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Explorez tous les épisodes du podcast Wohlstand für Alle
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| Titre | Date | Durée | |
|---|---|---|---|
| Ep. 264: Die Rezession, die keiner wahrhaben will | 28 Aug 2024 | 00:44:03 | |
„Aufwachen!“, ruft uns Heiner Flassbeck zu. Deutschland erlebt eine Rezession, aber immer noch tun sehr viele Politiker und Journalisten so, als sei eigentlich alles in Ordnung und schon zeichne sich wieder Licht am Ende des Tunnels ab.
Dies trifft leider nicht zu. Die Wirtschaftsindikatoren lassen keinen Grund für Optimismus zu. Es sieht sehr düster aus in Deutschland. Das exportorientierte Wirtschaftsmodell schwächelt, die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Nachfrage fehlt, Direktinvestitionen lassen nach und die immer noch hohen Zinsen verstärken die Krise. Außerdem ist die Austeritätspolitik ein derart großes Problem, dass sich selbst die internationale Presse auf den deutschen Sparzwang eingeschossen hat.
In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ analysieren Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt die rezessive Situation der deutschen Wirtschaft.
Termine:
31.8. Ole diskutiert mit Ulrike Herrmann in Lüneburg: https://www.leuphana.de/portale/utopie-konferenz/programm.html
5.9. Wolfgang spricht im Westerwald über das mögliche Ende des Neoliberalismus:
https://www.haus-felsenkeller.de/index.php/bildung/bildung-4/politik-gesellschaft/1377-der-abschied-vom-neoliberalismus-die-neue-industriepolitik-die-alten-dogmen
7.9. Wolfgang ist in Mainz zu Gast, um einen Film zu präsentieren: https://www.instagram.com/p/C-Xp6i3PM7X/
11.9. Wolfgang spricht in Berlin mit Ingar Solty über Ernst Jüngers IN STAHLGEWITTERN: https://lfbrecht.de/events/2024-09-11/
12.9. Wolfgang stellt in Berlin die Anthologie SELBST SCHULD vor: https://literaturfestival.com/events/selbst-schuld/
14.9. Ole und Wolfgang sind in Lübeck, um über Demokratietheorien zu sprechen.
https://www.instagram.com/p/C4Lsgmxoe0u/?igsh=MTdreWlxeXV5b3dyNA%3D%3D
Unser Kinderbuch ist erschienen:
https://www.suhrkamp.de/buch/die-kleinen-holzdiebe-und-das-raetsel-des-juggernaut-t-9783458644774
Literatur:
Heiner Flassbecks Weckruf: https://www.telepolis.de/features/Hallo-aufwachen-Es-ist-Rezession-9818341.html
Andre Kühnlenz über den Arbeitsmarkt: https://makronom.de/eine-sahm-regel-fuer-die-deutsche-schuldenbremse-47110
Christian Rusche über Direktinvestitionen: https://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/christian-rusche-hohe-abfluesse-deuten-auf-deindustrialisierung-hin.html
Timm Seckel im „Handelsblatt“ über die Sahm-Regel: https://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/konjunktur-hat-in-den-usa-eine-rezession-begonnen-was-dieser-indikator-verraet/100057452.html
Hans-Werner Sinn: „Korken auf den Wogen“ https://www.hanswernersinn.de/de/medienecho_8655875_ifostimme-wiwo-05-01-09
„The Economist“ über Deutschlands Probleme:
https://www.economist.com/finance-and-economics/2024/08/15/europes-economic-growth-is-extremely-fragile
https://www.economist.com/europe/2024/08/08/can-anything-rouse-germany-from-its-economic-slumber
Papier der Wachstumsinitiative der Bundesregierung: https://www.bundesregierung.de/resource/blob/975226/2297962/ab6633b012bf78494426012fd616e828/2024-07-08-wachstumsinitiative-data.pdf?download=1
„Financial Times“ über dt. Investitionen: https://www-ft-com.ezp-prod1.hul.harvard.edu/content/9361356c-5c53-4268-ac2c-3e16d7c6d818
„Financial Times“ über die Misere: https://www.ft.com/content/46ab3c55-21c1-4941-ad0d-0cd27a7c593c
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| Literatur #44: Hillbilly-Elegie – wie J. D. Vance wirklich denkt! | 24 Aug 2024 | 00:18:13 | |
Wenn Donald Trump im November erneut zum US-Präsidenten gewählt werden sollte, wird J. D. Vance der Vize werden. Der Risikoinvestor und enge Vertraute von Peter Thiel inszeniert sich gern als der Vertreter des Anti-Establishments, dabei ist er, der aus bescheidenen Verhältnissen kommt, nach einem Jury-Studium in Yale längst Multimillionär.
Bekannt wurde er jedoch durch seine Autobiographie „Hillbilly-Elegie“, die auf Deutsch zunächst im Ullstein-Verlag erschien, nun aber vom YES-Verlag herausgegeben wird. Offenbar hat Ullstein mittlerweile ein Problem mit der politischen Ausrichtung des Autors, dabei zeigt die Lektüre, dass keineswegs ein großer Sinneswandel stattgefunden hat.
Vance ist ein sehr typischer Vertreter der neuen Rechten und seine Schilderung der Hillbillies und anderer prekär lebender Amerikaner gleicht einer Karikatur, die vor allem dazu dient, eine verquere Ideologie zu verbreiten. An diesem Buch stimmt fast nichts, aber gerade das Falsche macht die Lektüre sehr aufschlussreich.
Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von WfA-Literatur!
Literatur:
J. D. Vance: Hillbilly-Elegie: Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise. Übersetzt von Gregor Hens, YES.
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| Ep. 258: Frankreichs Reiche zittern – was will Mélenchon? | 17 Jul 2024 | 00:49:12 | |
Ist Macrons Plan aufgegangen? Die Parlamentswahlen in Frankreich 2024 endeten überraschend mit einem Sieg des linken Bündnisses. Entgegen den Erwartungen kam es nicht zu einem Rechtsruck. Das linke Bündnis „Nouveau Front populaire“ gewann die meisten Sitze in der Nationalversammlung.
Die Regierungskoalition von Präsident Macron landete auf dem zweiten Platz, während sich der rechtsextreme Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen mit dem dritten Platz begnügen musste. Insofern könnte Macrons Strategie, die Rechten einzudämmen, erfolgreich gewesen sein.
Jedoch hat er seine Rechnung ohne Jean-Luc Mélenchon, den Anführer des linken Bündnisses, gemacht, der seinen Führungsanspruch geltend machen will. In Deutschland warnen derweil bürgerliche, rechte, aber mitunter auch linksliberale vor dem Sozialismus, der in Frankreich wohl bald eingeführt werden könnte.
Aber stimmt das wirklich? Mal davon abgesehen, dass die Linken noch lange nicht gewonnen haben, ist ihr Programm zwar ungemütlich für Reiche, aber ein Sozialismus sieht doch sehr anders aus.
In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ diskutieren Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über Mélenchon und den „Nouveau Front Populaire“.
Literatur/Quellen:
Programm des Front Populaire, online verfügbar unter: https://lafranceinsoumise.fr/wp-content/uploads/2024/06/PROGRAMME-FRONT-POPULAIRE.pdf
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| Ep. 195: Karl Polanyi und die Entstehung des Arbeitsmarktes | 03 May 2023 | 00:27:13 | |
Damit der Kapitalismus funktioniert, ist er auf einen Arbeitsmarkt angewiesen, denn auch die Arbeitskraft ist eine Ware. Heute ist das eine Selbstverständlichkeit, doch in den Anfängen des kapitalistischen Systems war dies keineswegs der Fall: Während Ende des 18. Jahrhunderts in England die Industrialisierung bereits rasant wuchs und ein bürgerliches Unternehmertum entstand, sorgte ein Armengesetz dafür, dass kein freier Arbeitsmarkt sich etablieren konnte.
Es gab eine verwunderliche Gleichzeitigkeit von Fortschritt und Rückschritt zu beobachten, als 1795 Friedensrichter in Speenhamland in Berkshire ein Aufstockermodell ins Leben riefen, das die Landarbeiter vor Verarmung beschützen sollte. Dieses aus gutem Ansinnen erdachte System war ein letzter Ausläufer des feudalen Paternalismus, der gleichzeitig im krassen Gegensatz zu den allgemeinen Entwicklungen in den Städten und im Welthandel stand – denn die moderne Wirtschaftswelt gierte nach Arbeitskräften. Unternehmer suchten dringend Menschen, die ihre Subsistenzwirtschaft hinter sich ließen, um möglichst viel in Fabriken zu schuften. Das ging nur mit Zuckerbrot und Peitsche. Dem aber stand das Speenhamland-System im Wege, das noch bis 1834 galt.
In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ ergründen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt die Entstehung des modernen Arbeitsmarkts.
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| Ep. 194: Kommt die Kinderarbeit im Westen zurück? | 26 Apr 2023 | 00:31:14 | |
Wenn von Kinderarbeit die Rede ist, denkt man unwillkürlich an finstere Zeiten zu Beginn der Industrialisierung oder an nach wie vor verheerende Verhältnisse in armen Ländern, doch Kinderarbeit ist auch noch in westlichen Volkswirtschaft zu finden.
Mehr noch: Im US-Bundestaat Iowa haben die Republikaner nun ein Gesetz auf den Weg gebracht, das Kinderarbeit wieder stärker liberalisiert. Demnach ist es möglich, schon 14-Jährige bis 23 Uhr zu beschäftigen, auch schwere Arbeiten in Kühlhäusern und Wäschereien sollen von Minderjährigen ausgeübt werden. Die Gouverneurin verkauft dies als eine tolle Möglichkeit für junge Menschen, um mehr Erfahrungen zu sammeln.
Inzwischen denkt man sogar darüber nach, einen Führerschein ab 14 Jahren einzuführen, der aber nur die Wege zum Arbeitgeber beinhalten soll. In vielen anderen US-Bundesstaaten sind solche Liberalisierungen der Kinder- und Jugendarbeit ebenfalls zu erleben, möglicherweise ist das der Beginn einer düsteren Renaissance.
Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in „Wohlstand für Alle“.
Literatur:
Nikolas Dörr: "165 Jahre Einschränkung der Kinderarbeit in Preußen :
Ein Beitrag zum Beginn der Sozialgesetzgebung in Deutschland", online verfügbar unter: https://d-nb.info/1217717145/34.
Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Band 1, Karl Dietz Verlag, online verfügbar unter: http://www.mlwerke.de/me/me23/me23_245.htm#Kap_8_6.
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| Literatur #28: Die weiße Rose (B. Traven) | 22 Apr 2023 | 01:00:56 | |
Die Legenden um den Autor B. Traven überschatten inzwischen dessen Werk, obwohl es einmal anders gedacht war: Der unter Pseudonym schreibende Schriftsteller wollte eigentlich hinter seinem Werk verschwinden, deshalb machte er um seine Person ein Geheimnis, erlaubte keine Fotografien und gab nie ein Interview.
Literaturwissenschaftler und Journalisten aus aller Welt fahndeten über Jahrzehnte nach dem Bestsellerautor, dessen Werk verfilmt und in über 20 Sprachen übersetzt wurde.
„Die weiße Rose“ lautet der Titel eines in Mexiko angesiedelten Romans, der von der kapitalistischen Übernahme einer feudal geführten Hacienda handelt, die den Indianern von einem international agierenden Öl-Konzern entrissen wird.
In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“-Literatur sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über die Schwächen und Stärken des Romans.
Literatur:
B. Traven: Die weiße Rose, Diogenes.
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| Ep. 193: Sind Kinder langlebige Konsumgüter? | 19 Apr 2023 | 00:36:55 | |
Die Idee klingt verwegen: Gary S. Becker, Träger des sogenannten Wirtschaftsnobelpreises, betrachtet Kinder als „langlebige Konsum- und Produktionsgüter“. In seinen Studien und Aufsätzen betrachtet er Familien unter Kosten-Nutzen-Rechnungen und leitet daraus eine eigenwillige neoliberale Politik ab.
Derzeit wird in Deutschland über die Kindergrundsicherung diskutiert, die die FDP ausbremst. Immer wieder verkündigen Politiker, dass Kinder unsere Zukunft seien, aber die politischen Maßnahmen entsprechen diesen weihevollen Worten viel zu selten. Was, wenn eine Betrachtung à la Gary S. Becker, der einst bei Milton Friedman in Chicago studierte, einige kontraintuitive Argumentationshilfen bieten kann? Kann man den Neoliberalismus vielleicht sogar mit neoliberalen Prämissen bekämpfen?
Darüber sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“.
Literatur:
Gary S. Becker: Familie, Gesellschaft und Politik – die ökonomische Perspektive, Mohr Siebeck.
Gary S. Becker: Der ökonomische Ansatz zur Erklärung menschlichen Verhaltens, Mohr Siebeck.
Gary S. Becker und Guity Nashat Becker: Die Ökonomie des Alltags, UTB.
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| Ep. 192: Endlich wieder Klassenkampf! Die neue Streikbewegung | 12 Apr 2023 | 00:31:42 | |
Endlich wird in Deutschland wieder gestreikt! Die Inflation und die vielen Berichte über die horrenden Übergewinne von Unternehmen sowie der berechtigte Verdacht, dass wir es mehr und mehr mit einer Profitinflation zu tun haben, lassen den Arbeitskampf wieder aufblühen. Aber auch ein neues Selbstverständnis der Arbeiterschaft ist entscheidend. Hinzu kommt, dass die Organisation wieder deutlich besser funktioniert: Nicht nur gibt es viele neue Gewerkschaftsmitglieder zu verzeichnen, auch gelingt es den verschiedenen Bewegungen stärker miteinander zu kooperieren.
Arbeitgeberverbände und Konservative Politiker sind nicht begeistert und fordern schon eine Einschränkung des Streikrechts. Ähnliches ist in Großbritannien zu beobachten, wo die Sunak-Regierung die Rechte von Arbeitern beschneidet, denn dort gewinnen die Gewerkschaften neu an Macht. Bei den ohnehin streiklustigeren Franzosen herrscht mitunter Ausnahmezustand, weil sie es nicht hinnehmen wollen, dass sie nun zwei Jahre länger arbeiten müssen.
In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ blicken Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt auf die neuesten Entwicklungen im europäischen Arbeitskampf.
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Literatur:
Nelli Tügel: “Neue deutsche Streikwelle”, in: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1172152.gewerkschaften-neue-deutsche-streikwelle.html.
GegenStandpunkt: “Die Lohnfrage in schweren Zeiten”, in: https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/lohnfrage-schweren-zeiten.
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Veranstaltungen:
Am 19.4. ist Wolfgang in Frankfurt: https://lichter-filmfest.de/filme/abschied-von-morgen-kracauers-erben-filmkritik-zwischen-podcasts-und-dem-feuilleton/1643
Am 21. 4. ist Ole in Ravensburg:
http://www.imblauensessel.de/RB-2023-Geld/
Am 22.4. ist Wolfgang in Düsseldorf: https://www.instagram.com/p/CqXnlv3NcFh/
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| Ep. 191: Braucht der Kapitalismus das Patriarchat? | 05 Apr 2023 | 00:30:17 | |
Der Kapitalismus ist angewiesen darauf, dass Frauen unbezahlte Reproduktionsarbeit verrichten. Die italienische Feministin und Aktivistin Mariarosa Dalla Costa hat in den 1970er-Jahren mit dieser These zum Kapitalismus für Furore und Diskussionen gesorgt.
Dalla Costa argumentiert, dass die Hausarbeit, die von Frauen geleistet wird, eine wichtige Voraussetzung für die Reproduktion der Arbeitskraft und damit für die Aufrechterhaltung des Kapitalismus darstellt. Diese These impliziert zugleich eine Kritik an Marx, der sich in seinem Werk vorwiegend mit der Lohnarbeit beschäftigt hat.
Historisch ist Dalla Costas Analyse zutreffend, aber stimmt diese Annahme auch per se? Ist der Kapitalismus auf die sogenannte Hausfrauisierung angewiesen? In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Arbeitswelt stark gewandelt, immer mehr Frauen nehmen am Erwerbsleben teil und sind immer seltener auf den „male breadwinner“ angewiesen.
In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ diskutieren Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt die These von Dalla Costa und zeigen auf, wie der neue Geist des Kapitalismus tickt.
Literatur:
Mariarosa Dalla Costa: “Die Macht der Frauen und der Umsturz der Gesellschaft”, in: Mariarosa Dalla Costa , Selma James: Die Macht der Frauen und der Umsturz der Gesellschaft, Merve.
Katherine A. Moos: “The political economy of state regulation: the case of the British Factory Acts”, in: Cambridge Journal of Economics, online verfügbar unter: https://academic.oup.com/cje/article/45/1/61/5880215.
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| Ep. 190: Erst SVB, dann Credit Suisse – kommt nun die Bankenkrise? | 29 Mar 2023 | 00:33:00 | |
Im Bankensektor sind derzeit alle Akteure in höchster Alarmbereitschaft, denn die Gefahr eines Domino-Effekts ist real: Im März waren eben noch geschätzte Banken wie die Silicon Valley Bank und die Credit Suisse wegen Zahlungsunfähigkeit aufgefallen. Die Banken sind nun beide Geschichte und wurden von Konkurrenten geschluckt – dies gelang aber nur durch ein beherztes Eingreifen der Zentralbanken.
Diese wiederum sind bemüht, die Fälle herunterzuspielen, denn falsche Signale könnten weitere Bankruns auslösen und das gesamte System ins Wanken bringen. Wiederholt sich hier etwa das Jahr 2008? Das lässt sich noch nicht prognostizieren, fest steht aber, dass es diesmal andere Gründe hat, warum Geldhäuser an den Abgrund getrieben werden. Die steigenden Leitzinsen jedenfalls sind daran nicht unschuldig.
In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ beleuchten Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt die möglicherweise drohende neue Bankenkrise.
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Literatur:
Fabio de Masi in der „Berliner Zeitung“: https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/credit-suisse-bankenkrise-ezb-fed-zinserhoehung-bankenrettung-droht-eine-neue-finanzkrise-wie-nach-lehman-peite-2008-li.330721.
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| Literatur #27: Germinal – Émile Zolas Meisterwerk | 25 Mar 2023 | 00:54:34 | |
1885 erschien Émile Zolas in mehrerer Hinsicht revolutionärer Gesellschafts- und Bildungsroman „Germinal“, auf dessen Schultern viele sozialistische Autoren des 20. Jahrhunderts stehen. Der Roman handelt vom Aufstand der Grubenarbeiter in einer nordfranzösischen Kohle-Siedlung, die arg von der Krise und den Profitinteressen der Kapitalisten gebeutelt sind.
Etienne, der junge Protagonist, kommt als Fremder in die Ortschaft, unter Tage erlebt er die Härte der Arbeit, in der Familie Maheu all das Elend der arbeitenden Klasse. Zugleich schildert Zola die feiste Bourgeoisie mit ihren Konventionen und Gepflogenheiten. Scharf kontrastierend, ohne auf eine reine Schwarz/Weiß-Malerei zu setzen, gelingt Zola eine herausragende Analyse der kapitalistischen, industrialisierten Gesellschaft.
Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“-Literatur!
Literatur:
Émile Zola: Germina, Reclam.
Heinrich Mann: Zola. Essay, Insel.
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| Ep. 189: Wie skandalös die globale Armut kleingerechnet wird | 22 Mar 2023 | 00:25:21 | |
Der Kapitalismus schafft mit großen Schritten die Armut ab! Der freie Markt realisiert Wohlstand für Alle – und zwar überall! Das wiederholen fortwährend Fans des Kapitalismus. Hochdotierte Professoren wie Steven Pinker touren mit dieser guten Nachricht durch die Welt und erhalten überwiegend Beifall.
Tatsächlich ist es so, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen aus der absoluten Armut gehoben wurden, jedoch ist damit die Armut keineswegs überwunden. Es lohnt sich, einmal gründlicher zu analysieren, welche Definitionen und Maßstäbe von Armut diskursbestimmend sind.
Die absolute Armut mag zwar abgenommen haben, aber das Elend in der Welt ist nach wie vor entsetzlich groß. Das zeigt sich vor allem, wenn man sich ansieht, wie von der Weltbank die absolute Armutsgrenze festgelegt wird und was es bedeutet, über ihr zu liegen.
In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über das wahre Ausmaß der globalen Armut.
Quellen:
Weltbank: "Fact Sheet: An Adjustment to Global Poverty Lines", in: https://www.worldbank.org/en/news/factsheet/2022/05/02/fact-sheet-an-adjustment-to-global-poverty-lines#9.
Patrick Kaczmarczyk auf Twitter: https://twitter.com/pat_kaczmarczyk/status/1627975934845353990?lang=de.
Andy Sumner/Eduardo Ortiz-Juarez: "Fragile Progress? Global Monetary Poverty, 1981-2030", in: https://www.un.org/development/desa/dspd/wp-content/uploads/sites/22/2021/05/Sumner-and-Ortiz-Juarez_Paper.pdf.
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| Ep. 188: Süß und ehrenvoll ist es, fürs Vaterland zu arbeiten (und sterben) | 15 Mar 2023 | 00:35:22 | |
Nahezu alle Länder der Erde rüsten gerade kräftig auf. Wenn aber immer mehr Geld ins Militär fließen soll, suchen Staaten mitunter nach eigenwilligen Möglichkeiten der Finanzierung. Für eine kleine Debatte auch hierzulande sorgte nun Dänemark. Das Parlament hat beschlossen, einen Feiertag zu streichen, um das 2-Prozent-Ziel der NATO finanzieren zu können. Die dänische Wirtschaft soll durch diese Maßnahme um etwas mehr als 400 Millionen Euro pro Jahr wachsen.
Es dauerte nicht lange, bis konservativ-liberale Journalisten und Politiker vorschlugen, auch in Deutschland einen Feiertag abzuschaffen, damit mehr Geld fürs Militär bereitgestellt werden kann. Diese Posse zeigt nur im Kleinen, wie sehr ein neuer Diskurs Einzug gehalten hat: Plötzlich scheint es wieder süß und ehrenvoll zu sein, sich für sein Vaterland zu opfern. „Frieren für die Freiheit“, forderte schon vor einem Jahr Alt-Bundespräsident Joachim Gauck, inzwischen hat die Verarmung in Deutschland rasant zugenommen. Da kommt eine Ablenkung durch patriotische Appelle gerade zur rechten Zeit.
Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“.
WERBUNG:
Mehr Informationen zu "Teuer!", dem neuen Buch von Maurice Höfgen, findet ihr unter:
https://mauricehoefgen.com/teuer
Literatur:
Die Studie des ifo-Instituts zu den Feiertagen: https://www.ifo.de/DocDL/sd-2018-06-hansen-meyer-feiertag-bip-2018-03-22.pdf.
Die DIW-Studie zu Erbschaften und Firmenprivilegien: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.542137.de/16-36-4.pdf.
Veranstaltungen:
Am 16.3. sind wir für einen Vortrag in Leipzig: https://www.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/1I6LG/.
Am 17.3. sprechen wir dann in Dresden: https://www.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/7KCKR/.
Am 22.3. ist Wolfgang in Berlin beim Europapolitischen Forum zu Gast: https://www.igmetall.de/download/20230224_230223_Einladung_IGM_final_online_85bd3249ae7a49532a6a661d1677ac1261a95b4d.pdf.
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| Speakeasy #10: Hufeisentheorie, Bürgerräte, Frankfurter Schule u. v. m. | 13 Jul 2024 | 00:21:24 | |
In der neuen Speakeasy-Bar sprechen wir zunächst über den „Linksruck“ in Frankreich und England sowie über dessen eigenartige mediale Rezeption in Deutschland. Daraufhin beantworten wir über ein Dutzend Publikumsfragen: Es geht um Bullshit-Jobs und Marktversagen, um die Hufeisen-Theorie, um einen möglichen Lastenausgleich und seine Grenzen.
Weiterhin ist der Krieg ein Thema: Was würden wir tun, wenn Russland Deutschland angreifen würde? Welche politische Möglichkeit bieten Bürgerräte und wie ist das Social-Media-Verhalten der Linken zu bewerten?
Außerdem beantworten Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt Fragen zu Literatur und Kultur – alles in der neuen Speakeasy-Bar von „Wohlstand für Alle“.
Unsere Zusatzinhalte könnt ihr bei Steady und Patreon hören. Vielen Dank!
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Unser Kinderbuch namens "Die kleinen Holzdiebe" ist nun vorbestellbar! Alle Informationen findet ihr unter:
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| Ep. 187: Wieso Christian Felbers Gemeinwohl-Ökonomie ein Luftschloss ist | 08 Mar 2023 | 00:33:32 | |
Seit 2010 macht ein Konzept von sich reden, das eine Alternative zum Kapitalismus darstellen soll und dem selbst einige Unternehmer nicht abgeneigt zu sein scheinen. Auch manch bürgerlicher Kapitalismuskritiker kann sich dafür begeistern, denn es wird nicht bloß eine Kritik des bestehenden Wirtschaftssystems formuliert, sondern auch noch gleich eine Lebensphilosophie mitgegeben.
Die Gemeinwohl-Ökonomie hat Anhänger nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern inzwischen gibt es in vielen Ländern Konvente und Bürgerräte, Initiativen und Unternehmen, die sich mit dem Wirtschaftsmodell beschäftigen bzw. es versuchsweise in die Tat umsetzen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das Konzept vor allem mit dem Aktivisten Christian Felber verbunden, dessen Buch „Gemeinwohl-Ökonomie“ den Ansatz verfolgt, einen holistischen Entwurf für eine andere Gesellschaft und Wirtschaft zu bieten.
Die Wirtschaft soll in der Gemeinwohl-Ökonomie nicht länger auf möglichst viel Wachstum und Profit aus sein, stattdessen geht es darum, ein Wirtschaften zu etablieren, bei dem die Würde des Menschen und das Klima im Vordergrund stehen. Dazu bedarf es eines ausgeklügelten Anreizsystems.
In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ erläutern Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt das Konzept und decken dessen Schwachstellen auf.
Literatur:
Christian Felber. Gemeinwohl-Ökonomie, Piper.
Veranstaltungen:
Am 15.3. ist Wolfgang zu Gast im „Literarischen Trio“ in Berlin: https://lfbrecht.de/event/das-literarische-trio-mit-wolfgang-m-schmitt/
Am 16.3. sind wir für einen Vortrag in Leipzig: https://www.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/1I6LG/
Am 17.3. sprechen wir in Dresden: https://www.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/7KCKR/
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| Ep. 186: Wer gibt Staaten Kredit? Die Geschichte der Finanziers | 01 Mar 2023 | 00:26:05 | |
Wer leiht eigentlich Nationalstaaten Geld? In der Regel spricht man einfach von „den“ Finanzmärkten – und diese haben keineswegs immer Spendierhosen an, wie zuletzt Liz Truss während ihrer kurzen Zeit als britische Premierministerin erfahren musste. Die konservative Regierung wollte vor allem den Reichen Steuergeschenke machen, aber die Finanzmärkte erkannten darin keine solide Wirtschafts- und Haushaltspolitik, sodass schließlich sogar die Zentralbank von England einschreiten musste, um eine größere Krise zu verhindern.
Blickt man jedoch in die Vergangenheit, funktionierte die Kreditvergabe an Staaten einst völlig anders. Im 18. und 19. Jahrhundert kamen die Kredite aus den Händen der Handelsbankiers, die eng mit den europäischen Höfen und den jeweiligen Regierungen verbandelt waren. Berühmte Bankiers-Familien, damals häufig in Paris und London ansässig, sind heute vielleicht noch namentlich bekannt, aber ihr Einfluss ist längst verschwunden, nachdem Banken mit Haftungsbeschränkung das Geschäft übernommen haben.
Erst aber nach dem Fall des Bretton-Woods-Systems internationalisiert sich das Bankenwesen wieder, ja, noch stärker als einst. Mehr dazu in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ von Wolfgang M. Schmitt und Ole Nymoen.
Literatur:
Quentin Bruneau: States and the Masters of Capital. Sovereign Lending, Old and New, Columbia University Press.
Wir sind nun auch bei TikTok:
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Veranstaltungen:
Am 2.3. hält Wolfgang in Wiesbaden einen Vortrag: https://www.dielinke-wiesbaden.de/start/roter-salon-veranstaltungen/
Am 15.3. ist Wolfgang zu Gast im „Literarischen Trio“ in Berlin: https://lfbrecht.de/event/das-literarische-trio-mit-wolfgang-m-schmitt/
Am 16.3. sind wir für einen Vortrag in Leipzig: https://www.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/1I6LG/
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| Literatur #26: Der große Gatsby (F. Scott Fitzgerald) | 25 Feb 2023 | 00:44:50 | |
1925 erschien ein Roman, auf dessen Schultern bis heute viele US-amerikanische Autoren stehen: „Der große Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald. Rasch schrieb der 27-jährige Autor in Frankreich dieses Meisterwerk über die Scherben des amerikanischen Traums nieder. Ein Buch über Illusionen und glatte Oberflächen, in denen sich maskenhafte Gesichter spiegeln.
Erzählt wird die Geschichte eines Mannes, der es augenscheinlich geschafft hat: Gatsby ist unfassbar reich, sein Anwesen ist ein permanentes Party-Areal, die wilden Zwanziger werden hier als Tanz auf dem Vulkan zelebriert. Doch hinter der Fassade lauert der Tod. Gatsby sehnt sich nach vergangenen Tagen, ein Unfall mit tödlichem Ausgang offenbart die Kälte einer Gesellschaft, die im Zweifelsfall von schönen Hemden mehr gerührt ist als von der Liebe.
In der neuen Folge von „Wohlstand für alle“ sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über diesen Klassiker des 20. Jahrhunderts.
Literatur:
Theodor W. Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben, Suhrkamp.
F. Scott Fitzgerald: Der große Gatsby, Diogenes.
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| Ep. 185: Was hätte Marx zu KI gesagt? ChatGPT antwortet! | 22 Feb 2023 | 00:34:19 | |
„Der Podcast von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt heißt ‚Hotel Matze‘ und behandelt verschiedene Themen aus den Bereichen Gesellschaft, Kultur und Politik“, antwortet ChatGPT auf die Frage, was man im Podcast von uns beiden lernen kann. Nun, unser Publikum weiß natürlich, dass unser Podcast „Wohlstand für Alle“ heißt. Aber mit diesem Titel kann ChatGPT in Bezug auf unsere Namen nichts anfangen, und ordnet diesen Titel einem völlig anderen Podcast zu.
Auch wenn die KI noch viele Fehler macht, lohnt es sich, diesen Trend unter ökonomischen Gesichtspunkten in den Blick zu nehmen. Hinter ChatGPT steht das Unternehmen OpenAI, das unter anderem von Elon Musk, Peter Thiel und Microsoft finanziert wird. Google ist alarmiert, denn man befürchtet durchaus, dass Microsoft als Suchmaschinenanbieter wichtiger werden könnte.
Aber droht damit tatsächlich das Ende von Google? Und noch wichtiger: Was hätte eigentlich Karl Marx zu ChatGPT gesagt? In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ fragen wir bei dem Programm, das momentan in aller Munde ist nach, und wir geben natürlich auch selbst eine Antwort.
Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“!
Literatur:
Eric Boyd im „Handelsblatt“-Interview: https://www.handelsblatt.com/technik/forschung-innovation/microsoft-und-openai-eric-boyd-im-interview-ueber-die-chancen-von-ki/28957678.html.
„Time“-Artikel zu Arbeitern in Kenia: https://time.com/6247678/openai-chatgpt-kenya-workers/.
„The Economist“ zum Kampf von Microsoft gegen Google: https://www.economist.com/leaders/2023/02/09/the-battle-for-internet-search.
Wolfgang Fritz Haug: Artikel zum „General Intellect“ in: HKWM 5, Spalten 230-242.
Christian Lotz, Karl Marx: Das Maschinen-Fragment, Laika Verlag.
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| Ep. 184: Wie gefährlich ist Christian Lindners Generationenkapital? | 15 Feb 2023 | 00:28:10 | |
Christian Linder ist in diesen Tagen sehr stolz, denn sein Projekt Aktienrente läuft allmählich auf der Zielgeraden ein. Jedoch sieht das Konzept, über das im Bundestag noch entschieden werden muss, ziemlich anders aus als das, was die FDP vor der Bundestagswahl angedacht hatte.
Wir erinnern uns: Eigentlich sollten alle deutschen Bürger zu Kleinkapitalisten gemacht werden, indem ein Teil des gesetzlichen Rentenbeitrags an den Aktienmärkten angelegt werden sollte. Von dieser Idee nach schwedischem Vorbild ist nun nichts geblieben. Stattdessen nimmt der Staat jetzt Schulden auf, um jährlich 10 Milliarden Euro an den Märkten anzulegen, was dann der Bezuschussung der Renten zugutekommen soll. Niemand erhält dadurch mehr Rente.
Schon jetzt muss der Staat die gesetzliche Rente mit jährlich 100.000 Euro bezuschussen, bald wird ein kleiner Teil dieser Bezuschussung durch die Aktienrente bzw. das „Generationenkapital“ finanziert sein. Viele Linke kritisieren, Lindner verspekuliere nun die Rente an der Börse – dies ist allerdings nicht der Fall. Jedoch zeigen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ auf, was stattdessen drohen könnte: eine neue Privatisierungswelle.
Literatur:
Benjamin Braun: Die Aktienrente ist eine Finanzialisierungsmaschine, in: https://jacobin.de/artikel/aktienrente-kritik-finanzialisierung-generationenkapital-fdp-christian-lindner/.
Bundesfinanzministerium: Das Generationenkapital: für Gerechtigkeit
und solide Staatsfinanzen, in: https://www.bundesfinanzministerium.de/Monatsberichte/2023/01/Inhalte/Kapitel-2b-Schlaglicht/2b-generationenkapital-pdf.pdf?__blob=publicationFile&v=5.
Maurice Höfgen: Linke Mythen über Lindners Aktienrente, in: https://mauricehoefgen.substack.com/p/aktienrente-lindner-linke-fdp-rente.
Anja Mikus im Interview: https://www.kenfo.de/fileadmin/user_upload/dokumente/cap_0222_interview_der_staat_kann_geld_anlegen.pdf.
Nadine Oberhuber: Die Aktienrente kommt – aber ganz anders als gedacht, in: https://www.capital.de/geld-versicherungen/die-aktienrente-kommt---aber-ganz-anders-als-gedacht-33104806.html.
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| Ep. 183: Bauen, bauen, bauen! Und nun? | 08 Feb 2023 | 00:28:37 | |
Die Lage am deutschen Wohnungsmarkt spritzt sich zu, bereits jetzt zeigt eine Studie, dass wir uns in der größten Krise seit über 20 Jahren befinden. Inflation, Lieferkettenprobleme, Arbeitskräftemange und vor allem die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank sorgen dafür, dass Privatpersonen immer weniger bauen.
Auch die Wohnungskonzerne halten sich nun zurück, so hat kürzlich Vonovia angekündigt, im Jahr 2023 keine Neubauten zu errichten – dies sei einfach momentan nicht profitabel. Die Bundesregierung hatte sich eigentlich zum Ziel gesetzt, dass jährlich mindestens 400.000 neue Wohnungen plus 100.000 Sozialwohnungen entstehen sollen. Dieses Ziel wurde jedoch im vergangenen Jahr weit verfehlt und in diesem Jahr sieht es noch schlechter aus.
Auch Vonovia verweist auf die hohen Zinsen, von denen Privatleute besonders hart getroffen werden – viele Bauvorhaben lösen sich gerade in Luft auf. Nun möchte die Bundesbauministerin für Familien eine Entlastung durch Zinsvergünstigungen schaffen.
Darüber sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“.
Literatur:
DIW zum Bauen in Deutschland:
https://www.diw.de/de/diw_01.c.862934.de/publikationen/wochenberichte/2023_01_1/bauboom_geht_zu_ende_____politischer_strategiewechsel_erforderlich.html.
Förderung für klimafreundliches Bauen: https://www.deutschlandfunk.de/wohnungsbau-die-reformierte-neubaufoerderung-ein-ueberblick-100.html.
Markus Hinterberger im „Handelsblatt“ zu Geywitz‘ Förderungsvorhaben: https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-baukindergeld-2-0-gut-gemeint-aber-nicht-gut-gemacht/28926562.html.
Stephan Kaufmann in „Oxi“ zur Bodenspekulation: https://oxiblog.de/mieten-die-erde-als-fiktives-kapital/.
Caren Lay: Wohnopoly. Wie die Immobilienspekulation das Land spaltet und was wir dagegen tun können, Westend.
Studie zum Sozialen Wohnen und Bauen in Deutschland: https://www.dgfm.de/fileadmin/01-DGFM/downloads/studien-wohnungsbau/2023-01_Studie_-_Bauen_und_Wohnen_in_der_Krise.pdf.
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| Ep. 182: Der Gender Pay Gap – wieso Frauen weniger verdienen | 01 Feb 2023 | 00:25:28 | |
Frauen verdienen durchschnittlich noch immer weniger als Männer. In regelmäßigen Abständen kommen Studien zu diesem Ergebnis, daran schließt sich häufig eine Diskussion an, bei der die ökonomischen Gründe unterbelichtet bleiben.
Bemerkenswert ist auch, dass Frauen deutlich weniger streiken als Männer, was die Kluft eher vertieft. Zunächst einmal muss man aber zwischen dem bereinigten und dem unbereinigten Gender-Pay-Gap unterscheiden. Während der unbereinigte Gap einfach die Gesamtheit der Gehälter von Männern und Frauen miteinander vergleicht, geht es beim bereinigten um die Gehälter von Männern und Frauen in den selben Bereichen mit gleichen Qualifikationen. Aber auch dabei gibt es noch immer einen Lohnunterschied von bis zu 7 Prozent, während der unbereinigte Gender-Pay-Gap sogar bei 18 Prozent liegt. Woran liegt das?
In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ gehen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt dieser Frage nach.
Literatur/Quellen:
Destatis: Gender Gap Simulator, online verfügbar unter: https://service.destatis.de/DE/paygap/.
Lena Hipp/Nadiya Kelle: Nur Luft und Liebe? Die Entlohnung sozialer Dienstleistungsarbeit im Länder- und Berufsvergleich, online verfügbar unter: https://www.fes.de/nur-luft-und-liebe.
Carmen Tatschmurat/Ines Langemeyer: "Frauenarbeit", in: Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus, online verfügbar unter: http://www.inkrit.de/e_inkritpedia/e_maincode/doku.php?id=f:frauenarbeit.
Am 8.2. ist Wolfgang in Kassel:
https://www.instagram.com/p/CoFFOMVKQkx/?fbclid=IwAR3-Pr_rxRprUi9vQkMwuBZEjNGpjBjPNmxlz4hE1LJOwAeGT9CgbQb3-5s.
Oles Diskussion mit Ulrike Herrmann findet ihr hier:
https://www.youtube.com/watch?v=PoigG6ZSMXM.
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| Literatur #25: Charlotte Brontë – Shirley | 28 Jan 2023 | 00:52:25 | |
Die englische Schriftstellerin Charlotte Brontë ist eine der berühmten Brontë-Schwestern, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zurückzogen vom Trubel der Welt, beachtliche literarische Werke schufen. Charlotte Brontës Roman „Shirley“ handelt von einem Fabrikbesitzer namens Robert Moore, der hochverschuldet ist, unter der Kontinentalsperre zu leiden hat und die Arbeiterschaft gegen sich aufbringt.
Der technische Fortschritt in Form von neuen Maschinen vollzieht sich unbarmherzig und erhöht die Arbeitslosigkeit zusätzlich. Für die Liebe bleibt da kaum Zeit, auch wenn Cousine Caroline durchaus reizvoll ist. Dann aber taucht in Yorkshire die reiche Erbin Shirley auf, die durch eine Heirat Robert von seinen finanziellen Schwierigkeiten erlösen könnte.
In der neuen Folge von „WfA-Literatur“ sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über den opulenten Roman.
Literatur:
Charlotte Brontë: Shirley. Übersetzt von Johannes Reiher und Horst Wolf, Insel Verlag.
Elsemarie Maletzke/Christel Schütz: Die Schwestern Brontë. Leben und Werk in Texten und Bildern, Insel Verlag.
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| Ep. 181: Wie das BIP zur mächtigsten Zahl der Welt wurde | 25 Jan 2023 | 00:28:24 | |
Das Bruttoinlandsprodukt ist die vielleicht mächtigste Zahl der Welt. Wie gut es einem Land geht, drückt sie angeblich unmissverständlich aus. Das BIP zu erhöhen, ist das Ziel aller kapitalistischer Staaten, nicht zuletzt, um in der internationalen Konkurrenz bestehen zu können.
Jährlich wird die Produktivkraft einer Volkswirtschaft mit dem BIP ausgewiesen, doch diese Kenngröße existierte nicht schon immer. Jahrhunderte lang interessierte man sich für den volkswirtschaftlichen Gesamtwert allenfalls peripher, erst im dem Zweiten Weltkrieg wird das Bruttosozialprodukt, das ähnlich wie das BIP berechnet wird, zu einer für die US-Regierung eminent wichtigen Zahl. Was einst gedacht war, um zu ermitteln, wie wehrhaft und produktiv die Kriegswirtschaft sein kann, wurde nach 1945 fortgeführt und bald von allen westlichen Volkswirtschaften übernommen. Nach 1989 kam diese Berechnungsmethode dann in allen Ländern dieser Erde an.
Doch es gibt viel Kritik am BIP, denn es sagt wenig darüber, wie gut es Menschen in einer Volkswirtschaft geht oder ob diese klimaverträglich organisiert ist. Die Rede vom BIP verschleiert oft mehr als sie erhellt.
In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ zeichnen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt die Geschichte des BIPs nach und zeigen dessen Schwächen auf.
Literatur:
Mathias Brüggmann im „Handelsblatt“ über Russlands Wirtschaft: https://www.handelsblatt.com/politik/international/ukraine-krieg-russlands-wirtschaft-droht-der-zusammenbruch/28919870.html?nlayer=Newsticker_1985586.
Stephan Kaufmann zum BIP: https://www.fr.de/meinung/waechst-denn-10995929.html.
Stephan Kaufmann über Aufrüstung und BIP: https://www.rifs-potsdam.de/sites/default/files/files/13.8.fr_lepenies.pdf.
Philipp Lepenies: Die Macht der einen Zahl. Eine politische Geschichte des Bruttoinlandsprodukts, Suhrkamp.
Am 25. Januar diskutiert Ole online mit Ulrike Herrmann:
https://www.youtube.com/watch?v=PoigG6ZSMXM.
Am 8.2. tritt Wolfgang an der Uni Kassel auf: https://twitter.com/MXPichl/status/1614972612647460865.
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| Ep. 180: Sind Pflegekräfte produktiv? | 18 Jan 2023 | 00:25:49 | |
Wer leistet eigentlich produktive Arbeit? Immer wieder entflammt diese Diskussion aufs Neue und viele krude Ansichten geistern durch den Diskurs. Oft wird die Debatte sehr moralisch geführt, so etwa von der Transformationsforscherin Maja Göpel. Laut Göpel sind diejenigen, die im Handel und in den Banken tätig sind, nicht zu den produktiven Arbeitern zu zählen, produktiv sind hingegen diejenigen, die Güter produzieren. Diese Unterscheidung wurde von vielen Seiten kritisiert, aber die liberale Auffassung von produktiver Arbeit ist auch nicht sonderlich hilfreich. Diese Ökonomen gehen davon, dass jede Arbeit, mit der Geld verdient werden kann, produktiv ist.
Karl Marx hat sich wesentlich tiefsinniger mit der Thematik beschäftigt und arbeitet die Charakteristiken produktiver Arbeit gut heraus – jedoch ist es keine besondere Auszeichnung, produktiver Arbeiter zu sein, vielmehr, erklärt Marx, sei es ein Pech.
In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über das Thema „produktive Arbeit“ und beantworten die Frage, ob Pflegekräfte und Bankiers produktive Arbeiter sind.
Literatur:
Ludwig Theodor Heuss: “Aufruf zum Liberalismus 2.0”, Interview mit Maja Göpel, in:
https://liberal-magazin.de/2022/01-2022/liberalismus-2-0.
Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Band 1, online verfügbar unter: http://www.mlwerke.de/me/me23/me23_531.htm.
Karl Marx: “Produktivität des Kapitals. Produktive und unproduktive Arbeit”, in: MEW 26.1, online verfügbar unter: https://marxwirklichstudieren.files.wordpress.com/2012/11/mew_band26-1.pdf.
Ole und Wolfgang in Stadthagen:
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| Ep. 257: Beggar thy neighbour – wie Frieden und Klimaschutz sabotiert werden | 10 Jul 2024 | 00:37:53 | |
Die EU erwägt die Einführung von Strafzöllen gegen chinesische E-Autos. Damit folgt Brüssel Washington, wo US-Präsident Biden Strafzölle in Höhe von 100 Prozent auf E-Moblität made in China verhängt hat.
Ganz so hoch sollen die Zölle in der EU nicht ausfallen, dennoch ist die Tendenz eindeutig: Der Protektionismus, der noch unter Donald Trump von der hiesigen Presse vollmundig verdammt wurde, ist jetzt von konservativ bis linksliberal beliebt. Der Westen will Chinas Wirtschaftswachstum bremsen, um die Vormachtstellung halten zu können. Dafür nimmt man auch eigene Verluste in Kauf. Zudem schwächt man so erheblich den Klimaschutz.
Das Prinzip ist uralt und hat einen Namen: „Beggar thy neighbour“. Schon Adam Smith schrieb über dieses verhängnisvolle Prinzip, das Handelsstreitigkeiten verschärft und im Ganzen den Wohlstand mindert. 1937 wird Joan Robinson in einem Aufsatz die Waffen von „Beggar thy neighbour“ erläutern und vor diesem Wirtschaftsnationalismus warnen.
In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ erklären Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt wer hier wen und warum ruinieren will.
Literatur:
Douglas A. Irwin, Petros C. Mavroidis, Alan O. Sykes: The Genesis of the GATT: https://www.cambridge.org/core/books/genesis-of-the-gatt/796EE0ABCE00A2F8DD46812AFD9DD0CC
Michael Pettis: „China’s problem is excess savings, not too much capacity“, FT: https://www.ft.com/content/879f5de7-cd9b-4987-9c2b-8b23cf0f3800
Joan Robinson: „Beggar-My-Neighbour. Remedies for Unemployment“, in: Dies.: Essay in the Theory of Employment, Oxford 1947.
Adam Smith: Der Wohlstand der Nationen. Kapitel 3: https://www.marxists.org/reference/archive/smith-adam/works/wealth-of-nations/book04/ch03b.htm
Denis Wilmann über billige Autos in China, „Business Insider“: https://www.businessinsider.de/wirtschaft/warum-elektroautos-in-china-so-viel-guenstiger-sind-als-in-europa/
Unser Kinderbuch namens "Die kleinen Holzdiebe" ist nun vorbestellbar! Alle Informationen findet ihr unter:
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| Ep. 179: Ulrike Herrmann und die Kriegswirtschaft | 11 Jan 2023 | 00:39:19 | |
Ulrike Herrmann hat mit “Das Ende des Kapitalismus” einen Bestseller geschrieben, dessen Thesen weit über linke Kreise hinweg diskutiert werden. Die Journalistin ist sich sicher: Der Kapitalismus wird in dieser Form nicht überleben, was wir dringend benötigen, ist eine Kriegswirtschaft nach britischem Vorbild.
Schon einmal haben Preiskontrollen, Rationierungen und staatliche Produktionsaufträge dazu geführt, dass die Bevölkerung nicht darben musste. Herrmanns Bezug auf die britische Kriegswirtschaft der 1940er-Jahre ist nicht ganz neu, einige Jahre zuvor haben Aktivisten und Theoretiker ähnliche Ansätze diskutiert, wenngleich manche von ihnen sich die US-amerikanische Kriegswirtschaft zum Vorbild nehmen wollen, um klimaneutrales Wirtschaften zu erreichen.
In der neuen Folge von “Wohlstand für Alle” diskutieren Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt, über die Vor- und Nachteile von Kriegswirtschaften.
Literatur:
Ulrike Herrmann: Das Ende des Kapitalismus. Warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind – und wie wir in Zukunft leben werden, Kiepenheuer & Witsch.
Naomi Klein: Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima, S. Fischer.
Bill McKibben: "We Need to Literally Declare War on Climate Change", in: https://newrepublic.com/article/135684/declare-war-climate-change-mobilize-wwii?fbclid=IwAR2Og6y9I0uY9Zy3mv85IDD_oeGV5ckXwlVuCx_wBjB84yPVKHgAypU8Zbo.
George Monbiot: "Think big on climate: the transformation of society in months has been done before", in: https://www.theguardian.com/commentisfree/2021/oct/20/us-war-footing-1941-climate-emergency-earth-pearl-harbor?fbclid=IwAR09HLuH38KYynvuTUvxAtfGdmevySupuawC7JDb0NGyyJ6KOspbxegCRNQ.
Ina Zweiniger-Bargielowska: Austerity in Britain: Rationing, Controls, and Consumption, 1939-1955. Oxford University Press.
Am 19.1. treten wir mit unserer "Influencer"-Show in Stadthagen auf: https://www.altepolizei.de/2022/03/13/donnerstag-19-01-2023-20-uhr-ole-nymoen-wolfgang-m-schmitt-die-influencer-show/.
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| Ep. 178: Wie FUNK junge Leute verblödet | 04 Jan 2023 | 00:31:14 | |
Funk, das von ARD und ZDF 2016 gestartete Online-Programm für junge Leute, ist ein Ärgernis. Die Boulevardisierung und Influencerisierung des Journalismus war nie schlimmer. In der Regel kümmern sich Dutzende Funk-Formate um Fragen wie „Der 1. Kuss: Team viel Spucke oder Team trocken?“ oder „Wie ist das VON DER BRÜCKE ZU SPRINGEN?“, aber auf drei Kanälen des öffentlich-rechtlichen Angebots für Jugendliche und junge Menschen geht es um ökonomische Themen. Bei „Your Money“ auf Tiktok sowie bei „SAFE“ auf YouTube werden recht schlichte Verbrauchertipps gegeben, mit denen junge Menschen sich mit ihrer Armut arrangieren sollen.
Auf dem Kanal von Highperformer Henning wird hingegen neoliberale Propaganda mit einem ironischen Augenzwinkern verabreicht – sogar FDP-Finanzminister Christian Lindner unterstützt das Projekt. Jedes Format ist auf seine Weise eine herzliche Einladung an die Zuschauer, nicht weiter nachzudenken, sondern zu verblöden. Seinem Bildungsauftrag kommen ARD und ZDF auf diese Weise jedenfalls nicht nach.
In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ analysieren Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt, welche Ideologien diese Formate verbreiten.
Literatur/Quellen:
funk: Hey, wir sind funk. Online verfügbar unter: https://www.funk.net/funk.
Wolfgang zu Gast bei "Was die Woche wichtig war":
https://www.ardaudiothek.de/episode/was-die-woche-wichtig-war-der-funk-podcast/drama-um-gasumlage-fischsterben-in-der-oder-und-kritik-an-funk-mit-wolfgang-m-schmitt/funk/10750213/.
Mehr Informationen zu Wolfgangs Veranstaltung in Zürich findet ihr hier:
https://www.suhrkamp.de/gespraech/wolfgang-m-schmitt-v-42045.
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| Ep. 177: Subventionen und die deutsche Industriepolitik | 28 Dec 2022 | 00:30:33 | |
Die Industriepolitik firmierte in Deutschland lange Zeit unter einem anderen Namen: „Strukturpolitik“ war der von Politik und Ökonomik bevorzugte Begriff, denn er klang weniger nach Planwirtschaft und stellte das marktwirtschaftliche Wettbewerbsdogma nicht infrage. Tatsächlich aber gibt es schon in der frühen Bundesrepublik industriepolitische Maßnahmen – vor allem in Form von Steuererleichterungen, günstigen Krediten, Investitionshilfen und Forschungsgeldern.
Keineswegs ging es darum, alle in die Krise geratenen Industriezweige zu retten. Unterstützung erfuhr vor allem, wer für die Interessen des Staates relevant war: Das betraf den Agrarsektor ebenso wie die Steinkohlenindustrie. In Letztere flossen die meisten Milliarden, aber auch die Stahl- und Eisenindustrie profitierte von Subventionen.
Heute ist die Industriepolitik wieder in aller Munde, wird jedoch neu gedacht. Mariana Mazzucato, Robert Habecks „Lieblingsökonomin“, wie die FAZ schrieb, skizziert die Unterschiede zur alten Industriepolitik.
In der neuen Folge zeichnen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt Kontinuitäten und Brüche nach.
Literatur:
Ralf Ahrens: Strukturpolitik und Subventionen. Debatten und industriepolitische Entscheidungen in der Bonner Republik, Wallstein.
Mariana Mazzucato: „Das Wachstum in eine grüne Richtung umlenken“, in: Michael Vassiliadis, Kajsa Borgnäs (Hrsg.): Nachhaltige Industriepolitik: Strategien für Deutschland und Europa, Campus.
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| Literatur #24: Wir hassen DER KLEINE LORD! | 24 Dec 2022 | 00:47:38 | |
Im deutschen Fernsehen darf dieser Weihnachtsklassiker nie fehlen: „Der Kleine Lord“, in der Verfilmung von 1980 mit Alec Guinnes und Ricky Schroder, lässt harte Herzen weich werden.
Die Geschichte des achtjährigen Cedric, der bei seiner Mutter in bescheidenen New Yorker Verhältnissen aufwächst, ändert sich schlagartig, als er erfährt, dass er Nachkomme einer alten Adelsfamilie ist und einmal ein Lord werden soll. Fortan soll Cedric bei seinem strengen Großvater auf einem herrschaftlichen Anwesen in England leben.
Dort verändert der kleine Lord nicht nur den alten Mann, sondern setzt sich auch für viele Charity-Projekte ein. Der Roman, im Original „Little Lord Fauntleroy“, von Frances Hodgson Burnett stammt aus dem Jahr 1886. Weihnachten kommt darin zwar nicht vor, aber die literarische Vorlage trieft nur so vor Kitsch. Verteidigt wird nicht zuletzt die Eigentumsideologie der Aristokratie.
Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in „Wohlstand für Alle“-Literatur.
Literatur:
Frances Hodgson Burnett: Der kleine Lord. Übersetzt von Emmy Becher, Reclam.
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| Ep. 176: Klondike – der größte Goldrausch aller Zeiten | 21 Dec 2022 | 00:29:08 | |
1896 fand ein Indigener im Yukon-Gebiet Gold. Dieser Fund löste den wohl legendärsten Goldrausch aller Zeiten aus. Die Meldung machte schnell die Runde, sodass bald Tausende Goldgräber und Glücksritter sich auf den Weg machten, um am Klondike reich zu werden.
Gelockt wurden diese Männer mit dem Versprechen, dass hier ein jeder rasch Millionär werden könne, doch die Realität sah völlig anders aus. Der Weg zum Klondike war beschwerlich und riskant, zudem kostete die Reise mindestens 500 Dollar. Diese Investitionen aber zahlten sich nur für die Wenigsten aus, denn sehr schnell waren alle relevanten Ausgrabungsorte vergeben.
Immerhin entstanden bald viele kleinere und größere Wirtschaftszweige – von Dienstleistungen bis hin zu Unterkünften, in denen die Goldgräber bewirtet wurden. Während des Goldrauschs wurde Gold im Wert von 22 Millionen Dollar gefunden, rechnet man jedoch zusammen, was alle Goldgräber investiert hatten, um diese Grabungen vornehmen zu können, ist die Summe geradezu lächerlich. Am Klondike-Goldrausch kann man gut studieren, wie irrational die Wirtschaft sein kann, und weshalb einige Wenige immens profitierten.
In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ blicken Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt auf die kuriose wie dunkle Geschichte des Goldrauschs.
Literatur:
Douglas W. Allen: “Information Sharing during the Klondike Gold Rush”, in: The Journal of Economic History (4/2007), in: https://www.jstor.org/stable/40056405.
Jack London: The Economics of the Klondike, in: https://thegrandarchive.wordpress.com/the-economics-of-the-klondike/.
Kathryn Morse: The Nature of Gold. An Environmental History of the Klondike Gold Rush, University of Washington Press.
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| Spezial #30: Isabella Weber über Inflation und Gaspreisbremse | 17 Dec 2022 | 01:04:55 | |
Die Energiepreise stiegen bereits vor Putins Angriff auf die Ukraine, spätestens seit Kriegsbeginn gingen sie durch die Decke und wurden zum bedeutsamsten politischen Streitthema des Jahres 2022 in Deutschland. Im 30. WfA-Spezial spricht Ole mit Isabella Weber, die bereits wenige Wochen nach Kriegsbeginn einen Gaspreisdeckel forderte.
Was unterscheidet einen Gaspreisdeckel von einer Gaspreisbremse? Wie ist die heutige Inflation zu erklären? Und wie können ökonomische Krisen in Zukunft früher erkannt werden? Darum geht es im 30. WfA-Spezial.
Das Paper von Isabella Weber und ihren Kollegen findet ihr hier:
https://scholarworks.umass.edu/econ_workingpaper/340/.
Alle Informationen zu Isabella Webers Buch findet ihr hier:
https://www.suhrkamp.de/buch/isabella-m-weber-das-gespenst-der-inflation-t-9783518431276.
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| Ep. 175: Droht ein kalter Wirtschaftskrieg? | 14 Dec 2022 | 00:31:14 | |
Die Zeitenwende in der gegenwärtigen Wirtschaftspolitik wird gerade eiligst vollzogen: Ob USA, Europa oder Australien – ein neues altes Paradigma dominiert plötzlich das Handeln der Regierungen. Die Industriepolitik ist zurück. Joe Bidens „Inflation Reduction Act“ sowie sein „Chips and Science Act“ stellen die industriepolitischen Weichen neu, das bekommt auch Deutschland zu spüren.
Lange Zeit war die Ideologie des freien Marktes vorherrschend, man setzte auf einen schlanken Staat und auf Austeritätspolitik. Jetzt aber investieren und subventionieren die Amerikaner in ihre Industrie – und ihnen gelingt es, Kapital und vor allem Unternehmen aus dem Ausland anzulocken. War unter Donald Trump der Protektionismus noch etwas, was Demokraten nur naserümpfend in Kauf nahmen, haben die Demokraten jetzt Trumps „America first“-Strategie übernommen, ja, erst wirklich in die Tat umgesetzt, allerdings ohne eine allzu nationalistische Rhetorik zu bedienen.
Für die Bekämpfung des Klimawandels können hier möglicherweise entscheidende Fortschritte gelingen, doch die Gefahr einer Eskalation zwischen China und dem Westen wächst. Adam Tooze sagt, Amerika führe nun einen Wirtschaftskrieg. Mehr dazu in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“.
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Zum neuen Buch von Maurice Höfgen geht es hier entlang:
https://jacobin.de/wohlstand
Literatur:
Don Farrell: „Was für ein Handelsabkommen mit Australien spricht“, in: https://www.wiwo.de/politik/deutschland/energiewende-was-fuer-ein-handelsabkommen-mit-australien-spricht/28855168.html.
Martin Kölling: „Chipriese TSMC investiert Milliarden in neue US-Werke“, in: https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/halbleiterindustrie-tsmc-erhoeht-investitionen-40-milliarden-fuer-us-chips/28853030.html.
Jörg Kronauer: „Kurswechsel in Neu-Delhi“, in: https://www.jungewelt.de/artikel/440256.asiatisches-jahrhundert-kurswechsel-in-neu-delhi.html.
Mariana Mazzucato in der „FT“ zitiert: https://www.ft.com/content/1bde1624-df28-48ac-bc35-0199d80bfe63.
Gideon Rachman: „Der Beginn des asiatischen Zeitalters“, in: https://internationalepolitik.de/system/files/article_pdfs/ip_02-2018_rachman_08-13_o.pdf.
Nouriel Roubini im Interview: https://www.wiwo.de/my/politik/konjunktur/nouriel-roubini-china-wird-sibirien-annektieren-deshalb-ist-putin-ein-idiot/28841976.html?ticket=ST-7403-RXJa24vze6UBfOfhZMQn-cas01.example.org.
Adam Tooze: „American hubris“, in: https://www.newstatesman.com/ideas/2022/12/addicted-greatness-donald-trump-america-new-labour.
„WirtschaftsWoche“: „Die Ego-Supermacht“, in: Ausgabe 49/2022.
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| Ep. 174: Die US-Wahl 1896 und der Goldstandard | 07 Dec 2022 | 00:32:03 | |
Obwohl sich seit Jahrzehnten die Fiat-Währungen als funktionsfähig erwiesen haben, werden manchmal sogar heute noch Rufe laut, die ein Zurück zum Goldstandard einfordern. 2017 wollte Donald Trump den US-Dollar wieder auf diese Basis zurückführen, wenngleich er wenig später stolz verkündete: „We print the money!“.
Wie aber ist der Goldstandard historisch zu betrachten? Ende des 19. Jahrhunderts stritten Republikaner, Demokraten und Populisten darüber, ob man das Papiergeld allein an Gold, oder sowohl an Gold als auch gleichzeitig an Silber knüpfen sollte. Die Mono-Metallisten standen den Bi-Metallisten feindlich gegenüber.
Insbeondere die sogenannten Goldbugs setzten dabei weniger auf eine ökonomische Logik und mehr auf eine religiöse Ideologie: So glaubte man, Gott selbst habe den Menschen das Gold geschenkt, damit sie wohlanständig wirtschaften können. In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über die Geschichte des Goldstandards.
Literatur:
Milton Friedman: "Bimetallism Revisited", online verfügbar unter:https://www.jstor.org/stable/1942723.
Jonathan Levy: Ages of American Capitalism. A History of the United States, Random House Trade Paperbacks.
Kathryn Morse: The Nature of Gold. An Environmental History of the Klondike Gold Rush, University of Washington Press.
Robert J. Shiller: Narrative Wirtschaft. Wie Geschichten die Wirtschaft beeinflussen – ein revolutionärer Erklärungsansatz, Plassen.
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| Ep. 173: Schafft sich der Kapitalismus selbst ab? | 30 Nov 2022 | 00:28:04 | |
Im Zuge der Digitalisierung erlebte das sogenannte „Maschinenfragment“ aus den „Grundrissen“ eine Renaissance. Antizipierte Karl Marx etwa das Ende der Arbeit, das durch die fortschreitende Automatisierung und Digitalisierung hervorgebracht wird? Viele utopische Interpretation haben seit den 1990er-Jahren die Runde gemacht, doch sollte man sich sehr genau ansehen, was Marx eigentlich in diesem Fragment dachte. Nach wie vor stellt Marx fest, dass nicht die Maschinen Wert schaffen, sondern nur die Arbeiter können dies. Wenn nun aber menschliche Arbeit durch die Maschinisierung überflüssig gemacht wird, verliert dann auch das Kapital die Möglichkeit, Wert zu schaffen? Anders gefragt: Gelangt der Kapitalismus an eine Grenze der Profitabilität und zerbricht daran? Fest steht, dass das Kapital, wie Marx es formuliert, der „prozessierende Widerspruch“ ist. Tatsächlich untergräbt die kapitalistische Produktion sich in gewisser Weise selbst. Dennoch verschwindet die Arbeit keineswegs, selbst in modernen Industriestaaten ist dies nicht der Fall. Der „General Intellect“, ein Begriff, den Marx nur ein einziges Mal in seinem Werk erwähnt, kommt hier ins Spiel, denn das gesellschaftliche Wissen fließt in die Produktion ein, bzw. das Kapital eignet sich dieses Wissen an. Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“.
Literatur:
Wolfgang Fritz Haug: Artikel zum „General Intellect“ in: HKWM 5, Spalten 230-242.
Christian Lotz, Karl Marx: Das Maschinen-Fragment, Laika Verlag.
Mehr Informationen zu unserer Veranstaltung in Stuttgart:
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| Literatur #23: Brigitte Reimann – Franziska Linkerhand | 26 Nov 2022 | 00:55:14 | |
„Franziska Linkerhand“ gehört zu den großen Romanen der DDR. Er ist jedoch unvollendet geblieben, bereits 1973 starb Brigitte Reimann an Krebs.
Sie war eine Sozialistin, die jedoch dem SED-Staat mehr oder weniger distanziert gegenüberstand, da viele Träume von einer sozialistischen Gesellschaft Freiheit sich nicht erfüllten. Trotzdem war sie eine geachtete Stimme in der ostdeutschen Kultur.
Reimann sah aus nächster Nähe, welche Probleme die neue Gesellschaft hatte, denn sie lebte acht Jahre in der Planstadt Hoyerswerda. Aus dem Boden hatte man diese Stadt gestampft, porträtiert werden sie und ihre Bewohner in „Franziska Linkerhand“.
Die Protagonistin ist eine Architektin, die Leipzig verlässt, um in Neustadt am Aufbau des Sozialismus teilzunehmen – und um die Liebe zu suchen. Schnell gerät sie jedoch in das bürokratische Räderwerk.
Über Reimanns Klassiker sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“.
Literatur:
Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand, Aufbau Verlag.
Oles Reportage über Hoyerswerda: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/halbes-hoyerswerda.
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| Ep. 256: Haushaltskrise & Spardiktat – zerbricht nun die Ampel? | 03 Jul 2024 | 00:42:25 | |
Die Ampel-Regierung zankt sich einmal mehr und wieder geht es ums Geld. Die Figuren dieser Posse sind bekannt: Finanzminister Christian Lindner hält weiterhin an der Schuldenbremse fest, während Außenministerin Baerbock, Verteidigungsminister Pistorius, Familienministerin Paus, Sozialminister Heil und weitere Akteure dem Staatshaushalt höhere Ausgaben zumuten wollen.
Zumindest sehen sie keine Einsparmöglichkeiten, auch wenn Lindner diese gern behauptet. Der Bundeskanzler versucht, über der Angelegenheit zu schweben, aber letztlich ist er es, der sich mit Lindner und Wirtschaftsminister Habeck einigen setzen muss, um einen Koalitionsbruch zu verhindern.
Die inneren Widersprüche der Bundesregierung traten selten so deutlich zu Tage. Lindner schüttet derweil weiter Öl ins Feuer, indem er inzwischen sogar Werbung in eigener Sache auf der rechten Plattform NIUS macht. In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über den Haushaltsstreit und die absurde Diskussion um die Schuldenbremse.
Ole im Presseclub:
https://www.youtube.com/watch?v=8XKIm8oFF4o
Veranstaltungen:
Am 9.7. hält Wolfgang in Tübingen einen Vortrag:
https://www.instagram.com/p/C86q929o6R_/
Am 11.7. sind wir beide in Salzburg zu Gast, um über Influencer zu sprechen:
https://www.suhrkamp.de/vortrag/ole-nymoen-und-wolfgang-m-schmitt-v-43832
Am 16. 8. sind wir in Berlin, um unser Kinderbuch vorzustellen:
https://www.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/SU3YW/ole-nymoen-wolfgang-m-schmitt-die-kleinen-holzdiebe-und-das-raetsel-des-juggernaut?cHash=aa8eb23b2a80125d9606239b9bcfe847
Unser Kinderbuch namens "Die kleinen Holzdiebe" ist nun vorbestellbar! Alle Informationen findet ihr unter:
https://www.suhrkamp.de/buch/die-kleinen-holzdiebe-und-das-raetsel-des-juggernaut-t-9783458644774
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| Ep. 172: Schützt Gold vor der Inflation? | 23 Nov 2022 | 00:27:45 | |
„Nach Golde drängt, Am Golde hängt doch alles! Ach wir Armen!“, heißt es in Goethes „Faust“. In Märchen aus aller Welt steht Gold für Reichtum und Macht, bis heute übt das Edelmetall auf viele Menschen eine große Faszination aus, und noch immer berichten Wirtschaftsblätter regelmäßig über die neuesten Entwicklungen am Goldmarkt.
Überall auf der Welt dient Gold als Schmuck, dabei ist das Edelmetall zwar selten, aber als Ressource für die industrielle Produktion weitgehend irrelevant. Dem Gold wird seit Jahrtausenden ein besonderer Wert beigemessen, doch dieser ist gesellschaftlich konstruiert, und keineswegs, wie manche Crash-Propheten behaupten, intrinsisch.
Eigentlich ist Gold ziemlich nutzlos. Weshalb aber konnte sich Gold als Zahlungsmittel und zur Schatzbildung durchsetzen? Karl Marx beantwortete diese Frage vielschichtig. Und lohnt es sich wirklich, in Gold zu investieren? Zwar stieg der Goldpreis im Laufe der Jahrzehnte, vor allem nach der Finanzkrise 2008, dennoch sind die Renditeerwartungen keineswegs überragend.
Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“.
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Literatur:
Karl Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie, online verfügbar unter: http://www.mlwerke.de/me/me13/me13_049.htm#Kap_2_4.
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| Ep. 171: Ist die Maschine unser Feind? | 16 Nov 2022 | 00:26:53 | |
In den vergangenen 250 Jahren ereignete sich ein technischer Fortschritt, der in seiner Rasanz und Breite einmalig in der Weltgeschichte ist. Die Arbeiter haben davon jedoch häufig nur wenig profitiert. Zwar hat die Maschinisierung dafür gesorgt, dass die Landarbeit einfacher wurde und außerdem viele Frauen für die Lohnarbeit rekrutiert werden konnten, was die Frauen aus patriarchalen Strukturen löste – jedoch ging mit dem Aufstieg des Kapitalismus auch eine furchtbare Verelendung der arbeitenden Klasse einher.
Auch für die Kapitalisten ist, wie Marx im 13. Kapitel des „Kapitals“ ausführt, die Maschinisierung ein zweischneidiges Schwert, da sie zwar Extraprofite ermöglichen kann, jedoch sind die Maschinen, indem sie Arbeiter ersetzen, für den Kapitalisten durchaus auch problematisch insofern, als dadurch, dass Arbeiter entlassen werden und folglich keinen Lohn mehr erhalten, auch die Kaufkraft und damit die Nachfrage nach Waren sinkt. Dieser Widerspruch des Kapitalismus ist nicht auflösbar, vielmehr blitzt in ihm auf, wie die Maschinisierung in einer nicht-kapitalistischen Gesellschaft allen dienen könnte.
Diese Idee verfolgt Marx in seinem berühmten wie berüchtigten „Maschinenfragment“ aus den „Grundrissen“. Kann der technische Fortschritt die Menschen von der Arbeit befreien und inwieweit löst sich durch ihn die kapitalistische Ordnung gar von selbst auf?
Darüber sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“.
Literatur:
Christian Lotz, Karl Marx: Das Maschinen-Fragment, Laika Verlag.
Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band (MEW 23), Karl-Dietz-Verlag.
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| Ep. 170: Elon Musk und die Krise von Big Tech | 09 Nov 2022 | 00:39:58 | |
An den Börsen sieht es finster aus, die Finanzmärkte haben definitiv schon bessere Zeiten gesehen. Die verschiedenen Krisen sowie die Zinsanhebungen der Notenbanken sorgen für diese Entwicklung. Auffällig aber ist, dass es besonders hart jene Aktienunternehmen trifft, die bis vor kurzem für Anleger noch als Stars galten.
Die Big-Tech-Konzerne performen fast alle schlechter als der Index, besonders Meta und Spotify, aber auch Netflix legen enttäuschende Umsatz- und Gewinnzahlen vor. Die Tech-Aktien sind seit Jahresbeginn stark eingebrochen und die Earnings vor einigen Tagen haben diesen Abwärtstrend nicht abwenden können – im Gegenteil. Viele Anleger verlieren offenbar das Vertrauen darauf, dass die Unternehmen bald profitabel sein werden.
Während Mark Zuckerberg Unsummen in seine Metaverse-Vision investiert, gewinnt Spotify zwar fortwährend neue Abonnenten, jedoch bei gleichzeitigem Rückgang des Gewinns. Zwar beruhigt Daniel Ek die Aktionäre damit, dass 2022 als „Investment-Jahr“ angelegt sei, doch werden generell die Zweifel an den Geschäftsstrategien der einst gehypten Unternehmen immer lauter. Kommt der sogenannte Exit-Kapitalismus nun an ein Ende? Und rettet Elon Musk nun Twitter, oder anders gefragt: Wird es ihm gelingen, die beliebte Plattform zu monetarisieren?
Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“.
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| Ep. 169: Marx und die Maschinen | 02 Nov 2022 | 00:36:55 | |
Der technische Fortschritt schreitet immer weiter voran. In den vergangenen 300 Jahren wurden im Zuge der Industrialisierung die Produktivkräfte stärker entfesselt als jemals zuvor. Mit der Digitalisierung, die erst vor drei Jahrzehnten richtig begann, nimmt die Rasanz noch zu, weshalb nicht nur Akzelerationisten glauben, dass die Maschinen bald den Großteil der Arbeit übernehmen können.
Die Lage der Arbeiter, so nehmen viele bürgerliche Ökonomen an, verbessere sich ohnehin zusehends. Aber stimmt das wirklich? Schon John Stuart Mill fragt, ob der technische Fortschritt je die Arbeit für die Arbeiter erleichtert hat. Karl Marx verneint dies, und er erklärt, dass das in einer kapitalistischen Gesellschaft auch gar nicht beabsichtigt ist.
Die neuen Maschinen dienen nicht den Arbeitern, sondern den Kapitalisten. Keineswegs entsteht durch höhere Produktionskapazitäten mehr Freizeit für den Arbeiter – auch wenn dies intuitiv so aussehen mag. Das Gegenteil ist wahr: Gerade durch die Maschinisierung dürstet der Kapitalist danach, den Arbeitstag für die Arbeiter zu verlängern, damit die Maschinen Tag und Nacht laufen können.
Marx hat im "Kapital" den Maschinen ein ausführliches Kapitel gewidmet, das bis heute die Grundlage für alle Debatten um das Ende der Arbeit und die Digitalisierung dienen sollte. Klar wird nämlich, dass Maschinen keinen Wert schaffen.
Darüber sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“.
Literatur:
Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band (MEW 23), Karl-Dietz-Verlag.
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Alle Informationen zur Veranstaltung mit Jean-Philippe Kindler und Disarstar findet ihr unter:
https://www.st-pauli-theater.de/programm/kindler-stoesst-an/
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| Literatur #22: Upton Sinclair – Der Dschungel | 29 Oct 2022 | 00:54:46 | |
Upton Sinclair ist das Musterbeispiel für einen engagierten Schriftsteller. Nicht nur engagierte sich der Autor erst bei den Sozialisten und später bei den Demokraten und bewarb sich um wichtige politische Ämter, auch ging es Sinclair darum, durch die Literatur die Gesellschaft zu verändern.
In seinem agitatorischen Erfolgsroman „Der Dschungel“ macht er aufmerksam auf die Ausbeutung von Arbeitern in der Fleischindustrie von Chicago. Er schildert anschaulich die verheerenden hygienischen Verhältnisse und die kriminellen Praktiken der Fleischbarone. In seinem Roman kommt der litauische Einwanderer Jurgis Rudkus mit seiner Verlobten um 1900 nach Amerika, ins Land der vermeintlich unbegrenzten Möglichkeiten, weil er hofft, dort wesentlich mehr Geld als in seiner Heimat zu verdienen.
Wie viele andere findet auch Jurgis Arbeit in den Schlachthöfen Chicagos, doch die Hygiene- und Sicherheitsstandards sind so niedrig, die Anforderungen so hoch und die Bezahlung so erbärmlich, dass die Immigranten kaum eine Chance auf ein menschenwürdiges Leben haben.
In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über Sinclairs berühmtesten Roman.
Literatur:
Upton Sinclair: Der Dschungel, Unionsverlag.
Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band (MEW 23), Karl-Dietz-Verlag.
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| Ep. 168: Liz Truss und die Macht der Finanzmärkte | 26 Oct 2022 | 00:33:00 | |
Liz Truss war angetreten, die neue Eiserne Lady zu werden. Während jedoch Margaret Thatcher elf Jahre regierte, währte Truss‘ Amtszeit nur anderthalb Monate. Nach ihrem Rücktritt sollten wir uns nicht von den parteipolitischen Querelen ablenken lassen, stattdessen sollten wir den Fokus auf die Ökonomie verschieben, denn der Fall ist ziemlich einmalig in der Geschichte westlicher moderner Staaten.
Liz Truss und ihr Finanzminister wollten Thatchers Wirtschafts- und Finanzpolitik wiederbeleben, indem sie den Spitzensteuersatz von 45 auf 40 Prozent senken wollten, um so im Sinne der längst widerlegten Trickle-Down-Theorie allen Briten mehr Wohlstand zukommen zu lassen. Das überrascht bei einer neoliberalen Regierung wenig, erstaunlich war aber die Reaktion der Finanzmärkte. Sie entzogen der Regierung das Vertrauen, indem sie sich plötzlich weniger interessiert an britischen Staatsanleihen zeigten.
Die britische Notenbank wiederum versuchte, mit höheren Zinsen zu locken, als dies nicht gelang, kaufte die Notenbank selbst Staatsanleihen, was das Vertrauen der Märkte nicht gerade erhöhte. Das Finanzkapital zeigte sich immer skeptischer – rückte es etwa von neoliberalen Dogmen ab? Während Thatcher die Arbeiter disziplinierte, disziplinierten die Märkte Truss, die dadurch zum Aufgeben gezwungen wurde.
Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“.
Literatur:
Thomas Biebricher: Neoliberalismus zur Einführung, Junius.
Adam Tooze: “What is Kwasi Kwarteng really up to? One answer: this is a reckless gamble to shrink the state”, in:
https://www.theguardian.com/commentisfree/2022/sep/27/kwasi-kwarteng-cut-taxes-austerity.
Lucas Zeise: “Kurzer Nachruf auf ‘Liz’ Truss”, in:
https://www.jungewelt.de/artikel/437173.kurzer-nachruf-auf-liz-truss.html.
Veranstaltungen:
Ole ist am 27.10. in Bremen: https://www.instagram.com/p/Cj7t7DZLa11/?hl=de
Wolfgang ist am 28.10. in Oberwesel: https://www.ticket-regional.de/events_info.php?eventID=191756
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| Ep. 167: Akzelerationismus – mit Volldampf in den Kommunismus? | 19 Oct 2022 | 00:33:53 | |
Viele Linke sehnen sich nach den "goldenen Jahrzehnten" des Nachkriegs-Keynesianismus zurück, andere wünschen sich eine Postwachstumsgesellschaft, die durch Verzicht und Sparsamkeit sowie von einer Rückabwicklung technologischer Fortschritte gekennzeichnet ist.
Dagegen stellt sich eine linke theoretische Strömung, die zum ersten Mal vor knapp zehn Jahren in Deutschland populär wurde. Der Akzelerationismus will den Kapitalismus nicht bremsen, sondern gewissermaßen beschleunigen, um ihn auf diese Weise zu überwinden. Die technischen Fortschritte, die mit dem Aufstieg des Kapitalismus einhergingen, seien notwendig, um eine andere Gesellschaft, in der mehr Freiheit und Wohlstand herrschen, zu errichten.
Nicht technik- und fortschrittskritisch sollen Linke sein, auch sollte man keine Furcht vor Digitalisierung und Automatisierung haben, stattdessen liegen genau darin große Chancen, um auf Dauer eine Welt ohne Arbeit zu errichten. Aber ist das wirklich eine realistische Perspektive? Ist eine Gesellschaft denkbar, in der nicht mehr Menschen, sondern nur noch Maschinen die notwendige Arbeit verrichten?
In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ setzen sich Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt kritisch mit den Akzelerationisten auseinander.
Literatur:
Armen Avanessian (Hrsg.): Akzeleration, Merve.
Armen Avanessian, Robin Mackay (Hrsg.): Akzeleration 2, Merve.
Nick Srnicek, Alex Williams: Die Zukunft erfinden. Postkapitalismus und eine Welt ohne Arbeit. Edition Tiamat.
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| Ep. 166: Auschwitz und die IG Farben | 12 Oct 2022 | 00:27:02 | |
Die NS-Wirtschaft ist nicht leicht zu analysieren, denn sie war kein reiner Kapitalismus. Zwar hatten sich früh die meisten deutschen Industriellen mit dem Hitler-Regime verbündet, nicht zuletzt, um so vor dem Kommunismus geschützt zu werden, doch ging es Hitler von Beginn seiner Machtübernahme im Jahr 1933 darum, das Land in den Krieg zu führen, weil er besessen von der Gewinnung von „Lebensraum“ war.
Auch die Konzentrationslager waren teils kapitalistisch organisiert, jedoch auf eigenartige Weise. Der vielleicht interessanteste Fall ist der des Konzentrationslagers Auschwitz III in Monowitz. Es wurde von dem Chemiekonzern IG Farben betrieben, hergestellt werden sollte – aufgrund der Knappheit von Naturkautschuk – synthetischer Kautschuk mit dem Namen Buna. Eingesetzt für die Errichtung des Werks wurden KZ-Häftlinge, sie sollten auch später den künstlichen Kautschuk produzieren und wurden von der SS gegen einen Betrag an die IG Farben verliehen.
Jedoch war dies nicht allein eine moderne Variante von Sklavenarbeit, denn zugleich lässt sich am Fall von Auschwitz III die Vernichtung durch Arbeit beobachten. Analysiert man die ökonomische Struktur dieses Lagers, stellt sich heraus, dass diese Form des Wirtschaftens nicht nur menschenschindend und tödlich, sondern außerdem auch unrentabel war.
Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“.
Literatur:
Wolfgang Sofsky: Die Ordnung des Terrors. Das Konzentrationslager, S. Fischer.
Bernd C. Wagner: IG Auschwitz. Zwangsarbeit und Vernichtung von Häftlingen des Lagers Monowitz 1941-1945, K. G. Saur Verlag.
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| Ep. 165: Ist Papst Franziskus ein Antikapitalist? | 05 Oct 2022 | 00:39:24 | |
„Diese Wirtschaft tötet“, schrieb Papst Franziskus 2013 unmissverständlich in seiner Schrift „Evangelii Gaudium“ und sorgte damit für einige Überraschungen. Konservative – Politiker wie Kirchenleute – irritierte diese drastische Aussage. Manche fürchteten gar: Ist der Papst etwa ein Linker?
Kapitalismuskritiker hingegen sahen in Rom plötzlich einen neuen Verbündeten im Kampf gegen Ungleichheit, Finanzialisierung und Ausbeutung. 2015 wird der Papst in seiner sozial-ökologischen Enzyklika „Laudato si“ diese Kritik bekräftigen und auf 160 Seiten ausführen, inwieweit der Planet und der Mensch durch unsere Art zu Wirtschaften leiden muss.
Aber ist Franziskus tatsächlich ein Anti-Kapitalist? Liest man seine beiden Schriften, fällt auf, dass man zwar vielen Zustandsbeschreibungen mit Blick auf die Umweltverschmutzung und die Ungleichheit zustimmen kann, jedoch geht es Franziskus keineswegs um eine dezidierte Analyse des Wirtschaftssystems. Metaphern und blumige Beschreibungen liest man dort zuhauf, aber eine Kritik des Kapitalismus findet man höchstens in der Schwundstufe eines Moralismus, dem dämmert, dass hier irgendetwas nicht zu stimmen scheint.
Zwar ist der Papst mit seiner Kritik immer noch progressiver als die CDU, doch vermeidet er einen klaren Blick auf die eigentlichen ökonomischen Verhältnisse. In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ setzen sich Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt mit Franziskus‘ Sicht auf die Ökonomie auseinander.
Literatur:
Papst Franziskus: Evangelii Gaudium, online verfügbar unter: https://www.vatican.va/content/francesco/de/apost_exhortations/documents/papa-francesco_esortazione-ap_20131124_evangelii-gaudium.html.
Papst Franziskus: Laudato si. Über die Sorge für das gemeinsame Haus, online verfügbar unter: https://www.vatican.va/content/francesco/de/encyclicals/documents/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html.
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| Ep. 164: Marx und Engels gegen Malthus | 28 Sep 2022 | 00:30:00 | |
Im 19. Jahrhundert wurde das „Bevölkerungsgesetz“ von Thomas Robert Malthus eifrig und von vielen zustimmend rezipiert. Malthus ging davon aus, dass die Menschheit exponentiell wachse, während die Lebensmittelproduktion nur linear ansteige, wodurch auf Dauer immer wieder große Hungersnöte die Menschheit dezimieren werden. Anschließend werde die Bevölkerung wieder anzufangen zu wachsen, bis die kritische Grenze erneut erreicht ist – ein regelrechter Teufelskreis.
Malthus war sich sicher, ein Naturgesetz entdeckt zu haben, so sehr sogar, dass er sich gar keine Mühe mehr gab, dieses zu beweisen, sondern sich damit begnügte, es bloß zu postulieren. Es waren vor allem Karl Marx und Friedrich Engels, die das malthusianische Denkgebäude einer fundamentalen Kritik unterzogen. Zwar loben die Begründer des Marxismus Malthus dafür, dass er immerhin die Klassenverhältnisse nicht verschleiert, doch sei die eigentliche Theorie aus mehreren Gründen nicht haltbar.
Zunächst ist da die Naturalisierung von Verhältnissen, die in Wahrheit gesellschaftlich bedingt sind – Malthus suggeriert, der Mensch sei den Naturzusammenhängen ausgeliefert wie ein Tier. Weiter kritisiert Marx, dass Malthus den Grund für die Verelendung der Arbeiter in der Masse der Subsistenzmittel, nicht in ihrer Stellung zu den Produktionsmitteln sucht.
Mehr dazu in der neuen „Wohlstand für Alle“-Folge von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt.
Literatur:
Ronald L. Meek: Marx und Engels über Malthus. Werk- und Briefauszüge gegen die Theorien von Thomas Robert Malthus, online auf Englisch verfügbar unter: https://ia801600.us.archive.org/1/items/in.ernet.dli.2015.191351/2015.191351.Marx-Amp-Engels--On-Malthus.pdf.
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| Literatur #42: John Strelecky – Das Café am Rande der Welt | 28 Jun 2024 | 00:14:24 | |
Lebenshilfe für das 1 Prozent: „Das Café am Rande der Welt“ ist ein Weltbestseller – und das seit Jahren. John Strelecky, der Autor dieses schmalen Romans, ist ein gefragter Erfolgscoach, der seine schlichte wie bedenkliche Glücksphilosophie in bares Geld verwandelt hat, was natürlich nur funktionieren konnte, da sich viele Menschen das Denken gründlich abgewöhnt haben.
In dem Erbauungsbüchlein gerät ein erfolgreicher Geschäftsmann zufällig in ein eigenartiges Café, in dem einem nicht nur Torten und Heißgetränke, sondern auch Fragen nach dem Sinn des Lebens serviert werden. Zusammen mit der Kellnerin und dem Inhaber des Cafés „philosophiert“ der Protagonist dann über das, was im Leben und im Beruf eigentlich zählt.
Entworfen wird, eingehüllt in den Deckmantel der Nettigkeit und des Grüblerischen, ein radikaler Individualismus und Egoismus. Etabliert wird eine esoterische Ersatzreligion des Erfolgs, deren Perfidie geradezu erschüttert.
Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“-Literatur!
Literatur:
John Strelecky: Das Café am Rande der Welt, dtv.
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| Literatur #21: Thomas Mann – Königliche Hoheit | 24 Sep 2022 | 00:53:24 | |
Nach seinem erfolgreichen Debutroman „Buddenbrooks“ hatte Thomas Mann große Sorge, er könne einer jener Schriftsteller werden, die mit ihrem ersten Buch berühmt geworden sind und diese Höhe danach nie wieder erreichten.
Jahrelang recherchiert und skizziert er, bis er 1909 mit „Königliche Hoheit“ seinen zweiten Roman veröffentlicht, der auch autobiographische Züge hat, da Mann seine Ehe mit Katja Pringsheim verhandelt. Der märchenhafte Roman spielt in einem fiktiven Duodezfürstentum, das zwar noch die romantische Fassade aufrechterhält, aber dessen Staatskassen längst leer sind. Mehr noch: Der Kleinstaat, den bald Prinz Klaus-Heinrich repräsentieren soll, ist hochverschuldet.
Da trifft es sich gut, dass mit Samuel Spoelmann ein Milliardär aus den USA zum Kuraufenthalt anreist und er außerdem seine emanzipierte Tochter Imma mitbringt. Löst der Eisenbahnkönig den feudalen Adel ab? Wie glaubwürdig ist die Liebe? Welches volkswirtschaftliche Grundwissen benötigen ein gesunder Staat und eine gute Ehe? Hochironisch schildert Mann eine kleine Welt, die sich vor dem modernen Kapitalismus nicht länger verschließen kann.
In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“-Literatur sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über Thomas Manns „Königliche Hoheit“.
Literatur:
Thomas Mann: Königliche Hoheit, Fischer.
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| Ep. 163: Die CDU-Wirtschaftspolitik und die katholische Soziallehre | 21 Sep 2022 | 00:39:03 | |
Für Armin Laschet bildet sie immer noch ein wichtiges Fundament der CDU. Auch weitere konservative Politiker beziehen sich bewusst oder unbewusst bei ihrer Sozial- und Wirtschaftspolitik auf einen Text, der bereits 1891 veröffentlicht wurde und dessen Verfasser immerhin Papst Leo XIII. ist.
In seiner Enzyklika „Rerum novarum“ setzte Leo sich als erster Papst mit der Arbeiterbewegung, dem Sozialismus und dem Kapitalismus auseinander. Die Enzyklika ist ein Gründungstext nicht nur für die Katholische Soziallehre, sondern auch für das, was Soziale Marktwirtschaft genannt wird. Wie sozial aber ist das päpstliche Rundschreiben wirklich?
Keineswegs kritisiert der Papst den Kapitalismus an sich, sondern er geißelt nur einige Auswüchse, um letztlich vor allem moralische Urteile zu fällen, die ökonomisch betrachtet, auf sehr tönernen Füßen stehen. In erster Linie bekennt sich der Vatikan zur bürgerlichen Eigentumsideologie, gleichzeitig werden Klassenwidersprüche verschleiert oder schlichtweg geleugnet. Auf Fleiß und Leistung, komme es an, und es gelte stets, den sozialen Frieden zu wahren. Dennoch ist die Enzyklika auch eine Absage an den „Laissez-faire“-Kapitalismus und den Liberalismus, denn die Politik soll nach Ansicht des Papstes in das Marktgeschehen aktiv eingreifen.
Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“.
Literatur:
Papst Leo XIII.: „Rerum novarum“, in: https://www.iupax.at/dl/OmnLJmoJnnmJqx4KJKJmMJMLMm/1891-leo-xiii-rerum-novarum.pdf.
Pier Paolo Pasolini: Freibeuterschriften. Die Zerstörung der Kultur des Einzelnen durch die Konsumgesellschaft, Wagenbach.
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| Ep. 162: Gibt es zu viele Menschen? Die malthusianische Katastrophe | 14 Sep 2022 | 00:31:01 | |
Eine Theorie muss nicht richtig sein, um lange Zeit Einfluss zu haben. Thomas Robert Malthus ist dafür das beste Beispiel. Bis heute wird er immer wieder zitiert, um scheinbar zu beweisen, dass zu viele Menschen auf dem Planeten leben. Eine Dekade nach der Französischen Revolution veröffentlicht Malthus einen Essay mit dem Titel „Das Bevölkerungsgesetz“, in dem er erklären möchte, warum dauerhaft kein Wohlstand für alle geschaffen werden könne.
Zwar können mehr Lebensmittel produziert werden, doch sei dieses Wachstum viel zu langsam im Vergleich zum angeblich exponentiellen Wachstum der Bevölkerung. Malthus ging davon aus, dass sich die Menschheit, wenn sie optimistisch in die Zukunft blickt, munter fortpflanzt, um dann wieder an ihre Grenzen zu geraten, wenn nicht alle ernährt werden können.
Der Ökonom malt moralistisch unterfüttert und aufgrund einer bloß behaupteten Prämisse einen Teufelskreis, aus dem es kein Entrinnen gibt. Heute sind wir klüger: Zwar dürfte bis 2050 die Weltbevölkerung ihren Zenit bei knapp unter 10 Milliarden Menschen erreicht haben, doch erlebten wir in den vergangenen 200 Jahren einen gewaltigen Fortschritt, der es sehr wohl erlaubt, alle Menschen zu ernähren. Momentan haben wir es jedoch mit einem Verteilungsproblem zu tun. Außerdem dachte Malthus nicht daran, dass die Menschheit es eines Tages schaffen könnte, durch Verhütungsmittel den Sexualtrieb von der Fortpflanzung zu entkoppeln.
In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ widmen sich Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt den Thesen von Malthus.
Literatur:
Thomas Robert Malthus: Das Bevölkerungsgesetz. Übersetzt von Christian M. Barth, Matthes & Seitz Berlin.
Stefan Schulz: Die Altenrepublik. Wie der demographische Wandel unsere Zukunft gefährdet, Hoffmann und Campe.
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