Reparieren Kfz-Mechatroniker in zehn Jahren eigentlich noch Autos oder sind sie dann IT-Techniker mit Hebebühne? Genau dieser Frage gehen Michael Dittmar, Moritz Nolte und Jens Stratmann in der aktuellen Folge des Werkstatt-Insider-Podcasts nach. Denn moderne Fahrzeuge sind längst rollende Computer. Unzählige Steuergeräte, Sensoren und immer komplexere Software sorgen dafür, dass selbst bei einem mechanisch einwandfreien Auto plötzlich nichts mehr geht.
Die Digitalisierung hat das Berufsbild des Kfz-Mechatronikers bereits grundlegend verändert. Moderne Fahrzeuge verfügen über vernetzte Steuergeräte, zentrale Rechner und komplexe elektronische Systeme. Allerdings bedeutet das nicht, dass Werkstätten künftig selbst programmieren müssen. Vielmehr geht es darum, Fehler zu diagnostizieren, Steuergeräte zu überprüfen und bei Bedarf die vom Hersteller bereitgestellte Software aufzuspielen.
Gleichzeitig werden Over-the-Air-Updates immer wichtiger. Fahrzeughersteller können Fehler dadurch direkt beheben und neue Funktionen installieren, ohne dass der Kunde dafür in die Werkstatt fahren muss. Das spart Zeit, könnte den Werkstätten aber auch einen Teil ihres bisherigen Reparaturgeschäfts nehmen. Andererseits entstehen neue Herausforderungen, wenn Softwareupdates fehlschlagen oder Steuergeräte anschließend nicht mehr richtig funktionieren.
Ein bislang wenig beachtetes Problem ist die langfristige Versorgung moderner Autos mit Sicherheitsupdates. Ähnlich wie bei einem Computer könnte die Fahrzeughardware irgendwann zu alt sein, um neue Software auszuführen. Mechanisch wäre das Auto dann möglicherweise noch vollkommen in Ordnung, während sich die digitalen Systeme nicht mehr auf dem aktuellen Sicherheitsstand halten lassen.
Hinzu kommen strengere Zugriffsregelungen. Mit dem SERMI-Verfahren müssen sich freie Werkstätten und ihre Mitarbeiter für den Zugang zu bestimmten diebstahl- und sicherheitsrelevanten Reparaturinformationen autorisieren lassen. Das schützt die Fahrzeuge vor unbefugten Eingriffen, verursacht für die Betriebe allerdings zusätzliche Kosten und organisatorischen Aufwand.
Besonders interessant wird es bei der Fahrzeugdiagnose. Schon heute liefern Steuergeräte zahlreiche Informationen über den technischen Zustand eines Fahrzeugs. Ein Fehlercode verrät allerdings häufig nur, wo ein Problem auftritt, und nicht, wodurch es tatsächlich verursacht wird.
Künstliche Intelligenz könnte hier künftig unterstützen, indem sie Sensordaten, Spannungsverläufe und die Kommunikation zwischen den Steuergeräten analysiert. Auch die akustische Diagnose könnte sich verändern. Vielleicht reicht irgendwann schon eine Smartphone-Aufnahme eines ungewöhnlichen Motorgeräusches, um mögliche Fehlerursachen einzugrenzen.
Den erfahrenen Diagnosetechniker ersetzt das allerdings nicht. Gerade bei sporadischen Fehlern und komplizierten Wechselwirkungen zwischen mechanischen und elektronischen Komponenten bleiben Fachwissen und praktische Erfahrung entscheidend.
Je komplexer die Fahrzeuge werden, desto aufwendiger kann die Fehlersuche ausfallen. Ein sporadisch auftretender Fehler lässt sich möglicherweise erst nach mehreren Probefahrten und zahlreichen Messungen reproduzieren. Dabei kann die eigentliche Reparatur anschließend nur wenige Minuten dauern.
Für Werkstätten bedeutet das, dass qualifizierte Diagnosearbeit angemessen berechnet werden muss. Eine Stunde Fehlersuche ist schließlich nicht weniger wert als eine Stunde mechanische Reparatur.
Unser Fazit: Auch 2036 werden Kfz-Mechatroniker noch schrauben. Allerdings werden Softwarekenntnisse, Cybersecurity und intelligente Diagnoseverfahren zunehmend darüber entscheiden, wie erfolgreich eine Werkstatt arbeitet. Warum der Schraubenschlüssel trotzdem nicht ausgedient hat, welche Rolle künstliche Intelligenz künftig spielt und weshalb ein Auto möglicherweise länger hält als seine Software, diskutieren wir in der aktuellen Folge von Werkstatt Insider.