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Explore every episode of the podcast Die Welt von A bis A

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TitlePub. DateDuration
Irlands grĂ¶ĂŸter Hypnotiseur18 aoĂ»t 202600:24:03

Diese Geschichte passierte in Dublin, eine Art MĂ€rchenstunde, da sie völlig ohne mein Zutun geschah. Ich saß in einer Show, die sich Power beyond belief nannte, inszeniert von Barry Sinclair, „Irlands grĂ¶ĂŸtem Hypnotiseur“. Hypnose hielt ich fĂŒr BauernfĂ€ngerei, da ich Jahre zuvor bei einem „Hypnose-Therapeuten“ gewesen war (um meine seelischen FlurschĂ€den reparieren zu lassen) und den Scharlatan nach Wochen, ungeheilt, wieder verlassen hatte. Und von Barry S., „the biggest of all“, hatte ich noch nie gehört.

Der blinde Fotograf28 mai 202600:31:22

Der Meister bestellt mich in eine Pizzeria ein. Er mĂŒsse mich

erst »sondieren«, bevor ich in seine Wohnung darf. Wie

verstÀndlich, jemanden bei sich einzulassen ist ein intimer Akt.

Noch intimer, wenn der Hausherr blind ist, absolut blind.

Evgen Bavcar wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in Slowenien

geboren, damals noch Teil von Jugoslawien. (»Bitte erwÀhnen

Sie mein Alter nicht, KĂŒnstler haben kein Alter.«) Sein Gesicht

hat feine ZĂŒge, auf der Nase sitzt – »aus Ă€sthetischen

GrĂŒnden« – eine dunkle Brille.

Was fĂŒr ein Leben. Mit 12 verletzt er sich mit einem Zweig das

linke Auge, ein gutes Jahr spĂ€ter spielt er am ZĂŒnder einer

Mine. Sie explodiert, das rechte Auge ist tot. Aber nicht total.

Über Monate wird er »langsam Abschied nehmen vom Licht.

Und erwachsen werden.«

Coitus interruptus (China)16 mai 202600:20:53

Eine Pekingoper fordert zur Gegenwehr heraus. Um nicht im

frenetischen, zweigestrichenen C der Akteure zu erlöschen.

Noch eins höher und Blut spritzt aus den Trommelfellen

ungeĂŒbter Zuhörer. Griechische Rachegötter, so scheint es,

werden als OpernsÀngerinnen in China wiedergeboren. Ich

ging trotzdem hin, wollte wissen, wie viel europÀisch

erzogenen Ohren zumutbar ist.

Der zweite Teil der Vorstellung fiel leichter. WĂ€hrend der

Pause hatte ich Tara kennengelernt, eine Ärztin aus Prag. Ab

sofort teilten wir unser Leid. Wann immer die Hauptdarstellerin

– in quĂ€lendem Liebesschmerz befangen – nach vorn an die

Rampe trat, um ihr Elend mittels kreischender Kopfstimme aus

sich herauszuquetschen, hielten wir uns gegenseitig die

Ohrmuscheln zu.

Die Todeswallfahrt oder der eisige Penis (Pahalgam, Indien)05 mars 202600:38:25

Aus ganz Indien sind sie gekommen: nach Pahalgam, nahe dem Himalaya, dem Ausgangspunkt der Wallfahrt. Seit einer Woche bin ich hier, um mich mit all den anderen, den so vielen, vorzubereiten: auf die 50 Kilometer hinauf in 4500 Meter Höhe, auf staubige Hitze und eisigen Wind, auf Schnee und Gletscher.

Mich treibt es zu den Sadhus, den »heiligen MĂ€nnern«, die ihre Familien verließen, ihren Beruf, ihren Besitz. Nackt oder in Fetzen verbringen sie ihr Leben. Auf der Suche nach Erlösung, nach dem Ende aller Wiedergeburt. Der Marsch wird ihnen guttun, sagen sie. Ist er doch ihrem Gott, Lord Shiva, geweiht. Seine NĂ€he wird ihr GlĂŒck vermehren, wird sie geduldig machen. Auch um ihr armseliges Dasein zu ertragen.


Die schiefsten Typen der Stadt (New Orleans)16 févr. 202600:26:50

KALDI‘s

     

Ich gehe ins Kaldi's, einem der abgerisseneren Cafés in

Lousiana. Obwohl New Orleans sich im bigottesten, 

stirnackigsten, judenfeindlichsten, homophobischten und

innigst Schwarze verachtenden Bundesstaat Amerikas

befindet, hat sich die Stadt selbst - dank seiner 

internationalen Geschichte - ein gehöriges Mass an Frechheit

und Toleranz bewahrt.

Ich bin der, der von Leichtigkeit nichts weiß18 janv. 202600:27:12

An jedem Ende des Jahres ziehe ich Bilanz, notiere die

gelungenen Taten und die anderen, die auf den

Holzweg fĂŒhrten. Und die unentschiedenen, die, fĂŒr die

noch kein Ergebnis vorliegt. Die Freude bringen oder

TrÀnen. Wunderlicherweise gebe ich nie auf. Das hat

etwas RĂŒhrendes.

Zuletzt, ganz unten, am Fuß der jĂ€hrlichen

Abrechnung, steht: „DĂ©sirs“. Das sind meine VorsĂ€tze,

meine SehnsĂŒchte fĂŒr die kommenden zwölf Monate.

Von den banalsten Dingen – Teppichboden legen und

Dusche neu streichen lassen – ĂŒber die eher

anstrengenderen – das Buch beenden und den

vermaledeiten RĂŒcken heilen – bis hin zur Mutter aller

SehnsĂŒchte: Leichtigkeit.

Die Frau ist eine Goldgrube (PalÀstina) 13 nov. 202500:16:08

Mit einem Sammeltaxi nach Nablus. Eine Stunde lang muss

ich mich um nichts kĂŒmmern, brauche nur da zu sein und

zu schauen. Vorne lenkt einer und hinten sitzt einer, der

jetzt durch wuchtige Landschaften fahren darf, nein,

gefahren wird. Auf die Frage nach seinem Beruf antwortete

einst Albert Londres, der Urvater aller französischen

Reporter: „Je suis un voyeur“, ich bin ein Sehender. Das

muss ein Traumberuf sein: die Welt ansehen. So

fassungslos einen der Blick bisweilen zurĂŒcklĂ€sst. Aber

der Reisende muss nicht in Akten wĂŒhlen, nicht die

Stinklaunen seiner Arbeitgeber erdulden, nicht sich dabei

ertappen, wie seine Lebenszeit bei einer TĂ€tigkeit


zuschanden kommt, von der er nie getrÀumt hat. Er schaut

– und begreift sein GlĂŒck.

Das GlĂŒck des Augenblicks (NewDelhi) 02 nov. 202500:27:53

Mira lernte ich in der indischen Hauptstadt kennen, wo sie

am Goethe Institut arbeitete. Wie hilfsbereit sie war, wie

schnell im Kopf, wie scheu. Ich war als Reporter

unterwegs, und sie wusste so vieles, von dem ich keine

Ahnung hatte.

Als sie mich Monate spÀter im fernen Europa besuchen

kam, wurde die NĂ€he intim. Und sie und Mira waren ein

Desaster. Eine erwachsene Frau, erfolgreiche

Literaturdozentin, mehrsprachig, so indisch schön,

verfĂŒgte ĂŒber das erotische Raffinement einer

unglĂŒcklichen Nonne, eckig und linkisch, auch furchtsam,

wohl Opfer – wie ich vermutete, und sie irgendwann

bestĂ€tigte – einer typischen Tochtererziehung in ihrem

Land: Sex ist eher ruchlos, MĂ€nner meist Schweine und

beides zusammen der NĂ€hrboden endloser Katastrophen.

Frida, Diego, Trotzky und das blaue Haus (Mexico City)11 sept. 202500:24:33

Auf nach CoyoacĂĄn, das Viertel hat koloniales Flair und

wenig Hungernde. Ich komme am weltberĂŒhmten „casa

azul“ vorbei, in dem Frida Kahlo bis zur ihrem Tod 1954

wohnte. Mit dem ĂŒberdicken Diego Rivera, den sie als

Frosch mit weißlich-grĂŒner Haut bezeichnete, mit

wabbeligen HĂ€ngebrĂŒsten. Der sie liebte und nebenbei

eifrig mit anderen Frauen schlief. Was sie ihm mit

zahlreichen Liebhabern (und Liebhaberinnen)

heimzahlte. Sie heirateten zweimal und kamen nie

voneinander los. „Ich vermisse uns“, soll er gesagt

haben, als Antwort auf ihre Frage, warum er sie nicht

verlassen könne...

Der Preis der Leichtigkeit ( Kloster Thamkrabok, Thailand) 28 août 202500:29:43

Ich lerne Phra Hans kennen, Schweizer, Mönch, knapp

60, wunderbar hilfsbereit und vom dem

leidenschaftlichen Willen bessessen, die Suche nach

Erlösung und Erleuchtung voranzutreiben. „Noch

hĂ€nge ich am Kreuz“, sagt er, und da mĂŒsse er

herunter. Denn noch fĂŒhle er sich von der Schwere des

Lebens gekreuzigt. Die er loswerden will, endlich. Dann,

so phantasiert er, begÀnne die Leichtigkeit.

Von Bannmeilen und BettelgÀngen (Tag 1 der Wanderung von Berlin nach Paris)14 août 202500:34:43

Nach einer halben Stunde verlasse ich Paris. Nichts

könnte der Stadt gleichgĂŒltiger sein. Keine vierzig

Minuten sind vergangen und eine erste Depression

nagt. Jeffrey fÀllt mir ein. Ich merke, dass mein Hirn

nach Erinnerungen sucht, die mich nÀhren, wenn es

sein muss, peitschen: Richtung Osten, Richtung Berlin.

Habe ich GlĂŒck, dann treffen in meinem Kopf die

richtigen Bilder und Gedanken ein. Mit ihnen könnte ich

es schaffen.

82 Behauptungen ĂŒbers Reisen 14 mars 202500:30:52

Kleines Vorwort: „Reisen bildet“, meinte unser aller Übervater Goethe. Nicht unbedingt. Ich kenne Leute, die haben schon mehrmals den Planeten umkreist und kamen dennoch einfĂ€ltig wie eh zurĂŒck. Wer keine Neugier einpackt, der bleibt besser zu Hause. Da fĂ€llt mir ein, dass ich die Scheuen ebenfalls getroffen habe, die lieber hierbleiben und nicht fortgehen. Und so manche waren voller Esprit, wissenshungrig, teilnehmend am Lauf der Welt. Man kann folglich ĂŒberall geistreicher werden, selbst in der stillsten Kammer. Ich mag beides, vollkommen allein sein zwischen vier WĂ€nden und weglaufen in die Welt – hin zu den anderen. Aber ja, ihnen verdanke ich meinen Beruf. Ohne sie hĂ€tte ich nichts zu melden

Die Sache mit der Sehnsucht28 févr. 202500:21:02


Die Sehnsucht ist ein vielschneidiges Schwert. Und die Sehnsucht nach Liebe wohl die gefÀhrlichste.

Vor nicht langer Zeit erzĂ€hlte mir ein Freund, dass er sich verliebt hatte. Auf einem Festival. Nach vier Tagen schworen sie sich gegenseitig Liebe. Dann mussten sie auseinander, jeder zurĂŒck in seine Stadt. Mit dem feurigen Versprechen, sich so bald, nein, so schnell wie möglich wiederzusehen.

Zwei Wochen spĂ€ter besuchte er sie, die neue Liebe. Und nach zwei Stunden, so ungefĂ€hr, krachte es. Zu verschieden ihr beider Blick auf die Welt, zu diametral ihre PlĂ€ne fĂŒr die Zukunft, zu rechthaberisch sie, zu rechthaberisch er.

Ach, mit welchem Donner war er angereist. Und welch stille Heimfahrt.

Ich umarmte meinen Freund und tröstete ihn mit dem Hinweis, dass derlei Desaster uns allen passieren. Weil wir Menschlein immer derselben Versuchung unterliegen: nicht das zu sehen, was ist, sondern das, was wir sehen wollen.


Something beautiful will come your way (die letzte Kneipe vor der Grenze)17 févr. 202500:30:28

In Canach kehre ich „Beim Manni“ ein, Wasser tanken und den nassen Körper ruhig stellen. Manni und drei Barflies sitzen im Dunklen vor dem Fernseher und zappen. Tour de Suisse, Wimbledon-Classics, eine Soap, Pokalspiele, Werbung fĂŒr Fiat Punto, eine Soap, wieder Pokalspiele, wieder Wimbledon-Classics, eine dritte Soap, nochmal Tour de Suisse. Immer wieder leuchten die vier grĂŒn flimmernden Buchstaben „LIVE“ auf. Die drei wechseln sich beim Zappen ab, sie scheinen betrunken, jeder muss sich anstrengen, den Knopf zu finden. Ganz still und tot ist es in diesem Wirtshaus, nur vorne blinkt aus einem schwarzen Kasten „LIVE“. Das ist umwerfend komisch und unheimlich trostlos. „DEAD“ sollte blinken, das wĂ€re auch trostlos, aber immer unheimlich wahr.

Ein Hurra auf Ă€ußere Werte (Bodensee)24 janv. 202500:26:23

Es gibt Bahnhöfe, an denen mehr Dicke aussteigen als anderswo.

In Überlingen zum Beispiel. Es ist ein ergreifendes Bild, wenn die großen und kleinen Dicken aus dem ankommenden Zug klettern und sich Richtung Ausgang schleppen.

Boshafterweise reicht die Breite der TĂŒr nicht fĂŒr ein PĂ€rchen Dicker. Jeder muss – einzeln und mutterseelenallein – hindurch. Ist er durch, steht er im lieblichen Überlingen.

Von Anfang an habe ich ihre KĂŒhnheit bewundert: MĂ€nner und Frauen mit bis zu hundert Kilo ÜbergepĂ€ck reinster Fettschwarten kommen hier an, um sich bestrafen zu lassen. Ja, um Erlösung von ihren jahrzehntelangen TodsĂŒnden zu erbetteln.

Pornokino und Erektionshilfen (Kolumbien)13 janv. 202500:17:08

Auf dem langen Weg zurĂŒck drĂŒckt mir ein Junge einen Wisch in die Hand.

Darauf steht die Adresse eines Detektivs, der sich darauf spezialisiert hat, flĂŒchtige Verlobte oder Ehefrauen ausfindig zu machen. „¡No sufras mĂĄs en silencio!“ – Leide nicht mehr im Stillen.

Auf der Visitenkarte sieht man einen Lasso schwingenden Reitersmann, der eine (flĂŒchtige) Frau einfĂ€ngt. Ich lĂ€chle, Jorge nickt lĂ€ssig mit dem Kopf nach hinten.

Ich blicke auf: Ein Pornokino steht da. Verstanden, der Kleine arbeitet nebenbei als Zutreiber. Und tatsÀchlich, als ich eine Karte kaufe, bekommt er ein paar Pesos als Kommission.

Das Geschirr im schwarzen Badewannenwasser10 déc. 202400:18:46

Als ich zum ersten Mal in Paris lebte, hatte ich meine Wohnung in Deutschland vermietet. Ich war mir nicht sicher, ob mein Umzug nach Frankreich endgĂŒltig sein wĂŒrde. Eines Morgens bestieg ich panikartig den Zug zurĂŒck nach M. Meine Untermieterin, so hatte ich nachts per Albtraum erfahren, war dabei, mein Hab und Gut zu ruinieren.

FĂŒr einen Moment Master of the Universe17 nov. 202400:33:45

Ein Sommertag, eine laue Brise und eine

Temperatur, die nichts als GlĂŒck verheißt.

Das kommen wird – wenn auch ĂŒber

Umwege.

Ich sitze auf der Terrasse eines Cafés,

das noch nicht offen hat. Eine Frau, wohl

eine Angestellte, kommt und fordert

barsch, mich zu entfernen. Sie mĂŒsse die

Kette aufsperren, die die StĂŒhle

verbindet. Seltsam, denn das Schloss

befindet sich fĂŒnf Meter entfernt. Mein

Hinweis zÀhlt nicht. So wenig wie der

Wunsch, einen Espresso zu bestellen. Die


Frau mit dem SchlĂŒssel will ihre kleine

Macht nicht hergeben, verstanden, hier

wirtschaftet eine UnglĂŒckliche, die jetzt

um 8.53 Uhr ihr UnglĂŒck mit mir teilt.

Die toxische Luft vertreibt mich, ich

gehe ĂŒber die Straße, warte stehend.

Andreas, der BĂŒcherdieb21 oct. 202400:29:02

Ich weiß bis heute nicht, ob das, was ich getan habe, schrecklich war, ziemlich

schrecklich. Oder nicht, eher ein Akt, der sein musste. Der genau passte. Weil er

mich frei und leicht machte.

Vor Jahren habe ich eine Story mit dem Titel „DER DIEB / Eine Liebesgeschichte“

veröffentlicht. Ich beschreibe darin die unglaubliche MĂŒhe, den endlosen Stress, die

Schweißströme, die Hungertage, die Geldhaufen, den kriminellen Eifer, die

detektivische HartnÀckigkeit und die Schmerzen am Körper. Sie alle waren der

Preis, den ich vierzig Jahre lang zahlte: um mir eine Bibliothek aufzubauen. Von

ĂŒber achttausend BĂŒchern.

Nachtfahrt mit Bus (die Bahn streikte) 13 sept. 202400:15:49

Das ist eine Episode, fĂŒr die ein Autor sich niederwerfen muss. Aus Dankbarkeit.


Sie passiert ihm alle hundert Jahre, und wenn sie passiert, dann ist sie grandios: Ich bestieg um 23 Uhr einen Bus (die Bahn streikte), wollte zum nÀchsten Ort einer Lesung. Auf dem Weg zu den hinteren PlÀtzen kam ich an einer Frau vorbei, die das Buch las, das ich vor Wochen veröffentlicht hatte.

Das Erste Mal, ein Desaster (MĂŒnchen)02 sept. 202400:19:25

Okay, gekrönt wurde ich nicht und ein richtiger Mann – einer, der trunken vor Freude seine MĂ€nnlichkeit abfeuert – auch nicht. Und weit und breit keine, die mich begehrt und bejubelt hĂ€tte. Nur ein verbrauchtes Weib und ein JĂŒngling, der peinsam unbeholfen in sie hineinfuhr.

Im Obdachlosenheim Trier oder "Überleben im Dschungel"21 juin 202400:20:43

Ich bekomme ein Handtuch, ein Leintuch, zwei BezĂŒge fĂŒr Kopfkissen und

Decke. In dem mir zugewiesenen Zimmer liegen schon zwei MĂ€nner, die Fenster

stehen weit offen und trotzdem schlÀgt mir ein heftiger Turnhallenduft entgegen.

Einer sitzt und stellt sich als Hellmut vor, der andere hat sich bereits unter seinem

Plumeau verkrochen. Im selben Augenblick erinnere ich mich an ein GefÀngnis in

Amerika, wo ich an einem Weihnachtsvorabend mit einem zum Tode Verurteilten

ein langes GesprĂ€ch in seiner Zelle fĂŒhrte. Und Michael P. sprach davon, dass eine

der wichtigsten Handlungen bei Ankunft in einem GefÀngnis darin bestehe, sich

einen Freund zuzulegen. Um „im Dschungel zu ĂŒberleben“.

Wenn Brasilien dir nicht nur den Atem raubt06 juin 202400:29:21

An einem solchen Ort kann man nur ein UnglĂŒck ausbrĂŒten, und wir tun es. Auf

zum Strand, rein ins Auto und los Richtung Stella Maris. Dort soll es am schönsten

sein. Heute ist ein Feiertag und die restlichen vier Millionen Einwohner von Rio

denken dasselbe. So wÀlzt sich mehrspurig eine Blechlawine zur anderen Seite der

Halbinsel. Am Schluss werden es neunzig Minuten fĂŒr 23 Kilometer sein.

Anna und die unheimliche Macht der Frauen 28 mai 202400:19:28

Ich floh in ein Internat. Vorne in der neuen Klasse saß Anna, und ich saß ganz

hinten. MĂŒsste ich einen der GrĂŒnde angeben, warum ich ein schlechter SchĂŒler

war, ich wĂŒrde auf die 18-JĂ€hrige deuten. SelbstverstĂ€ndlich trug sie Pullover, die

wie eine zweite Haut ihre Formen nachzeichneten. Millimetergenau. Um das Leid auf

Erden noch zu vergrĂ¶ĂŸern. Wie alle Busenwunder wusste sie, dass sich etwas an

ihrem Körper befand, wovon eine ungeheure Faszination ausging.

Schambehaftet in der Subway (New York) 25 avr. 202400:17:43

Es gibt Peinlichkeiten, ganz und gar allein verschuldet, die man sich nicht verzeiht. Sie folglich nie vergisst. Sie sitzen im Kopf wie eine Kugel, die man nicht entfernen kann. Man nimmt sie mit ins Grab.

In der linken Hand hielt ich ein Buch, mit der rechten umklammerte ich die Querstange ĂŒber mir. Ich las eine schmale Gedichtsammlung von Robert Bly, der berĂŒhmt ist und den keiner in Amerika kennt. Er soll namentlich erwĂ€hnt werden, denn auf bizarre Weise ist er verantwortlich fĂŒr das, was nun kommt. Und es kommt rasend schnell...

Ein amerikanisches Wunderkind (PalÀstina)11 avr. 202400:21:24

Um halb neun kommt Danielle Marie Gram zum FrĂŒhstĂŒck. Ein amerikanisches Wunderkind. Schon ihr zuzuhören fordert Nerven. Jeden, den sie trifft, beschenkt sie. Entweder mit ihrer GroßzĂŒgigkeit oder, wie jetzt, mit ihrer Geschichte. Hier stehen, aus Platzmangel, nur AuszĂŒge aus der fulminanten Biografie einer so außergewöhnlichen, so jungen Frau.

Von Paris nach Berlin zu Fuß und ohne Geld- Tag 101 avr. 202400:29:48

Stiller, klarer Morgen, Paris s’éveille, Paris erwacht. Zwei Strassenkehrer öffnen

einen Gully, Wasser spritzt, die Sonne leuchtet auf ihre schwarze Haut.

Nach dreizehn Minuten lege ich den ersten Pump an. Ich mag den Ausdruck, er

steht bei Henry Miller, der zehn Jahre in Paris gelebt hat und bisweilen die Hand

ausstrecken musste, um ĂŒber den Tag zu kommen. Ich muss umgehend lernen,

mich zu ĂŒberwinden. Und die Scham auszuhalten, das Ausgeliefertsein, das ranzige

Mitleid. Als AnfĂ€nger betrete ich die erste BĂ€ckerei und sage „Guten Morgen“ und „Haben

Sie etwas altes Brot fĂŒr mich, bitte?“

Die LiebesfÀhigkeit der Greisin07 mars 202400:19:17

Ich lese einen Bericht ĂŒber eine 82-jĂ€hrige Greisin, die ab sechs Uhr morgens durch ihr Stadtviertel zieht und armen Schluckern etwas zum Essen bringt, tagaus, jahrein. Ich werde irgendwann begreifen, dass die beiden Meldungen viel von diesem Land berichten, ja sein Herz beschreiben: das voll mörderischen Zorn ist, und grausam und kalt sein kann. Und so verwirrend oft großzĂŒgig ist, mitfĂŒhlend, fĂŒrsorglich. Ich beschließe, die Greisin zu besuchen..

Weltuntergang (Cancun)22 févr. 202400:11:31

Ein denkwĂŒrdiger Tag, ich will mich nicht beklagen. Der Spaziergang wird

ungemĂŒtlich, denn jĂ€h – von null auf (kleiner) Weltuntergang – verdunkelt sich der

Himmel, und Regen fĂ€llt auf die Erde. In rekordverdĂ€chtigen Ausmaßen.

Leben Àndern (Mariella)11 févr. 202400:13:40

Eine gute Geschichte, die tatsĂ€chlich davon erzĂ€hlt, was uns Rilke schon vor Urzeiten aufgetragen hat: „Du musst dein Leben Ă€ndern!“

Und das beginnt mit der Sprache. Sprache als Herzschrittmacher. So ist nun die Stunde von Mariella gekommen, die mir eine erstaunliche Mail

schrieb, ihr erster Satz: „Sie haben mich infiziert, Herr Altmann.“

Der Platz der HolzhĂŒtten (Cancun) 12 janv. 202400:19:44

Der Reisereporter erzÀhlt von einem Platz in Mexiko, der hÀsslich ist. Aber ! Aber manchmal wird er schön .,..

Der Augenblick, der mein Leben verÀnderte (Ramallah) 29 déc. 202300:24:34

Reisereporter Andreas Altmann erzĂ€hlt von Herrn Aref, einem PalĂ€stinenser. NatĂŒrlich hat er sein Leben nicht verĂ€ndert. Aber er hat es beschwingt, so oft mit Staunen erfĂŒllt. Von ihm muss nun berichtet werden:

Der Heilige Abend und das 23 Uhr Desaster18 déc. 202300:16:55

Reisereporter Andreas Altmann mit einer Geschichte aus seinem autobiografischen Buch "Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend"

Die fehlenden 1 Million Stunden Schlaf30 nov. 202300:26:56

Ein Kapitel aus dem neuen Buch MORNING HAS BROKEN. Erstaunlich, mit wie wenig Schlaf man auskommen kann. FĂŒr uns, Nicht fĂŒr Andreas Altmann, der in seinem Leben schon in 3000 verschiedenen Betten geschlafen hat.

"Erleichtert" in Mexiko22 nov. 202300:18:35

Noch ein letzter Kraftakt, am letzten Tag vor meiner Abreise: Metro, Rushhour, so

viele Leiber, dass ich mit meiner linken Hand nicht nach unten zu meiner

Oberschenkeltasche komme. Um sie, zusĂ€tzlich zum Reißverschluss, zu „sichern“.

Die Frau neben mir lĂ€chelt mich an, ich lĂ€chle zurĂŒck. Bei der nĂ€chsten Station,

„CuauhtĂ©moc“, fluten Leute raus, sie auch, in derselben Sekunde greife ich nach

der Tasche: LEER!!! Pass, der Nachweis der Einreise, 500 Euro cash, FĂŒhrerschein,

TAN-Listen, Impfausweis – weg!

Von Neugierde und FreibÀdern (Altötting)26 oct. 202300:20:44

Reisereporter Andreas Altmann mit einem Kapitel aus seinem "Scheiß"-Buch, wie er sein autobiografisches Buch liebevoll nennt.

Der entfĂŒhrte Bruder (Paris / Mexiko)17 sept. 202300:12:34

Autor Andreas Altmann reist stÀndig durch die Welt und lÀsst sich gerne faszinieren von den Menschen, die er unterwegs trifft. Hier erzÀhlt er mit viel Herzblut von all denen, die ihn besonders beeindruckt haben.

LĂŒgen muss sein ("Immer Andreas Altmann sein finde ich unfassbar langweilig")17 sept. 202300:20:19

Autor Andreas Altmann reist stÀndig durch die Welt und lÀsst sich gerne faszinieren von den Menschen, die er unterwegs trifft. Hier erzÀhlt er mit viel Herzblut von all denen, die ihn besonders beeindruckt haben.

Auf dem Kirchenstrich17 sept. 202300:13:26

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Mit geheimnisvoller AnwÀltin auf dem BÀrenweg (Finnland)17 sept. 202300:17:53

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Einer gegen den Untergang der Welt (in den Slums von Nairobi)17 sept. 202300:19:31

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Dorfleben zu Zeiten von Jesus (Nazareth Village)17 sept. 202300:14:53

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Die Dandys der Slums (Brazzaville)17 sept. 202300:16:57

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Der Tanz ĂŒber das Feuer (Griechenland)17 sept. 202300:18:17

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Von Affen, Menschen und BerĂŒhrungen17 sept. 202300:15:04

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Das Zenkloster und wie das Leben ins Fleisch zurĂŒckkehrte17 sept. 202300:20:08

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Bohrer, BrĂŒste und eine BĂŒcherverschlingerin17 sept. 202300:16:03

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Ein Stern namens Marcelline (Paris)17 sept. 202300:15:24

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Der feucht trĂ€umende Taxifahrer (MĂŒnchen)17 sept. 202300:18:53

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Ganz unten in Wien und wie es weiterging17 sept. 202300:19:55

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