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Pub. Date
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Josef Hader: Wie man Leute zum Lachen bringt (Best of)
22 oct. 2026
00:29:06
Wie bringt man Leute zum Lachen? Josef Hader erklärt das Kabarett, wie eines entsteht und warum es zu schreiben wie eine Droge ist. Die Folge ist erstmals 2019 erschienen.
Es ist verrückt, welche Preise unseriöse Online-Coaches verlangen. 50.000 Euro für ein paar Seminartage und PDFs sind keine Seltenheit. Ich habe einen Tag lang im Rabbit Hole verbracht. Guru-Coaches, Esoteriker, toxische Dudes und NLP-Beraterinnen. Und dann die Expertin Ulrike Schiesser eingeladen, um darüber zu reden.
Ulrike Schiesser hat an der Universität Wien Psychologie studiert und begleitet an der österreichischen Bundesstelle für Sektenfragen Menschen durch Umdenk- und Veränderungsprozesse. Sie ist Expertin für Konflikte im Bereich Esoterik, für Personenkulte, autoritäre und vereinnahmende Gruppenstrukturen und Verschwörungstheorien.
Emotional First Aid Kit. Kartenset für weise Notfallberatung in 20 psychologischen Schlüsselsituationen, https://link.amazon/B0f4T2IjN
Was nehme ich mir mit?
Green Flags im Online-Coaching. Es wird kein Druck gemacht, sondern man wird einfach nur beraten. Das kriegst du bei uns, überleg es dir, schlaf drüber, melde dich, wenn du Fragen hast. Die Preise sind transparent auf der Homepage, der Fokus liegt auf dir und deinen Zielen und nicht auf einem superschlauen, übermenschlichen Berater, der die Weisheit mit dem Löffel gefressen hat und der dir für ganz viel Geld ein bisschen etwas davon abgibt.
Warum boomt der Sektor? Wir leben in einer Welt der Selbstoptimierung. Wir können alle alles erreichen, wir müssen es nur wollen. Die Realität ist anders und das sorgt für Stress. Wer schnelle Abhilfe verspricht ist unseriös, aber manchmal wollen wir genau das hören: Ich brauche wenig machen und werde damit reich und erfolgreich.
Wie redet man mit Betroffenen? Wenn im eigenen Umfeld Menschen das Geld aus der Tasche gezogen wird, dann hilft: Da sein, fragen, offen sein. Das ist sauschwer. Aber oft der einzige Weg, damit die Person nicht zumacht. Man kann zum Beispiel fragen, welches Bedürfnis dort erfüllt wird. Was ist toll daran? Was gibt dir das? Fehlt dir das schon lange? Wenn man sofort bewertet machen die meisten Personen gleich zu.
#410 Erklär mir, warum Dinge passieren, Andreas Steinmayr
13 oct. 2026
01:36:58
Es ist eine der wichtigsten Errungenschaften der vergangenen 30 Jahre – und kaum jemand hat von ihr gehört. Die Kausale Revolution! Forscher finden mit fancy Methoden heraus, warum Arbeitslosigkeit steigt, Menschen FPÖ wählen oder ob Rauchen Lungenkrebs verursacht. Andreas Steinmayr ist in der Revolution groß geworden und erklärt.
Andreas Steinmayr ist Professor für Empirische Wirtschaftsforschung an der Universität Innsbruck.
Unser Gehirn ist evolutionär dazu gemacht, ständig nach Ursachen zu suchen. Wir können deshalb auch sehr schwer mit Zufällen umgehen. Und, relevanter für diese Folge: Wir stellen sehr oft Zusammenhänge her, wo es keine gibt. Wenn ich ein Medikament nehme und danach gesund werde, heißt das nicht, dass das das Medikament war. Es braucht sorgfältige, große Studien, um Kausalität feststellen zu können.
2. Eine Revolution in der Sozialwissenschaft.
Es wurden schon zwei Nobelpreise in der Ökonomie dafür verliehen, dass Wissenschafter:innen heute viel besser kausale Zusammenhänge herstellen können. Tolle, kreative, neue Methoden führen dazu, dass man aus großen Daten nicht nur Korrelationen, sondern eben Kausalitäten ablesen kann. Das ist von unschätzbarem Wert für unser Verständnis der Welt und die Effektivität von Politik.
3. Das Grundproblem der Forschung.
Wir wollen Äpfel mit Äpfel vergleichen. Also wir wollen zwei Parallelwelten beobachten, in der sich genau eine einzige Sache unterscheidet. Und dann messen, was sich deshalb verändert. Wir müssten uns also klonen! Weil das nicht geht, erstellen Forscher mit statistischen Methoden quasi Parallelwelten. Das funktioniert ziemlich gut. Jetzt muss die Politik ihre Maßnahmen noch viel öfter mit Studien begleiten.
#409 deep dive: Russland & Ukraine mit Karl Schlögel
06 oct. 2026
01:38:47
Kann man sich aus dem Krieg in der Ukraine raushalten? Der Osteuropa-Historiker Karl Schlögel sagt: Nein. Wer Charkiw nicht schützen kann, kann auch Innsbruck nicht schützen. Ein deep dive in die Situation in Russland und der Ukraine.
🙆 Karl Schlögel ist Osteuropa-Historiker und Publizist. Er war Professor für Osteuropäische Geschichte an der Universität Konstanz, dann an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder.
Diese Bücher empfiehlt Karl:
Die Werke von Serhij Zhadan, zum Beispiel dieses: Keiner wird um etwas bitten: Neue Geschichten | Zeugnisse von Liebe, Trauer und Solidarität im Ukraine-Krieg, https://link.amazon/B0dXs2oDC
Wein macht man, in dem man Trauben kontrolliert verderben lässt. Wie viel Einfluss der Jahrgang und wie viel der Bauer hat, wie man guten Wein von schlechtem unterscheidet – und über die Liebe Österreichs zum Grünen Veltliner. Winzer Franz Weninger erklärt. Die Folge ist 2021 erstmals ausgespielt worden.
Wie funktioniert Blutspenden? (Best Of – mit Ursula Kreil)
22 sept. 2026
00:51:10
Was passiert eigentlich nach dem Blutspenden mit dem Blut? Wie es getestet, aufbereitet, gelagert und verschickt wird, erzählt Ursula Kreil. Wie wird dafür gesorgt, dass das Blut nie ausgeht? Wir begleiten eine Blutkonserve von der Spenderin zum Empfänger. Die Folge ist erstmals im März 2022 erschienen.
Ursula Kreil ist Transfusionsmedizinerin und Leiterin der Abnahme der Blutspendezentrale für Wien, Niederösterreich und Burgenland. Wer noch nie gespendet hat, kann sich hier anmelden: gibdeinbestes.at
Es gibt in Österreich viele Helden. Die Feuerwehr ist im Land großteils freiwillig organisiert. Betriebe, die ihre Mitarbeiter:innen für Einsätze freistellen. Landwirte und Selbstständige, die dann oft die Ersten sind, die im Feuerwehrhaus ankommen, weil sie flexibler sind. So viele Menschen, die einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten. Ich ziehe meinen Hut.
Teamwork makes the dream work. Alleine löscht man keinen Brand. Wie viel aber hinter so einer Teamarbeit steckt hat mich beeindruckt. Als Einsatzleiter versammelt Gerald vor dem Einsatz seine Leute und fragt, wer heute die Kapazität hat, vielleicht mit einer schrecklichen Situation in Kontakt zu kommen. Nach tödlichen Einsätzen wird das Zusammensetzen danach quasi befohlen.
Das Ehrenamt prägt das Leben. Gerald hat bei der Feuerwehr sicher sehr viel gelernt, was ihm heute auch in seinem Posten als Bürgermeister hilft. Er wurde übrigens kurz nach der Aufnahme offiziell zum Bürgermeister gewählt. Herzlichen Glückwunsch! Ich finde auch inspirierend, was er am Ende gesagt hat: Er will Mentor für junge Leute sein. Das steht bei mir auch auf meinem Lebensplan.
Wie macht man richtig guten Kaffee? (Best Of – mit Michael Prem)
10 sept. 2026
00:39:53
Ich trinke jeden Tag Kaffee. Aber ich hatte keine Ahnung, wie er entsteht. Mit dem Barista-Staatsmeister Michael Prem machen wir eine Reise von der Kaffeebohne, dem Rösten, Mahlen bis in die Tasse. Wie guter Kaffee entsteht und warum ich mir jetzt eine Mühle zu lege, hört ihr in der Folge. Kaffee, erklärt. Die Folge ist erstmals im September 2021 erschienen.
Michael Prem ist Kaffeeröster, Barista und Gründer der Rösterei Prem Frischkaffee.
Ich habe Sandra Gathmann gefragt, wie man guten Sex hat. Sie meinte, dass könne sie nicht beantworten. Sie könne mir aber sagen, wie man schlechten Sex hat. Und dann macht man eben einfach das Gegenteil. Sandra ist Co-Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Sexualwissenschaften.
🙆 Sandra Gathmann ist systemische Therapeutin, Sexualtherapeutin und Sexualpädagogin.
Was nehme ich mir mit?
Die größten Lustkiller sind unsere Ansprüche. Sex muss leidenschaftlich sein, spontan, verbunden, kreativ. Wer Sex ständig beobachtet und optimiert, verliert die Lust daran. Alles, was sein muss, macht keinen Spaß mehr.
Spontane Lust ist oft ein Mythos. Die Sexualwissenschaft unterscheidet spontanes von responsivem Begehren. Der Appetit kommt oft mit dem Essen. Sich deshalb Zeiten vorzunehmen, wo man sich nahe ist und dann vielleicht auch Sex hat ist kein Lustkiller, sondern für Langzeitbeziehungen der realistische Weg, die Sexualität nicht zu verlieren.
Es gibt ein gutes Leben ohne Sex. Es ist okay, keinen Sex zu wollen. Sex ist keine Pflicht für gute Beziehungen. Das finde ich ist auch eine wichtige Botschaft von Sandra.
Die meisten Läufer laufen zu schnell und sind zu ehrgeizig. Das ist einer der wichtigsten Erkenntnisse, die der Sportarzt Robert Fritz aus vielen tausend Untersuchungen von Läufern gewonnen hat. Wie man »richtig« läuft, was Laufen mit dem Gehirn macht und wie man auch als sehr übergewichtige Person damit beginnen kann.
🙆 Robert Fritz ist Sportarzt und Teil der Sportordination in Wien.
Was nehme ich mir mit?
Das erste Mal Laufen gehen ist anstrengend. Es dauert sechs bis acht Wochen, bis sich das Herz-Kreislauf-System anpasst. Dann läuft es sich viel lockerer und schöner. Meine Erfahrung mit Freund:innen ist aber auch: Wer so langsam läuft wie ich, hat oft gleich beim ersten Lauf Spaß. Also probiert mal wirklich nur bisschen schneller zu laufen, als man geht. Es muss sich fast lächerlich langsam anfühlen. Dann machst du es richtig.
Laufen ist ein Wundermittel für die Psyche. Die Studienlage ist eindeutig: Wer psychische Probleme hat und laufen geht, hilft sich massiv bei der Heilung. Es ist bei Krankheiten kein Ersatz für Psychotherapie oder Medikamente, aber oft genauso wirksam wie letztere. Und man muss nicht krank sein, um zu profitieren: Laufen ist auch für einen gesunden Menschen, der vielleicht gerade mal gestresst oder nicht so gut drauf ist, wie ein Neustart für den Computer im Kopf. Laufen gehen und die Sorgen lässt man dann irgendwo am Weg.
Läufer sollten Krafttraining machen. Krafttraining ist eine wichtige Ergänzung fürs Laufen. Wer regelmäßig Laufen geht und Krafttraining macht, macht extrem viel richtig für seine eigene Gesundheit und das gesunde Altwerden. Wer übergewichtig ist, sollte mit ganz langsamen Einheiten beginnen, am Anfang gehen und dann auch relativ rasch begleitend mit sanftem Krafttraining beginnen. Und dann das Lauftempo steigern.
Überleben im KZ Theresienstadt (Best Of – mit Helga Feldner)
25 août 2026
00:46:32
Helga Feldner war 14 Jahre alt, als sie mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester von Nazis ins Konzentrationslager in Tschechien gebracht wurde. Wie das damals war - und ob man je verzeihen lernt. Helga ist im Oktober 2024 verstorben. Die Folge ist erstmals im September 2018 erschienen.
Was macht gute Gespräche aus? (Best Of – mit Claudia Stöckl)
18 août 2026
00:35:09
Reden wir über das Reden! Claudia Stöckl moderiert seit 29 Jahren „Frühstück bei mir“ auf Ö3 und erklärt, wie man gute Gespräche führt und sich wirklich auf sein Gegenüber einlässt. Die Folge ist erstmals im Oktober 2019 erschienen. Claudia Stöckl ist Journalistin und moderiert seit 1997 Frühstück bei mir auf Ö3.
Tierschutz in Österreich (Best Of – mit Eva Rosenberg)
11 août 2026
00:30:49
Hühner leben in Österreich im europäischen Vergleich relativ gut - aber was ist mit Rindern und Schweinen? Was ist bei Haustieren zu beachten? Eva Rosenberg von Vier Pfoten erklärt Tierschutz. Die Folge ist erstmals im Juni 2020 erschienen.
Eva Rosenberg ist Direktorin der Tierschutzorganisation Vier Pfoten.
Warum arbeiten so wenige Frauen in der IT? (Best Of – mit Gerti Kappel)
04 août 2026
00:35:12
Männer machen 90 Prozent der Informatik-Abschlüsse an der TU Wien. Gerti Kappel ist Dekanin der Fakultät für Informatik und kämpft seit Jahrzehnten dagegen an. Wie es so weit gekommen ist, erzählt sie in Erklär mir die Welt. Die Folge ist erstmals im Juni 2020 erschienen.
Gerti Kappel ist Dekanin der Fakultät für Informatik an der Technischen Universität (TU) Wien.
Ich muss meine Einstellung zu Viren, Bakterien und Pilzen ändern. Das hat mir die Mikrobiom-Forscherin Gabriele Berg empfohlen. Früher waren sie als Krankheitserreger verschrien. Ein bisschen ekelt mich die Vorstellung noch immer, dass so viele Mikroorganismen auf mir rumklettern. Aber wir wären ohne sie verloren. Warum, erklärt die Biologin im Podcast.
🙆 Gabriele Berg ist eine der führenden Mikrobiomforscherinnen der Welt. Sie ist Biologin, Biotechnologin und Professorin für Umweltbiotechnologie an der Technischen Universität Graz.
Diese Bücher empfiehlt Gabriele:
30 Pflanzen pro Woche: Das Kochbuch für ein langes gesundes Leben: Rezepte, die das Darm-Mikrobiom stärken von Katharina Seiser, https://amzn.to/3TG1Cn0
Wir könnten ohne Mikroorganismen nicht leben. Also zum einen gäbe es auf der Welt gar kein Leben, denn wir stammen evolutionär alle von kleinen Einzellern ab, den ersten Lebewesen auf dieser Erde. Und zum anderen brauchen wir sie in unserem Darm, auf unserer Haut, in unseren Mündern und auch überall sonst fürs Leben. Danke, liebe Bakterien und Co, dass ihr Dienst an unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden leistet.
Ein Apfel hat über 100 Millionen Bakterien. Die sitzen im Fruchtfleisch und im Kerngehäuse. Wer das Kerngehäuse weglässt, nimmt rund zehnmal weniger auf. Das sind gute Bakterien, also: Kerngehäuse mitessen. Alles, was lebt, ist besiedelt, auch Salatblätter, Gemüse, Vögel, Gänseblümchen, wir sind alles ein eigener Organismus plus viele, viele Mikroorganismen.
Unser Mikrobiom ist in Gefahr. Beim Menschen ist schon ein Drittel bis zur Hälfte der mikrobiellen Buntheit verlorengegangen. Das macht uns anfälliger für Allergien und für andere chronische Zivilisationserkrankungen wie Adipositas. Wir hängen unzertrennlich mit der Natur zusammen. Nur wenn sie bunt und vielfältig ist, sind es die Mikroorganismen in uns auch. Darum brauchen wir eine bunte, vielfältige Landwirtschaft statt Monokulturen.
Die Türkei und Erdoğan zeigen vor, wie man eine Demokratie nach und nach wie eine Salami zerstückelt. Eine Warnung für alle Demokraten im Rest der Welt. Cengiz Günay hat mir erklärt, wie Erdoğan vorgegangen ist und wie er die Türkei zur Autokratie umgemodelt hat. Und: Was ihm in der Türkei sehr viel Hoffnung macht.
🙆 Cengiz Günay ist Direktor des Österreichischen Instituts für internationale Politik (oiip).
Diese Bücher empfiehlt Cengiz:
Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers von Stefan Zweig, https://amzn.to/44DbrEE
State, Power and Politics in the Making of the Modern Middle East von Roger Owen, https://amzn.to/4w8mdih
Die Demokratie wird heute mit den Mitteln der Demokratie abgeschafft. Das war in Ungarn so, dass war in Polen so und das ist gerade in den USA und in der Slowakei so. Die Türkei ist hier das Paradebeispiel. Wahlen werden gewonnen, es gibt sie auch weiterhin, aber sonst wird nach und nach das Spielfeld gekippt. Justiz, Medien und Behörden werden eingeschränkt oder unter die Kontrolle gebracht.
Erdoğan ist ein begnadeter Populist. Je nachdem, was ihm gerade nützt, wo der Wind gerade weht, ist er mal pro EU oder dann wieder dagegen, macht liberale Reformen und schafft dann schrittweise die Demokratie ab. Die Gezi-Proteste und der Putschversuch in der Türkei waren Wendepunkte, die den Weg in die Autokratie beschleunigt haben.
Warum machen Erdoğan und seine Leute das? Demokratie ist dazu da, dass alle Menschen halbwegs gleichberechtigt an Entscheidungen beteiligt werden. Wer die Demokratie abschafft, macht das auch immer deshalb, weil er für sich und seine Kumpel Vorteile rausholen möchte, Geld, Macht, Posten, Einfluss. Crony Capitalism, Kumpelkapitalismus, nennt man das. Darum sind wirtschaftliche Abschwünge ein Problem für diese Systeme, weil es dann weniger für die eigene Gruppe zu verteilen gibt, ohne dass es die anderen spüren.
Obdachlosigkeit verstehen (Best Of – mit Robert Tatar)
16 juil. 2026
01:16:01
Robert Tatar war vier Jahre lang obdachlos. In dieser Folge von Erklär mir die Welt erzählt er seine Geschichte. Das Interview ist erstmals im Februar 2019 erschienen.
Robert Tatar ist Produktmanager bei Shades Tours und war vier Jahre lang obdachlos.
Wie baut man eigentlich einen Tunnel und wo kommt das ganze Zeug hin, dass man aus so einem Berg rausschafft? Das habe ich den Ingenieur Konrad Bergmeister gefragt. Ein faszinierendes Gespräch über Ingenieurskunst, den Menschen und sein Verhältnis zur Natur und was man von Tunneln über die Welt lernen kann.
🙆 Konrad Bergmeister ist Ingenieur und Professor für Konstruktiven Ingenieurbau an der Boku in Wien. Er war führend in den Bau des Brenner-Basistunnels involviert.
Tunnel sagen viel über das Verhältnis von Mensch und Natur. Man kann einen Tunnel nie gegen einen Berg bauen, sondern nur mit ihm. Das Gebirge selbst ist das tragende Bauwerk, der Beton veredelt quasi nur die Öffnung. Gleichzeitig haben Tunnel Milliarden Menschen näher zusammengebracht und sind Symbol des menschlichen Fortschritts.
Die Logistik ist einfach nur Wahnsinn. Eine Tunnelbohrmaschine schafft heute über 60 Meter am Tag, dafür kostet sie auch viele, viele Millionen. Sie wird nach dem Bauprojekt zerlegt und wiederverwendet. Heute werden schon bis zu 40 Prozent des Materials, das man aus dem Berg schafft, recycelt. Der Rest kommt auf Deponien.
Alleine schafft der Mensch kaum etwas. Wie fast alles im Leben sind Tunnel Teamarbeit. Es arbeiten Geologinnen mit Geotechnikern und Tunnelbauern, von denen ich heute gelernt habe, dass man sie Mineure nennt, Kreislaufwirtschaftsexpertinnen, Menschen, die diese riesigen Tunnelbohrmaschinen steuern können und noch viel, viel mehr Menschen zusammen, um so ein riesiges Bauwerk auch nur annähernd realisieren zu können. Das fasziniert mich.
Woher kommt eigentlich der Fußball? Und wie wurde er zu dieser superkapitalistischen Entertainment-Maschine, die er heute ist? Der Germanist Klaus Zeyringer hat mir die Kulturgeschichte des Fußballs erklärt. Ein Gespräch für alle Fans und Kritiker:innen des Sports.
🙆 Klaus Zeyringer war Professor für Germanistik in Westfrankreich. Er schrieb für den Standard, ist Autor mehrerer Bücher und bekennender Fußballfan und -analyst.
Fußball hat nicht nur eine schöne Geschichte. Neben Spiel, Spaß und Gemeinschaft ist der Fußball auch ein Instrument, um Arbeiter ruhig und fit zu halten. Viele autoritäre Politiker wussten den Fußball für sich zu nutzen, wie ewa Mussolini oder Pinochet. Und: Auf dem Fußballfeld werden auch alte Männerbilder zelebriert. Bis heute etwa ist Homo- oder Bi-Sexualität im Herren-Fußball kaum ein Thema. Spielermänner sind quasi inexistent.
Trotzdem ist Fußball etwas Verbindendes. Jetzt gerade läuft ja die Herren-WM in den USA, Mexiko und Kanada und ich finde es wunderschön, dass Fans und Spieler aus so vielen verschiedenen Ländern friedlich gegeneinander im Wettbewerb stehen. Klaus schaut wenige Spiele, ich bin Pragmatiker und genieße den Sport trotzdem. Und ich finde Fußball auch wunderbar nutzlos. Es bläst einem beim Spielen und Schauen den Kopf durch.
Die Wertigkeit des Fußballs. Das fand ich schon einen spannenden Punkt von Klaus: Wenn man sich anschaut, was ein Fußballstar verdient und was eine Bundeskanzlerin oder eine Person, die in der Pflege arbeitet, sagt das schon etwas über unsere Gesellschaft. Ich finde ja auch, dass zeigt sich an dem, wer berühmt ist und von allen verehrt wird. Sind dass die Menschen, die viel Macht haben, Geld oder die beste Leistung bringen, oder sind es Leute, die sich für andere engagieren, die Stimme erheben oder einfach herzallerlieb sind.
Wir haben uns im Internet von einigen wenigen mächtigen Menschen abhängig gemacht. Die sind noch dazu nicht gerade die sympathischsten. Ich habe Leonhard Dobusch gefragt, wie eine Alternative aussehen könnte. Ein nerdiges und leidenschaftliches Gespräch über Macht und ein besseres Internet.
🙆 Leonhard Dobusch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Organisation an der Universität Innsbruck. Außerdem ist er wissenschaftlicher Leiter des Momentum Instituts in Wien.
Diese Bücher empfiehlt Leonhard:
Enshittification: Wie Tech-Konzerne uns ausbeuten und was wir dagegen tun können von Cory Doctorow, https://amzn.to/4xZiuFe
Das Problem ist nicht Elon Musk.
Also dass der reichste Mensch der Welt sich selbst auf seiner Plattform radikalisiert und rechtsextrem abgeboben ist, ist natürlich schon ein großes Problem. Aber das Ur-Problem ist, dass es überhaupt einen zentralen Akteur gibt, der so eine Plattform kaufen kann. In einem dezentralen System geht das nicht.
Wir brauchen Filtersouveränität.
Wir sollten uns selbst aussuchen können, was wir im Internet und auf Social Media sehen. Auf Bluesky oder Mastodon kann man sich etwa einen bestimmten Moderationsfilter aussuchen. Oder den Algorithmus. Wichtig ist auch, Social Media Plattformen gesetzlich dazu zu verpflichten, dass sie interoperabel sind. Heißt: Das man von einer Plattform zur anderen schreiben kann. Und dass man seine Follower und Inhalte nehmen und wo anders hingehen kann. Wie bei E-Mail eben auch. Das würde die Macht im Internet komplett verschieben.
Das Fediverse ist kein europäisches Tiktok.
Es ist eine dezentrale Infrastruktur auf der Basis offener Protokolle. Viele Server kommunizieren miteinander, ohne dass einer alles kontrolliert. Das Fediverse wird nie einfach explodieren, sondern Leonhard hält es für am wahrscheinlichsten, dass nach und nach bestehenden Communities dort hinwandern. Universitäten, öffentlich-rechtliche Mediatheken, Bibliotheken, NGOs oder Museen.
Als ich mich auf das Gespräch mit Mai Thi Nguyen-Kim vorbereitete, merkte ich: Ich weiß genau gar nichts mehr über Chemie aus der Schule. Was für ein Fehler! Es ist faszinierend, wie viel man über unsere Welt durch die Brille der Chemie verstehen kann, ob das Kochen, Kaffee oder warum Furze riechen. So eine coole Aufnahme.
🙆 Mai Thi Nguyen-Kim ist Wissenschaftsjournalistin, Wissenschaftskommunikatorin und Chemikerin. Mai war auf Einladung der Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien.
Was nehme ich mir mit?
Temperatur ist Bewegung.
Je schneller sich Teilchen bewegen, desto heißer ist ein Stoff. Kälte bedeutet, dass sich die Teilchen langsam bewegen. Bei gut 270 Grad minus ist Schluss: Dann stehen alle Teilchen und es kann nicht mehr kälter werden. In einem Raum hat alles die selbe Temperatur. Außer unser Körper, der arbeitet dagegen.
Wir bestehen aus Sternenstoff.
Alle 118 Elemente entstanden in Sternen durch Kernfusion. Das ist eine chemische Tatsache und ein absolutes Wunder. Auch unsere Furzmoleküle, wo kleine Teilchen in die Nase unserer Sitznachbarn abhauen, sind aus Sternen entstanden. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich finde das einfach nur geil.
Nur weil etwas natürlich ist, ist es nicht gut.
Es gibt künstliche Stoffe, die uns das Leben retten, und natürliche, die uns vergiften, wie etwa der Knollenblätterpilz. Wir müssen mit dieser komischen Unterscheidung aufhören. Vitamin C aus dem Labor ist genau dasselbe wie Vitamin C aus einer Orange.
Satire soll Dinge zum Vorschein, aber auch zum Lachen bringen. ORF-Satiriker Peter Klien erklärt sein Selbstverständnis – und ob Satire Grenzen gesetzt sind. Die Folge ist erstmals im Dezember 2018 erschienen.
Peter Klien ist Satiriker und Host der ORF-Late-Night-Politsatire „Gute Nacht Österreich“.
#398 Erklär mir, wie Tiere sprechen, Angela Stöger
09 juin 2026
00:48:05
Wie kommunizieren Elefanten und Geparden? Damit beschäftigt sich die Zoologin Angela Stöger. Über koreanisch sprechende Elefanten, Begrüßungszeremonien und warum Geparden manchmal wie Vögel klingen. Plus: Wie wir durch KI Tiere immer besser verstehen.
🙆 Angela Stöger ist Professorin für Zoo Conservation Science am Department für Verhaltens- und Kognitionsbiologie der Universität Wien. Sie beschäftigt sich unter anderem mit der Kommunikation von Elefanten und Geparden.
Was nehme ich mir mit?
Elefanten können imitieren.
Das kennen wir sonst etwa nur von Papageien. Ein Elefant in Südkorea, der koreanische Wörter nachahmt, die Einheimische verstehen – wie cool ist das denn bitte. Elefanten wurden auch schon beobachtet, wie sie die Geräusche von LKWs nachgemacht haben. Wenn sich Elefanten treffen, gibt es Begrüßungszeremonien, wie bei uns Menschen. Absolut faszinierend.
Elefanten haben die beste Nase im Tierreich.
Sie haben bis zu 2.000 olfaktorische Gene. Ein guter Spürhund hat gerade einmal 800. Sie sehen dafür nicht besonders gut. Auf kurze Distanz geben sie sich visuelle Signale, etwa durch ihre Gestik oder das Anheben des Kopfes. Sonst kommunizieren sie über Rumbles, also Grollen. Das spüren wir, hören wir aber großteils nicht, weil es Infraschall ist.
Künstliche Intelligenz hilft der Forschung.
Angela und ihre Kolleg:innen haben viele tausend Elefantenlaute gesammelt. Die KI soll daraus Muster erkennen. Die KI liefert Hypothesen, die Forscher:innen probieren es dann und spielen die Leute Elefanten vor. Der technologische Fortschritt ist enorm und wir können immer besser verstehen, was Tiere sagen.
#397 Erklär mir, warum Mönche länger leben, Marc Luy
02 juin 2026
01:45:54
Wenn ein Mann in ein Kloster geht, lebt er im Schnitt fünf Jahre länger als ein Mann außerhalb. Woran liegt das? Das habe ich den Demografen Marc Luy gefragt. Er ist für seine Kloster-Studie berühmt geworden und weiß, warum Männer kürzer oder länger leben. Ein nerdiges Gespräch über Lebenserwartung, das ihr lieben werdet <3
🙆 Marc Luy ist Bevölkerungswissenschafter. Er ist Direktor des Instituts für Demographie an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Honorarprofessor für Demographie an der Universität Wien. Er beschäftigt sich vor allem mit der niedrigeren Lebenserwartung von Männern.
Diese Bücher empfiehlt Marc:
„Wie ich die Dinge geregelt kriege: Selbstmanagement für den Alltag“ von David Allen, https://amzn.to/4dF3bt8
„Money: Die 7 einfachen Schritte zur finanziellen Freiheit“ von Tony Robbins, https://amzn.to/4e0mgoz
„Die Kunst des digitalen Lebens: Wie Sie auf News verzichten und die Informationsflut meistern“ von Rolf Dobelli, https://amzn.to/3Rx64nh
Slow Productivity: The Lost Art of Accomplishment Without Burnout von Cal Newport, https://amzn.to/4efUsO8
Männer leben im Kloster länger.
Das liegt vor allem daran, dass sie dort Risikofaktoren vermeiden, die ihr Leben außerhalb von Klöstern kürzer machen. Sie rauchen nicht, sie trinken keinen Alkohol, sie essen moderat und bewegen sich ausreichend. Außerdem sind sie Teil einer Gemeinschaft und vereinsamen nicht. All das ist wichtig für ein langes Leben.
Das Kloster bietet viele Vorteile.
Es liefert etwa auch einen geregelten Alltag, gibt damit den Menschen Struktur. Und wer in ein Kloster eintritt, muss sich auch nicht mehr mit dem Sinn des Lebens beschäftigen. Auch das ist wichtig. Bei Frauen in Klöstern hat das auch positive Effekte, sie leben dort aber nicht länger als Frauen außerhalb. Die Hypothese von Marc ist, dass das an der anstrengenden Arbeit innerhalb der Klöster liegt.
Es gibt keine Wunderpille für ein langes Leben.
Wer nicht raucht, moderat oder nicht trinkt, sich ausreichend bewegt, sich vielfältig ernährt und nicht zu viel isst und ein Leben führt, in dem es nicht zu viel Stress gibt, man Teil einer Gemeinschaft ist und für sich einen Sinn im Leben hat, der lebt im Durchschnitt viele Jahre länger und vor allem besser. Das ist das Geheimnis, nicht irgendein Superfood oder eine neue Tablette.
Abnehmspritzen werden manchmal als Lifestyle-Produkt abgetan. Dabei sind sie nichts anderes als eine medizinische Revolution. Zum ersten Mal hat die moderne Medizin ein wirksames Mittel gegen Adipositas. Und Studien zeigen: Sie haben noch jede Menge anderer Vorteile. Es erklärt der Universitäts-Professor und Endokrinologe Florian Kiefer.
🙆 Florian Kiefer ist Endokrinologe und Internist sowie assoziierter Professor an der Medizinischen Universität Wien mit Schwerpunkt auf Hormon-, Stoffwechsel- und Adipositaserkrankungen. Er leitet die endokrinologische Spezialambulanz, betreibt klinische und translationale Forschung zu Energie- und Fettstoffwechselprozessen und war in internationalen Fachgremien aktiv, etwa als Senior Editor eines endocrinologischen Fachjournals.
Was nehme ich mir mit?
Abnehmspritzen ahmen Hormone aus unserem Darm nach.
Die werden nach jedem Essen ausgeschüttet. Die körpereigenen Hormone sind aber gleich wieder weg. Forscher:innen haben die Hormone im Labor künstlich länger haltbar gemacht. Das zügelt jetzt den Appetit der Menschen, die sie nehmen. Der Körper baut also nicht mehr Gewicht ab, wenn man die Abnehmspritze nimmt, sondern man will wegen der Spritzen einfach weniger essen.
Spritzen alleine reichen nicht.
Begleitend braucht es Bewegung und Krafttraining, weil der Körper, wenn er abnimmt, Muskeln abbaut. Außerdem muss man sich auch die Ernährung anschauen. Beides muss langfristig umgestellt werden, oft braucht es auch immer wieder mal die Spritzen. Adipositas ist eine chronische Krankheit, sie geht nie ganz weg, der Körper will das alte Gewicht und Fett halten, weil uns das evolutionär schützte.
Die Spritzen helfen gegen vieles.
Sie helfen nicht nur gegen Diabetes und beim Abnehmen, sie scheinen im Körper auch unnütze Entzündungen zurückzufahren, was für ganz viele andere Krankheitsbilder ebenfalls positive Wirkungen zeigt. Die Daten sind klar: Die Effekte sind so gut, dass die Krankenkassen nachziehen und die Medikamente für alle, bei denen es eine Indikation gibt, übernehmen müssen.
#395 Erklär mir Klimawandel-Anpassung, Sigrid Stagl
19 mai 2026
00:56:15
In Wien wird das Klima wie in Skopje (Nordmazedonien). Was machen wir? Das habe ich die Ökonomin Sigrid Stagl gefragt. Was der Klimawandel mit der österreichischen Wirtschaft macht – und wir uns an ihn anpassen und dadurch wohlhabender und unabhängiger werden.
🙆 Sigrid Stagl ist Ökonomin am Department für Sozioökonomie der Wirtschaftsuniversität Wien.
Diese Folge wird präsentiert vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung im Rahmen der Umsetzung der fünf EU-Missionen in Österreich.
Diese Bücher empfiehlt Sigrid:
Karl Polanyi, Chronik der grossen Transformation. Artikel und Aufsätze (1920-1945): Menschliche Freiheit, politische Demokratie und die Auseinandersetzung zwischen Sozialismus und Faschismus, https://amzn.to/4nEZtDg
Sigrid Stagl, Krisenfest – Wie nachhaltige Wirtschaft unsere Zukunft sichert: Energie, Ernährung, Arbeit & Zusammenhalt neu denken: Wie wir unsere Wirtschaft verändern können, um unsere Zukunft zu sichern (ab September 2026 erhältlich), https://amzn.to/4dpo0HC
Wir müssen unabhängiger werden.
Wir überweisen derzeit Firmen und Menschen in autoritären Regimen jedes Jahr Milliarden Euro auf ihre Konten, um ihnen Erdöl und Erdgas abzukaufen. Nebenbei verschmutzt das unsere Luft und wir heizen die Erde noch weiter an. Das ist absurd und muss aufhören. Wir müssen fossile Energie mit erneuerbaren ersetzen und unsere Wirtschaft elektrifizieren, also etwa von Verbrenner auf E-Autos umsteigen.
Der Klimawandel ist längst da.
Österreich ist im Schnitt schon 3,1 Grad heißer als im langjährigen Schnitt. Das merken viele schon: Im Wintertourismus, in der Landwirtschaft, aber auch vulnerable Gruppen, Menschen in Städten und alle, die draußen arbeiten. Auch sonst sinkt die Produktivität und damit unser Wohlstand, wenn es heißer wird.
Wir müssen uns massiv anpassen.
Dazu gehört auch, dass wir unsere Einstellung zu Klimaanlagen verändern. Räume in Österreich muss man im Sommer künftig einfach kühlen. Klimaanlagen sind ineffizienter als das etwa über die Wände oder den Boden zu kühlen, aber wenn das nicht geht, sinnvoll. Landwirte bauen hitzeresistentere Sorten an, Forstwirte pflanzen andere Bäume, Städte werden grüner. Österreich hat in einigen Jahren die Temperatur von Mazedonien und das wird unser aller Leben ändern. Das muss keine Katastrophe sein, aber wir müssen uns früh genug daran anpassen.
Wie funktioniert unser Immunsystem? (Best Of - mit Wilfried Ellmeier)
14 mai 2026
00:42:10
Was passiert in unserem Körper, wenn ein Virus eindringt? Warum werden manche Menschen oft krank und andere nie? Das Immunsystem, erklärt. Die Folge ist erstmals im April 2020 erschienen.
Wilfried Ellmeier ist Immunbiologe und forscht an der Medizinischen Universität Wien.
#394 Erklär mir, was man über Geld wissen sollte, Bettina Fuhrmann
12 mai 2026
01:07:42
Was sollte jeder über Geld wissen? Das habe ich die Wirtschaftspädagogin Bettina Fuhrmann gefragt. Was man sinnvoll über Kredite finanziert – und was nicht. Die sinnvollsten Investitionen und wo man sich die Finger verbrennt. Von Krypto bis ETFs, Sparen, Ausbildung & Co.
🙆 Bettina Fuhrmann ist Leiterin des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der Wirtschaftsuniversität Wien.
Was nehme ich mir mit?
Unterschätze nicht deine eigene Ausbildung.
Ich habe zum Beispiel schon ein wenig gespart, aber das mit Abstand größte Vermögen, das ich besitze, ist mein eigenes Humankapital. Meine Ausbildung, mein Netzwerk, mein Wissen, das ich mir über viele Jahre aufgebaut habe. Das sorgt nämlich dafür, dass jedes Monat auf absehbare Zeit Geld auf mein Konto kommt. Quasi eine Dividende meines Humankapitals. Das ist bei den meisten Menschen der wichtigste Vermögenswert, den sie besitzen.
Wenn du Zeit hast, gehe Risiken ein.
Gerade wenn man Geld für längere Zeit nicht braucht, kann man damit höhere Risiken eingehen und sich Aktien kaufen. Am besten streut man sie breit, kauft sich also einen Aktien-ETF, der auf einem breiten Index mit vielen hundert oder tausenden Unternehmen fußt. Aktienmärkte gehen auf und ab, aber wenn man lange Zeit hat, etwa 10 oder 20 Jahre, dann kann man auch Krisen einfach abwarten.
Ein paar Grundregeln, die Bettina mitgegeben hat:
Investiere nur in etwas, das du verstehst. Sehr schlau. Dann: Zahle deinen Kredit nicht länger zurück, als du das Ding, das du dafür kaufst, nutzen kannst. Einen einwöchigen Urlaub zwei Jahre zurückzuzahlen ist eine riskante Angelegenheit. Und: Gehe keine Risiken ein, mit denen du nicht gut schlafen kannst. Auch wenn Aktien langfristig die beste Anlage sind: Wenn sie dir den letzten Nerv rauben, weil sie vielleicht mal runtergehen, dann lass es lieber bleiben.
Was macht eigentlich ein Botschafter den ganzen Tag? Das habe ich den Diplomaten Leigh Turner gefragt. Er war Botschafter in Wien, Kiew und Generalkonsul in Istanbul. Über Spionage, Brexit, Cocktail-Partys und was einen guten Diplomaten ausmacht.
🙆 Leigh Turner ist ein britischer Diplomat. Er war Botschafter in Wien, Kiew und Generalkonsul in Istanbul. Sein neuestes Buch: »Lessons in Diplomacy: Politics, Power and Parties« https://amzn.to/4dacO2v Auch von ihm erschienen: »The Hitchhiker’s Guide to Diplomacy: Wie Diplomatie die Welt erklärt« https://amzn.to/4cBrO9B
Don’t shoot the messenger.
Es ist wichtig, dass auch verfeindete Nationen Informationen austauschen können. Darum ist im Laufe der Zeit die diplomatische Immunität entstanden. Man darf Diplomaten in anderen Ländern nicht einfach einsperren. Das schafft zwar auch Probleme, sorgt am Ende des Tages aber dafür, dass auch Diplomatie in Staaten mit keinen guten Rechtssystemen und unabhängigen Gerichten möglich ist.
Botschafter sind Analytiker und Netzwerker.
Sie versuchen so viele Menschen wie möglich kennenzulernen, um Insider-Wissen zu sammeln. Das funktioniert auch andersrum: Wer einen Botschafter trifft, möchte selbst wiederum ja auch Wissen sammeln – oder im wahrsten Sinne des Wortes eine Botschaft anbringen. Leigh sagt, es ist wichtig, ein Experte zu werden. Also so viel wie möglich zu lernen und zu erfahren.
Die eigene Meinung zurückstecken.
Parteichefs müssen oft Positionen vertreten, die sie selbst nicht teilen. Eben: Weil die eigene Partei oder die Regierung das beschlossen hat. Bei Diplomaten ist das noch viel ärger: Da spielt die eigene Position quasi überhaupt keine Rolle. So hat Leigh jahrelang Großbritannien beim Brexit vertreten, obwohl er den Austritt aus der EU für einen schwerwiegenden Fehler hielt.
#392 Erklär mir medizinische Studien, Anna Berghoff
28 avr. 2026
01:10:14
Die moderne Medizin ist eine der größten Errungenschaften der Menschheit, und ohne verlässliche Studien wäre sie nicht möglich. Wie so eine Studie abläuft, haben wir uns im Detail angesehen. Mit der Neuro-Onkologin Anna Berghoff.
🙆 Anna Berghoff ist Neuro-Onkologin an der Klinischen Abteilung für Onkologie an der Medizinischen Universität Wien.
Diese Folge wird präsentiert vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung im Rahmen der Umsetzung der fünf EU-Missionen in Österreich.
Was nehme ich mir mit?
Dankbarkeit.
Ich finde die Energie, die Anna in ihre Arbeit steckt, unglaublich und nach dem Gespräch ist bei mir ein Gefühl der Dankbarkeit geblieben. Wie viele Menschen es wie Anna gibt, die mit ihrer Arbeit anderen helfen, die ihr Wissen für das Allgemeinwohl einsetzen und die mit so viel Respekt und Zuversicht an einer besseren Welt arbeiten.
Forschung ist Teamwork.
Es arbeiten riesige Teams an Studien, es gibt ganz viele checks and balances und man kontrolliert, ergänzt und kritisiert sich gegenseitig. Außerdem gibt es viele Regularien, externe Kontrollbehörden und Ethikkommissionen, die medizinische Studien begleiten. Das schafft Vertrauen in die Verlässlichkeit der Ergebnisse und ist essentiell.
Wir leben in den besten aller Zeiten.
Manchmal hört man ja, dass sich Menschen die gute alte Welt von früher zurückwünschen. Die moderne Medizin aber entwickelt sich ständig weiter und jeden Tag werden neue Ideen geboren, mit denen man Menschen, die krank sind, besser helfen kann. In der ganzen Geschichte der Menschheit gibt es genau Heute, im Hier und jetzt, die beste Diagnose und Therapie, die es je gegeben hat. Schon ziemlich großartig.
Wie ticken Peter Thiel, Elon Musk & Co? Der Journalist Jannis Brühl erklärt die Ideologie der Tech-Oligarchen, warum man Start-up-Denke nicht auf die Demokratie übertragen kann und wie wir uns in Europa digital wehren können.
🙆 Jannis Brühl ist Journalist und leitet das Team Geld, Arbeit, Tech bei der Süddeutschen Zeitung. Sein Buch »Disruption: Die Ideologie der Tech-Oligarchen und das Ende der Demokratie, wie wir sie kennen« ist bei DVA erschienen. https://amzn.to/4slBAkM
Inoreader(RSS-Reader), https://www.inoreader.com/: Jannis Brühl nutzt diesen RSS-Reader als morgendliche Informationsquelle – ohne Algorithmus, chronologisch, mit eigens ausgewählten Quellen. Eine bewusste Alternative zu Social-Media-Feeds.
Was nehme ich mir mit?
Einige wenige Menschen sind viel zu mächtig geworden.
Elon Musk, Mark Zuckerberg oder Peter Thiel sind nicht nur reich, sie mischen auch stärker als Reiche früher in der Politik mit. Sie lobbyieren nicht nur, sondern sie geben sich als große Vordenker einer neuen Welt und haben damit großen Einfluss. Und gleichzeitig kontrollieren sie wichtige Social Media Plattformen, KI, Raumfahrt oder Militärtechnologie.
Ihr Denken ist eindimensional.
Nur weil etwas in der Start-up-Welt funktioniert, kann man diese Prinzipien nicht bei einer liberale Demokratie, einem Rechtsstaat und der Bürokratie anwenden. Kreative Zerstörung ist in der Unternehmenswelt eine mächtige Idee, aber eine Demokratie lebt von Kompromissen, offenen Diskurs und klaren Regeln, die für alle gelten.
Eine unheilige Allianz.
Eigentlich passt die rechtspopulistische MAGA-Bewegung gar nicht zu den Tech-Futuristen. Hier vereinen sich Menschen mit sehr unterschiedlichem Weltbild, aber sie vereint der Wille zu Macht und Veränderung und der Hass auf den Staat, Bürokratie, Demokratie und progressive Werte wie Diversität und Solidarität.
Wie streitet man richtig? (Best Of - mit Katharina Henz)
16 avr. 2026
00:47:12
Konflikte helfen dabei, sich weiterzuentwickeln. Aber wie streitet man richtig? Wie trägt man Konflikte aus, ohne den anderen zu verletzen? Die Therapeutin Katharina Henz erklärt, wie es geht. Die Folge ist erstmals im April 2020 erschienen.
Katharina Henz ist systemische Psychotherapeutin in Wien.
Versicherungen, Kosmetik oder Pulverl an Freunde und Familie verkaufen… und sie dann auch noch selbst als Verkäufer anwerben und Provisionen kassieren: Network Marketing boomt seit Corona. Von den großen Versprechen bleiben meist nur Verlustgeschäfte. Die Wirtschaftsethikerin Claudia Groß erklärt die Praktiken der Unternehmen.
🙆 Claudia Groß ist Wirtschaftsethikerin an der TIAS School for Business & Society.
Was nehme ich mir mit?
Da war so viel dabei, was ich gelernt habe. Das habe ich mir wieder in mein analoges Notizbuch mitgeschrieben, ich mache das im offiziellen Leder-Notizbuch von Erklär mir die Welt von unserem Partner paper republic. paper republic legt Wert auf faire Bedinungen und auf langlebige Materialien. So. Was nehme ich mir mit?
Die meisten verlieren Geld.
Nach einem halben Jahr ist die Hälfte der Verkäufer oder Berater wieder weg. Meistens haben sie viel Geld für Starter Pakete ausgegeben, kaum Umsatz gemacht und es bleibt ein fettes Minus. Im besten Fall verliert man nur ein bisschen Geld, im schlimmsten auch sein soziales Umfeld, das man monatelang nervte oder manipulierte.
Network Marketing ist oft sektenähnlich.
Viele dieser Unternehmen arbeiten mit Praktiken, die man sonst eher bei Sekten oder Kulten kennt. Dir werden extreme Versprechen gemacht, Menschen, die nicht dazu gehören, werden abgewertet und kritische Fragen sind ein Zeichen, dass du die Heilsversprechen des Unternehmens noch nicht verstanden ist.
Warum sind diese Praktiken überhaupt legal?
Die Gesetzgeber müssen hier dringend nachschärfen. Claudia sagt, dass sich die Lobbies dieser Unternehmen in Brüssel ihre eigenen Gesetzestexte schreiben. Das ist natürlich ein Skandal. Oft verweisen die Firmen auch auf wenige schwarze Schafe oder selbstständige Berater, die vielleicht etwas getan haben, was nicht richtig ist. Sie selbst nehmen sich aus der Verantwortung.
Wenn eine Frau mit einer Frau schläft, denken wir, sie ist lesbisch. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass sie bisexuell ist. Bisexuelle sind die größte sexuelle Minderheit, sagt die Forscherin Julia Shaw. Warum vergessen so viele von uns auf sie?
🙆 Julia Shaw ist Wissenschaftlerin, Bestsellerautorin, und Moderatorin. Sie hat eine Vielzahl an Büchern geschrieben, unter anderem das Buch “Bi”: https://www.drjuliashaw.de/indexbi
Bi ist die größte sexuelle Minderheit.
Julia hat davon erzählt, dass sie sich aber oft weder von der Hetero-Mehrheitsgesellschaft, noch von der LGBTIQ-Community gesehen fühlt. Wenn ein Mann mit einem Mann schmust, ist er dann automatisch gleich schwul. Dass er Bi sein könnte, haben wir manchmal gar nicht im Kopf. Das ändert sich langsam, ich ertappe mich aber immer wieder dabei.
Sexualität ist komplexer, als viele denken.
Das zeigt etwa die Kinsey-Skala, viele Menschen sind nicht eindeutig hetero oder homosexuell, sondern irgendwo dazwischen. Das Klein-Grid erweitert dann die Kinsey-Skala auf sieben Dimensionen: Etwa Verhalten, Fantasie, mit wem verbringt man gerne Zeit und unterscheidet auch zwischen Vergangenheit und Wünschen.
Die fehlende Sichtbarkeit hat enorme Konsequenzen.
Wer sich nicht im Fernsehen oder auf der Straße sichtbar fühlt, also keine anderen Menschen wie sich selbst sieht, der denkt dann schnell mal, dass mit einem selbst was falsch ist. Bisexuelle Menschen werden diskriminiert, haben hohe Vergewaltigungsraten und leiden häufiger an psychischen Problemen. Darum ist es so wichtig, die bunte Vielfalt der menschlichen Existenz überall sichtbar zu machen.
Wie würde eine Welt ohne Astronomie aussehen? Das habe ich Eva Freistetter gefragt. Wie der Blick in den Sternenhimmel die Menschheit geformt hat, von der Antike zu Einstein, Newton und Co. Astronomie, erklärt.
Die Astronomie ist die Grundlage der modernen Wissenschaften.
Sie legte das Fundament für moderne Physik, sie erschütterte das Weltbild der Kirche und legte damit die Basis für die Aufklärung, die menschliche Eigenermächtigung, damit auch für die Industrialisierung und im Prinzip für alles, was wir heute in unserer modernen Zivilisation an Wohlstand haben.
Anomalien sind kein Problem, sondern Einladungen.
Wir wissen noch immer viel nicht über die Funktionsweise des Universums. Das ist für Forscher:innen eine riesige Chance und die Quelle von Fortschritt. So war das auch schon früher: Einstein konnte etwa erklären, was Newton nicht verstand. Eine neue Theorie löste ein altes Rätsel.
Wir sind Teil eines großen Ganzen.
Wenn ich in den Himmel blicke, dann werde ich immer ganz demütig. Es klingt so kitschig, aber wir sind alle Sternenstaub, alle Elemente in unserem Körper kommen aus Supernoven. Wenn wir sterben, zerfallen wir wieder in einzelne kleine Teilchen und werden Teil des Bodens. Wenn ich mir das vorstelle, dann nehme ich mich selber und die Probleme in meinem Leben weniger wichtig.
#387 Erklär mir, wie Flüsse gerettet werden, Sarah Höfler
24 mars 2026
01:08:12
Warum ist das Leben aus vielen Flüssen verschwunden – und wie hauchen wir ihnen neues ein? Das habe ich die Gewässerökologin Sarah Höfler gefragt. Ein faszinierendes Gespräch über Fische, Algen, den Menschen und die Natur, und wir unser Verhältnis wieder besser hinbekommen.
🙆 Sarah Höfler ist Gewässerökologin und arbeitet für das Planungsbüro »blattfisch«.
Diese Folge wird präsentiert vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung im Rahmen der Umsetzung der fünf EU-Missionen in Österreich.
Diese Bücher empfiehlt Sarah:
Sind Flüsse Lebewesen? von Robert Macfarlane , Frank Sievers, et al., https://amzn.to/47MmD3E
Das Ziel ist nicht: Zurück zur Natur.
Es ist völlig unrealistisch, dass wir die meisten Flüsse und Bäche wieder so fließen lassen, als würde es den Menschen nicht geben. Die Idee hinter der Renaturierung von Gewässern ist, dass wieder ein guter ökologischer Zustand erreicht wird. Das misst man etwa an der Anzahl und Vielfalt an Fischen, Algen oder wirbellosen Tieren. Die meisten Gewässer sind noch immer in keinem guten Zustand, aber es wird langsam besser.
Flüsse müssen wieder bunter werden.
Flüsse sind eigentlich sehr divers, mal tiefer, mal flacher, es sind unterschiedliche Nährstoffe drinnen, Temperaturen, es gibt mal Schotter, mal größere Gesteine, Auwälder, Totholz usw.; je bunter die Lebensräume, desto größer auch die Vielfalt an Tieren und Pflanzen, die dort leben und desto stabiler das Ökosystem.
Es scheitert nicht am Geld.
Derzeit gibt es viele Mittel für die Renaturierung von Gewässern. Das Problem ist viel eher, dass viele Flächen im Privatbesitz sind. Hier braucht es eine kluge Strategie und gute Überzeugungsarbeit. Und eine Abwägung: Ja, Eigentum ist wichtig, aber wenn ein großes öffentliches Interesse an ökologisch gesunden Gewässern besteht, sind auch Eingriffe in das Eigentum der Besitzer:innen manchmal legitim. Natürlich ist dann eine ordentliche Entschädigung fällig, ähnlich wie beim Bau von Schienennetzen für die Bahn.
Wir gehen auf Kritik und Vorschläge von Hörer:innen ein, erzählen, was in nächster Zeit im Podcast geplant ist und teilen unsere Buch-, Serien- und Theater-Highlights aus der jüngsten Zeit.
Im Podcast empfohlen:
Das Buch „Disruption" von Jannis Brühl über Thiel, Musk & Co
Das Theaterstück "Fräulein Else" am Volkstheater in Wien
Die Geschichte des Irans, erklärt (Best Of - mit Bert Fragner)
12 mars 2026
01:12:33
Der mittlerweile verstorbene Universalgelehrte Bert Fragner hat uns den Iran und seine Faszination für ihn erklärt. Die Folge ist erstmals im März 2020 erschienen.
Bert Fragner war einer der renommiertesten österreichischen Iranologen und Direktor des Instituts für Iranistik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Tamim war 14, als sein Vater in einem afghanischen Dorf ermordet wurde. Seine Mutter besorgte sich irgendwie 12.000 Dollar und ließ ihn von Schleppern abholen. Heute, 13 Jahre später, macht Tamim eine Elektrikerlehre in Wien. Er ist verheiratet, hat einen sieben Monate alten Sohn. Mir hat er seine Geschichte noch einmal ganz von vorne erzählt.
🙆 Tamim macht gerade die Lehre zum Elektriker. Er ist nach einem tragischen Vorfall mit 14 aus Afghanistan über die Balkanroute nach Österreich migriert.
Was nehme ich mir mit?
Die Ungewissheit ist riesig.
Was für Tamim eine der schlimmsten Dinge war, war das Warten. Du wartest oft Tage, Wochen, weißt nicht, wo du bist, ob jemand kommt, wohin es dann geht, was dann passiert. Man ist total ausgeliefert, hat keine Kontrolle und ich glaube jeder von uns kann sich da in ihn hineinversetzen, dass das einfach nur furchtbar sein muss.
Viele Menschen tragen Schicksale mit sich herum.
Wir allen haben unseren Rucksack, aber einige Menschen haben dort viel, viel mehr drin, als die anderen. Dass der eigene Vater ermordert wurde, dass man auf einer sechsmonatigen Reise durch das Ungewisse auch einen anderen Menschen sterben sieht und andere Schrecklichkeiten erlebt… Das Gespräch mit Tamim hat mich daran erinnert, wie glücklich man sich schätzen kann, wenn man an einem sicheren, stabilen Ort auf die Welt gekommen ist.
Einzelne Menschen können so viel bewegen.
Oft haben wir das Gefühl, dass wir an der Welt zugrunde gehen, nichts ändern können. Aber die Geschichte von Tamim zeigt: Eine einzige Person, die sich Zeit nimmt und hilft, kann ein Leben verändern. Wenn jeder von uns, der die Zeit und Ressourcen hat, sich einen Teil davon nimmt und sie für andere einsetzt, dann sieht die Welt plötzlich gleich ganz anders aus.
Große News aus unserem Podcast-Unternehmen: Wir haben einen neuen Partner an Bord. Es gibt jetzt ein offizielles Leder-Notizbuch zum Podcast und zwar von paper republic.
#384 Erklär mir Geschlechtskrankheiten, Mirjiam Hall
03 mars 2026
01:06:49
Wie geht man als mündiger, lebenslustiger Mensch mit Geschlechtskrankheiten um? Wie sollte man sich verhalten, was sollte man wissen, wie oft sich testen lassen? Das habe ich Mirjiam Hall gefragt. Sie ist Gynäkologin und Vorsitzende der Aids Hilfe Wien. Wie man Risiken reduziert, ohne sich verrückt zu machen.
🙆 Mirijam Hall ist Gynäkologin und arbeitet als Assistenzärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in der Klinik Ottakring in Wien. Seit Oktober 2023 ist sie zudem Vorsitzende der Aids Hilfe Wien und engagiert sich für reproduktive Rechte und sexuelle Gesundheit. Mirjiam ist Bezirksrätin in Wien-Neubau für die SPÖ.
Die Big 5 Geschlechtskrankheiten, die jeder kennen sollte: HIV, Hepatitis, Chlamydien, Tripper und Syphillis.
HIV und Hepatitis sind durch Viren übertragene Krankheiten, Tripper, Chlamydien und Syphilis werden von Bakterien verursacht. Letztere behandelt man darum mit Antibiotika. Hepatitis B lässt sich durch Impfungen verhindern, HIV noch nicht, da wird daran gearbeitet, aber man kann es heute sehr gut mit Medikamenten behandeln.
Der erwachsene Umgang mit STDs.
Es braucht Bildung, dafür sind Schulen, aber auch wir selbst verantwortlich. Dann müssen wir Stigmata abbauen und offen darüber reden: Lässt du dich testen? Oder: Hey, du solltest wissen, ich habe X oder Y. Wer Kondome verwendet, reduziert das Risiko massiv, aber bringt es nicht auf null.
Es geht immer nur um Risikoreduktion.
Wie auch sonst im Leben braucht es auch im Umgang mit STDs eine Risikokalkulation. Wenn ich in ein Auto steige, ist klar, dass ein Unfall passieren kann. Die meisten Leute fahren trotzdem, weil die Vorteile überwiegen. Genauso ist es beim Sex: Es kann immer etwas passieren, aber man kann das Risiko stark reduzieren. Das Kondom ist quasi der Airbag, regelmäßige Tests und Gespräche sind der Gurt. Ob man dann manchmal auf der Autobahn schneller fährt muss jeder selbst entscheiden, die Analogie wäre hier: Verzichte ich bei einer getesteten Person beim Oralverkehr bspw. auf das Kondom?
#383 Erklär mir, wie Wetter vorhergesagt wird, Marcus Wadsak
24 févr. 2026
01:10:06
Woher weiß Marcus Wadsak eigentlich, wie das Wetter in einer Woche wird? Ich habe den Meteorologen gebeten, mir mal ganz grundsätzlich zu erklären, wie er das Wetter vorhersagt.
Marcus Wadsak ist ein österreichischer Meteorologe und Wettermoderator, der seit 1995 für den ORF arbeitet und dort vor allem das ZiB-Wetter präsentiert. Er hat Meteorologie an der Universität Wien studiert, war langjähriger Leiter der ORF-Wetterredaktion und ist als Sachbuchautor und Klima-Experte bekannt. Wadsak engagiert sich öffentlich für Klima-Aufklärung und wurde mehrfach als Wissenschafts-Journalist des Jahres ausgezeichnet.
Wetter lässt sich immer besser vorhersagen.
Früher konnte man nur drei Tage halbwegs seriös prognostizieren, heute schon 15 Tage. Früher gab es nur 9 Messstationen, heute gibt es 250 Stationen in Österreich, die regelmäßig Informationen sammeln. Dadurch können wir unsere Urlaube oder Landwirte ihre Ernte immer verlässlicher planen.
Wetter ist der Zustand unserer Atmosphäre.
Und zwar zu einer bestimmten Zeit. Wetter entsteht vor allem durch die Temperaturunterschiede zwischen Äquator und Polen. Die wollen sich ausgleichen. Dadurch entsteht Wind. Die Erdrotation macht dann alles komplizierter.
Physikalisch könnte man das Wetter exakt berechnen. Nicht nur 15 Tage im Voraus, sondern auch 30 Jahre. Aber wir kennen den Ausgangszustand nie genau genug, also wir müssten perfekte Daten haben über den Zustand der Atmosphäre jetzt und dann auch noch extrem große Rechenleistung. Das wird nie möglich sein, aber durch KI & Co wird die Vorhersage von Wetter gerade noch einmal revolutioniert und sicher noch besser und genauer werden.
Niemand ist davor gefeit, in sektenartige Strukturen zu geraten. Das sagt Ulrike Schiesser, Leiterin der Bundesstelle für Sektenfragen. Die Psychotherapeutin über Warnsignale, warum gerade junge Menschen wieder anfälliger werden und was Angehörige tun können.
🙆 Ulrike Schiesser hat an der Universität Wien Psychologie studiert und begleitet an der österreichischen Bundesstelle für Sektenfragen Menschen durch Umdenk- und Veränderungsprozesse. Sie ist Expertin für Konflikte im Bereich Esoterik, für Personenkulte, autoritäre und vereinnahmende Gruppenstrukturen und Verschwörungstheorien.
„Walking Free from the Trauma of Coercive, Cultic and Spiritual Abuse: A Workbook for Recovery and Growth“ von Gillie Jenkinson (Englisch, E-Book), https://amzn.to/40ivINn
„Dämonen. Besessenheit und Exorzismus in der Geschichte Österreichs" von Gerhard Ammerer, Nicole Bauer & Carlos Watzka, https://amzn.to/4rR8s4X
Die Spur des Bösen. Wenn Fanatismus tödlich endet – Wahre Sektenverbrechen von Fabian Maisenhölder, https://amzn.to/4qDfI3q
Was macht eine Sekte aus? Sektenähnliche Gruppen unterscheiden sich, aber oft gibt es eine starke Abgrenzung nach außen und eine Führungsperson, mit unkontrollierter Macht. Kritik ist unerwünscht. Man kann nicht über sich lachen und es wird Kontrolle über den Alltag der Menschen ausgeübt, vielleicht über Kleidung, Essen oder Beziehungen.
Wir sind alle Menschen und daher anfällig. Diese Gruppen sprechen unsere Sehnsucht nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit an. Sie bieten Orientierung in einer überfordernden Welt — da empfehle ich eher, Erklär mir die Welt zu hören als einer Sekte beizutreten — und oft geben diese Gruppen Antworten auf die großen Lebensfragen nach Sinn, Tod und Identität.
Was können Angehörige tun? Nicht angriffig sein, sondern zuhören, nachfragen und Interesse zeigen. Das ist natürlich schwierig, wenn man sich große Sorgen um die Person macht, aber alles andere ist kontraproduktiv. Wichtig ist, den Kontakt nicht zu verlieren, wenn einem die Person wichtig ist und zu schauen, welches Bedürfnis die Gruppe erfüllt.
Chinas Geschichte erklärt in 40 Minuten (Best Of – mit Susanne Weigelin-Schwiedrzik)
12 févr. 2026
00:42:02
2200 Jahre ein Reich, die erste Republik Asiens, 15 Millionen Tote im Zweiten Weltkrieg: Die besondere Geschichte Chinas, erklärt in 40 Minuten. Die Folge ist erstmals im Februar 2020 erschienen.
Susanne Weigelin-Schwiedrzik ist Professorin für Chinastudien (Sinologie) an der Universität Wien.
#381 Erklär mir, wie ich Krisen bewältige, Christian Asperger
10 févr. 2026
01:11:50
Wie lernt man, mit den großen Krisen im Leben umzugehen? Das habe ich den Psychotherapeuten Christian Asperger gefragt. Kündigungen, Trennungen, Krankheiten: Wie man Resilienz aufbaut, um an Krisen zu wachsen, statt durch sie zu verbittern.
🙆 Christian Asperger ist Coach, Psychotherapeut und Business-Coach in Wien. Er war zuvor 15 Jahre lang Führungskraft in Konzernen.
Wer Gefühle zulässt, geht besser mit Krisen um. Es ist gut, dass wir verdrängen, dass wir alle einmal sterben werden. Gefühle sollte man aber nicht verdrängen. Wenn ich mich schäme, sollte ich mir das bewusst machen. Dann kann ich daran lernen. Wenn ich traurig bin, wenn ich Angst habe, dann sollte ich das zulassen, vielleicht weinen oder jemanden um eine Umarmung bitten.
Für ein gutes Leben müssen wir offen bleiben. Ja, wir werden verletzt, enttäuscht, niemand von uns kommt ohne Narben raus und manche trifft es schwerer als andere. Aber ein Ziel im Leben muss sein, dass wir weiter offen und empfänglich für Veränderungen bleiben, uns immer wieder anpassen. Das gehört zu einem gelungenen Leben dazu.
Krisen reißen uns aus dem Alltag. Sie haben alle etwas gemeinsam: Die Gewissheit, dass etwas nicht mehr so ist, wie es vorher war. Das macht Anpassungsstress. Was hilft sind Rituale, wie Schultüten oder ein Verabschiedungsritual bei einer Trennung. Und: Ressourcen anzapfen: Freunde, Kolleginnen, Therapie. Und: Unsere Sinne nutzen. Raus in die frische Luft, uns bewegen, etwas riechen, etwas mit unseren Händen machen, Holz spüren.
Dieses Buch empfiehlt Andreas zum Thema: Verletzlichkeit macht stark: Wie wir unsere Schutzmechanismen aufgeben und innerlich reich werden von Brené Brown, https://amzn.to/4tqvdOE
#380 Erklär mir das Leben mit Borderline, Leonie-Rachel Soyel
03 févr. 2026
01:20:56
Borderline ist behandelbar. Leonie-Rachel Soyel erzählt, wie sie durch Therapie und Arbeit an sich selbst die Symptome unter die Nachweisgrenze brachte. Der Schlüssel: Den »A-B-Moment« erkennen und zwischen destruktivem Impuls und gesunder Wahl entscheiden. Ein Gespräch, das Hoffnung macht und Stigma abbaut.
🙆 Leonie-Rachel Soyel ist Bloggerin, Influencerin und Podcasterin mit Schwerpunkt auf Mental Health, Lebensstil und Beziehungen. Sie spricht offen über Borderline, um das Tabu psychischer Erkrankungen zu durchbrechen. Sie betreibt gemeinsam mit Sinah Edhofer den Podcast »Couchgeflüster«.
Diese Bücher empfiehlt Leonie-Rachel:
Ich hasse dich - verlass mich nicht: Die schwarzweiße Welt der Borderline-Persönlichkeit von von Jerold J. Kreisman und Hal Straus, https://amzn.to/49UDYsR
Borderline ist behandelbar. Leonie sagt, sie hat es in ihrem Leben geschafft, dass es unter der Nachweisgrenze ist. Durch Therapie, ein gutes Umfeld und Selbstfürsorge hat sie es geschafft, ein gutes Leben zu führen. Die Forschung zeigt: Leonie ist kein Einzelfall. Wenn Menschen Zugang zur richtigen Therapie haben, ist Borderline heute sehr gut behandelbar.
Das richtige Umfeld ist entscheidend. Ja, wenn wir Probleme haben, dann müssen wir auch an uns selbst arbeiten. Und brauchen Unterstützung von der Gesellschaft in der Form von Therapien, Medikamenten und Bildung. Aber: Essentiell ist oft auch das Umfeld. In manchen Jobs, Beziehungen oder Orten, an denen wir leben, werden unsere Probleme und scheinbar schlechten Eigenschaften potenziert. In andere passen wir plötzlich smooth hinein.
Diagnosen sind eine Gratwanderung. Sie ändern sich über die Zeit. Dinge, die wir heute als ganz normal sehen, wie Homosexualität, wurden früher als Krankheit diagnostiziert. Wir neigen dazu, schnell Dinge, die nicht der Mehrheit entsprechen, als abnormal, gestört oder krank zu sehen. Gleichzeitig braucht es Diagnosen, weil es gewisse Standardisierungen in der Medizin und Therapie braucht. Sie können Betroffenen ebenfalls helfen: Weil man dann weiß, was los ist. Wenn sie helfen, sind sie gut, sie dürfen aber nicht zur Identität werden: Ich bin Borderliner, ich bin Depressiver, nein, das ist einfach eine Krankheit, die man mal hat.
#379: Erklär mir, wie du korrupt wurdest, Peter Hochegger
27 janv. 2026
00:58:22
Ich habe Peter Hochegger gefragt, wie er so korrupt wurde. Wo ist er im Leben falsch abgebogen? Was ist da passiert? Der Versuch, die menschliche Seite hinter Korruption besser zu verstehen.
🙆 Peter Hochegger ist ehemaliger Lobbyist. Er war in große politische Skandale wie die BUWOG-Affäre verwickelt und wurde mehrfach rechtskräftig verurteilt. 2025 veröffentlichte er ein Buch über Lobbyismus und politische Einflussnahme.
Der Mensch ist ein Meister der Verdrängung. Ich glaube Peter, dass er wirklich vieles zur Seite geschoben hat. Machen alle so, ja mein Gott, so ist die Welt. Unrechtsbewusstsein kommt oft dann erst, wenn man in einer ganz anderen Situation ist, so wie bei Peter jetzt. Erinnert mich ein bisschen an Verschwörungstheorien oder Sekten, wo auch lange alles sehr viel Sinn ergibt, bis es dann plötzlich gar keinen Sinn mehr ergibt.
Der Mensch ist auf der Suche nach sich selbst. Ich teile Peters teilweise esoterische Ansichten nicht, dass weiß jeder, der Erklär mir die Welt hört. Ich empfehle etwa die Folge, die wir zu Astrologie aufgenommen haben. Aber ich finde Peters Auseinandersetzung mit seinem Leben nachvollziehbar, irgendwann stellt sich jeder diese Fragen und ich glaube auch, dass man nicht rein zufällig dort landet, wo man ist. Man sucht sich Leute, die so sind, wie man ist, und man wird durch das Elternhaus so, wie man ist. Und was wir richtig oder falsch empfinden wird stark durch unser Umfeld geprägt.
Peter arbeitet auch an seiner Erzählung. Es war Jahrzehnte sein Beruf, das Image von Marken, Firmen oder Personen zu pflegen. Er beschreibt in seinem Buch auch, wie man Bücher dazu verwendet, das Bild eines Menschen in der Öffentlichkeit zu verändern. Das macht er hier selbst und das ist völlig legitim. Es wurde viel über ihn geschrieben und geredet und da möchte er jetzt ein Wörtchen mitreden. Das würde uns allen so gehen.
Du kommst nach Hause, triffst auf dem Gang drei Nachbarn, quatschst kurz, deine Kinder spielen schon längst mit ihren Freunden im Haus, und am Abend kochst du nicht allein, sondern mit der Gemeinschaft.
Klingt utopisch? Für Barbara Nothegger war das zehn Jahre lang Realität. Sie hat im Wohnprojekt Wien gelebt – einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt mit 39 Wohnungen und rund 100 Bewohner:innen. Wie lebt’s sich dort?
🙆 Barbara Nothegger ist eine österreichische Journalistin und Buchautorin. Barbara lebte in einem gemeinschaftlich geplanten Wohnprojekt in Wien und hat darüber das Buch „Sieben Stock Dorf. Wohnexperimente für eine bessere Zukunft“ geschrieben. (https://amzn.to/457kwWO)
Praxishandbuch Leben in Gemeinschaft: partizipativ planen, bauen und wohnen von Heinz Feldmann, https://amzn.to/4sUipA7
Der Gemeinschaftskompass: Eine Orientierungshilfe für kollektives Leben und Arbeiten. Leitfaden für erfolgreiche gemeinschaftliche Projekte, nachhaltiges Zusammenleben und effektive Gruppenarbeit von Eva Stützel, https://amzn.to/3LHVW8n
Barbaras Shoutout für Medien
Die Zeit, Barbaras bevorzugtes Nachrichtenmedium wegen der tiefgehenden Recherchen und des frechen Zugangs zu Themen, https://www.zeit.de/index
Was nehme ich mir mit?
1. Größere Projekte sind sinnvoller. 100 oder 200 Leute sind eine gute Größe für eine Gemeinschaft, sagt Barbara. Kleine Projekte mit ein paar wenigen Leuten oder Freund:innen scheitern oft, wenn sich zwei Leute zerstreiten. Ein großes Projekt hält das aus. Man kann der Person dann viel eher aus dem Weg gehen. Wichtig sind aber Strukturen statt Anarchie: Regeln, Prozesse, klare Verantwortlichkeiten.
2. Mini-Begegnungen sind das Reizvollste. Die kleinen Begegnungen auf der Treppe, beim Briefkasten oder am Gang sind das, was Barbara am meisten fehlt in ihrer neuen, wieder normalen Wohnung. Es klang für mich auch nach einem Paradies für Kinder. Für die Eltern und Erwachsene ist es wichtig, dass man ausreichend große Rückzugsräume hat.
3. Konstent statt Konsens. Basisdemokratische Projekte verlaufen sich schnell, man verirrt sich in endlosen Debatten, die zu nichts führen. In Gemeinschaftsprojekten hat sich das Modell der Soziokratie bewährt. Es gibt viele kleine Gruppen, die autonom entscheiden. Für große Entscheidungen tagt man mit allen. Es müssen aber nie alle zustimmen, sondern wenn keine Person mehr einen triftigen, gut begründeten Einwand aufbringt, wird der Vorschlag angenommen.