„Denkstoff kompakt“ bietet klare Gedanken zu Psychologie, Arbeit und Organisation im Zeitalter von KI. Jede Folge bringt einen prägnanten Impuls – kurz, verständlich, relevant. Für alle, die Arbeit und Wandel neu denken wollen.
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23. Episode: Wenn Mensch und KI zu hybrider Arbeit verschmelzen
Episode 23
Wednesday, June 17, 2026 • Duration 32:38
In dieser Episode von Denkstoff kompakt spricht Prof. Dr. Clemente Minonne über eine zentrale Entwicklung der digitalen Arbeitswelt: die zunehmende Hybridisierung menschlicher und technischer Arbeitsleistungen durch Künstliche Intelligenz.
Ausgangspunkt ist ein Positionspaper von Rehmer et al. (2025), das KI als neue Leittechnologie beschreibt und mit dem Konzept des „Hybrid Man“ ein neues arbeitspsychologisches Menschenbild skizziert. Im Zentrum steht die Beobachtung, dass KI nicht mehr nur körperliche Tätigkeiten oder einfache Routinen verändert, sondern zunehmend auch kognitive Arbeit durchdringt.
Die Episode zeigt, dass dadurch die Grenzen zwischen menschlicher und technischer Leistung unschärfer werden. Arbeit entsteht immer häufiger in der Interaktion zwischen Mensch und KI. Damit stellen sich neue Fragen nach Verantwortung, Kontrolle, Vertrauen, Erklärbarkeit und Kompetenz. Besonders wichtig wird dabei die sogenannte AI Literacy: die Fähigkeit, KI-bezogenes Wissen zu finden, zu verstehen, kritisch zu reflektieren und verantwortungsvoll anzuwenden.
Zugleich beleuchtet die Episode die psychologischen Risiken dieser Entwicklung. KI kann Menschen entlasten, aber auch neuen Überwachungsdruck, Anpassungsstress, Existenzängste und psychische Fehlbeanspruchungen erzeugen. Technologische Entlastung bedeutet daher nicht automatisch menschengerechte Arbeit. Entscheidend ist, wie Organisationen die neue Mensch-Technik-Interaktion gestalten.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Konzept des eudaimonischen Wohlbefindens. Es beschreibt Wohlbefinden nicht nur als angenehmen Zustand, sondern als Wachstum, Sinnhaftigkeit, Authentizität und Exzellenz. Die Episode diskutiert, weshalb dieses Konzept ein wichtiges Zielkriterium für die Gestaltung zukünftiger KI-gestützter Arbeit sein könnte.
Sein persönliches Fazit: Die entscheidende Herausforderung der kommenden Jahre besteht nicht allein darin, KI in Organisationen zu integrieren. Viel wichtiger ist die Frage, ob KI so gestaltet wird, dass sie menschliche Urteilskraft, Selbstwirksamkeit, Lernen, Verantwortung und Sinn stärkt. Die Zukunft der Arbeit entscheidet sich deshalb nicht nur an der Leistungsfähigkeit technischer Systeme, sondern daran, ob Organisationen lernen, hybride Arbeit wirklich menschengerecht zu gestalten.
Quelle: Rehmer, S., Muehlan, H., Menzel, M., Juds, M., Fellmann, M., Dhiman, H., & Röcker, C. (2025). Die Hybridisierung von menschlichen und technischen Arbeitsleistungen mit Künstlicher Intelligenz als neuer Leittechnologie: Entwicklungen, Implikationen und Potenziale für menschengerechte Arbeit. Zeitschrift für Arbeitswissenschaft, 79, 525–533. https://doi.org/10.1007/s41449-025-00489-y
22. Episode: Wenn KI Arbeit nicht ersetzt, sondern menschlicher macht
Episode 22
Friday, June 5, 2026 • Duration 21:00
In dieser Episode von Denkstoff kompakt spricht Prof. Dr. Clemente Minonne über eine Perspektive auf generative Künstliche Intelligenz, die in vielen Diskussionen bislang erstaunlich wenig Beachtung findet: die Frage, wie KI nicht nur Produktivität verändert, sondern das menschliche Erleben von Arbeit.
Ausgangspunkt ist eine Studie von De Smet et al. (2024), die auf einer gross angelegten Befragung von über 12'000 Arbeitnehmenden und mehr als 3'000 Führungskräften aus Kanada, Grossbritannien und den USA basiert. Die Untersuchung analysiert, wie Menschen generative KI bereits heute in ihrem Arbeitsalltag nutzen und welche organisationalen, psychologischen und kulturellen Folgen damit verbunden sind.
Die Studie deutet darauf hin, dass die eigentliche Veränderung weniger in der Automatisierung von Arbeit liegt als in einer Verschiebung der Tätigkeiten: weg von Routineaufgaben und hin zu Bewertung, Interpretation, Entscheidungsfindung und kritischer Reflexion.
Im Zentrum steht dabei die Frage, welche menschlichen Fähigkeiten im Zeitalter generativer KI an Bedeutung gewinnen. Die Studie verweist insbesondere auf kritisches Denken, Problemlösefähigkeit, Urteilsvermögen, Kreativität, Lernbereitschaft sowie die Fähigkeit, mit Unsicherheit und Komplexität umzugehen. Gleichzeitig zeigt sich, dass intensiv mit KI arbeitende Menschen besonders häufig Faktoren wie Sinn, Zugehörigkeit, Gesundheit, Entwicklungsmöglichkeiten und unterstützende Führung als wichtige Elemente guter Arbeit nennen. Zudem wird diskutiert, weshalb die erfolgreiche Einführung von KI nicht primär ein Technologieprojekt ist, sondern immer auch ein Kultur- und Führungsprojekt. Organisationen profitieren besonders dann von generativer KI, wenn Mitarbeitende psychologische Sicherheit erleben, Unterstützung erhalten und neue Technologien in einem Umfeld erproben können, das Lernen und Experimentieren fördert.
Sein persönliches Fazit: Die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre besteht möglicherweise nicht darin, wie viel künstliche Intelligenz in Organisationen integriert werden kann, sondern wie der dadurch entstehende Freiraum genutzt wird. Wenn KI Routinetätigkeiten reduziert, entsteht die Chance, menschliche Arbeit stärker auf Reflexion, Zusammenarbeit, Kreativität, Verantwortung und Lernen auszurichten. Die Zukunft der Arbeit könnte dadurch paradoxerweise nicht technischer, sondern menschlicher werden.
Quelle: De Smet, A., Durth, S., Hancock, B., Mugayar-Baldocchi, M., & Reich, A. (2024). The Human Side of Generative AI: Creating a Path to Productivity. McKinsey & Company. Verfügbar unter: https://www.mckinsey.com/capabilities/people-and-organizational-performance/our-insights/the-human-side-of-generative-ai-creating-a-path-to-productivity
21. Episode: Wenn KI nicht entlastet, sondern neue psychische Belastungen erzeugt
Episode 21
Friday, May 29, 2026 • Duration 20:43
In dieser Episode von Denkstoff kompakt spricht Prof. Dr. Clemente Minonne über eine psychologische Dimension technologischer Transformation, die in vielen Diskussionen rund um Industrie 5.0 bislang erstaunlich wenig sichtbar ist: die mentale Belastung in der Zusammenarbeit zwischen Menschen und kollaborativen physischen Robotern; sogenannten Cobots.
Ausgangspunkt ist eine aktuelle systematische Review-Studie von Bassi et al. (2025), welche 46 Untersuchungen zur Human-Cobot Kollaboration analysiert. Die Studie zeigt, dass Cobots zwar körperliche Belastungen reduzieren können, gleichzeitig jedoch neue psychologische Anforderungen entstehen: erhöhte Aufmerksamkeit, permanente Überwachung, mentale Dauerkoordination, Unsicherheit sowie subtiler Stress durch Geschwindigkeit, Nähe und Vorhersagbarkeit intelligenter Systeme.
Im Zentrum steht dabei die Frage, wie sich industrielle Arbeit psychologisch verändert, wenn Menschen nicht mehr neben klassischen Maschinen, sondern gemeinsam mit intelligenten, adaptiven Robotersystemen arbeiten. Die Episode beleuchtet, weshalb Belastung nicht einfach verschwindet, sondern zunehmend von körperlicher auf kognitive und emotionale Ebenen wandert.
Zudem wird diskutiert, weshalb „Human Centricity“ in Industry 5.0 deutlich anspruchsvoller ist, als es viele strategische Zukunftsbilder suggerieren. Nicht technologische Leistungsfähigkeit allein entscheidet über gute Arbeit, sondern die arbeits- und organisationspsychologische Gestaltung dieser neuen Mensch-Maschine-Kooperationen.
Sein persönliches Fazit: Die eigentliche Herausforderung intelligenter Arbeitswelten liegt nicht primär darin, wie leistungsfähig Maschinen werden, sondern darin, ob Organisationen lernen, die psychologischen Folgen dieser Technologien ernst zu nehmen. Die Zukunft der Arbeit entscheidet sich deshalb nicht nur an technologischer Innovation, sondern an der Fähigkeit, menschliche Aufmerksamkeit, Vertrauen, mentale Belastung und Wohlbefinden nachhaltig gestaltbar zu halten.
Quelle: Bassi, G., Orso, V., Salcuni, S., & Gamberini, L. (2025). Understanding workers’ well-being and cognitive load in human-cobot collaboration: Systematic review. Journal of Medical Internet Research, 27, e75658. https://doi.org/10.2196/75658
20. Episode: Wenn KI nicht einfach Arbeit ersetzt, sondern Wissensarbeit neu organisiert
Episode 20
Saturday, May 23, 2026 • Duration 21:09
In dieser Episode von Denkstoff kompakt spricht Prof. Dr. Clemente Minonne über den „Anthropic Economic Index“ und die Frage, wie generative KI bereits heute konkret in Arbeitsprozessen genutzt wird. Grundlage ist eine gross angelegte Analyse realer Interaktionen mit dem Sprachmodell "Claude". Die Studie zeigt, dass KI derzeit vor allem für sprachliche, analytische und wissensbasierte Tätigkeiten eingesetzt wird, insbesondere in Bereichen wie Softwareentwicklung, Kommunikation, Forschung, Datenanalyse oder Bildung. Auffällig ist, dass die häufigste Form der Nutzung nicht vollständige Automatisierung, sondern die Zusammenarbeit (Augmentation) zwischen Mensch und KI ist. Die Episode diskutiert, weshalb dadurch weniger "ganze Berufe" verschwinden als vielmehr "kognitive Teilaufgaben" neu verteilt werden, und warum sich dadurch auch Kompetenzanforderungen, Lernprozesse und organisationale Dynamiken verändern.
Sein persönliches Fazit: Die eigentliche Veränderung durch generative KI liegt möglicherweise weniger im Ersatz menschlicher Arbeit als in der tiefgreifenden Neuorganisation kognitiver Wissensarbeit.
Quelle: Handa et al. (2025). Which economic tasks are performed with AI? Evidence from millions of Claude conversations. Anthropic Economic Index. Anthropic. https://arxiv.org/abs/2503.04761 und https://www.anthropic.com/economic-index
19. Episode: Wenn KI erstmals sichtbare Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlässt
Episode 19
Monday, May 11, 2026 • Duration 25:58
In dieser Episode von Denkstoff kompakt spricht Prof. Dr. Clemente Minonne über eine neue Studie des KOF-Instituts der ETH Zürich zur Frage, ob generative KI bereits sichtbare Auswirkungen auf den Schweizer Arbeitsmarkt hat. Grundlage ist der Studienbericht „KI und der Schweizer Arbeitsmarkt: Erste Evidenz zu Auswirkungen auf Arbeitslosigkeit und Stellenausschreibungen“. Die Studie analysiert reale Daten von Arbeitssuchenden des SECO sowie umfassende Stelleninseratsdaten und zeigt, dass sich stark KI-exponierte Berufe seit der Einführung grosser Sprachmodelle Ende 2022 deutlich schlechter entwickelt haben als wenig exponierte Berufe. Besonders betroffen sind wissensintensive Tätigkeiten wie Softwareentwicklung, Programmierung, Marketing oder journalistische Arbeit.
Die Episode diskutiert, weshalb generative KI sich grundlegend von früheren Automatisierungswellen unterscheidet, warum jüngere Arbeitnehmende stärker betroffen sein könnten und weshalb die Geschwindigkeit technologischer Diffusion zu einer neuen Dynamik von Arbeit führt.
Sein persönliches Fazit: Die entscheidende Veränderung durch KI liegt nicht primär im Verschwinden von Arbeit, sondern in der zunehmenden Instabilität jener Wissensarbeit, die lange als besonders sicher galt.
Quelle:
Kläui, J., & Siegenthaler, M. (2025). KI und der Schweizer Arbeitsmarkt: Erste Evidenz zu Auswirkungen auf Arbeitslosigkeit und Stellenausschreibungen (KOF Studien Nr. 186). ETH Zürich, KOF Konjunkturforschungsstelle. https://doi.org/10.3929/ethz-c-000785283
18. Episode: Wenn KI Jobs erhält und sich die Anforderungen trotzdem verändern
Episode 18
Friday, May 1, 2026 • Duration 16:19
In dieser Episode von Denkstoff kompakt spricht Prof. Dr. Clemente Minonne über die Frage, wie künstliche Intelligenz Arbeit verändert – nicht primär durch den Wegfall von Jobs, sondern durch eine zunehmende Dynamik innerhalb bestehender Rollen. Grundlage ist der „2025 Global AI Jobs Barometer“ von PwC, insbesondere die Schweiz-Analyse. Der Bericht zeigt, dass sich Anforderungen in KI-exponierten Jobs deutlich schneller verändern als in anderen Tätigkeiten, während die Gesamtzahl der Jobs stabil bleibt. Gleichzeitig sinken Anforderungen an formale Abschlüsse, während die Komplexität innerhalb der Jobs steigt. Die Episode argumentiert, dass die zentrale Herausforderung der Zukunft weniger im Verlust von Arbeitsplätzen liegt, sondern in der Fähigkeit, mit kontinuierlichen Veränderungen Schritt zu halten.
Sein persönliches Fazit: Die eigentliche Herausforderung der KI liegt nicht in der Reduktion von Arbeit, sondern in der Geschwindigkeit ihrer Transformation, und damit in der Frage, wie gut Menschen und Organisationen sich kontinuierlich weiterentwickeln können.
Quelle:
PwC. (2025). Global AI Jobs Barometer 2025: AI is reshaping jobs – Switzerland insights. PricewaterhouseCoopers.
17. Episode: Wenn KI Arbeit verschiebt und warum der Übergang entscheidend ist
Episode 17
Friday, April 24, 2026 • Duration 22:29
In dieser Episode von Denkstoff kompakt spricht Prof. Dr. Clemente Minonne über die Frage, wie KI und Automatisierung die Arbeitswelt in Europa bis 2030 verändern könnten. Grundlage ist der Studienbericht des McKinsey Global Institute „Eine neue Zukunft der Arbeit - Der Wettlauf um die Einführung von KI in Europa - welche Fähigkeiten jetzt gefragt sind“. Im Zentrum der Episode steht die Beobachtung, dass es nicht nur um Automatisierung einzelner Tätigkeiten geht, sondern vor allem um beschleunigte Berufswechsel, neue Fähigkeitsanforderungen und die gesellschaftliche Herausforderung, Übergänge aktiv zu gestalten. Der Studienbericht zeigt, dass in Europa bis 2030 insbesondere MINT- und Gesundheitsberufe wachsen könnten, während Büro- und Verwaltungstätigkeiten sowie Teile des Kundendienstes und Vertriebs unter Druck geraten. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach technologischen sowie sozialen und emotionalen Fähigkeiten, während gerade diese Kompetenzen bereits heute vielerorts knapp sind. Die Episode diskutiert, warum die Zukunft der Arbeit deshalb nicht nur ein Technologie-, sondern vor allem auch ein Qualifizierungs-, Führungs- und Verteilungsthema ist.
Sein persönliches Fazit: Die entscheidende Herausforderung der KI-Zukunft liegt nicht primär in der Automatisierung selbst, sondern in der Fähigkeit von Unternehmen, Bildungssystemen und Politik, berufliche Übergänge so zu gestalten, dass Produktivität steigt, ohne dass zu viele Menschen den Anschluss verlieren.
Quelle:
Chui, M., Durth, S., Hazan, E., Huyghues-Despointes, R., Madgavkar, A., Maor, D., Dandona, G. S., & Smit, S. (2024). Eine neue Zukunft der Arbeit: Der Wettlauf um die Einführung von KI in Europa – welche Fähigkeiten jetzt gefragt sind. McKinsey Global Institute.
16. Episode: Wenn KI Teams verändert und Zusammenarbeit neu gestaltet
Episode 16
Friday, April 17, 2026 • Duration 14:28
In dieser Episode von Denkstoff kompakt spricht Prof. Dr. Clemente Minonne über die Frage, wie Teams gestaltet sein müssen, damit Zusammenarbeit mit künstlicher Intelligenz überhaupt funktionieren kann. Auf Basis einer aktuellen Studie wird gezeigt, dass nicht nur Kompetenzen, sondern insbesondere arbeits- und organisationspsychologische Faktoren wie Technologieakzeptanz, Selbstwirksamkeit und Vertrauen entscheidend für erfolgreiche Mensch-KI-Kollaboration sind. Die Episode verdeutlicht, dass KI nicht einfach in bestehende Teams integriert werden kann, sondern neue Anforderungen an Teamzusammensetzung und organisationale Gestaltung stellt. Im Zentrum steht die Erkenntnis, dass Zusammenarbeit mit KI immer auch mit Unsicherheit verbunden ist; insbesondere durch plausible, aber potenziell fehlerhafte Ergebnisse. Organisationen müssen daher lernen, nicht nur Technologie zu implementieren, sondern auch Vertrauen, Reflexion und Urteilsfähigkeit systematisch zu entwickeln.
Sein persönliches Fazit: Erfolgreiche KI-Nutzung ist weniger eine Frage der Technologie als eine Frage der Menschen und ihrer Haltung. Entscheidend ist nicht, wie leistungsfähig ein KI-System ist, sondern ob sich Teams gut ergänzen, um dessen Ergebnisse kritisch einzuordnen und verantwortungsvoll zu nutzen.
Quelle:
La Torre, D., Colapinto, C., Durosini, I., & Triberti, S. (2023). Team Formation for Human–Artificial Intelligence Collaboration in the Workplace: A Goal Programming Model to Foster Organizational Change. IEEE Transactions on Engineering Management. https://doi.org/10.1109/TEM.2021.3077195
15. Episode: Wenn KI Wissen demokratisiert und Organisationsstruktur sich neu formiert
Episode 15
Friday, April 10, 2026 • Duration 28:20
In dieser Episode von Denkstoff kompakt spricht Prof. Dr. Clemente Minonne über die Frage, wie KI die Organisationsstruktur verändert. Auf Basis einer aktuellen Studie wird gezeigt, dass KI nicht einfach zu flacheren Hierarchien führt, sondern die Logik organisationaler Wissensverteilung verschiebt. Im Zentrum steht die Beobachtung, dass KI Mitarbeitenden erlaubt, Aufgaben jenseits ihres bisherigen Wissensniveaus zu bearbeiten, gleichzeitig aber neue Unsicherheit erzeugt, insbesondere durch plausible, aber falsche Ergebnisse. Die Episode arbeitet heraus, dass Hierarchie aus dieser Perspektive nicht nur mit Macht, sondern mit der Verteilung von Wissen zusammenhängt. Wenn KI Wissen scheinbar verfügbar macht, verändert sich damit auch die Funktion von Management. Führungskräfte werden nicht automatisch weniger wichtig, sondern übernehmen unter Umständen neue Rollen als Einordner, Validierer und Verantwortungsinstanzen. Zugleich zeigt die Studie, dass KI je nach Zuverlässigkeit, Fähigkeitsgewinn und Produktivität sehr unterschiedliche Strukturfolgen haben kann: von Deskilling über verstärkten Kontrollbedarf bis hin zu neuen Formen von Upskilling und flacheren Expertenstrukturen. Dabei wird deutlich, dass KI nicht nur Prozesse beschleunigt, sondern auch die Anforderungen an Urteilskraft, Vertrauen und organisationale Einbettung erhöht.
Sein persönliches Fazit: KI verändert nicht nur, wie Arbeit erledigt wird, sondern wie Wissen, Verantwortung und Bedeutung in Organisationen verteilt sind. Erfolgreiche KI-Integration ist deshalb nicht primär eine technische Frage, sondern eine Frage organisationaler Gestaltung.
Quelle:
Xu, F., Hou, J., Chen, W., & Xie, K. (2025). Generative AI and Organizational Structure in the Knowledge Economy. arXiv.
https://doi.org/10.48550/arXiv.2506.00532
14. Episode: Wenn KI Arbeit verändert und Akzeptanz nicht selbstverständlich ist
Episode 14
Friday, April 3, 2026 • Duration 14:20
In dieser Episode von Denkstoff kompakt spricht Prof. Dr. Clemente Minonne über die Einführung von KI-Systemen aus einer arbeits- und organisationspsychologischen Perspektive. Auf Basis des Artikels von Berretta et al. (2026) wird gezeigt, dass KI-Implementierung nicht als rein technisches Projekt verstanden werden kann, sondern als komplexer organisationaler Veränderungsprozess. Der Beitrag stellt den Ansatz „Job Change Acceptance Toolbox (JOCAT)“ vor, der klassische Change-Management-Faktoren mit KI-spezifischen Herausforderungen wie Intransparenz, Unsicherheit und Vertrauensaufbau verbindet. Zentrale Erkenntnis ist, dass Akzeptanz von KI nicht automatisch entsteht, sondern aktiv gestaltet werden muss; insbesondere durch Kommunikation, Partizipation und Führung.
Sein persönliches Fazit: KI verändert nicht nur die Tool-Landschaft und Geschäftsprozesse, sondern insbesondere die psychologische Struktur von Arbeit. Erfolgreiche Implementierung bedeutet daher, nicht nur Technologie einzuführen, sondern psychologische Bedeutungen aktiv zu gestalten.
Quelle:
Berretta, S., Nolte, P., Kopka, S., & Kluge, A. (2026). Job Change Acceptance Toolbox (JOCAT): Ein Change-Management-Ansatz für die ethische und nachhaltige Implementierung von KI-Systemen. Industry 4.0 Science. https://doi.org/10.30844/I4SD.26.1.80
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