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Explorez tous les épisodes du podcast Matthias Zehnders Wochenkommentar

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Die Schweiz kappt die geistige Landesverteidigung04 Oct 202400:19:32

Die Schweiz hat, wie alle westlichen Länder, in den letzten Jahren die klassische Verteidigungsfähigkeit abgebaut. Jetzt versucht die Armee händeringend, die militärischen Löcher zu stopfen. Neu muss sie sich dabei nicht mehr nur um Land, See und Luft kümmern, sondern auch um den Weltraum. Der Nationalrat hat deshalb beschlossen, Beyond Gravity, die Weltraumfirma der Rüstungsfirma Ruag, aus Sicherheitsgründen zu behalten. Es könnte ein teures Engagement werden. Und dann gibt es da noch die fünfte Dimension der Auseinandersetzungen: Das ist der Informationsraum. Auf technischer Ebene hat die Schweiz in den letzten Jahren in die Cyberabwehr investiert. Ziel ist der Schutz kritischer Infrastrukturen und Systeme vor Cyberangriffen. Das ist die technische Ebene. Lange vorher beginnt das, was man als «Informationskrieg» bezeichnet: die Abwehr von manipulierten Informationen, Fake News und Desinformation. An Land, auf seinen Seen und in der Luft muss sich die Schweiz zwar besser rüsten, aber sie befindet sich im Frieden. Anders sieht das im Informationsraum aus: Russland und andere Akteure stecken längst mitten im Informationskrieg. Moskau will mit Desinformationskampagnen Zwietracht im Westen streuen. Anders als bei Artillerie und Flugabwehr ist die Schweiz im Informationsraum gut aufgestellt. Doch genau da will der Bundesrat jetzt den Rotstift ansetzen: Er hat «Swissinfo», den Auslanddienst der SRG, die Beiträge gestrichen und empfohlen, den Dienst einzustellen. Die Schweiz kappt mit anderen Worten die geistige Landesverteidigung. Ich frage mich: Warum?

Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI.
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Truman Capote und das mitfühlende Schreiben20 Sep 202400:14:42

Fast genau vor 100 Jahren ist im Süden der USA Truman Capote zur Welt gekommen. Wenn Sie ihn vor allem als Autor von «Frühstück bei Tiffany» kennen und Ihnen dabei Audrey Hepburn als Holly Golightly in den Sinn kommt, liegen Sie zwar richtig, Sie sind aber trotzdem auf der falschen Spur. Truman Capote konnte sich nie mit dem Film anfreunden. Capote hatte eine gesellschaftskritische Geschichte über ein Mädchen geschrieben, das sich in der Grossstadt verliert. Hollywood hatte daraus einen liebenswerten Film gemacht und der Story erst noch ein Happy End verpasst. Truman Capote hasste den Film. Er selbst stand für das Gegenteil einer seichten Hollywood-Geschichte. Er verband in seinem Schreiben akribische Recherche mit literarischem Erzählen. So entstand zum Beispiel «In Cold Blood», auf Deutsch «Kaltblütig», ein «nichtfiktionaler Roman». Später wurde dieser literarische Journalismus als «New Journalism» bezeichnet. Ich glaube, dass diese Art des Schreibens wieder wichtig werden wird. Gerade heute. Warum, das sage ich Ihnen diese Woche in meinem Wochenkommentar über Truman Capote und das mitfühlende Schreiben.

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Heimat, Hymnen und KI: So privat ist unsere Sprache28 Jun 202400:13:26

In der vergangenen Woche habe ich mich hier über das «Nationalgedöns» an der Fussball-EM geäussert, über Hymnen, Fahnen und Heimatgefühle. Das hat ein grosses Echo ausgelöst. Es gab viele positive Rückmeldungen, herzlichen Dank dafür, es haben mich aber auch viele kritische Zuschriften erreicht. Von: «Ich als Deutsche liebe unsere Hymne» über «Ihre Abneigung zu Hymnen verstehe ich nicht.» bis zu «Ganz ehrlich, Ihre kritische Haltung gegenüber Deutschland und seiner Hymne gegenüber finde ich sehr problematisch!» Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie emotional über Nationalhymnen diskutiert wird – und wie schnell es dabei um ganz grundsätzliche Themen geht. Themen wie Heimat, Nation und Vaterland. Wörter Wie «Heimat» und «Hymne» sind mit viel Bedeutung beladen – aber eben sehr individuell. Sie sind damit der beste Beweis dafür, dass das, was eine Künstliche Intelligenz mit Sprache anstellt, zwar beeindruckend ist, aber immer nur eine abstrakte Simulation bleibt. Mein Wochenkommentar über das Spiel der Sprache und die verzwickte Wahl, vor die uns die KI stellt.

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Wie wir uns die Hitzewelle schönreden24 Jun 202200:11:09

In den letzten Tagen war die Hitze das grosse Thema in den Medien: So heiss war es in der Schweiz wohl noch nie im Juni. Entsprechend intensiv wurde die Hitze thematisiert. Dabei fällt aber auf: Die meisten Medien in der Schweiz und in Deutschland haben die Hitzewelle mit fröhlich badenden Menschen illustriert. Kann man machen, ist ja nicht falsch. Aber es ist eine sehr einseitige Sicht. Die negativen Folgen der Hitze, ihre Gefahren und der Bezug zur Klimakrise werden dabei ausgeblendet. Zum Problem wird das, weil alle Medien, als hätten sie sich verabredet, zu ähnlichen Bildern greifen. Das Resultat ist ein starkes Framing der Hitzewelle. Ein Framing, das wohl keine Absicht ist, sondern das Resultat von Einfältigkeit auf den Redaktionen. In meinem Wochenkommentar zeige ich Ihnen diese Woche Beispiel für dieses Framing und ich sage Ihnen, wie Sie sich dagegen wehren können.
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Hat bei Google ein Computer Bewusstsein erlangt?17 Jun 202200:12:18

Blake Lemoine ist Softwareentwickler bei Google. Diese Woche hat Google Lemoine suspendiert: Er hatte in einem Interview behauptet, dass ein künstlich intelligentes Programm bei Google Bewusstsein erlangt habe. Lemoine verlangte deshalb, dass Google das Programm nicht mehr als Besitz, sondern als Mitarbeiter behandelt. Der Fall erlangte weltweit grosses Aufsehen. Die Medien waren sich einig: Der Mann täuscht sich. Computer können kein Bewusstsein haben. Das Problem ist: Es gibt keinen Weg, das definitiv festzustellen. In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen diese Woche, warum ich glaube, dass das ohnehin die falsche Frage ist. Wir sollten uns nicht länger überlegen, wie wir die Menschen vor sich bewusst werdenden Maschinen schützen können. Ich glaube, es ist umgekehrt: Wir sollten uns überlegen, wie wir die lernenden Maschinen vor den Menschen schützen können. 
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Brauchen wir Geisteswissenschafter? 10 Jun 202200:12:49

Noch selten hat sich jemand so spektakulär in die Nesseln gesetzt wie Wirtschaftshistorikerin Andrea Franc. In einem Interview in der «NZZ» hat sie erklärt, die Bildungsqualität an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten der Schweizer Universitäten und die Leistungsbereitschaft der Studierenden sei mangelhaft. Zudem würden zu viele Absolventen geisteswissenschaftlicher Fächer nach dem Studium nur Teilzeit arbeiten und so ihr Studium über Steuern nicht refinanzieren. Das Interview hat zu einer medienübergreifenden Debatte geführt. Der «Tages-Anzeiger» machte einen Fakten-Check dazu, Radio SRF sprach ihr die empirische Legitimation ab und dann drosch auch noch der «Nebelspalter» auf das Thema ein. Für mich ist die Sache mit den Geisteswissenschaftern ein Schulbeispiel. Nein, nicht darüber, wie gut Studenten der Geisteswissenschaften in der Schweiz sind, sondern wie die Medien arbeiten. Wie sie Fakten, Analyse und Meinung vermischen – und ihre Artikel oft von hinten, also von der Meinung her aufziehen. Grund genug, das etwas genauer anzuschauen.
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Wie kommt nur all der Hass ins Netz?03 Jun 202200:12:53

Mordaufrufe, Beleidigungen, Rassismus, Sexismus – das Internet ist voller Hass. Die grossen Plattformen werden den gefährlichen Inhalten kaum Herr. Facebook etwa kann laut internen Dokumenten nur gerade etwa jeden 20. Hasskommentar beseitigen. Hass im Netz ist ansteckend. Ein erster Hass-Kommentar zieht meist weitere nach. Manche stimmen einfach zu, andere setzen noch einen drauf. Das lockt die Medien auf den Plan und wenn die erst mal berichten, gehts erst richtig los. Und wissen Sie, wer daran schuld ist? Sie! Und ich. Wir alle. Die Art und Weise, wie wir das Netz und seine Plattformen nutzen, ist daran schuld. Warum das so ist und was wir dagegen tun können, das sage ich Ihnen diese Woche in meinem Wochenkommentar über den Hass im Netz.
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Die Angst der Sportreporter vor Wiederholungen27 May 202200:11:38

Dieses Wochenende geht die Schweizer Fussballmeisterschaft zu Ende. Die nationalen Ligen, die schon lange nicht mehr so heissen, machen untereinander noch aus, ob eine weitere Mannschaft auf- oder absteigt. Das Ende der Meisterschaft ist mir Anlass, auf einen speziellen Aspekt der Berichterstattung zurückzuschauen: die Angst der Sportreporter vor Wiederholungen. Es ist eine Angst, die spezielle Blüten treibt, denn gerade die Sportberichterstattung ist von Wiederholungen geprägt. Bekanntlich dauert ein Fussballspiel immer 90 Minuten und das Ziel bleibt immer dasselbe: Das Runde muss im Eckigen untergebracht werden. Dabei wäre es gar nicht nötig, Wortwiederholungen auf Teufel komm raus zu vermeiden. Die sprachliche Energie wäre anderswo besser investiert. In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen diese Woche, wie Sie, auch ohne Wortwiederholungen zu vermeiden, zu einer starken Sprache kommen.
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Aufklärung 2.0 – haben die Medien es vergeigt? 20 May 202200:12:02

Wie Hammerschläge trafen mich die Fragen der Schülerinnen und Schüler des Philosophieschwerpunkts: Machen uns die Medien klüger? Werden wir durch Aufklärung und Information bessere Menschen? Glauben Sie daran, dass wir an unserer Zukunft etwas ändern können? Ich sass auf der Bühne in der Aula des Gymnasiums und kam ins Schwitzen. Thema des Nachmittags war die philosophische Aufklärung. Oder genauer: die «Aufklärung 2.0». Zentrale Fragen: Leben wir in einem aufgeklärten Zeitalter? Inwiefern wird unsere Gesellschaft den Idealen der Aufklärung gerecht? Welche Rolle spielen dabei die Medien und die Informationsbeschaffung im digitalen Zeitalter? Ich habe die Fragen einigermassen zu beantworten oder zu parieren versucht. Sie haben mich aber danach noch lange beschäftigt. In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen deshalb diese Woche, was ich den Schülerinnen und Schülern eigentlich gerne gesagt hätte.
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Ist der Journalismus in der Schweiz am Ende?13 May 202200:16:34

Exodus beim Schweizer Radio und Fernsehen: In den letzten Monaten haben eine ganze Reihe bekannter und beliebter Moderator:innen gekündigt und das Haus verlassen. Auch vielen Verlagshäusern kehren Journalistinnen und Journalisten den Rücken. Und zwar immer mehr endgültig: Viele wechseln in die Kommunikationsabteilung von Firmen oder zu Institutionen und in die Verwaltung. Der einstige Traumberuf ist offenbar für viele zum Alptraum geworden. Was ist da los? In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen diese Woche, was dahinter steckt, warum das gar nicht so schlimm ist und die Wechsel eigentlich eine gute Nachricht sind. Trotzdem verliert die Medienbranche auf diese Weise viel Erfahrung. Das ist schade, weil die Probleme der Branche in der Schweiz deshalb noch grösser werden. Dabei wäre es gar nicht so schwierig, etwas dagegen zu tun. Für die Medienhäuser nicht – und auch für Sie nicht, liebe Leserin, lieber Leser.

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Das grösste Problem für die Meinungsfreiheit06 May 202200:15:10

Elon Musk ist kein Kind der Traurigkeit, wenn es darum geht, online für etwas Aufregung zu sorgen. Selbst für Elons Massstäbe war die Aufregung aber gross, als er ankündigte, dass er für 44 Milliarden Dollar Twitter kaufen und da die Meinungsfreiheit wiederherstellen wolle. Er erntete mit der Ankündigung grossen Applaus von der extremen Rechten in Amerika – und sorgte für grosse Sorgenfalten bei den Liberalen. Diese Woche hat nun die Organisation Reporter ohne Grenzen für Schlagzeilen gesorgt: Die Schweiz ist in der Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 14 gefallen. Dass die Meinungs- und Medienfreiheit in Ländern wie Russland, China oder der Türkei nicht existiert, das ist uns allen klar. Aber haben wir wirklich Probleme mit der Meinungsfreiheit in den USA? Ist die Pressefreiheit in der Schweiz unter Druck? Die Antwort gebe ich Ihnen in meinem Wochenkommentar. Sie lautet: Ja, aber nicht so, wie Sie jetzt vielleicht meinen. 

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Wie glaubwürdig sind die Medien?29 Apr 202200:13:47

Letzte Woche habe ich mich an dieser Stelle über die fatale Wirksamkeit der russischen Propaganda geäussert. Dazu haben mich eine Reihe von Fragen und Kommentaren erreicht. Es sind zwei Fragen und eine Feststellung: Was ist mit der Nato – verbreitet die nicht auch Propaganda? Zweite Frage: Wie viel Geld investieren die USA für Propaganda in europäischen Ländern? Und die Feststellung: Unsere Medien sind auch nicht mehr glaubwürdig. Vor allem diese Feststellung hat mich beschäftigt. Sind die Medien wirklich nicht mehr glaubwürdig? Waren sie früher glaubwürdiger? In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen, warum ich meine, dass die Fragen nach der amerikanischen Propaganda und die Glaubwürdigkeit der Medien zusammenhängen. Aber nicht so, wie sie jetzt vielleicht meinen.

Textversion: https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/glaubwuerdigkeit-der-medien/

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Gibt es Rezepte gegen die russische Propaganda?22 Apr 202200:14:28

Von der russischen Propaganda ist derzeit oft die Rede. Es sorgt bei uns für Kopfschütteln, wenn der russische Aussenminister nach dem Überfall der russischen Armee auf die Ukraine behauptet, sein Land sei nicht in der Ukraine einmarschiert. Es sorgt für Entsetzen, wenn Putin die Morde von Butscha nicht ächtet, sondern im Gegenteil die beteiligten Truppen auszeichnet. Doch Studien zeigen, dass Putins Propaganda auch bei uns wirkt. Vor allem bei Jugendlichen und jungen Menschen. Das ist kein Wunder: Russland investiert in Europa pro Jahr über eine Milliarde Euro in die Propaganda. Der Westen reagiert weitgehend ratlos. Sind wir der russischen Propaganda tatsächlich hilflos ausgeliefert? Gibt es Gegenmittel? Wie können wir uns wehren und junge Menschen davor schützen? Darüber denke ich diese Woche in meinem Wochenkommentar über Propaganda nach. 
https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/rezepte-gegen-propaganda/

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Fussball, Fahnen, Fanatismus – tut uns das wirklich gut?21 Jun 202400:13:16

Wenn ein volles Fussballstadion die deutsche Nationalhymne grölt, wird mir ganz anders. Zwar ist nicht mehr von «Deutschland über alles» die Rede, sondern von «Einigkeit und Recht und Freiheit», aber schon in der zweiten Zeile folgt dann zuverlässig das «deutsche Vaterland». Ich frage mich jedes Mal: Muss das wirklich sein? Die Fahnen und Flaggen, die Hymnen und das ganze Nationalgedöns? Schon unter normalen Umständen ist mir das zu viel. Dieses Jahr ist es besonders heikel: Der Anstoss zu den Europameisterschaften erfolgte nur gerade eine Woche, nachdem bei den Europawahlen in Deutschland, Frankreich und Italien Rechtspopulisten triumphierten. Giesst der Fussball mit den Länderspielen Öl ins Feuer der Nationen? Für die Linke ist der Fall klar: «Warum uns euer Fahnengeschwenke ankotzt!», ist ein Positionspapier der «Linksjugend» überschrieben. Sie lehne «jede Form des Nationalismus klar ab!», schreiben die deutschen Jungpolitiker. Aber ist es wirklich Nationalismus, wenn ein Stadion «Deutschland» brüllt, – oder «Italia», «Türkiye» oder gar «Hopp Schwiiz»? Anders gefragt: Schadet es Europa, wenn seine Länder auf dem Rasen gegeneinander antreten? Mein Wochenkommentar zu Fussball und Nationalismus.

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Die fürchterliche Gewöhnung an das Fürchterliche08 Apr 202200:12:52

Die Nachrichten und die Bilder, die uns diese Woche aus Butscha erreicht haben, lassen mich nicht mehr los. Wie können Menschen anderen Menschen so etwas antun? Wie können Männer so grausam werden? Mittlerweile haben uns weitere Nachrichten über Massaker an der Zivilbevölkerung, über Plünderungen und Vergewaltigungen erreicht, zum Beispiel aus Borodjanka. Und ich stelle fest: Wir haben uns auch an diesen Grad der Fürchterlichkeit bereits gewöhnt. Die erste Rakete, der erste Angriff, das erste Massaker holt Aufmerksamkeit, danach tritt rasch eine Gewöhnung ein, eine Gewöhnung an das Fürchterliche. Wie können wir, wie können die Medien damit umgehen? Wie können wir verhindern, dass wir uns an die Gräuel gewöhnen?
https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/gewoehnung-an-das-fuerchterliche/

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Ukraine: Krieg gegen die Kultur01 Apr 202200:09:19

Wir sehen immer wieder schreckliche Bilder vom Krieg in der Ukraine. Ausgebombte Menschen, Städte in Trümmern, verletzte, ja tote Kinder. Trotzdem sind es manchmal die kleinen Dinge, die einem unter die Haut gehen. Mich hat diese Woche ein Bild besonders berührt, das Bürger dabei zeigt, wie sie Sandsäcke rund um ein Denkmal aufschichten und so versuchen, die Statue vor Bomben und Granaten zu schützen. Das Bild symbolisiert für mich die Sinnlosigkeit und Schrecklichkeit des Krieges: Warum sollte jemand ein Denkmal zerstören? Das Bild führt uns mit Macht vor Augen, um was es in diesem Krieg eigentlich geht: Die russische Armee will die Ukraine zerstören – und das heisst: die ukrainische Kultur vernichten. Die Ukraine will um jeden Preis als Land überleben – und das heisst: die ukrainische Kultur um jeden Preis zu erhalten. Die Bürger mit den Sandsäcken schützen also nicht einfach eine Statue, sie schützen ihre Identität. Was heisst das für uns? Für unseren Umgang mit unserer eigenen Kultur? Darüber mehr diese Woche in meinem Wochenkommentar über den Krieg gegen die Kultur.

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Wie sich unser Bild des Kriegs verändert25 Mar 202200:11:13

Für uns alle sind Bilder von Kriegen nichts Neues. In der Berichterstattung von Fernsehen, Printmedien und Internet, aber auch im Kino haben Kriegsbilder schon immer eine grosse Rolle gespielt. In den meisten Fällen standen dabei aber Soldaten im Zentrum: kämpfende Helden, Flugzeuge, Maschinengewehre, Helikopter. Und immer wieder starke Männer mit schweren Waffen. Im Ukraine-Krieg ist das anders: Diesen Krieg erleben wir in den Medien sehr viel stärker aus der Perspektive der Zivilbevölkerung. Wir sehen Frauen und Männer in Kellern und auf der Flucht. Und wir sehen zerschossene und zerbombte Häuser. In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen, warum diese Fotos das Bild demaskieren, das wir uns bisher von Kriegen gemacht haben. Sie werden unser Bild von Kriegen grundsätzlich verändern. Ich hoffe es jedenfalls.

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Warum wir dem Doomscrolling verfallen sind18 Mar 202200:11:17

Können Sie das Smartphone kaum mehr aus der Hand legen? Verfolgen Sie die Nachrichten aus der Ukraine im Minutentakt? Wechseln Sie nur noch zwischen Livetickern und Newsangeboten über den Krieg? Sie sind nicht allein: Das Phänomen heisst «Doomscrolling», also etwa «Untergangsblättern». Und das ist in diesen Tagen sehr verbreitet. Schuld ist die Evolution. Einmal mehr. Schlechte Nachrichten waren für unser Überleben als Spezies schlicht wichtiger als gute. Die Medien machen sich das seit jeher zu Nutzen und zeigen vor allem schlechte Nachrichten. Das heisst aber nicht, dass Sie sich dem Doomscrolling zum Krieg ausliefern müssen. In meinem Wochenkommentar erkläre ich Ihnen, wie unser Gehirn auf schlechte Nachrichten reagiert, wie die Medien das ausnutzen und wie Sie dem Doomscrolling entkommen können. Gerade jetzt.


Meine Podcast-Tipps: https://www.matthiaszehnder.ch/leben-digital/fuenf-empfehlenswerte-podcasts-ueber-den-ukraine-krieg/

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Wie wir den Informationskrieg überstehen11 Mar 202200:13:22

Zwei Wochen, nachdem Russland die Ukraine überfallen hat, stecken wir alle mitten im Krieg – im Informationskrieg. Russland will mit allen Mitteln die eigene Bevölkerung informationell einlullen und versucht langsam, in der Welt das Gift des Zweifels zu streuen. Interessant ist, dass auch bei uns das russische Narrativ bereits wieder Aufwind erhält. Sichtbar wurde das diese Woche sogar im Nationalrat während der Debatte über den Beitritt der Schweiz in den Sicherheitsrat der Uno. Als Propagandist für Russland betätigte sich dabei Roger Köppel. Aber auch in den sozialen Medien mehren sich die Kommentare, die den «Russenhass» des Westens beklagen. Täter-Opfer-Umkehr nennt man das. Schutzwesten und Bunker gibt es nicht im Informationskrieg. Wie also sollen wir uns verhalten? In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen, wie wir den Informationskrieg überstehen.

Textversion mit allen Quellen: https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/informationskrieg-ueberstehen/

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Der Krieg in den Medien04 Mar 202200:11:28

Es ist schrecklich. Russland hat die Ukraine überfallen. Panzer rollen durch die Städte. Artilleriegeschosse zertrümmern Wohnhäuser. Soldaten marschieren. Es herrscht Krieg. Hier, bei uns in Europa. Kaum haben wir die Coronakrise halbwegs überwunden, sitzen wir wieder am Bildschirm, vor dem Fernseher oder am Radio und verfolgen entsetzt die Nachrichten. Wieder ist es schwierig, sich aus den vielen, sich überstürzenden Einzelteilen ein Bild zu machen. Wieder ist es anspruchsvoll, sich einerseits vielseitig zu informieren und sich andererseits vor FakeNews und vergifteten Narrativen zu schützen. Wieder droht menschliches Leid im Frühstücksfernsehen zur Unterhaltung zu verkommen – und doch können und sollen wir uns den Nachrichten nicht verschliessen. Wie können wir uns sinnvoll informieren? Mein Wochenkommentar zum Krieg in den Medien. 

Meine Quellen:

«BBC News»: https://www.bbc.com/news 

«Spiegel»: https://www.spiegel.de/ 

«Zeit»: https://www.zeit.de/thema/krieg-in-ukraine 

«Echo der Zeit»: https://www.srf.ch/audio/echo-der-zeit 

SRF News: https://www.srf.ch/news/ukraine-krieg 


Quelle über Russland:

«Dekoder.org»: https://www.dekoder.org/de 

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Die Schweiz vergisst ihre digitale Infrastruktur25 Feb 202200:12:08

Es gab Zeiten, da wurde die Schweiz international für ihre Infrastruktur bewundert. Strassen, Bahnen, Brücken – in der Schweiz hat es funktioniert. Dann kamen Internet und Mobilfunk und mit ihnen die Digitalisierung. Und die Schweiz redet immer noch nur über Strassen und Parkplätze. Dabei wäre gerade die Schweiz abhängig davon, dass sie über eine möglichst gute digitale Infrastruktur verfügt. Ich zeige Ihnen heute anhand von drei Beispielen, wie schief der digitale Segen in der Schweiz hängt. Es wird Zeit, dass unsere Politiker sich von ihrem Parkplatzfimmel befreien und sich in die digitale Welt einklinken. Unsere Zukunft hängt davon ab.

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Abschied von der medialen Landesversorgung18 Feb 202200:19:26

Die Schweizer Stimmbevölkerung hat am letzten Wochenende das eidgenössische Paket zur Medienförderung versenkt. So langsam lichten sich die Staubwolken und es fragt sich: Was passiert jetzt? Wie wird sich diese Medienlandschaft in der Schweiz weiterentwickeln? Das Problem dabei: Ohne Leistungen abzubauen, können die Medien kaum mehr Kosten einsparen. Und neue Einnahmen sind nicht in Sicht, es sei denn, die Politik lasse sich vor den Karren der Grossverlage spannen und führe eine Google-Steuer ein, also ein Schweizer Leistungsschutzrecht. Doch das wäre schädlicher als jede staatliche Subvention. Wie geht es also weiter mit den Medien in der Schweiz? 

Textversion mit Quellen: https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/abschied-von-der-medialen-landesversorgung/

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Ist Geld eine Religion?11 Feb 202200:15:02

Dieser Tage habe ich Besuch vom Schweizer Dokumentarfilmer und Regisseur Hercli Bundi erhalten. Bundi ist daran, einen Film über das Geld zu drehen. Eine Frage war: Ist Geld eine Religion? Es ist eine verführerische Frage. Gerade in der Schweiz, wo viele Banken auch architektonisch an Tempel erinnern und es als Sakrileg gilt, den Rappen nicht zu ehren. Aber ist es so einfach? Zusammen mit Industriepfarrerin Delphine Conzelmann habe ich versucht, einige der Fragen von Hercli Bundi zu beantworten und bin dabei ins Grübeln gekommen. Ins Grübeln über das Geld. Unsere Gesellschaft ist auf Geld gebaut, – doch da, wo das Geld sein sollte, klafft eine Leerstelle. Denn was Geld genau ist, das lässt sich gar nicht so einfach sagen. Also doch ein Fall für die Pfarrerin? In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen, warum ich meine, dass das Geld nicht in ihr, sondern in mein Fach fällt – und was das für uns alle bedeutet. 

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In der Hand amerikanischer Tech-Firmen04 Feb 202200:12:33

30 Milliarden Dollar – das ist etwa fünfmal so viel, wie die Schweiz für Kampfflugzeuge ausgeben will oder die Hälfte des ganzen Jahresumsatzes von Roche. Also richtig viel Geld. 30 Milliarden Dollar – um so viel ist das Vermögen von Mark Zuckerberg diese Woche geschrumpft: Mr. Facebook hat so viel Geld verloren, weil der Aktienkurs seiner Firma eingebrochen ist. Facebook oder «Meta», wie der Konzern mittlerweile heisst, hat aus Sicht der Anleger die besten Tage hinter sich. Die Schweizer Medien haben diese Nachricht gross und auch etwas hämisch vermeldet. Sie haben uns dabei vergessen lassen, dass wir im Internet mehr denn je in der Hand von fünf grossen amerikanischen Tech-Firmen sind. Das liegt zum Teil in der Natur der digitalen Welt. Es liegt aber auch daran, dass wir Europäer im Allgemeinen und wir Schweizer im Besondern unser digitales Schicksal nicht selbst in die Hände nehmen. Dabei gäbe es durchaus Mittel, die Dominanz der amerikanischen Big Five zu brechen.

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Unser rasender Stillstand: atemlos, aber wirkungslos14 Jun 202400:15:53

Diese Woche habe ich eine sehr nette Rückmeldung zu meinen Wochenkommentaren erhalten: Die Person schrieb mir, es sei für sie jeweils der journalistische Höhepunkt der Woche. Herzlichen Dank dafür. Aber dann kam eine Bemerkung, die mich ins Grübeln brachte. Die Person schrieb, dass der Text manchmal etwas atemlos klinge, als wäre er ohne Punkt und Komma geschrieben und gelesen. Das Wort «atemlos» blieb mir hängen. Atemlos. Ich habe tatsächlich Angst, zu langsam zu schreiben, zu langsam zu sprechen, zu langsam zu sein, zu wenig zu tun, zu wenig effizient zu sein. Die Folge ist  Atemlosigkeit. Goethe warnte vor dem Veloziferischen, jener Beschleunigung, die ebenso teuflisch wie verführerisch ist. Sie führt zu dem, was Paul Virilio den «rasenden Stillstand» nennt. Ich glaube, wir stecken mittendrin: in einer auf Effizienz und Geschwindigkeit getrimmten Welt im rasenden Stillstand. Mein Wochenkommentar zu unserer Atemlosigkeit – meiner eigenen und die der Gesellschaft um mich herum.

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Die Mär von den Staatsmedien21 Jan 202200:14:14

Am 13. Februar stimmt die Schweiz über einen Ausbau der Medienförderung ab. Die Diskussion darüber hat diese Woche die heisse Phase erreicht. Ich habe das Paket und den medienökonomischen Hintergrund mehrfach analysiert und kommentiert. Persönlich plädiere ich für die Medienförderung, es gibt selbstverständlich aber auch sachliche Argumente dagegen. Etwa, dass die Förderung einzelne Businessmodelle ausschliesst. Kein Argument ist jedoch der Vorwurf, wer von Medienförderung profitiere, werde zum «Staatsmedium». Ich zeige Ihnen, warum das Schreckbild von den «Staatsmedien» dumm, lächerlich und irreführend ist. «Staatsmedien» sind keine reale Gefahr, sondern ideologische Propaganda. Der Vorwurf lenkt womöglich im Gegenteil vom eigentlichen Problem ab. 

Textversion:  https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/die-maer-von-den-staatsmedien/

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Die leeren Versprechen der Technologiebranche14 Jan 202200:16:06

Technologiekonzerne sind bekannt für ihre vollmundigen Versprechen – und dafür, dass viele der Versprechen nie eingelöst werden. Eigentlich sollten wir das alle mittlerweile wissen. Trotzdem fallen wir immer wieder darauf herein und freuen uns auf sensationelle Neuigkeiten oder lassen uns über Mängel hinwegtrösten mit dem Hinweis darauf, dass all diese Probleme spätestens demnächst gelöst sein werden. Auch in diesem Jahr gibt es eine Reihe von Zukunftsversprechen, die heuer garantiert nicht eintreten werden. Ich habe Ihnen vier grosse und vier kleine dieser Versprechen zusammengestellt. Technologieversprechen, die auch 2022 garantiert nicht eingelöst werden.

https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/die-leeren-versprechen-der-technologiebranche/

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Was uns 2022 beschäftigen wird07 Jan 202200:17:07

Unsere Welt ist von Technik geprägt – und die Technik von Produkten. In den Ausblicken auf das neue Jahr ist deshalb oft von Produkten und ihren Herstellern die Rede. Viele Medien fallen auf diese Weise auf die Werbung der Technologiefirmen herein. Interessanter als einzelne Produkte sind die Themen dahinter. Die grundsätzlichen Entwicklungen, was die Technik mit den Menschen macht – manchmal auch die Schattenseiten des Fortschritts. Ich sage Ihnen deshalb, welche grundsätzlichen Themen uns 2022 beschäftigen werden. Mein Gebiet, das ist das Schnittfeld von Medien, Digitalisierung und Philosophie. Ich nenne Ihnen deshalb zehn Themen aus diesem Bereich für das Jahr 2022 – zehn Begriffe, die uns dieses Jahr noch beschäftigen werden.

Textversion mit Quellen:  https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/was-uns-2022-beschaeftigen-wird/

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Mein Fragebogen 202124 Dec 202100:07:29

Wie immer am Ende des Jahres besteht mein letzter Wochenkommentar vor Weihnachten aus einem Fragebogen, diesmal mit Fragen rund um das Thema Wahrheit und Wirklichkeit. Den eigentlichen Kommentar schreibe also heute nicht ich, der entsteht beim Lesen in Ihrem Kopf. Ich meine, die Welt hat zu viele Antworten, vor allem zu viele einfache Antworten, die von sich behaupten, auf jeden Fall richtig zu sein. Wichtiger als diese erschlagenden Antworten ist es mir, Fragen zu stellen. Fragen, die das Denken in Bewegung setzen – und so zu denken geben. In diesem Sinne: Denken Sie gut.

Textversion: https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/mein-fragebogen-2021/

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Staatskommunikation zwischen Information und Propaganda17 Dec 202100:15:07

Letzte Woche habe ich an dieser Stelle die Corona-Kommunikation des Bundes kritisiert: Das BAG erreicht mit trockenen und komplizierten Texten nur einen Bruchteil der Bevölkerung. Ich bin überzeugt, dass das BAG alle Menschen ansprechen sollte und deshalb auch emotional kommunizieren muss. Mir wurde deshalb vorgeworfen, dass ich Staatspropaganda befürworte. Schauen wir uns deshalb die Rolle des Staates in der Kommunikation genauer an: Inwiefern darf, ja muss der Staat kommunizieren? Gelten in einer Pandemie andere Regeln als sonst? Darf oder muss der Staat sogar zum Propaganda-Hammer greifen? Und was bedeutet das für die Medien?

Textversion: https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/staatskommunikation-zwischen-information-und-propaganda/

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Die grossen Mängel in der Corona-Kommunikation des Bundes10 Dec 202100:16:46

Die Schweiz macht in der Pandemie eine schlechte Falle: Wir haben eine der tiefsten Impfquoten in Westeuropa und auch beim Boostern hinken wir allen anderen hinterher. Ein Grund dafür könnte die Corona-Kommunikation des Bundes sein: Das BAG setzt in seinen Kampagnen nämlich ausschliesslich auf Information, die meist auch noch juristisch ausdifferenziert ist. Eine emotionale Kommunikation mit Aufrufcharakter für das Impfen oder für andere Verhaltensregeln gibt es nicht. Das BAG kommuniziert also nur auf der Sachebene – die emotionale Ebene bleibt offen. Es gibt in der Schweiz deshalb eine Art Aufruf-Vakuum. Das hat verheerende Folgen: Die Medien sehen sich bemüssigt, das Vakuum zu füllen, statt sich kritisch mit dem Bund auseinanderzusetzen. Und die Bevölkerung weiss ob all der Regeln kaum, wo ihr der Kopf steht. Ich vermute, hinter der Corona-Kommunikation des Bundes steckt ein tiefgreifendes Missverständnis. Schuld daran sind wohl Juristen. 
Textversion: https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/corona-kommunikation-des-bundes/

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Die Industrialisierung der Inhalte 03 Dec 202100:12:24

Hörerinnen und Hörer der Nachrichten von Radio SRF haben diese Woche Radiogeschichte miterlebt: Am Mittwoch, 1. Dezember, um 10 Uhr hat Radio SRF zum letzten Mal Nachrichten aus Bern gesendet. Das Nachrichtenstudio ist neu in Zürich angesiedelt: Die stündlichen Nachrichten und SRF4 werden seit Mittwoch um 11 Uhr aus dem Newsroom in Zürich Leutschenbach gesendet. Die Konzentration der Nachrichtenleute von SRF in Zürich ist Ausdruck einer etwas paradoxen Entwicklung: Die Digitalisierung hat die Medien aus den starren industriellen Produktionsprozessen des 20. Jahrhunderts befreit – jetzt hält die Industrialisierung auf der Ebene der Inhalte Einzug. Anders lässt sich die Vielfalt der digitalen Kanäle nicht mehr bespielen. Dabei gerät gern in Vergessenheit, dass es gerade in der digitalen Welt vor allem auf eines ankommt: auf gute, neue Ideen. Und die lassen sich durch industrialisierte Prozesse nicht herbeizwingen.

Textversion: https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/die-industrialisierung-der-inhalte/

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Wie toxisch sind Soziale Medien?26 Nov 202100:16:54

Facebook schürt Hass. Instagram schadet Mädchen. Soziale Medien fördern Gewalt in Entwicklungsländern. Diese Vorwürfe machen seit Mitte September unter dem Titel «Facebook Files» Schlagzeilen. Ich habe diese Woche einen Vortrag über die Enthüllungen gehalten und mir deshalb die Vorwürfe noch einmal genauer angesehen. Dabei bin ich zu drei erstaunlichen Feststellungen gekommen. 1) Das alles ist nicht neu – ganz im Gegenteil. 2) Die negativen Seiten der Sozialen Medien infizieren die seriösen Medien, auch in der Schweiz. 3) Das Problem ist nicht einfach Facebook – wir Menschen sind das Problem. Wir sind biologisch und ganz grundsätzlich den sozialen Medien schlicht nicht gewachsen. Was nun?

Buchzusammenfassungen:
https://www.matthiaszehnder.ch/buchtipp/inside-facebook/

https://www.matthiaszehnder.ch/buchtipp/die-datendiktatur/

https://www.matthiaszehnder.ch/buchtipp/von-der-steinzeit-ins-internet/

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Rechte nicht nur für Primaten, sondern auch für Roboter19 Nov 202100:13:59

Diese Woche hat der Grosse Rat des Kantons Basel-Stadt die Volksinitiative «Grundrechte für Primaten» beraten. Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob Menschenaffen mehr Rechte erhalten sollen. Die Grundfrage dahinter lautet: Ist es richtig, dass bestimmte Rechte nur den Menschen zukommen? Wer darüber nachdenkt, stösst rasch auf die nächste Frage: Sollen bald auch Roboter Rechte erhalten? Zwischen Primaten und Robotern wird das Feld für uns Menschen enger. Es stellt sich die Frage, was uns Menschen eigentlich auszeichnet – und welche Konsequenzen eine Ausweitung der Grundrechte auf andere für die Menschen hätte. Das Basler Parlament wollte sich mit dieser Frage nicht beschäftigen. Holen wir das nach.
Textversion: https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/rechte-fuer-roboter/

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Warum die virtuelle Realität ein grosses Missverständnis ist12 Nov 202100:14:15

In den vergangenen Wochen habe ich mich hier mit Wahrheit und Wirklichkeit beschäftigt und dabei etwas ausser acht gelassen: die virtuelle Wirklichkeit. Und diese Virtual Reality (VR) ist zurzeit wieder hoch im Kurs. Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist sich so sicher, seine VR-Version «Metaverse» sei das nächste grosse Ding, dass er gleich den ganzen Facebook-Konzern danach neu benannt hat: Die Firma hinter Instagram und Facebook heisst jetzt «Meta». Sein «Metaversum» soll uns nicht bloss eine neuartige, virtuelle Wirklichkeit bringen. Es soll das Internet, wie wir es kennen, ablösen. Grosse Versprechungen. Was kommt da auf uns zu?
Textversion mit Quellen: https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/warum-die-virtuelle-realitaet-ein-grosses-missverstaendnis-ist/

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Die geheimnisvolle Kraft des Lesens07 Jun 202400:14:48

Letzte Woche habe ich Ihnen im Rahmen meiner Buchtipps den neuen Roman von Percival Everett vorgestellt: «James» erzählt die Geschichte von Huckleberry Finn neu aus der Sicht des schwarzen Sklaven. Bei Mark Twain hiess er Jim, bei Everett nennt er sich James und er ist gebildet. Nach der Lektüre ging mir eine Stelle im Buch nicht mehr aus dem Kopf. James denkt darin über die Kraft des Lesens nach. Eine Kraft, die sich, wie bei Salma Rushdie und einer ganzen Reihe anderer Schriftsteller, auch gegen den Autor wenden kann. Bei uns hat das Lesen in den letzten Jahren ständig an Stellenwert verloren. Die Lesekompetenz der Jugendlichen war schlecht und ist mittlerweile miserabel. Bei den Erwachsenen sieht es noch düsterer aus. Von der befreienden, ja subversiven Kraft des Lesens ist kaum die Rede. Dafür gibt es jede Menge Tipps zu Speed Reading und zu Leselern-Apps und neuerdings kann man sich Bücher auch von plappernden KI-Programmen erschliessen lassen. Ich glaube, was das Lesen angeht, sind wir auf dem Holzweg. Wir sollten eher darüber nachdenken, vor dem Lesen zu warnen. In meinem Wochenkommentar erkläre ich Ihnen diese Woche, was die geheimnisvolle Kraft des Lesens ausmacht.

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Warum Wahrheit eine Glaubenssache ist05 Nov 202100:13:33

Letzte Woche habe ich an dieser Stelle erklärt, warum Medien nicht so ohne weiteres gegen Fake News helfen. Das grösste Problem habe ich dabei aber ausser Acht gelassen. Wenn wir uns mit Fake News und Desinformation beschäftigen, gehen wir davon aus, dass eine Information wahr oder falsch ist. Schwarz, oder weiss. Und dann sehen wir uns in der Realität mit ganz viel Grau konfrontiert und fragen uns, woher all das Grau gekommen ist. Die Antwort: Es hat mit der Natur der Wahrheit zu tun. Denn in Wahrheit ist die Sache mit der Wahrheit nicht so einfach. Dazu müssen wir zusammen kurz in die Philosophie eintauchen – ein kleiner Crashkurs zur Konstruktion von Wahrheit. Sind Sie bereit?

Textversion mit Quellen: https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/warum-wahrheit-eine-glaubenssache-ist/

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Warum uns Medien nicht vor Fake News schützen29 Oct 202100:11:57

Mit der Corona-Pandemie sind Falsch- und Desinformation, kurz: Fake News, auch in der Schweiz angekommen. Das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Studie des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög), die diese Woche veröffentlicht worden sind. Das Fög bezeichnet journalistische Medien als «wesentliche Bestandteile des Abwehrdispositivs gegen Desinformation». Doch stimmt das? Sind die Medien tatsächlich dazu in der Lage, Fake News den Garaus zu machen? Und sind sie auch bereit dazu? Ich habe da grosse Zweifel. Das heisst nicht, dass Medien in einer demokratischen Gesellschaft nicht von zentraler Wichtigkeit wären. Wir können den Kampf gegen Falschinformation aber nicht einfach an die Medien delegieren.
Textversion mit Quellen:  https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/warum-uns-medien-nicht-vor-fake-news-schuetzen/

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Medienförderung – eine Auslegeordnung22 Oct 202100:16:47

Am 13. Februar 2022 stimmen wir in der Schweiz über die Medienförderung ab. Genauer: über das Massnahmenpaket des Bundesrats zugunsten der Medien. Aber die Verkürzung auf Medienförderung stimmt schon: Wenn dieser mühsam erarbeitete Kompromiss abgelehnt wird, dann ist die Medienförderung in der Schweiz für längere Zeit vom Tisch. Wohl deshalb gehen Gegner und Befürworter des Gesetzes schon jetzt mit scharfen Worten aufeinander los. Gegner reden von «Subventionsjägern» und «Staatsmedien», Befürworter von einem «Ja zur Meinungsfreiheit», weil die Demokratie starke Medien brauche. Beides stimmt so sicher nicht. Es ist Zeit, mit kühlem Kopf eine Auslegeordnung zu machen.
 
Textversion mit Quellen:  https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/medienfoerderung-eine-auslegeordnung/

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Schweizer Zeitungen geht das Papier aus – eine Chance15 Oct 202100:12:31

Gedruckte Schweizer Zeitungen müssen bis Ende Oktober ihren Umfang reduzieren. Der Grund: Ein Brand in einer Papierfabrik führt dazu, dass die Verlage zu wenig Papier haben. Weil Zeitungspapier in ganz Europa knapp ist, können die Verlage das fehlende Papier nicht einfach durch Importe kompensieren. Ob «Tages-Anzeiger», «Basler Zeitung» oder «NZZ», «Migros Magazin» oder «Coopzeitung» – sie alle müssen nun den Gürtel enger schnallen. Entsprechend lacht das Internet über die Druckbranche. Zu Unrecht. Denn die digitale Welt unterliegt ähnlichen Problemen – und sie lebt im Irrglauben, dass mehr zu produzieren besser sei. Dabei täte gerade den digitalen Medien etwas Selbstbeschränkung und mehr Konzentration auf das Wesentliche gut. Der grösste Engpass sind nämlich weder die Papiervorräte der Druckereien noch die Chips der Digitalindustrie. Es ist die Aufmerksamkeit oder einfacher: die Zeit der Menschen.

Textversion und Quellen: https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/schweizer-zeitungen-geht-das-papier-aus-eine-chance/

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Ist Facebook wirklich so böse?08 Oct 202100:14:08

Nein, das war keine gute Woche für Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Eine ehemalige Mitarbeiterin beschuldigte Facebook, gezielt Wut und Empörung zu schüren und bewusst Teenagern zu schaden. Und das nicht irgendwo, sondern im Rahmen eines Hearings vor dem US-Senat. Dann ging bei einem Computerupdate etwas schief und die Facebook-Angebote fielen sechs Stunden lang aus – die Welt erlebte live, wie wichtig die Angebote des Konzerns in vielen Bereichen sind. Politiker in den USA und in Europa fordern deshalb eine stärkere Regulierung oder sogar eine Aufspaltung des Facebook-Konzerns. Medien und Politik sind sich einig: Facebook ist, salopp gesagt, böse. Aber ist es wirklich so einfach?

Textversion: https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/ist-facebook-wirklich-so-boese/

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Die grosse Krise des Vertrauens17 Sep 202100:13:58

Ein Punkt verblüfft mich immer wieder in dieser Pandemie: dass Menschen, die keinerlei medizinische Ausbildung genossen haben, besser Bescheid wissen wollen über das Virus als Virologen, Epidemiologen oder Immunologen. Sie glauben schlicht nicht, was Fachleute sagen. Wie kommt es, dass ausgerechnet in einer medizinischen Krise manche Menschen ihrem Nachbarn eher glauben als ihrem Arzt? Dass die Facebook-Bekanntschaft mehr Vertrauen geniesst als die Virologin? Offensichtlich gibt es eine grosse Gruppe von Menschen, die kein Vertrauen haben in die Wissenschaft, in Institutionen – und in die Medien. Warum nur? Auf der Suche nach dem verlorengegangenen Vertrauen.
Textversion: https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/die-grosse-krise-des-vertrauens/

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Wie Terror unser Denken besetzt und was wir dagegen tun können10 Sep 202100:10:36

Vor 20 Jahren haben Terroristen zwei Flugzeuge ins World Trade Center in New York gesteuert und die Türme damit zum Einsturz gebracht. Die Bilder der Anschläge von «9/11»haben sich in unserem kollektiven Gedächtnis eingebrannt und unsere Medien sorgen dafür, dass das auch so bleibt. Damit erreichen die Terroristen genau das, was sie erzielen wollen: Terroristen wollen nicht unser Land, sie wollen unser Denken besetzen. In den Medien haben sie willige Komplizen gefunden. Was können wir dagegen tun? Die Augen schliessen? Nicht mehr darüber berichten? Gibt es andere Wege? Hören Sie Matthias Zehnders Wochenkommentar über die Anschläge von 9/11 und die Medien.

Textversion mit Quellenangaben: https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/wie-terror-unser-denken-besetzt/

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Algorithmen: Denn wir wissen nicht, was sie tun03 Sep 202100:15:22

In digitalen Medien spielen Algorithmen und künstlich intelligente Systeme eine immer grössere Rolle. Das führt zu zwei grossen Problemen. Erstens wissen viele Benutzer:innen nicht, dass das, was sie da sehen, nicht von Menschenhand stammt. Aber auch wenn es ihnen bewusst ist, dass da ein Computer am Werk ist, bleiben zweitens die Regeln, nach denen der Algorithmus arbeitet, meistens im Dunkeln. Wir brauchen deshalb in der Publizistik eine doppelte Transparenz: Eine Kennzeichnungspflicht von maschinell generierten oder gruppierten Inhalten und eine Transparenzpflicht bezüglich der grundsätzlichen Funktionsweise von publizistischen Robotern. Denn wir wissen nicht, was sie tun.

 Textversion: https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/algorithmen/

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Wie den Medien die Kultur abhandengekommen ist27 Aug 202100:17:36

Es ist eine Klage, die ich immer wieder höre: «Wir kommen einfach nicht mehr in der Zeitung». Es ist die Klage der Kulturschaffenden. Und zwar nicht etwa nur des Kleintheaters oder des Zwölftonmusikers. Der letzte, der mir das geklagt hat, war Josef Helfenstein, Direktor des Kunstmuseums Basel. Sie können nichts dafür, die Museen, die Orchester, die Theater, die Schriftsteller, dass die Zeitungen sie nicht mehr beachten. Schuld ist die Medienentwicklung der letzten Jahre. Ich habe darüber diese Woche an einer Tagung von Swissfoundation und des Bundesamts für Kultur im Rahmen einer Keynote gesprochen – ich lasse Sie auf diesem Weg an meinen Überlegungen teilhaben, wie es dazu gekommen ist, dass den Medien die Kultur abhandengekommen ist.

Textversion: https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/wie-den-medien-die-kultur-abhandengekommen-ist/

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Warum wir eine digitale Ethik brauchen20 Aug 202100:14:41

Bindestrich-Philosophie hat einen schlechten Ruf. Das gilt auch für die Ethik: Ob Medizin-Ethik, Tier-Ethik oder Öko-Ethik – letztlich ist es immer Ethik, angewandt auf ein Sachgebiet. Auf den ersten Blick sieht auch die digitale Ethik nach einer dieser Bindestrich-Philosophien aus. Doch die Digitalisierung fordert uns Menschen grundsätzlicher heraus. Man könnte sogar sagen: Sie entzieht in manchen Bereichen dem Menschsein den Boden. Zudem führt die digitale Ethik einen ganz neuen Aspekt ein: Wir müssen nicht nur für Menschen ethische Regeln entwickeln, sondern auch für Maschinen und uns deshalb aus einer ganz neuen Perspektive mit ethischen Fragen beschäftigen. Ich habe diese Woche an der Berner Fachhochschule BFH Student:innen einen ganzen Tag lang eingeführt in die digitale Ethik – einige grundsätzliche Gedanken teile ich auf diesem Weg auch mit Ihnen.

Textversion: https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/warum-wir-eine-digitale-ethik-brauchen/

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Kafka lesen – eine Anleitung31 May 202400:14:40

Vor 100 Jahren, am 3. Juni 1924, starb Franz Kafka. Das ist nicht zu übersehen: Die Flut an Büchern, Filmen und Hörstücken über Franz Kafka ist gigantisch. Sein schmales Werk wird davon geradezu erdrückt. Bisheriger Höhepunkt im 100. Todesjahr: eine sechsteilige Fernsehserie von ARD und ORF, geschrieben vom Schriftsteller Daniel Kehlmann, mit dem Schweizer Schauspieler Joel Basman in der Titelrolle. Kafka gilt, wie Mozart, als Unvollendeter, als zu früh verstorbenes Genie. Kafka ist als Aussenseiter, als geheimnisvoller Autor der «Verwandlung», als Unverstandener zur Figur der Popwelt geworden. Kein Wunder, dass ihn Andy Warhol in leuchtendem Blau vor schwarzem Hintergrund  portraitierte. Dem Autor Kafka bekommt die Verehrung nicht: Sein Werk droht hinter all den Biografien, Darstellungen und Devotionalien zum Klassiker zu verblassen, dem sich junge Leserinnen und Leser nur noch im Unterricht und mit Interpretationshilfen nähern. Dabei ist das gar nicht nötig. In meinem Wochenkommentar gebe ich Ihnen diese Woche deshalb eine kleine Anleitung für das Lesen von Kafka.

Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI.
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Wie unser Gehirn uns in die Informationsfalle lockt13 Aug 202100:11:53

Warum hören wir Nachrichten, schauen die «Tagesschau», lesen wir diese oder jene Zeitung? Klar: Ein Teil aller Medien dient schlicht der Unterhaltung, das gilt auch für die Nachrichten. Aber was ist mit den Informationen? Informieren wir uns, damit wir uns richtig entscheiden können – oder suchen wir vielmehr die zu unseren Entscheidungen passenden Informationen? Einiges deutet auf Letzteres hin. Das zeigt sich gerade in der Pandemie: Informationen, und seien sie noch so gut, sind kaum in der Lage, eine vorgefasste Haltung zu erschüttern. Ich sage Ihnen heute, warum das so ist und zeige Ihnen Wege, wie wir aus der Falle finden, die unser eigenes Gehirn uns stellt.

Textversion: https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/wie-unser-gehirn-uns-in-die-informationsfalle-lockt/

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Wie die SVP die Medien hackt. Schon wieder.06 Aug 202100:13:04

Es ist das klassische Spiel mit Provokation und Empörung: Die SVP hämmert verbal drauflos und die Medien reagieren prompt – und wie gewünscht. So wieder geschehen am 1. August: Die SVP bewirtschaftet den Stand-Land-Graben und drischt auf die Städte ein. Die Medien greifen die Story sofort auf. Der «Blick» macht sogar eine Stadt-Land-Graben-Serie daraus. Das Problem dabei ist nicht die SVP – die ist halt so und das ist ihr gutes Recht. Das Problem ist, wie willfährig die Medien sich in den Dienst der Partei stellen und die Provokation ein zu eins weiterverbreiten. Kein Zweifel: Die SVP ist Zucker für die Medien.

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Zum 1. August: Wie frei ist die digitale Schweiz?30 Jul 202100:14:52

Am Sonntag feiert die Schweiz den ersten August, den Nationalfeiertag. Landauf landab wird dabei die Freiheit und die Unabhängigkeit der Schweiz gepriesen, die Kraft des Schweizer Volkes zur Selbstbestimmung, die Unbeugsamkeit gegenüber fremden Herren und Richtern. So wie immer. Etwas jedoch ist anders: In der Pandemie hat auch die Schweiz einen nie da gewesenen Digitalisierungsschub erlebt. Ich frage mich deshalb anlässlich unseres Nationalfeiertags, wie frei und unabhängig ist die digitale Schweiz? Wie selbstbestimmt können die Schweizer:innen in der digitalen Welt leben?  

 

Videoversion: https://youtu.be/R1sxbidD06U

Textversion: https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/wie-frei-ist-die-digitale-schweiz/

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