Zwei Patienten, beide 28 Jahre alt, kommen mit Arthritis, Hautausschlag und MΓΌdigkeit. Bei der jungen Frau hat man sofort ein Bild vor Augen β beim jungen Mann gerΓ€t das Denken ins Stocken. Woran liegt das?
In dieser Folge der Denkfabrik Medizin sprechen Ingo und Andreas darΓΌber, wie stark Geschlecht und Alter die PrΓ€testwahrscheinlichkeit einer Erkrankung verschieben β und warum es sich lohnt, die Geschlechtsverteilung von Anfang an mitzudenken. Aus einer frΓΌher einmal flapsig hingeworfenen Bemerkung (βdas ist eine MΓ€nner-β bzw. βeine Frauenkrankheitβ) wird ein ernst gemeintes diagnostisches Werkzeug.
Als roten Faden nutzen die beiden zwei Konzepte, die sich durch die ganze Folge ziehen: das Illness-Script β die persΓΆnliche βKarteikarteβ zu jeder Erkrankung in unserer inneren Bibliothek β und das Base-Rate-Denken, also die Frage, wie hΓ€ufig eine Erkrankung in genau dieser Patientengruppe ΓΌberhaupt ist.
Am Ende bleibt eine einfache Botschaft:
Die Base-Rate denkt immer mit. Wer Geschlecht und Alter von Anfang an einbezieht, kommt zu einer fokussierteren, begrΓΌndeten Differentialdiagnose β und lΓ€uft seltener in die Irre. Als grobe Faustregel: Ab etwa 3:1 lohnt sich der bewusste Blick auf die Geschlechtsverteilung, ab 10:1 betrifft eine Erkrankung fast nur ein Geschlecht.
Jetzt reinhΓΆren und mitdenken.
Wie in der Folge angekΓΌndigt, findet ihr hier zusΓ€tzlich eine Γbersicht (PDF) mit Erkrankungen, die eine deutliche Frauen- bzw. MΓ€nnerprΓ€dominanz zeigen: https://tinyurl.com/33e3v7w9
Wir freuen uns ΓΌber Feedback und Kommentare unter kommentare@denkfabrikmedizin.de
Links und Tipps:
Rolf Dobelli β βDie Kunst des klaren Denkens: 52 Denkfehler, die Sie besser anderen ΓΌberlassenβ
Hanser 2011 β ISBN 978-3-446-42682-5 (Base-Rate-Neglect, das Beispiel βMarkusβ)
Danielle Ofri β βWhat Patients Say, What Doctors Hearβ
Beacon Press 2017 β ISBN 978-0-8070-6263-0 (ZuhΓΆren und die durchschnittliche
Unterbrechung nach ~18 Sekunden)
Jerome Groopman β βHow Doctors Thinkβ
Houghton Mifflin 2007 β ISBN 978-0-618-61003-7 (der Fall bei Dr. Falchuk β das weiΓe Blatt
Papier)