Erlebnisse, Erfahrungen und Einsichten, die ein Tierarztleben prägen. In unserem Podcast erzählen Tierärztinnen und Tierärzte über ihre besondere Leidenschaft zum Beruf. mensch:tierarzt ist ein Zeitdokument erlebter Geschichte(n) der Tiermedizin.
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Ein Stipendium von 280 Ost-Mark für das Tiermedizinstudium im sozialistischen Bruderstaat DDR war für Dr. Ousmane Coulibaly der Start in seinen Traumberuf. Ein Lebensweg von Sikasso (Mali) über Leipzig in die eigene Rinderpraxis in Velen im Westmünsterland: "Ich wollte keinen anderen Beruf machen."
Dr. Ousmane Coulibaly ist leidenschaftlicher Tierarzt. Mit 20 Jahren und ohne ein Wort Deutsch zu können, kam er als Abiturient aus Malis Hauptstadt Bamaku nach Leipzig. Doch das machte ihm „mehr Freude als Angst", denn endlich gab es eine Perspektive. Das Stipendium von 280 Ost-Mark für das Tiermedizinstudium im sozialistischen Bruderstaat, war für ihn der Start in seinen Traumberuf: "Man kann Rinderpraxis nur lernen, wenn man nicht auf die Zeit guckt. Ich habe gearbeitet und Spaß dran gehabt" – über 30 Jahre in eigener Praxis.
Darüber werden Sie was hören – Zeitstempel:
01:16Eine Kindheit in Mali mit 14 Geschwistern
02:57„Der Tierarzt gehörte bei uns zur High Society“
06:17Stipendium für ein Veterinärmedizinstudium im Sozialistischen Bruderstatt: "Endlich eine Perspektive"
10:10„Ich konnte kein einziges Wort Deutsch“ – von Sprachkursen, Kochen lernen und den Vorteilen des Französischen im Studium
15:00"Angst um meine Frau" – Ausreise mit einem Trick via Amsterdam
16:34"Ein guter Mann, aber …" – ein ‚schwarzer‘ Tierarzt im Münsterland
20:30"Fußballspielen, dann kommt die Integration automatisch"
24:051984 dann die eigene Gemischtpraxis mit Schwerpunkt Rind: „Ich habe gearbeitet und Spaß dran gehabt. Ich wollte keinen anderen Beruf machen."
Der Gesprächspartner
Dr. Ousman Coulibaly (geb. 1949) ist in Mali mit 14 Geschwistern aufgewachsen. Nach dem Abitur 1969 erhielt er ein Stipendium für ein Veterinärmedizinstudium in der DDR (Leipzig). 1976 ging er nicht zurück nach Mali, sondern in die Bundesrepublik und promovierte in Hannover über Milchhygiene.Seit 1980 arbeitet Dr. Coulibaly mit Schwerpunkt als Rinderpraktiker im Westmünsterland. Erst als Angestellter, dann ab 1984 für über 30 Jahre in eigener Praxis in Velen in Westfalen. Heute ist der 72jährige gelegentlich noch als Vertreter aktiv.
DVM Petra Senger: Eine Amtstierärztin und die Stunde Null der ASP in Deutschland
samedi 29 mai 2021 • Durée 42:12
9. September 2020, der Tag des ersten Nachweises der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland. "Das ist jetzt mein Leben" – DVM Petra Senger, Veterinäramtsleiterin im am schwersten betroffenen Oder-Spree-Kreis, berichtet über Überrraschungen trotz Krisenplänen, über Zaunbau, Bergeteams, Riesenerwartungshaltungen und Kommunikation mit Augenmaß.
Tierseuchenbekämpfung ist nichts für zartbesaitete – DVM Petra Senger spricht offen über die enormen Herausforderungen, den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Brandenburg unter Kontrolle zu bringen. "Man wächst mit seinen Aufgaben, aber manchmal fragt man sich, ob man soviel Wachstum eigentlich selber noch braucht". Es geht um Entschlusskraft, Pragmatismus und Augenmaß. Die Amtstierärztin berichtet über die Stunde Null der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland aber auch über die besonderen Herausforderungen für Tierärzte/innen, die im öffentlichen Veterinärdienst arbeiten.
Inzwischen sind auf der deutschen Seite der Grenze zu Polen über 1.200 ASP-Fälle bei Wildschweinen bestätigt, auf der polnischen Seite rund 5.000.
Darüber werden Sie was hören – Zeitstempel:
02:50Wie das Unvermeidliche doch überraschen kann
05:48Riesenerwartungshaltungen – über 1.400 unbeantwortete Anrufe auf dem Telefon an einem Tag
09:08Ein im Nachhinein „niedlicher“ 3-km-Radius um den ersten Ausbruchsort
12:50Wildschweine verstehen die Zäune – Menschen sind das Problem
15:40Kadaver entnehmen,Infektionsdruck senken – "was morgens gemeldet ist soll abends raus sein" – man braucht Helfer
18:39Wer eine verendende Rotte gesehen hat weiß, dass man alles dransetzen muss, um die Infektionskette zu beenden und weiteres Sterben zu verhindern
21:00Nach acht Monaten ganz vorsichtig optimistisch, doch: Zuwarten und Hoffen hilft nicht, man muss konsequent arbeiten, Entnahme ist das zwingende Mittel
23:32Das ist jetzt mein Leben – das muss man gerne machen wollen
25:46Die Kraft und Macht der Medien –
über Tatsachen offen berichten, aber nicht mutmassen
27:43Gab es politischen Druck?
29:05Vom "Ermessensspielraum" und den besonderen Anforderungen an Amtstierärzte im Spannungsfeld von Anfeindungen und Augemaß
33:11Die wichtigste Botschaft für junge Amtstierärzte – worauf bei der Berufswahl achten
Die Gesprächspartnerin
DVM Petra Senger hat es zu DDR-Zeiten eher durch Zufall in die Laufbahn als amtliche Tierärztin geführt. Inzwschen hat sie 35 Jahre Berufserfahrung mit einem Schwerpunkt in Tierseuchenbekämpfung. Seit November 2017 leitet sie die Veterinär- und Lebensmittelüberwachung im Landkreis Oder-Spree (Brandenburg). Mit 574 ASP-Nachweisen (Stand 28.2.2021) ist ihr Verantwortungsbereich bisher am stärksten von der Afrikanischen Schweinepest betroffen.Über ihre Erfahrungen mit der ASP-Bekämpfung berichtete Sie auf vielen Kanälen, u. a. hier. Vortragsfolien dazu finden Sie hier als PDF-Download und auch als Videoaufzeichnung (YouTube-Link).
Hintergrund:
Bisher über 1.200 ASP-Nachweise bei Wildschweinen in Deutschland
Der 9. September 2020 war der Tag, an dem sich das von vielen Experten als unvermeidlich bezeichnete realisierte: Das Landeslabor Berlin-Brandenburg wies erstmals das Virus der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland nach – bei einem tot aufgefundenen Wildschwein im Landkreis Spree-Neiße an der deutsch-polnischen Grenze.
Fotosammlung des Friedrich-Loeffler-Institutes zu ASP-Symptomen bei Schweinen
Weitere Funde in den sogenannten „Hotspots" Dorchetal und Neuzelle bedeuteten, dass in kurzer Zeit ein Sperrgebiet ausgewiesen werden musste, dass sich auf drei Landkreise erstreckt: Spree-Neiße, Oder Spree und Dahme-Spreewald.Ende September 2020 erfolgte eine weiterer ASP-Nachweis etwa 70 Kilometer nördlich im Landkreis Märkisch-Oderland. Damit musste ein 2. Kerngebiet eingerichtet werden.Und auch außerhalb des ersten Kerngebietes machte die Seuche einen 25 km-Sprung ins Landesinnere (siehe Karte unten),
Prof. Josef Kamphues (2): „Futtern und füttern macht Spaß“
samedi 15 mai 2021 • Durée 28:08
Für den Menschen das Beste, für die Tiere die Reste! In Teil 2 des Gespräches mit Prof. Kamphues geht es um dicke Ponies und adipöse Kleintiere, aber auch um Schlachtnebenprodukte und Großküchenabfälle als wertvolle Futterrohstoffe.
Rolf Nathaus spricht mit Prof. Josef Kamphues darüber, was uns zum Zuckerr treibt und warum Kauen mehr ist als Nahrung zerkleinern. Dann wird es politisch: „Für den Menschen das Beste, für die Tiere die Reste, das ist im Sinne der Nachhaltigkeit zwingend". Brauchen lebensmittelliefernde Tiere wirklich ein Futter in Lebensmittelqualität? Für Kamphues sind Schlachtnebenprodukte – mit Spezieswechsel – und Großküchenabfälle wertvollste Futterrohstoffe – und die BSE-Krise nur noch ein Alibi.
Im ersten Teil des Gespräches mit Prof. Kamphues ging es darum, was Hochschullehre und “gesattelte Schweine” gemeinsam haben? Und: Wieviel Bauernkind muss in einem Nutztierarzt stecken?
Teil 1 hier
Darüber werden Sie was hören – Zeitstempel:
01:05Futter ist mehr als Energie und Nährstoff
03:25Astronautenahrung – am besten hört das Schwein am Ende des Dünndarms auf
06:18Mit Zucker in uns was auf Sparkonto legen
09:34Für den Menschen das Beste, für die Tiere die Reste, das ist im Sinne der Nachhaltigkeit zwingend
12:36Wer Nebenprodukte füttert muss mitdenken
11:53Verbieten ist immer das Einfachste
17:58Bei der Verwertung von Resten darfst du nicht schädigen
20:06BSE war ein Alibi – jetzt haben alle Angst vor eigenen Courage
24:05Immer weniger Tierhalter - das macht mich nachdenklich
Der Gesprächspartner
Prof. Dr. Josef Kamphues – geboren 1952 als eines von 9 Kindern einer westfälischen Landwirtsfamilie hat in den 1970er Jahren zunächst Agrarwissenschaft in Bonn studiert und als Jahrgangsbester abgeschlossen. Das Studium der Veterinärmedizin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) schloss sich nahtlos an. Nach einem Abstecher an die FU-Berlin 1990, kehrt Josef Kamphues drei Jahre später wieder an die TiHo zurück und leitete dort bis 2019 des Institut für Tierernährung.
Das Gespräch mit Prof. Kamphues ist in zwei Episoden aufgeteilt. In Folge 1 geht es darum, was Hochschullehre und “gesattelte Schweine” gemeinsam haben? Und: Wieviel Bauernkind muss in einem Nutztierarzt stecken?
Teil 1 hier
Prof. Josef Kamphues (1): „Ich hätte gern mehr Widerspruch“
Tierärzte begehen – weltweit – überdurchschnittlich häufig Suizid. Was hilft? Vor allem offen darüber reden. Und Anlaufstellen mit Hilfsangeboten. Die gibt es international schon, in Deutschland aber noch nicht.
Eine Doktorandin (Kathrin Schwerdtfeger) gab 2016 den Anstoß, das Suizidrisiko bei Tierärzten hierzulande näher zu untersuchen. Rolf Nathaus fragt nach, was die jetzt vorliegenden Daten aus Deutschland sagen – und was man tun sollte? Die Professorinnen Mathab Bahramasoltani und Heide Glaesmer anworten.
Außerdem weiter unten auf dieser Seite: Weiterführende Informationen zu internationalen Aktionen (#NoOneMoreVet) und Hilfsangeboten für Tierärzte und Tierärztinnen.
Darüber werden Sie was hören – Zeitstempel
00:30Worum geht es – Einführung
02:30Initialzündung – das Interesse einer Doktorandin (Kathrin Schwerdtfeger)
03:50Deutsche Daten zum Suizidrisiko bei Tierärzten
05:50„Furchtlosigkeit vor dem Tod“
07:04Risikofaktor: “Für Heilen Geld nehmen (müssen)“
10:30Belastung durch Euthanasie – Grenzen akzeptieren
16:04Wichtiger Schlüssel Kommunikationskompetenz: Ethische Dilemma erklären können
18:39Souveränes Verhalten macht Situationen weniger belastend
21:50Keine Hilfsangebote in Deutschland
23:15100-Prozent hilfreich: Offen über Life-Balance reden
25:25Reden hilft: Tabuloser Umgang ohne Bange machen ist überfällig – das Fazit von Rolf Nathaus
Hintergrund dieses Gespräches ist diese Publikation (PDF) und die international immer größere Aufmerksamkeit für dieses Thema.
Die Gesprächspartnerinnen
Prof. Dr. Mathab Bahramsoltani lehrt am Institut für Veterinär-Anatomie der Freien Universität Berlin. Neben ihrem klassischen Aufgabenbereich hat sie einen weiteren Schwerpunkt auf das Thema "Kommunikation für Studierende der Veterinärmedizin" und Ausbildungsforschung gelegt.
Prof. Dr. Heide Glaesmer ist Psychologische Psychotherapeutin und arbeitet an der Abteilung für Medizinische Psychologie und Soziologie der Universität Leipzig. Ein Arbeitsschwerpunkt ist die analytische Epidemiologie depressiver Störungen und Suizidalität.
Hintergrund undweiterführende Links zum Thema
Mathab Bahramsoltani, Heide Glaesmer und Katrin Schwerdtfeger haben – soweit verfügbar – Daten für Deutschland erhoben. Ausgehend von einer Umfrage im Jahr 2016 haben sie 2020 im Deutschen Tierärzteblatt erste Ergebnisse (PDF-Download) veröffentlicht. Auf Fortbildungsveranstaltungen – zuletzt der Berlinder Tierärztlichen Gesellschaft – informieren sie jetzt über das Problem.Der Bund angestellter Tierärzte hat hier eine gute Zusammenfassung erstellt.Die im Podcast von Prof. Bahramsoltani angesprochene Untersuchung über das Lehrangebot im Bereich Kommunikation an den fünf deutschen Vetmed-Unis finden Sie hier.
Hashtag #NOMV in den USA
International geht man das erhöhte Suizidrisiko bei Tierärzten inzwischen sehr offensiv an. So erreicht die US-Hilfs-Aktion NotOneMorVet über Socialmedia (#NOMV) immer wieder neu Aufmerksamkeit für das Problem.
Aus den USA stammt auch die bisher umfangreichste Studie zu dem Thema. Veröffentlicht 2019 im Journal of the American Veterinary Medical Association, hat die CDC 398 Selbstmorde von Tierärzten untersucht. 75 Prozent waren Kleintierpraktiker.Der US-Tierärzteverband AVMA hat für Tierärzte inzwischen auch ein "Wellbeing-Toolkit" aufgesetzt
Vorbild Großbritannien
In Großbritannien gibt es gleich zwei Hilfsangebote für die Tierarztbranche:
vetlife hat vom rund um die Uhr besetzten Hilfe-Telefon über einen finanziellen Unterstützungsfond bis zur Mental-Health-Beratung ein umfangreiches Angebot aufgebaut.
VetMindMatters ist ein weiteres Projekt. Es geht um Mental-Health-Unterstützung für alle Beschäftigten in der Vet-Branche. Auf den Weg gebracht vom Royal College of Veterinary Surgeons (RCVS), wird Mind Matters inzwischen von neun Branchenverbänden getragen.
Medienecho in der Schweiz
Die Not der Hochleistungskühe: „Das kann doch wohl nicht wahr sein“