Feel it all. Der sexualtherapeutische Podcast mit Miriam Pietras.
Content Note:
Diese Folge beinhaltet Themen, die möglicherweise belastend oder triggernd sein können:Sexualisierte Gewalt, Trauma, Scham, Dissoziation
In dieser Folge spreche ich über sexuelles Trauma: Was es wirklich ist, was im Körper dabei passiert und welche besonderen Merkmale es hat.
Dies ist die erste Folge meiner mindestens vierteiligen Reihe über Trauma und Sexualität. Ein Thema, das mir in der Praxis so häufig begegnet wie kaum ein anderes, und das in Fachbüchern und Ausbildungen gleichzeitig erschreckend wenig Raum bekommt. Traumatisierungen liegen hinter so vielen sexuellen Symptomen verborgen, dass ich sie für einen der relevantesten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Aspekte sexueller Gesundheit halte.
Ich beginne mit einer Begriffsklärung: Trauma ist nicht das Ereignis selbst, sondern das, was im Inneren zurückbleibt. Eine Wunde. Das ist die wörtliche Übersetzung. Damit verlagert sich der Fokus weg von der Frage, was passiert ist, hin zur Frage, wie es erlebt wurde. Und das macht eben einen entscheidenden Unterschied.
Dann gehe ich auf die physiologische Ebene: Was passiert im Gehirn unter extremem Stress? Ich erkläre, warum Traumaerinnerungen sich so anders anfühlen als normale Erinnerungen und warum Betroffene in Triggersituationen buchstäblich nicht klar denken können. Besonders beschäftigt mich dabei die Erstarrungsreaktion: eine neurologisch ausgelöste Schutzreaktion, die von Betroffenen oft als Schuldbeweis erlebt wird, und die bis heute in juristischen Kontexten instrumentalisiert wird.
Sexuelles Trauma hat zudem spezifische Merkmale, die ich genauer beleuchte: die Entfremdung vom eigenen Körper, die besondere Rolle von Scham, auch wenn körperliche Reaktionen wie Erregung während eines Übergriffs auftreten, und den fast immer vorhandenen Vertrauensbruch, der dieses Trauma so oft auch zu einem Bindungstrauma macht.
Zum Abschluss empfehle ich den Film „Sorry Baby" von Eva Victor, der sexuelle Traumatisierung auf eine Weise zeigt, die ich in keinem anderen Film gesehen habe. Und ich gebe wie immer erste Orientierungspunkte, was in der Traumaarbeit wirklich helfen könnte.