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| Titre | Date | Durée | |
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| Im Traum hörst du Gott | 19 Oct 2026 | 00:04:29 | |
Herzlich willkommen zum gemeinsamen Beten.Bei unserem Konzertabend mit dem Orchester der Franziskusschule wurden auch bearbeitete Texte aus dem Musical "Traum oder Wirklichkeit" von Helmut Schlegel gelesen. Ein Text ist vielen Gästen besonders hängen geblieben, weil er von einem Traum erzählt, den Vita Vitoria vorgelesen hat. Und ich lese einige Ausschnitte daraus vor, weil sie, glaube ich, sehr ins Nachdenken bringen. Es heißt im Text: "Ich träumte von einer Kirche, zu der Menschen aller Rassen und Nationen gehören,viele Farben und Sprachen, einfache Leute und Gebildete.Sie lebten miteinander. Sie kannten keine Eifersucht und keine Machtkämpfe.Sie sprachen über ihren Glauben und ihre Hoffnungen,sie sprachen davon, was sie trägt und wem sie vertrauen. Ich träumte von einer Kirche, da schlugen sie nicht auf die Tische,sondern sie schlugen sich an die Brust. Sie wuschen sich nicht die Köpfe,sondern die Füße. Sie probierten Salz für die Erde zu sein, wie es das Evangelium sagt.Man sah ihnen an, dass ihr Leben Geschmack hat, den Geschmack von Freiheit und Lebensfreude. Es war nicht langweilig in ihren Kirchen. Die Kinder fühlten sich wohlund die alten Menschen lebten auf.Es machte Freude, Gottesdienst zu feiern, und ein heiliger Ernst war auf ihren Gesichtern. Ich träumte von einer Kirche, die einem Schiff glich, das sich mutig dem Meer anvertraute.Sie alle waren wie eine Mannschaft, einer verließ sich auf den anderen.Sie überließen die Sorge für die Welt nicht den Experten,sie trauten ihren eigenen Gaben, sie hörten auf ihren Gott und aufeinander.Und so waren sie eine lebendige Einladung für die vielen, die suchennach Sinn und Gerechtigkeit. Ich träumte von einer Kirche, in der sie genauso gut beten konntenwie Politik machen oder zupacken. Sie legten Hand an, wo es nötig warund kein Dienst war ihnen zu gering.Sie waren Freunde der armen und kleinen Leute und keiner brauchte sich bei ihnen zu schämen. Sie setzten sich ein für gerechte Arbeitslöhne und für das Recht auf Asyl. Ich erwachte aus meinem Traum und ich war verzweifelt,weil es nicht so ist, wie ich geträumt hatte. Ich dachte: Es ist nur ein Traum,der wieder verschwindet. Dann aber erinnerte ich mich an die alten Erzählungen der Bibel. Im Traum, sagt die Bibel, hörst du deine innerste Stimme, im Traum hörst du Gott.Ich las: "Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.Kehrt um und glaubt an das Evangelium!" (Mk 1,15) Und ich wusste, dass es wahr ist, was ich geträumt hatte,dass es wahr werden wird. Ich wusste, dass ich selbst der Anfang meines Traumes sein kann." | |||
| Wunder | 18 Oct 2026 | 00:03:19 | |
Vor gar nicht allzu langer Zeit wurde ich im Unterricht gefragt: "Ist Ihnen schon mal ein echtes Wunder passiert?"Und ich habe erst einmal ganz trocken gesagt:"Nein."Die Schülerin, die gefragt hatte, war sichtlich irritiert. Wahrscheinlich hatte sie mit einer anderen Antwort gerechnet.Und ich machte es nicht besser, sondern sagte noch:"Also zumindest nicht so, wie ihr Wunder gerade beschrieben habt. Etwas völlig Unmögliches, Außergewöhnliches, womit niemand gerechnet hat. Wenn das ein Wunder sein soll, dann habe ich so etwas noch nie erlebt."Zu meiner großen Freude gingen sofort mehrere Finger hoch. Andere fragten direkt:"Aber ist es dann für Sie kein Wunder, wenn jemand einen schlimmen Autounfall überlebt?"Und genau da wurde das Gespräch spannend.Denn ich glaube schon an Wunder. Sehr sogar. Und ich glaube auch daran, dass Gott in unserem Leben wirkt. Aber ich glaube nicht an Wunder wie in Zaubershows. Nicht an spektakuläre Einzelmomente, die plötzlich alle Naturgesetze außer Kraft setzen.Wunder sind für mich etwas anderes.Wunder sehe ich dort, wo Menschen trotz Verzweiflung füreinander da sind.Wo jemand bleibt, obwohl Weggehen leichter wäre.Wo Menschen sich gegenseitig tragen, obwohl sie selbst kaum noch Kraft haben.Wunder geschehen dort, wo Verbundenheit stärker ist als Angst oder Einsamkeit.Und eigentlich sind die Wunder in der Bibel oft genau so erzählt. Nicht wie Zauberei. Da gibt es keine magischen Formeln und keine großen Tricks. Stattdessen passiert etwas anderes: Menschen werden angesehen. Berührt. Aufgerichtet. Ihnen wird wieder Hoffnung zugesprochen.Für mich ist genau das das eigentliche Wunder.Dass Menschen wieder in Beziehung treten können. Mit sich selbst. Mit anderen. Mit Gott.Trotz allem, was weh tut. Trotz Leid, Dunkelheit und Verzweiflung.Und vielleicht beginnt genau dort Gottes Wirken. Nicht immer laut und spektakulär. Aber tief und lebensverändernd. | |||
| Vielleicht bindet Gott mir die Schuhe zu | 17 Oct 2026 | 00:03:43 | |
Manchmal frage ich mich, warum wir so viele verschiedene Schuhe besitzen.Ich habe Sneakers für den Alltag. Laufschuhe, die ich viel zu selten anziehe. Wanderschuhe. Und irgendwo hinten im Schrank stehen sogar hohe Schuhe, die ich eigentlich nur für besondere Anlässe hervorhole.Jeder Schuh passt zu einem anderen Weg.Und vielleicht ist das gar nicht nur bei Schuhen so.Jeder Tag eröffnet neue Wege. Und plötzlich fragt man sich: Wie gehe ich diesen Weg?Mit großen Schritten? Vorsichtig? Selbstbewusst? Oder am liebsten gar nicht?In der Bibel gibt es einen Satz, der mich schon lange beschäftigt. Johannes der Täufer sagt über Jesus:"Ich bin nicht einmal würdig, ihm die Schuhe aufzuschnüren." Damals war das eine Aufgabe für Diener. Wer jemandem die Schuhe auszog oder aufband, machte sich klein.Lange habe ich diesen Satz einfach so hingenommen.Heute höre ich ihn anders.Denn wenn ich auf Jesus schaue, sehe ich keinen Gott, der darauf wartet, dass Menschen sich vor ihm klein machen.Ich sehe einen Gott, der selbst klein wird.Der sich bückt.Der den Staub der Straßen kennt.Der keine Angst davor hat, sich die Hände schmutzig zu machen.Und dann entsteht in meinem Kopf ein ganz anderes Bild. Vielleicht bin nicht ich diejenige, die Jesus die Schuhe aufbindet.Vielleicht kniet er vor mir.Vielleicht bindet Gott mir die Schuhe zu.Nicht, weil ich das alleine nicht könnte. Sondern weil er möchte, dass ich losgehen kann.Dass ich den Mut finde für den ersten Schritt. Für das schwierige Gespräch. Für den neuen Anfang. Für den Weg, den ich mir selbst noch gar nicht zutraue.Ich mag dieses Bild. Bevor ich loslaufe, kniet Gott sich zu mir herunter. Nicht als mächtiger Herrscher von oben herab, sondern ganz nah. Er schaut nicht zuerst darauf, wie weit ich komme. Sondern darauf, dass ich überhaupt losgehen kann.Und vielleicht ist genau das seine Größe.Dass der Mächtigste sich nicht bedienen lässt.Sondern sich bückt, mir die Schuhe bindet und sagt: "Jetzt geh. Ich gehe mit." | |||
| Winkende Hände | 16 Oct 2026 | 00:04:20 | |
Ich bin mit meinem Auto bisher immer noch überall da hingekommen, wo ich hin wollte oder musste. Also bin ich auch dieser Tage mittags losgefahren zu einem Termin. Unsere kleine Straße ist eine Einbahnstraße und am Ende muss man links abbiegen. Da standen aber zwei Fahrzeuge und die Absperrung für einen Kran. Kein Durchkommen. Der Chef der Firma, die dort gerade ablädt, rät mir drehen und zurückfahren. Aber das ging nicht wegen der engen Einbahnstraße. Dann schaute er sich das Ganze an und sagte ganz locker: "Da passen Sie mit ihrem kleinen Auto durch."Ich bin nicht sehr mutig in solchen Sachen und dachte sofort: Oh ich trau mich nicht. Und, als ob er es gehört hätte ruft er: "Vertrauen Sie mir, ich winke sie durch!" Also habe ich tief Luft geholt und mich ganz auf seine winkenden Hände verlassen und bin nach seinen Anweisungen gefahren und bei gefühlt 10 Millimeter auf jeder Seite tatsächlich da durchgekommen. "Sie fahren 1 A!" hat er mir noch zugerufen und ich habe mich gefreut. Aber mir war klar, ohne sein Winken und ohne mein Vertrauen in seine Fähigkeiten hätte ich das nie geschafft.Ich bin mir sicher, dass das schon viele von Euch auch so erlebt haben: Menschen, die helfen, komplizierte Sachen zu schaffen und durch schwierige Situationen durchzukommen. Menschen, die in ihrer Zeit ihren Mitmenschen Wegweiser geworden sind, feiern wir heute auch dafür. Hedwig von Andechs, die Herzogin von Schlesien, hat zu Beginn des 13. Jahrhunderts dafür gesorgt, dass die Menschen in ihrem Land in Kriegen und Katastrophen versorgt und in Glauben und Leben unterrichtet wurden.Fast 600 Jahre vorher hat Gallus als Mönch und Einsiedler den Glauben im Frankenreich und am Bodensee verkündet und die große Abtei Sankt Gallen steht am Ort seiner Einsiedlerzelle. Und Margareta Maria Alacoque, die im 17. Jahrhundert gelebt und entdeckt hat, dass die Liebe zu Jesus Christus ihr alle Möglichkeiten des Lebens eröffnet, wenn sie wirklich an sein liebevolles Herz glaubt und ihm vertraut. Ihre Formen der Herz-Jesu-Verehrung sind uns heute eher fremd, aber viele ihrer Aussagen sind absolut normal und heutig. Sie sagt einmal: "Beunruhigen Sie sich nicht, sondern haben Sie großes Vertrauen in die barmherzige Güte Jesu!" Da ist es wieder, das Vertrauen in die, die uns helfen, die uns Wege weisen, auf deren winkende Hände wir uns voll und ganz verlassen können. | |||
| Zuhause für die Ewigkeit | 15 Oct 2026 | 00:04:45 | |
Zuhause ist ein sehr dehnbarer Begriff. Wo bin ich denn zuhause? Was ist mein Zuhause? Wir haben im Konvent an der Wohnungstür ein gemaltes Schild mit einem Haus und zwei Worten "Zuhause, zuhause". Eine Mitschwester hat es gemalt und dorthin gehängt um das wirkliche Zuhause zu kennzeichnen. Also nicht mehr das Elternhaus, nicht mehr die Studentenbude aus Studienzeiten, sondern hier bei uns ist ihr wirkliches Zuhause. Und das geht Menschen nicht nur heute so.Elisabeth von Thüringen, die Landesherrin, lebte meist auf der Wartburg, wo es aber, weil es der Herren- und Regierungssitz war, viel zu laut und viel zu militärisch zuging. Ihr erstes Zuhause quasi, seit sie aus Ungarn mit vier Jahren dorthin gebracht und später verheiratet worden war. Ihre drei Kinder bekam sie auf der Creuzburg, die nur eine kurze Strecke von der Wartburg entfernt liegt. Aber ihre allerliebste Burg, also das Zuhause-Zuhause war die Neuenburg, die hoch über dem Städtchen Freyburg an der Unstrut liegt. Sie war die größte Burg der Landgrafen von Thüringen und sehr viel später eine bedeutende Station an der Straße der Romanik.Ich gebe gern zu, dass erst der etwas beleidigte Hinweis eines Freundes, dass wir immer nur zur Wartburg fahren aber die Neuenburg nicht kennen, mich voriges Jahr im Urlaub bewegt hat, dorthin zu fahren und mir nicht nur alles anzuschauen sondern auch zu staunen über den unglaublichen Wechsel der Geschichte, den man darin atmet und die Erkenntnis, dass manche Orte, die nicht so touristisch gepusht worden sind, immer mehr ihre Schönheit zeigen und Begeisterung auslösen. Heute fährt, weil ich davon so begeistert erzählt habe, ein Bus voller Frauen hier aus Olpe dorthin. Sie werden einen erstaunlichen Ort erleben, der mehr als 1000 Jahre alt ist und das Gedenken an die junge Elisabeth von Thüringen, die dort oft viele Monate mit ihren Kindern gelebt hat und den Frieden dieses Ortes sehr geschätzt hat. Diese Frau, die nur 24 Jahre alt geworden ist, hat trotzdem ein Zuhause für sich gefunden, wo sie, wenn auch oft nur für kurze Zeit, glücklich in Ruhe sein konnte.Wo ist dein eigentliches Zuhause-Zuhause? Wo fühlt es sich an, wie ruhige Geborgenheit und Wärme und nachhause kommen? Für viele ist es längst nicht mehr der Ort, wo sie geboren und aufgewachsen sind, sondern dort, wo sie mit Gegebenheiten und Menschen leben, die ihnen guttun. Für unsere Zukunft gibt es dann noch die schöne Zusage Jesu an uns, seine Jüngerinnen und Jünger: "Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen und ich gehe hin, um euch dort eine Wohnung zu bereiten"Also dann ein neues wirkliches Zuhause für die Ewigkeit. | |||
| Traum oder Wirklichkeit | 14 Oct 2026 | 00:04:00 | |
Es gibt so Dinge, da weiß man manchmal nicht so genau: Ist das jetzt geträumt oder ist das Wirklichkeit? Und bei Kindern und Jugendlichen merkt man manchmal, dass beides schonmal etwas durcheinandergerät, wenn sie zu lange in Sozialen Medien scrollen und so besetzt sind von dem, was sie da sehen und hören.In einem Musical aus den 80er Jahren ist das genau der Titel: "Traum oder Wirklichkeit" – Da ist der Franz von Assisi der Frank, der vor dem Spiegel stehend, mit seiner Egozentrik und Zukunftsplanung beschäftigt ist und plötzlich seine Saufkumpel wiedertrifft, der jetzt von Lepra völlig entstellt ist. Da ist die Freundin, die er eigentlich liebt, die aber deutlich zeigt, dass sie kein Liebchen sein will, die er stolz vorführen kann. Und dann ist die heutige junge Frau mit Kopftuch in der Bahn, die angepöbelt und bespuckt wird und wartet, dass ihr jemand beisteht. Und danach die Viktoria, die ihm, dem Frank heute, einen Brief schreibt in dem sie von ihren Träumen von der Kirche erzählt.Heute Abend wird in unserer Olper Mutterhauskirche die letzte der fünf großen Veranstaltungen zu Ehren des heiligen Franziskus stattfinden. Zusammen mit dem Orchester der St. Franziskusschule werden Oberstufenschüler Texte lesen, die sie selbst mehr ins Heute übersetzt haben, um nochmal deutlich zu machen, dass dieser Franziskus nicht nur damals unerhört Neues gelebt und verkündet hat, sondern uns auch heute deutlich den Spiegel vorhalten kann. Ich bin selbst gespannt, wie sie ihre eigenen Ideen umgesetzt bekommen.Es gibt Phasen in jedem Leben, wo jede und jeder von uns immer mal wieder ein wenig genauer in den Spiegel schauen muss. Nicht um Pickel und Unreinheiten der Haut zu sehen, sondern um sich selbst klar zu machen, wie ich heute denke, glaube, handle. Ob es eine Übereinstimmung gibt zwischen meinen schönen Träumen von Kirche, Glaube und funktionierender Gesellschaft und dem, was ich dafür tue oder erbitte.Eine Definition, die mir gelegentlich ins Gedächtnis kommt und mich herausfordert lautet: Wenn Denken, Reden und Tun übereinstimmen, dann hat der Mensch ein reines Herz. | |||
| Aufbrüche ins Leben | 13 Oct 2026 | 00:04:10 | |
Manchmal braucht man ein Fest, ein Zusammenkommen Vieler, die auf ähnlichen Wegen unterwegs sind. Ob bei einem Festival von Musikfans, einem Derby im Stadion, einem großen besonderen Konzert in einer Musikhalle, einem runden Geburtstag, einer Hochzeit und Ähnlichem.Und auch wir Ordensleute brauchen manchmal ein Fest mit Vielen. Am letzten Samstag war so ein Fest, der Ordenstag des Erzbistums Paderborn bei uns in Olpe im Mutterhaus. Mehr als 110 Ordensleute, Brüder und Schwestern aus 22 verschiedenen Gemeinschaften haben sich getroffen, um miteinander Gottesdienst zu feiern, einen großartigen Vortrag zu hören, zusammen zu essen, zu plaudern und Erfahrungen auszutauschen. Und dann gab es neun verschiedene Angebote für den Nachmittag: einen Besuch im Kinderhospiz oder in der Erlebnisscheune des Josefshauses, Mutterhausführungen und stille Anbetungszeiten, kreative und thematische Auseinandersetzungen zum Thema: "Aufbrüche ins Leben".Es war für alle die schöne Erfahrung, dass die Mutterhauskirche mal wieder mit vielen Ordensleuten, Schwestern und Brüdern gefüllt war. Für viele war es ein Wiedersehen nach einem oder mehreren Jahren oder auch ein neu Kennenlernen der so vielfältigen Menschen in den Orden und Gemeinschaften unseres Bistums.Und ganz egal, ob die Schwestern und Brüder in Kitas und Schulen, in Krankenhäusern und Altenheimen, in Hospizen und Straßenambulanzen, in den Pfarreien oder Gefängnissen, in der Hostienbäckerei oder im Klosterladen, in der Seelsorge für Obdachlose, in der Notfallseelsorge oder im Pfortendienst, in der Telefonseelsorge oder bei den Tafeln und unendlich vielen weiteren Arbeitsbereichen tätig sind: ihr wichtigster Dienst ist immer die Anbetung und das Lob Gottes und das Fürbittgebet in den Anliegen der Menschen, der Kirche und der Welt. Immer.Und ein kleines Detail ist mir sehr ans Herz gegangen: Alle Olper Schwestern hatten ein gut sichtbares Namensschild an ihrem Habit und es gab die Ansage, dass fremde Ordensleute bei ihnen anfragen können, wenn es um Wege, Räume und Hinweise geht. Und einige dieser Schwestern sind sehr alt, manche gebrechlich, auf den Rollator angewiesen, schwerhörig und schmerzgeplagt. Aber man kann trotzdem jede von ihnen fragen, nach Wegen, Räumen und Hinweisen. Ich bin beeindruckt. | |||
| Suche nach der eigenen Identität | 12 Oct 2026 | 00:04:24 | |
Eigentlich war es nur ein sehr gut besuchter Abend zu Ehren des heiligen Franziskus zu dessen 800. Todestag. Eigentlich begann es mit sehr leiser sphärischer Musik mittels Klangschalen. Eigentlich wurde dann ein Kapuziner vorgestellt, der Theologe und an der Universität Professor ist. Und eigentlich hat er nur einen hochinteressanten Vortrag darüber gehalten, wie man das Leben des heiligen Franziskus, sein Suchen und Fragen, seine Ablösung vom Vater, seine Fragen an die Kirche, seine Probleme mit der eigenen Gemeinschaft und auch mit seinem Gott anhand wissenschaftlich psychologischer Erkenntnisse auch verstehen und analysieren kann. Eigentlich war es sehr sachlich und mit Originalzitaten und Bildern aus dem jahrhundertealten Zyklus von Giotto in Assisi gespickt. Eigentlich.Ein paar Plätze neben mir sehe ich dann eine Frau leise weinen und dabei versuchen es zu verbergen und mit dem Taschentuch Augen und Nase und den Tränenfluss in den Griff zu bekommen. Beim Imbiss nach dem Vortrag sind wir ins Gespräch gekommen und sie hat erzählt, dass es sie so gepackt hat, weil sie das Gefühl hatte, dass genau sie gemeint ist. Genau diese vielfältigen Wege des Franziskus, um zu seiner ureigenen Identität zu finden, hat sie genau so in ihrem Leben erfahren und nie vorher ist ihr so deutlich geworden, dass es Wege und Kurven und Aufs und Abs sind, die jeden Menschen betreffen, der sich ernsthaft um sein authentisches und echtes Leben und Glauben müht. Und auch, dass es nie aufhört, sondern bis ins Alter immer weitergeht mit der Suche nach der eigenen Identität im Leben und im Glauben.Mich hat das sehr berührt, weil es genau das beschreibt, was sicher viele von uns schon erlebt haben. Da höre ich vielleicht im sonst etwas langweiligen Sonntagsgottesdienst eine Stelle aus dem Evangelium, von der ich das Gefühl habe, sie noch nie vorher gehört zu haben. Mein ganzer Mensch, nicht nur mein Verstand, sondern mein Herz und meine Seele spüren plötzlich etwas, was mich betrifft und manchmal mit solcher Wucht, dass mir die Tränen kommen. Manchmal ist es eine Liedzeile in einem Song aus meiner üblichen Playlist, eine Notiz in der täglichen Nachrichtenflut, die Frage eines Menschen, der mit mir im Supermarkt etwas sucht. Und genau dann, wenn wir berührt werden, wenn wir spüren, dass es nicht nur eine belanglose Alltäglichkeit ist, dann genau berührt uns Gott zutiefst. | |||
| Zeichen gegen die Angst | 11 Oct 2026 | 00:05:08 | |
In der vergangenen Woche durfte ich feiern – eine Goldene Hochzeit. Nicht meine eigene, sondern mit einem befreundeten Ehepaar. Sie haben 50 Jahre Ehejubiläum gefeiert und Goldene Hochzeit nennen wir das. Gold ist dabei mehr als Schmuck, denn Gold steht in unserem Denken für Beständigkeit. Beständigkeit ist dabei heute kein Wert, an den man zuerst denkt. Zu vieles ist im Wandel: Gesellschaft, Arbeit, Lebensentwürfe.Umbrüche gehören zu unserem Alltag. Wie alle Menschen aller Zeiten leben wir in einer Zeit, in der wir die Zukunft nicht kennen. Das macht manche leider mutlos, hoffnungslos, manchmal sogar – und das ist besonders traurig – lebensmüde. Gerade deshalb braucht es auch Beständigkeit.Das war vor 50 Jahren nicht anders. Auch damals gab es Umbrüche, politische Krisen, wirtschaftliche Unsicherheit und zugleich Aufbrüche, neue Chancen und neue Wege. Und mitten in diese Ungewissheit damals – und zum Glück tun es auch heute noch junge Menschen – haben zwei Menschen gesagt: Wir trauen uns, wir bleiben, wir sind beständig füreinander da.Ein Eheversprechen ist ein Zeichen gegen die Angst. Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens. Großer, fast romantischer Enthusiasmus spricht aus diesen Worten. Und ja, ein gemeinsamer Weg braucht diesen Enthusiasmus, aber er braucht vor allem die Beständigkeit, die aus dem Enthusiasmus erwächst. Liebe verändert sich. Liebe verändert dich. Aber sie bringt eben die Veränderung hervor, die wir brauchen. In 50 Jahren wird aus dem Anfang ein Fundament. Aus der Nähe wird Heimat. Aus zwei Leben vielleicht ein gemeinsames Haus mit Enkeln, Kindern, Erinnerungen, Reisen, Arbeit, Sorgen und vor allem und hoffentlich vielen Glücksmomenten. Einen Menschen zu finden, der einen liebt, ist ein Geschenk. Aus dieser Liebe ein Leben zu bauen, das ist Arbeit, gute, schwere, aber auch lohnende Arbeit. Wie beim Gold. Es entsteht nicht nebenbei. Es braucht Geduld, Ausdauer und Vertrauen, Gold zu schürfen, zu veredeln und zu gestalten.Heute stehen Menschen nach 50 Jahren Ehen da und sagen Danke. Danke für die gemeinsamen Wege. Danke für überstandene Belastungen. Danke für Neuanfänge. Und vor allem auch eins: Danke für Gottes Segen. Dankbarkeit hält Gottes Liebe lebendig. Sie nährt sie.Und so liegen diese alten Worte noch einmal heute auf der Goldwaage: Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens. Diese Worte sind mehr wert als jeder Ring, weil sie gehalten wurden und weil sie beständig geblieben sind, genauso wie das Gold, aus dem sie geschmiedet sind.Und so danken wir mit den Menschen, die beständig beieinanderbleiben können, weil sie versuchen, Gottes Segen für ihr Leben zu übersetzen und in die Beständigkeit zu führen. Und wir bitten um all den Segen, den die Menschen brauchen, die nicht gerade unter diesem Segen stehen. | |||
| Einsamkeit ist nicht nur Leere | 10 Oct 2026 | 00:05:09 | |
Gedanken schweifen lassen, aber sie auch sortieren. So ging es mir vor ein paar Jahren, als ich das berühmte Bild "Der Mönch am Meer" von Caspar David Friedrich das erste Mal nicht in einem Buch, sondern im Original erblicken durfte.Das Bild zeigt eine kleine, verlorene Figur am Ufer eines dunklen Meeres. Die Weite des Himmels, das scheinbar unendliche Licht, lassen den Mönch klein und einsam erscheinen. Ein Bild von Einsamkeit und irgendwie auch von einer tiefen spirituellen Suche.Einsamkeit ist eine Erfahrung, die Menschen heute wie damals bewegt. Einsamkeit kann krank machen. Heute ist der Welttag der psychischen Gesundheit und Einsamkeit ist tatsächlich eines der großen Probleme, das viele Menschen in andere Probleme, in Krankheiten hineinführt.Einsamkeit ist eine Erfahrung, die wir Menschen haben. Alleinsein, alleinbleiben, das gehört zu den Urerfahrungen unseres Menschseins. Ob Klimaangst, die Macht der Künstlichen Intelligenz, Krieg, Krankheit, gesellschaftliche Veränderungen, die Welt kann uns auch einsam machen.Allein in Deutschland geben rund 14 Millionen Menschen an, sich einsam zu fühlen. Es gibt Experten, die sprechen schon von einer Epidemie der Einsamkeit. Aber noch einmal ein Blick auf Caspar David Friedrich und seinen Mönch am Meer.Das Bild kann auch Hoffnung schenken. Die Einsamkeit ist nicht nur Leere. Sie kann ein Raum sein, in dem wir uns selbst und Gott begegnen.Wie ein Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, ist das Leben nur dann lebendig, wenn wir es teilen und hergeben. Wer an seinem Leben hängt, verliert es, so sagt das Evangelium. Wirkliches Leben lässt sich nur erfahren, wenn wir es nicht festhalten, sondern wenn wir es verschenken, anderen dienen, lieben und verbinden.Einsamkeit wird weniger zur Last, wenn wir mutig werden, von uns selbst herzugeben. Freundschaft, Nähe und Anteilnahme, all das entspringt dem Mut zu teilen. Jesus selbst zeigt uns diesen Weg.Er teilt das Leben mit Gott, verbindet sich und wir dürfen daran teilhaben. Kommunikation mit Gott macht auch uns fähig, mit anderen, sogar mit uns selbst in Beziehung zu treten. In der Einsamkeit begegnen wir uns selbst und gerade darin kann der Weg zu Gott beginnen, in der Reflexion, im Alleinsein, im Nachdenken über das Leben und seine Geheimnisse.Dort können wir Orientierung, Halt und vielleicht auch eine tiefere Gemeinschaft finden. Selbst die Einsamkeit des Todes birgt die vollkommene Gemeinschaft mit Gott. Der Mensch am Meer erinnert uns daran.Alleinsein kann schmerzhaft sein, aber es öffnet auch Räume für das Leben, für Begegnung und für Gottes Nähe. Im Alleinsein, in der Einsamkeit können wir das Leben entdecken. Und das Leben, das bleibt, ist das Leben, das wir teilen. | |||
| Als Kinder Gottes geboren | 09 Oct 2026 | 00:03:40 | |
Für heute früh habe ich für unsere Gebetszeit einen Text ausgewählt, der mir so gut gefällt, dass ich ihn auch für Dich hier im Morgengebet nehmen möchte. Er ist von Marianne Williamson aus ihrem Buch "A return to love" Darin heißt es:"Unsere tiefgreifendste Angst ist nicht, dass wir ungenügend sind.Unsere tiefgreifendste Angst ist, über das Messbare hinaus kraftvoll zu sein.Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, die uns Angst macht.Wir fragen uns: Wer bin ich, mich brillant, großartig, talentiert, phantastisch zu nennen?Aber wer bist Du, Dich nicht so zu nennen?Du bist ein Kind Gottes.Sich selbst klein zu halten, dient nicht der Welt.Es ist nichts erleuchtetes daran, sich so klein zu machen, dass andere um dich herum sich nicht unsicher fühlen.Wir sind alle dazu bestimmt, zu leuchten, wie es Kinder tun.Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu manifestieren.ER ist nicht nur in einigen von uns, ER ist in jedem Einzelnen.Und wenn wir unser eigenes Licht erscheinen lassen,geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun.Wenn wir von unserer Angst befreit sind, befreit unsere Gegenwart automatisch andere."Soweit Marianne Williamson – Wow, was für eine Ermutigung: Wir sind als Kinder Gottes geboren worden, damit wir sein Licht in die Welt bringen. Wir brauchen uns für unsere Talente und Fähigkeiten nicht zu entschuldigen, wir haben sie ja von Gott. Unsere Aufgabe ist es sie einzusetzen für die Menschen in allem, was wir heute zu tun und zu tragen und zu lassen haben."Wir sind alle dazu bestimmt, zu leuchten, wie es Kinder tun.Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu manifestieren." | |||
| Weil das Evangelium nicht altert | 08 Oct 2026 | 00:03:55 | |
Kinder und junge Jugendliche haben ja oft die geniale Fähigkeit Fragen zu stellen oder Bemerkungen zu machen, die vielleicht zum Lachen reizen oder sich so in den Gedanken festsetzen, dass man es so schnell nicht vergisst. So ist es mir passiert bei den Klostertagen der sechsten Klassen unserer St. Franziskusschule im Januar. Nach meinen Erzählungen aus dem Leben des heiligen Franziskus hat mich dann unterwegs im Mutterhaus ein pfiffiger Schüler angesprochen und gefragt: Wieso hast Du den Franziskus eigentlich immer noch so gern? Der ist doch schon solange tot?Erst habe ich geschmunzelt und dann habe ich ihm erzählt, dass mich viele Legenden und Geschichten aus seinem Leben immer wieder sehr ansprechen und immer neu begeistern und dass solche Sachen einfach nicht alt werden, auch wenn dieser Mensch schon so lange tot ist. Und wir kamen auf das Vaterunser und dass das Gebet von Jesus ist, der uns auch heute immer noch so im Gedächtnis ist, obwohl das noch viel älter ist. Weil das Evangelium nicht altert. Und weil wir auch heute immer neu schauen, was es für uns bedeutet und wie wir heute diese Botschaften von Jesus lesen, verstehen und in Worte und Taten übersetzen können.Im heutigen Abschnitt aus dem Lukasevangelium erzählt Jesus, dass doch jeder vernünftige Mensch seinem Freund aus der Patsche hilft, wenn er darum gebeten wird. Und er geht sogar soweit, dass er sagt: Sogar ihr, die ihr oft böse seid, gebt euren Kindern nur Gutes. Also wird euer himmlischer Vater, der alle seine Kinder liebt, euch Gutes geben, wenn ihr darum bittet. Wenn wir denken würden, dass diese Geschichte doch schon 2.000 Jahre alt ist und nur damals gegolten hat, würden wir heute nicht mehr an Gott glauben und ihn um Hilfe bitten, in vielen Dingen, die uns beschäftigen und Sorgen machen. Weil das Evangelium nicht altert.Vielleicht finde ich dieses Wort deshalb so spannend, weil es über unserem heutigen dritten Abend zu Ehren des heiligen Franziskus im Mutterhaus steht. Der Kapuziner Professor Dr. Bruder Stefan Walser von der Universität Bonn wird alte und neue Erkenntnisse aus der Franziskusforschung mit dem eigentlichen Ideal des heiligen Franziskus verbinden, nämlich das Evangelium zu verkünden mit Worten und noch mehr mit dem alltäglichen Tun und Leben. Umrahmt wird der Abend mit außergewöhnlichen Klängen mit Klangschalen von Frau Bonzel-Friedrich, einem Imbiss und Austausch zu den Themen des Vortrags. Ich bin gespannt und wer von Euch Zeit und Lust hat, ist herzlich eingeladen. | |||
| An der Hand Mariens das Leben Jesu betrachten | 07 Oct 2026 | 00:03:43 | |
Heute feiern wir mit der Kirche das Rosenkranzfest. Es ist ein sogenanntes Ideenfest und wurde von Papst Pius V. zum Ende des 16. Jahrhunderts gestiftet, der damit seinen Dank für den Sieg der christlichen Flotte in der Seeschlacht von Lepanto 1571 ausdrücken wollte. Ein Fest zum Dank für einen Sieg klingt in unseren Ohren heute komisch, war aber früher nicht so unüblich. Als Kind habe ich immer mit meiner Tante den Rosenkranz gebetet und es war eine wunderbare Einschlafhilfe am Abend.Vor einigen Jahren haben wir mal bei einem Wochenende für junge Mädchen einen sehr kreativen Rosenkranz gebetet, der ein richtiger Muntermacher war. Wir hatten im großen Saal mit 55 Lichterbechern einen leuchtenden Rosenkranz ausgelegt und haben dann die einzelnen Gesetze mit Körperübungen verbunden, die aus dem Sport als Zirkeltraining bekannt sind. Die Idee dahinter fanden die Mädels sehr einleuchtend: Glaube und Körper gehören zusammen. Ich kann nicht ohne meinen Körper glauben und gerade durch ihn bekommt mein Glaube Fleisch und Blut, Hand und Fuß.Der Rosenkranz ist eigentlich eine sehr meditative Gebetsform, bei dem ich mich nicht unbedingt großartig bewegen muss. Aber beim Zirkeltraining werden die verschiedenen Muskelgruppen trainiert, damit man fitter und munterer wird.Hier ist nun beides miteinander verbunden: Die innere Einkehr und Elemente des Rosenkranzes sowie körperbetonte Elemente aus dem Training. Beides zusammen kann unseren Körper mit unserem Glauben verbinden.Ich selber bete den Rosenkranz am liebsten beim Spazierengehen. Beim Gehen verbinden sich die Gedanken und Gebete mit dem Rhythmus des Gehens und es entsteht ein Gespür vom Unterwegssein mit Gott. An der Hand Mariens das Leben Jesu betrachten ist eine sehr schöne Idee dieser Art von Gebet. Und manchmal, wenn ich betend hier um den Obersee laufe, sehr ich ältere muslimische Herren, die ihre Gebetsschnüre in den Händen haben und die 99 Namen Gottes beten und wir fühlen uns verbunden. | |||
| Mein Dankpsalm | 06 Oct 2026 | 00:04:27 | |
Am vergangenen Wochenende gab es unendlich viele Feste und Feiern in vielerlei Zusammenhängen. Da gab es Erntedankfeste, Feste zum Tag der Deutschen Einheit, das Kaiser-Otto-Fest in Magdeburg, die Transitusfeiern zum 800. Jahrestag des Todes des heiligen Franziskus, der neue Feiertag des heiligen Franziskus für ganz Italien und noch sehr viel mehr. Über die meisten Feste und Feiern kann man eine einzige Überschrift setzen: Dankbarkeit. Dankbarkeit für eine gute Ernte trotz aller größer werdenden Probleme mit dem Klimawandel, Dankbarkeit für das vereinte Deutschland trotz aller inneren und äußeren Schwierigkeiten, Dankbarkeit für das kulturelle und künstlerische Erbe einer viele jahrhundertealten Stadt, Dankbarkeit für einen Heiligen, der vor 800 Jahren gestorben ist und heute immer noch und immer neu verehrt und als Vorbild genommen wird für den Schutz und die Erhaltung der Schöpfung und das ungebrochene Lob an den Schöpfer trotz aller Schwierigkeiten mit der Verkündigung dieser Botschaft. Und da es eine allgemeine von und für alle geltende Dankbarkeit eigentlich nicht gibt, auch wenn man sie in Reden, Ansprachen und Predigten betont, kommt automatisch die Frage auf, wofür jede und jeder Einzelne eigentlich dankbar ist.Der Psalm 100 aus dem Alten Testament, der vor weit mehr als 2.000 Jahren entstanden ist, ist ein sehr kurzer und sehr schöner Dankpsalm, den jeder Einzelne, aber auch eine große Gemeinde beten kann und lautet: "Jauchzt dem HERRN, alle Welt! Dient dem HERRN mit Freude; kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken! Erkennt, dass der HERR Gott ist! Er hat uns gemacht, und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide. Geht zu seinen Toren ein mit Danken, zu seinen Vorhöfen mit Loben; dankt ihm, lobt seinen Namen! Denn der HERR ist freundlich, und seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für."Hier mündet der Dank jedes Einzelnen in das Lob Gottes Aller, die an Gott glauben und darauf vertrauen, dass seine Güte und seine Gaben für alle in allen Zeiten gültig sind. Und es bleibt die Frage an Dich: Wofür bist Du im Moment besonders dankbar? Mir hilft es, mal aufzuschreiben, wofür ich konkret dankbar bin und dann zu spüren, wie viel das ist und wie daraus ein eigenen Dankpsalm werden kann mit dem Titel: Mein Dankpsalm Oktober 2026 | |||
| Hulda, eine ganz besondere Prophetin | 05 Oct 2026 | 00:04:20 | |
Hast Du schon jemals von der Prophetin Hulda gehört? Ich kannte den Namen, aber nicht den Hintergrund. Letzte Woche habe ich einen sehr inspirierenden Mutmacher-Gottesdienst mitgefeiert, in dessen Mittelpunkt diese Frau stand. Hulda ist eine Prophetin, die zur Zeit des judäischen Königs Josia in Jerusalem lebt. Ihre geistliche Autorität scheint allgemein anerkannt zu sein.Bei Renovierungsarbeiten am Tempel wird eine alte Schriftrolle mit dem Gesetz Gottes gefunden. Als König Josia ihren Inhalt hört, schickt er eine Gruppe hochrangiger Männer zu Hulda, damit sie Gott für ihn befragt. Hulda richtet den Gesandten eine klare und unbequeme Botschaft aus. Gleichzeitig spricht sie König Josia zu, dass Gott seine aufrichtige Reue gesehen hat. Die hochrangigen Männer werden nicht zu den etablierten Propheten jener Zeit geschickt, sondern zu ihr. Erstaunlich. In diesem Gottesdienst haben wir alle zusammen ein Gebet gesprochen, dass ich heute gern mit Dir beten möchte. „Wir glauben an Gott, der Menschen anspricht und ihnen zutraut zu antworten.Wir glauben an Jesus Christus, der Frauen und Männer gerufen hat, ihm zu folgen und seine Botschaft weiterzutragen.Wir glauben an den Auferstandenen, der Maria von Magdala gesandt hat, die Botschaft vom Leben zu verkünden.Wir glauben an Gottes Geistkraft, die ausgegossen ist über Töchter und Söhne, über Junge und Alte, und die in jedem Menschen wirken kann.Wir glauben an eine Kirche, die zuhört und Menschen zu Wort kommen lässt.An eine Kirche, in der unterschiedliche Charismen entdeckt werden und wachsen können.An eine Kirche, die Menschen ermutigt, ihrer Berufung zu vertrauen.An eine Kirche, in der wir einander erzählen, was wir von Gott erhoffen und erfahren, was uns trägt und was uns zweifeln lässt, wonach wir fragen und suchen und woran wir glauben.Wir glauben, dass Gottes Wort lebendig ist – heute und morgen.Dass es Menschen berührt, ermutigt und trägt.Und wir glauben, dass wir auch etwas davon zu erzählen haben.Darum wollen wir nicht schweigen, sondern füreinander und miteinander von unserem Glauben, unserer Hoffnung und unserer Suche sprechen. Amen“ | |||
| Jede und jeder ist Abbild Gottes | 04 Oct 2026 | 00:03:49 | |
Es ist so einfach, Menschen zu verurteilen. Ein abwertender Blick. Reicht schon. Ein böser Kommentar. Sitzt schon. Ein scheinbares Kompliment: „Du hast es ja versucht.“ – „Das ist aber originell.“ – „Das passt eben zu dir.“ Verletzt trotzdem. Es ist so einfach, Menschen auf Äußerlichkeiten zu reduzieren. Und wir tun das ja ständig. Vielleicht müssen wir das sogar ein Stück weit. Menschen einzuordnen, gibt uns Orientierung. Es hilft uns, Situationen einzuschätzen und zu handeln. Und klar mache ich das auch. Ich sondiere die Lage. Ich sortiere die Menschen um mich herum. Und meistens tue ich das erst einmal nach dem, was ich sehe und erlebe. Nach Äußerlichkeiten eben. Denn das Innere der allermeisten Menschen werde ich niemals wirklich kennenlernen. Aber ich versuche manchmal, umzusortieren. Nachzujustieren. Und dabei gibt es eine Kategorie, die mir hilft: Abbildsein. Jeder Mensch – ja, wirklich jeder – ist Abbild Gottes. Kein Mensch ist Gott selbst. Egal, wie großartig er sich gibt, was er sagt oder wie überzeugend er vielleicht auftritt. Aber jeder Mensch ist Geschöpf Gottes. Und jeder Mensch trägt etwas in sich, das von Gott erzählt. Etwas, das Gottes Wesen spiegeln kann. Und ja, ein Spiegel zeigt nur ein spiegelverkehrtes Bild. Vielleicht manchmal verzerrt, vielleicht sehe ich auch nur einen winzigen Ausschnitt. Aber genau deshalb hilft mir dieses Bild. Wenn ich einen Menschen längst einsortiert habe. Wenn mein Urteil eigentlich schon feststeht. Wenn ich glaube zu wissen: So ist der eben. Dann kann ich noch einmal nachjustieren: Abbild Gottes. Das macht nicht plötzlich alles gut, was ein Mensch tut. Es bedeutet auch nicht, dass ich jeden mögen muss. Aber es rückt mein Urteil ein kleines Stück zurecht. Denn am Ende bleibt mein Blick auf einen Menschen immer ziemlich sträflich an dem hängen, was ich von außen sehen kann. Das ganze Innere aber, das wirkliche Innere eines Menschen – vielleicht gerade das, was besonders Abbild Gottes ist – kenne ich nicht. Das kennt nur Gott in Gänze. | |||
| Was fangen wir mit der Wut an? | 03 Oct 2026 | 00:03:50 | |
Ich kann es einfach nicht lassen. Kennst du das? Du weißt genau, dass dir etwas nicht guttut – und machst es trotzdem. Ich lese mir fast immer die Kommentare zu den Morgenimpulsen durch. Und ja, da steht auch Unschönes. Von Ablehnung bis hin zu richtigen Beleidigungen. Und ja, das trifft mich. Und dann ärgere ich mich manchmal fast noch mehr darüber, dass es mich überhaupt trifft. Denn eigentlich möchte ich doch einfach Persönliches teilen. Über meinen Glauben sprechen. Über Zweifel. Über das, was mir selbst manchmal schwerfällt. Weil ich glaube, dass andere Menschen genau das auch kennen. Ich möchte Glauben nicht weit weg formulieren, sondern mitten in unserem Alltag suchen. Dort, wo wir gerade stehen. Fragend. Suchend. Nicht perfekt. Und trotzdem merke ich: Kritik macht etwas mit mir. Sie verletzt mich. Und manchmal mach sie mich auch wütend. Und lange dachte ich, das dürfte ich vielleicht gar nicht so fühlen. Gerade als Christin. Man sollte doch verständnisvoll sein, ruhig bleiben, sich nicht provozieren lassen. Aber ich glaube inzwischen: Wut ist erstmal nichts Schlechtes. Wut zeigt oft, dass etwas wichtig ist. Dass eine Grenze berührt wurde. Dass uns etwas nicht egal ist. Die Frage ist nur, was wir mit dieser Wut anfangen. Ob wir zurück verletzen. Oder ob wir versuchen, mit dieser Energie trotzdem etwas Gutes zu tun. Und dann versuche ich genauer hinzuschauen. Denn neben den verletzenden Kommentaren gibt es eben auch die anderen. Menschen, die Mut machen. Menschen, die ehrlich zuhören. Menschen, die schreiben, dass sie sich verstanden fühlen. Und dann gibt es vielleicht auch dich. Du kommentierst vielleicht gar nicht. Du liest oder hörst einfach nur zu. Vielleicht, weil du froh bist, dass jemand auch über Zweifel spricht. Über Alltag. Über Glauben, der manchmal suchend und tastend bleibt. Und vielleicht brauchen wir genau dafür manchmal Mut in all der Wut. Nicht, um perfekt zu glauben. Sondern um ehrlich zu bleiben. Trotz der Angst, missverstanden zu werden. Trotz der Sorge, nicht zu genügen. Und vielleicht ist Gott genau dort besonders nah. Nicht in unserer Unverletzlichkeit. Sondern mitten in allem, was uns bewegt. | |||
| Der Tod als Schwester | 02 Oct 2026 | 00:04:11 | |
Heute ist zwar erst der zweite Oktober, aber ich möchte mich gern mit Dir an ein anderes Datum erinnern. Am 3. Oktober 1226, also morgen auf den Tag genau vor 800 Jahren, stirbt Franziskus von Assisi unterhalb der Stadt in der kleinen Kirche Portiuncula im Kreis seiner engsten Brüder.So wie er radikal anders gelebt hat, so war auch sein Sterben radikal anders. Er bleibt nicht in der warmen behüteten Stube im weichen Bett des Bischofshauses oben in der Stadt. Er feiert das Sterben mit seinen Ordensbrüdern wie eine Liturgie, in Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Aposteln. Sie singen zusammen, sie teilen das Brot und lesen aus der Heiligen Schrift den Abschnitt des Abends vor Jesu Leiden. Und er bittet seine Brüder um Verzeihung und er erteilt ihnen seinen Segen für die dortigen Brüder und für alle, die ihnen nachfolgen werden, also bis heute. Dann gibt es eine Szene, die ihn so wunderbar nahbar sein lässt. Er schickt zwei Brüder los, um Jakoba zu holen, die Freundin aus Rom, die ihn so gut verstanden hat und lässt sie bitten, ihm seine Lieblingssüßigkeit zu bringen. Aber sie ist schon an der Tür und bringt ihm diese letzte kleine Freude. Und als er spürt, dass es zu Ende geht, lässt er sich nackt auf den Boden legen, um so nackt, wie er auf die Welt gekommen ist, auch aus ihr hinauszugehen. Und dann singen sie für ihn und mit ihm seinen Sonnengesang. Es ist der Lobgesang auf den Schöpfergott, der uns alles geschenkt hat und auch durch Krankheit, Leid und Tod verherrlich werden kann. Und eine sehr freundliche Legende erzählt, dass die kleine Glocke der uralten Kirche Santo Stefano genau in dem Augenblick zu läuten beginnt, als Franziskus seine unsterbliche Seele zurücklegt in die Hände seines geliebten Schöpfers.Diesen Übergang, diesen Transitus des Franziskus vom Leben über den Tod zum neuen Leben, feiern seither unendlich viele Menschen Jahr für Jahr in Erinnerung an einen kleinen Bruder, der den Tod als Schwester besungen hat, die ihn zu Gott bringen wird.Vielen von uns ist der Gedanke an den Tod eher Angst einflößend und wir verdrängen den Gedanken. Die Gewissheit des Franziskus, dass der Tod unsere Schwester ist, die uns zu Gott bringen wird, ist Dir da vielleicht eine Hilfe und ein Trost.Und wenn Du magst, komm morgen Abend, am 3.10. um 18.00 Uhr zum „Transitus“ in die Mutterhauskirche in Olpe, wo wir mit Kerzen und Gebeten für Kirche und Gesellschaft und den Frieden in der Welt beten werden. | |||
| In Liebe das tun, was heute dran ist | 01 Oct 2026 | 00:04:23 | |
Die Kurzlesung zu den Laudes heute früh ist aus dem Hohenlied der Liebe aus dem Alten Testament. Und da steht: "Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen; auch Ströme schwemmen sie nicht weg. Böte einer für die Liebe den ganzen Reichtum seines Hauses, nur verachten würde man ihn." Hm, das klingt ja schön und gut. Aber was heißt das denn heute, frage ich mich. Und dann lande ich bei einer sehr jungen Frau, die Ende des 19. Jahrhunderts gelebt hat."Ich bin viel zu schwach, um aus eigener Kraft, den Weg zu Gott zu schaffen. Ich denke, ich werde den Aufzug nehmen- die Liebe zu Gott ist der schnellste und sicherste Aufzug" und: "Ich will im Herzen der Kirche die Liebe sein". Das sind zwei Sprüche, die von der Heiligen Theresia von Lisieux stammen, oder ihr zugeschrieben werden. Dass sich jemand zu schwach, zu kraftlos, zu klein und unbedeutend fühlt, um eine große Aufgabe zu schaffen, das kann ich gut nachempfinden. Aber dann zu sagen: Ich nehme den Aufzug, das finde ich echt witzig und so genial einfach. Aber selbst ihre Mitschwestern haben nicht verstanden, dass diese so einfache, kleine, liebenswürdige Schwester jeden Tag sehr hart daran gearbeitet hat, diesen "Aufzug der Liebe" zu nehmen. Als sie schon schwer krank war und im Auftrag der Priorin ihren Lebensweg in einem Büchlein zusammenfassen sollte, hat Theresia das getan. Nachdem die Priorin es gelesen hatte, meinte sie: "Es sei ja lieb und nett, aber man brauche doch etwas Ernsthaftes". Auch sie hatte nicht verstanden, dass die täglichen kleinen Dinge, die in Liebe und Freundlichkeit getan werden, ein viel größerer Schatz sind als tausend wortgewandte Abhandlungen über die Liebe Gottes. Die täglichen Dinge in Liebe tun, das hat sie als ihren kleinen Weg verstanden. Und jeder von uns die schon mal versucht hat, die eigene Ungeduld zu zügeln, die Schwächen der Mitmenschen oder des Chefs und die Marotten der eigenen Familie zu tragen und mit Liebe und Einsatz alles zu tun, was dran ist, kann sehr gut verstehen, dass es echte und harte Arbeit ist. "Ich bin viel zu schwach, um aus eigener Kraft, den Weg zu Gott zu schaffen. Ich denke, ich werde den Aufzug nehmen- die Liebe zu Gott ist der schnellste und sicherste Aufzug". Das ist ein guter Tipp für alles, was heute zu tun ist. | |||
| Die Bibel als Alltagshelfer | 30 Sep 2026 | 00:04:09 | |
Dieser Tage habe ich lange mit einer jungen Frau geschattet. Sie ist seit Jahren mit der Frage beschäftigt, ob es eigentlich mehr gibt als dieses normale Leben, mit seinem Alltag und seinen Dauerschleifen aus Schule, Studium, Arbeit, Party und Musiksessions, wechselnden Freunden und weitläufigen Bekanntschaften. Und bei diesem Suchen ist sie im weltweiten Netz auf uns gekommen: einen kleinen Konvent von Franziskanerinnen im Sauerland. Sie hat ganz vorsichtig gefragt, ob sie mal kommen könne. Sie sei aber weder getauft noch habe sie irgendeinen Kontakt zu irgendeiner Kirche. Ich gebe gerne zu, dass mich solche Kontakte eher noch neugieriger machen, als ich ohnehin schon neugierig auf Menschen und ihre Geschichten bin. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Gott auch seine Freude daran hat, die neuen Medien zu nutzen, um bei den nach allem möglichen suchenden Usern anzukommen, ohne dass sie es ahnen. Ich bin gespannt und ich bitte in den Tagen vorher immer um ganz viel Heiligen Geist. Vom Heiligen Hieronymus, den wir mit der Kirche heute feiern, sagt man, dass er eine solche Liebe zum Heiligen Geist und von ihm inspiriert zur Heiligen Schrift hatte, dass er darin immer mehr zu den Quellen des wahren Lebens gefunden hat, zum dreifaltigen und darin einen Gott. Er gehört zu den großen Kirchenvätern der Antike. Seine Bibelübersetzung ist die bis heute gültige und meist verwendete. Und ganz oft denke ich, wie sollten wir von Gott und von Jesus Christus wissen, wenn wir nicht jeden Tag in der Bibel lesen und dann versuchen, dieses Gelesene in unseren Alltag hineinzugeben. Und Menschen, die noch nie mit der Heiligen Schrift Kontakt hatten, sind immer wieder ganz erstaunt, dass ganz vieles, was darinsteht, so genau ihre Situation beschreibt und ziemlich viele gute Tipps hat, für das alltägliche Leben. Vielleicht ist es auch für Dich heute ein guter Tipp, wenn Du es nicht ohnehin schon tust, jeden Tag einen kleinen Abschnitt zu lesen und zu bedenken und mit der Bitte um den Heiligen Geist Deinen Alltag dahinein zu geben. | |||
| Drei Erzengel für dich | 29 Sep 2026 | 00:04:36 | |
Hast Du etwas mitbekommen von der Papstreise durch Frankreich in den letzten Tagen? Ich habe Videos und Podcasts dazu gesehen und gehört und ich bin echt überrascht und begeistert: Diese unendlich vielen, zumeist jungen Menschen, die zu den Gottesdiensten und Gebetstreffen gekommen sind, haben eine Begeisterung ausgestrahlt, die schon ansteckend ist. Eine der schönen Teile eines Gottesdienstes war der Einzug von vielen Jugendlichen, die die unendliche Zahl französischer Heiliger dargestellt haben. Und Papst Leo hat dieses Bild aufgegriffen und allen im Stadion zugerufen: Ihr seid heute die Heiligen Gottes, also die Menschen, die ihr Heil-sein nicht von sich selbst, sondern von Gott erwarten. Ein richtig guter Zuspruch, finde ich.Heute feiern wir mit der Kirche des Himmels das Fest der heiligen Erzengel. Eine Umfrage zeigt, dass viele Menschen an die Gegenwart von Engeln glauben – weil sie Dinge erlebt haben, die zwischen Himmel und Erde passieren, die wir mit unserem naturwissenschaftlich geprägten Verstand nicht ergründen können.Der Erzengel Michael stellt uns quasi die Frage: wer ist wie Gott? Und da gibt es im Laufe der Menschheitsgeschichte nicht so wenige, die sich selbst für Gott gehalten haben und dann aber die Menschen ins Unglück gestürzt haben. Die Frage danach, wer Gott für mich ist, sortiert die Verhältnisse neu: dieser Gott will Leben in Fülle für alle, und nicht Menschen, die sich als kleine oder große Götter aufspielen.Der Erzengel Gabriel weiß: Meine Kraft ist Gott und bringt deshalb nicht seine Ideen und Podcasts, sondern Gottes Wort und Botschaft zu den Menschen. „Meine Kraft ist Gott!“ Das hat auch Maria verstanden, als Gabriel sie bat, die Mutter Jesu zu werden. „Wer bin ich, dass du mich fragst?“ hat sie erschrocken gemeint. Und dann doch zugestimmt – im Vertrauen auf diese Kraft Gottes. Gabriel, der Bote Gottes, hat diese Botschaft für uns: Du darfst darauf vertrauen, dass Gott deine Kraft ist, wenn du dich einsetzt für Veränderungen.Und Rafael, hat durch die Bedeutung seines Namens einen Zuspruch an uns: „Gott heilt!“ Bei Darstellungen dieses Erzengels findet sich manchmal die lateinische Inschrift: „Medicina Dei“. Gott hat eine Medizin für uns. Er ist der Arzt, der uns heilen kann von unseren Süchten, der uns befreien kann von unseren Abhängigkeiten, der uns helfen kann, Egoismus und Selbstsucht zu überwinden. | |||
| Frauen und Männer gestalten zusammen die Kirche | 28 Sep 2026 | 00:04:20 | |
Ich hatte eine ältere Cousine, die Lioba hieß. Ich hatte als Jugendliche den Namen nie vorher gehört und fand ihn interessant. Und neuerdings kenne ich hier einige Mädchen und Frauen, die diesen Namen tragen.Ihn trug eine der starken Frauen in der Kirche im 8. Jahrhundert im Frankenreich, also im heutigen mittleren und südlichen Deutschland, die die Art des Kirche-werdens im frühen Mittelalter sehr geprägt hat. Lioba wird in Wessex in England um 705 geboren und einer der Verwandten der Familie ist der spätere Bonifatius, der Apostel der Deutschen. Die Eltern des kleinen Mädchens sind so glücklich über dieses einzige Kind, dass sie es Gott weihen und zur Bildung und Erziehung in ein Benediktinerinnenkloster geben. Um 735 folgte Lioba der Bitte des Bonifatius um ihr Mitwirken; er hoffte, mit den gebildeten angelsächsischen Ordensfrauen sein Missionswerk zu veredeln. Er begann um Würzburg und in Thüringen Frauenklöster einzurichten, einen Vorposten bildete das Kloster Tauberbischofsheim. Bonifatius berief Lioba zur Äbtissin dieses Klosters und als Leiterin der übrigen von ihm gestifteten Klöster. Besonders widmete sie sich der Erziehung von Frauen und Töchtern des Adels. Auch Lioba selbst gründete in den folgenden Jahren mehrere Klöster. In Tauberbischofsheim richtete sie eine Klosterschule ein, in welcher der Lehrerinnennachwuchs für die neu gegründeten Klöster seine Ausbildung erhielt. Lioba also, eine kluge und weitsichtige Frau, die Planen und Bauen, Gründen und Lehren, mit Beten und Singen, mit Lesen und Leben aus dem Evangelium verbunden hat. Sie hat ein Werk geschaffen, das bis heute gültig ist: Mädchen und jungen Frauen zu Bildung und Ausbildung zu verhelfen, das umliegende Land zu kultivieren und im Kontakt zu den Herrschern ihrer Zeit als besonders gütig zu dem Armen bekannt zu sein. Sie hat große Klöster gegründet und geleitet und hatte in der Kirche ihrer Zeit eine hoch angesehene Stellung. Der heilige Bonifatius, der Apostel der Deutschen, hat erkannt, dass nur Frauen und Männer zusammen diese Kirche gestalten und glaubwürdig das Evangelium Jesu Christi zu den Menschen bringen können. | |||
| Im Kleinen das Große wirken | 27 Sep 2026 | 00:04:35 | |
Wenn du einmal groß bist! Sicher haben viele von uns diesen Satz schon als Kind gehört. Wenn du einmal groß bist, dann darfst du alles, dann kannst du die Welt erobern, dann wirst du Großes leisten. Groß sein, das klingt nach Erfolg, macht Bedeutung.Deshalb bezeichnen wir bestimmte Menschen als die Großen: Herrscher, Feldherren oder auch Heilige. Und doch fällt auf: Die wirklich Kleinen sind selten. Eine Ausnahme ist die kleine Therese von Lisieux, die wir in den nächsten Tagen feiern werden.Man nennt sie bis heute liebevoll die kleine Theresia. Ihr Leben war kurz, verborgen, unscheinbar. Kein großes Werk, keine spektakulären Taten und doch gehört sie zu den größten Gestalten der Kirche.Ihr Weg heißt der Kleine Weg, ein Weg der Hingabe, des Vertrauens und der Liebe im Alltag. In uns steckt oft der Wunsch, groß zu sein, alles im Griff zu haben. Manchmal führt das dazu, dass wir Gott verlieren.Therese wählte einen anderen Weg. Sie sagt: ich bin ein Kind Gottes, nicht stark aus mir selbst, sondern angewiesen, anhänglich, vertrauend. Christlich nennt man das Demut, nicht als Schwäche, sondern als innere Stärke. Diese Haltung zeigt sich in kleinen Gesten, etwa im Umgang mit einer alten, kranken Mitschwester, eine schwierige Frau, unzufrieden, fordernd. Therese übernimmt freiwillig den Dienst an ihr, nicht aus Sympathie, sondern aus Liebe, still und ohne Applaus. Sie selbst schreibt: Ich bin eine sehr kleine Seele, die Gott nur sehr kleine Dinge anbieten kann, das Geringste ist wertvoll in seinen Augen. Das erinnert mich an den sogenannten Schmetterlingseffekt:Ein kleiner Flügelschlag kann große Folgen haben, was aus kleinen Gesten geworden ist, zeigt die Wirkung ihres Lebens. Mutter Theresa von Calcutta trug ihren Namen; Menschen finden bis heute durch ihr Buch zum Glauben. Kurz vor ihrem Tod erlebte Therese eine tiefe Dunkelheit, Zweifel, Leere.Der Theologe Thomas Halik sieht darin eine Nähe zu Jesu Ruf am Kreuz: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Der Glaube bleibt fragil, aber die Liebe bleibt. Und genau das macht Therese groß: Nicht Macht, nicht Leistung, sondern Liebe bis zuletzt.Und so konnte die große Mitschwester, die heilige Edith Stein, einmal sagen, ich kenne nichts Größeres als Therese von Lisieux. Vielleicht beginnt wahre Größe genau dort, wo wir aufhören, groß sein zu wollen und anfangen, im Kleinen zu lieben. | |||
| Gott ermöglicht im Schmerz neues Leben | 26 Sep 2026 | 00:04:21 | |
Wir erschrecken uns oft vor dem, was wir nicht verstehen, vor allem auch vor dem Leid, vor der Ohnmacht, vor dem, was uns überfordert. Doch gerade darin offenbart sich eine besondere Wirklichkeit. In der Bibel begegnet uns ein Mensch, der leidet, dem das Leben zu entgleiten droht. In ihm ist nicht ein guter, lebenspendender Geist vorherrschend, sondern etwas, das ihn an den Rand des Todes führt, ein unreiner Geist. Die alten Autoren nannten ihn Dämon, was man auch mit Zerteiler übersetzen kann. Es geht dabei nicht um Fantasiegestalten, sondern um die Wirklichkeit des Leidens, die wir oft nicht mit Worten begreifen können.Jesus aber spricht in solcher Situation mit Vollmacht. Das griechische Wort dafür, exousia, bedeutet Freiheit, Freiheit zu wirken, zu verfügen, zu bestimmen. Macht verträgt sich nicht mit Ohnmacht, könnte man meinen. Und doch zeigt gerade die göttliche Vollmacht in Jesus: Freiheit kann sogar mitten in der Ohnmacht wirken. Am Kreuz wird das sichtbar. Paradoxerweise ist die Macht Gottes gerade im scheinbaren Verlust wirksam.Das Heil, das Jesus wirkt, ist kein Entrinnen aus der Welt, keine Flucht vor den Problemen. Es ist die Kraft, mitten im Schmerz und in der Zerbrochenheit den Weg der Heilung zu gehen. Emotionen, Leid, Angst, all das sind keine Hindernisse, sondern Hilfen, um uns in die Welt einzufügen, um zu erkennen, wo unsere Kraft liegt.Sie zeigen uns, wie wir auf das Leben reagieren können. Es gibt Wege, sich der Wirklichkeit des Leidens zu stellen, sich an Stärken erinnern, an Erfolge, die man erlebt hat, den Blick auf das Naheliegende lenken, Schritt für Schritt die Zukunft nicht aus den Augen verlieren und in all dem immer wieder die Nähe Gottes zu suchen. Thomas von Aquin, der hier in Köln gelebt hat, sagte einmal: "Es ist unmöglich, dass ein Mensch gut ist, außer es steht im rechten Bezug zum gemeinen Wohl."Gottes Vollmacht wirkt in uns und durch uns. Sie befreit uns von der Ohnmacht, verbindet Heilung mit der Realität des Lebens und macht uns fähig, uns einzufügen in Gottes Welt, zum Wohl der Menschen, in unsere eigenen Probleme, ohne die anderen aus dem Blick zu verlieren. Und so, so wird sichtbar: Heilung geschieht nicht, weil Probleme verschwinden, sondern weil die Kraft Gottes mitten hineintritt und neues Leben ermöglicht. | |||
| Ihr Verzicht hilft vielen | 25 Sep 2026 | 00:04:23 | |
Ein sehr erfolgreicher Mann heiratet ein junges Mädchen und gründet Hof und Familie. Er ist als Ratsherr und Richter viel unterwegs, muss auch als Soldat seinem Kanton dienen und überlässt seiner jungen Frau immer mehr Aufgaben in Feld und Landwirtschaft, mit Vieh und Dienstleuten. Sie bekommen 10 Kinder und leben 18 Jahre in glücklicher Ehe. Alles in bester Ordnung also. Aber dann wird der Mann immer unruhiger, immer verschlossener, seiner Frau immer fremder. Er betet und fastet viel und berät sich mit einem langjährigen Freund. Und dann geht er zu seiner Frau und bittet sie, ihm ein zweites Mal ihr Ja zu geben. Beim ersten Mal, bei ihrer Hochzeit, und nun ein zweites Mal, um von ihr weg zu gehen und Gott zu dienen. Und nach langen Wochen gibt seine Frau Dorothea ihm, dem geliebten Nikolaus von der Flüe ihr großes JA zu seinem neuen Weg.Durch ihren Verzicht und ihr, jetzt wirklich schwierigeres Leben, wird sein neues Leben möglich. Er wird zum Einsiedler und gleichzeitig Berater vieler Menschen. Er, der jetzt wieder ausgeglichen und froh leben kann, wird zum großen Friedensstifter der Schweiz, zu ihrem Patron und zum großen Vorbild. Der Weg dieser beiden Menschen ist sehr ungewöhnlich und beide, sind nur Miteinander und Füreinander zu denken. In einer Bronzeplastik werden beide, Nikolaus und Dorothea gezeigt, wie sie das Radbild halten und darin verbunden sind. In diesem Radbild weisen Strahlen den Weg in die Mitte und damit auf den Grund aller Dinge. Gleichzeitig führen sie in die Weite, hinein in Aktion und Engagement. Klaus hat die beiden Dimensionen dieses Bildes gelebt und seine Frau Dorothea, auf ganz andere Weise, ebenso. Und auch nur von beiden zusammen ist das Gebet des Nikolaus von der Flüe zu verstehen und zu beten:Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir!Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir!Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu Eigen dir! Amen | |||
| Jeden einzelnen Tag Gott in die Hände legen | 24 Sep 2026 | 00:04:29 | |
Bei einer unserer zuletzt verstorbenen Mitschwestern lagen im Stundenbuch viele handgeschriebene kleine Zettel mit Bibeltexten und eigenen kleinen Gebeten. Da viele unserer Schwestern sehr alt werden, ist die Handschrift oft noch sehr der alten Sütterlinschrift ähnlich, die heute nur noch wenige Menschen wirklich schreiben und noch viel weniger Menschen fließend lesen können. Und so ist es natürlich auch mit den Texten, deren Formulierungen zeitbedingt, deren Inhalte aber meist zeitlos sind. Auf diesem A5 Blatt stehen zwei Dinge. Zunächst eine Zeile aus dem Römerbrief: „Wer vermag uns zu scheiden von der Liebe Christi?“und dann ein vielleicht selbstformuliertes Gebet:„Mein Anfang und mein Ende leg ich in deine Hände, Vater, steh mir gnädig bei, dass mein Werk gesegnet sei“Und je länger ich das so sehe und lese und die alte Schwester vor Augen habe, desto mehr fällt mir auf, in welch tiefem Zusammenhang diese beiden kleinen Texte stehen.Wer in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts geboren ist, hat als Kind und Jugendliche die Zeiten zwischen den Weltkriegen, den Nationalsozialismus und die Schrecken des zweiten Weltkrieges erlebt, die Not- und Hungerjahre direkt danach und den Kampf der Familien ums Überleben, die Teilung des Landes, Flucht und Vertreibung und die unglaubliche Zähigkeit vieler Menschen, die unser Land wieder aufgebaut haben. Und in all dem steht diese Zeile aus dem Römerbrief: Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Anscheinend ja nicht so viel, denn sie sind dann in die Ordensgemeinschaft eingetreten und haben Jahrzehnte im Dienst an den Mitmenschen, den Kindern, Kranken und Alten, den eigenen Mitschwestern und den Kirchengemeinden gestanden und die Liebe Christis gelebt und weitergetragen. Und wenn man dann aus vielen Erzählungen weiß, durch welche Höhen und Tiefen sie gegangen sind, dann versteht man, dass sie das alles konnten, weil sie jeden ihrer Tage ihrem Gott in die Hände gelegt und vertrauensvoll all das gelebt und getan haben, was einfach dran war. Dann verstehe und bestaune ich dieses kleine Gebet und mir wird deutlich, welche Kraft und welches Vertrauen darin für sie gelegen hat.„Mein Anfang und mein Ende, leg ich in deine Hände, Vater steh mir gnädig bei, dass mein Werk gesegnet sei“ | |||
| Eine Wohnung für dich | 23 Sep 2026 | 00:04:15 | |
Ich habe nach einem bestimmten Text gesucht, den ich für einen Vortrag nutzen wollte und dabei ist mir dieses Gebet in die Hand gefallen. Also möchte ich mit Dir diesen Morgen mit einem Gebet von Papst Johannes XXIII. beginnen:"Schmücke mein Herz Herr, mit Deiner Gegenwart, verwandle es in eine Wohnung für Dich.Du bist der Gast, den ich erwarte, der Freund, der bei mir bleiben soll.Dir, dem ein Palast gebührt, habe ich nur eine ärmliche Hütte anzubieten.Ich schmücke mein Herz mit Sehnsucht und Verlangen.Dann wird der Glanz des Himmels, meine Wohnung erhellen.Mein Haus – die Kathedrale, Mein Herz – der Tabernakel.Schmücke mein Herz Herr, mit Deiner Gegenwart, verwandle es in eine Wohnung für Dich!"Die Sprache ist natürlich aus den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, aber ich kann da mal genauer draufschauen. Ich kann den Tag sehr verschieden anfangen: mit einem Blick auf das Kreuz und einem Kreuzzeichen, mit den Gedanken an alles, was heute auf mich zukommt, und dann mit der Bitte an Gott, mir bei allem, was da kommt, zur Seite zu stehen, mit allen Sorgen und Nöten, die mich schon wieder überfallen, oder wie in diesen Zeilen von Johannes XXIII., mit der Bitte an Gott, bei mir zu sein, Gast in meinem Herzen zu sein und somit alles ein wenig heller zu machen. Sorgen und Nöte werden damit nicht automatisch kleiner: aber da ist einer, der es mit mir durchsteht.Freude und Zuversicht werden größer: weil es sich verdoppelt, wenn ich es mit IHM meinem Gott, teile.Und die Helligkeit, die mir von Gottes Nähe kommt, strahlt nach außen aus, und bringt vielleicht einem Mitmenschen ein bisschen mehr Licht in sein Leben. Und die Sehnsucht und das Verlangen nach Gott und seiner Nähe macht mich unabhängiger davon, dass ich selbst alles allein leisten muss: denn ER steht mir zur Seite.Also bitte ich gern:"Schmücke mein Herz Herr, mit Deiner Gegenwart, verwandle es in eine Wohnung für Dich!" | |||
| Wenn ein Heiliger gleich zweifach "anstößig" ist | 22 Sep 2026 | 00:04:32 | |
Im Chorraum des Magdeburger Domes gibt es seit 1245 eine Statue, die als erste Darstellung eines Afrikaners in der christlichen Kunst des Abendlandes gilt. Sie zeigt den Heiligen Mauritius, der zu den Soldaten der thebäischen Legion um das Jahr 300 nach Christus gehört. Mauritius war der Überlieferung nach römischer Offizier und Anführer der Legion. Die Soldaten dieser Legion waren alle Christen. Aber dann haben sie sich geweigert, den alten Göttern zu opfern und sich an der Verfolgung der Christen zu beteiligen. Daraufhin ließ Kaiser Maximianus zunächst jeden 10. Soldaten umbringen, also die Legion dezimieren. Aber das hat die christlichen Soldaten nicht umgestimmt. Und so wurden am Ende alle Soldaten umgebracht. Die Verehrung dieser Heiligen Soldaten, die ihrem Gewissen gefolgt sind und lieber den Tod auf sich genommen haben, anstatt fremden Göttern zu folgen, begann sehr schnell und es gibt in ganz Europa viele hundert Moritzkirchen und in vielen Städten auch den Mohren im Stadtwappen, wie zum Beispiel in Coburg. Rund um Mauritius – oder Moritzkirchen gab es dann Mohrenstraßen und Apotheken, Cafes und Kneipen mit diesem Namen. In einer spannenden Geschichtsvergessenheit werden neuerdings Mohrenstraßen umbenannt, weil dieser Name angeblich rassistische und diskriminierende Hintergründe hat. Aber das ist nicht so, sondern Menschen haben in früheren Jahrhunderten die Verehrung eines Heiligen in ihr normales Umfeld eingefügt und Straßen und Gassen und Apotheken und so weiter so benannt. Aber dass man sich dieser Legion von Soldaten bis heute erinnert, ist natürlich auch der immer drängenden Frage geschuldet, ob man als Christ in einer Armee dienen darf und das Soldatsein, ein Beruf wie jeder andere sein kann, wenn man weiß, dass es gerade in den letzten Jahren immer mehr Kriege gibt und die Wahrscheinlichkeit, in Kriege verwickelt zu werden näher rückt.Eine Statue in einem Dom und der Gedenktag an einen Heiligen Soldaten, bringt diese Gedanken nach vorn und es ist klug, sich darüber eigene Gedanken zu machen. | |||
| Jesus will Barmherzigkeit | 21 Sep 2026 | 00:04:20 | |
Matthäus hat es eigentlich leicht. ER hat einen tollen Job, der ihm selbst Reichtum verschafft hat. Er treibt für die Besatzungsmacht der Römer die Zölle ein. Und natürlich hat er das so gemacht, dass auch für ihn selbst was übriggeblieben ist. Und ich glaube nicht nur ein bisschen. Das war soweit ziemlich normal. Aber er war, um es mal milde auszudrücken, bei seinen Landsleuten nicht gerade beliebt. So wie sein Job. Wer liebt schon bei uns das Finanzamt. Er hat den ganzen Rummel um diesen Jesus mitbekommen und war schon neugierig geworden. Aber Zöllner waren damals so ziemlich die Letzten in der Rangfolge. Man brauchte sie, aber man hasste sie. Und so sitzt er Tag für Tag an seiner Zollstelle und macht seine Arbeit. Und genau an der Stelle kommt Jesus vorbei, sieht ihn und sagt: Komm, folge mir nach. Und Matthäus ist völlig perplex, lässt alles stehen und liegen und folgt ihm. Und dann nimmt er ihn mit nachhause zum Essen und immer mehr seiner Kollegen und andere Leute aus ihrem Umfeld kommen dazu und essen zusammen. Was normal klingt, aber einem strenggläubigen Juden schlicht und einfach verboten war. Und so kommt es natürlich: die klugen und gebildeten Pharisäer sagen nicht zu ihm, sondern zu denen, die ihm folgen: wie kann der nur! Er müsste doch genau wissen, dass das verboten ist und nicht dem göttlichen Gesetz entspricht. Genau da prallen Welten aufeinander. Zum einen Matthäus, der wegen seines Berufes zu den Verfemten gehört und jetzt glücklich ist, dass Jesus das nicht stört und ihn trotzdem in seine Gruppe beruft. Und dann die Frommen von außen, denen es gar nicht um Gott und seine Gebote geht, sondern nur darum, recht zu behalten und die, in ihren Augen, Bösen und Ungerechten anzuklagen. Und mittendrin Jesus, der eine mehr als gute Begründung für sein Handeln hat: Er hörte es und sagt: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Da steht es also, schwarz auf weiß: nicht das Erfüllen von Gesetzen und Kirchengeboten ist die Norm, sondern das, was Jesus will. Er will, dass wir barmherzig sind – ein liebevolles, gütiges Herz haben gegen jede Frau und jeden Mann. | |||
| Gott ist keine Sehenswürdigkeit | 20 Sep 2026 | 00:03:55 | |
Wenn man so vor einer Sehenswürdigkeit steht, dann lohnt es sich auch mal, die anderen Menschen ein bisschen zu beobachten. Denn da sind Menschen, die die richtige Pose suchen. Den richtigen Winkel. Noch ein Bild. Und noch eins. Wie viele dieser Bilder werden wohl auch direkt wieder gelöscht? Und dann frage ich mich manchmal schon: Geht es da jetzt eigentlich noch um die Sehenswürdigkeit? Oder darum, dass man da war? Oder vielleicht sogar darum, dass man sich selbst möglichst gut an einem Ort darstellt, an dem alle anderen auch schon waren? Aber am Ende ist es eben immer nur ein Schnappschuss. Ein Bild. Und die richtig krassen Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel den Kölner Dom, die kann man sowieso fast gar nicht fotografieren. Zu groß, zu erhaben und vielleicht auch einfach zu prächtig. Irgendwie passt der nie so richtig aufs Bild. Ist das mit Gott nicht auch so? Dorothee Sölle stellte einmal die These auf, dass das Bilderverbot der Bibel gar nicht bedeutet, dass wir uns Gott nicht vorstellen dürfen. Das fände ich auch ziemlich schwierig. Gerade wenn ich gleichzeitig daran glaube, dass Gott einer ist, mit dem wir in Beziehung treten dürfen. Mehr noch: mit dem wir immer schon in Beziehung sind. Sölle versteht das Bilderverbot anders: Ein Bild wird dem, was es abbildet, niemals ganz gerecht. Es zeigt etwas. Aber eben nie alles. Und deshalb kann auch kein Bild Gott festhalten. Vielleicht gilt das genauso für unsere Worte. Für alles, was wir über Gott sagen. Es kann auf ihn verweisen. Es kann etwas von ihm zeigen. Vielleicht sogar etwas ziemlich Wichtiges. Aber es ist niemals Gott ganz. Als Theologin verstehe ich das. Als Mensch möchte ich trotzdem einfach von meinem Gottesbild erzählen. Von dem, was mich in meinem Alltag auf Gott hinweist. Von den Momenten, in denen ich glaube, etwas von ihm zu erkennen. Von den Schnappschüssen von dem Gott, an den ich glaube. Und vielleicht reicht das ja auch. Denn ein Schnappschuss zeigt nie alles. Aber manchmal zeigt er genug, um sich zu erinnern, was man gesehen hat. | |||
| Netze aus Beziehungen und Liebe | 19 Sep 2026 | 00:04:45 | |
Ich bin ein totales Verpackungsopfer. Es gibt bestimmte Produktverpackungen im Supermarktregal, die mich einfach so sehr ansprechen, dass ich zum Beispiel unfassbar viele Sorten Tee im Regal habe. Obwohl ich eigentlich viel mehr Kaffeetrinkerin bin. Kennst du das? Wenn du Dinge kaufst, einfach weil du denkst, du müsstest sie haben wollen, obwohl du irgendwie weißt, dass du sie eigentlich gar nicht brauchst? Und heute ist das ja oft noch ein bisschen verrückter. Als gläserner Kunde weiß der Versandhändler manchmal schon vor mir, was ich angeblich benötigen könnte. Werbung wird immer gezielter. Es geht darum, meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Mich irgendwie zu ködern. Und bei diesem Wort muss ich über den Begriff des "Menschenfischens" schmunzeln. Denn im Lukasevangelium sagt Jesus tatsächlich zu Simon: "Von jetzt an wirst du Menschen fangen."Und ja: Menschen fangen. Das steht da wirklich so. Ich finde das heute erst einmal einen ziemlich befremdlichen Ausdruck. Menschen sind doch keine Beute. Sie sollen nicht geködert, eingefangen oder festgehalten werden. Aber die Geschichte dazu finde ich spannend. Simon und die anderen Fischer waren die ganze Nacht draußen. Sie haben gearbeitet, ihre Netze ausgeworfen und nichts gefangen. Die Netze sind leer. Und dann sagt Jesus zu Simon: Fahr noch einmal raus. Wirf die Netze noch einmal aus. Simon macht es. Obwohl er eigentlich allen Grund hätte zu sagen: Das bringt doch sowieso nichts. Und plötzlich sind die Netze so voll, dass sie fast reißen. Eigentlich könnte die Geschichte hier wunderbar zu Ende sein. Leere Netze, Vertrauen auf Jesus, volle Netze. Erfolgsgeschichte. Fertig. Aber sie geht weiter. Denn ausgerechnet jetzt lassen die Fischer ihre vollen Netze zurück und folgen Jesus. Und deshalb glaube ich auch nicht, dass Jesus mit dem Menschenfischen einfach nur das nächste volle Netz meint. Möglichst viele Menschen einfangen. Möglichst viele Follower sammeln. Interessanterweise benutzt das Lukasevangelium an dieser Stelle sogar ein besonderes Wort. Eines, in dem es darum geht, Menschen lebendig zu fangen, sie für das Leben zu gewinnen. Und vielleicht muss ich dieses Menschenfischen deshalb ganz anders verstehen. Ich stelle mir diese neuen Netze gerne als Lebensnetze vor. Netze aus Menschen, aus Begegnungen, aus Beziehungen und Liebe. Denn vielleicht gibt es einfach ganz unterschiedliche Arten von Fülle. Mein Warenkorb kann voll sein. Mein Teeregal kann voll sein. Mein Kleiderschrank kann voll sein. Und daran ist nicht alles schlimm. Aber mein Leben kann eben auch voll sein. Voll mit Menschen. Mit Begegnungen. Mit Beziehungen. Mit Liebe. Und vielleicht ist das die Art von vollen Netzen, zu denen Jesus seine Jünger losschickt. Netze, die ich immer wieder auswerfen kann. Auch dann, wenn ich denke: Das bringt doch sowieso nichts. Auch dann, wenn sie gerade ziemlich leer aussehen. Im Vertrauen darauf, dass mein Leben sich füllen kann. Und meinen Tee darf ich trotzdem behalten. | |||
| Wenn ein langes Leben endet | 18 Sep 2026 | 00:04:45 | |
Heute wird eine unserer Mitschwestern beerdigt. Die dritte in diesem Jahr. Sie war im 100. Lebensjahr und wirklich eine sehr starke und besondere Frau. Und bei den Überlegungen, was wir in den Totenbrief schreiben könnten, war die Auswahl zunächst schwierig. Sie hat im Laufe ihres langen Ordenslebens in so vielen sozialen und karitativen Einrichtungen gearbeitet, sich mit Fortbildungen immer gut qualifiziert und mit hohem Engagement eingesetzt. Das ist immer die eine Seite des Ordenslebens. Die nächste Seite ist das geistliche Leben in Gebet und Bibellektüre, Exerzitien und auch hier Fortbildungen, das ganze Leben lang. Und die dritte Seite das Leben in der Gemeinschaft, im Kloster, in der Provinzgemeinschaft mit den jeweiligen Schwestern. Und in unseren Überlegungen sind uns ein paar Dinge besonders ins Auge gefallen. Sie war eine herzliche und immer sehr authentische Schwester. Ihr Augenmerk lag auf den Anliegen und Sorgen der einzelnen Schwestern. Wobei sie besonders die im Blick hatte, die sonst nicht so gesehen wurden. Oft werden ja auch in den Familien erst die beachtet, die hervorragende Dinge leisten oder auch die, die immer Probleme und Sorgen machen. Und da fallen die stilleren, ruhigeren und zurückgezogenen oft durchs Aufmerksamkeitsraster. Bei ihr nicht. Sie hat immer versucht und meist geschafft, Brücken zu bauen zu den Einzelnen. Und sie war eine biblisch fundiert gläubige und zutiefst fromme Frau, die ihr Interesse an Kirche und Ordensgemeinschaft immer gepflegt hat. Vielen Schwestern ist ihre Begeisterung für die Gestaltung von Festen und Feiern in bester Erinnerung sowie die Liebe zum Detail und zu einer schönen ästhetischen Gestaltung von Räumen und festlichen Tafeln. Das hat mir echt gefallen. Jemand die immer in verantwortlichen Positionen gestanden hat und viele lange und anstrengende Zeiten kannte, und den Schwestern fallen da eher hunderte Geschichten ein, wie sie andere beschenkte, mit herzlichen Kleinigkeiten Freude gemacht hat und eine Begeisterung dafür hatte, Feste und Feiern im Kloster schön zu gestalten und heitere Ästhetik zu vermitteln. Und dann waren noch die letzten, etwas mühsamen Monate, in denen sie an den Gebrechen ihres hohen Alters gelitten hat und aber ganz klar gesagt hat: Ich nehme das in Ruhe an, aber ich bin auch bereit zum Sterben und freue mich auf die Begegnung mit meinem Herrn Jesus Christus. Eine solche Frau ist ein starkes Vorbild fürs Leben und für den Umgang mit dem herannahenden Tod. Und da stellt sich für mich und auch für Dich vielleicht die Frage: was möchte ich, das man später mal über mich sagt oder schreibt? | |||
| Wenn das "Nein" der Kirche keine Option ist | 17 Sep 2026 | 00:04:23 | |
Heute bin ich ein bisschen hin und hergerissen. Die Kirche verehrt eine große Heilige, und wir hier in Olpe verehren unsere selige Gründerin. Die Heilige, die gefeiert wird, ist die Heilige Hildegard von Bingen. Sie ist vor mehr als 900 Jahren als junge Frau ins Kloster eingetreten und hat dort 35 Jahre gelebt. Hildegard von Bingen gilt als erste Vertreterin der deutschen Mystik des Mittelalters. Ihre Werke sind aber sehr vielfältig und befassen sich unter anderem mit Religion, Medizin, Musik, Ethik und Kosmologie. Sie war auch Beraterin vieler Persönlichkeiten. Von ihr ist ein umfangreicher Briefwechsel erhalten geblieben, der auch deutliche Ermahnungen gegenüber hochgestellten Zeitgenossen enthält, sowie Berichte über weite Seelsorgereisen und ihre öffentliche Predigttätigkeit. Aber dann hat sie sich getraut: sie hat sich getraut, mehr auf Gott als auf die Vertreter der Kirche zu hören. In ihren göttlichen Visionen hatte sie erfahren, sich mit ihren Schwestern an den Rhein zu begeben und dort neu zu gründen. Zwei Jahre hat sie sich mit den kirchlichen Oberen gestritten und sich dann doch durchgesetzt. Sie wäre nie die große Prophetin und Visionärin geworden, wenn sie sich dem NEIN der Kirche gebeugt hätte. Allein darin ist sie schon Vorbild: dazu stehen, was ich als richtig erkannt habe, und dann auch gegen Widerstand durchsetzen. Und dann ist noch unsere Gründerin, Mutter Maria Theresia Bonzel. Sie ist heute vor 196 Jahren hier in Olpe geboren, hat schon als junges Mädchen erkannt, dass man etwas gegen die Not der Waisenkinder tun muss. Sie hat mit unglaublichen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt und sich auch nicht davor gefürchtet, sich mit weltlichen und auch sturen kirchlichen Obrigkeiten herumzuschlagen, wenn es um ihr Werk für die Kinder und gegen die Not von Kranken und Schwachen ging. Man sagt ja immer so leichthin, die Frauen seien das schwache Geschlecht. Gerade diese beiden Frauen, die zu so unterschiedlichen Zeiten gewirkt haben machen schon klar, dass es immer starke Frauen in der Kirche gegeben hat. Erkennen, was dran ist und dann auch tun – gegen Widerstände und die Angst vor der eigenen Courage. Stark. | |||
| Mitarbeiter gesucht, der mit mir Pause machen kann | 16 Sep 2026 | 00:04:48 | |
Mit dem Auto bin ich eine ziemlich belebte Straße in der Stadt entlang gezuckelt und hatte Zeit, rechts und links ein bisschen zu schauen. Und rechts an der Straße pausierte, in einer dafür vorgesehenen Parkbucht, ein Linienbus. In dem Display oben in der Mitte blinkte eine Kaffeetasse, was ich wirklich nett fand und womit auch klar wurde: Ah, der Fahrer hat Kaffeepause! Und genau darunter war ein deutlicher Aufdruck mit dem Aufruf: „Mitarbeiter gesucht“ In dem Moment musste ich laut lachen, weil in mir sofort die Wortspielerei losging: Mitarbeiter hat Pause, also neuer Mitarbeiter gesucht. Oder: damit dieser Busfahrer Pause machen kann, wird ein neuer Mitarbeiter gesucht, oder noch besser: Mitarbeiter gesucht, der mit mir Pause machen kann. Das zusammenpassen von Wort und Bild ist in der Werbung besonders wichtig und muss immer gut bedacht werden. Und dass dann dabei so witzige Kombinationen in meinem Kopf entstehen, ist vielleicht gewollt oder auch ein ungewolltes Nebenprodukt. Es gibt so Texte in der Bibel, die kann man drehen und wenden wie man will, und trotzdem wird nie falsch verstanden, worum es geht. Weil die Zeilen so klar und eindeutig sind und deshalb kein Kuddelmuddel zwischen Bildsprache und Textbotschaft entsteht. So ein Text steht für uns heute im ersten Brief an die Gemeinde in Korinth und sagt:„Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel reden könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Blech oder eine lärmende Trommel. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe verschenken würde und mich aufopfern für jemanden, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts.“Und dann kommt so könnte man sagen, der Knaller in der ganzen Zuordnung. Nämlich:„Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf.“ Klar, oder? | |||
| Wunsch nach Frieden über Jahrhunderte hinweg | 15 Sep 2026 | 00:05:09 | |
Am Samstag haben wir mit vielen hundert Menschen in Dortmund ein wunderschönes Fest gefeiert. Und dabei ging es um ein Todesjahr. Vor genau 800 Jahren ist Franziskus von Assisi gestorben und der Titel des Festes war: 800 Jahre einfach leben – Franz von Assisi.Also nicht den Tod feiern, sondern das einfache Leben dieses beeindruckenden Menschen, der in den Wirren am Ende des zwölften und am Anfang des Dreizehnten Jahrhunderts so vieles so anders gemacht hat, dass er bis heute nicht vergessen ist und unendlich viele Menschen in ihm ein Vorbild sehen, eben auch für ein einfaches Leben.Das Theaterstück zum Beginn des Festes zeigte einige witzige Szenen. Zwei jugendliche Touristen spazieren durch Assisi und plaudern über diesen komischen Typen, der damals seine coolen Klamotten gegen ein Gewand eintauscht, das wie ein Kartoffelsack aussieht. Der scheinbar von Jesus vom Kreuz herab persönlich den Auftrag zum Kirchenbau bekommt, ob wohl er davon keine Ahnung hat. Und zwei dieser Kirchen stehen bis heute. Und die Schauspieler, eine Truppe junger Erwachsender, machen in pantomimischen Szenen, die beeindruckend synchron getextet werden, deutlich, wie Franziskus im Laufe der Zeit immer besser versteht, dass er die Kirche gestalten soll, die aus Menschen besteht, die der Hilfe bedürfen. Ein Gespräch auf der Bühne mit einem Franziskanerbruder und dem Bruder Bischof, dem Paderborner Erzbischof Benz, aktualisiert diese uralten Geschichten in die Gegenwart. Zum Schluss des Festes gab es beim Wortgottesdienst eine Szene, die mich zutiefst beeindruckt hat. Das Gebet um den Frieden, dass Franziskus so sehr am Herzen lag, und in dem auch der Opfer der Attentate vom 11. September 2001 gedacht wurde, wurde von einer Frau gelesen, in der Version, die es seit dem ersten Weltkrieg gibt. Und eine zweite Version, die von einem muslimischen Gelehrten aus dem 16. Jahrhundert stammt, gelesen von einem muslimischen jungen Mann. Das waren die stillsten Minuten dieses Tages. Und da wurde mir deutlich, was Stille mitten in einer Großstadt, mitten in einem Fest, mit vielen hundert Menschen bedeuten kann: Pause, Aufatmen, Hören, Schweigen, Aufnehmen, Staunen, nachhallen lassen. Unglaublich eindrucksvoll. Und nach der Einzelsegnung aller, die das für sich annehmen wollten, und den Liedern dazu und dem Abschluss und dem Adieu, blieb eine beschwingte Leichtigkeit und eine heitere Gelassenheit, die so wohltuend war, wie es Franziskus vielleicht erahnt hat – mit dem Wunsch zum einfach leben. | |||
| Der Klang Gottes | 14 Sep 2026 | 00:04:21 | |
Ich denke, dass kennst Du auch. Ab und zu muss man all die Kleinigkeiten, die sich so auf dem Schreibtisch oder auf dem Regal stapeln, mal durchsehen und aufräumen. Bei so einer Aktion sind mir ein paar Kärtchen in die Hand gefallen, die mich sofort wieder erinnert haben. Beim Liborifest in Paderborn Ende Juli war eine Kirche von der Citypastoral Paderborn als Klangraum gestaltet, in dem es Musik und Klang, Konzerte, Lesungen, Gespräche und stille Zeiten gab. Es gab Liegestühle zum Verweilen und schöne Klänge und Farben. Das Ganze war den verschiedenen Klängen gewidmet und sehr eindrucksvoll dargestellt.Die erste Station hatte den spannenden Titel "Der Klang Gottes". Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. So steht es in der Bibel. Gott als schöpferische Kraft, die alle Existenz in Gang gebracht hat, aus dem Chaos, dem Nichts in die Unendlichkeit. Aber wie hat sich das angehört, wie klang der Beginn von allem? Der Soundtrack des Anfangs ist nicht mehr nachvollziehbar, aber der Klang der danach entstanden ist: der Klang der Natur, der Klang des Alltags, die Musik, die wir Menschen kreativ erschaffen, unsere Sprache und Laute. All das und noch viel mehr klingt in uns und um uns, weil es uns gibt, weil wir Teil dieser wunderbaren Schöpfung sind. Der Klang Gottes – wir alle sind Teil davon. Soweit diese Einleitung zur Ausstellung.Und wenn heute, am Montag, der Alltag wieder losgeht, ist natürlich der Klang des Alltags mit all seinen Geräuschen sehr präsent: eine Zugdurchfahrt oder das Klicken der Ampeln, lautes Motorraddonnern auf Kopfsteinpflaster, eine knarrende Tür oder eine tickende Uhr, das Muhen der Kühe im Stall, Telefonklingeln, Schritte im Flur, Geschirrklappern, Kinderlärm auf dem Spielplatz, Baustellenlärm oder Tastaturklappern und noch viel mehr. Ich finde es eine gute Idee, heute mal auf zwei oder drei dieser vielen Alltagsgeräusche zu achten, ihnen bewusster zuzuhören und mal nachzuspüren, welche Gefühle das jeweilige Geräusch in mir auslöst.Jedes Geräusch, jeder Klang ist Teil unseres Lebens und Umfeldes, das sich in Jahren, Jahrhunderten und Jahrtausenden entwickelt hat und in jedem von uns andere Gefühle und Emotionen auslöst. Und dann zu wissen, dass das alles im Klang Gottes verbunden ist, weil wir ein Teil dieser wunderbaren Klangschöpfung sind, ist schon wunderschön. | |||
| Positives Denken | 13 Sep 2026 | 00:03:52 | |
Heute ist der Tag des positiven Denkens. Eigentlich interessant, dass man einen solchen Tag braucht. Der Glaube will aber genau auch das in unserem Leben erwirken, positives Denken. Dabei beginnt der Glaube oft nicht am helllichten Tag, sondern in der Nacht, so wie bei Nikodemus. Er kommt zu Jesus mit Fragen, mit Unsicherheit, mit einer Sehnsucht nach mehr. Nicht als Gegner, sondern – das macht ihn besonders – als Suchender.Das Johannesevangelium beschreibt Glauben dabei nie als Besitz. Glauben ist kein Substantiv, kein Haben, es ist ein Verb. Glauben heißt sich anvertrauen, sich binden, sich in Bewegung setzen, nicht nur etwas für wahr halten, sondern jemandem das eigene Leben anvertrauen, positiv zu denken, könnte man auch sagen. Jesus spricht mit Nikodemus von einer neuen Geburt, von einem Leben aus dem Geist und er benutzt ein starkes Bild: Der Wind weht, wo er will. Der Geist Gottes ist nicht verfügbar. Er ist kontrollierbar, aber nicht erfahrbar, wie der Wind unsichtbar und doch mit spürbarer Wirkung.Dieses Leben aus dem Geist steht quer zu vielem, was unseren Alltag prägt, zu Selbstoptimierung, Leistungsdruck, ständiger Vergleichbarkeit. Ein Leben aus dem Geist lebt nicht aus reiner Selbstüberzeugung. Es lebt aus Beziehung, aus dem Vertrauen, dass mein Wert nicht gemacht, sondern geschenkt ist, positives Denken eben. Im Zentrum steht dabei ein Wort Liebe, nicht irgendeine Liebe, sondern Agape, eine Liebe, die nicht berechnet, nicht festhält, nicht sich selbst sucht.So liebt Gott die Welt, nicht als heile Idylle, sondern in all ihrer Ambivalenz und Gottesferne. Und das Ziel dieser Liebe ist nicht bloß ein Leben nach dem Tod. Es ist ewiges Leben, Leben in Gemeinschaft mit Gott. Nikodemus bleibt ein Suchender. Er versucht positiv zu denken und darin wächst er und am Ende tritt er ins Licht.Vielleicht ist das auch unsere Frage: Wo suche ich nach Sinn, Wahrheit, Orientierung? Wo beginnt mein Glaube vielleicht noch in der Nacht und wo lädt Gott mich ein, einen Schritt ins Licht zu wagen, auch wenn sich manches verändert? Denn wo wir uns dem Geist öffnen, da beginnt Leben, nicht perfekt, aber echt, eben positives Denken. | |||
| Du bist geliebt und Du bist gerufen | 12 Sep 2026 | 00:03:53 | |
Kennst Du das Gefühl, wenn Dir alles über den Kopf wächst, wenn Deine Kraft, Dein Wissen und selbst Dein Glaube Dich im Stich lassen? Genauso ging es einmal einem jungen Studenten in Paris. Er hieß Franz von Sales und wurde später dann ein berühmter Heiliger, aber damals war er einfach nur verzweifelt. Er steckte mitten in einer tiefen Glaubenskrise, gequält von der Angst, von Gott verlassen zu sein. In dieser absoluten Dunkelheit seines Glaubens ging er in eine Kirche, kniete sich vor ein Marienbild und betete. Er sprach ein altes Gebet, das Memorare. Es beginnt mit den Worten: "Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria, es ist noch nie gehört worden, dass jemand, der zu Dir seine Zuflucht nahm, von Dir verlassen worden ist."Und mitten in dieser Ohnmacht wendete sich etwas. Franz spürte keine Angst mehr, sondern tiefes Vertrauen. Diese Erfahrung wurde zum Wendepunkt seines Lebens. Er begriff: Gott ruft uns nicht durch Druck, sondern durch Liebe, nicht aus einer perfekten Fassade heraus, sondern mitten aus unserer menschlichen Zerbrechlichkeit.Heute feiern wir das Fest Mariä Namen, ein Fest, dass uns genau daran erinnern will. Der Name Maria steht für diesen Zufluchtsort. Er steht für das Versprechen, dass wir in den dunkelsten Stunden nicht alleine sind. Berufung, also das, wozu Gott dich und mich im Leben ruft, beginnt genau dort, wo wir aufhören, uns selbst retten zu wollen. Und sie geschieht in drei einfachen Schritten: Erstens wirst Du gesehen, so wie Du bist. Zweitens darfst Du Dich rufen lassen und die Richtung deines Lebens neu auf Gott ausrichten und schließlich bist Du drittens gesandt ganz konkret in Deinen Alltag, in deine Familie, deinen Beruf, deinen Freundeskreis.Du musst kein fehlerfreier Überflieger sein. Heiligkeit beginnt im Ernstnehmen deines Menschseins – man könnte im Sinne des heutigen Tages auch sagen, im Annehmen deines eigenen Namens, bei dem Gott dich gerufen hat. Wenn Du das nächste Mal nicht weiterweißt, dann denke an den jungen Franz von Sales. Suche Dir einen Moment der Stille und vertrau Dich diesem Namen an, denn Maria erinnert uns, Du wirst gesehen. Du bist geliebt und Du bist gerufen – genau so, wie du bist. | |||
| Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst | 11 Sep 2026 | 00:04:12 | |
Nine-eleven ist zu einem Synonym geworden. Nine-eleven meint den 11. September 2001. An diesem Tag, das sind schon sagenhafte 25 Jahre her, sind in den USA vier Flugzeuge entführt worden, um damit einen beispiellosen Terrorakt zu vollziehen: die Nutzung von Passagierflugzeugen als menschengesteuerte Angriffsmaschinen, um so viele Menschen wie möglich zu töten und quasi den USA den Krieg zu erklären. Und das in der unglaublich verqueren Logik von Osama bin Laden und Al Quaida – im Namen Gottes. Im Namen Gottes töten? Das widerspricht dem Empfinden von gläubigen Christen, die an einen liebenden und lebensspendenden Gott glauben. Ja, auch Christen haben im Laufe der zwei Jahrtausende im Namen Gottes getötet. Und wir sind bis heute beschämt darüber. Es gibt ein Wort, das seit vielen Jahren die Runde macht und das gut erklärt, worum es wirklich geht. Da heißt es: "Wenn Dein Gott Dir befiehlt zu töten, dann such Dir einen anderen Gott."In unserer heutigen Lesung steht genau das Gegenteil von machtvoller Demonstration von Überlegenheit und kriegerischer Kraft. Da steht im 2. Korintherbrief: "Ich will mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt. Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn, wenn ich schwach bin, dann bin ich stark."Der Briefschreiber macht deutlich: Nicht meine eigene Kraft soll mich leiten, sondern die Kraft, die von Gott kommt und von Jesus Christus. Und noch mehr, er sagt sogar ja zu aller Ohnmacht und allen Nöten und Verfolgungen, die er für Christus erträgt, weil dann die Kraft Christi in ihm wirken kann. Wer aber aus der Kraft Christi wirken will, wird tun, was Christus getan hat: den Armen beistehen, die Kranken pflegen, Kinder segnen, Trauernde trösten und allen Menschen das Reich Gottes verkünden.Dieser 11.9. kann uns helfen, darüber nachzudenken, was ich, was jede und jeder von uns im Namen Gottes tut und das wichtigste Gebot dabei keinesfalls zu vergessen: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. | |||
| Harte Zumutung in Jesu Auftrag | 10 Sep 2026 | 00:03:43 | |
Am Abend lese ich oft schon das Tagesevangelium des kommenden Tages und schaue nach, was mich darin anspricht. Beim heutigen Text aus dem Lukasevangelium dachte ich, eigentlich ist der gesamte Text so, dass er mich geradezu anspringt. Da gibt es so viel, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Da heißt es:"In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln. Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd. Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück. Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen.Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden. Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder. Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung, alles zurückzubekommen. Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne und Töchter des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist! Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden. Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.“Das ist echt keine Anleitung für ein weichgespültes Wohlstandschristentum, sondern harte Zumutung in Jesus Auftrag – an alle, die an ihn glauben. | |||
| Ein paar Schritte gehen | 09 Sep 2026 | 00:03:58 | |
Du kennst wahrscheinlich einen Activity Tracker? Vielleicht nicht unter diesem englischen Begriff. Im Deutschen ist das schlicht und einfach auch ein Schrittzähler. Die App auf dem Handy installiert, mit ein paar Daten versehen und immer in der Tasche parat, zählt er vom Aufstehen an alle Schritte, die ich so gehe. Irgendwann war mir klar, ein bisschen mehr Bewegung wäre sicher nicht so schlecht, wenn ich viel am Schreibtisch sitze und es ist da natürlich ziemlich reizvoll, sich ein Ziel zu setzen. Also die Marke bei 5.000 Schritten gesetzt und los. Und dann merke ich, dass die ganzen Morgenrituale wie Frühstück machen, Laudes in der Kapelle beten, Frühstücken, die ersten Sachen im Haushalt machen schon einige hundert Schritte sind. Und dann schnell zum Einkaufen nicht mit dem Auto, sondern zu Fuß, den Brief nicht mitgeben, sondern zum Briefkasten laufen, eine Runde spazieren gehen mit einer unserer alten Mitschwestern und noch eben in die Pfarrkirche gehen und ein paar Minuten verweilen und schon sind 5.000 Schritte erreicht.Und mitten in meiner Schrittzähleuphorie ist mir dann die Frage eingefallen: Wie viele Schritte mache ich eigentlich bewusst zu meinem Nächsten hin? Gehe ich mal eben eine Meile mit jemandem mit, der es gerade braucht? Bei einer Abendrunde durch die Stadt fällt mir auf, wieviel leichter es ist, abends kurz stehen zu bleiben und zu plaudern, einander zuzuhören oder einen Umweg mit zu laufen, weil gerade ein gutes Gespräch zustande gekommen ist. Mit einer indischen jungen Familie habe ich mich lange über die Tücken der deutschen Sprache unterhalten und habe ihnen nebenbei erklärt, warum gerade so viel Sperrmüll an den Häusern liegt, der am nächsten Morgen abgeholt wird. In einer Nebenstraße saßen fünf ältere Herren Pfeife rauchend auf einer Bank vor dem Haus und der Duft hat mich an den Pfeifentabak meines Vaters erinnert. Ich bin stehengeblieben und habe das erzählt und schon waren wir in der schönsten Plauderei. Es ist eine ziemlich gute Idee, vieles zu Fuß zu machen. Es tut der Gesundheit gut, man bekommt viel mehr zu sehen und zu hören, wenn man gemächlich geht, man trifft ganz andere Leute und man sieht ganz andere Dinge. Wenn es möglich ist, geh heute mal eine Runde und tu Dir an Leib und Seele etwas Gutes. Auch ganz ohne Activity Tracker. | |||
| Streitfall Maria | 08 Sep 2026 | 00:04:15 | |
Maria ist zum Streitfall geworden. Erst Maria 2.0 als Titel für eine hervorragende Fraueninitiative, die um die Gleichberechtigung von Frauen in unserer Kirche kämpft und als Antwort darauf Maria 1.0, die besagt, dass die Gottesmutter kein Update braucht und so verehrt werden kann wie immer.Hm. Und nun? Wenn ich darauf schaue, wer dieses junge Mädchen war, das in dem Glauben aufgewachsen ist, dass ein jüdisches Mädchen den Messias zur Welt bringen wird, die zu dieser Ungeheuerlichkeit der Verkündigung durch den Engel ja gesagt hat, obwohl sie genau wusste, dass sie dafür gesteinigt werden könnte, dann sehe ich keine stumme, liebliche, demütige und im stillen Kämmerlein lebende Frau, sondern einen Ausbund an Mut und Courage. Wer sich in der damaligen patriarchalischen Gesellschaft als Frau zutraut, mehr auf Gott als auf die Menschen zu hören, hat mehr als Mut. Sie hat ein Gottvertrauen, das über den Tod hinausgeht. Und wenn man ihr Gebet liest, das wir als Magnificat kennen und das sie beim Besuch ihrer Base Elisabeth jubelt, dann kann man nicht nur zwischen den Zeilen eine sehr offene Gesellschafts- und Religionskritik heraushören.Sie preist Gott, der auf sie als nichtsbedeutende Frau ihrer Zeit schaut, und weiß schon da, dass man in Jahrhunderten und Jahrtausenden von all den männlichen Herrschern kaum noch etwas wissen wird, aber sie selbst von allen gepriesen werden wird. Sie weiß, dass Gott auf alle schaut, die als niedrig und nichtssagend in Welt und Kirche gelten, und dass er die hochhebt, die vor ihm Achtung haben. Sie ahnt, dass Gott die Hochmütigen in alle Winde zerstreut, weil er alle Machthaber, egal welcher Couleur, von ihren Thronen stürzen wird. Denen, die nach Ihm und seiner Gerechtigkeit hungern, wird er beschenken, und die, die glauben alles zu besitzen, werden mit leeren Händen dastehen. Eine solche Frau, die aus der Kraft des Heiligen Geistes so leben und beten und mit ihrem Sohn bis unters Kreuz gehen wird, ist es mehr als wert, sie zu beachten und zu feiern und als Vorbild für Frauen und Männer in unserer Kirche zu sehen. | |||
| Tue trotzdem das Gute | 07 Sep 2026 | 00:04:36 | |
Im heutigen Abschnitt aus dem Lukasevangelium wird eine interessante Szene beschrieben. Die Pharisäer suchen nach Möglichkeiten, etwas gegen Jesus zu unternehmen, weil er ihnen und ihren Überzeugungen unbequem geworden ist.Aber Jesus hat etwas ganz anderes im Sinn. Ihm geht es um die Heilung eines Kranken und nicht um die Erfüllung von Gesetzen, die über dem Leid der Menschen stehen. Und dann heißt es, dann sagte Jesus zu ihnen: Ich frage euch, was ist am Sabbat erlaubt, Gutes zu tun oder Böses, ein Leben zu retten oder es zugrunde gehen zu lassen?Und er sah sie alle der Reihe nach an und sagte dann zu dem Mann: Streck deine Hand aus. Er tat es und seine Hand war wieder gesund. Da wurden sie von sinnloser Wut erfüllt und berieten, was sie gegen Jesus unternehmen könnten.Also, auf die Frage, was ist am Sabbat erlaubt, Gutes zu tun oder Böses, haben die Umstehenden keine Antwort gegeben, obwohl jede und jeder die Antwort weiß. Es geht immer darum, Gutes zu tun und ebenso immer darum, das Böse nicht zu tun. Und als Jesus den Kranken geheilt hat, sind sie von sinnloser Wut erfüllt und beraten, was sie gegen ihn unternehmen können.Es gibt einen Text von Mutter Teresa, der genau das beschreibt und zum „Trotzdem“ aufruft. Sie sagt: Die Menschen sind unvernünftig, irrational und egoistisch. Liebe diese Menschen trotzdem.Wenn du Gutes tust, werden dich die Menschen beschuldigen, dabei selbstsüchtige Hintergedanken zu haben. Tue trotzdem Gutes. Wenn du erfolgreich bist, gewinnst du falsche Freunde und wahre Feinde.Sei trotzdem erfolgreich. Das Gute, das du heute getan hast, wird morgen schon vergessen sein. Tue trotzdem Gutes.Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verwundbar. Sei trotzdem ehrlich und offen. Die Menschen bemitleiden Verlierer, doch sie folgen nur den Gewinnern.Kämpfe trotzdem für ein paar von den Verlierern. Woran du Jahre gebaut hast, das mag über Nacht zerstört werden. Baue trotzdem weiter.Die Menschen brauchen wirklich Hilfe. Doch es kann sein, dass sie dich angreifen, wenn du ihnen hilfst. Hilf diesen Menschen trotzdem.Gib der Welt das Beste, was du hast, und du wirst zum Dank dafür einen Tritt erhalten. Gib der Welt trotzdem das Beste. Letztendlich ist dann alles eine Angelegenheit zwischen dir und Gott. Sowieso war es nie eine Angelegenheit zwischen dir und anderen. | |||
| Für Gott ist jeder Mensch kostbar | 06 Sep 2026 | 00:04:21 | |
Ich war in den Sommerferien wandern. Und dabei überquerte ich auch die ein oder andere Alm. Es war einfach nur schön, zwischen den Kühen umherzuwandern und die Sonne im Gesicht zu spüren. Die Beine schon etwas schwer vom Aufstieg. Aber dieses Klingeln der Kuhglocken – beruhigend und irgendwie erdend im Ohr. Und da hab ich nochmal gespürt, wie schön und wunderbar entspannend diese Kühe sein können. Und ich musste an die ein oder andere Bibelgeschichte denken, die mich inzwischen ehrlich gesagt nur noch zum Gähnen bringt. Wenn es wieder um Hirten geht. Um Schafe. Um Vieh. Dann hat das oft so gar nichts mit meinem Alltag zu tun, denke ich. Dann langweilt es mich manchmal. Oder es nervt mich sogar. Denn ich will nicht das dumme Schaf sein, das sich verirrt und gefunden werden muss. Aber da oben auf der Alm habe ich es plötzlich ein bisschen besser verstanden. Vielleicht sogar gespürt. Schon beim Aufstieg kam uns ein Schäfer entgegen. Mit einer riesigen Schafherde und mindestens drei Schäferhunden. Ich war so mit dem Aufstieg beschäftigt, dass ich erst gar nicht richtig kapiert habe, dass da neben mir eine Unmenge an Schafen über Stock und Stein hüpfte. Und irgendwann dachte ich: Wie kostbar müssen diese Tiere eigentlich für diesen Schäfer sein? Sie sind sein Lebensunterhalt. Seine Lebensversicherung. Vielleicht ein großer Teil seines Lebens. Und für mich? Für mich waren sie in diesem Moment einfach nur beeindruckend und wunderschön. Ich dachte nicht: „Was für dummes Vieh.“ Und vielleicht habe ich genau da für einen kurzen Moment verstanden, was diese alten Bilder der Bibel eigentlich erzählen wollen. Vielleicht geht es gar nicht darum, dass ich das dumme Schaf bin. Vielleicht geht es darum, dass ich kostbar bin. So kostbar, dass es eben nicht egal ist, wenn ich verloren gehe. So kostbar, dass jemand nach mir schaut. So kostbar, dass einer mich nicht einfach zurücklässt. Da oben auf der Alm, zwischen Kuhglocken, schweren Beinen und einer riesigen Herde Schafe, habe ich für einen kurzen Moment verstanden, wie kostbar du und ich für Gott sein könnten. Und plötzlich fand ich diese alte Geschichte gar nicht mehr so langweilig. | |||
| Gott nimmt mir den Weg nicht ab | 05 Sep 2026 | 00:03:47 | |
Im Sommer laufe ich gerne barfuß. Ich mag das Gefühl von warmem Asphalt oder frisch gemähtem Gras unter den Füßen. Im Urlaub passiert mir das ständig. Schuhe aus. Einfach loslaufen. Irgendwie fühlt sich das nach Freiheit an.Jetzt sind die Ferien vorbei. Für viele hat das neue Schuljahr begonnen. Für manche ist es einfach die nächste Klasse. Für andere beginnt etwas ganz Neues: eine neue Schule, neue Mitschüler, neue Lehrer. Oder überhaupt das erste Mal Schule. Und ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, was dieses Schuljahr für mich bereithält. Wem ich begegnen werde. Welche Gespräche mich erwarten. Was gelingt und woran ich wachsen muss.Vielleicht fühlt sich jeder Neubeginn ein bisschen an wie barfuß laufen.Barfuß spürt man jeden Stein. Man merkt sofort, wenn der Weg uneben wird. Das macht verletzlich. Gleichzeitig nimmt man den Boden viel bewusster wahr. Man läuft anders. Aufmerksamer.Natürlich könnte ich auch dicke Sicherheitsschuhe anziehen. Die schützen. Aber sie machen die Schritte schwer. Und manchmal habe ich den Eindruck, wir ziehen uns im übertragenen Sinn genau solche Schuhe an. Wir wollen nichts falsch machen. Niemandem wehtun. Bloß nicht stolpern. Bloß nicht auffallen.Ich merke das bei mir selbst.Dabei beginnt ein neuer Weg selten damit, dass ich schon alles weiß. Er beginnt mit einem ersten Schritt.Und dann muss ich mich morgens tatsächlich entscheiden, welche Schuhe ich anziehe. Bequeme Sneaker? Etwas Festliches? Oder Wanderschuhe? Je nachdem, was der Tag von mir verlangt.Vielleicht ist das gar kein schlechtes Bild für den Glauben. Gott nimmt mir den Weg nicht ab. Aber er lädt mich ein, ihn zu gehen. Mal mutig. Mal vorsichtig. Mal leichtfüßig. Und manchmal eben auch barfuß.Ich wünsche mir, dass ich etwas von dieser Leichtigkeit des Sommers mit in den Alltag nehme. Nicht, weil das Leben immer leicht wäre. Sondern weil ich darauf vertraue, dass Gott jeden meiner Schritte kennt – auch die vorsichtigen. Auch barfuß. | |||
| Mit Hass und Hetze kann man kein Land regieren | 04 Sep 2026 | 00:04:15 | |
Ich bin unruhig und nervös und ein bisschen ängstlich und verwundert und will trotzdem nicht hoffnungslos sein. Am Sonntag ist die Wahl in Sachsen-Anhalt und viele Menschen sind besorgt, dass eine undemokratische Partei scheinbar so viele Menschen überzeugt, dass sie eine gute Wahl wäre. Ich bin aus Thüringen und bekomme auch mit, wie schwierig es ist, zwischen dem lauten Gebrüll der wenigen und deren fremdenfeindlichen Gebaren all die vielen zu sehen und zu hören, die nicht so sind und die sich kümmern um eine freie und vielfältige Gesellschaft. Alles Für und Wider ist in den letzten Monaten hinlänglich besprochen und von allen Seiten angeschaut worden und ich war zwischendurch immer wieder entsetzt, wie, was, wer ganz ungestraft herumbrüllen kann und wie viele Menschen dann johlen und klatschen und gar nicht zu merken scheinen, welchen gefährlichen Leuten sie da auf den Leim gehen. Aber mit Hass und Hetze und populistischen Parolen kann man kein Land regieren. Und so mag ich bei aller Sorge in diesen Tagen vor dieser Wahl ein Gebet mit dir beten, das schon mehr als 110 Jahre alt und aktueller denn je ist: Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens, dass ich liebe, wo man hasst; dass ich verzeihe, wo man beleidigt; dass ich verbinde, wo Streit ist; dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist; dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht; dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält; dass ich Licht entzündete, wo Finsternis regiert; dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt. Herr, lass mich trachten nicht nur, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste; nicht nur, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehen; nicht nur, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe. Denn wer sich hingibt, der empfängt; wer sich selbst vergisst, der findet; wer verzeiht, dem wird verziehen; und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. | |||
| Knecht der Knechte | 03 Sep 2026 | 00:04:31 | |
Er oder sie waren ganz Große in ihrer Zeit, ganz früher oder auch heute.Es gibt einige Menschen, denen haben über die Jahrhunderte Menschen den Titel: der oder die Große verliehen und Gregor war einer von ihnen.Er war Diplomat, Politiker, Mönch und dann der erste Mönchspapst der Geschichte, galt als genialer Krisenmanager, hat Europa ein neues Gesicht gegeben, war ein umtriebiger Briefeschreiber, (allein 850 von ihnen sind erhalten) er hat die Versorgung der Armen nach einer Überschwemmungskatastrophe im pestgeplagten Rom krisenfest umorganisiert, und die Liturgie neu geprägt. Von den Menschen seiner Generation wird er bald Gregor der Große genannt. Sich selber aber bezeichnet er ganz anders: Knecht der Knechte Gottes. In einem Brief, den er 39 Missionaren, die er zu den Angelsachsen auf die Insel gesandt hat, schreibt er: „Weder die Beschwerlichkeiten der Reise, noch das Gerede der Leute soll euch also abschrecken, sondern vollendet mit aller Anstrengung und aller Begeisterung, was ihr auf Gottes Antrieb begonnen habt.“ Seit dieser Zeit bis in die nächsten drei Jahrhunderte werden viele tausend Missionare und Wanderprediger nach Europa kommen und Religion, Bildung, Schrift, Verwaltung, Kunst und Kultur des Kontinentes entscheidend prägen.Wenn ich in solchen Lebensbeschreibungen lese, bin ich immer sehr erstaunt, was ein einzelner Mensch mit zunächst ruhigem Studium, dann einem energischen Umschwung in seiner Lebensweise und mit der ihm durch Wahl verliehene Macht erreichen und über Jahrhunderte zum Positiven prägen kann. Mir scheint sein Wort vom „Knecht der Knechte Gottes“ ein Synonym für sein Verständnis von Leitung und Leben im Allgemeinen: ich verstehe meine Arbeit als Dienst, erledige meine Aufgaben in bester Weise, schaue mit Neugier und Eifer in die Heilige Schrift, damit sie mir Ideen für das Zusammenleben der Menschen gibt und verstehe alles, was ich tue als Dienst an den Menschen. Und da bekommt das auch für mich Hand und Fuß und ist geeignet für alle, die nach Orientierung suchen für den Alltag und das normale Leben heute. | |||
| Nicht schweigen oder wegsehen | 02 Sep 2026 | 00:04:38 | |
Eine junge Frau macht eine Ausbildung zur Krankenschwester und ist im dritten Jahr. Sie hat eine mündliche Zwischenprüfung und ist tagelang unruhig und aufgeregt, lernt viel und gönnt sich kaum Ruhe. Und jede und jeder von uns kann sich aus eigenem Erleben vielleicht daran erinnern. Und bevor sie losfährt, bittet sie darum, gesegnet zu werden, damit sie mit Gottes Segen in die Prüfung gehen kann. Und dann kommt sie strahlend wieder und ich brauche gar nicht zu fragen. Sie hat bestanden, mit Note 1,1. Ich habe unglaublich viel Achtung und Ehrfurcht vor ihr und vielen jungen Leuten, die hier eine Ausbildung machen und vorher erst die Sprache lernen mussten und dann noch, wie in diesem Fall, die vielen oft lateinischen Fachbegriffe. Und meine Beispielfrau ist indische Ordensfrau einer anderen Gemeinschaft, die seit drei Jahren mit uns im Konvent lebt. Und wir leben zusammen und beten, und kochen und essen und feiern und spielen und putzen und waschen und machen alles zusammen, was das Leben ausmacht. Und wir lernen unendlich viel voneinander von der je anderen Kultur und Familientradition, von den anderen Kochkünsten und Traditionen und auch von der jeweils anderen geistlichen Prägung unserer Ordensgemeinschaften. Es ist ein Geben und Nehmen und ein Zusammenhalt, der gut tut. Und nein, sie ist nicht Nutznießerin des Gesundheitssystems, wie der Bundeskanzler kürzlich gegenüber einer Kinderärztin behauptet hat, sondern jemand, die sich, wie viele Hundertausende auch, für Kinder, Kranke und alte Menschen einsetzt und ihr Herzblut, ihre Kraft und Intelligenz einsetzt, um sie zu pflegen und zu unterstützen, in allem, was sie brauchen. Für die Gebetszeiten im Stundenbuch gibt es immer wieder Vorschläge, worum wir beten können. Und heute ist einer der Vorschläge: „Unser Tagewerk sei dir geweiht; - gib, dass wir nichts Böses tun und kein Unrecht gutheißen.“ Nichts Böses tun wollen, ist bei den meisten Menschen die normale Gewissensentscheidung und durch Erziehung und Bildung grundgelegt. Aber die Bitte, uns dabei zu helfen, dass wir kein Unrecht gutheißen, wird immer wichtiger. Das schweigende Hinwegsehen über vieles, was Unrecht ist, ist nicht christlich und bleibt eine Daueranfrage für jede und jeden Christen heute. | |||
| Unbewaffnet, aber nicht hilflos | 01 Sep 2026 | 00:04:53 | |
Heute ist der erste September. Eigentlich ein normales Datum. Eigentlich. Aber ehrlicherweise verbinde ich und viele Menschen hierzulande dieses Datum eher mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939. Das Datum ist eingebrannt in unsere Geschichte und in unser einzelnes und kollektives Gedächtnis. Seit den 50er Jahren ist er Antikriegstag und in den 2000ern hatte man das Gefühl, eine breite Friedenspolitik in Europa wird den Frieden auf lange Zeit sichern. Leider wissen wir seit den russischen Überfällen auf die Krim und die Ukraine, dass der Krieg wieder da ist und die Bedrohung wieder näher rückt. Eine wirkliche Friedenspolitik scheint nicht mehr möglich, wenn ein Aggressor nur durch militärische Gegenmacht aufzuhalten ist. Das ist echt entmutigend. Die Botschaft des Papstes zum kommenden Weltfriedenstag lädt die Menschheit dazu ein, die Logik von Gewalt und Krieg abzulehnen und sich für einen echten Frieden einzusetzen, der auf Liebe und Gerechtigkeit basiert. Jeden Tag werden Menschen in Kriegen und Bürgerkriegen verletzt oder getötet. Jeden Tag sterben Menschen an Hunger und Not oder auf der Flucht, verursacht durch Kriege und bewaffnete Gewalt.Viele mühen sich, wenigstens eine Waffenruhe herbeizuführen, eine Basis zu finden, auf der eine friedlichere Zukunft vor Ort aufgebaut werden kann. Oft, viel zu oft, scheint dies völlig nutzlos zu sein. Unsicherheit macht sich breit, Angst. „Was ist zu tun? Ist auch der Friede bei uns bedroht?“, fragen sich viele Menschen.Mitten hinein in diese Situation ruft Papst Leo uns die Friedensbotschaft 2026 zu: „Friede sei mit euch“. So lautet der erste Teil der Botschaft. Zunächst denkt man dann: Diese Botschaft klingt so weit, so wenig spektakulär. Aber die Botschaft geht weiter: „... auf dem Weg zu einem unbewaffneten und entwaffnenden Frieden“.Mit dem Geschenk des göttlichen Friedens, der auf Gerechtigkeit und Liebe aufbaut, ausgestattet, bin ich aufgefordert, mich auf den Weg zu machen – unbewaffnet, aber nicht hilflos und mit einem klaren Auftrag: für den entwaffnenden Frieden einzutreten und das meinige dafür zu tun, dass er Wirklichkeit werden kann: in Worten und Umgangsformen und in Taten, die friedlich und entgegenkommend sind, ohne Hass und Hetze. | |||
| Nicht als Besserwisser und Alleskönner | 31 Aug 2026 | 00:04:28 | |
Herzlich willkommen zum Gebet am Montag. Ich habe im Urlaub ein dickes Buch zum größten Teil, und hier zu Hause dann zu Ende gelesen. Es geht in diesem historischen Roman um den Dreikönigsschrein im Kölner Dom und seinen Erschaffer, einen Goldschmied aus Frankreich. Diese Geschichte hat mich entführt in die Zeit des 12. Jahrhunderts und das Leben in Köln und in Mitteleuropa damals, um viele echte handelnde und natürlich viele erdachte Personen dazu. Und die Zeitläufe damals waren verwirrend und zum Teil verstörend, geprägt von Kriegen und Feldzügen, von Machtspielen zwischen Erzbischöfen, Kaisern, Königen und Päpsten, zwischen Getreuen und Willkürlichen, zwischen Leben und Überleben, zwischen äußerer Frömmigkeit und wirklichem Glauben, zwischen Mord und Totschlag, zwischen Krankheiten und Katastrophen und Festen und Feierlichkeiten. Unglaublich vielfältig und atemlos scheinend. Und dazwischen dieser Goldschmied, der seinen Auftrag, diesen Dreikönigsschrein zu erschaffen, immer treu bleibt und mit vielen Stellen aus der Bibel seine Wahl der Personen belegt und immer wieder verteidigt, die auf den verschiedenen Seiten des Schreins erstehen sollen. Und an seinem Auftrag entlang erlebt er seinen Glauben und sein Zweifeln, wenn seine Frauen und Kinder ihn und seinen Glauben immer wieder auf die Probe stellen und er manchmal nicht mehr weiß, was wirklich gut und richtig ist. Und immer zwischendurch ist es mir leichtgefallen, Vergleiche zu ziehen zu heute und unserem Leben hier. In vielem, was wir tun und woran wir engagiert arbeiten, gibt es immer wieder Anfragen und Gegenwind und Unterstützung und Hilfe und immer wieder frage ich mich selbst an, wo und wie da meine Position ist. So ist Leben eben.Paulus schreibt in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth:"Als ich zu euch kam, kam ich nicht, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Zeugnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten. Zudem kam ich in Schwäche und in Furcht, zitternd und bebend zu euch." In Schwäche und Furcht, schreibt er, also nicht als Besserwisser und Alleskönner will er sein Zeugnis für Gott verbreiten und Christus verkünden. Das kommt dem Hauptdarsteller in meinem Buch und auch meinem und Deinem Verständnis von Leben aus dem Glauben wahrscheinlich ziemlich nahe. | |||
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