Ein Late Night Comedy Podcast. Gesellschaft, Politik, Klima, Alltag satirisch betrachtet, mit viel schwarzem Humor.
Je dunkler die Nacht, umso dunkler der Humor.
Site
RSS
Apple
Données mises à jour le 14/07/2026
Classements récents
Dernières positions dans les classements Apple Podcasts et Spotify.
Liens partagés entre épisodes et podcasts
Liens présents dans les descriptions d'épisodes et autres podcasts les utilisant également.
Découvrez des podcasts liées à Die Zu Spät Show. Explorez des podcasts avec des thèmes, sujets, et formats similaires. Ces similarités sont calculées grâce à des données tangibles, pas d'extrapolations !
„Wie geht’s?“: eine Floskel, die wir alle nutzen, die uns aber im Grunde völlig egal ist.
Eigentlich ist es eine nette Geste. Man tut so, als würde man sich interessieren. Aber wehe, das Gegenüber antwortet ehrlich. Ein „Schlecht“ oder „Furchtbar“ ist der soziale Super-GAU. Es gibt nur eine akzeptable Antwort: „Gut, und dir?“. Wobei das „und dir?“ auch gelogen ist, weil es dich eigentlich nicht interessiert. Doch was passiert, wenn wir die Frage ernst nehmen? Nicht im emotionalen Sinne, sondern rein mechanisch: Wie geht gehen?
Die Typologie des Gehens: Sag mir, wie du läufst ...
Wenn man genauer hinschaut, ist Gehen nicht gleich Gehen. Die Art, wie wir uns fortbewegen, verrät alles über unseren momentanen Zustand:
Der Fluchtmodus: Man geht schnell, den Kopf gesenkt, um bloß nicht aufzufallen oder so schnell wie möglich wieder in der sicheren Wohnung zu verschwinden.
Der Kraftprotz: Brust raus, energetisch, prescht voran und lässt die „lahmen Schnecken“ hinter sich.
Der Drangvolle: Schnell, aber zusammengezwickt – der klassische Gang zum nächsten Klo.
Der Bummler: Langsames Schlendern, Mäandern durch die Stadt, vielleicht weil man zu früh dran ist oder gar nicht erst zum Termin bei den Schwiegereltern will.
Der Kinder-Stil: Der Boden ist Lava, rückwärts hüpfen, auf Striche achten – die kreativste Form der Fortbewegung.
Das Fundament der Menschlichkeit (und der Fetische)
Gehen ist das, was uns zu Menschen macht. Es ist unser Alleinstellungsmerkmal gegenüber Tieren. Außer Männchen machenden Hunden.
Deshalb feiern wir die ersten Schritte eines Babys wie ein monumentales Ereignis (bevor wir merken, dass wir jetzt alles in der Wohnung 20 Zentimeter höher stellen müssen).
Diese fundamentale Bedeutung erklärt vielleicht auch, warum Füße ein so prominentes Thema in der Populärkultur und im Internet sind. Ob man nun – wie ich gehört habe – Urin aus Stöckelschuhen trinkt oder zu der Gruppe Frauen gehört, die mit Fußfotos im Netz reich werden: Die Füße tragen uns durchs Leben.
Der Service-Hack: Die Gegenfrage als Filter
Ich möchte dir heute ein Werkzeug an die Hand geben. Wenn dich das nächste Mal jemand mit einem „Wie geht’s?“ überfällt, nutzt die Gegenfrage: „Möchtest du wissen, wie mein Gemütszustand ist, oder willst du wissen, wie meine Fortbewegung funktioniert?“
Das ist der perfekte Gesprächs-Opener. Es bricht das langweilige „Gut und dir“ auf und hat einen entscheidenden Vorteil: Wenn dein Gegenüber daraufhin entnervt abzieht, weißt du sofort, dass du deine Zeit nicht mit einem humorlosen Bastard verschwenden musst.
Musik-Credit: „One Too Many Ghosts“ – PremiumBeat via Envato Elements
Unterstütze mich
Wenn du mich unterstützen willst, kannst du auf Steady ein Abo abschließen. Du erhältst immer werbefreien Zugang zu meinem Podcast und weitere coole Features.
Runter mit den Masken: Warum die Fastenzeit besser ist als Fasching
Saison 1 · Épisode 13
jeudi 19 février 2026 • Durée 18:55
Aschermittwoch: Der Fasching ist vorbei. Die Zeit von Jux und Tollerei, wie wir jungen Menschen sagen würden, hat ein Ende gefunden. Endlich ist die Ballsaison in Wien vorbei, die grölenden Massen ziehen ab und das Zuckerbrot wird durch die Peitsche ersetzt. Die Fastenzeit ist da – und damit endlich wieder ein bisschen Ruhe und Bescheidenheit.
Der Alltag als eigentlicher Maskenball
Ich werde oft als Verkleidungsbanause bezeichnet, und das stimmt: Alles, was über das Kämmen meiner Haare hinausgeht, ist mir zu viel Aufwand. Aber ich habe eine Theorie: Diejenigen, die sich zum Fasching verkleiden, tun das eigentlich gar nicht. Die wahre Verkleidung tragen wir im Alltag. Wenn wir uns in Anzüge, Blusen und Arbeitskluft zwängen, um genau so auszusehen, wie die Gesellschaft es von uns erwartet, unterdrücken wir jede individuelle Freiheit und Kreativität.
Der Fasching ist die einzige Zeit im Jahr, in der die Menschen aufhören, sich zu verkleiden. Endlich darfst du der Clown sein, der du bist, die Meerjungfrau, die du gerne wärst, oder der Serienkiller, für den dir im Alltag der Mut fehlt. Plötzlich ist es „empowering“, wenn ein Mann als Frau geht oder umgekehrt – Kulturkämpfe pausieren für 48 Stunden, weil es ja „nur ein Spaß“ ist. Es ist faszinierend, wie dieselben Leute, die im Alltag gegen alles Fremde hetzen, im Fasching mit Begeisterung in eine andere Haut schlüpfen.
Besoffene Helden und die Rückkehr des Abschaums
Was ich am Fasching am wenigsten vermissen werde? Menschen, die bereits um 10 Uhr vormittags sturzbesoffen sind und sich dafür auch noch feiern lassen. Im Alltag ist das ein Fall für die Suchtberatung, im Fasching bist du ein Held. Ich bin froh, dass diese Leute jetzt wieder zum „Abschaum“ werden, der heimlich trinken oder seine Vorlieben im Verborgenen ausleben muss. Die Peitsche der Fastenzeit sorgt dafür, dass die gesellschaftliche Ordnung wiederhergestellt wird.
Ich persönlich faste zwar nicht – ich lasse mir doch von der Kirche nichts vorschreiben –, aber ich verstehe den Reiz der extrinsischen Motivation. Die Fastenzeit ist im Grunde nur die zweite Chance für alle, die ihre Neujahrsvorsätze schon am 3. Januar vergessen haben. Es ist die Zeit, in der man sich gegenseitig daran erinnert, dass man eigentlich abnehmen wollte oder die Kinder weniger schlagen sollte.
Fasten als Tarnung für das Existenzminimum
Ausgeburt der Hölle: Warum die Immobilienbranche unser Leben ruiniert
Saison 1 · Épisode 12
jeudi 12 février 2026 • Durée 20:35
Heute geht es um Immobilien. Oder wie ich es nenne: die Ausgeburt der Hölle.
Das Fundament des Wahnsinns: Wem gehört die Erde?
Eigentlich fängt das Problem schon viel früher an als beim Baupfusch im Keller (besonders beliebt in Niederösterreich, wie man hört). Es fängt beim Grundbesitz an. Wer hat eigentlich irgendwann mal entschieden, dass ein Stück Erde – dieser Planet, den wir uns alle teilen – plötzlich „jemandem“ gehört? Mit welchem Recht behauptet ein Mensch, ein Kloster oder ein Bauer: „Das hier ist meins“?
Wir haben uns so sehr an den Gedanken gewöhnt, dass man Boden kaufen und verkaufen kann, dass wir die fundamentale Absurdität dahinter völlig übersehen. Und sobald dieser Boden „besessen“ wird, beginnt der Drang, ihn mit Beton und Stahl zu versiegeln, denn eine Wiese bringt schließlich keine Rendite.
Die Vorhölle: Makler und Hausverwaltungen
Wer nicht das Glück hat, Boden zu erben, landet in der Welt der Dienstleister. Da wären zum einen die Makler. Personen, deren gesamte Jobbeschreibung darin besteht, Schlüssel in Schlösser zu stecken und Türen aufzusperren – eine Dienstleistung, die im Zeitalter des Internets so unnötig ist wie ein Kropf, für die man aber dennoch ein Vermögen bezahlt.
Hat man dann endlich ein leistbares Loch gefunden, trifft man auf die nächste Stufe der Evolution: die Hausverwaltung. Ihre Kernkompetenz? Das professionelle Ignorieren von E-Mails und Anrufen. Gleichzeitig sind sie blitzschnell darin, Mahnungen zu schicken, wenn man auch nur eine Sekunde im Verzug ist. Es scheint fast so, als würde die Arbeit in einer Hausverwaltung die Seele so sehr auffressen, dass selbst die Korruptesten irgendwann lieber in die Politik flüchten.
Das System hinter der Gier: Wohnen als Druckmittel
Warum ist das alles so? Weil Immobilienbesitz die faulste Art ist, Geld zu verdienen. Man befriedigt ein Grundbedürfnis – ein Dach über dem Kopf –, für das Menschen fast alles tun würden. Man muss kein Marketing betreiben, man muss das Produkt nicht verbessern. Immobilienbesitzer sitzt einfach da, lassen die Hausverwaltung die Schmutzarbeit machen und erhöhen die Miete, weil der Knopf im Aufzug jetzt neuerdings leuchtet.
Die Lösung: Enteignung als Kinderschutz?
Unterstütze mich
Kulturtechnik Alkohol: Warum wir unsere Probleme lieber ersaufen als lösen
Saison 1 · Épisode 11
jeudi 5 février 2026 • Durée 13:33
In dieser Folge räume ich mit einem grundlegenden Missverständnis auf. Bisher habe ich diesen Podcast immer mit den klassischen Late-Night-Shows aus dem Fernsehen verglichen. Doch das weckt vielleicht falsche Hoffnungen auf Glanz, Glamour und eine gut gelaunte Band im Hintergrund.
In Wirklich ist dieser Podcast aber mehr wie eine Bar. Die früher einmal schick war, mit dunklem Holz und großen schweren Ledersesseln, aber jetzt nur noch eine Absteige ist, für Schnapsleichen, die noch einen Absacker, vor dem nachhause gehen brauchen.
In dieser Bar sitze ich am Barhocker neben dir und monologisiere dich ungefragt zu. Und du bist zu höflich und bleibst sitzen.
Zwischen Whisky-Bar und Gosse: Das wahre Gesicht der Show
Das Paradoxe daran: Ich selbst trinke gar nichts mehr. Seit über eineinhalb Jahren bin ich abstinent, angefangen hat es nach einer Reha wegen meines Herzens. Jetzt ist es eine Gewohnheit.
Ich vermisse nicht den Alkohol – ich vermisse den Spaß am Leben, den man scheinbar nur im Rausch hat. Während ich allein in meiner Kammer monologisiere, ist der Rest der Welt da draußen unterwegs, hat den „besten Sex“ mit Fremden und wacht am nächsten Tag mit einem halb gegessenem und halb verdautem Kebab im BEtt auf.
Der gesellschaftlich anerkannte Alkoholmissbrauch als Kulturtechnik
Ohne Alkohol ist man in unserer Gesellschaft schnell der Aussätzige. Bei Familienfeiern bin ich das Problem, weil ich nicht schon vor dem Mittagessen drei Gläser Wein kippe.
Wir verteidigen unseren Alkoholkonsum als „Kulturtechnik“, dabei ist er oft nur ein Werkzeug, um nicht über die eigentlichen Probleme reden zu müssen. Wir ersaufen unsere Sorgen, weil wir es uns schlicht nicht leisten können, zu erkennen, wie sehr wir eigentlich im Arsch sind. Das System wird uns nicht retten, also betäuben wir uns lieber. Es ist die ultimative Lösung: Wenn man lang genug trinkt, verschwinden die Probleme zwar nicht, aber man stumpft so weit ab, bis man sie nicht mehr sieht. Wenn man Glück hat, trinkt der Alkohol einen direkt ins Grab – das ist dann die endgültige Problemlösung.
Unterstütze mich
Trump, Tech-Bros und Kapernbeeren: Das Manifest des Nicht-Nachdenkens
Saison 1 · Épisode 10
jeudi 29 janvier 2026 • Durée 19:52
Ich hatte die totale Blockade. Zu viele Ideen und dann wieder keine. Ich habe es mit Spazierengehen probiert und prokrastinieren, ich habe sogar das obligatorische Glas Babyblut getrunken – nichts hat geholfen. Also habe ich mich für die radikalste Lösung entschieden: Das Skript weglassen. In dieser Folge geht es nämlich genau darum: Das Denken einfach mal sein lassen und stattdessen ins Tun kommen. Ein Konzept, das momentan erschreckend gut zu funktionieren scheint.
Das Erfolgsrezept: Erst handeln, dann (vielleicht) ignorieren
Wenn man sich auf der Welt umsieht, scheint „Nicht-Nachdenken“ das neue Gold der Erfolgreichen zu sein. Man muss einfach nur handeln, völlig egal, wie absurd oder erratisch das Ganze wirkt. Wenn dabei Fehler passieren oder – ups – Menschen zu Schaden kommen, kann man es hinterher immer noch verneinen oder eine alternative Version der Wahrheit erfinden.
Schauen wir uns das Paradebeispiel an: Donald Trump. Er hat das Prinzip perfektioniert. Er handelt einfach, er tut und tut, und plötzlich ist er der „beste Präsident aller Zeiten“, beendet 250.000 Kriege und bekommt den Friedenspreis der FIFA (der natürlich viel mehr wert ist als der von den Nobel-Leuten). Die Konsequenzen? Völlig egal. Und er ist nicht allein. Die Tech-Bros aus dem Silicon Valley machen es vor: Mark Zuckerberg klaut ein bisschen Code, Elon Musk vermarktet sich als der Macher des Universums – und am Ende zählt nur das Ergebnis, nicht der moralische Ballast im Vorfeld.
Konsum ohne Reue: Von Kapernbeeren und Krediten
Aber man muss gar nicht so hoch greifen. Das Prinzip lässt sich wunderbar auf unseren täglichen Einkauf übertragen. Den Konsum, der unser System am Laufen hält.
Warum über Nachhaltigkeit oder Kinderarbeit recherchieren, wenn man auch einfach kaufen kann? Unser System liebt das Tun, vor allem das Einkaufen. Wenn du Lust auf eine Kapernbeere hast, dann steh auf und hol sie dir aus dem Kühlschrank. Wer nur auf dem Sofa sitzt und über Kapern nachdenkt, wird niemals satt.
Das gilt für alles: Geh ins Geschäft, kauf alles, was du siehst, und wenn das Geld nicht reicht, nimm einen Kredit auf. Die Schulden können ja deine Kinder bezahlen – oder du gehst zur Not ins Gefängnis. Aber hey, zumindest hast du was getan! Nachdenken verursacht am Ende eh nur eines: . Und Angst hindert dich daran, dein Leben zu leben.
Kreativität aus dem Chaos
Kunst, Kitsch und Kraftfelder: Kann eine Kunstfigur authentisch sein?
Saison 1 · Épisode 9
jeudi 22 janvier 2026 • Durée 15:18
In der letzten Folge ging es um das Plantschbecken der Authentizität. Heute springen wir eine Ebene tiefer: Wie passt das eigentlich zusammen, wenn man – so wie ich – eine Kunstfigur erschaffen hat? Kann Ian DeBay überhaupt echt sein, oder ist das alles nur ein künstliches Konstrukt in einem dunklen Kämmerchen?
Die Angst vor dem „K-Wort“
Eines vorweg: Ich bezeichne das, was ich hier mache, nicht als Kunst. Ein ehemaliger Kollege sagte mal: „Kunst ist, was Scheiße ist.“ Aber selbst das trifft es nicht ganz. Das Wort „Kunst“ ist mir zu groß, zu überwältigend. Es macht mir Angst.
Während andere sich mutig Künstler nennen, habe ich es nur zum Content Creator geschafft (und das nicht mal bei Humboldt). Um mich zu schützen, habe ich Ian DeBay erschaffen. Ein Alias, ein Schutzschild, eine Maske.
Warum Ian DeBay existiert
Warum ein Pseudonym? Ganz einfach:
Schutz: Das Internet ist kein Streichelzoo. Ein Alias fängt den Hass ab, bevor er mein echtes Ich erreicht.
Freiheit: Als Ian DeBay kann ich Dinge sagen, die ich mich im „echten“ Leben vielleicht nicht trauen würde (obwohl ich dort noch viel schlimmere Dinge tue).
Aber die Frage bleibt: Wenn Ian DeBay eine Erfindung ist, ist er dann unauthentisch?
Das künstliche Gespräch in der dunklen Kammer
Hier sitzen wir nun. Ich in meiner dunklen Kammer, allein mit dem Mikrofon, und stelle mir dich vor. (Du siehst übrigens verdammt gut aus heute!)
Eigentlich ist diese Situation hier – so künstlich sie auch sein mag – viel authentischer als ein Treffen im echten Leben. Warum? Weil ich im realen Leben viel zu schüchtern wäre. Ich würde unpassend lachen, Plattitüden von mir geben und beschämt auf den Boden schauen.
In diesem künstlichen Raum hier habe ich mir einen Kokon gebaut. Mikrofon, Schnittprogramm, Firewall. Alles schützt mich vor dir. Und genau dieser Schutz erlaubt es mir, mein wahres Ich zu zeigen – inklusive der dunklen Facetten und der Tatsache, dass ich eigentlich ein „kleiner perverser Sack“ bin, der versucht, sein Inneres zu verstecken.
Ritterrüstung vs. Enterprise-Schutzschild
Unterstütze mich
Auf der Suche nach Authentizität
Saison 1 · Épisode 8
jeudi 15 janvier 2026 • Durée 15:54
Authentizität. Ein Wort, so abgenutzt wie die Absätze meiner Lieblingsschuhe. Jeder ist es, jeder will es, und am Ende fühlt es sich oft nur noch nach einer weiteren Marketing-Floskel an. In dieser Episode gehe ich der Frage nach, warum „authentisch wirken“ der größte Fehler meiner bisherigen Content-Reise war – und warum ich eigentlich gar nicht Ian DeBay heiße.
Das Problem mit dem A-Wort
Wenn man die KI fragt, klingt alles ganz wunderbar: „Authentizität bedeutet Echtheit, Glaubwürdigkeit und Unverfälschtheit.“ Griechisch: authentikós. Super.
Aber seien wir ehrlich: In der Welt von Influencern und Marken hat das Wort einen schalen Beigeschmack bekommen. Es wird inflationär gebraucht, bis es seine Bedeutung verliert. Für mich fühlt sich das Wort „Authentizität“ im Marketing-Kontext oft so an, als würde ich mich in einem Plantschbecken voller Kotze baden wollen. Keine schöne Vorstellung, oder?
Trotzdem kam ich am 7. Jänner – dem Tag, an dem für Eltern das Jahr mit dem Schulstart der Kinder erst richtig beginnt – nicht drum herum.
Vom Größenwahn zur Panik
Nachdem die Ruhe eingekehrt war, saß ich an meiner Jahresplanung. Visionen, Ziele, das ganze Programm. Keine Sorge, das hier wird kein Optimierungspodcast für Lifestyle-Coaches. Aber ohne konkrete Ziele mäandere ich durch den Tag, bis das Mäandern zum Stillstand wird.
Dabei passierte Folgendes:
Schritt 1: Ich setzte mir gigantische, größenwahnsinnige Ziele.
Schritt 2: Ich bekam Panik vor der eigenen Courage.
Schritt 3: Ich ruderte zurück zu „realistischen“ Zielen.
Schritt 4: Ich plante Content für YouTube und diesen Podcast.
Und genau da setzten die Zweifel ein. Ist das gut? Interessiert das jemanden? Oder wird das der nächste Flop in meiner noch jungen Selbstständigkeit?
Der Klick-Moment im Bett
Ich habe im letzten Jahr viel probiert: Blogs, Newsletter, verschiedene Kanäle. Nichts hat wirklich gezündet. Warum? Weil ich zu viel wollte und nicht klar war, wofür ich eigentlich stehe.
Authentisch „wirken“ ist eine Lüge
Erfolg neu definieren
Das ewige Kindsein: Warum die Boomer-Generation den Platz nicht räumt
Saison 1 · Épisode 7
jeudi 8 janvier 2026 • Durée 13:31
Sich über Boomer oder alte weiße Männer lustig zu machen, ist eigentlich ein alter Hut – fast so alt wie die Zielgruppe selbst. Das Thema ist im Grunde genommen „durch“, und das sage ich nicht nur, weil ich selbst langsam in die Riege der älteren Herren aufsteige. Wer mich kennt, weiß, dass ich auf YouTube bereits genug Material dazu geliefert habe. Doch in dieser Folge der „Zu Spät Show“ geht es nicht um bloßen Spott. Wir müssen über ein tieferliegendes Problem sprechen: Unsere Gesellschaft wird zu alt. Dass wir Krankheiten heilen und länger gesund bleiben, ist für das Individuum fantastisch, aber für das gesellschaftliche Gefüge gravierend. Wenn die Menschen immer älter werden, rückt die nächste Generation niemals nach. Wir haben heute 50- oder 60-Jährige, die faktisch immer noch das „Kind von jemandem“ sind, weil die Eltern ihre Posten und ihre Verantwortung nicht aufgeben.
Wenn Erben zur einzigen Karriereoption wird
Das Resultat dieser Entwicklung ist eine bizarre Verzögerung der Reife. Wer erst mit 60 wirklich Verantwortung übernehmen kann, weil die Eltern erst dann das Zeitliche segnen, ist zu diesem Zeitpunkt oft schon selbst auf dem Sprung in die Pension. Wir haben eine Generation von „alten Weisen“, die nie die Chance hatten, aktiv und gestaltend am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, bevor sie selbst zum Kostenpunkt im Budget wurden. Sie übernehmen die Verantwortung über das Erbe oder politische Rollen zu einem Zeitpunkt, an dem sie eigentlich schon den Leichenschmaus planen sollten. Diese Überzeichnung hat einen wahren Kern: Die Posten bleiben besetzt, die Jungen können nicht nachrücken, und die Gesellschaft erstarrt in einer Warteposition auf das Unvermeidliche.
Das demokratische Dilemma der grauen Mehrheit
Dazu kommt ein massives demokratisches Problem. Da die ältere Generation zahlenmäßig überlegen ist, besitzt sie ein politisches Gewicht, das jede Veränderung im Keim ersticken kann. In einer Demokratie, in der die Stimmstärksten bestimmen, wird niemals gegen die Interessen der Alten entschieden. Die Konsequenzen dieses Stillstands müssen jedoch die wenigen Jungen ausbaden, die es noch gibt. Satirisch könnte man jetzt fordern, mit 75 den Stecker zu ziehen – ein Gedanke, der uns zwar Milliarden sparen würde, aber leider an diesen lästigen Menschenrechten scheitert. Auch die Idee, alle über 75 auf eine warme Insel auszulagern – eine Art „Australien für Senioren“ –, wird bereits von vielen freiwillig in Thailand oder auf Gran Canaria praktiziert. Doch solange die Briefwahl existiert, regieren sie aus dem Liegestuhl heraus munter weiter in die Zukunft derer hinein, die noch Jahrzehnte vor sich haben.
Wahlrecht mit Ablaufdatum: Ein Ausweg aus der Sackgasse?
Geld verbrennen für Fortgeschrittene: Die absurde Logik der Silvester-Knallerei
Saison 1 · Épisode 6
jeudi 1 janvier 2026 • Durée 14:44
In den langen, dunklen Nächten des Winters gibt es ein Phänomen, das die Menschheit wie kaum ein anderes spaltet und gleichzeitig eint: der Böller. Man könnte meinen, wir hätten uns endlich auf etwas geeinigt. Egal ob jung oder alt, links oder rechts, Mensch oder Haustier – wir alle hassen diese lärmenden Sprengkörper. Doch die Realität auf den Straßen von Oktober bis März straft diese Annahme Lügen. Offensichtlich gibt es eine treue Fangemeinde, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die nächtliche Ruhe mit einer Mischung aus Tinnitus-Gefahr und Feinstaub-Aroma zu bereichern. Dabei beweisen diese „Pyrotechniker des Alltags“ oft eine bemerkenswerte Kreativität bei der Wahl ihrer Einsatzorte.
Vom Krach in der Gasse zur Erleuchtung im Mistkübel
Ob Unterführungen, enge Gassen oder der klassische Mistkübel – Hauptsache, der Effekt ist maximal destruktiv. Dass dabei der Müll wie ein modernes Kunstprojekt an den Hauswänden landet oder manch eine Wohnung durch einen „netten“ Querschläger Heizkosten spart, scheint ein kollateraler Bonus zu sein. In der Unterführung hat das Ganze sogar einen fast schon sozialen Aspekt: Wenn dort ein Böller explodiert, gibt es zumindest einen kurzen Moment der Erleuchtung. Man kann plötzlich Dinge erkennen, wie etwa den zwielichtigen Schatten hinter einem, den man zwar nicht mehr hören kann, weil einem die Ohren klingeln, aber den man der Polizei wenigstens präzise beschreiben könnte – sofern die Beamten nicht gerade selbst damit beschäftigt sind, die Böllerschmeißer mit Nachschub zu beobachten.
Umweltschutz durch Beton und die Millionen im Schwarzpulver
Warum wir Böller eigentlich hassen, muss man niemandem erklären, der schon einmal versucht hat, am Neujahrsmorgen tief durchzuatmen. Wir betonieren unsere Umwelt zu, um sie zu schützen, und lassen dann zu, dass Asche und Lärm unsere Lungen und Gehörgänge füllen. Doch der wahre Preis ist nicht nur ökologisch. Es sind die traumatisierten Hunde, die sich in den hintersten Ecken verkriechen, die schreienden Kinder und die Kriegsflüchtlinge, für die jeder Knall eine Reise zurück in den Horror ihrer Heimat bedeutet. Während der Opa Angst hat, dass die Russen wiederkommen, scheint sich die junge Generation mit jedem Böllerwurf fast schon prophetisch auf eine Zukunft vorzubereiten, in der Krach und Asche zum Alltag gehören. Es ist ein bizarrer Millionen-Wahnsinn: Wir verpulvern gigantische Summen in einer einzigen Nacht, nur um uns am nächsten Morgen über die Teuerung zu beschweren.
Die Suche nach dem Drogendealer und der Plan zur totalen Uncoolness
Die Raketen-Heuchelei der Dachterrassen-Elite
Weihnachten ist der Horror: Familienfeste zwischen Stress und Konsumzwang
Saison 1 · Épisode 5
jeudi 25 décembre 2025 • Durée 20:06
Eines vorweg, um die Gemüter zu beruhigen und die Anwälte der Familienwerte in Schach zu halten: Ich liebe meine Familie. Ich verbringe gerne Zeit mit ihr und ich feiere im Grunde auch gerne Weihnachten. Dieser Disclaimer ist wichtig, damit im Laufe dieser Analyse nicht der Eindruck entsteht, ich sei ein einsamer Grinch, der im Keller hockt und Lametta verbrennt. Doch machen wir uns ehrlich: Weihnachten ist furchtbar. Es ist der pure Horror, ein logistischer Albtraum und purer Stress. Während das Fest an sich – entkoppelt von jedem religiösen Zwang – ein schönes traditionelles Familienfest sein könnte, zerfällt der Zauber der Kindheit mit jedem Jahr, in dem man älter wird, ein Stück mehr. Die Magie weicht der harten Arbeit, und plötzlich merkt man, dass der Tisch sich eben nicht von selbst mit Braten und Dekoration füllt.
Die Illusion der Ruhe im kapitalistischen Mühlenrad
Das Grundproblem beginnt bei der künstlichen Erhöhung dieses einen Datums. Wir werden darauf trainiert, auf diesen einen Tag hinzufebern – unterstützt durch Adventkalender, die uns täglich die verbleibende Zeit bis zum Eskalationspunkt vor Augen führen. Als Erwachsener weicht die Vorfreude jedoch oft dem puren Druck. In der Arbeitswelt müssen vor den Feiertagen noch schnell alle Projekte abgeschlossen werden, als gäbe es nach den zwei freien Tagen keine Zukunft mehr. Man gerät mitten in die Mühlen des Kapitalismus, nur um sich danach in die nächste Arbeit zu stürzen: Die Vorbereitung des Festes. Dass ich mich als Mann hier leicht rede, ist mir bewusst, denn den Löwenanteil dieser Vorbereitung – vom Geschenkekauf bis zum Küchendienst – leisten immer noch überwiegend die Frauen, während der männliche Teil der Verwandtschaft oft schon den ersten Weihnachtsbrand auf dem Sofa kultiviert.
Der Geschenkfluch: Warum wir Klemmbausteine einzeln verpacken
Ein besonderes Kapitel des Wahnsinns sind die Geschenke. Wir alle wissen, dass das Christkind eine Lüge war, doch anstatt als Erwachsene ehrlich miteinander zu sein, verstricken wir uns in absurde Rituale. Wer kennt es nicht? Man macht aus, sich nichts zu schenken, nur um dann sicherheitshalber doch ein „Angstgeschenk“ im Schrank zu verstecken, falls die Gegenseite sich nicht an die Abmachung hält. Das Ergebnis ist oft ein Kreislauf aus minderwertigem Plunder, den man im nächsten Jahr frustriert zurückschenkt. Bei den Kindern hingegen fährt die Eisenbahn drüber: Da gibt es keine Ausnahme. Aus schierer Angst vor dem weihnachtlichen Zorn des Nachwuchses greift man zu verzweifelten Mitteln. Um die Erwartung nach „vielen Packerln“ zu erfüllen, verpackt man inzwischen schon jeden einzelnen Klemmbaustein eines Sets separat, nur damit der Berg unterm Baum groß genug ist und man selbst fünf Minuten Ruhe vor dem nächsten Aufstand hat.
Familien-Hetze und das heilige Silvester-Bett
Das Schönste an der Fastenzeit ist jedoch ihre soziale Komponente: Sie macht uns alle gleich. Man kann den frommen Asketen nicht mehr vom armen Schlucker unterscheiden. Wenn man wie ich als Comedian und Content Creator knapp am Existenzminimum entlangschrammt, ist die Fastenzeit ein Segen.
Man muss nicht mehr zugeben, dass man sich das Abendessen beim Italiener oder die Kinokarte nicht leisten kann. Man sagt einfach: „Ich faste gerade.“ Es ist die perfekte Ausrede, um weniger zu konsumieren, weniger fortzugehen und kein Geld auszugeben. In der Fastenzeit sind wir eine Gemeinschaft – wir sind zusammen arm und nennen es Spiritualität. Das spart ordentlich Geld für die Zeit, in der uns schon wieder der nächste Konsumterror namens Ostern blüht.
Das Schlimmste ist: Es ist politisch gewollt. Wohnraum darf nicht zu günstig sein, denn wenn das Leben billig wäre, hätten die Menschen keinen Drang mehr, in Jobs zu schuften, die sie eigentlich hassen. Die Immobilienpreise sind das Benzin im Motor des Kapitalismus, der uns alle zum Arbeiten zwingt, nur um uns einen Rückzugsort leisten zu können.
Ich sage es, wie es ist: Wir müssen den Privatgrund abschaffen. Wir müssen enteignen. Und bevor die „Häuslbauer“ jetzt aufschreien: Denkt doch an die Kinder! Großgrundbesitzer scheffeln Millionen, beeinflussen die Politik und laden zweifelhafte Gäste auf karibische Inseln ein. Wenn wir den Grundbesitz in die öffentliche Hand nehmen, schützen wir unsere Gesellschaft vor dieser Machtkonzentration.
Wenn du mich unterstützen willst, kannst du auf Steady ein Abo abschließen. So kann ich weiterhin diese Top-Qualität-Satire-Sendung machen und stundenlang über Schniedel und Autos monologisieren.
Natürlich gibt es Ausnahmen. Ich würde jetzt nicht unbedingt empfehlen, ohne Ausbildung am offenen Herzen zu operieren oder Hochspannungsleitungen zu reparieren, nur weil man gerade „im Flow“ ist. Aber im kreativen Bereich ist das Handeln ohne Plan oft die einzige Rettung. Diese Podcast-Folge ist der lebende Beweis. Keine Wiederholungen, kein Abschweifen zu einem anderen Thema, wie gleiches Recht für alle, über das ich ewig lang reden könnte, aber nicht tue, keine Wiederholungen, aber ich bin im Tun.
Die Wahrscheinlichkeit, dass das, was man ohne Plan tut, erst einmal „Scheiße“ ist, liegt bei etwa 99 %. Aber das ist egal. Es geht nicht ums Ergebnis, sondern um den Prozess. Je öfter man es macht, desto besser wird es – theoretisch zumindest. Also: Hör auf zu grübeln, fang an zu handeln. Und fang am besten damit an, diesen Podcast zu abonnieren. Ganz ohne nachzudenken.
Wenn du mich unterstützen willst, kannst du auf Steady ein Abo abschließen. So kann ich weiterhin diese Top-Qualität-Satire-Sendung machen und stundenlang über Schniedel und Autos monologisieren.
Mitten in der Nacht zum 8. Jänner machte es Klick: Es fehlte die Authentizität.
Zuerst ekelte mich der Gedanke an (siehe Plantschbecken), aber dann verstand ich meinen Denkfehler. Ich hatte versucht, Authentizität als Strategie zu nutzen. Ich wollte authentisch wirken, damit du mich magst, damit die Klicks kommen, damit der Erfolg einkehrt.
Wenn ich Authentizität nur spiele, bin ich wieder in einer Rolle. Egal, ob ich den „alten weißen Mann“ gebe, den Witze-Erzähler oder den Typen, der auf Englisch moderiert – wenn es nur ein Werkzeug zum Erfolg ist, ist es nicht echt.
Ich habe mich gefragt: Wer bin ich eigentlich?
Die Antwort ist schmerzhaft: Ich weiß es oft selbst nicht genau. Ich bin Vater und Ehemann, ja. Ich bin Content Creator und Comedian. Aber Ian DeBay? Das ist ein Name, den ich mir gegeben habe. Ein Schutzschild. Mein echter Name ist ein anderer.
Ich habe erkannt, dass ich Erfolg für mich neu definieren muss. Erfolg ist nicht (nur) die Zahl der Hörer oder das Geld auf dem Konto – auch wenn das nötig ist, um nicht auf der Straße zu landen.
Wahrer Erfolg bedeutet für mich ab jetzt:
Herauszufinden, wer ich wirklich bin.
Ehrlich authentisch zu sein, statt es nur zu spielen.
Mein Schutzschild zu senken, auch wenn es riskant ist.
Es ist eine Reise, und diese...
Vielleicht ist die Lösung nicht das Ende des Lebens, sondern das Ende des Stimmrechts. Wenn wir sagen, dass man erst ab 16 oder 18 reif genug zum Wählen ist, warum sagen wir nicht auch, dass ab 75 Schluss ist? Wenn der Mensch sich biologisch gesehen wieder zum Kind entwickelt, die Orientierung verliert und nur noch Breinahrung zu sich nimmt, warum sollte er dann über die Klimapolitik des nächsten Jahrhunderts entscheiden? Es ist unwahrscheinlich, dass die Jungen es besser machen würden – sie würden vermutlich einen ganz anderen „Schaß“ wählen –, aber sie wären wenigstens selbst schuld daran. Doch in einer Gesellschaft, in der die Alten die Mehrheit stellen, wird sich niemand selbst entmachten. So bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als auf den biologischen Wechsel zu warten. Ein optimistischer Einstieg in die Zukunft sieht anders aus, aber bis dahin heißt es wohl: Abwarten, Tee trinken und hoffen, dass man die Verantwortung nicht erst dann bekommt, wenn man sie selbst nicht mehr buchstabieren kann.
Links & Hinweise
YouTube-Kanal:...
Man fragt sich unweigerlich, woher die Jugendlichen eigentlich das ganze Geld für diese explosiven Luxusgüter nehmen. Da nicht jeder Halbstarke ein erfolgreiches Business als Drogendealer führen kann – ich habe das überprüft, die Marktdichte ist überraschend gering –, bleibt die Herkunft der Mittel ein Rätsel. Vielleicht liegt der Reiz auch in der Gefahr der Billigimporte aus dem Internet. Ein zerfetzter Finger gibt schließlich ordentlich Klicks auf TikTok. Ich kann diese Jugendlichen sogar ein Stück weit verstehen. Früher war ich selbst einer von ihnen. Wir fühlten uns mächtig, wenn es knallte, und wir wussten schlichtweg nichts über die Umweltfolgen. Aber sollten die heutigen Erziehungsberechtigten nicht eigentlich schlauer sein? Verbote bringen herzlich wenig. Die einzige Lösung wäre, das Böllern radikal uncool zu machen. Wir, die ältere Generation, müssten anfangen, so richtig peinlich und exzessiv zu knallen, bis die Jugendlichen vor Scham nur noch heimlich in ihren Zimmern zündeln.
Doch während wir über Böller schimpfen, pflegen wir bei Raketen eine bizarre Doppelmoral. Raketen sind zwar genauso laut, umweltschädlich und gefährlich, aber sie sind halt „schön anzuschauen“. Da ste...
Die wahre Prüfung ist jedoch die Familien-Logistik. Wer in einer Beziehung lebt oder Kinder hat, besitzt plötzlich Familien im Plural. Anstatt den Heiligabend gemütlich mit Bratwürsteln und schlechter Musik zu Hause ausklingen zu lassen, hetzt man von einer Feier zur nächsten. Man sitzt mit Menschen, die man kaum kennt, an wackeligen, provisorisch verlängerten Tischen und isst viel zu viel, obwohl die Oma hochheilig versprochen hatte, dieses Jahr „weniger zu machen“. Es ist ein eng getakteter Marathon der Höflichkeit, bei dem die Kinder still sein müssen, während die Erwachsenen sich den Bauch vollschlagen. Wenn der ganze Spuk vorbei ist, wartet jedoch die finale Ironie: Die Kinder haben Ferien, man selbst muss arbeiten, und die Großeltern sind so erschöpft vom Fest, dass sie als Betreuungspersonen für das nächste Jahr ausfallen. Kein Wunder, dass Silvester heute nicht mehr die Nacht der Partys ist, sondern der heilige Moment, in dem man um 22:00 Uhr das Licht ausmacht und einfach nur froh ist, dass es vorbei...