Die Geschichte des deutschen Kinos ist eng mit Adrian Kutter verbunden. Bereits als Jugendlicher sammelte er Erfahrungen als Kinomacher im väterlichen Kino in Biberach. Schon damals ging es ihm um mehr als das bloße Filmvorführen. "Kino ist mehr als Filmschauen", sagt Adrian Kutter auch heute noch.
Als langjähriger Präsident der Gilde Deutscher Filmkunsttheater beeinflusste er in ganz Deutschland die Art und Weise, wie Filme programmiert werden. Und als Gründer der Biberacher Filmfestspiele schenkte er dem neuen deutschen Film einen eigenen Treffpunkt und eine Plattform, auf der sich Publikum und Filmemacher abseits des Rampenlichts treffen und austauschen konnten.
In diesem Podcast sammelt der Journalist Michael Scheyer im Auftrag der Filmtage Oberschwaben in Ravensburg Adrian Kutters wertvolle Erinnerungen an die deutsche Filmgeschichte.
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1. Teil der Führung durch das Filmmuseum in Biberach mit Adrian Kutter | Liebes Kino
Episode 17
Friday, February 20, 2026 • Duration 01:08:27
Das Film-und Kinomuseum Baden-Württemberg zeigt auf seinem Museumsweg im Kino CINEPLEX BIBERACH in 16 Abteilungen die Geschichte von Film und Kino seit über 100 Jahren. Im Mittelpunkt stehen dabei berühmte Persönlichkeiten aus Baden-Württemberg, die sich im Bereich von Kino, Fernsehen, Film und Medientechnik große Verdienste erworben haben. Das Museum ist ein "offenes" Museum, das während den Öffnungszeiten des Kinos bei freiem Eintritt zu besichtigen ist. Alle Abteilungen des Museums sind reich mit Informationen beschriftet.
2. Teil der Führung durch das Filmmuseum in Biberach mit Adrian Kutter | Liebes Kino
Episode 18
Friday, February 20, 2026 • Duration 54:42
Das Film-und Kinomuseum Baden-Württemberg zeigt auf seinem Museumsweg im Kino CINEPLEX BIBERACH in 16 Abteilungen die Geschichte von Film und Kino seit über 100 Jahren. Im Mittelpunkt stehen dabei berühmte Persönlichkeiten aus Baden-Württemberg, die sich im Bereich von Kino, Fernsehen, Film und Medientechnik große Verdienste erworben haben. Das Museum ist ein "offenes" Museum, das während den Öffnungszeiten des Kinos bei freiem Eintritt zu besichtigen ist. Alle Abteilungen des Museums sind reich mit Informationen beschriftet.
Adrian, erinnerst Du Dich an deinen ersten Kinofilm? (Folge 01)
Episode 1
Sunday, November 30, 2025 • Duration 58:09
Im Interview reflektiert Adrian Kutter über seine von der Filmwelt geprägte Kindheit in einer Kinobesitzerfamilie und beschreibt seine erste heimliche Kinovorführung von "Les Enfants du Paradis". Seine Kreativität zeigte sich früh in der Gestaltung von Kinodekorationen und der Gründung eines Filmclubs für Jugendliche. Nach dem Militärdienst führte er an der Universität Mannheim Filmvorführungen ein, die das kulturelle Angebot bereicherten. Kutter betont die gesellschaftliche Verantwortung des Films als Medium für Kunst und Emotionen. Die Episode endet mit der Aussicht auf eine Fortsetzung, in der er über seine Herausforderungen in der Filmbranche spricht.
Wie bist Du an das Kino in Biberach gekommen? (Folge 02)
Episode 2
Saturday, November 29, 2025 • Duration 58:31
Michael Scheyer interviewt Adrian Kutter, einen erfahrenen Kinomacher, über dessen Werdegang und Herausforderungen im Kino. Adrian übernahm die Kinos in Biberach und wandelte eines in ein Filmkunsthaus um, um anspruchsvollere Filme zu zeigen. Mit dem Ziel, Kino als kulturellen Raum zu etablieren, förderte er Bildung und Diskussion. Der Besuch von Werner Herzog war ein Wendepunkt und führte zu Netzwerken mit prominenten Filmemachern. Adrian reflektiert über die Konkurrenz durch neue Medien und bleibt optimistisch über die Zukunft des Kinos als sozialen Raum.
Warum hast Du die Biberacher Filmfestspiele gegründet? (Folge 03)
Episode 3
Friday, November 28, 2025 • Duration 01:00:33
Im Interview diskutiert Adrian Kutter seine Leidenschaft für das Kino und die Gründung der Biberacher Filmfestspiele, inspiriert von deutschen Regisseuren. Er betont die Notwendigkeit eines interaktiven Austausches unter Filmemachern, um Herausforderungen wie Finanzierung und Zensur zu adressieren. Kutters Festival begann 1978 mit etwa 20 Regisseuren und förderte den Dialog zwischen Filmemachern und Publikum. Zudem schafft er Räume, die junge Talente unterstützen und soziale Interaktion ermöglichen. Kutter reflektiert über die Entwicklung des Festivals, die Einbindung von Dokumentarfilmen und die Herausforderungen bei der Filmkuratierung. Er bleibt optimistisch über die Rolle des Films als Plattform für gesellschaftliche Diskussionen und setzt sich für die Förderung des deutschen Films ein.
Was ist so schlimm am Filmfestival in Cannes? (Folge 04)
Episode 4
Thursday, November 27, 2025 • Duration 01:00:42
In dieser Episode setzen wir unser Gespräch mit Adrian Kutter fort und tauchen tiefer in die faszinierende Welt der Filmfestivals ein. Adrian teilt seine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke aus über 50 Jahren in der Film- und Kinobranche, beginnend mit seiner Verbindung zur Gilde Deutscher Filmkunsttheater. Wir erfahren von seinen ersten Schritten im Festivalwesen, seiner Jury-Erfahrung und dem Gilde Filmpreis, den er seit 1977 begleitet. Besonders die Berlinale nimmt einen großen Teil des Gesprächs ein, wo Adrian über seine Erfahrungen in internationalen Jurys spricht und die Entwicklung des Festivals reflektiert. Zudem vergleicht er die Berlinale mit Cannes und beleuchtet die Herausforderungen und Veränderungen in der Festivalkultur. Cannes, erzählt er, ist ein hochgradig kommerzielles Festival geworden, das auch viel Kriminalität in die Stadt zieht. Und es gibt einen triftigen Grund, warum er es nie wieder besuchen wird.
Was wollte der Oscar-Preisträger für Spezialeffekte von Dir? (Folge 5)
Episode 5
Wednesday, November 26, 2025 • Duration 55:18
In dieser Episode der Gesprächsreihe mit Adrian Kutter erforschen wir das faszinierende Leben seines Vaters, Anton Kutter, einem Pionier der deutschen Filmkunst. Wir beginnen mit den Anfängen seiner Karriere und seiner Verbindung zur Astronomie, die prägend für seine Filmprojekte war. Adrian berichtet über Anton Kutters bahnbrechenden Film „Weltraumschiff 1 startet“ und die beeindruckenden Tricktechniken, die er einsetzte. Dabei thematisieren wir die Herausforderungen der NS-Zensur, die seinen Schaffensprozess beeinflussten, und wie er sich weigerte, der NSDAP beizutreten. Die Episode beleuchtet sein Erbe und die Auswirkungen seiner kreativen Arbeiten auf die deutsche Filmkunst.
Wie konnte Dein Vater Anton Joseph Goebbels eins auswischen? (Folge 6)
Episode 6
Tuesday, November 25, 2025 • Duration 58:49
In dieser Episode von "Liebes Kino, Erinnerungen von Adrian Kutter" setze ich meine Gespräche über das Leben meines Vaters fort, diesmal ab dem Jahr 1940, dem Zeitpunkt, an dem der Film "Weltraumschiff 1 startet" produziert wurde. Ich teile meine Eindrücke von diesem zeitlosen Werk, das auch auf YouTube verfügbar ist, und wir tauchen tief in die Details seiner Entstehung ein. Besonders spannend finde ich, wie mein Vater sein Wissen um die Astronomie und die Filmproduktion kombinierte, um nicht nur einen unterhaltsamen, sondern auch einen in seiner visuellen Umsetzung beeindruckenden Film zu schaffen.
Wir diskutieren die kreative und technische Herangehensweise, die er bei der Gestaltung des Films verwendete, einschließlich der faszinierenden Verwendung von Tricktechnik und realistischen Darstellungen der Mondoberfläche. Es ist interessant zu erfahren, dass die beeindruckenden Mondaufnahmen in dem Film nicht nur aus Fantasie entstanden sind, sondern auf den echten fotografischen Arbeiten meines Vaters basieren, die er mit einem besonderen Teleskop machte. Diese Kreativität und technische Expertise fanden wir auch in den Herausforderungen, die mein Vater während der Dreharbeiten erlebte, insbesondere in Bezug auf die Eingriffe, die das nationalsozialistische Regime in die Filmproduktion vornahm.
Des Weiteren bietet die Episode Einblicke in die neuen Herausforderungen, die sich für meinen Vater ab 1945 ergaben, als er und seine Familie nach dem Zweiten Weltkrieg in Biberach ein neues Leben aufbauen mussten. Ich erkläre, wie mein Vater es schaffte, ein Kino zu eröffnen und schließlich einen wieder wachsenden Einfluss in der deutschen Filmindustrie auszuüben. Es ist berührend zu sehen, wie er nicht nur als Filmemacher, sondern auch als Astronom eine bedeutende Rolle spielte, insbesondere in Bezug auf den Bau von Sternwarten.
Die Erneuerung seines Filmschaffens in den späten 1940er Jahren in der Besatzungszeit zeigt seine Resilienz und Entschlossenheit. Ich erkläre, wie mein Vater schließlich wieder auf die Beine kam und dokumentarische Filme über landwirtschaftliche Kooperativen und heilige Stätten drehte, die in der Nachkriegszeit enormen Anklang fanden. Diese Rückkehr zur Filmarbeit bildet einen faszinierenden Kontrast zur düsteren Vergangenheit und reinigt die Wunden seiner früheren Erfahrungen.
Im Laufe des Gesprächs erforschen wir auch die Philosophie meines Vaters über die Filmkunst und die hohen Standards, die er für seine eigenen Produktionen hegte. Ich teile, wie sehr mich seine Leidenschaft für den Film geprägt hat und wie dies meine eigene Karriere im Kino beeinflusste. Diesbezüglich betonen wir die Bedeutung von Qualität und den Anspruch, den das Kino erfüllen sollte – nicht nur als Unterhaltungsmedium, sondern als Kunstform, die das Publikum zur Reflexion anregen kann.
Abschließend werfen wir einen Blick nach vorn und besprechen die Themen, die in zukünftigen Episoden behandelt werden, darunter meine eigene Zusammenarbeit mit der Akademie für politische Bildung und die Wiederentdeckung von Filmen, die wichtige gesellschaftliche Fragen aufwerfen, aber nicht mehr gezeigt werden dürfen. Diese fortlaufenden Gespräche bieten nicht nur einen Einblick in die Filmgeschichte, sondern auch eine spannende persönliche Perspektive auf die Entwicklung von Film und Kultur im Deutschland nach dem Krieg.
Warum durftest Du verbotene Nazi-Filme zeigen? (Folge 7)
Episode 7
Monday, November 24, 2025 • Duration 59:29
In dieser Episode widmen wir uns einem faszinierenden Aspekt Adrian Kutters Schaffens: Wie ich es geschafft habe, Filme zu zeigen, die offiziell nicht mehr im Kino präsentiert werden dürfen, insbesondere Nazi-Propagandafilme, die im sogenannten "Giftschrank" liegen. Angefangen bei der Konzeptentwicklung, über die Kontaktaufnahme mit der Akademie für politische Bildung, bringe ich Licht in die Prozesse, die es ermöglichten, diese Filme im Kino zu zeigen. Dabei spielt der Film "Jud Süß" eine zentrale Rolle – ein Paradebeispiel für die Herausforderung und die Relevanz, sich mit unserer cineastischen Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Mein Werdegang begann 1973, als ich nach meinem Studium in Mannheim nach Biberach zurückkehrte und entschloss, das Kino neu zu gestalten. Zwei große Theater übernahm ich, wobei ich ein Haus für anspruchsvolle Kommerzfilme und das andere als Filmkunstkino mit einem Schwerpunkt auf deutscher Filmkultur umfunktionierte. Hierbei wollte ich nicht nur Filme zeigen, sondern auch einen Dialog mit dem Publikum fördern. Daher entstand die Idee, Seminare zur Filmanalyse anzubieten, um den Zuschauern zu helfen, Filme auf einer tieferen Ebene zu betrachten.
Beginnend mit einem Seminar über Filmanalyse habe ich zusammen mit Experten, vor allem Dr. Gerd Albrecht, eine Plattform geschaffen, um die Filmkunst in der breiten Öffentlichkeit sowie in Schulen zu belehren. Wir organisierten Schulvorstellungen und public screenings, kombiniert mit Diskussionen, die das Verständnis für Film und seine Geschichte vertiefen sollten. Durch diese Initiativen wurde das Interesse an unserer filmhistorischen Verantwortung geweckt und viele hatten die Möglichkeit, mit Hilfe von Experten in die Thematik des Nationalsozialismus einzutauchen.
In diesen Seminaren konnten wir sogar vollständige Filme des Dritten Reiches zeigen, einschließlich der Propagandawochenschauen, die den Umgang mit dieser belastenden Zeit aufzeigten. Die Möglichkeit, die Filme auf diese Weise zu präsentieren, erforderte eine Genehmigung vom Bundesarchiv und eine sorgfältige Planung, um sicherzustellen, dass das Publikum in der angemessenen Rahmenbedingungen über die Filme diskutieren konnte.
Im Laufe der Jahre haben wir zahlreiche Seminare zu unterschiedlichen zeitgeschichtlichen Themen veranstaltet. Als einer der ersten Schritte zur Aufklärung und Bildung über das Dritte Reich, haben wir spezifische Filmreihen kuratiert, die ein breites Publikum, darunter auch Schüler und Mitglieder der Bundeswehr, ansprachen. Diese Veranstaltungen fanden großes Interesse und trugen entscheidend zur Aufarbeitung der filmischen Geschichte bei.
Durch den Austausch mit Delegationen aus anderen Ländern habe ich auch einen Einblick in die Filmproduktion in anderen Kulturen gewonnen. Bei der Zusammenarbeit mit Filmteams aus dem Ostblock und China erlebte ich nicht nur die Herausforderungen und Schönheiten ihrer Filmproduktionspraktiken, sondern auch, wie wichtig der interkulturelle Dialog in Zeiten politischer Spannungen ist. Diese Erfahrungen bereicherten meine Sicht auf das Kino als Medium der Verständigung und des Austauschs.
Abschließend reflektiere ich die heutige Situation des Filmgeschäfts im Hinblick auf politische Strömungen. Ich sehe Parallelen zwischen der Rückkehr autoritärer Tendenzen und den Herausforderungen, denen sich die Filmkunst heute gegenübersieht. Gerade in solch kritischen Zeiten ist es umso wichtiger, sich mit der Filmgeschichte auseinanderzusetzen und den Dialog aufrechtzuerhalten. Ich hoffe, dass wir auch in Zukunft relevante und bedeutende Geschichten erzählen können, indem wir die Lektionen der Vergangenheit nutzen, um die gegenwärtige und zukünftige Filmkultur zu gestalten.
Warum hast Du "Rambo" das "Prädikat Wertvoll" verliehen? (Folge 8)
Episode 8
Sunday, November 23, 2025 • Duration 54:00
In dieser Episode teile ich meine Erfahrungen und Einblicke aus vier Jahrzehnten als Jurymitglied und Vorsitzender der Filmbewertungsstelle. Wir beleuchten die Historie der Filmbewertung in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, die Richtlinien zur Vergabe von Prädikaten sowie die künstlerischen und technischen Aspekte, die in die Bewertung einfließen. Ich diskutiere die Herausforderungen, denen sich Jurymitglieder gegenübersehen, und betone die Verantwortung, wertvolle Filme zu erkennen und zu fördern. Anhand des Films "Rambo" zeigt sich, wie tiefere gesellschaftliche Botschaften trotz kritischer Betrachtungen vermittelt werden können. Außerdem reflektieren wir die notwendige Weiterentwicklung des Bewertungssystems im Zeitalter von Streamingdiensten und den kulturellen Einfluss von Filmen. Letztlich hoffe ich, die Zuhörer dazu anzuregen, den kulturellen Wert von Filmen zu hinterfragen und verschiedene Perspektiven zu bedenken.