Alle 14 Tage stellen Hannah Scherkamp, Elise Landschek und Daniel Erk spannenden Persönlichkeiten aus Kultur, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft Fragen über ihr persönliches Verhältnis zu ihrer Arbeit.
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Wie unterscheidet man zwischen Kunst und Trödel, Wolfgang Pauritsch?
Episode 233
Tuesday, September 22, 2026 • Duration 34:17
»Ein einziges Leben reicht nicht aus, um den Wert aller Gegenstände zu
kennen« sagt Wolfgang Pauritsch im Podcast Frisch an die Arbeit. Er
lerne immer noch jeden Tag dazu.
Seit mehr als 30 Jahren ist Pauritsch Auktionator und Händler für Kunst
und Antikes. »Ich musste mir meinen Erfolg hart erkämpfen«, sagt er. Der
54-Jährige wurde in Österreich geboren und wuchs bei den Großeltern in
einfachen Verhältnissen auf. Nach der Schule schloss er eine Lehre zum
Rohrschlosser ab.
Der Wendepunkt kam, als er auf einer Auktion in München jobbte und für
eine erkrankte Auktionatorin einspringen musste. »Danach hat mir der
Chef einen Vertrag angeboten«, sagt Pauritsch. Er brachte sich die
Grundlagen selbst bei, besuchte Museen und Sammler und
absolvierte verschiedene Weiterbildungen. »Ich habe das Wissen
aufgesaugt wie ein Schwamm.«
Heute leitet Pauritsch zusammen mit einer Geschäftspartnerin einen Laden
für Auktionen und Antikhandel in Oberstaufen. Zusätzlich ist er
Fernsehhändler in der ZDF-Trödel-Sendung »Bares für Rares«, wo er im
Jahr 50 Drehtage hat. »Die Arbeit dort ist für mich wie Urlaub und macht
viel Spaß. Jeden Tag im Laden zu stehen, ist viel anstrengender«, sagt
Pauritsch.
Pauritsch handelt hauptsächlich mit Kunstwerken und Juwelen, die seien
eine stabile Geldanlage für gut betuchte Kunden, erzählt er. Der
Mittelschicht säße in Krisenzeiten das Geld hingegen nicht mehr so
locker. »Zwischen 50 und 500 Euro verkaufen wir inzwischen kaum noch
Ware«.
Einen herben Rückschlag erlebte der Händler Mitte der Neunzigerjahre,
als in seinen Laden eingebrochen wurde. »Der Schaden betrug mehr als
150.000 Euro und die Leute, deren Besitz ich verkaufen sollte, standen
plötzlich alle auf der Matte«. Doch Pauritsch konnte seine Schulden am
Ende abbezahlen.
Im Podcast Frisch an die Arbeit erzählt Pauritsch, für wieviel Geld er
sein teuerstes Stück versteigert hat, ob er sich schonmal kräftig im
Preis geirrt hat und ob er privat immer noch auf Flohmärkte geht.
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Was fasziniert Sie an der Arbeit mit Kies, Uwe Kersten?
Episode 232
Friday, September 11, 2026 • Duration 35:07
»Seit 100.000 Jahren ist auf diesen Kies kein Lichtstrahl gefallen – und
jetzt bin ich derjenige, der ihn wieder ans Licht fördert«, sagt Uwe
Kersten, Maschinenführer und Kieswerkmitarbeiter, im Podcast »Frisch an
die Arbeit«.
Kersten, 62 Jahre alt, ist seit 38 Jahren am Rande des Harzes in der
Kiesgewinnung tätig. Ursprünglich ließ er sich bei der Deutschen Bahn in
Göttingen zum Energieanlagenelektroniker ausbilden. Als die Bahn Mitte
der Achtzigerjahre Personal abbaute, wechselte er in das Kieswerk, in
dem bereits sein Vater beschäftigt gewesen war. »Ich bin dann hier ganz
klassisch, wie man sagt, kleben geblieben.«
Meistens ist Kersten allein in einer Außenstelle des Kieswerks, bedient
Radlader und Bagger, überwacht, wie der Kies mit Maschinen aufbereitet
wird, und belädt die Fahrzeuge der Kunden. Welche Aufgaben an einem Tag
anstehen, entscheidet er weitgehend selbst. »Für meinen Vorgesetzten ist
eigentlich nur wichtig, dass der Laden läuft«, sagt Kersten.
Die Kiesvorkommen, mit denen Kersten arbeitet, stammen überwiegend aus
dem Harz. Verwittertes Gestein wurde während der letzten Eiszeit durch
Flüsse und Schmelzwasser ins Harzvorland getragen und dort abgelagert.
Das Material reiche von feinem Sand bis zu Steinen von der Größe eines
Basketballs, erzählt Kersten. Im Kieswerk wird es gewaschen, gesiebt und
teilweise gebrochen. So entstehen rund 25 verschiedene Produkte für den
Straßen-, Garten- und Hausbau.
Manche Kunden, sagt Kersten, holten lediglich eine Schubkarre Kies ab,
andere bestellen 20.000 Tonnen. Selbst nach all den Jahren dort könne
ihn seine Kiesgrube überraschen, erzählt Kersten. Kersten hat in den
Lagerstätten bereits Hohlräume entdeckt, deren Entstehung er sich nicht
erklären konnte.
Auch fasziniert Kersten die Natur in so einer Kiesgrube. Sobald der
Abbau in einem Abschnitt beendet sei, kehrten Pflanzen und Tiere zügig
zurück. „Die Natur kommt hinter uns her“, sagt Kersten. Es entstünden
schnell Teiche und Feuchtgebiete – und der Naturschutzbund beobachte
dort regelmäßig Schmetterlinge, Vögel und Amphibien.
Heute hilft ihm seine Erfahrung vor allem dann, wenn eine Maschine
ausfällt. »Auch mit fast 62 Jahren lasse ich mich nicht so leicht
unterkriegen. Alles, was sich irgendwie allein lösen lässt, mache ich
selbst«, sagt er. Er ist sich sicher: »Ich habe hier schon 2.000
Probleme gelöst. Warum soll ich das 2.001. nicht auch lösen?«
Im Podcast erzählt Kersten außerdem, wie sich Baumaschinen in den
vergangenen Jahrzehnten verändert haben, warum Kies trotz
Baustoffrecycling knapp werden könnte und weshalb ein Stein mit einem
Loch als Talisman am Rückspiegel seines Hauses hängt.
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Die Deutschen arbeiten genug – oder?
Episode 231
Tuesday, August 25, 2026 • Duration 42:10
Verstehen wir uns noch? Teilen wir dieselben Ansichten? Die ZEIT bringt
mit Deutschland spricht Menschen mit gegensätzlichen Meinungen zusammen
– in diesem Jahr am 30. August.
Grundlage der Gespräche sind acht Fragen zu kontroversen Themen. Eine
davon lautet: Arbeiten die Deutschen zu wenig? Aus diesem Anlass
diskutieren Kolja Rudzio aus dem Wirtschaftsressort der ZEIT und Hannah
Scherkamp aus dem Arbeitsressort in einer Sonderfolge von Frisch an die
Arbeit.
Die Frage, ob die Deutschen zu wenig leisten, beschäftigt derzeit viele
in Deutschland: Politiker, Unternehmenschefs und natürlich auch
Arbeitnehmer. Tatsächlich ist sie schwierig zu beantworten. Das zeigt
auch die Diskussion in diesem Podcast.
Einerseits wurden in Deutschland zuletzt insgesamt mehr Arbeitsstunden
geleistet als vor zehn Jahren. Andererseits werden in den kommenden
Jahren Millionen Arbeitskräfte in Rente gehen.
»An dem Problem gemessen, arbeiten wir wahrscheinlich zu wenig und
müssen uns Gedanken machen: Wie können wir noch mehr Leute in Arbeit
bekommen?«, sagt Kolja Rudzio im Podcast. Sonst werde es sehr schwierig,
weiterhin das zu finanzieren, was wir uns heute alles leisten – für den
Staat und das Sozialsystem.
Im Laufe dieser Sonderfolge diskutieren Hannah Scherkamp und Kolja
Rudzio nicht nur über die Entwicklung der geleisteten Arbeitsstunden,
sondern auch über Teilzeitquoten, den Ruf der Generation Z, die
Erwerbsarbeit von Frauen und die Produktivität in Deutschland.
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Was braucht es, einen Konzertflügel zu stimmen, Arvid Michel?
Episode 230
Tuesday, August 11, 2026 • Duration 42:11
»Ich muss das Klavier in einem Bereich hören können, den die meisten gar
nicht wahrnehmen«, sagt Arvid Michel im Podcast »Frisch an die Arbeit«.
Nur so könne er die 88 Töne eines Klaviers so aufeinander abstimmen,
dass sie nicht nur für sich, sondern auch gemeinsam richtig klingen. Bei
der »Dreigroschenoper« erkenne er zum Beispiel ein bestimmtes Muster,
sagt Michel. Nach dem Stück seien die Töne immer auf eine spezielle Art
verstimmt.
Michel arbeitet als freiberuflicher Klavierstimmer an Theatern sowie für
Rundfunkorchester und Chöre. Anders als die Instrumente in
Privathaushalten werden die Konzertflügel teilweise mehrmals im Monat,
manchmal sogar mehrmals am Tag gestimmt. Bei Proben und Aufführungen
werden die Saiten stark beansprucht, außerdem werden die Instrumente
ständig zwischen Bühne, Orchestergraben und Proberäumen bewegt. »Dadurch
entsteht so viel Verstimmung im Instrument, die dann hörbar ist«, sagt
Michel.
Seine Liebe zum Klavier begann in der Kindheit bei seiner Großmutter.
»Ich habe das Instrument gesehen und war sofort verliebt«, sagt er. Erst
mit 16 Jahren nahm er Unterricht und wollte Pianist werden. Während des
Studiums spielte er als Barpianist und verdiente sich einen eigenen,
nicht mehr ganz neuen Flügel – einen, der ständig gestimmt werden
musste. Weil er sich das nicht leisten konnte, bat er einen befreundeten
Klavierbauer, ihm alles beizubringen. Später half er in der Werkstatt
des Klavierbauers mit und begann eine Ausbildung.
Einer der besonderen Momente seiner Karriere war für Michel ein Auftrag
des Berliner Ensemble: Das Theater wollte einen neuen Steinway-Flügel
anschaffen, der den Ansprüchen des Pianisten Igor Levit genügen sollte.
Michel durfte nach Hamburg fahren und aus fünf Instrumenten eines
auswählen. »Er hat gespielt, ich habe gelauscht«, sagt Michel.
Im Podcast erzählt er außerdem, warum Klimaanlagen Klaviere verstimmen
und weshalb ihn die Kritik einer Professorin dazu brachte, seine
Arbeitsweise grundlegend zu verändern.
»Frisch an die Arbeit« wird jeden zweiten Dienstag veröffentlicht. Es
moderieren im Wechsel Daniel Erk, Hannah Scherkamp und Elise Landschek.
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Wie hart ist die Ballettausbildung wirklich, Sarah Weber?
Episode 229
Tuesday, July 28, 2026 • Duration 51:49
Ein typisches Ballettmädchen sei sie nie gewesen, sagt Tänzerin Sarah
Weber im Podcast »Frisch an die Arbeit«.
»Als ich drei Jahre alt war, habe ich laut Legende
mein Ballettröckchen zerrissen, weil es so langweilig war.« Trotzdem
schickten sie ihre Eltern in die Berliner Tanzakademie an der Deutschen
Oper in Berlin. »Mit acht oder neun Jahren habe ich dann schon auf der
großen Bühne bei Nussknacker mitgetanzt«, sagt Weber – und das
begeisterte sie dann schon.
Als Teenager, so mit 16, 17 Jahren, habe sie gewusst, dass sie Tänzerin
werden wolle. »Ich liebe einfach die klassische Musik und den
athletischen Aspekt.« Für die professionelle Ausbildung ging sie unter
anderem an eine Ballettschule nach Lettland. Dort sei es deutlich
strenger zugegangen als in Deutschland. Der Druck, Leistung abzuliefern,
sei höher gewesen. »Aber am schwierigsten war für mich die
Sprachbarriere, weil man sich ja mit den anderen Schülern nicht
anfreunden kann.« Das harte Training habe sie allerdings kaum gestört,
»ich kann beim Training gut entspannen«, erzählt sie. Und ein gewisser
Druck sei für Spitzenleistungen auch durchaus nötig.
Inzwischen ist Sarah Weber Anfang vierzig, seit mehr als zwei
Jahrzehnten tanzt sie professionell als Gruppentänzerin in mehreren
Compagnien weltweit, unter anderem am Nationalballett in Kairo während
der Zeit des Arabischen Frühlings. Sie wohnte damals nicht weit vom
zentralen Tahrir-Platz entfernt, dort begannen 2011 die Aufstände gegen
das Regime. »Von meinem Balkon im fünften Stock habe ich Schüsse gehört,
ich wusste erst gar nicht, dass es welche waren. Die Ballettdirektorin
rief noch an, dass trotzdem alle zu den Proben kommen sollen, aber
niemand von uns ist mehr hingegangen.«
Danach habe sie sich in Deutschland ein neues Engagement suchen müssen.
»Da gibt es nicht so einen Transfermarkt wie beim Fußball. Wir müssen
allein trainieren und allein zum Vortanzen gehen und auf einen Job
hoffen«, sagt sie. Nur die allerwenigsten schaffen es bis an die Spitze
und werden Solistinnen oder Solisten, »da ist allerdings fast niemand
aus Deutschland dabei«.
Alle Tänzerinnen und Tänzer wüssten außerdem von Anfang an, dass man den
Job nicht bis zur regulären Rente machen könne, der Körper wird vom
Tanzen einfach zu hart beansprucht. »Auch deshalb bin ich immer
mehrgleisig gefahren«, sagt Weber. Neben ihrem Job als Tänzerin
studierte sie Kulturmanagement sowie Deutsch als Fremdsprache und machte
eine Ausbildung zur Tanzpädagogin. Heute leitet sie eine Ballettschule
für etwa 100 Kinder und Jugendliche im Berliner Südosten und gibt dort
auch Kurse.
Im Podcast erzählt Sarah Weber, ob sie eine strenge Lehrerin ist und wie
sich die Anspruchshaltung der Ballettschülerinnen und -schüler verändert
hat. Und ob der klassische Tanz mal eine radikale Modernisierung
bräuchte.
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Warum haben Sie Ihre Karriere für den Campingplatz Ihrer Eltern aufgegeben, Nadine Siemer?
Episode 228
Tuesday, July 14, 2026 • Duration 37:09
»Für einen Campingplatz braucht man eine riesengroße Portion Herz«, sagt
Nadine Siemer im Podcast »Frisch an die Arbeit«. Jeder Gast bringe seine
eigene Geschichte mit. Die 48-Jährige betreibt gemeinsam mit ihrem
Bruder den Campingplatz Knatter Camping in Bantikow in der Prignitz. Er
liegt rund eine Autostunde nordwestlich von Berlin am Untersee der
Kyritzer Seenkette.
Auf 180 Stellplätzen verbringen in der Hauptsaison bis zu 700 Gäste
gleichzeitig ihren Urlaub. Den Platz übernahmen Siemers Eltern nach der
Wende von der Gemeinde und bauten ihn von einem einfachen Zeltplatz mit
Trockentoiletten und kaltem Wasser zu einem modernen Ferienlager aus.
Zelten war für Nadine Siemer übrigens selbst nie eine Option. »Camping
ist keine Urlaubsform, für die ich mich persönlich begeistern kann«,
sagt sie. Nach einem Studium im Bereich Medien und Kommunikation
arbeitete sie im Umweltmanagement, in der Pressearbeit, in einer
Unternehmensberatung und im öffentlichen Dienst.
Trotzdem entschied sie sich während der Coronapandemie, den elterlichen
Betrieb zu übernehmen. »Es war überhaupt keine finanzielle Entscheidung,
sondern eine aus dem Bauch heraus«, sagt sie. Nachdem sie über Jahre als
Angestellte gearbeitet hatte, wollte sie nun selbstständig sein.
Heute kümmert sich Siemers um Buchungen, Personalplanung und
Investitionen in den Campingplatz. Viele Abläufe hat sie in den
vergangenen Jahren digitalisiert. Sie betrachtet den Campingplatz wie
ein Unternehmen, das man ständig weiterentwickeln muss.
Schwierig wird es, wenn es im Sommer länger regnet: »Schlechtes Wetter
ist vor allem dann kaum auszuhalten, wenn die Urlauber schon da sind und
zu mir sagen: ›Eigentlich wollten wir am Wasser stehen. Jetzt stehen wir
im Wasser.‹«
Im Podcast erzählt Nadine Siemer außerdem, warum sie auch nach
Feierabend oft an den Campingplatz denkt und wie man 700 Gästen am Tag
einen schönen Urlaub ermöglicht.
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Warum macht Gärtnern selbstbewusst, Horst Mager?
Episode 227
Tuesday, June 30, 2026 • Duration 45:09
»Meinen Garten betrachte ich als Freund, das ist ein Geben und Nehmen«,
sagt Horst Mager im Podcast »Frisch an die Arbeit«. Als ausgebildeter
Landschaftsgärtner und Biologe kümmert er sich seit Jahrzehnten um
Pflanzen. Schon in seiner Kindheit pflegte er mit seiner spanischen
Mutter und seinem deutschen Vater im Garten der Familie die Blumen und
das Gemüse. Mittlerweile gärtnert er vor allem in seinem Berliner
Schrebergarten. Dort wird auch die Fernsehsendung »Gartenzeit« gedreht,
die Mager für den Rbb moderiert.
Mager, 62, machte nach seinem Biologiestudium ein Volontariat bei einem
Fernsehsender. Mit 58 Jahren eröffnete er unter »Horst sein
Schrebergarten« Accounts bei Instagram und YouTube. Für einen schönen
Garten oder Balkon sei es entscheidend, die passende Pflanze für den
Standort auszuwählen. »Wie lange scheint dort die Sonne? Will ich das
oft gießen? Kommt da sowieso Regen hin? Das sind wichtige Punkte«, sagt
Mager. Für jeden Platz gebe es ein Gewächs. »Auf einem Balkon ist es
wichtig, nicht fünf kleine Blumentöpfe zu haben, die dauernd
austrocknen, sondern einen großen.«
Wie ein Garten aussehen soll, habe sich in den vergangenen Jahren sehr
geändert, sagt Mager. Während früher ein gepflegter Rasen, ein Rosenbeet
und ein Rhododendron gewünscht war, sei heute vieles entspannter. »Es
gibt viele Menschen, die jetzt anders gärtnern und die Natur
einbeziehen«, sagt Mager. Besonders traurig sei es, wenn Hausbesitzer
ihren Garten zubetonieren oder die Pflanzen zum falschen Zeitpunkt
zurückschneiden. »Man sieht am Garten, wie die Menschen funktionieren.«
Mindestens zwei Tage in der Woche verbringt Mager in seinem
Schrebergarten, einsam fühlt er sich dabei nie. »Ich rede ganz viel mit
meinen Pflanzen, es sind sehr entspannte Unterhaltungen. Ich glaube, sie
sprechen auch mit mir.«
Im Podcast erzählt Mager von seinem langen Berufsweg, den hässlichsten
Vorgärten und warum es ihm Schmerzen bereitet, wenn er
schlecht gepflegte Bäume und Blumen sieht.
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Wie findet man die richtigen Worte, wenn ein Mensch gestorben ist, Danny Klein?
Episode 226
Tuesday, June 16, 2026 • Duration 47:36
»Eine gute Trauerfeier pendelt zwischen Lachen und Weinen«, sagt Danny
Klein im Podcast »Frisch an die Arbeit«. Seit 2018 arbeitet die
56-Jährige als freie Trauerrednerin in Berlin und begleitet Menschen
dabei, Abschied von Freunden oder Familienangehörigen zu nehmen. »Eine
Trauerrede zu beauftragen, ist ja auch ein riesiger Vertrauensakt«, sagt
sie.
Klein wurde in Hannover geboren, wuchs in England auf und studierte
Theologie und Portugiesisch. Später arbeitete sie unter anderem als
Fotografin, in der Kulturvermittlung und als Bestatterin. Heute ist sie
neben ihrer Arbeit als Trauerrednerin auch Rettungssanitäterin im
Krankenhaus. Die unterschiedlichen Stationen verbindet ein gemeinsames
Interesse, wie Klein erzählt: »Ich suche intensive Begegnungen.«
Wenn sie von einer Familie beauftragt wird, besucht sie diese meist zu
Hause oder an einem Ort, der für den verstorbenen Menschen wichtig war.
Fotos, Erinnerungsstücke und vertraute Räume helfen ihr dabei, mit den
Angehörigen ins Gespräch zu kommen. »Ich möchte Geschichten hören, die
ihnen wichtig sind«, sagt sie. Aus vielen einzelnen Erinnerungen
entsteht Schritt für Schritt ein Bild über den Verstorbenen, das später
die Grundlage ihrer Rede bildet.
Dabei geht es ihr ausdrücklich nicht darum, einen Menschen zu
idealisieren. »Man kann sich nicht von einem falschen Bild
verabschieden«, sagt Klein. Auch Konflikte, schwierige Erfahrungen oder
Widersprüche dürfe man erwähnen, solange man sie nicht bewerte. Für
Klein ist die Trauerrede deshalb »ein Moment der Wahrheit«, in dem ein
Mensch noch einmal in seiner ganzen Vielschichtigkeit spürbar wird.
»Für mich ist das Schreiben einer solchen Rede ein künstlerischer
Prozess«, sagt sie. Dafür führt Klein mehrere Gespräche, macht
handschriftliche Notizen und arbeitet oft bis kurz vor der Trauerfeier
an ihren Formulierungen. Mehr als eine Rede pro Monat übernimmt sie
bewusst nicht.
Die fertige Rede versteht sie nicht als bloßen Text. Rhythmus, Pausen
und Blickkontakt seien genauso wichtig wie die Worte selbst. »Bevor ich
eine Trauerrede halte, lese ich sie meiner Partnerin und meiner Mutter
vor, um sicherzugehen, dass alle Zuhörenden gut durch den Text geführt
werden.«
Im Podcast erzählt Danny Klein außerdem, weshalb sie glaubt, dass gerade
die Erinnerungen an Großzügigkeit, Offenheit und gemeinsam erlebte
Momente das sind, was von einem Menschen bleibt. Und warum sie ihre
Trauerreden nie mit dem Satz »Liebe Trauergemeinde« beginnt.
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Wie unanständig ist privater Reichtum, Sebastian Klein und Antje von Dewitz?
Episode 225
Tuesday, June 2, 2026 • Duration 38:13
»Die Ursache von fast allen größeren gesellschaftlichen Problemen liegt
darin, wie wir Vermögen verteilen«, sagt Sebastian Klein im Podcast
»Frisch an die Arbeit«. Der 44-jährige Unternehmer hat 2012 zusammen mit
Freunden die App Blinkist gegründet, die Sachbücher in kurzen Texten
zusammenfasst. »Mein größter Wunsch war damals, möglichst schnell
möglichst viel Geld zu verdienen.«
Mit dem Verkauf der App wurde Klein im Jahr 2023 zum Multimillionär. Der
plötzliche Reichtum habe ihn verändert, sagt er. »Ich wollte immer mehr.
Plötzlich hatte ich das Gefühl, ich entferne mich dadurch von Menschen
und einfachen Freuden, die eigentlich viel wichtiger sind im Leben.«
Klein gründete die Investmentfirma Karma Capital und gab 90 Prozent
seines Vermögens an kleine, gemeinwohlorientierte Initiativen, die nicht
profitorientiert sind.
Für Antje von Dewitz ist Profit hingegen »überlebenswichtig«, wie sie im
Podcast sagt. »Ich bin auf Profit angewiesen, er erlaubt mir, nachhaltig
zu wirtschaften und nicht auf Ausbeutung zu setzen, wie andere
Unternehmen.« Sie hat das Familienunternehmen Vaude im Jahr 2009 von
ihrem Vater übernommen – eine Firma, die Outdoor- und Bergsportartikel
verkauft. Von Dewitz richtete die Firma auf Nachhaltigkeit aus, nach
eigenen Angaben achtet sie auf faire Arbeitsbedingungen und transparente
Lieferketten.
Im Podcast spricht die 53-Jährige darüber, wie schwierig es am Anfang
war, ihre Ideen zur Nachhaltigkeit im Unternehmen durchzusetzen. Auch
berichtet sie über ihre Erfahrungen als Frau in einer Führungsposition.
Am Anfang sei die Belegschaft skeptisch gewesen, erzählt sie. Da seien
Fragen gekommen wie: Weiß dein Vater, was du da machst? Doch die soziale
Verantwortung des Unternehmens sei ihr immer wichtig gewesen. Für ihr
Engagement bekam sie zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 2024 das
Bundesverdienstkreuz am Bande.
Die aktuelle Podcastfolge von »Frisch an die Arbeit« wurde live bei der
Führungskräftemesse Future Leader Summit im Congress Center Hamburg
(CCH) aufgezeichnet. Rund eine Stunde sprach Host Elise Landschek auf
dem Podium mit ihren Gästen Antje von Dewitz und Sebastian Klein zum
Thema »Führen mit Verantwortung: Perspektiven auf Macht, Geld und
Gesellschaft«. Dieser Podcast ist die gekürzte Fassung der
Veranstaltung.
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Warum machen Berge glücklich, Anna Kuisle?
Episode 224
Tuesday, May 19, 2026 • Duration 33:47
»Wenn ich morgens aufwache und den Berg sehe, sind diese 30 Sekunden
alle Anstrengungen wert«, sagt Anna Kuisle im Podcast »Frisch an die
Arbeit«. Die 33-Jährige arbeitet seit fünf Jahren jeden Sommer als
Wirtin der Hildesheimer Hütte in den Stubaier Alpen und versorgt dort
mit ihrem Team bis zu 70 Gäste.
Die Hildesheimer Hütte liegt auf 2.899 Metern Höhe in Tirol und befindet
sich zwischen dem Ötztal mit dem Wintersportort Sölden und dem
Stubaital. Die hochalpine Lage in der Nähe mehrerer Gletscher macht die
Hütte zu einem beliebten Ausgangspunkt für Wanderungen.
Bevor die Saison beginnt, erzählt Kuisle, muss sie das Team rekrutieren,
zusammenstellen und Dienstpläne schreiben, Lebensmittelbestellungen
planen und Helikopterflüge organisieren. »Über die Saison müssen
ungefähr zehn Tonnen an Lebensmitteln bewegt werden. Mit dem Helikopter
kann man pro Flug rund 700 Kilo hochbringen«, erzählt sie.
Kuisle ist eigentlich studierte Bauingenieurin und arbeitet im Winter
auch als Verkehrsplanerin im österreichischen Innsbruck. Nach einigen
Jahren im Büro aber fragte sie sich: »War es das jetzt, oder gibt es
vielleicht noch was anderes?« Sie entschied sich, noch einmal auf einer
Berghütte zu arbeiten, und blieb. »Ich habe es noch nie bereut«, sagt
sie.
Zu Kuisles Arbeitsalltag gehören neben der Gastronomie auch
Stromausfälle, kaputte Materialseilbahnen und viele Fragen der Gäste zu
Wetter, Gletschern und zur Tourenplanung. Gerade auch als junge deutsche
Frau habe sie sich ihren Platz unter den Einheimischen und in den Alpen
erarbeiten müssen. »Da wird man schon erst mal schief angeschaut«,
erzählt sie.
Gerade im hochalpinen Gelände beobachtet sie Veränderungen. »Es wird
schon anspruchsvoller und gefährlicher«, sagt sie mit Blick auf
schmelzende Gletscher und den auftauenden Permafrost. Gleichzeitig
erlebt sie einen Wandel bei den Gästen. »Ich glaube, die Menschen werden
jünger, weiblicher und essen häufiger vegetarisch oder vegan«, sagt
Kuisle. Auch der Alkoholkonsum nehme ab.
Die Arbeit auf der Hütte, sagt Kuisle, sei für sie anstrengend, aber
auch erfüllend. »Die drei Monate auf der Hütte sind einfach fast
ausschließlich Arbeit«, erzählt sie. »Aber ich merke dort so richtig,
dass das einfach mein Platz ist.«
Im Podcast erzählt Anna Kuisle außerdem, warum die Stimmung auf der
Hütte besser wird, wenn der Handyempfang weg ist, was sie tut, wenn sie
selbst einmal einen »Hüttenkoller« bekommt und warum sie auch im Winter
regelmäßig zu ihrer Hütte wandert.
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