Zwei Menschen sitzen sich gegenüber. Beide sind in einer politischen Frage völlig anderer Meinung: beim Impfen, in der Frage, wie der Westen mit Russland umgehen sollte, oder ob Gendern mehr Gerechtigkeit bringt. Beide haben Mühe zu begreifen, warum das Gegenüber solche Positionen vertritt. Dennoch versuchen sie in einem Gespräch zu verstehen, wie die andere Person zu ihren Ansichten kam. Das ist die Idee von “Warum denken Sie das?”
Jana Simon und Philip Faigle treffen in jeder Folge zwei Menschen, die in einer Frage vollkommen unterschiedlich denken. Sie besuchen die Gäste des Podcasts zu Hause, um zu erfahren, wie ihre Biographien ihr Denken geprägt haben und wie sie zu ihren Ansichten gelangt sind. Anschließend begegnen sich die beiden Antagonisten im Studio zum ersten Mal und versuchen zu ergründen, ob es nicht doch etwas gibt, was sie verbindet.
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Donald Trump ist wieder Präsident der USA. Die AfD wird voraussichtlich
bald die zweitgrößte Fraktion im Deutschen Bundestag stellen. Und
erstmals seit 2004 gibt es laut dem Transformationsindex der
Bertelsmann-Stiftung weltweit wieder mehr autokratisch regierte Länder
als Demokratien. In der 20. Folge von "Warum denken Sie das?"
diskutieren die Gäste deshalb: Wie gefährdet ist die Demokratie gerade
wirklich? Hat sie als politisches System noch eine Zukunft?
Im Studio sitzen sich zwei Menschen gegenüber, die in dieser Frage sehr
unterschiedlich denken. Harald Martenstein, 71 Jahre alt, ist in Mainz
geboren, meinungsstarker ZEIT-Kolumnist und Autor mehrerer Bücher. Er
hält die Demokratie für stabil und sagt, der neue US-Präsident und die
AfD machten ihm keine Angst.
Ihm gegenüber sitzt Nina Gbur. Sie ist die Geschäftsführerin des
Netzwerks für Demokratie und Courage in Sachsen. Sie ist 45 Jahre alt,
in der Nähe von Stuttgart geboren und arbeitet seit 21 Jahren in der
politischen Bildung. Gbur lebt seit 15 Jahren in Dresden. Ihr Netzwerk
berät in Sachsen unter anderem Schulen bei Fällen von Rechtsextremismus
und Rassismus. Sie erlebt in ihrer Arbeit täglich Hass und Rassismus und
beobachtet seit Jahren einen Anstieg rechtsextremer Gewalt, ausgehend
auch von Jugendlichen.
Das Gespräch wurde vor dem Messerangriff auf eine Kindergruppe in
Aschaffenburg aufgenommen und vor der Abstimmung im Bundestag, bei der
der Unionsantrag auf einen Fünf-Punkte-Plan zur Migrationspolitik
mithilfe von Stimmen aus der AfD-Fraktion beschlossen wurde.
Sie erreichen unser Team unter wdsd@zeit.de.
Quellen:
Bertelsmann-Transformationsindex
Friedrich-Bergius-Schule
Verbreitung von Antisemitismus
AfD-Politiker und der Vorwurf der Wahlmanipulation
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"Ich gönne Ihnen ja Ihre sozialistischen Träume"
Episode 18
Friday, August 30, 2024 • Duration 02:13:31
In der 19. Folge von "Warum denken Sie das?" geht es um eine Frage, die
vor den Wahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg kontrovers
diskutiert wird: Wirken die Fehler der Wiedervereinigung 35 Jahre später
noch in Deutschland nach? Und lässt sich damit auch der Erfolg der
rechtsextremen AfD in Ostdeutschland erklären?
Im Studio sitzen sich diesmal zwei Prominente gegenüber, die in diesen
Fragen sehr unterschiedlich denken, und die viele Jahrzehnte ihres
Lebens auf der jeweils anderen Seite des geteilten Deutschlands
verbracht haben. Da ist Eberhard Diepgen, 82 Jahre alt, CDU-Politiker
und Berlins Regierender Bürgermeister in den Jahren 1984 bis 1989 und
1991 bis 2001. Er hat den Einheitsprozess als Politiker mitgestaltet.
Ihm gegenüber sitzt die Essayistin und Schriftstellerin Daniela Dahn.
Sie ist 74 Jahre alt, in Ostberlin geboren. Sie studierte in der DDR
Journalismus, arbeitete beim DDR-Fernsehen, kündigte dort aber 1981 und
war dann kurz vor dem Mauerfall Mitbegründerin des Demokratischen
Aufbruchs. Sie ist seit Jahren eine scharfe Kritikerin des
Einigungsprozesses und veröffentlicht hierzu im Oktober ein neues Buch
mit dem Titel "Der Schlaf der Vernunft".
Beide führen ein kontroverses Gespräch, das zum Teil an die Anfänge der
Bundesrepublik und der DDR zurückführt. Und doch finden beide im Verlauf
des Gesprächs auch überraschende Gemeinsamkeiten.
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"Das Selbstbestimmungsrecht der Frau muss über dem Fötus stehen"
Episode 9
Thursday, September 22, 2022 • Duration 01:33:50
In der zehnten Folge von “Warum denken Sie das?” geht es um ein
Streitthema, das die Bundesrepublik seit Jahrzehnten beschäftigt:
Schwangerschaftsabbrüche. Sollte der Paragraf 218 aus dem
Strafgesetzbuch gestrichen und damit Abbrüche in Deutschland völlig
legalisiert werden?
Wie immer treffen zwei Menschen aufeinander, die in dieser Frage
diametral unterschiedlich denken. Sonja Adler, 61 Jahre alt, ist
Hausfrau und Mutter und sagt, dies seien schon immer ihre Traumberufe
gewesen. Sie ist katholisch und streng gläubig aufgewachsen. Adler sagt,
für sie persönlich sei eine Abtreibung "Mord".
Ihr gegenüber sitzt Nadine Pungs, 41 Jahre alt. Sie ist Schriftstellerin
und hat vor Kurzem ein Buch über ihre Entscheidung geschrieben, ohne
Kinder leben zu wollen. Sie hat selbst eine Schwangerschaft abgebrochen
und redet darüber auch öffentlich. Pungs fordert die Abschaffung des
Paragrafen 218 – sie kämpft für die Legalisierung von
Schwangerschaftsabbrüchen.
Im Gespräch der beiden Frauen geht es nicht nur um das Recht auf
Schwangerschaftsabbruch. Beide unterhalten sich auch über ihr
unterschiedliches Frauenbild und ihre sehr gegensätzlichen
Lebensentwürfe.
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"Putin will die Sowjetunion wiederherstellen"
Episode 8
Friday, July 29, 2022 • Duration 59:05
Für die neunte Episode von "Warum denken Sie das?" treffen sich zwei
Männer wieder, die schon einmal zu Gast waren und die sehr
unterschiedlich auf das Verhältnis des Westens zu Russland blicken.
Auf der einen Seite steht Dieter Dombrowski, 71 Jahre alt, ein
DDR-Dissident und CDU-Politiker, der schon vor dem russischen
Angriffskrieg vor der Skrupellosigkeit der russischen Führung gewarnt
hatte. Er trifft auf Martin Hoffmann, 62 Jahre alt, der sein Leben der
deutsch-russischen Verständigung gewidmet hat und der bis heute im
Vorstand des Deutsch-Russischen Forums sitzt. Vor dem Krieg warb
Hoffmann für mehr Verständnis für Putins Politik und für einen stärkeren
Dialog mit Russland.
Hoffmann und Dombrowski stritten im Oktober im Berliner Studio von
"Warum denken Sie das?" leidenschaftlich über die Frage, ob der Westen
mit mehr Härte oder mehr Verständnis auf Russland reagieren sollte. Rund
vier Monate später, am 24. Februar, überfiel Russland die Ukraine.
Dombrowski schrieb Hoffmann daraufhin eine E-Mail und bat um ein
weiteres Gespräch. Daraufhin luden wir beide erneut ein, um angesichts
der Zeitenwende in der Außenpolitik die Frage nach dem Verhältnis zu
Russland neu zu diskutieren.
Aufgezeichnet wurde diese Folge nicht im Studio, sondern live auf dem
Podcastfestival von ZEIT ONLINE im Berliner Radialsystem.
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"Machen Sie doch Ihre Friedensdemos vor dem Kreml!"
Episode 7
Sunday, June 12, 2022 • Duration 01:46:30
In der achten Folge unseres Podcasts "Warum denken Sie das?" geht es um
Krieg und Frieden und um Fragen, die in Deutschland gerade emotional
diskutiert werden, wie: Soll die Bundesregierung schwere Waffen an die
Ukraine liefern? Können Waffen Frieden schaffen? Oder tragen
Waffenlieferungen im Gegenteil zu einer weiteren Eskalation des
Konflikts bei?
Wie immer treffen im Studio in Berlin zwei Menschen aufeinander, die
sich unversöhnlich gegenüberstehen und die Mühe haben, zu verstehen, wie
die andere Seite zu ihren Überzeugungen gelangt ist.
Die Ärztin und Friedensaktivistin Angelika Claussen engagiert sich
bereits seit vielen Jahrzehnten in der deutschen Friedensbewegung. Sie
ist Co-Vorsitzende der Organisation Internationale Ärzt*innen für die
Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) in Deutschland. Sie ist strikt gegen
die Waffenlieferungen an die Ukraine, weil sie fürchtet, dass dies den
Konflikt weiter eskaliert. Sie hat auch den offenen Brief der
Zeitschrift "Emma" unterzeichnet, der sich gegen Waffenlieferungen an
die Ukraine wendet.
Ihr gegenüber sitzt Ilko-Sascha Kowalczuk. Er ist Historiker, Buchautor
und arbeitet beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des
Staatssicherheitsdienstes der DDR. Sein Großvater väterlicherseits
stammt aus der Ukraine. Kowalczuk befürwortet Waffenlieferungen an die
Ukraine, weil für ihn die Freiheit und das Selbstbestimmungsrecht der
Ukraine schwerer wiegen als Frieden um jeden Preis. Er hat den offenen
Brief von Intellektuellen unterschrieben, die sich für kontinuierliche
Waffenlieferungen an die Ukraine einsetzen.
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"Dass die Kernenergie sicher ist, werden Sie von mir nicht hören"
Episode 6
Thursday, April 28, 2022 • Duration 02:12:31
In der siebten Folge von Warum denken Sie das? geht es um eine
Streitfrage, die in Deutschland eigentlich entschieden war, in der
aktuellen Energiekrise aber wieder auf der Agenda ist: Ist es richtig,
aus der Atomkraft auszusteigen? Oder war der Atomausstieg im Gegenteil
ein großer Fehler?
Im Studio von Warum denken Sie das? treffen dabei zwei Menschen
aufeinander, die ihr Leben mit diesem Streitthema verbracht haben.
Auf der einen Seite ist Wolfgang Ehmke, 74 Jahre alt, gelernter Lehrer
und Atomkraftgegner aus dem Wendland, der sein Leben dem Kampf gegen die
Atomkraft gewidmet hat. Auf der anderen Seite steht Ulrich Waas,
ebenfalls 74 Jahre alt. Er ist Physiker und hat bis zu seiner
Pensionierung für Siemens und bei einem Kraftwerksbetreiber gearbeitet
und hält den Atomausstieg technisch, wissenschaftlich und auch
ökologisch für einen Fehler.
Beide Männer wurden im selben Jahr geboren, standen zeit ihres Lebens
auf zwei Seiten des Konflikts und begegnen sich nun im Studio in Berlin
zum ersten Mal. Es wird ein kontroverses Gespräch, das auch zeigt, wie
komplex und schwierig die Energiedebatte bis heute ist.
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"Russisch ist nicht gleich Russland und nicht gleich Putin"
Episode 5
Tuesday, March 15, 2022 • Duration 58:35
Die sechste Folge unseres Podcast "Warum denken Sie das?" ist eine
Sonderfolge. Es geht um den russischen Angriffskrieg in der Ukraine.
Anders als sonst treffen nicht zwei Menschen zusammen, die in einer
Frage sehr unterschiedlich denken. Stattdessen begegnen sich im Studio
zwei Gesprächspartner, die beide vor Jahren ihr Land verließen und die
nun von Deutschland aus Russlands Angriffskrieg miterleben müssen. So
unterschiedlich ihre Biografien auch sein mögen – in der Frage des
Krieges sind sich einig: Er muss sofort gestoppt werden. Mascha
Kritchevski, 49 Jahre alt, wurde in Leningrad, dem heutigen Sankt
Petersburg, geboren. Sie kam bereits 1990 nach Deutschland und studierte
in Düsseldorf Germanistik und Amerikanistik, anschließend zog sie nach
Berlin. Dort fing sie als Moderatorin bei Radio Russkij Berlin an, einem
Berliner Sender für die russischsprachige Bevölkerung. Vor wenigen Tagen
hat sich der Sender wegen des Krieges in der Ukraine umbenannt – das
"Russkij" verschwindet fortan aus dem Namen. Kritchevski ist entsetzt
und beschämt über den Angriffskrieg Putins. Zugleich berichtet sie von
einer zunehmenden Russen-Feindlichkeit in Berlin.
Oleksii Isakov wurde 1986 in Odessa in der Ukraine geboren. Vor zehn
Jahren kam er zum Studium der interkulturellen Kommunikation nach
Deutschland und blieb. Heute schreibt er an der Viadrina-Universität in
Frankfurt (Oder) an seiner Doktorarbeit und koordinierte bis zum Krieg
den Austausch mit Studierenden aus der Ukraine, Georgien, Kosovo und aus
Russland. Seine Eltern leben noch immer in Odessa. Isakov fürchtet
angesichts des Vormarschs der russischen Armee um das Leben seiner
Familie.
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Fleischkonsum: "Es ist ein System der Gewalt"
Episode 4
Thursday, February 24, 2022 • Duration 01:51:09
Ist die Fleischproduktion in Deutschland insgesamt ein Missstand und
sollte deshalb abgeschafft, verändert oder zumindest drastisch
verringert werden? Darf der Mensch überhaupt Tiere halten und töten, um
sie zu essen?
In der fünften Folge unseres Podcasts "Warum denken Sie das?" treffen
zwei Menschen aufeinander, die in diesen Fragen sehr unterschiedliche
Positionen vertreten. Der Schweinehalter Thorsten Riggert betreibt in
einem kleinen Ort in Niedersachsen seit mehr als 20 Jahren eine
konventionelle Schweinemast, so wie zuvor schon seine Eltern und
Großeltern. Er findet, dass Menschen selbstverständlich Tiere töten
dürfen, um sie zu essen, und verteidigt auch die heutige Form der
Tierhaltung. Zugleich ist er offen für Reformen und setzt Hoffnungen in
den neuen Landwirtschaftsminister Cem Özdemir.
Ganz anders blickt die Tierschutzaktivistin, Philosophin und Buchautorin
Friederike Schmitz auf das System der Fleischindustrie. Seit Jahren
kämpft sie dagegen und fordert nicht nur eine radikale Reform der
Tierhaltung, sondern einen weitgehenden Ausstieg aus der
Fleischproduktion. Sie ist außerdem der Ansicht, dass es unmoralisch
ist, Tiere zu töten, um sie zu essen. Und Schmitz beteiligte sich auch
an Protestaktionen von Tierschutzaktivisten gegen Betreiber von Ställen.
Schmitz und Riggert begegnen sich im Podcaststudio in Berlin zum ersten
Mal. Es ist ein sehr kontroverses Gespräch, in dem beide Seiten nur
wenige Gemeinsamkeiten entdecken können. Und doch ist der Dialog vom
Versuch geprägt, die andere Seite besser zu verstehen.
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Öffentlich-Rechtliche: "Die Leute haben von der Bevormundung die Nase voll"
Episode 3
Thursday, January 27, 2022 • Duration 01:45:15
Die vierte Folge unseres Podcasts "Warum denken Sie das?" behandelt ein
großes Streitthema der vergangenen Wochen: Ist der öffentlich-rechtliche
Rundfunk zu teuer und bildet er noch ein breites Meinungsspektrum ab?
Wie immer treffen in der Folge zwei Menschen aufeinander, die in dieser
Frage ganz unterschiedlich denken – und die sich vermutlich ohne unsere
Einladung niemals begegnet wären.
Die Journalistin Sonia Mikich verbrachte viele Jahrzehnte ihres
journalistischen Lebens beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sie war
Reporterin, später ARD-Studioleiterin in Moskau und Paris, Moderatorin
des Politikmagazins "Monitor", schließlich WDR-Chefredakteurin fürs
Fernsehen. Mikich sieht durchaus einiges am öffentlich-rechtlichen
Rundfunk kritisch. Das Programm hält sie aber für glaubwürdig und
unverzichtbar und sie weist darauf hin, dass Einsparungen oft auch
zulasten von konkreten Inhalten gehen.
Der CDU-Politiker und parlamentarische Geschäftsführer seiner Partei in
Sachsen-Anhalt, Markus Kurze, zählt seit einigen Jahren zu den
Wortführern in der Politik, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk
verkleinern wollen. Er hält das System für zu teuer und kritisiert, das
Programm bilde nicht alle Lebenswirklichkeiten ab. Zuletzt wurde er in
einem Interview mit den Worten zitiert, seine Fraktion unterstütze den
Plan, die ARD abzuschaffen. Kurze hat das später in Teilen dementiert.
Auch im Podcast äußert er sich zum Vorschlag.
Beide Gesprächspartner dieser Folge kommen aus sehr unterschiedlichen
Lebenswelten: Während Kurze in der DDR aufwuchs, wo er sich zum Lehrer
ausbilden ließ und dann in die Politik ging, wurde Mikich in Oxford
geboren und machte später beim Westdeutschen Rundfunk Karriere als
Journalistin. Ihr Gespräch ist sehr kontrovers – dennoch versuchen Sie,
Gemeinsamkeiten zu finden.
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"Gendern ist reaktionär"
Episode 2
Thursday, November 25, 2021 • Duration 01:42:15
In der dritten Folge unseres Podcasts "Warum denken Sie das?" geht es um
eine der emotionalsten und am heftigsten diskutierten Fragen unserer
Zeit – das Gendern. Ist die deutsche Sprache sexistisch und
frauenfeindlich? Und sollten wir unser Sprechen und Schreiben deshalb
verändern und geschlechtergerechte Sprache verwenden?
Wie immer treffen zwei Menschen aufeinander, die in dieser Frage ganz
unterschiedlich denken – und die kaum noch verstehen können, wie die
andere Seite zu ihren Überzeugungen gelangt ist.
Die feministische Linguistin Luise Pusch streitet bereits seit Ende der
Siebzigerjahre für eine geschlechtergerechte Sprache. Sie sagt, im
Deutschen würden die Frauen systematisch "zum Verschwinden gebracht".
Pusch gilt als Erfinderin der "Genderpause", der Art des Genderns, bei
der man eine kleine Pause bei der Aussprache des Genderzeichen macht.
Sie begrüßt, dass an Universitäten und in Redaktionen immer öfter
gendergerechte Sprache verwendet wird.
Der Schriftsteller Torsten Schulz sieht das anders. Schulz wuchs in der
DDR auf und ist heute Schriftsteller, Drehbuchautor und Hochschullehrer.
Das Gendern empfindet er als Eingriff in seine persönliche Freiheit, vor
allem dann, wenn es ihm aufoktroyiert wird. Er kritisiert, dass viele
Varianten des Genderns den Fokus zu stark auf das Geschlecht legten,
obwohl der Mensch durch vielfältige Merkmale geprägt sei, etwa durch
sein Alter oder seine soziale Herkunft. Schulz gehört zu den
Erstunterzeichnern eines Aufrufs des Vereins Deutsche Sprache aus dem
Jahr 2019: "Schluss mit dem Gender-Unfug!"
Während Luise Pusch als lesbische Frau in der Frauenbewegung Anerkennung
fand, bewegte Schulz als junger Mann in der DDR das Fehlen von Freiheit
und das Obrigkeitsdenken. Beide sind vor der Begegnung sehr von ihren
Ansichten überzeugt. Im Gespräch zeigt sich, wie unvereinbar manche
Ansichten in der Genderdiskussion sind. Dennoch finden beide auch Dinge,
die sie miteinander verbinden.
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