Anna und Michael Trubrig sind ein Wiener Unternehmerpaar, das 2013 – mit wenig Branchenwissen, aber viel Mut – nach New York zog, um mit Stillfried einen kuratierten Showroom für europäisches Design zu eröffnen. Heute betreiben sie zwei Standorte (New York & Los Angeles), sind hauptsächlich im Contract-Bereich tätig und haben mit the form follows ihr eigenes Designlabel gegründet, das mittlerweile in ganz Europa vertrieben wird.
Was euch in dieser Episode erwartet
Anna und Michael erzählen, wie aus einer spontanen Idee – „Wir gehen nach New York und machen einen Möbelshowroom!" – ein ernsthaftes Unternehmen wurde, das europäische Designmarken in den amerikanischen Markt bringt. Die beiden sind bemerkenswert ehrlich über die Stolpersteine: Die Unterkapitalisierung in den Anfangsjahren, den Moment, als die Trump-Administration Zölle einführte – genau dann, als der Cashflow für ihr Label "the form follows" auf einem Tiefpunkt war – und die Erkenntnis, dass man trotz jahrelanger Marktkenntnis nie wirklich vorhersagen kann, welches Produkt einschlägt.
Wir sprechen darüber, wie die Logistik für europäische Möbel nach Amerika funktioniert, warum Lobmeyr von Anfang an ein wichtiger Partner war, und was Amerikaner:innen eigentlich an europäischem Design mögen (Spoiler: Das Herkunftsland allein ist kein USP). Außerdem: Wie entsteht ein neues Produkt bei the form follows – von der Idee bis zur Serie – und warum hat das Label seinen Designschwerpunkt klar in Europa?
Ein großes Thema ist auch die Frage, was junge Designer beim Aufbau eines eigenen Labels unterschätzen. Annas Antwort ist direkt: Die finanziellen Hürden sind enorm, der Weg von einem fertigen Design zu einem marktfähigen Produkt ist weit, und ein Designstudium ohne wirtschaftliche Grundlagen bereitet kaum ausreichend vor. Und KI? Die beiden nutzen sie bereits – für Texte, Social Media, das Finden von Shortcuts – sehen aber in der Designentwicklung selbst noch klare Grenzen.
Zum Schluss geht es persönlicher: Acht Umzüge in elf Jahren, über Kontinente und Lebensabschnitte hinweg, haben Anna und Michael eine klare Lektion gelehrt – man braucht weniger als man denkt, und ein Zuhause entsteht überall neu.