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Explorez tous les épisodes du podcast Lachen und Weinen

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TitreDateDurée
42. Niemand ist entfremdet (Philosophisches Barometer No. 2)13 Oct 202601:51:16

Live-Aufnahme der zweiten Ausgabe unserer neuen Veranstaltungsreihe bei Europolis in Köln. Da Bruno und Jakob sich im Philosophischen Barometer No. 1 zumindest einig waren, dass es um die Glücksbedingungen im Spätkapitalismus schlecht bestellt ist, machten sie sich im Philosophischen Barometer No. 2 gemeinsam mit dem Publikum Gedanken, warum eigentlich. Unter lauter Lohnabhängigen war die Atmosphäre angenehm, man war sich wohlgesonnen, und das sind beste Voraussetzungen für kontemplative Einsichten. Jakob trat einen Streifzug durch das Niemandsland der Entfremdung an und bot Erklärungen für den Rechtsruck, Bruno erkundete die Ursprünge des Entfremdungstheorems und aktualisierte es sogleich. Auch von der Entfremdung kann man noch entfremdet sein!

Das Philosophische Barometer No. 3 „Das Gespenst in der Maschine. Über KI“ wird stattfinden am 30. Oktober, 19 Uhr, im Europolis.Haus in Köln! Sobald es Tickets gibt, sind diese über den Link auf unserer Biosite in Instagram buchbar.

Inhalt:

00:00:00 Begrüßung

00:03:31 Bruno: Die Entfremdung der Schönen und Reichen

00:36:48 Intermezzo

00:40:37 Jakob: Im Niemandsland der Entfremdung

01:14:41 Publikumsgespräch

Literatur:

Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft (1955).

Arendt, Hannah: Vita activa oder Vom tätigen Leben (1960).

Fromm, Erich: Die Furcht vor der Freiheit (1941).

Heidegger, Martin: Sein und Zeit (1927).

Horkheimer, Max / Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung (1947).

Houellebecq, Michel: Karte und Gebiet (2010).

Marx, Karl: Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844).

Marx, Karl: Das Kapital, Bd. 1 (1867).

Montaigne, Michel de: Essais.

Plessner, Helmuth: Die Stufen des Organischen und der Mensch (1928).

Plessner, Helmuth: Zur Frage menschlicher Beziehungen in der modernen Kultur (1959).

Schmitz, Hermann: Kurze Einführung in die Neue Phänomenologie (2009).

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41.4 Ideology and so on and so on27 Aug 202601:24:14

In der letzten Folge unserer Tetralogie widmen wir uns den beiden letzten großen Interpreten im Diskurs der Ideologie: Peter Sloterdijk und Slavoj Žižek. Trotz einer gewissen Nähe wollen sie sich voneinander absetzen und den Diskurs der Ideologie auf ihre Weise zu einem Abschluss bringen: entweder indem sie über die Unmöglichkeit seines Gelingens aufklären (Sloterdijk) oder aber ihn mit den Mitteln einer psychoanalytisch fundierten Theorie des Begehrens fortsetzen (Žižek). Während wir bei Sloterdijk über die verhohlenen idealistischen Annahmen der marxistischen Gesellschaftstheorie aufgeklärt werden, verschiebt Žižek das gesamte ideologische Unwesen in die Sphäre der Praxis, wo es immer schon am Werk ist, auch wenn wir davon wissen. Gerahmt ist unsere Folge von einem Kopienstreit (Hörspiel) und einer kuriosen Kriminalgeschichte, die Bruno aus dem Trottelverein überliefert.

Inhalt:

00:00:00 Hörspiel

00:05:36 Wiederholung und Einleitung mit Adorno

00:11:52 Sloterdijks Auftritt im Ideologie-Diskurs mit „Die Kritik der zynischen Vernunft“

00:42:19 Žižeks remarxisierende Antwort in „Das erhabene Objekt der Ideologie“

01:17:24 Geschichten aus dem Trottelverein

Literatur:

Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft, Frankfurt am Main 1983.
Žižek, Slavoj: The Sublime Object of Ideology, London 1989.

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41.3 Frankfurt gegen den Rest der Welt22 Jun 202601:29:39

Der dritte Streich folgt sogleich: Wir drehen uns noch eine Windung weiter auf der Denkschraube der Ideologiekritik und kommen zu den zentralen Vertretern der marxistischen Gesellschaftstheorie im 20. Jahrhundert: Wir nähern uns dem Flaggschiff der Ideologiekritik, auch „Adorno Alpha“ oder „Teddy Invictus“ genannt. Dafür vertiefen wir uns in einen Klassiker der Kulturphilosophie, dessen polemische Analyse damals so aktuell wie heute ist: Das Kapitel über die „Kulturindustrie“ aus der „Dialektik der Aufklärung“ von Adorno und Horkheimer. Diese philosophische Schelte oberflächlichen Vergnügens amerikanischer Massenkultur ist die größte Antispaßkampagne der Geistesgeschichte und ihre Autoren gehören zu den schlechtgelauntesten Philosophen, die je philosophiert haben. Wir lassen uns davon nicht die Laune verderben und entdecken die durchaus amüsanten Seiten dieser Satireschrift, lassen uns auf dem Fließband der Kulturindustrie durch die verzauberte Warenwelt vor allem des Films tragen und hangeln uns von dort zu Marcuse und den introjizierten Bedürfnissen der Konsumenten. Bruno scheitert zuvor mehrfach daran, sich am Wurststand zwischen der Kracauer und der Horkheimer-Wurst zu entscheiden, was ihm als Ladenbetreter, der er werden will, noch zum Verhängnis werden kann. Zum Abschluss vergeben wir traditionell den Martin-Kippenberger-Forscherpreis und wecken den ersten Zweifel am ewigen Ideologieverdacht der Kritischen Theorie.

Inhalt:

00:00:00 Einstieg und Themenüberblick

00:05:50 Berufsbezeichnungen

00:13:00 Zwei Wegbereiter der Kritischen Theorie

00:28:20 Auf dem Fließband der Kulturindustrie

01:02:33 Geschichten aus dem Trottelverein

01:05:29 Marcuse, der „Posterboy der 68er-Revolution“

01:17:03 Ein Seitenblick auf Althusser

01:19:54 Vergabe des Martin-Kippenberger-Forscherpreises und Schluss

Literatur:

Adorno, Theodor W. / Horkheimer, Max: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Amsterdam 1947.

Lukács, Georg: Geschichte und Klassenbewusstsein. Studien über marxistische Dialektik, Berlin 1923.

Marcuse, Herbert: Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, Boston 1964.

Marcuse, Herbert: Triebstruktur und Gesellschaft. Ein philosophischer Beitrag zu Sigmund Freud, Boston 1955.

Althusser, Louis: Für Marx, Frankfurt am Main 1968.

Kracauer, Siegfried: Die kleinen Ladenmädchen gehen ins Kino, in: ders.: Das Ornament der Masse. Essays, Frankfurt am Main 1977.

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41.2 Marxistische Klempereien29 Mar 202601:17:19

Wir setzen die Suche nach der verlorenen Wahrheit im ideologischen Zeitalter fort und beginnen achronologisch mit Karl Mannheims „Ideologie und Utopie“, einem Klassiker der wissenssoziologischen Schule. In direkter Antithese wandern wir zurück zu der Quelle und dem Ursprung des modernen kritischen Ideologiebegriffs, wie ihn Marx und Engels in der „Deutsche(n) Ideologie“ ausgearbeitet haben. Wir sprechen über die kritischen Grundbegriffe der marxistischen Gesellschaftstheorie: den Warenfetisch, die Herrschaftsgedanken und natürlich die Ideologie. Auf seinem Karriereweg zum Profibürger ist Jakob Käufer geworden, weil er sich schon seit Schulzeiten für Einkäufe begeistert und einen echten Warenfetisch entwickelt hat, Bruno, der sich mittlerweile als Pränalhistoriker verdingt, macht ihm das Angebot, den pränatalen Abschnitt seiner einstigen Biografie zu verfassen (Berufsbezeichnungen). Wir springen von Marx ins 20. Jahrhundert und registrieren mit Klemperers Tagebuch „L(ingua)T(ertia)I(mperii)“ die Verwicklung der Ideologie in die Sprache als ihr eigentliches Ausdrucksmedium. Zuletzt machen wir einen Abstecher zu Bernays’ „Propaganda“, einer Bedienungsanleitung für moderne Ingenieure des Sozialen und der politischen Ordnung und sehen, welch eminente Rolle Ideologie als Bindemittel und Steuerungsmittel sozialer Ordnungsstrukturen hat.

Inhalt:

00:00:00 Begrüßung und Themenüberblick

00:05:02 Berufsbezeichnungen

00:14:52 Karl Mannheim: „Ideologie und Utopie“

00:27:02 Der Ideologiebegriff bei Marx

00:54:33 LTI, Victor Klemperer: Ideologie und Sprache

01:07:23 „Propaganda“ von Edward Bernays

01:12:46 Ideologische Tropen und Zusammenfassung

Literatur:

Mannheim, Karl: Ideologie und Utopie, Bonn 1929.

Marx, Karl / Engels, Friedrich: Die deutsche Ideologie, in: Marx-Engels-Werke, Bd. 3, Berlin 1958.

Klemperer, Victor: LTI. Notizbuch eines Philologen, Frankfurt am Main 2004.

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41.1 Fallstricke der Alltagsideologie31 Jan 202601:20:16

Bei Lachen und Weinen steht ein intellektuelles Großereignis bevor: In traditioneller Besetzung arbeiten wir uns voraussichtlich über eine Spanne von vier Folgen durch die Geschichte des Ideologiebegriffs von seinen Anfängen bei Bacon (nicht crispy Bacon!) und im Aufklärungszeitalter bis zu den Neomarxisten und Wissenssoziologen des 20. Jahrhunderts. Ideologie ist nicht bloß ein Mittel, mit dem sich wenige Ideologen über Massen erheben und sie steuern, sondern sie ist ein Subtext der gesamten Geistesgeschichte und findet sich noch in den abstraktesten Theoriegebäuden.

Jakob präsentiert uns eine Detailaufnahme seines Alltags, die gerade an den unscheinbaren und vermeintlich „normalen“ Alltagshandlungen ideologische Spuren nachweist. Er erklärt uns, wie man ein echter Profibürger wird und welcher Würde man dabei verlustig geht. Bruno deutet neben dieser mikrosoziologischen Beschreibungsebene die Macht ideologischer Strukturen auf der Makroebene an. Ideologie ist überall und wo sie nicht ist, muss sie unseren Verdacht erregen. Jedenfalls folgen wir vorerst dieser „Hermeneutik des Verdachts“ (Ricœur), ohne sie selbst zu verdächtigen, und landen mit einer Reihe von begriffsgeschichtlichen Einordnungen am Eingang des 20. Jahrhunderts.

Inhalt:

00:00:00 Begrüßung und Themenüberblick

00:07:18 Jakobs Rezension der letzten beiden Folgen

00:12:18 Politische „Fünf“ Minuten

00:24:22 „Profibürger“-Sein in (post-)ideologischen Zeiten

00:27:21 Die unsichtbaren Fallstricke der Alltagsideologie

00:38:59 Ideologie: Definitionen, Beispiele und Imperative

00:58:41 Ideologie: Etymologie und Begriffsgeschichte

01:12:40 Ausblick auf Teil II und Kurzauftritt Luhmanns

Literatur:

Herbert Schnädelbach: Was ist Ideologie? Versuch einer Begriffsklärung (in: Das Argument 50/1969)

kritischebildung.de/afkg/Schnadelbach_Ideolog…

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40. Von der Utopie zur totalen Gegenwart (mit Maximilian Kloppert)12 Dec 202501:17:45

Mit Maximilian Kloppert unterhält sich Bruno über den Roman Allegro Pastellvon Leif Randt, der 2020 kurz vor der Pandemie erschienen ist und seitdem vom Feuilleton und der germanistischen Forschung als Generationenroman gefeiert wird. Im Frühjahr soll eine Verfilmung in die Kinos kommen und der neue Roman Let's Talk About Feelings von Leif Randt ist vor kurzem erschienen. Die soziologische Matrix des Romans bildet Reckwitz' Gesellschaft der Singularitäten: Wir befinden uns in einer positiven Affektkultur und nehmen alle an dem übergreifenden Wettbewerb der Authentizität teil. Wir kommunizieren um der Kommunikation willen, wählen aus unserem Gefühlsleben die Emotionen, die uns wie ein Reel oder eine Story auf Instagram besonders gut gefallen, und müssen uns ständig fragen, ob das, was wir tun und lassen, sozial sanktioniert wird. Die vollkommen unkritische und neutrale Darstellung von kalkulierten Rauscherfahrungen, Work-Life-Balance-Gerede, verflachten, ausgehöhlten Gefühlswelten und unpathetischen Beziehungsdramen wirft die Frage auf, ob der Roman ideologische Sackgassen zeigt oder selbst eine ist. Wie affirmativ darf Pop sein oder hat die Moral hier überhaupt nicht reinzureden? Diese und viele weitere Fragen bilden eine umfassende Besprechung des von der Kritik hochgelobten „Generationenromans“.

Inhalt:

00:00:00 Begrüßung und Vorstellung des Gastes

00:05:45 Hinführung zum Thema: Allegro Pastell

00:10:29 Werkverzeichnis und literaturgeschichtliche Einordnung

00:13:25 Inhaltsangabe des Romans

00:20:39 Analyse und erste soziologische Deutungen: Ein Roman der Singularitäten (Reckwitz)

00:30:05 „Poetik der Mittelbarkeiten“: Digitale Kommunikation, Drogen und Rauschprotokolle

00:39:22 Positive Affektkultur, emotionale Verflachung

00:42:37 Pop 3.0

00:45:55 Eine Schlüsselszene: Teezeremonie und „vorauseilende Wehmut“

00:51:06 Verhältnis von politischer Realität und Fiktionalität

00:54:20 Die scheinfreie schöne neue Welt?

01:04:19 Kritik I: „Topischer Roman“, Postironie, Minimalsatire

01:09:11 Kritik II: „Sackgassenkunst“ oder affirmative Literatur?

Literatur:

Leif Randt: Allegro Pastell (2020)

Maximilian Kloppert ist Mitarbeiter am Erich Auerbach Institute for Advanced Studies (Universität zu Köln). Parallel promoviert er zur Aufwertung der Materialität der Handschrift um 1800.

auerbach-institut.phil-fak.uni-koeln.de/team/…

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39. Blaue Heimreise (mit Matthias Diermeier)06 Nov 202501:14:05

Aus gegebenem Anlass – NRW-Wahlen und landesweite „Stadtbild“-Diskussion – befassen wir uns ein weiteres Mal mit dem Rechtsruck in Deutschland und der AfD. Die Deutschen befinden sich laut Sloterdijk nach einem längeren „Urlaub von der Weltgeschichte mitten im Heimreiseverkehr“. Die in der Bundesrepublik totgesagte nationalistische, ja faschistische Vergangenheit lebt fort und wir finden uns wieder in einem Kulturkampf, von dem wir glaubten, ihn in die Geschichte verbannt zu haben. Bruno spricht mit dem promovierten Ökonomen und Sozialwissenschaftler Matthias Diermeier, der für das Institut der deutschen Wirtschaft in der politischen Beratung tätig ist und mit seiner Promotion den Schwerpunkt seiner empirisch geschulten Forschung auf die Analyse rechtsradikaler Bewegungen gelegt hat. Mit Matthias lassen sich Fragen, die sich heute einfach jeder fragt, wie die nach den Gründen für das Erstarken der AfD, stellen und differenziert beantworten. Warum sind AfD-Anhänger immun gegen rationale Argumentation und warum beten sie die Sicherheit des Landes, der Straßen, Bahnhöfe, Kitas und Vorgärten als den höchsten Gott an? Wir fragen nach den konkreten Inhalten ihres Parteiprogramms bzw. fragen, ob es sie überhaupt gibt oder inwiefern ihre Umsetzung der Wählerschaft selbst schadet. Statt Inhalten finden wir ein formales Charakteristikum: Allgemeines, undifferenziertes Dagegensein. In gemeinsamer Erörterung gelangen wir an die Leistungsgrenze der Erklärungskraft quantitativer Sozialforschung und fragen, wie man den AfD-Wähler darüber hinaus verstehen und erreichen kann. Dabei lassen wir uns beide aus Adornos nach wie vor aktuellem Vortrag „Aspekte des neuen Rechtsradikalismus“ von 1967 das ein oder andere Stichwort einflüstern.

Dr. Matthias Diermeier im Internet:
iwkoeln.de/institut/personen/matthias-diermei…

Sein zur Sprache gekommener Artikel:
wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2024/heft/7/…

Inhalt:

00:00:00 Begrüßung und Vorstellung des Gastes

00:03:00 Einstieg ins Thema: Kommentar zur „Stadtbild“-Debatte

00:10:51 Rechtsruck und die aktuelle Stellung der AfD

00:19:10 Der Ruf der faschistischen Vergangenheit

00:21:23 Die neuen Rechten – erste Bestimmungen

00:27:38 Nativismus, Autoritarismus, Populismus („Dünne Ideologie“)

00:32:18 Marxistische Theorie des Nationalismus und ihre Aktualität (Adorno)

00:36:00 Entstehungsgeschichte der AfD und wirtschaftspolitische Hintergründe

00:41:10 Bestimmung des Herkunftsmilieus der AfD-Anhängerschaft („Prekarisierung“)

00:47:21 Vermeintliche Ungerechtigkeiten in der Umverteilung

00:51:00 Das „AfD-Paradox“

00:53:44 Von der quantitativen zur qualitativen Sozialforschung

01:00:28 Mittel zur Bekämpfung: Abschreckung, Realitätscheck, Demokratisierung

01:04:36 Sicherheit: der Hausgott der AfD?

01:07:54 Mögliche Lösungen: Selbsthilfe (individuell) und Repräsentanz (allgemein)

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38. Wir Flüchtlinge11 Apr 202501:18:25

Hannah Arendts Essay „Wir Flüchtlinge“ aus dem Kriegsjahr 1943 entdecken wir als einen normativen Leitfaden für die äußerst aktuelle Frage nach dem Status von und dem Umgang mit Geflüchteten neu. Wir empfinden die innere, geistige Erfahrung des Flüchtlings anhand von Arendts einfühlsamen Beschreibungen Vertriebener und Geächteter nach, und fragen im Rahmen klassischer Staatstheorien nach Genese und Sinn der Nationalstaaten im 20. Jahrhundert. Auch das weltweit zu beobachtende Phänomen einer Rekonsolidierung nationalistischer Kollektivierungsprogramme lassen wir nicht unkommentiert. Der Flüchtling erweist sich bei alldem als Universalfigur für den im Ringen der Staaten zwangsläufig marginalisierten und potenziell entrechteten Menschen.

Die Absurdität der bis heute gültigen Tatsache, dass nur ein Staat substanziell das Recht gewährt, Rechte haben zu dürfen – und das obwohl es den Staat in gewissem Sinne nicht gibt – kommt auch im Hörspiel zum Tragen. Ebenso das auch in Diskursen hierzulande wieder erstarkende Faktum, dass der Staat trotz seiner unterstellten Fiktionalität über seine Bürger einiges an sehr realer Verfügungsgewalt innehat.

Während Jakob Arendts wertvolle Analysen in der Erfassung und Kritik der gegenwärtigen politischen Lage zur Anwendung bringt, wirft Bruno neueste Anekdoten aus seinem selbstgegründeten Trottelverein ein. Zuletzt vergeben wir ab sofort den Martin-Kippenberger-Forscherpreis für paranormale und außenakademische Forschungsleistungen.

Literatur:

Hannah Arendt: Wir Flüchtlinge (1943/1986)

dazu deutschlandfunk.de/hannah-arendt-ueber-fluech…

Benedict Anderson: Imagined Communities: Reflections on the Origin and Spread of Nationalism (1983)

Theodor W. Adorno: Aspekte des neuen Rechtsradikalismus (1967/2019)

Tipp: brandstaetterverlag.com/buch/wir-und-die-flue…

Inhalt:

00:00:00 Einführung ins Thema

00:05:24 Hörspiel

00:13:47 „Imagined Communities“ von Benedict Anderson

00:18:55 Humes historische Kritik an der normativen Vertragstheorie

00:24:17 Problemstellung: Der Flüchtling

00:26:29 Berufsbezeichnungen

00:33:29 „Wir Flüchtlinge“ von Hannah Arendt und der Flüchtling in der deutschen Politik

00:38:17 Nationalismus revisited mit Adorno

00:43:35 Die erfahrene Innenperspektive des Flüchtlings nach Arendt

00:46:55 Arendts rechtstheoretische Grundformel „Das Recht, Rechte zu haben“

00:51:04 Minimaldefinition des Flüchtlings

00:59:07 Arendts Plädoyer für den „Paria“

01:01:37 Die rechtliche „Nacktheit“ des Flüchtlings

01:08:17 Die „Avantgarde der Völker“

01:14:17 Der Martin-Kippenberger-Forscherpreis

Danke an folgende Soundcrafter:

rifle, 30-06 bolt action rifle, single shot by JoseIgnacioTriay -- freesound.org/s/515203 -- License: Attribution NonCommercial 4.0

Wiese – Vögel, Tag, Insekten, Wind, unter Sträuchern 2.wav by BockelSound -- freesound.org/s/487753 -- License: Attribution 4.0

Running .wav by Jellytots_Julie -- freesound.org/s/654584 -- License: Attribution NonCommercial 4.0

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37. Keep cool?23 Feb 202501:39:44

Frohen Wahltag alle miteinander. Überbrückt die Stunden bis zu den vorläufigen Ergebnissen mit uns und kommt ein bisschen runter. Wahrt eure Fassung, kühlt euer Gemüt – es hilft ja nichts! Wir sprechen über die Coolness und ihre Rückseite. Eidetisch variierend nähern wir uns der Coolness als Phänomen und einigen uns: Die Coolness ist ein Habitus. Wir sprechen darüber, was das noch gleich war bzw. lassen es uns von einem berühmten Franzosen mit Abstammung aus der Arbeiterklasse, der außerdem ein fettleibiges Buch zum Thema geschrieben hat, erklären. Die Coolness hält eigentlich von der aktiven Einmischung ab und zwingt den Coolen zur Distanzierung – wir hinterfragen aber, ob es heute wirklich noch uneingeschränkt cool sein kann, sich herauszuhalten. Wir drehen und wenden unseren Gegenstand von der Stoa bis zu den ca. 5 coolsten Politikern unserer Zeit – sie zögern, sie zittern und sie hassen nicht.

Inhalt:

00:00:00 Begrüßung

00:04:32 Hörspiel: Cicero und Cato

00:13:37 Statue, Maske, Spiel, Entfremdung, Anerkennung

00:30:10 Habitus (und Klasse)

00:42:20 Stoizismus und Kühle

01:07:40 Berufsbezeichnungen

01:12:42 Coolness in der Neuzeit bis heute

01:32:59 Versuch eines Fazits

01:35:25 Ranking der coolsten 3 Politiker

01:38:42 Abschied

Literatur:

Pierre Bourdieu: Die feinen Unterschiede (1979)

Epiktet: Handbüchlein der Moral (frühes 2. Jahrhundert n. Chr.)

philomag.de/artikel/bourdieu-und-der-habitus

en.wikipedia.org/wiki/Itutu

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36. Die enge Stirn des Ressentiments27 Jan 202501:21:50

Die Bundestagswahl steht an und wiedervereint sprechen Jakob und Bruno über ein kompliziertes, relativ junges und hochphilosophisches Gefühl – das Ressentiment. Im Deutschen ein Lehnwort aus dem Französischen, für das es keine wirklich adäquate Übersetzung gibt – im Französischen ein vom König des Essais, Michel de Montaigne, eigens geschöpftes Wort, bezeichnet es eine sehr genau benennbare Zusammensetzung einiger eher unangenehmer Gefühle. In der richtigen Konstellation ergibt sich als Ressentiment dann eine hochpathologische und politisch gefährliche Dynamik, die sich auch an der Wahlurne entladen kann. Damit es am 23. Februar nicht zu einer allzu destruktiv anklingenden Emotionensymphonie kommt, wollen wir euch auf die anstehende Bundestagswahl gebührend vorbereiten – soweit das philosophisch möglich ist. Wie immer gilt: Bekämpfung der Ernsthaftigkeit, auch parteipolitisch. Und das angesichts der Situation, in der wir uns BE-fin-den.
Außerdem: Jakob bewirbt sich als Sonderbeauftragter für die kommende Bundesregierung, Bruno arbeitet auf dem Friedhof. Im Hörspiel – wer hätte das gedacht – leidet ein Patient, trifft zu seinem Glück auf einen hochkreativen Therapeuten.

Niemand ist gefeit, ein Ressentiment zu entwickeln, am allerwenigsten schützt Geld davor.

Inhalt:

00:00:00 Anmoderation und Themenbestimmung

00:05:10 Hörspiel: Der Patient geht ins Offene

00:17:31 Definitionsansätze des Ressentiments

00:21:01 Ressentiment nach Montaigne

00:25:41 Definition nach Max Scheler

00:29:01 Nietzsches Theorie des Ressentiments

00:39:21 Wie erkennen wir das Ressentiment?

00:42:36 Verschwörungstheorien und Kollektivierung des Ressentiments

00:46:37 Schelers Stufenmodell des Ressentiments

00:52:21 Ressentiment und Demokratie

00:54:26 Leon Wurmser

00:59:59 Aussicht auf die Bundestagswahlen

01:08:26 Berufsbezeichnungen

01:11:15 Internet und Social Media

01:17:31 Schlusswort zu Ressentiment und Politik

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35. Magic Mountain Calling (mit Michael Kerkmann)23 Dec 202401:16:24

In Begleitung eines weiteren Gastes begibt sich Bruno auf eine literarische Exkursion, während Jakob in Elternzeit ist. Gemeinsam erkundet er mit einem Pfadfinder geistiger Hochebenen das mysteriöse Terrain des Zauberbergs, des Jahrhundertromans von Thomas Mann, der just in diesen Tagen sein 100-jähriges Jubiläum feiert. Die Geschichte eines durchschnittlich begabten angehenden Schiffbauingenieurs, der seinen lungenkranken Vetter im Sanatorium „Berghof“ für wenige Wochen besuchen will, um schließlich ganze sieben Jahre „dort oben“ zu verweilen, ist vieles in einem: ein geistiges Epochenpanorama der klassischen Moderne, ein letzter Blick auf die bürgerliche Welt vor ihrem Untergang, die Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs und der intellektuelle wie libidinöse Reifungsprozess eines jungen Mannes. Hans Castorp, so der Name des Protagonisten, ist Verführungen aller Art am Zauberberg ausgesetzt: geistiger, politischer, ästhetischer und schließlich erotischer. Er ist das bürgerliche Individuum unter den Bedingungen der Moderne: ohne Bindung an Tradition und Familie befindet er sich im freien Fall. Die Vernunft und die Ideale und Errungenschaften vermögen ihn nicht mehr zu erden, nachdem er seine Disposition zur Krankheit entdeckt hat. Sie öffnet ihm den Weg der Selbsterkenntnis, auf dem er nicht geradlinig wie aus Platons Höhle herausklettert, sondern auf dem er mehrfach anhält, an Abbiegungen zögert, sich umdreht, nach hinten schaut, kehrtmacht und im Kreis läuft, um schließlich einen Schritt vorwärts zu machen.

Inhalt:

00:00:00 Anmoderation und Begrüßung des Gastes

00:04:10 Ist Thomas Mann dem Realismus zuzurechnen?

00:05:02 Einführung in das Thema

00:09:41 Der Protagonist des Romans

00:12:51 Handlungsaufbau des Romans

00:22:58 Die Hermetik des Zauberbergs

00:24:35 Der geistige Antagonismus im Werk Thomas Manns

00:28:56 Hermeneutischer Zirkel und verschiedene Weisen des Verstehens

00:34:22 Die Person Thomas Mann

00:36:30 Verführung und Verwirrung auf dem Zauberberg

00:46:55 Der „Scheitelpunkt“ der Romanhandlung

00:57:30 Der Gegensatz von Künstler und Bürger damals und heute

01:01:35 Gegenwartskunst ohne Antagonismus

01:07:23 Das Ende des Zauberbergs im Ersten Weltkrieg

01:11:20 Wie klassisch ist der Zauberberg und was bleibt von ihm?

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34. Ausweitung der Flanierzone (mit Maxim Klusch)07 Nov 202401:17:40

Mit einem altbekannten neuen Gast widmen wir uns der kulturarchäologischen Untersuchung eines Leitfossils der klassischen Moderne: dem Flaneur (sein andersgeschlechtliches Pendant, die Passante, ist eine eigene Folge wert). Seit der Entstehung urbaner Lebensräume in der Mitte des 19. Jahrhunderts schlendert er ziellos durch die Gassen und Straßen, die Kaufhäuser und Alleen, die Parks und Armenviertel und saugt die ästhetischen und sozialen Wahrnehmungseindrücke seiner Umwelt wie ein Schwamm Wasser auf. Wir stellen seinen lustwandlerischen Lebensstil vor ein moralisches Gericht: Bereichert und berauscht sich sein Auge bloß an den Dingen oder hat sein Blick auch als erinnernder eine ethische Note?

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XIV. Kitsch24 Sep 202401:07:46

Erstmals in voller Länge online!

Wir beschäftigen uns mit Grundfragen der Ästhetik anhand des notorisch gering geschätzten Kitsches. Was ist guter Geschmack, was ist schlechter Geschmack? Wir klären diese jahrtausendealte Streitfrage ein für alle Mal. Der Kitsch jedenfalls wird vom Heidelberger Philosophen Ludwig Giesz zwar auch als kulturelles Phänomen aufgefasst, vor allem aber als Phänomen im Sinne der Phänomenologie! Die ästhetischen Zustände, die er am Subjekt analysiert, stellen sich den ästhetischen Gegenständen der Vertreter einer jeden objektiven Ästhetik (z. B. Adorno) entgegen. Ein eher konservativer Einschlag lässt Giesz abseits der Methodik dennoch kitschige Kulturerzeugnisse in scharfen Gegensatz zur (wahren) Kunst setzen. Dagegen geht Susan Sontag zur beinahe gleichen Zeit auf der anderen Seite des Atlantiks vor. Ihr Camp ist moralfrei und meint Kitsch, der als lebendiges, antielitäres Kulturprodukt Läuterung erfahren kann. Alles kann Kitsch sein, alles Camp – sodass wir uns am Ende vor allem fragen, was die ganze Aufregung eigentlich soll und ob wir nicht deutschen Bierernst gegen Heiterkeit eintauschen sollten, auch in Fragen der Ästhetik. Einen wahren Gegner bedeutungsvoller ästhetischer Lebensgestaltung und -erschließung gibt es dabei womöglich doch. Es ist der Lifestyle, der bloß noch ästhetische Erzeugnisse sich wünscht, die er sich leisten kann, ohne zur Frage herausgefordert zu werden: „Muss ich mein Leben ändern?“ Die Ästhetisierung der Lebenswelt droht dann, Deko zu werden und damit der Kunst die Bedingung ihrer Möglichkeit zu entziehen. Überdies werden meist Leben dekoriert, deren latenter Sinnmangel sinnlich kompensiert werden soll.

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33. Die (un)erträgliche Zufälligkeit des Seins17 Aug 202401:03:51

Glück ist das, was einfach so passiert und das man gut findet. Pech hingegen ist etwas, das ebenso kontingent eintritt, das wir aber doof (bis sehr beschissen) finden. Zwei wichtige Pole in jedem menschlichen Leben also: Glück und Pech. Die Summe beider Arten von zufälligen Ereignissen können wir – versucht mal, uns davon abzuhalten! – Schicksal nennen. Am Schicksal kann man nun aber auch verzweifeln. Was tun (Lenins Frage!), damit das nicht passiert? An der Lebenskunst führt kein Weg vorbei. Wir betrachten sie einmal von einer anderen Warte aus und kommen erst gegen Ende unvermeidlicherweise doch auch zum Glück als Zustand, zum Glück als qualitativem Begriff – zum Glück im Sinne der Eudaimonia. Aber was tun? Eine offensichtliche Antwort: Lotto spielen. Mit anderen Worten: Das Glück aktiv herausfordern, egal wie schlecht die Chancen stehen. Schlussendlich lieber Hanswurst, als …? Denn als Trottel darf man sich auch heiter durchs Leben bewegen.

Inhalt:

00:00:00 Lotto als Jaach op das Jlöck

00:07:22 Begrüßung und Berufe

00:18:11 Glück (und Verzweiflung?)

00:41:20 Amor fati, Epikur und die Stoiker

01:02:20 Abschied und Ankündigung

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XVI. Fortschritt31 May 202400:40:50

Einen Fuß vor den anderen setzen, lineares Schreiten in eine Richtung – das ist selten messbar und keineswegs alternativlos. Vielmehr ist es (gemeint ist: der Fortschritt) ein neuzeitliches Phänomen und zudem eines der europäisch-westlichen Kulturen. Ob als Geschichtsphilosophie, politischer „Progressivismus“, Wissenschaftsparadigma oder Wirtschaftsaxiom (Wachstum) – der Fortschritt ist kein neutraler Begriff, stets ethisch aufgeladen und das meist zu Unrecht positiv. Er befördert einen fragmentarischen Blick auf die Welt und plädiert für das Waltenlassen der Eigenlogik bestimmter gesellschaftlicher Sphären, egal wie viele Probleme sie an anderer Stelle hervorrufen. Wir erläutern außerdem Alternativen zum Fortschrittsparadigma; denn gerade mit Blick auf den Menschen selbst lässt sich eine radikale Fortschrittslosigkeit beobachten. Das Gleichbleiben nicht als Abwesenheit von Veränderung oder Entwicklung, sondern als Absage an eine auf alles oktroyierte Fortschrittsfähigkeit sollte uns zu denken geben. Mit weniger Fortschritten hätten wir weniger Probleme produziert. Diese Spirale zu durchbrechen erfordert kulturellen Wandel.

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32. Von Models und DJs17 Apr 202401:35:39

Es wird zum ersten Mal autobiografisch bei Lachen & Weinen: Wir widmen uns den beiden Galionsfiguren der postmodernen Kultur, die in den 90er-Jahren Gestalt annahm, und wissen, dass wir dabei nicht am Puls der Zeit sind. Jakob ist tagsüber ein Model und sieht gut aus und Bruno legt nachts in Bars und Clubs Platten auf und stachelt die Menge zu Tanz und Vergnügen an. Models und DJs eint nicht nur ihre narzisstische Veranlagung, sondern auch die narzisstischen Projektionen, mit denen wir sie vereinnahmen. Doch ist der Narzissmus so leicht zu verstehen wie die griechische Sage ihn erzählt? Wir lesen bei Ovid nach und stellen fest, dass auch in vortherapeutischen Zeiten die Menschen in der Lage waren, komplexe psychische Verwirrungen zu beschreiben, demnach auch unter ihnen litten. Nach dem Streit an der Quelle über die rechte Auslegung des Mythos begeben wir uns in die Gegenwart, reflektieren die Stellung und errechnen die psychische Hypothek von Models und DJs in der kapitalistischen Warengesellschaft. Dank Instagram und Co. können wir heute, wie schon Andy Warhol in den 60er-Jahren prophezeite, alle für wenige Minuten ein Star sein. Bahnfrei also für eine narzisstische Gesellschaft. Die Diagnose ist nicht neu, wir müssen sie ihrer unveränderten Aktualität wegen jedoch bedenken und erwägen abschließend Auswege aus der narzisstischen Falle.

Inhalt:

00:00:00 Künstliche Einleitung

00:02:03 Begrüßung

00:51:40 Metaphysische Apotheke

00:59:23 Was ist überhaupt Narzissmus?

01:34:10 Der unverständlichste Satz der Woche

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XI. Aggression27 Feb 202400:39:05

Warum der Mensch auf den Menschen losgeht

In der ersten exklusiven „II. Folge“ denken wir das vielleicht entscheidende anthropologische Fundament von Krieg und Kampf: die Aggression. Es kommt zum Konkurrenzverhalten zweier Männchen vor laufendem Mikrofon. Während also die Theorie zur Waffe für praktische Konflikte wird, vollziehen wir mit Konrad Lorenz (Das sogenannte Böse, 1963) nach, wie in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit das begriffliche Denken den Menschen über seine schwache natürliche Bewaffnung weit – zu weit – hinausgehoben hat. Eine performative Folge also. Gepaart mit der fehlenden Tötungshemmung gegenüber Artgenossen, die den Raubtieren vorbehalten bleibt, ist dem Menschen durch seine künstliche Bewaffnung das willentliche Töten erst ermöglicht worden. Unser Freund Sigmund Freud derweil spricht dem Menschen ohne Kultur die Nächstenliebe tendenziell ab (warum gerade er das tut, können wir heute auch nicht mehr verstehen), weswegen er seine aggressiven Triebe kulturell hemmen muss, was ihn wiederum krank macht und ihm die Nächstenliebe stärker noch verunmöglicht, als sie ihm im hypothetisierten Naturzustand jemals verunmöglicht war. So pessimistisch beschließen wir nur fast, denn auch Freud kann irren. Wenigstens laufen wir in der Sackgasse der Aporie nicht gegen die Wand, sondern sind bemüht, das Einbahnstraßenschild umzudrehen. Wir wissen schlussendlich: Wir bräuchten eine filigrane Beleidigungskultur.

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XII. Werner Herzog18 Jan 202400:46:39

Ein Gespräch zu seinem 80. Geburtstag

Mit Florian Arnold widmen wir uns Werk und Person Werner Herzogs, zu dessen 80. Geburtstag. Auch in seinen Spielfilmen schlägt immer wieder das Dokumentarische durch. Doch was will Herzog dokumentieren? Was ist das Gleichbleibende in seinem Werk, welche Motive treiben ihn? Herzog scheint in allen Naturschauspielen, die er festhält (unter anderem: das Spektakel Klaus Kinski), nie die manifeste Gewalt der Natur zeigen zu wollen, nicht ihre violentia gewissermaßen, sondern ihre potestas, ihre herrschende, verfügende Gewalt, die in ihr schlummert, die in den Vulkanen brodelt. Ihm geht es um ein „An-Sich“ der Natur, um das Verhältnis des Menschen zu den Urkräften, denen er auf unerklärliche Weise entstammt. Wir machen mehr und mehr religiöse Motive aus und gelangen zu einiger Klarheit. Ohne Gespür für das Mystische ist Herzogs Werk wohl nicht denkbar – nicht in seiner Deutlichkeit und Deutbarkeit. Steht Herzogs Mission als „Soldat des Kinos“ letztlich in einiger Verwandtheit zur Mission des Missionars, der auch beständig die Grenzen der Welt aufsuchen musste?

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XV. Nicht nur zur Weihnachtszeit17 Dec 202301:04:48

… oder die deutsche Weihnachtsneurose

Wenn es weihnachtet, kommt in guter deutscher Tradition auch ein Zwang nach dem anderen um die Ecke. Obsessives Verspeisen der immer gleichen Speisen, ritualisierte Abläufe, die dennoch jedes Jahr dieselbe Gefahr laufen, zu misslingen und IST DER BAUM AUSREICHEND GESCHMÜCKT?! 1952 verpackte Heinrich Böll mit psychologischem Scharfsinn und loriotscher Beobachtungsgabe alles, was zu Weihnachten in Nachkriegsdeutschland zu sagen ist, mit seiner Geschichte _Nicht nur zur Weihnachtszeit_ in ein großes kleines literarisches Geschenk, welches wir nun auspacken. Dabei wird so allerhand deutlich, nämlich dass wir womöglich immer noch in Nachkriegsdeutschland leben. Traumata und Neurosen werden nicht nur in Individuen, sondern in Familiensystemen und ganzen Kulturgemeinschaften gespeichert und weitergegeben. Das erklärt, wieso viele von uns sich neben dem Weihnachtsbaum der Großmutter als Kinder noch gefühlt haben könnten wie Wachsfiguren. Dass es bei den Themen Krieg, Verdrängung, traumatischer Neurose oder gar Psychose nichts zu lachen gibt, ist eigentlich klar, wird aber in Bölls Satire widerlegt. Etwas anderes können wir euch zum alljährlichen WICHTIGSTEN FEST auch nicht raten: Trotzdem lachen. (Und weinen.)

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31. Vom endlichen und vom unendlichen Studium09 Nov 202301:37:02

Der Ertrag des Endlichen, die Möglichkeiten des Unendlichen und all die Lebenserfahrung dazwischen

In einer Folge, die einen kleinen Abschied beinhaltet, widmen wir uns abermals dem Studium und geraten ins Resümieren. Worunter lässt sich nach 3 1/2 Jahren Podcast und 2 Masterabschlüssen ein Bilanzstrich ziehen? Bzw. was steht unter ihm? Neben dem Studium und seiner Endlichkeit oder Unendlichkeit beschäftigt uns also die Endlichkeit überhaupt, sowie ihr Ertrag an Realisiertem, der nur in ihr der Unendlichkeit des Möglichen abgetrotzt werden kann. Passenderweise bringt sich da auch die Frage nach dem Geborenwerden mit ein – in recht anschaulicher Form. Denn obwohl die Geburt traumatische Qualitäten haben kann (sie ist aber nicht: Urtrauma), kommt man nicht um sie herum. In-der-Welt-Sein oder Nicht-in-der-Welt-Sein – das ist hier die Frage. Und so war es schon immer bei Lachen & Weinen, und so wird es bleiben (auch nach dem Abspann).

Veranstaltungshinweis

Wir sind am Freitag den 17.11.23 um 19:30 Uhr zu Gast im Literaturhaus Köln und diskutieren auf Einladung des Europolis Köln e.V. zum Thema „Krieg, Avantgarde und das Herz von Europa – auf der Suche nach dem Menschen“. Der Eintritt ist frei! Kommt gerne zahlreich, wir würden uns sehr darüber freuen.

Inhalt:

00:00:00 Hörspiel: Interview mit einem ungeborenen Antinatalisten

00:09:29 Begrüßung, kleiner Abschied, Anti-Natalismus und Berufe

00:31:25 Vom endlichen und vom unendlichen Studium

01:31:34 Ende (der Folge)

01:33:32 Ave

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30. Ein Reiseführer für die Heimat11 Sep 202301:53:43

Die Monotonisierung der Welt aus der Sicht des globalen Touristen

Hat der europäische Mensch in der Welt noch genug Vielfalt übrig gelassen, die er nach einem Langstreckenflug als Tourist besichtigen könnte? Mit dieser Leitfrage im Hinterkopf halten wir im Geiste des Menschheitsschutzes (nicht Klimaschutzes) Reiseformen für zukunftsfähig, die den geografischen Ortswechsel auf ein Minimum reduzieren – oder ihn ganz tilgen. Welchen Wert hat trotzdem die Fernreise? Warum reist man überhaupt und aus welchen Gründen sollte man auch heute noch reisen? Welche Fremdheitserfahrung ist falsch, welche ist unvermeidbar, und welche lassen sich wirklich nur in anderen Ländern machen? Wie aber entkommt man den gelenkten Massenströmen des globalisierten Tourismus, wie weicht man von der pauschalen All-inclusive-Route erfolgreich ab? Und wie ist Herr Schmitz davon zu überzeugen, dass sein Leben mehr hergibt als ein Billigflug nach Malle verspricht? Die Monotonisierung der Welt ist der Globalisierung oft und zu Recht angelastet worden. Wir klagen sie erneut an, beklagen sie und können doch nicht anders, als uns nach Italien zu sehnen. Denn wir haben alle ein tiefes Bedürfnis nach Fremdheitserfahrungen. Der Tourismus raubt uns leider meist schon die Chance auf ebendas, was er selbst verkäuflich machen will. Jenseits der Sehenswürdigkeiten liegen aber trotz allem noch andere Pfade, in denen wir andere Leben beschnuppern dürfen, die uns unserer Heimat atmosphärisch entheben und uns so erheben können – wenngleich nur auf Zeit.

Lektüreempfehlung:
Gerade erschienen! Paramoderne. Anselm Feuerbachs »Gastmahl des Plato« und die Tragödie der Kunstreligion von Florian Arnold.

Inhalt:

00:00:00 Hörspiel: Im Reisebüro für Heimaturlaub

00:15:16 Begrüßung, der Tourist und Berufe

00:40:11 Tourismuskritik

01:16:05 Das andere Reisen

01:47:09 Unverständlichster Satz der Woche

01:49:57 Verabschiedung

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29. Der Weltbrand30 Jun 202301:54:11

Mit Sloterdijk von prometheischen Peinlichkeiten zur globalen Brandstiftung

Interview-Coup! Slavoj Žižek war bei uns zu Gast. Außerdem: Lachen & Weinen berichtet von der phil.cologne. Lachen & Schmelzen hat Sloterdijk gelesen. Es ist endlich mal wieder eine bunte Folge geworden. Den unverständlichsten Satz der Woche liefert Marx. Und Maxim Klusch hat für die 10. Popmusikanalyse die deutschen Charts gehört. --- Sloterdijk reduziert in seinem neusten Essay die Geschichte unserer Spezies auf die Pyrotechnik. Auch in Zeiten, als Chinaböller noch nicht erfunden waren, fackelte der Mensch Sachen ab; vorwiegend Bäume. Und wir lernen, dass die Waldbrände gegenüber dem Weltbrand das geringere Übel wären. Doch wir brennen bereits seit 250 Jahren die Urwälder ungeheurer Vorzeiten ab, die wir eigentlich hätten in der Erde lassen sollen. Ob Sloterdijk dabei subtil eine FDP-Agenda verfolgt (ja), ob es seine rechtsliberale oder ökolinke Wende bedeutet – hin oder her! Er bleibt der geistreichste, lebendste – also noch lebendige – Rhetoriker.

Inhalt:

00:00:00 Interview: Žižek en passant

00:08:22 Begrüßung und Berufe

00:20:55 phil.cologne

00:47:56 Popmusikanalyse: Friesenjung

00:52:48 Sloterdijk: Die Reue des Prometheus

01:50:53 Unverständlichster Satz der Woche

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28. Tiefenökologie und Ökosophie18 May 202301:18:57

Arne Næss' ökophilosophische Programmatik

Lachen & Schmelzen widmet sich einem Grundlegungsversuch und -dokument der Ökobewegung. Der norwegische Philosoph Arne Næss entwarf 1972 die einflussreiche Tiefenökologie (er unterschied sie von der flachen Ökologie), mit deren Hilfe er eine ökologische Philosophie, die Ökosophie begründen wollte. Neologismen waren nicht seine Stärke. Und seine manifestartigen Thesen zum „ecological fieldworker“, zum „biospherical egalitarianism“ oder auch zur „anti-class posture“ der Tiefenökologie wirken eklektizistisch. Dennoch formuliert er einiges, was noch heute zum festen Vokabular der Klimagerechtigkeitsbewegungen gehört. Die mangelnde Selbstständigkeit seines ökophilosophischen Entwurfs verweist jedoch vor allem auf Konzepte, denen wir uns in Zukunft widmen werden.
On another note gestaltet sich die kapitalistische Landnahme im Meer schwierig. Das Element Wasser ist schlecht greif- und eingrenzbar. Über zwei Drittel der Erdoberfläche sind aber azzurro – die Erde steht im Grunde unter Wasser. Wie der Mensch des modernen Nationalstaats, dem Grenzen wichtig sind, damit umgeht, ist Gegenstand der Unterhaltung zweier Reisebekanntschaften auf hoher See; ein eigentümlich gegen den Wind Anschreiender und ein poetisch veranlagter Seerechtsexperte, der mit seinem wienerischen Dialekt ringt, informieren uns ganzheitlich und nachhaltig – von Atlas’ Spaerlebnissen bis zum Tieflandsockel.

Inhalt:

00:00:00 Hörspiel: Meeresgespräche

00:13:38 Begrüßung und Berufe

00:23:45 Arne Næss: Tiefenökologie und Ökosophie

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27. Dialektik der Freizeit13 Mar 202301:23:59

Über Langeweile, Hobby-Ideologie und Pseudo-Aktivität

Kurz vor Frühlingsbeginn und dem allgemeinen Sprießen und Erblühen auch freizeitlicher Aktivitäten streuen Bruno und Jakob Pfeffer in die Suppe, bzw. Sand ins Getriebe all jener, die Freizeit für eine gute Sache halten. Der Protestler vom Dienst und Vorstand a. D. der bundesrepublikanischen Vereinigung der Spaßbremsen („Fun ist ein Stahlbad“), Theodor W. Adorno, reicht uns Pfeffer bzw. Sand und weist uns in Richtung des Getriebes der Kulturindustrie, welches selbst dem unkritischsten Esser die Freizeit-Suppe versalzt, in aller Regel ohne dass er es bemerkt. Freizeit ist nämlich ohne Arbeitszeit nicht zu denken, und grundsätzlich verschieden vom eigentlich erst qualitativ bestimmbaren Begriff der Freiheit. Weiterhin sind zu scheiden Muße und Langeweile, wobei Letztere die Verzweiflung markiert, zu Ersterer nicht mehr die nötige Ernsthaftigkeit aufbringen zu können. Sinnstiftend sind weder Hobbys (wer sich ernst nimmt, erschrickt bereits ob der Frage nach ihnen) noch blinde Aktivität – beide füllen jedoch zu große Quanten unserer Freizeit. Dabei sollten wir keine Angst haben, vor Papa Adornos Augen nur als kulturkonservative Ernsthaftigkeitsfanatiker Gnade zu finden; im Gegenteil lässt sich auch ernste Blödelei betreiben, solange sie von freier Expression lebt und durch eigene Phantasie produziert wird. Was uns an Freizeitangeboten vorgesetzt wird, sollten wir jedoch in den allermeisten Fällen als Organisation unserer Freiheit ablehnen, was wie immer leichter gesagt als getan ist. Doch es lohnt sich: Wir können die Chance wahren auf echten Genuss und wirkliche Erlebnisse abseits der Eventkultur.

Inhalt:

00:00:00 Begrüßung und Berufe

00:09:06 Adorno: Freizeit

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26. Mensch und Erde05 Feb 202301:30:24

Ökophilosophie mit Lachen und Schmelzen

Wir kommen aus der Winterpause und machen erstmal unseren Neuigkeiten Luft. Bruno will Luftverkäufer werden. Jakob begräbt seine passivistischen Ambitionen. Nebenbei erfinden wir den AirPod und die Kaufhäuser ganz neu. Im Podcast vollziehen wir endlich die ökologische Wende und sprechen die erste Folge „Lachen & Schmelzen“ ein. Das Element des Kapitalisten ist das Feuer. Betrachten wir den Umgang des Menschen mit seiner Umwelt, dann entfaltet sich schnell ein Bild der Zerstörung. Ludwig Klages, umstrittener Lebensphilosoph und Neoromantiker – wenigstens in Sachen Ökologie – inspiriert uns zum Auftakt mit seinem Gründungstext der deutschen Ökologiebewegung „Mensch und Erde“ von 1913, und wir lassen uns von seinem Pathos tragen. Ist es der Mensch, der die Natur unter der christlichen und aufklärerischen Maxime der Naturbeherrschung und Nutzbarmachung vernichtet? Nein! Es ist spezifischer der westliche „Kulturmensch“, der nicht bloß Flora, sondern auch Fauna bevorzugt verbrennt, ausrottet, häutet und sich dann als Schal umlegt. Fortschrittlichste Kulturen, die in aller Regel kein Interesse daran hatten, die Natur zu zerstören, sondern mit und in ihr lebten, wertet der westliche Mensch im Geiste des Christentums als zurückgeblieben ab, wodurch er sich selbst das Recht verleiht, auch jene Völker anderer Kulturen auszurotten wie die Tiere. Er wähnt sich als Gewinner, schadet dabei jedoch nur sich selbst; seine Ethik wird eine reine Nutzenethik, er hält ein falsches Menschenbild aufrecht (denn auch er steht in seiner Umwelt und ist auf sie stetig bezogen und angewiesen), wird stumpf und verliert sein ästhetisches Empfinden und Spüren. Dieser Mensch hat sich seine Weltoffenheit verspielt. Und heute muss er sich fragen, ob die Welt selbst noch offen genug ist, nämlich empfänglich wäre für die Veränderung, die der Mensch bräuchte, um nicht endgültig Opfer seiner katastrophal fehlgeleiteten Mentalität zu werden. Herzlich willkommen im Jahre 2023 mit Lachen & Schmelzen!

Inhalt:

00:00:00 Begrüßung und Berufe

00:23:01 Klages: Mensch und Erde

01:26:47 „Die Wüste wächst“

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25. Anlasslose Feste11 Dec 202201:32:09

Feiern in der Spätmoderne oder die Ästhetisierung der Lebenswelt

Bald weihnachtet es und Weihnachten ist ein Fest. Was daran noch feierlich ist, besprechen wir am 24.12. Vorab gilt es zu klären: Wie wird überhaupt gefeiert in nachmetaphysischen Zeiten? Religion und Politik geben nicht mehr den Ton an, also behelfen wir uns durch Ästhetisierung und probieren, das Fest zum Alltag zu machen. Dass damit ein alter Traum der Romantiker verwirklicht wird, hilft wenig, denn es funktioniert immer noch nicht. Funktioniert haben die Feste einmal, sie vergegenwärtigten das Leben in Ausnahmesituationen und stifteten höheren Sinn. Das und mehr lernen wir vom Heidelberger Philosophen Rüdiger Bubner, dessen Thesen zur „Ästhetisierung der Lebenswelt“ wir besprechen. Aber ist wirklich alles sinnlos geworden? Einige Rettungsversuche auch zu Gunsten der anlasslosen Feste unternehmen wir freilich. Selbst wenn „nichts“ mehr gefeiert wird, geschehen beim Feiern doch wichtige Dinge!

Inhalt:

00:00:00 Hörspiel: Biermänner

00:06:44 Begrüßung, Letzte Generation und Berufe

00:24:08 Bubner: Die Ästhetisierung der Lebenswelt

01:12:24 Trotzdem feiern

01:29:33 Verabschiedung

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24. Die Grenzen der Gemeinschaft (mit Jens Heise)06 Nov 202201:59:52

… und die Grenzen der Grenzschrift von Plessner

Auch in jüngeren Jahren schrieb Helmuth Plessner bereits gute Bücher. Mit unserem Gast Jens Heise von der Uni Heidelberg widmen wir uns Plessners soziologischem Erstling, den „Grenzen der Gemeinschaft“. Nach einiger Arbeit am Text wenden wir uns den Problemen der Jetztzeit zu und damit den möglichen Grenzen der Grenzschrift. Hierbei unterstützt uns Andreas Reckwitz. Hat nicht die Gesellschaft, für die sich Plessner rückhaltlos ausspricht, selbst ein Radikalisierungspotenzial? Produziert sie heute nicht mehr denn je soziale Vereinzelung und leistet damit einer Politisierung von Gemeinschaftslogiken wieder Vorschub? Oder muss sich das spätmoderne Subjekt dieser Vereinzelung um der Gesellschaft willen anpassen, muss es ein hybrides werden? So gewinnt schließlich ein an die Postmoderne anschlussfähiger Plessner Konturen.

Inhalt:

00:00:00 Begrüßung und Anekdotisches

00:03:19 Plessners „Grenzen der Gemeinschaft“

00:29:17 Gemeinschaft vs. Gesellschaft

01:08:48 Popmusikanalyse: Entfremdung in „Ich bin durchsichtig“ von Potpourri

01:16:07 Zu viel Gesellschaft? Singularisierung und Identität

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23. Ausweglosigkeit (mit Florian Arnold)03 Oct 202201:35:16

Zeitgeist im Zirkel, in Sackgassen, in Ratlosigkeit

Wohin gehen, wenn uns das Gefühl der Ausweglosigkeit beschleicht? Mit Philosoph und Designtheoretiker Florian Arnold malen wir uns das Theorem der Ausweglosigkeit in allen Facetten aus. Das führt uns in Krisenzeiten auf Abwege, Umwege und zuletzt auf Holzwege. Im Dickicht finden wir uns nicht nur der anthropologischen Gefahrensituation ausgesetzt, sondern findet sich womöglich auch erst die Fährte zu den Quellen, wenn die eingelaufenen Trampelpfade verlassen werden. Wie aber Kampf und Gewalt im Lichte der Ereignisse entgehen? Durch Gelassenheit? Um jene muss Maxim Klusch in der Popmusikanalyse zu „Layla“ mächtig ringen.

Inhalt:

00:00:00 Begrüßung, Steady

00:05:59 Krisenzeiten

00:14:22 Zeitenwende, Geschichte und Katastrophe

00:26:45 Anthropologische Ausweglosigkeit und Flirt mit dem Bösen

00:38:52 Pessimismus

00:43:56 Theoretische Ausweglosigkeit: Aporie und Zirkel

00:57:26 Popmusikanalyse: Kulturkampf „Layla“

01:08:18 Kampf, Gewalt, Ereignis

01:21:04 Historische Ausweglosigkeit?

Literatur:

Georg Simmel Der Krieg und die geistige Entscheidung (1917).
Walter Benjamin Über den Begriff der Geschichte (1940) und Kritik der Gewalt (1921).
Arthur Schopenhauer Die Welt als Wille und Vorstellung (1819/1844/1859).

Unser Gast Florian Arnold im Internet:

und auf dem Buchmarkt (Auswahl):

  • Logik des Entwerfens. Eine designphilosophische Grundlegung, Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2018.
  • Die Architektur der Lebenswelt. Entwürfe nach der philosophischen Anthropologie Hans Blumenbergs, Verlag Vittorio Klostermann, Frankfurt a. M. 2020.

In unserer kommenden „II. Folge“ sprechen wir mit Florian Arnold über den großen Werner Herzog zu dessen 80. Geburtstag.

Florian Arnold war schon einmal bei uns zu Gast, damals sprachen wir über sein Buch Die Architektur der Lebenswelt und die Anthropologie Hans Blumenbergs. Hier nachhören!

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22. Der Vater aller Dinge04 Sep 202201:40:41

Vom Krieg und seiner Verhütung

Ist der Krieg eine organisierte Zerstörung mit schaffendem Potenzial? Müssen wir dem Krieg das Kondom überstülpen? Wir halten schon qua Zeitgenossenschaft (Massenvernichtungswaffen) wenig von solcher Romantisierung, deutlich weniger teils als unsere mittlerweile historisch gewordenen Autoren Clausewitz und Nietzsche, zu deren Zeiten man noch in 'mannhafter' Duellsituation sich gegenüberstehend kämpfen konnte. Bereits desillusioniert ist Sigmund Freud, der den Ersten Weltkrieg miterlebte und bis an den Rand des zweiten lebte, von dessen Vorwehen er bereits in die Flucht getrieben wurde. Umso erstaunlicher, dass gerade er nicht nur sachlich und analytisch über den Krieg nachdachte, sondern auch moralfrei. Moralfreier dabei als selbst sein großer Vordenker Nietzsche.

Inhalt:

00:00:00 Hörspiel: Sprachverwirrungen im Kriegslager

00:07:15 Ankündigungen, Berufe

00:16:21 Der Vater aller Dinge? – Zeitenwende

00:24:48 Nietzsches Kriegspathos bei Zarathustra – kontextualisiert

00:38:13 Warum Krieg? – Freud

01:04:20 Vom Kriege – das clausewitzsche Politikum

01:22:49 Die politischen 5 Minuten

01:27:54 Reale Bedrohungen und Ausblick

01:37:52 Das Wort zum Sonntag

Literatur:

Carl von Clausewitz: Vom Kriege (1832-1834).

Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra, Buch I, Vom Krieg und Kriegsvolke (1884).

Sigmund Freud: Warum Krieg? (1932/33).

In unserer kommenden „II. Folge“ sprechen wir über Aggression.

Danke an folgende Soundcrafter:

freesound.org/people/kangaroovindaloo/sounds/…

freesound.org/people/jobro/sounds/87136

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X. Sekundärliteratur13 Jul 202200:41:44

Texte über Texte

Nach Bildung, Fort-, Weiter- und Halbbildung beschäftigen wir uns mit zweiten und dritten Blicken auf das Primäre. Und zwar das wirklich wahre Erste: den Text. Der Gegenstand des ersten Textes: Die Welt, die Realität – alle möglichen Gegenstände, außer! – andere Texte. Die Sekundärliteratur eben schaut auf andere Texte und produziert in diesem Zuge wieder: Texte. Geisteswissenschaft als Kunst der Paraphrase? Schulphilosophie als Kommentieren und Kommentieren der Kommentare? Was bedeutet Autorschaft, und fehlt es an Autoren? An letzter Stelle steht ein Halbzitat: Es gibt nur gute und schlechte Bücher!

Wir verabschieden uns hiermit bis Anfang September in eine kleine Sommerpause! Bleibt uns erhalten und erleidet keinen Hitzeschlag.

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21. Bildung als Microdegree?29 Jun 202201:46:52

Philosophie der Bildung und Bildungsideale

Wer ist man heutzutage eigentlich, wenn man statt eines Diploms 23 Microdegrees erworben hat? Was ist kanonisch und was ist ein Kanon? Fährt man heutzutage am Ende mit der Halbbildung noch ganz gut, weil bereits die Viertel-/Achtel-/Sechzehntelbildung droht? Wollen uns hippe digitale Trends weismachen, Wissen sei dasselbe wie Bildung, und auch Wissen sei letztlich nichts anderes als Information? Das ist einer Ökonomisierung von Wissen und der Aushöhlung von Bildung allzu zuträglich. Am Ende braucht Bildung Zeit: Und die fehlt. Also verschiebt man Bildung aufs Wochenendseminar oder aufs Coaching, d. h., man will sie heute als Ware. Außerdem und nicht zuletzt hierarchisiert der Bildungsbetrieb, er regelt soziale Teilhabe und Zugang zu Wissen. – Übrigens: Welcher Humboldtbruder war der ältere? – Was war und gibt es noch Gelehrtentum? – Und weshalb tun sich Millennials und ihre unmittelbaren Vorläufer (wir) so schwer, sich für einen Lebensweg zu entscheiden? Festzuhalten bleibt: Wir leben in einer der schnellsten Zeiten aller Zeiten.

Literatur:

Wilhelm v. Humboldt: Theorie der Bildung des Menschen (ca. 1793), in: Schriften zur Bildung, hrsg. v. Gerhard Lauer, Stuttgart 2017, S. 5-12.
Theodor W. Adorno: Theorie der Halbbildung (1959), in: Adorno: Gesammelte Schriften, Band 8: Soziologische Schriften 1., Frankfurt a. M. 1972, S. 93–121.

Inhalt:

00:00:00 Hörspiel: Metaphysische Apotheke

00:06:14 Ankündigungen: Sommerpause, neuer Blog

00:10:14 Einführung: Micro-Degrees und Bildungstypen

00:21:04 Allgemeinbildung

00:32:12 Bildung und Bildungsideal: Humboldt

01:13:47 Halbbildung: Adorno

01:40:24 Der unverständlichste Satz der Woche

In unserer kommenden „II. Folge“ sprechen wir über unsere Hassliebe zu und das Wesen der Sekundärliteratur.

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20. Essayismus in der Philosophie13 May 202201:59:17

Der Podcast als Form

In unserer 20. Folge lesen wir Adorno und fragen nach dem Essay und seiner Form. Auch wenn es irgendwie mit Montaigne begann und wir den Podcast gerne als Anti-Platonismus charakterisieren würden, führt eben doch kein Weg vorbei an der Rhetorik, was schlussendlich bedeutet, dass wir jedenfalls im Dialog nie ganz von Platon loskommen. Nebenbei erklärt sich so, warum wir ideengeschichtlich schon immer auf der richtigen Seite standen – und welche Seiten überhaupt zur Auswahl stehen (man darf unserer Aufteilung gerne skeptisch begegnen). Wo sich Sophistik und Philosophie die Hand reichen (müssen), da bleiben wir ein Gespräch. Und das auch in Zukunft! Außerdem: Cicero und Brutus treffen sich ebenfalls zum 20. mal in Tuskulum -- Maxim Klusch befragt in der POPMUSIKANALYSE Bob Dylan zum Krieg -- und in einer neuen Kategorie wird ein Philosoph im Alltag befragt.

Literatur:

Theodor W. Adorno: Der Essay als Form (1960), in: Adorno, Theodor W.: Noten zur Literatur I, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 9-49.

Inhalt:

00:00:00 Hörspiel: Cicero und Brutus in der 20. disputatio

00:10:49 Thema, Fußnoten, Salonarchitektur

00:26:22 Hörspiel: „Was man einen Philosophen niemals fragen sollte“

00:30:53 Der Essay (Montaigne) als Form (Adorno)

00:49:48 Skeptizismus und Skeptizismus

00:57:41 Podcast als Anti-Platonismus: Das Ephemere und Vergängliche

01:16:35 Schlechte Essays – Wa(h)renförmigkeit

01:28:01 Sophistik vs. Akademik: Erkenntnis ad interim

01:32:37 POPMUSIKANALYSE – Bob Dylan „Masters of War“

01:38:48 Rhetorik und Zeitknappheit (Blumenberg continued)

01:47:50 Kein Platonismus, aber dialogische Rhetorik: Nur der Podcast

01:54:24 Wir bleiben ein Gespräch

In unserer „II. Folge“ sprachen wir bereits über den Krieg Russlands gegen die Ukraine.

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IX. Die große Ukraine-Debattenrundschau27 Apr 202202:35:35

Perspektiven auf den Krieg gegen die Ukraine

In zwölf Abschnitten haben wir uns thematisch geordnet und hoffentlich zielführend dem Absolutismus der Wirklichkeit gestellt und uns die relevantesten schriftlichen Beiträge zum Krieg Russlands gegen die Ukraine durchgelesen. Unsere Gedanken dazu in der großen Debattenrundschau zur Ukraine. Nicht zuletzt suchen wir mit Alexander Kluge den Möglichkeitsraum im Nebel des Krieges und im Nebel der Gedanken, welchen der mediale Rausch im Kriegsfall schnell auslösen kann.

Aufzeichnung vom 21.04.2022

Inhalt:

00:00:00 Einleitung: Relativismus, Intellektualisierung und analytische Distanz

00:15:47 Adam Tooze: Geschichte des Konflikts
adamtooze.substack.com/p/chartbook-90-heavy-f…
de.wikipedia.org/wiki/Shock_and_Awe

00:37:23 Mary Elise Sarotte: Hintergrund des Kalten Krieges
nytimes.com/2022/03/01/opinion/russia-ukraine…

00:52:15 Spieltheorie: Nukleare Abschreckung (Thomas Schelling)
faz.net/aktuell/wissen/geist-soziales/zum-tod…

01:04:34 Herfried Münkler: Was hätte der Westen tun können?
faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ukraine-w…

01:09:45 Peter Zeihan: Geographie, Demographie, Geostrategie
zeihan.com/russias-twilight-war
zeihan.com/demographics-and-the-ukraine-war

01:26:24 John Mearsheimer: Was Ukraine the West's fault?
youtube.com/watch
newstatesman.com/ideas/2022/03/john-mearsheim…

01:33:07 Francis Fukuyama: Krieg am Ende der Geschichte?
newstatesman.com/encounter/2022/03/francis-fu…
newstatesman.com/ideas/2022/04/war-at-the-end…

01:43:08 Putins Motive? (Adam Tooze, Putin selbst, Slavoj Žižek)
en.wikisource.org/wiki/On_the_Historical_Unit…
project-syndicate.org/onpoint/hot-peace-putin…

02:05:05 Fluchtbewegungen, Geflüchtete und EU-Doppelmoral
project-syndicate.org/commentary/europe-unequ…
de.wikipedia.org/wiki/Flucht_vor_dem_russisch…

02:06:50 Yanis Varoufakis: Selenskyj und Neonazis im griechischen Parlament
freitag.de/autoren/der-freitag/selenskyj-bele…

02:09:38 Adam Tooze: Sanktions-Krieg gegen die russische Wirtschaft und globale Wirtschaft
adamtooze.substack.com/p/chartbook-87-are-we-…
foreignpolicy.com/2022/04/05/ukraine-russia-w…
adamtooze.substack.com/p/chartbook-97-is-boyc…

02:16:18 Deutsche Postheroik? (Herfried Münkler, Thomas Fischer, Alexander Kluge)
faz.net/aktuell/politik/inland/wehrpflicht-wi…
spiegel.de/panorama/ukraine-krieg-gas-und-oel…
spiegel.de/panorama/deutschland-und-der-ukrai…
zeit.de/kultur/literatur/2022-03/alexander-kl…

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19. Von Rollen, die wir spielen15 Mar 202201:18:19

Anthropologie des Schauspielers und Theater im Alltag

Rollenspiel und Maskenball, Goffmanns ausgelutschte Rede vom unumgänglichen Theater des Alltags – und im Rheinland auch noch der Karneval. Padrone Plessner führt uns durch die Anthropologien von Schauspieler und Imitation und am Ende hoffentlich heraus aus der Zwickmühle zwischen Selbstbeherrschung und Exzess.

Literatur:

Helmuth Plessner: Zur Anthropologie des Schauspielers (1948), in: Plessner: Ausdruck und menschliche Natur, Gesammelte Schriften VII, Frankfurt a. M. 2003.

Inhalt:

00:00:00 Einleitung

00:08:15 Spielen wir alle nur eine Rolle?

00:14:11 Der Affe kann nicht nachäffen

00:26:54 Reiz des Rollentauschs

00:35:53 Verkörperung: Wir sind die Maske

00:51:27 POPMUSIKANALYSE mit Maxim Klusch – De Bläck Fööss „In unserem Veedel“

00:58:08 Antiessenzialistischer Subjektbegriff und Würde der Rollen

01:15:51 Unverständlichster Satz der Woche

In unserer „II. Folge“ sprachen wir bereits über den Karneval.

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VIII. Karnevalistische Eilmeldung01 Mar 202200:56:31

Eine Brauchtumsgeschichte mit polemischen Anteilen

Unsere ofenfrische Karnevalsdiskussion wird überschattet von der Weltpolitik. Das greift Lust und Laune an, und Karnevalslaune ist bei Bruno und Jakob ohnehin schon ungleich verteilt…

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VII. Uhren und Spiegel15 Feb 202200:46:01

Wir Selbst im Spiegel und in der gemessenen Zeit

Wir sprechen über zwei verhängnisvolle Erfindungen. Darüber, wie sich unser Zeitempfinden vom zyklischen der Tages- und Jahreszeiten hin zu einem linearen, immer fortlaufenden wandelte (wodurch eine so bescheuerte Idee wie Fortschritt vielleicht erst möglich wurde). – Darüber, wie die Spiegelung auf natürlich vorkommenden Oberflächen eine schonende Unschärfe über unsere Gesichter legte, die wir zur Erhaltung unseres Selbstwertgefühls heute im digitalen „Filter“, der über das Spiegelselfie gelegt wird, wiederkehren lassen. Also zurück zur Urzeit und weg von der Uhrzeit? Spiegelung in den Augen des Gegenübers statt in kalten Fassaden?

Außerdem: David Hume sagte: „We never really advance a step beyond our self.“ Gegen wen richtet sich das? Wer hat denn da das Gegenteil behauptet? Das müssen wir leider offenlassen.

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18. YOLO08 Feb 202201:35:56

IDGAF-Intensitätssehnsucht als falscher Hedonismus

Es geht um einen verzweifelten Ausruf, um eine Anrufung des Kurzweiligkeitsgötzen der Tatsächlichkeit, um ein missverstandenes Jugendwort? Von Hegel her erklären wir die Genese von YOLO, sprechen über den 1. und 2. Tod Gottes, und landen am Ende doch in einer eudämonologischen Antinomie von Schopenhauer. Die Lust lässt sich jedenfalls nicht austreiben, aber sie lässt sich zerstören. Das wiederum ist nicht erstrebenswert. Hedonismus sollte als Gesundheitspflege verstanden werden. Doch leben wir leider in einer vereindeutigten Welt. Fast fragen wir verzweifelt: Kann uns nur ein neuer Gott retten?

Inhalt:

00:00:00 Hörspiel: Yoyos Yolo

00:07:28 Einleitung

00:16:50 Kojèves Hegel

00:35:10 Immanenz

00:44:50 Von Hegel zu Nietzsche?

01:11:26 POPMUSIKANALYSE: The Weeknd – „Sacrifice“

01:18:29 Hedonismus als Gesundheitspflege?

01:26:53 Das richtige Leben im Falschen?

01:32:37 Unverständlichster Satz der Woche

In unserer kommenden „II. Folge“ sprechen wir über Uhren und Spiegel!

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VI. Einführung in die Wohntheorie (mit Daniel D. Liver)03 Jan 202201:12:39

Grundzüge der speziellen Wohntheorie

Einst im Weltaal in unendlichen Weiten vom Kronleuchter hängend, plötzlich herabgekommen, Selleriewälder durchschreitend und zu guter Letzt im Eierschalensessel für unser Interview niedergelassen: Unser dritter Gast Daniel D. Liver, Professor für Raumtheorie und Wohnpsychologe. Wir sprechen über die Raumtheorie von Anfang bis Ende, von Hesiod bis zur topologischen Wende, und darüber hinaus bis in den Wohnmarxismus! Die Atomisten stellen sich dabei der Frage nach artgerechtem Wohnen auch im 20. Jahrhundert noch in den Weg. Mit Husserl und dank der phänomenologischen Methode gelangen wir am Ende gar bis nach China. Unverhofftes Glück: Prof. Daniel D. Liver würdigt unsere Woziologische Arbeit. Immer wieder tauchen schließlich im geisteswissenschaftlichen Betrieb neue Schulen auf, die neue Kehren, Wenden, „turns“ und „pre-turns“ produzieren – wir bringen endlich Licht ins Dunkel! Von der Raumtheorie in den Wohnraum und auf die Couch des Wohnpsychologen – hört rein und begleitet uns ins neue Jahr!

Vielen Dank an folgende Soundcrafter:
freesound.org/people/celestino.anthony/sounds…

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Und an euch alle: Frohes Neues Jahr!

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17. Die Schule der Ironiker24 Dec 202101:50:07

Philosophie der Ironie in mehreren Facetten

Vom interessantistischen Lebensbezug schreiten wir zum ironischen. Der Ästhetiker will noch immer nicht er selbst sein. Das Instrument der Wahl dazu liefert ihm die Romantik: Eine zur philosophischen Grundhaltung weiterentwickelte Ironie. Wir schreiten von der sokratischen Ironie über die romantische bis zur postmodernen Ironie, um am Ende sogar hinter Sokrates zurückzuschauen. Wir sind der Ironie gegenüber skeptisch, wissen aber, dass der Ironiker einen Schritt weiter ist als der Skeptiker. Also dran denken: Wer „Ja“ sagt, muss auch „Nein“ sagen. Viel Freude und frohe Festtage!

Inhalt:

00:00:00 Hörspiel: Ciceros Wintersonnenwende

00:09:42 Vom Interessantismus zur Ironie

00:20:10 Ironie des Alltags

00:26:18 Immer wieder Ärger mit Sokrates

00:47:47 Hörspiel: Pyrrhon und sein Meisterschüler

00:55:00 Die POPMUSIKANALYSE mit Maxim Klusch – „Last Christmas“

01:01:45 Kant, Fichte und der Weg in die Romantik

01:10:28 Universalironie und Universalpoesie

01:28:51 Postmoderne Ironie

Danke an folgende Soundcrafter:
Olivier Girardot -> www.ogsoundfx.com

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16. Vom Interessantismus21 Nov 202101:20:05

Dazwischen sein im ästhetischen Lebensvollzug

Im ewigen Dazwischen gefangen suchen wir als hoffentlich erotische Boten Auswege aus einer daimonischen Sackgasse des Zeitgeistes. Wenn alles interessant ist, alles akademisch „spannend“ – was zählt dann noch? Und von wo aus lässt sich das alles als interessant beobachten? Wir sind eigentlich die Zuschauer unseres eigenen Schiffbruchs – doch dazu ein andermal. Ein andermal, ein andermal. Wir vertagen und bleiben eben: interessiert. Doch wir sollten uns nicht nur an der Möglichkeit unserer Gefühle berauschen. Schließlich scheint der Kipppunkt mit drei P schon erreicht zu sein; alles ist interessant, das heißt eigentlich, es herrscht die absolut gewordene Indifferenz.

Inhalt:

00:00:00 Hörspiel: Zeitgenössische Beichte

00:06:50 Eröffnung – Sentimentaler Florist und Wohnpsychologe

00:11:18 Kierkegaard – romantische Einführung – Korrektur: Die Rede ist kurz von NIELS Bohr

00:26:45 Interessantismus – Lebensweise des Ästhetikers

00:37:55 Hörspiel: DIE METAPHYSISCHE APOTHEKE

00:43:53 Unterfütterung – Nietzsche – Kierkegaard – Doppeldeutigkeit des Interesses

01:03:35 POPMUSIKANALYSE mit Maxim Klusch – „Deutschlands einziger Zuhälter-Rapper“

01:10:13 Dekandenz – Universitärer Interessantismus

Literatur:

Søren Kierkegaard: Entweder – Oder. Ein Lebensfragment, herausgegeben von Victor Eremita, München 1975.

Danke an folgende Soundcrafter:
freesound.org/people/klankbeeld/sounds/571624
freesound.org/people/mars_98/sounds/445035

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V. Kolloquium zum Nietzsche-Kolloquium19 Oct 202100:39:18

Über akademischen Lifestyle und große Fußstapfen

1700 Meter über dem Meeresspiegel. Rechts und links umgeben einen weniger Menschen als in normalsterblicher Tiefe. 700 Einwohner treffen auf (ca.) 700 Nietzsche-Enthusiasten, Nietzsche-Epigonen, Nietzsche-Apologeten, Nietzsche-Fetischisten? Wir plaudern über Nietzsches Leben und Werk, über den Tagungslifestyle, über dünne Luft, frische Luft in Sils Maria. Am Ende steht fest: Berge sind höher als Menschen.

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15. Auf den Spuren der Einsamkeit10 Oct 202101:32:54

Moderne, pathologische und mediale Einsamkeit

Wir sind im Kosmos, doch wo stehen wir? Und wie zu uns selbst? Und wie mit- und gegeneinander? Vielleicht stehen wir am Rande, am Abrand? Bruno und Jakob wollen zu Rande kommen und sprechen über Einsamkeit. Wir sind alle religiöse Kleingärtner (geworden). Ein Obdach müssen wir uns heute vielleicht selbst bauen. Georg Simmel erklärt die Entfremdung voneinander in den Großstädten. Gehört Einsamkeit dazu, oder lässt sie sich heilen? Beides – wahrscheinlich. Obwohl die Stoiker wie immer ihr Diktum zum Besten geben: Stellt euch doch nicht so an. Und mal wieder: Freiheit ist ein zweischneidiges Ideal, vor allem aber: ein Ideal! Wir sollten ihm nicht unsere Gesundheit opfern. Selbiges gilt für die Gesellschaft: Je besser sie „funktioniert“, desto kränker werden die Menschen, die dieses Funktionieren garantieren. Also: Ganz einsam sind wir hoffentlich erst im Tod.
Einst waren echte Beziehungen eine Notwendigkeit. Heute meinen wir uns dieser Notwendigkeit entledigt zu haben, und inszenieren Beziehungen in einer fragwürdigen Realität. Und schließlich landen wir bei einer großen Scham. Doch dazu ein andermal!

Inhalt:

00:00:00 Nietzsche in Sils-Maria

00:02:20 Einleitendes zur Einsamkeit

00:12:30 Einsamkeit und Moderne – Simmel u. a. – Spaßgesellschaft, Partygesellschaft

00:30:40 Allgemeines und Singuläres – Simmel und Reckwitz

00:37:22 Rolle von Staat und Gesellschaft – Diana Kinnert

00:46:10 Kommunikation, Medien – McLuhan, Plessner

01:05:55 DIE POPMUSIKANALYSE mit Maxim Klusch – „I“ vermisst „You“

01:10:33 Selbstverleugnung als moderne Subjektivität – Adorno/Horkheimer

01:17:42 Betrübtheit? – Bitte keine Ethik des Ertragens!

01:30:36 Abschied – Der Einsamste

Wir empfehlen:

F. Scott Fitzgerald: The Great Gatsby (1925)

King Vidor: The Crowd – „Ein Mensch der Masse“ (1928)

Sofia Coppola: Lost in Translation (2003)

Werner Herzog: Family Romance, LLC (2019)

Georg Simmel: Die Großstädte und das Geistesleben (1903)

Helmuth Plessner: Zur Frage menschlicher Beziehungen in der modernen Kultur (1959)

Diana Kinnert: Die neue Einsamkeit. Und wie wir sie als Gesellschaft überwinden können (2021)

Wir danken dem Nietzsche-Haus in Sils Maria im Engadin für die Gastfreundschaft!

Wie immer auch danke an @leon.scheich für unsere Logos!

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IV. Wahl-O-Mat-Kritik®14 Sep 202100:49:08

Eine neutrale Handreichung?

Handreichung zur Wahl No. 2. Wir haben den Wahl-O-Mat® durchgespielt. Und betrachten ihn kritisch. Doch mit dem Ergebnis sind wir zufrieden. – Außerdem: Wir wollen die traditionalle Familie aus Vater, Vater und Großvater fördern. BAföG stärker besteuern. Den Staat verstaatlichen! Der freien Wirtschaft Windenergie in den Arsch blasen. fünfte und sechste Staatsbürgerschaften zulassen! Wir sollten uns ganz rational selbst befragen: Können wir aus dem großen Scheißhaufen einen Köttel machen? Während der Aufnahme klingeln die Grünen. 6G-Ausbau! Die Schuldenbremse bitte links überholen! Lieber finanzielle Schulden als materielle Schulden. Aus der sehr schlechten EU soll Deutschland nicht austreten! Und bitte: Frauen an die Macht. Oder wenigstens der Postillon. Und den Machtblock der Alten brechen.

Lachen und Weinen präsentiert: Eine informative Sendung die überwiegend ernst gemeint ist.

Korrektur: „Unsere Sicherheit wird nicht nur, aber auch am Hindukusch verteidigt“, sagte nicht Joschka Fischer, sondern Peter Struck. Schade eigentlich.

Hier gehts zum Wahl-O-Mat®: wahl-o-mat.de/bundestagswahl2021/app/main_app…

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14. Passivistische Staatsbefriedung12 Sep 202101:29:35

Staat, Politik und Rechtsradikalismus

Wir betreiben passivistische Agitation. Aber auch: Vögeln fördern. Denn bei der Liebe gibt es wenigstens noch was zum Anfassen. Drum herum herrschen einige Fiktionen. Der Staat bleibt ein Abstraktum und legt trotzdem Hand an. – Es ist Wahlherbst, die Jahreszeit des Hypernormalismus. Und das im realen Ausnahmezustand. „In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod.“ Die Lage ist ernst. Das Politische geht dem Staat voraus, die Politik betreibt ihren Betrieb – und wir können uns dem Ganzen nicht entziehen. Wir haben also eigentlich keine Wahl mehr. Gerade weil wir am 26. zur Wahl aufgerufen sind. Außerdem! – Zukunft! Menschen! Erde! Welt! Nach vorne! Gemeinsam! Jeder will der Demokratischste sein. Wir wollen die Bestimmtheitsstruktur dieser Blödheit analysieren. Und das Alter zum politischen Kampfbegriff machen. Am Ende geraten wir in resignative Strudel. Wir schwimmen dann noch dagegen an. Oder doch passivistisch einlullen lassen?

Inhalt:

00:00:00 Hörspiel – Gründung des Passivismus

00:07:00 Staat und Politik – Karl Valentin, Nietzsche, Bourdieu

00:34:45 Die Popmusikanalyse mit Maxim Klusch – „Comeback ins Altbekannte“

00:40:15 Aspekte des neuen Rechtsradikalismus – Adorno, Freud

01:18:30 Fakten zur Wahl – Demografie – Alt vs. Jung

01:24:55 Wort zum Wahlsonntag – Nietzsche

Korrektur: Marco Bülow ist von der SPD zur Partei übergetreten.

Zweite Korrektur: Hitler gab den „Nerobefehl“, nicht den Zerobefehl, oder den Nullbefehl.

Einige Quellen:

de.wikipedia.org/wiki/Weltbevölkerung

bundeswahlleiter.de/info/presse/mitteilungen/…

republik.ch/2021/09/01/weder-wirklich-wahl-no…

n-tv.de/politik/Umfrage-Klima-spielt-fuer-ael…

Wir lesen aus:

Adorno, Theodor W.: Aspekte des neuen Rechtsradikalismus, Berlin 2019.

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freesound.org/people/anechoix/sounds/456797

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III. Tod und sterben lernen15 Aug 202100:35:40

Ein junges Gespräch über den Tod

Der Tod – Heidegger malt ihn als die einzige Wahrheit. Epikur meint, er betreffe uns gar nicht. Er stellt uns vor das Lebensrätsel Diltheys, und bei Hegel lebt vor allem der Geist, indem er aber die Negativität des Todes auf sich nimmt. Überhaupt: Heißt nicht „Philosophieren“ sterben lernen?

Geht er nur die Toten etwas an? Oder nur die Lebenden? Wer nimmt den Tod eigentlich wahr, wer erfährt ihn? Wenn schon nicht der Tod, dann ist doch mindestens das Sterben ein Prozess des Lebens. Und am Ende muss der Mensch auch noch trauern. Letztlich: Wie verhält man sich zum Tod? Kann man einfach dagegen sein? Auf Messers Schneide servieren wir uns den Tod als ultimatives factum brutum in Folge III!

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13. Von Höhlen und Metahöhlen (mit Florian Arnold)18 Jul 202101:41:37

Blumenbergs Anthropologie

Um alles muss ein Umschlag. Um das Buch und um die Welt. Wir schlagen das Buch unseres Gastes Florian Arnold auf. Mit ihm wollen wir das Unvordenkliche einholen. Die Wahrscheinlichkeit arbeitet gegen uns. Hans Blumenberg nimmt uns zum Glück bei der Hand und führt uns über die Brücken, die er schlägt.

Inhalt:

00:00:00 Hörspiel: In der Höhle der Zeit

00:05:12 Vorstellung: Florian Arnold

00:09:35 Einleitung: Blumenbergs Anthropologie

00:20:21 Rein in die Höhle

00:28:31 Höhlenaktivitäten

00:37:30 Entwürfe aus der Höhle: Falle und Begriff

00:46:43 Mangelwesen Mensch in der Stadthöhle

00:56:16 Kosmoshöhle und Ursprung der Theorie

01:05:16 Neue digitale Wildnis

01:17:55 Blödheit?

01:20:38 Höhlenausgänge?

01:26:52 Lebenskunst und Schonung

01:31:37 Ästhetische Interventionen

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II. Konsum als Stahlbad21 Jun 202100:44:01

Über wahren Rausch und die Illusionen der Anderen

Thema Konsum – 30 Minuten mit Nachspielzeit. UNCUT.

Leider sind wir alle Odysseus am Mast. Denn Fun ist ein Stahlbad. Wir lesen einen Genussphilosophen aus Wien gegen die Spaßbremse des 20. Jahrhunderts schlechthin.

Wobei es ganz ohne Konsum nicht geht. Wir müssen uns Teile der Welt einverleiben und wieder ausscheiden.

Aber was ist mit FUN wenn der beat dropped und man richtig schön einen drin hat!?

ENDLICH EINFACH MAL SPAß HABEN!!!

Ein Lebensgefühl konsumieren.

Auf Konsum folgt schon deshalb Leere, weil Konsum dauerhaft nicht möglich ist.

Wahrer Rausch ist Todesnähe. Wahres Glück bedeutet, sich großer Gefahr auszusetzen. Fun und Eventkultur sind leerer Exzess und machen müde. Wir sind zwar dabei, aber haben wenigstens schlechte Laune.

Ein Schritt tiefer in die Dialektik der Aufklärung: In der liberalen Gesellschaft ist der Zwang nicht verschwunden, er ist nur subtiler.

Literatur:

Adorno/Horkheimer: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, New York 1944/ Amsterdam 1947.

Pfaller, Robert: Die Illusionen der anderen. Über das Lustprinzip in der Kultur, Berlin 2002.

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12. Der Weltgeist in der Cloud25 May 202101:31:40

Größenwahn im Silicon Valley

2021: Odyssee im Cloudraum. Wir denken das Digitale und hoffentlich nicht das Digitale uns. Es braucht jedenfalls die Materialitäten genauso wie das Analoge. Auch Counterculture der 68er und Cyberculture bedingen sich gegenseitig. Hat am Ende Hegel recht? Das Schlusswort bekommt er jedenfalls nicht.

Inhalt:

00:00:00 Hörspiel: Bewusstsein in der Cloud

00:05:45 Silicon Valley zur Einführung

00:26:08 Hörspiel: DIE METAPHYSISCHE APOTHEKE

00:30:02 Adrian Daub: Was das Valley Denken nennt

01:03:15 Geniekult und religiöse Auswüchse

01:28:41 Schluss: Montaigne

Die wichtigsten Stichpunkte zum Silicon Valley:

„Und jetzt haben die das geschafft, die Computerleute!“

Sinnlichkeit bleibt eine Lustquelle.

Das Silicon Valley umprogrammieren?

Disruption als Paradigma der Moderne.

Erst von Marx zu Schumpeter, dann mit McLuhan bis in die Cloud.

Wir haben es mit Überzeugungstätern zu tun, die die Welt verändern wollen.

Abermals folgen wir unserem Patienten in die METAPHYSISCHE APOTHEKE!

Digitale Medien können einen leider nicht massieren.

Das mooresche Gesetz ist kein Gesetz.

Im Silicon Valley endet die Theorie. Und der Mensch, der sie formulieren könnte.

Optimierung des Menschen ist Naturverachtung und menschlicher Selbsthass.

Das Genie lässt sich nichts gefallen. Schon gar keine demokratisch beschlossene Regulierung.

Im Silicon Valley herrscht „die planvolle Verkündung dessen, was ist.“ Die Revolution bleibt aus.

Am Ende sollen wir Gott sein und ihn erschaffen gleichzeitig. Und das Beste: Es kann eigentlich gar nicht anders kommen.

Alles Scheitern ist im Rückblick Teil des immer schon vorherbestimmten Erfolgs.

Summa summarum: Aus interessanten Prämissen werden ideologische Schlussfolgerungen gezogen.

Der Westen ist erobert, nun wird die Frontier gen Universum gerichtet!

Optimierungsdenken vereinzelt und lässt vereinsamen.

Am Ende führen Technik und New Age beide in die Lifestylefalle.

Einige Links für Euch:

thebaffler.com/salvos/how-to-become-an-intell…

republik.ch/2021/01/13/inside-huawei

m.youtube.com/watch

publicbooks.org/eugenics-powers-iq-and-ai

Zitiert haben wir unter anderem:

Daub, Adrian: Was das Valley Denken nennt. Über die Ideologie der Techbranche, Berlin 2020.

Turner, Fred: From Counterculture to Cyberculture. Stewart Brand, the Whole Earth Network, and the Rise of Digital Utopianism, Chicago – London 2006.

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freesound.org/people/facuarmo/sounds/482270

freesound.org/people/orginaljun/sounds/401830

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I. Wissen und Nichtwissen im Philosophiestudium04 Apr 202101:04:17

Philosophisch A1

Vom heutigen Philosophiestudium und vom Studium der Philosophie im Großen und Ganzen

Was erwartet den Suchenden an der Uni? Er ist ein Werdender, ein Lernender – aber was wird aus ihm? Er kifft und protestiert heute seltener, doch die Moral dient ihm immer noch häufig als Schutzschild und Waffe. Wir haben herausgefunden: Helmuth Plessner war auch mal Student. Was hätte er zur Bologna-Reform gesagt? Hätte er geklagt? Wir sprechen über Taktung des Denkens, Bürokratisieren des Philosophierens, fragen uns, wo der freie Ort ist, den das freie Denken doch vielleicht auch benötigt? Da Sprache doch das Medium der Philosophie ist, wie wirkt sich ein erzwungener „wissenschaftlicher“ Jargon auf das Denken aus? Kann man noch zu einer Promotion raten? Und was studiert man nochmal, wenn man Philosophie studiert? Wir fragen es uns erneut, und wahrscheinlich nicht zum letzten Mal: Was ist das Wesen der Philosophie? Wir finden schön: Philosophie als Wagnis, Philosophie als Heilmittel, auch für die Wunden, die sie selbst erst schlägt. Denn wenn Studenten an deutschen Unis von „Career“ erzählt werden soll, geht es meist um Gehirnwäsche.

Außerdem: Frohe Ostern. – Wir erstehen auf in einem parallel laufenden, neuen Format. – Bruno begründet die Woziologie. – Jakob weiß nicht mehr so recht. – Sprachkurs Philosophie, von A1 zur Muttersprachlerin! – Adorno lässt Wittgenstein auflaufen. – Wir stapeln unser Wissen nach unten. – Die Glätte der akademischen Sprache meidet leider, sich aufs echte philosophische Glatteis zu begeben.

An alle Studienbeginner, hier die Informationen zur Veranstaltung an der Uni Heidelberg:

Philo*phil – das philosophische quintett

ÜBER WISSEN UND NICHTWISSEN IN DER PHILOSOPHIE ODER: Was tun, wenn sich ein theoretisches Problem plötzlich ganz praktisch anfühlt?

ONLINE -TALK AM 04. MAI 2021 UM 18:30

Bei unserem ersten philosophischen Quintett haben Sie die Gelegenheit, mit drei Menschen ins Gespräch zu kommen und von Ihnen zu erfahren, wie sie ihr Philosophie Studium gemeistert haben. Was war die größte Freude, die kleinste Hürde und wieso haben sie nach dem Studium mit der Philosophie weiter gemacht? Auf diese und viele Fragen von Ihnen freuen sich:

Sabine zu Putlitz

Jörg Scheller

Omri Böhm

Moderation: Peter Abelmann, Lena Lampe

LINK und Zugangsdaten: bit.ly/Philophil21

(Danke an Frau Obermeier für Idee und Vermittlung!)

Artikel zur Promotion in den Geisteswissenschaften:

sueddeutsche.de/bildung/geisteswissenschaften…

Literatur:

Christiane Florin: Warum unsere Studenten so angepasst sind, Rowohlt Taschenbuchverlag 2014.

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11. Dandytum und moderne Subjektivität14 Mar 202101:14:37

Homo sibi deus est?

Der Dandy im Apfelstrudel spätmoderner Singularisierung

Dandytum damals und heute. Wir schreiben eine kleine Kulturgeschichte.

Ursprünglich ließ er sich von Schildkröten das Tempo vorgeben – doch was vermag er heute im Temporausch der Singularisierung? Lässt es sich auf Instagram noch genüsslich promenieren?

Wir eröffnen mit napoleonischer Konfliktbewältigung. Wer will schon lebenslang konservativ-liberal sein? Also fängt man mit sich an, was man will. Krönt sich bspw. zum König. Aber Vorsicht: Selbst im besten Fall kann man auch nur der werden, der man schon ist. Nur nicht zu viel Zeit vor dem Spiegel verbringen. Wie war das noch mit Existenz, Essenz und Freiheit? Lieber Freidenker als Freitäter. Besser isses.

Ein bisschen geht es um Lifestyle – aber um einen besonderen! Der Dandy im Wandel der Zeiten. Statt über die Gemeinschaft definieren wir uns heute vorrangig als unser eigenes Individuum. Wann ging das los? Wir beginnen mit Hegel. Ja, Hegel kommt zu Wort. Wenn man es ernst nimmt, geht bald ohne Ästhetisierung nix mehr. Ein gigantischer Raum öffnet sich. Kann der Dandy zum Trendsetter werden? Wird er zum bloßen Kurator seines Lebens?

Inhalt:

00:00:00 Hörspiel: Selbstkrönung

00:10:10 Geschichte der Selbstkultivierung

00:17:09 Das Exempel: Der Dandy

00:43:21 Krise des Dandytums

00:59:00 Authentizitätswahn heute

01:10:24 Schluss: ANTINOMIEBAROMETER

Außerdem: Es gibt Jelly Beans. – Homo homini XY est. – Die Welt als Promenade und Vorstellung. – Oscar Wilde als prekärer Dandy. – Der preußische Dandy läuft Gefahr, sich emotional einzupanzern. – Was wurde nach '68 eigentlich aus der Romantik? – Und wir spielen DAS ANTINOMIEBAROMETER!

Nur am Rande streifen wir: Der Dandy kann eine enorm reaktionäre Figur sein. Hierzu sei noch folgender Artikel anheimgegeben: jacobin.de/artikel/rechte-intellektuelle-bild…

Den erwähnten Artikel von Günter Erbe gibt es hier: bpb.de/apuz/27987/der-moderne-dandy

Also? Homo sibi deus es?

Danke an folgende Soundcrafter:

freesound.org/people/inchadney/sounds/457869

freesound.org/people/crz1990/sounds/135902

Millionärsmusik: copyright held by Celador Music, Keith Strachan, Matthew Strachan

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