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| Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus (1/16) | 27 Jul 2025 | 00:27:34 | |
"Der letzte Gang nach Sizilien war vielleicht der erste ganz freie Entschluss von einiger Bedeutung." – So schreibt Johann Gottfried Seume über seine neunmonatige Wanderung nach Syrakus. Dem Leipziger Lektor Johann Gottfried Seume wird es zu Hause zu eng, wohl nicht zuletzt aufgrund einer unglücklichen Herzensangelegenheit – und so machte er sich am 9. Dezember 1801 mit seinem gepackten Rucksack vom sächsischen Grimma auf den Weg bis an den südlichsten Zipfel Europas. Seume nimmt uns mit auf seine Wanderung: Wir begleiten seine Etappen, Erlebnisse und Beobachtungen, von Dresden über Prag, Wien und Rom bis nach Syrakus auf der Insel Sizilien. Es liest Gert Heidenreich. Das Audio ist online bis zum 18.08.2026.
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| Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus (2/16) | 27 Jul 2025 | 00:25:24 | |
Johann Gottfried Seume war 38 Jahre alt, als er sich aufmachte zu seinem langen Fußweg zur Südspitze Europas. Ein schwieriges und mühevolles Leben lag damals bereits hinter ihm – mit 17 Jahren gerät Seume in die Hände von Militärwerbern und wird mit als Söldner nach Amerika verkauft. Und diese Erfahrungen waren es wohl, die Seumes Wirklichkeitssinn schärften und ihn die soziale und politische Realität Italiens so unbefangen und kritisch betrachten ließen. Sein großer Spaziergang beginnt im Dezember 1801, im strengen Winter. Es war nicht nur in physischer Hinsicht ein extremes Wagnis, ein heute kaum nachvollziehbares Abenteuer. Vor Seume lag ein Fußweg von rund 3000 Kilometern, durch Kälte und Schnee über Gebirge und Wasserläufe, ständig bedroht durch Straßenräuber und Banditen. Seume ging zunächst mit einem Freund, dem Maler Hans Schnorr, und der Weg führte sie von Dresden nach Prag. Es liest Gert Heidenreich. Das Audio ist online bis zum 18.08.2026.
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| Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus (11/16) | 27 Jul 2025 | 00:26:37 | |
Seume zog 1802 durch ein von den napoleonischen Kriegen verwüstetes Italien – er findet fast alle italienischen Provinzen im Zustand der Verwahrlosung vor. Ein Großteil der Bevölkerung hungert, Verbrechen sind an der Tagesordnung und der Klerus hält das Volk in abergläubischer Abhängigkeit. Seume sieht die Ursache dieses Zustands, im Unterschied zu anderen Italienreisenden vor und nach ihm, nicht in der Mentalität der Italiener, in einer angeborenen Neigung zur Faulheit, zum dolce far niente. Er sucht die Ursachen vielmehr in den sozialen Gegebenheiten. Seume macht auf seiner Reise einen Lernprozess durch, der sich in seiner Beschreibung nachzeichnen lässt. Es liest Gert Heidenreich. Das Audio ist online bis zum 18.08.2026.
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| Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus (12/16) | 27 Jul 2025 | 00:26:09 | |
Der Spaziergänger hat Sizilien durchwandert, hat Syrakus, die Stadt an der Südspitze der Insel, und damit das Ziel seiner Reise erreicht. Dort macht er kehrt und läuft zurück. Nicht immer auf denselben Wegen. Rom, die ewige Stadt und die Stadt der Päpste, liegt allerdings auch diesmal auf seinem Weg und von hier hörten wir zuletzt die Schilderung vom Begräbnis des Papstes und vom Elend der Bettler. Überhaupt beschreibt Seume den Kirchenstaat als Paradies der Straßenräuber, die mit Billigung der Kirche und oft unter ihrem Schutz ihr finsteres Gewerbe treiben, auf Kosten der Armen. Auf die Kunstschätze Roms wirft Seume bei diesem zweiten Aufenthalt nur einen flüchtigen Blick. Es liest Gert Heidenreich. Das Audio ist online bis zum 18.08.2026.
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| Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus (13/16) | 27 Jul 2025 | 00:26:08 | |
Seume sagte einmal, er meine, jedes gute Buch müsse, näher oder entfernter, politisch sein. Der Schriftsteller und Publizist Wilhelm Hausenstein gab 1912 eine große Seume-Auswahl heraus – seine Fassung des "Spaziergangs nach Syrakus" liegt unserer Lesung zugrunde. Er schrieb über Seume: "Der Patriot Seume ist ohne den radikalen Demokraten Seume nicht denkbar. Man muss den Demokraten Seume offenbaren, wenn man den Patrioten Seume erklären will. Seume liebte sein Vaterland heiß, aber er liebte nicht das Vaterland wie es war, sondern das Vaterland, das er ersehnte, ein Vaterland der staatsbürgerlichen Gleichheit. Dem Vaterland wie es war, dem Vaterland des Feudalismus, stand er als Hasser, Verneiner, Zerstörer gegenüber. Er schrieb: 'Meine Hoffnung als Deutscher finde ich nur in der Zerstörung.'" Gehen wir zum Spaziergang zurück, der den Wanderer auf dem Rückweg nach Zürich geführt hat. Hier setzen die Notizen ein, die Gert Heidenreich nun vorlesen wird. Das Audio ist online bis zum 18.08.2026.
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| Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus (14/16) | 27 Jul 2025 | 00:26:39 | |
Seumes Spaziergang geht in seine vorletzte Etappe, von Zürich nach Paris. Die Schilderung seines Aufenthaltes in der französischen Hauptstadt gehört zu den wohl berühmtesten Passagen des Buches. Die geschichtliche Entwicklung Frankreichs beflügelt Seume, der im August 1802 nach Paris kommt, zu einer glänzenden Analyse des Konsuls unter französischen Verhältnisse. Es sind Passagen, denen man in der politischen Literatur Deutschlands in jener Zeit wenig Vergleichbares an die Seite stellen kann. Hören Sie wieder Gert Heidenreich, zunächst mit Eintragungen, die Seume noch dem Züricher Kapitel zugeordnet hat. Das Audio ist online bis zum 18.08.2026.
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| Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus (15/16) | 27 Jul 2025 | 00:28:26 | |
Seume ist nun, wie wir zuletzt hörten, auf seinem Rückweg von Syrakus nach Dresden über Zürich nach Paris gelangt, in die französische Hauptstadt, wo Bonaparte, der erst 33 Jahre alte Korse, als erster Konsul der Republik amtiert. Der Kern von Seumes Notizen enthält seine Auseinandersetzung mit dem vormals bewunderten Stadthalter der Revolution und nachmaligen Kaiser der Franzosen. Es liest Gert Heidenreich. Das Audio ist online bis zum 18.08.2026.
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| Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus (16/16) | 27 Jul 2025 | 00:26:30 | |
Er ist nun noch Epilog des Buches und umreißt den Fußweg Seumes von Paris ins heimatliche Dresden. Dort entstand nach Seumes Rückkehr in nur wenigen Monaten das große Reisebuch, gestützt auf Tagebuchnotizen und Briefe, die er von der Reise geschrieben hatte. Es liest nun noch einmal Gert Heidenreich. Das Audio ist online bis zum 18.08.2026.
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| Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus (3/16) | 27 Jul 2025 | 00:26:36 | |
Seume ging im Jahr 1802 nach Italien, anderthalb Jahrzehnte nach Goethe. Aber sein Reisebuch erschien bereits 1803 – knapp anderthalb Jahrzehnte vor Goethes italienischer Reise. Die beiden klassischen deutschen Italienbücher sind oft miteinander verglichen worden, dennoch wurde Seume zum unbekannten Klassiker. Von Dresden aus ist er über Prag nach Wien gelangt, in die Residenz des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, vier Jahre bevor Napoleon es liquidierte. Napoleons Truppen stehen damals noch in Italien, aber der Schatten des Konsuls fällt schon über die Alpen, auf Wien und das Reich. Es liest Gert Heidenreich. Das Audio ist online bis zum 18.08.2026.
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| Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus (4/16) | 27 Jul 2025 | 00:27:10 | |
Warum ging Seume nach Italien? Warum nahm er den beschwerlichen Fußmarsch von 3000 Kilometern auf sich? Die Philologen haben die Frage nicht vollständig klären können. In einem Brief, geschrieben in Wien am Silvestertag 1801, schon von seinem Spaziergang heißt es: "Der Gang ist lange Zeit eine meiner Lieblingsträumereien gewesen. Wenn ich länger warte, werden meine Haare grau, meine Knochen morsch und vielleicht auch mein Mut klein. Und ich fürchte mich vor nichts so sehr als vor Kleinmut." Seume hat auch bemerkt, dass er sich "bei seiner Tätigkeit als Korrektor im Verlag Göschen zusammengesessen hat und das Zwerchfell wieder etwas auseinander wandeln will." Am 9. Dezember brach Seume also auf, das Jahresende verbrachte er, wie erwähnt, in Wien. Von dort ging es dann weiter über Graz und Laibach nach Triest. Von hier ist die nächste Aufzeichnung datiert. Es liest Gert Heidenreich. Das Audio ist online bis zum 18.08.2026.
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| Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus (5/16) | 27 Jul 2025 | 00:26:55 | |
"Wer geht, sieht im Durchschnitt anthropologisch und kosmisch mehr, als wer fährt", schreibt Seume in einem späteren Reisebuch. Und das unterscheidet ihn von Goethes italienischer Reise – dieser war mit der Kutsche unterwegs. "Ich halte den Gang für das Ehrenvollste und Selbstständigste in dem Manne und bin der Meinung, dass alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge. Wo alles zu viel fährt, geht alles sehr schlecht." Auf seinem langen Spaziergang, der in Dresden begann, ist Seume, wie wir hörten, endlich nach Italien gelangt. Die folgenden Notizen werden in Bologna zu Papier gebracht, auch diesmal in Form eines an einen Freund in der Heimat adressierten Tagebuchs. Es liest Gert Heidenreich. Das Audio ist online bis zum 18.08.2026.
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| Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus (6/16) | 27 Jul 2025 | 00:27:18 | |
Auf seinem Spaziergang ist Seume, wie wir zuletzt hörten, inzwischen nach Rom gelangt, in die ewige Stadt, die nicht weniger, das heiß ersehnte erste Ziel seiner Reise war als bei Goethe. In Rom hat Seume die folgenden Notizen zu Papier gebracht, die die letzten Stationen seines Weges beschreiben. Es liest Gert Heidenreich. Das Audio ist online bis zum 18.08.2026.
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| Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus (7/16) | 27 Jul 2025 | 00:26:26 | |
Seume beschreibt den Weg von Rom nach Neapel, der ihn, den Fußgänger, an die Ufer des Flusses Garigliano führt. Dort bieten ihm zahlreiche Maultiertreiber ihre Dienste an, und zwar so nachhaltig und aufdringlich, dass er eine Wegstrecke auf dem Rücken eines Maultieres inmitten einer Karawane zurückzulegen gezwungen ist. Es liest Gert Heidenreich. Das Audio ist online bis zum 18.08.2026.
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| Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus (8/16) | 27 Jul 2025 | 00:27:29 | |
Unser Spaziergänger ist nun auf Sizilien angekommen und nah dem Ziel seiner Reise, der Stadt Syrakus, an der Südspitze der Insel. Seume richtete den Blick auf die soziale Realität Italiens. Besonders seine Eindrücke aus Sizilien mögen ihn in seiner politisch-radikalen, jakobinischen und antiklerikalen Haltung bestärkt haben. Mit seiner Seele suchte Seume das Land der Griechen: Er trug eine ganze Bibliothek der antiken klassischen Schriftsteller im Rucksack mit sich. Davon wird gerade im nächsten Abschnitt zu hören sein, in dem Seume eine Probe seiner Übersetzungskunst gibt. Und zwar aus Theokrit, einem seiner Lieblingsautoren, der im dritten Jahrhundert vor Christus in Syrakus lebte und als Ahnherr der bukolischen Dichtung gilt. Doch hören Sie wieder Gert Heidenreich mit Seumes Notaten, die er in Palermo zu Papier bringt. Das Audio ist online bis zum 18.08.2026.
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| Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus (9/16) | 27 Jul 2025 | 00:28:10 | |
Unser Spaziergänger ist, so hörten wir zuletzt, auf Sizilien angelangt. Von Palermo ist er über Agrigent nach Syrakus gegangen, voller Empörung über das Elend der Menschen und ihre Armut. "Die Insel sieht im Innern furchtbar aus. Hier und da sind einige Stellen bebaut, aber das Ganze ist eine Wüste, die ich in Amerika kaum so schrecklich gesehen habe. Ich blickte fluchend rund um mich her über den reichen Boden und hätte in diesem Augenblick alle sizilischen Baron und Äbte mit den Ministern an ihrer Spitze ohne Barmherzigkeit vor die Kartätsche stellen können." Dann erreicht Seume Syrakus, wo er knapp anmerkt: "Dies ist also das Ziel meines Spazierganges und nun gehe ich mit einigen kleinen Umschweifen wieder nach Hause." In Syrakus sind auch die folgenden Notizen zu Papier gebracht. Es liest Gert Heidenreich. Das Audio ist online bis zum 18.08.2026.
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| Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus (10/16) | 27 Jul 2025 | 00:28:19 | |
Der Spaziergänger hat, wie wir zuletzt hörten, das Ziel seines Weges erreicht, die Stadt Syrakus an der Südspitze Siziliens, und von dort aus hatte er den Rückweg in die sächsische Heimat nach Dresden angetreten, teilweise jedoch, wie sich zeigen wird, auf anderen Wegen und Umwegen als während des ersten Teils seiner Reise. Von Seumes Polemik gegen Kirche und Klerus haben wir schon früher einige Proben erlebt, und dieses Thema steht auch im Mittelpunkt des folgenden Leserabschnitts. Es liest Gert Heidenreich. Das Audio ist online bis zum 18.08.2026.
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| Henry David Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern (1/11) | 18 Aug 2025 | 00:22:03 | |
Wir beginnen heute mit der Lesung des Buches „Walden oder Leben in den Wäldern“ von Henry David Thoreau. Er war einer der ersten großen Visionäre eines „anderen“ Amerika. Mitte des 19. Jahrhunderts lebte er für zweieinhalb Jahre allein in einer selbstgebauten Hütte am Waldensee in Massachusetts. Thoreau praktizierte die große Verweigerung - und inspirierte damit die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und Generationen von Aussteigern. Menschen auf Sinnsuche fasziniert er bis heute. „Ökonomie“ heißt das erste und zugleich grundlegende Kapitel. Er berichtet von seinen Motiven, die ihn zum radikalen Schritt in die Einsamkeit gebracht haben. Es liest der Schauspieler und Hörspielsprecher Günter König in einer Produktion von Radio Bremen aus dem Jahr 1984.
Das Audio ist online bis zum 02.09.2026.
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| Henry David Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern (2/11) | 18 Aug 2025 | 00:23:00 | |
Im ersten Kapitel seines Buches erzählt Thoreau, warum er Mitte des 19. Jahrhunderts sein bürgerliches Leben aufgegeben hat. Er hat sich am Waldensee selbst ein Blockhaus gebaut. Dort – in der Nähe der Stadt Concord im US-Bundesstaat Massachusetts – lebt er zweieinhalb Jahre als Einsiedler. In dieser Folge schildert er, wie er es mit einer Axt und 28 Dollar zum Hausbesitzer gebracht hat. Das Audio ist online bis zum 02.09.2026.
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| Henry David Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern (11/11) | 18 Aug 2025 | 00:25:00 | |
Zweieinhalb Jahre hat Henry David Thoreau am einsamen Waldensee gelebt, nachdem er 1845 dem Lehrerberuf den Rücken gekehrt hatte. Im Lauf unserer Lesung haben wir ihn bei seinen Beobachtungen und Reflektionen einmal durch alle Jahreszeiten begleitet. Im letzten Kapitel seines Buches fasst Thoreau seine Überlegungen noch einmal in einer Art Glaubens-, oder besser: Lebensbekenntnis zusammen. Die Inschrift am Apollo-Tempel zu Delphi „Erkenne dich selbst“ wird neu, wird amerikanisch formuliert: Seid für die Welt in euch selbst ein Kolumbus - und eröffnet neue Straßen, nicht für den Handel, sondern für die Gedanken. Das Audio ist online bis zum 02.09.2026.
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| Henry David Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern (3/11) | 18 Aug 2025 | 00:25:02 | |
Wir haben bereits gehört, warum sich der amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau 1845 aus seiner bürgerlichen Existenz an den einsamen Waldensee zurückgezogen hat. Im Kapitel „Wo und Wofür ich lebte“ schildert Thoreau seinen Einzug in die selbst gebaute Hütte. Er genießt das einfache Leben - denn er beabsichtigt nicht, wie er schreibt, eine Ode an die Niedergeschlagenheit zu singen, sondern so vergnügt wie der Hahn am frühen Morgen zu krähen. Das Audio ist online bis zum 02.09.2026.
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| Henry David Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern (4/11) | 18 Aug 2025 | 00:25:27 | |
Thoreau hat 1845 seinen Lehrerberuf aufgegeben und sich für zweieinhalb Jahre an den einsamen Waldensee in der Nähe der Stadt Concord zurückgezogen. In den ersten Kapiteln schreibt er über seine Motive. Er schildert den Bau seines Blockhauses und stellt Überlegungen zum „wirklichen Leben“ an. Das folgende Kapitel trägt die Überschrift „Töne“. Alle Sinne werden geschärft, schriebt Thoreau, wenn der Mensch nicht gezwungen ist, mit dem Kopf oder den Händen zu arbeiten. Das Audio ist online bis zum 02.09.2026.
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| Henry David Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern (5/11) | 18 Aug 2025 | 00:22:12 | |
Henry David Thoreau hat 1845 sein bürgerliches Leben aufgegeben und sich eine Hütte am Waldensee gezimmert. Wir haben schon gehört, wie er dort so nah wie möglich an der Natur zu leben versucht. In der heutigen Lesung preist Thoreau die Einsamkeit. Sie ermöglicht ungestörte Naturbeobachtungen. Gesellschaft vermisst Thoreau kaum. Wir sind meistens einsamer, wenn wir hinausgehen unter die Menschen, als wenn wir in unserem Zimmer bleiben, schreibt er. Das Audio ist online bis zum 02.09.2026.
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| Henry David Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern (6/11) | 18 Aug 2025 | 00:24:58 | |
Bisher haben wir gehört, wie Henry David Thoreau in der Nähe der Stadt Concord am Waldensee eine Hütte gebaut hat, um dort in Einsamkeit zu leben. In diesem Kapitel jetzt beschreibt er, welche Besuche er trotzdem schätzt. Seine Gastfreundschaft gilt vor allem einem kanadischen Holzfäller. Dieser Mann ist eins mit der Natur und seiner Arbeit. Er braucht die Menschen nicht. Aber er kommt gern zu Thoreau und lässt sich von ihm Homer vorlesen. Das Audio ist online bis zum 02.09.2026.
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| Henry David Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern (7/11) | 18 Aug 2025 | 00:24:48 | |
Zweieinhalb Jahre hat Henry David Thoreau am einsamen Waldensee in der Nähe der Stadt Concord gelebt – und dafür seine bürgerliche Existenz aufgegeben. Seine Erfahrungen, die er in der Einsamkeit gemacht hat, bezeichnet er selbst als Experiment. Bisher haben wir gehört, wie er seine Hütte gebaut, in der Natur seine Sinne geschärft und außergewöhnliche Besucher empfangen hat. In unserer heutigen Lesung begleiten wir Thoreau bei einem seiner seltenen Ausflüge ins nächstgelegene Dorf, und wir fahren mit ihm hinaus zum Fischfang auf den Waldensee. Das Audio ist online bis zum 02.09.2026.
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| Henry David Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern (8/11) | 18 Aug 2025 | 00:25:17 | |
Henry David Thoreau hat Mitte des 19. Jahrhunderts seine bürgerliche Existenz aufgegeben. Zweieinhalb Jahre lebt er allein in einer selbstgebauten Hütte am Waldensee in Massachusetts. Heute erzählt er etwas über diejenigen, die schon längst vor ihm hier gelebt haben: die Tiere. Thoreau bleibt nicht bei biologischen Erklärungen. Er macht sich alle Tiere gewissermaßen zu Lasttieren, zu Trägern seiner eigenwilligen Reflexionen, etwa wenn er Ameisenkämpfe als Völkerschlachten sieht. Das Audio ist online bis zum 02.09.2026.
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| Henry David Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern (9/11) | 18 Aug 2025 | 00:24:27 | |
Henry David Thoreau hat sich 1845 für zweieinhalb Jahre aus dem bürgerlichen Leben in der Stadt an den einsamen Waldensee zurückgezogen. Wie er dort während der Sommermonate lebt, haben wir in den vergangenen Kapiteln gehört. Jetzt wird es Herbst. Der Winter steht vor der Tür, und die selbstgebaute Hütte muss winterfest gemacht werden. Thoreau baut einen Kamin, und er singt ein Hohelied auf das Holz und das Feuer. Das erste Gedicht, das Sie in diesem Kapitel hören werden, ist eines der meist zitierten Gedichte von Thoreau selbst. Das abschließende Gedicht mit dem Titel „Waldfeuer“ hat Ellen Hooper geschrieben. Das Audio ist online bis zum 02.09.2026.
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| Henry David Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern (10/11) | 18 Aug 2025 | 00:22:46 | |
Im Frühjahr 1845 hat sich Henry David Thoreau an den einsamen Waldensee zurückgezogen und dort zweieinhalb Jahre in einer selbstgebauten Blockhütte verbracht. Am Freitag haben wir gehört, wie Thoreau in seiner Hütte mit dem Winter fertig wurde. Im folgenden Kapitel kommt der Frühling. Das Audio ist online bis zum 02.09.2026.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (1/25) | 02 Sep 2025 | 00:21:37 | |
Heute beginnen wir mit dem Roman „Nachts unter der Steinernen Brücke“ des österreichischen Schriftstellers Leo Perutz. Geboren wurde Leo Perutz, wie Franz Kafka, in Prag. Er gehörte zum Kreis um Robert Musil und Franz Werfel in Wien, später floh er vor den Nationalsozialisten ins Exil nach Palästina. Dort hat er seinen wichtigsten Roman vollendet - eine zeitlose Geschichte über eine untergegangene Welt. Sie spielt in Prag um das Jahr 1600. Zahllose Kinder sterben an der Pest. Wie Rabbi Löw tappen wir Hörerinnen und Hörer anfangs im Dunkeln: wer ist für diese Epidemie verantwortlich? In 14 Episoden löst er nach und nach das Rätsel um die unmögliche Liebe von Kaiser Rudolf zur schönen Esther, der Frau des reichen Mordechai Meisl. Leo Perutz verwebt historische Fakten, volkstümliche Sagen und jüdische Legenden – und erzählt so von der Zerstörung der alten Prager Judenstadt, in der er selbst aufgewachsen ist. Der Schauspieler Felix von Manteuffel liest »Nachts unter der steinernen Brücke« von Leo Perutz.
Das Audio ist online bis zum 08.10.2026.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (2/25) | 02 Sep 2025 | 00:23:23 | |
Die Pest wütet in der Prager Judenstadt, und vor allem die Kinder fallen ihr zum Opfer. Rabbi Löw sucht den Schuldigen, der Gottes Zorn so stark erregt hat, dass er die Plage über die Stadt geschickt hat. Und er trägt den beiden Spaßmachern Jäckele-Narr und Koppel-Bär auf, die toten Kinder auf dem Friedhof zu befragen. Sie erhalten Antwort: „Es ist geschehen um der Sünde Moabs willen, die eine unter euch begangen hat.“ Doch keine Frau aus der Gemeinde will einen Ehebruch zugeben. Also bestellt der Rabbi die beiden Spaßmacher ein zweites Mal ein.
Das Audio ist online bis zum 08.10.2026.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (11/25) | 02 Sep 2025 | 00:23:08 | |
Es gibt einen Erzähler in diesem Roman, den Hauslehrer Jakob Meisl, ein Nachfahre des legendären Mordechai Meisl. Oft taucht er nicht auf, aber alle Novellen, die Sie hier hören, sind im Grunde Nachhilfestunden in Weltgeschichte, die Jakob Meisl seinem Schüler, Leo Perutz, erteilt. Die Theorien des Hauslehrers zum Lauf der Welt stehen so vermutlich in keinem Geschichtsbuch: Ein Hund, der bellte, und ein Hahn, der krähte - sie haben das Glück des Wallenstein begründet, erklärt er den Reichtum Wallensteins. Und davon handelt diese Novelle. Bis es so weit ist, dauert es aber noch. Im Moment ist Wallenstein abgebrannt und hat eben vom Astronomen Kepler erfahren, dass nicht der Mars, sondern die Venus seine Geschicke bestimmen wird. Das ist ganz und gar nicht das, was er erwartet hat.
Das Audio ist online bis zum 08.10.2026.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (3/25) | 02 Sep 2025 | 00:22:56 | |
Aus 14 in sich abgeschlossenen Novellen besteht dieser Roman. Und wir springen heute mitten hinein in die zweite Novelle. „Des Kaisers Tisch“ heißt sie, und sie spielt an einem Frühsommertag des Jahres 1598 in Prag. Dort herrscht der habsburgische Kaiser Rudolf der Zweite. Das ist nicht allen Untertanen recht. Der junge Peter Zaruba hofft auf einen König böhmischer Nation, der dem reformierten Glauben anhängt. Einer seiner Urahnen hat einst prophezeit, dass ein Sprössling aus seinem, dem Zaruba-Geschlecht, die Freiheit Böhmens wieder aufrichten wird. Aber - ganz wichtig - er darf niemals von des Kaisers Tisch essen, sonst wird es damit nichts. Peter Zaruba fühlt sich dazu auserwählt, Böhmen zu alter Größe zu verhelfen. Als ihn sein Schwager Georg Kapliř, der beim Kaiser geschäftlich zu tun hat, dorthin zum Essen mitnehmen will, schlägt er die Einladung empört aus. Stattdessen geht er in ein Gasthaus, wo es ein sagenhaftes Menü mit zwölf Gängen gibt, für nur drei böhmische Groschen: Nierenschnitten am Spieß gebraten, Fasanenragout und Kalbszünglein, gefüllten Schweinsfuß und - zum Nachtisch - Marzipankügelchen mit Zuckerguss. Peter Zaruba langt begeistert zu.
Das Audio ist online bis zum 08.10.2026.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (4/25) | 02 Sep 2025 | 00:21:42 | |
Es ist ein Wintertag im Jahr 1609, an dem es dem armen Juden Berl Landfahrer an den Kragen gehen soll. Der Unglücksvogel hat einen gestohlenen Zobelfellmantel gekauft, und dafür soll er nun an den Galgen kommen. Um seine Schmach zu vergrößern, sollen gleich noch zwei Straßenhunde mit ihm gehängt werden. Die haben erst recht nichts verbrochen - ein abgemagerter Bauernköter mit rotbraunem Fell und ein weißer Pudel, der einst dem reichen Juden Mordechai Meisl gehört hat.
Das Audio ist online bis zum 08.10.2026.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (5/25) | 02 Sep 2025 | 00:22:37 | |
Die „Sarabande“ heißt die Novelle, in die wir heute einsteigen. Der geheime Rat und Kanzler von Böhmen, Herr Zdenko von Lobkowicz, veranstaltet ein Fest in seinem Prager Stadthaus. Die Herren sind à la Mode gekleidet: mit goldgestickten Röcken aus purpurfarbenem Samt und weißgefütterten geschlitzten Ärmeln. Nur einer fällt aus dem Rahmen: der Baron Juranic, der in Reisekleidern erscheint. Sein Gepäck ist auf der letzten Poststation liegen geblieben. Er ist das Kriegshandwerk gewöhnt, nicht die feine Gesellschaft. Und er tanzt ungefähr so elegant wie ein dressierter Bär. Dem jungen venezianischen Grafen Collalto könnte das egal sein, wenn der Baron nicht ein Auge auf das Fräulein geworfen hätte, um das auch er sich bemüht. Also versucht er nach Kräften, den Baron lächerlich zu machen. Doch der lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.
Das Audio ist online bis zum 08.10.2026.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (6/25) | 02 Sep 2025 | 00:21:56 | |
Eifersucht und Eitelkeit haben den jungen venezianischen Grafen Collalto ins Verderben gestürzt. Bei einem Ball hatte den Baron Juranic wegen seines ungehobelten Tanzstils lächerlich gemacht. Der Baron hat ihn zum Duell gefordert, Collalto hat verloren. Und um sein Leben zu retten, verlangt der Baron nun von ihm, eine Sarabande zu tanzen - durch alle Gassen Prags, ohne Pause bis zum Morgen. Doch die Musikanten des Barons fallen vor jedem Kruzifix und jeder Marienstatue, an der sie vorbeikommen, auf die Knie und beten. Der Graf kann atemschöpfen, was den Baron verdrießt. Kurzerhand dirigiert er die Gruppe in die Judenstadt. Collalto tanzt zu Tode erschöpft am Haus von Rabbi Löw vorbei und fleht ihn um ein Christusbild an. Der Rabbi zaubert jedoch ein „Ecce homo“ an die gegenüberliegende Hauswand – ein Bild des verfolgten Judentums. Das rührt das steinerne Herz des Barons und bringt ihn von der grausamen Strafe ab.
Das Audio ist online bis zum 08.10.2026.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (7/25) | 02 Sep 2025 | 00:21:53 | |
Rudolf der Zweite, Kaiser des Heiligen Römischen Reichs und König von Böhmen, hat schlechte Nächte und beunruhigende Gedanken. Er glaubt sich von den Toten verfolgt und fürchtet ihre Rache. Manchmal erscheinen sie ihm als Krähe, Kuckuck oder Hummel und reden gotteslästerliches Zeug, manchmal schlüpfen sie in die Gestalt eines neuen Dieners oder eines unbekannten Gastes. Das macht die Audienzen beim Kaiser mitunter zu bizarren Veranstaltungen. Eben ist der marokkanische Gesandte - von Venedig kommend - in Prag abgestiegen. Er soll Rudolf ein Freundschafts-Schreiben des Herrschers von Marokko überreichen.
Das Audio ist online bis zum 08.10.2026.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (8/25) | 02 Sep 2025 | 00:22:25 | |
Und wieder springen wir in der Zeit. Wir haben den alten Kaiser Rudolf erlebt, der nachts wach liegt und um die schöne Jüdin Esther trauert. Wir haben vom reichen Juden Meisl gehört, dessen weißer Pudel nach seinem Tod durch die Straßen streunt und fast am Galgen endet. Doch in dieser Novelle sind sie beide jung, der Kaiser und Meisl - und letzterer ist bettelarm. Hier treffen sie zum ersten Mal aufeinander. Rudolf - der noch kein Kaiser ist, sondern nur Erzherzog - hat sich im Wald verirrt und stößt auf zwei riesenhafte Männer, die einen Stapel Gold, einen Stapel Silbermünzen und einen Stapel Kupferpfennige vor sich aufgetürmt haben. Als Rudolf sie fragt, wer sie seien, antwortet der eine: „Die unter mir stehen, nennen mich den Großen und Mächtigen. Und mein Geselle heißt der Furchtbare und Starke.“
Das Audio ist online bis zum 08.10.2026.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (9/25) | 02 Sep 2025 | 00:20:25 | |
„Der entwendete Taler“ heißt die Novelle, in der wir uns gerade befinden. Rudolf der Zweite ist noch ein junger Mann. Ein Silbertaler bringt ihm Unglück, solange er nicht bei seinem Besitzer angelangt ist, einem Juden namens Meisl. Den sucht Rudolf vergeblich. Er wirft den Taler in den Fluss, wo ihn ein Fischer auffängt und in seine Manteltasche steckt. Der Mantel ist mittlerweile bei einem Altkleiderhändler in der Judenstadt angelangt, Rudolf auch. Der Altkleiderhändler beklagt sich bitter bei Rudolf über die Schwierigkeiten seines Gewerbes, erntet aber nur den schwachen Trost, dass die vom Stamme Ruben eben mit alten Kleidern Handel treiben müssten, weil sie einst um das Gewand von Jesus gewürfelt hätten.
Das Audio ist online bis zum 08.10.2026.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (10/25) | 02 Sep 2025 | 00:23:40 | |
Aus 14 Novellen besteht dieser Roman, doch Leo Perutz erzählt seine Geschichte nicht in chronologischer Reihenfolge. Willkürlich ist diese Reihenfolge allerdings nicht, erklärt der Schriftsteller in einem Brief an seinen langjährigen Verleger Paul Zsolnay, sondern die für ihn einzig mögliche Anordnung. Am Anfang steht das Rätsel: welches Vergehen hat Gott so erzürnt, dass er die Pest über die Prager Judenstadt geschickt hat? Die Antwort darauf setzt sich in den folgenden Geschichten puzzleartig zusammen. Wir beginnen heute mit der achten Novelle. Zwei weitere Figuren der Weltgeschichte betreten die Bühne. Der Astronom Johannes Kepler und der junge Feldherr Albrecht von Waldstein, bekannt unter dem Namen Wallenstein.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (12/25) | 02 Sep 2025 | 00:20:54 | |
Der sagenhafte Reichtum des Juden Meisl weckt Begehrlichkeiten. Barvitius, ein in Ungnade gefallener Hofbeamter, der jetzt der Kopf einer Diebesbande ist, plant einen Coup, um an Meisls Geld zu kommen. Es fehlt ihm lediglich noch ein Mann, der sich mit dem Kriegshandwerk auskennt. Sein vertrauter Leitnizer kennt da einen - jung, ungestüm und unzufrieden, der dringend Geld braucht, um groß rauszukommen: Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, genannt Wallenstein.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (13/25) | 02 Sep 2025 | 00:23:13 | |
Dass nicht der Mars, sondern die Venus sein Geschick bestimmen, hat Wallenstein vom Astronomen Kepler erfahren. Damit hat er nicht gerechnet. Schließlich will er bei einem Coup mitmachen, der ihm eine Menge Geld bringen soll. Was er dafür genau tun muss, will ihm der Patron, der Chef der Diebesbande, bei einem geheimen Treffen erzählen. Er soll nur in den Wagen steigen, den der Patron ihm zu nächtlicher Stunde schickt. Wallenstein tut, wie ihm geheißen. Doch dann kommt er aus dem Wundern nicht mehr heraus: der Patron ist eine Frau. Und statt über den Coup zu sprechen, gibt es ein formidables Abendessen und allerlei seltsame Andeutungen.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (22/25) | 02 Sep 2025 | 00:22:37 | |
Im Juli 1924 hatte Leo Perutz mit der ersten Novelle seines Romans begonnen, damals unter dem Arbeitstitel „Meisls Gut“. Doch dann legte er sie wieder beiseite. Fast 20 Jahre später, im palästinensischen Exil, abgeschnitten von der europäischen Kultur, die ihm Anregung und Material für seine Romane geliefert hatte, nahm Perutz die Arbeit an dem Roman wieder auf - und schrieb an Freunde: „Es fehlen nur zwei kleine Geschichten, mit denen ich mich herumschlage. Sie sind notwendig, um den Zusammenhang des Ganzen herzustellen. Das heißt, um aus einem Dutzend Alt-Prager Novellen den Roman von Mordechai Meisl und Rudolf dem Zweiten zu machen.“ Es dauerte dann noch sechs Jahre, bis die beiden fehlenden Novellen vollendet waren. „Das verzehrte Lichtlein“ ist die erste davon.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (23/25) | 02 Sep 2025 | 00:22:06 | |
Mit viel Geld hat der reiche Jude Mordechai Meisl sich die Schutz- und Privilegien-Rechte von Kaiser Rudolf erkauft. Alle drei Monate kommt dessen Gesandter Philipp Lang und treibt die Rechnung ein. Doch bei Rudolfs Vorliebe für wertvolle Gemälde ist alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Er wartet auf den Tod Meisls, der lungenkrank im Bett liegt. Dann, so denkt er, kann er dessen gesamten Reichtum haben. Doch noch lebt Mordechai Meisl. Philipp Lang sitzt an seinem Bett und gibt launige Geschichten vom Hof zum Besten, während er ein üppiges Nachtmahl verzehrt.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (24/25) | 02 Sep 2025 | 00:21:11 | |
„Rudolfe, hilf!“ - das hat die schöne Esther, die Frau des reichen Meisl, in der Nacht, in der sie starb, gerufen, und seitdem treibt es ihren Witwer um, wer mit „Rudolfe“ gemeint gewesen sein könnte. Jetzt ist Meisl selbst dem Tod nah, und die Ahnung, dass mit Rudolfe nur der Kaiser gemeint gewesen sein kann, lässt in ihm den Wunsch wachsen, ihm einmal zu begegnen. Ein Jude beim Kaiser - der kaiserliche Kammerherr Philipp Lang, der alle paar Monate beim Meisl vorbeikommt, um Geld für den Kaiser einzutreiben, winkt ab. Eine absurde Idee. Doch Meisl sinnt auf eine List. Der Kaiser indessen ahnt von nichts und ist eben dabei, seine Kunstschätze zu betrachten.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (25/25) | 02 Sep 2025 | 00:21:22 | |
Hier schließt sich der Kreis. Der hohe Rabbi Löw hat Besuch vom Engel Asael, der ihm vorwirft, zweimal das Gleichgewicht der Welt gestört zu haben. Das erste Mal verwandelte er einen Stein, der den Kaiser bei einem Besuch in der Judenstadt treffen sollte, in zwei Schwalben. Das zweite Mal ist der Auslöser für diese Geschichte: Dem Kaiser ist bei einem Ritt durch die Judenstadt ein Mädchen begegnet, und dessen Antlitz lässt ihn nicht mehr los. Doch er sucht das Mädchen vergeblich.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (14/25) | 02 Sep 2025 | 00:22:58 | |
Die schöne Jüdin Esther, die Frau des reichen Mordechai Meisl, ist uns in der Novelle „Nachts unter der steinernen Brücke“, die dem Roman den Titel gegeben hat, schon begegnet. Als Rosmarin und rote Rose waren sie und Kaiser Rudolf der Zweite ein Liebespaar, das Nacht für Nacht zusammenkam. Doch diese Nächte sind schon lang vorbei. Esther ist tot, und zwei Männer trauern um sie. Im Atelier des Malers Brabanzio führt sie der Zufall zusammen.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (15/25) | 02 Sep 2025 | 00:22:14 | |
Vor drei Jahren ist die schöne Jüdin Esther gestorben, und ihr Mann, der reiche Mordechai Meisl, vermisst sie schmerzhaft. Er will ein Bild von ihr haben. Der Maler Brabanzio soll es nach seinen Angaben malen. Durch Zufall ist auch Kaiser Rudolf im Atelier des Malers. Der Kaiser, ein eifriger Kunstsammler, gibt sich als öffentlicher Schreiber aus, wenn er inkognito in Prag unterwegs ist. Auch er vermisst Esther, seine Traumgeliebte.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (16/25) | 02 Sep 2025 | 00:21:52 | |
Der Kaiser braucht Geld. Die Schatzkammern sind leer, und auf seine Räte will er nicht hören, die schon wüssten, wie zu sparen sei. Zum Beispiel, indem der Kaiser aufhörte, teure Gemälde zu kaufen. Doch der beschäftigt stattdessen lieber Alchemisten. Etliche hat er schon verschlissen, seit zwei Jahren ist jetzt Jakobus van Delle bei ihm in Dienst. Doch auch der wird kein Blei in Gold verwandeln. Der kaiserliche Kammerdiener Philipp Lang sagt es dem Kaiser frei heraus - denn er hat einen anderen Plan, wie sein Herr zu Geld kommen kann - und er selbst gleich mit.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (17/25) | 02 Sep 2025 | 00:22:04 | |
Seit zwei Jahren ist der Alchemist Jakobus van Delle am Hof des notorisch blanken Rudolfs des Zweiten, Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Bei seinem Leben hat er Rudolf versprochen, aus Blei Gold zu machen. Jetzt ist die Frist um, kein Gold in Sicht - und van Delle sieht keinen anderen Ausweg, als von der kaiserlichen Burg zu fliehen. Das Geld für die Flucht will ihm sein einziger Vertrauter am Hof beschaffen, der Hofnarr des vorherigen Kaisers, Anton Brouza, der mit ihm fliehen will und eine ganz eigene Methode hat, aus nichts Gold zu machen. Er geht zu Kaiser Rudolf und lässt sich ein Gemälde zeigen, das der Kaiser kürzlich erstanden hat.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (18/25) | 02 Sep 2025 | 00:22:25 | |
„Der vergesse Alchemist“ heißt die Novelle, in der wir uns gerade befinden. Der Alchemist Jakobus van Delle hat seinen Kopf verpfändet, dass er für Kaiser Rudolf Blei in Gold verwandeln kann. Es ist ihm nicht geglückt, und jetzt ist er auf der Flucht. Der Hofnarr Anton Brouza hat ihm über die Burgmauer geholfen, doch beim Absprung von der Strickleiter hat van Delle sich den Fuß verstaucht. Die Flucht endet in einer kleinen Hütte an der Umfassungsmauer, die dem Brouza gehört.
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| Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke (19/25) | 02 Sep 2025 | 00:22:21 | |
In der ersten Novelle haben wir sie schon kennengelernt: die beiden Spaßmacher Jäckele-Narr und Koppel-Bär. Damals hat der hohe Rabbi Löw sie auf den Friedhof geschickt, damit sie die Ursache für das große Kindersterben in der Judenstadt herausfinden. In dieser Geschichte jetzt - sie heißt „Der Branntweinkrug“ - wandern sie durch die nächtlichen Gassen der Prager Judenstadt. Es ist eine besondere Nacht zwischen dem jüdischen Neujahrs- und dem Versöhnungsfest, in der die Toten sich in der Altneuschule zum Fest versammeln und die Namen aller rufen, die im kommenden Jahr sterben müssen. Koppel-Bär und Jäckele-Narr kümmert das wenig, sie streiten. Auf einer Hochzeitsgesellschaft hat Koppel-Bär ein Fässchen Branntwein mitgehen lassen - dabei darf er den, seiner Gesundheit wegen, gar nicht trinken. „Branntwein, was soll uns der Branntwein? Dir ist er verwehrt und mir ist er zuwider“, schimpft ihn Jäckele-Narr.
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