Wer ist nun besser: Kehlmann oder Kafka? Und was macht ein wirklich gutes Buch mit seinen Lesern und Leserinnen? Zweimal im Monat streiten und schwärmen wir über Bücher. Wir suchen aus der Fülle der Neuerscheinungen die interessantesten Bücher aus – mit Vorliebe solche, die uns selbst auf neue Gedanken gebracht haben. Es geht um neu erschienene Romane und Sachbücher und literarische Klassiker, die überraschende Schlaglichter auf die Gegenwart werfen.
Im Wechsel sprechen aus der ZEIT-Redaktion Adam Soboczynski und Iris Radisch über Belletristik sowie Maja Beckers und Alexander Cammann über Sachbücher.
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Sex mit Künstlicher Intelligenz
Episode 24
Saturday, August 24, 2024 • Duration 41:05
Wir sprechen über Alexander Schimmelbuschs neuen Roman „Karma“, der
einen Blick in die Zukunft wagt. Wie sieht Deutschland im Jahr 2033 aus?
Was wird die Künstliche Intelligenz mit uns machen? Und vor allem: Wie
steht es in wenigen Jahren um die Liebe und den Sex?
Auch Martina Hefters neuer Roman „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“
handelt von der Liebe im digitalen Zeitalter. Die Heldin des Romans
treibt in ihrer Leipziger Wohnung nachts ein aufregendes Spiel mit
Love-Scammern. Also mit Männern, die einsamen Frauen auf Instagram Liebe
versprechen, um ihnen am Ende ihr Geld abzuknöpfen. Doch hier hält die
Erzählerin souverän alle Fäden in der Hand, während ihr schwer kranker
Partner im Nebenzimmer an seinem Roman arbeitet.
Unser Klassiker ist Robert Musils erster Roman „Die Verwirrungen des
Zöglings Törless“ aus dem Jahr 1906. Er bietet nicht nur erstklassigen
Lesegenuss, sondern auch reichlich Stoff, um über den spektakulären
Untergang der Welt des 19. Jahrhunderts, sowie über die Entdeckung
sexueller und seelischer Abgründe zu diskutieren.
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Vier Bücher, um die US-Wahlen zu verstehen
Episode 23
Saturday, August 10, 2024 • Duration 56:29
Selten war ein Wahlkampf derart turbulent – vom Attentat auf Donald
Trump bis zu Joe Bidens Verzicht und der Einwechslung von Kamala Harris
als Kandidatin der Demokraten. Wohin treibt Amerika? Es gibt viele
Bücher, die versuchen, ein Land im Aufruhr zu erklären. Für ein "Was
liest du gerade?"-Spezial sprechen Maja Beckers und Alexander Cammann
über vier Sachbücher, die sich wirklich lohnen.
Da ist das neue Buch von Daniel Ziblatt und Steven Levitsky,
Politikwissenschaftler in Harvard und Autoren des Weltbestsellers Wie
Demokratien sterben. Sie glauben, die amerikanische Demokratie stehe am
Abgrund, weil Mehrheiten sich nicht mehr durchsetzen können. In ihrem
neuen Buch Die Tyrannei der Minderheit erklären sie, warum das
amerikanische Wahlsystem geradezu darauf ausgelegt ist, dass eine
reaktionäre Minderheit sich durchsetzt und warum deshalb diese reiche
Demokratie besonders anfällig ist für den Autoritarismus.
Jemand, der davon profitiert, ist J. D. Vance, Trumps Kandidat für die
Vizepräsidentschaft. In der Rubrik Der erste Satz diskutieren unsere
Hosts über ein Zitat aus seinem gefeierten Buch Hillbilly-Elegie von
2016. Was meint Vance damit, wenn er den weißen Armen im Rust Belt eine
geradezu spirituelle Kultur des Scheiterns attestiert?
Wachsende Zeltstädte, Sucht und Obdachlosigkeit – die oft extreme Armut
in den USA ist ein zentrales Thema vieler Wahlkampfdebatten. Matthew
Desmond ist Soziologe in Princeton und Pulitzer-Preisträger. In seinem
Buch Armut. Eine amerikanische Katastrophe versucht er zu verstehen,
warum Armut in den USA ein derart gravierendes und dauerhaftes Problem
ist. Und er kommt zu einigen überraschenden Schlüssen, die mit den
üblichen Erklärungen von rechts (Migration) und links (Neoliberalismus)
nichts zu tun haben.
Und warum spielen individuelle Rechte, von Schwangerschaftsabbrüchen bis
Black Lives Matter, in den amerikanischen Diskussionen immer so eine
große Rolle? Aufschlussreich ist da ein Blick in vier Essays von Judith
Shklar, die unter dem Titel Der Liberalismus der Rechte zum Klassiker
geworden sind. Die 1992 verstorbene und seit einigen Jahren
wiederentdeckte Theoretikerin findet, dass genau dieser Fokus auf
persönliche Rechte typisch ist für den besonderen amerikanischen
Liberalismus.
Sie erreichen das Team von Was liest du gerade? unter buecher@zeit.de.
Literaturangaben:
Steven Levitsky, Daniel Ziblatt: "Die Tyrannei der Minderheit. Warum die
amerikanische Demokratie am Abgrund steht und was wir daraus lernen
können", übersetzt von Klaus-Dieter Schmidt, DVA, 352 Seiten, 26 Euro
Matthew Desmond: "Armut. Eine amerikanische Katastrophe", übersetzt von
Jürgen Neubauer, Rowohlt, 304 Seiten, 20 Euro
JD Vance: "Hillbilly-Elegie", übersetzt von Gregor Hens, Ullstein, 304
Seiten, 18 Euro
Judith Shklar: "Der Liberalismus der Rechte", übersetzt von Dirk Höfer,
Hannes Bajohr (Hg.), Matthes & Seitz, 203 Seiten, 16 Euro
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Verborgene Leidenschaft, missbrauchte Chorknaben und ein Sklave, der sich selbst befreit
Episode 14
Saturday, April 6, 2024 • Duration 38:09
Dieses Mal geht es um einen tollen neuen Trend: Klassiker der
Weltliteratur werden noch einmal neu geschrieben, aber jetzt viel
moderner und zeitgemäßer. Wir sprechen über Percival Everetts Remake
von Mark Twains Huckleberry Finn. In der neuen Fassung des Romans ist es
der Sklave James, der die alte Geschichte von Rassismus und brutaler
Unterdrückung aus seiner Sicht erzählt. Bei Everett ist der Sklave kein
dummer, pseudokindlich sprechender Schwarzer mehr wie bei Twain, sondern
ein gebildeter Schwarzer, der die Weißen schlau an der Nase herumführt,
indem er den Dummen nur spielt.
Außerdem tauchen wir in dem Debüt der Österreicherin Julia Jost, Wo der
spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht, noch einmal
ein in das schöne Kärnten in seiner alten Pracht und Scheußlichkeit,
samt unverbesserlichen Alt-Nazis, neurechten Populisten, schlagenden
Vätern und missbrauchten Messdienern.
Unser Zitat der Woche stammt aus Inga Machels Debütroman Auf den
Gleisen, einem berührenden Erinnerungsbuch über einen jungen Mann, der
seinen an Depressionen leidenden Vater verloren hat.
Unser Klassiker ist die Neuübersetzung von Julien Greens Roman Treibgut,
einem vor über neunzig Jahren zum ersten Mal erschienenen Paris-Roman,
der unnachahmlich die Abgründe unerfüllter Liebe auslotet.
Sie erreichen das Team von Was liest du gerade? unter: buecher@zeit.de.
Literaturangaben:
Percival Everetts: James, Hanser, 336 Seiten, 26 Euro
Jette Jost: Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf
fletscht, Suhrkamp, 231 Seiten, 24 Euro
Inga Machels: Auf den Gleisen, Rowohlt, 160 Seiten, 22 Euro
Julien Green: Treibgut, Hanser, 400 Seiten, 28 Euro
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Der perfekte Faschist
Episode 13
Saturday, March 23, 2024 • Duration 48:32
Eine Jüdin heiratet einen Top-Faschisten und Mussolini ist Trauzeuge?
Klingt wie ein Roman und ist doch wahr. Die amerikanische Historikerin
Victoria de Grazia erzählt in "Der perfekte Faschist" die Geschichte
eines italienisch-jüdisch-amerikanischen Glamourpaares in Mailand und
Rom der 1920er-Jahre. Wer verstehen will, wie der Faschismus die
italienische Gesellschaft bis in die bürgerlichen Kreise erobert hat,
wie Italien in den Krisen und Kriegen Anfang des 20. Jahrhunderts
tickte, der lese diesen brillanten Pageturner. Der Soziologe Jens
Beckert will erklären, warum es mit dem Stopp des Klimawandels nicht so
einfach klappt. "Verkaufte Zukunft. Warum der Kampf gegen den
Klimawandel zu scheitern droht" ist eine Bestandsaufnahme der heißen
gesellschaftlichen Debatten momentan – aber erfahren wir auch etwas
Neues darin?
In der Rubrik „Der erste Satz“ gackern wir mit einem unterschätzten
Tier, es ist ja bald Ostern: Sally Coulthard präsentiert in "Am Anfang
war das Huhn" unterhaltsam alles, was wir über diese Vögel, die Eier und
alles andere zwischen Kultur, Natur, Mythologie und Biologie heute
wissen – das Huhn ist wirklich ein rasend interessantes Tier!
Und unser Klassiker kommt diesmal aus Amerika: Der berühmte
Schriftsteller Mark Twain lebte 1891/92 für ein paar Monate in Berlin –
und was er da als Reisender Lustiges und Befremdliches erlebt hat, nicht
zuletzt auf dem wie heute heftig umkämpften Wohnungsmarkt, das hat er in
fünf sehr komischen, hochaktuellen Reisereportagen den Amerikanern
damals berichtet. Frohe Ostern, gutes Hören und Lesen!
Sie erreichen das Team von "Was liest du gerade?" Unter buecher@zeit.de
Literaturangaben:
Sally Coulthard: "Am Anfang war das Huhn", übersetzt von Andrea
Kunzmann, Harper Collins, 304 S., 24 Euro
Jens Beckert: "Verkaufte Zukunft. Warum der Kampf gegen den Klimawandel
zu scheitern droht", Suhrkamp, 238 S., 28 Euro
Victoria de Gracia: "Der perfekte Faschist", Wagenbach, 512 S., 38 Euro
Mark Twain: "Wie man in Berlin eine Wohnung mietet", Bebra Verlag, 80
S., 10 Euro
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Ein letztes Mal Weltliteratur von Gabriel García Márquez
Episode 12
Saturday, March 9, 2024 • Duration 49:49
In der neuen Folge von „Was liest du gerade“ sprechen Iris Radisch und
Adam Soboczynski über ein echtes Weltereignis: Der große Gabriel García
Márquez ist zwar bald zehn Jahre tot, aber er hat einen fertigen Roman
nachgelassen: „Wir sehen uns im August“, der jetzt zeitgleich in vielen
Sprachen erscheint. Es geht, wie immer beim legendären „Gabo“ um Sex, um
Treue, um Träume von einem anderen, wilderen Leben. Immer am 16. August
fährt Ana Magdalena Bach auf eine kleine Karibikinsel, um Gladiolen auf
das Grab ihrer Mutter zu legen. Danach vergnügt sie sich im Hotel Jahr
um Jahr und Kapitel für Kapitel reichlich deftig mit allen möglichen
Herren. Ansonsten ist sie eine brave Ehefrau. „Garbo“ wollte den Roman
nicht mehr veröffentlichen, hielt ihn für schlecht. Seine Söhne sahen
das anders. Die Meinungen gehen auseinander: Ist das letzte Buch des
Weltstars nun eine peinlich machohafte Altherrenfantasie? Oder ein
herrlich melancholisches Porträt der sexuellen Sehnsüchte älterer
Frauen?
Außerdem geht es um den vermutlich interessantesten Roman dieser Saison:
Timon Karl Kaleytas „Heilung“, ein mit allen Wassern der Ironie, der
Gegenwartskritik und der literarischen Parodie gewaschener Roman eines
jungen Autors, der das Zeug hat zum deutschsprachigen Michel Houellebecq
zu werden.
Der Klassiker ist diesmal Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“, ein
erstaunlich schwüler Versuch das Freudsche Unbewusste zum ersten Mal für
die Literatur zu entdecken.
Sie erreichen das Team von "Was liest du gerade?" unter: buecher@zeit.de
Literaturangaben:
Gabriel García Márquez: Wir sehen uns im August, übers. von Dagmar
Ploetz, Kiepenheuer & Witsch, 144 Seiten, 23 Euro
Timon Karl Kaleyta: Heilung, Piper, 208 Seiten, 22 Euro
Iris Wolff: Lichtungen, Klett-Cotta, 256 Seiten, 24 Euro
Arthur Schnitzler: Traumnovelle, Reclam, 125 Seiten, 3,60 Euro
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Früher ging's auch ohne Patriarchat
Episode 11
Saturday, February 24, 2024 • Duration 44:48
Von wegen Speer und Mammutjagd: Die schwedische
Wissenschaftsjournalistin Karin Bojs hat ein Buch über Frauen in der
Frühgeschichte geschrieben. Und es ging damals weiblicher zu, als wir
heute denken. Mit Netzen gingen Frauen auf die Jagd, und vielleicht
betete man sogar zu einer Göttin. Frauen waren auch damals oft die
stärkere Hälfte, ebenso wie ihre vergessenen Erforscherinnen – wie das
unterhaltsame Buch "Mütter Europas" zeigt. Ein dramatisches Kapitel der
deutschen Geschichte präsentiert in seinem spannenden Buch "Marseille
1940" der Journalist Uwe Wittstock: Nachdem die deutsche Wehrmacht im
Zweiten Weltkrieg Frankreich besiegt hatte, mussten zahlreiche
Emigranten in Frankreich plötzlich fliehen, darunter etwa Heinrich Mann,
Hannah Arendt, Lion Feuchtwanger. Sie versuchten, unter
lebensbedrohlichen Umständen nach Amerika zu kommen. Der Autor erzählt
von ergreifenden Schicksalen und von der Geheimmission des
amerikanischen Journalisten Varian Fry, der für die Flüchtlinge in
Marseille Pässe und Auswege organisierte.
In der Rubrik "Der erste Satz" geht es diesmal um ein verrücktes,
schreckliches Phänomen: die frei zugänglichen Schusswaffen in Amerika –
und ihre alltäglichen Opfer. Der Schriftsteller Paul Auster hat über
diesen Wahnsinn einen ergreifenden, die Hintergründe erklärenden Essay
geschrieben, ergänzt um Fotos zahlreicher Tatorte.
Der aktuelle Klassiker hat hingegen Verständnis für eines der ältesten
Laster der Welt: Das Buch "Betrunkenes Betragen" hat schon 1968 gezeigt,
dass es beim Alkohol in vielen Kulturen nur auf das Vorbild ankommt –
wenn alles richtig läuft, dann klappt der wilde Rausch auch ohne
schlimme Enthemmung.
Sie erreichen das Team von "Was liest du gerade?" unter buecher@zeit.de.
Literaturangaben:
Paul Auster: Bloodbath Nation, Rowohlt, 192 S., 26 Euro
Karin Bojs: Mütter Europas, C.H. Beck, 252 S., 26 Euro
Uwe Wittstock: Marseille 1940. Die große Flucht der Literatur, 351 S.,
26 Euro
Craig MacAndrew / Robert B. Edgerton: Betrunkenes Betragen, Galiani, 304
S., 24 Euro
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Murakamis Märchen für Erwachsene
Episode 10
Saturday, February 10, 2024 • Duration 48:30
In der neuen Folge des Buchpodcasts "Was liest du gerade?" sprechen Iris
Radisch und Adam Soboczynski über den neuen Roman des japanischen Autors
Haruki Murakami "Die Stadt und ihre ungewisse Mauer". Wie immer bei
Murakami geht es um eine geheimnisvolle Parallelwelt zu unserer
nüchternen Welt, in der wir brav zur Arbeit gehen, Essen kochen und früh
ins Bett steigen, um am nächsten Morgen wieder exakt das Gleiche zu
machen. Die einsamen Nerds von Murakami kommen, wie von Zauberhand, in
eine geheime Stadt, in der man keinen Schatten mehr hat und auch sonst
alles völlig störungsfrei und geordnet zugeht, fast wie im wirklichen
Leben. Sind Murakamis Märchenwelten für Erwachsene wirklich überzeugend?
Was ist die Magie seines Erzählens?
Das Zitat des Monats kommt diesmal von der südkoreanischen Autorin Han
Kang. In der "Griechischstunde" geht es um eine Frau, die alles im Leben
verloren hat, ihr Kind, ihren Mann und sogar ihre Sprache. Doch findet
sie neuen Lebenssinn in der Liebe zum alten Griechisch und ihrem
Griechischlehrer.
Außerdem geht es um den politischen Essay von Sofi Oksanen "Putins Krieg
gegen die Frauen", in dem die finnisch-estnische Autorin an den Westen
appelliert, die von der russischen Armee ausgeübte sexuelle Gewalt
ernster zu nehmen. Massenvergewaltigungen seien eine systematisch
eingesetzte Kriegswaffe, der weibliche Körper seit jeher ein
Schlachtfeld russischer Kriegsführung.
Der Klassiker ist die Erzählung "In der Strafkolonie" von Franz Kafka –
eine visionäre Parabel auf unser zerstörerisches Maschinenzeitalter oder
eine abgründige Parodie judaischer Mystik? In jedem Fall ein
faszinierendes Meisterwerk.
Literaturangaben:
Haruki Murakami: "Die Stadt und ihre ungewisse Mauer", Dumont, 640
Seiten, 34 Euro
Sofi Oksanen: "Putins Krieg gegen die Frauen", Kiepenheuer & Witsch, 336
Seiten, 24 Euro
Han Kang: "Griechischstunde", Aufbau, 204 Seiten, 23 Euro
Franz Kafka: "In der Strafkolonie", Wagenbach, 128 Seiten, 8,90 Euro
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Alle Macht den Boomern!
Episode 9
Saturday, January 27, 2024 • Duration 01:01:52
Noch stellen sie den Kanzler, aber was haben die Babyboomer heute
wirklich noch zu sagen? Maja Beckers und Alexander Cammann diskutieren
über das neue Buch des Soziologen Heinz Bude, „Abschied von den
Boomern“, und darüber, warum Generationendebatten vor allem in
Deutschland so ein Dauerbrenner sind. Außerdem geht es um Andrea
Elliotts Pulitzer Preis-gekrönte 700-Seiten-Reportage „Kind im Schatten“
über ein amerikanisches Leben in Armut und Diskriminierung. Dafür
begleitete die New York Times-Reporterin ein Mädchen in Brooklyn über 8
Jahre, zwischen Drogen, Gewalt und Obdachlosenunterkunft.
Die Rubrik "Der erste Satz" gilt diesmal einem kleinen, aber effektiven
Freund: dem Ausrufezeichen! Die Literaturwissenschaftlerin Florence
Hazrat hat sich das wahrscheinlich emotionalste Satzzeichen und seine
verblüffende Geschichte genauer angesehen. Aus ihrem Buch "Das
Ausrufezeichen" kommt diesmal das Zitat.
Der aktuelle Klassiker ist diesmal eine Essaysammlung von Jean Améry:
"Der neue Antisemitismus". Amérys rund 50 Jahre alte Texte über die
blinden Flecken der Linken, wenn es um Israel und den Nahostkonflikt
geht, sind leider erschreckend aktuell.
Literaturangaben:
Florence Hazrat: Das Ausrufezeichen. Eine rebellische Geschichte,
HarperCollins, 224 Seiten, 20 Euro
Heinz Bude: Abschied von den Boomern, Hanser, 144 Seiten, 22 Euro
Andrea Elliott: Kind im Schatten. Armut, Überleben und Hoffnung in New
York City, Ullstein, 27,99 Euro
Jean Améry: Der neue Antisemitismus, 128 Seiten, 18 Euro
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Kabarettistinnen-Schlendrian trifft auf US-Eliteuni
Episode 8
Saturday, January 13, 2024 • Duration 48:48
In der neuen Folge des Podcasts "Was liest du gerade?" diskutieren Iris
Radisch und Adam Soboczynski über den wilden Erstling der israelischen
Bestsellerautorin Zeruya Shalev "Nicht ich", der jetzt mit 30-jähriger
Verspätung auf Deutsch erscheint. Das Buch ist eine Achterbahnfahrt im
Inneren einer jungen Frau, die ihre Familie verlässt. Am Ende weiß man
nicht mehr, was wahr und was falsch, wo oben und wo unten ist. Ihr Kind
wird angeblich von Soldaten in unterirdische Gänge verschleppt, die
junge Frau selbst ist zwischen Ex-Mann, Liebhaber, Vater und
Ex-Liebhaber ständig hin- und hergerissen. Liebes- und Familienneurosen
vermischen sich mit dem bedrohlichen politischen Alltag. Oder war alles
ganz anders? Fest steht nur: Der Roman enthält bereits alle Motive und
Themen der großartigen Autorin in einer noch rohen, radikalen Urfassung.
Ähnlich radikal, aber bedeutend heiterer ist der autobiografische
Reisebericht "Iowa" von Stefanie Sargnagel, die ein paar Monate an einer
amerikanischen Provinzuniversität unterrichtet hat und davon mit viel
Humor und Selbstironie zu erzählen weiß. Hier trifft der
Kabarettistinnen-Schlendrian alteuropäischer Prägung auf den smarten
Campusgeist einer US-Eliteuni – mit einem sehr lesenswerten Ergebnis.
Unser Klassiker sind die "Duineser Elegien" von Rainer Maria Rilke, die
es jetzt zum ersten Mal in einer Fassung mit allen Vorstufen zu lesen
gibt. Hier geht es gleich um alles, das Leben, den Tod, die Einsamkeit
des Menschen im Kosmos. Allein der Anfang des Zyklus geht Lyrikfans
unter die Haut: "Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel
Ordnungen?"
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Literaturangaben:
Zeruya Shalev: Nicht ich, Piper, 208 Seiten, 24 Euro
Stefanie Sargnagel: Iowa, Rowohlt, 304 Seiten, 22 Euro
Rainer Maria Rilke: Duineser Elegien und zugehörige Gedichte 1912 bis
1922. Hrsg. v. Christoph König; Wallstein, 494 Seiten, 39 Euro
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Warum ist Brianna Wiest so erfolgreich?
Episode 7
Saturday, December 30, 2023 • Duration 52:19
Es war eines der meistdiskutierten Themen 2023, ob in den Fällen Till
Lindemann oder Julian Reichelt: Welche Rolle spielt Macht beim Sex? Wo
liegen die Grenzen zum Übergriff? Die französische Philosophin Manon
Garcia analysiert in ihrem Buch "Das Gespräch der Geschlechter", was
einvernehmlicher Sex eigentlich ist. Warum sie glaubt, dass weder "Nein
heißt Nein" noch "Ja heißt Ja" der Sache gerecht werden, darüber
sprechen wir in unserer Rubrik "Der erste Satz".
Außerdem haben wir uns den Megaerfolg "101 Essays, die Dein Leben
verändern werden" vorgenommen. Seit über 20 Monaten steht Brianna Wiests
Lebenshilfe-Buch kontinuierlich in den Bestsellerlisten und pünktlich zu
Jahresende wieder ganz weit oben. Ist das der Ratgeber aller Ratgeber?
Was steckt hinter diesem überraschenden Erfolg?
Unser Sachbuch des Jahres und ebenfalls eine Überraschung ist Ewald
Fries preisgekrönte Familienforschung "Ein Hof und elf Geschwister" über
den dramatischen Wandel des Landlebens in Westdeutschland seit den
1950er-Jahren – eine bislang vergessene Geschichte, die viele betrifft.
Und eine, die auch Städter dieses Jahr unbedingt lesen wollten. Wir
sprechen darüber, warum dieses Buch so wichtig ist.
Und schließlich drehte sich im zurückliegenden Jahr sehr viel um
Künstliche Intelligenz: Joseph Weizenbaum war ein früher Warner vor
ihren Irrtümern und Gefahren – höchste Zeit, seinen Klassiker "Die Macht
der Computer und die Ohnmacht der Vernunft" von 1977 wieder zu lesen.
Literaturangaben:
Manon Garcia: Das Gespräch der Geschlechter. Eine Philosophie der
Zustimmung, Suhrkamp, 332 Seiten, 30 Euro
Brianna Wiest: 101 Essays, die Dein Leben verändern werden, Piper, 432
Seiten, 22 Euro
Ewald Frie: Ein Hof und elf Geschwister. Der stille Abschied vom
bäuerlichen Leben in Deutschland, C. H. Beck, 191 Seiten, 23 Euro
Joseph Weizenbaum: Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft,
Suhrkamp, 369 Seiten, 2023 (1978)
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