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Franz Schubert: Klaviertrio Nr. 2 Es-Dur op. 100 / D 92920 Jan 202501:59:59
Schuberts Klaviertrio in Es-Dur: «Seufzer, der sich bis zur Herzensangst steigern möchte.» Das Zitat im Titel ist von Robert Schumann. Es bezieht sich auf den langsamen zweiten Satz des Klaviertrios Nr. 2 von Schubert. Und ja, dieser Satz ist das HerzstĂŒck des Trios, ein intimer Trauermarsch, wehmĂŒtig, kein Aufbrausen, sondern tiefe Trauer. Der erste Satz hingegen: energisch, dramatisch. Franz Schubert hat das Trio 1827 komponiert, das war die Zeit der Wintereise, eisig und einsam. Man spĂŒrt den Wanderer. Aber am Schluss wird die Melancholie ĂŒberwunden. In allerletzter Minute. Nur Schubert kann das! Annelis Berger diskutiert mit ihren GĂ€sten Michael Schwendimann und Markus Fleck ĂŒber verschiedene Interpretationen des Werkes.
Germaine Tailleferre: Harfensonate13 Jan 202501:59:58
Vielen ist die französische Komponistin Germaine Tailleferre nur als Fussnote der Musikgeschichte bekannt, als einziges weibliches Mitglied der losen Komponistengruppe «Groupe des Six». Wie ihre Kollegen dort, u.a. Arthur Honegger, Francis Poulenc und Darius Milhaud, blieb sie als Reaktion auf die SpĂ€tromantik einer eher verschlankten KlangĂ€sthetik treu, und auch sie gehörte nicht zur musikalischen Avantgarde. «Ich habe ein unendlich schwieriges Leben, und darum schreibe ich fröhliche Musik», soll sie einmal gesagt haben. Unter anderem ihre Harfensonate aus dem Jahr 1953 beweist, dass Tailleferre weit mehr ist als eine Randerscheinung. Es ist ein so originelles wie zugĂ€ngliches StĂŒck - nur eines aus Tailleferres eindrĂŒcklich grossem ƒuvre. Im gleichen Jahrzehnt wie die Harfensonate schrieb die damals bereits ĂŒber 60-jĂ€hrige Französin vier ihrer Opern bzw. Kammeropern. Auch diverse Klavier-, Kammermusik, Lieder, Orchestrales wie auch konzertante Werke hinterliess Tailleferre, die auch eine ausgezeichnete Pianistin war. Wie bei so vielen weiblichen Komponierenden ist auch das meiste von ihr noch nicht verlegt und aufgenommen worden. Den Grossteil ihres Werks (wie auch ihres Lebens) gilt es also noch zu entdecken und aufzuarbeiten. GĂ€ste von Moritz Weber sind die Musikjournalistin Corinne Holtz und die Harfenistin Selina Cuonz.
Mit OuvertĂŒren ins neue Jahr! 06 Jan 202502:00:00
Drei OuvertĂŒren zwei GĂ€ste: die Musikwissenschaftlerin Martina Wohlthat und der Dirigent Jan Schultsz ĂŒber Verdi, Offenbach und Beethoven. Eine veritable OpernouvertĂŒre ist Giuseppe Verdis OuvertĂŒre zu «La forza del destino». Dunkle Farben, dramatische Pausen, Motive, die sich ins GedĂ€chtnis bohren. Aufnahmen aus dem Opernland Italien, aber auch der Schweiz sind da in der Konkurrenz. Dann: Mit Jacques Offenbachs OuvertĂŒre zu seiner Operette «La Belle HĂ©lĂšne» haben wir einen Sonderfall. Offenbach schrieb fĂŒr sein Pariser Theater nur 66 Takte, das Vorspiel wurde aber spĂ€ter fĂŒr Wien stark erweitert, formal umgedeutet. Welche Fassung und vor allem welche Interpretation trifft den Offenbach’schen Nerv am besten? Und zuletzt Beethoven. Seine OuvertĂŒre «Coriolan» bezog sich auf ein gleichnamiges Schauspiel ĂŒber einen römischen Helden, hat sich aber schnell in den KonzertsĂ€len emanzipiert. Was macht das mit uns HörerInnen? MĂŒssen wir die Geschichte und den zerrissenen Charakter Coriolans kennen oder funktioniert die Musik auch so?
Heinrich Ignaz Franz Biber: Rosenkranzsonaten30 Dec 202402:00:00
Wie ein Musiktheater ohne Worte – so klingen die Rosenkranz-Sonaten von Heinrich Ignaz Franz Biber. Sonaten fĂŒr die Geige, in Begleitung eines Generalbass-Ensembles. Biber hat hier die Lebensgeschichte von Jesus Christus vertont, Szene fĂŒr Szene. Dabei hat er sich am Rosenkranz-Gebet orientiert – jenem alten katholischen Gebet, das die Geschichte Jesu nacherzĂ€hlt. Und weil es in dieser Geschichte freudig, dramatisch und traurig zugeht, darf die Geige klanglich alles auspacken, was sie zu bieten hat. Dabei wird es auch richtig virtuos. Deshalb gelten die Rosenkranz-Sonaten heute als eines der Gipfelwerke der Geigenliteratur, von dem regelmĂ€ssig neue Interpretationen erscheinen. Jenny Berg diskutiert fĂŒnf neuere Aufnahmen mit ihren beiden GĂ€sten, der Barockgeigerin Leila Schayegh und dem Tonmeister Andreas Werner. Erstausstrahlung: 11.09.2023
Heinrich SchĂŒtz: Weihnachtshistorie SWV 43523 Dec 202402:00:00
Weihnachten in Dresden 1660: Die «Historia der Geburt Christi» von Heinrich SchĂŒtz erklingt zum ersten Mal – mit prachtvoll instrumentierten Concerti und einer ganz neu komponierten Stimme des Evangelisten. Bis heute ist SchĂŒtz’ Weihnachtshistorie ein beliebtes StĂŒck in der Weihnachtszeit. Und schon frĂŒh galt SchĂŒtz’ Weihnachtshistorie als meistaufgefĂŒhrtes Weihnachtswerk vor Bach. Denn der damals bereits 75-jĂ€hrige Heinrich SchĂŒtz hat etwas ganz Neues geschaffen: Er hat den Part des Evangelisten nicht im damals ĂŒblichen liturgischen Lektionston notiert, sondern Vers fĂŒr Vers ganz individuell vertont. So wurde der Textinhalt eindringlicher und die Emotionen durch Melodie und Harmonik verstĂ€rkt. Dazu setzt SchĂŒtz acht Intermedien mit einer reichen, wandelnden Besetzung: Die Hirten werden mit Blockflöten begleitet, die Hohenpriester mit gravitĂ€tischen Posaunen, und die Engel mit drei Gamben. Jenny Berg vergleicht gemeinsam mit der SĂ€ngerin Silke GĂ€ng und dem Cembalisten und Organisten Jörg-Andreas Bötticher fĂŒnf der zahlreichen Aufnahmen dieses Werks.
Astor Piazzolla16 Dec 202402:00:00
«Das ist der wahre Piazzolla» - der argentinischen Tangoerneuerer Astor Piazzolla. Irgendwo zwischen Strawinsky und Bartok klangen die ersten Werke des Komponisten und Musikers Astor Piazzolla. Seine Lehrerin in Paris, Nadia Boulanger, spĂŒrte ein anderes Potenzial in ihm und forderte ihn auf, sich dem Tango zuzuwenden, denn: «Das ist der wahre Piazzolla». Und so kehrte der Argentinier zu seinen Wurzeln zurĂŒck, erneuerte aber den traditionellen Tango, was ihm manche verĂŒbelten. In der Diskothek werden einige seiner Hits in verschiedenen Interpretationen und Covers verglichen. GĂ€ste von Annelis Berger sind der Kontrabassist Winfried Holzenkamp und der Bandoneonist Michael Zisman. Erstausstrahlung: 15.03.2021, dort zum 100. Geburtstag von Astor Piazzolla
Alban Berg: Violinkonzert. Dem Andenken eines Engels09 Dec 202401:59:58
Alban Berg ist in finanziellen Nöten. Da kommt ein Auftrag um die Ecke: Der amerikanische Geiger Louis Krasner bittet ihn um ein Konzert und Berg macht sich an die Arbeit. Die Oper Lulu ist noch immer nicht ganz fertig, die wertvollen Tantiemen fĂŒr seine 1. Oper Wozzeck schmelzen weg (wegen der Ächtung des StĂŒcks durch die Nationalsozialisten). Dann stirbt Manon Gropius, die achtzehnjĂ€hrige Tochter von Alma Mahler und Walter Gropius. Das Violinkonzert soll ihr Requiem werden. Und wird gleichzeitig auch Bergs eigenes Requiem. Er stirbt im selben Jahr 1935 an einem entzĂŒndeten Insektenstich, ohne das Konzert je gehört zu haben. Das Werk wird schnell zum Klassiker der Moderne, es ist zwölftönig und doch tonal, es hat klare Strukturen und ist doch biografisch aufgeladen. Die Geigerin Chouchane Siranossian und der Musikwissenschaftler Hans Hofmann diskutieren einige neuere Aufnahmen.
L.v. Beethoven: Violinsonate Nr. 8 G-Dur op. 30/302 Dec 202401:59:59
Beethoven einmal fröhlich: Die Violinsonate Nr. 8 in G-Dur sprudelt nur so vor humoristischen EinfĂ€llen. Sie startet mit feurigen Dreiklangsraketen, tanzt ein langsames Menuett und bringt zum Finale ein Perpetuum mobile an Sechzehntelwirbeln. Sie ist die dritte der drei Sonaten fĂŒr Klavier und Violine mit der Opuszahl 30 und erschien 1803. Beethoven widmete alle drei Sonaten dem Zaren Alexander I. von Russland – und erhielt stattliche 100 Dukaten dafĂŒr. Obwohl es zahlreiche Aufnahmen dieser Sonate gibt, war sie noch nie Thema in der Diskothek. Zeit also, die verschiedenen Interpretationen dieser Sonate einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. GĂ€ste von Jenny Berg sind die Geigerin Leila Schayegh und der Pianist Jan Schultsz.
Diskothek-Revue November25 Nov 202402:00:01
Jeweils in der letzten Diskothek-Ausgabe des Monats stellen wir die Gewinnerinnen und Gewinner der vorangegangenen Sendungen vor. Die in der Diskothek prĂ€mierten Interpret:innen und Ensembles treten hier auch mit anderem Repertoire oder in anderer Besetzung auf. In diesem Monat: - Gabriel FaurĂ©: Requiem d-Moll op. 48 - Giacomo Puccini: Madama Butterfly. Oper - KĂŒnstliche Intelligenz
KĂŒnstliche Intelligenz in der Musik18 Nov 202402:02:17
Eine Spezialdiskothek im Rahmen des SRF-Schwerpunktthemas «KI und wir». Was hat KĂŒnstliche Intelligenz in der Musik zu suchen? Viel und VielfĂ€ltiges. Das zeigt die Diskothek mit KI-Experte und Musikwissenschaftler Michael Harenberg (Hochschule der KĂŒnste Bern) und Tonmeister Andreas Werner. Wir hören in der Sendung Produkten aus einfachen Anwendungen zu, die jeder bei sich auf den Computer laden kann. Musik per Knopfdruck? Nein, so einfach ist es dann doch nicht. In einem zweiten Teil tauchen wir in die erstaunlich lange Geschichte ein von Musik und Automation. Sie geht zurĂŒck bis ins Mittelalter. Teil drei nimmt sodann Werke unter die Lupe, die mit KI entstanden sind und wo KI in einen Dialog tritt mit menschlichen KĂŒnstler*innen auf oder hinter der BĂŒhne. Musik von Jennifer Walshe, Holly Herndon, George E. Lewis oder Brian Eno. Gespielte Musik: · Tomek Kolczynski: Blue Serenade, 2024. Eigenverlag. · · Lejaren Hiller und Leonard Isaacson: Illiac-Suite, 1957. Quelle: Youtube · · Wolfgang AmadĂ© Mozart: Musikalisches WĂŒrfelspiel. Aufnahme von Neville Marriner, Cembalo. Philips, 1991 · · David Cope/Experiments in musical intelligence: Bach-Invention Nr. 1, Chopin-Mazurka. Centaur Records, 1994. · · Holly Herndon: Proto. Album bei 4AD, 2019. · · George E Lewis: The reincarnation of blind Tom. SWR Symphonieorchester, Leitung Susanne Blumenthal. Aufnahme des SWR, 2024. · · Jennifer Walshe: Late Anthology of Early Music. Tetbind Records, 2020. · · Maxime Mantovani: Improvisation 23/03/2022, Forum IRCAM. Quelle: Youtube. · · Brian Eno, Peter Chilvers: Reflection. Apple-Download, 2017.
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