Explore every episode of the podcast BEHIND THE BEAT Producer Podcast
| Title | Pub. Date | Duration | |
|---|---|---|---|
| Episode #62 mit Mads Kinnerup | 30 Jul 2026 | 00:48:06 | |
Diese Folge widmet sich Mads Kinnerup, der unsere Art Musik zu machen umdenken und die Potentiale von KI allen Kreativen zur Verfügung stellen möchte. Für Mads Kinnerup ist Musikmachen stets ein Experiment, ein Portal in die Zukunft. So verbrachte er stundenlange Sessions in den Stockholmer Elektron Studios mit klassischen Buchla-Systemen um seine persönliche Vision eines neuen Kreativansatzes zu realisieren. Auf diesem Ansatz beruhen seine Synthesizer-Alben „Interpolation” und „Invented Mythology”, die mit reduzierten Mitteln epische Klangwelten aufstoßen. Das nächste Werk wird sich mit dem Thema KI auseinandersetzen – und damit politisch werden. Dass die Arbeit an dieser Veröffentlichung ganz unmittelbar mit seiner Anstellung als Assistenz-Professor am Kopenhagener Rhyhmic Music Conservatory verzahnt ist, beweist, dass Forschung und Kreativität bei Kinnerup nicht voneinander getrennt werden können. Am RMC entwickelt der dänische Produzent eine Software namens „Rave”, welche die selben Konzepte, die er in Stockholm mühsam händisch an Modularsystemen umsetzen musste, auf eine intuitive Weise erfahr- und spielbar machen soll. Das Ziel dahinter: Musik nicht mehr in einzelnen Spuren zu denken, sondern in Klangblöcken, die in ihrer Gesamtheit transformiert werden. Die Bedienung von Rave soll einfach und minimalistisch ausfallen, das Interface so direkt wie ein traditionelles Keyboard bedienbar sein. Doch verbergen sich dahinter Prozesse, deren Komplexität sonst nur von „intelligenten” Modellen beherrschbar wären und die sogar nach vielen Durchführungen eine gewisse Unvorhersehbarkeit behalten. Während Kinnerup die Potentiale von KI nicht leugnen mag, ahnt er eine dunkle Zukunft voraus, in der große Konzerne einen unaufholbaren technischen Vorsprung erreichen. Um den Anschluss nicht zu verlieren, müssen sich Musiker auf das besinnen, was sie noch immer besser können als die Maschinen: Einen direkten Kontakt zum Publikum aufbauen, sich in einem inspirierten Moment so unmittelbar wie möglich ausdrücken – und Experimente in erfahrbare Emotionen umzuwandeln. | |||
| Episode #61 mit Mathieu Jaton vom Montreux Jazz Festival | 06 Jul 2026 | 00:43:55 | |
Diese Folge widmet sich Mathieu Jaton vom Montreux Jazz Festival, der die ebenso harte wie aufregende Realität des modernen Festivalbetriebs aufdeckt. Nomen est Omen? In diesem Fall keineswegs! Schon nach den ersten Ausgaben wollte Gründer Claude Nobs den “Jazz” aus dem Titel seines Festivals streichen. Doch hatten sich alle zu sehr an den elegant von der Zunge gehenden Namen gewöhnt. Und so musste Nobs immer wieder erklären, dass Jazz für ihn ein Anspruch auf Vielfalt und Dynamik sei – keine starre Stilrichtung, deren ständige Weiterentwicklung Puristen am liebsten in den 60ern beendet hätten. Nobs war ein genialer Kommunikator, der die Auftritte auf der Bühne als MC selbst ankündigte, unzählige Ikonen mit dem Versprechen der Unsterblichkeit nach Montreux lockte und zum selbstgekochten Abendessen bei ihm zu Hause einlud. So wurde ein Event, das aufgrund der zwar idyllischen, aber logistisch ungünstigen Seelage des Austragungsortes, von Anfang an auf eine verhältnismäßig kleine Besucherzahl beschränkt war, zum vielleicht größten kleinen Festival der Welt. Die Marke indes wurde über hunderte Live-Alben im Katalog der besten Musiker des 20. Jahrhunderts global verankert und verbreitet – Viralität im embryonalen Stadium. Freilich kann sich kein Festival auf den Lorberen der Geschichte ausruhen und auch Montreux hat sich, vorbereitet durch Nobs bereits zu Lebenszeiten und dann beschleunigt und mit größerer Intensität nach seinem Tod 2013, immer wieder neu erfinden müssen. Dazu gehört eine breitere musikalische Palette, die inzwischen auch viel Elektronik einschließt, und eine smarte Social-Media-Strategie, die dafür sorgt, dass inzwischen nahezu 365 Tage im Jahr Montreux gefeiert wird. In den USA und China finden zudem Ableger statt, die den ursprünglichen Pioniergeist wieder aufleben lassen und in regem Austausch mit dem Original stehen. In unserem Interview mit dem MJF-Leiter Mathieu Jaton wird deutlich, dass sogar renommierte Festivals Alleinstellungsmerkmale brauchen sowie innovative Ideen, mit KünstlerInnnen zu kollaborieren. Der Name allein reicht nicht – das allerdings war gerade in Montreux schon immer klar. | |||
| Episode #60 mit Mareile Heineke von Qobuz | 01 Jun 2026 | 00:46:19 | |
Diese Folge widmet sich Mareile Heineke von Qobuz, mit der wir mehr Klarheit und Transparenz über die Themen KI, Katalog, Kreativität und Kuration/Playlisting im Streaming-Bereich schaffen. Im Streaming dreht sich alles um Zahlen. Eine davon fiel 2025 besonders auf: 147. Dabei handelt es sich um den prozentualen Zuwachs an NutzerInnen, die der französische Dienst Qobuz in Deutschland verzeichnen konnte. Das Wachstum hierzulande ist kein lokales Phänomen. Auch in den USA darf sich Qobuz über eine wachsende Beliebtheit erfreuen, erhielt Empfehlungen von führenden Influencern und knackte im iOS-Appstore die Top-5. Das kommt zwar noch keiner Revolution gleich – ist aber ein klarer Beleg dafür, dass das Unternehmen viele Dinge richtig macht. Auf dem Papier gleichen sich die Streamer immer mehr an. Wie Mareile Heineke von Qobuz betont, sind die Kataloge inzwischen nahezu deckungsgleich,was immerhin den Vorteil hat, dass man sich nicht sorgen muss, beim Wechsel den Zugang zu den eigenen Favoriten zu verlieren. Andererseits hat auch die Konkurrenz endlich den Wert hochauflösender Musik erkannt, obwohl Qobuz ihr auf diesem Gebiet weiterhin mit einigen technischen Innovationen weiterhin voraus bleibt. Was bewegt also so viele, den Marktführern den Rücken zu kehren? Für Heineke steht fest: Es ist die Community, die sich hier wieder einstellt. Sie selbst hört noch immer gerne Radio und schätzt die Vorstellung, etwas gleichzeitig mit anderen zu teilen. Qobuz ist in gewisser Weise der Versuch, dieses gemeinschaftliche Gefühl in die digitale Welt zu übertragen: Playlists werden von Musikbegeisterten auf der ganzen Welt zusammengestellt, ein hauseigenes Magazin bietet Artikel, Interviews und Empfehlungen und mit Produkt-Tests und Hifi-Features werden auch Audiophile miteingebunden. Es ist eine vorgelebte Alternative zu einer Welt KI-generierter Tracks, die von anonymen Botfarmen gestreamt werden. Mit einigen Initiativen hat Qobuz einen Weg eingeschlagen, der für mehr Transparenz sorgen soll. In diesem Sinne hat Mareile mit uns ein wenig den Schleier darüber gelüftet, wie bei Qobuz der Weg in die Playlists verläuft und warum mehr Menschlichkeit im Streaming ein Plus für alle darstellt. | |||
| Episode #59 mit Kevin von HOFA | 05 May 2026 | 01:16:10 | |
Diese Folge widmet sich Kevin Kleinschmidt von HOFA, der erklärt, wie man mit der richtigen Raumakustik auch mit einem schmalen Budget mehr aus der eigenen Musik holt. “Raumakustik” klingt zunächst einmal deutlich weniger sexy als “Gear-Porn” oder “Produktion”. Dabei lässt sich das Potential dieser Bereiche nur sehr rudimentär ausschöpfen, ohne die Raumakustik des eigenen Studios zu berücksichtigen. Wer sich also fragt, warum der eigene Mix zu Hause satt und druckvoll klingt, im Auto oder Club aber dünn und schwach, sollte sich mit dem Thema unbedingt tiefer befassen. Der Aufstieg von HOFA zu einem der führenden Anbieter von Raumakustik beginnt im wahrsten Sinne des Wortes im “underground”. Eine Führung durch das Salzbergwerk Bad Friedrichshall fasziniert den Audio-Engineer Jochen Sachse - alles hier scheint der gängigen Lehrmeinung zu widersprechen: “Die schiere Größe des Bauwerks mit seinen harten, parallelen Steinwänden sowie die augenscheinlich fehlenden Akustikmaßnahmen standen im krassen Widerspruch zur wahrgenommenen Akustik. Mein Klatschen, Schnipsen, Rufen und Pfeifen löste einen angenehm balancierten, faszinierenden Nachhall aus – das hätte ich in so einem Objekt nie vermutet.” Bergwerke haben eine “chaotische” Akustik – vielleicht, so Sachse, sollten Studios das auch haben. Doch steckt in dem Chaos natürlich eine Methode. Und genau entlang dieser entscheidenden Grenze verlaufen die Lösungen von HOFA, in denen innovative Materialien auf die Umsetzung physikalischer Erkenntnisse treffen. Raumakustik ist hier weniger trockene Theorie, sondern die Basis für direkt einsatzfähige Produkte wie Basstraps, Akustikgardinen und Diffusoren. Auch hausinterne Software-Lösungen wie Room EQ Wizard und ein eigener DDP-Player fügen sich nahtlos in die Palette ein. Wie im Gespräch mit Kevin Kleinschmidt, Leiter für Produktentwicklung, Raumakustikmessung und Beratung, klar wird, darf aber auch eines nicht fehlen: Das ständige genaue Hinhören, das keine noch so genauen Messungen, Modelle und Maßnahmen ersetzen kann. Und das ist, in einer Zeit der Entmystifizierung der Kreativität, irgendwie dann doch recht sexy. | |||
| Episode #58 mit Dave Stapleton | 10 Apr 2026 | 00:48:36 | |
Diese Folge widmet sich dem Pianisten, Produzenten und Label-Inhaber Dave Stapleton, der auf seinem neuen Album “Quiet Fire” den Jazz im elektronischen Loop neu erfindet. Der nie um eine großspurige Aussage verlegene Noel Gallagher hat einmal zu Protokoll gegeben, Jazz sei, wenn “vier Musiker gleichzeitig einen anderen Song spielen, in einem anderen Tempo und einer anderen Tonart.” Vielleicht sollte er es einmal mit “Quiet Fire” probieren. Denn das, was Dave Stapleton hier präsentiert, ist zweifelsfrei Jazz – ansonsten aber das genau Gegenteil der humorhaften Horrorversion, die der Oasis-Songwriter zeichnet. Für sein erstes Solo-Album seit 12 Jahren verschloss sich der Waliser in seinem Studio, um dort in langen, fokussierten Sessions eine betont langsame, atmosphärisch schwelende Musik zu erschaffen, in denen die instrumentalen Performances nicht oberflächlich beeindrucken, sondern vielmehr durch ihre unterschwellige Intensität immer tiefer in eine zeitlose Zwischenwelt ziehen. Stapleton nahm sich dafür als Pianist zurück, um sich auf seine Rolle als Produzent zu fokussieren. Das Spannende dabei ist, dass jeder Track hier auf Aufnahmen baut, die Stapleton mit langjährigen Weggefährten im Studio eingespielt hat, darunter beispielsweise dem großartige Schlagzeuger Elliot Bennett sowie Trompetenspieler und Jazz-Erneuerer Nils-Petter Molvaer, dessen aktuelle Live-Veröffentlichung Stapleton gerade auf seinem eigenen Label “Edition” herausgegeben hat. So kann man sehr genau die Rolle beobachten, welche die elektronische Ebene in Komposition und Produktion bei einer Musik spielt, von der immer noch manche meinen, sie müsse live und vor einem Publikum entstehen. Es ist eine, wie ein Song-Titel es auf den Punkt bringt, “Evoluton Music”, die Fragen stellt: “Wo hört Performance auf und fängt Produktion an?” “Welches Verhältnis haben Mensch und Maschine?” Und: Warum packt mich diese so subtile Musik so viel mehr als die letzten, längst vergessenen Oasis-LPs? | |||
| Episode #57 mit Monolink & Tobias Siebert | 10 Apr 2026 | 01:16:37 | |
Diese Folge widmet sich der Zusammenarbeit zwischen Monolink und Tobias Siebert für das Album The Beauty Of It All für das sich Steffen Linck von der Welt abschloß, um sich mit Musik und Freundschaft zu heilen. Das Konzept für “The Beauty of it All” kündigte sich auf einer weltweiten Tour an. Monolink war auf großen House-Festivals gebucht, musste sich an Erwartungen orientieren. Mit jedem Auftritt wurde ihm bewusst, wie weit er sich von seinen Wurzeln entfernt hatte, wie wenig die Musik seiner gegenwärtigen Gefühlslage entsprach. Wieder zu Hause angekommen, verordnete er sich nicht nur eine Pause. Er hinterfragte alles. Kann man heute noch Musik machen, die in keine Schubladen passt? Für Steffen stand fest, dass es nur noch so weiterging: “Für mich war das Album ein Befreiungsschlag. Ich wollte nicht darüber nachdenken, was am Ende mit der Musik passiert, sondern nur Musik machen, die mich bewegt in dem Moment.” So entstanden Stücke, die in keine Schablone passen: Pop, der auch House ist, “Tracks” die sich wie “Songs” anfühlen. Für die Sessions fuhr er zu seinem Freund, dem Produzenten Tobias Siebert, der auf dem Land ein neues Studio aufgebaut hatte. Die Abgeschiedenheit war Teil des Charms: “Ich wollte raus aus der Stadt, wollte keine Ablenkung, brauchte eine Entschuldigung, weshalb ich keine Zeit für Soziales habe. Bei Tobi hat man gar nicht die Möglichkeit, irgendwas anderes zu machen außer Musik. Ich hätte mich sonst nicht richtig motiviert bekommen.” Gerade zu Anfang gingen die beiden das Projekt so intuitiv wie möglich an und spielten lange Jams. Die Grundlage waren oft ganz simple Stimmaufnahmen, die Steffen mit dem Handy gemacht hatte – etwas, das er auch in dem aktuellen Springsteen-Film wiedererkannte. Inzwischen liegt bereits die nächste Monolink-Tour hinter ihm, aber der Eindruck ist ein ganz anderer: Dass diese Performances ihm und dem Publikum Energie gespendet haben und nicht lästige Pflicht, sondern das Erfüllen eines tiefen Bedürfnisses waren. So gesehen passt der Titel des Albums: Einfach nur Musik zu machen vor einem dankbaren Publikum – könnte es etwas schöneres geben? | |||
| Episode 56 mit Tuvaband | 08 Feb 2026 | 00:48:36 | |
Diese Podcast-Folge widmet sich Tuvaband, die sich auf ihrem aktuellen Album wie gewohnt der Ästhetik des Pop verweigert – ihm aber mit betörenden Songs und einer neuen Offenheit so nahe kommt wie nie zuvor. Ursprünglich wollte ich mit Tuva Hellum Marschhäuser nur über ihre Stimme sprechen. Die nämlich ist eine von denen, die man nicht so schnell vergisst. Die aus denen von tausenden anderen SängerInnen heraussticht. Die einen schon berühren würde, wenn sie für sich alleine stünde und nicht durch bildhafte Texte und eine tiefe Produktion weiter aufgeladen würde. Dann aber habe ich es mir anders überlegt. Denn in ihrem Projekt Tuvaband dient die Stimme der Norwegerin lediglich als Bindeglied um schwebende Harmonien, ferne Echos und entrückte Synthis in großen Songs miteinander zu verbinden. Man könnte sogar sagen: Bis zu ihrem aktuellen Album „Seven Ways of Floating” wollte Tuva die Aufmerksamkeit gar nicht auf sich, sondern die Untiefen lenken, die sich in den Arrangements auftun – auf gegen den Strich gebürstete Beats und Samples aus unzähligen Sessions, die, teilweise nur wenige Takte kurz, die Musik heimsuchen wie Geister die mit dem Leben noch nicht abgeschlossen haben. Eine Auszeit war für den Perspektivenwechsel verantwortlich. Nach intensiven Jahren, in denen sich die Künstlerin in Solo-Alben und experimentellen Kollaborationen austobte, nahm sich Tuva eine kurze Auszeit, hinterfragte ihre Motivationen und beschloss: Von nun an sollten ihre Musik mehr sein als nur persönliche Sinnsuche und Katharsis – sie sollte sich zur Welt hin öffnen. Die Texte, die auf ihrer vorigen LP noch sehr konkret und spezifisch waren, wurden poetischer, die Akkorde durften öfter in Dur baden – Türen in eine Welt, in die man sich zurückziehen und aus der man Hoffnung, Trost und neue Energie ziehen kann. Die Studioarbeit spiegelte die kreative Ausrichtung. Auch wenn wie immer bei Tuvaband nichts so glatt ist wie ein Charts-Hit und die Oberflächen niemals blankpoliert sind, so bestechen die neuen Songs doch mit einer ungewohnten Direktheit. Ihre Stimme ist immer noch der Mittelpunkt dieser Kompositionen. Doch täte man der Musik unrecht, sie nur auf dieses eine Element herunterzubrechen. | |||
| Episode #55 mit Serdal Aygün (SAE) | 16 Dec 2025 | 01:06:10 | |
Diese Folge widmet sich Serdal Aygün, der an der SAE München die Kurse für “Music Business” sowie “Electronic & Hip Hop Production” leitet – und dabei Theorie und Praxis immer wieder neu miteinander verbindet. Als Tom Misner in Sydney die erste School of Audio Engineering eröffnete, hätte er sich wohl nie erträumt, dass seine Idee schon bald weltweit Fuß fassen würde. Heute gibt es 50 Standorte in 23 Ländern und ist das von ihm angestoßene Konzept oftmals imitiert worden. Misner hat auch nach dem Verkauf der SAE eine spannende persönliche Biographie aufzuweisen – doch wird sein Name wohl für immer mit seiner ersten Idee verbunden bleiben. Heute erstreckt sich das SAE-Angebot von Johannesburg bis Vancouver, von Bogotá bis Jakarta und deckt damit alle Kontinente ab. Es ist ein Netzwerk, von dem Studierende und Alumni bis heute profitieren und über das sie ihr Leben lang in Kontakt bleiben können. Mit Deutschland aber hat die Schule ein besonders enges Verhältnis. 1986 war München der erste nichtenglischsprachige Standort der SAE und inzwischen gibt es Schulen in Berlin, Bochum, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart – es ist das größte nationale Angebot überhaupt. Auch Serdal Aygüns SAE-Werdegang begann in München, wo er heute “Head Instructor für Music Business & Electronic & Hip Hop Music Production” ist und Kurse wie “Hip Hop & RnB Producer” oder “Sound Selling” anbietet, die von der technischen Studioarbeit bis hin zu kreativen Selbstvermarktungsstragien die komplette Bandbreite des Musikgeschäfts abdecken. Doch ist sein Werdegang so international und bunt wie das des Instituts, reicht von einem Praktikum beim Rap-Label Slip & Slide über Produzenten-Jobs bis hin zu seinem neuen, eigenen Projekt MondTag. Diese Vielfalt will auch die SAE seinen Studenten anbieten und sie dazu ermächtigen ihren eigenen Sound zu finden und umzusetzen – in einem Umfeld, in dem man Zugriff auf die angesagteste Technologie und Kontakt zu gleichermaßen leidenschaftlichen Kreativen hat. Man stellt sich eine Uni oft noch immer als ein Gebäude mit Hörsälen und Vorlesungen vor, denkt an Semester gefüllt mit trockener Theorie und pausenlosem Pauken. Nichts könnte der Wahrheit hier ferner sein. | |||
| Episode #54 mit Tom Cosm (Orchid) | 10 Dec 2025 | 00:51:18 | |
Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich Tom Cosm, der zusammen mit Tame Impala den Orchid entwickelt hat – einen unglaublich formschönen Akkordsynth für komplexere, schönere und überraschendere Harmonien. Das Angebot für eine Kollaboration von Kevin Parker kam für Tom Cosm völlig unerwartet. Cosm hatte sich jahrelang vornehmlich mit seinem technologischen Know-How einen Namen gemacht. Parker jedoch schrieb ihn auf Instagram an, um gemeinsam einen innovativen Harmoniegenerator zu entwickeln. Jahre später ist aus der Partnerschaft der beiden mit Telepathic Instruments nun ein kleines Unternehmen hervorgegangen, dessen erstes Produkt die physische Realisierung von Parkers Traum ist. Hinter dem unbestreitbar hocheleganten Design des “Orchid” verbirgt sich eine Kompositionshilfe, mit der sich schnell und denkbar einfach Abfolgen komplexer Akkorde ausprobieren und einspielen lassen. Sogar theoretisch Unbedarfte zaubern damit in kürzester Zeit Musik, die so manchem Jazzmusiker Töne der Verzückung entlock dürfte. Dank der intuitiven Bedienbarkeit und eines genialen Marketingvideos waren die ersten Orchids in kürzester Zeit vergriffen. Jetzt endlich ist das Gerät weltweit verfügbar. Ganz offensichtlich hatten Parker und Cosm bei der Entwicklung ihres Geisteskindes einen hervorragenden Riecher. Der Orchid lädt zum kreativen Spielen ein und kann dank seiner wirklich exzellenten Presets sogar in einem Band- oder Live-Kontext zum Einsatz kommen. Das passt, denn wie Cosm in unserem Gespräch erklärt, stammen alle Sounds und Konzepte direkt aus dem Fundus und der Praxis von Tame Impala und wurden eigenhändisch programmiert. Wirklich smart ist vor allem, dass der Orchid Akkorde dynamisch versteht – als Sequencer-Arpeggios und Gitarrengeschrammel - und damit die Inspirationspalette bedeutend erweitert. Das ist wichtig, denn es sind die richtigen Harmonien, die uns in unserem Unterbewusstsein treffen – dort, wo wir es am wenigsten erwarten. | |||
| Episode #53 mit Emme Moises | 07 Nov 2025 | 00:38:22 | |
Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich Emme Moises, ihrer einzigartig psychedelischen elektronischen Musik und ihrer Liebe für Modular-Synths. Beat / Gibt es technologisch gesehen noch echte Überraschungen? Emme Moises / Wir leben in einer so interessanten Zeit, dass es immer wieder Überraschungen gibt. Ich finde es schwierig, mit all den neuen Tools und experimentellen Technologien Schritt zu halten. Es fühlt sich an, als würde sich die kreative Welt in einen endlosen Pool voller Experimente verwandeln. Und ich möchte alles ausprobieren! Beat / Wie wichtig ist es dir, ganz bestimmte Instrumenten zu nutzen? Emme Moises / Manchmal möchte ich einen bestimmten Sound oder eine bestimmte Komposition und suche dann das passende Werkzeug. Bei meiner Ambient-EP „wewerelost” habe ich viel mit dem Nord-Synthesizer gearbeitet, den meine Freundin Simone zum Jammen ins Studio mitgebracht hat. Nach mehreren Sessions hat dieses Instrument das gesamte Konzept dunkler Einsamkeit inspiriert, das diese EP auszeichnet. Beat / Warum begeistern dich Modular-Synths gerade so sehr? Emme Moises / Es geht darum, mich von bestimmten persönlichen Einschränkungen gegenüber elektronischer Musik zu befreien. Ich habe das Gefühl, dass der Modular mir sagt, was ich tun oder wohin ich gehen soll, und nicht umgekehrt. Ich mag dieses Gefühl, die absolute Kontrolle loszulassen. Ich stecke die Kabel, aber die Module bestimmen den Weg. Beat / Ich glaube, der Moog Subsequent 37 ist dein Lieblingsgerät. Was gefällt dir an diesem Synthesizer? Emme Moises / Ich liebe seine Vielseitigkeit und die Tiefe der Oszillatoren. Außerdem ist der Filterknopf einfach perfekt! Die meisten meiner elektronischen Bass-Sounds habe ich mit diesem Synthesizer aufgenommen. Es macht so viel Spaß, ihn wie in einer live-Situation zu spielen und acidartige Modulationen, helle Leads und Ambient-Texturen zu erzeugen. Der Step-Sequenzer ist ziemlich interessant. Er bietet die Möglichkeit für bis zu 64 Schritte und im Duo-Modus können zwei Tonhöhen gleichzeitig gespielt werden. Direkt, nachdem ich ihn gekauft habe, ist so nur mit ihm eine akkordartige Sci-Fi-Landschaft entstanden. | |||
| Episode #52 mit Anfisa Letyago | 21 Oct 2025 | 00:36:46 | |
Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich Anfisa Letyago, die auf ihren aktuellen Singles erneut ihre kreative Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellt. Anfisa Letyago kommt aus einer Familie von Konditorn und Köchen. Kein Wunder also, dass ihr die Liebe für gutes Essen in die Wiege gelegt wurde. Ist der Espresso, den sie noch immer mit einer kleinen Bialetti mit der Hand zubereitet, eine kurze Ablenkung von der Studioarbeit? Oder füllt das Muzieren nur die freie Zeit zwischen den Kaffees? Bei der in Sibirien geborenen Wahlitalienerin ist das keine leicht zu beantwortende Frage. So bietet ihr vielseitiges Schaffen einen sehr interessanten Blick auf einen ewigen Disput: Kommt Kunst von „können” oder von „müssen”? Letyago begann ihren Weg von Anfang an sowohl als DJ als auch als Produzentin, was ihr einen klaren Blick auf die funktionalen Aspekte einerseits und die transzendentalen Momente der Musikindustrie andererseits verschaffte, auf die feine Grenze, die zwischen Beruf und Berufung verläuft. Dabei waren es zunächst eher ihre DJ-Sets, melodisch-technoid und pendelnd zwischen ritueller Trance und entfesselter Ekstase, in denen sie sich kreativ öffnete, während viele ihrer frühen Veröffentlichungen sich noch einem eher traditionellen Minimal-Techno-Ansatz verschrieben. Zunehmend aber fand Letyago auch als Produzentin zu einer eigenen Sprache. Erste Hinweise auf ihre experimentierfreudige Ader boten vor allem die B-Seiten, Stücke wie „Shot” auf der 2019er „Bright-Lights”-EP zum Beispiel, das mit seinen geheimnisvollen Streicherharmonien über einem eiskalt-monoton stampfenden Beat ein wenig an das hymnische „Go” von Moby erinnert, welches sie bereits – eine große Ehre für sie als Fan – remixen durfte. Mit der „Listen”-EP kam dann der Wendepunkt: Das Tempo ging nach unten, die Strukturen wurden komplexer, der Ton sinnlicher und ganz nebenbei betätigte sich Letyago nun auch als Vokalistin. Dieses ständige Suche nach neuen Ufern definiert ihre Identität als Künstlerin, die stetige Optimierung von Sound und Arrangement mit einem extrem einfachen Set-Up repräsentiert ihren handwerklichen Trieb zu Perfektion. Wohin die Reise aber auch gehen mag – erstmal einen Kaffee. | |||
| Episode #51 mit Adam Beyer | 05 Sep 2025 | 00:42:48 | |
Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich Techno-Legende Adam Beyer, der sich mit “Explorer Vol. 1” mit seinem ersten Album in einem Vierteljahrhundert zurückmeldet. Dass man ihm den Ausverkauf vorwirft, seine neuen Tracks als kommerzielle Massenware beschimpft und den Stil seines Labels Drumcode mit dem unschmeichelhaften Begriff “Yuppie-Techno” versieht – all das ist Adam Beyer längst gewöhnt. Für ihn aber liefern nicht die sozialen Medien die Antwort auf kreative Fragen, sondern immer noch die Clubs. Und die fordern bislang noch immer mehr: mehr von seinen unnachahmlichen DJ-Sets und und dem erkennbaren und sich dennoch beständig wandelnden Sound seiner Artist-Familie. Beyer ist gewiss nicht der einzige Pionier, der sich im Laufe seiner Karriere kreativ hinterfragt und dafür Kritik eingefangen hat. Wahr ist aber auch: Beyer hat aus seiner Liebe für viele verschiedene Spielarten elektronischer Musik niemals einen Hehl gemacht. Aphex Twins war seine Einstiegsdroge, die Sets von Jeff Mills sorgten für den ersten Rausch und auch die melodischen Spielarten von Trance waren niemals ein Tabu für ihn. Der minimalistische, harte, dunkel-bedrohliche Techno, mit dem sein Aufstieg in den Olymp der Szene begann, war in den frühen Jahren stets in eine Landschaft eingebettet, in der all diese Stilrichtungen gleichberechtigt nebeneinander Platz fanden. Schon Beyers, “Ignition Key” aus 2002 wagte sich in Soundscape- und Electronica-Bereiche vor, hatte einen schwebenden, sinnlichen Fluss. Auch für “Explorer” nahm er eine Vielzahl Kompositionen auf, die weit über die eng gesteckten Genre-Grenzen hinausgingen. Wie er in unserem Interview berichtet, existiert sogar ein komplettes Parallel-Album mit eher songorientiertem Material, doch entschied er sich im wortwörtlich letzten Moment gegen eine Veröffentlichung. Trotzdem ist “Explorer” von einer wahren Explosion an Energie gekennzeichnet. Und wie der Zusatz “Vol. 1” bereits andeutet: Diese Reise geht hier nicht zu Ende. Sie hat gerade erst begonnen. | |||
| #50 mit Mara Schwerdtfeger | 05 Aug 2025 | 00:33:19 | |
Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich der Klangkünstlerin Mara Schwerdtfeger und ihrer Arbeit mit dem Serge Modular im Stockholmer EMS Studio: Wie tastet man sich an eines der komplexesten Instrumente aller Zeiten heran? Der Serge Modular ist nicht einfach nur ein Synthesizer. Er ist ein Kunstwerk und ein Kultobjekt, eine Legende und andauernde Inspiration. Inoffizielle Gebrauchsanleitungen wurden über ihn geschrieben, Bücher über ihn verfasst – und trotzdem ist er noch immer, wie Winston Churchil es einmal über Russland sagte, “ein Rätsel, umgeben von einem Mysterium, das in einem Geheimnis steckt.” Dabei wollte Serge Tcherepnin, einfach nur eine preiswert-leistungsfähige Alternative zu den dominanten Buchlas und Moogs bauen. Während letztere hochspezialisiert waren, kamen Serge-Systeme schlank und flexibel daher, womit sie im Grunde genommen die Maxime aller Schlafzimmerproduzenten seit den 80ern vorwegnahmen. Massentauglich wurde der Serge trotzdem nicht. Auch, wenn 80er Jahre FM-Synths nur halb so gut klangen und mit einem Bruchteil an Sound-Design-Optionen auskommen mussten, konnte man mit ihnen schneller und einfacher zu Ergebnisse kommen. Ein Aspekt aber bleibt bis heute faszinierend: Der Gedanke, dass es nicht die individuellen Qualitäten und Funktionen der Module sein sollten, die einen Synthesizer ausmachen, sondern wie diese Module miteinander verknüpft werden. Jeder Quadratzentimeter des Serge bietet nahezu endlose Möglichkeiten, jeder Patch drückt nicht nur eine Sound- und Rhythmuskonstellation aus, sondern ganz unmittelbar die Persönlichkeit des- oder derjenigen, die sie gesteckt hat. Um den Serge Modular zu spielen, war die australische Klangkünstlerin Mara Schwerdtfeger gerne bereit, den weiten Weg nach Stockholm auf sich zu nehmen. Dort steht in den berühmten EMS Studios eine der wenigen Exemplare, welche der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Für sie war das Gerät eine ihrer ersten Modular-Erfahrungen überhaupt und so näherte sie sich ihm wie eine Spielweise an, ohne übertriebene technische Vorbereitungen und aus dem Bauch heraus. Serge Tcherepnin hätte das gewiss gefallen. | |||
| #49 mit An On Bast | 01 Jul 2025 | 00:36:48 | |
Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich der Produzentin und Live-Performerin An On Bast, für die Kontrolle über ihre Kreativität den Kern des Komponierens darstellt – und Modularsysteme die passenden Tools, diese Kontrolle auszuüben. Elektronische Musik ist: Technologie und Transistoren, Chips und Schaltpläne, In-the-Box vs Outboard, Kabel, Klinken, Kompressoren. Aber sie ist auch: Mysteriös und unfassbar, subtile Schwingung und wuchtige Vibrationen, Ekstase, Empathie und emotionale Elektrizität. So spannend der technische Aspekt auch sein mag, so wird letzteres für Anna Suda immer im Fokus stehen. Tools sind immer nur ein Mittel zum Zweck. Sie dienen dazu, Kreativität freizusetzen, sie real, kontrollierbar und erfahrbar zu machen. Ohne den Funken der Inspiration sind sie, letzten Endes, wertlos. Diese Einstellung erklärt, warum An On Bast nach vielen Jahren mit Veröffentlichungen auf kleinen, aber feinen Boutique-Labels 2021 von der DJ-Ikone Carl Cox gesignt wurde. Der nämlich war genau zu diesem Zeitpunkt nach einer langen Phase der Sinnsuche auf die Magie des Live-Jammens gestoßen. So gab es viele Parallelen zwischen dem letzten Cox-Werk „Electronic Generations” und dem zeitnah entstandenen, monumentalen An-On-Bast-Doppelalbum „I Create as I Speak”, auf dem Anna ihre HörerInnen in immerhin 18 Tracks und zwei Stunden Musik auf eine farbenfrohe Achterbahnfahrt durch ihre Vorstellungskraft nahm. Sowohl live als auch im Studio tobt sich die polnische Produzentin voll aus, schleckt von vielen Töpfen, ohne sich jemals endgültig festzulegen. Doch sogar, wenn sie wie auf dem nachgeschobenen Album „Nothing Shapes Everything” in tiefe Ambient-Stimmungen eintaucht und die Module kratzen, knistern und schleifen lässt, wirkt all das niemals beliebig. Was daher rührt, dass Musikmachen bei Anna stets bedeutet: Sich selbst zu erfahren, zu hinterfragen und dabei in Kontakt mit anderen zu kommen. Alleine schon deswegen ist das Spielen fertiger Tracks beim DJing für sie höchstens eine nette Nebenbeschäftigung und niemals kreative Erfüllung. Musik zu machen soll eine Herausforderung bleiben, soll sinnlich sein und sowohl ihr Publikum als auch sie selbst immer wieder neu berühren. Technologie kann vieles – das aber kann sie noch nicht. | |||
| #48 mit Kíkẹ́lọmọ Oludemi | 27 May 2025 | 00:45:52 | |
Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich der Britisch-Nigerianischen DJ, Produzentin und Radio-Aktivistin Kíkẹ́lọmọ Oludemi, die in der Dokumentation „We Become One” den Globus bereist, um der tiefen, universellen Wirkung von Musik auf die Schliche zu kommen. Als Kind wusste Kíkẹ́lọmọ Oludemi lange nicht, was sie werden wollte: Wissenschaftlerin oder Musikerin? In gewisser Weise hat sie sich für beides entschieden. Ihre Arbeit für Technologie-Unternehmen und ihre Karriere als DJ liefen lange parallel, verbanden Tools und Technik mit Imagination und Intuition. Auch auf „We Become One” verbindet sie die beiden Bereiche, macht sie sich auf die Suche nach den offenen und verborgenen Wirkungsweisen von Klang, Rhythmus und Komposition. Die Arbeit an dem einstündigen Film führte sie quer über den Globus, stets auf der Suche nach Antworten auf die brennende Frage: Warum entwickelt Musik eine derart hypnotische Kraft? Auch wenn hier im Detail wenig wahrhaft Neues diskutiert wird, ist der Mix aus Neurologie, Tanztherapie, Club-Psychologie und künstlerischen Perspektiven in der Summe einzigartig und bietet einen Rundumschlag, der sogar Skeptikern mehrere inspirierende Momente bescheren dürfte. Es wäre auch ganz und gar nicht Kíkẹ́lọmọs Stil gewesen, die Botschaft des Films zu verwässern oder den Experten in den Interviews nur die Bälle zuzuspielen. In seinen stärksten Momenten tangiert „We Become One” immer wieder politische Themen, zeigt das medizinische Potential von Bewegungen auf, verdeutlicht, warum Beats unser Bewusstsein erweitern und auflösen und sowohl homogene Communities schmieden als auch Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen zusammenführen können. In diesen Augenblicken zeigt sich Oludemis Erfahrung als Gründerin der in Accra basierten Radiostation Oroko und als Aktivistin. Passenderweise leitet sie nahezu jede Antwort in unserem Interview mit ihr mit den Worten „Das ist jetzt eine umstrittene Aussage” ein. Anders geht es wohl kaum, wenn man in der eigenen Biographie die Konflikte und Synergien zwischen Wissenschaft und Kunst bereits mit sich herumträgt. | |||
| #47 mit Michael Begg | 09 May 2025 | 01:12:16 | |
Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich dem schottischen Komponisten und Produzenten Michael Begg und seiner Reise in die Arktis, wo er Schrecken und Schönheit von Kontinent und Klimawandel klanglich einfing. Auf einer Welt, in der inzwischen nahezu jeder Winkel erforscht und kommerziell ausgeschlachtet ist, bildet die Antarktis eine der letzten verbliebenen Oasen. Als sich die Gelegenheit ergab, für das Scott Polar Research Institute eine Residency am Südpol zu absolvieren, musste Michael Begg nicht zwei Mal nachdenken: “Wer würde nicht die Chance ergreifen, etwas zu erleben, das so weit außerhalb des Gewöhnlichen liegt, so weit weg von unserer alltäglichen Erfahrung, so extrem?”. Die Residency führte ihn entlang der Küste zu verschiedenen Orten, an denen er Field Recordings aufnahm, mit Wissenschaftlern sprach und seine Aufnahmen bereits vor Ort in eine musikalische Form brachte. Dabei ergaben sich gerade aus Recording-Perspektive eine Vielzahl von Herausforderungen: Der Zeitdruck, die Kälte, und vor allem der ständige Wind. | |||
| #46 mit Ziggy Zeitgeist | 07 Apr 2025 | 00:56:44 | |
Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich dem in Berlin lebenden Schlagzeuger Ziggy Zeitgeist, der auf dem Doppelalbum „INSPIRE // RADICALISE” den Dancefloor mit Jazz, Beats und einer feinen Prise psychedelischer Power zum Kochen bringt. Drummer haben eine natürliche Verbindung zum Dancefloor. Bei Ziggy Zeitgeist aber geht der Bezug zum Beat noch tiefer. Auf dem neuen Album des FEE-Kollektifs, auf dem sich noch 13 weitere MusikernInnen tummeln, ist der Körper nur das Portal zu kreativer Inspiration, der Rhythmus ein Aufruf zur Revolution. Und so bleibt der Puls im Laufe dieses episch-ausufernden, jegliche Stilgrenzen sprengenden Werks nur sehr selten im Ruhebereich – ein Ultra-High Intensity Training für Ohren und Beine sozusagen. Als Zeitmaschine angelegt transportiert „INSPIRE // RADICALISE” sein Publikum zurück in die faszinierende Phase zwischen den 70ern und 80ern, als Funk, Disco, Electro und früher House die Clubs elektrisierten, und beleuchtet sie aus dem Blickwinkel moderner Technologien und einer dem Jazz entlehnten Dringlichkeit neu. Ziggy arbeitet immer wieder auch als DJ und sein Geschick im Aufbauen fesselnder Flows hält diese 18 Tracks, die gelegentlich auch noch in psychedelischen- oder krautig angehauchten Rock übergehen, zusammen. Das klingt angesichts der oftmals erzkonservativen Jazz-Szene fast wie ein Widerspruch in sich. In Wahrheit aber war Jazz in seinen frühen Jahren vor allem Tanzmusik. Gespielt in verschwitzten Clubs, vor einem euphorischem Publikum. Laut, lasziv und mit nur einem einzigen Ziel: Ekstase. Das ist der Jazz, den Freedom Energy Exchange spielen – stets angestachelt von Ziggys unwiderstehlichen Grooves. In gewisser Weise fangen sie damit die frühen Erfahrungen Ziggys bei Open-Air-Raves im australischen Hinterland ein, bei denen Musik mit der Umgebung verschmolz, sich aus der Natur speiste und wieder in sie zurückfloss. Es waren spirituelle Erfahrungen, zugleich aber eine Chance zum Ausrasten. Das ist überhaupt die zentrale Botschaft von „INSPIRE // RADICALISE”: Wahre Veränderungen sind die Folge von Leidenschaft – und der Weg zur Revolution geht über das Herz. | |||
| #45 mit mit Cora Novoa | 17 Feb 2025 | 00:57:38 | |
Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich der spanischen Produzentin, DJ und Label-gründerin Cora Novoa, die sich auf der ständigen Suche nach dem Gesamtkunstwerk befindet. Im Oktober 2024 brach über Ostspanien und Valencia ein apokalyptischer Regen herein. An einem einzigen Tag fiel so viel Wasser vom Himmel wie innerhalb eines durchschnittlichen Jahres. 232 Menschen kamen um, viele Zehntausende mussten gerettet werden. Globale Klimaveränderungen trugen zu dem Ausmaß der Katastrophe bei, doch das Versagen war politisch – nur ein Jahr zuvor hatte die Regierung der Gegend das Frühwarmsystem für unnötig erklärt, Interventionen eines Metereologen wurden ignoriert. Zum Zeitpunkt der Flut hatte Cora Novoa ihre neue EP „This is not about you and me. This is about us" bereits fertiggestellt. Trotzdem wirkte sie wie ein direkter Kommentar zu den Ereignissen – und das nicht nur, weil Novoa sich sehr eng mit Valencia verbunden fühlt. Die Veröffentlichung nämlich ist der letzte Teil einer Trilogie, die sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf Menschlichkeit, Verlust und Schmerz sowie unseren Sinn für Gemeinschaft beschäftigt. Jede EP ist eine Sammlung von Tagebucheinträgen, in denen sich Novoa mit aktuellen Themen auseinandersetzt, das Persönliche im Universellen sucht und vom Privaten ins Öffentliche vorstößt. Dieses Arbeiten mit Konzepten gehörte für Novoa von Anfang an zum Musikmachen mit dazu. Tief durchdachte Cover-Designs, Mode, Events – alles verbindet sich zu Gesamtkunstwerken, die Fragen stellen und Fakten liefern. Wenn das nach Avantgarde, Verkopftheit und schwierigem Entertainment klingt, wäre das aber ein falscher Eindruck. Auch, wenn jede der drei EPs mit einer ganz eigenen stilistischen Sprache aufwartet – von Gothic und Dark Ambient bis hin zu ätherischer Electronica und lupenreinem Techno – bringt doch jede von ihnen immer zuerst den Körper in Bewegung. Es ist eine Extase, die tatsächlich das Ich und das Du aufhebt und stattdessen das Wir betont. Und bei aller Dunkelheit ist es eine Musik der Hoffnung – sogar in dieser finsteren Stunde war es letzten Endes die Hilsbereitschaft der lokalen Gemeinschaft, die man nach der Flutkatastrophe vor allem in Erinnerung behalten wird. | |||
| #44 mit Lewitt Audio | 27 Jan 2025 | 01:01:06 | |
Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich dem österreichischen Senkrechstarter-Unternehmen Lewitt und seiner Mission, das Mikrophon von der Pike auf neu zu denken. SängerInnen und PodcasterInnen werden es bestätigen: Das Mikrophon, das die eigene Stimme optimal zur Geltung bringt, ist wie ein Freund oder eine Freundin fürs Leben. Die Suche danach aber gestaltet sich alleine schon aufgrund der kaum zu überblickenden Auswahl als schwierig – und sie wird mit jeder Welle neuer Produkte komplizierter. Somit war Roman Perschon von Anfang an klar, dass er sich mit der Gründung von Lewitt keine einfache Aufgabe gestellt hatte: Der Kuchen schien verteilt, die Technik ausgelotet, die etablierten Hersteller hatten es sich auf ihren Lorbeeren bequem gemacht. Doch waren es, wie Perschon zurecht erkannte, Lorbeeren, die vor allem auf Nostalgie beruhten, auf einem vertrauten Sound, der sich an der Vergangenheit orientierte. Lewitt hingegen sollte keine weitere Retro-Marke sein. Das Vergessen wurde zum Ausgangspunkt, das Entdecken zum Prinzip, die Zukunft zum Ziel. Man wollte das Mikrophon von Grund auf neu konzipieren, mit neuer Technik, neuen Materialien und vor allem: neuen Ideen. Der letztgenannte Punkt kann kaum genug betont werden. Denn guter Klang entsteht nicht nur in der Kapsel. Auch das Vermeiden von Nebengeräuschen oder anderen Störfaktoren kann einen entscheidenden Einfluss ausüben. Im aktuellen Highlight, dem Lewitt Ray, steuert ein eigens entwickelter Sensor die analogen Schaltkreise, um Lautstärke und Klang spontan auf eine kalibrierte Reaktion anzupassen. Einfacher gesagt: Bewegungen und Positionswechsel haben keinen Einfluss auf die Lautstärke des Signals mehr – der Autofocus des Mikrophons kompensiert die Entfernungs- und Richtungsveränderungen in Echtzeit. Wie Lewitts Head of Product & Marketing Moritz Lochner in unserem Gespräch darlegt, gehen technologische Fortschritte dabei immer Hand in Hand mit emotionalen Faktoren. Denn auch, wie sich ein Mikrophon anfühlt und wie es aussieht, kann einen Einfluss auf die Performance ausüben – und die ist im Zweifelsfall immer noch das Wichtigste. | |||
| #43 mit Purple Disco Machine | 26 Dec 2024 | 00:28:37 | |
Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich Tino Piontek alias Purple Disco Machine, der sich auf seinem neuen Album mit retrofuturistischen NeoDisco auf die Suche nach dem Paradies macht. Disco ist wohl kaum das Genre, was man sich als ProduzentIn aussucht, wenn man nach Respekt lechzt. Aus Wut über die gute Laune, die diese Musik verbreitet, sprengten Rock-Fans 1979 in der Disco Demolition Night sogar Disco-Platten in die Luft. Heute ist die Szene vielleicht lebendiger denn – gilt vielen aber immer noch als kommerziell und oberflächlich. Timo Piontek kümmert das nicht. In den vermeintlichen Schwächen von Disco sieht er die Stärke dieser Musik: Der Dancefloor als ein Ort zum Sichgehenlassen, die Beats als ein Tor in eine bessere Welt, die augenscheinlich einfachen Texte als eine Beschwörung dessen, was uns verbindet. Und so hat er sein drittes Album – den Nachfolger des internationalen Durchbruchs „Exotica”, das ihm einen Grammy bescherte sowie Remixaufträge von Kylie, Gaga und Dua Lipa – als Konzeptalbum angelegt: Als eine Reise ins Paradies. In Sachen Songwriting stellt das Album einen Umbruch dar. Statt sich im Studio hinter seinem beeindruckenden Gerätepark zu verschanzen, lud Tino persönliche Favoriten wie Metronomy und die Funklegende Nile Rodgers ein und erneuerte die Kollaboration mit Indie-Rock-Sängerin Sophie and the Giants, mit der er bereits den Überhit „Hypnotized” aufgenommen hatte. Die Gästevielfalt bereichert den Purple-Disco-Machine-Kosmos ungemein, während sich Tino in den Arrangements kosmischer denn je gibt und vor allem als Sound Designer gewachsen ist. Das siebenminütige „Paradisco” klingt wie ein Traum aus Yello, Fusion-Jazz und einer Zeitlupenversion von Donna Summers „I need Love”. Es sind magische Momente wie diese, die den schwedische Disco-Produzenten Martin Brodin mir gegenüber zu der Aussage verleiteten, es gebe genau zwei Künstler, „die den klassischen Sound zelebrieren und ihn zugleich nach vorne bringen: Purple Disco Machine und Todd Terje.” Das ist dann wohl genau der verdiente Respekt, der Disco als Genre noch immer verweigert wird – und den sich Tino Piontek immer wieder zurecht verdient. | |||
| #42 mit Kruder & Dorfmeister | 02 Dec 2024 | 00:38:52 | |
Die „K&D Sessions“, 1998 erschienen, sind nicht einfach irgendein Remix-Album. Mit einer Million verkaufter Einheiten ist es eines der meistverkauften Werke seiner Art. Auf Tour bringen Peter Kruder und Richard Dorfmeister die Stücke nun mit Live-Musikern auf die Bühne – in einer prachtvollen Remaster-Box mit Bonusmaterial erklingen sie in neuem Glanz. Das ist keineswegs überzogen – künstlerisch gesehen markieren die „K&D Sessions“ vielleicht den Gipfel der Remix-Kultur.. | |||
| #41 mit rocomoco – Angenehm, aber keine leichte Kost | 15 Oct 2024 | 01:15:10 | |
Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich dem Duo rocomoco, das auf ihrem neuen Album „Electric Paradise” zu den Klängen himlischer Hip-Hop-Instrumentals das Verhältnis von Mensch und Maschine erkundet. “Lofi Hop Hop” nennt sich das Genre, in dem rocomoco operieren – und in dem sie innerhalb der letzten Jahre bereits still und heimelig viele Millionen genussvolle Streams zusammengetragen haben. Selten erscheint eine Genrebezeichnung unpassender als hier. Denn die Musik von Ingo Kreutzer und Thorsten Klages klingt vielmehr schwerelos-schwebend, deep und dreamy und genügt dabei stets höchsten klanglichen Ansprüchen. Auf ihrem neuen Album „Electric Paradise” kommt dann auch noch eine programmatische Tiefe hinzu. Angenehme Kost ist das jederzeit; leichte aber keineswegs. Für das Konzept hinter den neuen Stücken haben sich rocomoco mit dem britischen Multimedia-Künstler Dan McRae alias The Hidden zusammengetan. In intensiven Sessions wurde nicht nur viel Musik gemacht, sondern auch über die Implikationen und potentiellen Auswirkungen künstlicher Intelligenz diskutiert. Aus diesen Gesprächen entstand neben einem Soundtrack auch eine Reihe von Bildern und Videosequenzen, deren betont künstliche Ästhetik und surreale Sinnlichkeit eine seltsame Stimmung zwischen Traum und Albtraum heraufbeschwören. Die Musik bildet dazu eine Art betörenden Gegenpol. Während aktuell viele KollegInnen AI zur Verfremdung und Verzerrung nutzen, klingen rocomoco auf „Electric Paradise” ganz im Gegenteil wohliger und vertrauter denn je. Lockere Gitarren-Licks, warme Jazz-Vibes, entschleunigte Schlagzeug-Schleifen – und im Hintergrund zwitschern die Vögel. Es ist, als bauten Ingo und Thorsten sich eine Welt des Rückzugs, eine Oase inmitten der lärmenden technologischen Debatten. Weltfremd ist das aber nie – eher von einer Sehnsucht nach einer besseren Welt beseelt. Freilich – es ist eine Welt aus Samples und Loops und in gewisser Weise ebenfalls eine Verfremdung. Das soll sich aber ändern. Denn für die nächsten Projekte, wie sie uns im Gespräch in Berlin verraten, wollen die beiden mit menschlichen Musikern ins Studio gehen. | |||
| #40 mit Steve Roach – Die Magie des Oberheim X8 | 29 Sep 2024 | 01:12:48 | |
Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich dem Ambient-Pionier Steve Roach, der auf seinem neuen Album “Reflections in Repose” fast ein halbes Jahrhundert Ambientgeschichte zurückrollt – und sich von der Magie des OB-X8 packen liess. Die Soundwelten des Steve Roach sind nicht von dieser Welt. Wohl auch deshalb gibt es in seiner über 200 Einträge umfassenden Diskographie gerade einmal zwei Studioalben, auf deren Cover er selbst zu sehen ist: Erstens, sein Solo-Debüt “Now” aus dem Jahr 1982; und nun “Reflections In Repose”, eine Doppel-CD mit 116 Minuten epischer, seltsam vertrauter Ambientflächen. Der visuelle und akustische Eindruck täuscht nicht: Tatsächlich geht Roach hier auf eine Zeitreise in die eigene Vergangenheit – auf den Spuren magischer Momente und verschütteter Mysterien. Konkret bildet dieses Werk eine Schlaufe zu dem vor genau 40 Jahren enstandenen “Structures from Silence”, der epochalen LP, mit dem der inzwischen in der kalifornischen Wüste lebenden Künstler Ambient endgültig zu einer eigenständigen, ambitionierten Kunstform erhob und aus dem Schatten der europäischen Pioniere befreite. Mit der Veröffentlichung ließ Roach endgültig seine persönlichen Vorbilder Tangerine Dream und Klaus Schulze zurück, indem er deren sequencergetriebene Rhythmik gegenüber einem atmosphärischen Ansatz zurückstellte und seine HörerInnen in geheimnisvollen, hallgetränkten Loops sanft gefangen hielt. “Hypnagogisch” war der Begriff, den er selbst dafür verwenden sollte, Musik an der Schwelle zwischen Wachen und Schlafen, zwischen Konzentration und Treiben. Die Parallelen setzen sich auf der Hardwarebene fort. “Structures from Silence” wurde damals von einem einzigen Synthesizer geprägt, dem legendären Oberheim OB-8. Auf “Reflections in Repose” kommt nun dessen moderner Nachfolger, der OB-X8 zum Einsatz. Seine warmen, digital-analogen Sounds kostet Roach voll aus, lässt sich von ihnen an ferne Ufer spülen. Dass man ihnen auf der gesamten Länge von nahezu zweieinhalb Stunden folgen mag, ist das Verdienst der Person, die auf dem Cover zu sehen ist. Die Wirkung dieser Musik aber ist noch immer nicht von dieser Welt. | |||
| #39 mit Cordial – Kupfer, Klinken, Kreativität | 30 Aug 2024 | 01:00:43 | |
Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich einem all zu oft vernachlässigten Aspekt der Produktion. Wir sprachen mit Martin Hubner von Cordial über Kupfer, Klinken und Kreativität – kurz: Kabel. Ein Kabel ist ein Kupferdraht in einem schützenden Mantel. Es könnte kaum einfacher sein. Trotzdem ranken sich um dieses Produkt wohl mehr Missverständnisse und Halbwahrheiten als um jedes andere im Audiobereich. Wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen einem billigen No-Name-Kabel oder einem Paar für €70,000? Es kann kaum verwundern, dass sogar erfahrene Musiker den Überblick verlieren. Wer das eigene Studio verbessern möchte, muss sich somit zunächst einer Vielzahl Fragen stellen: “Einfaches” Kupfer oder sauerstofffreies? Goldene Stecker oder silberne? PVC, hochwertigere Kunststoffe oder Naturmaterialien? Wie dick soll der Mantel, wie lang darf das Kabel sein? Brauche ich für jede Verbindung eine eigenständige Lösung oder gibt es das Kabel für alles und jeden? Die Antworten fallen in der Regel so unterschiedlich aus wie die Kabel, die im Fachhandel angeboten werden. Fest steht: Qualität spielt auf jeden Fall eine Rolle – lediglich über die Dimensionen besteht Diskussionsbedarf. Gute Kabel eliminieren Knackser und Aussetzer ebenso wie Übertragungsfehler und Interferenzen mit Störungsquellen. Sie sind stabil und entzündungssicher, schützen vor dem Kontakt mit Flüssigkeiten und anderen potentiell gefährdenden Substanzen. Sie lassen sich einfach aufrollen, bieten visuelle Orientierungshilfe. Innovationen wie Biomaterialien, fluoreszierende Mäntel und “leise” Klinken optimieren Aspekte, die über die reine Signalübertragung hinausgehen. Cordial arbeitet seit einem Vierteljahrhundert mit großen B2B-Kunden an Kabellösungen für eine Vielzahl von Situationen, vom Studiobetrieb bis hin zur Konzertbühne, vom intimen Club zur Festivalbühne. Dieses Know-How spiegelt sich auch in ihren Kabeln für den/die EndverbraucherIn wider. Für uns somit der ideale Ansprechpartner für einen Podcast, der sich ganz dem Cordial Firmenmotto verschrieben hat: Kabel sollten kein Mysterium sein. | |||
| #38 mit Youngr – Harte Arbeit zahlt sich aus | 15 Aug 2024 | 00:50:04 | |
Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge dreht sich um den Multi-Instrumentalisten Youngr, der für sein neues Album eine radikale Live-Produktions-Philosophie gegen eine stringente Detailarbeit eintauschte. Sich einzuschränken klingt nicht gerade nach Spaß. Trotzdem sind die meisten von uns darauf angewiesen: Um sich beim Produzieren nicht zu verlieren und damit angefangene Stücke fertig werden, zum Beispiel. Bei Dario Darnell alias Youngr aber schmelzen sämtliche Kategorien, Limitierungen und Trennlinien dahin. Dabei wollte Dario einfach nur spielen. Jahrelang entwickelte er seine Talente als Musiker in unzähligen Bands, lebte vor allem seine Leidenschaft für den Alternative Rock, Crossover und Nu Metal der 90er aus. Die pure Energie und Klangforschung, die er in Songs von Radiohead, Korn, Limp Bizkit oder den Smashing Pumpkins hörte, entfachte seine Leidenschaft, die Nähe aller dieser Bands zu Elektronik und Hip-Hop brachte ihn zum Schlagzeug. So lag der Schritt zum Dancefloor irgendwann nahe. Wer Youngr bei seinen live eingespielten Studio-Sessions zuschaut, in denen er auf verschiedenen Instrumenten ein komplettes Arrangement im Loopverfahren hervorzaubert, erkennt sofort, dass sich hier pure Freude und ein kompletter Fokus auf den Song verbinden. Der Record-Knopf ist stets gedrückt, es wird nicht gejammt, sondern live komponiert. Man kann die Spannung spüren, das Risiko zu scheitern. So verschwimmen bei Youngr die Grenzen zwischen Rock und Dance, zwischen denen eines Performers und eines Produzenten. Gleiches gilt für seine Tendenz, sich nicht notwendigerweise zwischen Cover-Version oder Original zu entscheiden, sondern das spannende Feld zwischen den beiden Polen auszuloten. “Sampling auf Songwriterebene” könnte man das nennen. Detailarbeit gehört nicht zu Darios liebsten Beschäftigungen. Für sein neues Album “Let the Music Guide Us” hat er sich aber genau das zum Ziel gesetzt und jeden Beat, jeden Sound unter Mikroskop und Skalpell gelegt. Das klingt nach harter Arbeit – hat sich aber ausgezahlt, wir er uns im Interview erzählt.. | |||
| #37 mit Hainbach – Musik, die Bilder schöner macht | 11 Jul 2024 | 00:57:32 | |
Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge dreht sich um den Klangtüftler Hainbach, der für die stimmungsvolle Doku “The One Who Runs Away Is The Ghost” einen traumhaften Soundtrack geschrieben hat. Für das Auge sind die Dinge einfach: Große Dinge werfen große Schatten. In der Welt des Ohrs jedoch gelten andere Gesetze. Hier können winzige Klangquellen gewaltige Geräusche produzieren. Das ist die Welt Stefan Paul Goetschs, den die meisten unter seinem Künstlernamen Hainbachs kennen. Obwohl Stefan sich inzwischen schon ein halbes Leben lang mit der Thematik beschäftigt, hat sie für ihn bis heute nichts von ihrer Faszination verloren: Laute und leise Klänge, brutale und süße Klänge, erkennbare und geheimnisvolle Klänge, alte und neue Klänge, einfache und komplexe Klänge – in der Musik von Hainbach haben sie alle ihren Platz. Das gilt auch für die Instrumente, Tools und Objekte, mit denen er diese Klänge erzeugt und manipuliert, sie einfängt und wieder freisetzt. Stefans liebevoll-spielerischen Forschungen bilden den Rahmen für seinen Kosmos aus Soundscapes, eigenen Plug-Ins und Kompositionen. Immer wieder erhält Hainbach auch Einladungen zum Komponieren von Filmmusik. Das mag nicht ganz offensichtlich erscheinen, da diese Musik nicht die typischen Charakteristiken aufweist, die gemeinhin als “cinematisch” empfunden werden. Auf seinem aktuellen Score für die Dokumentation “The One Who Runs Away Is The Ghost” sind die Gefühle groß, aber die akustische Kulisse intim; wellenförmige Muster entstehen aus luftigen Tönen, rhythmisch-melodische Wolken segeln schwerelos am geistigen Auge vorbei. Dies ist Musik, die die Bilder schöner macht. Es ist Musik, die Geschichten erzählt, welche die Kamera nur andeuten kann. Wer einmal gesehen hat, wie tief Stefan für solche Projekte in den Dialog zwischen Bild und Klang eintaucht, wird verstehen, warum seine Stücke trotz ihrer scheinbaren Leichtigkeit auch abseits des Kinos zu fesseln verstehen, warum jeder scheinbar zufällig platzierter Tupfer genau dort erklingt, wo er erklingt: Weil hinter jedem Sound eine Bedeutung steckt. | |||
| #36 mit Toby Gad & Axel Cooper | 23 May 2024 | 00:49:08 | |
Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge dreht sich um Songwriting-Ikone Toby Gad, der mit Axel Cooper den Hit “Little Do You Know” neu aufbereitet hat. Es gab eine Zeit, da wollte nahezu jeder, der im Musik-Business etwas auf sich hielt, mit Toby Gad zusammenarbeiten. Zwischen 2007 und 2013 gelang Gad das Kunststück, mit 14 Songs in den amerikanischen Billboard 100 zu landen, darunter vier mal in den Top 10 und zwei Mal auf der Pole-Position. Gad produzierte Madonna und Beyonce, bescherte John Legend seine erste Nummer 1 und Fergie von den Black Eyed Peas ihren Durchbruch als Solo-Künstlerin. Gad hatte hart auf diesen Erfolg hingearbeitet. Und als er da war, arbeitete er noch härter. Bis er irgendwann seine körperliche Grenze erreicht hatte. Doch erreichte die selbstauferlegte Auszeit schon bald ein natürliches Ende – für Toby ist das Komponieren schlicht so essentiell wie Atmen, Essen und Trinken. Seine Rückkehr hat ihn gerade in Deutschland nun auch als Autoren (“All of Me”) und DSDS-Juroren bekannt gemacht. Man kann also davon ausgehen, dass Gad sich trotz seiner langen Abwesenheit wieder frei aussuchen kann, mit wem er kollaborieren will. Immer wieder pickt er sich dafür Künstler am Anfang ihrer Karriere heraus, sucht den Reiz im Unbekannten, in der Überraschung. So auch bei seiner Entscheidung für den jungen italienischen Kollegen Axel Cooper mit seinem harten, melodischem Club-Stil. Eine ungleiche Paarung? Vielleicht. Aber auch: Ein Gipfel der Generationen – und die Basis für ein spannendes Gespräch über die Kunst des Songwritings und Remixens. | |||
| #35 mit Dave Clarke | 29 Apr 2024 | 00:48:36 | |
Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge dreht sich um Techno-Ikone Dave Clarke, dessen frühe Red-Trilogie den Kern eines aufwendigen Box-Sets bildet. Zwischen 1989 und 1995 veröffentlichte Dave Clarke unter verschiedenen Pseudoynem 14 EPs. Sie zeichnen das Bild eines Künstlers auf der Suche: nach neuen musikalischen Ufern, nach zunehmend packenderen Produktionen Vor allem aber war es eine Suche nach sich selbst. Die Red-Trilogie bildete den Abschluss dieser Phase. Auf drei EPs etablierte sich Clarke endgültig als einer der führenden Techno-Produzenten seiner Generation. Keine davon gehorcht den Gesetzen einfacher Kategorisierung: Auf “Red 1” stellt er minimalistische Detroit-Sounds den Broken-Beats und Rave-Bässen der UK-Szene gegenüber. Das längst klassische “Wisdom to the Wise” frönt dubbigen Klängen mit eindeutigen Parallelen zu der gleichzeitig aufkeimenden Basic-Channel-Ästhetik. Auf “Red 3” schließlich hämmert die Bassdrum so hart wie auf einer rotterdammer Gabba-Party. Clarke hatte seine Stimme gefunden – und sprach plötzlich fließend in gleich mehreren Sprachen gleichzeitig. Zusammen mit dem 1995er Album “Archive One”, gesammelten Remixen aus den 90ern und einigen neuen erscheint die Trilogie nun erneut auf Vinyl. Zusammen mit uns blickt Dave zurück – ohne dabei die Zukunft aus den Augen zu verlieren. | |||
| #34 mit Enyang Urbiks | 05 Mar 2024 | 01:12:56 | |
Im Behind The Beat Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge dreht sich um Enyang Urbiks, die in ihrem Berliner Mastering-Studio die Kunst des genauen Zuhörens zelebriert. Für manche ist Mastering eine Art schwarze Magie. Für andere ist es schlicht einer der wenigen verbliebenen Jobs in der Musikindustrie, mit dem sich noch ein nennenswertes Einkommen generieren lässt. Für Enyang Urbiks hingegen ist es eine lebenslange Leidenschaft, eine Kunst in sich und integraler Bestandteil des kreativen Prozesses. Für unser Gespräch hat mich Enyang in das Urbiks Studio eingeladen, eine holzgetäfelte Oase im Berliner Funkhaus-Komplex. Das Equipment, welches hier zum Einsatz kommt, wurde ursprünglich für die Kollegin Heba Kadry (Björk, Ryuichi Sakamoto) konzipiert und Enyang und ihr Partner Jan haben es in die atemberaubenden, eleganten Elemente des belgischen Unternehmens Northward Systems eingebettet. Während Enyang in der Küche einen wunderbaren Tee kocht baue ich in der intensiven Ruhe des Kontrollraums meine Geräte auf – man kann sich sehr gut vorstellen, hier viele intensive Stunden in höchster Konzentration zu verbringen. Genau das tut sie auch und hat sich ein bemerkenswert vielfältiges Portfolio aufgebaut. Für Enyang geht es beim Mastering vor allem um das Herstellen einer gewissen Stabilität, das Gefühl, dass jedes Element auf der genau richtigen Frequenz schwingt. Das mag esoterisch klingen, ist aber eine in einer langen, täglichen Praxis verwurzelt. Die harte Arbeit hat sich ausgezahlt und heute verlassen sich KünstlerInnen der unterschiedlichsten Stilrichtungen auf ihren Geschmack, ihr Gefühl und vor allem auch ihre Einfühlsamkeit. Darunter beispielsweise die venezolanische Klangkünstlerin Arca, die ihre inzwischen legendäre “Kick”-Trilogie von Enyang betreuen ließen. Viele kommen für Nachfolgeprojekte wieder zurück. Und das, obwohl KI inzwischen durchaus brauchbare Ergebnisse zu weitaus geringeren Kosten bietet. Der Grund ist einfach: Gutes Mastering ist weder schwarze Magie noch kann es einfach nur ein Job sein. Es ist ein gemeinschaftlicher Prozess, der aus einem persönlichen Produkt die unversalen Resonanzen herauskitzelt. | |||
| #33 mit Moses Schneider | 01 Feb 2024 | 01:08:32 | |
Im Behind the Beat Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge dreht sich um Moses Schneider, der auf dem „Human Beat Pack“ 40 Jahre Erfahrung zu mitreißenden Loops destilliert. Für viele sind die Aufnahmen von Moses Schneider „der Wahnsinn“. Doch hat dieser Wahnsinn Methode. Die Moses-Schneider-Methode um genau zu sein. Die hat der Engineer und Produzent mit Musikern der unterschiedlichsten Stilrichtungen entwickelt: Von Hip-Hop (Dendemann) und Indie (Tocotronic, Pixies) über Metal (Kreator) und Punk-Rock (Beatsteaks) bis hin zu Electro-Pop (Bobo in White Wooden Houses). Bei der Moses-Schneider-Methode handelt es sich nicht um eine strenge Schritt-für-Schritt-Aufzählung technischer Specs oder Produktionssschritte. Vielmehr geht es um den bestmöglichen Schlagzeug-Klang. Dafür hat Moses eine Mikrophonierungs-Aufstellung entwickelt, die für Gänsehaut und pure, nackte Emotion sorgt. Kein Wunder also, dass der Equipment-Hersteller elysia in Moses den idealen Partner für ein ambitioniertes Projekt sah: Ein Beat-Pack, das einen „menschlichen Trommler“ zwar nicht ersetzt, aber doch so nahe wie möglich an dessen Groove und Ideenreichtum herankommt. Und so schloss er sich mit dem Drummer Demian Kappenstein in ein Studio in Südfrankreich ein und nahm zwei Wochen lang, angetrieben von musikalischer Leidenschaft und französischer Koch- und Kaffeekunst, die nun als „Human Beat Pack“ veröffentlichten Loops ein. Dabei kamen die drei grundlegenden Mikro-Positionen der Moses-Schneider-Methode zum Tragen: „The Wurst“ (mitten im Drumkit, fängt den rohen Charakter ein), „SnareO“ (für detailreiche Snares und Hihats), und die „Droom“ (aufgenommen direkt vor den Cymbals und in den Raum schauend). Zusammen erlauben sie es, den Perkussion-Klang organisch einzufangen, und anschließend so detailversessen wie gewünscht zu bearbeiten. Von der Suche nach dem perfekten Schlagzeug-Sound ist Moses genau so bessessen wie andere von der Suche nach dem perfekten Song. Darum war das „Human Beat Pack“ für ihn auch kein Job, sondern ein „wahrgewordener Traum“. Und deswegen sind seine Aufnahmen zwar stets gut geplant – aber eben auch immer noch schlicht der Wahnsinn. | |||
| #32 mit Protection von CHRCHES | 14 Jan 2024 | 01:01:38 | |
Im Behind the Beat Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge dreht sich um das Duo Protection, das Drum n Bass mit Ambient und Electronica kombiniert – und dabei alle Erwartungshaltungen über Bord geworfen hat. Ist es möglich? Musik nur aus der Freude am Spielen und Komponieren heraus zu machen? Kaum PR-Aufwand zu betreiben und in den sozialen Medien nur minimal in Erscheinung zu treten? Sich nicht um Streaming-Zahlen zu kümmern und den Markt nicht mit kostspieligen Vinyl-Ausgaben oder hippen Tapes zu fluten? Iain Cook und Scott Paterson glauben ganz fest daran. Genauer gesagt, sie glauben nicht nur daran, sondern handeln bereits nach dieser Maxime. Dabei könnten Iain und Scott nur allzuleicht mit dem Pfund ihrer berühmten Haupt-Projekte wuchern. Iain zum Beispiel ist Mitglied der schottischen Pop-Sensation CHRCHES und kann auf eine lange, erfolgreiche Karriere mit den unterschiedlichsten Bands zurückblicken. Scott wiederum stand in der Vergangenheit viele Jahre mit den großartigen Indie-Rockern Sons And Daughters im Rampenlicht und ist aktuell eine feste Größe als Produzent in Glasgow. All das aber interessiert sie nicht, wenn sie gemeinsam an Musik arbeiten. Vielleicht auch, weil sie sich bei Protection teilweise sehr weit von ihren musikalischen Anfängen und vom Tagesgeschäft abwenden. In den besten Momenten – und davon gibt es auf ihren ersten beiden EPs “Seeds I” und “Seeds II” sehr viele – bringen sie dabei das Beste des langen britischen Hardcore- und Ambient-Continuums zusammen: Aphex Twin, Burial und Photek und eine ganze Menge Melancholie, Mystik und hypnotischer Grooves. Es könnte wirklich ganz, ganz groß werden. Aber genau darum geht es hier eben nicht. | |||
| #31 mit Vince Clarke | 23 Dec 2023 | 00:34:22 | |
Im Behind the Beat Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge dreht sich um Depeche-Mode- und Erasure-Legende Vince Clarke, der mit 63 sein erstes Solo-Album “Songs of Silence” aufgenommen hat – eine Sammlung atmosphärischer Experimente, Exkursionen und Exerzititen auf dem Eurorack. Wenn ich an Vince Clarke denke, denke ich in Farben: Die Regenbogenpalette auf dem Cover des Erasure-Albums “Circus”. Die hyperreal-kitschigen Lilatöne auf “Loveboat”. Sogar ihre Sounds klangen quietschig-grell - und lauteten nicht ihre letzten beiden Studiowerke auf die Namen “The Neon” und “Day-Glo”? Wenn ich an Vince Clarke denke, denke ich auch an das Video zu “Chorus”, in dem er und Andy Bell auf dem Strand herumturnten und Vince als verrückter Professor an einem gigantischen Modular-Synthie die Knöpchen drehte. “Ehrlich gesagt war das gar kein Synthie” meint Vince grinsend als ich ihn darauf anspreche, “Es war eine alte Telefonanlage!” Aber auch das passt. Denn wenn es jemandem zuzutrauen ist, sogar aus einem überholten Museumsstück die wundersamsten Klänge hervorzuzaubern, dann ist es zweifelsohne Vince Clarke. Seit nunmehr vierzig Jahren ist er der Tüftler und Schrauber im Hintergrund, der analoges Piepen, Knarzen, und Knattern in chartstaugliches Material sublimiert. Drei seiner Bands haben einen bleibenden Fußabdruck in der Musikgeschichte hinterlassen: Depeche Mode, mit ihrer Kombination aus Pop und Gothic. Yazoo, deren Fusion aus warmem Soul und kühler Elektronik ihrer Zeit bemerkenswert weit voraus war. Und schließlich Erasure, die inzwischen vielleicht konsequenteste Verkörperung der Synthie-Pop-Philosophie. Um so erstaunlicher, dass Clarke erst jetzt, mit inzwischen 63 Jahren, sein erstes Soloalbum unter eigenem Namen vorlegt. Der Schritt war, wie erwartet, der Pandemie geschuldet. Er habe sich schlicht, wie viele andere auch, zu Tode gelangweilt und eine Art akustisch Spielwiese gebraucht. Schon in vielen Interviews hatte er im Laufe der Jahre erwähnt, wie gerne er tiefer in das Potential seines Eurorack-Systems eintauchen wollte. Nun war der Moment gekommen. Es entstanden naïve Studien und Versuche, Mikro-Jams und Skizzen. Clarke konnte es selbst nicht glauben, als seine Plattenfirma Mute von den Ergebnisen begeistert war und sie unbedingt herausbringen wollte. Als Hörer darf man dankbar dafür sein. Denn so großartig Erasure in ihren besten Momenten bleiben: “Songs of Silence” ist ein willkomener Blick in eine komplett andere Dimension seines Schaffens. Statt Stimmen und Songstrukturen nutzt das Projekt die Magie der Wiederholung, sucht in einer Vielzahl bewusst gewählter Regeln und Limitierungen frische Inspiration. Drones und pulsierende Ambienttexturen, krautig klingelnde Sequenzen, verstörende Samples und ein wehklagender Gastauftritte eines Cellos ergeben ein dunkles, hyonotisierendes Werk ohne Refenzpunkte in Clarkes bisherigem Schaffen. Und das Cover? Ist natürlich schwarz-weiß. | |||
| #30 mit Trevor Horn | 26 Nov 2023 | 00:59:33 | |
Im Behind the Beat Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge dreht sich um die Legende Trevor Horn, dessen Produktionen die 80er prägten. Was ist wichtiger: Der Song oder das Arrangement? Es ist eine Frage, die seit Generationen heiß diskutiert wird. Die 80er suggerierten, alles drehe sich um glänzende Oberflächen, glitzernden Detailreichtum und packend-ausufernde Intros. In den 90ern hingegen verkauften sich die CDs von MTVs Unplugged-Reihe, auf denen die Stücke oft auf wenig mehr als einer Wanderklampfe dargeboten wurden, wie geschnitten Brot. Wie passt das zusammen? Trevor Horn ist der vielleicht qualifizierteste Musiker, diese komplexe Frage zu beantworten. Denn wie seine Produktionen beweisen, sind die beiden Bereiche einerseits eigenständig, gleichzeitig aber nahezu untrennbar miteinander verbunden. Für das inzwischen sagenumwobene Arrangement zu Frankie Goes to Hollywoods “Relax” schwitzte er wochenlang von morgens bis Abends im Studio, bis alles saß. Doch als Seal mit dem späteren weltweiten Hit “Crazy” zu ihm kam, setzten sich die beiden zuerst gemeinsam ans Klavier, um an der Komposition zu feilen. Tatsächlich beweist Horns Karriere, dass Song und Arrangement einander brauchen, wenn beim Musikmachen etwas herauskommen soll, dass über aktuelle Trends hinaus Bestand haben soll. Nur wenige Produzenten haben über so viele Jahrzehnte hinweg so dauerhaft Erfolge feiern dürfen und man kann durchaus behaupten, dass sein Stern in den 90ern sogar heller strahlte als in den 80ern. Wohl auch deshalb finden sich auf seinem neuen Album “Echoes – Ancient & Modern” nicht nur Neufassungen alter Bekannter, sondern auch einige Überraschungen und aktuellere Titel. Gäste wie Tori Amos, H von Marillion, Seal und die unglaubliche Lady Blackbird sorgen zwar für ein vertrautes Feeling, doch sind die Sounds und Kompositionen allesamt derart komplett umgekrempelt, dass sie auch als neue Songs durchgehen könnten – und, so eng Arrangements und Songs bei Trevor Horn zusammengehören, sind sie das gewissermaßen ja auch. | |||
| #29 mit Sickotoy | 22 Oct 2023 | 00:57:38 | |
Im Behind the Beat Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge dreht sich um Sickotoy, der Elemente rumänischer Musik mit moderner Elektronik verbindet und dafür bereits mit einem Grammy belohnt wurde. Es ist viel die Rede davon, wie auf globalisierten Märkten nur noch milliardenschwere Multinations überleben. Dabei sind in der Musik gerade die Kleinen oftmals die wahren Giganten. Man denke nur an den Einfluss, den Länder wie Schweden oder Jamaica auf die Charts ausüben, an Island als einen Geysir der Inspiration. Die nächste Revolution könnte in Rumänien zünden: Immer wieder findet man rumänische Produzenten in den Credits zu internationalen Hits, ihre Songs haben eine erkennbare Handschrift und die Szene quillt vor Talenten geradezu über. Alexandru Cotoi alias Sickotoy ist einer der führenden Vertreter dieser Bewegung. Seine Karriere begann mit einem Knall und als Teil der Backing-Band von Morandi, einem seinerzeit extrem erfolgreichen Projekt. Doch seine wahre Heimat war das Studio, nicht die Bühne. Bereits vier Jahre nach seiner Umorientierung als Produzent landete er einen unerwarteten Treffer, als der amerikanische Megastar Pittbull einen seiner Tracks für das Album “Dale” auswählte – später wurde “Baddest Girl in Town” sogar mit einem Grammy belohnt. Seitdem geht es mit Cotois Karriere weiter steil nach oben. Die rumänische Ikone Inna entschied sich bei ihrem Album “Heartbreaker” für Alex als ihren Stammproduzenten, auf der neuen Single “Bad Girls” kollaborierte er mit der Legende Wayne Hector (Britney Spears, Nicki Minaj, Kylie Minogue), und im vergangenen Jahr saß er sogar in der Jury von One True Singer, der rumänischen Fassung von The Voice of Germany. Die Basis für diese Erfolge liegt darin, wie Cotoi Elemente aus den unterschiedlichsten Kulturen und Genres organisch zusammenwebt. Ebenso wichtig ist indes seine Fähigkeit, sich bei sogenannten Writers Camps mit anderen Songwritern zusammenzuschließen und in spontanen Sessions der Kreativität freien Lauf zu lassen. Dabei kommt nicht nur Gold heraus, aber in der Summe eben doch viel Großartiges – und garantiert wieder einige globale Hits, die sein Profil weiter steigen lassen werden. Um Sickotoy und Rumänien im Allgemeinen wird man schon bald nicht mehr herumkommen. | |||
| #28 mit Rodriguez Jr. – Kein Entkommen | 25 Sep 2023 | 00:47:16 | |
Im Behind the Beat Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge dreht sich um Rodriguez Jr., der auf „Feathers & Bones“ sinnlichen House mit hypnotischem Songwriting und ganz viel Atmosphäre verbindet. Der vielleicht schönste Track auf „Feathers & Bones“” ist gerade einmal zweieinhalb Minuten lang und steht ganz am Ende: „Tape #2“ ist ein magischer Loop aus an- und abschwellenden Pads, feinem analogen Kratzen und einer Melodie, die direkt von der Venus auf die Erde gebeamt wurde. Solche Momente gibt es auf diesem Album immer wieder. Es ist das inzwischen vierte aus der Feder von Olivier Mateu und möglicherweise das beste. Nach dem phänomenalen, Minimal-angehauchten Traumdebüt „Bittersweet“ markierte „Bliss“ 2020 den Beginn von etwas Neuem – ein Rundumschlag, der auch Acid-Lines und Breakbeats mit einschloss. „Feathers & Bones“ setzt diesen Weg konsequent fort und kann als Selbstfindung gedeutet werden. Weshalb das Werk nun auch auf seinem eigenen Label erscheint. Zentral steht hier das Pendeln zwischen Instrumentals und Vocal-Tracks, zwischen Treiben und Tanzen. Die Songs sind unglaublich vielschichtig, aber niemals überladen – viele Klangelemente, darunter unzählige Field Recordings aus Mateus' Archiv, sind so subtil zusammengemischt, dass man sie erst beim wiederholten Hören bemerkt. Die Wirkung aber ist alles andere als subtil. Auch dank der Sorgfalt, die in den Atmos-Mix investiert wurde, ist „Feathers & Bones“” eine Scheibe, die begeistert und lange nachwirkt. Und die Lust macht auf den Nachfolger – an dem Rodriguez Jr. natürlich längst arbeitet. | |||
| #27 mit Carl Cox - Stillstand ist der Tod | 27 Aug 2023 | 00:41:40 | |
Im Behind the Beat Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge dreht sich um Elektronik-LegendeCarl Cox, der nach elf Jahren Pause für ein neues Album ins Studio zurückgekehrt ist – und dabei den Spaß am Produzieren wiederentdeckt hat. “All Roads lead to the Dancefloor” hieß das letzte Carl Cox Album, aus dem Jahr 2011. Und tatsächlich sah es lange so aus, als folge Cox diesem Titel wörtlich. Eine Dekade lang widmete er sich vollkommen der Kunst der Kanzel, belebte sein Intec-Label wieder und förderte junge Talente. Seine Ambitionen als Musiker aber schien er an den Nagel gehängt zu haben. Und dann, wie aus dem Nichts kehrt er mit einem neuen Album zurück. Und klingt darauf vielleicht frischer denn je. An die Vielseitigkeit seiner Sets angelehnt, wirbelt sich der Altmeister im Titeltrack von “Electronic Generations” durch pumpenden Electro, schüttelt mit bestechender Lässigkeit ätzend-euphorische Acid-Hymnen (“Get After it” sowie das vollkommen entfesselte “World Gone Mad”) und episch stampfenden Mainroom-Techno (“How it makes you feel”, “Heads Up”) aus dem Ärmel. Sogar eine bemerkenswert gelungene Fusion aus 70er-Jahre-Sequencern und House findet sich hier (“Toys out of the Pram”). Siebzehn eklektische Tracks in allen Farben des elektronischen Regenbogens finden sich auf “Electronic Generations” - keines seiner bislang fünf Alben ging ihm so leicht und schnell von der Hand wie dieses. Entcheidenden Anteil daran hatte sein neues, auf schnelle Umsetzung und Live-Einsatz ausgelegtes Set-Up. So entstanden alle neuen Stücke aus spontan-verspielten Jam-Sessions, die anschließend kaum, wenn überhaupt, editiert wurden. Auch der Plattenfirma machte Cox unmissverständlich klar: Die Tracks werden entweder so veröffentlicht wie sie sind – oder gar nicht. Back to the Roots? Nicht für Cox, der bisher als Perfektionist bekannt war. Vielmehr stellte der Schritt in Richtung Augenblicklichkeit für ihn ein Wagnis dar, eine neue Herausforderung in einem Alter, in dem die Durchschnittsbürgerin bereits von der Rente träumt. Warum er sich aber doch dazu entschlossen hat, erklärt der Titel seiner neuen, mit dem britischen Produzenten Bushwacka! Engespielten Single: “Music is Life” - und Stillstand ist der Tod | |||
| #26 mit Girts von Erica Synths | 21 Jul 2023 | 00:57:36 | |
Im BEHIND THE BEAT Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge dreht sich um Girts Ozolins, Gründer des führenden Modularherstellers Erica Synths - über seine Zusammenarbeit mit Richie Hawtin, Kreativität, Bildung und darüber, wie Erica Nutzern hilft, ihre eigenen Synthesizer zu bauen. Depeche Mode-Mastermind Martin Gore und Art-Pop-Ikone Lady Gaga. IDM-Pionier Aphex Twin und der verstorbene japanische Komponist Ryuichi Sakamoto. Superstar Jean-Michel Jarre und Underground-Noise-Meister Merzbow. Ihre Musik mag sehr unterschiedlich erscheinen. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Sie lieben die Instrumente von Erica Synths,. Jarre bezeichnete die Marke sogar als ein perfektes Beispiel dafür, wie elektronische Handwerkskunst im 21. Jahrhundert aussehen sollte. Für Gründer Girts Ozolins ist die Erfolgsgeschichte von Erica ein persönlicher Triumph. Im Mittelpunkt des Unternehmens steht eine brennende Leidenschaft für Musik. Auf der Erica-Website werden Besucher mit Interviews verwöhnt, die Girts selbst mit einigen seiner Helden geführt hat. Dies ist kein getarntes Marketing - sie sind Teil seiner Reise. Von Anfang an hatte Erica eine prominente Anhängerschaft. Und so haben es die Klänge aus Lettland auf einige der meistverkauften Platten der Welt geschafft. Für den ehemaligen Physik-Lehrer ist die Anerkennung eine Art Auftrag: Mit der Einführung der „mki x es.EDU“-Produktlinie – DIY-Kits, die es den Nutzern ermöglichen, sich mit dem Bau ihrer eigenen Synthesizer vertraut zu machen – ist Erica kürzlich in den Bildungsbereich eingestiegen. Jean-Michel Jarre bezog sich auf diese praktische Qualität, als er sagte, diese Synthesizer seien „eine Kombination aus dem digitalen Zeitalter und uns - analoge Tiere aus Blut und Knochen“, die "Knöpfe und Regler zum Anfassen brauchen". Das ist ein schönes Kompliment. Aber es scheint kein kompliziertes Konzept hinter Erica Synths zu stecken. Es sind einfach großartig klingende Geräte entworfen und gebaut für intensivsten Live-Einsatz. Wenn es eine Philosophie dahinter gibt, dann ist es vielleicht diese: Technologie soll keine Bedrohung für menschliche Musik sein – sondern vielmehr Tore zu neuer Kreativität aufstoßen. www.ericasynths.lv | |||
| #25 mit Eric Horstmann von Immersive Lab | 25 Jun 2023 | 01:03:44 | |
Im BEAT Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge dreht sich um den Mixing- und Mastering-Engineer Eric Horstmann, dem in Deutschland wohl führenden Experten für Atmos. In einem vielbeachteten Interview hat Mastering-Legende Bob Clearmountain bereits das Ende von Dolby Atmos vorhergesagt. Eric Horstmann aber glaubt vorbehaltlos an das neue Format. In seinem “Immersive Lab”, das er sich mit Produzent und Songwriter Daniel Grunenberg von Glasperlenspiel teilt, gibt er der Musik von Kunden wie Shirin David und Cro, Moderat und Rodriguez Jr, Alice Merton und Paula Hartmann den atmosphärischen Feinschliff. Dafür hat er sich auch entsprechend professionell eingerichtet. Das Immersive Lab mag auf den ersten Blick recht klein und unspektakulär anmuten. Doch hinter der nüchternen Fassade und den psychedelisch-welligen Absorberflächen verbirgt sich State-of-the-Art Technologie und ein genau durchdachtes Konzept. Dominiert wird es von Genelec-Speakern – Horstmann arbeitet für den finnischen Boxen-Hersteller und dessen futuristisches Experience Center in Berlin – sowie den Modulen des dänischen Herstellers DAD. Gearbeitet wird vornehmlich in der Box und mit Kopfhörern. Der Hauptvorteil: Über visuelle Darstellungen und eine Vielzahl leistungsfähiger Tools lässt sich der Sound punktgenau im Raum platzieren und bis in die kleinsten Details hinein bearbeiten. Auch binaurale Headphone-Mixe entfalten ihr volles, immersives Potential. So entstehen Produktionen, die raffiniert und überraschend, aber gleichzeitig vollkommen organisch klingen. Für unseren Podcast haben wir Eric im Lab besucht und mit ihm über die aktuelle Clearmountain-Kritik an Atmos sowie die praktische Arbeit im Studio gesprochen. Eines steht nach diesem Gespräch fest: Die Chancen, dass Atmos das erste Surround-Format mit Breitenwirkung wird, standen nie besser. | |||
| #24 mit Ben Lukas Boysen: Rave-Ausflüge | 30 May 2023 | 01:17:57 | |
Im BEAT Producer Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge dreht sich um Ben Lukas Boysen, dessen Arbeit sich auf dem schmalen Grat zwischen Soundtracks, moderner Klassik und Electronica bewegt. Ben Lukas Boysen empfängt uns in seinem neuen Studio. Der kleine, aber einladende Raum beherbergt seine persönliche Sammlung klassischer Synthesizer, Drumcomputer und eine akribisch geordnete Kabelsammlung ("Ich habe immer noch das Gefühl, dass sie nicht geordnet genug ist", gibt er lachend zu, "ich leide unter schwerer Kabel-OCD."). Die meiste Musik entsteht jedoch “in the box”, sogar die atemberaubend schönen Klavierklänge, für die er berühmt geworden ist. Die Einfachheit und Sauberkeit des Raums bietet den perfekten Schutzraum für die faszinierend eigenwilligen Rave-Ausflüge seines experimentellen Projekts Hecq - das er nun, nach einer mehrjährigen Phase der Stille, wieder aufleben lässt. In vielerlei Hinsicht ist dies der perfekte Zeitpunkt für ein Gespräch. Dank glorreich produzierter Alben wie “Mirage” oder “Gravity” ist Ben längst aus dem Schatten einiger der größeren Labelkollegen von Erased Tapes herausgetreten - allen voran Nils Frahm, den er bei “Gravity” noch als Produzent hinzugezogen hatte. Vor allem die letzten Jahre brachten dank starker Soundtrack-Arbeiten den Durchbruch. 2019 wurde er gebeten, den deutschen Thriller “Der Fall Collini” zu vertonen, seinerzeit der erfolgreichste Film des Jahres. 2022 folgte die TV-Serie “The Lazarus Project”, eine spannungsgeladene Zeitreisegeschichte, die sich in einem an Tennet gemahnenden Universum bewegt und wohl die bisher ambitionierteste und kreativ überzeugendste Originalserie von Sky darstellt. Boysens klassische Ausbildung, und seine Jugend in einer Familie von Kreativen und Musikliebhabern, bildete die ideale Basis für einen natürlichen Umgang mit orchestralen Klangfarben. Gleichzeitig führte ihn seine persönliche Liebe zum IDM der 90er Jahre, von Aphex Twin bis Autechre, zu elektronischen Klangskulpturen, komplexen Beatmustern und gespenstischen Stimmungen. Bei Hecq ging es (unter anderem) immer darum, diese beiden scheinbar gegensätzlichen Tendenzen zu einer einheitlichen Sprache zu verschmelzen, zusammengehalten von Boysens Begabung als Arrangeur, Sounddesigner und Klanggeschichtenerzähler. Nach einer mehrjährigen Pause von Hecq, gibt es nun plötzlich eine neue EP. Sie trägt den Titel “Form” und ist eines der vielversprechendsten Comebacks in diesem Jahr. “Form” schafft es, ein vertrautes, leicht nostalgisches Gefühl zu transportieren und dieses gleichzeitig in Tracks einzubetten, die einige der abenteuerlichsten Kompositionsideen in Boysens Karriere aufweisen. Weniger episch in Design und Klang als das Vorgängeralbum “Mirage” arbeiten diese Stücke mit eigentlich einfachen Ideen, um verblüffend originelle Ergebnisse zu erzielen. Sie zeugen von den Talenten eines Produzenten, für den die Welt der Musik noch voller ungenutzter Potenziale ist - und der, wie unser Podcast beweist, sich auch gerne in aller Tiefe darüber unterhält. | |||
| #23 mit Andreas Schneider: Spaß am Frickeln | 02 May 2023 | 00:54:36 | |
Im BEAT Producer Podcast bittet Tobias Fischer spannende Gäste zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge dreht sich um Modular-Papst Andreas Schneider und der von ihm gegründete Superbooth. Seit der ersten Ausgabe ist die Synthie-Fachmesse stetig gewachsen und gilt heute als das wichtigste Event seiner Art überhaupt. Auch Superbooth23 verspricht wieder schmackhaft zu werden. So trafen wir uns für ein Gespräch über den Spaß des Frickelns, die meditativen Qualitäten des Musikmachens und spannende Modular-News. Als Andreas Schneider sein „Büro“ eröffnete, waren Modularsynthies das möglicherweise nischigste Produkt der Elektronik. Gemeinhin galten sie als abstrakte und komplizierte Spielzeuge für Musiker, die lieber mit dem Lötkolben als einem Keyboard hantierten. Genau das war es, was Schneider magisch anzog. Frustriert von Erfahrungen als Manager und Marketing-Experte und dem Eogoismis der Musikindustrie fand er endlich das, was ihm so lange gefehlt hatte: Die Liebe am Experiment, am Ausprobieren, am Spielen. Aus der Leidenschaft wurde schon bald ein Laden. Hier, und das macht das Konzept aus, konnte man die faszinierenden und doch angeblich längst von der Zeit eingeholten Geräte und Gerätchen ansehen, anfassen und antesten. Letzten Endes also schlicht das, was im konventionellen Einzelhandel für „modernes“ Equipment schon lange selbstverständlich war. Mit dem Unterschied, dass es bei Schneider einfach viel mehr Spaß machte. Und so wird der Zwischenstopp am Kottbusser Tor für so Manchen zum Pflichtprogramm beim Berlinbesuch. Der Superbooth (auf den Maskulin legt Schneider viel Wert) wird schon bald zur natürlichen Ergänzung zum Verkauf. Hier treffen sich Hersteller und Kunden, diejenigen welche die Klangkisten bauen und diejenigen, die mit ihnen Musik produzieren. Der Austausch und das Handanlegen ist für das Konzept essentiell. Denn letzten Endes geht es hier nicht ums „Produzieren“ oder „Verkaufen“ - sondern, allen finanziellen Zielen zum Trotz, ums „Machen“. | |||
| #22 mit Todd Terry: Die House Legende | 21 Mar 2023 | 00:58:01 | |
Im 3x3 Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge dreht sich um die House-Legende Todd Terry. Im Mainstream wurde Terry vor allem mit seinen Remixen zum Star: “Missing” mit Everything But the Girl war sogar so gut, dass er in Deutschland, den USA und UK in der Top 3 landete. Dabei sind gerade seine eigenen Produktionen mitverantwortlich dafür, dass aus einer Nischenbewegung eine weltweites Phänomen entstand. James Brown und Quincy Jones waren für den jungen Todd Terry die größten. Schon bald kamen Kraftwerk dazu – eine scheinbar krude Kombination, die aber zum Sprungbrett und zur lebenslangen Inspiration für eine große Karriere wurde. In der Schnittmenge aus diesen Einflüssen und maßgeblich inspiriert von der aufkeimenden Hip-Hop-Bewegung schuf der in Brooklyn geborene Musiker einen Sound, der dreckig war und roh, und der den Finger genau am Puls der Zeit hatte. Anderen ging es um kommerziellen Erfolg, Terry aber wollte einfach nur Musik machen und in kreativer Hinsicht “der King” sein. In seinem Schlafzimmerstudio standen bereits die wenigen Geräte, mit denen er schon bald eine Revolution entfachte: Eine Drum Machine, ein paar Synths, ein Paar einfache Boxen und ein Mixer. Die Songs entstanden allesamt live im Augenblick, als Jams und Performances. “Rough” sollte es sein – und “rough” wurde es auch. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, denen langsam aber sicher die Ideen ausgehen, ist das Produzieren für Terry eine Sucht geblieben. Seine Produktivität ist geradezu obsessiv, die Liste der Tracks, die nach seiner Umstellung auf eine digitale Arbeitsumgebung entstanden sind, erstreckt sich ins Unendliche. Dabei bestand eine der Herausforderungen darin, die besagte “Roughness” auch am Laptop zu erzeugen. Genau darum – und darüber wie sich Technologie und Kreativität in seinem Schaffen sich seit nunmehr fast 40 Jahren gegenseitig befruchten, geht es in diesem Gespräch. Aktuelle Single: Todd Terry, Janika Tenn & Lee Wilson: “I Give You Love” | |||
| #21 mit Markus Reuter - Künstliche Intelligenz | 24 Feb 2023 | 00:44:58 | |
Im 3x3 Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge dreht sich um Markus Reuters faszinierende Arbeit im Bereich Künstlicher Intelligenz. Mit seinem Projekt Kid Arrow sprengt Reuter die Grenzen seiner eigenen Produktivität und kreativen Vorstellungskraft. Sein Ziel: Neue Welten aus Klang entwerfen, entdecken und erforschen. 30. So viele Alben hat Markus Reuter in knapp einem Jahr unter den beiden Projektnamen Kid Arrow und 4Gal aufgenommen. Hinzu kommen noch einige als Beacon of Hope. Jedes davon gehört mit zum besten, was im Elektronik-Bereich 2022/23 veröffentlicht wurde – und es hätten problemlos noch einige mehr sein können. Denn diese Musik, irgendwo zwischen Electronica und Ambient, entsteht im Zusammenspiel mit einer selbst entwickelten Kompositions-Software – ein Ansatz, der ihn schon sein gesamtes Musikerleben hindurch verfolgt. Alle Stücke basieren auf einer einzigen, kurzen, recht einfachen MIDI-Komposition. Reuter passt für jedes Album einige der Parameter an – Tempo, Tonart und vor allem die Tonhöhe einzelner Noten. Danach schickt er das Stück durch seinen Prozess und erhält dabei Ergebnisse, die zugleich vertraut und doch jedes Mal wieder aufregend anders klingen. Auch das Artwork und sogar die Pressetexte werden mit Hilfe von KI erstellt. Die Musik von Kid Arrow steht sehr genau an der Grenzlinie zwischen computerunterstützter Komposition und maschineller Kreativität. Damit erlaubt sie einen tieferen Blick auf die zentralen Fragen, um die sich die aktuelle Diskussion dreht: Was bedeutet Kreativität genau? Was ist der eigentliche Inhalt davon, Musik zu machen? Was macht unsere Menschlichkeit überhaupt aus? Und: Wie kann ich bei all dem meinen Spaß im Studio behalten? Markus jedenfalls hat vor der Zukunft keine Angst – darüber und vieles mehr geht es unserem Gespräch. | |||
| #20 mit Thomas Lemmer - Chill in Dolby Atmos | 23 Jan 2023 | 01:14:07 | |
Im 3x3 Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. In dieser Folge erklärt Thomas Lemmer, warum er sich für sein aktuelles Album „Hope“ für einen Dolby Atmos Mix entschieden hat, welche Vorteile das Format bietet – und wie er im Studio seinen sofort erkennbaren Stil formt. Viereinhalb Millionen Mal wurde Thomas Lemmers „Peaceful“ bis jetzt alleine auf Spotify gestreamt – zehn Mal so viel wie die aktuelle Single der Rolling Stones. Dabei ist das Stück nicht nur rein instrumental, sondern, titelgemäß, von einer tiefen Sehnsucht nach Ruhe geprägt. Chill-Out nannte man das früher – für Lemmer ist es schlicht und ergreifend die Musik, zu der er sich seit vielen Jahren ganz natürlich hingezogen fühlt. Dabei kann er auch ganz anders. Davon zeugen seine experimentellen Ambient-Fusionen, Exkursionen in Richtung kosmischer Sequencer-Musik, warme House-Referenzen und seine klassischen Pop-Songs mit der langjährigen Vocal-Partnerin Valeska Rautenberg. „Hope“, sein Ende letzten Jahres auf Sine Music erschienenes Album bietet Beispiele für all diese Facetten und noch einige Überraschungen mehr – und ist damit das wohl vielseitigste und repräsentativste Werk Lemmers überhaupt. Für einige wird es zugleich sein bestes sein. Entscheidend für diesen Gesamteindruck sind nicht nur die gewohnt starken Kompositionen, sondern diesmal vor allem auch die epische Klangwelt, in welche „Hope“ die Hörerin in seinen 73 Minuten entführt. Zusammen mit Eric Horstmann, dem wohl führenden Dolby-Atmos-Engineer Deutschlands, öffneten sich für die traumhaften Stücke höhere Dimensionen. Davon durften wir uns im Berliner Genelec Experience Center höchstpersönlich überzeugen und mit Thomas und Eric über die Feinheiten der Produktion und des Atmos-Masterings austauschen – sowie über die Studiokniffe hinter viereinhalb Millionen Streams. | |||
| #19 mit Jean-Michel Jarre - Musik der Zukunft? | 21 Dec 2022 | 00:44:28 | |
Im 3x3 Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge dreht sich um Jean-Michel Jarres neues Werk „Oxymore“ und die ungeahnten Potentiale, die sich bei der Komposition im dreidimensionalen Raum ergeben. Der Welt muss Jean-Michel Jarre nach 80 Millionen verkaufter Tonträger und rekordbrechenden Konzerten nichts mehr beweisen. Sich selbst aber sehr wohl. Sogar eingefleischte Fans, die seinen aktuellen Veröffentlichungen nur noch wenig abgewinnen können, werden zugeben: Auf seinen Lorbeeren hat sich der französische Elektronik-Großmeister nahezu nie ausgeruht. In dieser Hinsicht passt „Oxymore“ perfekt ins Bild. Sein 21. Studioalbum mag sogar als eines der radikalsten seiner Karriere durchgehen. Nahezu ausschließlich aus flirrenden Sound-Effekten, monströsen Bässen, und mutierenden Schlagzeug-Patterns aufgebaut verweigert sich Jarre dem gängigen Bild von ihm als melodieseeligen Schöngeist. Diese Musik irritiert, polarisiert, und lässt einen ebenso entgeistert wie begeistert zurück. Musik der Zukunft? In diesem Fall wohl eher: Eine Reise zurück in die Zeit. Denn „Oxymore“ ist Jarres Mentor Pierre Henry gewidmet, dessen frühe Sampling-Experimente den Kurs der modernen Musikgeschichte entscheidend beeinflusst haben. Hier lebt sein Geist fort – sowohl in der musikalischen Konzeption und Ästhetik als auch, ganz konkret, in den Klängen. So durfte sich Jarre aus einem noch vor Henrys Tod für ihn zusammengestellten Sample-Archiv frei bedienen. Komponiert und abgemischt wurde das Werk dann in Dolby Atmos. Was sogar Jarre, nach einem halben Jahrhundert im Geschäft, vor einige Herausforderungen stellte. Das ist aber nur der Ausgangspunkt für ein tiefes Gespräch über Klang, Kunst und seine persönliche Geschichte. | |||
| #18 mit Pole - Mastering-Perspektiven | 23 Nov 2022 | 01:10:00 | |
Im 3x3 Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge dreht sich alles um die Mastering-Perspektive von Pole – alias Stefan Betke – und wie Kreativität und Technologie zusammenwirken. Auch heute noch ist ein neues Pole-Album ein Ereignis. Ein knappes Vierteljahrhundert nach seinem Debüt, das für einen kurzen Augenblick die Musikwelt auf den Kopf stellte, kehrt Stefan Betke mit seinem bereits zweiten Album in zwei Jahren zurück. Und “Fading” enttäuscht nicht. Es hat alles, was dieses Projekt seit den ersten Tagen so erkennbar und aufregend gemacht hat: Warme Bass-Schlaufen, wundersame Achorde und winzige Klangpartikel, die sich auf eine unerklärliche Art und Weise zu einer faszinierenden Neudeutung all dessen zusammensetzen, was man von einer weitaus traditionelleren Musik erwarten würde: Melodien, Harmonien, Grooves und thematischen Strukturen. Die Geschichte um den kaputten Waldorf-Filter, der fröhlich vor sich hin knisterte und knackte, bis Betke eher durch Zufall darin rhythmische Muster erkannte, ging seinerzeit um die Welt. Für „Fading“ stand erneut ein nicht mehr voll funktionsfähiges Gerät im Mittelpunkt: Ein sterbender Minimoog. Darüber entstanden Songs, die dank sparsamer Klaviertöne und gegen den Strich gebürsteter Drums eine jazzig-technoide Stimmung erzeugen. Betke bleibt seinem Stil treu, ohne dabei den Blick nach vorne zu vernachlässigen. Zugleich aber ist er auch ein großartiger Mastering-Engineer. Und so bildet das Thema Mastering den Einstieg in unser Gespräch, in dem wir darüber reden, was guten Klang ausmacht, und wie er heute auf einige seiner Produktionen zurückblickt. | |||
| #17 mit Röyksopp - Melancholie vs Euphorie | 22 Oct 2022 | 00:59:20 | |
Im 3x3 Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Hier dreht sich alles um drei Produktionen – stets aus der Perspektive von Technologie und Kreativität. Diese Folge dreht sich ganz um das Gefühl von Nostalgie – und wie sich mir ihr aktuelle Dance-Pop-Tracks realisieren lassen. Mit diesem Comeback hatte wohl keiner gerechnet. Vor acht Jahren verabschiedeten sich Röyksopp vom Albumtagesgeschäft, um sich auf sorgfältig ausgewählte Projekte wie eine Kafka-Aufführung oder Jingles für das norwegische Radio zu konzentrieren. Eine Hintertür aber hatte sich das Duo offengelassen: Ihr letztes Werk “The Inevitable End”, so betonen sie nun, sei schlicht ihr letztes “traditionelles” Album gewesen. Und tatsächlich ist “Profound Mysteries” keineswegs mit der ersten Phase der Röyksopp-Saga zu vergleichen. Über drei eigenständige und dennoch verbundene Alben, bunt gemischte Kollaborationen, stilistische Bocksprünge und eine Flut von Tracks, deren Entstehung sich teilweise über mehrere Jahre erstreckte, legen Svein Berge und Torbjørn Brundtland einen klanglichen Blumenstrauss vor, der gleichermaßen rückwärts und nach vorne blickt. Für Fans ein Muss, für Freunde audophilen Sound-Designs ein Festmahl, entsteht hier ein eigenständiger Kosmos aus Nostalgie und Euphorie. In unserem Gespräch erklären uns Röyksopp, warum Nostalgie für sie eine derart treibende Kraft ist, wie sie die komplexen Sounds von “Profound Mysteries” realisiert haben und warum weniger Samples in moderner Musik ein Verlust sind. | |||
| #16 Nils Hoffmann - Atmoshpäre mit Beats | 27 Sep 2022 | 01:02:56 | |
Im 3x3 Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. Hier dreht sich alles um drei Produktionen sowie drei einflussreiche Tools – stets aus der Perspektive von Technologie und Kreativität. Diese Folge dreht sich um die Kunst, mit wenigen Elementen dreidimensionale Welten zu schaffen – und viele Spuren im Mix wie aus einem Guss klingen zu lassen. Nils Hoffmann mag noch nicht jedem ein Begriff sein. Das könnte sich aber schon recht bald ändern. Denn in den letzten zehn Jahren hat der Produzent aus Berlin einen erkennbaren persönlichen Stil zwischen Progressive House und emotionalem Techno geschaffen der nun, auf seinem zweiten Album “A Radian Sign”, voll zur Entfaltung kommt. Darauf entwickelt sich Hoffmann immer mehr zu einem ambitionierten Songwriter und Sound-Designer, der sich gleichermaßen darauf versteht eingängige Melodien zu schreiben, romantische Harmoniebögen zu spannen und traumhafte Vocals nahtlos in seine epischen Arrangements einzubetten. Gerade letzteres erwies sich als Herausforderung, denn jede Nils-Hoffmann-Produktion setzt sich aus bis zu hundert Spuren zusammen, die erst in der Summe den warmen, schwebenden Klang ergeben, für den er steht. In unserem Gespräch erklärt Nils uns, wie er seine Drums so mischt, dass sie sich wie ein Messer durch die zahllosen Schichten bohren. Warum er sich für eine Kombination aus Vintage-Synthies und Software entschieden hat. Und wie heutzutage der Songwriting-Prozess funktioniert. | |||
| #15 Dirk Serries - Ambient-Visionen und visionäre Improvisation | 19 Aug 2022 | 01:37:02 | |
Im 3x3 Podcast bittet Tobias Fischer spannende Produzenten zum Tiefen-Gespräch. In drei Runden geht es um drei eigene und drei fremde Produktionen sowie drei einflussreiche Tools – stets aus der Perspektive von Technologie und Kreativität. Diese Folge dreht sich um die Schnittstelle zwischen Noise, Ambient und Electronica – und warum Gitarren die besseren Synthesizer sind. Dirk Serries ist, neben Steve Roach, der wohl wichtigste Ambient-Künstler nach Brian Eno. Mitte der 80er entwickelte er sein Underground-Noise-Projekt VidnaObmana zu einer Musik, die von fast schon schmerzhafter Melancholie und Schönheit erfüllt war. Seine zwischen 1990 und -92 eingespielte erste “Trilogie” und “The River of Appearance” gelten heute vollkommen zurecht als Klassiker. Auf dem Höhepunkt seines Ansehens jedoch beendete der Antwerper Künstler das Projekt – und vollzog einen radikalen Kurswechsel. Unter dem neuen Namen Fear Falls Burning entdeckte er die Gitarre und hypnotisch-minimalen Post-Rock für sich, tauchte später sogar in die Welt freier Improvisation ein. Daneben aber kehrte er immer wieder zu den atmosphärisch dichten Welten seiner Frühphase zurück. In unserem Gespräch erklärt Dirk uns, wie er seine einzigartigen Arrangements aus akustischen Instrumente, Drum Machine Grooves und Synthesizern geschaffen hat. Wie man mit einem Loop-Pedal so arbeitet, dass jeder Durchlauf anders klingt. Und warum Brian Eno und Robert Fripps “No Pussyfooting” für ihn bis heute eine Bibel ist, die jeder gehört haben muss. | |||
| #14 A/FIN - Dark Disco und Vintage Sound | 29 Jul 2022 | 00:44:02 | |
Erste Berührungen Musik hatte Alexander Franz in den späten 80ern mit Italo Disco – sein Vater hatte sich 1989 einen ersten CD-Player von der Marke Schneider geholt und dazu per Zufall eine „ZYX Italo Disco Hits“-Compilation - die CD hörte Alex als Kind rauf und runter. Mit Rave kam er ca. 1993 in Kontakt, die ersten Gehversuche mit Tape & Drum-Computer gab es drei Jahre später im Kinderzimmer, inspiriert von Amiga 500 Game-Musik. Mit 21 hatte er dann sein Debüt als Techno-Liveact in Düren, wo Grooveboxes & Synths zum ersten Mal zum Einsatz kamen. Danach produzierte Alex 15 Jahre lang Techno und legte den Sound von Labels wie MosFerry, Contuse, Rrygular und Tonboutique auf. Zwischendurch wagte er immer mal wieder den Versuch, in die Richtung Electro und House zu produzieren. Die ersten wirklich nennenswerten Ergebnisse, mit denen er auch heute immer noch zufrieden ist, kamen im Corona-Lockdown 2020 mit dem Projekt A/FIN zustande. Der erste Release kam Ende 2020 heraus, die zweite EP „Superflight“ folgte auf Sonderling Records. Ende 2022 kamen erste Vinyl-Releases auf Sonderling, weitere Releases stehen schon in den Startlöchern. Aktuell hat Alex viel Freude mit A/FIN, weil er sich stilistisch entfalten kann. Von EBM, Dark Disco, Lo Fi House, Italo Disco und Acid lässt sich alles vermischen, was ihm gefällt. Im Podcast sprechen wir über die Genre Richtung Dark Disco und was diese ausmacht, sein Equipment und die Verwendung von seiner Hardware im Produktionsprozess. Hört rein! | |||
| #13 Tom-E Project - Wie Beats interessant bleiben | 01 Jul 2022 | 00:26:44 | |
Die Karriere vom Tom-E Project von Thomas Corbeck begann 1999 in einer Großraum Diskothek in Dinslaken NRW als Resident DJ im Bereich Dance/Trance und House. Dort bekam er seinen DJ Namen Tom-E und war dort bis 2001 tätig. Schnell stellte sich heraus, dass es nicht nur beim Auflegen bleiben sollte. Er wollte mehr. Also entschloss er mit seinem damaligen DJ-Partner etwas Eigenes auf die Beine zu stellen und sie gründeten das Projekt „Unique Beatz“. Das eigene Musikstudio wurde recht zügig in Voerde aufgebaut und wurden die ersten Erfahrungen mit DAW und Equipment gesammelt.
Nach einer etwas längeren Pause beiderseits hatte Tom-E sich dann ebenfalls entschlossen, wieder mit dem Produzieren weiter zu machen, diesmal aber solo. So wurde 2018 das Tom-E Project geboren und konnte mit einem Remix für Andestro „Falling Star“ 2019 den ersten Release verzeichnen. Im Mai 2019 erschien die erste eigene Single „Reflections of the Moon“, kurz darauf folgten die Singles „Shine“, „Walk Alone“, „Blaze“, „Somebody I Could Be“ und „Somewhere“. Bis heute kamen auch einige Remixe für z.b. Attic People, Andestro, Copamore, BuzzGo, Base Experience, Charles & Carmichael und Noiizless dazu. In 2021 entschloss er mit seinem damaligen Partner das alte Projekt „Unique Beatz“ von 2001 wieder zurück ins Leben zu rufen und so veröffentlichten sie im Dezember die Single „Supposed 2 Do“. In Folge #13 sprechen wir mit Tom-E über Kreativität beim Producing, welche Rolle noch das Radio für Künstler spielt, warum Spire das Tool seiner Wahl ist und was ihn motiviert, Musik zu machen. Hör rein! | |||