Explore every episode of the podcast Matthias Zehnders Wochenkommentar
| Title | Pub. Date | Duration | |
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| Longevity: Die gefährliche Sehnsucht nach ewiger Jugend | 14 Nov 2025 | 00:19:51 | |
Ich habe manchmal den Eindruck: Wer alt wird, ist selber schuld. Das Wort der Stunde heisst: Longevity. Eigentlich heisst das auf Deutsch schlicht «Langlebigkeit». Aber Longevity meint mehr: Es geht um die Verlängerung der gesunden Lebensjahre. Auch dafür gibt es ein Fachwort: «Healthspan». Das ist die Lebenszeit, die wir frei von Krankheiten und bei guter Vitalität verbringen. Nichts gegen gesunde Ernährung und etwas Bewegung. Doch wenn ich mir die Longevity-Literatur so anschaue, blicken mich lauter schöne, junge, strahlende Menschen an: glatte Haut, volle Lippen, gerader Rücken, glänzendes Haar. Viele Experten versprechen inzwischen nicht nur ein beschwerdefreies, sondern deutlich mehr: Sie versprechen ein altersfreies Alter. «Verjüngung ist möglich. Wissenschaftlich erforscht», verspricht eines der Bücher. Ein anderes spricht gar vom ewigen Leben. Was mir dabei auffällt: In den Büchern ist die Rede von Ruhepuls und Insulinspiegel, von Antioxidanzien und Mononukleotiden, von Hirnleistung und Herzgesundheit. Bloss wofür das Herz so lange schlagen soll, das sagt keins der Bücher. Mir ist deshalb ein ganz anderes Buch in den Sinn gekommen. Die bitterböse Geschichte eines jungen Mannes, der nicht älter werden will, weil er seine Jugendlichkeit für den herrlichsten Besitz hält. Der schöne Jüngling überlässt das Altern deshalb einem Porträt, das ein Maler von ihm angefertigt hat. Sie haben die Geschichte sicher erkannt: Es ist «The Picture of Dorian Gray», der einzige Roman des irischen Schriftstellers Oscar Wilde. Ich glaube, Dorian Gray kann uns einiges über Longevity lehren. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Der narzisstische Sisyphos | 07 Nov 2025 | 00:16:01 | |
Kurz bevor die deutschen Truppen 1940 in Frankreich einmarschierten, beendete ein junger, algerisch-französischer Schriftsteller die Arbeit an seinem ersten Roman. Zwei Jahre später, am 19. Mai 1942, veröffentlichte Gallimard den Roman trotz deutscher Besatzung in Paris. Das Buch wurde als literarische Sensation gefeiert und avancierte zu einem der meistgedruckten französischen Romane des 20. Jahrhunderts. Das ist die Geschichte von «L’étranger», dem ersten Roman von Albert Camus. Er traf mit seiner Geschichte über den gleichgültigen Mörder Meursault den Nerv seiner Zeit. Seine Generation war tief desillusioniert durch die Weltkriege und den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg des Totalitarismus. Heute, 85 Jahre später, stehen wir wieder an einem ähnlichen Punkt. Wieder sind Ideale vom Sockel gestürzt, koloniale Konflikte flammen wieder auf, wieder scheint der Aufstieg des Totalitarismus nicht aufzuhalten. Albert Camus sah 1940 den Menschen in einer absurden Situation: Wir Menschen sehnen uns nach Sinn, die Welt aber ist sinnlos, ja sinnwidrig. Camus vergleicht den Menschen deshalb mit Sisyphos, der zur Strafe in der Unterwelt einen Felsbrocken einen Berg hinaufwälzen muss. Kurz vor dem Gipfel des Bergs entgleitet ihm der Brocken und rollt wieder ins Tal. Deshalb steht Sisyphos jeden Tag vor derselben sinnlosen Aufgabe. Es ist eine absurde Arbeit. Camus sagt nun aber, der Ausweg liege darin, dass Sisyphos diese Absurdität seines Tuns akzeptiere und seine Erfüllung im täglichen Kampf mit seinem Felsbrocken sehe. Er schreibt deshalb: «Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.» Und heute, 85 Jahre später? Wie müssen wir uns Sisyphos heute vorstellen? Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Serendipity oder das Glück des Zufalls | 22 Aug 2025 | 00:09:24 | |
Letzte Woche habe ich unseren Gartentisch neu gestrichen. Er hatte es nötig. Als Unterlage habe ich eine alte Ausgabe der «Zeit» verwendet. Beim Streichen ist mir ein Artikel über Reichsbürger aufgefallen – bald legte ich den Pinsel aus der Hand und begann zu lesen. Das ist Serendipity: das glückliche Finden von etwas, das man nicht gesucht hat. Dem Zufall verdanken wir Penicillin, Teflon und Post-it-Zettel. Wir sollten ihn also pflegen. Doch das Gegenteil geschieht: Algorithmen und künstliche Intelligenz filtern beim Surfen, beim Einkaufen, ja sogar bei der Partnersuche das Unerwartete heraus. Wir begegnen fast nur noch dem Erwartbaren und Nützlichen. Dabei verlieren wir nicht nur den Blick über den Rand, sondern auch Inspiration, Anregung – und Glück. Im doppelten Sinn. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Wie Sie die Neugier wieder wecken | 06 Oct 2023 | 00:15:31 | |
Sie treibt uns an, sie bringt uns voran und ist zugleich unser Verhängnis: die Neugier. Während Jahrhunderten galt sie als Sünde, als Ablenkung vom tugendhaften Weg des strebsamen Studierens. Erst das wissenschaftliche Denken, wie es Galileo Galilei und Isaac Newton im 17. Jahrhundert entwickelten, machte die Neugier allmählich zur Tugend. Heute zeigt die Forschung, dass Neugier mit einem guten Gedächtnis und einer besseren Lernfähigkeit zusammenhängt. Mit anderen Worten: Neugierige Menschen sind klüger. Zumindest war das bisher so. Denn heute führt Neugier schnell zur Übersättigung: Für neugierige Menschen ist Surfen im Internet der Versuch, aus einem Feuerwehrschlauch zu trinken. Die Folge der krassen Überforderung und Überreizung im Internet ist paradoxerweise lähmende Langeweile. Was tun? Fünf konkrete Tipps, wie Sie ein neugieriger Mensch bleiben können. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Management by Excel: Stellenabbau bei Tamedia | 22 Sep 2023 | 00:14:27 | |
Der Schweizer Medienkonzern Tamedia will landesweit sechs Millionen Franken einsparen und baut deshalb fast 50 Stellen ab. In der Deutschschweiz sind es rund 20 Stellen. In der Romandie streicht der Konzern bis zu 28 Stellen, also mehr als jede zehnte Stelle. Alle 48 Stellen sollen in den Redaktionen abgebaut werden. Tamedia begründet den Stellenabbau mit dem Umsatzrückgang im Printbereich, der sich bisher nicht durch Umsatzwachstum mit digitalen Produkten habe kompensieren lassen. Mir scheint, da bleiben wichtig Fragen offen. Zum Beispiel: Warum hat sich der Konzern so organisiert, dass die Medien rote Zahlen schreiben? Wie will der Konzern mit weniger Journalisten online mehr Umsatz machen? Und an uns alle gerichtet: Welche Strategie braucht die Schweiz, damit langfristig eine vielfältige Medienlandschaft überleben kann? Mein Wochenkommentar zum Excel-Management bei Tamedia, der Strategie dahinter und den Folgen für den Schweizer Medienmarkt. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Der Unterschied zwischen Präsident und Präsidentschaft | 15 Sep 2023 | 00:11:41 | |
Dieser Tage bin ich auf Netflix auf einen Dokumentarfilm über Pete Souza gestossen, den ehemaligen Cheffotografen des Weissen Hauses. Souza arbeitete zunächst von 1983 bis 1989 unter Ronald Reagan als Fotograf im Weissen Haus und dokumentierte dann die achtjährige Präsidentschaft von Barack Obama mit zum Teil atemberaubenden Bildern. Souza bezeichnet sich selbst als unpolitisch. Doch während der Präsidentschaft von Donald Trump begann er, oft ohne viele Worte, Bilder von Obama, die zum aktuellen Geschehen passten, auf Instagram zu posten. Er sah die Präsidentschaft als Institution durch Trump beschädigt. Seine Sichtweise hat mir zu denken gegeben, gerade vor dem Hintergrund, dass die Schweizer Bundesverfassung diese Woche ihr 175-jähriges Jubiläum feiert. Ich glaube, auch bei uns ist das Bewusstsein verloren gegangen, dass der Regierungsrat und der Bundesrat Institutionen sind, die immer grösser sind als die Personen, die sie ausfüllen. Mein Wochenkommentar über den Unterschied zwischen Präsident und Präsidentschaft. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Plädoyer für die Gelassenheit | 08 Sep 2023 | 00:14:36 | |
Deutschland streitet über ein Flugblatt, das ein Junge vor 36 Jahren auf einem Schulhof verteilt hat. In Frankreich macht die Abaya Schlagzeilen, das traditionelle Kleidungsstück der Frauen aus dem Nahen Osten. Österreich ärgert sich, weil ein EU-Kommissar die hohen Gasbezüge des Landes aus Russland thematisiert und Österreich vorgeworfen hat «Blutgeld» nach Russland zu schicken. Und die mediale Schweiz hängt an den Lippen von Wasiliki Goutziomitros: Die Moderatorin der SRF-Sendung «10vor10» hatte sich verschluckt und musste live auf dem Sender einen Schluck Wasser nehmen. Schon am frühen Morgen hatte der Artikel darüber auf der Website von Tamedia über 50 Leserkommentare. Ganz zu schweigen von der aufgeregten Berichterstattung über das Wetter und den Kommentaren, die sie sofort provoziert. Was ist nur mit uns los, dass wir uns dermassen aufregen? Mein Plädoyer für die Gelassenheit. Gerade im Umgang mit den Medien. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Das toxische Arbeitsklima auf vielen Redaktionen | 01 Sep 2023 | 00:11:51 | |
Die Anfrage erreichte mich per E-Mail: Schreiben Sie uns doch einen Kommentar, Sie sind doch «einer der profiliertesten Medienkritiker des Landes». Ich ertappe mich dabei, wie das Schmeicheln funktioniert. Aber das Thema ist schwierig: In den letzten Monaten ist einer ganzen Reihe von bekannten Journalisten in der Schweiz Fehlverhalten, ja Missbrauch vorgeworfen worden. Es geht um angeblich pornografische Nachrichten, um Verführung und Sex, zwar zwischen erwachsenen Menschen, aber ausgehend von mächtigen Männern. Was läuft schief auf den Redaktionen, dass es immer wieder zu solchen Fällen kommt? Was stimmt mit den Mechanismen in den Medienhäusern nicht? Warum kommen die Fälle jetzt ans Licht? Findet da gerade ein Kulturwandel statt? Warum gerade jetzt? Interessante Fragen. Aber natürlich kann ich den Auftrag nicht annehmen. Ich weiss es nicht besser. Und dann auch noch als Mann. In meinem Wochenkommentar suche ich diese Woche nach den Gründen, warum es zu einem toxischen Arbeitsklima auf einer Redaktion kommen kann. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Digitale Ethik: «Was soll ich tun?» | 25 Aug 2023 | 00:12:00 | |
Vanille oder Erdbeere? Informatik oder Psychologie? Max oder Moira? Das Leben stellt uns ständig vor Entscheidungen. Immer mehr dieser Entscheidungen werden am Computer getroffen – und immer öfter entscheidet nicht der Mensch, sondern ein Algorithmus. Der kann beim besten Willen nicht aus dem Bauch heraus entscheiden, sondern braucht klare Vorgaben. Das ist ein Anwendungsfeld der digitalen Ethik. Diese Woche habe ich an der Berner Fachhochschule wieder meinen Einführungskurs in die digitale Ethik gehalten. Beim Unterrichten ist mir ein zentrales Problem aufgefallen, das uns alle betrifft. Diese Woche denke ich deshalb mit Ihnen über Kants Frage «Was soll ich tun?» nach. Kleiner Spoiler: Es geht dabei um Freiheit. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Künstliche Intelligenz: Wer spricht denn da? | 18 Aug 2023 | 00:12:03 | |
Die generative KI ist sehr beeindruckend. Sie produziert Wörter in irrwitziger Geschwindigkeit und kennt dabei meist auch noch die Rechtschreibung. Nicht nur Studierende lassen sich gerne von den Textautomaten helfen. Anwälte lassen sich von der KI ihre Schriftsätze generieren. Pfarrpersonen ihre Predigten. Verliebte ihre Liebesbriefe. Paradoxerweise sitzen gerade Menschen, denen das Schreiben wichtig ist, gebannt vor den Textautomaten und hoffen darauf, dass die KI ihnen die Arbeit abnimmt. Und fürchten gleichzeitig um ihren Arbeitsplatz. Dabei geht vergessen, dass das, was die Automaten produzieren, blosse Sprachhülsen sind. Es ist so bedeutungslos wie das Plappern eines Papageis. Mit anderen Worten: Vor lauter Faszination geht vergessen, dass niemand spricht, wenn die KI Sprache generiert. Doch die entscheidende Frage, nicht nur im Journalismus, lautet: «Wer spricht denn da?» Mein Wochenkommentar über die vergessenen Sprecher. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Das KI-Paradox in der Ausbildung | 11 Aug 2023 | 00:13:12 | |
Google Bard und ChatGPT machen gerade schriftliche Hausarbeiten obsolet. Schulen und Universitäten fragen sich deshalb, wie Hausarbeiten, Matura- oder Bachelorarbeiten in Zukunft noch funktionieren können. Eine Schwierigkeit dabei ist das hohe Tempo: Noch nie hat sich eine neue Technologie so schnell verbreitet. Für Lehrpersonen ist es wichtig, nicht nur um die KI zu wissen, sondern auch zu verstehen, wie die KI funktioniert, was sie kann und vor allem wo ihre Grenzen liegen. Genau das vermittle ich Lehrpersonen im Rahmen von Workshops und Seminaren an Schulen. Dabei ist mir in den letzten Wochen ein Problem aufgefallen, das ich das «KI-Paradox» nennen möchte. Dabei geht es nicht um die offensichtlichen Probleme bei den Hausarbeiten. Es geht um das grundsätzliche Problem, dass die KI den Menschen genau jene Arbeiten abnimmt, die sie beherrschen müssen, damit die Menschen die KI beherrschen können. Ich glaube, dass dieses Paradox die wirklich grosse Herausforderung in der Bildung und Ausbildung sein wird. Mehr über das KI-Paradox erfahren Sie in meinem Wochenkommentar. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Hat Twitter/X unter Elon Musk eine Zukunft? | 04 Aug 2023 | 00:16:18 | |
Elon Musk hat mit Tesla die Automobilindustrie revolutioniert und mit SpaceX praktisch im Alleingang die Raumfahrt kommerzialisiert. Beide Aufgaben galten als unmöglich, ja als verrückt, Beobachter schüttelten den Kopf. Doch Elon Musk hat es geschafft. Er gilt deshalb als etwas verrückt, vielleicht als manisch, aber auch als Genie. Jetzt ist Elon Musk dabei, Twitter (respektive X) radikal umzubauen. Wieder schütteln Beobachter den Kopf, wieder gilt das Vorgehen als verrückt. Aber wenn jemand es schaffen könnte, die sozialen Netzwerke neu zu definieren, dann doch Elon Musk, oder? Doch Medien funktionieren ganz anders als Industrie und Luftfahrt. Diesmal könnte Elon Musk sein starkes Ego nicht nützen, sondern im Gegenteil dem Erfolg im Weg stehen. Warum das so ist, ob wir ein Netzwerk wie Twitter brauchen und wie das alles funktioniert – das erkläre ich Ihnen in meinem Wochenkommentar. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Hat Twitter/X unter Elon Musk eine Zukunft? | 04 Aug 2023 | 00:16:18 | |
Elon Musk hat mit Tesla die Automobilindustrie revolutioniert und mit SpaceX praktisch im Alleingang die Raumfahrt kommerzialisiert. Beide Aufgaben galten als unmöglich, ja als verrückt, Beobachter schüttelten den Kopf. Doch Elon Musk hat es geschafft. Er gilt deshalb als etwas verrückt, vielleicht als manisch, aber auch als Genie. Jetzt ist Elon Musk dabei, Twitter (respektive X) radikal umzubauen. Wieder schütteln Beobachter den Kopf, wieder gilt das Vorgehen als verrückt. Aber wenn jemand es schaffen könnte, die sozialen Netzwerke neu zu definieren, dann doch Elon Musk, oder? Doch Medien funktionieren ganz anders als Industrie und Luftfahrt. Diesmal könnte Elon Musk sein starkes Ego nicht nützen, sondern im Gegenteil dem Erfolg im Weg stehen. Warum das so ist, ob wir ein Netzwerk wie Twitter brauchen und wie das alles funktioniert – das erkläre ich Ihnen in meinem Wochenkommentar. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Brain Building: Denken bis es weh tut. | 15 Aug 2025 | 00:11:08 | |
Letzte Woche habe ich an dieser Stelle gesagt: Seien Sie nicht naiv im Umgang mit KI – die KI ist schon naiv genug. Die Frage ist natürlich: Was heisst das? Sie und ich, wir sind alt genug, dass wir uns einen Reim darauf machen können. Aber was heisst das für die Schule? Welche Konsequenzen hat eine zwar naive, aber scheinbar allwissende KI für den Unterricht und für die Bildung insgesamt? Schüler und Studenten nutzen die KI mit Handkuss als «Cheat Machine»: als willkommene Abkürzung. Motto: Hausarbeit auf Knopfdruck. Oder: Shakespeare rein, Lernkarten raus. Ganz ohne Lektüre. Easy, schnell – und manchmal gar nicht so schlecht. Bloss ohne jegliche Wirkung. Das Problem: Unser Bildungswesen ist darauf ausgerichtet, Ergebnisse zu überprüfen. Schule und Universität prüfen also, ob die Eleven ein Ziel erreicht, eine Arbeit vollendet oder ein Buch verarbeitet haben. Die Verfügbarkeit von KI stellt das auf den Kopf: Künftig wird nicht mehr das Ergebnis zählen, sondern der Weg dahin. Also das beharrliche Bemühen, etwas selber zu schreiben, selber zu rechnen, selber zu zeichnen – kurz: selber zu denken. Es wird also künftig in Schule und Unterricht weniger darauf ankommen, was man erreicht, als dass man darum kämpft, es zu erreichen. Die Frage ist: Wie schaffen wir das? Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Ronald Reagan und die künstliche Intelligenz | 28 Jul 2023 | 00:11:56 | |
Vor 63 Jahren streikten die Schauspieler und Drehbuchautoren in Hollywood zum letzten Mal gemeinsam. Jetzt haben sie die Arbeit wieder niedergelegt. Auslöser waren damals wie heute neue technische Entwicklungen. 1960 hiess der Anführer der Streikenden Ronald Reagan, ein Schauspieler, der sein Geld als Nebendarsteller und im Fernsehen verdiente. 20 Jahre später gewann er die Präsidentschaftswahlen gegen den amtierenden US-Präsidenten Jimmy Carter. 1960 kämpfte Ronald Reagan mit seinen Schauspielerkollegen für neue Vergütungsmodelle. Das Fernsehen hatte die Geschäftsmodelle im Filmgeschäft verändert. Heute sind es die Streaming-Dienste, die das Geschäftsmodell massiv umkrempeln. Dazu kommt die künstliche Intelligenz: Sie könnte die Arbeit im Filmgeschäft massiv verändern. Was können wir vom Arbeitskampf in Hollywood lernen? Und was würde Ronald Reagan dazu sagen? Mein Wochenkommentar über Ronald Reagan und die künstliche Intelligenz. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Unsere fatale Schwäche für Geschichten | 30 Jun 2023 | 00:11:26 | |
Kaum etwas hat die Medien (und die Menschen) in letzter Zeit so bewegt wie das U-Boot, das auf der Suche nach der Titanic gesunken ist. Und kaum etwas hat in letzter Zeit die Menschen (und die Medien) so aufgeregt wie die Aufmerksamkeit, die das U-Boot auf sich gezogen hat: Wie kann es sein, dass sich die Medien auf das Schicksal der fünf Menschen im U-Boot stürzen und die 500 Menschen, die zur gleichen Zeit im Mittelmeer mit einem Flüchtlingsboot ertrinken, links liegen lassen? Sogar den Medien ist das unheimlich geworden. Es kam zur grossen Moraldebatte über Ethik, Klicks und Millionäre. Die Zerknirschung wird nicht lange anhalten. Denn im Kern geht es gar nicht um die Medien, sondern darum, wie wir Menschen ticken: Wir haben eine fatale Schwäche für Heldinnen und Helden und für spannende Geschichten. Für namenlose Migranten ist das ein grosses Problem. Aber es gibt einen Ausweg. Mein Wochenkommentar über die Rolle von Geschichten bei der Wahrnehmung der Welt. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Künstliche Intelligenz? Braucht es das wirklich? | 23 Jun 2023 | 00:09:47 | |
Letzte Woche habe ich mit Ihnen über die Regeln nachgedacht, mit denen wir die KI einhegen müssen. Unter den Leserkommentaren zu meinem Beitrag fand sich nach kurzer Zeit dieser Satz: «Künstliche Intelligenz? Braucht es das wirklich?» Zuerst habe ich mich geärgert. «Braucht es das wirklich?» ist das klassische Totschlagargument. Damit können Sie alles verhindern, vom Theaterstück bis zur neuen Technologie. Es ist das Argument jener Menschen, die allen Veränderungen skeptisch gegenüberstehen. Aber eine Frage als Totschlagargument zu bezeichnen, ist selbst ein Totschlagargument. Deshalb habe ich nachgedacht und mich mit der Frage meines Lesers auseinandergesetzt. Das Ergebnis ist mein Wochenkommentar zur Frage, ob wir die künstliche Intelligenz brauchen. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Welche Regeln brauchen wir für den Umgang mit KI? | 16 Jun 2023 | 00:11:52 | |
Das EU-Parlament hat diese Woche strenge Regeln für den Einsatz von künstlicher Intelligenz verabschiedet. Jetzt muss der Text noch mit den Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission verhandelt werden. Wenn das gelingt, hätte Europa das weltweit erste umfassende KI-Gesetz. Allerdings entsteht dabei der Eindruck, die KI stehe derzeit ausserhalb des Gesetzes und es sei sehr schwierig, Werte und Regeln für intelligente Systeme zu formulieren. Beides ist falsch. Bestehende Gesetze gelten auch für die KI, es mangelt aber an ihrer Durchsetzung – oder an der Kompetenz dafür. Auch ethisch liesse sich die KI gut fassen. Ich glaube, im Kern geht es nur gerade um drei Regeln. Diese Woche geht es in meinem Wochenkommentar deshalb um diese Werte: Was zählt beim Umgang mit KI? Und müssen wir wirklich auf die Gesetzgeber warten, bis wir diese Werte anwenden? Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Führt KI zu mehr Fake News? | 09 Jun 2023 | 00:15:04 | |
Letzte Woche habe ich mich an dieser Stelle mit Fake News und dem Problem der bröselnden Wahrheit beschäftigt. Geendet habe ich mit einer Frage: Was ändert die breite Verfügbarkeit von künstlicher Intelligenz? Sorgt die KI für mehr Fake News? Diese Fragen schauen wir uns heute gemeinsam an. Wissenschaftliche Studien dazu gibt es noch nicht. Die generative KI ist erst seit wenigen Wochen breit verfügbar. Einige Entwicklungen lassen sich dennoch bereits beobachten. Und wir können gemeinsam darüber nachdenken, welche Folgen die breite Verfügbarkeit von KI-Werkzeugen wie ChatGPT haben wird. Welche Konsequenzen es hat, wenn die AfD in Deutschland oder Republikaner in den USA manipulierte Bilder einsetzen. Was das für den Umgang mit der KI bedeutet. In meinem Wochenkommentar geht es deshalb diese Woche um die Frage, ob generative KI zu Fake-News-Schleudern werden. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Fake News und die Sache mit der Wahrheit | 02 Jun 2023 | 00:15:22 | |
Auf den ersten Blick ist die Sache klar: Fake News sind Falschmeldungen und das Internet ist voll davon. Doch auf den zweiten Blick zerbröselt die Klarheit wie ein zu trockener Sandkuchen am Strand. Denn «Fake News» wird heute allzu oft als Kampfbegriff benutzt. Zum Beispiel von Donald Trump: Was ihm nicht passt, nennt er Fake News. Das ist aber noch nicht das grösste Problem. Denn da ist die Sache mit der Wahrheit. Sie ist der bröselnde Kern des Sandkuchens. Das ist mir diese Woche wieder aufgefallen, als ich an einer Podiumsdiskussion an der Fachhochschule Nordwestschweiz teilgenommen habe. Die Diskussion mit den Studierenden hat mich zum Nachdenken gebracht – und diese Gedanken möchte ich mit Ihnen teilen. In meinem Wochenkommentar geht es deshalb diese Woche um das hässliche Wort «Fake News» und um den schönen Begriff «Wahrheit». Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Vom Mut, die Welt schön zu finden | 26 May 2023 | 00:11:59 | |
In der Ukraine herrscht Krieg, im Mittelmeer ertrinken Geflüchtete, in der Schweiz stürzen die Berge ein. Dürfen wir das Schöne auf der Welt geniessen, wo es doch so viel Leid und Krisen gibt auf dieser Welt? Das ist die erste Frage, um die es heute geht. Es ist die Frage nach dem schlechten Gewissen. Die zweite Frage lautet: Wie können wir Schönheit noch wahrnehmen und geniessen, wo wir doch selbst von Krisen fast erdrückt werden? Beide Fragen haben auch mit der Funktionsweise der Medien zu tun, die nicht anders können, als uns täglich Krisen aus der ganzen Welt auf die Bildschirme zu tragen. Wie gehen wir damit um? Ich bin überzeugt: Wir überleben nur, wenn wir dem Schönen Platz einräumen in unserem Leben. Viel Platz. In meinem Wochenkommentar zeige ich Ihnen diese Woche, dass es dabei nicht so sehr auf die Welt ankommt, als auf uns selbst. Denn das Schöne in der Welt zu sehen, ist eine Frage des Willens – und heute vielleicht manchmal auch des Mutes. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Wem nützt KI – und wen setzt sie unter Druck? | 12 May 2023 | 00:13:46 | |
Letzte Woche war der Tag der Arbeit. Ich habe mich deshalb hier gefragt, welche Auswirkungen die breite Verfügbarkeit von Künstlicher Intelligenz auf dem Arbeitsmarkt haben wird. Meine Schlussfolgerung: Jetzt geht es den White Collar Workern an den Kragen, also den ausführenden Angestellten in den Büros. Diese Woche hat Google an seiner jährlichen «I/O»-Konferenz gezeigt, wie die KI in den Google-Produkten und Apps zur Verfügung gestellt wird. Zusammengefasst: schnell und umfassend. Ich habe mich deshalb gefragt, wem die KI am meisten nützen wird. Wer kann bei seiner Arbeit am meisten profitieren? Wer kann seine Leistung am stärksten steigern? Welche Konsequenzen hat das für die Löhne? Es gibt dazu noch keine Studien. Lassen Sie uns also gemeinsam darüber nachdenken. Es ist Freitag, der 12. Mai – mein Wochenkommentar zur Frage, wie die Verfügbarkeit der KI unsere Leistung beeinflussen wird. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| KI: Am ersten Mai haben die Falschen demonstriert | 05 May 2023 | 00:14:49 | |
Als Tag der Arbeiterbewegung ist der 1. Mai dieses Jahr in der Schweiz gründlich in die Binsen gegangen. Zum einen haben Medien und Politik nur über den Schwarzen Block und die Polizei berichtet statt über die Anliegen von Arbeitern und Angestellten. Zum anderen aber ging völlig vergessen, dass wir mitten in einer Revolution der Arbeit stecken: Künstlich intelligente Computerprogramme verändern gerade alle Tätigkeiten, die mit Computern zu tun haben und das in einem irrsinnigen Tempo. Arbeiter, Handwerker, Pflegefachleute und soziale Berufe brauchen sich keine Sorgen zu machen. Kreative und Gutausgebildete auch nicht. Alle Angestellten dazwischen müssen sich sehr warm anziehen. Es kann gut sein, dass schon in ein, zwei Jahren am ersten Mai White Collar Worker den Demonstrationszug anführen. Anzüge werden sie nicht tragen, weil sie sich feines Tuch nicht mehr leisten können. Es ist Freitag, der 5. Mai – mein Wochenkommentar zu den Veränderungen der Angestelltenwelt, auf die wir uns gefasst machen müssen. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Das Fernsehen ist wichtiger, als wir meinen. Noch. | 28 Apr 2023 | 00:15:37 | |
Eigentlich sollte das Fernsehen ja schon lange die Klappe halten und sich auf dem Sterbebett seinem Schicksal ergeben. Doch allen Prognosen zum Trotz tanzt das alte Medium sich immer wieder von Neuem ins politische Rampenlicht. Ich denke an den Milliardenvergleich zwischen Fox News und Dominion in den USA – mit unerwarteten Folgen diese Woche. An die mit harten Bandagen geführte politische Auseinandersetzung um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Europa, insbesondere in der Schweiz. Eine Auseinandersetzung, die auch von der Annahme befeuert wird, dass das Fernsehen bald nicht mehr wichtig sei und SRF nicht erwünscht. Und dann das: Die neusten Nutzungszahlen aus der Schweiz zeigen, dass das gute alte Fernsehen in den letzten Monaten stark zugelegt hat und SRF auch im Netz äusserst beliebt ist. Springt die alte Dame dem Tod doch noch von der Schippe? Und was bedeutet das politisch? In meinem Wochenkommentar versuche ich, die verschiedenen Ereignisse der Fernsehwelt zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Wie naiv sind Sie – und wie naiv ist die KI? | 08 Aug 2025 | 00:10:10 | |
«In der ersten Halbzeit spielten wir naiv.» Das sagte kürzlich der Trainer des FC Luzern. Seine Defensive wurde vom frischen Angriff des Gegners «richtiggehend vorgeführt». Ähnlich erging es diese Woche dem Schweizerischen Bundesrat: Er wurde von Donald Trump vorgeführt. Der Bundesrat verhandelte mit ihm wie mit einem seriösen Staatsmann. Das war naiv: Die Schweizer hätten wissen müssen, dass man den Mann im Weissen Haus ernst nehmen muss, aber nicht wörtlich. Naivität auf dem Fussballplatz oder im Bundeshaus ist gefährlich: Wer zu naiv ist, lässt sich leicht abzocken, weil er Erwartungen, Machtverhältnisse oder Hintergedanken nicht durchschaut. Der naive Tor ist deshalb eine beliebte Figur in Märchen: Er nimmt alles wörtlich und glaubt, was man ihm sagt. Genau so funktioniert auch die Künstliche Intelligenz: Sie kann nur alles wörtlich nehmen. KI hat keinen Zugang zu Gefühlen und Erwartungen, Machtverhältnissen oder Hintergedanken. Und doch: Naivität hat auch gute Seiten. «Es war eine Mischung aus Tatendrang und Naivität», sagte diese Woche Thierry Kneissler in der «Schweizer Familie» rückblickend über die Erfindung von Twint. Wie ihm geht es vielen Erfindern: Ohne Enthusiasmus und Naivität entsteht nie etwas Neues. Ist es also doch gut, manchmal naiv zu sein? Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Selbst für Fox News haben Lügen Konsequenzen. Manchmal. | 21 Apr 2023 | 00:14:59 | |
Donald Trump könnte eigentlich zufrieden sein: Wenigstens indirekt hat er diese Woche für einen weiteren Weltrekord gesorgt. Im Prozess zwischen Fox News und Dominion Voting Systems kam es zum teuersten Vergleich in der Mediengeschichte. 787,5 Millionen Dollar kostet den Nachrichtensender die Beilegung der Verleumdungsklage von Dominion. Das ist einerseits eine gigantische Busse, andererseits ist Fox News nicht verpflichtet, sich zu entschuldigen oder darüber zu berichten. Im Nachgang stellen sich deshalb drei Fragen: Welche Konsequenzen hat der Vergleich für Fox News? Was bedeutet der Erfolg von Dominion für andere Verschwörungserzähler in den USA? Und gibt es etwas, was wir in Europa aus den Vorgängen lernen können? In meinem Wochenkommentar drösle ich für Sie den spektakulären Fall auf und skizziere erste Antworten auf die Fragen. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Angst, Wahn und Wut in der Bankenpolitik | 14 Apr 2023 | 00:14:14 | |
Das Schweizer Parlament hat sich diese Woche zu einer ausserordentlichen Session getroffen. Thema: die Rettung der Credit Suisse. Die ganze Übung war allerdings nur für die Galerie: Am Rettungsplan für die CS gab es nichts mehr zu rütteln. Entsprechend haben vor allem die Vertreterinnen und Vertreter von SVP und SP viel Wut für den Wahlkampf geschürt. Zur Sache haben sie dabei wenig beigetragen. Leider dürfte sich das politisch lohnen: Angst und Wut gehören zu den wirksamsten Emotionen. Gerade in der Politik. Denn die Menschen entscheiden nicht rational, sondern emotional. Für das Land und die Wirtschaft ist das kontraproduktiv. Angst und Wut sind schlechte Ratgeber. In meinem Wochenkommentar versuche ich die Debatte mit etwas mehr Nüchternheit zu betrachten und Ihnen zu zeigen, warum die Rettung einer Bank keine Schande für ein Land ist. Vielleicht sogar im Gegenteil. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Das wahre Problem der «fetten Kinder» in der Literatur | 31 Mar 2023 | 00:12:21 | |
Ist es Kindern und Jugendlichen zumutbar, von «fetten Kindern» zu lesen? «Nein» fand der Londoner Verlag Puffin Books und überarbeitete die Kinderbücher von Roald Dahl. Vielleicht haben Sie davon gehört. Mir hat der Entscheid zu denken gegeben und zwar nicht nur, weil da schon wieder ein Kinderbuchklassiker umgeschrieben wird. Denn in der Realität haben wir ein immer grösseres Problem mit stark übergewichtigen Kindern. Experten reden von einer eigentlichen Adipositas-Epidemie. Besonders absurd: Bei einem der redigierten Bücher handelt es sich um «Matilda», eine Geschichte, die davon handelt, dass Kinder Superkräfte haben, wenn sie nur auf sich vertrauen. In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen, was das alles mit unserer Gesellschaft zu tun hat und warum es vielleicht kein Zufall ist, dass es Erwachsene gibt, die nichts mehr von «fetten» Kindern lesen wollen. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Das Credit Suisse-Debakel aus kommunikativer Sicht | 24 Mar 2023 | 00:11:41 | |
Ausgerechnet in der Branche, in der es nur um Zahlen geht, bringen Gefühle einen Koloss zum Absturz: Rechnerisch stand die Credit Suisse letzte Woche eigentlich gar nicht so schlecht da. Sie erfüllte alle gesetzlichen Kapital- und Liquiditätsanforderungen. Die Nationalbank garantierte die Liquidität. Trotzdem stürzte die Bank ab. Sie hatte ihren sozialen Kredit verspielt. Dabei spielte das Internet eine entscheidende Rolle. Banker sagen, Banking sei halt Vertrauenssache. Ich glaube, es steckt mehr dahinter. In meinem Wochenkommentar biete ich ihnen eine kleine Analyse aus Kommunikationssicht und die Learnings, die andere Firmen, Institutionen und natürlich andere Banken daraus ziehen können. Ziehen müssen. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Wann ist ein Foto ein Foto? | 17 Mar 2023 | 00:10:30 | |
Mobiltelefone sind heute mit Abstand die wichtigsten Fotografier-Apparate. Aber sind sie das wirklich? Was machen die kleinen Geräte genau, wenn sie ein Foto schiessen? Diese Fragen stellen sich seit dieser Woche ganz neu. Amerikanische Entwickler haben nämlich bewiesen, dass das neue Samsung-Handy schummelt, wenn es den Mond fotografiert: Es sorgt mit technischen Tricks dafür, dass der Mond auf dem Bild besser aussieht. Und zwar nicht nur besser als bei der Konkurrenz, sondern auch besser als in der Realität. Es stellt sich deshalb die Frage: Was machen wir genau, wenn wir mit einem Handy ein Foto schiessen? Sind Mobiltelefone wirklich Fotografier-Apparate? Oder anders gefragt: Wann ist ein Foto ein Foto? Mein Wochenkommentar über eine Technik, die sich immer selbstbewusster zwischen die Menschen und die Realität schiebt. Oder gibt es diese Realität so gar nicht? Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| KI: Die Menschlichkeit steckt zwischen den Zeilen | 10 Mar 2023 | 00:11:12 | |
Mit einer Mischung aus Faszination und Entsetzen schauen wir derzeit auf die unglaublichen Leistungen der künstlichen Intelligenz. Chatroboter von Microsoft, Open AI und anderen führen uns mit stupender Sprachkompetenz die Allwissenheit der Computer vor. Viele Menschen, insbesondere viele schreibende Menschen wie ich, starren auf die perfekt formulierten Worte der KI und fragen sich: Müssen wir jetzt Tastatur und Bleistift an den Nagel hängen? Verdrängt uns die KI? Ich glaube, das ist ein Missverständnis. Denn das Menschliche in Texten steckt nicht in den Zeichen und den Zeilen, sondern dazwischen. Für das Auge ist es zwar unsichtbar, trotzdem ist es präsent. In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen diese Woche, warum die Menschlichkeit in Texten zwischen den Zeilen steckt. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Wenn sich Wahrheit schlicht nicht lohnt | 03 Mar 2023 | 00:10:49 | |
In den USA ist ein spektakulärer Rechtsstreit im Gang: Dominion Voting Systems hat den Nachrichtensender «Fox News» auf Schadenersatz wegen Verleumdung verklagt. Fox hatte behauptet, die Wahlmaschinen von Dominion hätten bei der Präsidentschaftswahl 2020 Wahlbetrug ermöglicht. Dominion sagt, Fox habe gewusst, dass diese Behauptung falsch war. Prozessunterlagen zeigen jetzt, dass das stimmt: Starmoderatoren wie Sean Hannity und Tucker Carlson haben in internen Textnachrichten über die Lügen des Trump-Teams gelästert. Diese Woche hat die «New York Times» dazu die Aussagen von «Fox News»-Besitzer Rupert Murdoch veröffentlicht. Er erklärt, warum sein Sender wissentlich falsche Behauptungen in die Welt setzte. Die kurze Version: Weil es sich lohnt. Das könnte der laufende Prozess aber dramatisch ändern. In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen, welche Konsequenzen das auch für unsere Medien haben könnte. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Im Osten nichts Neues | 24 Feb 2023 | 00:08:40 | |
«Er fiel im Oktober 1918, an einem Tage, der so ruhig und still war an der ganzen Front, dass der Heeresbericht sich nur auf den Satz beschränkte, im Westen sei nichts Neues zu melden.» So lautet der Schluss von Erich Maria Remarques Roman «Im Westen nichts Neues». Die Verfilmung des Buchs von Edward Berger hat dem Roman neue Aktualität gegeben: «All Quiet on the Western Front» ist für neun Oscars nominiert. Roman und Film schildern die Schrecken des Ersten Weltkriegs aus der Sicht des jungen Soldaten Paul Bäumer. Die zentrale Botschaft von Remarque ist dabei, dass es unmöglich ist, angemessen über die Kriegserlebnisse zu sprechen. Krieg lässt sich nicht darstellen. Das gilt bis heute. Es ist das grosse Problem der Berichterstattung über den Ukraine-Krieg. Mein Wochenkommentar nach einem Jahr Krieg über die Unmöglichkeit der Kriegsberichterstattung. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Warum die Künstliche Intelligenz uns menschlicher macht | 17 Feb 2023 | 00:13:11 | |
Microsoft arbeitet an der Integration der KI in die Suchmaschine Bing. Ich konnte die neue Funktion ausführlich testen: Sie ist erschreckend gut. Besser noch als ChatGPT. Letzte Woche habe ich dargelegt, was diese Entwicklung publizistisch bedeutet, also für das Internet als Medium. Weil sich die chattende Intelligenz als vermittelnde Instanz zwischen Nutzer und Webinhalte schiebt, wird diese Entwicklung das Internet als Medium umkrempeln: Sie wird zum Tod des Mediums Internet führen, weil die Chatbots sehr viel Aufmerksamkeit aufsaugen werden. Aber was bedeutet diese Entwicklung für uns als Menschen? Was heisst das, wenn wir plötzlich eine universelle Maschine zur Verfügung haben, die scheinbar alles weiss, auf alle Fragen eine Antwort hat und auf Knopfdruck Texte in beliebiger Form generieren kann? In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen diese Woche, warum ich glaube, dass die künstliche Intelligenz uns menschlicher macht. Machen muss. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Warum die Künstliche Intelligenz zum Tod des Internets führen wird | 10 Feb 2023 | 00:12:04 | |
Künstliche Intelligenz soll die Suche im Internet revolutionieren. Microsoft investiert gleich mehrere Milliarden Dollar in die Technik. Die Erwartungen sind riesig. Selten war ein Hype grösser. Das Management von Google hat sogar einen «Code Red»-Alarm ausgerufen: Die Entwicklung hat das Potenzial, selbst die übermächtige Suchmaschine zum Absturz zu bringen. Tatsächlich hat seit der Erfindung des iPhones kaum eine neue Technik ein so grosses disruptives Potenzial. Nicht nur für Google, für das ganze Internet, ja für uns denkende Menschen überhaupt. In meinen Wochenkommentar sage ich Ihnen diese Woche, warum der Einsatz einer plaudernden KI bei Suchmaschinen dazu führen wird, dass das Internet, wie wir es kennen, aufhört zu existieren – und dass die Menschen, die es nutzen, geistig fett und träge werden. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Die Schweiz als Missverständnis. Anmerkungen zum Nationalstaat | 31 Jul 2025 | 00:12:43 | |
2025 feiert die Schweiz offiziell ihren 734. Geburtstag – seit 1291, heisst es, besteht die Eidgenossenschaft. Das ist natürlich Mumpitz. Die Schweiz, wie wir sie heute kennen, gibt es erst seit 1848. Nach dem Sonderbundskrieg verwandelte die erste Bundesverfassung den losen Staatenbund in einen modernen Bundesstaat – mit Föderalismus, demokratischer Grundordnung, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechten. Eigentlich müssten wir den Nationalfeiertag also am 12. September begehen, dem Tag, an dem die Tagsatzung 1848 die Bundesverfassung annahm. Doch das wird kein Politiker vorschlagen: Die heutige Schweiz ist, wie alle Nationalstaaten, nicht auf Vernunft gegründet, sondern eine Vermischung von Heimat, Nationalität, persönlicher Perspektive, Identifikation und ein bisschen Selbsttäuschung. Anders gesagt: Die Schweiz ist ein Missverständnis. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Corona-Affäre, Berset-Affäre oder doch Medienaffäre? | 27 Jan 2023 | 00:13:49 | |
Die Schweiz hat eine neue Medienaffäre: Aus dem Departement von Alain Berset sollen gleich serienweise Mails ans Verlagshaus Ringier geschickt worden sein. Dabei sei mehrfach das Amtsgeheimnis verletzt worden. Die Geschäftsprüfungskommission des Parlaments untersucht den Fall, einzelne Politiker fordern sogar eine parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) und den Rücktritt von Bundesrat Alain Berset. Es ist eine komplexe Mixtur aus Politik, Juristerei und Medien. Die Medien versichern ihren Lesern und Nutzern unterdessen ihre Unabhängigkeit. Welchen Einfluss haben solche Leaks auf die Medien? Welchen Einfluss hat die Vorab-Berichterstattung auf die Politik? Kann man das abstellen? Oder braucht es Leaks und Indiskretionen? Mein Wochenkommentar zur Medienebene der Coronaleaks. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Warum künstliche Intelligenz Schule und Uni besser macht | 20 Jan 2023 | 00:13:21 | |
New York City hat ChatGPT in den Schulen bereits verboten, in Deutschland und der Schweiz beschäftigen sich Politiker mit entsprechenden Vorstössen: Der künstlich intelligente Chat-Bot setzt Lehrpersonen unter Druck. Die Sorge: Die künstliche Intelligenz mach Hausarbeiten künftig unmöglich, weil Lehrpersonen nicht mehr unterscheiden können, ob eine Arbeit vom Schüler oder von der KI geschrieben worden ist. Ob Hausaufsatz oder Maturaarbeit – Schulen befürchten, dass die Schüler künftig zurücklehnen und die KI für sich arbeiten lassen. Damit stellen sich einige grundsätzliche Fragen: Werden KI-Angebote die Schulen revolutionieren? Das Potenzial dazu haben sie. Aber anders, als Sie vielleicht jetzt meinen. Denn nur weil eine künstliche Intelligenz ein paar grade Sätze herausbringt, heisst das nicht, dass die Schülerinnen und Schüler nicht mehr lernen müssen. In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen, warum gute Schulen und Universitäten sich vor der künstlichen Intelligenz nicht fürchten müssen. Im Gegenteil dürfte die KI gute Schulen besser machen. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Das Fernsehen ist tot. Oder? | 13 Jan 2023 | 00:13:27 | |
Die britische BBC ist das Mutterschiff aller Radio- und Fernsehstationen und der Inbegriff des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Doch schon bald soll die British Broadcasting Corporation ihren Namen Lügen strafen: Ende des Jahrzehnts will die Organisation ihre traditionellen Radio- und Fernsehsender abschalten. Die BBC macht damit klar: Das Fernsehen liegt auf dem Sterbebett. Wenigstens das Fernsehen, mit dem wir aufgewachsen sind. Aber stimmt das wirklich? Hat nicht die Fussball-WM gerade rekordhohe Zuschauerquoten gebracht? Die Frage ist, wie lange der Fussball das Fernsehen noch am Leben erhält. In den USA sind gerade die wichtigsten Sport-Übertragungsrechte verkauft worden. Und zwar an Google. In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen diese Woche, warum das Fernsehen nicht unbedingt sterben muss, weil der Fernseher bald tot ist. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Was die Techniktrends über unsere Sehnsüchte sagen | 06 Jan 2023 | 00:14:01 | |
Zu Beginn des Jahres wiederholt sich immer wieder dasselbe Ritual: Tech-Medien, Magazine und Zeitungen vermelden die Technologietrends des Jahres. Mit ebenso schöner Regelmässigkeit liegen die Prognosen natürlich daneben, schliesslich betreffen sie die Zukunft. Trotzdem sind die Voraussagen interessant. Wenn sie auch wenig über die Technik aussagen, die uns im kommenden Jahr erwartet, so sprechen sie doch Bände über die Sehnsüchte der Menschen. Ich habe deshalb die wichtigsten Tech-Prognosen zusammengetragen und dann von den Trendprognosen zurück auf den Menschen geschaut. In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen diese Woche, was die Techniktrends über unsere Sehnsüchte sagen. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Mein Fragebogen 2022 | 30 Dec 2022 | 00:08:10 | |
Wie immer am Ende des Jahres besteht mein letzter Wochenkommentar vor Weihnachten aus einem Fragebogen, diesmal mit Fragen rund um das Thema Frieden. Was sonst. Den eigentlichen Kommentar schreibe also heute nicht ich, der entsteht beim Lesen in Ihrem Kopf. Ich meine, die Welt hat zu viele Antworten, vor allem zu viele einfache Antworten, die von sich behaupten, auf jeden Fall richtig zu sein. Wichtiger als diese erschlagenden Antworten ist es mir, Fragen zu stellen. Fragen, die das Denken in Bewegung setzen – und so zu denken geben. In diesem Sinne: Denken Sie gut. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Die besten Nachrichten des Jahres | 23 Dec 2022 | 00:11:55 | |
Für viele Medien sind bekanntlich nur schlechte Nachrichten gute Nachrichten. Das gilt ganz besonders im digitalen Raum, wo die Klicks das Mass aller Dinge sind. Klicks erhält, was Aufmerksamkeit auf sich zieht und das ist viel eher das Sensationelle, Aufregende und Empörende als das Nützliche, das Schöne und das Gute. Entsetzen und Wut bringen die Menschen eher dazu, auf einen Link zu klicken oder einen Kommentar zu hinterlassen. Die fatale Folge: Gute Nachrichten haben es schwer in den Medien. Das heisst aber nicht, dass es sie nicht gibt. Ich habe das Jahr deshalb Revue passieren lassen und für Sie die besten Nachrichten des Jahres zusammengetragen. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| ChatGPT: KI schlägt Menschen – was heisst das für uns? | 16 Dec 2022 | 00:11:38 | |
Ein künstlich-intelligenter Chat-Roboter sorgt für Aufsehen: Mit ChatGPT kann man über das Web sprechen wie mit einem Menschen. Die künstliche Intelligenz beantwortet Fragen, schreibt auf Kommando Artikel, Kommentare und Gedichte und weiss alles über die Welt. Na ja: fast alles. Die Antworten sind erschreckend gut, auch auf Deutsch. Das stellt die alte Frage neu: Überflügeln uns die Maschinen? Ist die künstliche Intelligenz bald klüger als wir Menschen? Welche Konsequenzen hat es für Schulen, Universitäten und Schreiber wie mich, dass der Chat-Roboter so perfekt schreiben kann? In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen diese Woche, warum das nicht auf die Maschine ankommt, sondern auf uns Menschen. Denn das Kernproblem ist nicht, dass die Maschinen werden wie die Menschen, – sondern umgekehrt. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Warum Identität wichtiger wird als Leistung und was das bedeutet | 09 Dec 2022 | 00:11:08 | |
Sie kennen diesen Witz sicher: Ein Betrunkener sucht mitten in der Nacht unter einer Strassenlaterne am Boden nach etwas. Ein Polizist fragt ihn, was er da mache. Der Betrunkene sagt, er suche seinen Schlüssel. Der Polizist: «Den haben Sie hier verloren?» «Nein», sagt der Betrunkene, «da drüben. Aber dort hat es kein Licht.» An diesen Witz habe ich in den letzten Tagen oft gedacht. Denn Medien diskutieren immer häufiger Fragen der Identität, der Repräsentanz und des Stils - also das, was grad im Licht steht. Woher ein Politiker stammt. Ob eine Parlamentarierin freundlich und charmant ist. Ob die Geste des Mittelfeldspielers in der Nationalmannschaft am Platz war. Statt um die Sache geht es um die Herkunft und um Äusserlichkeiten. Repräsentanz ist wichtiger als Leistung. Warum? Und welche Folgen hat das? In meinem Wochenkommentar gehe ich diese Woche der Frage nach, warum Medien darüber diskutieren, wer Politiker sind, statt ihre Leistung zu beleuchten. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Wozu Kulturjournalismus – und wenn ja: wie? | 02 Dec 2022 | 00:12:28 | |
Die «Basler Zeitung» hat diese Woche Schlagzeilen gemacht: Die Zeitung baut ihren Kulturteil um. Beobachter sagen, die «BaZ» dampfe die Berichterstattung über die Kultur in Basel ein – die Zeitung selbst spricht von einer Verschiebung der Kultur in den Lokalteil. So oder so entspricht die Entwicklung einem Trend: Kulturberichterstattung klickt nicht. Wiesen gedruckte Zeitungen früher einen ganzen Kulturbund auf, sind es heute noch ein, zwei Seiten. Meistens muss sich die Kultur den Platz dabei mit Softthemen teilen: Elton Johns Unterhosen sind wichtiger als Mozart und Beethoven. Oder die Musik von Elton John. Es wäre einfach, jetzt im Brustton der Empörung den Untergang der abendländischen Kultur zu bedauern. Doch so einfach ist es nicht: Als Gesellschaft haben wir uns diese Entwicklung selbst eingebrockt. In meinem Wochenkommentar schaue ich deshalb mit Ihnen die Situation aus drei verschiedenen Perspektiven an und mache ein paar konkrete Vorschläge, wie sich die Situation verbessern liesse. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Die Fussball-Weltmeisterschaften der Doppelmoral | 25 Nov 2022 | 00:11:40 | |
Natürlich ist rund um die Fussball-WM jetzt auch von Fussball die Rede. Von den vielen Toren der Spanier, von den fehlenden Toren der Deutschen. Vom Knöchel von Neymar und der Gehirnerschütterung von Irans Torwart Alireza Beiranvand. Neben dem Fussballplatz ist aber vor allem ein Wort zu hören: «Doppelmoral». Fifa-Präsident Gianni Infantino verbat sich «heuchlerische Kritik» und sprach von Doppelmoral gegenüber Katar. Seine Kritiker bezeichnen ihn selbst als «personifizierte Doppelmoral». Für Katar-Kritiker ist es ein Zeichen von Doppelmoral, sich Fussballspiele anzuschauen – für Fussballfans ist es Doppelmoral, sie nicht zu schauen. In meinem Wochenkommentar dekonstruiere ich für Sie die Doppelmoral-Vorwürfe und zeige Ihnen, welche rhetorischen Tricks dahinterstehen. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Sommergedanken 4: Norden – Wo das Denken wohnt | 31 Jul 2025 | 00:08:22 | |
Jeden Morgen um sechs Uhr halte ich auf meiner Joggingrunde über Basel kurz inne und mache ein Foto. Ich befinde mich auf dem Bruderholz, dem Hügel südlich der Stadt – mein Blick geht nach Norden. Dort öffnet sich die Landschaft in einer ungewohnten Weite: über Strassburg und Karlsruhe bis nach Frankfurt. Das sind 300 Kilometer – eine Weite, wie wir sie in der Schweiz nicht kennen. Es entspricht etwa der Distanz Genf-Romanshorn. Wenn ich auf «meinem» Hügel stehe und nach Norden blicke, habe ich ein ähnliches Gefühl wie am Meer: Der Horizont ist offen. Die Luft ist klar. Die Gedanken auch. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Fussball-WM in Katar: Wie Sie der Fifa wirklich weh tun können | 18 Nov 2022 | 00:12:51 | |
Haben Sie sich auch schon gefragt, ob Sie den Fernseher einschalten und den einen oder anderen Match der Fussball-Weltmeisterschaften in Katar anschauen sollen? Viele Menschen in Europa sehen sich im Clinch zwischen Sport und Ethik und nehmen sich vor, die Fussballspiele nicht zu schauen. Doch das bringt rein gar nichts. Schauen Sie ruhig zu, wie die Männer in den Wüstenstadien dem Ball nachrennen. Die Fernsehrechte sind schon vor elf Jahren verkauft worden. Für Milliardenbeträge übrigens. Zudem gibt es einen viel wirksameren Weg, wie wir die Fifa daran erinnern können, auf den Pfad der, na ja, vielleicht nicht gerade der Tugend, aber doch der Akzeptanz zurückzukehren. In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen diese Woche, wie Sie der Fifa wirklich weh tun können. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Gmail macht Politik: Wie politisch sind Spamfilter? | 11 Nov 2022 | 00:14:09 | |
Die Republikanische Partei hat in den USA Google verklagt: Angeblich filtere Google mit seinem Maildienst Gmail Wahlspende-Anfragen der Republikaner als Spam-Mails aus. Seit Jahren schimpfen Republikaner in den USA, dass sie auf den sozialen Medien benachteiligt würden. Den Höhepunkt haben die Klagen erreicht, als Twitter und Facebook das Konto von Donald Trump sperrten. Jetzt trägt die Republikanische Partei die Auseinandersetzung über die Sozialen Medien hinaus. Denn auch Mailprogramme filtern Inhalte, vielleicht sogar eher stärker als die Sozialen Medien. Ich habe nachgefragt, ob auch bei uns die Parteien mit Maildienstleistern kämpfen und was sie vom Vorschlag von Google halten, politische Mails künftig zu kennzeichnen. Mein Wochenkommentar zur Politik im Mailpostfach. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||
| Warum Elon Musk mit Twitter abstürzen wird | 04 Nov 2022 | 00:13:30 | |
«The bird is freed», twitterte Elon Musk letzte Woche, als er Twitter definitiv gekauft hatte, also «Der Vogel ist befreit». Die politische Rechte jubelt: Endlich kehre die Meinungsfreiheit zurück in die sozialen Medien. Gleichzeitig kritisiert sie die «woken Linken», dass sie die freie Debatte nicht aushalte. Die Linke umgekehrt fürchtet sich davor, dass Twitter jetzt von Hass und Hetze überschwemmt wird und will dem Netzwerk den Rücken kehren. Was stimmt? Wird Elon Musk nach der Raumfahrt und dem Automobilbau jetzt auch die Medien revolutionieren? Bringt er Freiheit in die Debatte? In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen, warum sich ein Medienhaus, das Twitter letztlich ist, nicht führen lässt wie irgendeine Raketenfirma. Warum Elon Musk mit Twitter also abstürzen wird. Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI. | |||