Explore every episode of the podcast Lyrikschule
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| KHM 1: Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich | 29 juil. 2025 | 00:11:11 | |
'Der Froschkönig' steht in den Kinder- und Hausmärchen an erster Stelle und gehört nicht zuletzt deswegen zu den bekanntesten Märchen überhaupt. Auf den Kuss der Prinzessin, die den Frosch verwandelt, wartet man in dieser Fassung aus letzter Hand aber vergebens ... dafür hat ein Diener einen seltsamen Auftritt: Der eiserne Heinrich, der hier fast wie ein Fremdkörper wirkt, sich aber über die Entstehungsgeschichte des Textes mit herausentwickelt hat, wenngleich er in vielen späteren Fassungen wegrationalisiert wurde. | |||
| Was sind Märchen? | 28 juil. 2025 | 00:16:24 | |
Wie definieren Literaturwissenschaftler eigentlich Märchen? Diese Frage soll geklärt werden, bevor die Lesung der 200 Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm auf diesem Kanal beginnt. | |||
| Über die Zukunft der Lyrikschule | 27 juil. 2025 | 00:07:18 | |
Die Lyrikschule hat noch nicht dicht gemacht! In der Zukunft sollen wieder neue Folgen erscheinen, allerdings nicht mehr ausschließlich zu lyrischen Texten! | |||
| Folge 78 - Queere Lyrik - August von Platen | 26 juin 2024 | 00:32:01 | |
Diese Folge ist dem Pride Month entsprechend queerer Lyrik gewidmet und zeichnet anhand ausgewählter Sonette August von Platens einige typische homoerotische Denk- und Gefühlsmuster nach. August von Platen: Die Sonette - Männerschwarm-Verlag https://www.maennerschwarm.de/buch/die-sonette/ | |||
| Folge 77 - Die Kühe sind schuld (Odile Kennel) | 17 avr. 2024 | 00:24:07 | |
In dieser Folge geht es um ein Gedicht, das die Mechanismen im Umgang mit der Klimakrise offenlegt. Außerdem wird ein neuer methodischer Zugang zu Lyrik vorgestellt.
Die Kühe sind schuld
Die Kühe sind schuld
am Schlamm am Schlamassel
am maßlosen Regen, hinterlassen
Paarhuferspuren im All
im allgegenwärtigen Klima,
killen den Himmel, die wahren
Sünder, heißt es, seien die Kühe.
Doch die wissen von nichts.
Verlangen nicht viel: Wollen nur grasen,
weiche Nasen ins Grün
drücken, das ihnen blüht,
in Ruhe muhen, Ruhe vor Fliegen,
in Ruhe auf Wappen posiern,
Almen bevölkern und tiefere
Wiesen als Schlumpen
mit Artgenossinnen schunkeln,
Färse sein, Milchkuh
ja, auch mal heilig, aber vor allem:
äsen, mahlen, vier Mägen
hegen, rülpsen und schließlich acht
bis zehn Fladen am Tag fabriziern.
Doch heißt es: Der Bock ist
die Kuh, die Mist baut, wenn sie
verdaut, sie ist wahnsinnig
schädlich fürs Atmosphärische
auf der Methanebene gänzlich
passé. Und sind die Kühe nicht
auch schuld an der Krise? Wir
dekretieren das elfte Gebot: Die Abschaffung
der Kühe tut Not.
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| Folge 76 - Weihnachten (Rilke, Storm, Loriot) | 22 déc. 2023 | 00:22:54 | |
Weihnachten ist die Zeit der Besinnung, die Zeit der Kinder, auch eine melancholische Zeit und nicht zuletzt eine Zeit der absurden Rituale und nervenaufreibenden Familienfeiern. Anhand von drei Gedichten sollen Schlaglichter auf diese Zeit geworfen werden, wenngleich es sich nicht um die ganz typischen Weihnachtsgedichte 'unterm Tannenbaum' handelt. Rainer Maria Rilke Das Karussell Theodor Storm Weihnachtslied Vom Himmel bis in die tiefsten Klüfte Mir ist das Herz so froh erschrocken, das ist die liebe Weihnachtszeit! Ich höre fern her Kirchenglocken mich lieblich heimatlich verlocken in märchenstille Herrlichkeit. Ein frommer Zauber hält mich wieder, anbetend, staunend muß ich stehn; es sinkt auf meine Augenlider ein goldner Kindertraum hernieder, ich fühl's, ein Wunder ist geschehn. Loriot Advent Es blaut die Nacht. Die Sternlein blinken. Schneeflöcklein leis’ niedersinken. Auf Edeltännleins grünem Wipfel häuft sich ein kleiner weißer Zipfel. Und dort, vom Fenster her durchbricht den dunklen Tann' ein warmes Licht. Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer die Försterin im Herrenzimmer. In dieser wunderschönen Nacht hat sie den Förster umgebracht. Er war ihr bei des Heimes Pflege seit langer Zeit schon sehr im Wege. So kam sie mit sich überein: Am Niklasabend soll es sein. Und als das Rehlein ging zur Ruh', das Häslein tat die Augen zu, erlegte sie - direkt von vor'n - den Gatten über Kimm' und Korn. Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase zwei-, drei-, viermal die Schnuppernase. Und ruhet weiter süß im Dunkeln, Derweil die Sternlein traulich funkeln. Und in der guten Stube drinnen, da läuft des Försters Blut von hinnen. Nun muß die Försterin sich eilen, den Gatten sauber zu zerteilen. Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen nach Waidmanns Sitte aufgebrochen. Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied - was der Gemahl bisher vermied - Behält ein Teil Filet zurück, als festtägliches Bratenstück. Und packt zum Schluss - es geht auf vier - die Reste in Geschenkpapier. Da dröhnt's von fern wie Silberschellen. Im Dorfe hört man Hunde bellen. Wer ist's, der in so tiefer Nacht im Schnee noch seine Runde macht? Knecht Ruprecht kommt mit gold’nem Schlitten auf einem Hirsch herangeritten! »He, gute Frau, habt ihr noch Sachen, die armen Menschen Freude machen?« Des Försters Haus ist tief verschneit, doch seine Frau steht schon bereit: »Die sechs Pakete, heil'ger Mann, 's ist alles, was ich geben kann!« Die Silberschellen klingen leise. Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise. Im Försterhaus die Kerze brennt. Ein Sternlein blinkt: Es ist Advent. | |||
| Folge 75 - Krieg dem Kriege (Kurt Tucholsky) | 08 déc. 2023 | 00:21:42 | |
In der heutigen Folge soll erneut ein pazifistisches Gedicht im Mittelpunkt stehen. Es ist nicht das erste auf diesem Kanal, was zeigt, wie wichtig mir das Thema ist. Wichtig einerseits und andererseits erschütternd, wie wenig der Mensch dazuzulernen scheint, wie blindwütig er sich anschickt, munter die alten Fehler zu wiederholen und zu wiederholen und zu wiederholen. Das tut aber der Größe dieses Textes, der keinesfalls blind, sondern geradezu hellsichtig zu nennen wäre, keinen Abbruch! Krieg dem Kriege Sie lagen vier Jahre im
Schützengraben. weit, weit –!
sah er zu Haus die dicken Bäuche. Und es fraßen dort um sich wie eine Seuche Großer Sieg! Sieg in Albanien und Sieg in Flandern!“ Verwundung, Qual wie ein Tier, und Tod. Ein kleiner Fleck, schmutzigrot – Werden die Menschen es niemals lernen? Gibt es ein Ding, um das es sich lohnt? Blut und zermalmte Knochen und Dreck … Und dann hieß es plötzlich, das Schiff sei leck. Für wen das alles? Pro patria?
unsern Söhnen und euern Enkeln. Sollen die wieder blutrot besprenkeln Wir haben alle, alle gesehn, wohin ein solcher Wahnsinn führt – schenken uns wieder Nationalisten. Und nach abermals zwanzig Jahren
Der alte Tanz auf dem alten Vulkan. Du sollst nicht töten! hat einer gesagt. Und Friede auf Erden. | |||
| Folge 74 - Dann gibt es nur eins (Wolfgang Borchert) | 22 nov. 2023 | 00:09:28 | |
Im strengen Sinne ist der Text natürlich kein Gedicht, auch wenn er sich durch eine ausgeprägte Sprachrhythmik und hohe Bildlichkeit auszeichet. Ich möchte dieses Manifest des Pazifismus aber gerne mit allen Hörer:innen teilen und hoffe, dass der Text bei allen einen so bleibenden Eindruck hinterlässt, wie bei mir. In der Folge bleibt es bei der Rezitation - ohne jeden Kommentar, denn der ist überflüssig! | |||
| Folge 73 - Wie rezitiere ich ein Gedicht? | 29 oct. 2023 | 00:30:54 | |
Am Beispiel von Johannes R. Bechers Gedicht "Ballade von den dreien" erkläre ich, wie man vorgeht, um ein Gedicht vorzutragen. Ballade von den dreien Der Offizier rief: „Grabt den Juden ein!"
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| Folge 72 - Rainald Grebe II | 06 oct. 2023 | 00:38:28 | |
In der zweiten Folge zu Rainald Grebe geht es schwerpunktmäßig um seinen genresprengenden Roman 'Global Fish' von 2006. Hier gibt es keine klare Abgrenzung von Epik, Lyrik oder Dramatik - in den Roman sind immer wieder kleine Gedichte und Lieder, die der Autor auch vertont hat, eingebaut. Ein zentraler Reflexionstext des Romans ist das folgende Gedicht: An Deck machte ich mir Gedanken Führte Selbstgespräche zum Thema: Worum geht es. Es geht doch darum, sagte ich laut, wenn ich mich unbeobachtet fühlte, darum, wirklich was zu erleben. Darum geht es. Nicht nur oberflächlich, so und so, hier und da, sondern wirklich zu erleben, was unter die Haut geht wie ein Tattoo.
Ich will mit Frauen aus fünf Kontinenten schlafen, alle Drogen ausprobieren, die es gibt, dann sehr gesund leben, enthaltsam wie ein Heiliger, dass ich alt werden kann wie Goethe oder Nelson Mandela. Lernen, schaffen, hinterlassen, Familie, Kinder, Enkel, Kunst, Wissenschaft und Leben, den ganzen Globus kennen und den Mond. Wirklich gebildet will ich werden, ein Bild von einem Menschen, mein Leben, sagte ich laut, wird ein langer Entwicklungsroman und auf dem Buchrücken steht: Dieser Junge hat sich sehr gut entwickelt. Weitere Lieder werden in der Folge angespielt. Ich verweise aber gerne erneut auf den reichen Fundus an weiteren Aufnahmen, die auf Youtube zu finden sind. | |||
| Folge 71 - Politische Lyrik (Bürger, Gellert, Fontane, Grass) | 26 sept. 2023 | 00:48:23 | |
Wie funktionieren politische Texte? Was sind ihre Strategien? Das wird in dieser Folge an 4 Beispielen gezeigt. Die ersten beiden Texte sind von Gottfried August Bürger (der Bauer an seinen durchlauchtigen Tyann) und Christian Fürchtegott Gellert (das Kutschpferd). Ich kann sie hier leider nicht vollumfänglich zitieren, da die Shownotes auf 4000 Zeichen begrenzt sind. Dafür aber im Folgenden die anderen beiden Texte in ganzer Länge: Theodor Fontane Berliner Republikaner (um 1841) „Wir brauchen keenen Kenig nich, Wir wollen keenen haben!“ Und spricht: „He, Bursch, juckt dir das Fell, Du Tausendsapperments-Rebell? Und laß Er sich begraben; Wozu denn gleich so ängstiglich, Günter Grass Was gesagt werden muss (2012) Warum schweige ich, verschweige zu lange, Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag, | |||
| Folge 70 - Abitur 2023 Niedersachsen Teil 2 | 04 août 2023 | 00:35:10 | |
In diesem zweiten Teil wird die Lyrikaufgabe aus dem Nachschreibepool für Niedersachsen 2023 besprochen. Außerdem teste ich in dieser Folge ChatGPT als Interpretationsassistenten auf Herz und Nieren. Erich Kästner Das Eisenbahngleichnis
Wir sitzen alle im gleichen Zug Ein Nachbar schläft, ein andrer klagt, Wir packen aus, wir packen ein. Auch er weiß nicht, wohin er will. Ein Kind steigt aus, die Mutter schreit. Die erste Klasse ist fast leer. Wir reisen alle im gleichen Zug Franz Kafka Im Tunnel Wir sind, mit dem irdisch befleckten Auge gesehn, in der Situation von Eisenbahnreisenden, die in einem langen Tunnel verunglückt sind, und zwar an einer Stelle, wo man das Licht des Anfangs nicht mehr sieht, das Licht des Endes aber nur so winzig, dass der Blick es immerfort suchen muss und immerfort verliert, wobei Anfang und Ende nicht einmal sicher sind. Rings um uns aber haben wir in der Verwirrung der Sinne oder in der Höchstempfindlichkeit der Sinne lauter Ungeheuer und ein je nach der Laune und Verwundung des Einzelnen entzückendes oder ermüdendes kaleidoskopisches Spiel. Was soll ich tun? oder: Wozu soll ich es tun? sind keine Fragen dieser Gegenden. | |||
| Folge 69 - Abitur 2023 Niedersachsen - Teil 1 | 04 juin 2023 | 00:29:26 | |
Das Niedersächsische Deutschabitur ist geschrieben und kontrolliert - jetzt ist wieder Zeit für Lyrikschule! Und aus gegebenem Anlass werfen wir einen Blick auf eben jene Lyriktexte, die das Abitur bereithielt. Ein moderner und ein klassischer Text sollen verglichen werden. Beide haben ein lyrisches Subjekt im Zentrum, das nach der Stille und Abgeschiedenheit einsamer Orte sucht. Warum? Bleibt spekulativ. Ist das die große Kunst, ist das der Maßstab, an dem sich ein Abitur bemessen lässt? Wir werden sehen ... Helga M. Novak HÄUSER
Landschaft Erde Natur alles weiblich dahin will ich gehen wo es trostlos ist dahin will ich gehen wo nichts ist Natur und unangetastet und werde in aller Stille ein Haus bauen ein Haus beziehen und werde es – ungeliebt und unfähig zu lieben – mit meiner maßlosen Liebe entzünden auch diese Nacht geht vorbei und keiner kommt und reißt meine Zäune ein siehst du die gelbe verrostete Bank auf der werde ich sitzen wenn ich nicht weiter weiß also für immer wie eine der die Augen übergegangen sind
Nikolaus Lenau Einsamkeit
Wild verwachsne dunkle Fichten, Leise klagt die Quelle fort; Herz, das ist der rechte Ort Für dein schmerzliches Verzichten!
Grauer Vogel in den Zweigen! Einsam deine Klage singt, Und auf deine Frage bringt Antwort nicht des Waldes Schweigen.
Wenn’s auch immer schweigen bliebe, Klage, klage fort; es weht, Der dich höret und versteht, Stille hier der Geist der Liebe.
Nicht verloren hier im Moose, Herz, dein heimlich Weinen geht, Deine Liebe Gott versteht, Deine tiefe, hoffnungslose! | |||
| Folge 68 - Großstadtlyrik (Paul Boldt, Peter Fox, Rainald Grebe) | 07 avr. 2023 | 00:57:21 | |
Die Phänomene der Großstadt sind seit der Literaturepoche des Expressionismus fester Bestandteil der deutschen Lyrik. Häufig wird die Großstadt negativ bewertet, aber es gibt auch Ambivalenzen, insbesondere in zeitgenössischen Texten. Ich führe das an Paul Boldts Klassiker "Auf der Terrasse des Café Josty" vor und vergleiche dieses mit "Schwarz zu Blau" von Peter Fox und "Aufs Land" von Rainald Grebe. Auf der Terrasse des Café Josty
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| Folge 67 - geburtsanzeige (Hans Magnus Enzensberger) | 10 mars 2023 | 00:34:50 | |
Dass wir nicht frei sind im Leben, ist kein Gedanke der Neuzeit. Aber Enzensberger dekliniert die Unfreiheit des Menschen in seinem Gedicht geburtsanzeige so radikal durch, wie kaum ein anderer und zeigt, dass der Mensch von der Wiege bis zur Bahre ein determiniertes Wesen ist. Ihm werden Religion, ökonomische Zwänge und gesellschaftliche Verpflichtungen oktroyiert. Ob man sich dagegen wehren kann? Wer weiß ... vielleicht, indem man Lyrik liest. geburtsanzeige wenn dieses bündel auf die welt geworfen wird die windeln sind noch nicht einmal gesäumt der pfarrer nimmt das trinkgeld eh ers tauft doch seine träume sind längst ausgeträumt es ist verraten und verkauft wenn es die zange noch am schädel packt verzehrt der arzt bereits das huhn das es bezahlt der händler zieht die tratte und es trieft von tinte und von blut der stempel prahlt es ist verzettelt und verbrieft wenn es im süßlichen gestank der klinik plärrt beziffern die strategen schon den tag der musterung des mords der scharlatan drückt seinen daumen unter den vertrag es ist versichert und vertan noch wiegt es wenig häßlich rot und zart wieviel es netto abwirft welcher richtsatz gilt was man es lehrt und was man ihm verbirgt die zukunft ist vergriffen und gedrillt es ist verworfen und verwirkt wenn es mit krummer hand die luft noch fremd begreift steht fest was es bezahlt für milch und telefon der gastarif wenn es im grauen bett erstickt und für das weib das es dann wäscht der lohn es ist verbucht verhängt verstrickt wenn nicht das bündel das da jault und greint die grube überhäuft den groll vertreibt was wir ihm zugerichtet kalt zerrauft mit unerhörter schrift die schiere zeit beschreibt ist es verraten und verkauft. | |||
| Folge 66 - Under der linden (Walther von der Vogelweide) | 04 févr. 2023 | 00:21:30 | |
Walther von der Vogelweide ist fraglos der bekannteste deutsche Minnesänger und wenn in der Schule bereits ein Text von ihm gelesen wird, dann am ehesten wohl das 'Lindenlied'. Doch warum eigentlich? Was zeichnet diesen Text aus, dass er sich als kanonisch etablieren konnte? Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse): https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848/0256/image,info Under der linden Under der linden Ich kam gegangen Dô het er gemachet Daz er bî mir laege, | |||
| Folge 65 - Kitsch vom Computer? (ChatGPT) | 27 janv. 2023 | 00:20:53 | |
Kann ein Computer Kunst erzeugen? Lesen wir in Zukunft nicht mehr Goethe, Brecht und Kaléko, sondern KI-Kunst? In dieser Folge teste ich einige Befehle mit der gerade ziemlich heiß diskutierten KI 'ChatGPT'.
Ich empfehle hier, auch das Youtube-Video anzusehen, da dort auch KI-generierte Bilder zu sehen sein werden! Link: https://youtu.be/S7e0-S5XdrM
Zwei der Gedichte, die die KI mir geliefert hat - jeweils der erste Versuch (!):
"Verloren in Gedanken"
Ich sitze hier allein, in Dunkelheit gehüllt,
umgeben von Worten, die ich einst liebte.
Doch jetzt erfüllen sie mich nur noch mit Schmerz,
denn sie erinnern mich an die Liebe, die ich verlor.
Ich durchblättere Seiten voller Poesie,
die einst mein Herz zum Schwingen brachten.
Doch jetzt sind sie nur noch Erinnerungen
an eine Liebe, die für immer verloren ist.
Ich suche Trost in Worten, die ich einst verstand,
doch jetzt scheinen sie nur noch leer und sinnlos.
Ich bin verloren in Gedanken,
die mich quälen, seit ich dich verlor.
Ich schreibe meine eigenen Worte,
um meine Trauer auszudrücken,
meine Sehnsucht nach Liebe,
die ich nie wieder finden werde.
Aber vielleicht, irgendwann,
wird die Poesie mich wieder trösten,
und ich werde meine Wunden heilen
und meine Seele wieder finden.
"Lost in Thought"
Alone I sit in darkness drear,
Surrounded by the words I hold dear.
But now they bring me only pain,
Reminding me of love in vain.
I flip through pages of poetry,
Once filled my heart with ecstasy.
But now they're just a memory
Of love that's lost, eternally.
I seek solace in words I knew,
But now they seem so hollow too.
Lost in thought, I'm feeling blue,
Since losing you, my heart's askew.
I write my own, to express
My sorrow, my loneliness,
My longing for love, I confess,
But it's a love I'll never possess.
Perhaps one day, the poetry
Will bring me solace, set me free,
And I'll heal my wounds, you'll see,
And find my soul, eventually.
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| Folge 64 - Siebenmal mein Körper (Robert Gernhardt) | 13 janv. 2023 | 00:23:55 | |
Robert Gernhardt wird gerne in die Tradition Wilhelm Buschs gestellt und das zurecht, hat er mit diesem doch den satirischen Tonfall und die Doppelbegabung als Dichter und Zeichner gemein. Man verkennt Gernhardt aber, wenn man ihn darauf reduziert. Sein Werk kennt auch existenzielle Themen, wie am Beispiel zweier Gedichte zum Thema 'Körper' gezeigt werden soll. Siebenmal mein Körper Mein Körper ist ein schutzlos Ding, Mein Körper hat es gut bei mir, Mein Körper hält sich nicht an mich, Mein Körper macht nur, was er will, Mein Körper ist voll Unvernunft, Mein Körper kennt nicht Maß noch Dank, Mein Körper ist so unsozial. Noch einmal: Mein Körper Mein Körper rät mir: Denk aber: Ach, der Da sagt mein Körper: Ach gar nichts! sag ich Die Frage scheint recht Sie läßt mir seither | |||
| Folge 63 - Rainald Grebe I | 31 déc. 2022 | 01:06:04 | |
Rainald Grebe ist seit vielen Jahren einer meiner Lieblingsautoren. In dieser Folge stelle ich den Theater- und Liedermacher, aber auch den Romanautor Grebe vor und werfe ein paar Schlaglichter auf einige meiner liebsten Lieder von ihm. Auf Youtube finden sich die meisten Songs von Grebe, es lohnt zu stöbern! Außerdem sei auf seine Homepage mit aktuellen Terminen verwiesen: https://rainald-grebe.de/ Zum vertieften Weiterlesen empfehle ich die folgenden Aufsätze: Tilman Venzl (2022): »Sehnsucht nach einer geordneten Welt«. Rainald Grebes Lob der Ratlosigkeit - https://textpraxis.net/tilman-venzl-sehnsucht Tilman Venzl (2021): Der flexible Mensch auf hoher See. Zu Rainald Grebes Roman Global Fish - https://hrcak.srce.hr/file/394458 Johannes Thiele (2017): Rainald Grebe im Deutschunterricht. Johannes Thiele (2018): Kunst in der Schwebe [samt Interview mit Grebe] - http://litlog.uni-goettingen.de/kunst-in-der-schwebe/ Gerrit Lembke (2010): Poetik der Einebnung: Zur Amalgamierung von Raum und Zeit in den Liedern Rainald Grebes. "Zeitmaschine" und "Guido Knopp" - https://www.academia.edu/8344027/Poetik_der_Einebnung_Zur_Amalgamierung_von_Raum_und_Zeit_in_den_Liedern_Rainald_Grebes_Zeitmaschine_und_Guido_Knopp_2010_ | |||
| Folge 62 - Zur Frage der Reinkarnation (Enzensberger) | 06 déc. 2022 | 00:21:25 | |
Hans Magnus Enzensberger ist gestorben und aus diesem Grund lassen wir seine Texte aufleben. Gerade der Text 'Zur Frage der Reinkarnation' offenbart uns einige ganz entscheidende Facetten, wenn es um Enzensbergers Denken, um sein Verhältnis zur Natur und zur Menschheit geht.
Enzensberger Zur Frage der ReinkarnationDie Fliege stört mich. Brockes Die kleine FliegeNeulich sah ich, mit Ergetzen, Eine kleine Fliege sich, Auf ein Erlen-Blättchen setzen, Deren Form verwunderlich Von den Fingern der Natur, So an Farb′, als an Figur, Und an bunten Glantz gebildet. Es war ihr klein Köpfgen grün, Und ihr Körperchen vergüldet, Ihrer klaren Flügel Paar, Wenn die Sonne sie beschien, Färbt ein Roth fast wie Rubin, Das, indem es wandelbar, Auch zuweilen bläulich war. Liebster Gott! wie kann doch hier Sich so mancher Farben Zier Auf so kleinem Platz vereinen, Und mit solchem Glantz vermählen, Daß sie wie Metallen scheinen! Rief ich, mit vergnügter Seelen. Wie so künstlich! fiel mir ein, Müssen hier die kleinen Theile In einander eingeschrenckt, durch einander hergelenckt Wunderbar verbunden seyn! Zu dem Endzweck, daß der Schein Unsrer Sonnen und ihr Licht, Das so wunderbarlich-schön, Und von uns sonst nicht zu sehn, Unserm forschenden Gesicht Sichtbar werd, und unser Sinn, Von derselben Pracht gerühret, Durch den Glantz zuletzt dahin Aufgezogen und geführet, Woraus selbst der Sonnen Pracht Erst entsprungen, der die Welt, Wie erschaffen, so erhält, Und so herrlich zubereitet. Hast du also, kleine Fliege, Da ich mir an die vergnüge, selbst zur Gottheit mich geleitet. | |||
| Folge 61 - Vorbereitung (Johannes R. Becher) | 04 nov. 2022 | 00:22:00 | |
Heute geht es um Johannes R. Becher, einen der wichtigsten Dichter der frühen DDR. Wie wurde er zu dem Schriftsteller, der Schreiben und Politik als untrennbar begriff? In dieser Folge blicken wir auf einen frühen Text von ihm, in dem schon der Keim für die spätere Entwicklung in Bechers Biografie zu sehen ist. Vorbereitung Der Dichter meidet strahlende Akkorde. Ich lerne. Ich bereite vor. Ich übe mich. O Trinität des Werks: Erlebnis Formulierung Tat. … bald werden sich die Sturzwellen meiner Sätze zu einer unerhörten Figur verfügen. Menschheit! Freiheit! Liebe! Der neue, der Heilige Staat | |||
| Folge 60 - D-Zug (Gottfried Benn) | 23 sept. 2022 | 00:20:05 | |
Am Ende des Sommers überkommt uns häufig ein gewisses Gefühl der Melancholie. Wir halten fest an den Eindrücken, die wir erlebt haben. Auf besonders kunstvolle Weise hat Gottfried Benn diesen Moment in Worte gebannt. D-Zug Braun wie Kognak. Braun wie Laub. Rotbraun. Malaiengelb. D-Zug Berlin - Trelleborg und die Ostseebäder. – Fleisch, das nackt ging. Bis in den Mund gebräunt vom Meer. Reif gesenkt. Zu griechischem Glück. In Sichel-Sehnsucht: wie weit der Sommer ist! Vorletzter Tag des neunten Monats schon! – Stoppel und letzte Mandel lechzt in uns. Entfaltungen, das Blut, die Müdigkeiten, Die Georginennähe macht uns wirr. – Männerbraun stürzt sich auf Frauenbraun: Eine Frau ist etwas für eine Nacht. Und wenn es schön war, noch für die nächste! Und dann wieder dies Bei-sich-selbst-sein! Diese Stummheiten. Dies Getriebenwerden! Eine Frau ist etwas mit Geruch. Unsägliches. Stirb hin. Resede. Darin ist Süden, Hirt und Meer. An jedem Abhang lehnt ein Glück. – Frauenhellbraun taumelt an Männerdunkelbraun: Halte mich! Du, ich falle! Ich bin im Nacken so müde. O dieser fiebernde süße Letzte Geruch aus den Gärten. – | |||
| Folge 59 - Die drei Lesungen des Gesetzes (Peter Handke) | 16 sept. 2022 | 00:19:12 | |
Ist das ein Gedicht? Kann Juristerei Lyrik sein? Und was hat das mit der 68er-Revolution zu tun? Diese Fragen werden im Zusammenhang mit Peter Handkes Text gestellt und beantwortet. Die drei Lesungen des Gesetzes 1. Jeder Staatsbürger hat das Recht – Beifall seine Persönlichkeit frei zu entfalten – Beifall insbesondere hat er das Recht auf: Arbeit – Beifall Freizeit – Beifall Freizügigkeit – Beifall Bildung – Beifall Versammlung – Beifall sowie auf Unantastbarkeit der Person – starker Beifall 2. Jeder Staatsbürger hat das Recht – Beifall im Rahmen der Gesetze seine Persönlichkeit frei zu entfalten – Rufe: Hört! Hört! insbesondere hat er das Recht auf Arbeit entsprechend den gesellschaftlichen Erfordernissen – Unruhe, Beifall auf Freizeit nach Maßgabe seiner gesellschaftlich notwendigen Arbeitskraft –Zischen, Beifall, amüsiertes Lachen, Unruhe auf Freizügigkeit, ausgenommen die Fälle, in denen eine ausreichende Lebensgrundlage nicht vorhanden ist und der Allgemeinheit daraus besondere Lasten entstehen würden schwacher Beifall, höhnisches Lachen, Scharren,Unruhe auf Bildung, soweit die ökonomischen Verhältnisse sie sowohl zulassen als auch nötig machen Rufe, Türenschlagen, höhnischer Beifall auf Versammlung nach Maßgabe der Unterstützung der Interessen der Mitglieder der Allgemeinheit Lärm, vereinzelte Bravorufe, Protestklatschen, Rufe wie: Endlich! oder: Das hat uns noch gefehlt!, Trampeln, Gebrüll, Platzen von Papiertüten sowie auf Unantastbarkeit der Person – Unruhe und höhnischer Beifall. 3. Jeder Staatsbürger hat das Recht, im Rahmen der Gesetze und der guten Sitten seine Persönlichkeit frei zu entfalten, insbesondere hat er das Recht auf Arbeit entsprechend den wirtschaftlichen und sittlichen Grundsätzen der Allgemeinheit – das Recht auf Freizeit nach Maßgabe der allgemeinen wirtschaftlichen Erfordernisse und den Möglichkeiten eines durchschnittlich leistungsfähigen Bürgers – das Recht auf Freizügigkeit, ausgenommen die Fälle, in denen eine ausreichende Lebensgrundlage nicht vorhanden ist und der Allgemeinheit dadurch besondere Lasten entstehen würden oder aber zur Abwehr einer drohenden Gefahr für den Bestand der Allgemeinheit oder zum Schutz vor sittlicher und leistungsabträglicher Verwahrlosung oder zur Erhaltung eines geordneten Ehe-, Familien- und Gemeinschaftslebens das Recht auf Bildung, soweit sie für den wirtschaftlich-sittlichen Fortschritt der Allgemeinheit sowohl zuträglich als auch erforderlich ist und soweit sie nicht Gefahr läuft, den Bestand der Allgemeinheit in ihren Grundlagen und Zielsetzungen zu gefährden –das Recht auf Versammlung nach Maßgabe sowohl der Festigung als auch des Nutzens der Allgemeinheit und unter Berücksichtigung von Seuchengefahr, Brandgefahr und drohenden Naturkatastrophen sowie das Recht auf Unantastbarkeit der Person. Allgemeiner stürmischer, nicht enden wollender Beifall. | |||
| Folge 58 - Märchen (Drewing, Heym, Morgenstern, Löns) | 02 sept. 2022 | 00:25:32 | |
Märchen im Gedicht - geht das? Ist das kein Widerspruch? Und wenn es das gibt, handelt es sich dann einfach um klassische Märchen in Versform oder gibt es noch andere Möglichkeiten, mit der Gattung Märchen zu spielen? Diese Frage soll an vier Texten verfolgt werden. Ingrid Herta Drewing Märchen ________ Georg Heym Das Märchen Es brandet die Nacht um den schweigenden Wald. ________ Hermann Löns Märchen Am Heidehügel geht ein Singen, Der Text 'Märchen' von Christian Morgenstern ist für die ShowNotes leider etwas zu lang. | |||
| Folge 57 - Wie und wozu Gedichte lesen? (Goethe, Brecht, Radisch, Enzensberger) | 26 août 2022 | 00:30:01 | |
Soll man Gedichte analysieren oder nicht? Gibt es Alternativen dazu? Und was gilt für den Unterricht? Das sind die Fragen für die heutige Folge, bei deren Beantwortung ich mich auf namhafte Größen im Literaturbetrieb stütze. Johann Wolfgang von Goethe Gedichte sind gemalte Fensterscheiben Gedichte sind gemalte Fensterscheiben! Außerdem: Bertolt Brecht: "Über das Zerpflücken von Gedichten" Iris Radisch: "Nie wieder Versfüßchen" Hans-Magnus Enzensberger (unter Pseudonym als Andreas Thalmayr): Vorwort zu "Das Wasserzeichen der Poesie" | |||
| Folge 56 - Der Taucher (Friedrich Schiller) | 08 juil. 2022 | 00:23:59 | |
Eine der bekanntesten Balladen Schillers ist Thema dieser Folge. Da der Text für die Shownotes zu lang ist, kann er hier nachgelesen werden: https://de.wikisource.org/wiki/Der_Taucher Der Tauchenichts » Wer wagt es, Knappersmann oder Ritt, | |||
| Folge 55 - Wie wenig nütze ich bin (Hilde Domin) | 01 juil. 2022 | 00:17:55 | |
Manchmal überkommt uns das Gefühl, dass wir und unser Handeln folgenlos, unwichtig und irrelevant sind. Schon im Sisyphus-Mythos kommt diese Idee zum Tragen. Hilde Domin, die Dichterin des Dennoch, widmet sich im heutigen Text genau dieser Erfahrung und setzt ihr eine kleine trotzige Hoffnung entgegen. Wie wenig nütze ich bin Wie wenig nütze ich bin, | |||
| Folge 54 - Römische Brunnen (C.F. Meyer, Rainer Maria Rilke) | 24 juin 2022 | 00:33:40 | |
Was macht ein formvollendetes Gedicht aus? Und warum inspirieren gerade römische Brunnen zwei so hochkarätige Autoren wie C.F. Meyer und Rilke? Diesen Fragen soll heute nachgegangen werden. Conrad Ferdinand Meyer Der römische Brunnen Aufsteigt der Strahl und fallend gießt Er voll der Marmorschale Rund, Die, sich verschleiernd, überfließt In einer zweiten Schale Grund; Die zweite gibt, sie wird zu reich, Der dritten wallend ihre Flut, Und jede nimmt und gibt zugleich Und strömt und ruht. Rom: Springquell (1. Version, 1860) Es steigt der Quelle reicher Strahl Und sinkt in eine schlanke Schal'. Das dunkle Wasser überfließt Und sich in eine Muschel gießt. Es überströmt die Muschel dann Und füllt ein Marmorbecken an. Ein jedes nimmt und gibt zugleich Und allesammen bleiben reich, Und ob's auf allen Stufen quillt, So bleibt die Ruhe doch im Bild Der Brunnen (2. Version, 1862) In reichem Strahle steigt der Quell Und sinkt in eine Muschel hell, In eine breite Schale gießt Die Muschel, was zu viel ihr ist, Es überströmt die Schale dann Und füllt ein Marmorbecken an, Und alle Stufen bleiben reich, Denn jede gibt und nimmt zugleich, Und wenn es allenthalben quillt, So ist es doch ein ruhig Bild. Der Brunnen (4. Version, 1865) In einem römischen Garten Verborgen ist ein Bronne, Behütet von dem harten Geleucht der Mittagssonne, Er steigt in schlankem Strahle In dunkle Laubesnacht Und sinkt in eine Schale Und übergießt sie sacht. Die Wasser steigen nieder In zweiter Schale Mitte Und voll ist diese wieder, Sie fluten in die dritte: Ein Nehmen und ein Geben, Und alle bleiben reich, Und alle Fluten leben Und ruhen doch zugleich Rainer Maria Rilke Römische Fontäne Borghese Zwei Becken, eins das andre übersteigend dem leise redenden entgegenschweigend sich selber ruhig in der schönen Schale sich niederlassend an den Moosbehängen | |||
| Folge 53 - Ironisierung der Romantik (Heinrich Heine) | 27 mai 2022 | 00:17:46 | |
Der Umbruch von einer Epoche zur nächsten ist selten so gut zu beobachten wie in Heines ironisch-romantischen Gedichten. Die Literatur der 'Kunstperiode' wird damit begraben. Ihr folgt eine kurze aber intensive Zeit politischer Lyrik, zu deren Vordenkern Heine gehört. Das Fräulein stand am Meere Das Fräulein stand am Meere Die schlesischen Weber Im düstern Auge keine Thräne, Altes Kaminstück Draußen ziehen weiße Flocken Sinnend sitz ich auf dem Sessel, Und ein Kätzchen sitzt daneben, Dämmernd kommt heraufgestiegen Schöne Fraun, mit kluger Miene, Ferne grüßen Marmorgötter, Wackelnd kommt herbeigeschwommen Und das alles zieht vorüber, | |||
| Folge 52 - Die Welt unser Traum (Hermann Hesse) ***mit Gast*** | 20 mai 2022 | 00:33:30 | |
Gibt es eine Welt außerhalb unseres Geistes - oder ist vielmehr jeder Einzelne der Schöpfer seines eigenen Universums, seiner eigenen Realität. Diesen Gedanken hat Hermann Hesse kunstfertig in Verse gebannt. Mit meinem Gast für diese Folge, Jan-Henrik Flecke, spreche ich über die Deutungsmöglichkeiten dieses philosophisch-lyrischen Textes. Gerade für Jugendliche enthält er spannende Botschaften, ist aber eigentlich in jedem Alter mit Gewinn zu lesen. Genau das zeichnet große Literatur aus. Hermann Hesse Die Welt unser Traum Nachts im Traum die Städt‘ und Leute, Ungeheuer, Luftgebäude, Alle, weißt du, alle steigen Aus der Seele dunklem Raum, Sind dein Bild und Werk, dein eigen, Sind dein Traum. Geh am Tag durch Stadt und Gassen, Schau in Wolken, in Gesichter, Und du wirst verwundert fassen: Sie sind dein, du bist ihr Dichter! Alles, was vor deinen Sinnen Hundertfältig lebt und gaukelt, Ist ja dein, ist in dir innen, Traum, den deine Seele schaukelt. Durch dich selber ewig schreitend, Bald beschränkend dich, bald weitend, Bist du Redner und Hörer, Bist du Schöpfer und Zerstörer. Zauberkräfte, längst vergeßne, Spinnen heiligen Betrug, Und die Welt, die unermeßne, Lebt von deinem Atemzug. | |||
| Folge 51 - Abitur 2022 - Der Luftschiffer (Karoline von Günderrode) | 13 mai 2022 | 00:22:03 | |
Im Abitur 2022 wurde dieser Text nebst einer Vergleichsaufgabe zu Hoffmanns "goldenem Topf" im Leistungskurs geprüft. Wir erschließen die inhaltlichen und formalen Spezifika des Gedichts und außerdem lernen wir noch das ein oder andere über die Ballonfahrt! Der Luftschiffer Gefahren bin ich in schwankendem Kahne Auf dem blaulichen Oceane, Der die leuchtenden Sterne umfließt, Habe die himmlischen Mächte begrüßt. War, in ihrer Betrachtung versunken, Habe den ewigen Aether getrunken, Habe dem Irdischen ganz mich entwandt, Droben die Schriften der Sterne erkannt Und in ihrem Kreisen und Drehen Bildlich den heiligen Rhythmus gesehen, Der gewaltig auch jeglichen Klang Reißt zu des Wohllauts wogendem Drang. Aber ach! es ziehet mich hernieder, Nebel überschleiert meinen Blick, Und der Erde Grenzen seh' ich wieder, Wolken treiben mich zurück. Wehe! Das Gesetz der Schwere Es behauptet nur sein Recht, Keiner darf sich ihm entziehen Von dem irdischen Geschlecht. Interessantes zur Ballonfahrt: https://www.planet-wissen.de/technik/luftfahrt/ballons/index.html | |||
| Folge 50 - Abitur 2022 - Sonett XXVII (Johann Diedrich Gries) | 06 mai 2022 | 00:21:09 | |
Das Abitur liegt auf dem Tisch! Und Lyrik war auch dabei. Wir beginnen mit dem Text des Grundkurses in Niedersachsen - der Leistungskurs folgt. Der recht unbekannte Autor Gries legt ein Sonett vor, das sich mit dem Wesen des Menschseins befasst. Sonett XXVII Ein Mensch zu seyn, ward Wenigen gegeben; Die Meisten sind zum Sterben nur geboren; Sie sind sich selbst, sie sind der Welt verloren, Ihr ganzes Seyn ein nichtiges Verschweben. Dir aber flammt die Brust von höherm Streben, Ein würdig Loos hast du dir selbst erkoren. Kühn dringst du zu des Lebens fernsten Thoren, Willst von der Nacht das dunkle Siegel heben. Geh’, forsche, kämpfe, fleug in steten Siegen Dem Ziele nach, erobre dir das Wahre; Nichts sey, was dir geheim und ferne bliebe! Doch kann ein Wissen auch dem Herzen gnügen? Ein Opfer sey’s auf würdigem Altare Der, die da Alles nimmt und giebt — der Liebe. | |||
| Folge 49 - (Anti)Kriegsgedichte (von Logau, Gryphius, Kästner, Biermann, Ausländer) | 29 avr. 2022 | 00:28:31 | |
Das Thema Krieg beflügelte die Autoren und Autorinnen seit jeher zu schrecklich-großartigen Texten. Diese Folge stellt eine kleine Auswahl barocker Texte und Texte des 20. Jahrhunderts vor, die eine klare Linie gegen den Krieg fahren. Friedrich von Logau Des Krieges Buchstaben Kummer, der das Mark verzehret, Raub, der Hab und Gut verheeret, Jammer, der den Sinn verkehret, Elend, das den Leib beschweret Grausamkeit, die Unrecht lehret, Sind die Frucht, die Krieg gewähret. Andreas Gryphius Thränen des Vaterlandes - Anno 1636 Wir sind doch nunmehr gantz / ja mehr denn ganz verheeret! Der frechen Völcker Schaar / die rasende Posaun / Das vom Blut fette Schwerdt / die donnernde Carthaun / Hat aller Schweiß / und Fleiß / und Vorrath auffgezehret. Die Türme stehn in Glutt / die Kirch ist umgekehret. Das Rathauß liegt im Grauß / die Starcken sind zerhaun / Die Jungfern sind geschändt / und wo wir hin nur schaun / Ist Feuer / Pest und Tod / der Hertz und Geist durchfähret. Hir durch die Schantz und Stadt / rinnt allzeit frisches Blutt. Dreymal sind schon sechs Jahr / als unser Ströme Flutt / Von Leichen fast verstopft / sich langsam fortgedrungen. Doch schweig ich noch von dem / was ärger als der Tod / Was grimmer denn die Pest / und Glutt und Hungersnoth / Das auch der Seelen Schatz / so vilen abgezwungen. Erich Kästner Verdun, viele Jahre später Auf den Schlachtfeldern von Verdun Wolf Biermann Soldat, Soldat Soldat Soldat in grauer Norm Soldat Soldat, wo geht das hin
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| Folge 48 - John Maynard (Theodor Fontane) | 01 avr. 2022 | 00:21:54 | |
Eine der bekanntesten deutschen Balladen spielt nicht in Deutschland und wer genauer hinschaut findet heraus: nicht einmal die Ideen stammen von Fontane selbst. In dieser Folge wird die spannende Geschichte eines Textes nachvollzogen und bis in die Gegenwart getragen. John Maynard. John Maynard! Er hat uns gerettet, er trägt die Kron’, Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn. Von Detroit fliegt sie nach Buffalo – Die Herzen aber sind frei und froh, Tritt alles: „Wie weit noch, Steuermann? Der schaut nach vorn und schaut in die Rund’: „Feuer“ war es, was da klang, Ein Qualm aus Kajütt’ und Luke drang, Am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt, Am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht, Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht, Der Kapitän nach dem Steuer späht, „Ja, Herr. Ich bin.“ „„Auf den Strand. In die Brandung.““ „„Noch da, John Maynard?““ Und Antwort schallt’s Mit ersterbender Stimme: „Ja, Herr, ich halt’s“ Rettung: der Strand von Buffalo. * * * Ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt, Ein Dienst nur, den sie heute hat: Mit Blumen schließen sie das Grab, Und mit goldner Schrift in den Marmorstein Er hat uns gerettet, er trägt die Kron’, Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn. | |||
| Folge 47 - Abschied von der Jugend (Anette von Droste-Hülshoff) | 25 mars 2022 | 00:21:25 | |
Verpasste Gelegenheiten könnte der alternative Titel dieses Gedichts sein. Anette von Droste-Hülshoff beklagt das Ende der Jugendzeit und all die nicht gemachten Erfahrungen. Am Ende wendet sie den Blick verhalten-hoffnungsvoll in die Zukunft. Abschied von der Jugend Wie der zitternde Verbannte Steht an seiner Heimat Grenzen, Rückwärts er das Antlitz wendet, Rückwärts seine Augen glänzen, Winde, die hinüberstreichen, Vögel, in der Luft beneidet, Schaudernd vor der kleinen Scholle, Die das Land vom Lande scheidet; Wie die Gräber seiner Toten, Seine Lebenden, die süßen, Alle stehn am Horizonte, Und er muß sie weinend grüßen; Alle kleinen Liebesschätze, Unerkannt und unempfunden, Alle ihn wie Sünden brennen Und wie ewig offne Wunden; So an seiner Jugend Scheide Steht ein Herz voll stolzer Träume, Blickt in ihre Paradiese Und der Zukunft öde Räume, Seine Neigungen, verkümmert, Seine Hoffnungen, begraben, Alle stehn am Horizonte, Wollen ihre Träne haben. Und die Jahre die sich langsam, Tückisch reihten aus Minuten, Alle brechen auf im Herzen, Alle nun wie Wunden bluten; Mit der armen kargen Habe, Aus so reichem Schacht erbeutet, Mutlos, ein gebrochner Wandrer, In das fremde Land er schreitet. Und doch ist des Sommers Garbe Nicht geringer als die Blüten, Und nur in der feuchten Scholle Kann der frische Keim sich hüten; Über Fels und öde Flächen Muß der Strom, daß er sich breite, Und es segnet Gottes Rechte Übermorgen so wie heute. | |||
| Folge 46 - Sehnsucht (Joseph von Eichendorff) | 11 mars 2022 | 00:18:01 | |
Eichendorffs Gedicht gilt heute als Inbegriff der Romantik. Dabei ist es erst ganz am Ende der Epoche veröffentlicht worden, wie sie heute in der Regel datiert wird. In dieser Folge wird geklärt, warum dieser Text eine so starke kanonische Wirkung hat und natürlich, wie er inhaltlich und formal beschaffen ist. Sehnsucht Es schienen so golden die Sterne, Am Fenster ich einsam stand Und hörte aus weiter Ferne Ein Posthorn im stillen Land. Das Herz mir im Leib entbrennte, Da hab' ich mir heimlich gedacht: Ach wer da mitreisen könnte In der prächtigen Sommernacht! Zwei junge Gesellen gingen Vorüber am Bergeshang, Ich hörte im Wandern sie singen Die stille Gegend entlang: Von schwindelnden Felsenschlüften, Wo die Wälder rauschen so sacht, Von Quellen, die von den Klüften Sich stürzen in die Waldesnacht. Sie sangen von Marmorbildern, Von Gärten, die über'm Gestein In dämmernden Lauben verwildern, Palästen im Mondenschein, Wo die Mädchen am Fenster lauschen, Wann der Lauten Klang erwacht, Und die Brunnen verschlafen rauschen In der prächtigen Sommernacht. - | |||
| Folge 45 - Das Sonett und der Sonetten-Krieg (August Wilhelm Schlegel und Goethe) | 04 mars 2022 | 00:23:38 | |
In dieser Folge geht es um das Sonett an sich, die Frage nach seiner ungebrochenen Popularität und einem poetologischen Streit im 19. Jahrhundert, der zwischen Klassik und Romantik geführt wurde. Das Sonett (August Wilhelm Schlegel) Zwei Reime heiß' ich viermal kehren wieder, Und stelle sie, getheilt, in gleiche Reihen, Daß hier und dort zwei eingefaßt von zweien Im Doppelchore schweben auf und nieder. Dann schlingt des Gleichlauts Kette durch zwei Glieder Sich freier wechselnd, jegliches von dreien. In solcher Ordnung, solcher Zahl gedeihen Die zartesten und stolzesten der Lieder. Den werd' ich nie mit meinen Zeilen kränzen, Dem eitle Spielerei mein Wesen dünket, Und Eigensinn die künstlichen Gesetze. Doch, wem in mir geheimer Zauber winket, Dem leih' ich Hoheit, Füll' in engen Gränzen. Und reines Ebenmaß der Gegensätze. _______________________ Das Sonett (Goethe) Sich in erneutem Kunstgebrauch zu üben, Ist heil'ge Pflicht, die wir dir auferlegen: Du kannst dich auch, wie wir, bestimmt bewegen Nach Tritt und Schritt, wie es dir vorgeschrieben. Denn eben die Beschränkung läßt sich lieben, Wenn sich die Geister gar gewaltig regen; Und wie sie sich denn auch gebärden mögen, Das Werk zuletzt ist doch vollendet blieben. So möcht' ich selbst in künstlichen Sonetten, In sprachgewandter Maßen kühnem Stolze, Das Beste, was Gefühl mir gäbe, reimen; Nur weiß ich hier mich nicht bequem zu betten, Ich schneide sonst so gern aus ganzem Holze, Und müßte nun doch auch mitunter leimen. _______________ Natur und Kunst (Goethe) Natur und Kunst sie scheinen sich zu fliehen, Und haben sich, eh' man es denkt, gefunden; Der Widerwille ist auch mir verschwunden, Und beide scheinen gleich mich anzuziehen. Es gilt wohl nur ein redliches Bemühen! Und wenn wir erst in abgemess'nen Stunden Mit Geist und Fleiß uns an die Kunst gebunden, Mag frei Natur im Herzen wieder glühen. So ist's mit aller Bildung auch beschaffen: Vergebens werden ungebundne Geister Nach der Vollendung reiner Höhe streben. Wer Großes will muß sich zusammenraffen; In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister, Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben. | |||
| Folge 44 - Sie sagt im Gehen (Rudolf Borchardt) ***mit Gast*** | 25 févr. 2022 | 01:05:40 | |
"Der bedeutendste unbekannte Dichter des 20. Jahrhunderts" - so beschreibt mein erster Gast, Matthias Richter, den Autor Rudolf Borchardt. In dieser Folge geht es um das widersprüchliche Leben und Schaffen dieses Dichters und um ein Liebesgedicht, das Vergänglichkeit, Sehnsucht und das existenziell-kindliche Verlangen nach dem Stillstehen der Zeit thematisiert. IX. Sie sagt im Gehen Gedicht von Rudolf Borchardt Nur dort die Wiese noch, | |||
| Folge 43 - An das Baby, Mutterns Hände (Kurt Tucholsky) | 18 févr. 2022 | 00:19:12 | |
Zwei Gedichte von Tucholsky - von der Wiege bis zur Bahre. Es war an der Zeit, diesem umtriebigen Dichter auch hier einen Platz zu geben und zu zeigen, dass er und seine Texte immer noch heutig sind. An das Baby Sie wackeln mit dem Schlüsselbund, fröhlich quietscht ein Gummihund. siehst dir die Gesellschaft an … Na, und dann – was meinste? Kirche, Ministerium, Welsche und Germanen. weiß genau, was Wahrheit ist. Aber du, mein guter Mann, Mutterns Hände Hast uns Stulln jeschnitten un jemacht und jedreht ... alles mit deine Hände. hast die Hemden jezählt und Kartoffeln jeschält ... auch n Katzenkopp jejeben. Hast uns hochjebracht. Heiß warn se un kalt. Nu sind se alt. und streicheln deine Hände. | |||
| Folge 42 - Unaufhaltsam (Hilde Domin) | 11 févr. 2022 | 00:12:16 | |
Mehr als alles andere verletzten uns häufig Worte. Worte können tiefer und schmerzvoller treffen als physische Attacken. Diese Erfahrung bringt Hilde Domin in ihrem Gedicht kunstvoll und doch intuitiv-verständlich auf den Punkt. Unaufhaltsam Das eigene Wort, Wo das Wort vorbeifliegt Besser ein Messer als ein Wort. | |||
| Folge 41 - Die Brück' am Tay (Fontane) | 04 févr. 2022 | 00:15:35 | |
Fontanes Balladen sind bis heute integraler Bestandteil des Deutschunterrichts. Doch wie kam es, dass sie sich über eine so lange Zeit halten konnten? Am Beispiel der Brück' am Tay wird verdeutlicht, welche Qualität diese Texte auch heute noch haben. Theodor Fontane: Die Brück’ am Tay When shall we three meet again? »Wann treffen wir drei wieder zusamm?« am Brückendamm.« »Ich mit.« »Ich komme vom Norden her.« Und die Brücke muß in den Grund hinein.« »Und der Zug, der in die Brücke tritt »Tand, Tand Ist das Gebilde von Menschenhand!« Auf der Norderseite, das Brückenhaus — Und in Bangen sehen nach Süden zu, Sehen und warten, ob nicht ein Licht Und der Brückner jetzt: »Ich seh’ einen Schein Am anderen Ufer. Das muß er sein. Nun, Mutter, weg mit dem bangen Traum, Unser Johnie kommt und will seinen Baum, Zünd’ alles an wie zum heiligen Christ, Der will heuer zweimal mit uns sein, — Und es war der Zug. Am Süderturm Und Johnie spricht: »Die Brücke noch! Aber was tut es, wir zwingen es doch. Wir kriegen es unter, das Element. Und unser Stolz ist unsre Brück’; Wie manche liebe Christfestnacht Hab’ ich im Fährhaus zugebracht Auf der Norderseite, das Brückenhaus — Alle Fenster sehen nach Süden aus, Und die Brücknersleut’ ohne Rast und Ruh Erglüht es in niederschießender Pracht Überm Wasser unten... Und wieder ist Nacht. »Ich komme.« »Ich mit.« »Hei! Wie Splitter brach das Gebälk entzwei.« | |||
| Folge 40 - Nicht gesagt (Marie Luise Kaschnitz) | 28 janv. 2022 | 00:21:53 | |
In dieser Folge wird ein Gedicht von Marie Luise Kaschnitz leicht biografisch und zudem intertextuell gelesen. Auf der Oberfläche einfach gestrickt, offenbaren einzelne Wörter einen größeren Bedeutungskosmos. Nicht gesagt Nicht gesagt Versuche. Gesuche. Mißlungen Weggelassen das Morgenrot Euch nicht den Rücken gestärkt Den Teufel nicht an die Wand | |||
| Folge 39 - Wintergedichte (Hebbel, Fontane, Eichendorff) | 24 déc. 2021 | 00:14:03 | |
In dieser letzten Folge des Jahres 2021 geht es um Wintergedichte aus dem 19. Jahrhundert, die den Winter eher als lebensfeindliche und trostlose Zeit kennzeichnen. Minimal sind da die Töne der Hoffnung, aber es gibt sie! Winterlandschaft (Friedrich Hebbel) Alles still! (Theodor Fontane) Winternacht (Johann von Eichendorff) Verschneit liegt rings die ganze Welt, | |||
| Folge 38 - Lockdownlyrik (Hrsg.: Fabian Leonhard) | 17 déc. 2021 | 00:19:10 | |
In dieser Folge wird die Anthologie Lockdownlyrik vorgestellt und ausgewählte Texte vorgetragen. Auf Instagram findet ihr unter #lockdownlyrik viele weitere Texte und Beiträge aus dem Band! 1. Felix Wetzel: Wellenbrecher, S. 22 2. Anja Thiele: Die Vögel, S. 73 3. Fabian Leonhard: Ausgangssperre, S. 87 4. Heinrich Ueberall: Wie geht’s, wie steht’s?, S. 30 5. Sibylle Berg: Sonntag auf der Welt, S. 108 6. Thomas Gsella: die Coronalehre, S. 39 7. Michael Hüttenberger: Finale Corona-Fantasie, S. 72 8. Jördis Rosenpfeffer: Liebe in Zeiten von Corona, S. 17 9. Marc Gminder: Ich habe Angst, S. 57 10. Julia Wiatr: Irgendwie, S. 126 | |||
| Folge 37 - Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren (Novalis) | 10 déc. 2021 | 00:20:55 | |
Dieses Gedicht gehört zu den bekanntesten romantischen Texten und wird alsbesonders programmatisch betrachtet. In dieser Folge wird es Stück für Stück interpretiert. Außerdem werden Ideen gegeben, wie man Schüler:innen dazu anleiten kann, sich die Struktur des Textes besser zu erschließen. Abschließend bleibt die Frage, was uns dieser Text heute noch zu sagen hat, hoffentlich nicht unbeantwortet. Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren Sind Schlüssel aller Kreaturen Wenn die, so singen oder küssen, Mehr als die Tiefgelehrten wissen, Wenn sich die Welt ins freye Leben Und in die Welt wird zurück begeben, Wenn dann sich wieder Licht und Schatten Zu ächter Klarheit werden gatten, Und man in Mährchen und Gedichten Erkennt die wahren Weltgeschichten, Dann fliegt vor Einem geheimen Wort Das ganze verkehrte Wesen fort. | |||
| Folge 36 - Stufen (Hermann Hesse) | 03 déc. 2021 | 00:14:12 | |
Wohl das bekannteste Gedicht von Hesse, dessen Vers "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" schon sprichwörtlich geworden ist. Das Besondere an diesem Text ist weniger sein Sujet - die Vergänglichkeit -, sondern welche Haltung der Autor damit umgeht. Stufen Wie jede Blüte welkt und jede Jugend Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde | |||
| Folge 35 - 12! Ein Zahlengedicht (Gerhard Rühm) | 26 nov. 2021 | 00:23:19 | |
Zahlen, Zahlen, nichts als Zahlen! Liebe Hörer:innen habt Mut und stellt euch den Zahlenkolonnen dieses Dichters. Der Text wird zwei Mal eingelesen, um verschiedene Nuancen herauszuarbeiten. Wer mit einer Fasung zufrieden ist, kann gerne zu Minute 9:25 springen. 3, 4, 6 9 3 | |||
| Folge 34 - Schlechte Zeit für Lyrik, Neue Naturdichtung (Bertolt Brecht, Erich Fried) | 18 nov. 2021 | 00:24:47 | |
Darf ein Autor über die Natur schreiben, wenn die Welt dringendere Themen bereithält? Kann ein Autor oder eine Autorin ruhigen Gewissens ein Naturidyll beschreiben oder gibt es nicht geradezu eine Pflicht, sich politischen und gesellschaftskritischen Themen zuzuwenden? Das sind die Fragen, die Brecht und Fried in diesen beiden Texten umtreiben. Nichtsdestotrotz enthalten sie auch naturlyrische Beobachtungen, die den Autoren als Kontrastfolie dienen, um ihre jeweiligen Anliegen zu begründen. Bertolt Brecht Schlechte Zeit für Lyrik (1939) Ich weiß doch: nur der Glückliche Der verkrüppelte Baum im Hof Die grünen Boote und die lustigen Segel des Sundes In meinem Lied ein Reim In mir streiten sich Erich Fried Neue Naturdichtung (1972) Er weiß daß es eintönig wäre Aber sogar wenn er wirklich früh genug aufsteht Das wäre zwar traurig | |||
| Folge 33 - Wann ziehn wir ein (Rose Ausländer) | 12 nov. 2021 | 00:27:58 | |
Ein wunderschönes, enigmatisches Gedicht, dessen Qualität man beim Lesen fühlen kann, ohne es sofort zu verstehen. Wann ziehn wir ein Wann ziehn wir ein ins besamte Wort Löwenzahnhaus feingesponnen im luftfarbnen Licht Kein Luftschloss Wortall jedes Wort in der Kugel ein Samen Wann graben wir aus den verschütteten Quell werfen alle Münzen in den Brunnen schöpfen Wassersterne für die Löwenzahnwiese Wann ziehn wir ein In den Löwenzahnstern Ins besamte Wort | |||
| Folge 32 - An die Sonne (Ingeborg Bachmann) | 05 nov. 2021 | 00:20:12 | |
Im heutigen Gedicht unternimmt die Autorin das Wagnis, Liebeslied, Hymne und Klage miteinander zu vereinen und damit eines der schönsten Gedichte des 20. Jahrhunderts zu verfassen, dessen Schönheit vielleicht gerade aus dieser Mischung hervorgeht - aus der Lebenslust, die um den Tod weiß, aus dem Sinn für Schönheit, der dessen Zerbrechlichkeit kennt. An die Sonne Schöner als der beachtliche Mond und sein geadeltes Licht, Gefärbt, geformt, in die Welt gekommen mit einer Sendung von Licht, Rezitation Ingeborg Bachmann: https://www.youtube.com/watch?v=J8e0Xj7cdBM | |||