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Explore every episode of the podcast Die Filmanalyse
Dive into the complete episode list for Die Filmanalyse. Each episode is cataloged with detailed descriptions, making it easy to find and explore specific topics. Keep track of all episodes from your favorite podcast and never miss a moment of insightful content.
| Title | Pub. Date | Duration | |
|---|---|---|---|
| Ep. 175: Philosophie des Fleisches: HELLRAISER – DAS TOR ZUR HÖLLE (1987) – Kritik & Analyse | 01 Sep 2024 | 00:22:03 | |
Der britische Horrorfilm „Hellraiser – Das Tor zur Hölle“ aus dem Jahr 1987 ist ein Klassiker des Genres. Er entsteht zu einer Zeit, als konservative Politiker, etwa Thatcher, Reagan und Kohl, vor der mutterlosen Gesellschaft warnen und eine homophobe Aids-Politik betreiben. Die befreite Lust wird vor allem als Gefahr betrachtet. Mit diesen Ängsten spielt Clive Barkers Film, der in seiner Haltung ambivalent bleibt: So sehr die Bilder für die Transgressionen der Lust werben sollen, mischt sich in die Faszination auch die furchtbare Angst vor dem eigenen Untergang. Die Cenobites warten schon auf jene, die sich aus der bürgerlichen Norm befreien wollen. Der Body-Horror liefert bei allem Trash auch eine Philosophie der Lust und des Fleisches. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse!
Literatur:
George Bataille: Die Erotik. Matthes & Seitz.
George Bataille: Sade und die Moral. Matthes & Seitz.
Termine:
Am 5.9. spreche ich im Westerwald über das mögliche Ende des Neoliberalismus: https://www.haus-felsenkeller.de/index.php/bildung/bildung-4/politik-gesellschaft/1377-der-abschied-vom-neoliberalismus-die-neue-industriepolitik-die-alten-dogmen
Am 7.9. bin ich in Mainz zu Gast, um einen Film zu präsentieren: https://www.instagram.com/p/C-Xp6i3PM7X/
Am 11.9. spreche ich in Berlin über Ernst Jüngers IN STAHLGEWITTERN: https://lfbrecht.de/events/2024-09-11/
Am 12.9. stelle ich in Berlin die Anthologie SELBST SCHULD vor: https://literaturfestival.com/events/selbst-schuld/
Werbung: Unser Kinderbuch „Die kleinen Holzdiebe und das Rätsel des Juggernaut“ ist erschienen!
https://www.suhrkamp.de/buch/die-kleinen-holzdiebe-und-das-raetsel-des-juggernaut-t-9783458644774
Die Anthologie SELBST SCHULD! erscheint im September. Wer ein von Ann-Kristin Tlusty und mir signiertes Exemplar haben möchte, kann dieses unter folgendem Link vorbestellen:
https://shop.autorenwelt.de/products/selbst-schuld-von-ann-kristin-tlusty-und-wolfgang-m-schmitt-signiert
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| Ep. 174: Hier stimmt was nicht: LONGLEGS – BLINK TWICE – ALIEN: ROMULUS | 25 Aug 2024 | 00:20:07 | |
„Longlegs“ von Oz Perkins, „Blink Twice“ von Zoë Kravitz, „Alien: Romulus“ von Fede Alvarez – diese Filme könnten doch eigentlich unterschiedlicher nicht sein, dennoch verbindet sie etwas: Sie sind allesamt schlecht. Interessanterweise nicht auf die je eigene Art, sondern sie sind auf die gleiche Weise miserabel und zwar strukturell: Ihnen fehlt eine gute Idee und sie weisen keinerlei Originalität auf. Die Filmemacher haben allerdings reichlich viele Grillen, aber keine ausgereifte Idee, im Kopf, was dazu führt, dass geradezu blödsinnige Referenzen aufscheinen und auf Teufel komm‘ raus Geschichten immer weiter fabuliert werden, bis am Ende ein Film dabei herauskommt. Zudem sind die drei Filme allegorisch angelegt, aber diese Allegorien führen letztendlich nirgends hin. „Irgendwie“, wird dann gesagt, haben diese Filme mit Traumabewältigung, Kapitalismus oder Patriarchat zu tun, aber wie genau, lässt sich nicht sagen. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse!
Wir haben ein Kinderbuch geschrieben: "Die kleinen Holzdiebe und das Rätsel des Juggernaut". Affiliate Link: https://amzn.to/4fSzL9K
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| Ep. 165: Rechts oder links? GODZILLA MINUS ONE oder SHIN GODZILLA? | 30 Jun 2024 | 00:26:08 | |
Hollywoods Godzilla-Filme werden immer dümmer, während in Japan mit Godzilla hochpolitisches und relevantes Kino produziert wird. Die beiden großen Filme der vergangenen Jahre zeugen davon: 2016 startete „Shin Godzilla“ von Hideaki Anno und wurde weltweit begeistert aufgenommen, 2023 sorgte „Godzilla Minus One“ von Takashi Yamazaki für Furore. Beide Filme sind sehenswert, wenngleich „Godzilla Minus One“ eindeutig das schwächere Werk ist, da es recht konventionell eine Geschichte erzählt, die berührend beginnt und bald in Kitsch mündet. Darüber hinaus ist der Film ideologisch mehr als bedenklich: „Godzilla Minus One“ ist ein rechter Film, während „Shin Godzilla“ inhaltlich und formal modern ist und sowohl Nationalismus als auch Heroismus eine Absage erteilt. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse!
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| Ep. 77: Warum ich noch immer keine Serien mag: HOUSE OF THE DRAGON | 30 Oct 2022 | 00:17:08 | |
Nun ist die erste Staffel von „House of the Dragon“ komplett ausgestrahlt. Zehn Stunden Game-of-Thrones-Prequel liegen hinter uns, weshalb sich die Frage aufdrängt: Hat es sich gelohnt? Oder ist es eine unheimliche Zeitverschwendung? Vor 8 Jahren erschien auf dem Filmanalyse-YouTube-Kanal ein Video mit dem Titel „Warum ich keine Fernsehserien mag“. Aber sind die darin vorgetragenen Thesen noch immer richtig? Wenn wir „House of the Dragon“ ernst nehmen wollen, sollten wir die Serie mit Shakespeare-Dramen vergleichen, die ebenfalls von Machtkämpfen um die Erbfolge, von gekränkter Eitelkeit, von Ränkespielen und Intrigen erzählen. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der neuen Filmanalyse.
Literatur:
Shakespeare: König Lear. Übersetzt von Frank Günther. Dtv.
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| Ep. 76: Woke Kriege gibt es nicht: IM WESTEN NICHTS NEUES (2022) für Netflix verfilmt | 23 Oct 2022 | 00:20:56 | |
Zum dritten Mal wurde nun Erich Maria Remarques berühmter Antikriegsroman „Im Westen nichts Neues“ verfilmt. Lewis Milestone’s Adaption von 1930 ist ein Meisterwerk, doch die Neuverfilmung ist dieser Version ebenbürtig – wenngleich Regisseur Edward Berger eine Akzentverschiebung vornimmt, indem er die zähen Friedensverhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich in einigen Szenen schildert. Im Mittelpunkt steht dennoch Paul Bäumer, der zusammen mit seinen Mitschülern, die gerade frisch das Abitur in der Tasche haben, zunächst glaubt, in ein großes Abenteuer zu ziehen, bis der erste Angriff gleich alle Illusionen raubt. Das Grauen des Krieges zeigt Kameramann James Friend in leicht stilisierten und zugleich hyperrealistischen Bildern, deren Farbgebung an Gemälde von Otto Dix erinnern. Dass der Mensch im Krieg seine Individualität verliert, war selten so klar und schmerzhaft zu erleben wie hier. Der Film erscheint im richtigen Augenblick, denn die Militarisierung der Gesellschaft schreitet fröhlich voran. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der neuen Filmanalyse.
Literatur:
Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues. KiWi.
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| Ep. 75: Das Sündenbock-Prinzip: HALLOWEEN ENDS | 16 Oct 2022 | 00:18:45 | |
„Halloween Ends“ – in dem Titel liegt ein Versprechen, das sicherlich irgendwann wieder gebrochen wird. Nun aber endet jedenfalls die neue „Halloween“-Trilogie, während im zweiten Teil „Halloween Kills“ ein wütender Mob durch die Straßen zog, um Michael Myers zu jagen. Laurie (Jamie Lee Curtis) warnte eindringlich vor der Gewalt, die sich gemeinschaftlich entlädt, weil man einen Sündenbock gefunden hat. Dieses Finale greift Regisseur David Gordon Green erst später diskursiv in „Halloween Ends“ auf. Zunächst sehen wir Michael, der zurückgezogen in der Kanalisation haust, jedoch kaum. Er wird zu einer Nebenfigur degradiert, denn er hat einen jungen Doppelgänger: Corey, der als neuer Sündenbock von Haddonfield fungiert, wird bei Michael in die Schule gehen und Schlimmes anrichten, denn er wünscht sich Vergeltung. Ist das Böse, wie Laurie aus dem Off kommentiert, tatsächlich ansteckend wie ein Virus? „Halloween Ends“ will das Trauma bewältigen und Lebenshilfe bieten, vor allem aber möchte dieser Film gleich seine Interpretation mitliefern. Warum dies ein falscher Weg ist, erklärt Wolfgang M. Schmitt in der neuen Filmanalyse.
Literatur:
René Girard: Das Heilige und die Gewalt. Patmos.
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| Ep. 74: Ist das Kapitalismuskritik? TRIANGLE OF SADNESS – Kritik & Analyse | 09 Oct 2022 | 00:20:49 | |
Ruben Östlund wurde für „Triangle of Sadness“ in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Bei der Sichtung des Films ist also Skepsis ein guter Ratgeber. „Eat the rich“ ist ein beliebter Hashtag auf Instagram und Twitter, dazu noch ein pointiertes Zitat von Marx oder – für die ganz Mutigen – von Lenin und schon ist der Kapitalismuskritik Genüge getan. Über weite Strecken verfährt die schwarze Komödie „Triangle of Sadness“ nicht anders. Zwar gelingt es Östlund immer wieder sowohl neue als auch alte Hierarchien offen zu legen und sie aus eigenwilligen Perspektiven zu beleuchten, doch scheitert der Film dabei, den Kapitalismus als System zu verstehen. Oft drängt sich sogar der Eindruck auf, wir haben es hier mit einem sehr selbstgefälligen und deshalb auch mit einem ungeheuer faulen Werk zu tun. Die absurde Welt der Schönen und Reichen wird bis zur Schmerz- und Geschmacksgrenze auf die Leinwand projiziert. Das kann man als großen Spaß genießen, bis irgendwann das Muster dahinter sichtbar wird und die Redundanz enorme Langeweile produziert. „Höhere Gewalt“ und „The Square“ erhielten bereits überwiegend positive Kritiken, dabei haben schon diese Filme es sich allzu bequem gemacht in der Bestätigung von Klischees. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse.
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| Ep. 73: Wie doof kann ein Film sein? Bully: Ja! – TAUSEND ZEILEN – Kritik & Analyse | 02 Oct 2022 | 00:20:01 | |
Michael „Bully“ Herbig hat sich einem ernsteren Stoff angenommen und diesen leicht satirisch zugespitzt, wenngleich die Wirklichkeit schon eine Farce ist: Der Fall Relotius, der 2018 den „Spiegel“ in eine Krise stürzte und mediale Debatte über die Glaubwürdigkeit von Qualitätsjournalismus auslöste, wird hier in fiktionalisierter Form auf die Leinwand gebracht. Eigentlich ist das Kino der ideale Ort für eine Hochstaplergeschichte, da der Film ohnehin eine Kunst ist, die mit der Lüge flirtet. Daraus aber macht Herbig nichts – weder inhaltlich noch ästhetisch. Jonas Nay muss den langweiligsten Hochstapler der Filmgeschichte verkörpern und man möchte ihm gar nicht das zweifelhafte Kompliment machen, dass es ihm gelingt. Einen Totalausfall liefert hingegen Elyas M’Barek ab: Mit einem einzigen Gesichtsausdruck, eine Mischung aus beleidigt und verdutzt, läuft er durch den gesamten Film. Und die undankbare Rolle des Aufklärers wird noch dazu vom Drehbuch zu einer enervierenden Oberlehrerfigur hochgeschraubt. Der erhobene Zeigefinger führt in dieser humorlosen Satire Regie, wie großartig hat drei Jahrzehnte zuvor Helmut Dietl mit „Schtonk!“ einen anderen deutschen Medienskandal in Szene gesetzt. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse!
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| Ep. 72: Ist der Hype berechtigt? HOUSE OF THE DRAGON – Kritik & Analyse | 25 Sep 2022 | 00:22:57 | |
Während die „Herr der Ringe“-Serie „The Rings of Power“ teuer, aber fürchterlich enttäuschend ist, muss die „Game of Thrones“-Prequel-Serie „House Of The Dragon“ mit einem Budget von 200 Millionen Dollar auskommen. Das ist noch immer eine beachtliche Summe und die Macher verstehen es, damit hochwertige Bilder zu produzieren, die jedoch nicht protzig, sondern sehr geschmackvoll sind. Nach den ersten 5 Folgen lässt sich eindeutig sagen, dass #HouseOfTheDragon im Vergleich zu „The Rings of Power“ die eindeutig bessere Serie ist. Viel wichtiger aber ist, wie die Serie unseren Zeitgeist inhaliert hat. Von Geopolitik bis Emanzipation – die düstere Fantasy-Welt verhandelt viele Themen, die uns heute umtreiben. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse.
Literatur:
Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau. Rororo.
Kai Lindemann: Die Politik der Rackets. Zur Praxis der herrschenden Klassen. Westfälische Dampfboot.
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| Ep. 71: Jordan Petersons Matrix: DON’T WORRY DARLING | 18 Sep 2022 | 00:32:16 | |
Im Zuge der metoo-Enthüllungen sind in Hollywood einige Filme entstanden, die sich kritisch mit patriarchalen Strukturen auseinandersetzen – zum Beispiel „Men“ von Alex Garland und „Last Night in Soho“ von Edgar Wright. Fast könnte man meinen, Olivia Wilde reiht sich mit ihrem Film „Don’t Worry Darling“ in diese Linie ein, doch weit gefehlt: Dieser Film liefert eine andere, klügere Analyse des neuen, im digitalen Raum entstehenden Patriarchats und übt nicht zuletzt Kritik am Kino selbst. Dabei bleibt es jedoch nicht, denn dieser Film fordert von seinen Zuschauern, Immanuel Kants Verständnis von Aufklärung zu folgen und selbst zu denken. Alice (Florence Pugh) lebt mit Jack (Harry Styles) in einem trügerischen 50er-Jahre-Idyll. Wunderliche Dinge geschehen in diesem, Victory-Projekt genannten Areal, wenngleich kritische Fragen untersagt sind. Alice gibt sich damit aber nicht zufrieden. Sie will herausfinden, was wirklich los ist und wie es sein kann, dass alle freiwillig ein solch konformes Leben führen wollen. „Don’t Worry Darling“ hält das Erbe der Aufklärung und den Universalismus hoch und bezieht sich dabei auf diverse Klassiker. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse.
Literatur:
Omri Boehm: Radikaler Universalismus. Jenseits von Identität. Propyläen.
Immanuel Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten.
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| Ep. 70: Til Schweigers Stockfoto-Hölle in LIEBER KURT | 11 Sep 2022 | 00:17:53 | |
Mit „Lieber Kurt“ verfilmt Til Schweiger einen Roman von Sarah Kuttner. In den ersten Minuten scheint es ein typischer Til-Schweiger-Film zu werden, doch einiges, so merken wir bald, hat sich verändert. Schweiger erzählt kaum noch eine Geschichte, sondern will vor allem Innenwelten illustrieren – bereits in „Die Rettung der uns bekannten Welt“ ging in diese Richtung. Das ähnelt letztlich einem Pinterest- oder Instagram-Feed. Die Bilder, in denen der Film schwelgt, sind Ansammlungen von Klischees, die hemmungslos wieder und wieder aufgerufen werden. Zugleich gibt es eine ideologische Veränderung, möglicherweise ist es nur eine Anpassung an den Zeitgeist, aber immerhin: Waren Schweigers Filme von einer konservativen bis repressiven Ideologie geprägt, so spricht „Lieber Kurt“ sich nun für progressive Politik, sogar für die Fridays-For-Future-Bewegung aus. Entrinnen aber kann das Familiendrama mit komödiantischen Anteilen nicht seiner Ästhetik. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse.
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| Ep. 69: Warum ich die HERR-DER-RINGE-Serie nach 2 Folgen abbreche | 04 Sep 2022 | 00:19:45 | |
„Die Ringe der Macht“ heißt die seit Jahren erwartete „Herr der Ringe“-Serie, die Amazon Prime für eine Milliarde Dollar produziert hat. Entsprechend hoch sind auch die Erwartungen an die bis dato teuerste Serie der Welt. Doch lohnt es sich wirklich, diese unendlich schleppenden, durchaus opulenten Folgen alle über sich ergehen zu lassen? Nein! Es ist reine Zeitverschwendung. Die Bilder sind nicht originell, sondern kitschig. Sie sind teuer, aber absolut geschmacklos. Hier feiert die 90er-Jahre-Fantasy-Ästhetik ihr Revival. Hinzu kommen die schier endlosen und unheimlich gestelzten Dialoge, die die mit viel Haarspray versorgten Elben raunen. Wir sollten uns jedoch, um die Ästhetik zu verstehen, den eigentlichen ökonomischen Hintergrund dieser Serie bewusst machen. Es geht nicht darum, ein interessantes Serienerlebnis zu kreieren, sondern wir begegnen hier einer besonderen Form der Kunden-Akquise. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der neuen Filmanalyse.
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| Ep. 68: Warum wir von Querdenkern besessen sind: DIE KÄNGURU-VERSCHWÖRUNG – Kritik & Analyse | 28 Aug 2022 | 00:20:15 | |
Marc-Uwe Klings „Känguru-Chroniken“ sind in vielen Studenten-WGs Kult und auch darüber hinaus konnten die Bücher Anklang beim bürgerlichen Publikum finden. Die Konsum- und Kapitalismuskritik ist sicherlich sonderlich radikal, zudem wird sie durch Ironie abgefedert, zugleich aber scheint sie immerhin so subversiv zu sein, dass sie für das deutsche Kino doch zu viel ist. Die erste Verfilmung drosselte bereits die Kapitalismuskritik, in „Die Känguru-Verschwörung“ fehlt sie gänzlich. Stattdessen will sich der Film mit den Verschwörungstheoretikern auseinandersetzen: Das Känguru und der Kleinkünstler Marc-Uwe wollen Marias Mutter, die in den Kaninchenbau gefallen ist und erste Erfolge auf YouTube als „Diesel-Liesel“ feiert, zurück auf den Pfad von Aufklärung und Vernunft bringen. Wirklich witzig ist das an keiner Stelle, ebenso wenig hat der Film ein Erkenntnisinteresse an dem Phänomen. Vielmehr wird sichtbar, warum ein bürgerliches Publikum geradezu besessen von Verschwörungstheoretikern ist, auch wenn zu dem Phänomen eigentlich bereits alles gesagt wurde. Es hat sich in den vergangenen drei Jahre eine regelrechte Obsession eingestellt, von der auch „Die Känguru-Verschwörung“ profitieren möchte. Ausgeblendet wird dabei aber das tatsächliche Unbehagen, das mit der Moderne aufgekommen ist. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der neuen Filmanalyse.
Literatur:
Leo Löwenthal: Falsche Propheten. Studien zur faschistischen Agitation. Suhrkamp.
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| Ep. 164: Eine völlig obszöne Serie: MAXTON HALL – Kritik & Analyse | 23 Jun 2024 | 00:26:43 | |
Die Serie „Maxton Hall“ ist in 120 Regionen auf Platz 1 der Amazon-Prime-Charts. Weltweit fiebern Millionen Zuschauer mit der aus der unteren Mittelschicht stammendenden Ruby Bell mit, die durch ein Stipendium ein Elite-College besuchen darf und ein klares Ziel vor Augen hat: ein Studium in Oxford. Meritokratie kämpft hier gegen Geld-Aristorkatie, da James Beaufort, der Erbe eines Luxuskonzerns, Rubys Wege durchkreuzt, indem er heftig gegen sie intrigiert. Dabei ist in jedem Moment klar: Was sich liebt, das neckt sich. Die Serie basiert auf einer erfolgreichen Buchreihe, die sich nahezu sämtlicher Tropes bedient, die derzeit auf BookTok gefeiert werden: Bad Boy, Haters to Lovers, Slowburn, Academy, Forced Proximity, Cinderella Story. Erreicht wird so eine obszöne Standardisierung der Gefühle. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse!
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| Ep. 67: Denis Villeneuves Stil am Beispiel von SICARIO – Kritik & Analyse | 21 Aug 2022 | 00:21:41 | |
Denis Villeneuve gehört zu den wenigen Regisseuren in Hollywood, die Großprojekte wie „Dune“ angehen dürfen, ohne ihre eigene Handschrift verwischen zu müssen. Das Werk von Villeneuve braucht aber gar nicht immer die Opulenz eines Blockbusters, um seine Wirkung zu entfalten. Das zeigt sich vor allem an dem 2015 erschienenen Drogenthriller „Sicario“, der zugleich ein moderner Western ist. Emily Blunt und Daniel Kaluuya spielen darin zwei FBI-Agenten, denen von höherer Stelle offeriert wird, gemeinsam mit einer geheimen Taskforce – geleitet von Matt (Josh Brolin) und Alejandro (Benicio del Toro) – den Boss eines mexikanischen Drogenkartells zu jagen. Dabei stellt sich bald heraus, dass bei dieser Jagd jedes Mittel recht ist und diese Illegalität sogar politisch gewollt, ja, eingefordert wird. Die Unterscheidung zwischen Recht und Unrecht wird damit hinfällig, was Kate erst nicht richtig begreift und dann ist es schon zu spät. Immer weiter geraten wir mit ihr in einen chaotischen Strudel und werden dabei einer Allegorie ansichtig: „Sicario“ handelt keineswegs nur von dem US-amerikanisch-mexikanischen Drogenkrieg, sondern von den neuen Kriegen insgesamt, in denen der Westen seine Glaubwürdigkeit verliert. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse.
Literatur:
Carl Schmitt: Der Nomos der Erde im Völkerrecht des Jus Publicum Europaeum. Duncker & Humblot.
Carl Schmitt: Theorie des Partisanen. Zwischenbemerkung zum Begriff des Politischen. Duncker & Humblot.
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| Ep. 66: Nope – Jordan Peeles Filmrätsel (fast) entschlüsselt | 14 Aug 2022 | 00:23:10 | |
Jordan Peele bleibt mit „Nope“ dem Horrorgenre treu, jedoch werden diesem der Western und der Science-Fiction-Film zur Seite gestellt. Während in „Get Out“ und auch noch in „US“ der Humor eine wichtige Komponente war, ist „Nope“ wesentlich ernsthafter und dadurch mitunter auch etwas schwerfälliger. Ein großer Film ist dieses Werk dennoch. Nicht nur erweist er Klassikern wie „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ und „Arrival“ seine Reverenz, er kann gerade durch diese Verweise seine kulturkritische Aussage unterstreichen. Die Menschen heute begegnen den Außerirdischen nicht mehr mit einem Erkenntnisinteresse, sondern nur noch mit der Frage: Wie kann ich aus dem Spektakel Profit machen? Daniel Kaluuya als OJ und Keke Palmer als dessen Schwester Em wollen auf ihrer Ranch Pferde für den Film trainieren, jedoch ist das Geschäft aufgrund der CGI-Technik schon lange nicht mehr sonderlich lukrativ. Schnell kommen sie auf die Idee, mit Aufnahmen von UFOs reich zu werden. Gefahndet wird nach dem „Oprah-Shot“ – nach der Aufnahme, die einem die Tür zu der sensationslüsternen Talkshow öffnet. Jordan Peel setzt sich auf diese Weise nicht nur kritisch mit der Gesellschaft des Spektakels auseinander, er schreibt mit „Nope“ auch eine Filmtheorie in Bildern. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der neuen Filmanalyse.
Literatur:
John Berger: Sehen. Das Bild der Welt in der Bilderwelt. Fischer.
Guy Debord: Die Gesellschaft des Spektakels. Tiamat.
Dziga Vertov: „Kinoki-Manifest“, in: Texte zur Theorie des Films. Reclam
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| Ep. 65: Wo BULLET TRAIN sich irrt | 07 Aug 2022 | 00:21:50 | |
David Leitch hat nach „John Wick“ eher Schlimmes angereichtet – man denke nur an „Atomic Blonde“. Da ist es nun fast schon eine Überraschung, dass „Bullet Train“ als Actionfilm packend inszeniert und dynamisch erzählt ist. Man kann zufrieden sein, wenngleich ein wunderbares Schauspieler-Ensemble (u.a. Brad Pitt, Joey King, Michael Shannon, Brian Tyree Henry, Aaron Taylor-Johnson) den Film über seine Schwächen hinwegträgt. Auch kann Leitch gut mit der Beschränkung des Raumes umgehen. Allerdings nimmt der Film philosophisch eine völlig falsche Weichenstellung vor und gerät deshalb bald aus dem Gleis: Ausgegangen wird hier von einem deterministischen Weltbild, wonach alles so verläuft, wie es eben verlaufen muss. Die Willensfreiheit wird negiert. Von Schicksal sprechen gleich mehrere Figuren unaufhörlich. Und auch die Rückblenden dienen vor allem dem Eindruck, dass eigentlich alles irgendwie vorherbestimmt ist. Dem widerspricht aber das Denken und Handeln der Figuren. Hinzu kommt ein grundsätzliches Problem: Wenn man dem Determinismus zustimmt, wird das Actiongenre völlig uninteressant. Deshalb lässt uns der Film unbefriedigt zurück. „Bullet Train“ sitzt einem philosophischen Irrtum auf. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse!
Literatur:
Karl Jaspers: „Über Gefahren und Chancen der Freiheit“, in: Ders.: Das Wagnis der Freiheit. Gesammelte Aufsätze zur Philosophie. Piper.
Gert Keil: Willensfreiheit und Determinismus. Reclam.
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| Ep. 64: Warum Träume Filme sind: WILDE ERDBEEREN von Ingmar Bergman | 31 Jul 2022 | 00:28:02 | |
1957 erschien Ingmar Bergmans psychologisches Road-Movie „Wilde Erdbeeren“. Der große Stummfilmregisseur Victor Sjöström spielt Isak Bork, einen innerlich verhärteten Arzt, der sein Leben der Arbeit gewidmet hat und nicht in der Lage war, zwischenmenschliche Beziehungen mit Wärme zu füllen. Gemeinsam mit seiner Schwiegertochter Marianne (Ingrid Thulin) begibt er sich mit dem Auto nach Lund, um dort im Dom einen Ehrendoktor entgegen zu nehmen. Auf dieser Reise versinkt Isak immer wieder in Träume, die ihn mit seiner Jugend und seiner gescheiterten Ehe konfrontieren. Begleitet werden Isak und Marianne bald von drei jungen Leuten, die das Leben noch vor sich haben, wenngleich sich auch hier bereits grundlegende Konflikte abzeichnen. Hinzu kommen Begegnungen mit einem sich bis aufs Blut streitenden Ehepaar und mit Isaks Mutter, die selbst im Hochsommer friert – aus lauter Einsamkeit. „Wilde Erdbeeren“ zeigt auf geniale Weise, wie das Filmemachen und Träumen zusammenhängen. Neben der Freud-Rezeption wirft Bergman zudem die Grundfragen des Existentialismus auf. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Podcast!
Literatur:
Albert Camus: Der Mythos des Sisyphos. Rororo.
Sigmund Freud: Die Traumdeutung. Studienausgabe Bd. 2, Fischer.
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| Ep. 63: Die falsche Toleranz in BIBI & TINA: EINFACH ANDERS | 24 Jul 2022 | 00:20:22 | |
Hurra! Es gibt einen neuen „Bibi & Tina“-Film! Unter dem Titelmotto „Einfach anders“ singen Bibi, Tina und ihre Freunde ein Loblied auf die Vielfalt. Es ist die herrschende Ideologie, die uns in schlechten Popsongs entgegenschallt. Denn zwar legt man Wert auf Diversität, aber die Besitzverhältnisse werden nicht angetastet, im Gegenteil: Einmal mehr bemühen sich Bibi und Tina darum, den Status quo wiederherzustellen und den Besitz des Grafen zu schützen. Ein neuer Bösewicht taucht mit V. Arscher – nomen est omen – auf, den Kurt Krömer verkörpert. Ihm ist es gelungen, mit einem Gentest nachzuweisen, dass er der rechtmäßige Graf ist, wogegen Bibi und Tina nun gemeinschaftlich vorgehen. Die Idee vom blauen Blut wird hier propagiert. Das passt sehr gut zu einem Identitätskult, der alles Scheinhafte abwertet und nur das Sein akzeptiert. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse!
Literatur:
Georg Büchner: Der Hessische Landbote. Reclam.
Thomas Frank, Matt Weiland (Hrsg.): Commodify Your Dissent: Salvos from the Baffler. W. W. Norton & Company.
Hisham.Tv bei TikTok: https://www.tiktok.com/@hisham.tv/video/7120617478299880709?is_copy_url=1&is_from_webapp=v1
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| Ep. 62: Das Ende der Aufklärung: THOR: LOVE AND THUNDER – Kritik & Analyse | 17 Jul 2022 | 00:25:30 | |
Wirklich gut waren die „Thor“-Filme nie, vielmehr waren sie enervierend buntscheckig. Das ändert sich auch mit „Thor: Love and Thunder“ nicht. Die Regie für den neuen Teil des Marvel-Films hat nun Taika Waititi, der uns bereits mit „Jojo Rabbit“ quälte, übernommen, womit für viele Albernheiten gesorgt ist, die jedoch keineswegs die ernsten Töne, die angeschlagen werden, überdecken sollen. Das Prinzip des Remixens und Sampelns ist ein Ausdruck postmoderner Popkultur, jedoch sollten wir nicht den Fehler machen, die Postmoderne mit der sogenannten Spaßgesellschaft gleichzusetzen. Was, wenn Albernheit und Ernsthaftigkeit sich auf gefährliche Weise abwechseln? Denn klar ist, auch diese Comicverfilmung plädiert für Opferbereitschaft und predigt die Ideologie des gerechten Krieges. Dabei ist dieser Film in besonderer Weise religiös geprägt, das Jenseits ist ebenso präsent wie die Hoffnung auf einen Heldentod, den einen in die Ewigkeit eingehen lässt. Chris Hemsworth als Thor trifft zudem seine Exfreundin Jane Foster (Natalie Portman) wieder – gemeinsam müssen sie gegen den Götterschlächter Gorr (Christian Bale) antreten, um die Herrschaft der Götter und damit ihre eigene Existenz zu sichern. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Podcast!
Literatur:
Paul Veyne: Glaubten die Griechen an ihre Mythen? Suhrkamp.
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| Ep. 61: Warum deutsche Komödien nie lustig sind – z.B. LIEBESDINGS | 10 Jul 2022 | 00:25:52 | |
Die deutsche Komödie wird von der deutschen Filmförderung hofiert und subventioniert, jedoch nie entsteht daraus ein lustiger Film. Nachdem Til Schweiger immer weniger erfolgreich an den Kinokassen ist, sucht die Filmindustrie nun nach einem Nachfolger, ja, ein weiblicher Til Schweiger wäre ideal. Regisseurin und Drehbuchautorin Anika Decker scheint diese Rolle gern anzunehmen – selbst viele Linksliberalen sind begeistert. Ihre Filme sind etwas anders, aber mindestens ebenso schlimm. In „Liebesdings“ verkörpert Elyas M’Barek einen deutschen Filmstar, der ein bisschen so ist wie Elyas M’Barek, jedoch Marvin heißt. Der Rummel um seine Person ist ihm zum einen zu Kopf gestiegen, zum anderen möchte er endlich mal unerkannt durch die Welt gehen, vor allem nach einem vermeintlichen Skandal, den die Boulevard-Presse über ihn enthüllt hat. Da trifft es sich gut, dass er in einem feministischen Off-Theater untertauchen kann, was selbstredend Konfliktpotenzial in sich birgt, das die Regisseurin jedoch nicht auszuschöpfen versteht. Mehr noch: Wir lernen in dieser Komödie viel über den verklemmten und letztendlich repressiven deutschen Humor. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse!
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| Ep. 60: Elon & seine Bitcoin-Bros: DIE MINIONS – Auf der Suche nach dem Mini-Boss – Kritik & Analyse | 03 Jul 2022 | 00:23:23 | |
Die Minions sind ein weltweites Phänomen: Selbst in China liebt man die kleinen gelben und stets treuergebenen Wesen. Der erste „Minions“-Film spielte insgesamt 1,6 Milliarden Dollar ein. Höchste Zeit also, dass ein zweiter Teil in den Kinos anläuft. In „Die Minions – Auf das Suche nach dem Mini-Boss“, dessen englischer Titel „Minions – The Rise of Gru“ ebenso treffend ist, befinden wir uns im Jahr 1975. Gru ist gerade einmal 11 Jahre alt, dennoch hat der von seiner Mutter vernachlässigte und seinen Altersgenossen verkannte Sohn bereits erstaunliche Großmachtambitionen: Er will zu den „fiesen Sechs“, so der Name der Superschurken-Truppe, gehören und entlässt dafür kurzerhand die Minions, um sich vollends auf seine Karriere konzentrieren zu können. Die Minions sind schwer getroffen und setzen fortan alles daran, ihrem ehemaligen Boss den Weg zum Erfolg zu bereiten – verbunden mit der Hoffnung, eines Tages wieder für ihn arbeiten zu dürfen. Die Minions sind einmal mehr die Repräsentanten der Arbeiterklasse, wie sie sich die Kapitalfraktionen wünschen, denn Streiks oder Gewerkschaften wird es mit ihnen nicht geben. Zugleich erinnern sie an die Krypto-Anhänger, die auf fanatische Weise Grus Wiedergänger Elon Musk verehren. Die Lust an der Unterwerfung ist groß. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Podcast!
Literatur:
Erich Fromm: Die Furcht vor der Freiheit. Europäische Verlagsanstalt.
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| Ep. 59: Was ist Kunst? Werner Herzogs FITZCARRALDO – Kritik & Analyse | 26 Jun 2022 | 00:25:48 | |
Die Legenden um das Meistwerk „Fitzcarraldo“ gehören längst zum filmhistorischen und wohl auch popkulturellen Gedächtnis: Millionenfach sind Klaus Kinskis Ausraster und Werner Herzogs Betrachtungen über die vor Schmerz schreienden Vögel und die Bestialität des Dschungels rezipiert worden. Fast scheint es, als habe all dies den Zugang zum Film nicht erleichtert, sondern eher versperrt. Vermutlich gibt es wesentlich mehr Menschen, die viel über den Entstehungsprozess von „Fitzcarraldo“ wissen, als Zuschauer, die dieses zweieinhalbstündige Werk, mit dem sich der Neue Deutsche Film weit fortbewegte, tatsächlich gesehen haben. Wenngleich der Film in vielen Bestenlisten nicht fehlen darf, sehen manche dessen Sichtung selbst als eine Herkulesaufgabe an, wie sie sich die Titelfigur in den Kopf gesetzt hat. Jedoch sollte man keine falsche Scheu an den Tag legen. Worum geht es in dem 1981 in die Kinos gebrachten Werk eigentlich? Fitzcarraldo ist ein Ire, der nach Peru ausgewandert ist, und nun eine Oper im peruanischen Dschungel errichten möchte. Zur Premiere soll Caruso singen. Der Film handelt jedoch nicht vom Bau einer Oper, sondern von der Finanzierungsphase dieses nachgerade tollkühnen Projekts. Geld will Fitzcarraldo mit einer Kautschuk-Plantage verdienen, die aber liegt in unwirtlichem Gebiet, versperrt durch Stromschnellen. Die Lage scheint aussichtslos, bis er beschließt, ein Dampfschiff über einen Berg zu ziehen. Indianer helfen ihm dabei – warum, das ist ihm selbst nicht ganz klar. Was, wenn alle Diener der Kunst sind? Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Podcast!
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| Ep: 58 Ist Robert Eggers überschätzt? | 19 Jun 2022 | 00:21:14 | |
Robert Eggers hat die Herzen vieler Cineasten erobert. Tatsächlich ist es nicht selbstverständlich, dass heute noch ein Regisseur über eine eigene Handschrift verfügt und damit erfolgreich ist. Mit dem Horrorfilm „The Witch“ erlebte Eggers eine breite und weitgehend positive Rezeption. Vor allem war es die Ästhetik, die beeindruckte. „The Lighthouse“ – mit Willem Dafoe und Robert Pattinson in der Hauptrolle – galt 2019 als der „rätselhafteste Film des Jahres“ und entwickelte sich in manchen Kreisen gar zum Kultfilm. Anschließend konnte Eggers mit einem großen Budget und vielen Stars wie Alexander Skarsgard, Ethan Hawk und Nicole Kidman den Arthouse-Blockbuster „The Northman“ realisieren. Abermals bildgewaltig, intensiv und unverwechselbar sind die Bilder, die dieser Regisseur auf die Leinwand projiziert, jedoch stellt man sich irgendwann eine nicht zu vernachlässigende Frage: Wozu das alles? Was erzählen uns diese Filme eigentlich? So aufwendig die Rekonstruktion vergangener Welten ist, so dürftig ist die inhaltliche Botschaft. Ist Robert Eggers vielleicht ein cineastischer Scharlatan? Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse!
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| Ep. 163: Mein neues Buch – für Kinder (und Erwachsene)! | 17 Jun 2024 | 00:02:15 | |
Wir haben ein Kinderbuch geschrieben – nun ist es vorbestellbar! Alle Informationen zu "Die kleinen Holzdiebe und das Rätsel des Juggernaut" sowie eine Leseprobe und die ersten Illustrationen von Nick-Martin Sternitzke:
https://www.suhrkamp.de/buch/die-kleinen-holzdiebe-und-das-raetsel-des-juggernaut-t-9783458644774 (https://www.suhrkamp.de/buch/die-kleinen-holzdiebe-und-das-raetsel-des-juggernaut-t-9783458644774)
Die Geschwister Karl und Rosa führen ein einfaches Leben auf der Insel Feudalia. Sie helfen auf dem Hof ihrer Eltern, spielen im Wald und sammeln dabei das dringend benötigte Feuerholz für die Familie. Doch eines Morgens steht dort ein Schild: »Holz sammeln verboten. Holzdiebe werden bestraft.« Und dieses Verbot ist nur der Anfang einer großen Veränderung, die das Leben der Geschwister völlig auf den Kopf stellt. Schon bald wird die Familie von ihrem Hof vertrieben. In der Stadt müssen die Eltern, wie die meisten Inselbewohner, nun in Fabriken arbeiten, die reiche Herren von der Nachbarinsel Capitalia eröffnet haben. Während Vater und Mutter mehr schuften als je zuvor, reicht das Geld kaum für die Wohnung und das Essen. Den Menschen auf Feudalia war Wohlstand für alle versprochen worden, aber das erfüllt sich nicht. Doch muss das eigentlich so sein? Warum haben die Arbeiter nichts vom erwirtschafteten Reichtum? Wieso ist der Wohlstand so ungleich verteilt? Auf der Suche nach Antworten stehen Karl und Rosa vor einem Rätsel – bis sie eine zündende Idee
haben. Eine kämpferische Geschichte über Zusammenhalt und den Mut, gemeinsam etwas zu verändern. | |||
| Ep: 57 Die große Streaming-Krise: ARMY OF THE DEAD - Kritik & Analyse | 16 Jun 2022 | 00:14:14 | |
Eben noch ließen wir den Snyder-Cut von „Justice League“ über uns ergehen, nun bringt #ZackSnyder bereits den nächsten Film heraus: „Army of the Dead“ ist ein zweieinhalbstündiger #Zombie-Film, der in einem dystopischen Las Vegas spielt. In der #Netflix-Produktion – mit Dave Bautista, Ella Purnell und Matthias Schweighöfer – haben Zombies die Stadt der Sünde erobert. Ein schwerreicher Casino-Besitzer heuert eine Söldner-Truppe an, um das während der Flucht vergessene Geld irgendwie aus der Stadt zu holen. Dafür müssen die Outlaws einen Tresor sprengen und zugleich aufpassen, dass sie nicht von den flinken Alpha-Zombies gebissen werden. Derweil plant Washington den Abwurf einer Atombombe, um das Problem aus der Welt zu schaffen. Die Zeit läuft ab. Die Story ist nicht weiter interessant, aber wir können an diesem Film sehr gut studieren, wie tief die #Streaming-Anbieter derzeit in der Krise sich befinden und warum Filme immer irrelevanter werden. Das Zombie-Genre lud stets dazu ein, Ökonomisches und Politisches auf einer metaphorischen Ebene zu verhandeln. Bemerkenswerterweise ist das heute gar nicht mehr gewollt, im Vordergrund steht eine entsetzliche Emotionalisierung. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Podcast!
Literatur:
Slavoj Zizek: Die politische Suspension des Ethischen. Suhrkamp.
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| Ep. 56: Konkurrenz für Hollywood: Der indische Blockbuster RRR – Kritik & Analyse | 13 Jun 2022 | 00:30:04 | |
Es kommt nicht alle Tage vor, dass in der westlichen Welt ein indischer Blockbuster in aller Munde ist. Zwar ist der indische Filmmarkt groß und mit Bollywood und Tollywood auch wirtschaftlich sehr relevant, dennoch war es bislang so, dass indische Filme in deutschen Kinos eher ein Schattendasein fristeten. Mit den Streaming-Diensten ändert sich dies nun radikal. „RRR“ hat es auf Netflix sogar in die deutsche Top 10 gebracht, und in arabischen sowie afrikanischen Ländern gibt es einen regelrechten Hype um diesen Film. Regisseur S.S. Rajamouli ist ein großer Name im indischen Blockbuster-Kino, ihm ist es nun erstmals gelungen, für die 72 Millionen Dollar teure Produktion zwei Mega-Stars auf der Leinwand zu vereinen: N. T. Rama Rao und Ram Charan; sie spielen die Nationalhelden Komaram Bheem und A. Rama Raju, die sich zwar nie begegnet sind, aber sich 1920 in Delhi hätten treffen können. Diese alternative Geschichtsschreibe öffnet den Raum für überbordende cineastische Einfälle, doch sie ist auch ein Einfallstor für jenen Hindu-Nationalismus, wie er durch Narendra Modi vertreten wird. Am Erfolg von „RRR“ ist zudem auch ein Wandel des globalen Blockbusters zu beobachten. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Video!
Literatur:
Amanda D. Lotz: Netflix and Streaming Video. The Business of Subscriber-Funded Video on Demand. Polity.
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| Ep. 55: Warum tut man sich das an? A QUIET PLACE 2 - Kritik & Analyse | 02 Jun 2022 | 00:14:04 | |
Endlich haben die Kinos wieder geöffnet und endlich endet der Lockdown, dennoch haben viele Zuschauer offenbar nicht genug vom Rückzug. "A Quiet Place 2" spiegelt nicht nur unseren Zeitgeist wider, der Film zeigt uns auch deutlich, warum viele rechte und konservative Politiker heutzutage Erfolg haben. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Podcast!
Literatur:
Erich Fromm: Die Furcht vor der Freiheit. etv.
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| Ep. 54: Das Ende der Homoerotik – TOP GUN: MAVERICK – Kritik & Analyse | 29 May 2022 | 00:20:36 | |
Nach 36 Jahren ist Maverick wieder da, und da er vom ewigen Tom Cruise gespielt wird, hat er sich natürlich kaum verändert. Noch immer ist das Flieger-Ass tollkühn, selbstbewusst und setzt sich gern über Anweisungen seiner Vorgesetzten hinweg, nun aber soll die lebende Legende jungen Piloten ein Vorbild sein und sie für eine besonders heikle Mission ausbilden. In „Top Gun: Maverick“ muss in irgendeinem Schurkenstaat eine Urananreicherungsanlage bombardiert werden, mehr politischen Kontext gibt es nicht, denn eigentlich geht es nur um die atemberaubenden Actionszenen, die den Kinosessel in einen Pilotensitz verwandeln. Zwischenmenschliche Konflikte gibt es zwar, jedoch sind diese zu vernachlässigen – bis auf eine Ausnahme: Maverick trifft erneut auf Iceman (Val Kilmer), der, so erfahren wir, über all die Jahre hinweg dafür gesorgt hat, dass Maverick trotz als der Disziplinarverfahren nicht aus dem Dienst entlassen wurde. Noch einmal wird diese Liebesgeschichte aufgegriffen, die den gesamten ersten Film prägte, mit dem Tony Scott 1986 ein Überraschungshit gelang. Der erste Teil war, Quentin Tarantino hat in dem Film „Sleep with me“ in einer sehr amüsanten Szene darauf verwiesen, vom homoerotischen Begehren geprägt. Davon aber ist in der Fortsetzung nichts geblieben. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse!
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| Ep. 53: Aufrüstung jetzt! DOG – DAS GLÜCK HAT VIER PFOTEN – Kritik & Analyse | 22 May 2022 | 00:22:08 | |
In „Dog – Das Glück hat vier Pfoten“ von Channing Tatum und Reid Carolin geht es auf den ersten Blick um die Freundschaft zwischen einem traumatisierten Kriegsheimkehrer und einem ebenso traumatisierten Kriegshund. Beide reisen sie 1500 Meilen durch die USA und treffen dabei auf allerhand kuriose Gestalten. Ist das bloß kitschige Unterhaltung? Das Niedliche, verkörpert durch den Hund Lulu und den etwas täppischen Channing Tatum, hat jedoch eine ideologische Funktion und fast scheint es, als sei der Film erst vor wenigen Wochen entstanden, denn bemerkenswerterweise können wir hier bereits die Allianz zwischen den Linksliberalen und dem Militär erleben. So ist es ein esoterisches Hippie-Ehepaar, das Lulu und dem Soldaten hilft und zugleich Bewunderung für das soldatische Leben aufbringt. Auch andere, eher nicht mit dem US-Militär auf allzu gutem Fuße stehende Figuren tauchen auf – wie ein muslimischer Staatsanwalt oder lateinamerikanische Feldarbeiter. Hollywood vollzieht mit diesem Feel-Good-Movie eine gewisse Kehrwende, positionierte man sich mit Filmen wie „Das Tal von Elah“ oder dem letzten „Rambo“-Teil kritisch zum Militär und zu den westlichen Interventionen der vergangenen 20 Jahre. Mehr dazu in der Filmanalyse von Wolfgang M. Schmitt.
Literatur:
Thomas Mann: Herr und Hund. Ein Idyll. Fischer Verlag.
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| Ep. 52: Endlich ein Internet-Film: Bo Burnhams INSIDE - Kritik & Analyse | 19 May 2022 | 00:19:00 | |
Dieser Film hat im Kino nichts verloren, nicht zuletzt deshalb läuft er auf #Netflix. Aber all das spricht nicht gegen „Inside“, im Gegenteil: Dem Comedian Bo Burnham ist es nicht nur gelungen den vergangenen 16 Monaten eine Form zu geben, sondern auch den ersten originären Streaming-Film zu produzieren, der uns in die Untiefen des Internets führt. #Gaming, #Influencer-Marketing, Green-Washing von Unternehmen, Einsamkeit und Dating – Bo Burnham findet dafür Worte und Bilder. Im DIY-Stil gedreht – und offenbar wirklich so entstanden – ist „Inside“ ein faszinierendes Werk, das wir unbedingt in seiner abgeschlossenen Form genießen sollten, nicht als Ersatzprogramm eines ausgefallenen Comedy-Programms und auch nicht häppchenweise mit einzelnen, viral gehenden Clips. Wir können in „Inside“ aber auch erleben, was der deutschen Comedy-Szene meist fehlt: gutes Handwerk. Burnham ist ein professioneller Multi-Dilettant mit einer großen Beobachtungsgabe. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Podcast!
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| Ep. 51: Das Ende der Spannung? DOCTOR STRANGE IN THE MULTIVERSE OF MADNESS – Kritik & Analyse | 15 May 2022 | 00:16:33 | |
Sam Raimi hat in „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ die Regie übernommen. Es hätte also schlimmer kommen können, und ja, dieser Film sticht ein wenig aus dem Marvel-Mittelmaß heraus. Mehr aber auch nicht, denn wirklich wagemutig ist diese Comicverfilmung nicht. Die Multiversum-Dramaturgie erlaubt es dem MCU nun, ganz erheblich zu expandieren – zwar bleibt man linear, aber zugleich spielen sich parallele Handlungen in anderen Welten ab. Wer jedoch jetzt wirklich hofft, nie gesehene mögliche Universen zu durchschreiten, wird enttäuscht bald sein, da Raimi sich kaum Mühe gibt, die Multiversen ästhetisch wie narrativ konsequent weiter zu denken. Immerhin aber eine kleine Kehrtwende ist dennoch zu beobachten: Die Idee, dass man sich für eine höhere Sache opfern muss, ist nicht nur in Marvel-Filmen, sondern allgemein im Blockbuster-Kino sehr verbreitet. Auch Doctor Strange ist dieser Auffassung, wie er im Film mehrmals betont. Aber ist das wirklich der einzige Weg? Könnte man nicht bei der Aggressorin, der Hexe Wanda, irgendwie ein Umdenken bewirken, das zur Selbsteinhegung böser Kräfte führt? Der Film geht in diese Richtung. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse!
Literatur:
Hans J. Pirner: Virtuelle und mögliche Welten in Physik und Philosophie. Springer.
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| Ep. 50: Brumm, brumm: FAST & FURIOUS 9 - Kritik & Analyse | 12 May 2022 | 00:15:00 | |
Vin Diesel, Michelle Rodríguez, Tyrese Gibson, Ludacris, John Cena, Charlize Theron – alle wollen sie dabei sein, wenn auch der neunte Teil der „Fast & Furious“-Reihe sich im Kreise dreht. Wie schon bei „Black Widow“ haben wir es hier erneut mit einem Film zu tun, der vor allem darum bemüht ist, seine eigene Existenz zu rechtfertigen. Und wie in der Marvel-Produktion greift man in #F9 auf die Vergangenheit zurück. 1989 hat sich im Hause Toretto ein Familiendrama abgespielt, das noch immer nicht überwunden scheint, die feindlichen Brüder Dom und Jacob wollen nun endlich reinen Tisch machen. Knapp zweieinhalbstunden wird das dauern, zwischen durch bekommen wir immer wieder eingebläut, wie wichtig die Familie ist. Hervorgebracht wird dabei eine Story, die man getrost als bescheuert bezeichnen kann. Haben wir es hier also, wie es so schön heißt, nur mit einem „Actionfeuerwerk“ zu tun? Nein, das Gegenteil ist richtig: Justin Lins „Fast & Furious 9“ funktioniert nicht wie „Mad Max“, sondern der Film klammert sich aus Gründen so krampfhaft an die Handlung. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge.
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| Ep. 49: Ist alles sinnlos? EVERYWHERE EVERYTHING ALL AT ONCE – Kritik & Analyse | 08 May 2022 | 00:21:57 | |
Dan Kwan und Daniel Schneiert ist ein Überraschungserfolg gelungen – in den USA und auch hierzulande. Zwischen all den Comicverfilmungen und seelenlosen Blockbustern hat es ein kleiner Film sehr weit nach oben in die Kinocharts geschafft, der zunächst wie ein typisches Indie-Movie erscheint: Chinesische Einwanderer betreiben darin in den USA einen Waschsalon und haben Probleme mit ihrem mürrischen Vater und ihrer lesbischen Tochter. Zudem droht das Finanzamt mit drakonischen Strafen. Alles aber nimmt einen völlig anderen Verlauf, als plötzlich die alternative Version des Ehemanns aus einer Parallelwelt Besitz von der irdischen Version ergreift und seine Frau darauf hinweist, dass es nicht nur diese Welt gibt, sondern unendlich viele. Mit einem Gadget, das wie ein einfacher Kopfhörer aussieht, springen die Figuren nun zwischen den parallelen Welten hin und her. „Everywhere Everything All at Once“ ist ein ungewöhnlicher, rauschhafter Multiversumsfilm, der uns zum philosophischen Denken über Logik und Moral einlädt. Keineswegs erleben wir hier bloß einen wirren Trip, der Film ist bei aller Konfusion auch von großer Klarheit. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der neuen Filmanalyse!
Literatur:
Fontenelle: Gespräche über die Vielzahl der Welten, in Ders.: Philosophische Neuigkeiten für Leute von Welt und für Gelehrte. Ausgewählte Schriften. Reclam.
David Lewis: On the Plurality of Worlds. Blackwell.
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| Ep. 48: Warum DER RAUSCH genial ist: Kritik & Analyse zu Vinterbergs Meisterwerk | 05 May 2022 | 00:17:59 | |
Was, wenn man immer 0,5 Promille Alkohol intus hätte? Wäre das Leben dann leichter, heiterer und spannender? Der norwegische Psychologe Finn Skårderud hat diese kühne Behauptung aufgestellt, die nun Thomas Vinterberg in seinem grandiosen Film „Der Rausch“ vier Männer in der Midlife-Crisis überprüfen lässt. Im Mittelpunkt dieser nuancenreichen Geschichte steht der Geschichtslehrer Martin, herausragend gespielt von Mads Mikkelsen. Martin gelingt es kaum noch, seine Abschlussklasse zu unterrichten, inzwischen beschweren sich die Schüler und Lehrer. Als Martin und seine Freunde jedoch das ungewöhnliche Alkohol-Experiment beginnen, ist plötzlich alles anders, er ist wie ausgewechselt. Voller Elan gestaltet er nun den Unterricht, die Klasse ist begeistert, auch sonst läuft sein Leben jetzt in anderen Bahnen. Auch seine alkoholisierten Kollegen kommen plötzlich wesentlich angenehmer durch den Tag. Doch die 0,5 Promille sind nur der Einstieg, bald werden sie die Dosis erhöhen und sich eines Abends mit unzähligen Sazeracs die Kante geben. Ekstasen und tiefe Abstürze folgen. Aber was will Dogma-Regisseur Vinterberg uns hier eigentlich erzählen? Sein Film handelt von der Vergänglichkeit der Jugend und von jenen Augenblicken, in denen man kurz schwebt. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Podcast!
Literatur:
Søren Kierkegaard: Der Begriff der Angst. Reclam.
Søren Kierkegaard: Philosophische Brocken. Europäische Verlagsanstalt.
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| Ep. 162: Pixars bunte Normierung: ALLES STEHT KOPF 2 – Kritik & Analyse | 16 Jun 2024 | 00:15:50 | |
Disney will mit Fortsetzungen populärer Stoffe aus der Krise gelangen. So hat es CEO Bob Iger angekündigt. Den Anfang macht der zweiterfolgreichste Pixar-Film „Alles steht Kopf“. Kelsey Mann löst Regisseur Pete Docter ab, aber das Prinzip bleibt: Wir erleben die Geschichte des Mädchens Riley hauptsächlich in Rileys Kopf, wo sich Emotionen wie Wut, Freude, Kummer und neuerdings Zweifel, Sarkasmus und Ennui tummeln und das Subjekt beherrschen wollen. Die Protagonistin ist nun 13 Jahre alt und jetzt wirbelt die Pubertät den Emotionshaushalt ordentlich durcheinander. Die Freude wird von Coolness und Zweifel verdrängt, während sich Riley dort draußen bei einem Eishockey-Camp beweisen soll. „Alles steht Kopf 2“ plädiert für mehr Selbstakzeptanz, was durchaus richtig ist, aber der Film bleibt bei all dem fürchterlich reduktionistisch. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der neuen Filmanalyse!
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| Ep. 47: BIBI & TINA und die deutsche Flüchtlingspolitik | 01 May 2022 | 00:18:37 | |
Detlev Buck hat mit der „Bibi & Tina“-Reihe den Zeitgeist der Bundesrepublik nicht nur eingefangen, sondern auch manifestiert. Besonders Teil 4 ist ein Lob auf die Ära Merkel. Zum einen geht es weiterhin darum, die Eigentumsideologie zu verfestigen, zum anderen soll aber auch Deutschlands Umgang mit Migranten glorifiziert werden. „Wir schaffen das!“, verkündet Diener Dagobert, dabei den berühmten Merkel-Ausspruch wiederholend, als Musiker aus Mali, ein Flüchtling aus Syrien und eine junge Albanerin im Reich des Grafen aufgenommen werden sollen. Bibi und Tina sind in emanzipatorischer Mission unterwegs: Die junge Adea ist vor ihren albanischen Verwandten geflohen und will nun ein neues Leben in Deutschland beginnen, um Meeresbiologie zu studieren. Der vierte Teil „Tohuwabohu total“ arbeitet nicht nur mit der Dichotomie Gut und Böse, sondern beschwört auch ein bundesdeutsches Wir, das einem barbarischen oder kriminellen Anderen gegenübersteht. Was hier jedoch als weltoffen verkauft wird, dient vor allem der Profitmaximierung und damit dem Grafen. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der neuen Filmanalyse.
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| Ep. 46: Wahre Fiktionen, neue Männer: THE LOST CITY – Kritik & Analyse | 24 Apr 2022 | 00:18:00 | |
1984 kam der Abenteuerfilm „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ in die Kinos. Michael Douglas mimte darin für Kathleen Turner den Helden in der Wildnis. Channing Tatum versucht das nun in einer sehr ähnlichen Geschichte, um Sandra Bullock zu beeindrucken, doch das gelingt ihm nicht mehr wie einst Douglas. Der post-heroische Mann taucht nur noch als Brad Pitt kurz auf, sonst aber soll Tatum vor allem das Objekt der Begierde sein. Und seine Figur ist recht begriffsstutzig: Sie versteht nicht nur weder Metaphern noch Redewendungen, auch verwechselt sich Covermodel Alan (Tatum) immer wieder mit dem Roman-Helden Dash, den er auf Promo-Touren verkörpern muss. Bullock spielt eine Schundromanautorin, die hasst, was sie tut, jedoch dabei erfolgreich ist. Sie produziert Fiktion am laufenden Band, doch offenbar scheint diese auch das eine oder andere Körnchen Wahrheit zu enthalten. Mithilfe ihrer Romane und ihrer Expertise möchte nämlich ein exzentrischer Milliardär auf Schatzsuche gehen, und entführt sie deshalb kurzerhand. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse.
Literatur:
David Lewis: Truth in Fiction, in: Ders.: Philosophical Papers Volume I. Oxford University Press.
John R. Searle: Der logische Status fiktionaler Rede, in: Maria E. Reicher (Hrsg.): Fiktion, Wahrheit, Wirklichkeit. Philosophische Grundlagen der Literaturtheorie. Mentis.
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| Ep. 45: Die kapitalistische Ideologie in BIBI & TINA | 17 Apr 2022 | 00:23:42 | |
Auf vier Teile kommt die „Bibi & Tina“-Reihe inzwischen und ein fünfter Film ist bereits abgedreht. Charly Hübner, Olli Schulz, Michael Maertens, Ruby O. Fee, Max von der Groeben, Lina Larissa Strahl und Lisa-Marie Koroll heißen die Stars dieses überaus erfolgreichen Kinoprodukts, das die Filmfunktionäre Deutschlands in eine Gelddruckmaschine verwandelt haben. Auf den ersten Blick erscheinen die Musicalfilme wie ein harmloser und recht stupider Spaß, allerdings ist das Gegenteil richtig: Manifestiert wird in diesen Filmen die kapitalistische Ordnung. Vor allem geht es darum, die Eigentumsideologie früh in den Köpfen der zumeist jungen Zuschauer zu etablieren. Immer geht es darum, den Besitz des Grafen zu schützen oder zu retten. Bibis Hexerei entpuppt sich als fauler Zauber. Dies sind Kinderfilme, zweifellos, aber das heißt nicht, dass sie nicht auch Träger von Ideologie sein können. Nein, sie eignen sich dazu gerade besonders gut. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Podcast!
Literatur:
Daniel Loick: Der Missbrauch des Eigentums. August Verlag.
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| Ep. 44: Weiblicher James Bond? BLACK WIDOW - Kritik & Analyse | 15 Apr 2022 | 00:13:05 | |
Scarlett Johansson verabschiedet sich mit dieser Single-Auskopplung aus dem Marvel-Universum. Zum Glück! Denn Johansson vergeudet in diesem Franchise ihr Talent. Cate Shortland inszeniert mit „Black Widow“ einen düsteren Agentenfilm, der zunächst nicht viel mit dem Superhelden-Kosmos gemein zu haben scheint. Erst im Laufe des Films wird aus dem 130-minütigen Werk ein weiteres Action-Abenteuer, das hoffentlich bald in den Abgrund der Filmgeschichte rutschen wird. Anders, moderner, emanzipatorischer sollte die Titelfigur nun gestaltet werden, was vor allem bedeutet, auf sexy Posen zu verzichten und stattdessen tiefe Einblicke in die Seele zu geben. Familienstreitigkeiten aus den 1990er-Jahren werden neu aufgewärmt, und wieder geht es um eine große Verschwörung mit einem Superschurken, der den Willen der Black Widows steuern kann. Es ist ein ärgerlicher, langweiliger Film. Auch die ironischen Brüche können nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir permanent mit Gefühligkeiten zugeschüttet werden. Das Drehbuch will aus den Figuren und den Zuschauern ein paar abgeschmackte Emotionen pressen. Rührend! Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Podcast!
Literatur:
Thomas Frank: „Die schluchzende Supermacht“, Le Monde diplomatique: https://monde-diplomatique.de/artikel...
Heike Paul: Amerikanischer Staatsbürgersentimentalismus. Zur Lage der politischen Kultur der USA. Wallstein.
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| Ep. 43: Warum L.A. CRASH so doof ist | 10 Apr 2022 | 00:21:52 | |
Irrtümer bei den Oscars sind keine Ausnahme, sondern die Regel. Besonders heftiges Kopfschütteln verursachte jedoch die Entscheidung von vor 18 Jahren, als „L.A. Crash“ als bester Film ausgezeichnet wurde. Der hochkarätig besetzte Episodenfilm von Paul Haggis wird mitunter noch heute für seine Zeitlosigkeit gerühmt, immerhin hat er es auch in den Schulunterricht gebracht, wenngleich es auch schon damals nicht wenige kritische Stimmen gab, die sich an dem sentimentalen Rührstück störten. Verwoben werden in dem 110-minütigen Film die Schicksale verschiedener Bürger von Los Angeles, Ziel soll es dabei sein, die sogenannte Spaltung in der Gesellschaft zu überwinden, ohne dabei über die eigentlichen Interessenkonflikte und Strukturen zu sprechen. Tatsächlich soll in erster Linie gefühlt werden – nur die direkte Begegnung soll die Bürger zu besseren Menschen machen. Begriffen hat am Ende jedoch niemand etwas – auch der Zuschauer nicht. Diese Gefühlspolitik ist nicht nur für Hollywood typisch, sondern dies ist nach wie vor der Modus, in dem medial oder politisch gesellschaftliche Probleme verhandelt werden. Verhindert werden soll das Denken. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der neuen Filmanalyse!
Literatur:
Heike Paul: Amerikanischer Staatsbürgersentimentalismus. Zur Lage der politischen Kultur der USA. Wallstein Verlag.
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| Ep. 42: Zeit-Vampirismus: MORBIUS – Kritik & Analyse | 03 Apr 2022 | 00:14:45 | |
Sony baut das Spider-Man-Universum weiter aus: In Daniél Espinosas „Morbius“ spielt Jared Leto Dr. Michael Morbius, der ebenso wie sein guter Freund Loxias „Milo“ Crown sich zunehmend in einen Vampir verwandelt und sich laufend frische Blutkonserven zuführen muss, um überleben können. Sieht man sich diesen Schund an, sollte man jedoch über eine andere Form des Vampirismus nachdenken, der im Kapitalismus üblich ist: Es geht um die Zeit der Arbeiter des Films und die Freizeit der Zuschauer. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der neuen Filmanalyse.
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| Ep. 41: Rant: Warum die Vorwürfe gegen TENET albern sind & wir verlernen, wie man Filme sieht | 31 Mar 2022 | 00:17:17 | |
Wir müssen reden: Wie kann es sein, dass ein Film wie „Tenet“ von vielen Zuschauern, vor allem aber von vielen Filmkritikern derart missverstanden wird? Wie kann es sein, dass man dem Film Vorwürfe macht, die nicht nur unzutreffend, sondern völlig an der eigentlichen Sache vorbeizielen? Hier wird die mangelnde Figurenentwicklung beklagt, dort moniert man, #ChristopherNolan habe einen emotional nicht abgeholt. Ja, geht’s noch? Die #Filmkritik steckt in der Krise. Schuld daran sind nicht zuletzt die #Serien. Wir scheinen zu verlernen, wie man Filme sieht: Nur noch regiert wird die Filmrezeption vom subjektiven Empfinden und von Gefühlsduseligkeit, der Film wird zu einer Ware degradiert, die in Häppchenform dem Zuschauer serviert werden soll. Wenn das ein Film tut, fällt lobend noch das Filmkritik-Unwort schlechthin: Gänsehaut! Erzeugt ein Film diese, muss er folglich gut sein. Mehr dazu von Wolfgang M. im Podcast!
Literatur:
Eva Illouz (Hrsg.): Wa(h)re Gefühle: Authentizität im Konsumkapitalismus. Suhrkamp.
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| Ep. 40: Michael Bays falsche Gefühle: AMBULANCE – Kritik & Analyse | 27 Mar 2022 | 00:16:45 | |
Nach seinem Ausflug zu Netflix kehrt Michael Bay mit einem Heist-Movie zurück in die Kinos. „Ambulance“ erzählt die Geschichte einer Zuspitzung: Bei einem Banküberfall nehmen zwei Brüder einen Cop und eine Sanitäterin als Geiseln und rasen mit ihnen in einem Krankenwagen quer durch Los Angeles. Das knapp 140-minütige Spektakel spielt sich innerhalb weniger Stunden ab, der Film ist eine einzige, wild geschnittene und sehr drohnenlastige Verfolgungsjagd. Michael Bay betont gern, dass seine Filme unpolitisch seien. Aber stimmt das wirklich? Zunächst ist in Zweifel zu ziehen, dass es überhaupt unpolitische Filme gibt. Darüber hinaus aber ist es doch verdächtig, wie in „Ambulance“ nicht nur Polizei und Militär imposant in Szene gesetzt werden, sondern es geht eigentlich um einen genuin sozialen Konflikt. Yahya Abdul-Mateen II spielt einen der beiden Banditen, der die Federal Bank nur überfällt, um seiner Frau die teure und dringend notwendige Operation finanzieren zu können. Während sein diabolischer Bruder, gespielt von Jake Gyllenhaal, einfach bloß davon träumt, sich mit viel Geld in den Süden abzusetzen. Bald zeigt sich, dieser Film ist hochpolitisch, denn einmal mehr stellt Bay unverfroren seine libertäre Ideologie in den Mittelpunkt. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der neuen Filmanalyse.
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| Ep. 39: Die 10 besten Anti-Kriegsfilme | 20 Mar 2022 | 00:20:35 | |
Nicht nur haben wir einen Krieg vor der Haustür, auch in aktuellen Diskussionen ist eine besorgniserregende Kriegslüsternheit zu erleben. Der Krieg wird mitunter im Gaming-Modus verfolgt, mehr noch: längst überwunden geglaubte Heldennarrative feiern eine Renaissance. Interessanterweise sind es zunehmend auch Linksliberale und junge Menschen, die mit dem Feuer spielen, als hätten sie aus der Geschichte nichts gelernt. Die Filmgeschichte hat die Schrecken des Krieges auf eindrückliche Weise archiviert, es ist höchste Zeit, sich mit diesen Werken neu zu beschäftigen. Hier eine persönliche Auswahl mit den besten Anti-Kriegsfilmen von Wolfgang M. Schmitt in der neuen Filmanalyse.
Literatur:
Rainer Maria Rilke: Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke. Insel Verlag.
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| Ep. 38: Krieg, Männlichkeit und JACKASS FOREVER | 13 Mar 2022 | 00:17:13 | |
Johnny Knoxville, Steve-O, Chris Pontius und Co. sind auf die große Leinwand zurückgekehrt: „Jackass Forever“ ist eine große Reunion der alten Garde, ihnen zur Seite stehen einige neue, aber nicht weiter interessante Crew-Mitglieder, wenngleich sonst noch alles so wie damals zu sein scheint. Alte Stunts werden re-inszeniert und nicht selten radikalisiert, noch immer scheint keiner der Jungs erwachsen geworden zu sein. Es war und ist geschmacklos und blöde, doch die gegenwärtigen Ereignisse lassen uns das „Jackass“-Phänomen mit einer anderen Brille betrachten. Plötzlich gibt es wieder eine regelrechte Sehnsucht nach Aufrüstung und Stärke – sogar Linksliberale leben gerade ihren Bellizismus aus. „Jackass Forever“ hat eine zähmende Kraft: Klar, die Stunts, Pranks und Challenges sind oft brutal und hart an der Grenze, aber sie sind keineswegs Ausdruck dessen, was im Feuilleton gern als „toxische Männlichkeit“ bezeichnet wird. Im Gegenteil: Knoxville und die Seinen sind Akteure unserer postheroischen Gesellschaft. Und „Jackass Forever“ ist ein geradezu pazifistischer Film. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse.
Literatur:
Herfried Münkler: Kriegssplitter. Die Evolution der Gewalt im 20. und 21. Jahrhundert. Rowohlt.
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| Ep. 161: Woran BECOMING KARL LAGERFELD scheitert – Kritik & Analyse | 09 Jun 2024 | 00:21:35 | |
Disney+ zeigt eine Serie über Deutschlands bekanntesten Modeschöpfer: „Becoming Karl Lagerfeld“ konzentriert sich auf die 1970er-Jahre, in denen Lagerfeld zwar schon Damenmode für Chloé und Fendi entwarf, aber das Reich der Pariser Haute Couture für ihn verschlossen blieb. Dort regieren Yves Saint Laurent und sein Gönner und Lebensgefährte Pierre Bergé. Ehrgeizig und schonungslos mit sich und anderen arbeitet Lagerfeld an seinem Aufstieg. Währenddessen lernt er auch die Liebe seines Lebens kennen: den adligen Lebemann Jacques de Bascher, der sich schrittweise selbst zerstören wird. Die Liebe wird nicht körperlich werden, das jazzt die Serie zu einem übergroßen Problem hoch. Außerdem wird in „Becoming Karl Lagerfeld“ ständig eine Lieschen-Müller-Perspektive eingenommen, die keinerlei Charme versprüht, sondern uns einen sauertöpfisch dreinblickenden Mann zeigt, der zudem von Daniel Brühl, der keinerlei Ähnlichkeit mit Lagerfeld hat, so gespielt wird, als würde er auf dem Finanzamt arbeiten. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der neuen Filmanalyse!
Literatur:
Friedrich Nietzsche: Zur Genealogie der Moral. Götzen-Dämmerung. Meiner.
Helmut Plessner: Grenzen der Gemeinschaft. Eine Kritik des sozialen Radikalismus. Suhrkamp
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| Ep. 37: Was Nolan uns sagen will: TENET – Kritik & Analyse | 10 Mar 2022 | 00:22:35 | |
Wir müssen uns Christopher Nolan als einen glücklichen Menschen vorstellen, denn ihm ist etwas ungeheuer Seltenes in Hollywood gelungen: Er hat sich unabhängig gemacht von den Launen und Moden der Kulturindustrie, die in erster Linie das Publikum systematisch unterfordern will. Anspruch gilt heute als Zumutung. „Tenet“ stellt sich dieser bedenklichen Entwicklung in den Weg und setzt auf den denkenden Zuschauer. Schon jetzt lässt sich sagen: Über diesen Film werden wir nicht nur lange reden, und wir werden uns auf ihn in zukünftigen Diskursen beziehen, wenn wir versuchen, die immer näher auf uns zukommenden Konflikte – und uns – zu verstehen. #ChristopherNolan erzählt mit den Mitteln des Agentenfilms – die Bezüge zu James Bond sind unübersehbar – und mit fabelhaften Schauspielern – allen voran: John David Washington, Robert Pattinson und Elizabeth Debicki – eine Geschichte, die keineswegs bloß ein physikalisches Gedankenspiel illustrieren soll, dieser Film handelt vielmehr sehr konkret von uns und vom Klimawandel. Nolan verführt uns dazu, das lineare Denken und Sehen zu verlassen, um Klarheit zu gewinnen und um einen Ausweg zu finden. Dabei knüpft „Tenet“ weniger an #Inception als an #Interstellar an. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Podcast!
Literatur:
Elena Esposito: Die Fiktion der wahrscheinlichen Realität. Suhrkamp.
Jonathan Franzen: Das Ende vom Ende der Welt. Essays. Rowohlt.
Nathaniel Rich: Losing Earth. Rowohlt.
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| Ep. 36: THE BATMAN ist so orientierungslos wie wir – KRITIK & ANALYSE | 06 Mar 2022 | 00:22:43 | |
Es ist ein heikles Unterfangen, nach Christopher Nolan wieder einen neuen Batman zu etablieren. Über die gescheiterten Versuche schweigen wir an dieser Stelle. Nun hat DC Regisseur Matt Reeves verpflichtet, der mit diesem dreistündigen Werk versucht, sich einen eigenen Weg zu bahnen. Dieser Film soll ein Neuanfang sein, schon der Titel ist ein selbstbewusstes Statement: „The Batman“! Robert Pattinson verkörpert diesen düsteren Helden tadellos, auch wenn wir gar nicht so viel von ihm zu sehen bekommen. Denn Bruce Wayne fühlt sich in seiner Haut äußerst unwohl, er muss die Maske aufsetzen, um näher bei sich zu sein. Dieses Schicksal teilt er mit seinem Feind, dem Riddler, der die Gesellschaft demaskieren will. Gotham City ist ein trüber postdemokratischer Ort, die Demokratie ist ein Spektakel, die bürgerliche Gesellschaft ist Schauspielerei. Während Nolans Batman ein Hüter der (neo)liberalen Ordnung war, ist Reeves‘ Batman ein Zauderer. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der neuen Filmanalyse.
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| Ep. 35: Bloß TENET in doof? Nein! THE TOMORROW WAR - Kritik & Analyse | 04 Mar 2022 | 00:22:17 | |
Selbstverständlich fällt es nicht schwer, sich über diesen Film lustig zu machen. Chris McKay hat einen 130-minütigen Science-Fiction-Film konstruiert, der uns in mehr als einer Szene kopfschüttelnd zurücklässt. "The Tomorrow War" erreicht in keinem Moment die ästhetische und philosophische Höhe von Christopher Nolans "Tenet". Nein, "The Tomorrow War" ist Trash, aber gar nicht so schlechter. Denn auch wenn die Aliens hier als ultimative Bedrohung dargestellt werden, ist der Film eigentlich große Klimawandel-Allegorie. Voll auf die Zwölf bekommt es der Zuschauer, das aber macht den Film so interessant. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Podcast!
Literatur:
James Lawrence Powell: 2084: Eine Zeitreise durch den Klimawandel. Quadriga.
Nick Reimer, Toralf Staud: Deutschland 2050: Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird. Kiepenheuer & Witsch.
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