Bernie Sanders, Sheryl Sandberg, Paul Auster oder Frank-Walter Steinmeier: Sie alle waren schon auf den Bühnen der ZEIT zu Gast. Redakteurinnen und Redakteure sprechen regelmäßig vor Publikum mit Spitzenpolitikern und Wirtschaftsentscheidern, Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft, Sport und Gesellschaft. Die spannendsten Gespräche gibt es ab sofort als Podcast ZEIT BÜHNE. Durch die Folgen führt Roman Pletter, stellvertretender Leiter des Wirtschaftsressorts der ZEIT.
Der Podcast wird produziert von Pool Artists.
Falls Sie uns nicht nur hören, sondern auch lesen möchten, testen Sie jetzt 4 Wochen kostenlos Die ZEIT: www.zeit.de/podcast-abo
Site
RSS
Apple
Data updated on 04/07/2026
Recent rankings
Latest chart positions across Apple Podcasts and Spotify rankings.
Shared links between episodes and podcasts
Links found in episode descriptions and other podcasts that share them.
Discover shows related to ZEIT Bühne, based on actual content similarities. Explore podcasts with similar topics, themes, and formats, backed by real data.
Angela Merkel: Die AfD bei 20 Prozent? "Das ist echt nicht mehr meine Verantwortung"
Episode 48
Friday, February 7, 2025 • Duration 01:29:29
Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erneuert ihre Kritik an
den Anträgen zur Migrationspolitik von Friedrich Merz. Auch unter
schwierigen Bedingungen sollte es nicht dazu kommen, dass Mehrheiten mit
der AfD gebildet werden. Sie empfinde es nicht als richtig, "in einer
solchen Situation einfach zu schweigen" – und habe deswegen ihre Meinung
gesagt. Vorher informiert habe sie Merz darüber nicht. Merkel spricht
von einer Frage grundsätzlicher Bedeutung. Ansonsten mische sie sich
nicht in die Tagespolitik ein.
Von Kritik an ihrer Migrationspolitik fühle sie sich angesprochen, sagt
Merkel. "Von einer Bundeskanzlerin erwartet man, dass die irreguläre
Migration reduziert wird." Sie halte die Asyl- und Einwanderungspolitik
der vergangenen zehn Jahre – anders als Friedrich Merz – nicht für
"verfehlt" und verweist auf Grenzkontrollen zu Österreich und das
EU-Türkei-Abkommen. Man sei aber "noch nicht am Ende der Arbeit". Sie
frage sich auch, warum es so schwer sei, Ausreisepflichtige "zur
Ausreise zu bewegen" und warum zwei Drittel der Ausländerämter immer
noch nicht digitalisiert seien.
Den Aufstieg der AfD erklärt sich Merkel nach eigenen Angaben auch durch
den Streit zwischen CDU und CSU in der Migrationspolitik während ihrer
Kanzlerschaft. "Es ist nicht richtig gewesen, dass wir so viel
gestritten haben", sagt Merkel. Sie sagt aber auch: Als sie aus dem Amt
ausgeschieden sei, habe die AfD bei elf Prozent gelegen. Dass sie nun
bei mehr als 20 Prozent liege, sei "nicht mehr meine Verantwortung".
Am 26. November 2024 veröffentlichte Angela Merkel ihre Autobiografie
mit dem Titel "Freiheit", Verlag Kiepenheuer & Witsch, die sie zusammen
mit ihrer ehemaligen Büroleiterin Beate Baumann geschrieben hat. Zu
Kritik an ihrem Buch sagt sie: "Ich war halt langweilig." Das habe man
schon während ihrer Kanzlerschaft über sie gesagt. Dass sie ein
Enthüllungsbuch schreibe, in dem sie endlich mal "die Katze aus dem Sack
lasse", hätten vielleicht manche erwartet. Ihr sei es aber ein Anliegen
gewesen, zu beschreiben, wie Politik funktioniere, sagt Merkel.
Das Gespräch ist eine Aufzeichnung der Veranstaltung aus der Reihe "Eine
Stunde ZEIT mit …", die am 5. Februar im Deutschen Schauspielhaus in
Hamburg stattfand. Das Gespräch ist auch
als Videoaufzeichnung verfügbar, und man kann es als Wortlaut-Interview
auf ZEIT ONLINE lesen.
„Diese Demokratie muss jeden Tag erkämpft, bestätigt und verteidigt werden“
Episode 47
Friday, September 20, 2024 • Duration 01:28:13
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) rechtfertigt die deutschen
Waffenlieferungen in die Ukraine. „Ich bin auch kriegsmüde“ sagt er. Es
sei hässlich, mit Waffen umzugehen, „aber es ist notwendig, um unsere
Freiheit und unsere Sicherheit zu schützen“. Pistorius spricht auch über
den Zustand der Bundeswehr. Sein Ziel sei es, Personal in der Bundeswehr
zu halten und neues anzuwerben. Vor einigen Wochen hatte er gefordert,
einen verpflichtenden Fragebogen für junge Männer einzuführen, der die
Bereitschaft und Fähigkeit zum Dienst in der Bundeswehr erfassen soll.
„Ja ich brauche mehr Geld“, sagt er auf Nachfrage. Ein Grund sei unter
anderem, dass die Herstellung von Panzern und U-Booten Jahre dauere und
die Industrie daher finanzielle Planungssicherheit brauche.
Solch schwere Waffen würden „nicht irgendwo im Regal stehen und auf
Knopfdruck bestellt werden können“.
Auf die Frage, wer anstelle von Olaf Scholz als Kanzlerkandidat infrage
käme, sagt Pistorius: „Der Glaube, nur durch das Austauschen einer
einzigen Person in der gleichen Konstellation" würde ein großer Wechsel
kommen, sei falsch. So einer Erwartungshaltung könne niemand allein
gerecht werden, Politik sei eine Frage des Teamplay.
Er hoffe, dass die leisen Stimmen, die in der Mehrheit seien, den
lauten, demokratiefeindlichen Stimmen etwas entgegensetzen würden.
Pistorius sagte: "Unsere Demokratie muss jeden Tag erkämpft, bestätigt
und verteidigt werden.“
Das Gespräch ist eine Aufzeichnung der Online-Live-Veranstaltung aus der
Reihe "Eine Stunde ZEIT", die am 19. September 2024 vor Publikum in
Hamburg stattfand und auch als Videoaufzeichnung verfügbar ist.
"Die Vorstellung, uns nicht verteidigen zu müssen, hat Putin zerbombt"
Episode 46
Tuesday, July 30, 2024 • Duration 01:20:59
Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) rief Deutschland und die EU
auf, mehr in die Sicherheit zu investieren. "Die Vorstellung, dass wir
uns selbst nicht verteidigen müssen, hat Putin zerbombt", meint
Baerbock. Deutschland benötige einen Sicherheitshaushalt, der das
entsprechend widerspiegele. Dafür brauche es mehr Soldatinnen und
Soldaten, für eine Wiedereinführung einer Wehrpflicht sprach sie sich
aber nicht aus, sondern befürworte eine Freiwilligkeit.
Baerbock betonte zudem, dass es wichtig sei, der Ukraine weiterhin zu
helfen – auch für die deutsche Sicherheit. "Wenn wir die Ukraine nicht
weiter unterstützen, nicht nur sich selbst zu verteidigen, sondern die
russischen Truppen bei ihrem Vormarsch zu stoppen, dann ist unsere
eigene Sicherheit maximal gefährdet", sagte sie im Gespräch mit Tina
Hildebrandt und Roman Pletter, DIE ZEIT.
Zur Debatte um die Strafbarkeit von Schwangerschaftsabbrüchen plädierte
Baerbock für eine parteiübergreifende Bundestagsentscheidung ohne
Fraktionszwang. Dies sei "keine Frage für koalitions- oder
parteipolitische Scharmützel", vielmehr gehe es um "so eine wichtige
gesellschaftlich-politische Frage, dass man gruppenübergreifende Anträge
macht". Es gehe um die Frage der Selbstbestimmung des eigenen Körpers.
Die geltende Regelung, dass eine Abtreibung grundsätzlich strafbar sei,
sei "vollkommen aus der Zeit gefallen".
Zu ihrem Verzicht auf eine erneute Kanzlerinnenkandidatur sagte
Baerbock, sie wolle sich voll und ganz auf das Thema Außenpolitik
konzentrieren. Auf die Frage, warum sie dies über den US-amerikanischen
Nachrichtensender CNN verkündete, sagte sie: "Es ist mir einfach richtig
vorgekommen in dem Moment." Ob ihr Parteikollege Robert Habeck aus ihrer
Sicht als Kandidat antreten sollte, ließ die Ministerin offen.
Das Gespräch ist eine Aufzeichnung der Veranstaltung Eine Stunde ZEIT
mit …, die am 26. Juli 2024 in Hamburg vor Publikum stattfand und auch
als Videoaufzeichnung verfügbar ist.
"Das sind die Regeln – like it or leave it"
Episode 45
Friday, June 14, 2024 • Duration 01:13:18
Cem Özdemir (Grüne), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft,
hat sich mit Blick auf die gehäuften Angriffe auf Politiker und den
gewaltsamen Tod eines Polizisten in Mannheim für eine Stärkung der
Justiz ausgesprochen. Auf Radikalisierungen in der Gesellschaft und
Gewalt müsse mit Strafen und mit dem Ordnungsrecht reagiert werden,
sagte er bei der Langen Nacht der ZEIT in Hamburg. Die Höhe der Strafe
sei dabei "gar nicht so entscheidend, sondern dass die Strafe schnell
folgt", sagte der Minister. "Damit man merkt, dieser Rechtsstaat ist
wehrhaft und der meint es ernst."
Mit Blick auf die kurzfristig beschlossene Kürzung der Subventionen für
Agrardiesel, die wenig später wieder zurückgenommen wurde, räumte der
Bundeslandwirtschaftsminister Fehler ein. Dort seien "mehrere Dinge
falsch gemacht" worden, sagte Özdemir. Der zweite Fehler sei gewesen,
dass über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden worden sei. "Du
musst mit den Leuten reden", sagte Özdemir. Wenn das nicht geschehe, sei
das "unverzeihlich in der Politik". Nun sei der Graben zwischen Stadt
und Land weiter vertieft worden, Biodiversität und Klimaschutz stünden
weiter gewaltig unter Druck. Das habe auch ihm selbst "das Leben nicht
leichter gemacht", sagte der Landwirtschaftsminister.
Für eine Rückkehr Boris Palmers zu den Grünen zeigt sich Özdemir offen –
"wenn er sagen würde: 'Ich lasse mir helfen'". Palmer sei ein
hervorragender Oberbürgermeister, das soll er machen und das andere
weglassen. Dann hätte er natürlich seinen Platz. "Menschen für immer
abschreiben, das sollte man ganz selten machen", sagte der
Bundesagrarminister.
Das Gespräch ist eine Aufzeichnung der Veranstaltung "Eine Stunde ZEIT
mit …", die am 8. Juni bei der Langen Nacht der ZEIT in Hamburg vor
Publikum stattfand und auch als Video-Aufzeichnung verfügbar ist.
Alice Hasters: "Das Ich im Wir und das Wir im Ich"
Episode 44
Wednesday, October 25, 2023 • Duration 01:17:10
Identitätskrise, das neue Sachbuch von Alice Hasters, handelt, wie der
Titel nahelegt, von Identität. Diese setze "das Ich und die Gesellschaft
in ein Verhältnis", sagte die Autorin am Freitagabend im Schauspiel
Frankfurt, wo Sascha Chaimowicz, Chefredakteur des ZEITmagazins, sie im
Rahmen der Buchmesse befragt hat. Dieses Insverhältnissetzen suche "das
Ich im Wir und das Wir im Ich", sagte Hasters. In ihrem Buch nun
konstatiert Hasters eine Identitätskrise der Gesellschaft – was ist
dieses "Wir"?
Das Gespräch ist eine Aufzeichnung der Veranstaltung "Alice Hasters:
Identitätskrise" des Literaturhauses Frankfurt und des ZEITmagazins, die
am 20. Oktober im Schauspiel Frankfurt vor Publikum stattfand und auch
als Videomitschnitt auf ZEIT ONLINE verfügbar ist. Identitätskrise von
Alice Hasters ist am 23. Oktober 2023 bei hanserblau erschienen.
Ricarda Lang: "Was man liebt, das spaltet man nicht"
Episode 43
Saturday, October 7, 2023 • Duration 01:38:38
Bayern steht kurz vor der Landtagswahl und Ricarda Lang empfindet den
Wahlkampf bisher als "wahnsinnig aufgeheizt". Die Grünenvorsitzende
wirft dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder vor, im Wahlkampf
Feindbilder zu evozieren und auf diese Weise den Freistaat zu spalten.
"Was man liebt, spaltet man eigentlich nicht", so Lang. Eine Koalition
mit der CSU würde sie trotzdem befürworten: "Ich würde mich hier nicht
vor der Verantwortung wegducken." Es sei ihr Wunsch, dass die Grünen in
Bayern Verantwortung übernähmen.
Ricarda Lang kritisiert Söder im Gespräch mit ZEIT-Politikredakteurin
Mariam Lau und Roman Pletter, ZEIT-Wirtschaftsressortleiter, zudem für
dessen Kulturkampf-Debatten: "Wenn Sie jetzt jede Debatte zur
Kulturkampf-Debatte machen, über Klimaschutz, über Artenschutz, über
Landwirtschaft, wie wollen Sie eigentlich in Zukunft noch Lösungen
finden?"
Das Gespräch ist eine Aufzeichnung der Veranstaltung "Eine Stunde ZEIT
mit …", die am 4. Oktober in München vor Publikum stattfand und per
Livestream übertragen wurde.
T. C. Boyle: "You can write mails with Rock 'n' Roll, but not fiction"
Episode 42
Friday, June 23, 2023 • Duration 01:07:44
Immer wieder behandelt T. C. Boyle die großen gesellschaftlichen Krisen
in seinen Romanen, in seinem neuen Buch nimmt er sich die
Klimakatastrophe vor.
"Blue Skies" ist eine Familiengeschichte, die zwischen Kalifornien und
Florida spielt. Der Autor T. C. Boyle beschreibt in dem Buch die
katastrophalen Folgen der menschlichen Naturzerstörung und des
Klimawandels, von den Dürren im Westen und Überschwemmungen im Südosten
der USA bis zum Insektensterben.
T. C. Boyle stellte am 19. Juni 2023 seinen neuen Roman vor mehr als
1.000 Zuschauerinnen und Zuschauern vor. In der Universität Hamburg hat
er mit ZEIT-Feuilletonchef Volker Weidermann über das gestörte
Verhältnis vom Menschen zu seiner Umwelt gesprochen.
Bei der Veranstaltung erzählte Boyle von einer Tausende Kilometer weiten
Autofahrt durch die USA mit seinem Verleger, bei der am Ende nur ein
einziger Käfer an der Windschutzscheibe klebte – “and of course we
buried him”. Ein Schlüsselerlebnis für den Roman und Sinnbild für die
Naturzerstörung durch den Menschen. T. C. Boyle berichtet fasziniert
davon, was invasive Arten anrichten können: Als Haustiere gehaltene und
ausgerissene Tigerpythons, die im Roman eine tragende Rolle spielen,
würden in den Everglades ganze Landstriche leerfressen.
Auf die Frage, wie er es schaffe, bei all dem Schrecken ein
optimistischer Mensch zu bleiben, antwortet Boyle: “Inside I’m as black
as coal” und lächelt dabei. Es sei kein Wunder, dass alle Schriftsteller
Alkoholiker oder Drogensüchtige seien. Doch am Ende des Romans gibt er
uns einen zarten Hoffnungsschimmer. Der Autor selbst fasst zusammen:
“'Blue Skies' may make you laugh, and maybe depress you a little bit."
Juli Zeh: "Ein falsch formulierter Satz kann zum Problem werden"
Episode 41
Tuesday, June 13, 2023 • Duration 01:08:53
Juli Zeh teilt gerne ihre Meinung mit anderen. Während der
Corona-Pandemie polarisierte sie mit ihren Äußerungen gegen die
Impfpflicht. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine unterzeichnete
sie mit anderen Künstlerinnen und Intellektuellen einen offenen Brief
gegen die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine. Sie bekommt aber
nicht nur für ihre politischen Ansichten Aufmerksamkeit. Die
Bestsellerautorin und promovierte Juristin schreibt Romane, Essays und
Theaterstücke. Zuletzt feierte sie Erfolge mit ihren Romanen "Unter
Leuten" und "Zwischen Welten".
Im Gespräch mit ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo thematisiert Juli
Zeh ihre Angst vor Auftritten auf der Bühne, denn "ein falsch
formulierter Satz kann zum Problem werden".
Das Gespräch ist die Aufzeichnung einer Veranstaltung im Rahmen der
"Langen Nacht der ZEIT 2023", die am 3. Juni in der Universität Hamburg
stattfand.
Olaf Scholz: "Nicht ankleben, sondern anpacken"
Episode 40
Monday, June 5, 2023 • Duration 01:31:47
Olaf Scholz sieht sich als Klimakanzler. Aber mit welchen Mitteln will
er den Klimaschutz weiter vorantreiben und wie kann er seine Koalition
wieder zusammenführen? "Der Stillstand ist überwunden", sagt Scholz im
Gespräch mit ZEIT-Politikredakteurin Mariam Lau und
Wirtschaftsressortleiter Roman Pletter und ergänzt, man habe beim
Klimaschutz ein riesiges Tempo vorgelegt. Die Forderungen der Letzten
Generation kritisiert der Bundeskanzler als unzureichend und zu wenig
inhaltlich: "Nicht ankleben, sondern anpacken." Man könne mit ihm
beispielsweise darüber streiten, ob man noch mehr Offshore-Windparks
bauen solle. Die Aktivistinnen und Aktivisten wollten aber nur hören,
dass bald "alles vorbei" sei und man das nun anerkennen müsse – das sei
"angesichts der Tatsache, dass die Welt ein konkreter Ort ist, nicht
konkret genug".
Der Frage, wie ein perfektes Heizungsgesetz für ihn aussehe, weicht
Scholz im Gespräch aus. Das werde er dann sagen, wenn das Gesetz fertig
verhandelt sei. Weitere Verzögerungen beim Klimaschutz dürfe es nicht
geben: In Vorgängerregierungen seien immer wieder langfristige
Klimaschutzziele ausgegeben, aber kurzfristig nichts getan worden. Das
habe sich nun geändert. "Es quietscht ab und zu, aber wir haben die
Kurve noch gekriegt", so Scholz.
Auf die Frage, wie er sich den jüngsten Umfrageerfolg der AfD erkläre,
sagte Scholz, wir lebten in einer Zeit der Umbrüche, in der sich viele
Menschen ihrer Zukunft nicht sicher seien. Das schaffe Raum für
Parteien, die "schlecht gelaunt das Vergangene loben". Dagegen müsse man
eine Zukunft setzen, an die man glauben könne, so Scholz.
Auf die Frage, was der politisch schwerste Moment seines Lebens war,
antwortet der Kanzler: "Das ist schwer zu sagen, aber ganz sicherlich
die G20-Krawalle in Hamburg."
Das Gespräch ist eine Aufzeichnung der Veranstaltung "Lange Nacht der
ZEIT 2023", die am 3. Juni in Hamburg vor Publikum stattfand und per
Livestream übertragen wurde.
Joachim Gauck: „Wie wenig verteidigungsfähig wir ohne die USA wären, ist grotesk“
Episode 39
Monday, April 24, 2023 • Duration 01:12:09
Schon während seiner Amtszeit als Staatsoberhaupt kritisierte Joachim
Gauck Russlands Umgang mit der Ukraine. Heute fordert er mehr
Waffenlieferungen in die Ukraine. Gauck sagt: Der Frieden in Europa sei
lange stabil gewesen, nun aber brauche es eine entschlossene Politik, um
Deutschland wieder abschreckungs- und verteidigungsfähig zu machen.
Der Ukraine-Krieg habe das Verhältnis Gaucks zum Pazifismus verändert.
Er stellt die Frage in den Raum: „Wenn du Verantwortung hast für deine
Mitmenschen, wirst du dann zuschauen können, wenn dein Volk überwältigt
wird? Eher doch wohl nicht.“
Im Gespräch mit Mariam Lau und Roman Pletter sagt Gauck, eigentlich
wolle China den Frieden: „Sie verdienen mehr, wenn Frieden ist. Und sie
möchten auch gerne den großen Markt in den Vereinigten Staaten und in
Europa nicht verlieren.“ Trotzdem plädiert er für einen Plan B: „Wenn
sie tatsächlich Taiwan angreifen, dann müssen wir unser Verhalten
ändern.“ Deutschland müsse sich in dem Fall „mit den US-Amerikanern, mit
den Japanern, Australiern, mit den Koreanern verbünden und zusehen, dass
wir uns durch Sanktionen oder was auch immer gegen das imperiale
Begehren Chinas wehren“.
Auf die Frage, ob er es bereue, nicht für eine zweite Amtszeit
kandidiert zu haben, sagt der ehemalige Bundespräsident: „Nein, das
bereue ich nicht.“ Gauck meint, nach seiner Vita sei es schon sehr
unwahrscheinlich gewesen, dass er überhaupt Präsident geworden sei. „Man
muss auch sagen: Tschüss, Leute.“
Das Gespräch ist eine Aufzeichnung der Veranstaltung Eine Stunde ZEIT
mit Joachim Gauck, die am 19. April in Berlin vor Publikum stattfand und
per Livestream übertragen wurde.