Jeden Mai sterben in Deutschland mehr als 100.000 Rehkitze durch landwirtschaftliche Mähmaschinen – obwohl es längst wirksame Methoden gibt, das zu verhindern. In dieser Folge erklärt ein Jäger, warum das Drückverhalten der Kitze, das sie vor Fressfeinden schützt, ihnen gegenüber Mähwerken zum Verhängnis wird – und wer dafür rechtlich in der Verantwortung steht.
Ein Schwerpunkt liegt auf zwei weit verbreiteten Methoden, die einer ehrlichen Überprüfung standhalten müssen: Vergrämung durch Scheuchen und Geräusche funktioniert als ergänzende Maßnahme, ersetzt die aktive Suche aber nicht – mehr als ein Drittel der Kitze überlebt sie nicht. Der Hundeeinsatz zur Kitzsuche ist traditionell verankert, bei jungen Kitzen wegen deren fehlenden Eigengeruchs aber kaum wirksam und birgt eigene Risiken für die Tiere. Die Wärmebilddrohne ist heute das zuverlässigste Werkzeug: schneller, treffsicherer und inzwischen auch für kleinere Reviere durch Bundesförderung erschwinglich.
Außerdem geht die Folge auf ein zunehmendes Phänomen ein: private Helfer, die ohne Absprache mit Landwirt oder Jäger handeln. Gut gemeint – aber biologisch riskant, wenn das Kitz an den falschen Ort verbracht wird, und rechtlich nicht ganz unkompliziert. Die Folge erklärt, wo die Grenze zur Jagdwilderei verläuft und wie engagierte Menschen ihre Hilfe sinnvoll und koordiniert einbringen können.
Wer helfen möchte, braucht keinen Jagdschein – sondern einen Ansprechpartner vor Ort. Lokale Kitzrettungsteams und das Netzwerk
Kitzrettung-Hilfe vermitteln Einsätze in der ganzen Saison.
Disclaimer
In dieser Folge geht es auch um rechtliche Fragestellungen. Wir haben Euch alle Informationen nach bestem Wissen zusammengestellt und interpretiert. Gleichwohl sind wir keine Anwälte und können – und dürfen – keine Rechtsberatung durchführen. Diese Episode soll dazu dienen, Euch einen Überblick und Einstieg zu vermitteln, wir übernehmen aber ausdrücklich keine Haftung für die Richtigkeit der dargestellten rechtlichen Aspekte in dieser Episode.
QuellenWissenschaftliche Studien & Forschungsprojekte- BOKU Wien – Dirk Sachon (Abschlussarbeit Akademischer Jagdwirt) Untersuchung der Drohneneffektivität zur Kitzrettung; Ergebnis: Drohne findet Kitze 1,32-mal häufiger als andere Methoden, ist 12-mal schneller als manuelle Begehung. Zusammenfassung zugänglich über: Feldversuch: Wie effektiv ist die Kitzrettung mit der Drohne?
- TU München / Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) / Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) – Verbundprojekt „Reduktion von Mähtod bei Rehkitzen" Untersuchung von Habitatnutzung, Setzzeiten und Wirksamkeit von Rettungsmethoden; Daten von über 70 besenderten Rehkitzen; mittlerer Setzzeitpunkt 15. Mai (Tag 135). Strategien für die Rehkitzrettung Gut getarnt und abgelegt: Kitze im Grünland Reduktion von Mähtod bei Wildtieren – jetzt mitmachen!
- Baur, S.; Kauffert, J.; König, A.; Menzel, A.; Peters, W. (2024) „Gut getarnt und abgelegt: Kitze im Grünland." LWF aktuell 146. (Originalpublikation; zugänglich über Waldwissen.net – Informationen für die Forstpraxis , s.o.)
- Jarnemo, A. (2002) Schwedische Studie zur Wirksamkeit optischer Wildscheuchen bei der Rehkitzrettung; zitiert von der Deutschen Wildtier Stiftung und Tierschutz Austria - Wiener Tierschutzverein - Seit 1846 . (Nicht frei online, aber zitiert unter:) Gemeinsam gegen den Mähtod | Deutsche Wildtier Stiftung
Rechtliche Quellen (Originalgesetzestexte)Rechtsprechung und juristische Aufbereitung- Amtsgericht Weilheim i. OB – Urteil wegen § 17 TierSchG Verurteilung eines Landwirts zu 70 Tagessätzen à 40 Euro; Begründung: billigende Inkaufnahme des Todes dreier Kitze trotz Hinweis vor Ort. Aufbereitet unter: https://thermaldrones.de/gesetzteslage/
- Landgericht Trier (1 S 183/04) & Amtsgericht Bitburg (5 C 327/04) Schadensersatzpflicht eines Landwirts in Höhe von 1.377,35 Euro; Grundlage: Verletzung des Jagdausübungs- und Aneignungsrechts. Aufbereitet unter: https://thermaldrones.de/gesetzteslage/
- BLHV (Badischer Landwirtschaftlicher Hauptverband) – Rechtsaufbereitung Mahd & Tierschutz Praxishinweise zur geteilten Sorgfaltspflicht, Empfehlung 24 Stunden Vorlauf (Bezug auf Empfehlung des Deutschen Bauernverbandes). Rehkitze und Mahd - BLHV
- Thermal Drones – Gesetzteslage zur Wildtierrettung Umfassende juristische Aufbereitung zur Frage Wilderei vs. Tierhilfe, § 292 StGB, § 17 TierSchG. https://thermaldrones.de/gesetzteslage/
Fachverbände & InstitutionenFörderung
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) – Förderung Wärmebilddrohnen Aufstockung des Förderprogramms von 1,5 auf 2,5 Mio. Euro (Stand 2025); über 350 Förderanträge bis Mai 2025. Aufbereitet unter:
Rehkitzrettung im Grünland: Was ist zu tun? (Update Februar 2026) (Direktlink BLE-Förderprogramm:) Startseite Hinweis zur QuellenqualitätAlle Gesetzestexte sind über
gesetze-im-internet.de (Bundesministerium der Justiz) verifiziert – das ist die maßgebliche amtliche Quelle. Die wissenschaftlichen Studien wurden über
Waldwissen.net – Informationen für die Forstpraxis (LWF Bayern) und
Jagd-News und Wissen für Jäger | PIRSCH zugänglich gemacht; die Originalpublikation von Baur et al. (2024) erschien im Fachjournal
LWF aktuell. Das Urteil des AG Weilheim sowie die zivilrechtlichen Urteile aus Trier und Bitburg sind über
thermaldrones.de dokumentiert, aber nicht als Primärquellen frei verfügbar – wer sie für formelle Zwecke benötigt, sollte die Aktenzeichen direkt bei den Gerichten anfragen.