Was ist Aufklärung? – Détails, épisodes et analyse

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Podcast Was ist Aufklärung?

Was ist Aufklärung?

Die Stimme der Vernunft

Société & Culture

Fréquence : 1 épisode/7j. Total Éps: 45

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Diese Serie soll sich jener berühmten Frage widmen, die schon Kant beschäftigte: Was ist Aufklärung? Aufklärung ist, worum sich all meine Schriften und Vorträge drehen; diese Serie soll die Grundlage für ihr Verständnis bilden, insofern ich hier erkläre, was ich denn unter diesem Begriff verstehe. Diese Vorträge finden sich auch als Videos auf YouTube, für welche Plattform sie ursprünglich entstanden. Eine Übersicht über meine weiteren Vorträge, Texte von mir und mehr finden sich auf meiner Webseite: https://jonathanivoloewer.de/
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Was ist Aufklärung? - Wie das Leben des Menschen sich mit und ohne Ideen vollzieht

Épisode 45

samedi 18 décembre 2021Durée 01:33:59

Der Aufgeklärte handelt nach einer Idee und sucht diese in der materiellen Welt zu verwirklichen. Ein solcher Idealismus aber, ein solches Geleitet-Sein durch die Vernunft ist selten, ja heute vielfach ganz unbekannt. Wo er fehlt, ist der Mensch stattdessen von der Sinnlichkeit geleitet, er wird von seinen Neigungen und persönlichen Interessen bestimmt, und oft zeichnet in unserer ausgeklärten Welt Egozentrik all sein Tun und Schaffen aus. Der Gegensatz zum Idealismus lässt sich in allen großen Bereichen des menschlichen Lebens deutlich nachvollziehen.


Aufklärung ist Handeln nach Ideen: 0:08

Den Idealisten beurteilt niemand nach seiner Persönlichkeit, sondern jeder nach seiner Idee, in der er nämlich aufgegangen ist: 3:42

Heute bildet man sich bauernstolz viel auf seinen Materialismus ein: 10:47

In solch einer an Ideen armen Welt muss in allen Gebieten Egozentrik herrschen: 14:49

- Kunst: 18:02

- Politik: 40:49

- Moral: 58:07

- Religion: 1:13:59

- Wissenschaft: 1:25:37

Ein jeder lebe nach einer Idee: 1:31:26


Noch einmal empfehle ich zum Verständnis der Ideen wie auch zur kräftigen Begeisterung zum Idealismus: Johann Gottlieb Fichte: Ueber das Wesen des Gelehrten und seine Erscheinungen im Gebiete der Freiheit: https://www.projekt-gutenberg.org/fichte/gelehrte/chap007.html

Was ist Aufklärung? - Aufklärung ist Handeln nach Ideen

Épisode 44

samedi 11 décembre 2021Durée 01:32:00

Der Aufgeklärte ist Idealist vor allem in praktischer Rücksicht. D. h. anstatt sich von der materiellen Welt bestimmen zu lassen und ihr Sklave zu sein, nimmt er sie nur als Material zur Verwirklichung der Ideen. Diese Ideen sind es, Bilder, die er nicht aus der Erfahrung nimmt, sondern aus reiner Vernunft, welche ihn anleiten und all sein Tun und Wirken bestimmen.


Der Aufgeklärte ist stets Idealist: 0:08

Der Idealist hat eine Idee, wonach er handelt: 1:12

Die materielle Welt ist dem Idealisten Stoff zur Verwirklichung seiner Idee: 13:41

Der Idealist kennt die materielle und die ideelle Welt, dem Materialisten ist die letztere verschlossen: 16:38

Nur der Idealist ist frei; der Materialist ist gefesselt an das blöde So-ist-es-nun-einmal: 20:09

Jedem Idealisten geht die Idee in einer ihm gemäßen Gestalt auf: 28:57

Doch gibt es streng genommen nur eine einzige Idee: 32:43

Verschiedene Idealisten können einander nie Feind oder hinderlich sein: 35:59

Freiheit ist gerade die Wahl zwischen Materialismus und Idealismus: 44:54

Oft wird der Idealist mit dem Ideologen verwechselt: 48:28

- Wo Streit herrscht, kann wenigstens eine Seite nicht idealistisch sein: 53:41

- Der Gegenstand der Ideologie ist aus der Sinnlichkeit genommen, die Idee ist stets nur denk-, nicht sinnlich erfahrbar: 58:13

Oft wird der Idealist mit dem Schwärmer verwechselt: 1:07:54

- Der bloße Schwärmer sucht in die Ideen vor der materiellen Welt zu fliehen, der Idealist sucht sie in diese hinunter zu bringen: 1:08:28

- Die Idealisten haben noch stets rechtbehalten, die Realisten hingegen bremsen und bekämpfen nur das Gute: 1:10:14

- Das Ideal allein macht frei: 1:16:50

- Idealisten sind die wahren Realisten: 1:21:09

Wo immer ein Ideal als unmöglich und realitätsfern verschrien wird, sei man darum unbekümmert und bedenke, dass der vermeintliche Realist von der Sache wahrscheinlich auch nichts versteht: 1:27:44


Die vielleicht herrlichste und erhebendste Schrift über den Idealismus und die göttliche Idee ist: Johann Gottlieb Fichte: Ueber das Wesen des Gelehrten und seine Erscheinungen im Gebiete der Freiheit: https://www.projekt-gutenberg.org/fichte/gelehrte/chap007.html

Was ist Aufklärung? - Der Aufgeklärte hat ein Ich, der Unaufgeklärte viele

Épisode 35

samedi 9 octobre 2021Durée 01:30:07

Dass der Unaufgeklärte nicht individuell ist, sondern vielmehr Klischees lebt und die meiste Zeit über irgendwelche Rollen spielt, das habe ich bei früherer Gelegenheit schon ausgeführt. Aber nicht nur im alltagssprachlichen Sinne hat man dies zu verstehen, sondern ganz wörtlich: Der unaufgeklärte Mensch ist kein Individuum, d. h. kein Unteilbares, sondern eher ein Divdiuum, ein Teilbares, ja richtiger noch, ein Divisum, ein Geteiltes. Die Bemerkung mag trivial erscheinen, dass selbst denken nur kann, wer ein Selbst auch hat, sie ist aber für die Aufklärung von großer Bedeutung, denn die Menschen mögen zwar meinen, nur weil sie „Ich“ sagen können, hätten sie auch wirklich ein Ich, die Wahrheit ist aber, dass sie eine Vielzahl von Ichen in ihrer Brust tragen: Von Augenblick zu Augenblick, je nach dem Affekt, der gerade herrschend, nach der Rolle, die gerade gefragt, dem Begehren, das gerade im Vordergrund ist, wechseln die verschiedenen Iche einander ab. Ein Selbstdenken ist einem Menschen in dieser Lage gar nicht möglich, denn wenn er im einen Moment etwas denkt, muss im nächsten Moment schon ein anderes Ich etwas Anderes denken, das dem Vorigen nur allzu oft widersprechen wird. Bei der Aufklärung geht es daher darum, die verschiedenen Anteile des eigenen Wesens zu einem einzigen mit sich selbst einigen Ich zu vereinen.


Soll ich selbst denken, brauche ich dafür Ein Ich: 0:08

Der unaufgeklärte Mensch ist nicht Einer, sondern Legion: 2:35

Oft spielen Menschen ihre verschiedenen Iche gegeneinander aus: 11:11

Was die Menschen zu ihrem Ich, was zum Nicht-Ich rechnen, das wechselt oft je nach Situation: 27:49

- Oft nutzen Menschen es aus, bestimmte ihrer Handlungen, statt sich selbst, dem Nicht-Ich anlasten zu können: 38:39

Vielfach gibt es eine Kluft zwischen den Meinungen der Menschen und ihrem Tun: 53:10

- Es gibt einen Unterschied zwischen bloßem Kennen und echtem Begreifen und Durchdringen einer Sache, der in der Philosophie sehr deutlich wird: 57:13

- Was immer die Ideologie oder der Glaube eines Menschen ist: sie gleichen sich meist darin, wie wenig diese Meinungen für ihr Handeln bedeuten: 1:02:14

- Der heroische Charakter meint, all sein Tun wäre notwendig gut, da er ja selber gut wäre, und wähnt sich daher über Regeln und Kontrollen erhaben: 1:07:40

- Die Meinungen und Glaubenssätze der Menschen liegen oft nur oberflächlich auf, bedeuten aber wenig für ihren tatsächlichen Lebensvollzug: 1:09:26

- Aufklärung soll den Menschen transformieren, sie geht zuerst auf seine Haltung, über welche sie seine Meinungen wandelt, während das Umgekehrte kaum Erfolg verspricht: 1:20:30

Ein festes, einiges Ich kann nur haben, wer klare Prinzipien hat: 1:27:25


Ich sage in diesem Vortrag, dass das depressive Wegwerfen seiner Selbst nur ein versteckter Narzissmus ist. Dieser Narzissmus, kann ich anfügen, ist Grundlage der Depression: Der Narzisst, darin unterscheidet er sich vom bloß Eitlen, hat kein Du, er ist nur mit sich selbst beschäftigt - Narziss verliebte sich schließlich in sein eigenes Spiegelbild. An eben diesem Fehlen eines Du leidet nun der Depressive: Es ist ihm - gerade das macht seine Depression aus -, als wäre er wie durch eine Mauer von der Welt abgesondert, wobei er diese Mauer selbst errichtet hat. Auch aus seinem eigenen Ich kann ihm keine Freude erwachsen, es muss verkümmert oder vielmehr unentwickelt sein, denn ein Ich kann sich, wie die Wissenschaftslehre beschreibt, nur in dem Maße entwickeln, wie es mit einem Du in Kontakt tritt.

Was ist Aufklärung? - Folgen unaufgeklärter Inkonsequenz

Épisode 34

samedi 2 octobre 2021Durée 01:37:47

Der Aufgeklärte ist konsequent, denn er folgt einem klaren vernünftigen Prinzip. Wer aber unaufgeklärt ist, dem fehlt ein solches, der wird immer wieder von Vorurteilen und Neigungen bestimmt. Diese aber machen kein geschlossenes System aus, sondern widersprechen einander, und so wird er von ihnen immer wieder hin und her gerissen und muss immer wieder in Widerspruch mit sich selbst und der Wirklichkeit geraten. Dies hat für sein Denken und Urteilen verschiedene Folgen.


Der Unaufgeklärte ist stets inkonsequent in seinem Denken und Meinen: 0:08

Die meisten Meinungen sind so widersprüchlich, dass man sie nur hegen kann, wenn man nicht allzu genau hinschaut: 1:17

Unaufgeklärte messen oft mit zweierlei Maß: 3:48

- Die Verlogenheiten der Rechten: 4:45

- Wer das unehrliche Messen mit zweierlei Maß nicht verachtet, ist von Aufklärung noch weit entfernt: 13:40

- Die Selbsttäuschung der Linken: 15:00

- Wer mit zweierlei Maß misst, denkt sicher nicht selbst: 22:49

Die einzelnen Meinungen der Unaufgeklärten passen oft nicht zusammen: 35:12

- Beispiel: Wie Menschen die Moral leugnen und doch moralisch sein wollen: 36:31

- Beispiel: Wie Menschen die Demokratie hochhalten und doch demokratische Prinzipien verwerfen: 51:53

- Weshalb die Meinungen der Unaufgeklärten nicht zueinander passen: 1:10:05

Die Unaufgeklärten verweisen oft auf die Widersprüchlichkeit ihres Denkens und Tuns, um sich herauszureden und der Kritik zu entgehen: 1:16:59

Was ist Aufklärung? - Aufklärung ist Konsequenz

Épisode 33

samedi 25 septembre 2021Durée 01:29:38

Aufgeklärt, d. i. vernünftig, sein, das heißt, mit sich selbst in Übereinstimmung zu denken. Vernunft nämlich ist Einheit und kann sich niemals selbst widersprechen. Widerspricht ein Mensch sich, passen seine Meinungen nicht zueinander oder ist sein Tun inkonsequent, so darf als sicher gelten, dass er wenigstens nicht ausschließlich vernünftig ist, sondern dass mindestens einmal die Natur in ihm, seine Neigung, ein liebgewonnenes Vorurteil oder derlei ihn beherrschte. Wer als ein Aufgeklärter nach festen Grundsätzen denkt, urteilt und handelt, der wird eben deshalb in diesem Denken, Urteilen und Handeln stets gänzlich konsequent sein.


Aufklärung bedeutet, mit sich selbst in Übereinstimmung zu denken, die Meinungen der Unaufgeklärten dagegen sind stets inkonsequent und voller Widersprüche: 0:08

Beispiel: Alle arationalistischen Meinungen, die, wie die politische Korrektheit, nur die nicht diskutierbare Privaterfahrung gelten lassen, verlangen Inkonsequenz: 2:33

- Nur die Privaterfahrung gelten zu lassen, öffnet Tür und Tor für Missbrauch: 6:42

- Auf wen soll man hören, wenn die persönlichen Befindlichkeiten zweier Menschen einander widersprechen?: 8:18

- Wo soll die Grenze liegen, bis wohin man sich fremder Befindlichkeit zu unterwerfen und auf seine Vernunft Verzicht zu tun hat?: 13:47

- Wie soll, wenn nur Privaterfahrung gilt, bestimmt werden, wessen bzw. welcher Gruppe private Erfahrung gilt, wessen bzw. welcher Gruppe tatsächliche oder behauptete Befindlichkeit hingegen verworfen wird?: 21:23

Bei denen, die man ablehnt, ist man eher gewillt, Inkonsequenz zu sehen, wie das Beispiel der Bewertung von extremistischer und gemäßigter Glaubensauslegung zeigt: 29:58

Wo der Mensch sich selbst widerspricht, ist er sicher unaufgeklärt, d. i. fremdgeleitet: 42:14

Die Unaufgeklärten sind oft Gefangene der Sinnlichkeit, von der sie nicht abstrahieren können und die sie verhindert, nach Prinzipien zu verfahren: 50:24

Der Mensch soll nicht bloß meinen, sondern Grundsätze haben, die meisten Grundsätze erweisen sich aber ihrerseits wieder als bloße Meinungen und sind widersprüchlich; es ist nur ein konsequenter Grundsatz möglich: 58:24

Das Aufsuchen eines allerersten Grundsatzes, aus dem alles Andere notwendig und ohne Widerspruch folgt, ist Aufgabe der Philosophie: 1:05:15

Oft scheinen mehrere Grundsätze gleichermaßen möglich, genaueres Hinsehen erweist aber stets, dass nur ein einziger von ihnen sich konsequent vertreten lässt, wie das Beispiel der Moralphilosophie zeigt: 1:12:00

Die eigentliche Freiheit besteht nicht in einzelnen Entschlüssen, sondern in der Wahl zwischen Vernunft und Unvernunft, d. h. zwischen konsequenter Verfolgung eines einzigen Grundsatzes oder inkonsequenter Triebkür: 1:20:54

Wer meine Überzeugungen verwirft, von dem erwarte ich nicht bloße Ablehnung, sondern dass er mir zeige, wo ich mir widerspreche: 1:27:01


Wer sein eigenes Denken vertiefen und sich auf die Suche nach einem ersten Prinzip begeben will, dem lege ich ans Herz: Johann Gottlieb Fichte: Die Bestimmung des Menschen: http://www.zeno.org/Philosophie/M/Fichte,+Johann+Gottlieb/Die+Bestimmung+des+Menschen

Was ist Aufklärung? - Klare Prinzipien heben alles Meinen auf

Saison 32 · Épisode 33

samedi 18 septembre 2021Durée 01:10:30

Der Aufgeklärte hat wohlgegründete Überzeugungen. Der Unaufgeklärte dagegen hat nur leere Meinungen. Weil aber auch er ein Vernunftwesen ist, muss er, will er diese überhaupt irgendwie begründen, wenigstens implizit auf Grundsätze zurückführen. Und über diese Grundsätze lässt sich den Meinungen begegnen: Wird A vertreten und mit X begründet - so lässt sich X angreifen; es lässt sich zeigen, dass A gar nicht aus X folgt, selbst wenn man X gelten lässt; es lässt sich aufzeigen, dass aus X vielleicht A, jedenfalls aber auch B folgt, wobei B etwas ist, was man nicht vertreten möchte, weshalb man X verwerfen muss; oder es lässt sich demonstrieren, dass X sich selbst aufhebt. Alle diese Möglichkeiten, zumal die letzteren, sind jedoch mehr für das eigene Nachdenken und die Probe bestimmter Meinungen zu empfehlen, als dass es hierdurch oft gelänge, Unaufgeklärte von ihren Meinungen, d. i. ihren Dogmen und Vorurteilen, abzubringen.  


Der Mensch soll nicht meinen, sondern seine Überzeugungen aus Grundsätzen entwickeln, weshalb Debatten auch nicht über Meinungen zu führen sind, sondern Grundsatzdebatten zu sein haben: 0:08

Wird eine Meinung durch einen Grundsatz begründet, wozu der Mensch stets gezwungen ist, so gibt es mehrere Möglichkeiten, dieser Meinung entgegenzutreten: 4:10.

1. Man kann dem Grundsatz, auf den sich berufen wird, widersprechen: 6:41

2. Man kann aufzeigen, dass die vertretene Meinung gar nicht aus dem Grundsatz folgt, auf den sich berufen wird: 12:03

3. Man kann aufzeigen, dass aus dem Grundsatz, auf den sich berufen wird, nicht nur die vertretene Meinung, sondern noch Anderes folgen würde, das aber abgelehnt wird: 25:28

- Diese Argumentationsweise ist gut geeignet, viele verderbliche Meinungen als solche zu erkennen und zu verwerfen; bei Denen, die solcherlei Meinungen hegen, wirkt sie aber meist nicht, sondern macht man sich hierdurch nur unbeliebt: 33:53

4. Man kann aufzeigen, dass der Grundsatz, auf den sich berufen wird, sich selbst widerspricht: 44:16

- Die meisten philosophischen Systeme lassen sich widerlegen, indem man derart ihre inneren Widersprüche aufdeckt: 52:05

- Auch diese Argumentationsweise bringt selten einen Unaufgeklärten von seiner Meinung ab: 1:03:22

Jeder kann über die hier beschriebenen Wege, auch wenn es ihm nicht gelingt, andere zu überzeugen, für sich Meinungen prüfen und, so sie sich als falsch erweisen, verwerfen: 1:05:28

Wahre Freiheit des Denkens besteht nicht darin, eigene Meinungen, sondern darin, Prinzipien zu haben: 1:06:20


Ich komme in diesem Vortrag darauf zu sprechen, dass es im Koran kein Beschneidungsgebot gibt. Von Beschneidung spricht der Koran nicht. Dies kann ich nicht beweisen, da sich ein empirisches Nichtvorhandensein nie beweisen lässt, immer nur ein Vorhandensein; ich kann also bloß jedermann herausfordern, sollte ich irren, mir den entsprechenden Koranvers vorzulegen.


Was ist Aufklärung? - Meinungen und Überzeugungen

Saison 31

samedi 11 septembre 2021Durée 33:10

Unser Zeitalter wird vom Götzen Meinung beherrscht. Meinungen, solch oberflächliche Gedankenschnipsel, hat der Unaufgeklärte, weil ihm die Grundsätze fehlen. Seine Vorurteile, seine Triebe und Gewohnheiten geben ihm ein, was er von Fall zu Fall zu meinen hat, und oft ist er unbesorgt darum, dass es nicht zueinander passt. Der Aufgeklärte hingegen ist kein blindlings Meinender, er hat wohlgegründete Überzeugungen. Diese ergeben sich ihm notwendig aus seinen Prinzipien. Und nicht darin liegt die Freiheit, diese oder jene Meinung zu haben, die man dann mit dem Stolz der Ignoranz seine eigene nennt, sondern frei ist, wer sich selbst einen Grundsatz erwählt.


Der Unaufgeklärte meint, der Aufgeklärte hat Überzeugungen: 0:08

Meinungen sind willkürlich, aus Grundsätzen hingegen ergeben sich mit Notwendigkeit bestimmte Folgen: 4:13

Wer eigene Meinungen hat, ist gerade nicht frei, sondern frei ist, wer nach Prinzipien verfährt: 7:05

Wer nur meint, ist unberechenbar, wer aber nach Grundsätzen denkt, dessen einzelne Positionen lassen sich mit Bestimmtheit vorhersagen: 17:16

Debatten über Meinungen sind fruchtlos, sinnvoll sind nur Grundsatzdebatten: 24:08

Was ist Aufklärung? - Aufklärung ist Denken, Urteilen und Handeln nach Grundsätzen

Saison 30

samedi 4 septembre 2021Durée 01:26:00

Vernünftig sein, selbst denken, das ist nicht wildes Rumphantasieren und blindes Meinen, dem die Grundlagen fehlen, und Der hat noch nicht selbst gedacht, dessen Meinung ihm nicht unmittelbar von einem anderen Menschen diktiert, sondern von seiner Neigung eingegeben wurde. Sondern Vernunft ist das Vermögen der Prinzipien, und vernünftig und selbstständig denkt derjenige, der nach Grundsätzen, die er sich selbst gegeben und deren Richtigkeit er selbst eingesehen hat, verfährt.

Vernunft ist das Vermögen der Prinzipien: 0:08

Unser Recht ist vielfach willkürlich, statt aus Grundsätzen abgeleitet zu sein: 3:16

Beispiel: Das Wahlrecht: 3:56

Beispiel: Das Inzestverbot: 22:38

Beispiel: Das Verbot der Holocaustleugnung: 31:35

Beispiel: Das Verbot von Drogen wie Cannabis: 36:37

Der Mensch als ein Vernunftwesen kann, selbst wenn er unaufgeklärt und eigentlich prinzipienlos ist, nicht anders, als wenigstens implizit Grundsätze für seine Meinungen und Handlungen anzugeben: 41:39

Unsere Gesellschaft ist großenteils frei von aller Vernunft, wie etwa das Beispiel unserer Schulen zeigt: 51:15

Auch die einzelnen Menschen handeln großenteils ohne jede Vernunft, wie etwa das Beispiel unserer Kindererziehung zeigt: 1:15:17

Nur nach strengen Grundsätzen zu verfahren, ist vernünftig: 1:25:43

Was ist Aufklärung? - Selbstlosigkeit und Seligkeit

Épisode 29

samedi 28 août 2021Durée 01:26:15

Der Irrglaube ist sehr verbreitet, dass glücklich am ehesten Der werde, der sich selbst am wichtigsten nimmt und sich zuvörderst um dieses sein Selbst kümmert. Entsprechend werden Viele die Überindividualität, zu der Aufklärung hinstrebt, ablehnen, meinend, dass eine selbstlose Haltung, sie möge auch aufgeklärt oder sittlich sein, jedenfalls unglücklich macht. Tatsächlich aber wird der Egozentriker nicht nur böse gegen Andere handeln; wer den aufgeklärten Grundsatz „Was liegt an mir?“ verwirft, der wird damit auch unfehlbar ein unglückliches Leben wählen, während der Aufgeklärte eines der Heiterkeit und Seligkeit führt.  


Aufklärung bedeutet Erhebung zur Überindividualität, dies bedeutet jedoch keineswegs ein Aufgebe der Seligkeit: 0:08

1. Wer sein Ich zu wichtig nimmt, wird dadurch Anderen Unglück schaffen: 3:15

- Beispiel: Der Wehrmachtssoldat im Zweiten Weltkrieg, der andere Leben für seines opfert: 3:38

- Beispiel: Die Schulleiterin, die das Wohl ihrer Mitarbeiter und Schüler für ihren Posten opfert: 10:44

- Der Sittliche ist selbstlos, Egoismen wie etwa eigene Ängste können ihn daher nicht bestimmen: 21:20

2. Wer sein Ich zu wichtig nimmt, wird dadurch sich selbst Unglück schaffen: 26:26

- Beispiel: Reue: 28:39

- Beispiel: Kränkungen: 35:32

- Beispiel: Minderwertigkeitsgefühle: 44:00

- Wir versuchen vergeblich, dem Gefühl, ungenügend zu sein, durch Selbstoptimierung zu begegnen: 56:36

- Wir versuchen vergeblich, dem Gefühl, ungenügend zu sein, dadurch zu begegnen, dass wir uns zu akzeptieren lernen, wie wir sind: 1:01:47

- Dem Gefühl, ungenügend zu sein, muss Der nicht begegnen, der nicht danach fragt, ob er genügt oder nicht: 1:05:51

- Der Unaufgeklärtheit fehlt stets der Grund, deshalb übersieht sie, dass jeder Mensch zahllose Anlässe hat, sich ungenügend zu fühlen, wenn er nur will: 1:11:15

Sowohl anderen Menschen als auch mir selbst diene ich mehr, wenn ich nicht in einem fort mit meinem Ich beschäftigt bin: 1:22:55

Was ist Aufklärung? - Aufklärung ist Selbstlosigkeit, nicht Selbstverleugnung

Épisode 28

samedi 21 août 2021Durée 47:08

Was liegt an mir? - Dieser Satz Nietzsches ist notwendig ein Motto des Aufgeklärten, dem es in seinem Leben, bei dem, was ihm begegnet, und dem, was er tut, stets um die Sache, nie um sich geht. Man hat dies nicht mit Selbstverleugnung zu verwechseln, mit der gewalttätigen Unterdrückung des eigenen Ich und der willentlichen Versagung seiner Wünsche, mit dem Aufsichnehmen einer Askese im Namen eines höheren Zieles. Vielmehr ist solch eine verlogene und sklavenhafte Verleugnung seines Selbst dem Aufgeklärten gar nicht nötig, denn er hat seiner Persönlichkeit ihren Platz gegeben, an dem sie gedeihen und ihn tragen kann - an dem sie aber ihn nicht beherrscht, sondern wie Alles sonst im Dienste der Vernunf steht.


Dem Aufgeklärten geht es nicht um sich, sondern stets um die Sache: 0:08

Wenn dem unaufgeklärten Egozentriker etwas widerfährt, so kommt es ihm vor allem darauf an, dass er es ist, dem dieses widerfährt: 1:55

Wenn der unaufgeklärte Egozentriker etwas tut, so kommt es ihm vor allem darauf an, dass er es ist, der dieses tut: 8:46

Die Unaufgeklärten unterstellen gerne allen Menschen ihre Egozentrik und begreifen schwerlich, dass es andere gibt, die Nietzsches Motto „Was liegt an mir?“ leben: 15:32

Gemäß einer uralten Dichotomie meint man, entweder zwischen der bösen, aber genussvollen Selbstsucht oder der guten, aber freudlosen Selbstverleugnung wählen zu müssen: 17:16

Wer sein Selbst noch aktiv verleugnen muss, der hat sich über dieses noch nicht erhoben und ist sicher nicht aufgeklärt: 28:05

Das Persönliche und Empirische am Menschen ist nicht abzulehnen oder zu verleugnen, sondern es hat seinen Platz, bloß soll es nicht das Bestimmende sein: 32:09

Menschen, die einer Idee folgen, stellen ihre Persönlichkeit in deren Dienst, statt sich von dieser Persönlichkeit beherrschen zu lassen: 40:33


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