5 Minus - Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel.
Das Gesundheitssystem kollabiert und das hat Konsequenzen. Darüber spreche ich mit Menschen, um Ideen und Lösungswege zu entwickeln. Denn Politik hat leider in den letzten 20 Jahren bewiesen, dass sie es aus unterschiedlichen Gründen nicht kann. Wir starten einen Versuch.
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Wer soll das alles bezahlen? Die große Systemfrage! | Laura zum aktuellen Stand
Season 1 · Episode 94
Tuesday, October 6, 2026 • Duration 34:06
Die Woche war für Dr. Laura Dalhaus alles andere als entspannt. Trotzdem startet sie diesmal mit einer guten Nachricht.
Die FAZ hat darüber geschrieben, was Ärzt an ihrem Beruf wichtig ist – und Laura greift einige Punkte daraus auf. Denn bei all dem Frust über Politik, Bürokratie und Rahmenbedingungen darf eines nicht untergehen: Der Arztberuf selbst ist wunderbar.
Genau deshalb lohnt es sich, für bessere Bedingungen zu kämpfen. Das System muss sich verändern, damit Ärzt:innen diesen Beruf auch weiterhin so ausüben können, wie er gedacht ist.
Der Kanzler hat zuletzt das „Doppelsystem“ aus PKV und GKV infrage gestellt. Die Zeit hat dazu recherchiert und drei mögliche Modelle vorgestellt.
Für Laura ist klar: Die entscheidende Diskussion muss gemeinsam geführt werden. Was kann und soll eine solidarisch finanzierte Krankenversicherung überhaupt bezahlen?
Auch Laumann beschäftigt sich mit diesem Spannungsfeld. Er will einen fairen Ausgleich zwischen den berechtigten unternehmerischen Interessen von Praxen und dem Anspruch der Bürger auf eine Versorgung entsprechend ihrer medizinischen Dringlichkeit.
Gleichzeitig haben Ärzt aber genauso das Recht darauf, nicht Stück für Stück in ihrer Freiberuflichkeit eingeschränkt zu werden.
Ein weiteres Problem zeigt sich inzwischen in immer mehr Kommunen. Dort werden eigene MVZs gegründet, weil die ärztliche Versorgung anders teilweise nicht mehr sichergestellt werden kann. Nur kostet das die Kommunen viel Geld – und ob ein solches MVZ am Ende wirtschaftlich funktioniert, ist keineswegs garantiert.
Damit landet Laura bei einer ziemlich grundlegenden Frage: Wer bezahlt eigentlich medizinische Daseinsvorsorge?
Und dann kommt der nächste Aufreger.
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte fordert einen automatischen Krankenversicherungsschutz für Neugeborene. Denn der GKV-Versicherungsnachweis kommt häufig erst Wochen nach der Geburt. Für Praxen entsteht dadurch ein Regressrisiko – zum Beispiel dann, wenn Neugeborene geimpft werden.
Es gibt aber auch eine positive Nachricht: Die Streichung der Fixkostendegression ist beschlossen.
Das Prinzip stammt aus der Industrie: Je mehr produziert wird, desto niedriger werden die Stückkosten. Beim Autobau mag das funktionieren. In der Medizin funktioniert es eben nicht so einfach.
Auch mit der Pharmaindustrie wird weiter verhandelt. Höhere Herstellerrabatte sollten das Gesundheitssystem finanziell entlasten. Nun wird über Ausnahmen für Unternehmen gesprochen, die ihren Sitz in Deutschland haben.
Dann geht es wieder um Krankenhausrechnungen. Dass diese kontrolliert werden, ist grundsätzlich nachvollziehbar. Doch die Bürokratie wächst weiter – und gleichzeitig sollen auch die Prüfungen durch den MD ausgeweitet werden.
Die Konsequenz: Health Care Professionals landen landen noch häufiger am Schreibtisch statt am Patient.
Auch beim sogenannten „Pflegedeckel“ wird gestritten. Ein Heimplatz kostet im Durchschnitt 3.364 Euro, davon entfallen 1.775 Euro auf die reinen Pflegekosten. Ob und wie es hier Entlastungen geben soll, darüber sind sich CDU und SPD uneinig.
Gleichzeitig werden Beschäftigte und Kinderlose stärker belastet.
Immerhin gibt es auch hier eine gute Nachricht: Die geplanten Kürzungen bei den Rentenansprüchen pflegender Angehöriger sind vom Tisch.
Was Laura bei all diesen Debatten nicht versteht: Die Probleme kommen nicht überraschend.
Wir wissen seit Jahren, dass wir uns um diese Themen kümmern müssen. Dass das gesamte SGB an vielen Stellen Reformbedarf hat, ist keine neue Erkenntnis.
Und trotzdem wirkt es immer wieder so, als hätte niemand kommen sehen, was längst vor uns liegt.
Notaufnahme, Reformversuche und Milliardenlöcher | Laura zum aktuellen Stand
Season 1 · Episode 93
Tuesday, September 29, 2026 • Duration 50:52
Gerade mal eine Woche ist seit der letzten Solofolge von Dr. Laura Dalhaus vergangen – und schon gibt es genug Stoff für die nächste.
Gleich mehrere Medien berichten über völlig überfüllte Notaufnahmen. Die Situation hat inzwischen ein Ausmaß erreicht, das kaum noch tragbar ist. Patient:innen warten teilweise bis zu 24 Stunden auf ihre Versorgung. Ein bisschen politisches Pflasterkleben reicht da längst nicht mehr.
Gleichzeitig schließen immer mehr Kreißsäle. In NRW gibt es aktuell nur noch 117 Geburtskliniken, vor neun Jahren waren es noch 153. Die Branche warnt bereits vor weiteren Schließungen. Parallel arbeiten Krankenhäuser seit Wochen an den Sparprogrammen für 2027 – und prüfen dabei besonders jene Abteilungen, die sich wegen unzureichender Vergütung wirtschaftlich nicht selbst tragen.
Solange der ökonomische Druck nicht aus dem Gesundheitssystem genommen wird, wird die Versorgung weiter unter Druck geraten.
Laura spricht außerdem über das Reanimationsvideo und den Beef mit der TK. Sie erklärt, dass einzelne Aussagen darin inhaltlich nicht korrekt waren, das Video aber ganz bewusst zugespitzt wurde. Dahinter steht für sie eine entscheidende Frage: Wenn Krankenkassen für einen Notfall lediglich eine Notfallpauschale vergüten – wie gut kann eine Versorgung in der Notaufnahme dann eigentlich funktionieren?
Gesundheitsminister Carsten Linnemann möchte nun mehrere Omnibusgesetze in sehr kurzer Zeit auf den Weg bringen. Das soll kein Selbstzweck sein, sondern den Menschen zugutekommen. Was davon am Ende tatsächlich ankommt, wird sich zeigen.
Ein weiteres Thema: das Arzt-Patienten-Geheimnis. Laura kritisiert, dass der Schutz vertraulicher Informationen auf der Kippe steht, und will sich weiterhin dafür einsetzen. Denn Ärzt:innen sollen beim Schutz solcher Informationen schlechter gestellt werden als Anwält:innen oder Geistliche.
Zwischen Nutznießern, Digitalisierung und Geld-Verschleudern | Laura zum aktuellen Stand
Season 1 · Episode 92
Tuesday, September 22, 2026 • Duration 40:17
Dr. Laura Dalhaus trägt diesmal ein Shirt mit der Aufschrift „Nutznießer“. Schließlich hat Kanzler Merz die Health Care Professionals genau so bezeichnet. Laura stellt sich deshalb vor allem eine Frage: Was hat er eigentlich für Berater:innen?
In der vergangenen Woche war sie beim Deutschen Hausärztetag. Dort hielt der KBV-Vorsitzende Herr Gassen einen Vortrag und sprach davon, dass die Versorgung der gesetzlich Versicherten vor einer Zäsur steht. Für ihn muss deshalb auch der Sicherstellungsauftrag neu bewertet werden.
Denn eines funktioniert auf Dauer nicht: Der Ärzteschaft immer mehr Pflichten aufzubürden und ihr gleichzeitig die Rechte einer freien Ärzteschaft zu nehmen.
Auf den neuen Gesundheitsminister Linnemann wartet jedenfalls eine ziemlich lange To-do-Liste. Die Primärversorgung wird weiter diskutiert, gleichzeitig steht das GeDIG an – das Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen. Ärzt:innen sehen das kritisch, weil Krankenkassen dadurch weitreichenden Einblick in die Daten ihrer Versicherten erhalten.
Und damit nicht genug: Auch das Pflege-Neuordnungsgesetz und das Gesundheitssicherstellungsgesetz stehen auf der Agenda. Das Gesundheitssystem soll resilienter werden und im Katastrophenfall handlungsfähig bleiben. Nur: Im normalen Alltag steht es bereits kurz davor, an seine Grenzen zu kommen.
Ein weiteres Highlight für Laura: das Bürokratieabbaugesetz. Was davon am Ende tatsächlich als Bürokratieabbau übrig bleibt, wird sich zeigen.
Dann wäre da noch die Notfallreform. Geplant ist unter anderem eine neue Struktur mit einem zusätzlichen Hausbesuchsdienst rund um die Uhr. 24/7 also. Die entscheidende Frage: Wer soll das eigentlich leisten?
Auch die Primärversorgung bleibt politisch auf dem Tisch. Thomas Ballers, Stellvertreter von Jens Baas, hat die Reihenfolge noch einmal bekräftigt: digital vor ambulant vor stationär.
Medizin-Controlling zwischen Widerspruch, Verschlüsselung und Wahnsinn | Martin Sonntag
Season 1 · Episode 91
Tuesday, September 15, 2026 • Duration 55:13
Wie kommt ein Krankenhaus eigentlich an sein Geld? Ein Teil der Antwort heißt Medizin-Controlling. Medizin-Controller:innen beschäftigen sich mit der Verschlüsselung von Leistungen, machen sie damit abrechenbar – und landen regelmäßig in Auseinandersetzungen mit Krankenkassen und dem Medizinischen Dienst.
Ein Thema, über das sich Dr. Laura Dalhaus immer wieder ordentlich echauffiert. Deshalb hat sie Martin Sonntag, selbst Medizin-Controller, zu „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ eingeladen.
Im Krankenhaus dreht sich bei der Abrechnung vor allem alles um zwei Bereiche: die DRG-Abrechnung und die Abrechnung der Fachabteilung der Psychiatrie.
Klingt technisch. Ist es auch.
Medizin-Controlling kann man sogar studieren. Denn Medizin ist eben nicht schwarz oder weiß – und bei der Frage, was wie abgerechnet werden darf, gehen die Vorstellungen durchaus auseinander.
Martins Hauptaufgabe besteht darin, Gutachten zu prüfen und Widersprüche zu verfassen. Aktuell gibt es rund 1,3 Millionen Krankenhaus-Abrechnungsprüfungen durch den Medizinischen Dienst. Durch das GKV-Spargesetz könnten es künftig rund zwei Millionen mehr werden.
Derzeit liegt die Prüfquote bei 10 Prozent. Damit landet jede zehnte Krankenhausrechnung beim Medizinischen Dienst. Etwa die Hälfte der geprüften Rechnungen wird negativ beanstandet.
Und wenn es anschließend vor Gericht geht, braucht niemand mit einer schnellen Entscheidung zu rechnen. Ein Klageverfahren kann allein in der ersten Instanz gut fünf Jahre dauern. Bis ein Urteil vorliegt, sind die betroffenen Patient:innen häufig schon neun oder zehn Jahre aus dem Krankenhaus entlassen.
Nur geht die Rechnung dabei nicht wirklich auf: Betrachtet man allein die Zahlen, bringen die Prüfungen weniger ein, als die damit verbundenen Kosten eigentlich rechtfertigen würden.
Durch die Rechnungskürzungen erhofft sich der Gesetzgeber Einsparungen von 1 bis 1,6 Milliarden Euro. Welche zusätzlichen Verwaltungskosten die veränderten Prüfquoten verursachen, scheint für die Politik dabei keine entscheidende Rolle zu spielen.
Apotheke oder Hausarztpraxis: Wer übernimmt was? | Leon Preschel
Season 1 · Episode 90
Tuesday, September 8, 2026 • Duration 01:19:45
Eine Berufsgruppe hat bei „5 Minus“ bislang komplett gefehlt: Apotheker:innen. Nachdem Laura Dalhaus' Aussage zum Impfen in Apotheken ordentlich Diskussionsstoff geliefert hat, ist diesmal Leon Preschel zu Gast – Apotheker und damit direkt mittendrin in einer Versorgung, die politisch immer weiter umgebaut wird.
Sein Urteil zur Gesundheitspolitik fällt in vielen Punkten negativ aus. Bei der Apothekenreform und der Erweiterung der Kompetenzen sieht er allerdings auch Chancen.
Los geht es mit einem Thema, das schon vorher für Reibung gesorgt hat: Impfen in Apotheken. Laura erklärt, wie Impfungen in Hausarztpraxen vergütet werden und warum Regresse dabei weiterhin ein reales Risiko sind.
Dabei wäre das Ziel eigentlich simpel: Die Impfquote soll steigen.
Danach geht es um POC, also Point of Care-Diagnostik. Apotheker:innen sollen damit Werte wie Vitamin D oder B12 unkompliziert bestimmen können. Leon beschreibt, dass Patient:innen teilweise schon daran scheitern, überhaupt Ärzt:innen zu finden. Apotheken könnten deshalb einen Teil dieser Versorgungslücke auffangen.
Aber Versorgung funktioniert nicht im Alleingang. Deshalb sprechen die beiden auch über die Zusammenarbeit zwischen Apotheken und Praxen. Leon wünscht sich dafür einen funktionierenden technischen Kommunikationsweg.
Außerdem erklärt er, was bei einer Medikationsanalyse passiert. Denn in der Realität läuft es eben nicht immer sauber zusammen: Ein:e Fachärzt:in empfiehlt das eine Medikament, ein:e andere:r das nächste – und am Ende passen die Präparate womöglich gar nicht zusammen.
Auch bei Originalpräparaten und Generika steckt einiges an Sprengstoff drin, vor allem finanziell. Leon spricht außerdem über Import-Arzneimittel und die Unterschiede zu hier vertriebenen Arzneimitteln. Wirkungen und Nebenwirkungen können sich unterscheiden. Deshalb schaut er genau auf die einzelnen Patient:innen und mögliche Wechselwirkungen.
Und dann geht es an ein größeres Thema: Wie blickt ein Pharmazeut eigentlich auf die Pharmaindustrie? Und was ist von Tino Sorges Aussage zu halten, die Gesundheitsversorgung sei für den Pharmastandort Deutschland verantwortlich?
Gynäkologie in 2027: Wie sieht die Versorgung aus? | Esther Scherrenbacher
Season 1 · Episode 89
Tuesday, September 1, 2026 • Duration 01:00:01
Die ambulante Versorgung steht massiv unter Druck – und das betrifft auch die Gynäkologie. Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in der neuen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Dr. Esther Scherrenbacher.
Für Esther ist derzeit völlig offen, wie viele Schwangere sie 2027 noch in ihrer Praxis betreuen kann. Grund dafür sind die Auswirkungen des GKV-Spargesetzes. Als Gynäkologin macht sie diese Unsicherheit betroffen, denn bislang war es selbstverständlich, Schwangere zuverlässig versorgen zu können.
Laura kritisiert außerdem einen Widerspruch im System: Krankenkassen erinnern Patient:innen an Präventionsangebote – teilweise sogar dann, wenn diese Untersuchungen gerade erst stattgefunden haben. Hintergrund ist, dass die Kassen verpflichtet sind, bestimmte Mittel für Prävention einzusetzen. Gleichzeitig werden jedoch Leistungen wie die gynäkologische Krebsvorsorge und die Betreuung von Schwangeren budgetiert.
Eine klassische Warteliste führt Esther inzwischen nicht mehr. Der organisatorische Aufwand dafür war für ihre MFAs schlicht zu groß. Stattdessen arbeitet sie erfolgreich mit kurzfristig verfügbaren Last-Minute-Terminen. Ihre offene Sprechstunde wird sie mit Blick auf 2027 allerdings neu strukturieren müssen.
Auch Laura hat in ihrer Praxis bereits verschiedene Konsequenzstufen eingeführt. Viele Leistungen aus ihren Zusatzqualifikationen hat sie bisher ohne zusätzliche Berechnung angeboten. Im kommenden Jahr wird das so voraussichtlich nicht mehr möglich sein. Leistungen aus Bereichen wie Sportmedizin, manueller Therapie oder Ernährungsmedizin wird sie dann häufiger als IGEL-Leistungen abrechnen müssen.
Zusätzlich kompliziert wird die Situation dadurch, dass ein und dieselbe Leistung nicht einmal gesetzlich und ein anderes Mal privat abgerechnet werden darf. Berufsrechtlich ist genau das untersagt.
Auch bei der Mammographie zeigt sich für die beiden Ärztinnen ein Widerspruch: Die Leistung wurde budgetiert, während gleichzeitig der Kreis der Patientinnen erweitert wurde, die einen Anspruch darauf haben.
Esther stammt selbst aus einer Familie von Gynäkologen und ist mit großer Leidenschaft Ärztin. Trotzdem sorgen die aktuellen Rahmenbedingungen bei ihr zunehmend für Unruhe.
Wir bürokratisieren die Pflege kaputt | Christine Vogler
Season 1 · Episode 88
Tuesday, August 25, 2026 • Duration 01:04:55
Wir alle werden älter – und damit wächst auch die Zahl der Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind. Ohne Pflege wird das nicht funktionieren. Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Christine Vogler, Vorsitzende des Deutschen Pflegerats.
In Deutschland kommen 1,7 Millionen Pflegende auf 6 Millionen Pflegebedürftige allein in der ambulanten Versorgung. Aufgrund der demographischen Entwicklung wird der Bedarf in den kommenden fünf bis zehn Jahren massiv steigen.
Damit nähert sich das System einem Kipppunkt: Wie lange können wir die notwendige Versorgung unter den aktuellen Bedingungen überhaupt noch finanzieren und sicherstellen?
Ein großer Teil des Problems ist die Bürokratie. Zwischen 20 und 30 Prozent der Arbeitszeit entfallen auf Dokumentation. Gleichzeitig sorgen zahlreiche Prüfmechanismen dafür, dass nahezu jeder Schritt nachgewiesen werden muss.
Der Deutsche Pflegerat setzt sich deshalb dafür ein, die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern, statt die Belastungen weiter zu erhöhen.
Laura erlebt die Auswirkungen der Bürokratie regelmäßig im Altenheim. Besonders der Medizinische Dienst bringt sie auf die Palme, wenn für jede mögliche Eventualität eine zusätzliche schriftliche Anordnung verlangt wird.
Für Christine beginnt der Irrsinn bereits bei den unterschiedlichen Zuständigkeiten und Finanzierungssystemen. Ein Toilettenstuhl wird beispielsweise mal von der Pflegekasse und mal von der Krankenkasse bezahlt – abhängig von der jeweiligen Situation der pflegebedürftigen Person.
Durch das neue GKV-Stabilisierungsgesetz wurde zudem ein großer Teil dessen zunichte gemacht, was zuvor auf politischer Ebene durch die Deutsche Krankenhausgesellschaft und verdi erarbeitet worden war.
Sind Frauen die besseren Chirurg:innen? | Die Chirurginnen e.v. - Gaby Sbrisny & Paula Beck
Season 1 · Episode 87
Tuesday, August 18, 2026 • Duration 01:02:38
Die Chirurgie liegt Dr. Laura Dalhaus besonders am Herzen. Umso mehr freut sie sich, in dieser Folge von "5 Minus - Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel" gleich zwei Chirurginnen zu Gast zu haben: Gaby Sbrisny, niedergelassene Allgemeinchirurgin und Gefäßchirurgin, und Paula Beck, Traumatologin und Allgemeinchirurgin vom Verein „Die Chirurginnen“.
Paula macht deutlich, dass es in der Chirurgie lange dauert, bis man wirklich selbstständig arbeiten kann. Gerade am Anfang ist es entscheidend, erfahrene Kolleg:innen an der Seite zu haben, die einen anleiten und unterstützen.
Eigentlich müsste die Ausbildung deshalb von Beginn an fest in den Klinikalltag integriert sein. In der deutschen Gesundheitsversorgung läuft Aus- und Weiterbildung jedoch häufig eher nebenher und wird irgendwie zusätzlich zum normalen Betrieb mitgemacht.
Dass es anders gehen kann, zeigt die Schweiz: Dort erhalten Krankenhäuser Geld für Weiterbildungsassistent:innen und Ausbildungszeit wird innerhalb der regulären Arbeitszeit ermöglicht.
Auch Gaby sieht deutliche Lücken in der chirurgischen Ausbildung. Gerade die vermeintlich „popelige“ Chirurgie wird im Krankenhaus häufig kaum noch vermittelt – beispielsweise die Behandlung von Lipomen oder eingewachsenen Zehennägeln.
Laura beobachtet mit Sorge, dass dadurch echte ärztliche Kunst zunehmend verloren geht, während Checklisten-Medizin immer stärker in den Vordergrund rückt.
Aus ihrer eigenen Zeit in der Chirurgie kennt Laura auch die Selbstzweifel, wenn ein Eingriff nicht so läuft wie geplant. Für Paula gehört genau diese Auseinandersetzung mit dem eigenen Handeln zum Beruf. Komplikationen lassen sich nicht vollständig verhindern – entscheidend ist, wie man damit umgeht. Wer sich irgendwann gar keine Gedanken mehr darüber macht, sollte ihrer Meinung nach überlegen, ob die Chirurgie noch der richtige Beruf ist.
Laura bringt außerdem eine Studie ins Gespräch, nach der Frauen in der Chirurgie bessere Ergebnisse erzielen als Männer. Gemeinsam diskutieren die drei darüber, welche Rolle das Geschlecht tatsächlich spielt.
Ein Faktor könnte die Kommunikation sein: So zeigen sich bessere Ergebnisse, wenn Frauen von Frauen operiert werden.
Ansprache an Herrn Linnemann: Das braucht die Medizin jetzt von der Politik!
Season 1 · Episode 86
Tuesday, August 11, 2026 • Duration 26:37
Plötzlich gibt es einen neuen Gesundheitsminister – und der sagt selbst, dass er sich für die Aufgabe noch nicht ausreichend vorbereitet fühlt und mehr Zeit zur Einarbeitung braucht.
Dr. Laura Dalhaus nimmt ihn beim Wort und liefert direkt ein paar Gedankenanstöße.
Diese Folge richtet sich deshalb ganz konkret an Herrn Linnemann: mit Aufgaben, To Dos und einigen Pitfalls, die er in der Gesundheitspolitik besser auf dem Schirm haben sollte.
Laura startet mit einem Artikel von Prof. Dr. Jürgen Windeler über die Erkenntnisse des GKV-Spitzenverbands zur datengestützten Erkennung individueller Gesundheitsrisiken. Das Ergebnis ist eher ernüchternd: Den dazu verschickten Brief haben gerade einmal 10% der Angeschriebenen gelesen.
Zum GeDIG hat Laura bereits eine eigene Folge gemacht. Jetzt geht es unter anderem um die Techniker Krankenkasse und Jens Baas. Laura sieht hier eine Entwicklung weg von der patientenzentrierten medizinischen Versorgung hin zu einer verwaltungszentrierten medizinischen Versorgung.
Im Raum steht eine verpflichtende digitale Ersteinschätzung durch die Krankenkassen. Für Laura ist die Grenze klar: An dieser Stelle haben Krankenkassen nichts zu suchen.
Damit landet sie direkt beim Primärarztsystem. Dazu gibt es eindeutige Positionen vom Hausärztinnen- und Hausärzteverband, der Bundesärztekammer und der AOK. Vergleichbare Systeme kennen wir aus anderen Ländern und aus der HZV. Die Steuerung der medizinischen Versorgung ist für Laura aber keine Aufgabe der Krankenkassen.
Auch die DEGAM hat eine klare Position formuliert: Eine Vergütungsreform ist Voraussetzung für eine Strukturreform.
Warum das entscheidend ist, zeigt Laura am Mammografie-Screening zur Früherkennung von Brustkrebs bei Frauen zwischen 50 und 75 Jahren. Dieses soll wieder ins Budget zurückgeführt und damit nicht mehr extra-budgetär vergütet werden. Dadurch wird die Zahl der möglichen Untersuchungen begrenzt – während gleichzeitig die Altersgruppe ausgeweitet wird.
Was das GKV-Spargesetz mit der Orthopädie macht | Mario Werner
Season 1 · Episode 85
Tuesday, August 4, 2026 • Duration 01:02:22
Dr. Laura Dalhaus wird häufig vorgeworfen, Fachärzt:innen zu hart zu kritisieren. Genau deshalb hat sie sich für diese Folge Unterstützung aus der Orthopädie geholt: Mario Werner. Die Aufnahme findet an einem Tag statt, an dem gleich zwei gesundheitspolitische Entscheidungen für Diskussionen sorgen – die Abschaffung der telefonischen AU und die Ankündigung einer Termingarantie für Fachärzt:innen durch den Bundeskanzler.
Für Mario steht fest: Das GKV-Spargesetz wird die ambulante Versorgung massiv belasten. Schon heute sei es für viele Praxen kaum noch möglich, wirtschaftlich zu arbeiten. Dabei beschäftigt der ambulante Sektor mehr Menschen als die Pharmaindustrie – ein Umstand, der in der politischen Debatte aus seiner Sicht viel zu wenig Beachtung findet.
In der Orthopädie beträgt die Grundpauschale rund 25 Euro. Dafür sollen eine qualifizierte Beratung, Untersuchung und Behandlung innerhalb eines Unternehmens mit Mitarbeitenden erbracht werden. Unter diesen Bedingungen lässt sich wirtschaftlich nur ein sehr begrenztes Zeitfenster pro Patient:in darstellen. Mehrere Beschwerden in einer Sprechstunde zu behandeln, scheitert häufig schon an den Vorgaben des WANZ-Prinzips.
Mario sieht darin vor allem ein Informationsproblem. Vielen Entscheidungsträgern sei nicht bewusst, unter welchen Rahmenbedingungen ambulante Medizin tatsächlich stattfindet.
Laura beobachtet außerdem, dass die konservative Orthopädie immer weiter an Bedeutung verliert. Gemeinsam nehmen die beiden dafür die Versorgung einer Handgelenksfraktur als Beispiel. Für ein Röntgenbild erhalten Orthopäd:innen lediglich etwa 12 Euro – unabhängig davon, dass vor einer Operation, danach und während der Heilungsphase mehrfach geröntgt werden muss. Zusätzliche extrabudgetäre Vergütungen über den Hausarztvermittlungsfall fallen mit dem GKV-Spargesetz ebenfalls weg.
Auch notwendige Investitionen lassen sich kaum finanzieren. Ein hochwertiges Ultraschallgerät kostet rund 40.000 Euro und kann über die Vergütung der gesetzlichen Krankenversicherung praktisch nicht refinanziert werden.
Auch bei der Zuckersteuer regt sich Widerstand in den Ländern – unter anderem vom Koordinator der CDU-geführten Bundesländer, Manfred Pentz. Da stellt sich schnell die Frage: Was hat eigentlich Priorität?
Der Chef von dm wiederum hat das Gefühl, mit bestimmten Angeboten das Gesundheitssystem zu entlasten. Laura sieht darin eher zusätzliche Arbeit für die Versorgung. Denn Patient:innen möchten ihre Ergebnisse anschließend ärztlich eingeordnet bekommen. Für Laura ist klar: Sie ist nicht der Erklärbär für alle Player, die mit privaten Leistungen Geld verdienen.
Auch Kanzler Merz sorgt für Gesprächsstoff. Mit zwei Sätzen hat er die Existenz der privaten Krankenversicherung infrage gestellt. Laura erklärt, wie vielschichtig dieses Thema tatsächlich ist.
Ihre Antwort darauf ist das Primärarztsystem. In der grundsätzlichen Problembeschreibung liegt der Kanzler für Laura nicht falsch – bei den daraus gezogenen Schlüssen allerdings schon. Für die Zukunft erwartet sie zunehmend Ambulant-privat-Zusatzversicherungen.
Für das geplante Primärversorgungssystem soll im November ein erster Gesetzesentwurf vorliegen.
Und dann wäre da noch ein Thema, an dem man aktuell kaum vorbeikommt: der Finanzskandal im deutschen Gesundheitssystem. Durch verzocktes Geld der Krankenkassen entstand ein Schaden von 1,1 Milliarden Euro. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe arbeitet den Skandal und die eigene Rolle darin derzeit auf und verklagt nun den Vorstand.
Außerdem wollen die Krankenkassen erneut Zugriff auf die Praxiskalender. Für Laura stellt sich damit eine grundsätzliche Frage: Wie viel Freiberuflichkeit bleibt Ärzt:innen dann eigentlich noch?
Denn die niedergelassene Ärzteschaft trägt das finanzielle Risiko bis hin zur Haftung mit dem Privatvermögen. Gleichzeitig soll von außen in die Terminplanung eingegriffen werden. Damit steht für Laura auch der freie Arztberuf zur Debatte.
Zum Schluss geht es – mal wieder – um Jens Spahn. Er nahm Kind-krank-Tage und flog in dieser Zeit nach Sardinien. Laura bezeichnet das als personifizierte Doppelmoral.
Gerade in der Notfallmedizin läuft schon heute vieles über Flussdiagramme. Damit sind die Chatbots schon überfordert. Dieses System für noch mehr Beratungsanlässe zu öffnen, ist für Laura eine Utopie.
Der Digitalisierungswahn der TK hat bereits Konsequenzen: Hunderte Psychotherapeut:innen haben die TK aus Protest verlassen. Der daraus entstandene Verlust sollte bei rund vier Millionen Euro liegen.
Für den nächsten Aufschrei sorgen 15 Krankenkassen: Sie haben bei Spekulationsgeschäften 1,1 Milliarden Euro verloren. Welche Krankenkassen betroffen sind, wird allerdings nicht veröffentlicht. Laura hält genau diese fehlende Transparenz für fragwürdig.
Gleichzeitig soll eine neue Kommission dafür sorgen, dass die Pharma-Branche durch Subventionen geschont wird. Patient:innen dagegen sollen künftig bis zu 15 Euro zuzahlen pro Medikament.
Und irgendwo zwischen all diesen Baustellen verhandeln Krankenkassen und Kassenärztliche Bundesvereinigung auch noch über den Orientierungswert.
Auch die Unikliniken bekommen ihr eigenes Kapitel. Laura bringt einen Fall mit, bei dem ein Medikament für 11.000 Euro pro Monat verschrieben wurde. Würde ein:e niedergelassene:r Ärzt:in eine solche Verordnung ausstellen, könnten riesige Regresse drohen.
Genau da liegen für Laura die Hausaufgaben der Politik.
Dann gibt es noch die MVZs. Bei ihnen wird immer undurchsichtiger, welche Investor:innen eigentlich dahinterstehen.
Dabei schaffen niedergelassene Praxen Arbeitsplätze und sorgen für Kaufkraft. Nur scheint genau das in der Politik nicht besonders viel Aufmerksamkeit zu bekommen.
Praxen selbst müssen übrigens ziemlich transparent sein: Sie müssen offenlegen, wer sie sind, welche Fachärzt:innen dort arbeiten und was abgerechnet wird. Für den Medizinischen Dienst gelten diese Anforderungen nicht in gleicher Weise. Laura fordert deshalb auch beim MD mehr Transparenz.
Und dann geht es noch um die Krankenkassen selbst. Künftig sollen sie ihre Versicherten nicht mehr über eine Erhöhung des Zusatzbeitrags informieren müssen. Das schwächt allerdings den Wettbewerb zwischen den Kassen – genau den Wettbewerb also, den die Politik eigentlich wollte.
Zum Schluss spricht Laura über die Wahl in Sachsen-Anhalt. Das Ergebnis lässt sie fassungslos zurück. Sie kann nicht nachvollziehen, wie Hass und die Abwertung anderer Menschen gesellschaftsfähig werden konnten.
Vor allem vor Kolleg:innen zieht sie dabei den Hut.
Besonders absurd wird es an einem anderen Punkt: Menschen, die heute Jobs wie Martin machen, kommen ursprünglich häufig aus der Patient:innenversorgung. Gleichzeitig soll dieser Bereich weiter ausgebaut werden – und damit fehlen genau diese Fachkräfte an anderer Stelle in der Versorgung.
Natürlich landet auch die Dokumentation wieder auf dem Tisch. Der MD hinterfragt regelmäßig, ob das Dokumentierte tatsächlich stimmt. Teilweise entsteht dabei der Eindruck, dass der Nachweis über die geleistete Arbeit wichtiger geworden ist als die eigentliche Arbeit mit und an Patient:innen.
Laura kritisiert außerdem, dass der Facharztstandard beim Medizinischen Dienst nicht immer eindeutig ist und auch nicht in jedem Fall zu den zu prüfenden Fällen passt.
Dahinter steckt eine Misstrauenskultur: Der MD geht davon aus, dass Controller:innen zusammensitzen und überlegen könnten, wie sich Krankenkassen bei der Abrechnung austricksen lassen.
Auch bei der geplanten Verringerung der Zahl der Krankenkassen sieht Laura ein Problem. Gerade kleinere Krankenkassen, die sehr gute Arbeit leisten, könnten dabei verschwinden. Gleichzeitig braucht es keine 93 Krankenkassen.
Bei all den Prüfquoten, Gutachten, Widersprüchen und Abrechnungen gerät ein Punkt erstaunlich schnell aus dem Blick: die Patient:innenbehandlung.
Denn hinter jedem Fall, über den entschieden und gestritten wird, steht ein Mensch.
Martin rechnet im kommenden Jahr mit noch mehr MD-Prüfungen und noch mehr negativen Gutachten. Ein ziemlich ernüchternder Ausblick.
Die beiden wollen deshalb noch einmal miteinander sprechen, sobald das neue Jahr läuft – und dann schauen, was die Veränderungen für den Alltag im Medizin-Controlling tatsächlich bedeuten.
Leon trennt hier klar zwischen forschenden Pharmaunternehmen und Generika-Herstellern. Für ihn ist entscheidend, dass Produktionsstätten für Medikamente in Europa bleiben und nicht weiter nach Asien und in andere Regionen ausgelagert werden.
Laura bringt anschließend das Dispensierrecht auf den Tisch, besonders mit Blick auf den Notdienst. Die Situation kennt sie aus der eigenen Praxis: Sie fährt im Notdienst zu einer Person, verschreibt ein Medikament – und danach darf die Person erst einmal herausfinden, wo überhaupt eine Notapotheke geöffnet hat.
Leon hat Ideen für eine andere Organisation des Apotheken-Notdienstes. Das Dispensierrecht selbst sieht er jedoch kritisch.
Laura macht deutlich: Gerade in kritischen und akuten Situationen braucht es die Zusammenarbeit von Apotheken und Praxen vor Ort. Genau dann zählt nicht irgendeine Versandstruktur, sondern eine funktionierende Versorgung direkt vor Ort.
Auch Leon sieht insbesondere ausländische Versandapotheken kritisch. Für ihn sind sie eher Logistikunternehmen als echte Versorgungsstrukturen.
Und am Ende bleibt ein Punkt, der sich nicht schönreden lässt: Die Politik darf die Rahmenbedingungen dieser Berufe nicht weiter kaputtmachen. Fachkräftemangel gibt es längst, Apotheken verschwinden und immer weniger Menschen ziehen Medizin überhaupt noch als Beruf in Betracht.
Ein weiteres Thema sind mögliche Regresse. So kann Esther beispielsweise in der Schwangerschaft nicht ohne Weiteres eine TSH-Bestimmung durchführen, obwohl diese Untersuchung die Versorgung in bestimmten Situationen deutlich vereinfachen könnte.
Laura macht deutlich, dass ein funktionierendes Gesundheitssystem auch eine demokratische Bedeutung hat. Gerade angesichts der aktuellen politischen Lage ist es besonders wichtig, eine stabile und verlässliche Gesundheitsversorgung zu sichern.
Umso wichtiger ist für beide Ärztinnen der Austausch mit Kolleg:innen. Laura beobachtet inzwischen eine Art zunehmenden Widerstand innerhalb der Ärzteschaft gegenüber politischen Entscheidungen. Die Möglichkeiten, darauf aufmerksam zu machen, sind allerdings begrenzt – streiken dürfen Ärzt beispielsweise nicht ohne Weiteres.
Viele Patient wissen bislang kaum, welche Veränderungen 2027 auf sie zukommen könnten. Entsprechend groß dürfte bei einigen die Überraschung sein, wenn bestimmte Angebote künftig nicht mehr im bisherigen Umfang verfügbar sind.
Von Herrn Linnemann wünscht sich Esther vor allem eine Entbudgetierung der ambulanten Versorgung. Hinzu kommen für sie der dringend notwendige Abbau von Bürokratie, eine konsequentere Digitalisierung und mehr Wertschätzung für die Arbeit der niedergelassenen Ärzt:innen seitens der Politik.
Laura kritisiert, dass die Bedeutung der ambulanten Ärzteschaft für das Funktionieren des gesamten staatlichen Systems politisch offenbar unterschätzt werde. Viele Aufgaben und Bescheinigungen, die heute in den Praxen erledigt werden, könnten nicht einfach auf den stationären Bereich übertragen werden – insbesondere dann nicht, wenn dort zusätzlich umfangreiche Papierstapel bearbeitet werden müssten.
Zum Abschluss geht es außerdem um § 218. Beim Deutschen Ärztetag 2025 hat sich Laura intensiv dafür eingesetzt, dass sich die Ärzteschaft geschlossen gegen die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen positioniert. Eine einheitliche Haltung innerhalb der Gynäkologie nimmt sie in dieser Frage bislang jedoch nicht wahr.
Laura sieht noch ein weiteres strukturelles Problem: Health Care Professionals bringen häufig ein besonders ausgeprägtes Verantwortungsgefühl mit. Die Kolleg:innen im Stich zu lassen, kommt für viele schlicht nicht infrage – selbst wenn die eigene Belastungsgrenze längst erreicht ist.
Gleichzeitig unterscheidet sich die Pflege in Deutschland deutlich von anderen Ländern, in denen sie als Studium organisiert ist. Die Pflegeausbildung ist hochkomplex und umfasst zahlreiche Bereiche – von Gyn über Kinder und Psychiatrie bis hin zur Altenpflege.
Für Laura ist deshalb völlig unverständlich, warum diese gut ausgebildeten Fachkräfte nicht deutlich mehr Verantwortung übernehmen dürfen. Eine Pflegeverordnung kann eine erfahrene Pflegekraft in vielen Fällen besser beurteilen als ein:e Ärzt:in. Auch Christine sieht großes Potenzial in der interprofessionellen Zusammenarbeit: Jeder Beruf sollte seine tatsächlichen Kompetenzbereiche auch ausleben dürfen.
Die beiden sprechen außerdem darüber, dass identische oder vergleichbare Leistungen unterschiedlich vergütet werden – abhängig davon, wer sie erbringt. Ein Beispiel ist das Impfen, das in der Hausarztpraxis budgetiert ist. Gleichzeitig macht Laura die Vorstellung wütend, dass das Gesundheitssystem auch noch Verantwortung für den Pharmastandort Deutschland übernehmen soll. Währenddessen müssen Pflegekräfte dokumentieren, ob sie einer pflegebedürftigen Person die Haare gekämmt haben. Wie soll das zusammenpassen?
Auch bei medizinischen Tätigkeiten gibt es Grenzen, die Laura und Christine hinterfragen. Aufgaben wie Drainagen, Blut abnehmen oder Zugänge legen könnten teilweise von Pflegekräften übernommen werden, dürfen aber nur von Ärzt:innen durchgeführt werden. Statt Versorgung zu erleichtern, stehen solche Strukturen einer guten Patientenversorgung mitunter sogar im Weg.
Doch wie sieht es auf politischer Ebene aus?
Christine arbeitet als Präsidentin des Deutschen Pflegerats ehrenamtlich. In Deutschland gibt es lediglich zwei Kammern, auf Bundesebene fehlt es jedoch an einer klaren Aufgabenübertragung an die Pflege. Auch zentrale Stellen oder eine Pflegeberichterstattung existieren nicht. Für eine vernünftige Planung der Gesundheitsversorgung ist das aus ihrer Sicht eine Katastrophe.
Hinzu kommt die aktuelle Diskussion um Kürzungen bei den Pflegegraden. Auch soziale Ungerechtigkeiten werden dadurch verschärft, dass keine Rentenpunkte mehr gesammelt werden sollen, wenn Menschen ihre Angehörigen pflegen.
Laura würde sich stattdessen ein deutlich einfacheres Prinzip wünschen: Behandelt werden sollte das, was tatsächlich behandelt werden muss.
Ein Kernproblem bleibt für sie der Medizinische Dienst und die damit verbundene Bürokratie. Das Misstrauen gegenüber Health Care Professionals ist enorm, während bestehende Verwaltungsstrukturen behandelt werden, als wären sie „gottgegeben“. Ähnliches erlebt sie bei den Krankenkassen: Statt Versorgung einfacher zu machen, wird nach Fehlern bei Ärzt:innen gesucht, um Leistungen am Ende nicht bezahlen zu müssen.
Gleichzeitig gibt es weiterhin Se*ismus-Vorwürfe und Berichte darüber, dass berufliche Karrieren von Frauen aktiv behindert werden. Paula beobachtet darüber hinaus Unterschiede in der Art und Weise, wie gearbeitet wird.
Genau deshalb ist der Verein „Die Chirurginnen“ so wichtig. Er schafft Vorbilder und zeigt jungen Frauen, welche unterschiedlichen Karrierewege ihnen innerhalb der Chirurgie offenstehen.
Denn auch die Chirurgie kämpft längst mit einem Nachwuchsproblem – genau wie viele andere medizinische Fachrichtungen.
In der Berufspolitik ist inzwischen angekommen, wie wichtig es ist, junge Ärzt:innen frühzeitig einzubinden. Laura erlebt allerdings immer wieder, dass sich PJler nach einem Tertial in der Chirurgie bewusst gegen das Fach entscheiden.
Eine weitere Herausforderung ist die enorme Menge an praktischer Erfahrung, die notwendig ist, um eine gute Chirurgin oder ein guter Chirurg zu werden. Laura selbst hat immer gerne und viel gearbeitet. Die erforderlichen Stunden im OP vergleicht sie mit einem hochkomplexen Sport oder dem Erlernen eines Instruments: Eine halbe Stunde Training pro Woche reicht schlicht nicht aus, um wirklich gut zu werden.
Genau darin liegt jedoch auch ein großes Problem. Die notwendige Arbeitsbelastung und der hohe Anspruch führen gleichzeitig dazu, dass viele Menschen ausbrennen.
Zum Abschluss richten Laura, Gaby und Paula den Blick auf die Gesundheitspolitik. Die drei diskutieren über den neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann und darüber, welche Wünsche und Erwartungen sie als Ärztinnen an ihn haben.
Deshalb Lauras nächste Aufgabe für Herrn Linnemann: Bitte einmal genau die Abrechnungssystematik des EBM erklären lassen!
Wie unmittelbar gesundheitspolitische Entscheidungen die Versorgung treffen, zeigt sich längst vor Ort. Im Kreis Herford fordert ein SPD-Politiker die Rückkehr des kinderärztlichen Notdiensts, weil die aktuelle Situation zulasten der Familien geht. Für Laura ist klar: Gesundheitspolitik hat Konsequenzen – und Herford ist kein Einzelfall.
In Kreuztal gibt es keine Gynäkolog:innen mehr. Gleichzeitig wird die gynäkologische Abteilung in Schwalmstedt geschlossen, weil sie sich wirtschaftlich nicht mehr rentiert.
Dann wäre da noch ein weiterer mächtiger Player: die Pharma-Branche. Sie erhöht den Druck und droht damit, bei zunehmendem Preisdruck den Standort zu verlassen.
Auch bei den Psychotherapeut:innen eskaliert der Konflikt. Sie rechnen mit der TK ab und wandern ab. In einem offenen Brief werfen sie der Krankenkasse vor, den direkten Zugang zur Psychotherapie verhindern zu wollen.
Lauras Fazit fällt entsprechend deutlich aus: Wir haben eine Gesellschaft, die immer älter wird und gleichzeitig mit mehr Krankheiten lebt. Prävention wird massiv ausgebremst und selbst der Return on Invest der Psychotherapie von 3,80 Euro findet politisch kaum Beachtung.
Gleichzeitig wachsen die Existenzsorgen in der Ärzteschaft. Immer mehr Ärzt:innen denken über Alternativen zur bisherigen Versorgung nach. Fachgruppenübergreifend wird eine Reduktion der Kassensprechstunde auf 25 Stunden vorbereitet. Für Laura führt dieser Weg langfristig in Richtung eines amerikanischen Gesundheitssystems.
Zum Schluss wünscht sie Herrn Linnemann gutes Gelingen. Ihre Hoffnung: weniger theoretische Konstrukte, mehr „einfach mal machen“ – und vor allem endlich den Stimmen derjenigen zuhören, die jeden Tag die Versorgung sicherstellen.
Für Laura und Mario ist das Ausdruck einer strukturellen Unterfinanzierung. Gleichzeitig fordert die Politik immer mehr Ambulantisierung. Aus ihrer Sicht passt das schlicht nicht zusammen und ist das Ergebnis jahrelanger gesundheitspolitischer Fehlentscheidungen.
Mario hat sich bewusst für seinen Beruf entschieden und zusätzlich die Fortbildung Chirotherapie absolviert. Vergütet wird diese Leistung jedoch lediglich mit fünf bis sechs Euro – deutlich zu wenig, um den Aufwand der Weiterbildung oder die notwendige Behandlungszeit abzubilden. Vor allem fehlt ihm die Möglichkeit, Patient:innen die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie eigentlich benötigen.
Laura macht deutlich, welche Folgen dieser Zeitdruck hat. Sie befürchtet, dass sich gesundheitliche Versorgung künftig immer stärker am Geldbeutel orientiert. Für sie bestätigt sich damit erneut: Armut macht krank – und Krankheit macht arm.
Mit gesetzlich versicherten Patient:innen lassen sich häufig gerade einmal die laufenden Kosten einer Praxis decken. Das Einkommen der Praxisinhaber:innen wird vielfach erst durch Privatpatient:innen erwirtschaftet. Gleichzeitig tragen Selbstständige sämtliche wirtschaftlichen Risiken – von Krankheit bis zum Praxisausfall – selbst.
Für beide ist klar: Eine stabile Gesundheitsversorgung ist eine Grundvoraussetzung für das Funktionieren eines Landes.
Ein weiterer Dauerbrenner ist die Bürokratie. Sie bindet inzwischen so viele Ressourcen, dass in Lauras Praxis regelmäßig eine ärztliche Kraft einen kompletten Tag ausschließlich für Formulare, Anträge und Dokumentation einplant.
Laura ist überzeugt, dass die Stimmung in der Ärzteschaft deutlich besser wäre, wenn die Politik medizinische Expertise ernster nehmen würde. Schließlich investieren viele Ärzt:innen rund zwölf Jahre in ihre Aus- und Weiterbildung, bevor sie als Fachärzt:innen tätig sein können.
Auch Mario sieht Herausforderungen außerhalb der Politik. Viele Patient:innen unterschätzen, wie eng der Handlungsspielraum von Ärzt:innen inzwischen durch gesetzliche und wirtschaftliche Vorgaben geworden ist.
Besonders kritisch bewertet Laura die angekündigte Termingarantie. Für sie gehört die Gestaltung des Terminkalenders zur unternehmerischen Freiheit und damit zur ärztlichen Selbstständigkeit. Gleichzeitig entsteht bei ihr der Eindruck, dass die Interessen großer Lobbys – etwa der Lebensmittelindustrie oder der Pharmaindustrie – politisch deutlich stärker berücksichtigt werden als die derjenigen, die täglich die medizinische Versorgung sicherstellen.