, oft fehlt ihnen die Zeit und auch
das Gefühl für das richtige Outfit: »Einmal bin ich mit einer jungen
Schauspielerin shoppen gegangen. Sie hat sich einfach eine externe
Person gewünscht, die mit ihr einkaufen geht«, sagt Zimmermann.
Mit ihrer Freundin Nicole Hogerzeil gründete Zimmermann die Firma
Tarobe, mit der die beiden vor allem Frauen in Führungsrollen beraten.
Oft bräuchten diese Hilfe für ein bestimmtes Event, eine
Podiumsdiskussion oder eine wichtige Ansprache vor ihrem Team: »Kürzlich
kam beispielsweise eine bekannte Managerin zu mir und wollte ein Outfit
mit breiten Schultern für einen Auftritt unter vielen Männern.«
Ihren Kundinnen rät Zimmermann, auch mal mutig zu sein, wenn sie gesehen
werden wollen. Aber in Situationen, in denen ihre Aussagen zählen, in
einer Talkshow beispielsweise, sollten sie sich vor allem wohlfühlen.
»Man trifft immer eine Aussage mit der Kleidung, die man trägt. Vor
allem wird man als Frau sehr stark bewertet. Trägst du jetzt einen Rock?
Bist du sportlich angezogen? Ist es vielleicht ein bisschen zu sexy?«
Gerade im Job sei es schwierig, die passende Kleidung zu finden, in der
man sich sicher fühlt. Das koste oft Zeit. »Man sollte nicht mehr
darüber nachdenken, was man trägt, sondern nur noch darüber, was man
sagt.«
Im Podcast erzählt Zimmermann, wo sie sich inspirieren lässt, welche
Informationen sie von ihren Kundinnen benötigt und warum gerade in
Berlin das Styling oft unterschätzt wird.
»Frisch an die Arbeit« wird jeden zweiten Dienstag veröffentlicht. Es
moderieren im Wechsel Daniel Erk, Hannah Scherkamp und Elise Landschek.
Das Team erreichen Sie unter frischandiearbeit@zeit.de.
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| Semen Shuster: »Es ist schwieriger geworden, die Leute zum Lachen zu bringen« | 06 Oct 2026 | 00:34:08 | |
»Manchmal ist es einfach Magie. Du kommst in die Manege und vergisst,
dass du müde bist«, sagt Clown Semen Shuster im Podcast »Frisch an die
Arbeit«. »Du gibst Energie und du bekommst sie vom Publikum zurück.«
Shuster wurde 1972 in Ismail im Oblast Odessa im Süden der heutigen
Ukraine geboren. Er studierte an der Artistenschule in Kyjiw und machte
dort 1992 seinen Abschluss. Im Jahr 2000 zog er mit seiner Familie nach
Deutschland, arbeitete zunächst in Leipzig und später sieben Jahre am
Pariser Lido.
2005 gewann er beim Festival Mondial du Cirque de Demain eine
Bronzemedaille, 2009 beim Internationalen Zirkusfestival von Monte-Carlo
einen Bronzenen Clown. Heute tritt er in Varietés, beim
Weltweihnachtszirkus in Stuttgart und im Circus Roncalli auf.
Dass seine Figur, Housch-ma-Housch, fast ohne verständliche Wörter
auskommt, war kein Karriereplan. In der Zirkusschule lernte Shuster
zunächst Jonglage, Handstand und Akrobatik. Seine Figur und die
Fantasiesprache entwickelte er, als er in den Neunzigerjahren auftrat.
»Es war nicht so, dass ich dachte: Ich bin so clever, erfinde eine
Cartoon-Sprache und dann gehe ich nach Monte-Carlo«, sagt Shuster.
Die Zeiten für Clowns, sagt Shuster, seien komplexer geworden. Menschen
seien durch soziale Medien gewohnt, nach wenigen Sekunden
weiterzuwischen, wenn sie etwas nicht sofort begeistere. Auch im Zirkus
beobachte er gelegentlich, wie jemand zum Telefon greift. »Heute ist es
schwieriger geworden, die Leute zum Lachen zu bringen«, sagt Shuster.
Gerade deshalb sieht er die Aufgabe des Zirkus darin, eine Gegenwelt zu
schaffen. Kinder und Eltern mit einer Szene gleichzeitig zum Lachen zu
bringen, sei für ihn ein »Bingo«.
Bis ein solcher Moment funktioniert, kann jahrelange Arbeit nötig sein.
Shuster schreibt Ideen auf, lässt Requisiten bauen und Animationen
erstellen. Neue Nummern filmt er, um sie auszuwerten. Vor allem probiert
er sie vor Publikum aus. »Du brauchst manchmal Jahre – und niemand
lacht«, sagt Shuster.
Im Podcast erzählt Shuster außerdem, warum er das deutsche
Zirkuspublikum für eines der besten hält und warum die Rolle als Clown
herausfordernder sein kann als die eines Schauspielers.
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| Wie unterscheidet man zwischen Kunst und Trödel, Wolfgang Pauritsch? | 22 Sep 2026 | 00:34:17 | |
»Ein einziges Leben reicht nicht aus, um den Wert aller Gegenstände zu
kennen« sagt Wolfgang Pauritsch im Podcast Frisch an die Arbeit. Er
lerne immer noch jeden Tag dazu.
Seit mehr als 30 Jahren ist Pauritsch Auktionator und Händler für Kunst
und Antikes. »Ich musste mir meinen Erfolg hart erkämpfen«, sagt er. Der
54-Jährige wurde in Österreich geboren und wuchs bei den Großeltern in
einfachen Verhältnissen auf. Nach der Schule schloss er eine Lehre zum
Rohrschlosser ab.
Der Wendepunkt kam, als er auf einer Auktion in München jobbte und für
eine erkrankte Auktionatorin einspringen musste. »Danach hat mir der
Chef einen Vertrag angeboten«, sagt Pauritsch. Er brachte sich die
Grundlagen selbst bei, besuchte Museen und Sammler und
absolvierte verschiedene Weiterbildungen. »Ich habe das Wissen
aufgesaugt wie ein Schwamm.«
Heute leitet Pauritsch zusammen mit einer Geschäftspartnerin einen Laden
für Auktionen und Antikhandel in Oberstaufen. Zusätzlich ist er
Fernsehhändler in der ZDF-Trödel-Sendung »Bares für Rares«, wo er im
Jahr 50 Drehtage hat. »Die Arbeit dort ist für mich wie Urlaub und macht
viel Spaß. Jeden Tag im Laden zu stehen, ist viel anstrengender«, sagt
Pauritsch.
Pauritsch handelt hauptsächlich mit Kunstwerken und Juwelen, die seien
eine stabile Geldanlage für gut betuchte Kunden, erzählt er. Der
Mittelschicht säße in Krisenzeiten das Geld hingegen nicht mehr so
locker. »Zwischen 50 und 500 Euro verkaufen wir inzwischen kaum noch
Ware«.
Einen herben Rückschlag erlebte der Händler Mitte der Neunzigerjahre,
als in seinen Laden eingebrochen wurde. »Der Schaden betrug mehr als
150.000 Euro und die Leute, deren Besitz ich verkaufen sollte, standen
plötzlich alle auf der Matte«. Doch Pauritsch konnte seine Schulden am
Ende abbezahlen.
Im Podcast Frisch an die Arbeit erzählt Pauritsch, für wieviel Geld er
sein teuerstes Stück versteigert hat, ob er sich schonmal kräftig im
Preis geirrt hat und ob er privat immer noch auf Flohmärkte geht.
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| Was fasziniert Sie an der Arbeit mit Kies, Uwe Kersten? | 11 Sep 2026 | 00:35:07 | |
»Seit 100.000 Jahren ist auf diesen Kies kein Lichtstrahl gefallen – und
jetzt bin ich derjenige, der ihn wieder ans Licht fördert«, sagt Uwe
Kersten, Maschinenführer und Kieswerkmitarbeiter, im Podcast »Frisch an
die Arbeit«.
Kersten, 62 Jahre alt, ist seit 38 Jahren am Rande des Harzes in der
Kiesgewinnung tätig. Ursprünglich ließ er sich bei der Deutschen Bahn in
Göttingen zum Energieanlagenelektroniker ausbilden. Als die Bahn Mitte
der Achtzigerjahre Personal abbaute, wechselte er in das Kieswerk, in
dem bereits sein Vater beschäftigt gewesen war. »Ich bin dann hier ganz
klassisch, wie man sagt, kleben geblieben.«
Meistens ist Kersten allein in einer Außenstelle des Kieswerks, bedient
Radlader und Bagger, überwacht, wie der Kies mit Maschinen aufbereitet
wird, und belädt die Fahrzeuge der Kunden. Welche Aufgaben an einem Tag
anstehen, entscheidet er weitgehend selbst. »Für meinen Vorgesetzten ist
eigentlich nur wichtig, dass der Laden läuft«, sagt Kersten.
Die Kiesvorkommen, mit denen Kersten arbeitet, stammen überwiegend aus
dem Harz. Verwittertes Gestein wurde während der letzten Eiszeit durch
Flüsse und Schmelzwasser ins Harzvorland getragen und dort abgelagert.
Das Material reiche von feinem Sand bis zu Steinen von der Größe eines
Basketballs, erzählt Kersten. Im Kieswerk wird es gewaschen, gesiebt und
teilweise gebrochen. So entstehen rund 25 verschiedene Produkte für den
Straßen-, Garten- und Hausbau.
Manche Kunden, sagt Kersten, holten lediglich eine Schubkarre Kies ab,
andere bestellen 20.000 Tonnen. Selbst nach all den Jahren dort könne
ihn seine Kiesgrube überraschen, erzählt Kersten. Kersten hat in den
Lagerstätten bereits Hohlräume entdeckt, deren Entstehung er sich nicht
erklären konnte.
Auch fasziniert Kersten die Natur in so einer Kiesgrube. Sobald der
Abbau in einem Abschnitt beendet sei, kehrten Pflanzen und Tiere zügig
zurück. „Die Natur kommt hinter uns her“, sagt Kersten. Es entstünden
schnell Teiche und Feuchtgebiete – und der Naturschutzbund beobachte
dort regelmäßig Schmetterlinge, Vögel und Amphibien.
Heute hilft ihm seine Erfahrung vor allem dann, wenn eine Maschine
ausfällt. »Auch mit fast 62 Jahren lasse ich mich nicht so leicht
unterkriegen. Alles, was sich irgendwie allein lösen lässt, mache ich
selbst«, sagt er. Er ist sich sicher: »Ich habe hier schon 2.000
Probleme gelöst. Warum soll ich das 2.001. nicht auch lösen?«
Im Podcast erzählt Kersten außerdem, wie sich Baumaschinen in den
vergangenen Jahrzehnten verändert haben, warum Kies trotz
Baustoffrecycling knapp werden könnte und weshalb ein Stein mit einem
Loch als Talisman am Rückspiegel seines Hauses hängt.
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| Die Deutschen arbeiten genug – oder? | 25 Aug 2026 | 00:42:10 | |
Verstehen wir uns noch? Teilen wir dieselben Ansichten? Die ZEIT bringt
mit Deutschland spricht Menschen mit gegensätzlichen Meinungen zusammen
– in diesem Jahr am 30. August.
Grundlage der Gespräche sind acht Fragen zu kontroversen Themen. Eine
davon lautet: Arbeiten die Deutschen zu wenig? Aus diesem Anlass
diskutieren Kolja Rudzio aus dem Wirtschaftsressort der ZEIT und Hannah
Scherkamp aus dem Arbeitsressort in einer Sonderfolge von Frisch an die
Arbeit.
Die Frage, ob die Deutschen zu wenig leisten, beschäftigt derzeit viele
in Deutschland: Politiker, Unternehmenschefs und natürlich auch
Arbeitnehmer. Tatsächlich ist sie schwierig zu beantworten. Das zeigt
auch die Diskussion in diesem Podcast.
Einerseits wurden in Deutschland zuletzt insgesamt mehr Arbeitsstunden
geleistet als vor zehn Jahren. Andererseits werden in den kommenden
Jahren Millionen Arbeitskräfte in Rente gehen.
»An dem Problem gemessen, arbeiten wir wahrscheinlich zu wenig und
müssen uns Gedanken machen: Wie können wir noch mehr Leute in Arbeit
bekommen?«, sagt Kolja Rudzio im Podcast. Sonst werde es sehr schwierig,
weiterhin das zu finanzieren, was wir uns heute alles leisten – für den
Staat und das Sozialsystem.
Im Laufe dieser Sonderfolge diskutieren Hannah Scherkamp und Kolja
Rudzio nicht nur über die Entwicklung der geleisteten Arbeitsstunden,
sondern auch über Teilzeitquoten, den Ruf der Generation Z, die
Erwerbsarbeit von Frauen und die Produktivität in Deutschland.
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| Was braucht es, einen Konzertflügel zu stimmen, Arvid Michel? | 11 Aug 2026 | 00:42:11 | |
»Ich muss das Klavier in einem Bereich hören können, den die meisten gar
nicht wahrnehmen«, sagt Arvid Michel im Podcast »Frisch an die Arbeit«.
Nur so könne er die 88 Töne eines Klaviers so aufeinander abstimmen,
dass sie nicht nur für sich, sondern auch gemeinsam richtig klingen. Bei
der »Dreigroschenoper« erkenne er zum Beispiel ein bestimmtes Muster,
sagt Michel. Nach dem Stück seien die Töne immer auf eine spezielle Art
verstimmt.
Michel arbeitet als freiberuflicher Klavierstimmer an Theatern sowie für
Rundfunkorchester und Chöre. Anders als die Instrumente in
Privathaushalten werden die Konzertflügel teilweise mehrmals im Monat,
manchmal sogar mehrmals am Tag gestimmt. Bei Proben und Aufführungen
werden die Saiten stark beansprucht, außerdem werden die Instrumente
ständig zwischen Bühne, Orchestergraben und Proberäumen bewegt. »Dadurch
entsteht so viel Verstimmung im Instrument, die dann hörbar ist«, sagt
Michel.
Seine Liebe zum Klavier begann in der Kindheit bei seiner Großmutter.
»Ich habe das Instrument gesehen und war sofort verliebt«, sagt er. Erst
mit 16 Jahren nahm er Unterricht und wollte Pianist werden. Während des
Studiums spielte er als Barpianist und verdiente sich einen eigenen,
nicht mehr ganz neuen Flügel – einen, der ständig gestimmt werden
musste. Weil er sich das nicht leisten konnte, bat er einen befreundeten
Klavierbauer, ihm alles beizubringen. Später half er in der Werkstatt
des Klavierbauers mit und begann eine Ausbildung.
Einer der besonderen Momente seiner Karriere war für Michel ein Auftrag
des Berliner Ensemble: Das Theater wollte einen neuen Steinway-Flügel
anschaffen, der den Ansprüchen des Pianisten Igor Levit genügen sollte.
Michel durfte nach Hamburg fahren und aus fünf Instrumenten eines
auswählen. »Er hat gespielt, ich habe gelauscht«, sagt Michel.
Im Podcast erzählt er außerdem, warum Klimaanlagen Klaviere verstimmen
und weshalb ihn die Kritik einer Professorin dazu brachte, seine
Arbeitsweise grundlegend zu verändern.
»Frisch an die Arbeit« wird jeden zweiten Dienstag veröffentlicht. Es
moderieren im Wechsel Daniel Erk, Hannah Scherkamp und Elise Landschek.
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| Wie hart ist die Ballettausbildung wirklich, Sarah Weber? | 28 Jul 2026 | 00:51:49 | |
Ein typisches Ballettmädchen sei sie nie gewesen, sagt Tänzerin Sarah
Weber im Podcast »Frisch an die Arbeit«.
»Als ich drei Jahre alt war, habe ich laut Legende
mein Ballettröckchen zerrissen, weil es so langweilig war.« Trotzdem
schickten sie ihre Eltern in die Berliner Tanzakademie an der Deutschen
Oper in Berlin. »Mit acht oder neun Jahren habe ich dann schon auf der
großen Bühne bei Nussknacker mitgetanzt«, sagt Weber – und das
begeisterte sie dann schon.
Als Teenager, so mit 16, 17 Jahren, habe sie gewusst, dass sie Tänzerin
werden wolle. »Ich liebe einfach die klassische Musik und den
athletischen Aspekt.« Für die professionelle Ausbildung ging sie unter
anderem an eine Ballettschule nach Lettland. Dort sei es deutlich
strenger zugegangen als in Deutschland. Der Druck, Leistung abzuliefern,
sei höher gewesen. »Aber am schwierigsten war für mich die
Sprachbarriere, weil man sich ja mit den anderen Schülern nicht
anfreunden kann.« Das harte Training habe sie allerdings kaum gestört,
»ich kann beim Training gut entspannen«, erzählt sie. Und ein gewisser
Druck sei für Spitzenleistungen auch durchaus nötig.
Inzwischen ist Sarah Weber Anfang vierzig, seit mehr als zwei
Jahrzehnten tanzt sie professionell als Gruppentänzerin in mehreren
Compagnien weltweit, unter anderem am Nationalballett in Kairo während
der Zeit des Arabischen Frühlings. Sie wohnte damals nicht weit vom
zentralen Tahrir-Platz entfernt, dort begannen 2011 die Aufstände gegen
das Regime. »Von meinem Balkon im fünften Stock habe ich Schüsse gehört,
ich wusste erst gar nicht, dass es welche waren. Die Ballettdirektorin
rief noch an, dass trotzdem alle zu den Proben kommen sollen, aber
niemand von uns ist mehr hingegangen.«
Danach habe sie sich in Deutschland ein neues Engagement suchen müssen.
»Da gibt es nicht so einen Transfermarkt wie beim Fußball. Wir müssen
allein trainieren und allein zum Vortanzen gehen und auf einen Job
hoffen«, sagt sie. Nur die allerwenigsten schaffen es bis an die Spitze
und werden Solistinnen oder Solisten, »da ist allerdings fast niemand
aus Deutschland dabei«.
Alle Tänzerinnen und Tänzer wüssten außerdem von Anfang an, dass man den
Job nicht bis zur regulären Rente machen könne, der Körper wird vom
Tanzen einfach zu hart beansprucht. »Auch deshalb bin ich immer
mehrgleisig gefahren«, sagt Weber. Neben ihrem Job als Tänzerin
studierte sie Kulturmanagement sowie Deutsch als Fremdsprache und machte
eine Ausbildung zur Tanzpädagogin. Heute leitet sie eine Ballettschule
für etwa 100 Kinder und Jugendliche im Berliner Südosten und gibt dort
auch Kurse.
Im Podcast erzählt Sarah Weber, ob sie eine strenge Lehrerin ist und wie
sich die Anspruchshaltung der Ballettschülerinnen und -schüler verändert
hat. Und ob der klassische Tanz mal eine radikale Modernisierung
bräuchte.
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| Warum haben Sie Ihre Karriere für den Campingplatz Ihrer Eltern aufgegeben, Nadine Siemer? | 14 Jul 2026 | 00:37:09 | |
»Für einen Campingplatz braucht man eine riesengroße Portion Herz«, sagt
Nadine Siemer im Podcast »Frisch an die Arbeit«. Jeder Gast bringe seine
eigene Geschichte mit. Die 48-Jährige betreibt gemeinsam mit ihrem
Bruder den Campingplatz Knatter Camping in Bantikow in der Prignitz. Er
liegt rund eine Autostunde nordwestlich von Berlin am Untersee der
Kyritzer Seenkette.
Auf 180 Stellplätzen verbringen in der Hauptsaison bis zu 700 Gäste
gleichzeitig ihren Urlaub. Den Platz übernahmen Siemers Eltern nach der
Wende von der Gemeinde und bauten ihn von einem einfachen Zeltplatz mit
Trockentoiletten und kaltem Wasser zu einem modernen Ferienlager aus.
Zelten war für Nadine Siemer übrigens selbst nie eine Option. »Camping
ist keine Urlaubsform, für die ich mich persönlich begeistern kann«,
sagt sie. Nach einem Studium im Bereich Medien und Kommunikation
arbeitete sie im Umweltmanagement, in der Pressearbeit, in einer
Unternehmensberatung und im öffentlichen Dienst.
Trotzdem entschied sie sich während der Coronapandemie, den elterlichen
Betrieb zu übernehmen. »Es war überhaupt keine finanzielle Entscheidung,
sondern eine aus dem Bauch heraus«, sagt sie. Nachdem sie über Jahre als
Angestellte gearbeitet hatte, wollte sie nun selbstständig sein.
Heute kümmert sich Siemers um Buchungen, Personalplanung und
Investitionen in den Campingplatz. Viele Abläufe hat sie in den
vergangenen Jahren digitalisiert. Sie betrachtet den Campingplatz wie
ein Unternehmen, das man ständig weiterentwickeln muss.
Schwierig wird es, wenn es im Sommer länger regnet: »Schlechtes Wetter
ist vor allem dann kaum auszuhalten, wenn die Urlauber schon da sind und
zu mir sagen: ›Eigentlich wollten wir am Wasser stehen. Jetzt stehen wir
im Wasser.‹«
Im Podcast erzählt Nadine Siemer außerdem, warum sie auch nach
Feierabend oft an den Campingplatz denkt und wie man 700 Gästen am Tag
einen schönen Urlaub ermöglicht.
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| Warum macht Gärtnern selbstbewusst, Horst Mager? | 30 Jun 2026 | 00:45:09 | |
»Meinen Garten betrachte ich als Freund, das ist ein Geben und Nehmen«,
sagt Horst Mager im Podcast »Frisch an die Arbeit«. Als ausgebildeter
Landschaftsgärtner und Biologe kümmert er sich seit Jahrzehnten um
Pflanzen. Schon in seiner Kindheit pflegte er mit seiner spanischen
Mutter und seinem deutschen Vater im Garten der Familie die Blumen und
das Gemüse. Mittlerweile gärtnert er vor allem in seinem Berliner
Schrebergarten. Dort wird auch die Fernsehsendung »Gartenzeit« gedreht,
die Mager für den Rbb moderiert.
Mager, 62, machte nach seinem Biologiestudium ein Volontariat bei einem
Fernsehsender. Mit 58 Jahren eröffnete er unter »Horst sein
Schrebergarten« Accounts bei Instagram und YouTube. Für einen schönen
Garten oder Balkon sei es entscheidend, die passende Pflanze für den
Standort auszuwählen. »Wie lange scheint dort die Sonne? Will ich das
oft gießen? Kommt da sowieso Regen hin? Das sind wichtige Punkte«, sagt
Mager. Für jeden Platz gebe es ein Gewächs. »Auf einem Balkon ist es
wichtig, nicht fünf kleine Blumentöpfe zu haben, die dauernd
austrocknen, sondern einen großen.«
Wie ein Garten aussehen soll, habe sich in den vergangenen Jahren sehr
geändert, sagt Mager. Während früher ein gepflegter Rasen, ein Rosenbeet
und ein Rhododendron gewünscht war, sei heute vieles entspannter. »Es
gibt viele Menschen, die jetzt anders gärtnern und die Natur
einbeziehen«, sagt Mager. Besonders traurig sei es, wenn Hausbesitzer
ihren Garten zubetonieren oder die Pflanzen zum falschen Zeitpunkt
zurückschneiden. »Man sieht am Garten, wie die Menschen funktionieren.«
Mindestens zwei Tage in der Woche verbringt Mager in seinem
Schrebergarten, einsam fühlt er sich dabei nie. »Ich rede ganz viel mit
meinen Pflanzen, es sind sehr entspannte Unterhaltungen. Ich glaube, sie
sprechen auch mit mir.«
Im Podcast erzählt Mager von seinem langen Berufsweg, den hässlichsten
Vorgärten und warum es ihm Schmerzen bereitet, wenn er
schlecht gepflegte Bäume und Blumen sieht.
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| Wie findet man die richtigen Worte, wenn ein Mensch gestorben ist, Danny Klein? | 16 Jun 2026 | 00:47:36 | |
»Eine gute Trauerfeier pendelt zwischen Lachen und Weinen«, sagt Danny
Klein im Podcast »Frisch an die Arbeit«. Seit 2018 arbeitet die
56-Jährige als freie Trauerrednerin in Berlin und begleitet Menschen
dabei, Abschied von Freunden oder Familienangehörigen zu nehmen. »Eine
Trauerrede zu beauftragen, ist ja auch ein riesiger Vertrauensakt«, sagt
sie.
Klein wurde in Hannover geboren, wuchs in England auf und studierte
Theologie und Portugiesisch. Später arbeitete sie unter anderem als
Fotografin, in der Kulturvermittlung und als Bestatterin. Heute ist sie
neben ihrer Arbeit als Trauerrednerin auch Rettungssanitäterin im
Krankenhaus. Die unterschiedlichen Stationen verbindet ein gemeinsames
Interesse, wie Klein erzählt: »Ich suche intensive Begegnungen.«
Wenn sie von einer Familie beauftragt wird, besucht sie diese meist zu
Hause oder an einem Ort, der für den verstorbenen Menschen wichtig war.
Fotos, Erinnerungsstücke und vertraute Räume helfen ihr dabei, mit den
Angehörigen ins Gespräch zu kommen. »Ich möchte Geschichten hören, die
ihnen wichtig sind«, sagt sie. Aus vielen einzelnen Erinnerungen
entsteht Schritt für Schritt ein Bild über den Verstorbenen, das später
die Grundlage ihrer Rede bildet.
Dabei geht es ihr ausdrücklich nicht darum, einen Menschen zu
idealisieren. »Man kann sich nicht von einem falschen Bild
verabschieden«, sagt Klein. Auch Konflikte, schwierige Erfahrungen oder
Widersprüche dürfe man erwähnen, solange man sie nicht bewerte. Für
Klein ist die Trauerrede deshalb »ein Moment der Wahrheit«, in dem ein
Mensch noch einmal in seiner ganzen Vielschichtigkeit spürbar wird.
»Für mich ist das Schreiben einer solchen Rede ein künstlerischer
Prozess«, sagt sie. Dafür führt Klein mehrere Gespräche, macht
handschriftliche Notizen und arbeitet oft bis kurz vor der Trauerfeier
an ihren Formulierungen. Mehr als eine Rede pro Monat übernimmt sie
bewusst nicht.
Die fertige Rede versteht sie nicht als bloßen Text. Rhythmus, Pausen
und Blickkontakt seien genauso wichtig wie die Worte selbst. »Bevor ich
eine Trauerrede halte, lese ich sie meiner Partnerin und meiner Mutter
vor, um sicherzugehen, dass alle Zuhörenden gut durch den Text geführt
werden.«
Im Podcast erzählt Danny Klein außerdem, weshalb sie glaubt, dass gerade
die Erinnerungen an Großzügigkeit, Offenheit und gemeinsam erlebte
Momente das sind, was von einem Menschen bleibt. Und warum sie ihre
Trauerreden nie mit dem Satz »Liebe Trauergemeinde« beginnt.
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| Wie unanständig ist privater Reichtum, Sebastian Klein und Antje von Dewitz? | 02 Jun 2026 | 00:38:13 | |
»Die Ursache von fast allen größeren gesellschaftlichen Problemen liegt
darin, wie wir Vermögen verteilen«, sagt Sebastian Klein im Podcast
»Frisch an die Arbeit«. Der 44-jährige Unternehmer hat 2012 zusammen mit
Freunden die App Blinkist gegründet, die Sachbücher in kurzen Texten
zusammenfasst. »Mein größter Wunsch war damals, möglichst schnell
möglichst viel Geld zu verdienen.«
Mit dem Verkauf der App wurde Klein im Jahr 2023 zum Multimillionär. Der
plötzliche Reichtum habe ihn verändert, sagt er. »Ich wollte immer mehr.
Plötzlich hatte ich das Gefühl, ich entferne mich dadurch von Menschen
und einfachen Freuden, die eigentlich viel wichtiger sind im Leben.«
Klein gründete die Investmentfirma Karma Capital und gab 90 Prozent
seines Vermögens an kleine, gemeinwohlorientierte Initiativen, die nicht
profitorientiert sind.
Für Antje von Dewitz ist Profit hingegen »überlebenswichtig«, wie sie im
Podcast sagt. »Ich bin auf Profit angewiesen, er erlaubt mir, nachhaltig
zu wirtschaften und nicht auf Ausbeutung zu setzen, wie andere
Unternehmen.« Sie hat das Familienunternehmen Vaude im Jahr 2009 von
ihrem Vater übernommen – eine Firma, die Outdoor- und Bergsportartikel
verkauft. Von Dewitz richtete die Firma auf Nachhaltigkeit aus, nach
eigenen Angaben achtet sie auf faire Arbeitsbedingungen und transparente
Lieferketten.
Im Podcast spricht die 53-Jährige darüber, wie schwierig es am Anfang
war, ihre Ideen zur Nachhaltigkeit im Unternehmen durchzusetzen. Auch
berichtet sie über ihre Erfahrungen als Frau in einer Führungsposition.
Am Anfang sei die Belegschaft skeptisch gewesen, erzählt sie. Da seien
Fragen gekommen wie: Weiß dein Vater, was du da machst? Doch die soziale
Verantwortung des Unternehmens sei ihr immer wichtig gewesen. Für ihr
Engagement bekam sie zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 2024 das
Bundesverdienstkreuz am Bande.
Die aktuelle Podcastfolge von »Frisch an die Arbeit« wurde live bei der
Führungskräftemesse Future Leader Summit im Congress Center Hamburg
(CCH) aufgezeichnet. Rund eine Stunde sprach Host Elise Landschek auf
dem Podium mit ihren Gästen Antje von Dewitz und Sebastian Klein zum
Thema »Führen mit Verantwortung: Perspektiven auf Macht, Geld und
Gesellschaft«. Dieser Podcast ist die gekürzte Fassung der
Veranstaltung.
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| Warum machen Berge glücklich, Anna Kuisle? | 19 May 2026 | 00:33:47 | |
»Wenn ich morgens aufwache und den Berg sehe, sind diese 30 Sekunden
alle Anstrengungen wert«, sagt Anna Kuisle im Podcast »Frisch an die
Arbeit«. Die 33-Jährige arbeitet seit fünf Jahren jeden Sommer als
Wirtin der Hildesheimer Hütte in den Stubaier Alpen und versorgt dort
mit ihrem Team bis zu 70 Gäste.
Die Hildesheimer Hütte liegt auf 2.899 Metern Höhe in Tirol und befindet
sich zwischen dem Ötztal mit dem Wintersportort Sölden und dem
Stubaital. Die hochalpine Lage in der Nähe mehrerer Gletscher macht die
Hütte zu einem beliebten Ausgangspunkt für Wanderungen.
Bevor die Saison beginnt, erzählt Kuisle, muss sie das Team rekrutieren,
zusammenstellen und Dienstpläne schreiben, Lebensmittelbestellungen
planen und Helikopterflüge organisieren. »Über die Saison müssen
ungefähr zehn Tonnen an Lebensmitteln bewegt werden. Mit dem Helikopter
kann man pro Flug rund 700 Kilo hochbringen«, erzählt sie.
Kuisle ist eigentlich studierte Bauingenieurin und arbeitet im Winter
auch als Verkehrsplanerin im österreichischen Innsbruck. Nach einigen
Jahren im Büro aber fragte sie sich: »War es das jetzt, oder gibt es
vielleicht noch was anderes?« Sie entschied sich, noch einmal auf einer
Berghütte zu arbeiten, und blieb. »Ich habe es noch nie bereut«, sagt
sie.
Zu Kuisles Arbeitsalltag gehören neben der Gastronomie auch
Stromausfälle, kaputte Materialseilbahnen und viele Fragen der Gäste zu
Wetter, Gletschern und zur Tourenplanung. Gerade auch als junge deutsche
Frau habe sie sich ihren Platz unter den Einheimischen und in den Alpen
erarbeiten müssen. »Da wird man schon erst mal schief angeschaut«,
erzählt sie.
Gerade im hochalpinen Gelände beobachtet sie Veränderungen. »Es wird
schon anspruchsvoller und gefährlicher«, sagt sie mit Blick auf
schmelzende Gletscher und den auftauenden Permafrost. Gleichzeitig
erlebt sie einen Wandel bei den Gästen. »Ich glaube, die Menschen werden
jünger, weiblicher und essen häufiger vegetarisch oder vegan«, sagt
Kuisle. Auch der Alkoholkonsum nehme ab.
Die Arbeit auf der Hütte, sagt Kuisle, sei für sie anstrengend, aber
auch erfüllend. »Die drei Monate auf der Hütte sind einfach fast
ausschließlich Arbeit«, erzählt sie. »Aber ich merke dort so richtig,
dass das einfach mein Platz ist.«
Im Podcast erzählt Anna Kuisle außerdem, warum die Stimmung auf der
Hütte besser wird, wenn der Handyempfang weg ist, was sie tut, wenn sie
selbst einmal einen »Hüttenkoller« bekommt und warum sie auch im Winter
regelmäßig zu ihrer Hütte wandert.
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| Wie resilient muss eine Kinderärztin sein, Victoria Lieftüchter? | 05 May 2026 | 00:35:53 | |
»Die Arbeitsbelastung in meinem Beruf ist sehr hoch, ich schaffe es nur,
weil er mir so viel Freude macht«, sagt Victoria Lieftüchter im Podcast
»Frisch an die Arbeit«. Als Kinderärztin arbeitet sie nicht nur auf der
Intensivstation des LMU-Klinikums in München, sondern ist auch
regelmäßig als Kindernotärztin mit einem Team der Rettungsstelle im
Einsatz.
Lieftüchter, 40, muss häufig am Wochenende oder nachts arbeiten.
Obendrauf kommen mindestens 24 Arbeitsstunden im Monat für den
Kindernotdienst. »Ich liebe diesen Job. Denn ich kann Kindern helfen,
die für mich das Wertvollste sind, was wir haben«, sagt Lieftüchter. Oft
wird sie als Kindernotärztin zu schweren Unfällen gerufen.
Manchmal reagieren die Eltern aber auch über und wählen grundlos den
Notruf. »Genervt bin ich trotzdem nie, denn die Eltern haben uns ja
nicht aus Spaß angerufen, sondern weil sie sich Sorgen gemacht haben«,
sagt Lieftüchter. Dennoch glaubt sie, dass sich viele Eltern von
Chatbots oder Google verunsichern lassen und zu Hause falsche Diagnosen
stellen.
Lieftüchter ist Mutter einer achtjährigen Tochter und arbeitet Vollzeit.
»Natürlich habe ich oft zurückgesteckt. Ich musste Geburtstage von
Freunden absagen oder konnte selten das ganze Wochenende mit meinem Kind
verbringen«, sagt Lieftüchter.
Ihr oberstes Ziel motiviert sie: Kinder an allen Kliniken sollen von
Spezialisten behandelt werden können, auch über den Notruf. Dafür setzt
sie sich auch als Vorstandsmitglied in der Fachgesellschaft für
Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin ein. In vielen
Bundesländern ist das bislang nicht so.
Im Podcast erzählt Lieftüchter, wie ein Einsatz als Kindernotärztin
abläuft, womit sie ihre Resilienz stärkt und mit welchen Argumenten sie
junge Kollegen für den Job begeistert.
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| Arbeiten Sie gerne im Gefängnis, Stephanie Pfalzer? | 21 Apr 2026 | 00:40:57 | |
»Ich wollte keinen einfachen Job – das hat funktioniert«, sagt Stephanie
Pfalzer im Podcast »Frisch an die Arbeit«. Sie ist stellvertretende
Leiterin der Justizvollzugsanstalt München und verantwortet unter
anderem eine Therapieabteilung für Sexualstraftäter.
Pfalzer, 50, studierte Rechtswissenschaften und Rechtsphilosophie in
Augsburg und Edinburgh. Seit 2011 gehört sie zum Leitungsteam der JVA
München. In ihrer Einrichtung sind vor allem Menschen in
Untersuchungshaft untergebracht.
Anders als in einer JVA mit langen Haftstrafen sei es hier noch möglich,
Perspektiven für die Inhaftierten zu entwickeln. »Bei uns haben die
meisten Gefangenen noch Hoffnung und blicken nach vorne«, sagt Pfalzer.
Viele glaubten, ihre Unschuld beweisen zu können oder mit einem milderen
Urteil davonzukommen.
Wenn neue Inhaftierte ankommen, geht es oft zuerst um praktische Fragen.
»Manchmal ist das nur die zurückgelassene Katze, um die sich jemand
kümmern muss«, sagt Pfalzer. Viele würden direkt aus ihrem Alltag heraus
verhaftet. Ab und zu führt das zu absurden Situationen, etwa wenn ein
Inhaftierter seinen Verwandten sein plötzliches Verschwinden erklären
will. »Ein Gefangener hat seinen Kindern etwa erzählt, er arbeite auf
einer Ölbohrplattform und könne deshalb nicht nach Hause kommen«, sagt
Pfalzer. Er habe gewollt, dass einer unserer Mitarbeiter das bestätigt.
»Aber an Lügen beteiligen wir uns natürlich nicht«, sagt Pfalzer.
Der Alltag in einer Justizvollzugsanstalt ist streng organisiert. Handys
sind nicht zugelassen, weil die Kommunikation kontrolliert werden muss.
Brillen oder Hörgeräte sind nach einer Kontrolle erlaubt, Eheringe nur
bis zu einem bestimmten Wert.
»Ich habe aber nie das Gefühl, dass ich nur Regeln umsetze – ich kann
auch viel von meinen Überzeugungen einfließen lassen«, sagt Pfalzer. Mit
den Jahren habe sich ihr Blick auf Täter verändert. »Straffällig werden
Menschen außerhalb der Mauern, nicht hinter Gittern.« Lebensumstände
seien oft entscheidend, gerade auch Suchterkrankungen, auch wenn jede
Tat eine eigene Entscheidung bleibe.
Im Podcast erzählt Stephanie Pfalzer außerdem, warum die JVA für manche
Gefangene auch eine Rettung ist, weshalb Ausbrüche selten geworden sind
und wie Angehörige und Freunde mit Gefangenen umgehen sollten.
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| Haben Sie schon mal Ihren Einsatz verpasst, Michael Leopold? | 07 Apr 2026 | 00:40:50 | |
"Mein Job kann körperlich sehr anstrengend sein", sagt Michael Leopold
im Podcast Frisch an die Arbeit. Er ist Schlagzeuger bei den Münchner
Philharmonikern und braucht für das Spielen von Trommeln, Becken,
Donnerblechen oder Gongs viel Kraft und muss oft lange stehen. "Dafür
ist es auf der anderen Seite auch ganz entspannt", fügt er hinzu. Zum
Beispiel, wenn bei der 7. Sinfonie von Bruckner nur ein einziger Schlag
im ganzen Stück anstehe. Den dürfe man dann allerdings auf keinen Fall
verpassen, "das wäre sonst sehr peinlich".
Seit fast zehn Jahren spielt der 35-Jährige verschiedene
Perkussionsinstrumente bei den Philharmonikern. Oft sitzen bei den
Konzerten mehr als 100 seiner Musikerkollegen auf der Bühne. Die
Hierarchien seien dabei klar geregelt. "Die Chefs sind die ersten Geiger
und der Dirigent, bei den Rhythmusinstrumenten hinten gibt auch der
Paukist den Ton an", sagt Leopold. Mit den Bläsern kämen Schlagzeuger
wie
er besonders gut klar, "denn die haben oft denselben Hintergrund. Die
meisten haben wie wir in kleinen Blaskapellen auf dem Land angefangen
und sind dann erst zur klassischen Musik gewechselt."
Er selbst habe erst gar nicht gewusst, dass er die Musik zum Beruf
machen wollte, fast wäre er Profi-Fußballer geworden. Aber dann verlief
sein Weg recht geradlinig über sein Studium an der Musikhochschule
München und viele Stationen an Theatern, Orchestern und der
renommierten Akademie der Philharmoniker. "Ich bin sehr dankbar, dass
ich so ein Glück hatte", sagt Leopold.
Von allen Stücken möge er die Sinfonien von Gustav Mahler am liebsten,
da er als Schlagzeuger da viel zum Einsatz komme. Auch an eher
unscheinbaren Instrumenten. "Es macht einen Unterschied, wie man zum
Beispiel Triangel spielt", sagt er. "Man kann schon eine kleine
Wissenschaft daraus machen: Wo klingt dieses Dreieck am schönsten, wo
sind die Obertöne am klarsten."
Im Podcast erzählt Leopold, welche Pannen er auf der Bühne schon mal
erlebt hat, warum er nebenbei immer noch sehr gerne in
Oktoberfest-Kapellen spielt und wie er junge Leute für klassische Musik
begeistern will.
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| Was bedeutet es, Schwangerschaftsabbrüche anzubieten, Frau Baier? | 24 Mar 2026 | 00:46:08 | |
"Seit 2003 ist die Zahl der Einrichtungen, die Schwangerschaftsabbrüche
durchführen, fast auf die Hälfte zurückgegangen“, sagt die Gynäkologin
Alicia Baier im Podcast Frisch an die Arbeit. Dabei gebe es
grundsätzlich genug medizinische Infrastruktur. "Aber zu viele Praxen
und Krankenhäuser entziehen sich der Versorgung.“
Baier, 34, stammt aus Heidelberg und hat ihr Medizinstudium ursprünglich
begonnen, um Psychiaterin zu werden. Wegen der politischen Debatte um
das deutsche Abtreibungsrecht entschied sie sich aber für die
Gynäkologie als Fachgebiet.
Dass viele Ärztinnen keine Schwangerschaftsabbrüche mehr anbieten, hat
aus Baiers Sicht mehrere Gründe: "Es ist ein stigmatisiertes Thema und
der Schwangerschaftsabbruch ist der einzige medizinische Eingriff, der
im Strafgesetzbuch steht“, sagt sie. Für Ärztinnen könne das
weitreichende Folgen haben: "Wenn man Fehler macht, droht im schlimmsten
Fall nicht nur ein Berufsverfahren, sondern eine Haftstrafe.“
Medizinisch sei ein Schwangerschaftsabbruch wenig kompliziert. "Das ist
ein sehr sicherer und einfach durchzuführender Eingriff“, sagt Baier.
Um die Versorgungslage in Deutschland zu verbessern, gründete Baier
schon während des Studiums eine studentische NGO, die sich für das Recht
auf einen sicheren und legalen Schwangerschaftsabbruch einsetzt. Heute
ist Baier Vorsitzende der Gruppe Doctors for Choice.
Dieses Engagement habe allerdings auch persönliche Konsequenzen, erzählt
sie. "Ich habe oft Anfeindungen erlebt“, sagt Baier. Im Internet gebe es
Seiten, auf denen Ärztinnen, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen,
öffentlich angegriffen würden. "Da werden Bilder mit blutigen Händen
verbreitet und man wird als Mörderin bezeichnet“, berichtet die Ärztin.
Sie sei auch schon mehrmals von radikalen, meist
fundamentalistisch-christlichen Aktivisten angezeigt worden.
Von ihren Patientinnen hört Baier hingegen einen Satz besonders oft.
"Danke, dass Sie so nett zu mir waren.” Baier findet es erschreckend,
dass sich Frauen dafür bedanken, anständig behandelt zu werden. "Im
medizinischen Alltag sollte das eigentlich selbstverständlich sein",
sagt sie.
Im Podcast erzählt Baier außerdem, wie viel liberaler
Schwangerschaftsabbrüche in den meisten anderen europäischen Ländern
geregelt sind, warum 80 Prozent der Menschen in Deutschland für ein
weniger restriktives Abtreibungsrecht sind und weshalb sich politisch
dennoch so wenig tut.
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| Wovor ekelt sich ein Müllmann, Jörg Möller? | 10 Mar 2026 | 00:32:51 | |
"Man schafft diesen körperlich anstrengenden Job nur, wenn man dabei
lachen kann", sagt Jörg Möller im Podcast Frisch an die Arbeit. Als
Müllmann bei der Berliner Stadtreinigung fährt er vormittags mit seinen
Kollegen und einem Lkw durch die Hauptstadt und sammelt den Restmüll
ein.
Möller, 37, hat jahrelang als Handwerker gearbeitet, meistens musste er
Dächer reparieren. Mit Anfang 30 wechselte er zur Berliner
Stadtreinigung, wo er schon als Kind immer arbeiten wollte. Sein Vater
war auch schon Müllmann. "Er war immer mein Held, weil er ein großes,
oranges Auto fahren durfte", sagt Möller. Auch sein Bruder arbeitet als
Müllmann, manchmal fährt Möller mit ihm auf einer Tour, dann holen sie
gemeinsam die Tonnen aus den Hinterhöfen.
Möller gehe jeden Morgen gerne zur Frühschicht, erzählt er. Die meisten
Menschen würden sich für seine Arbeit bedanken, wenn sie ihm in seiner
Schutzkleidung begegnen. "Viele lächeln mich einfach nur an. Auch das
hilft mir schon dabei, den Job jeden Tag durchzuziehen." Wütend mache
ihn nur, wenn Autofahrer laut hupen, weil der Müllwagen kurz die Straße
blockiert oder ihn fast umfahren. "Ich ärgere mich dann kurz, weil ich
mal wieder drei Minuten meiner Lebenszeit an jemanden verschwendet habe,
der einfach nicht versteht, dass ich nur meine Arbeit mache."
Im Podcast erzählt Möller auch über Ratten, die aus den Mülltonnen
springen, warum Teddybären an seinem Lkw hängen und wie er sich von
seiner anstrengenden Arbeit erholt.
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| Welche veganen Gerichte machten dich berühmt, Julius Fiedler? | 24 Feb 2026 | 00:46:17 | |
"Veganes Essen gibt es schon seit Tausenden von Jahren, es wurde nur nie
so genannt", sagt der Kochbuchautor Julius Fiedler im Podcast "Frisch an
die Arbeit". "Fleisch, Fisch und Milch waren schließlich schon immer
teuer."
Fiedler, 31, wuchs in der Nähe von Düsseldorf auf und studierte Film in
London. Für seine Abschlussarbeit filmte er eine Dokumentation über
Cheddar in einer englischen Käserei und begegnete dort zufällig dem
Filmteam von Jamie Oliver. Eine Begegnung, die seine Karriere verändern
sollte, denn kurze Zeit später begann er als Produktionsassistent bei
Jamie Olivers Produktionsfirma.
Selbst bekannt wurde Fiedler dann unter dem Alias @herrmann während der
Coronapandemie mit Sauerteig-Backkursen und Rezeptvideos. Seitdem
verfolgen 2,5 Millionen Menschen auf Instagram und nochmals jeweils eine
Million auf TikTok und YouTube, wie er vegane Gerichte aus aller Welt
ausprobiert.
"Ich wollte mich vegan ernähren, ohne auf hoch verarbeitete Produkte
zurückzugreifen oder mich ausschließlich von Soja zu ernähren", erzählt
Fiedler. Dabei stieß er zunächst auf ein altes Rezept aus Myanmar, für
eine Art Tofu aus Kichererbsen. "Dabei fiel mir auf: Dort sagt keiner,
dass das vegan ist. Das ist einfach traditionelles Essen!"
Auch in anderen Ländern sammelte Fiedler solche überlieferten tierfreien
Gerichte. "Wenn man sich in Italien die Cucina povera anguckt, dann
findet man unglaublich vieles", erzählt er. Gerichte wie Ribollita, ein
Eintopf aus altem Brot, Bohnen und vorgekochtem Gemüse, seien günstig
und vegan zugleich. "Das war ein absolutes Armutsgericht und trotzdem
super nahrhaft."
Mittlerweile reist Fiedler in die Regionen, aus denen die Rezepte
stammen, und stellt auch die Menschen vor, die ihm erklären, wie diese
gekocht werden. "Mir war wichtig, Essen als Kulturgut zu begreifen",
sagt Fiedler. "Ich möchte verstehen, warum diese Gerichte sind, wie sie
sind, und warum die konkreten Zutaten wichtig sind."
Im Podcast erzählt Fiedler außerdem, warum er sich gerade besonders für
georgisches Essen begeistert, dass Gerichte in heißen Ländern oft und
notgedrungen tierfrei sind und was man vom schwäbischen Kartoffelsalat
über traditionell veganes Essen aus Deutschland lernen kann.
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| Wie gefährlich ist Fliegen wirklich, Julia Peukert? | 10 Feb 2026 | 00:43:50 | |
"In das Fliegen bin ich eher so reingestolpert", sagt Julia Peukert im
Podcast Frisch an die Arbeit. Bis zum Abi hatte sie nie darüber
nachgedacht, Pilotin zu werden. Doch dann schenkten ihr Freunde zum
Geburtstag einen Fallschirmsprung. "Der Sprung war mir eigentlich egal,
aber das Fliegen in dem kleinen Flugzeug fand ich faszinierend".
Peukert beschloss, sich an einer Flugschule für die Ausbildung zur
Pilotin zu bewerben. "Man sollte gut in Mathe und Physik sein, eine
schnelle Auffassungsgabe haben und sehr stressresistent sein", erzählt
sie. Nach einem komplizierten Auswahlverfahren wurde Peukert im ersten
Anlauf genommen. Heute ist sie 44 Jahre alt und beschreibt ihren Beruf
als "absoluten Traumjob".
Seit 21 Jahren fliegt die Berlinerin quer über den Globus. Von ihrer
Basis in Frankfurt am Main aus steuert sie für die Lufthansa-Tochter
Discover Airlines mit großen Passagierflugzeugen die Bahamas, Las Vegas
oder Mombasa an. Sie mag vor allem Flughäfen, die unter Piloten als
anspruchsvoll gelten, weil sie zum Beispiel sehr kurze Landbahnen haben
oder in Bergregionen liegen.
"In Innsbruck erreichst du die Landebahn erst nach einer Art geführtem
Sturzflug", erzählt sie. Für solche Herausforderungen brauchen die
Pilotinnen und Piloten eine Weiterbildung, Peukert hat sie absolviert.
Zuerst sei Fliegen aber eine Teamleistung, sagt sie. Die
Flugbegleiterinnen, das Bodenpersonal, die Leute in der Technik, im
Tower und die Besatzung im Cockpit, das greife alles ineinander. "Man
muss schon ein besonderer Schlag Mensch sein für diesen Beruf, das
vereint uns alle", sagt sie. Feste Routinen wie jeden Tag Punkt 18 Uhr
Abendessen oder immer im gleichen Bett schlafen seien für die meisten
nicht drin.
Peukert ist manchmal mehrere Tage hintereinander unterwegs, dafür aber
auch mal eine ganze Woche bei ihrer Familie. Sie ist verheiratet und hat
zwei Kinder. Für sie funktioniert dieses Modell gut. Sie findet es
schade, dass sich nur so wenige Frauen auf den Pilotenjob bewerben, sagt
sie.
Im Podcast erzählt Julia Peukert, wie sie als Kapitänin im Cockpit mit
dummen Sprüchen umgeht. Ob Jetlags irgendwann zur Gewohnheit werden. Und
wie das Fliegen in Zukunft umweltfreundlicher werden könnte.
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| Wie schreibt man einen Fantasy-Bestseller, Katja Brandis? | 27 Jan 2026 | 00:46:07 | |
"Ich muss meine Schreibzeit erobern, verteidigen und genießen", sagt die
Bestseller-Autorin Katja Brandis im Podcast Frisch an die Arbeit. Mit
der Woodwalker-Reihe hat sie mittlerweile über 3,5 Millionen Bücher
weltweit verkauft. Ein Drittel ihrer Arbeitszeit verbringe sie jetzt mit
Fanbetreuung, verrät sie.
Katja Brandis ist ein Künstlername, die Autorin heißt eigentlich Sylvia
Englert. Sie wurde 1970 geboren und zählt zu den erfolgreichsten
deutschen Jugendbuchautorinnen. Insgesamt hat sie mehr als 70 Romane
veröffentlicht, die mehr als 20 Woodwalker-Bände wurden in mehrere
Sprachen übersetzt. Außerdem kommt nun der Film Woodwalkers 2 in die
Kinos.
Ursprünglich plante Brandis einen Einzelroman für Jugendliche ab zwölf,
den ihr Verlag aber zunächst ablehnte. "Dann hat sich die Lektorin ein
Jahr später gemeldet und gesagt: Dieser Katzenjunge, der geht mir nicht
aus dem Kopf. Und gefragt, ob ich das vielleicht für Kinder ab zehn
Jahren machen könnte", erzählt sie. Daraufhin habe sie den Roman
umgeschrieben.
"Ich hatte schon das Gefühl, dass es den Kids wirklich gefallen könnte",
sagt Brandis über den ersten Band, "aber dieses Ausmaß hätte ich mir
wirklich nicht träumen lassen". Sie erzählt, dass sie mittlerweile
Leserbriefe aus Kasachstan, Finnland, Spanien oder Südamerika bekommt.
"Ich weiß, dass Leute auf das, was ich schreibe, warten. Es ist wirklich
grandios!"
Damit die Kinder immer weiter lesen wollen, optimierte Brandis ihre Art
zu schreiben. "Früher habe ich Kapitel immer inhaltlich abgeschlossen
und das ist eigentlich blöd", sagt sie. Heute weiß sie: "Man sollte ein
Kapitel genau dann abbrechen, wenn es am spannendsten ist – dann können
die Kinder die ganze Nacht unter der Bettdecke lesen."
Angefangen zu Schreiben hat Brandis schon als Jugendliche. "Schon mit 14
habe ich drei, vier Romane im Jahr geschrieben, aber die waren halt noch
nicht sonderlich gut." Über Testleser in ihrer Schule und Autorengruppen
habe sie sich weiterentwickelt.
"Beim Schreiben kann man sich wahnsinnig gut selber ausbremsen", sagt
sie. "Erste Fassungen dürfen schlecht sein." Sie habe "jeden nur
denkbaren Fehler schon mal gemacht, wirklich jeden".
Im Podcast erzählt Brandis außerdem, warum sie Recherchen in der
namibischen Wüste und im Regenwald für unverzichtbar hält, welche Fehler
in ihren Büchern sie fuchsig machen und was für eine Tierwandlerin sie
selbst wäre.
"Frisch an die Arbeit" wird jeden zweiten Dienstag veröffentlicht. Es
moderieren im Wechsel Daniel Erk, Hannah Scherkamp und Elise Landschek.
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| Was macht Wohnungen gemütlich, Fabian Freytag? | 13 Jan 2026 | 00:53:33 | |
"Wie wir uns einrichten, liegt an unserem Sicherheitsbedürfnis. Man
wünscht sich Behaglichkeit, einen Schutzraum, der einen Puffer nach
außen bietet", sagt Fabian Freytag im Podcast Frisch an die Arbeit. Als
Interior Designer mit einem Büro in Berlin verändert er Grundrisse,
dekoriert Wohnungen und warnt Kunden und Kundinnen vor Fehlkäufen.
Freytag, 41, hat Architektur an der Universität der Künste
studiert. Noch in seiner Ausbildung bekam er den ersten Auftrag als
Innenarchitekt. Während der globalen Finanzkrise 2008 kauften viele
Menschen aus dem Ausland Wohnungen in Berlin als Investment – einige
beauftragten Freytag mit der Einrichtung. "Sie vertrauten auch Anfängern
wie mir. In keiner anderen Stadt hätte ich so schnell Aufträge
bekommen", sagt Freytag.
Seinen Kunden und Kundinnen rät Freytag zu bunten Wänden und großen
Teppichen. "Sogar das Bad soll eine gewisse Opulenz haben und
eingerichtet werden wie andere Räume", sagt er. Sein Tipp: Wer eine
Wohnung oder ein Haus einrichte, dürfe nicht das kaufen, was alle haben.
Stattdessen sei es wichtig, mit einigen Übungen herauszufinden, welche
Möbel, Farben und Stoffe einem wirklich gefallen. Freytag empfiehlt,
Onlineauktionshäuser oder Kleinanzeigen zu durchsuchen und dabei zu
notieren, aus welchen Jahrzehnten die Einrichtungsgegenstände stammen,
die einem gefallen. Außerdem könne man überlegen, in welchen Wohnungen
von Freunden, Restaurants oder Hotels man sich besonders wohlfühlt und
warum.
Im Podcast erzählt Freytag, wie künstliche Intelligenz seine Arbeit
verändert, warum er offene Regale in seinen Entwürfen vermeidet und
welche Hobbys ihn kreativ machen.
"Frisch an die Arbeit" wird jeden zweiten Dienstag veröffentlicht. Es
moderieren im Wechsel Daniel Erk, Hannah Scherkamp und Elise Landschek.
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| Wie bekämpft man Einsamkeit, Elke Schilling? | 30 Dec 2025 | 00:45:24 | |
"Nachts ist die Einsamkeit am schärfsten, da kommt alles zusammen – die
Kontaktlosigkeit, die Dunkelheit und die Schlaflosigkeit", sagt Elke
Schilling, Gründerin und Vorsitzende des Senioren-Telefons Silbernetz,
im Podcast Frisch an die Arbeit. "Das kann einem gerade über die
Feiertage unglaublich auf die Seele fallen."
Schilling, selbst schon 82 Jahre alt, hat in der DDR Mathematik
studiert, zwischen 1969 und 1989 als Programmiererin gearbeitet, wurde
mit der Wiedervereinigung arbeitslos und begann eine Karriere in
Politik. Erst wurde sie Staatssekretärin für Frauenfragen in
Sachsen-Anhalt, dann Beraterin für Unternehmen und schließlich Gründerin
einer Telefonseelsorge. Der entscheidende Impuls für das sogenannte
Silbernetz kam Schilling durch ein persönliches Erlebnis: Ein älterer
Nachbar verschwand plötzlich aus ihrem Alltag, wochenlang brannte Licht
in seiner Wohnung, dann tauchten Fliegen auf. Als der Vermieter
schließlich die Tür öffnen ließ, stellten sie fest: Der Nachbar war seit
Wochen tot.
Im Gespräch sagt Schilling: "So einsam darf kein Mensch sein". Und doch
sind solche Todesfälle nicht selten, erzählt sie: "In jeder deutschen
Großstadt sterben jedes Jahr rund 300 Menschen auf diese Weise." 2015
gründete sie deshalb einen Verein und orientierte sich dabei an einer
Idee aus Großbritannien. Ursprünglich wollte sie eine Hotline für
einsame, ältere Menschen in Berlin erschaffen.
Heute gibt es zusätzlich zum Verein mit fast 350 Ehrenamtlichen ein
Sozialunternehmen mit mehr als 30 Mitarbeitenden. Das Angebot von
Silbernetz richtet sich an Menschen ab 60 Jahren, aber "meine älteste
Anruferin war 109 Jahre alt", erzählt Elke Schilling.
Über das Jahr ist das Telefon täglich zwischen 8 und 22 Uhr zu
erreichen, an Weihnachten aber, erzählt Schilling, sitzen die
Ehrenamtlichen der Hotline Tag und Nacht an den Apparaten. "Die
Weihnachtszeit ist unglaublich emotional aufgeladen", sagt Schilling.
"Eigentlich klingelt das Telefon dann die ganze Zeit. "Eine der
Zielgruppe des Silbernetz seien natürlich Menschen über 85, die
körperlich oft nicht mehr mobil seien und deren Gesprächskreis dadurch
verkleinere: "Je älter man wird und je mobiler man eingeschränkt ist,
desto weniger Kontakte hat man ich – und desto weniger neue kann man
knüpfen."
Aber auch pflegende Angehörige, erzählt Schilling, seien oft einsam.
"Ihr sozialer Kreis schrumpft durch die Pflege auf eine einzige Person",
sagt Schilling. Im Podcast erzählt Schilling außerdem, wie das
Silbernetz in der Pandemie stark wachsen konnte, warum Geld ihre größte
Sorge ist und welchen Tipp sie Menschen gibt, die sich vor dem Anruf bei
der Großtante drücken.
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| Wie muss sich unsere Ernährung verändern, Sarah M. Schmitt? | 16 Dec 2025 | 00:44:12 | |
"Wir sind noch nicht am Punkt, an dem Weizen verschwindet", sagt die
Agrarexpertin Sarah M. Schmidt im Podcast Frisch an die Arbeit. "Aber
wir sind in vielen Bereichen gefährlich abhängig von wenigen Sorten."
Schmidt studierte Biologie und promovierte über Pflanzenkrankheiten der
Gerste. Heute arbeitet sie als Beraterin der Gesellschaft für
internationale Zusammenarbeit mit dem Schwerpunkt auf
Ernährungssicherheit und ländliche Entwicklung. "Wir müssen unsere
Felder anders anlegen", sagt Schmidt. Sie sagt, Felder wie sie heute
existieren, seien für ein Klima gebaut worden, das es so nicht mehr
gibt.
"Wenn sich alle so ernähren wie wir in der westlichen Welt, kann das die
Menschheit nicht lange durchhalten", sagt Schmidt. Es gäbe dazu nicht
genug Wasser und zu viele Böden seien bereits kaputt.
"Insgesamt sind es eigentlich nur 20 Nutzpflanzen, die intensiv
gezüchtet werden", sagt sie. Ein Großteil der globalen Ernährung beruhe
auf Weizen, Mais und Reis. Dabei gibt es laut Schmidt weltweit bis zu
4.000 essbare Pflanzen.
Dadurch, dass viele der wichtigsten Nahrungspflanzen in Monokulturen
wachsen, gefährden etliche Pflanzenkrankheiten die Ernährung. Dazu kämen
Schädlinge. Und der Klimawandel verschärfe die Probleme.
In Indonesien etwa, wo Schmidt zu Bananen und ihren Krankheiten
forschte, seien in den Achtzigern und Neunzigern Mangrovenwälder
abgeholzt worden. "Heute werden dadurch ganze Felder vom Meer
überschwemmt und zerstört", sagt Schmidt.
Insgesamt überstrapaziere der Anbau von Obst und Gemüse die für die
Menschheit verfügbaren Anbauflächen. "Unsere Ernährungssysteme haben die
planetaren Grenzen bereits in mehreren Dimensionen überschritten", sagt
Schmidt.
Im Podcast erzählt Schmidt außerdem, weshalb Bananen besonders von
Pflanzenkrankheiten bedroht sind, warum Unkraut wie Amaranth und
Brennnesseln dringend ein wichtiger Teil der Ernährung werden sollten
und warum schleimig oder bitter schmeckende Pflanzen in vielen
Weltregionen besonders beliebt sind.
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| Warum wollen alle schöner werden, Olaf Kauder? | 02 Dec 2025 | 00:43:30 | |
"Viele zeigen sich nicht mehr gerne ihrem Partner, weil sie sich
schämen, wie sie aussehen. Und da kann man helfen", sagt Olaf Kauder im
Podcast Frisch an die Arbeit. Als Facharzt für plastische und
ästhetische Chirurgie mit eigener Praxis in Berlin strafft er
Gesichtshaut, verkleinert Brüste und saugt Fett ab. Viele seiner
Patientinnen und Patienten würden sich wünschen, wieder wie früher
auszusehen, sagt er. Er wäge dann immer ab, ob sie wirklich durch diesen
Eingriff profitieren würden.
Olaf Kauder hat Medizin an der Westfälischen Wilhelms-Universität in
Münster studiert und, nach seiner Ausbildung zum Facharzt, vor mehr als
20 Jahren seine Praxis in Berlin gegründet. In Vorgesprächen versucht
Kauder herauszufinden, warum seine Patienten und Patientinnen sich
behandeln und operieren lassen wollen. Dabei sei auch entscheidend, wer
sie begleitet. Ist der Partner dabei? Die Mutter? "Ich muss die
Motivation verstehen. Ob er oder sie das für sich macht oder durch
andere motiviert wird", sagt Kauder. Manchmal rät er nach dem
Vorgespräch von einer Behandlung ab.
"Ich glaube, dass viele ihren Körper falsch wahrnehmen, weil sie einem
enormen Druck von außen unterlegen sind", sagt Kauder. Einmal sei
beispielsweise ein junger Mann zu ihm gekommen, der seine Brustwarze
operieren wollte, weil sie ihm zu groß erschien. "Das war ein
Normalbefund, er war ein Opfer von Social Media und überhaupt dem
Schönheitswahn." Er sehe es deswegen als seine Verantwortung, gerade
jungen Menschen zu sagen, wenn sie eine Operation nicht benötigen.
Im Podcast erzählt er, wie er es schafft, sich stundenlang während einer
Operation zu konzentrieren, welche Behandlungen am meisten Spaß machen
und warum er in seiner Freizeit nicht über seinen Beruf sprechen will.
"Frisch an die Arbeit" wird jeden zweiten Dienstag veröffentlicht. Es
moderieren im Wechsel Daniel Erk, Hannah Scherkamp und Elise Landschek.
Das Team erreichen Sie unter frischandiearbeit@zeit.de.
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| Wie bauen Sie Stress ab, Ines Schwerdtner? | 18 Nov 2025 | 00:48:16 | |
"Ich laufe mir den Stress ab", sagt Ines Schwerdtner, Vorsitzende der
Linkspartei und Abgeordnete im Bundestag im Podcast "Frisch an die
Arbeit". Wenn sie jogge, gehe sie jedes Mal die gleiche Route und höre
dieselbe Musik, weil sie über solche Dinge nachdenken wolle. "Ich
glaube, dass mich die Aufregung im Plenum immer ein paar Kalorien
kostet", sagt sie.
Schwerdtner, 1989 in Werdau in Sachsen geboren und in Hamburg
aufgewachsen, hat Englisch und Politik auf Lehramt studiert, dann einige
Jahre als Journalistin gearbeitet – unter anderem für die deutsche
Ausgabe des aus den USA stammenden linken Magazins "Jacobin", die sie
selbst gründete.
Seit Oktober 2024 ist Schwerdtner – gemeinsam mit Jan van Aken –
Vorsitzende der Partei Die Linke. Im Frühjahr 2025 gewann sie das
Direktmandat im Wahlkreis Berlin-Lichtenberg für ihre Partei, unter
anderem gegen Beatrix von Storch von der in Teilen rechtsextremen AfD.
Ihre Arbeitstage seien häufig sehr lang, sagt Schwerdtner. "Ich zähle
die Stunden ehrlich gesagt nicht, weil mich das in eine Depression
stürzen würde." Gerade in Sitzungswochen kämen schnell "12, 14 oder auch
mal 16 Stunden" am Tag zusammen.
Dass die Linke in Deutschland seit Schwerdtners Amtsantritt fast 70.000
neue Mitglieder gewinnen konnte, liegt ihr zufolge auch daran, dass sich
die Partei auf einige grundlegende Themen und Strategien fokussiert hat.
"Das Erfolgsrezept ist, an den Alltagssorgen der Menschen zu sein und
zuzuhören." Wichtig seien dabei vor allem die Themen
Lebenshaltungskosten und Mieten. "Wenn man einen Begriff wie
Mietendeckel selber nicht mehr hören kann, ist das der Moment, wo die
Strategie funktioniert", sagt sie.
Gleichzeitig betont sie, dass sich ihre Partei strukturell modernisieren
müsse. Kinderbetreuung während Sitzungen, flexiblere Arbeitszeiten und
weniger Abendveranstaltungen seien wichtige Schritte, um mehr Menschen
und vor allem Frauen mit Kindern auch aus der Arbeiterschicht für
politisches Engagement zu gewinnen. "Wir brauchen Menschen, die aus der
Pflege kommen, aus der Industrie, Friseurinnen und nicht nur solche mit
klassischen Politkarrieren."
Als Parteivorsitzende hat Schwerdtner gemeinsam mit ihrem
Co-Vorsitzenden Jan van Aken ihr eigenes Einkommen auf 2.850 Euro netto
pro Monat gedeckelt: ein Wert, der sich am durchschnittlichen Gehalt in
Deutschland orientiert. Auch wenn sie selbst sehr viel arbeite, sei sie
absolut überzeugt von dem Prinzip. Die Selbstbegrenzung erde sie: "Ich
weiß, wie die Supermarktpreise sind, weil ich selbst jede Woche
einkaufen gehe."
Für die Zeit nach der Parteiführung hat sie viele Ideen. Schwerdtner
sagt: "Ich finde die Perspektive schön, noch einmal etwas anderes machen
zu können." Sie könne sich vieles vorstellen – Drehbücher schreiben zum
Beispiel, oder doch noch als Lehrerin arbeiten. Aber noch sei das alles
für sie sehr weit weg: "Im Moment ist die Aufgabe, die ich habe, groß
genug."
Im Podcast erzählt Ines Schwerdtner außerdem, welche Lehren sie aus den
linken Erfolgen in New York zieht und wie ihre Partei mit den Themen
Gaza und Antisemitismus weiter umgehen will.
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| Warum lassen sich Menschen tätowieren, Gabriel Wolff? | 04 Nov 2025 | 00:46:17 | |
"Ich bin Künstler, mich interessieren vor allem Geschichten, für das
Tätowieren selbst interessiere ich mich kaum", sagt Gabriel Wolff im
Podcast Frisch an die Arbeit. "Als Kalligraf ist alles, was ich mache,
immer Text: Das kann ein Gedicht sein, ein Bibelzitat oder eine Stelle
aus dem Talmud. Und diesen Text packe ich dann in Kunst."
Wolff, 43, ist in Dachau geboren, in München aufgewachsen und dann mit
seiner Mutter nach Israel ausgewandert. Er hat, wie er im Podcast
erzählt, schon als Kind immer viel gemalt und gezeichnet – und von
Anfang an meistens Buchstaben. "Ich habe in Jerusalem gelebt und dort
gibt es sehr viel islamische Kalligrafie, also arabische Buchstaben, die
künstlerisch umgesetzt werden. Das hat mich inspiriert", erzählt er.
Je mehr er gezeichnet habe, desto anspruchsvoller seien seine Entwürfe
geworden, sagt Wolff: "Ich habe die Buchstaben immer mehr in die Formen
reinwachsen lassen, nach einiger Zeit waren es nicht mehr Quadrate oder
Kreise, in denen ich die Buchstaben arrangierte, sondern Bäume."
Weil Wolff als Jugendlicher den obligatorischen Wehrdienst in Israel aus
Protest gegen die anhaltende Besetzung Palästinas verweigerte, musste er
mehrfach ins Militärgefängnis – und traf ausgerechnet dort auf einen
Mitgefangenen, der ihm riet, seine Zeichnungen als Tätowierungen
anzubieten. "Ich bin dann zwei Wochen in einem Tattoostudio in Jerusalem
rumgehangen, aber ganz ehrlich: Ich habe es nicht gemocht, das war
nichts für mich", erzählt Wolff. "Ich bin dann zu meinen Leinwänden und
Papieren zurückgekehrt."
Heute entwirft Wolff nur noch die Kalligrafien, die später tätowiert
werden. "Die meisten meiner Kunden leben in den Vereinigten Staaten und
Kanada", sagt Wolff. Mittlerweile beschäftigt er eine Mitarbeiterin, die
all die Vorgespräche führt und die Geschichten der Menschen
zusammenträgt.
"80 Prozent unserer gemeinsamen Arbeit ist zuzuhören, um die Geschichten
der Menschen zu verstehen, die ich später in meinen Bildern
zusammenfasse." In den 20 Jahren, in denen seine Kalligrafien tätowiert
wurden, schätzt Wolff, habe er schon für gut 3.000 Menschen gezeichnet.
Nicht nur für Wolff, sondern auch für seine Kunden war der 7. Oktober
2023, an dem Kämpfer der Hamas Israel überfielen und viele Menschen
töteten, vergewaltigten und entführten, ein tiefer Einschnitt. Zunächst,
erzählt er, seien die Entwürfe nach dem Massaker größer, sehr klar und
bekennend gewesen: Davidsterne, Löwen, israelische Symbole. "Aber
ungefähr ein halbes Jahr später, als die Leute den stärker werdenden
Antisemitismus bemerkt haben, hat es sich umgekehrt", sagt Wolff. "Die
Tätowierungen sind jetzt sehr viel dezenter, sehr viel zurückgezogener
und überhaupt kommen viel weniger Anfragen."
Im Podcast erzählt Wolff, weshalb er fast einmal Mitglied der
kommunistischen Partei Israels geworden wäre und warum er seine Arbeit
als sinnhaft erlebt – aber nicht als Glück.
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| Wie sucht man die Musik für Filme aus, Herr Hossbach? | 21 Oct 2025 | 00:48:10 | |
"Einen guten Musikgeschmack haben viele, aber das reicht nicht. Ich muss
mich einlassen auf den Film, einlassen auf die Szene", sagt Martin
Hossbach im Podcast "Frisch an die Arbeit". Hossbach arbeitet als Music
Supervisor und hat schon für Filme wie "Toni Erdmann" und "Sound of
Falling" die Musik ausgesucht.
Seit 2004 stellt Hossbach passende Lieder für Filme zusammen, beauftragt
Komponistinnen und Komponisten, einen sogenannten Score zu entwickeln,
also eigens komponierte, meist atmosphärische Stücke. Er verhandelt auch
mit Plattenfirmen und Verlagen über die Rechte an Kompositionen und
Aufnahmen – und sucht nach Alternativen, wenn Stücke entweder gar nicht
oder nur zu horrenden Preisen freigegeben werden.
"Ich bin oft der Kummerkasten für die Produktion, wenn sich
herausstellt, dass ein Song zu teuer ist und man eine Alternative finden
muss", erzählt Hossbach. Ursprünglich machte er eine Ausbildung als
Industriekaufmann bei einem Vorgänger der Plattenfirma Universal Music
und studierte an einer Berufsakademie BWL. Später war er Redakteur beim
Musikmagazin "Spex", veranstaltete Konzerte unter anderem im Berghain
und entwickelte das Berliner Musikfestival Pop-Kultur mit
Durch seine Ausbildung und sein gutes Netzwerk, erzählt er im Podcast,
habe er viele Leute in der Musikbranche kennengelernt und erfahren, wie
man Rechte an Liedern einholt. "Und: Ich kann gute E-Mails schreiben,
das ist vielleicht meine wichtigste Fähigkeit", sagt er.
Nach seinem ersten Film sei er dann "von Regisseurin zu Regisseurin"
weitergereicht worden, seit gut fünf Jahren arbeitet er nun
ausschließlich als "Music Supervisor", wie der Beruf in der Filmbranche
offiziell heißt. "Ich wusste nicht, dass es diesen Beruf gibt, als ich
ihn ergriffen habe."
Einer seiner kniffligsten Fälle, erzählt Hossbach, sei der Kinofilm
"Sehnsucht" gewesen. Ein Film mit sich selbst spielenden
Laiendarstellern in einem Dorf in Brandenburg. Dabei habe der
Hauptdarsteller für eine Szene bei einer Dorfdisco das Lied "Feel" von
Robbie Williams ausgesucht – und zu einem relativ späten Zeitpunkt
musste Hossbach noch eilig die Rechte an Komposition und Aufnahme
einholen.
"Die Plattenfirma und der Verlag hatten schon abgesagt", erzählt er.
Aber aus seiner Zeit als Musikjournalist hatte er einen Kontakt zum
Management der Pet Shop Boys. "Der hat mich direkt mit dem Manager von
Williams verbunden – und der hat das mit einer dreizeiligen Mail einfach
erlaubt."
Im Podcast erzählt Hossbach außerdem, wie er sich in finnischen Tango
und französischen Banlieue-Rap einarbeitet, warum ihm die besten Ideen
manchmal in der U-Bahn kommen und welche Soundtracks er selbst richtig
gut findet.
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| Wie gehen Sie mit unangenehmen Fahrgästen um, Herr Haase? | 08 Oct 2025 | 00:34:29 | |
"Straßenbahnfahrer bin ich eher aus Zufall geworden", sagt Michael Haase
im Podcast "Frisch an die Arbeit". 20 Jahre lang habe er als
freischaffender Fotodesigner gearbeitet, bis er kurz vor seinem 50.
Geburtstag spürte, dass er lieber einen sicheren Job haben will. "Ein
Freund hat mir dann eine Stellenausschreibung der Berliner
Verkehrsbetriebe gezeigt, gesucht wurden Straßenbahnfahrer, auch
Quereinsteiger." Die Umschulung dauerte nur wenige Monate, seit fünf
Jahren fährt Haase nun auf verschiedenen Straßenbahnlinien im Berliner
Norden.
Er liebe seinen neuen Beruf, sagt er, denn er fühle sich nun wie "ein
kleines Teil eines großen Getriebes". Von der Fahrerkabine habe er einen
freien Blick auf die Stadt, vor allem in den Morgenstunden sei das ein
schönes Gefühl.
Auf der anderen Seite sei Straßenbahnfahren auch sehr anstrengend,
"besonders für den Kopf", wie er sagt. Seine Umgebung müsse er ständig
im Blick behalten. Unaufmerksame Autofahrer oder Passanten seien eine
große Gefahr, vor allem für sich selbst. "So eine 50 Tonnen schwere
Straßenbahn hat einen sehr langen Bremsweg, vor allem bei Nässe",
erzählt er. Und sie könne nicht einfach ausweichen.
"Einmal ist ein Passant, ohne aufzuschauen, bei Rot knapp vor mir über
eine Fußgängerampel gegangen, ich musste eine Gefahrenbremsung machen."
Ausnahmsweise sei er damals ausgestiegen und habe den Passanten
angebrüllt, ob er denn lebensmüde sei, sagt Haase. Im Podcast erzählt
er, wie er mit schwierigen Fahrgästen umgeht, warum ihm beim Fahren der
immer gleichen Strecken nie langweilig wird und welche Geräusche einer
Straßenbahn er am liebsten mag.
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| Wie gelingt Integration, Jafar Ghannam? | 23 Sep 2025 | 00:45:55 | |
"Wenn jemand pünktlich zu einem Termin kommt, haben wir die Hälfte
unserer Arbeit schon geschafft", sagt Jafar Ghannam im Podcast "Frisch
an die Arbeit". Ghannam leitet eine Geflüchtetenunterkunft in
Mecklenburg-Vorpommern und sagt: "Viele Geflüchtete kennen diese
offiziellen Termine aus ihrer Heimat nicht, deswegen erscheinen sie gar
nicht, viel zu spät, oder Stunden zu früh." Auch offizielle Schreiben
mit wichtigen Fristen würden viele zum ersten Mal bekommen und sich dann
über Mahnungen wundern.
Ghannam, 28, hat in seiner Heimat Syrien Medizin studiert. Mit 20
Jahren, nach nur vier Semestern, musste er das Studium abbrechen und mit
seiner Familie nach Deutschland fliehen. Er landete in Hagenow in
Mecklenburg-Vorpommern, lernte schnell Deutsch und stieg innerhalb
weniger Jahre zum Leiter einer Geflüchtetenunterkunft der Malteser auf.
Mittlerweile verantwortet er zusätzlich die sogenannte dezentrale
Betreuung und kümmert sich mit einem Team um rund 900 Geflüchtete aus
Syrien, Afghanistan, dem Irak oder der Ukraine, die bereits eine eigene
Unterkunft haben. Er hilft ihnen, Kinder in der Schule anzumelden,
Termine bei Ärzten zu buchen, Bewerbungen zu formulieren oder
Psychotherapeuten zu finden.
"Manchmal ist es auch mein Job, einfach für die Geflüchtet da zu sein,
ihnen zuzuhören. Ich sage ihnen dann, dass ich vor acht Jahren nach
Deutschland gekommen bin und gar kein Deutsch konnte", sagt Ghannam.
"Und trotzdem bin ich mittlerweile angekommen und habe hier etwas
erreicht." Er sei für viele ein Vorbild und glücklich darüber. Die
vielen Sorgen und Ängste könne er gut nachvollziehen. "Sehr viele fragen
mich, ob sie überhaupt hier bleiben dürfen."
Im Podcast erzählt er, warum er selbst nicht mehr aus Deutschland
wegmöchte, in welchen Momenten er seine Heimat vermisst und warum die
akribische Mülltrennung und die strengen Ruhezeiten der Deutschen ihn
anfangs verwundert haben.
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| Warum ist eine Kamille im Nationalpark ein Warnsignal, Frau Selter? | 09 Sep 2025 | 00:38:17 | |
„Ich bin schon ein ganz schöner Naturnerd“, sagt Vanessa Selter,
Rangerin im Nationalpark Unteres Odertal, im Podcast Frisch an die
Arbeit. „Selbst die Bücher, die ich in meiner Freizeit lese, handeln oft
von der Natur.“
Seit sechs Jahren arbeitet Selter im nordöstlichen Brandenburg, direkt
an der Grenze zu Polen, an einem Ort, der in Deutschland einzigartig
ist: „Viele Flüsse in Deutschland sind begradigt oder befestigt worden.
Aber die Oder darf bei uns noch über die Ufer treten“, sagt Selter.
Nach einem Freiwilligen Ökologischen Jahr und einem
Forstwirtschaftsstudium landete Selter durch Zufall im Nationalpark
Unteres Odertal. Sie erhielt dort eine halbe Stelle zur
Mutterschutzvertretung, um Berufserfahrung zu sammeln. „Ich dachte erst:
Uff, ein Nationalpark mit Wasser? Aber dann habe ich mich schnell in
diese Landschaft verliebt.“
Als Rangerin gehört Selter nun zur Naturwacht des Nationalparks, ist
also für die Aufsicht und den Schutz der Natur zuständig. Ihre
Hauptaufgabe ist, die Artenvielfalt zu dokumentieren, wie viele Tiere es
gibt und wie sich das über die Jahre verändert. Dafür zählt sie
beispielsweise Seeadlerhorste und sucht Spuren von Fischottern,
Kormoranen oder Bibern. Auch liest sie Wasserpegel ab.
Für das geschulte Auge gibt es laut der Rangerin auch Alarmsignale, die
für normale Besucher einfach hübsch aussehen. Etwa, wenn plötzlich
Pflanzen wachsen, die nicht in überflutete Feuchtwiesen gehören: „Wenn
Kamille auf den Wiesen wächst, ist das ein Zeichen, dass es zu trocken
ist.“
Besonders gerne erklärt Selters anderen Menschen die Natur, sei es
Kindergarten-Gruppen, die Ausflüge in den Nationalpark machen, oder
Studierende, die in morgendlichen Führungen Fledermäuse beobachten. „Es
ist schön zu sehen, wie Menschen in drei Stunden lernen, den Wald mit
anderen Augen zu sehen.“
Manchmal, sagt die Rangerin, müsse man aber auch aufklären, wenn
Menschen gegen Regeln verstoßen. „Die meisten halten sich an die
Vorgaben. Aber es gibt auch Leute, die sich mit dem Zelt im Schilf
verstecken.“ In der Regel bleibe sie dann ruhig und schicke die Camper
einfach weg. „Einige wissen gar nicht, dass sie sich in einem
Nationalpark befinden.“
Im Podcast erzählt Selter außerdem, warum auch im Nationalpark das
Insektensterben deutlich zu sehen ist und was der Mittelspecht mit
Artenvielfalt und Stadtplanung zu tun hat.
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| Kann man im Kloster wirklich Ruhe finden, Frau Äbtissin? | 26 Aug 2025 | 00:30:55 | |
„Ein Kloster zu führen ist wie ein kleines Unternehmen zu leiten“, sagt
die Äbtissin Amélie Gräfin zu Dohna im Podcast Frisch an die Arbeit.
Seit 2022 ist die 62-jährige Chefin des evangelischen Klosters Lüne in
Lüneburg. Dass sie einmal Äbtissin werden würde, hätte sie sich als Kind
nicht träumen lassen. „Ich wollte eigentlich immer Bäuerin oder
Schäferin werden“, sagt sie.
Nun betreut sie zehn Bewohnerinnen zwischen 67 und 78 Jahren, bei den
Protestanten Konventualinnen genannt. Die Nachfrage nach Plätzen im
Kloster sei hoch, etwa 20 Bewerbungen erreichen die Äbtissin im Jahr.
Einige Bewerberinnen hätten falsche Vorstellungen vom Klosterleben. „Es
gibt oft Leute, die das Gefühl haben, im Kloster komme ich zur Ruhe und
da wird für mich gekocht und ich kann mich in einen Rhythmus
einklinken.“ Im Alltag müsse man sich aber schon gut selbst organisieren
können. „Man muss bereit sein, sich auf viel Arbeit einzulassen.“
Im Gegensatz zu katholischen Klöstern gibt es in evangelischen kein
Zölibat, auch ein Leben in Einfachheit ist nicht vorgeschrieben. Aber
natürlich bestimmen auch hier Andachten und Gottesdienste den Alltag
der Frauen und es gibt Regeln. Partnerschaften sind zwar erlaubt, würden
das Gefüge der Frauengemeinschaft aber eher stören.
„Wir müssen mit der Zeit gehen, aber wir müssen auch was bewahren von
unserer Tradition.” Das Kloster biete Frauen auch einen Schutzraum. “Und
wenn wir das völlig öffnen und aufgeben, dann verlieren wir uns und das,
was an unserer Lebensform und an diesem Ort attraktiv ist.“
Trotz des Traditionsbewusstseins, erzählt die Äbtissin im Podcast,
würden einige der Konventualinnen auch mal ChatGPT benutzen. Außerdem
berichtet sie, welche absurden Anfragen das Kloster manchmal erreichen.
Und welche witzigen Fragen Besucher auf Führungen stellen.
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| Wie hart ist es, Leichtigkeit zu erarbeiten, Constanza Macras? | 12 Aug 2025 | 00:36:54 | |
"Ich rufe viel rein bei den Proben, es ist wie ein Pingpong mit der
Kompanie", sagt Constanza Macras, die Leiterin der Berliner Tanzkompanie
DorkyPark, im Podcast Frisch an die Arbeit. Genaue Schritte gebe sie den
Tänzerinnen und Tänzern nicht vor, sie machten selbst Vorschläge. "Am
Ende ist alles bei uns choreografiert, auch wenn es spontan wirkt."
Macras, 55, wurde in Buenos Aires geboren, hat klassischen Tanz gelernt
und später in Amsterdam und an den Merce Cunningham Studios in New York
studiert. Nach Berlin kam sie in den Neunzigern, 2003 gründete sie
dort DorkyPark. Die Gruppe arbeitet mit Tanz, Text, Livemusik und Film
und setzt sich mit gesellschaftlichen und politischen Themen
auseinander.
"Das Wichtigste in unserer Kompanie ist Humor, das ist wichtig für mich,
auch weil der ein Zeichen für Intelligenz ist", sagt Macras. Das Schwere
und das Humoristische sei ein Erbe ihrer argentinischen Herkunft. "Die
Menschen in Argentinien haben viel Chaos und Krisen gesehen. Sie
begegnen diesem ganzen politischen Hin und Her immer mit Humor."
Nicht jedes Mal kommt Macras Herangehensweise gut an. Einmal, erzählt
Macras, sollte sie sich für eine Aufführung in Göteborg mit einem
internationalen Ensemble an einem skandinavischen Mythos abarbeiten. Da
habe sie gemerkt, wie ihre schwedischen Auftraggeber und auch das
Ensemble über die Proben immer nervöser wurden. Sie hätten sich wohl
eine andere Arbeitsweise vorgestellt. "Wenn einem das Ensemble nicht
vertraut, ist das Horror", sagt Macras. "Wenn sich die Leute um mich
herum wundern, was ich da tue, dann kann ich nicht weitermachen." In
Schweden blieb Macras trotzdem bei ihrer Linie, das Stück am Göteborger
Opernhaus wurde erfolgreich.
Im Podcast erzählt Macras auch, warum sie nie Regisseurin werden wollte,
es jetzt aber doch ist – und weshalb sie seit ihrer Arbeit als
Choreografin für die sehr erfolgreichen Werke The Favourite und Poor
Things selbst Filme drehen wollte.
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| Warum macht Entrümpeln Sie glücklich, Herr Eichhorn? | 29 Jul 2025 | 00:43:11 | |
"Es ist die breite Gesellschaft, die in den Wohnungen lebt, zu denen ich
gerufen werde", sagt der Entrümpler Stefan Eichhorn im Podcast Frisch an
die Arbeit. "Es gab auch eine Professorin, die auf dem Balkon geschlafen
hat, weil sie keinen Platz mehr in ihren Zimmern hatte."
Eichhorn, 41, ist gelernter Hotelfachmann und arbeitete lange in der
Gastronomie, bevor er sich als Entrümpler in Jena selbstständig machte.
Die meisten Aufträge bekommt er über Mundpropaganda, oft über die
Verwandten von Verstorbenen oder Erkrankten, die in ein Pflegeheim
umziehen müssen. Häufig kontaktieren ihn auch die gesetzlichen Vertreter
von Menschen, die unter dem Messie-Syndrom leiden und ihre Wohnung kaum
mehr bewohnen können, auf Müllbergen schlafen oder Tüten mit Abfall
sammeln.
"Manche Menschen sammeln verdorbene Lebensmittel oder ihre
Körperausscheidungen", berichtet Eichhorn. "Andere haben vielleicht ein
Leck in der Badewanne oder am Wasserhahn, wollen aber niemanden
reinlassen, der das reparieren kann." Irgendwann würden sich durch die
Feuchtigkeit in diesen Räumen Ungeziefer und Krankheitserreger bilden.
Diese könnten den Bewohnern in umliegenden Wohnungen schaden.
Damit Eichhorn eine Wohnung in wenigen Tagen entrümpeln kann, sortiert
er alles in verschiedene Kisten. Ein Teil kommt auf einen Wertstoffhof,
vieles verschenkt er. Manchmal behält er Dinge für sich selbst oder
seine Familie. "Aber meistens sind die Sachen, die gut erhalten oder
schnell verkäuflich sind, schon raus, wenn wir kommen."
Im Podcast erzählt er, welche Entrümplungen ihn besonders traurig
gemacht haben – und warum er seinen Job so sehr lieb, dass er am
liebsten um fünf Uhr morgens damit anfängt.
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| Worauf muss man für eine Fußballkarriere verzichten, Julia Magerl? | 15 Jul 2025 | 00:37:12 | |
"Früher wollte ich lieber ins Freibad als zum Training", sagt die
Innenverteidigerin Julia Magerl vom Bundesligisten RB Leipzig im Podcast
"Frisch an die Arbeit". "Aber zum Glück hat mein Vater gesagt: Julia,
mach was aus dir!"
Heute spielt sie in einer der aufstrebendsten Sportarten der Welt:
Frauenfußball. Ihr Leben als Profifußballerin, sagt Magerl, sei "sogar
besser, als ich es mir je vorgestellt habe". Dabei war der Weg in den
Profisport für sie alles andere als selbstverständlich. "Ich habe in
meinem Heimatverein bis zur U15 bei den Jungs gespielt, Mädchenfußball
hat es zu meiner Zeit dort nicht gegeben." Und trotzdem war sie keine
Außenseiterin: "Ich wurde bei den Jungs sofort akzeptiert. Viele hatten
sogar Angst, gegen mich zu spielen."
Julia Magerl wurde 2003 in Voitsberg in der Steiermark, im Südosten
Österreichs, geboren. Ihre fußballerische Laufbahn begann sie im Alter
von fünf Jahren beim ASK Voitsberg, bereits mit 15 wechselte sie zum
österreichischen Bundesligisten SK Sturm Graz. Dort besuchte sie eine
Frauenfußball-Akademie in St. Pölten, wo sie auch ihre Matura, das
österreichische Abitur, erwarb.
Zwischen 2018 und 2023 wurde Magerl in Graz zu einer Schlüsselspielerin,
bevor sie 2023 zu RB Leipzig wechselte. Daneben gab sie im Februar 2022
ihr Debüt als Spielerin der österreichischen Nationalmannschaft, die
nicht für die aktuelle EM der Frauen qualifiziert ist – und erzielte
dabei direkt ihr erstes Länderspieltor.
Im Podcast erzählt sie, warum sie findet, dass Frauen- und Männerfußball
gar nicht so viel gemeinsam haben: "Ich finde nicht, dass man Männer-
und Frauenfußball vergleichen kann, für mich sind das zwei völlig
unterschiedliche Sportarten." Unterschiede sieht Magerl eher im Stil als
in der Klasse: "Vom Tempo und allein vom Fußballerischen nehmen Frauen-
und Männerfußball sich nicht viel. Aber ich glaube, dass Männer oft ein
bisschen theatralischer sind."
Im Podcast spricht Julia Magerl darüber, wie sie zum Profisport gekommen
ist, was sie jungen Spielerinnen rät und welchen Preis ihre Karriere
fordert.
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| Wird man als Bombenentschärfer zum Pazifisten, Herr Hein? | 01 Jul 2025 | 00:44:07 | |
"Eine Bombenentschärfung ist eine Teamarbeit. Das ist ähnlich wie bei
einer Operation", sagt Michael Hein im Podcast "Frisch an die
Arbeit". "Im Krankenhaus kann der Chefarzt auch nichts ohne seine
OP-Schwester machen, ohne seinen Anästhesisten und sein Team. Genauso
ist das bei uns." Ähnlich wie ein Chirurg muss er an der Bombe extrem
präzise arbeiten, ein einziger Fehler könnte tödlich für alle
Beteiligten sein. Angst zu haben, sei dabei nicht hinderlich, sondern
wichtig, denn "Angst schärft die Sinne. Aber man darf sich natürlich
nicht von der Angst beherrschen lassen."
Seit 1998 arbeitet der 61-Jährige als Sprengmeister und
stellvertretender Leiter beim Kampfmittelräumdienst (KRD) in Hamburg. Er
und seine Kollegen bergen Bomben, Granaten, Minen und Munition aus dem
Zweiten Weltkrieg – und vernichten sie dann. 17-mal musste der KDR im
vergangenen Jahr ausrücken, um große Blindgänger im Stadtgebiet zu
entschärfen. "Solange gebaut wird, werden wir auch weiter Bomben finden.
Das ist eine Generationenaufgabe."
Mehrere Tausend Blindgänger sollen allein in Hamburg noch im Boden
liegen. Seit 80 Jahren unentdeckt, manchmal nur wenige Meter tief im
Erdreich. "Man läuft mit einem anderen Gefühl durch die Straßen, wenn
man das weiß", sagt Michael Hein.
Über die Jahre sei er durch seinen Beruf zu einem großen Kritiker von
Waffen geworden. "Die ganze Munition, egal ob es eine Patrone ist, eine
Handgranate, ist ja nur geschaffen worden, um Menschen zu töten",
erzählt er. Chemische Zünder seien extra so gebaut worden, dass sie noch
Jahre nach dem Abwurf eine Explosion auslösen können. "Bomben
unterscheiden auch nicht nach richtiger Weltanschauung, nach Religion,
nach Alter, nach Geschlecht. Sie vernichten alle", sagt Hein.
Im Podcast erklärt er, warum er seine Frau bei jedem Abschied ganz
bewusst fest umarmt, aber auch brenzlige Situationen ihn nie davon
abhalten würden, seinen Job weiterzumachen. Und wie er durch seinen
Beruf das Leben erst schätzen gelernt hat.
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| Wie saniert man Bäder, Sandra Hunke? | 17 Jun 2025 | 00:40:45 | |
"Badsanierungen sind für mich das Schönste, weil es immer Überraschungen
gibt. Man reißt ein Bad auseinander und es läuft nie nach Plan", sagt
Sandra Hunke, die als Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und
Klimatechnik arbeitet, im Podcast "Frisch an die Arbeit". Die meisten
würden denken, dass der Job mit "Badewanne rausreißen" und "bodenebene
Dusche einbauen" gemacht ist. Aber dem sei nicht so.
Hunke, 33, erzählt, dass sie in der Schule eigentlich immer
Schwierigkeiten hatte und auch gemobbt wurde. In der Werkstatt ihres
Vaters, selbst von Beruf Fliesenleger, konnte sie abschalten. "In der
Werkstatt war die Welt für mich einfach in Ordnung. Das konnte ich",
sagt sie. Auch deswegen entschied sie sich nach dem Schulabschluss für
eine Ausbildung als Anlagenmechanikerin, erzählt sie. "Das Handwerk hat
mir einfach unglaublich viel Halt gegeben."
Ihren Beruf empfindet Hunke bis heute als erfüllend. Sie sei stolz, wenn
sie ein Bad fertig saniert habe und daran denke, welche Freude der neue
Raum ihren Kundinnen und Kunden bringe. "In diesem Bad werden so viele
schöne Momente entstehen, über Jahre, vielleicht werden sie hier ihr
Kind das erste Mal baden", sagt sie.
Gleichwohl sei sie als Frau im Handwerk bis heute mit vielen Vorurteilen
konfrontiert. In der Berufsschule sei sie von Lehrern ausgegrenzt und
abgewertet worden, ein Lehrer habe ihr im Schweißkurs sogar offen
gesagt, er gebe ihr eine schlechte Note, weil sie eine Frau sei.
Auch mit Kunden hatte sie schon unangenehme Erfahrungen. "Es gab schon
welche, die mir nicht geglaubt haben, als ich ihnen erklärt habe, was
kaputt ist, weil ich eine Frau bin." Sie hätte aber recht gehabt.
Gerade im Handwerk, sagt Hunke, gäbe es schon erkennbare Unterschiede
zwischen den Geschlechtern. "Mein Körper ist nicht dafür ausgelegt, so
viel Kraft zu haben wie ein Mann, und das will ich auch gar nicht", sagt
sie. "Aber ich möchte, dass die Leute verstehen, was Gleichberechtigung
bedeutet: nämlich, dass wir gemeinsam stark sind und uns gegenseitig
unterstützen."
Doch es gibt auch die anderen Kundinnen und Kunden. Die, die Hunke
schätzen, gerade weil sie eine Frau ist. "Ich habe die Sanierungen den
Frauen so erklärt, dass sie sie wirklich verstehen. Das finden sie
toll", sagt Hunke. Sie würde alle ihre Kundinnen und Kunden ernst
nehmen.
Neben ihrer handwerklichen Tätigkeit modelt Hunke nebenberuflich und
berichtet bei TikTok und Instagram als "Das Baumädchen" aus ihrem
Arbeitsalltag. Auch Bücher hat sie schon geschrieben über Frauen im
Handwerk.
Im Podcast erzählt sie, warum Bäder heute keine reinen Funktionsräume
mehr seien und weshalb sie auch Baggerfahren und Tiefbau beruflich
interessieren würde.
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| Wie wird man schwanger, Corinna Mann? | 03 Jun 2025 | 00:42:45 | |
"Wir haben viele Patienten, die alles in ihrem Leben geplant haben und
nichts dem Zufall überlassen wollen", sagt die Reproduktionsmedizinerin
Corinna Mann, im Podcast Frisch an die Arbeit. "Diese Paare kommen früh
zu uns, weil sie bei ihren Freunden mitbekommen, dass es Jahre dauern
kann, bis man schwanger wird."
Mann, 43, hat sich nach mehreren Berufsjahren als Oberärztin an der
Ludwig-Maximilian-Uniklinik in München und an einer privaten Einrichtung
in Wien selbstständig gemacht. Mittlerweile leitet sie in eine eigene
Kinderwunschklinik und beschäftigt 30 Mitarbeitende. Einige der Paare
kämen zu ihr in die Praxis, bevor sie überhaupt versucht hätten, Kinder
zu bekommen – zur Basisuntersuchung. "Sind die Eileiter offen? Ist das
Spermiogramm in Ordnung? Sind die Hormone okay, um dann den Kinderwunsch
zu starten?"
Seit einigen Jahren kämen zudem immer mehr gleichgeschlechtliche Paare
und Mütter, die alleine ein Kind bekommen möchten, in ihre Praxis.
"Einige Patientinnen sind erst Mitte, Ende 20 und wünschen sich trotzdem
schon, auch ohne Partner ein Kind zu bekommen."
Mann ist Mutter von vier Söhnen. Ihr Partner arbeitet mittlerweile
ebenfalls in ihrer Kinderwunschklinik. Als Betriebswirt kümmert er sich
um das Geschäftliche. Damit sie es schafft, ihre Arbeit zu erledigen und
Zeit mit ihren Söhnen zu verbringen, steht Mann um vier Uhr morgens auf,
fährt früh in die Praxis und ist am späten Nachmittag wieder zu Hause.
"Das mit dem Abschalten muss ich aber noch üben." Manchmal spreche die
ganze Familie über das Thema Kinderwunsch beim Abendessen.
Im Podcast erzählt sie, wie sie Paaren mit Kinderwunsch hilft, welche
Diagnosen besonders häufig vorkommen und was die Behandlungen in ihrer
Privatpraxis von denen an der Universitätsklinik unterscheidet.
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| Was ist gutes Sexspielzeug, Elisabeth Neumann? | 20 May 2025 | 00:37:09 | |
"Sexspielzeuge für Frauen sind in den letzten zehn Jahren in der
Popkultur angekommen", sagt die Sozialwissenschaftlerin Elisabeth
Neumann im Podcast Frisch an die Arbeit. Neumann arbeitet bei Lovehoney,
einem globalen Händler für Sexspielzeug, und erforscht dort, wie
Menschen die Produkte nutzen. Mittlerweile sei es deutlich normaler
geworden, darüber zu sprechen, dass man Sexspielzeug benutzt oder
interessant findet, sagt sie.
Neumann, 32, studierte zunächst Soziale Arbeit und war bei Pro Familia
in der Schwangerschaftskonfliktberatung tätig. Während ihres
anschließenden Masterstudiums der Angewandten Sexualwissenschaften
begann sie als Werkstudentin des Sexspielzeugherstellers Womanizer. Dort
arbeitete sie dem Innovationsteam zu und hatte erstmals Kontakt zur
Branche.
In ihrer heutigen Funktion, erzählt Neumann, geht es vor allem um drei
Dinge: zu verstehen, wie die Kundinnen und Kunden ihre Sexualität leben,
wann und wo. Was sie als stimulierend empfinden. Und wie die Produkte
für sie konkret funktionieren.
"Wir haben oft bloß ein kleines Stückchen Wissen, schauen uns das an und
denken von da aus weiter", sagt Neumann. So hätten sie aus Umfragen etwa
gelernt, dass Badezimmer für viele Menschen wichtige Orte der
Masturbation sind. "Das Bad", sagt Neumann, "ist bei Familien oft der
einzige Ort, wo ich die Tür abschließen darf, ohne dass mich jemand
fragt: Warum machst du das?"
Dazu käme, sagt Neumann, dass einige Menschen ihre ersten
Masturbationserfahrungen unter der Dusche mit dem Duschkopf erlebten.
"Also haben wir einen speziell zur Masturbation gedachten Duschkopf
entwickelt."
Bis ein Produkt bereit für den Markt ist, sind in Neumanns Team viele
Runden an Marktforschung notwendig. Zuvor schickten sie in der Regel 50
Exemplare an Menschen, damit sie sie ausgiebig testen. Neumann sagt: "Da
kann es um die Stimulation und das Lustempfinden gehen, aber auch um
ganz pragmatische Überlegungen: Finden 95 Prozent der Leute die
richtigen Knöpfe, auch im Dunkeln, und kann das Produkt auch genutzt
werden, wenn die Finger feucht sind?"
Im Podcast erzählt sie außerdem, weshalb Sexspielzeuge oft als
Wellnessgeräte vermarktet werden und warum sexuelle Lust aller Offenheit
zum Trotz immer noch ein Tabuthema ist.
"Frisch an die Arbeit" wird jeden zweiten Dienstag veröffentlicht. Es
moderieren im Wechsel Daniel Erk, Hannah Scherkamp und Elise Landschek.
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| Wie leben wir länger, Kati Ernst? | 06 May 2025 | 00:56:31 | |
“Als ich nach dem Studium als Beraterin zu McKinsey gegangen bin, waren
meine Kommilitonen und Eltern überrascht”, sagt Kati Ernst im Podcast
Frisch an die Arbeit. “Sie hätten nicht gedacht, dass ich mal etwas
mache, wo man keine Pause hat.” Zwölf Jahre gelang ihr der Job als
Beraterin, für den sie ständig reisen musste und Überstunden machen
musste. In der Zeit bekam sie auch zwei Kinder. “Ich habe mir ein paar
Regeln gesetzt, habe nie nach 20 Uhr oder am Wochenende gearbeitet. Das
wusste nur niemand.”
Nach der Geburt ihres dritten Kindes kündigte Ernst, zu dem Zeitpunkt
43, um gemeinsam mit ihrer Mitgründerin Kristine Zeller ein eigenes
Unternehmen aufzubauen. Ooia heißt es, das Produkt: Periodenunterwäsche.
“Ich wusste: Egal, was passiert, selbst wenn kein Mensch dieses Produkt
kauft, wird das, was ich in diesem halben Jahr lerne, so viel besser
sein, als wenn ich ein halbes Jahr einfach weiter mache.” Ein eigenes
Startup zu gründen sei eine der besten Entscheidungen ihres Lebens
gewesen. Inzwischen, sieben Jahre später, liegt der Umsatz im
zweistelligen Millionenbereich.
Vor wenigen Monaten entschied Ernst, als Geschäftsführerin bei Ooia
auszusteigen, um mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen und sich
Vollzeit dem Trendthema Longevitywidmen zu können. Sie beschäftigt die
Frage, was Menschen tun können, um möglichst lange leben zu können und
dabei fit und gesund zu bleiben. Damit ihr selbst das gelingt, hat sie
ihren Alltag komplett umgestellt. Sie geht beispielsweise jeden Tag um
21.30 Uhr schlafen und macht täglich Sport. “Mein Leben ist jetzt, wo
ich so lebe, viel voller und satter und lebendiger”, sagt sie.
Im Podcast erzählt sie, worauf sie im Alltag verzichtet, um möglichst
leistungsfähig zu sein, wie sie und ihr Mann sich die Care-Arbeit
aufteilen und warum sie jedem rät, zum Berufsstart in einer
Unternehmensberatung zu arbeiten.
"Frisch an die Arbeit" wird jeden zweiten Dienstag veröffentlicht. Es
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| Wie abenteuerlich ist die Archäologie, Martin Sählhof? | 22 Apr 2025 | 00:40:23 | |
"Wir gehen leider nicht so häufig in geheimnisvolle Tempel rein, die
noch nie ein Mensch in den letzten 2.000 Jahren betreten hat", sagt
Martin Sählhof, Referent am Deutschen Archäologischen Institut in Kairo
im Podcast "Frisch an die Arbeit". Er leitet unter anderem die
Ausgrabungsstätte der altägyptischen Stadt Elephantine, die auf einer
Insel im Nil bei Assuan lag. Klingt aufregend, aber mit
Indiana-Jones-Klischees hat seine Arbeit dort wenig zu tun.
Aus klimatischen Gründen – im Sommer wird es in Ägypten bis zu 50 Grad
heiß – finden die Ausgrabungen in der Regel zwischen Oktober und Ostern
statt. Und gehen sehr langsam und präzise voran, erzählt Sählhof. "Alles
wird sortiert und erfasst. Nicht nur Objekte, sondern auch kleine
Überreste von organischem Material." Man lerne sehr viel, vor allem über
die alltäglichen Lebensumstände vor 3.000 oder 4.000 Jahren.
Sählhof, 48, hat Denkmalpflege und Ägyptologie studiert und für seine
Doktorarbeit an der TU Berlin die Grabanlage des Königs Djer mit einer
Ausgrabung in der ägyptischen Wüste erforscht. "In den Gräbern findet
man Reste der sogenannten 'Grabinventare', also alles, was dort für die
Bestattung hineingelegt wurde", sagt Sählhof. Im Pharaonischen sei das
Leben nach dem Tod sehr wichtig, weshalb die Gräber mit vielen Dingen
für das nächste Leben ausgestattet seien.
"Das ist genau das, was ich immer machen wollte", sagt Sählhof über
seine Arbeit. Schon als Schüler habe er bei einem Berufsinformationstag
den Flyer für das Archäologiestudium mitgenommen – und darin seinen
heutigen Arbeitgeber entdeckt.
Im Podcast erzählt Sählhof außerdem, wie es ist, wenn einem Touristen
bei der Arbeit über die Schulter schauen, warum sich die Archäologie
heute mehr für Bauschutt interessiert als für Tempel – und wieso manche
Bereiche von Ausgrabungsstätten für kommende Generationen
"übriggelassen" werden.
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| Was macht eine gute Lehrerin aus, Tatjana Inkin? | 08 Apr 2025 | 00:45:56 | |
"Das Besondere an diesem Beruf ist die Interaktion mit jungen Menschen,
die dafür sorgen, dass man nicht stehen bleibt", sagt Tatjana Inkin, die
als Lehrerin und stellvertretende Schulleiterin an einem Berliner
Gymnasium arbeitet, im Podcast "Frisch an die Arbeit". "Dadurch geht man
mit Gedanken nach Hause und wacht mit welchen auf."
Inkin, 38, unterrichtet Deutsch und Geschichte, vor allem in der
Oberstufe, aber auch in der 5. und 6. Klasse. "Die Älteren überschwemmen
einen nicht sofort mit Liebe, es dauert, bis sie emotionale Reaktionen
zeigen." Für ein gutes Verhältnis zu ihren Schülern und Schülerinnen
opfert Inkin auch ihre private Zeit und bietet Hilfe an, wenn jemand
Unterstützung in bestimmten Fächern benötigt. "Ich mache ihnen deutlich,
dass ich eine stabile Größe in ihrem Leben bin."
2022 wurde Inkin mit dem Deutschen Lehrkräftepreis ausgezeichnet, mit
Mitte dreißig zur stellvertretenden Schulleiterin ernannt. Eine ihrer
Stärken: gutes Zeitmanagement. Trotzdem habe sie das Gefühl, niemals mit
ihren Aufgaben fertig zu sein, sagt Inkin. "Mir fällt es wahnsinnig
schwer zu akzeptieren, dass immer irgendwelche Punkte auf meiner
To-do-Liste offenbleiben."
Inkin ist auch Mutter von zwei Kindern. Nach einem langen Arbeitstag in
der Schule könne sie kaum abschalten, sagt sie. "Ich grübele sehr viel,
nicht nur über schulische Sachen." Oft helfe ihr abends nur eine
Netflixserie, um auf andere Gedanken zu kommen, bevor sie zwischen 20
und 21 Uhr ins Bett geht.
Im Podcast erzählt sie, was sie am deutschen Schulsystem gerne ändern
würde, welches Buch ihre Schüler am liebsten lesen und was sie tut, wenn
jemand in ihrer Klasse private oder schulische Probleme hat.
Das Gespräch mit Tatjana Inkin ist die 200. Folge von "Frisch an die
Arbeit". ZEIT ONLINE dankt allen Gesprächspartnern und
Gesprächspartnerinnen und natürlich den Hörern und Hörerinnen. Ein
Dankeschön geht auch an unsere Produktionsfirma Pool Artist.
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| Wie helfen Sie Trans-Menschen, Benyamin Jakob? | 25 Mar 2025 | 00:40:20 | |
“Wenn man selbst nicht betroffen ist, wird man als Elternteil nie ganz
nachvollziehen können, wie sich jemand fühlt, der sich mit einem anderen
Geschlecht identifiziert”, sagt Benyamin Jakob, der bei der Berliner
Schwulenberatung als trans*, inter* und nicht-binäre (T*I*N) Menschen
coacht, im Podcast Frisch an die Arbeit. Zu Jakobs Klienten zählen vor
allem Kinder, Jugendliche und deren Eltern, aber auch beispielsweise
Schulen.
Jakob, der zunächst Lehramt und Sozialpädagogik studierte und danach
eine psychotherapeutische Ausbildung und Fortbildungen als Supervisor
machte, arbeitet seit neun Jahren beim Berliner Therapiezentrum Balagan
und außerdem seit viereinhalb Jahren als T*I*N-Berater.
Dass trans*, inter* und nicht-binäre Menschen heute ein öffentliches
Diskussionsthema sind, überrascht ihn nicht. “Wenn man sich vor 20 oder
30 Jahren in einer kleineren Stadt oder in einem größeren Dorf als Trans
identifiziert hat, ist man in der Regel in die Großstadt gezogen und
damit in der Anonymität verschwunden.” Diese Menschen hätten oft nie
wieder ein Wort über ihre Identität und ihre Transition – also die
rechtliche und biologische Angleichung an ihr Geschlecht – verloren und
einfach ihr neues Leben gelebt.
“Heutzutage ist es eher so, dass gerade Jugendliche einen viel offeneren
Umgang mit Geschlechterrollen haben und sich ausprobieren. Das ist auch
der Grund, warum das heute medial so viel präsenter ist”, sagt Jakob.
Dennoch seien viele Eltern, wenn sich die Kinder meist mit 15, 16 Jahren
outen, damit oftmals überfordert.
Obwohl die Nachfrage laut Jakob groß ist, ist die T*I*N-Beratung massiv
von den Einsparungen des Berliner Senats betroffen. “Das waren Kürzungen
auf Null – und zwar innerhalb von sechs Wochen”, sagt Jakob. Sein Team
und er versuchten aktuell ein Angebot zu schaffen, das anders finanziert
sei.
Im Podcast erzählt Jakob, in welchem Alter Kinder oftmals merken,
welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen und warum echte Anteilnahme
der Eltern am Leben ihrer Kinder der wichtigste Faktor in seiner
Beratung ist. Und auch, warum es oft klug ist, wenn die Eltern von
betroffenen Kindern erst einmal alleine zu ihm kommen.
"Frisch an die Arbeit" wird jeden zweiten Dienstag veröffentlicht. Es
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| Ist der deutsche Wald noch zu retten, Herr Winkler? | 11 Mar 2025 | 00:38:24 | |
"Als Kind wollte ich auf keinen Fall Förster werden", sagt Bernd Winkler
im Podcast Frisch an die Arbeit. Schon, weil sein Vater einer gewesen
sei und er unbedingt etwas anderes habe machen wollen. Später, als er
als junger Erwachsener verschiedene Studienführer durchblätterte,
änderte Winkler seine Meinung: "Kein anderer Beruf vereint so viele
Themenfelder in sich, von Zoologie über Klimakunde bis Geologie."
Seit 2005 arbeitet der 45-Jährige als selbständiger Förster, seine
Reviere sind hauptsächlich Waldgebiete, die der evangelischen Kirche
gehören. Ein großer Teil seiner Arbeit besteht darin, den Holzverkauf zu
managen. "Forstbetriebe sind vor allem Wirtschaftsunternehmen", sagt
Winkler.
Besonders fasziniert ihn am Wald aber, dass der ein geschlossenes System
sei: "Alles, was da draußen irgendwo in so einem Wald unterwegs ist,
steht in Beziehung zueinander. Da ist nichts zufällig oder funktioniert
einfach von selbst."
Und er mag die Langsamkeit, mit der sich im Wald alles verändert. "Der
Wald ist im Gegensatz zu unserer sehr schnelllebigen Zeit sehr stabil",
sagt er im Podcast. In einer Großstadt könne er hingegen niemals leben.
"Wer im Wald arbeitet, muss das Alleinsein mögen", sagt er. Und er mag
sie, die Einsamkeit. "Wir Waldleute sind da halt sehr speziell."
Im Podcast erzählt er, was der Wald über die Menschen aussagt, die in
seiner Nähe wohnen. Warum die Jagd dem Wald hilft. Und ob er schon mal
einem Wolf begegnet ist.
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| Warum sollte man als Barkeeper nicht jeden Shot mitnehmen, Herr Meyer? | 25 Feb 2025 | 00:43:09 | |
"Viele Leute haben keine Lust mehr, Dienstleister zu sein und sich fünf
Nächte lang die Themen anderer Menschen anzuhören", sagt Jörg Meyer, der
in Hamburg die Bar Le Lion betreibt, im Podcast "Frisch an die Arbeit".
In seiner Branche ist es nicht leicht, gutes Personal zu finden: "Wir
merken selbst, dass viele Leute umschwenken und sagen: Ich mache das
lieber drei Tage die Woche, dann bin ich auch mit mir im Reinen."
Meyer, 49, stammt aus einer niedersächsischen Gastronomenfamilie. Nach
der Schulzeit zog er nach Hamburg, um eine Ausbildung als Kellner zu
absolvieren. 2007 eröffnete er unweit des Hamburger Rathauses die Bar Le
Lion. Ein Jahr später erfand er dort den Gin Basil Smash, ein Drink aus
Gin, Zitrone, Zuckersirup und Basilikum, mit dem er mehr Kundschaft in
die damals mäßig laufende Bar locken wollte. Nach Angaben des
Fachmagazins "Difford’s Guide" ist der Gin Basil Smash der mittlerweile
am zweithäufigsten bestellte Drink der Welt.
"Der Gin Basil Smash ist immer noch die Nummer Eins bei uns, der macht
schon gut 25 Prozent unseres Umsatzes aus – das dürften 20.000 bis
25.000 Drinks im Jahr sein", erzählt Meyer im Podcast.
Obwohl er vom Alkoholverkauf lebt – Meyer nennt das selbst intoxication
as a service, Rausch als Dienstleistung –, findet er es richtig, dass
viele Menschen bewusster als früher solche Getränke zu sich nehmen. "Man
muss ehrlich sagen: Alkohol ist ein Nervengift und eine Droge. Und die
macht stark abhängig", sagt er. Die hochpreisigen Drinks seiner Bar
sieht er dabei aber nicht als große Gefahr. Die trinke man ja nicht
jeden Tag. "Was vielleicht eher schwierig ist", sagt er, "sind die
belanglosen Biere, die man sich irgendwo reinkippt."
Für sein Team gelten, sagt er, ohnehin strenge Regeln, was den Umgang
mit Alkohol betrifft: "Wir kommen nicht betrunken zur Arbeit. Und wir
trinken auch nicht während der Arbeit." Natürlich, sagt der
Barbetreiber, gebe es Ausnahmen. Zum Beispiel, wenn mal ein Stammgast
auf ein Glas Champagner einladen will. "Dann trinken auch wir mal ein
bisschen, was aber nicht heißt, dass wir jede Shotrunde mitnehmen. Das
geht einfach nicht", sagt Meyer.
Im Podcast erzählt er außerdem, warum er privat fast gar keinen Alkohol
trinkt und trotzdem nichts von alkoholfreien Alternativen zu Spirituosen
hält. Und warum es in Hamburg nicht leicht ist, eine Bar zu betreiben.
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| Wie bringen Sie Disziplin bei, Norbert Opitz? | 11 Feb 2025 | 00:46:28 | |
"Wir wollen mit Intensität spielen, mit Leidenschaft, mit viel Tempo",
sagt Norbert Opitz im Podcast "Frisch an die Arbeit". "Das erfordert ein
hohes Maß an Engagement." Opitz ist seit fast 20 Jahren Trainer bei Alba
Berlin, einem der erfolgreichsten Basketballvereine Deutschlands. Bei
dem Club kümmert sich Opitz um die Nachwuchsarbeit, das heißt um die
Jugendmannschaften. Durch seinen Job weiß er, wie Liebeskummer,
Notendruck oder ein Streit mit den Eltern die Leistung der jungen
Sportler beeinflussen können. "Ich muss mich fragen: Wer braucht Feuer,
wer braucht Zuspruch? Bei wem guckt man weg und drückt ein Auge zu?"
Opitz, 43, ist derzeit zuständig für die männliche U16-Mannschaft, die
in der Bundesliga spielt. Zu seinem Job gehört auch, sich um die Eltern
zu kümmern. Manchmal bittet er sie in Gesprächen, sich mehr oder weniger
zu engagieren. "Mittlerweile, mit Anfang 40, kriege ich den notwendigen
Respekt von den Eltern. Aber mit Anfang 20 musste ich mich trauen, dem
40-jährigen Vater zu sagen: 'So, ich bin hier der Trainer und ich
entscheide, was mit deinem Sohn passiert.'"
Mehrere Jahre lang hat Opitz die NBA-Stars und Brüder Franz und Moritz
Wagner trainiert, die in Berlin aufgewachsen sind, heute aber in den USA
leben und dort Millionengehälter verdienen. "Wenn das Training losgeht,
sind die beiden hart zu sich selbst, hart zu allen anderen, aber immer
fokussiert und konzentriert", weiß Opitz.
Im Podcast erzählt er, wieso Mannschaftssport Pubertätsprobleme lösen
kann, wie er ein Basketballtalent erkennt und weshalb er trotz niedrigem
Gehalt gerne an sieben Tagen die Woche arbeitet.
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| Wann kommt ein neues Wort in den Duden, Laura Neuhaus? | 28 Jan 2025 | 00:40:55 | |
"2020 haben wir das Wort Hackenporsche aus unserem Rechtschreibduden
rausgestrichen – und es gab einen kleinen Aufschrei in den Medien", sagt
Laura Neuhaus, die Leiterin der Duden-Redaktion, im Podcast "Frisch an
die Arbeit". Die Entscheidung sei so verstanden worden, als würde man
kein Wägelchen zum Einkaufen mehr hinter sich herziehen dürfen: "Das
Wort wurde wieder so häufig genutzt, dass wir gesagt haben: Okay, in der
nächsten Ausgabe ist der Hackenporsche wieder drin."
Neuhaus, 37, studierte Germanistik und Katholische Theologie in Mainz
und promovierte zu sogenannten Litotes: Formulierungen wie "halb so
schlimm", "nicht uninteressant" oder "nicht übel", bei denen
Verneinungen zum Ausdruck des Gegenteils genutzt werden. Seit 2019
arbeitet sie im Duden-Verlag.
Mit 3.000 neuen Wörtern wie "Sprachmodell", "Triggerwarnung", "nerdig"
oder "prompten" und insgesamt 151.000 Stichworten ist die neue Ausgabe
des Dudens die umfassendste in der Geschichte des Werks, sagt Neuhaus.
Die neuen Wörter aufzunehmen, sei absolut sinnvoll. "Sprache ist immer
der Spiegel der Zeit, das macht es ja auch so spannend. Es wandelt sich
immer, es gibt immer neue Wörter, weil es ja auch immer Erfindungen und
Entwicklungen gibt."
Ein großes Thema für Neuhaus und ihre Redaktion sind die veränderten
gesellschaftlichen Erwartungen an Sprache. Etwa diskriminierende Sprache
und wie man sie einordnet. "Etwas, wo wir lange darüber nachdenken, wie
man das jetzt gut darstellt, damit es der komplexen und auch oft heiklen
Situation gerecht wird", sagt Neuhaus.
Im Podcast erzählt sie außerdem, warum das von ihrem Freundeskreis
vorgeschlagene Wort Zwischenwasser für ein Glas Wasser zwischen
alkoholischen Getränken nicht in den Duden aufgenommen wird – und was
sie an der deutschen Sprache insgesamt fasziniert.
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| Brauchen wir alle mehr Magie im Alltag, Siegfried & Joy? | 14 Jan 2025 | 00:41:52 | |
"Für uns ist Zaubern vor allem eine Form der Unterhaltung", sagt
Siegfried d'Amour im Podcast "Frisch an die Arbeit". "Wir nehmen uns
selbst nicht so ernst und freuen uns, wenn die Leute lachen." Sein
Kollege Joy Leslie ergänzt: "Am Ende geht es beim Zaubern ja vor allem
darum, dass man eine Gemeinsamkeit im Raum schafft. Und unsere Kunst
verbindet die Menschen durch Freude." Als Zauberduo Siegfried & Joy
touren die beiden seit 2016 mit ihrer Bühnenshow "Las Vegas in …" durch
die Welt. Ihre bürgerlichen Namen halten sie geheim.
Kennengelernt haben sie sich in einem Laden für Zauberbedarf.
International bekannt wurden sie im Internet: Ihr Instagram-Kanal hat
inzwischen mehr als 2,5 Millionen Follower. Auf der ganzen Welt, von
Bangladesch bis Namibia, machen Menschen ihren berühmtesten Trick nach,
sich mitten in der Öffentlichkeit hinter einem großen Tuch
"verschwinden" zu lassen. Unzählige Menschen schicken ihre Videos an
Siegfried & Joy, mehrere Tausend Clips sind es inzwischen. "Wir bekommen
online extrem viel positives Feedback", sagt Joy, und Siegfried fügt
hinzu: "Das Schönste für uns ist aber trotzdem, den Menschen vor Ort in
die Augen schauen zu können."
2022 wurden sie zu der Fernsehshow "America's Got Talent" in Las Vegas
eingeladen. Zu kommerziell, zu wenig authentisch, befanden die beiden
und fuhren nach der ersten Runde wieder nach Hause – obwohl sie
weitergekommen wären und Jurymitglied Heidi Klum sich als Fan outete.
Im Podcast erzählen die beiden, warum sie sich trotz der vielen Follower
nicht als Influencer betrachten und Werbeangebote ausgeschlagen haben,
mit denen sie viel Geld verdient hätten. Außerdem verraten sie, dass
sich die Zauber-Tourneen und die vielen Auftritte nie wie Arbeit
anfühlen, und sprechen darüber, weshalb immer noch so wenige Frauen zur
Zauberszene gehören. Und natürlich wird im Podcast auch gezaubert.
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| Frau Seeger, sind die Feiertage für Frauenhäuser besonders belastend? | 31 Dec 2024 | 00:36:56 | |
"Wir haben alle Schichten bei uns im Frauenhaus, alle kulturellen
Hintergründe und Altersgruppen, von der Analphabetin bis zur
Professorin", sagt Catrin Seeger, die seit 30 Jahren das unabhängige
Frauenhaus in Rathenow in Brandenburg leitet, im Podcast "Frisch an die
Arbeit". "Meine jüngste Bewohnerin war 18, meine älteste 90 Jahre alt."
Seeger, 65, hat das Frauenhaus in Rathenow nach der Wiedervereinigung
selbst gegründet. Zum einen, weil es in ihrer Familie früher selbst
Gewalt gegeben habe, wie sie im Podcast erzählt. Und weil Gewalt in
Beziehungen und gegen Frauen in der DDR nicht öffentlich diskutiert
worden sei: "In der DDR war das überhaupt kein Thema. Uns wurde erst
über die Jahre das ganze Ausmaß bewusst."
Auch heute sei vielen Betroffenen unklar, wann sie sich bei einem
Frauenhaus oder der Polizei melden können – nämlich schon dann, wenn sie
bedroht oder in ihrer Freiheit beschränkt werden. "Viele Frauen haben
das Gefühl, sie müssen erst verprügelt werden, um unsere Hilfe in
Anspruch zu nehmen", sagt Seeger. "Die Frauen, die uns anrufen, wissen
meistens noch gar nicht richtig, was ihnen passiert ist. Die Gewalt ist
für sie noch gar nicht richtig greifbar und sie denken oft: So schlimm
war es doch nicht!"
Das Belastendste bei ihrer Arbeit aber sei, dass sie oft Anrufe bekäme –
von Frauen in Not, der Polizei – und absagen müsse, wenn die eine
sichere Bleibe suchen. Denn häufig seien alle Plätze bei ihr belegt.
Zwar versucht Seeger dann, die Personen in andere Frauenhäuser in
Brandenburg zu vermitteln. Doch das helfe vielen nicht, sie bräuchten
eine Unterkunft in der Nähe ihres Alltags.
"Manchmal, wenn ich in der Zeitung lese oder in den Medien höre, dass in
Berlin wieder eine Frau umgebracht wurde, vielleicht sogar mit Kindern,
dann denke ich schon: War sie schon mal bei uns? Und ist sie wieder
zurückgegangen?", sagt Seeger.
Im Podcast erzählt sie außerdem, wie psychischer Missbrauch in
Beziehungen aussehen kann, was sich beim Schutz der Frauen schon
verbessert hat und warum die Prävention gegen Gewalt schon im
Kindergarten beginnen muss.
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| Wie helfen Sie Kindern mit psychischen Problemen, Frau Adler-Corman? | 17 Dec 2024 | 00:44:17 | |
"Es gibt nicht mehr so viel Freiraum in den Familien, es ist unglaublich
viel Druck, es sind existenzielle Ängste durch alle Schichten
durch", sagt die Kinderpsychotherapeutin Petra Adler-Corman im
Podcast Frisch an die Arbeit. "Viele Eltern haben das Gefühl, ständig
funktionieren zu müssen. Und dieses Gefühl vermitteln sie auch ihren
Kindern."
Adler-Corman, 72, betreibt seit 1998 eine eigene Praxis in Düsseldorf.
Spezialisiert hat sie sich auf die Psychoanalyse von Babys. "Als ich
anfing, Therapiestunden zu geben, habe ich gemerkt, dass schon in den
ersten Lebensjahren so viel passiert", sagt Adler-Corman im Podcast.
Deswegen sei es für sie wichtig, auffällige Babys früh zu behandeln und
eine schlimmere Störung möglichst zu verhindern.
In ihrem Berufsleben hat Adler-Corman Hunderte Kinder, Jugendliche und
junge Erwachsene begleitet. Die meisten therapiert sie über Jahre
hinweg. Ihre ältesten Patienten sind 23 Jahre alt. Trotz vieler
dramatischer Fälle schaffe sie es, sich davon im Feierabend zu
distanzieren, sagt sie: "Am Anfang möchte man alle Kinder retten oder
adoptieren. Man denkt auch, man wäre die bessere Mutter für sie. Das ist
völliger Unsinn." Im Podcast erzählt sie, wie eine Therapiestunde
abläuft, welche Diagnosen sie am häufigsten stellt und wieso ihrer
Einschätzung nach immer mehr Kinder und Jugendliche psychische Probleme
haben.
"Frisch an die Arbeit" wird jeden zweiten Dienstag veröffentlicht. Es
moderieren im Wechsel Daniel Erk, Hannah Scherkamp und Elise Landschek.
Das Team erreichen Sie unter frischandiearbeit@zeit.de.
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| Wie anstrengend ist das Weihnachtsgeschäft für Postzusteller, Andre Wlodarczyk? | 03 Dec 2024 | 00:40:57 | |
"Einmal habe ich einem Kunden einen Benzinrasenmäher geliefert, der
wollte den partout in seine Wohnung in die fünfte Etage getragen
bekommen", sagt Andre Wlodarczyk, der als Paketzusteller der Deutschen
Post arbeitet, im Podcast Frisch an die Arbeit. "Was der mit dem
Rasenmäher in der Wohnung wollte, hat sich mir nicht erschlossen."
Wlodarczyk, 49, hat seine Stammstrecke am Rande von Potsdam in einer
Wohngegend mit vielen Einfamilienhäusern. "Ich mag das, weil es da eine
andere, engere Bindung zu den Kunden gibt und alles ein bisschen
persönlicher ist", sagt Wlodarczyk.
In den 13 Jahren, die Wlodarczyk in diesem Beruf arbeitet, erzählt er,
habe sich der Job schon deutlich verändert – es werde schlicht viel mehr
bestellt. "Als ich angefangen habe, sind wir mit ungefähr 120 Paketen
rausgefahren, heute fahren wir im Schnitt mit 200 Paketen los." Gerade
die nun anstehende Vorweihnachtszeit, erzählt er, sei belastend, vor
allem durch das hohe Maximalgewicht, das ein Paket in Deutschland haben
darf – nämlich bis zu 31,5 Kilo.
"Ich habe schon Katzenstreu, Hundefutter, Weinflaschen, vier
Bremsscheiben oder Hanteln fünf Etagen hochgetragen", sagt Wlodarczyk.
Auch wenn das nicht die Mehrzahl der Pakete sei, kämen solche besonders
schweren Lieferungen doch jeden Tag vor. "Das Größte, was ich mal
getragen habe, waren vier Palmen, jede 30 Kilo schwer."
Frustrierend findet Wlodarczyk es, wenn seine Mühen nicht gesehen
werden. "Manche Leute sehen das als Selbstverständlichkeit, wenn ich
ihnen 30 Kilogramm schwere Pakete in den fünften Stock trage." Er
erwarte keine Geschenke, keine Schokolade oder Weinflaschen. "Wenn die
Leute sich wenigstens ein 'Danke' rausquetschen, ist das auch für mich
okay."
Besonders belastend, erzähle Wlodarczyk weiter, sei die gestiegene
Aggressivität im Straßenverkehr. Viele hätten Verständnis, wenn ein
Müllauto die Straße blockiere, bei einem Postauto würden aber doch
einige Autofahrer wütend. "Das geht von Anschreien bis zu
Gewaltandrohungen – und tatsächlicher, ausgeübter Gewalt", sagt
Wlodarczyk. "Die schlagen dir den Spiegel ab oder werfen dir irgendwas
in die Scheibe."
Im Podcast erzählt Wlodarczyk außerdem, was er sich von der Politik
erhofft, wie er privat bestellt und wie man seinen Paketzustellerinnen
und Paketzustellern eine Freude machen kann.
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