Explore every episode of the podcast Eine Frage noch ... Ein Podcast der Agenda Austria
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| Wie geht es dem Humor, Harald Martenstein? | 20 Sep 2023 | 00:31:20 | |
Harald Martenstein gilt als einer der populärsten Kolumnisten im deutschen Sprachraum. Er schreibt seit vielen Jahren für die „Zeit“, seit Kurzem auch für die „Welt am Sonntag“. Sein Markenzeichen ist die feine Ironie, mit der er sich die Ereignisse auf der Welt – und vor allem im deutschen Teil der Welt – vorknöpft. Harald Martenstein kommt politisch von weit links. In seiner Jugend war er sogar Mitglied der DKP (Deutsche Kommunistische Partei). Mittlerweile gilt er mit seinen Ansichten links der Mitte als Störenfried. Was ist da passiert? „Aus meiner Jugend kenne ich ganz viele gestandene Linke, die heute ähnlich denken wie ich“, sagt Martenstein. „Wir post-68er waren ganz stark antiautoritär eingestellt. Bei uns galt noch das Ideal der Freiheit. Die Leute sollten leben dürfen, wie sie wollen. Heute haben wir es viel stärker mit einer autoritären Linken zu tun.“ Seine einstige Sympathie für den Kommunismus lasse sich damit aber nicht erklären, gibt Martenstein zu. Die beste Begründung dafür: „Ich war mit 17 nicht der große politische Durchblicker.“
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| Braucht der Staat eine Schuldenbremse? (Christoph Schaltegger) | 29 Jun 2023 | 00:37:43 | |
Die jüngsten Krisen haben im österreichischen Staatshaushalt tiefe Spuren hinterlassen. In nur drei Jahren stiegen die Schulden der Republik von 316 auf 361 Milliarden Euro. In der Schweiz gibt es seit mehr als 20 Jahren eine Schuldenbremse. 85 Prozent der Bevölkerung sprachen sich damals dafür aus, die Politiker zur Budgetdisziplin zu zwingen. Im Podcast der Agenda Austria erzählt der Ökonom Christoph Schaltegger, wie es dazu kam, wie die Schuldenbremse funktioniert und welche Effekte sie hat. Die Schweizer Schuldenbremse sei relativ simpel gestrickt, sagt Schaltegger. „Es wird geschätzt, wie hoch die Einnahmen des kommenden Jahre sein werden. Läuft die Konjunktur gut, muss ein bisschen mehr eingenommen als ausgegeben werden. In einer Rezession ist es umgekehrt. Aber der Deckel muss eingehalten werden.“ Die Schuldenbremse ist in der Schweiz nicht unumstritten. Einige Ökonomen sehen das Instrument seit je her kritisch. Die lange Zeit sehr niedrigen Zinsen hätten auch in seiner Heimat die Debatte befeuert, ob man beim Schuldenmachen nicht etwas großzügiger sein könnte, berichtet Christoph Schaltegger. Just Ende des Jahres 2019 stellte der Bundesrat eine Expertengruppe zusammen, die ausloten sollte, ob angesichts der komfortablen Zinsen und des Wirtschaftswachstums nicht mehr Spielraum für Ausgaben eröffnet werden solle. Nicht erst seit Corona ist spürbar, dass die Erwartungen der Bürger an den Staat enorm gestiegen sind. Kaum wird es schwierig, soll die Politik helfen. Wie kommen Regierungen da wieder heraus? Letztlich sei der Staat ja dafür da, in Krisen helfend einzugreifen, räumt Christoph Schaltegger ein. Nach seinem persönlichen Empfinden sei die Grenze zwischen Ausnahmesituationen und konjunkturell normalen Zeiten aber immer mehr verschwommen. „Heute ist praktisch Dauerkrise. Deshalb haben einzelne Gruppen immer die Möglichkeit, ihre speziellen Interessen zum Allgemeingut zu machen. Wenn das Schule macht, tun es alle. Das ist eine gefährliche, zersetzende Kraft in einer Demokratie.“ Arbeitgeber seien da übrigens um keinen Deut anders als Unselbständige. „Das habe ich als Ökonom früh gelernt: Die Unternehmen sind kein Hort des ordnungspolitischen Gewissens. Wenn ein Unternehmer merkt, dass er vom Staat profitieren kann, wird er das gerne tun“, sagt Schaltegger. Nach mehreren Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank stellt sich die Frage, ob alle Euroländer ihre enormen Schulden langfristig noch bedienen können. Schaltegger sieht ein gewisses Risiko, dass es zu einer neuen europäischen Schuldenkrise kommen könnte. „Die Bruttoschulden einzelner Länder übertreffen bereits den Stand während des Zweiten Weltkriegs. Und bekanntlich gab es nach dem Krieg einige Staatsinsolvenzen.“ Christoph Schaltegger, 51 Der gebürtige Basler ist Professor für politische Ökonomie an der Universität Luzern und Direktor des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP). Er hat mehrere Bücher geschrieben, publiziert regelmäßig in der „Neuen Zürcher Zeitung“ und gehört zu den einflussreichsten Ökonomen des Landes. Am 19. Juni hielt er in der Agenda Austria einen Vortrag über die Schuldenbremse in der Schweiz. | |||
| Ist die Krise schon vorbei? (Christian Helmenstein) | 02 Feb 2023 | 00:37:20 | |
2022 wird als besonders schwieriges Jahr in Erinnerung bleiben, in dem scheinbar alles schief ging. Dennoch wuchs die Wirtschaft in Österreich um fast fünf Prozent, mehr als doppelt so stark wie in Deutschland. Auch die Aussichten für das laufende Jahr wurden zuletzt besser, mit einer tiefen Rezession rechnet kaum noch jemand. Warum läuft es jetzt doch besser als erwartet? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung, im aktuellen Podcast der Agenda Austria. Es bestehe derzeit tatsächlich Grund für „konjunkturelle Zuversicht“, meint der renommierte Volkswirt. „Die nächsten sechs Monate werden noch sehr schwierig werden. Aber der Aufschwung wird uns in der zweiten Jahreshälfte oder spätestens 2024 erwarten.“ Den Hauptgrund für die verbesserte Prognose sieht Helmenstein in den enormen staatlichen Hilfspaketen: „Damit konnte die Konjunktur soweit stabilisiert werden, dass wir in der Tat jetzt mit einer Stagflation rechnen können, nicht mehr mit einer Rezession. Wir haben uns Wirtschaftswachstum und Stabilität auf Kosten künftiger Generationen erkauft.“ Ein Konzept für die Zukunft sei das natürlich nicht. Würde man auf diesem Weg weitergehen, käme man irgendwann an die Grenzen des möglichen Verschuldungsgrades. Dass die Wirtschaft in Österreich zuletzt so viel besser lief als in Deutschland, erklärt der Ökonom vor allem mit dem unterschiedlichen Branchenmix. „Die deutsche Wirtschaft hat enorm unter der Schwäche der Autoindustrie gelitten, die schon seit 2018 anhält. Das haben wir in Österreich so nicht. Wir sind gut diversifiziert. Daneben haben wir auch noch einen starken Tourismus.“ Aber Deutschland werde sich bald wieder erfangen, glaubt Helmenstein. Nicht zuletzt dank einer neu durchstartenden Autoindustrie. Nicht eingetreten ist zum Glück auch der befürchtete Energienotstand. Niemand muss in einer kalten Wohnung sitzen, keine Fabrik wurde wegen Energiemangels dichtgemacht. Für Helmenstein liegt das an mehreren Faktoren: „Furcht kann ja auch ein guter Hinweisgeber für tragfähige Entscheidungen sein“, sagt er. „Das scheint mir passiert zu sein. Wir haben alles daran gesetzt, die Bezugsquellen zu diversifizieren. Eine Zeitlang kamen auch noch beträchtliche Mengen Gas aus Russland. Außerdem haben wir Glück gehabt; der Winter war bisher mild. Und schließlich zeigt sich, dass die Marktwirtschaft funktioniert. Die Preissignale wurden richtig verstanden, es kam zu Einsparungsmaßnahmen.“ Der herrschende Arbeitskräftemangel werde die Industrie wohl noch eine Zeitlang vor Probleme stellen. Doch auch in diesem Bereich setzt der Ökonom auf die Kraft des Marktes. Seit Jahren gebe es Klagen über zu geringe Produktivitätszuwächse. Der ausgedünnte Arbeitsmarkt sei jetzt ein guter Grund, sich diesem Thema zu widmen, erklärt Helmenstein im Podcast der Agenda Austria: „Innovative Unternehmerinnen und Unternehmer werden darüber nachdenken, wie sie die Produktivität ganz massiv steigern können. Dadurch entstehen auch neue Einkommensperspektiven für die Beschäftigten.“ Nur bedingt gute Nachrichten hat der IV-Ökonom, was die weitere Entwicklung der Inflation betrifft. „Wir werden nicht so schnell vom hohen Niveau herunterkommen. Die neuesten Prognosen sagen, dass wir in der Eurozone das Zwei-Prozent-Ziel nicht vor 2025 erreichen werden.“ Es könne aber auch länger dauern. Aus der Industrie kämen unterdessen bereits dämpfende Effekte. „Die Zuwachsraten bei den Industriegüterpreisen gehen schon deutlich zurück.“ Christian Helmenstein, 56 Der gebürtige Deutsche studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität Köln und promovierte in Bochum. Er war am Institut für Höhere Studien tätig und ist seit 2004 Chefökonom der Industriellenvereinigung. Helmenstein leitet auch den unabhängigen internationalen Forschungsverbund Cognion, zu dem etwa das Economica Institut für Wirtschaftsforschung gehört. | |||
| Ist China ein Partner oder ein Feind? (Susanne Weigelin-Schwiedrzik) | 19 Jan 2023 | 00:41:54 | |
Die Zusammenarbeit mit China ist für den Westen zuletzt schwieriger geworden. Präsident Xi Jinping tritt enorm machtbewusst auf, und China verweigert sich den westlichen Sanktionen gegen Russland. Was sollte der Westen tun, falls China wirklich eines Tages im demokratischen Taiwan einmarschiert? Und wie ist der radikale Schwenk in der Coronapolitik zu interpretieren? Susanne Weigelin-Schwiedrzik war viele Jahre lang Sinologin an der Uni Wien und gilt als ausgewiesene Expertin für die chinesische Politik, Wirtschaft und Lebensart. Sie warnt im Podcast der Agenda Austria davor, die – letztlich erfolgreichen – Proteste chinesischer Bürger gegen die Covid-Politik falsch zu verstehen. Um mehr Freiheit in einem abstrakten Sinn oder gar um den Wunsch nach Demokratie sei es dabei nicht gegangen: „Die Leute haben gekämpft – aber vor allem darum, dass sie wieder arbeiten gehen und Geld verdienen können. Durch Null-Covid sind viele Menschen in eine Situation geraten, in der ihnen einfach das Geld ausging. Es gibt in China kein soziales Auffangnetz“, sagt Weigelin-Schwiedrzik. Die rigorose Pandemiebekämpfung habe verheerende wirtschaftliche Folgen gehabt und sei wohl hauptsächlich deshalb an ihr Ende gekommen, meint die Expertin. Überraschend daran sei höchstens der Zeitpunkt: „Die kommunistische Partei Chinas vermeidet gerne den Eindruck, dass Proteste auf der Straße ihre Entscheidungen beeinflussen.“ Die Taiwan-Frage sei für China zuletzt wichtiger geworden, weil diese nun auch eine geopolitische Dimension bekommen habe. Wieder gehe es letztlich darum, ob die USA ihre Hegemonie in dieser Region behaupten können. Vom Plan, die aus Sicht Chinas abtrünnige Provinz wieder zu einer von Peking gesteuerten Provinz zu machen, werde China sicher nicht abrücken, meint Weigelin-Schwiedrzik. „China will im Augenblick eine militärische Operation gegen Taiwan vermeiden. Alle wissen, dass eine solche höchst riskant wäre. Würde man das versuchen und nicht erfolgreich sein, könnte die Legitimation des gesamten Regimes in Frage gestellt werden. Stattdessen übt man jetzt Druck auf Taiwan aus. Ziel ist eine Spaltung der Eliten in Taiwan.“ Im Kampf gegen den Klimawandel sei China sicher nicht der zuverlässige Partner, den man sich wünschen würde, meint sie. „An erster Stelle steht für chinesische Unternehmer die wirtschaftliche Entwicklung.“ Deshalb werde man nicht freiwillig auf Geschäfte verzichten, nur um die globale CO2-Bilanz zu verbessern. Bei aller berechtigten Kritik plädiert Weigelin-Schwiedrzik aber dafür, auch die andere Seite zu sehen: „China hat ein sehr ausgefeiltes gesetzliches Instrumentarium für den Umweltschutz. Diese Gesetze werden auch immer wieder angewendet. Deshalb kommt es vor, dass plötzlich mehrere hundert Unternehmen plötzlich ihre Tore schließen müssen, weil ihre Produktionsweise nicht mit den Gesetzen im Einklang steht.“ Wie bei allen wichtigen Fragen wolle China auch beim Klimaschutz die Nummer eins werden. Einzelne Handlungen mögen diesem Ziel im Wege stehen, aber der Ehrgeiz sei durchaus vorhanden. Das mittelfristige geopolitische Ziel von Staatspräsident Xi Jinping sei ganz klar, meint die Sinologin: „China will im Zentrum der Weltpolitik stehen, als zweite Supermacht neben den USA. Dann könnte man sich, sozusagen unter Männern, auf eine Aufteilung der Welt einigen. Europa gehört übrigens zu den Regionen, in denen China gerne machen möchte, was es will.“ Susanne Weigelin-Schwiedrzik, 67, Die gebürtige Deutsche studierte Sinologie in Bonn und in Peking. Sie war Universitätsprofessorin in Heidelberg (1989 bis 2002) und in Wien (2002 bis 2022). Sie ist korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. | |||
| Rückblick 2022: War tatsächlich alles so schlecht in Österreich? (Franz Schellhorn) | 22 Dec 2022 | 00:11:34 | |
Von einer Krise in die nächste. Kaum ist Corona vorbei, stehen wir vor dem nächsten Problem: Hohe Preise, wohin man sieht. 2022 war ein turbulentes und krisenreiches Jahr in Österreich. Die enorme Inflation und die instabile Weltwirtschaftslage bekamen wir vielfältig zu spüren. Und trotzdem ist dieses Jahr die Wirtschaftsleistung in Österreich stärker gestiegen als gedacht. Also kann ja nicht alles schlecht gewesen sein, oder? Die Nice & Naughty List der Agenda Austria zeigt, was sich im Jahr 2022 in Österreich positiv verändert hat und was eher ein Fail war. Der Direktor der Agenda Austria, Franz Schellhorn, zeigt auf, wo die Probleme in der österreichischen Wirtschaft liegen und was für eine bessere Zukunft getan werden sollte. In welchem Bereich Schellhorn eine eindeutige Herausforderung für das kommende Jahr sieht: „Das Pensionssystem muss sich ändern, damit die jungen Generationen ein System vorfinden, das sie bezahlen können. Das heißt, wir müssen einfach länger arbeiten. Nicht nur um den Arbeitskräftemangel zu entschärfen, sondern auch um das Pensionssystem stabil zu halten.“ Zur Person: Dr. Franz Schellhorn leitet seit Februar 2013 den in Wien ansässigen Think Tank Agenda Austria. Er studierte Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien. Vor seinem Studium absolvierte er eine Bankausbildung bei der Creditanstalt, kehrte aber nach der Hochschule nicht in die Finanzwirtschaft zurück, sondern heuerte bei der Tageszeitung „Die Presse“ an, für die er 15 Jahre lange arbeiten sollte. Von 2004 bis 2013 leitete Franz Schellhorn das Wirtschaftsressort der „Presse“, ab dem Jahr 2011 fungierte er zudem als Mitglied der Chefredaktion. Während seiner Tätigkeit bei der „Presse“ schloss Franz Schellhorn im Jahr 2004 sein Doktoratsstudium ab. | |||
| Was läuft falsch in der Asylpolitik? (Melita Šunjić) | 08 Dec 2022 | 00:42:12 | |
Bis Jahresende wird Österreich wahrscheinlich mehr als 100.000 Asylanträge entgegengenommen haben – deutlich mehr als im Krisenjahr 2015. Wieder sind die Quartiere voll; Bund und Länder streiten über die Aufteilung der Flüchtlinge. Europa schafft es offenbar nicht, eine humane und zugleich funktionierende Asylpolitik zu gestalten. Seit 2015 habe sich tatsächlich kaum etwas verändert, sagt die langjährige UNHCR-Mitarbeiterin und Migrationsexpertin Melita Šunjić im Podcast der Agenda Austria. „Es ist substanziell nichts weitergegangen. Das verstehe ich nicht. Wenn ein System nicht funktioniert, kann man nicht trotzdem immer weiter das gleiche tun und andere Resultate erwarten. Da muss man, wie die Engländer sagen, out of the box denken, etwas anderes probieren.“ Die europäischen Dublin-Regeln haben nach Ansicht von Šunjić ausgedient: „Die Dublin-Verfahren dienen nur dazu, dem jeweils anderen das Problem umzuhängen.“ Šunjić plädiert seit langem für eine Neuaufstellung der EU-Asylpolitik, basierend auf Überlegungen des UNHCR. „Die Idee ist, dass es nicht 27 verschiedene Asylverfahren geben soll, sondern ein EU-Verfahren. Das soll dort abgewickelt werden, wo die Flüchtlinge ankommen, also an den Außengrenzen der EU.“ All jene, die Asyl bekommen, sollten dann auf die Mitgliedsländer verteilt werden. Bei den anderen könnte noch geprüft werden, ob sie für den europäischen Arbeitsmarkt geeignet seien. Wer auch diese Hürde nicht schafft, müsste in die Heimat zurückkehren. Der große Vorteil aus Šunjićs Sicht: „Die EU würde dann mit den Herkunftsländern die Abkommen zur Rückübernahme abschließen, nicht mehr die einzelnen Länder. Da hätte man eine viel bessere Verhandlungsmacht.“ An sich wäre jetzt die Zeit günstig, endlich ein Übereinkommen auf europäischer Ebene zu erreichen, meint die Expertin. Einstige Bremser in Osteuropa stünden seit Beginn des Krieges in der Ukraine selbst vor großen Problemen: „Die Visegrad- und die baltischen Staaten haben sich immer am meisten gegen einen Aufteilungsschlüssel gewehrt. Jetzt haben sie sehr viele ukrainische Flüchtlinge. Und siehe da: Plötzlich gibt es Interesse an einer Verteilung. Das wäre ein Moment für Brüssel, um noch einmal in Verhandlungen zu gehen.“ Am wichtigsten wäre es nach Šunjić Meinung, endlich zwei Kanäle zu schaffen – einen für jene, die tatsächlich Schutz suchen, einen anderen für jene, die einfach nur ihre Lebenssituation verbessern und arbeiten wollen. „Wir schaufeln jedes Jahr hunderttausende Menschen in ein teures, aufwändiges Asylverfahren, in das sie nicht hineinwollen und in das sie auch nicht hineingehören“, sagt Šunjić. Melita Šunjić war selbst ein Flüchtling; im Alter von zwei Jahren kam sie mit ihren Eltern aus dem heutigen Kroatien nach Österreich. In der eigenen Familie hat sie erlebt, dass viele Träume in der Fremde nicht in Erfüllung gehen. „Mein Vater war Maschinenbauingenieur. Aber er kam ohne Deutschkenntnisse nach Österreich, musste schnell Geld verdienen und hat hier dauerhaft als Lkw-Fahrer gearbeitet. Das ist ein recht typisches Flüchtlingsschicksal.“ Melita Šunjić, 67, wurde in Rijeka geboren und kam mit zwei Jahren nach Österreich. Sie studierte Publizistik und arbeitete zunächst als Journalistin. Unter anderem war sie Ressortleiterin Außenpolitik der „Wiener Zeitung“. Danach wechselte sie zum UNHCR, dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, wo sie leitende Pressesprecherin war und viele Krisenherde der Welt persönlich besuchte. Sie ist Gründerin der Agentur Transcultural Communication, die Regierungen und internationale Organisationen bei der Entwicklung von Kampagnen für Flüchtlinge und Migranten berät. | |||
| Was will die Generation Z? (Bernhard Heinzlmaier) | 24 Nov 2022 | 00:38:16 | |
Rosemarie Schwaiger spricht mit dem Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier Je nach der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Schicht sei die Motivation völlig verschieden. Hochqualifizierte könnten sich heute eben aussuchen, wo sie arbeiten wollen. „Ich berate gerade das Bundesheer. Dort suchen sie IT-Fachleute. Die Bewerber kommen, legen ihre Forderungen auf den Tisch, und das Bundesheer sagt, ‚das können wir nicht machen, wir haben ein Schema‘. Also gehen die Leute wieder.“ So selbstbewusst sei aber nur ein kleiner Teil der jungen Generation, meint Heinzlmaier. Dem sehr großen Rest stellt er die Diagnose „risikoaverser Sicherheitstyp“. Wie äußert sich das? „Sie wollen einen sicheren Job und eine sichere Beziehung, in der Treue groß geschrieben wird. Sie wollen auch eine sichere Lebensumgebung, am liebsten ein Häuschen im Grünen etwas abseits der großen Städte. Es geht um Stabilität und Planbarkeit.“ Gesellschaftliche Umbrüche seien von dieser Generation folglich nicht zu erwarten. Heinzlmaier zitiert den deutsch-koreanischen Philosophen Byung-Chul Han: „In einer Gesellschaft, in der das Liken dominiert, kann es keine Revolution geben.“ Unter 30-Jährige sind mit der Social-Media-Kultur aufgewachsen und hätten gelernt, dass es gefährlich sein kann, sich zu exponieren. „Laut unserer neuesten Studie sagen zwei Drittel der unter 29-Jährigen, es ist besser, nicht alles zu sagen, was man sich denkt. 50 Prozent finden, man kommt weiter, wenn man sich anpasst und unterordnet.“ Völlig out ist laut Heinzlmaiers Studien auch die Rebellion gegen die eigenen Eltern – früher ein fixer Bestandteil des Erwachsenwerdens: „So eine enge Beziehung zwischen Kindern und Eltern wie heute gab es noch nie.“ Die Jungen ließen sich gerne leiten und lenken, sagt der Experte. „Sie sind nicht gerade süchtig nach Verantwortung.“ Heinzlmaier hat sich für die zwei großen Gruppen unter den Jungen tierische Metaphern ausgedacht: Die gut gebildete, privilegierte, international ausgerichtete Oberschicht firmiert als „Wachteln“. Alle anderen gelten als „Pinguine“ – sind also treu, vorsichtig, bescheiden. „Die große Mehrheit gehört zu den Pinguinen. Das sind bekanntlich Vögel, die nicht fliegen können“, erläutert Heinzlmaier. Bernhard Heinzlmaier, 62, hat Philosophie studiert und ist seit Jahrzehnten in der Jugendforschung tätig. Er ist Geschäftsführer der T-Factory Trendagentur mit Niederlassungen in Hamburg und Wien und Vorsitzender des Österreichischen Instituts für Jugendkulturforschung. Heinzlmaier lehrt an der FH Joanneum in Graz und an der FH Burgenland in Eisenstadt. | |||
| Kann es in diesem Krieg noch einen Sieger geben? (Markus Reisner) | 10 Nov 2022 | 00:48:58 | |
Rosemarie Schwaiger spricht mit dem Militärstrategen Markus Reisner Zuletzt habe die Ukraine zwar einige Städte wieder zurück erobert. Dennoch sei Russland längst nicht am Ende. „Das Paradoxe ist: Trotz der Erfolge auf dem Gefechtsfeld besteht für die Ukraine die Gefahr, in Nachteil zu geraten, weil es nicht gelingt, den russischen Angriffen auf die Infrastruktur etwas entgegenzuhalten“, analysiert Reisner. Einen Sieger kann es nach Ansicht des Experten nicht mehr geben: „Ich würde den Begriff Sieg in diesem Zusammenhang vermeiden“, sagt er. Dafür sei schon zu viel Schreckliches passiert. „Wir stehen vor den Trümmern der europäischen Sicherheitsarchitektur. Die Strategie der Russen ist jetzt offenbar, die Dinge, die sie nicht bekommen, zu zerstören. Und die europäische Bevölkerung ist Teil eines Wirtschaftskriegs, der auf jeden Fall zu einem Wohlstandsverlust führen wird.“ Er hoffe nur, dass der Konflikt regional einhegbar bleibe und beide Seiten an den Verhandlungstisch zurückkehren. „Momentan sagt die Ukraine, wir wollen diesen Weg bis zum Schluss gehen. Die Frage ist, ob das so bleibt. Auch Russland sagt, wir wollen unsere Ziele erreichen, koste es, was es wolle. Vielleicht gibt es auch hier irgendwann die Einsicht, dass es sich nicht mehr ausgeht.“ Anders als in der Öffentlichkeit vermittelt, sei die Kommunikation im Hintergrund wohl doch nicht gänzlich zum Stillstand gekommen – weder zwischen den Kriegsparteien, noch zwischen den USA und Russland: „Es gibt sicher Kontakte und Kommunikationskanäle. Der Beweis dafür ist der Umstand, dass ein Gefangenenaustausch zustande kam. Dafür musste kommuniziert werden. Das ist etwas, was uns beruhigen sollte.“ Bevor es zu einer atomaren Eskalation käme, würde man wohl doch noch zum Telefon greifen, ist Reisner überzeugt. Über die Zahl der Opfer kann auch der Militärstratege nur spekulieren: „Wir müssen davon ausgehen, dass beide Seiten mehrere Zehntausend getötete Soldaten haben. Die endgültigen Zahlen werden wir wahrscheinlich nie erfahren. Und es geht ja nicht nur um die Soldaten, sondern auch um die Zivilisten. Allein in Mariupol sind tausende Menschen im Bombenhagel gestorben.“ Sorgen bereitet Reisner die auf beiden Seiten zu beobachtende Eskalation der Sprache. „Wir erleben eine Dehumanisierung des Gegners. Die Russen bezeichnen die Ukrainer nur noch als Faschisten, die Ukrainer sprechen umgekehrt von den Orks – in Anlehnung an den Herr der Ringe. Wir hatten ja eigentlich als Menschheit gedacht, wir hätten uns weiterentwickelt. Jetzt sehen wir, dass wir um nichts klüger geworden sind.“ Wichtig wäre nun, wieder verstärkt auf Diplomatie zu setzen, meint Reisner. „Wir müssen uns die Möglichkeit offen halten, über Kommunikation zu ertasten, wann der eine bereit ist, auf den anderen zuzugehen. Wenn so ein Signal kommt, sollten wir es hören.“ | |||
| Gibt es ein neues Leben nach der Pleite? (Damian Izdebski) | 27 Oct 2022 | 00:42:50 | |
Rosemarie Schwaiger spricht mit dem Unternehmer Damian Izdebski Doch die Pleite war auch lehrreich. Der Unternehmer hält Vorträge über diese Zeit – und er hat ein Buch mit dem Titel „Meine besten Fehler“ geschrieben. Der Hauptgrund für die Insolvenz von Ditech seien die viel zu hohe Fremdkapitalquote und die starke Abhängigkeit von Kreditversicherern gewesen, sagt Izdebski. Schon im Sommer 2013 sei die Liquidität zusammengebrochen. Im Rückblick hätte sich die schwache Eigenkapitaldecke zwei Jahre vor der Pleite leicht erhöhen lassen, meint Izdebski heute: „Die Investoren standen damals Schlange. Wir wollten sie nur nicht.“ Weil es lange so gut lief, habe sich wohl eine Euphorie breit gemacht. „Ich glaube, wir haben mit dem Erfolg viele Probleme erschlagen. Wie man so sagt: In einem Taifun können auch Schweine fliegen.“ Damian Izdebski und seine damalige Frau Aleksandra zahlten einen hohen Preis – und zwar nicht nur finanziell. Die Reaktionen seines Umfelds seien für ihn emotional am härtesten gewesen, erzählt der Unternehmer. „Kurz vor der Insolvenz hatte ich in meinem Handy wahrscheinlich 1000 Leute gespeichert. Alles super Freunde, zum Teil langjährige Geschäftspartner. Ich war reflektiert genug, um zu wissen, dass es großteils die Freunde des Ditech-Eigentümers waren und nicht die von Damian. Trotzdem ist es sehr hart, zu erkennen, dass sich 90 bis 95 Prozent dieser Menschen in einer Sekunde von dir abwenden. Das bedeutet: Du rufst einen Freund oder Geschäftspartner an, und der hebt nicht mehr ab, auch nicht beim zweiten oder dritten Versuch.“ Doch Damian Izdebski rappelte sich wieder auf. Mit 10.000 Euro, die ihm sein bester Freund geborgt hatte, reiste er für ein paar Monate nach Kalifornien. Die Reaktionen dort hätten ihn enorm aufgebaut, sagt er heute:„In Österreich waren die 15 Jahre Erfolg sofort ausgeblendet und vergessen, es zählte nur mehr die Insolvenz. Für die Amerikaner war die gesamte Geschichte interessant.“ Deshalb habe er anschließend begonnen, das Buch zu schreiben und Vorträge über sein Scheitern zu halten: „Ich habe dieses Wissen sehr teuer bezahlt. Deshalb fände ich es schade, wenn ich es nicht teilen würde.“ Ein Jahr nach der Pleite gründete Izdebski mit Hilfe von Investoren ein neues Unternehmen. Die „Techbold“ ist ein IT-Dienstleister und wächst ebenfalls stark. Ob es noch einmal so kolossal schief gehen könnte wie beim ersten Mal? Kein Unternehmer könne das ausschließen, meint Damian Izdebski, eine Erfolgsgarantie gebe es nie. Aber das Risiko sei bei ihm jetzt minimal. „Wir sind ganz anders finanziert und haben 85 Prozent Eigenkapital statt acht Prozent wie die Ditech.“ Damian Izdebski, 46 wurde in Polen geboren und war 15 Jahre alt, als seine Familie nach Österreich auswanderte. Er lernte Deutsch, machte die HAK-Matura und begann ein Studium der Wirtschaftsinformatik an der TU. Noch vor dem Abschluss gründete er Ditech, das er gemeinsam mit seiner damaligen Frau Aleksandra zu einem der größten IT-Handelsunternehmen machte. 2014 schlitterte Ditech in die Insolvenz. Damian Izdebski schrieb ein Buch über sein Scheitern und hält Vorträge – vor kurzem auch in der Agenda Austria. Sein neues Unternehmen, Techbold, hat sich auf IT-Dienstleistungen spezialisiert. | |||
| Blackout – und was dann? (Herbert Saurugg) | 13 Oct 2022 | 00:33:59 | |
Rosemarie Schwaiger spricht mit dem Experten für Krisenvorsorge, Herbert Saurugg Nicht zuletzt fehle es an Infrastruktur, meint der Experte: „In Deutschland etwa war die Absicht, bis zum Atomausstieg drei bis vier große Leitungen von Nord nach Süd zu bauen, um den Windstrom zu transportieren. Die erste dieser Leitungen wird frühestens 2028 fertig sein, aber der Ausstieg erfolgt trotzdem.“ Auch die im Winter befürchtete Gasmangellage in Teilen Europas werde die Stromversorgung gefährden. | |||
| Was sollen wir bloß mit unserem Geld machen? (Hava Misimi) | 29 Sep 2022 | 00:28:42 | |
Die Zinsen sind zuletzt zwar leicht gestiegen, doch die Inflation verharrt auf dem höchsten Wert seit Jahrzehnten. Geld auf Sparbüchern und Girokonten verliert massiv an Wert. Leider hinterlassen die multiplen Krisen auch an den Börsen tiefe Spuren. Der ATX etwa verlor innerhalb eines Jahres rund ein Viertel seines Werts. Gibt es trotzdem noch Möglichkeiten der Geldanlage?
Am schlechtesten wäre es, gar nichts zu tun und die Ersparnisse weiter auf dem Sparbuch liegen zu lassen, meint Hava Misimi, Finanzbloggerin und Jungunternehmerin aus Deutschland, im Podcast der Agenda Austria. Viele Aktien wurden zuletzt deutlich billiger. Deshalb sei jetzt ein sehr guter Zeitpunkt, um an der Börse einzusteigen, sagt Misimi: Wer langfristig investiere – also mit einem Zeithorizont von mindestens zehn, idealerweise 15 Jahren –, könne von der Krise profitieren. „Bei Aktien zeigen weltweite Daten über 100 Jahre, dass sich die Rendite pro Jahr bei 5,8 bis sechs Prozent einpendelt. Jetzt kann man diese Rendite sogar noch verbessern, weil man ja günstiger einkauft.“ Das gelte besonders für junge Menschen, die noch 20 oder 30 Jahre Zeit haben, sagt Misimi – die sich mit ihrem Blog „Femance“ vor allem an ein junges Publikum wendet.
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| Was muss passieren, damit die Energiepreise wieder sinken? (Jan Kluge) | 15 Sep 2022 | 00:30:21 | |
Rosemarie Schwaiger spricht mit dem Ökonom Jan Kluge über die steigenden Energiepreise. | |||
| Retten wir die Welt! Oder lassen wir es lieber? (Vince Ebert) | 06 Jun 2023 | 00:26:21 | |
Angeblich bleiben uns nur noch ein paar Jahre, um die Erderwärmung zu bremsen. Wenn wir es jetzt nicht schaffen, die Verbrennung fossiler Energie zu stoppen, wird die Erde zu einem glühend heißen, in weiten Teilen unbewohnbaren Ort. So lautet die Erzählung von Aktionsgruppen wie der Letzten Generation. Vince Ebert, Physiker und Kabarettist, hält im aktuellen Podcast der Agenda Austria dagegen: Einige Wissenschaftler und die Medien hätten den Mythos aufgebracht, dass die Erde vor dem Kollaps stehe. „Aber das ist wissenschaftlich nicht haltbar. Auch der Weltklimarat spricht nicht von einem Mad-Max-Szenario“, sagt Ebert. „Natürlich bin auch ich der Meinung, dass wir ein Problem haben. Aber wie wir in den westlichen Industrienationen damit umgehen – runterfahren, verzichten, reduzieren – das ist wenig zielführend.“ Ohnehin werde die Entscheidung über den Klimawandel nicht in Westeuropa getroffen, sondern in Lateinamerika und in Südostasien. An unserer Verzichts-Ideologie würden sich diese Staaten sicher kein Vorbild nehmen, meint Ebert. „Die einzige konstruktive Herangehensweise wäre für mich, so attraktive Technologien zu entwickeln, dass die anderen Länder sagen, das wollen wir auch.“ Ganz allgemein müsse man über den Klimawandel und die erforderlichen Maßnahmen dagegen eine offenere Debatte führen, glaubt der gelernte Naturwissenschaftler. So wie es jetzt laufe, sei ihm der Diskurs viel zu sehr moralisch aufgeheizt. Vince Ebert hat über den Umgang mit der Erderwärmung ein informatives und dabei sehr unterhaltsames Buch geschrieben. Es trägt den Titel „Lichtblick statt Blackout: Warum wir beim Weltverbessern neu denken müssen.“ Ein wesentlicher Fehler besteht für ihn etwa darin, dass die Politik gerne den Eindruck erwecke, erneuerbare Energieträge wie Wind und Sonne könnten mittelfristig den gesamten Strombedarf decken. Dabei ginge in Deutschland bei einer sogenannten Dunkelflaute (also einer Phase ohne Wind und Sonnenschein) schon nach 40 Minuten das Licht aus. „Wir haben in Deutschland einen Tagesverbrauch von etwa 1,4 Terawattstunden Strom, und wir können mit Pumpspeicherkraftwerken, also mit großen Stauseen, nur etwa 40 Gigawattstunden speichern. Mehr ist nicht drin, und technologisch hatte man bisher auch keine Idee, wie das zu ändern wäre“, rechnet Ebert vor. „Deshalb macht es für mich überhaupt keinen Sinn, ein Windrad oder einen Solarpark mehr zu bauen, solange dieses Problem nicht gelöst ist.“ Er wünsche sich von der Politik mehr Ehrlichkeit, sagt Vince Ebert im Podcast. „Manches ist einfach schwer oder noch gar nicht erreichbar. Das sollte man den Leuten sagen. Es ist viel schlimmer, rumzuhampeln und so zu tun, als wäre es eigentlich kein Problem. Dadurch verlieren Sie Glaubwürdigkeit.“ Auch Verzichtsappelle sind seiner Meinung nach nicht zielführend, weil sie meistens von Menschen kämen, die sich sowieso alles leisten könnten. „In dieser Aktivistenszene sind vorwiegend Jugendliche aus großbürgerlichen Haushalten. Aber die hohen Strompreise treffen vor allem Leute, die jeden Monat überlegen müssen, wie sie mit ihrem Geld über die Runden kommen.“ Für die Protestaktionen der jüngeren Vergangenheit zeigt Ebert trotzdem Verständnis. „Es ist das Privileg der Jugend, übers Ziel hinauszuschießen. Wer heute 20 Jahre alt ist, hat ein Leben lang nur gehört, dass die Welt bald untergehen wird. Da verstehe ich, dass ein paar dieser jungen Leute durchdrehen und sagen, der Zweck muss jetzt die Mittel heiligen.“ Vince Ebert, 55 Der gebürtige Deutsche hat an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg ein Physikstudium abgeschlossen und war bayerischer Meister im Beachvolleyball. Seit über 20 Jahren ist Ebert als Kabarettist und Moderator erfolgreich. Er hat mehrere Bücher geschrieben, zuletzt „Lichtblick statt Blackout: Warum wir beim Weltverbessern neu denken müssen“. Vince Ebert lebt in Wien. | |||
| Wie lange können wir uns die Pensionen noch leisten? (Wolfgang Mazal) | 01 Sep 2022 | 00:47:40 | |
Rosemarie Schwaiger spricht mit dem Arbeits- und Sozialrechtler Wolfgang Mazal Derzeit verhandelt die Regierung mit den Seniorenvertretern über die Erhöhung der Pensionen. Wahrscheinlich kommt am Ende ein dickes Plus von acht Prozent oder noch mehr heraus. Das alles, obwohl der Rechnungshof jüngst warnte, dass sich der Bundeszuschuss zu den Renten allein im ASVG-Bereich bis 2030 mehr als verdoppeln werde – auf rund 20 Milliarden Euro pro Jahr. Wie lange kann sich die Republik dieses System noch leisten? Finanzierbar sei grundsätzlich alles, meint der renommierte Arbeits- und Sozialrechtler Wolfgang Mazal im Podcast der Agenda Austria. Man müsse nur sehen, dass für andere Bereiche dann immer weniger Geld übrig bleibe. „Wir können natürlich alles, was wir produzieren, in die Altersversorgung stecken. Das ist aber eine Frage der Prioritäten. Und da müsste man schon manchmal zugunsten der Jungen argumentieren. Die nächste Generation hat ein Recht darauf, noch finanzielle Spielräume vorzufinden.“ Mazal übt heftige Kritik an der Art, wie die Politik seit Jahren in das System eingreift, indem sie grundsätzlich niedrige Pensionen stärker erhöht als mittlere oder hohe: „Leistung darf sich im Grunde nicht mehr lohnen. Dass jemand mehr eingezahlt hat, zählt nicht. Und das alles ist gleichsam subkutan gelaufen, ohne dass es darüber eine gesellschaftliche Auseinandersetzung gegeben hat.“ Am dringendsten ändern müsste sich nach Mazals Ansicht das immer noch viel zu niedrige Pensionsantrittsalter. Dafür müsste in einem ersten Schritt das gesetzliche Antrittsalter der deutlich gestiegenen Lebenserwartung angepasst werden. „Das Pensionsantrittsalter 65 wurde im Jahre 1906 eingeführt“, sagt Mazal. „Das Argument damals war: Das können wir uns leisten, weil das erleben nur etwa zehn Prozent der Menschen.“ Seine Schlussfolgerung: „Deren System war auf der Höhe ihrer Zeit, unser System ist nicht mehr auf der Höhe unserer Zeit.“ Generell müsste mehr darüber diskutiert werden, was der Sozialstaat leisten und wofür er Geld ausgeben solle, findet der Experte. Zu wenig Ressourcen gibt es seiner Meinung nach etwa für die Behebung von Bildungsdefiziten, die vor allem die Kinder nicht deutsch sprechender Zuwanderer betreffen. Dafür werde in anderen Bereichen oft zu viel des Guten getan, glaubt Mazal: „Das Niveau des Sozialstaats ist so hoch, dass es die Dynamik in der Gesellschaft reduziert.“ Dies gelte etwa im Vergleich zu Menschen aus Osteuropa, die noch deutlich mehr an Leistung und Erfolg aus eigener Kraft glauben würden als die Österreicher. „Wir haben zu viele Politiker, die in jedes Thema das Wort sozial hineinpacken müssen. Und alles, was nicht dieser Semantik folgt, wird beinahe kriminalisiert.“ Trotz aller Kritik bleibt Mazal zum Schluss des Gesprächs versöhnlich. Auf die Frage, was er einem heute jungen Menschen raten würde, lautet seine Antwort: „Ich würde jedem 20-Jährigen Mut machen, an unseren Staat zu glauben. Das verdient diese Republik.“ Wolfgang Mazal, 62, ist seit 30 Jahren Professor für Arbeits- und Sozialrecht an der Uni Wien. Er ist Autor mehrerer Bücher, engagiert sich im Europäischen Institut für Soziale Sicherheit und amtiert als Präsident des Österreichischen Instituts für Familienforschung. | |||
| Wie kommen wir aus all den Krisen wieder raus? (Moritz Schularick) | 18 Aug 2022 | 00:55:16 | |
Rosemarie Schwaiger spricht mit dem deutschen Ökonomen Moritz Schularick In der Diskussion um sogenannte „Übergewinnsteuern“ ist Schularick gegen Denkverbote. „Ich würde das gerne ohne ideologische Scheuklappen diskutieren“, meint er. Natürlich seien solche Maßnahmen in normalen Zeiten ein Tabu, aber falls es gute Ideen dazu gäbe, möge man darüber reden. „Ich habe bis jetzt aber noch keinen Vorschlag gesehen, der überzeugend war.“ Anders als die meisten liberalen Ökonomen betrachtet Moritz Schularick die Europäische Zentralbank nicht als eine der Hauptverantwortlichen für die hohen Inflationsraten. Die Ursachen der Teuerungswelle seien klar, meint er: die Pandemie, der Krieg, die Blockade der Schwarzmeerhäfen und der Einsatz von Energie als Waffe durch den russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Das war nichts, was eine Zentralbank vorhersehen konnte. In einer Welt ohne Corona und ohne Krieg wären die Inflationsraten deutlich niedriger – wahrscheinlich in einem Band um den Zielwert von zwei Prozent.“ Schularick hat ausführlich über die Rendite verschiedener Formen von Geldanlage geforscht. Sein Fazit: Über die vergangenen 70 Jahre brachte der Aktienmarkt die besten Ergebnisse, knapp gefolgt von Immobilien. Was heißt das jetzt für private Anleger? Es gebe natürlich Menschen, für die der Aktienmarkt – noch dazu in einer derart schwierigen Situation wie der aktuellen – ein zu großes Risiko darstelle, räumt Schularick ein. Bei der Geldanlage solle sich jeder fragen, was ihm wichtig sei und auf welche Dinge er keinesfalls verzichten wolle, empfiehlt der Ökonom. „Ich sage meinen Studenten immer: Wenn Ihr Ziel im Leben ist, jeden Morgen ein Glas frische Milch zu trinken, dann ist die beste Investition eine Kuh.“ Das gleiche gelte für den Erwerb einer Eigentumswohnung, wenn man wirklich vorhabe, dauerhaft in einer Gegend zu leben. Den enormen Preisanstieg bei Immobilien hält Schularick übrigens nicht für ein Problem: „Ein Immobilienboom reduziert die Ungleichheit, weil Immobilienbesitz unter den Bürgern gut verteilt ist. Steigen die Preise, sitzen die Gewinner in der Mitte der Bevölkerung.“ Grundsätzlich hält Schularick die aktuellen Krisen für bewältigbar. „In 20 oder 30 Jahren wird es niemanden mehr interessieren, ob im kommenden Winter die Wirtschaftsleistung um 0,6 oder um 1,1 Prozent geschrumpft ist, oder ob die Inflationsrate 4,7 oder 5,2 Prozent betrug. Wenn unsere Kinder zurückblicken, werden sie fragen: Wie habt ihr euch verhalten, als Europas Friedensordnung auf der Kippe stand? Wir haben eine tolle Chance, als Europäer zusammen zu stehen, auf einer gemeinsamen Wertebasis. Was da auf uns zukommt, sind keine Herausforderungen, die wir in der Vergangenheit nicht schon bewältigt haben.“ Moritz Schularick, 47, ist Professor für Ökonomie an der Universität Bonn und an der Sciences Po in Paris. Im Sommersemester 2022 war er Gastprofessor der Österreichischen Nationalbank an der Universität Wien. Schularick ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Träger des Leibniz-Preises. Zuletzt erschien von ihm das Buch „Der entzauberte Staat. Was Deutschland aus der Pandemie lernen muss.“ | |||
| Wie retten wir unser Geld vor der Inflation? (Holzinger-Burgstaller) | 04 Aug 2022 | 00:34:13 | |
Rosemarie Schwaiger spricht mit Erste-Bank-Chefin Gerda Holzinger-Burgstaller Die Zinsen würden wohl noch weiter steigen, meint die Erste-Bank-Chefin. Allerdings werde der Aufwärtstrend Grenzen haben: „Wir werden in Österreich sicher keine Situation erleben wie in Tschechien, wo die Zinsen schon bei sieben Prozent sind.“ Aktuell sei die Situation für Sparer besonders schwierig. Sein Geld auf einem Sparbuch zu parken, sei allerdings schon seit geraumer Zeit keine gute Idee: „So krass wie jetzt wird es in den nächsten Jahren nicht mehr sein. Die Inflationsentwicklung zeigt nach unten. Aber negative Realzinsen gibt es mit ein paar kurzen Unterbrechungen schon sehr lange. Seit 20 Jahren erleiden Menschen einen Kaufkraftverlust, wenn sie Geld auf ihrem Konto oder auf einem Sparbuch liegen lassen.“ Auch mit einer sehr geschickten Anlagestrategie werden sich Wohlstandsverluste durch die hohe Inflation vermutlich nicht vermeiden lassen, meint Holzinger-Burgstaller: „So ehrlich muss man sein. Egal, welche Maßnahmen beschlossen werden, kein Staat wird hier alles ausgleichen können.“ Die Top-Bankerin beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Frauen und Geldanlage. Frauen hätten im Schnitt nicht nur weniger Geld zur Verfügung als Männer, sie gehen bei der Veranlagung auch anders vor, sagt die Expertin. Das Ziel sei meist die Absicherung der Familie, an die eigene finanzielle Zukunft werde zu wenig gedacht: „Frauen tun sicher gut daran, hier ein bisschen egoistischer zu werden.“ Als Frau in einer Spitzenposition ist die Erste-Bank-Chefin nach wie vor eine Ausnahme. Woran liegt das? Sie persönlich habe zum Glück immer ein berufliches Umfeld vorgefunden, in dem sie stark gefördert worden sei, sagt Holzinger-Burgstaller. „Ich hatte aber auch den Mut und die Bereitschaft, den letzten Schritt zu tun. Leider erlebe ich es öfter, dass wir versuchen, Frauen in Führungspositionen zu bringen, und manche scheuen dann diesen letzten Schritt.“ Gerda Holzinger-Burgstaller, 43, ist gebürtige Niederösterreicherin. Sie studierte an der Wirtschaftsuniversität in Wien und war zu Beginn ihrer Karriere für die Finanzmarktaufsicht tätig. 2006 erfolgte der Wechsel zur Erste Bank. Seit Anfang 2021 ist sie Vorstandsvorsitzende des Instituts und unter anderem zuständig für das Privatkundengeschäft. | |||
| Was läuft falsch auf dem Arbeitsmarkt? (Petra Draxl) | 21 Jul 2022 | 00:34:09 | |
Rosemarie Schwaiger spricht mit AMS-Wien-Chefin Petra Draxl Zum Teil sei einfach die boomende Wirtschaft für den Mangel an Personal verantwortlich, meint Petra Draxl, Leiterin des Arbeitsmarktservice Wien. „Wir haben Hochkonjunktur. Allein in Wien sind derzeit um 50.000 Menschen mehr beschäftigt als 2018, also vor Corona“, sagt Draxl im Podcast der Agenda Austria. Die Pandemie habe ebenfalls Spuren hinterlassen. Viele einstige Arbeitskräfte aus Osteuropa seien in ihren Heimatländern geblieben und würden jetzt fehlen. Außerdem spüre der Arbeitsmarkt den demographischen Wandel: Der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter beginne zu sinken. Umso wichtiger wäre es, das vorhandene Potenzial an Arbeitskräften auszuschöpfen. Petra Draxl sieht da vor allem zwei Ansatzpunkte: „Wenn wir wollen, dass die Frauen in Österreich arbeiten, brauchen wir eine gut funktionierende Kinderbetreuung. Da müssen wir endlich im 21. Jahrhundert ankommen. Ganz Österreich muss dahin kommen, wo Wien schon ist.“ Der zweite wichtige Bereich sei die Lebensarbeitszeit. Es gebe in Österreich noch immer ein oft unausgesprochenes Agreement zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, dass man sich ab dem Alter von etwa 50 auf die Pension hin ausrichte, kritisiert Draxl. „Ich würde mir wünschen, dass wir von den nordeuropäischen Ländern lernen. In Österreich müssen Ärzte mit 65 Jahren ihre Stelle in einem Landeskrankenhaus verlassen. Das würde man in Dänemark oder Schweden nicht verstehen.“ Manche Arbeitgeber müssten erst noch lernen, mit dem Mangel an Arbeitskräften umzugehen und sich selbst für Jobsuchende attraktiver machen, meint Draxl. „Menschen wollen einen Sinn in ihrer Arbeit sehen. Sie wollen wissen, ob sie am Wochenende frei haben und dass ihre Überstunden bezahlt werden.“ Draxl plädiert aber auch für Änderungen im Sozialsystem, damit Arbeitslosigkeit nicht zu einem – mitunter recht bequemen – Dauerzustand werde. Wie die Agenda Austria vor Kurzem berechnete, lohnt es sich vor allem für Niedrigverdiener oft nicht, einen Fulltime-Job anzunehmen. Sie steigen mit dem Arbeitslosengeld und einer geringfügigen Beschäftigung gleich gut aus. Das sei tatsächlich ein Problem, sagt Petra Draxl: „Geringfügige Beschäftigung kann eine Chance sein, wieder in den Arbeitsmarkt einzusteigen. Aber sie kann bei längerer Dauer zu einem Hindernis werden. Deshalb sind wir für eine Befristung auf sechs Monate.“ In manchen Branchen gebe es auch schlicht zu viele solche Dienstverhältnisse, meint die Expertin. „Vor allem in der Gastronomie ist das ein sehr beliebtes Modell. Rund 25 Prozent aller Mitarbeiter werden geringfügig beschäftigt. Das gehört dazu, wenn wir über den Arbeitskräftemangel in der Gastronomie reden. Es gibt die Leute, sie müssten nur mehr Stunden arbeiten.“ | |||
| Warum wurde Österreich so abhängig von russischem Gas? (Karl Rose) | 04 Jul 2022 | 00:41:32 | |
Rosemarie Schwaiger spricht mit dem Energieexperten und OMV-Aufsichtsrat Karl Rose Dass Österreich derart abhängig von russischen Gaslieferungen wurde, ist für Rose leicht erklärt: „Das Angebot war einfach zu verlockend. Alle anderen Optionen waren mindestens doppelt so teuer. Sie können als Unternehmer nicht sagen, das kaufen wir nicht. Dann sind Sie nicht mehr am Markt.“ Eine Diversifizierung aus strategischen Gründen hätte von der Regierung beschlossen werden müssen, meint der Fachmann. Aber vor dem russischen Angriff auf die Ukraine habe es dafür keine Veranlassung gegeben. „Da ist, wenn überhaupt, ganz Europa in der Schuld“, sagt Rose. Auf dem Weltmarkt gebe es noch andere starke Abhängigkeiten, die einem meist erst im Krisenfall bewusst würden, meint Rose. „Mir war bis vor Kurzem nicht klar, dass halb Afrika hungert, wenn die Ukraine kein Getreide liefert.“ Bei einigen neuen Technologien wiederum sei China als Hersteller so dominant, dass der Rest der Welt einen Ausfall kaum verkraften könnte. „Wenn es zu einem Krieg in Taiwan kommt, werden wir die gleiche Diskussion führen wie jetzt wegen Russland.“ Europa sei nicht zuletzt deshalb so abhängig von Gasimporten, weil es die Erschließung und Förderung der eigenen Ressourcen gestoppt habe. Auch in Österreich dürften beträchtliche Mengen Gas im Boden des Weinviertels schlummern. Über eine Förderung sollte man jetzt nachdenken, empfiehlt Rose. „Ich kann aber nicht abschätzen, wie groß die Zustimmung der Gesellschaft dafür wäre.“ Solange russisches Gas fließt, hält er die Produktion in Österreich für unrealistisch. Die Energiewende sei grundsätzlich zu schaffen, meint Karl Rose. Allerdings werde sie möglicherweise länger dauern und teurer werden, als die Politik derzeit verspricht. „Alle derzeitigen Krisen zusammengenommen, rechne ich persönlich mit einem Wohlstandsverlust von etwa 20 Prozent.“ Es werde sehr wichtig werden, die Lasten sozial ausgewogen zu verteilen. Das Risiko eines schweren Blackouts sei zuletzt deutlich größer geworden, glaubt der Fachmann. „Früher hatten wir Blackouts, wenn es zu wenig Energie gab. Jetzt haben wir Blackouts, wenn es zu viel Energie gibt – typischerweise dann, wenn es stürmt und die Windkraft sich nicht mehr aus dem System herausnehmen lässt.“ Ein-, zweimal sei Europa schon ganz knapp an einem großen Stromausfall vorbei geschrammt, irgendwann werde es wohl passieren, meint Rose. Er persönlich habe vorgesorgt und auch seinen erwachsenen Kindern ans Herz gelegt, die wichtigsten Vorräte parat zu haben - also Batterien, Wasser, Lebensmittel, Gaskocher und Taschenlampe. | |||
| Was bedeutet der russische Angriff auf die Ukraine für die Welt? (Markus Reisner) | 01 Jun 2022 | 00:44:29 | |
Seit über drei Monaten kämpft die Ukraine gegen den Angriff der russischen Armee. Nach überraschenden Erfolgen zu Beginn der Invasion gerieten die ukrainischen Verteidiger zuletzt in Schwierigkeiten. Russland habe aus den eigenen Fehlern gelernt und die Strategie geändert, sagt Oberst Markus Reisner im Podcast. „Im Donbass gehen sie jetzt langsamer vor, greifen breit an und setzen stark auf die Artillerie. Das macht die ukrainischen Soldaten zunehmend mürbe. Seit ein paar Tagen gibt es Videos, in denen Soldaten an Präsident Selenski appellieren, dass sie sich nicht mehr in der Lage sehen, diese Stellungen zu halten.“ Eine Prognose über Sieg oder Niederlage traut sich der Experte nicht zu. „Als Historiker muss ich aber sagen, dass meistens jene Kriege besonders verheerend waren, in denen beide Seiten überzeugt waren, das richtige zu tun.“ Auf den Ukraine-Konflikt treffe das leider zu. „Wir müssen uns bewusst machen, dass Russland hier nicht nachgeben kann. Putin hat 20 Jahre lang das Narrativ aufgebaut, Russland sei wieder zurück und habe eine starke, moderne Armee. Das stünde bei einer Niederlage alles auf der Kippe.“ Bisher zu wenig beachtet wurde aus Reisners Sicht ein großes Problem abseits der militärischen Manöver. Es geht um die Folgen dieses Krieges für die Lebensmittelversorgung in anderen Teilen der Welt: Die Ukraine ist für 15 bis 20 Prozent der globalen Getreideproduktion verantwortlich. 25 Millionen Tonnen Weizen aus der Vorjahresernte sind noch im Land und müssten jetzt mit Frachtschiffen exportiert werden. Das geht aber nicht, weil die Hafenstädte am Schwarzen Meer entweder von den Russen zerstört wurden oder derzeit blockiert werden. Ein Transport mit der Eisenbahn scheitert an technischen Schwierigkeiten – etwa dem ukrainischen Breitspur-System – und wäre ohenhin nur für einen sehr kleinen Teil der Menge möglich. „Das heißt, 25 Millionen Tonnen Weizen können das Land nicht verlassen. Staaten wie Somalia, Jemen und Ägypten sind aber davon abhängig“, sagt Reisner. Für diese Situation gebe es derzeit keine Lösung. Wladimir Putin habe nun zwar angeboten, einige Häfen freizugeben. Was das genau bedeute, sei aber noch unklar, meint der Experte. „Wer darf dort anlegen? Sind es vielleicht nur Länder, die pro-russisch agieren?“ In Summe müsse man leider sagen, dass die Sanktionen des Westens bisher nicht den gewünschten Effekt erzielten. Reisner plädiert für einen ehrlicheren Umgang mit Sicherheitspolitik. „Sind wir bereit, für die Demokratie und unser liberales Wertesystem einzutreten oder nicht? Wenn nicht, hat sich Europa selbst aufgegeben.“ Reisner will das nicht nur als Forderung nach mehr Waffen verstanden wissen. Ihm fehle derzeit auch das Bemühen, abseits des Schlachtfelds etwas zu bewirken. „Wo ist die Diplomatie? Wo sind die Verhandlungen? Wir müssen langsam beginnen, die Diplomatie wieder zu beleben.“ Die aktuelle Debatte über Österreichs Neutralität hält Reisner für einen Fortschritt. „Es ist gut, dass wie wieder darüber nachdenken, wie diese Neutralität gestaltet sein soll. Wenn wir sie beibehalten, müssen wir sie besser ausstatten.“ Das betreffe nicht nur das Bundesheer. „Die umfassende Landesverteidigung war ein Konzept, das unsere Väter und Großväter noch kannten. Es ging darum, den Staat als ganzes resilient zu machen – damals gegenüber der Sowjetunion. Die Gasversorgung zum Beispiel ist kein militärisches Problem, sondern eines der wirtschaftlichen Landesverteidigung. Man muss das viel breiter denken.“ Markus Reisner, Jahrgang 1978, studierte Geschichte und Rechtswissenschaften in Wien und leitet die Forschungs- und Entwicklungsabteilung an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt. Er ist Oberst des Generalstabs und war für das Bundesheer bei zahlreichen Auslandseinsätzen unter anderem im Kosovo, in Afghanistan und im Tschad. | |||
| Welche Folgen hätte ein Stopp der russischen Gaslieferungen für die österreichische Wirtschaft? (Marcell Göttert, Jan Kluge) | 06 May 2022 | 00:18:26 | |
Rosemarie Schwaiger spricht mit den Agenda-Austria-Ökonomen Marcell Göttert und Jan Kluge Die Ergebnisse: Im besten Fall würde ein Embargo zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr um 1,5 Prozent führen. Im mittleren Szenario sinkt das BIP um 2,4 Prozent. Im Worst Case bricht die Wirtschaft um 4,5 Prozent ein. „Die Wahrheit wird irgendwo in der Mitte liegen“, meint Marcell Göttert, „aber vermutlich eher am unteren Rand.“ Beinahe ausschließen könne er das positivste Szenario, das auf der Annahme beruht, das russische Gas könne fast vollständig durch andere Anbieter oder andere Energiequellen ersetzt werden. Am stärksten betroffen wären in einem ersten Schritt die chemische Industrie, die Metallerzeugung, Papierhersteller und der Energiesektor. „Der Rest bliebe erst einmal unbehelligt. In der zweiten Runde sind dann alle betroffen, die Vorleistungen liefern, zum Beispiel der Großhandel und die Logistikbranche“, sagt Kluge. „Arbeitsplatzverluste wird es also nicht nur in der Industrie geben, sondern in allen möglichen Sektoren.“ Spar-Aufrufe an private Haushalte sehen die Experten mit gemischten Gefühlen. „Der Effekt wäre nicht riesengroß“, meint Marcell Göttert. „Das würde etwas bewirken, wenn die Haushalte die Hälfte ihres Gasbedarfs einsparen könnten. Dann hätte man eine Gasmenge, mit der die Industrie etwas anfangen könnte. Aber das ist völlig unrealistisch.“ Ein Boykott der Öllieferungen wäre wirtschaftlich leichter zu verkraften, hätte aber auch für Russland keine so gravierenden Auswirkungen, meinen die Experten. „Putin könnte das Öl einfach anderweitig exportieren, oder es sozusagen reinwaschen, in dem er es über Indien nach Europa weiterleitet“, sagt Kluge. Beide Ökonomen sprechen sich gegen einen Boykott von Energielieferungen aus. „Es ist schwierig, für etwas zu sein, wenn man die Auswirkungen nicht genau kennt“, meint Jan Kluge. Sein Kollege Marcell Göttert sieht das ebenso: „Wenn man damit den Krieg in der Ukraine von heute auf morgen beenden könnte, wäre ich sofort für ein Embargo. Aber so ist es eben nicht.“ Ein Boykott wäre damit „nichts weiter als eine moralische Positionierung.“ | |||
| "Muss der Staat eingreifen, wenn Benzin und Brot teurer werden?" (Hanno Lorenz) | 21 Apr 2022 | 00:24:26 | |
Rosemarie Schwaiger spricht mit Agenda-Austria-Ökonom Hanno Lorenz Aber die Regierung kann nicht jeden Schmerz ausgleichen. Das ist nicht machbar und auch nicht ihre Aufgabe.“ Wie hoch die Inflationsraten noch steigen werden, lasse sich schwer vorhersagen, meint Lorenz. Das obere Limit sei aber wohl noch nicht erreicht. Obwohl die Lage schon jetzt dramatisch sei:„In den letzten zwölf Monaten sind die Preise stärker gestiegen als in der Summe der letzten acht Jahre.“ Dass es so weit kommen konnte, liege in hohem Maße an Versäumnissen der EZB. „Wir haben seit sechs Jahren eine Nullzinspolitik. Es kam extrem viel Geld in Umlauf. Wenn die EZB jetzt nicht entschieden vorgeht, wird sich die Inflation verfestigen,“ befürchtet Lorenz. Den Einwand von EZB-Präsidentin Christine Lagarde, dass eine Zinserhöhung wenig nützen würde, weil dadurch ja nicht mehr Erdgas oder Halbleiter auf den Markt kämen, hält der Experte für „reinen Wahnsinn“. Ihm stelle sich da vor allem eine Frage, sagt Lorenz: „Versteht Frau Lagarde nicht, wie Geldpolitik funktioniert, oder belügt sie die Leute einfach?“ Höhere Zinsen könnten beispielsweise den Euro-Kurs stärken und schon auf diese Art für eine leichte Entspannung sorgen. Leider sei das Gegenteil passiert: „Seit Jahresbeginn hat der Euro gegenüber dem Dollar fünf Prozent an Wert verloren, in den letzten zwölf Monaten waren es rund zehn Prozent.“ Energie, die in Dollar bezahlt wird, sei also alleine aus diesem Grund um bis zu zehn Prozent teurer geworden. | |||
| "Was passiert in Österreich, wenn kein russisches Gas mehr fließt?" (Walter Boltz) | 07 Apr 2022 | 00:45:20 | |
Franz Schellhorn spricht mit dem Energieexperten Walter Boltz: Was passiert in Österreich, wenn kein russisches Gas mehr fließt? | |||
| Wie soll man investieren? (Thomas Niss) | 16 Dec 2021 | 00:44:31 | |
Die Inflation läßt das Ersparte dahinschmelzen und treibt die Aktienkurse in die Höhe. Aber die Österreicher und Österreicherinnen sind Börsemuffel der ganz sturen Sorte. Nur etwa jeder Zehnte besitzt überhaupt Aktien - aber fast alle haben haben Sparbuch, Bausparer oder Lebensversicherung. Drei Produkte, die zunehmend sinnlos sind, wie wir auch in unserer Arbeit "Das Ende des Sparbuchs" beschrieben haben. | |||
| 100 Prozent Ökostrom: Geht das überhaupt? (Florian Haslauer) | 22 May 2023 | 00:35:06 | |
Die Politik verspricht das baldige Ende des fossilen Zeitalters. Mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung werde es gelingen, (fast) ausschließlich Energie aus Sonne, Wind und Wasser zu verwenden. Doch die Realität sieht anders aus, sagt Florian Haslauer, Partner und Geschäftsführer des Consultingunternehmens e.venture, im aktuellen Podcast der Agenda Austria. Österreich habe durch einen höheren Anteil an Wasserkraft bessere Bedingungen als Deutschland. Dennoch würden 100 Prozent Ökostrom (bilanziell) immer noch bedeuten, dass tausende Stunden im Jahr mit anderen Energiequellen bedient werden müssen – zum Teil wohl mit Atomstromimporten aus dem europäischen Ausland. Das größte Problem von Strom aus Sonne und Wind liege ja auf der Hand: Die Produktion funktioniert nur bei entsprechender Wetterlage. „Sie haben zu manchen Zeiten viel zu viel Strom und zu anderen Zeiten viel zu wenig“, erklärt der Experte. Schon jetzt gebe es vor allem im Sommer Tage mit enormer Überproduktion. Dann müssen die Netzbetreiber Windkraftanlagen vom Netz nehmen. „Oder die deutsche Bahn heizt im Sommer Weichen, um den Strom zu verbrauchen. Bei einem Überangebot, also bei negativen Preisen, wird sie dafür sogar bezahlt.“ Es gebe aber auch intelligentere Wege, den Überschuss zu verwerten, räumt Haslauer ein. „In der Zukunft eine größere Rolle spielen wird sicher die Erzeugung von grünem Wasserstoff mit diesem Überschussstrom. Das könnte einen wichtigen Beitrag leisten.“ „Die Sonne schickt keine Rechnung“, sagt Umweltministerin Leonore Gewessler gerne, wenn es um den Ausbau erneuerbarer Energie geht. Das stimmt natürlich. Aber heißt es auch, dass der Strom für die Kunden immer billiger wird, je größer der Anteil von Sonne, Wind und Wasserkraft wird? Leider nein, sagt Haslauer. „Wir hatten lange einen sehr niedrigen Strompreis, zwischen 30 und 40 Euro pro Megawattstunde oder drei bis vier Cent je Kilowattstunde. Wir erwarten für die Zukunft einen Preis von 100 bis 120 Euro je Megawattstunde, als das zwei- bis zweieinhalbfache. Aus meiner Sicht werden wir damit leben müssen. Allein die Erneuerbaren haben Gesamtkosten zwischen 60 und 100 Euro pro Megawattstunde. Die Sonne schickt zwar keine Rechnung, aber der Installateur tut es und der Hersteller der Photovoltaik-Paneele.“ Es werde der Politik möglicherweise auf den Kopf fallen, dass sie seit Jahren praktisch das Gegenteil behaupte, befürchtet Haslauer. Die viel gescholtene Merit-Order ist in seinen Augen übrigens nach wie vor ein sinnvolles System. „Es bildet die Angebotskurve ab und liefert Preissignale – kurzfristig und langfristig. Die Alternative wäre ein planwirtschaftliches System, und da frage ich mich, wie man das organisieren will.“ Grundsätzlich sei die Umstellung auf Strom sinnvoll, meint der Experte, weil die Effizienz der eingesetzten Energie in der Regel höher sei als bei Öl und Gas. „Das heißt, insgesamt reduzieren wir den Energieverbrauch. Aber wir werden natürlich viel mehr Strom brauchen als jetzt, die Menge wird sich fast verdoppeln. Und damit braucht man auch mehr Backup-Kapazitäten.“ Die Debatte über die Energiewende sei zum Teil leider stark ideologiegetrieben, kritisiert Haslauer. Er hoffe aber sehr, dass sich zunehmend die Fakten durchsetzen werden. Die Bürger müssten sich wohl mit ein paar unangenehmen Wahrheiten auseinandersetzen: „Eine Umstellung des Systems auf Erneuerbare wird die Kosten nicht senken, sondern erhöhen. Wir gehen davon aus, dass wir in Österreich bis 2030 von einer zweistelligen Milliardensumme reden. Das ist stemmbar, aber wir können nicht erwarten, dass alles der Staat zahlt.“
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| Wohin steuert Deutschland? (Anna Schneider) | 12 Nov 2021 | 00:51:42 | |
"Herr Merkel". So nennt Anna Schneider den wahrscheinlich nächsten Deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz. Er müsse jetzt gleichzeitig Neues verkörpern - und stellt doch nur die Kontinuität dar. Immerhin ist Scholz, der bald einer Dreierkoalition aus SPD, FDP und Grünen vorstehen dürfte, schon unter "Frau Merkel" Vizekanzler gewesen. | |||
| Hat Fleisch noch Zukunft? (Hermann Neuburger) | 18 Oct 2021 | 00:42:44 | |
Dass es eine Alternative braucht zum „Rohstoff Fleisch“, wie Hermann Neuburger es nennt, das wußte er schon vor 20 Jahren. Mehrere Jahre lang war der oberösterreichische Unternehmer vor allem in Asien unterwegs - auf der Suche nach der perfekten Alternative. Auf den ersten Blick ein Widerspruch: Neuburger steht für einen besonderen Leberkäse, der - so der berühmte Werbespruch - so nicht genannt werden darf. Er drückt es so aus: „Ich bin ja Teil des Problems.“ Aber sein Namensstifter war rasch unzufrieden, nachdem er vor mehr als drei Jahrzehnten den Familienbetrieb von seinem Vater übernommen hatte. Die Esskultur, der gewaltige Fleischverbrauch, das Tierleid. „Ich habe selbst noch Schweine abgestochen“, sagt Neuburger im Podcast bei Nikolaus Jilch. Eine Erfahrung, die den Fleischer sichtlich geprägt hat: „Wir machen bei Neuburger schon alles, was wir können. Wir haben alle Produkte abgeschafft außer den Leberkäse. Wir nehmen nur Fleisch aus Österreich. Biofleisch wäre noch eine Alternative, aber davon gibt es einfach nicht genug.“ Also sucht Neuburger nach einer vegetarischen Alternative. Aber leicht ist das nicht. Projektname: The new meat. „In Asien gibt es seit Jahrtausenden eine vegetarische Esskultur. Aber es geht nicht nur um den Geschmack, sondern auch um die Konsistenz, das Mundgefühl. Deswegen hat es Tofu in Österreich auch so schwer, sich durchzusetzen.“ Gelandet sind Neuburger und sein Sohn am Ende bei Pilzen. Kräuterseitlinge um genau zu sein. Eine zweistellige Millionensumme hat das Familienunternehmen investiert in eine eigene Pilzfarm. Seit einigen Jahren sind die neuen Produkte auch schon in den Kühlregalen in Österreich und Deutschland. Um zu zeigen, wie sehr es ihm am Herzen liegt, hat Neuburger die Linie auch getauft. Und zwar mit seinem eigenen Namen: Hermann. Und die Firma am Stammsitz in Ulrichsberg im Mühlviertel heißt „Neuburger fleischlos GmbH“. | |||
| Wie wird man Instagram-Star? (Viktoria Hutter) | 20 Sep 2021 | 00:38:42 | |
Sie haben hunderttausende Fans und verfügen über Einfluss - und zwar wortwörtlich. Die Rede ist von so genannten Influencern. Die Salzburgerin Viktoria Hutter gehört zu den erfolgreichsten ihrer Zunft. Auf Instragram folgen ihr mehr als 300.000 Menschen. Was die sehen wollen? „Es sind die banalsten Dinge, die die Leute am meisten interessieren“, erzählt Hutter im Podcast-Gespräch mit Nikolaus Jilch und Viktoria Hutter. | |||
| Was bringt Bitcoin einem Land wie El Salvador? (Jeff Booth) (English, Part 2) | 07 Sep 2021 | 00:56:05 | |
"Ich habe nicht damit gerechnet, dass ein Land wie El Salvador Bitcoin auch für den Zahlungsverkehr einführt", sagt der Unternehmer und Buchautor Jeff Booth im Podcast bei Nikolaus Jilch. Sein Buch "Der Preis der Zukunft" beschäftigt sich am Rande mit dem Phänomen Bitcoin. Und Booth glaubt, dass die Kryptowährung sich weiter durchsetzen wird. "Aber ich bin davon ausgegangen, dass es zuerst in westlichen Ländern als Wertspeicher etabliert - nicht als Zahlungssystem wie in El Salvador." | |||
| Kann Deflation die Lösung sein? (Jeff Booth) (English, Part 1) | 23 Aug 2021 | 00:52:59 | |
Nikolaus Jilch spricht mit dem Buchautor & Unternehmer Jeff Booth Wenn die Preise fallen, stört das in der Regel niemanden. Beim Einkaufen suchen wir ja auch nach Sonderangeboten. Aber viele Ökonomen und die Zentralbanken sind sich einig: Deflation ist schlecht. Es braucht Inflation. Steigende Preise. Überall. Gerade erst hat die Europäische Notenbank ihr Inflationsziel auf zwei Prozent pro Jahr angehoben. Sie will den Euro rascher abwerten als zuvor, damit die Preise steigen. Der kanadische Autor und Tech-Unternehmer Jeff Booth hält im Podcast-Gespräch bei Nikolaus Jilch dagegen. Denn: „Technologie ist deflationär. Sie macht unser Leben besser und billiger. Die Notenbanken machen es teurer. Etwas passt nicht zusammen.“ Sein Buch „Der Preis der Zukunft“ ist im August auf Deutsch erschienen. Booth legt darin eine bisher wenig beleuchtete Erklärung dafür vor, warum Notenbanken trotz gewaltiger Gelddruckprogramme keine nachhaltige Inflation erzeugen können: Die technische Entwicklung, das Internet, die rasante Leistungssteigerung bei Prozessoren und Software. „Diese Entwicklung verläuft exponentiell und macht viele Bereiche der Wirtschaft und des täglichen Lebens rasant billiger. Die Notenbanken steuern dagegen und versuchen, Inflation zu erzeugen“, sagt Booth. Aber das könne nicht funktionieren und treibe die Unternehmer nur dazu, noch stärker in die Nutzung von Hard- und Software zu investieren. Das frische Geld landet dann in knappen Ressourcen wie Immobilien, Rohstoffe oder Finanzassets. Gerade beim Wohnen und im Supermarkt taucht diese Inflation dann auf - aber nicht in der breiten Berechnung. „Daher glauben die Notenbanken, dass sie noch mehr Spielraum haben was Lockerungen betrifft“, so Booth. Der Podcast wurde in englischer Sprache aufgezeichnet. Ein YouTube-Video ist hier verfügbar. Zur Person: Der gebürtige Kanadier Jeff Booth ist Tech-Unternehmer und Buchautor. Im Jahr 1999 gründete er das Unternehmen „BuildDirect“ um den Prozess des Hausbaus zu simplifizieren. Sein Buch „The Price of Tommorow“ ist ein internationaler Beststeller und jetzt auch auf Deutsch erschienen, bei aprycot media. Booth ist auch auf Twitter sehr aktiv: @jeffbooth | |||
| Wie sehen die Medien der Zukunft aus? (Andreas Sator) | 04 Aug 2021 | 01:12:14 | |
Bei Andreas Sator wird es rasch sehr persönlich. Die Gäste seines Podcasts „Erklär mir die Welt“ dürfen ihn zuhause besuchen, in der Wohnung. Aufgenommen wird im Wohnzimmer. Am Anfang war es sogar eine Wohngemeinschaft, in der plötzlich Heinz Fischer zu Gast war. Der (damalige) Präsident war in den Podcast eingeladen. Mehr als 10.000 Menschen erreicht Sator jede Woche mit „Erklär mir die Welt“. Der junge Wirtschaftsjournalist, der in Teilzeit für den „Standard“ schreibt, ist somit der erfolgreichste selbstständige Podcaster des Landes. Dass ein reines Audio-Format so gut funktionieren würde, dachte er urspünglich selbst nicht. „Mein Plan war deshalb eigentlich, die Folgen auch auf YouTube zu spielen. Ich habe auch überlegt, mir jemanden zu nehmen, der das ganze filmt. Aber ich nehme die Podcasts zu Hause auf. Es ist inzwischen die dritte Wohnung. Am Wohnzimmerzisch.“ Kameras hätten da keinen Platz, so der 30-Jährige: „Das macht was mit der Atmosphäre.“ | |||
| Was ist gutes Essen wert? (Theresa Imre) | 29 Jun 2021 | 00:37:33 | |
Die Pandemie hatte für die meisten Unternehmen fatale Folgen. Anders hat es bei dem 2017 gegründetem Online-Bauernmarkt „markta“ ausgesehen. Gründerin und Geschäftsführerin dieses Start-Ups ist Theresa Imre. Ihre Idee von einem „Amazon für Bauern“ startete während der Pandemie voll durch. Die Bestellungen explodierten regelrecht, der Umsatz verzwanzigfachte sich. „Es war die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt“, beschreibt Imre den Marktaufstieg. Doch wie ist diese Idee überhaupt entstanden? Es ist allen bewusst, doch nur selten wird es thematisiert: Bauernhöfe sterben. Deshalb muss ein neues Lebensmittelsystem her. Eines bei dem die Bauern überleben können, bei dem zwar nicht immer alles verfügbar ist, jedoch die Nachfrage eine viel Bewusstere ist. „markta“ versucht das, indem es das Angebot der Klein-und Familienbetriebe über dessen Online-Kanal an die Konsumenten vermittelt. Dabei übernimmt das Unternehmen die Qualitätssicherung, die Warenannahme und die Kommissionierung für die Konsumenten, jedoch hat das natürlich einen gewissen Preis. Mit der Zeit will „markta“ mit einigen Investment-Partnern Verteilzentren in den einzelnen Bundesländern aufbauen, um am ganzen österreichischen Markt verfügbar. Derzeit liefert man hauptsächlich in Wien und Wien Umgebung aus. Imres Mission: „Wir wollen zum europäischen Vorzeigemodell für die Verbindung zwischen landwirtschaftlichen Kleinbauern und der bewussten regionalen Nachfrage werden.“ Wie ist es eigentlich in Österreich ein digitales Unternehmen aufzubauen? „Wenn man die Digitalisierung gut nützt, hat sie ganz viele Tools, um möglichst effizient ein Netzwerk der kleinen zu werden. Aber man braucht ein großes Know-How, was in Österreich nicht immer leicht zu finden ist.“ Eins steht auf jeden Fall fest: Einfach ist es nicht, vor allem aufgrund der Konkurrenz. „Wir kämpfen in Österreich gegen die großen Online-Giganten.“ Oft wird der zeitliche sowie finanzielle Ressourcenaufwand bei der Softwareentwicklung unterschätzt. Die Lösung: kollektives Wissen. Es sollte nicht jeder allein etwas aufbauen beziehungsweise programmieren müssen. „Es muss auch der Staat viel mehr Kooperationsprojekte fördern, anstatt immer nur einzelkämpferisch den Unternehmen die Chance zu geben sich am Markt kurz beweisen zu können.“ Zur Person: Theresa Imre ist Gründerin und CEO des digitalen Bauernmarktes „markta“. Sie ist mit ihrem Unternehmen das Bindeglied zwischen Produzenten und Konsumenten und steht für eine bessere und nachhaltigere Lebensmittelversorgung zwischen Stadt und Land. Kürzlich wurde die 30-jährige als Unternehmerin des Jahres 2021 ausgezeichnet. | |||
| Was muss man zur EM wissen? (Moritz Ablinger) | 11 Jun 2021 | 00:46:18 | |
Es ist die wohl eigenartigste Europameisterschaft aller Zeiten. Sie wurde verschoben, trägt trotzdem das Jahr 2020 im Namen, obwohl sie heuer stattfindet. Sie findet unter strengen Corona-Regeln statt. Nicht in einem oder zwei Ländern, wie das bisher der Fall war, sondern in elf Ländern. Und: Österreich ist mit dabei, tritt in einer Gruppe mit Nordmazedonien, Ukraine und den Niederlanden an. Das Format ist fragwürdig: „Große Fußballnationen wie eben die Niederlande, Italien oder Deutschland spielen ihre Gruppenspiele daheim, in Amsterdam, München und Rom“, sagt Moritz Ablinger, der Chefreporter des Fußballmagazins „ballesterer“ im Podcast-Gespräch mit Nikolaus Jilch. Wie groß der Heimvorteil sein wird, ist aber auch unklar. Jedes Land hat seine eigenen Regeln, wie viele Zuschauer man ins Stadion lässt. Extremfall ist Ungarn. „Dort will man ab Tag eins volle Stadien haben“, sagt Ablinger. Vor leeren Rängen will die UEFA nicht spielen lassen - auszuschließen ist es aber auch nicht. Letztlich entscheiden die nationalen Verantwortlichen. Die Spieler werden permanent getestet. Erste Corona-Fälle gab es aber bereits in der Vorbereitung, etwa bei Spanien. Manche Teams sind geimpft, andere nicht. Und sportlich? Topfavorit ist Weltmeister Frankreich, England hat das teuerste Team, Italien schwimmt auf einer Erfolgswelle. Deutschland steckt in einer halben Krise, Belgien bleibt ewiger Geheimfavorit. Und Österreich? Ablinger sieht einen starken Kader, ist aber enorm skeptisch, ob der „destruktiven“ Spielweise, die Trainer Franco Foda verordnet. Alle Details, Tipps und Hintergründe zur EM hören Sie im Fußball-Special unseres Podcasts „Eine Frage noch...“ Zur Person: Moritz Ablinger ist Chefreporter des Monatsmagazins „ballesterer“, das seit 20 Jahren qualitativ hochwertige Berichterstattung zum Fußball liefert - mit Reportagen, Analysen und Hintergründen. In der Pandemie hat der „ballesterer“ eine Solidaritätsaktion gestartet, um den Weiterbestand zu sichern - was gelungen ist. Hier kann man das EM-Heft nachbestellen und hier ein Abo abschließen. | |||
| Was sollen unsere Kinder lernen? Und wie? (Christiane Spiel) | 08 Jun 2021 | 00:47:27 | |
Die Pandemie hat unser Schulsystem vor gewaltige Herausforderungen gestellt. In einer ersten Bilanz zeichnet die renommierte Bildungsforscherin Christiane Spiel ein durchwachsenes Bild. In mehreren Erhebungen hat sie die Auswirkungen der Lockdown-Phasen auf Schüler, Lehrer und Eltern untersucht: „Am Anfang hat es alle furchtbar getroffen: Wie strukturiere ich meinen Tag? Wie teile ich den Stoff ein? Wie kann ich fragen stellen? Aber die große Mehrheit der Schüler sagt, dass sie sich mit der Zeit arrangiert haben und auch besser gelernt haben, mit den digitalen Hilfsmitteln umzugehen“, erzählt Spiel im Podcast-Gespräch über Bildung, Schule und Pandemie. Was sind die Auswirkungen? Und wie kann es jetzt weitergehen? | |||
| Sind die Österreicher verrückt nach Immobilien? (Lukas Müller) | 21 May 2021 | 00:40:12 | |
Lukas Müller ist 30 Jahre alt und schon seit fünf Jahren Unternehmer. In Österreich. Sein Start-Up Rendity bietet digitale Immobilieninvestments an. Mit Erfolg, inzwischen hat Rendity 15 Mitarbeiter. Der Clou: Man kann auch mit 100 Euro in Immobilien investieren und jetzt sogar einen Sparplan abschließen. "In Österreich, Deutschland und der Schweiz ist das ein Phänomen, dass Immobilien-Investments sehr stark nachgefragt werden", so Müller. Aber auch wenn Immobilien in Österreich eine Art Volkssport sind - der Weg zur erfolgreichen Jungfirma war nicht einfach, erzählt Müller im Podcast-Gespräch mit Nikolaus Jilch. | |||
| Hätte Diplomatie den russischen Angriff auf die Ukraine verhindern können? (Leigh Turner) | 04 May 2023 | 00:39:10 | |
Leigh Turner war britischer Botschafter in der Ukraine und in Österreich und lebte auch lange in Russland. Seine Erfahrungen als Diplomat verarbeitete er nun in einem unterhaltsamen und lehrreichen Buch. „The Hitchhiker´s Guide to Diplomacy“ verknüpft Einblicke in die Welt der Diplomatie mit persönlichen Erlebnissen des Autors. Turners erste Dienststelle im Ausland war Wien, wo er Mitte der 1980er-Jahre als Botschaftsrat arbeitete. Sein letzter Posten als Botschafter war ebenfalls Wien, von 2016 bis 2021. Im aktuellen Podcast der Agenda Austria erzählt Turner, wie sich Österreich in den 30 Jahren zwischen seinen zwei Aufenthalten verändert hat. Und er erklärt, warum die europäische Politik gegenüber Wladimir Putin in seinen Augen völlig falsch war. „Ich erinnere mich an eine Diskussion mit Boris Johnson 2016 in Wien“, berichtet Turner. „Wir haben über die Ukraine und die Krim diskutiert. Ich habe gesagt: Der beste Weg, um zu verhindern, dass Russland die Ukraine noch einmal angreift, wäre die Bewaffnung der Ukraine. Das ist die einzige Sprache, die Russland versteht. Leider ist das bis 2022 nicht geschehen. Der beste Weg, um diesen Krieg zu verhindern, wäre eine Aufnahme der Ukraine in die NATO gewesen, schon 2008.“ Solange Putin an der Macht sei, werde es auch nach dem Krieg sehr schwierig, mit Russland einen Modus der Zusammenarbeit zu finden, meint der Diplomat. „Wir versuchen das seit Jahrzehnten. Boris Johnson ist 2017 als Außenminister nach Moskau gefahren, um einen Reset der Beziehungen zu versuchen. Die Antwort darauf war die Vergiftung von Sergei Skripal in Großbritannien.“ Persönlich erlebt hat Turner eines der größten Probleme sowohl in Russland, als auch in der Ukraine – die Korruption. Das sei ein Relikt aus sowjetischen Zeiten, sagt der Diplomat. „Damals war es vielleicht mehr eine Freunderlwirtschaft als klassische Korruption. Das abzubauen ist extrem schwierig. Es hat auch damit zu tun, dass die Privatisierungen in beiden Ländern sehr schlecht gelaufen sind. Das Vermögen ist in den Händen weniger Menschen konzentriert.“ Ganz grundsätzlich habe er versucht, Lektionen aus der Diplomatie zu ziehen, sagt Turner über sein Buch. Er sei immer der Meinung gewesen, dass man nicht alles in seinem Metier tierisch ernst nehmen müsse. „Auf der einen Seite hat man natürlich viel Verantwortung, vor allem als Botschafter. Auf der anderen Seite muss man immer wieder einen Schritt zurück machen und sich denken, ‚Mann, ist es nicht erstaunlich, dass ich hier bin? Ich sollte es genießen.’“ Zur Person: Leigh Turner, 65 Der Sohn eines Universitätsprofessors und einer Lehrerin wuchs in Nigeria, Großbritannien und Lesotho auf. Nach dem Studium begann er Anfang der 1980er-Jahre eine Karriere im diplomatischen Dienst, die ihn quer durch Europa führen sollte. Unter anderem war er britischer Botschafter in der Ukraine, Generalkonsul in der Türkei und Botschafter in Wien. Turner ist auch als Schriftsteller tätig und verfasste unter dem Pseudonym Robert Pimm mehrere Krimis. Im Czernin Verlag erschien vor kurzem „The Hitchhiker´s Guide to Diplomacy“.
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| Wo lauert die größte Finanzfalle für Frauen? (Larissa Kravitz) | 04 May 2021 | 00:47:50 | |
Es geht ein Schock durch die Gesellschaft, sagt Larissa Kravitz. Ein Pensionsschock. Und zwar jener der Mütter. „Ich habe viele Kundinnen, die heute 60 bis 70 sind. Die animieren ihre Töchter heute dazu, schon mit 30 mit der Vorsorge zu beginnen“, erzählt die Autorin und Speakerin im Podcast-Gespräch mit Nikolaus Jilch. | |||
| Wozu brauchen wir Bitcoin? (Johannes Grill) | 14 Apr 2021 | 00:55:48 | |
„Vielen Menschen ist das Thema Geld egal“, sagt Johannes Grill: „Hauptsache, sie haben genug davon. Diese Leute werden sich erst mit Bitcoin beschäftigen, wenn es weh tut. Wenn die Gelddruckorgie sich beschleunigt und es auch die Masse in Europa merkt“, so Grill, der Präsident des Vereins Bitcoin Austria im Podcast-Gespräch mit Nikolaus Jilch. | |||
| Müssen wir Angst vor der Impfung haben? (Cihan Ay) | 25 Mar 2021 | 00:39:35 | |
Die Verunsicherung ist groß. Einer aktuellen Umfrage der Uni Wien zufolge, wollen rund 40% der Österreicher sich nicht mit dem Impfstoff von AstraZeneca impfen lassen. Sogar der russische "Sputnik V" hat bessere Werte - und der ist in der EU nichtmal zugelassen. Im Podcast bei Nikolaus Jilch warnt der Wiener Thromboseexperte Cihan Ay aber vor Panikmache: "Müssen wir Angst haben vor dem Impfstoff? Absolut nicht. Die Impfung schützt vor der Erkrankung, vor der man Angst haben muss. Jeder Tag ohne Impfung kostet Menschenleben." Dass der betreffende Impfstoff laut Studien zu 100% vor schweren Verläufen schützt, geht in der Debatte um eine angebliche Thrombosengefahr unter. | |||
| Droht Europa der Abstieg? (Gabriel Felbermayr) | 17 Mar 2021 | 00:38:34 | |
Der Top-Ökonom Gabriel Felbermayr warnt: Europa ist überaltert, bürokratisch und zu wenig dynamisch. In der Welt nach Corona droht der Absturz, während Amerika und China durchstarten: „Wir schaffen es in Europa nicht einmal, Wachstum zuzulassen.“ Wie schon nach der Finanzkrise droht Europa hinter die USA zurückzufallen, warnt Gabriel Felbermayr, der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel in der neuesten Die Impfkampagne kommt kaum voran, die Corona-Mutationen sind auf dem Vormarsch - und weder die Pakete der einzelnen Staaten noch jene der EU können es mit denen aus Washington aufnehmen. Dazu kommen tief liegende strukturelle Probleme. Die Gefahr: Europa könnte in den kommenden Monaten und Jahren viel langsamer wachsen als die USA - von dort aber über höhere Güterpreise die Inflation importieren. Denn auch die chinesische Konjunktur läuft längst wieder an, was die Rohstoffpreise treibt. „Aber wir in Europa haben einen ganzen Strauß an Problemen. Etwa die Demografie“, so Felbermayr: „Das ist auch in Deutschland ein großes Thema. Die Erwerbsbevölkerung wird zurückgehen. Auch bei den Unternehmen haben wir eine geringe Dynamik. Neue Ideen kommen seltener auf den Markt. Es geht seit Jahrzehnten in die falsche Richtung. Es wird immer schwieriger, unternehmerisch tätig zu werden - nicht leichter. Die Verhinderungslogik hat in vielen Ländern Überhand gewonnen. Auch das liegt daran, dass wir älter werden. Weil Pensionisten und Bald-Pensionisten viel mehr Gewicht haben als Junge. Eine alternde Bevölkerung tätigt kaum Zukunftsinvestitionen. Die Dinge mal laufen zu lassen, Freiräume zu geben, das fällt uns schwer in Europa schwer.“ | |||
| Was will die Agenda Austria? (Franz Schellhorn) | 03 Mar 2021 | 00:36:59 | |
„Es soll der Masse der Bürger in diesem Land gut gehen. Es soll jeder die Möglichkeit haben, aus eigener Kraft den sozialen Aufstieg zu schaffen. Und die, die leistungsfähig sind, sollen mehr in das Sozialsystem einzahlen. Und dafür braucht es eine starke Wirtschaft.“ So beschreibt Franz Schellhorn die Ziele der Agenda Austria in einigen Sätzen. Nach acht Jahren hat sich der Thinktank in Österreich etabliert. | |||
| Wann kommt die Inflation? (Axel Merk) | 17 Feb 2021 | 00:44:23 | |
„Inflation ist ein breites Thema“, sagt der Investor und Anlageberater Axel Merk, der von Paolo Alto aus rund eine Milliarde Dollar veranlagt. „Die meisten Leute wissen, dass die Sachen stetig teurer werden. Sie sehen, dass das Geld nicht mehr reicht. Dadurch wird Unwohl geschürt. Das ist ein Grund, warum wir heute in dieser politischen Situation sind“, sagt Merk im Gespräch mit Nikolaus Jilch in der neuesten Folge des Podcasts „Eine Frage noch…“. | |||
| Wie kam es zum Woom-Boom? (Christian Bezdeka) | 28 Jan 2021 | 00:39:46 | |
In den Parks und auf den Spielplätzen sind sie Dauergast, auf Willhaben eine gefragte Ware: Die Kinderfahrräder der niederösterreichischen Marke Woom. Im Podcast mit Nikolaus Jilch erzählt Mitbegründer und CEO Christian Bezdeka, wie es zu dieser für heimische Verhältnisse eher ungewöhnlichen Erfolgsgeschichte kommen konnte. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Marcus Ihlenfeld hatte er eine Idee: Statt einem kleinen Erwachsenenfahrrad wollten sie echte Kinderfahrräder bauen. Leichter - und auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten. Und siehe da: Es funktioniert. Zuletzt sind Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner und die C-&-A-Eigentümerfamilie Brenninkmeijer bei Woom eingestiegen. | |||
| Was bringt der E-Euro? (Stephan Pachinger) | 07 Jan 2021 | 00:41:51 | |
Der digitale Euro kommt. Wahrscheinlich schon innerhalb der nächsten fünf Jahre. Das sagte Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) erst vor wenigen Tagen. Aber was bedeutet das überhaupt? Ist unser Geld nicht schon digital? Soll der "E-Euro" gar das Bargeld ersetzen und einen gläsernen Bürger schaffen? Wichtige und heikle Fragen, die Nikolaus Jilch in der neuesten Folge unseres Podcasts "Eine Frage noch..." mit dem Juristen Stephan Pachinger zu beantworten versucht. | |||
| Wie läuft man Adidas davon? (Caspar Coppetti) | 10 Dec 2020 | 00:37:00 | |
„Laufen ist im Prinzip die Grundlage jedes Sports. Außer Schach vielleicht“, sagt Caspar Coppetti. Zwölf Jahre ist es nun her, dass drei Schweizer sich ein scheinbar unmögliches Ziel gesetzt haben: Mit einem neuartigen Laufschuh den Markt aufmischen, der von Giganten wie Nike und Adidas kontrolliert wird. „Disruption“ sagt man dazu heutzutage. In manchen Märkten hat „On Running“ bei den Laufschuhen inzwischen Adidas sogar überholt. „Das tut denen vermutlich schon weh, aber hungern müssen sie wahrscheinlich auch nicht. Im Gesamtvergleich sind wir immer noch klein“, sagt Coppetti im Podcast-Gespräch mit Nikolaus Jilch. Er ist einer der drei Schweizer, die die Marke On Running gegründet haben. Der Name ist eher unbekannt, die auffällige Silhouette der Schuhsole ist es nicht: Die markanten "Löcher", die kennt man. Auch dank Roger Federer. Der legendäre Tennisspieler ist kürzlich bei On als Miteigentümer eingestiegen. Bei On Running arbeiten nach 12 Jahren im Geschäft rund 800 Menschen. Kommendes Jahr sollen es 1200 sein. "Es hat sich sehr rasant entwickelt", sagt Coppetti. Im Pandemiejahren ist der Umsatz explodiert. 60% der Schuhe werden inzwischen online verkauft. | |||
| Wie hoch steigt Bitcoin? (Paul Klanschek) | 01 Dec 2020 | 00:42:51 | |
Fast 20.000 Dollar ist ein Bitcoin aktuell wert. Nur 11 Jahre nach seiner Erfindung sorgt die Kryptowährung wieder für Aufregung. In dieser Zeit ist eine ganze Industrie rund um Bitcoin entstanden. Marktführer in Österreich ist Bitpanda. Das Wiener Start-Up expandiert mit gewaltiger Geschwindigkeit, beschäftigt inzwischen mehr als 250 Mitarbeiter - und konnte zuletzt den Prominenten Silicon-Valley-Investor Peter Thiel für sich begeistern. "Wir haben uns letztes Jahr entschieden, dass wir gerne ein bisschen schneller wachsen und unsere Kriegskasse aufstocken wollen", erzählt Bitpanda-Mitbegründer Paul Klanschek im Podcast-Gespräch mit Nikolaus Jilch. | |||
| Wie sicher ist das Geld auf der Bank? (Monika Rosen) | 25 Apr 2023 | 00:29:31 | |
Die Silicon Valley Bank in Kalifornien ging vor Kurzem pleite, die Credit Suisse in der Schweiz musste mit dem größten Mitbewerber, der UBS, fusioniert werden, um nicht ebenfalls in die Insolvenz zu rutschen. Geht das jetzt so weiter? Folgen womöglich noch größere Crashs? Die schwere Finanzkrise von 2008 schien eigentlich überwunden, die Banken seien nun besser gegen Krisen gewappnet als vor der Krise, hieß es. Offenbar stimmt das nicht ganz. Was sollen ganz normale Bankkunden jetzt tun? Anworten gibt die Finanzexpertin Monika Rosen im aktuellen Podcast der Agenda Austria. „Ich würde sagen, dass sich die Lage deutlich beruhigt hat. Die Maßnahmen, die auf beiden Seiten des Atlantiks gesetzt wurden, waren dazu angetan, das Vertrauen in den Finanzplatz zu stärken“, meint Monika Rosen. Ganz ausschließen könne man weitere Turbulenzen natürlich nicht, aber die Handlungen der Behörden hätten eindeutig gezeigt, dass man die Lektion von 2008 gelernt habe und sofort eingreift, um einen Dominoeffekt zu verhindern. Für Verunsicherung sorgte nicht zuletzt der Umstand, dass ausgerechnet die als besonders sicher geltenden Staatsanleihen derzeit ein Problem für die Banken darstellen können. Wegen der rasanten Zinserhöhungen verloren Papiere mit langer Laufzeit nämlich an Kurswert. Dieses Risiko sei wohl unterschätzt worden, sagt Monika Rosen. „Die Geschwindigkeit der Zinserhöhungen sorgte hier für Verwerfungen.“ Allerdings geht sie davon aus, dass die massiven Interventionen der Notenbanken bald zu Ende sein werden. Sowohl die EZB als auch die FED würden wohl noch einen Zinsschritt setzen – und danach erst einmal eine Pause einlegen. „Das ist auch einer der Gründe, warum sich der Aktienmarkt relativ rasch erfangen hat. Diese Fantasie beflügelt die Kurse und könnte zu einer nachhaltigen Verbesserung der Stimmung an den Märkten führen“, sagt Rosen. Auch die Teuerung zeige bereits Abkühlungstendenzen. „Die Frage ist jetzt nur, wie schnell sich die Inflation nachhaltig nach unten drücken lässt. Da gehen die Meinungen derzeit noch auseinander.“ Offen sei auch noch, ob eine Rezession droht. „Gerade in den USA wird das derzeit intensiv diskutiert. Wir haben sehr wohl noch Baustellen. Aber wenn die Zinserhöhungen ein Plateau erreicht haben, könnte es an den Börsen wieder bergauf gehen. Denn eines zeigt sich im langfristigen Vergleich ja auch: Die Aktienmärkte drehen, bevor es die Konjunktur tut.“ Die Finanzkrise von 2008 sei für sie persönlich die anstrengendste, herausforderndste Zeit ihrer gesamten Berufslaufbahn gewesen, erzählt die einstige Chefanalysten der Unicredit/Bank Austria. Dennoch habe sie nie an einem letztlich guten Ende der Turbulenzen gezweifelt, sagt Rosen. „Ich war immer davon überzeugt, dass es gelingen wird, die Schwierigkeiten zu überwinden, und so kam es dann ja auch.“ Die neue UBS bringt es auf eine Bilanzsumme von 1,6 Billionen Franken, mehr als das Doppelte der Schweizer Wirtschaftsleistung. Kritiker der Fusion mit der Credit Suisse warnen, dass die Rettung einer solchen Riesenbank wohl nicht möglich sein würde. Monika Rosen widerspricht: „Auch eine Bank dieser Größenordnung ist keine Insel, sondern sie agiert auf einem internationalen Feld. Am Ende des Tages müssten dann auch internationale Kräfte bei der Rettung helfen, was im Fall des Falles sicher passieren würde.“ Alle Maßnahmen der vergangenen Wochen zeigen aus Sicht der Expertin, dass Bankkunden keinen Grund haben, sich Sorgen zu machen. „Die Einlagen sind sicher.“ Die Finanzexpertin war über 20 Jahre lang Chefanalystin der Bank Austria. Seit ihrer Pensionierung im Vorjahr hält sie Vorträge, schreibt Kolumnen und ist als Vizepräsidentin der Österreichisch-amerikanischen Gesellschaft aktiv. | |||
| Für immer ins Home Office? (Katharina Körber-Risak) | 19 Nov 2020 | 00:33:07 | |
Plötzlich sitzen Zehntausende zuhause und arbeiten. Das Auto bleibt stehen, gependelt wird digital und die Kantine ist im Esszimmer. Unser Arbeitsrecht ist darauf nicht vorbereitet, sagt die Juristin Katharina Körber-Risak. Sie fordert ein Gesamtkonzept. Auch für diejenigen, die am Sonntag arbeiten wollen. | |||
| Lockdown 2.0: Wie kommen wir durch den Winter? (Franz Schellhorn) | 07 Nov 2020 | 00:23:51 | |
Corona offenbart viel über das Verhältnis der Österreicher zu Obrigkeit und Eigenverantwortung, sagt Franz Schellhorn: "Jeder wartet auf Anweisungen von oben." Ein Gespräch über Österreich im zweiten Lockdown, den Weg nach vorne, Staatshilfen, Konjunkturpakete und die Frage, ob die Skilifte heuer überhaupt aufsperren. | |||
| Müssen wir den Kapitalismus überwinden, um das Klima zu retten? (Anna Schneider) | 28 Oct 2020 | 00:39:12 | |
Die Österreicherin Anna Schneider hat sich binnen eines Jahres als NZZ-Journalistin in Berlin einen Namen gemacht, den sie jeden Tag auf Twitter verteidigen muss. Denn der Gegenwind ist heftig. Ein Gespräch über Kapitalismus, Klimawandel, Gruppenzwang, Medien, Hass im Netz und Liberalismus. | |||
| Was fehlt dem Standort Österreich? (Heimo Scheuch) | 13 Oct 2020 | 00:33:00 | |
Ist die Krise schon überstanden? Wienerberger-Chef Heimo Scheuch ist zumindest optimistisch. "Wir hatten einen guten Start in das Jahr 2020. In den Märkten wo es einen totalen Lockdown gab, schießt die Bautätigkeit jetzt nach oben", so Scheuch: "Wir leben heute schon in der neuen Normalität. Man sieht jetzt schon sehr klar, welche Regionen stärker getroffen wurden und welche weniger. Die Tourismusgebiete leiden sehr stark. Andererseits gibt es Regionen, die von Corona kaum getroffen wurden, etwa Oberösterreich", sagt der Wienerberger-CEO im Podcast-Gespräch mit Nikolaus Jilch. | |||