In this podcast, German podcaster Annik Rubens talks slowly about topics of everyday German life, from beergardens to recycling. More information and Premium Podcast with learning materials on Slow German at www.slowgerman.com. You can read the complete transcript of each episode on this internet-site or in the ID3-Tags.
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Heute habe ich wieder ein Thema aus der deutschen Geschichte mitgebracht, wobei das noch gar nicht so lange her ist. Ich mΓΆchte ΓΌber die Flucht aus der DDR sprechen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland wie du wahrscheinlich weiΓt in vier Besatzungszonen geteilt. Die Gewinner USA, UdSSR, Frankreich und GroΓbritannien teilten sich das Land auf. Aus diesen Zonen entstanden spΓ€ter zwei Staaten: die Bundesrepublik Deutschland im Westen und die Deutsche Demokratische Republik im Osten. Das war eine groΓe Umstellung fΓΌr die Menschen, das kΓΆnnen wir uns alle vorstellen. Viele Menschen verlieΓen in den ersten Jahren die DDR und gingen in den Westen. Zwischen 1949 und 1989 sollen das insgesamt rund 3,8 Millionen Menschen gewesen sein. Um das zu stoppen, baute die DDR im Jahr 1961 die Berliner Mauer. Sie trennte Ost- und West-Berlin und wurde im Laufe der Zeit immer stΓ€rker gesichert.
Warum wollten die Menschen fliehen? Vor allem, weil sie Freiheit wollten. Die DDR war ein diktatorisches Regime. Man wollte den realen Sozialismus aufbauen, an sich eine gute Idee und das hat auch in Teilen funktioniert. Aber eben nur in Teilen. Die Menschen durften den Staat oder die Regierung nicht offen kritisieren, es gab also keine Meinungsfreiheit. Die Staatssicherheit, kurz Stasi, bespitzelte Menschen. Das bedeutet, dass sie sie ausspionierte. Also heimlich ΓΌberwachte. Man fΓΌhlte sich also stΓ€ndig ΓΌberwacht und beobachtet. Es gab auch keine Reisefreiheit. Oft entschied der Staat auch ΓΌber die Berufswahl der Menschen, man durfte also nicht immer den Weg gehen, den man eigentlich gehen wollte.
Viele reisten dennoch legal aus, unter bestimmten UmstΓ€nden war das mΓΆglich. Der Rest war sozusagen eingesperrt. Wer raus wollte, musste fliehen.
So, wie kΓΆnnen wir uns die Teilung Deutschlands, also vor allem die Mauer, vorstellen? Ich war leider nie vor der Wiedervereinigung in Berlin. Ich war 13, als die Mauer fiel. Aber natΓΌrlich kenne ich die Teile der Mauer, die heute noch stehen und ein Denkmal sind. Die Mauer bestand allerdings nicht nur aus Beton. Es gab ZΓ€une, GrΓ€ben, WachtΓΌrme, Scheinwerfer und bewaffnete Grenzsoldaten. Auch an der ganzen innerdeutschen Grenze zwischen DDR und Bundesrepublik gab es Γ€hnliche Anlagen. Fluchtversuche waren lebensgefΓ€hrlich. Viele Menschen wurden entdeckt, verhaftet oder sogar erschossen. Trotzdem versuchten immer wieder Menschen zu fliehen, auf ganz unterschiedliche Weise. Etwa 140.000 bis 150.000 Menschen schafften es in dieser Zeit zu fliehen.
Einige Menschen versuchten ihre Flucht ΓΌber die Luft. Diese Versuche nennt man heute βMauerflΓΌgeβ. Sie waren besonders riskant, weil der Luftraum streng kontrolliert war. Die DDR ΓΌberwachte den Himmel mit Radar und hatte eine Flugabwehr. Normale BΓΌrger durften keine Flugzeuge besitzen oder frei fliegen. Trotzdem fanden einige Menschen kreative LΓΆsungen.
Ein sehr bekannter Mauerflug fand zum Beispiel im Jahr 1979 statt. Zwei Familien aus ThΓΌringen bauten in ihrer Freizeit einen groΓen HeiΓluftballon. Sie nΓ€hten dafΓΌr Stoffbahnen zusammen und konstruierten einen Brenner. In einer Nacht starteten sie dann mit acht Personen an Bord. Der Ballon stieg hoch genug, um die Grenze zu ΓΌberqueren, und landete schlieΓlich in Bayern, also in Westdeutschland. Diese Flucht wurde spΓ€ter weltweit bekannt. Sie zeigte, dass auch einfache Materialien und viel Planung zu einer erfolgreichen Flucht fΓΌhren konnten. Aber was fΓΌr einen Mut diese Menschen haben mussten! Es gibt ΓΌbrigens auch einen Spielfilm zu diesem Thema, er heiΓt βBallonβ und ist von 2018.
Neben HeiΓluftballons gab es auch andere FluggerΓ€te, die zur Flucht verwendet wurden. Manche Menschen nutzten kleine Motorflugzeuge oder Ultraleichtflugzeuge. In einzelnen FΓ€llen starteten sie von improvisierten PlΓ€tzen in der DDR und flogen sehr niedrig, um nicht vom Radar entdeckt zu werden. Das war extrem gefΓ€hrlich, denn ein technischer Fehler oder schlechtes Wetter konnte tΓΆdlich sein. AuΓerdem drohten bei Entdeckung lange Haftstrafen.
Insgesamt waren aber MauerflΓΌge natΓΌrlich sehr selten im Vergleich zu anderen Fluchtarten. Die Menschen sind eher durch Tunnel geflohen oder mit gefΓ€lschten Papieren. Aber die MauerflΓΌge bekamen viel Aufmerksamkeit, weil sie so spektakulΓ€r waren.
An dieser Stelle muss ich aber auch erwΓ€hnen, dass es viele Menschen nicht geschafft haben, zu fliehen. Es ist nicht so leicht, verlΓ€ssliche Zahlen zu finden, gesichert sind wohl 140 Menschen, die den Fluchtversuch ΓΌber die Berliner Mauer nicht ΓΌberlebt haben. Sie wurden entweder von Grenzsoldaten erschossen oder sie ertranken in der Spree. Rund 500, manche gehen auch von doppelt so vielen aus, starben an der Grenze der DDR zur BRD. Und das nur, weil sie ihre Freiheit wollten und dort leben, wo sie selber es wollten. Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor, oder?
Noch ein SchlΓΌsselwort, das du in diesem Zusammenhang kennen musst: Republikflucht. So bezeichnete man damals die Flucht aus der DDR. Wenn du die WΓΆrter in diesem Text nicht verstehst, dann schlag sie bitte nach. So vergrΓΆΓerst du deinen Wortschatz mit jeder Episode Slow German. Oder werde Premium-Mitglied, das geht auf Patreon oder auf slowgerman.com, dann bekommst Du zu jeder Episode eine Vokabelliste Deutsch-Englisch und dazu noch Lernmaterial. Bis zum nΓ€chsten Mal!
Heute stelle ich dir wieder eine wichtige Person aus der deutschen Geschichte vor. Es geht um eine bedeutende Frau: Rosa Luxemburg. Hast du ihren Namen schon einmal gehΓΆrt?
Rosa Luxemburg war eine politische Denkerin und Aktivistin. Sie lebte am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In dieser Zeit hatten viele Menschen in Europa groΓe soziale Probleme. Viele Arbeiterinnen und Arbeiter waren arm und mussten unter schlechten Bedingungen leben. Gleichzeitig wuchsen die Industrie und die StΓ€dte sehr schnell. Rosa Luxemburg beschΓ€ftigte sich ihr ganzes Leben mit Fragen von Gerechtigkeit, Demokratie und Frieden.
Rosa Luxemburg wurde 1871 im heutigen Polen geboren. Damals gehΓΆrte diese Region zum Russischen Reich. Ihre Familie war jΓΌdisch. Schon als Kind war Rosa sehr klug und wissbegierig. Sie lernte frΓΌh lesen und schreiben. Mit etwa fΓΌnf Jahren wurde sie schwer krank. Ein Jahr lang musste sie im Bett bleiben. In dieser Zeit las sie sehr viel und lernte noch mehr. Ganz gesund wurde sie danach nicht mehr. Sie hatte ihr Leben lang Probleme beim Gehen. Trotzdem gab sie nicht auf.
Schon als junge Frau interessierte sich Rosa Luxemburg stark fΓΌr Politik. Sie trat noch als SchΓΌlerin einer marxistischen Gruppe bei und las die Texte von Karl Marx. In Polen gab es damals wenig Freiheit. Menschen mit kritischen Meinungen wurden verfolgt. Deshalb musste Rosa Luxemburg das Land verlassen. Sie ging in die Schweiz, um dort zu studieren. In ZΓΌrich studierte sie mehrere FΓ€cher, zum Beispiel Philosophie, Geschichte und Wirtschaft. Zu dieser Zeit war es fΓΌr Frauen noch sehr ungewΓΆhnlich, an einer UniversitΓ€t zu studieren.
In der Schweiz lernte Rosa Luxemburg viele andere Sozialisten kennen. Sie war der Meinung, dass der Kapitalismus viele Menschen benachteiligt. Arbeiterinnen und Arbeiter sollten ihrer Ansicht nach mehr Rechte haben. Sie glaubte, dass es echte Demokratie nur geben kann, wenn es auch soziale Gerechtigkeit gibt. Wichtig war ihr, dass Menschen selbst denken und eigene Entscheidungen treffen. Sie lehnte blinden Gehorsam und Gewalt durch den Staat ab. Sie war gegen den Zarismus, gegen den Kapitalismus und gegen monarchische Herrschaftsformen in Europa.
SpΓ€ter zog Rosa Luxemburg nach Deutschland. Sie ging eine formale Ehe ein, um die deutsche StaatsbΓΌrgerschaft zu bekommen. In Deutschland arbeitete sie in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Sie schrieb viele Texte und hielt Reden vor groΓen Gruppen. Oft kritisierte sie dabei auch ihre eigene Partei. Sie meinte, dass kleine Reformen nicht ausreichen, um die Gesellschaft wirklich zu verΓ€ndern. Gleichzeitig war sie auch gegen schnelle und gewaltsame Revolutionen. Sie glaubte an die StΓ€rke der vielen Menschen, aber auch an Freiheit und offene Diskussionen. Wegen ihrer Reden gegen Krieg und Monarchie wurde sie mehrmals verhaftet und kam ins GefΓ€ngnis.
Die Justiz in Deutschland β SG 313
Episode 313
Tuesday, December 23, 2025 β’ Duration 13:01
Mit Anfang 20 habe ich bei einer Zeitung gearbeitet. Eine meiner Aufgaben war es, ΓΌber Gerichtsverfahren zu berichten. Ich bin also zum Amtsgericht gegangen, habe mich in eine Verhandlung gesetzt und zugehΓΆrt. Danach habe ich darΓΌber einen Artikel geschrieben. Ich fand diese Termine immer besonders interessant. Wieso begehen Menschen Straftaten? Was bringt sie dazu? Heute geht es also um die Justiz in Deutschland.
Die Justiz in Deutschland kΓΌmmert sich um Recht und Gerechtigkeit. Sie soll dafΓΌr sorgen, dass Konflikte friedlich gelΓΆst werden und dass sich alle an die Gesetze halten. Trotzdem besteht die Justiz nicht nur aus strengen Richtern, sondern aus vielen verschiedenen Personen mit unterschiedlichen Aufgaben.
ZunΓ€chst mal ein Blick zurΓΌck. Schon sehr frΓΌh in der Geschichte gab es in den deutschen Gebieten Regeln und Gerichte. Im Mittelalter hatten KΓΆnige, FΓΌrsten und StΓ€dte ihre eigenen Gerichte. Oft war Recht damals nicht gleich Recht. Arme Menschen hatten schlechtere Chancen als reiche. Manchmal entschieden auch Aberglaube oder Macht ΓΌber Schuld oder Unschuld. Es gab zum Beispiel Gottesurteile. Dabei musste eine Person eine schwere PrΓΌfung bestehen, etwa ΓΌber glΓΌhende Kohlen laufen. Γberlebte sie, galt sie als unschuldig. Aus heutiger Sicht wirkt das sehr grausam und unfair.
Im 19. Jahrhundert Γ€nderte sich vieles. Es entstanden moderne Gesetze, und der Staat ΓΌbernahm mehr Verantwortung. Nach der GrΓΌndung des Deutschen Reiches im Jahr 1871 wurden viele Regeln vereinheitlicht. Gerichte arbeiteten nach festen Verfahren, und Urteile sollten besser begrΓΌndet sein. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Gerichte missbraucht. Viele Richter folgten der Politik und sprachen ungerechte Urteile. Nach dem Zweiten Weltkrieg war deshalb klar: Eine neue, unabhΓ€ngige Justiz ist sehr wichtig.
Heute basiert die Justiz in Deutschland auf dem Grundgesetz. Darin steht, dass alle Menschen gleich sind vor dem Gesetz. Richter sind unabhΓ€ngig. Das bedeutet, sie dΓΌrfen keine Befehle von der Politik annehmen. Sie sollen nur nach dem Gesetz und nach ihrem Gewissen entscheiden. Das ist ein zentraler Gedanke des Rechtsstaates.
In einem Gerichtsverfahren gibt es verschiedene Rollen. Der Richter oder die Richterin leitet die Verhandlung und spricht am Ende das Urteil. Richter haben lange studiert und eine spezielle Ausbildung gemacht. Sie sollen ruhig bleiben und beide Seiten anhΓΆren. In manchen Verfahren sitzen neben dem Richter auch SchΓΆffen. SchΓΆffen sind normale BΓΌrgerinnen und BΓΌrger ohne Jura-Studium. Sie bringen die Sicht der Gesellschaft ein und entscheiden gemeinsam mit dem Richter. SchΓΆffen machen das ehrenamtlich, also ohne Geld dafΓΌr zu bekommen. Sie werden fΓΌr fΓΌnf Jahre gewΓ€hlt. Warum es sie gibt, steht im Grundgesetz. Dort heiΓt es: Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.Β Also darf das Volk β in diesem Fall vertreten durch einzelne Menschen β auch mitentscheiden.
Vorurteile / Stereotype ΓΌber Deutschland β SG 312
Episode 312
Tuesday, December 9, 2025 β’ Duration 08:52
Wir alle haben Vorurteile oder Stereotype. Das bedeutet, dass man ΓΌber andere Menschen denkt, sie seien alle gleich. Man glaubt also, etwas ΓΌber eine ganze Gruppe zu wissen, obwohl man nur wenige Personen kennt. Stell dir zum Beispiel einen Franzosen vor. Was siehst du? Du siehst einen Mann in einem gestreiften Oberteil mit einer BaskenmΓΌtze auf dem Kopf und einem Baguette unter dem Arm, oder? Wennβs geht spielt er noch Akkordeon. Das ist das typische Klischee eines Franzosen. Wobei ich sagen muss: Ich habe sehr gelacht, als ich diesen Sommer in Frankreich war. Denn dort hatten abends wirklich viele Menschen ein Baguette unter dem Arm!
Vorurteile und Stereotype gab es schon immer. FrΓΌher reisten die Menschen viel weniger. Sie kannten andere LΓ€nder vor allem aus ErzΓ€hlungen, aus BΓΌchern oder von HΓ€ndlern. Wenn jemand sagte: βDie Menschen in diesem Land sind so oder soβ, glaubten das viele. So entstanden einfache Bilder im Kopf. Und viele halten sich bis heute.
Γberleg mal, wie fΓΌr dich der typische Deutsche aussieht. Was er macht. Was er trinkt. Was er gerne isst. Na, hast du ein Bild vor Augen? Gehen wir es mal durch! Mal sehen, ob ich erraten habe, an welche Vorurteile du gerade gedacht hast.
Ein bekanntes Vorurteil ist, dass alle Deutschen pΓΌnktlich sind. Es stimmt, dass PΓΌnktlichkeit in Deutschland wichtig ist. Viele Menschen erwarten, dass ZΓΌge, Busse oder Verabredungen genau zur richtigen Zeit beginnen. Allerdings hat diese deutsche Charaktereigenschaft ein Problem: Sie passt nicht zur Deutschen Bahn. Die Deutsche Bahn ist leider bekannt dafΓΌr, dass sie ein Problem mit der PΓΌnktlichkeit hat. Im Oktober 2025 hatte jeder zweite Fernzug in Deutschland VerspΓ€tung. Grund dafΓΌr sind viele Baustellen und das marode, also kaputte, Schienennetz.
Ein weiteres Stereotyp ist, dass Deutsche sehr ernst sind und nicht viel lachen. Viele Besucher sagen, Deutsche seien hΓΆflich, aber distanziert. Auch dieses Bild stimmt nur teilweise. Es gibt Menschen, die ernst sind, aber auch viele, die gerne Witze machen oder frΓΆhlich sind. Oft braucht man in Deutschland einfach etwas Zeit, bis man jemanden gut kennt. Danach ΓΆffnen sich viele Menschen und sind herzlich. Das heiΓt aber nicht, dass Deutsche unfreundlich sind. Es ist nur eine andere Art, mit neuen Personen umzugehen. Gibt es also deutschen Humor? Ich sage: Ja. Ich kann ΓΌber Kabarettisten wie Jochen Malmsheimer oder Loriot wirklich TrΓ€nen lachen.
Ode an die Freude β SG 311
Episode 311
Tuesday, November 25, 2025 β’ Duration 11:07
Freude, schΓΆner GΓΆtterfunken. Sagen dir diese WΓΆrter etwas? Vielleicht nicht. Aber die Melodie, die damit verbunden wird, kennst du mit Sicherheit. Es ist das Lied, das wir heute als Europahymne kennen. Heute erzΓ€hle ich dir mehr ΓΌber dieses wichtige StΓΌck klassischer Musik.
Der Text stammt von Friedrich Schiller. Er schrieb das Gedicht βAn die Freudeβ im Jahr 1785. SpΓ€ter ΓΌberarbeitete er es noch einmal. Schiller war damals schon ein berΓΌhmter Dichter. Er liebte groΓe Themen wie Freiheit, Freundschaft und Menschlichkeit. In der Ode βAn die Freudeβ wollte er zeigen, dass alle Menschen BrΓΌder und Schwestern sind und zusammenhalten sollten.
Viele Jahre spΓ€ter entdeckte ein anderer sehr berΓΌhmter Mann dieses Gedicht fΓΌr sich: der Komponist Ludwig van Beethoven. Er war fasziniert von Schillers Worten. Beethoven war selbst ein Mensch, der stark an die Kraft der Freiheit glaubte. AuΓerdem bewunderte er Schiller, weil dieser Mut zeigte und ΓΌber wichtige gesellschaftliche Fragen schrieb. Beethoven wollte schon lange ein groΓes MusikstΓΌck schaffen, das die Idee von Gemeinschaft und HumanitΓ€t ausdrΓΌckt. Als er die Ode βAn die Freudeβ las, wusste er, dass er diese Worte eines Tages vertonen wΓΌrde.
Beethoven arbeitete viele Jahre an seiner Neunten Sinfonie. Als sie im Jahr 1824 in Wien uraufgefΓΌhrt wurde, war Beethoven schon vΓΆllig taub. Er stand trotzdem am Dirigentenpult, obwohl er die Musik nicht mehr hΓΆren konnte. Am Ende des Konzerts sah er, dass die Menschen ihm begeistert applaudierten. Viele standen sogar auf. Die 9. Sinfonie war also von Anfang an ein groΓer Erfolg.
Der berΓΌhmte Chor mit dem Text der βOde an die Freudeβ erklingt im letzten Satz der Neunten Sinfonie. FΓΌr damalige Zeit war das etwas Besonderes. Eine Sinfonie mit einem Chor war ungewohnt. Heute gilt die Neunte Sinfonie als Meisterwerk. Der Chor mit der βOde an die Freudeβ ist der bekannteste Teil.
Interessant fand ich zu lesen, dass Schiller selbst sein Gedicht spΓ€ter gar nicht mehr so mochte. Er hatte das GefΓΌhl, es sei zu ΓΌbertrieben und zu pathetisch. Er hΓ€tte wahrscheinlich nie gedacht, dass seine Worte einmal von Millionen Menschen auf der ganzen Welt gesungen wΓΌrden. Auch Beethoven wusste natΓΌrlich nicht, wie populΓ€r seine Musik einmal werden wΓΌrde. Niemand konnte ahnen, dass seine Melodie Jahrhunderte spΓ€ter bei Sportereignissen, Konzerten und sogar auf KlingeltΓΆnen von Handys landen wΓΌrde. Ich ΓΌberlege oft, wie die lΓ€ngst verstorbenen KΓΌnstler es wohl empfinden wΓΌrden, wenn sie ihren heutigen Erfolg sehen kΓΆnnten. Gerade erst war ich in einem ausverkauften Rachmaninow-Konzert. Und das war ja ein Mann, der sehr an sich gezweifelt hat. Aber zurΓΌck zu Schiller und Beethoven. Denn die Geschichte dieses StΓΌckes geht ja noch viel weiter.
Die Olympischen Spiele und Deutschland β SG 310
Episode 310
Tuesday, November 11, 2025 β’ Duration 10:04
Wie Du weiΓt, lebe ich in MΓΌnchen. Und vor einer Woche durften die Menschen in MΓΌnchen abstimmen. Die Frage war: Soll MΓΌnchen sich fΓΌr die Olympischen Sommerspiele bewerben? Ich persΓΆnlich war dagegen, aber die Mehrheit der MΓΌnchner stimmte dafΓΌr. Also bewirbt sich die bayerische Landeshauptstadt um dieses Spektakel. Mal sehen, ob es klappt. Mich hat es jedenfalls auf die Idee gebracht, eine Slow German-Episode ΓΌber die Olympischen Spiele zu machen.
Die Olympischen Spiele sind eines der grΓΆΓten Sportereignisse der Welt. Alle vier Jahre treffen sich Sportlerinnen und Sportler aus fast allen LΓ€ndern, um gemeinsam zu zeigen, was sie kΓΆnnen. Es soll dabei nicht nur um Medaillen gehen, sondern auch um Fairness, Respekt und VΓΆlkerverstΓ€ndigung. Das war schon die Idee der alten Griechen, die vor ΓΌber 2700 Jahren die ersten Olympischen Spiele in Olympia veranstalteten. Vielleicht hast Du auch die ErΓΆffnung der Olympischen Spiele in Paris gesehen? Wie die Boote mit den Sportlerinnen und Sportlern ΓΌber die Seine fuhren? Das war ein fantastisches Spektakel, oder?
Aber hier bei Slow German geht es natΓΌrlich vor allem um Deutschland. Deutschland hat eine lange Geschichte mit den Olympischen Spielen. Schon 1896, bei den ersten Spielen der Neuzeit in Athen, nahmen deutsche Athleten teil. 1936 fanden die Spiele in Berlin statt. Diese Spiele sind heute besonders bekannt, weil sie von der nationalsozialistischen Regierung fΓΌr Propaganda genutzt wurden. Trotzdem gab es dort auch sportliche HΓΆhepunkte, wie zum Beispiel den Sieg des afroamerikanischen LΓ€ufers Jesse Owens.
Doch die wohl bekanntesten Olympischen Spiele in Deutschland sind die von 1972 in MΓΌnchen. Sie sollten ganz anders sein als die von 1936. Die Bundesrepublik Deutschland wollte der Welt ein neues, modernes, friedliches Land zeigen. Ein Land, das nach dem Krieg wieder aufgebaut war, freundlich und offen. Deshalb war das Motto dieser Spiele: βHeitere Spieleβ.
Die Spiele in MΓΌnchen begannen am 26. August 1972. Sie dauerten zwei Wochen. Das Olympiastadion war damals extra dafΓΌr ganz neu gebaut worden β mit einem durchsichtigen Zeltdach. Heute wird es renoviert, ebenso wie das Stadion, in dem seither ΓΌbrigens sehr viele Open Air-Konzerte stattgefunden haben. Auch das Maskottchen von Olympia 1972 war frΓΆhlich: ein bunter Dackel mit dem Namen βWaldiβ. Das war das erste Mal, dass es bei Olympischen Spielen ΓΌberhaupt ein offizielles Maskottchen gab. βWaldiβ war also ein echter Pionier!
Die RΓΆmer in Deutschland β SG 309
Episode 309
Tuesday, October 28, 2025 β’ Duration 07:53
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Als ich ein Kind war, haben wir mit der Schule einen Ausflug gemacht. Ein Bus kam und wir stiegen alle ein. Das Ziel war ein RΓΆmerkastell. Wir waren sehr aufgeregt. Was wΓΌrden wir dort sehen? Eine groΓe Burg? Ein Schloss? Eine Arena? Γber eine Stunde lang waren wir unterwegs. Und als wir ankamen, war die EnttΓ€uschung groΓ: Wir sahen nur ein paar Mauern. Mehr war von dieser rΓΆmischen Siedlung nicht ΓΌbrig geblieben. Warum ich Dir das erzΓ€hle? Weil ich heute mal in die Geschichte blicken will. Lass uns sehen, wie die RΓΆmer Deutschland geprΓ€gt haben. Denn vor fast zweitausend Jahren war ein groΓer Teil des heutigen Deutschlands Teil des RΓΆmischen Reiches oder stand zumindest unter seinem Einfluss.
Das RΓΆmische Reich dehnte sich im ersten Jahrhundert vor Christus immer weiter aus. Die RΓΆmer eroberten groΓe Teile Europas, Nordafrikas und des Nahen Ostens. Auch die Gebiete nΓΆrdlich der Alpen wurden interessant fΓΌr sie, denn dort gab es fruchtbare BΓΆden, Holz, Metalle und Handelswege. Die RΓΆmer nannten das Land der Germanen βGermaniaβ.
Eine wichtige Grenze war der sogenannte Limes. Das war eine Linie aus WachtΓΌrmen, GrΓ€ben und Mauern, die das RΓΆmische Reich von den Gebieten der Germanen trennte. Der Limes verlief quer durch das heutige Deutschland, von Rheinland-Pfalz ΓΌber Hessen und Baden-WΓΌrttemberg bis nach Bayern. Er war ΓΌber 500 Kilometer lang. Heute kann man an vielen Orten noch Reste davon sehen, zum Beispiel in Aalen, Saalburg oder Regensburg. Der Limes ist sogar UNESCO-Weltkulturerbe.
Ignaz Semmelweis, Retter der MΓΌtter β SG 308
Episode 308
Tuesday, October 14, 2025 β’ Duration 09:59
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Ich habe letztens ein altes Familienfoto gesehen. Es zeigt Verwandte von mir vor ungefΓ€hr hundert Jahren oder mehr. Zu sehen sind ein grimmig dreinschauender Vater und eine sehr mΓΌde aussehende Mutter und viele, viele Kinder. Damals war es ΓΌblich, dass Frauen viele Kinder bekamen. Schuld war daran nicht nur die fehlende VerhΓΌtung, sondern auch die Kindersterblichkeit. Die Menschen wussten, dass viele ihrer Kinder nicht alt werden wΓΌrden. Nur wenige schafften es bis ins Erwachsenenalter. Ich habe mir die Statistiken angesehen: Um das Jahr 1870 starb eines von vier Neugeborenen in seinem ersten Lebensjahr, also 25 Prozent. 1938 waren es noch 6 von 100 Lebendgeborenen, also nur noch 6 Prozent. Heute sterben nur noch etwa drei von 1.000 Kindern, also 0,3 Prozent. Das ist eine wahnsinnige Erfolgsgeschichte.
Und auch bei den Frauen gab es positive Nachrichten: WΓ€hrend frΓΌher sehr viele Frauen im sogenannten Kindbett starben, also bei der Geburt oder kurz danach, ist das heute nur noch sehr selten. DafΓΌr gab es viele GrΓΌnde, und ΓΌber einen Grund mΓΆchte ich Dir heute mehr erzΓ€hlen. In dieser wahren Geschichte geht es um einen Mann namens Ignaz Semmelweis.
Ignaz Semmelweis war ein Arzt, der im 19. Jahrhundert lebte. Er wurde 1818 in Budapest geboren. Damals gehΓΆrte Ungarn noch zum Kaiserreich Γsterreich. Er studierte Medizin in Wien und entschied sich als Spezialfach fΓΌr die Geburtshilfe, also fΓΌr die Betreuung von Frauen, die ein Kind bekommen. Nach seinem Studium begann er in Wien im Allgemeinen Krankenhaus zu arbeiten. Das war eines der grΓΆΓten KrankenhΓ€user Europas, und viele junge Γrzte wurden dort ausgebildet.
Arbeitslos in Deutschland β SG 307
Episode 307
Tuesday, September 30, 2025 β’ Duration 09:33
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Warst du schon einmal arbeitslos? Ich zum GlΓΌck nicht. Bei mir geht das aber auch eigentlich nicht, denn ich bin eine sogenannte Freiberuflerin und daher selbstΓ€ndig. Das bedeutet, dass ich nicht angestellt bin. Ich bin meine eigene Chefin. Und ich habe immer viele Ideen fΓΌr Projekte.
Arbeitslosigkeit ist aber ein Thema, das in Deutschland seit vielen Jahren wichtig ist. Immer wieder hΓΆrt man in den Nachrichten Zahlen dazu. Aber was bedeutet Arbeitslosigkeit eigentlich? Ganz einfach: Wenn jemand arbeiten mΓΆchte, aber keinen Job findet, dann ist diese Person arbeitslos. In Deutschland meldet man sich dann bei der sogenannten Agentur fΓΌr Arbeit. FrΓΌher hieΓ das Arbeitsamt. Dort bekommt man UnterstΓΌtzung bei der Suche nach einer neuen Stelle. Und manchmal auch Geld vom Staat, damit man in dieser Zeit ΓΌberleben kann.
Schauen wir mal in die Geschichte. Wie war es da mit der Arbeitslosigkeit? Besonders schlimm war die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Damals war Deutschland arm und es gab sehr viele Menschen ohne Arbeit. Ab 1929 kam es dann zur Weltwirtschaftskrise. In dieser Zeit waren in Deutschland Millionen von Menschen arbeitslos. Viele Menschen standen stundenlang in Schlangen, um eine Suppe zu bekommen. Verglichen mit anderen LΓ€ndern ging es Deutschland in dieser Krise noch vergleichsweise gut. Es erreichte nach einigen Jahren als eines der ersten LΓ€nder wieder die sogenannte VollbeschΓ€ftigung. Das bedeutet, dass alle Menschen, die Arbeit suchten, auch welche fanden. Es gab also so gut wie keine Arbeitslosigkeit. So toll war das aber gar nicht, denn die Arbeitsbedingungen waren oft schlecht und die LΓΆhne sehr niedrig.
Gute deutsche Podcasts β SG 306
Episode 306
Tuesday, September 16, 2025 β’ Duration 11:04
WERBUNG
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Und jetzt zur Episode:
Seit 2007 mache ich diesen Podcast. Ist es also nicht hΓΆchste Zeit, dass wir hier auch mal ΓΌber Podcasts sprechen? Ich erzΓ€hle dir erst etwas ΓΌber die Geschichte der Podcasts und dann gebe ich dir HΓΆrtipps, ok?
Anfang der 2000er-Jahre gab es die ersten Podcasts in den USA. Bald darauf sind wir auch hier in Deutschland gestartet. Ich bin seit 2005 dabei, damals gab es knapp 70 deutsche Podcasts. Heute sind es angeblich 70.000, das sagt zumindest Spotify.
Bei dieser Zahl ist also klar, dass es wirklich zu fast jedem Thema einen Podcast gibt. Und auch die Radiosender haben Podcasts fΓΌr sich entdeckt und stellen ihre Sendungen ins Internet. Das finde ich persΓΆnlich sehr praktisch, weil ich sie dann hΓΆren kann, wenn ich Zeit und Lust habe. Und ich finde es super, dass alle neuen Episoden meiner abonnierten Podcasts automatisch bei mir landen β ich muss sie nicht suchen. So vergesse ich auch nie, sie zu hΓΆren!
Laut Studien von 2023 hΓΆren mehr als 40 Prozent der Deutschen zumindest manchmal Podcasts. Besonders junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren nutzen sie regelmΓ€Γig. Ich sage dir jetzt ein paar Podcasts, die ich gut finde oder die sehr bekannt und beliebt sind. Es sind aber Podcasts, die natΓΌrlich fΓΌr Muttersprachler gemacht sind β die meisten sind fΓΌr dich wahrscheinlich noch zu schnell. Aber probier es einfach mal aus, vielleicht verstehst du ja doch etwas!
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Der Frieden war fΓΌr Rosa Luxemburg besonders wichtig. Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, unterstΓΌtzten viele Parteien den Krieg. Rosa Luxemburg war entschieden dagegen. Sie nannte den Krieg ein groΓes Verbrechen. Wegen ihrer Haltung wurde sie wiederholt ins GefΓ€ngnis gebracht. Auch dort schrieb sie Briefe und politische Texte. In ihren Briefen sieht man, wie sehr sie die Natur liebte und wie viel MitgefΓΌhl sie fΓΌr Menschen und Tiere hatte.
WΓ€hrend des Krieges grΓΌndete sie zusammen mit Karl Liebknecht den Spartakusbund. Diese Gruppe kΓ€mpfte gegen den Krieg und gegen die alte politische Ordnung. Nach dem Ende des Krieges im Jahr 1918 verΓ€nderte sich Deutschland stark. Der Kaiser musste abdanken, und viele Menschen hofften auf mehr Demokratie und bessere soziale Rechte.
In dieser Zeit war Rosa Luxemburg an der GrΓΌndung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) beteiligt. Sie wollte eine sozialistische Gesellschaft mit Meinungsfreiheit und freien Wahlen. Sie warnte davor, Zeitungen zu verbieten oder andere Meinungen zu unterdrΓΌcken. FΓΌr sie war klar: Freiheit muss auch fΓΌr Menschen gelten, die anders denken. Ihr wohl bekanntestes Zitat ist: βFreiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden, sich zu Γ€uΓern.β
Im Januar 1919 kam es in Berlin zu schweren KΓ€mpfen, heute bekannt als Spartakusaufstand. Hier entwickelten sich revolutionΓ€re Massendemonstrationen der Linken hin zu bΓΌrgerkriegsΓ€hnlichen StraΓenkΓ€mpfen mit Regierungstruppen. Viele Menschen starben. Rechte Freikorps ermordeten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am 15. Januar 1919, weil sie als AnfΓΌhrer galten. Ihr Tod erschΓΌtterte viele Menschen in Deutschland und darΓΌber hinaus. Eine Million Menschen sollen an Rosa Luxemburgs Beerdigung teilgenommen haben.
Rosa Luxemburg hinterlieΓ zahlreiche Texte und Briefe. Bis heute werden ihre Schriften gelesen und diskutiert. Manche Menschen bewundern sie, andere lehnen ihre politischen Ideen ab. Sicher ist jedoch: Sie war eine der bekanntesten politischen Denkerinnen ihrer Zeit. Und jedes Jahr im Januar gedenken die Menschen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin bei einer groΓen LL-Demo.
Welche Personen gibt es noch im Gerichtssaal? Der Staatsanwalt vertritt den Staat. Er ermittelt bei Verdacht auf eine Straftat und bringt den Fall vor Gericht. Oft nennt man ihn auch βAnklΓ€gerβ. Er soll nicht nur belastende, sondern auch entlastende Fakten suchen. In Filmen wirkt der Staatsanwalt manchmal sehr aggressiv, aber in Wirklichkeit hat er eine sachliche Aufgabe. Er soll helfen, die Wahrheit zu finden.
Der Rechtsanwalt oder die RechtsanwΓ€ltin vertritt eine Partei. Das kann der Angeklagte sein oder auch ein Opfer. AnwΓ€lte beraten ihre Mandanten, erklΓ€ren das Gesetz und sprechen vor Gericht fΓΌr sie. Manchmal versuchen sie, einen guten Vergleich zu finden, damit es gar nicht zu einem langen Prozess kommt. In Deutschland darf jeder Beschuldigte einen Anwalt haben. Das ist ein wichtiges Recht. Wenn jemand kein Geld hat, kann er unter bestimmten Bedingungen Hilfe bekommen.
Dann gibt es natΓΌrlich noch Zeugen. Die Zeugen sind Menschen, die die Tat gesehen haben oder den Angeklagten gut kennen. Sie dΓΌrfen nicht lΓΌgen und mΓΌssen alle Fragen korrekt beantworten. Allerdings wurde wissenschaftlich gezeigt, dass man den Aussagen von Zeugen nicht immer vertrauen kann. Gerade was das Aussehen eines TΓ€ters angeht, spielt uns da das GedΓ€chtnis manchmal einen Streich.
Es gibt ΓΌbrigens verschiedene Arten von Gerichten. Strafgerichte beschΓ€ftigen sich mit Straftaten wie Diebstahl oder Betrug. Zivilgerichte entscheiden bei Streit ΓΌber VertrΓ€ge, Geld oder Nachbarschaftsprobleme. Verwaltungsgerichte befassen sich mit Konflikten zwischen BΓΌrgern und dem Staat, zum Beispiel bei Bauprojekten.
Machen wir es noch genauer. Fangen wir an beim Zivilrecht. Das sind also Streitigkeiten unter BΓΌrgern. Zum Beispiel nach einem Verkehrsunfall oder bei einem Streit unter Nachbarn. Ich war damals bei der Zeitung wie gesagt am Amtsgericht. Das Amtsgericht ist zustΓ€ndig fΓΌr Streitigkeiten mit einem Wert bis 5000 Euro. Beim Landgericht geht es um FΓ€lle ΓΌber 5000 Euro Streitwert. Zwei hΓΆhere Instanzen sorgen dann fΓΌr ΓberprΓΌfungen oder Beschwerden. Dann gibt es noch Strafverfahren. Da geht es also nicht um Streitigkeiten, sondern zum Beispiel darum, dass die Polizei einen TΓ€ter gefasst hat. Zum Beispiel einen Einbrecher.
Die Justiz arbeitet oft langsam. Viele Menschen klagen darΓΌber. Verfahren kΓΆnnen Monate oder sogar Jahre dauern. Das liegt an vielen Regeln, an sorgfΓ€ltiger PrΓΌfung und an der groΓen Zahl von FΓ€llen. Und es ist auch ein Problem, dass es sehr viel BΓΌrokratie in diesem Bereich gibt.
Auch die Sprache im Gericht ist besonders. Sie ist oft kompliziert und schwer zu verstehen. Deshalb versuchen manche Gerichte heute, einfacher zu sprechen und besser zu erklΓ€ren. Denn Gerechtigkeit funktioniert nur dann gut, wenn die Menschen auch verstehen, was passiert.
Noch ein Wort mΓΆchte ich dir in diesem Zusammenhang beibringen: BewΓ€hrung. Angenommen, ein Mann steht vor Gericht. Dann gibt es mehrere MΓΆglichkeiten, was passiert: Es kann einen Freispruch geben, wenn das Gericht ihn fΓΌr nicht schuldig hΓ€lt oder es nicht genΓΌgend Beweise gegen ihn gab. Er kann auch verurteilt werden zu einer GefΓ€ngnisstrafe. GefΓ€ngnis heiΓt korrekt Justizvollzugsanstalt. Und dann gibt es noch die BewΓ€hrung. Wenn die Freiheitsstrafe, also die Zeit im GefΓ€ngnis, unter zwei Jahren ist, kann das Gericht sie auf BewΓ€hrung aussetzen. Der Richter muss also ΓΌberlegen, wie es mit dem TΓ€ter weitergeht. War es eine Tat, die er wahrscheinlich nicht wiederholen wird? Dann kann die Strafe auf BewΓ€hrung erfolgen. Das heiΓt: Er kommt nicht ins GefΓ€ngnis. Er darf aber auch nicht wieder etwas Γ€hnliches machen, sonst muss er eben doch ins GefΓ€ngnis. Wenn der TΓ€ter auf BewΓ€hrung frei lebt, muss er sich an bestimmte Regeln halten.
Mich hat besonders fasziniert, wenn Jugendliche vor Gericht standen. Die Richter waren in diesen FΓ€llen sehr streng, aber auch verstΓ€ndnisvoll. Sie haben nicht versucht, zu bestrafen, sondern bei den Jugendlichen wirklich VerstΓ€ndnis fΓΌr ihre Tat zu wecken. Damit sie es eben nicht wieder tun.
Wahrscheinlich kΓΆnnte man noch viel mehr zu diesem Thema sagen β aber die Folge ist jetzt schon lang. Ich hoffe jedenfalls, dass ihr nie mit dem Gericht in Konflikt kommt.
Kommen wir dazu, wie Deutsche aussehen. Denkst du an Lederhose, Dirndl und Bierkrug? Viele Touristen denken noch heute, dass alle Deutschen so aussehen und jeden Tag Bier trinken. Dabei ist die Lederhose eine Tradition aus Bayern, also aus dem SΓΌden des Landes. In vielen anderen deutschen Regionen trΓ€gt niemand solche Kleidung. Trotzdem ist die Lederhose weltweit ein Symbol fΓΌr Deutschland geworden. Es ist ein gutes Beispiel dafΓΌr, wie ein kleiner Teil eines Landes plΓΆtzlich fΓΌr das ganze Land steht. Kurios ist, dass manche Menschen aus dem Ausland bei ihrem Besuch in Berlin enttΓ€uscht sind, weil dort kaum jemand eine Lederhose trΓ€gt. Sie hatten etwas anderes erwartet. Γbrigens trinken die Menschen in vielen Regionen Deutschlands auch viel lieber Wein als Bier. Das kommt einfach darauf an, wo Weinberge existieren und wo eher HopfengΓ€rten.
Auch innerhalb Deutschlands gibt es Stereotype ΓΌber bestimmte Regionen. Zum Beispiel sagt man ΓΌber Menschen aus Norddeutschland, dass sie ruhig und wenig gesprΓ€chig sind. Γber Menschen aus SΓΌddeutschland sagt man, sie seien besonders gemΓΌtlich. Solche Vorurteile kΓΆnnen unterhaltsam sein, wenn man sie nicht zu ernst nimmt. Problematisch werden sie, wenn Menschen andere nur nach solchen Bildern beurteilen.
Viele Vorurteile entstehen, wenn man etwas nicht kennt oder wenn man Angst vor Neuem hat. Deshalb ist es wichtig, andere Menschen kennenzulernen und mit ihnen zu sprechen. Immer wieder nutzten politische Gruppen negative Stereotype, um Menschen zu trennen und zu verletzen. Heute versuchen viele Organisationen, Schulen und Projekte in Deutschland, ΓΌber dieses Thema aufzuklΓ€ren. Sie erklΓ€ren, wie Stereotype entstehen und wie man sie erkennt.
Ich finde es seltsam zu sehen, wie Deutsche in Filmen oder Serien dargestellt werden. Eigentlich reden sie alle wie Adolf Hitler, oder? Sie sind selten freundlich, sondern meistens eher die BΓΆsen. Ach ja, und noch ein Stereotyp muss ich hier mal aus dem Weg schaffen: Ich esse hΓΆchstens ein Mal pro Jahr Sauerkraut.
Jetzt bin ich aber vor allem gespannt, welche Vorurteile du ΓΌber Deutschland hast. Oder gerne auch welche Vorurteile du frΓΌher hattest β aber jetzt nicht mehr! Schreib bitte in die Kommentare auf slowgerman.com!
Ein besonders wichtiger Moment in der Geschichte der βOde an die Freudeβ war nΓ€mlich das Jahr 1972. In diesem Jahr wurde die Melodie zur offiziellen Hymne des Europarats gewΓ€hlt. SpΓ€ter, 1985, wurde sie auch die Hymne der EuropΓ€ischen Gemeinschaft, aus der spΓ€ter die EuropΓ€ische Union wurde. Das Besondere daran: FΓΌr diese Hymne wird nur die Musik verwendet. Es wird nicht gesungen. Man wollte damit zeigen, dass Europa viele Sprachen und Kulturen hat. Die Melodie steht fΓΌr gemeinsame Werte, ohne eine Sprache zu bevorzugen.
Ich muss dir noch etwas erzΓ€hlen, was ich selber gar nicht wusste. Ich habe es erst erfahren, als ich fΓΌr diese Episode recherchiert habe: Die Melodie wurde in Japan zu einem Winterhit! Dort singen groΓe ChΓΆre jedes Jahr zum Jahresende Beethovens Neunte. Manche dieser ChΓΆre bestehen aus mehreren Tausend SΓ€ngerinnen und SΓ€ngern. In Japan ist die Neunte so beliebt, dass einige Menschen sie sogar βDaikuβ nennen. Das bedeutet βNummer Neunβ. Wie genau diese Tradition entstanden ist, ist nicht ganz klar. Ich habe auf der Seite der BBC gelesen, dass diese Tradition im Ersten Weltkrieg entstanden sein soll. Damals gab es ein Kriegsgefangenenlager in Japan und dort waren deutsche Soldaten interniert. Und diese Soldaten spielten oft Musik, eben auch Beethovens Neunte. Nach dem Kriegsende gaben sie ein Konzert auΓerhalb des GefΓ€ngnisses. Das StΓΌck wurde ΓΌber die Jahre beliebter in Japan und 1940 wurde es bei einer NeujahrsauffΓΌhrung gespielt. Auf der Seite slowgerman.com habe ich den Link zu einem Video fΓΌr dich von 10.000 SΓ€ngerinnen und SΓ€ngern in Japan!
Mich hat es daran erinnert, dass ich als Kind mit meinen Eltern und Verwandten im Hollywood Bowl war. Dort gab es auch ein Konzert der βOde an die Freudeβ, und meine Mutter und ich haben uns damals eher amΓΌsiert. Denn die amerikanischen SΓ€ngerinnen und SΓ€nger hatten nicht so ordentlich an ihrer Aussprache gearbeitet wie die aus Japan und es klang fΓΌr uns einfach lustig, wie sie die deutschen WΓΆrter aussprachen.
Dennoch finde ich es natΓΌrlich faszinierend, dass Menschen auf der ganzen Welt diese Melodie lieben und sogar den deutschen Text singen kΓΆnnen! Noch ein paar Worte zum Text: Sei nicht frustriert, wenn du ihn nicht verstehst. Es ist Lyrik. Und es ist alt. Es ist auch fΓΌr mich nicht alles gut zu verstehen. Die Freude ist zum Beispiel eine βTochter aus Elysiumβ, also aus dem Paradies der GΓΆtter.
Dann schreibt Schiller: βAlle Menschen werden BrΓΌderβ. Dieser Gedanke war zur Entstehungszeit ziemlich radikal. Die Gesellschaft war streng in Klassen eingeteilt. Manche Menschen hatten viele Rechte, andere sehr wenige. Schiller stellte diese Ordnung mit seinem Gedicht offen in Frage. FΓΌr einen Dichter im 18. Jahrhundert war das mutig. Dass dieser Satz heute zu den berΓΌhmtesten Zeilen deutscher Dichtung gehΓΆrt, zeigt, wie stark seine Wirkung ist. Und er ist leider nach wie vor aktuell, denn wir sind lange noch nicht an dem Punkt, an dem alle Menschen gleich sind.
Das alles wollte ich dir erzΓ€hlen, in dieser Zeit der Krisen und Kriege. Wir mΓΌssen versuchen, Hoffnung zu haben. Anderen Menschen zu vertrauen. Wir sind alle Menschen auf der gleichen Erde. Es wird Zeit, dass wir gemeinsam leben und nicht gegeneinander kΓ€mpfen. SchΓΆn pathetisch, oder? Muss auch mal sein.
MΓΌnchen wurde fΓΌr die Olympischen Spiele komplett umgebaut. Es gab ein eigenes olympisches Dorf, in dem die Sportlerinnen und Sportler wohnten. Viele dieser GebΓ€ude werden bis heute genutzt. Allerdings finde ich sie eher hΓ€sslich, das sind BetonklΓΆtze, die aber 1972 als modern empfunden wurden. Manche der GebΓ€ude wurden zu normalen WohnhΓ€usern, andere zu Studentenheimen umgebaut. Dazu gab es neue StraΓen, U-Bahn-Linien und Sportanlagen.
Mit 121 teilnehmenden Mannschaften und 7170 Athleten stellten die Spiele von MΓΌnchen einen neuen Teilnehmerrekord auf.Β Sportlich lief es fΓΌr Deutschland sehr gut. Also fΓΌr die Bundesrepublik Deutschland muss man sagen, denn das war vor der Wiedervereinigung. Besonders bekannt wurde der Schwimmer Mark Spitz aus den USA, der sieben Goldmedaillen gewann. Das war damals ein Weltrekord. Aber auch deutsche Athleten waren erfolgreich. Heide Rosendahl gewann Gold im Weitsprung und zusammen mit ihren Teamkolleginnen auch in der 4Γ100-Meter-Staffel. Der Turner Klaus KΓΆste gewann Gold am Reck.
Doch so frΓΆhlich die Spiele begonnen hatten, so tragisch wurden sie in der zweiten Woche. Am 5. September 1972 drangen acht Terroristen in das olympische Dorf ein. Sie gehΓΆrten zur palΓ€stinensischen Gruppe βSchwarzer Septemberβ. Sie nahmen elf Mitglieder der israelischen Mannschaft als Geiseln. Ihr Ziel war es, palΓ€stinensische Gefangene freizupressen. Die Situation dauerte fast den ganzen Tag. Am Ende versuchte die Polizei, die Geiseln zu befreien. Doch die Aktion scheiterte. Alle elf Israelis, ein Polizist und fΓΌnf Terroristen kamen ums Leben. Dieses Ereignis erschΓΌtterte die ganze Welt.
Trotzdem beschlossen die Veranstalter, die Spiele fortzusetzen. Sie wollten damit zeigen, dass Terror nicht siegen darf. Zwei Tage nach dem Attentat wurde eine groΓe Trauerfeier im Stadion abgehalten. Der IOC-PrΓ€sident sprach damals den berΓΌhmten Satz: βThe Games must go on.β β βDie Spiele mΓΌssen weitergehen.β
Heute erinnern noch viele Orte in MΓΌnchen an die Olympischen Spiele von 1972: Wir haben den Olympiapark, in dem man wunderbar spazieren gehen kann, das Olympiastadion mit seinem berΓΌhmten Zeltdach, den hohen Olympiaturm, der mittlerweile eines der Wahrzeichen der Stadt ist und von dem aus man eine wunderbare Aussicht ΓΌber die ganze Stadt hat, den Olympiasee und das Olympiadorf.
Deutschland hat sich seitdem sieben Mal um Olympische Spiele beworben, aber bisher hat es keine weiteren bekommen. Jetzt will es sich fΓΌr die Sommerspiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 bewerben. Vier StΓ€dte oder Regionen sind ausgewΓ€hlt worden: Berlin, Hamburg, MΓΌnchen und die Region Rhein-Ruhr.Β Ende 2026 soll die Entscheidung fallen. Ich bin gespannt. Die nΓ€chsten Olympischen Sommerspiele werden 2028 in Los Angeles stattfinden, dann 2032 in Brisbane. Bist Du ein Olympia-Fan?
Die RΓΆmer grΓΌndeten viele StΓ€dte, die heute noch existieren. Trier, das damals βAugusta Treverorumβ hieΓ, war eine der wichtigsten rΓΆmischen StΓ€dte nΓΆrdlich der Alpen. Sie war sogar eine Zeit lang Hauptstadt des WestrΓΆmischen Reiches. In Trier kann man heute noch rΓΆmische Bauwerke bewundern: die Porta Nigra, ein riesiges Stadttor, oder die Kaiserthermen, in denen sich die RΓΆmer gebadet haben. Ich war leider noch nie dort. Auch KΓΆln wurde von den RΓΆmern gegrΓΌndet β Mainz, Augsburg und Regensburg haben ebenfalls rΓΆmische Wurzeln.
Die RΓΆmer brachten viele Dinge mit, die fΓΌr die Menschen in Germanien neu waren. Zum Beispiel Wein. Vor den RΓΆmern trank man hier eher Bier oder Met. Aber die RΓΆmer pflanzten Reben an β besonders entlang des Rheins und der Mosel. Noch heute sind diese Regionen fΓΌr ihren Wein bekannt. Auch StraΓen und BrΓΌcken, wie sie die RΓΆmer bauten, gab es vorher nicht. Viele moderne StraΓen in SΓΌddeutschland verlaufen noch immer dort, wo frΓΌher rΓΆmische HeerstraΓen waren. Die RΓΆmer bauten gerade, feste Wege β perfekt fΓΌr Handel und Reisen.
Auch in der Sprache gibt es rΓΆmische Spuren. Das Lateinische, die Sprache der RΓΆmer, beeinflusste viele europΓ€ische Sprachen, auch das Deutsche. Das Wort βFensterβ kommt zum Beispiel vom lateinischen Wort fenestra, βKellerβ von cellarium oder βMauerβ von murus.
Die RΓΆmer brachten auch ihre Kultur und ihre Lebensart mit. Sie badeten regelmΓ€Γig, aΓen gemeinsam in groΓen SpeisesΓ€len und liebten Theater und Spiele. In manchen deutschen StΓ€dten kann man noch die Reste von rΓΆmischen Amphitheatern sehen, zum Beispiel in Trier oder Xanten. Dort kΓ€mpften Gladiatoren zur Unterhaltung des Publikums. Auch die rΓΆmische Mode und Architektur beeinflussten die Menschen. HΓ€user mit Steinmauern, Ziegeln und FuΓbodenheizung waren in Germanien vorher unbekannt. Viele dieser Techniken ΓΌbernahmen spΓ€ter auch die germanischen StΓ€mme.
NatΓΌrlich waren die RΓΆmer nicht ΓΌberall beliebt. Es gab immer wieder KΓ€mpfe. Nach dem Untergang des RΓΆmischen Reiches im 5. Jahrhundert blieben viele seiner Spuren bestehen. Die Nachfolger der RΓΆmer, etwa die Franken, ΓΌbernahmen vieles aus der rΓΆmischen Verwaltung und dem Rechtssystem. Auch das Christentum, das im RΓΆmischen Reich verbreitet wurde, kam auf diesem Weg nach Deutschland. Ohne Rom gΓ€be es hier wohl keine Kirchen, Kathedralen und KlΓΆster in der Form, wie wir sie heute kennen.
Ich kann mich erinnern, was mich bei meinem Ausflug zum RΓΆmerkastell in Eining besonders faszinierte: Die RΓΆmer hatten eine FuΓbodenheizung. Wie schlau war das denn? Und die Lehrerin erzΓ€hlte uns, dass die RΓΆmer gerne gemeinsam auf die Toilette gingen β unter den SitzbΓ€nken gab es flieΓendes Wasser. Jetzt weiΓt du, was mich als Kind an den RΓΆmern fasziniert hat. Und Du? Was weiΓt Du ΓΌber die RΓΆmer?
Im Krankenhaus gab es zwei Geburtsstationen. In der einen Station arbeiteten Γrzte und Medizinstudenten, in der anderen Hebammen, die dort ausgebildet wurden. Die Frauen wollten alle lieber zu den Hebammen gehen, und das hatte einen wichtigen Grund: Auf der Station der Γrzte starben viele Frauen nach der Geburt β bei den Hebammen war diese Zahl viel geringer. Niemand wusste, warum das so war. Die Γrzte dachten, es liege vielleicht an der Luft oder an der Angst der Frauen. Damals gab es viele Theorien, aber keine Beweise.
Ignaz Semmelweis wurde neugierig. Er wollte den Grund dafΓΌr herausfinden. Eines Tages starb sein Freund. Er war Pathologe gewesen und starb kurz nach einer Verletzung, die er sich bei einer Obduktion zugezogen hatte. Eine Obduktion ist die Untersuchung eines toten Menschen um herauszufinden, woran er gestorben ist. Der Freund hatte sich bei einer Untersuchung an der Hand verletzt, und kurz danach bekam er dieselben Symptome wie die Frauen, die im Krankenhaus nach der Geburt starben. Da hatte Semmelweis eine Idee: Vielleicht hatten die Γrzte etwas von den Toten auf die gebΓ€renden Frauen ΓΌbertragen. Die Γrzte machten nΓ€mlich Obduktionen, also Leichenuntersuchungen, und gingen danach ohne sich die HΓ€nde zu desinfizieren zu den Geburten. Hygiene galt als Zeitverschwendung. Manche wuschen sich nichtmal die HΓ€nde mit Wasser und Seife. Niemand fand das damals merkwΓΌrdig, es war ganz normal. Γber Bakterien und andere Krankheitserreger wusste man damals noch nichts.
Semmelweis wollte herausfinden, ob seine Theorie richtig war. Er sagte den Γrzten und Studenten, dass sie sich die HΓ€nde mit einer LΓΆsung aus Chlorkalk waschen mussten, bevor sie in die Geburtsstation gingen. Und plΓΆtzlich geschah etwas Erstaunliches: Die Zahl der toten Frauen sank sehr schnell. Innerhalb weniger Monate starben fast keine Frauen mehr am sogenannten Kindbettfieber. Das war ein riesiger Erfolg.
Hat man Semmelweis dafΓΌr gefeiert und belohnt? Nein. Im Gegenteil. Die Γrzte glaubten ihm nicht. Sie fΓΌhlten sich angegriffen. Denn die Theorie sagte ja im Grunde, dass sie selbst schuld waren am Tod vieler Frauen. Das wollte natΓΌrlich kein Arzt hΓΆren. AuΓerdem konnte Semmelweis nicht wirklich erklΓ€ren, warum das HΓ€ndewaschen half β Bakterien waren noch nicht entdeckt. Erst spΓ€ter, durch die Arbeiten von Louis Pasteur, verstand man, dass winzige Lebewesen Krankheiten verursachen kΓΆnnen. Doch Semmelweis hatte das Problem schon vorher gelΓΆst, einfach durch Beobachtung und ein Experiment.
Er versuchte, seine Ideen bekannt zu machen, schrieb Briefe und Artikel, spΓ€ter sogar ein Buch ΓΌber seine Erfahrungen. Aber viele Leute lachten ΓΌber ihn. Er wurde nicht ernst genommen. Heute weiΓ man, dass er mit allem recht hatte, doch zu seiner Zeit war er ein AuΓenseiter.
Nach einigen Jahren verlieΓ Semmelweis Wien und ging zurΓΌck nach Budapest. Dort arbeitete er weiter als Arzt und fΓΌhrte das HΓ€ndewaschen auch in der Geburtsstation seiner Heimatstadt ein. Wieder sanken die TodesfΓ€lle deutlich. Trotzdem bekam er keine Anerkennung. Viele seiner Kollegen mieden ihn, und er wurde immer einsamer. Gegen Ende seines Lebens war er sehr verbittert und krank. 1865 wurde er in eine psychiatrische Klinik gebracht, wo er nur wenige Wochen spΓ€ter starb β vermutlich an einer Blutvergiftung, also genau an der Krankheit, die er so oft verhindern wollte.
Erst Jahre nach seinem Tod erkannte die Welt, wie wichtig seine Entdeckung war. Heute gilt Ignaz Semmelweis als einer der VΓ€ter der modernen Hygiene. HΓ€ndewaschen und vor allem die HΓ€nde zu desinfizieren gehΓΆrt heute zu den einfachsten und wichtigsten Regeln der Medizin. Was heute selbstverstΓ€ndlich ist, war zu den Zeiten von Ignaz Semmelweis undenkbar. Gut, dass wir Menschen manchmal klΓΌger werden und dazulernen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg sah die Lage zunΓ€chst auch nicht gut aus. StΓ€dte waren zerstΓΆrt, Fabriken kaputt, viele Menschen auf der Flucht. Doch schon bald begann das sogenannte Wirtschaftswunder. In den 1950er-und 1960er-Jahren ging es Deutschland wirtschaftlich sehr gut. PlΓΆtzlich fehlten ArbeitskrΓ€fte, weil es so viel Arbeit gab. Deswegen holte Deutschland sogenannte Gastarbeiter ins Land. Viele kamen aus Italien, Griechenland oder der TΓΌrkei. Sie halfen, die Wirtschaft aufzubauen. Dazu gibt es eine eigene Episode Slow German.
Vor der Corona-Pandemie waren die Zahlen der Arbeitslosigkeit in Deutschland sehr niedrig. WΓ€hrend der Corona-Zeit stiegen die Zahlen jedoch wieder an. Viele GeschΓ€fte, Restaurants oder kleine Betriebe mussten schlieΓen. Um die Menschen zu unterstΓΌtzen, fΓΌhrte Deutschland das sogenannte Kurzarbeitergeld ein. Das bedeutet, dass Menschen zwar weniger arbeiten, aber einen Teil ihres Lohns trotzdem vom Staat bekommen. So verloren nicht alle sofort ihren Job.
2023 und 2024 lag die Arbeitslosenquote in Deutschland bei ungefΓ€hr fΓΌnf bis sechs Prozent. Das bedeutet: Von hundert Menschen im Arbeitsalter sind etwa fΓΌnf bis sechs arbeitslos. Diese Quote schwankt aber, je nach Region. In Bayern oder Baden-WΓΌrttemberg gibt es oft weniger Arbeitslose, weil dort viele groΓe Firmen wie BMW, Audi oder Bosch sitzen. In anderen Regionen ist die Quote manchmal hΓΆher. Zum Beispiel sind es in Bayern nur knapp 4 Prozent, in Bremen aber fast 12 Prozent. Die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes besagen, dass die Arbeitslosenquote im August 2025 bei 6,4 lag, bei Frauen war sie bei 6,2 und bei MΓ€nnern bei 6,6. Und bei Jugendlichen unter 20 Jahren bei 5,8 Prozent. Wenn man das in absoluten Zahlen ausdrΓΌckt waren etwas mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos. Ich habe mal nachgesehen, wie es in anderen europΓ€ischen LΓ€ndern aussieht β in Spanien und Finnland ist es am schlimmsten, Deutschland ist eher auf den vorderen PlΓ€tzen, was BeschΓ€ftigung angeht.
Aber warum werden Menschen ΓΌberhaupt arbeitslos? Manche verlieren ihren Job, weil die Firma schlieΓen muss. Momentan wird oft die Weltwirtschaftslage als Grund angefΓΌhrt, denn durch die Unsicherheit investieren viele Firmen nicht in Jobs. Manche Menschen kΓΆnnen aber auch einfach nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten, weil sich die Technik verΓ€ndert hat. Ein Beispiel: FrΓΌher gab es in fast jeder Stadt Telefonzellen. Jemand musste sich um diese Telefone kΓΌmmern. Heute hat fast jeder ein Handy, und dieser Beruf ist verschwunden. DafΓΌr entstehen aber auch neue Berufe, zum Beispiel im Bereich Computer oder erneuerbare Energien. Es kann auch passieren, dass man in seinem eigentlichen Beruf nicht mehr arbeiten kann, weil man gesundheitliche Probleme hat. Auch psychische Probleme gehΓΆren natΓΌrlich dazu.
Ich erinnere mich ΓΌbrigens noch an die sogenannten ArbeitsbeschaffungsmaΓnahmen, kurz ABM. Da erfand der Staat Jobs, um arbeitslosen Menschen eine MΓΆglichkeit zu geben, einen geregelten Arbeitsalltag zu haben. Meistens waren das Jobs im sozialen Bereich oder auch im Umweltschutz. Kritik daran war, dass dadurch natΓΌrlich die Arbeitslosenstatistiken plΓΆtzlich viel besser aussahen. Heute ist die ABM noch ein geflΓΌgeltes Wort. Wenn jemand das GefΓΌhl hat, eine Aufgabe erledigen zu mΓΌssen, die eigentlich nicht nΓΆtig ist, sagt er: Das ist sowieso nur eine ABM.
Heute bietet die Agentur fΓΌr Arbeit viele HilfsmΓΆglichkeiten fΓΌr Menschen, die arbeitslos werden. Zum Beispiel bietet die Agentur Kurse an, in denen Menschen lernen kΓΆnnen, wie man Bewerbungen schreibt oder wie man sich auf ein VorstellungsgesprΓ€ch vorbereitet. AuΓerdem gibt es Umschulungen. Das bedeutet, dass man einen neuen Beruf lernen kann, wenn es in der alten Branche keine Jobs mehr gibt. Und unter bestimmten Bedingungen bekommt ein arbeitsloser Mensch auch Geld vom Staat. Die Bedingungen zΓ€hle ich jetzt hier aber nicht auf, das ist zu kompliziert.
Wenn ich so ΓΌberlege, wΓΌrde ich sagen, dass vor allem zwei Formate in Deutschland sehr beliebt sind. Das eine sind die sogenannten True-Crime-Podcasts. Da wird also ΓΌber wahre KriminalfΓ€lle gesprochen, meistens ΓΌber spektakulΓ€re MordfΓ€lle, die wirklich passiert sind. Ich persΓΆnlich mag solche Podcasts nicht. Zum einen machen sie mir Angst, zum anderen finde ich es komisch, ΓΌber diese Schicksale von Menschen ein unterhaltsames Format zu machen. Aber das ist Geschmackssache. Vor allem Frauen in Deutschland lieben True-Crime-Podcasts. Wenn du mal einen solchen True-Crime-Podcast hΓΆren willst, empfehle ich dir βZEIT Verbrechenβ.
Das andere Format sind die GesprΓ€chspodcasts. Ich nenne sie auch gerne Laberpodcasts. Labern ist ein umgangssprachliches Wort fΓΌr βsprechenβ. Meistens machen diese Art von Podcasts MΓ€nner. Sehr alt und sehr bekannt ist zum Beispiel βFest & Flauschigβ von Jan BΓΆhmermann und Olli Schulz. Er gehΓΆrt zu den meistgehΓΆrten Podcasts in Deutschland. Jan BΓΆhmermann kennt man hier als Fernsehmoderator, Olli Schulz ist ein Singer-Songwriter. In ihrem wΓΆchentlichen Podcast sprechen sie einfach ΓΌber alles MΓΆgliche, was ihnen gerade einfΓ€llt. Mit der Zeit hat man bei solchen Podcasts das GefΓΌhl, die sprechenden Menschen zu kennen. Ebenfalls sehr bekannt ist βBaywatch Berlinβ, da sprechen drei MΓ€nner. Und zwar sind das Klaas Heufer-Umlauf, Thomas Schmitt und Jakob Lundt. Klaas ist ein Fernsehmoderator, und die anderen beiden arbeiten mit ihm zusammen beim Fernsehen. Beide Podcasts sind lustig und schnell. Und in βStrΓ€ter & Strebergβ sprechen die beiden Freunde ΓΌber Filme und Serien.
Wenn du dich eher fΓΌr Politik interessierst, dann wΓ€re die βLage der Nationβ etwas fΓΌr dich. Philip Banse und Ulf Buermeyer fassen in diesem Podcast jede Woche die wichtigsten Themen zusammen. Ebenfalls politisch, aber noch etwas unterhaltsamer, ist βApokalypse & Filterkaffeeβ von Micky Beisenherz und Kolleginnen und Kollegen. Dieser Podcast erscheint jeden Tag und ist ungefΓ€hr eine halbe Stunde lang.
Bei der Vielzahl an Podcasts finde ich es schwer, eine Auswahl zu treffen. Daher sage ich dir jetzt einfach, welche Podcasts ich besonders gerne hΓΆre. Die deutsche Zeitung βDie Zeitβ verΓΆffentlicht eigentlich nur gute Podcasts. Sie sind von hoher QualitΓ€t, und man lernt eine Menge dazu. Zum Beispiel sprechen Jochen Wegner und Christoph Amend in βAlles gesagt?β mit einem bekannten Menschen. Das kann ein Schauspieler sein oder eine Wissenschaftlerin. Das Besondere an diesem Podcast ist, dass er so lange dauert, bis der Gast ein bestimmtes Codewort sagt. Dann ist er sofort vorbei. Manche Episoden dauern daher acht oder neun Stunden! Wenn du dich fΓΌr Kunst interessierst, empfehle ich dir βAugen zuβ, ebenfalls von der Zeit. Florian Illies und Giovanni di Lorenzo sprechen in jeder Episode ΓΌber einen KΓΌnstler oder eine KΓΌnstlerin und erzΓ€hlen viel aus deren Leben.
Wenn dich eher Musik interessiert, dann hΓΆr doch mal in βUrban Pop β Musiktalk mit Peter Urbanβ rein. AusfΓΌhrlich wird hier ΓΌber sehr bekannte Stars gesprochen, zum Beispiel ΓΌber die Eagles, die Beatles oder Depeche Mode.
Es gibt auch gute deutsche Storytelling-Podcasts. Zuletzt hat mich βLegionβ sehr berΓΌhrt. In sieben Episoden geht es da um die sogenannte Scamming-Industrie, also um Menschen, die anderen Menschen ΓΌber das Internet Liebe vorgaukeln und sie dann dazu bringen, viel Geld zu ΓΌberweisen. Dieser Podcast zeigt, was eigentlich hinter diesen Scams steckt, und es ist erschreckend. Super fand ich auch den βSeelenfΓ€ngerβ-Podcast, da geht es in mehreren Staffeln um verschiedene Sekten und wie diese es schaffen, Menschen zu beeinflussen. Oder βWirecard: 1,9 Milliarden LΓΌgenβ ΓΌber den bekannten Fall der Firma Wirecard. Die mittlerweile vierte Staffel dreht sich um den Chef Jan Marsalek und um die Frage, ob dieser ein russischer Spion ist oder war. Und noch ein letzter Tipp in dieser Art: βDer Germanwings-Absturz β Zehn Jahre ohne euchβ. Wie kam es dazu, dass ein Pilot ein ganzes Flugzeug mit Menschen in den Tod riss?
Wenn du dich fΓΌr Spione und Agenten interessierst, dann ist vielleicht βDark Mattersβ etwas fΓΌr dich. Da geht es um die Geheimnisse der Geheimdienste. Und βDie Anschlagsβ erzΓ€hlt die wahre Geschichte eines russischen Ehepaares, das ganz normal in Deutschland gelebt hat und sich dann als Spione entpuppte.
Ich glaube, das sind jetzt genug HΓΆrtipps, oder? Du sollst ja auch noch Zeit haben, Slow German zu hΓΆren! Was mich aber natΓΌrlich immer interessiert, ist die Frage: Welche Podcasts hΓΆrst du gerne? Schreib gerne in die Kommentare und gib uns Tipps. Es mΓΌssen nicht nur deutsche Podcasts sein!