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Explorez tous les épisodes du podcast Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen

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Episode 191: Wer hat Angst vor Virginia Woolf? - Die Romantik von toxischen Beziehungen28 Aug 202401:29:21
Es ist zwei Uhr in der Nacht. Der mittelalte Geschichtsprofessor George und seine Frau Martha sind gerade von einer Party nach Hause gekommen und sie machen das, was sie am besten können: Sich triezen, über Nichtigkeiten streiten und sich gegenseitig zerfleischen. Doch heute Nacht steht noch mehr auf dem Programm. Marthas Vater, ein hohes Tier auf dem Campus, hat sie gebeten, nett zu dem jungen Mathe- oder Biologieprofessor Nick und seiner Frau Honey zu sein. Und so hat Martha, zum Missfallen von George, beide kurzerhand zu einer Afterparty eingeladen. Das Eintreffen der Gäste hindert Martha und George aber nicht daran, ihr Programm zu ändern: Wir erinnern uns: Triezen, streiten, sich gegenseitig zerfleischen. So geht es munter weiter auf dem Feld der elaborierten psychologischen Kriegsführung, und die Gäste werden ohne Rücksicht auf Verluste in den Konflikt hineingezogen. Und wie es sich für einen runden Abend gehört, werden auch Spiele gespielt: Humiliate the Host, get the guest, hump the hostess und last but not least Bringing up Baby, das finale Spiel, das  in einer bizarren Totenmesse für einen imaginären Sohn endet. Aber auch die jungen Gäste haben ihre verborgenen Abgründe, die im formidablen Spiel und Krieg zwischen George und Martha peu à peu ans Licht gezerrt werden. Und damit kommen wir auch schon zur zentralen Frage dieser Nacht. Wer in dieser höllischen Menage a quatre ist die schrecklichste Person? Gibt es Hoffnung für eine der beiden Ehen? Achja… und hast du Angst vor Virginia Woolf?
Episode 190: Sherlock Jr. (1924) - Slapstick, Träumerei und technische Höchstleistungen21 Aug 202401:31:30
Busters großer Traum ist die Arbeit als Meisterdetektiv. Sein derzeitiger Job als Mädchen für alles in einem Kino, ist allerdings meilenweit davon entfernt. Als die Taschenuhr des Hausherrn seiner Verlobten gestohlen wird, sieht er seine Chance gekommen, wird allerdings wird schnell selbst des Diebstahls verdächtigt. Buster muss beweisen dass er nicht schuldig ist, sondern sein Rivale Scheich, der sich an seine Verlobte anbiedert. Viel Zeit hat er nicht, denn die Arbeit ruft. Als Filmvorführer sitzt er im Projektionsraum fest und… schläft ein. Statt im wahren Leben zu ermitteln, erträumt er sich seine Rache als gewieftes und weit bekanntes Ermittler-Genie. Im Traum schafft er alles mühelos, aber im wahren Leben muss seine Freundin das Verbrechen aufklären, um dann zu ihm zu eilen, ihn aus seinen Heldenträumen aufzuwecken und ihm zu verkünden, dass er freigesprochen ist. The Girl easily saves the day und Buster bleibt nichts anderes als vom Film der gerade läuft Tipps anzunehmen, wie man seine geliebte küsst. Plor wie oft haben dir Filme schon die Beziehung gerettet und dir gesagt, was du machen musst, um eine schwierige Situation zu überstehen?
Episode 181: Pulgasari (1985) - Godzilla besucht Nordkorea19 Jun 202401:25:50
Seitdem ich vor ca. 15 Jahren The VICE Guide to North Korea von und mit Shane Smith gesehen habe, bin ich fasziniert von diesem Land, seiner Kultur, seiner Politik und natürlich auch von seinen zahllosen Kuriositäten: Eine erbarmungslose und brutale Diktatur, die letzte überlebende Oase des Kommunismus stalinistischer Prägung, und ein Sinnbild dafür, wie schräg eine Kultur werden kann, wenn sie in kompletter Abschottung gedeiht.  Die großen Führer des Landes, egal ob sein Gründer Kim Ill Sung oder dessen Nachfahren Kim Jong Ill und Kim Jong Un waren stets bemüht, nicht nur ihre Macht zu festigen, sondern auch, der ganzen Welt zu beweisen, dass die nordkoreanische Kultur allen anderen Kulturen weltweit überlegen ist… nicht zuletzt auch im Cineastischen.  Ein Kind dieses Bemühens ist der Godzilla-Klon Pulgasari aus dem Jahr 1985: Angesiedelt im Mittelalter erzählt er von einer Gruppe koreanischer Bauern, die von einem Tyrannen unterdrückt werden. Hilfe verspricht ein magisches Wesen, Pulgasari, ein aus Reis geformtes Minimonster, durch das Blut einer Bauerntochter zum Leben erweckt und durch das Futtern von Metall rapide wachsend. Pulgasari wächst und wächst, auf Menschengröße, auf Monstergröße, auf Godzillagröße… und führt die Aufständigen zum Sieg gegen den Unterdrücker… doch sein Hunger ist damit noch nicht gestillt. Ein Monsterfilm, ein historisches Epos, natürlich auch ein Propagandafilm… und vor allem ein Werk dessen Entstehung mindestens genau so wild ist wie seine Handlung. Aber dazu kommen wir noch. Johannes, ich glaube, das war auch dein erster nordkoreanischer Film. Wird es denn der letzte bleiben?
Episode 91: Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach28 Sep 202201:07:17
So. Jetzt hast du es geschafft Plor, ich bin auch beim Surrealismus gelandet. Falls man den Film dort einsortieren kann. “Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach” erzählt in 39 Szenen kleine Ausschnitte aus dem Leben, die sehr kondensiert und überspitzt daher kommen, ihren Bezug zur Realität aber nie gänzlich verlieren. Es geht ihm darum, wie wir unser Leben leben, sagt Roy Anderson und meint damit offenbar die Ambiguität alltäglicher banaler Situationen, die eben manchmal zwischen Absurdität, Fröhlichkeit, Traurigkeit und hin und wieder auch Grausamkeit gleichzeitig stattfinden. So weiß man auch nicht immer eindeutig, ob man lachen, weinen oder manchmal kotzen will, wenn man die Bilder Roy Andersons sieht. Klingt als würde ich eine Kunstausstellung beschreiben, aber das ist es auch. Alle 39 Bilder könnten als Standbild an die Wand gehängt werden und es wäre eine gelungene Ausstellung. Ach, wenn wir grad dabei sind, welches der Bilder dieser Ausstellung würdest du dir kaufen, wenn du könntest, Plor? Du müsstest es dir ja nicht hinhängen, denn wer hat schon gern deprimierte Scherzartikelverkäufer an der Wand hängen…?
Episode 90: Manos: The Hands of Fate - Einer der schlechtesten Filme aller Zeiten22 Sep 202201:18:21
Ihr müsst jetzt alle kurz ganz stark sein. Ich habe Johannes nämlich für den Beginn dieser Episode zum Schweigen verurteilt. Ich habe ihn gebeten, Regie übernehmen zu dürfen. Und die Einführung alleine zu machen. Also erst mal die allgemeinen Eckpunkte für alle, die hier zum ersten Mal reinhören. Das Konzept unseres Podcasts ist wie folgt: Für jede Episode kriegt einer von dem anderen ne kleine Hausaufgabe in Form eines Films auf. Frei nach dem Motto: Den musst du sehen. Und in der jeweiligen Episode reden wir dann über den Film, tauschen Informationen aus, reden über den Kontext des Films, seine Bedeutung und streiten uns ordentlich über dessen Qualität. Diese Woche war ich der Hausaufgabengeber und ich habe Johannes den Film als Youtube-Link in folgender Mail geschickt: Ich zitiere: So hier meine Hausaufgabe für Dienstag, die du wirklich unvoreingenommen, unbeeinflusst von filmhistorische Fakten sehen solltest. Daher gebe ich dir nur diese Rahmeninfos mit auf den Weg: Es handelt sich dabei um einen Vertreter der sog. Last Roughness. Bezeichnet werden damit surreale, experimentelle unkonventionelle Produktionen aus dem Low Budget Bereich Mitte der 60er Jahre, die sehr bewusst gegen filmische Konventionen verstoßen und als Vorläufer des New Hollywood gelten (Auf das filmtheoretische Werk dieses Regisseurs "Weapons against the Aristotelian unities" werde ich bestimmt in unserer Besprechung eingehen). Aber wie gesagt, am besten nicht so viel über den akademischen Background nachdenken, sondern einfach genießen. Speziell, aber wegweisend. Zitat Ende… Was ich Johannes mit diesen Worten - die ich mir komplett aus den Fingern gezogen habe - aufgegeben habe, ist Manos - The Hands of Fate aus dem Jahr 1966. Ein Film, der eigentlich nur aufgrund von Großmäuligkeit und einer albernen Wette entstanden ist. Und ein Film, der von seinem Regisseur bereits nach der Premiere als womöglich schlechtester Film aller Zeiten bezeichnet wurde… und in der Folgezeit nicht nur von ihm. Spoiler, zumindest wenn man nach dem Review-Score auf Rotten Tomatoes geht, ist er was Schlechtigkeit betrifft nur auf Platz 2; immer noch geschlagen von Ed Woods Plan 9 from Outer Space. Aber, genau wie dieser ist er meiner Meinung nach ein Film, den man absolut gesehen haben muss. Praktisch eine Blaupause für Filmstudierende, vor welchen klassichen Fehlern man sich in Acht nehmen muss. Hier sind sie alle vorhanden, mitunter wirklich so, als wäre der Film fürs Lehrbuch gemacht. Und in diesem Sinne. Lasst uns mal wieder dem Trash huldigen. Lasst uns schauen, was hier alles wie schief läuft. Lasst uns analysieren und ein wenig Spaß haben. Und damit genug der einleitenden Worte. Johannes, your turn.
Episode 89: Letztes Jahr in Marienbad - Auf der Suche nach dem Sinn im Surrealismus16 Sep 202201:26:28
Letztes Jahr in Marienbad aus dem Jahre 1961 von Alain Resnais ist schwer in kurze Worte zu fassen. Worum, geht es in diesem Film? Auf dem Papier ist die Story sehr simpel. Ein Mann versucht in einem mondänen Hotel eine Frau davon zu überzeugen, dass sie sich letztes Jahr kennengelernt und geliebt haben. Ob er ihr in der Erinnerung auf die Sprünge helfen kann, bleibt offen. 1,5 Stunden lang. Wenn man die Frage “Worum geht es in diesem Film?” jedoch ernsthaft beantworten möchte, gerät man unweigerlich ins straucheln. Die Dialoge und Monologe des Films scheinen nicht den wesentlichen Teil der Handlung zu tragen. Vielleicht nichtmal die handelnden Figuren. Es ist eher die Art der Inszenierung, der Erzählung, wenn man sie so nennen will. Soweit mein Gestrauchel. Plor, worum geht es in diesem Film?
Episode 88: Everything Everywhere All at Once07 Sep 202201:07:49
Everything, everywhere all at once… Alles, überall, und alles gleichzeitig… Nie zuvor in der Filmgeschichte war ein Titel passender als bei dem jüngsten Film der Daniels aus dem Jahr 2022. Also worum geht es? Um alles natürlich. Genauer, um Multiversen, von denen es eine unendliche Anzahl gibt. In einem davon ist die in die USA emigrierte Chinesin Evelyn Besitzerin eines Waschsalons, die gleich einen ganzen Haufen an Problemen zu bewältigen hat: Die Ehe mit ihrem Mann geht allmählich vor die Hunde, ihre Tochter hat sich von ihr entfremdet und ihr launischer Vater der erst seit kurzem zu ihnen gezogen ist, macht ihr das Leben schwer. Und dann wird sie auch noch von den Steuerbehörden drangsaliert. Als es nicht mehr chaotischer werden könnte, ergreift ein Pendant aus einem anderen Universum Besitz von ihrem Mann. Er erzählt Evelyn, dass sie die letzte Chance ist, die Vernichtung der Welt durch die wahnsinnige Schurkin Jobu Tupaki zu verhindern. Evelyn wird als Chosen One mit der Fähigkeit ausgestattet, in ihre anderen multiversalen Identitäten zu reisen und deren Fähigkeiten zu nutzen, um gegen das Böse zu kämpfen. Aber wir haben es hier nicht mit Marvel zu tun… und so kommt alles anders, als man bei dieser Prämisse meinen könnte. Vor allem wilder, bizarrer, größenwahnsinniger, philosophischer und verspielter. Wir kämpfen mit Kulleraugen gegen fanatische Sektenanhänger, durchreisen so manche Meta-Ebene, erstarren vor einem eschatologischen Bagel und erleben den großen Konflikt zwischen Nihilismus und Vitalismus. Das alles bunt, laut, überdreht, hysterisch, pathetisch und voller Liebe. Letzten Endes vor allem ein schöner Film… über die Schönheit des Seins… und in seinem Kern vor allem ein bewegendes Familiendrama. Aber eben auch ein Film mit Hot Dog Händen, Puppenspielenden Waschbären (Racoontouille) und Realität alternierenden Butt-Plugs. Johannes, war dir das zu viel?
Episode 87: Scared Stiff - Dean Martin und Jerry Lewis sind starr vor Angst31 Aug 202201:00:17
Jerry Lewis und Dean Martin. Eines DER Duos der 40er und 50er Jahre. Zusammen haben sie siebzehn Komödien gedreht und eine riesige Fangemeinde bis heute hinter sich versammelt, wobei Dean Martin gefühlt fast immer der Salonsänger und Jerry Lewis immer der tolpatschige Antiheld war. In Scared Stiff aus dem Jahr 1953 muss Dean Martin wegen einer Verwechslung vor der Verfolgung durch die Polizei flüchten und hängt sich an eine zufälligerweise sehr schöne Frau, die ihm auch noch sehr gewogen ist. Gemeinsam mit Jerry Lewis flüchten die drei nach Cuba, wo sie eine Insel besitzt auf der ein Spukschloss steht, das natürlich für Gruselmomente sorgen soll. Plor. Hat es dich gegruselt? Und wenn ja, dann der spannungsvollen Inszenierung wegen, oder wegen der Einfallslosen Slapstikeinlagen und der Stereotype deren sich der Film bedient?
Episode 86: Prinzessin Mononoke und die Filme des Studio Ghibli24 Aug 202201:16:09
Mononoke oder auch Yōkai, (Obake) ist in Japan die Bezeichnung für gefährliche übernatürliche Wesen, am ehesten vergleichbar mit den Kreaturen, die wir im Westen als Dämonen bezeichnen. Im Mittelpunkt des Studio Ghibli Animes Mononoke Hime aus dem Jahr 1997 steht also eine Dämonenprinzessin… zumindest ist sie das in den Augen ihrer Antagonist*Innen. Im Zentrum des Films steht aber vor allem ein junger Emishi-Prinz namens Ashitaka, der sich nach dem Kampf gegen ein rasendes dämonisches Wildschwein auf den Weg macht, um dessen Fluch loszuwerden, der seinen Arm befallen hat und ihn langsam von innen auffrisst. Auf der Suche nach Heilung findet er eine vormoderne Eisenhütten-Stadt, in der ehemalige Prostituierte und Leprakranke für die Herrscherin Eboshi Eisen verarbeiten und Waffen herstellen. Diese sind notwendig, um den Übergriffen der kriegerischen Samurai der Nachbarstädte Einhalt zu gebieten. Aber dafür muss der anliegende Wald gerodet werden, was nicht weniger bedeutet als eine Kriegserklärung an die dort lebenden Natur- und Tiergötter, die von der jungen Kriegerin San - der titelgebenden Mononoke - begleitet werden. Ashitaka findet sich inmitten eines weitreichenden Konfliktes wieder. Naturgötter, Dämonen, Samurai, der Kampf zwischen Tradition und Moderne in der Vor-Edo-Zeit, klassische japanische Hierarchien… Puh. Wir haben also wieder einen ganzen Batzen an fernöstlicher Kultur und Mythologie, durch den wir uns als halbgebildete Europäer wühlen müssen. Ja müssen, haben wir es hier doch mit dem in seiner Zeit erfolgreichsten Film Japans, einem prototypischen Hayao Miyazaki Meisterwerk und dem wohl epischsten Anime des Studio Ghibli zu tun. Ein Film, der auch ein westliches Publikum für sich gewinnen konnte und sogar von Disney international vertrieben wurde. Auch dich? Johannes? Oder warst du mal wieder Lost in Translation, Johannes?
Episode 85: Brazil - Die bizarrste Dystopie der Filmgeschichte17 Aug 202201:21:58
Wir befinden uns um das Jahr 2000 in einer mir fremden Wohnung eines Freundes der Familie, der mich für ein paar Tage bei sich untergebracht hat. Ich werde vor den Film Brazil gesetzt, ohne vorher gewarnt zu werden, was mich erwartet. Ich glaube ich bin allein während der Film läuft, es kann aber auch sein, dass ich einfach nur alle um mich herum vergesse, während der Film mich in seinen Bann zieht. Von Anfang an ist Terry Gilliams Brazil aus dem Jahr 1985 eine surreale, dystopische, dreckige und absurd-komische Welt, in der ein Bürokrat im langweiligsten Job der Welt davon träumt als fliegender Held seine große Liebe zu retten. Als ihm bei einem Außendienstvorfall eine Frau begegnet, die genauso aussieht wie die Frau in seinen Träumen, kommt er in gefährliches Fahrwasser revolutionärer Terroristen, die das dysfunktionale System stürzen wollen. Eine sehr düstere Bürokratie-Satire, die beim 19 jährigen Ich eine Messlatte für Science Fiction gesetzt hat, die nicht viele Filme erreichen sollten. Plor, dein Konsum des Films ist ja auch schon sehr lange her, wie ist denn deine Origin-Story dazu?
Episode 84: John Wick - Kann Action mehr als Klischees?14 Aug 202201:25:56
Wie sieht das Rezept für einen typischen 2010er Action B-Movie aus? Man nehme eine uninspirierte Rachestory, besetze das Ganze mit einem ehemaligen Star, der unbedingt ein bisschen was für die Portokasse braucht. Und man gestalte ein generisches Filmplakat, auf dem eben jener Star mit einer Waffe in der Hand grimmig dreinschaut, entweder vor rot-orangenem oder schwarzblauen Hintergrund. Diesem einfachen Rezept haben wir sehr viele durchschnittliche und katastrophale Actionfilme der 2010er Jahre mit Bruce Willis, Nicolas Cage oder John Travolta zu verdanken. Auch das Plakat für John Wick lässt genau einen solchen Film erwarten. Und auch wenn man sich die Story des 2014er Films auf dem Papier anschaut, sieht es nicht viel besser aus: John Wick, gespielt von Keanu Reeves einer der besten Auftragskiller ist mittlerweile im Ruhestand. Als jedoch ein paar russische Gangster sein Auto klauen und seinen Hund töten, beschließt er noch einmal loszuziehen und in der Unterwelt aufzuräumen, angetrieben von schierer Rachsucht, ausgestattet mit übermenschlichen Fähigkeiten. Knall, Bumm, Peng… und Schluss? Oder doch nicht? Ja, John Wick hat viel von durchschnittlicher 2010er Actionkost. Aber doch hat dieses kleine Filmjuwel auch irgendwie mehr? Die extrem gute Technik? Die Freude an visuellen Extravaganzen? Die zynische schnörkellose Kälte? Ja, ja, ja…. und noch etwas ganz anderes Entscheidendes. Aber bevor ich damit rausplatze, gebe ich das Wort an meinen geschätzten Kollegen und Actionfilmverweigerer weiter. Johannes, hast du denn auch ein Mehr gesehen?
Episode 83: 23 - Nichts ist wie es scheint03 Aug 202201:25:13
23, die Zahl des Unglücks, die Zahl der Zerstörung, die Zahl der Illuminaten und der Titel des Films über Karl Koch, der sich Mitte/ Ende der 80er als Hacker einen Namen machte. Der Anfangs 19 jährige und seine Crew hacken sich in verschiedene westliche Computersysteme, von zum Beispiel Atomkraftwerken und diversen Firmen erst Deutschland und dann auch weltweit. Um Geld für den zunehmenden Drogenkonsum zu akquirieren, verkaufen sie die gewonnenen Informationen an das KGB, die Russen. Was als Idealismus beginnt, führt in eine Abwärtsspirale von Drogen, Verschwörungstheorien, Verfolgungswahn und Kriminalität. Eine Zeitreise in die 80er, die Zeit der Commodore-PCs und Akustikkopplern und sehr rudimentärem Internet. Plor, konntest du dem Verschwörungswahn und dem Hackerslang folgen, oder warst du nie so der Typ für conspiracy und unbefugter Datenbeschaffung? Und beachte, dass ich um deine illegale Zeit im Internet weiß, um mal kryptisch zu bleiben.
Episode 82: Häppchenweise - two dudes talking porn28 Jul 202201:15:14
Willkommen zum mussmansehen Porno-Filmfestival und zur in der Frühzeit unseres Podcasts bereits erörterten Gretchenfrage: Kann Porno Kunst sein? Unsere Vertreterin des Pros ist dieses Mal Wissenschaftlerin und Regisseurin Maike Brochhaus, die 2013 mit “Häppchenweise” ein postpornografisches Experiment wagte. Sechs Personen, die sich vorher nie gesehen haben, eine ganze Nacht zusammen auf engstem WG-Raum, ständig überwacht von mehreren Kameras. So weit so Big Brother. Aber im Gegensatz zu diversen Social Documentary Trash-Formaten gehören zum Häppchenweise-Fundus auch ein Flaschendrehspiel, die zuvor bekundete Bereitschaft der sich Sex vor der Kamera vorstellen zu können und Teilnehmer*Innen aus der woken Millennial-Bubble, von denen eben nicht nur Körperlichkeit sondern auch eine Menge Reflexion über dieselbe erwartet werden darf. Und so erleben wir nicht nur einen Post- sondern vor allem einen Meta-Porno, in dem ausgiebiger über Sex geredet als dass dieser zelebriert wird. Das hat dann bei der Freiwilligen Selbstkontrolle sogar für ein FSK ab 16 gereicht, obwohl es zusätzlich alle Ingredienzen klassischer Filmpornografie gibt: Nackte Haut, erigierte Genitalien, Petting und Fellatio. Und damit kommen wir zur Gretchenfrage dieses Films: Trotz Metaebenen, trotz experimentellen Ansatzes, trotz Zerfaserung, Zerredung und Akademisierung… Hat es denn auch ein wenig geknistert? Johannes?
Episode 180: The Rocky Horror Picture Show - Zwei Jungfrauen machen den Time Warp12 Jun 202401:40:04
Brad und Janet sind das vorzeigepärchen der Amerikanischen Vorstadt. Auf einer Hochzeit von Freunden gestehen sie einander singend ihre Liebe und schmieden Hochzeitspläne... Auf dem Friedhof neben der Kirche. Als sie ihren alten Lehrer Everett Scott besuchen wollen, bleibt der Wagen liegen und wir landen in einem guten alten Grusel-Horrorfilm der 30er oder 40er Jahre. Das alte Schloss bei dem sie sich Hilfe mit dem Wagen erhoffen, entpuppt sich als Brutstätte unzüchtigen Treibens. Eine Truppe sehr diverser Gestalten feiert, tanzt, singt und mordet. Wobei sie das morden dem Obermotz der Gruppe überlassen: Frank N. Furter stellt sich als Alien vom Planeten Transsexual aus der Galaxie Transylvania vor. Er verführt die beiden braven Amerikaner*innen und bis sie in Netzstrumpfhosen und knapp bekleidet mit ihm tanzen und singen. Allerdings will Riff Raff wieder nach Hause. Der Bedienstete des Herrn des Hauses zückt kurzerhand die Waffe und beschließt Frank umzubringen, bevor er das Raumschiff in Form des Schlosses wieder ins All steuert. Frank stirbt, die beiden Besucher bleiben im Schutt zurück. Kein Happy End… or is it? Was meinst du Plor, Happy End oder nicht?
Episode 81: Charade - die perfekte Melange aus Screwball und Thriller?20 Jul 202201:23:27
Plor, ich bin schwer enttäuscht, dass du diesen Film noch nicht kanntest. Dieser Film hätte von dir kommen müssen, nicht von mir. Dieser Kriminalfilm aus dem Jahre 1963 hat keine Johannes-Typischen Tanzeinlagen. Diese Liebeskomödie mit Cary Grant und Audrey Hepburn hat keine schnellen Dialoge die mit ihrem Wortwitz über eine dürftige Handlung hinwegtäuschen wollen. In diesem Thriller von Stanley Donen singt niemand aus heiterem Himmel los und alle machen mit. In diesem Agentenfilm werden keine 1000 Taschen verwechselt, er ist nicht in schwarz/weiß, kein Slapstick-duo stolpert sich durch den Film und er ist auch nicht von Wes Anderson. In diesem Film wird ein Mann ermordet, dessen Frau daraufhin von 3, nein 4, nein 5 zwielichtigen Gestalten heimgesucht wird, um sie um das Vermögen des verstorbenen Mannes zu erleichtern. Das klingt doch nach Hitchcock! Das klingt doch nach einem Plorfilm, wenn es schon Hollywood der 60er sein muss! Plor, wie konnte dieser Film an dir vorüber gehen?
Episode 80: Excalibur (1981) - Sword & Sorcery Exzesse13 Jul 202201:19:25
In den frühen 70er Jahren hatte Regisseur John Boorman die glorreiche Idee, den Herr der Ringe zu verfilmen und tauschte sich darüber auch emsig mit dem damals noch lebenden Tolkien aus. Wie so viele Versuche das Fantasyepos auf die Leinwand zu bringen, scheiterte auch dieser. Aber Boorman war schon immer einen Zacken ambitionierter als viele seiner Kollegen, und so bewahrte er viele seiner damals entworfenen visuellen, narrativen und allegorischen Überlegungen in einer Schublade, um sie gut zehn Jahre später für ein anderes Fantasyepos wiederzuverwerten. Excalibur, 1981, so etwas wie ein persönliches Projekt Boormans, nicht nur weil er es in unmittelbarer Nachbarschaft seines Wohnortes in Irland umsetzte und die Hälfte des Casts mit Familienmitgliedern besetzte. Nein, auch weil er hier nochmal alles in die Waagschale warf, nachdem sein letzter Film - The Exorcist II - glorreich gescheitert war: Mit für ein Fantasyepos recht dürftigen Budget, zahllosen unbekannten Schauspielern (von denen aber viele später noch eine beachtliche Filmkarriere hinlegen sollten) und Spaß an Pomp, Bombast, Albernheit und Kitsch. Excalibur ist ein Konvolut von Fantastischem, Übertriebenem und Bizarrem. So als würde sich ein Kind auf den Artus- und Gralsmythos stürzen. Da kämpft dann eine Hand voll Ritter in Alurüstungen vermeintlich gigantische Kriege, Merlin darf als Mischung aus Gandalf und Goofball Drachenmächte beschwören und natürlich wird zu Richard Wagner und Carl Orff in die Schlacht geritten. Als Kind habe ich dieses Tohuwabohu geliebt, als Erwachsener sehe ich dann doch die zahllosen albernen und unfreiwillig komischen Momente. Und doch ist diese Artusverfilmung auch ein beeindruckendes Epos, mit berauschenden Bildern, großartigen Allegorien und keiner Angst vor einem Wahnwitz, der sonst leider vielen Fantasyfilmen abgeht. Oder wie siehst du das Johannes?
Episode 79: Conceiving Ada - Ada Lovelace im Cyberspace06 Jul 202201:07:34
Conceiving Ada: Ich muss so 19 gewesen sein, als mir dieser Film von einer großen und tragischen Liebe anempfohlen wurde. Der gerade in seiner philosophischen Adoleszenz befindliche junge Mann in mir, schaut den Film wie einen Fiebertraum, der nur selten auf der erzählerisch/logischen Ebene Sinn ergibt, aber in Weltschmerzkerben, Weltverständniskonzepte und Weltgeschichtserforschungsdrang hineinsticht und darin rumstochert. Die faszinierende in Vergessenheit geratene Persönlichkeit der Ada Lovelace, die als erste programmiererin der Geschichte gehandelt wird, wird hier porträtiert und durch den Spin der Zeitreise auch dem Science Fiction Nerd näher gebracht. Oder man versucht es zumindest. Ob das und warum das gelingt oder nicht, wäre nun zu besprechen. Es ist nicht ganz leicht, finde ich, die Fäden des Films in der Hand zu behalten. Plor, wo laufen denn für dich die Hauptfäden des Films entlang und wolltest du ihnen gerne folgen?
Episode 78: Frozen / Die Eiskönigin - Die große Disney-Renaissance des 21. Jahrhunderts29 Jun 202201:40:28
Okay… Dann reden wir erst mal über “Let it go”. Einer der erfolgreichsten Disney-Songs aller Zeiten, Oscarprämiert, und ein schrecklicher Ohrwurm der vor allem von jungen Eltern ob seiner Omnipräsenz verflucht wird… achja, und ein verflucht guter Song obendrein. Da kann noch so oft darüber gelästert, gejammert und geschimpft werden. Gerade als “I want” Prinzessinnen-Song ist das Teil einfach mal mit das beste, was Disney je an musikalischem Empowerment rausgehauen hat. Wo waren wir? Achso, ja Frozen. Die Eiskönigin - Völlig unverfroren. Völlig dämlicher deutscher Subtitel für einen Film, der nicht weniger als eine Disney-Renaissance im 21. Jahrhundert ausgelöst hat. Keine zehn Jahre alt, ist er bereits ein Stück Filmgeschichte. Das Märchen der Prinzessin Elsa, die unfreiwillig zur gefürchteten Schneekönigin wird… und ihrer kleinen Schwester Anna, die alles daran gibt ihrer älteren Schwester beizustehen. Dazu gibt es eine Menge Musicaleinlagen, ein wahnwitziges Tempo und sogar ein wenig Feminismus… auf jeden Fall mehr als man damals von einem Disney-Film erwarten durfte. Und damit ist Frozen auch irgendwie wegweisend für so manche auf ihn folgende Prinzessin. Also dann: Als Vater eines Kindergartenkinds wurde ich mit diesem Film und seinem Titelsong in den letzten Jahren sehr oft konfrontiert. Und auch wenn wir unsere Entfremdungsphase hatten so ist er mir schlussendlich doch deutlich mehr ans Herz gewachsen. Aber wie sieht es denn mit dir aus Johannes, der du ihn bestimmt nicht so oft gesehen hast und wahrscheinlich nicht in Gesellschaft verzaubernd leuchtender Kinderaugen? Hat es trotzdem gefunkt?
Episode 77: Asterix erobert Rom und der Passierschein A3823 Jun 202201:06:50
Der dritte Film der Asterix Zeichentrickreihe "Asterix erobert Rom" aus dem Jahr 1976 basiert im Gegensatz zu seinen Vorgängern nicht auf einem bereits existierenden Comic. Die Story wurde original für den Film geschrieben. Sie bedient sich der Sage des Herakles und der zwölf Aufgaben, die er absolvieren muss. So legt Cäsar unseren Helden zwölf Aufgaben auf, die klären sollen, ob es sich bei den übermenschlich starken Galliern um Götter handelt. Alles mit dem Asterix typischen Humor den man als Kind nur so halb verstanden hat. Dieser Film ist wieder eine heilige Kuh meiner Kindheit die ich Plor zur Schlachtung vorwerfe. Wobei ich dieses mal recht sicher bin, dass der Film bei Dir, Plor, auf wohlwollende Augen trifft. Oder? Nein? Doch? Der Film doch recht sicher und positiv im kulturhistorischen Kanon verankert. Obwohl, das hat dich ja nie abgehalten einen allgemein geliebten Film zu zerreißen. Argh! Ich weiß es nicht! Ok, lass mich kurz überlegen, ob der Film plortauglich ist oder nicht. - Der Film hat keine japanischen Untertitel - Minuspunkt. - Es gibt keine zehnminütige Plansequenz, in der gefühlt nichts passiert. Der ist Film für deine Verhältnisse doch recht gradlinig und leicht zu verstehen. - Es gibt kein Gore, keine prätentiöse Wckelkamera, keine russischen Gedichtrezitationen, ...Ach Gott dem Film fehlt wirklich alles Plortypische… nicht mal richtig absurd… Moment, absurd! Er ist schon streckenweise sehr absurd, und nein, wenn ich so drüber nachdenke, ist er schon was für dich: Er referiert auf griechische Mythologie, kommt aus Frankreich, dem Land der Nouvelle Vague und basiert auf einer quasi-literarischen Vorlage. So Plor, jetzt sag doch auch mal was. Ist Asterix ein Plorfilm?
Episode 76: Dracula (1958) Und die Horrorfilme von Hammer15 Jun 202201:18:19
Es gibt nur einen wahren König der Vampire. Graf Dracula. Der berühmteste Blutsauger der Horrorgeschichte, von Bram Stoker 1897 erschaffen und seitdem in zahllosen Büchern und Filmen weitergesponnen. Und es gibt nur eine wahre Königin der Horrorfilmgeschichte: Hammer Productions Ltd. Gegründet im Jahr 1934 und spätestens seit den späten 50er Jahren Aushängeschild für mal mehr (mal weniger) gehobenen Gothic Horror mit schmalem Budget. Ein wesentlicher Grund für die enorme Reputation von Hammer in Horrorfilmkreisen dürfte Dracula aus dem Jahr 1958 sein: Der erste Dracula-Film in Farbe, das Debüt Christopher Lees als Obervampir und das Debüt Peter Cushings als sportlicher Van Helsing. Die Hammer’sche Dracula-Version ist so etwas wie ein Kondensat des Urstoffes: Reduziert auf das Wesentliche, den Kampf des Menschen gegen die unsterbliche Bestie, ohne großen erzählerischen Schnickschnack, dafür aber mit einer Menge Action und einer ungeheuren Liebe zum Detail, die sich vor allem im wunderschönen Setting und den prunkvollen Kostümen widerspiegelt. Aber natürlich ist der Film auch ein Kind seiner Zeit, seiner Herkunft und seines Budgets: Zwischen Naivität und düsterem Horror pendelnd, mal pathetisch, mal frivol, mal brutal, mal unfreiwillig komisch. Eine Modernisierung des Draculas für das Jahr 1958 in einem sehr speziellen Stil, der wegweisend sein sollte auch für spätere Hammer-Filme… und der mit Sicherheit nicht jedem liegt. Wie sah es denn bei dir aus, Johannes?
Episode 75: An Honest Liar - Von Zauberern und Scharlatanen08 Jun 202201:19:13
James Randi war ein Zauberer der alten Schule. Seinem großen Vorbild Houdini nacheifernd hat er mit Entfesslungsnummern schon in den 40ern und 50ern die Welt bereist und die ersten großen Fernsehshows beglückt. Charmant eloquent und witzig. Er ist bekannt dafür seine Show mit folgenden Worten zu beginnen: “Good evening, ms name is the great randall. I am a liar, a cheat and a chalatan. I will blatently lie to you, but for purposes of entertainment only of course. And those lies may not be dicernible from the truth.” Der Film "An Honest Liar" aus dem Jahr 2014 beleuchtet Randis Weg vom simplen Zauberkünstler zum Kämpfer für die Wahrheit und gegen Scharlatane die mit scheinbar echten Wundern den Zuschauern das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Und da fängt der Film an für mich besonders interessant zu werden. Diesen Bogen möchte ich gern mit dir schlagen: vom Quacksalber der dir vor hunderten von Jahren Katzenpisse verkauft hat um deine Schmerzen im linken Fuß zu heilen bis zu Uri Geller der dir auf QVC Quarze mit heilenden Kräften verkauft. Auf einer Skala von 1-10 - wie doomed ist die Menschheit, wie deprimiert müssen wir aus diesem Film gehen, Plor?
Episode 74: First Blood - Der erste Rambo-Film01 Jun 202201:16:50
Die Literaturverfilmung First Blood aus dem Jahr 1982 erzählt die Geschichte des Vietnamveterans John J. Rambo, der auf seinem Weg durch die nordamerikanische Kleinstadt Hope vom örtlichen Sheriff als Herumtreiber festgenommen wird. Die äußerst brutale Behandlung durch die örtlichen Polizisten führt bei Rambo zu Kriegsflashbacks. Er schlägt sich den Weg aus dem Polizeirevier frei und flieht in die umliegenden Wälder. Die Polizisten folgen ihm, werden aber Dank seiner im Krieg erlernten Überlebensfertigkeiten sehr schnell von Jägern zu Gejagten. Wenn man an die Person Rambo denkt, hat man vor allem die Memes und Klischees im Kopf an denen vor allem die beiden 80er Jahre Fortsetzungen Schuld sind: Der heroische Einzelkämpfer, der wie durch ein Wunder jedem Kugelhagel entgeht und im Alleingang Kriege gewinnt und die Ehre der USA wiederherstellt. Aber vielleicht gelingt es diesem ersten Teil dann doch der Figur andere Facetten abzugewinnen… die Frage ist nur, welche Facette überwiegt. Und damit spiele ich den Ball an dich weiter, Johannes. Wer ist dieser John J. Rambo in First Blood? Ein traumatisiertes Kriegsopfer? Ein Kind, das mit seiner Stärke nicht umgehen kann? Ein verwirrter Gewalttäter? Eine Kampfmaschine, die in der Zivilgesellschaft nichts verloren hat? Ein Terrorist? Oder vielleicht doch einfach nur ein überzeichneter, stereotyper konservativer Actionheld getarnt als tragischer Außenseiter?
Episode 73: The French Dispatch - Ein Wes Anderson Kondensat25 May 202201:31:03
The French Dispatch aus dem Jahr 2021 ist Wes Andersons zehnter Film und - Ooooh Boy! - hat er seinen Stil perfektioniert über die Jahre, die er Filme machen durfte. Wer einmal einen Wes Anderson Film gesehen hat, dürfte jeden Folgenden schnell erkennen. Sein visueller und auch narrativer Stil ist unverkennbar. Seine Art mit Symmetrien zu spielen, Farben einzusetzen, Szenen rhythmisch aufzubauen sowie Dialoge zu schreiben und zu inszenieren, dürfte in der Kombination einmalig sein. The French Dispatch ist eine Liebeserklärung an den Journalismus und an eine Blütezeit des Selbigen, die es eigentlich so nie gab. Unterstelle ich mal. Und doch sind seine Referenzen zu tatsächlich existierenden Autoren sehr konkret. Der Film ist anthologisch und unterteilt sich in eine Rahmenhandlung, und vier oft sehr absurd erzählte Stories der Journalisten für das titelgebende Magazin. Vier Stories, die nicht viel miteinander zu tun haben, außer der Liebe zum Geschichtenerzählen. Plor, der Film hat bei seiner Premiere in Cannes neun Minuten Standing Ovations erhalten. Zurecht? Was meinst du?
Episode 72: No Exit und der deutsche Rechtsextremismus18 May 202201:07:01
No Exit, zu gut deutsch “Kein Ausweg”. So lassen sich wohl ganz gut die Lebensumstände vieler Menschen im Frankfurt Oder der frühen 2000er Jahre zusammenzufassen. Um der brandenburgischen Tristesse zu entkommen, vielleicht auch um ein politisches Zeichen zu setzen, vielleicht auch einfach nur um etwas menschliche Nähe zu erfahren gründen einige junge Frankfurter*Innen eine rechtsextreme, freie Kameradschaft. Da ist der 22jährige Nico, Finanzberater und NPD-Mitglied. Er wäre gerne Führungsfigur, politische Autorität, scheitert mit seinen Bildungs- und Propagandaveranstaltungen aber immer am Desinteresse seiner Kameraden. Da ist die 28jährige Connie. Sie hat ein kleines Kind von einem Marokkaner, mehrere gewalttätige Beziehungen hinter sich und will eigentlich nur ein wenig Halt in ihrem Leben. Da ist der 19jährige Bibi, der im Kinderheim groß geworden ist und einer Haftstrafe wegen schwerer Körperverletzung entgegenblickt. Franziska Tenner porträtiert in ihrem 2004er Dokumentarfilm “No Exit” diese drei Protagonisten sowohl intim als auch mit ironischer Distanz. Kommentiert wird viel, nicht verbal, aber in der Auswahl und Montage der Bilder und Geschichten. Tenner interessiert sich nach eigenen Angaben wenig für die politische Seite der Kameradschaft sondern viel mehr für ihr bizarres Scheitern und die traurigen Hintergründe ihrer Mitglieder*Innen. Und das sieht man diesem Film auch an, dem vor allem von der linken Filmkritik seine apolitische Stoßrichtung und sogar Verharmlosung rechtsextremer Strukturen vorgeworfen wurde. Und so gebe ich deren Frage gleich mal an dich weiter, Johannes: Ist die Perspektive dieses Films problematisch angesichts der real existierenden rechtsextremen Bedrohung um den Jahrtausendwechsel? Und hat er heute noch Relevanz, wo wir mit ganz anderen Erscheinungsformen der extremen Rechten konfrontiert sind?
Episode 179: Blow Up - Fotografie, Sex, Mord und Pantomime in den Swinging Sixties05 Jun 202401:25:03
Michelangelo Antonioni, seine Zeichens Kind des italienischen Neorealismus, drehte mit Blow up 1966 seinen ersten Film außerhalb Italiens: Zum einen, um der strengen Sitte seines Heimatlandes zu entfliehen, zum anderen auch, weil Thema und Inhalt des Films perfekt ins London der swinging Sixties passt: Es geht um den jungen Fotografen Thomas, der selbst nicht so genau weiß wo er hin will, der für einen anspruchsvollen Fotoband in einer Obdachlosenunterkunft übernachtet, nur um gleich am nächsten Tag hochstilisierte Models zu fotografieren: Thomas ist immer auf Achse, in mehr als einer Hinsicht immer am Drücker, großmäulig, dekadent, dominant und sexy. Aber auch gelangweilt, orientierungslos und irgendwie verloren in seiner eigenen Welt. Als er in einem Park ein techtelmechtelndes Paar fotografiert wird er anschließend von der fotografierten Frau verfolgt, die unbedingt an die Negative gelangen will. Bei der Entwicklung der Fotos stellt sich heraus warum: Ein im Gebüsch versteckter Mann mit einer Pistole, ein versuchter Mord… vielleicht sogar ein erfolgreicher Mord inklusive Leiche? Was der Beginn eines Mysterythrillers sein könnte, wird zu etwas ganz anderem. So wie Thomas’ Leben mäandert auch die Handlung weiter vor sich hin: Sex, Drogen, ein bizarres Konzert mit Zombiepublikum… die Leiche wird gefunden, vielleicht aber auch nicht. Und am Ende bleibt nur die grobkörnige Vergrößerung eines einzelnen Fotos, das ebenso ein abstraktes Gemälde sein könnte. Der Protagonist beobachtet Pantomimen beim imaginären Tennisspiel, spielt mit, hört das Aufprallen von Ball und Schläger, bevor er sich vor unseren Augen auflöst. Blow up dreht sich um Wahrnehmung und Abbildung, um Täuschung und Selbsttäuschung, um den Verlust aller sensitiven Angelpunkte in einer hektischen, konsumorientierten Welt. Das ganze mit viel Jazz, Sex und Rock & Roll. Stilistisch bestimmt dein Fall, Johannes. Aber ich kann mir vorstellen, dass es für dich inhaltlich den ein oder anderen Stolperstein gab. Also dann, für den soften Einstieg: Wie viele Drogen braucht man für den Genuss des Films? Und auf einer Skala von 9 bis 10, wie sexy ist dieser arrogante, selbstgefällige Motherfucker Thomas.
Episode 71: Wings (1927) - Der erste Oscargewinner und sein queerer Subtext11 May 202201:27:46
Wir sprechen über den ersten Oscar-Gewinner der Filmgeschichte, Wings aus dem Jahr 1927: Es geht um Luftkampf, Kriegsaction, Romantik und vielleicht den einen oder anderen queeren Subtext. Wings war eine von 1971 bis 1981 bestehende Rockband von Paul McCartney mit seiner ersten Ehefrau Linda… Nee, Moment, falscher Wikipediaartikel. Wings… verdammt Google findet es nicht… Ah! 1927 dazu eingeben. Ha! Wings ist der erschreckend unbekannte Stummfilm der End-20er Jahre, in dem der erste gleichgeschlechtliche Kuss der Filmgeschichte zu sehen ist. Der Film, der die krassesten Flugaufnahmen zu bieten hat, die noch auf Jahrzehnte die Latte für Luftfahrt-Action gelegt haben. Und dazu dann noch der Gewinner der allerersten Oscars… Doch worum geht es? Also... Mary liebt Jack, Jack liebt Sylvia, Silvia aber liebt David. Jack und David lieben die Fliegerei und schließlich auch einander. Dazwischen ist Krieg. David stirbt. Jack liebt nun doch Mary, weil sie übrig bleibt. Ende. Man könnte den Eindruck bekommen es werde viel geliebt, aber viel mehr noch wird geflogen, geschossen und gelesen, nämlich Zwischentitel. Is ja n Stummfilm. So. Plor, was hat dich denn an den Fernseher gefesselt? Die Liebe oder der Krieg?
Episode 70: Stalker - Science Fiction als Reise ins Innere (Gast: Marcus)04 May 202201:58:18
Mit unserem Gast Marcus sprechen wir über Andrei Tarkowskis Science Fiction Klassiker STALKER aus dem Jahr 1979. 1979, das ist ein Jahr nach George Lucas’ Space-Oper Star Wars und das Jahr in dem Rildey Scott uns in einer Art Antithese zu Star Wars mit Alien das fürchten lehrt. Während ersterer Science Fiction Klassiker unverhohlen auf Effekt, Action und Dynamik setzt, ist letzterer schon zurückhaltender. Das Visuelle, die Cinematografie ist eindrücklich aber nicht aufdringlich. Fast die gesamte Dynamik, die in Alien transportiert wird, beschränkt sich auf die fremde Körperhaftigkeit eines unbekannten Wesens aus dem All einerseits und auf die Angst, die innere Bewegtheit, die uns Scott lehren will, andererseits. In diesem Sinne ist Alien auch ein inneres Erlebnis, ausgelöst durch eine Begegnung mit dem Fremden. 1979 erschien aber auch noch ein weiterer Science Fiction Klassiker, einer der kulturell nicht weniger Wirkung erzielte, sich aber nie inmitten eines Franchise-Getöses wiederfand. Die Rede ist von Andrei Tarkowskis Stalker, der gewissermaßen noch antithetischer ist. Als Gegenentwurf zur effekthascherischen Blockbuster-Aufdringlichkeit, entfaltet Stalker in seiner Ruhe und Verschlossenheit eine Sogwirkung, der man, ist man einmal von ihr erfasst, nicht mehr entkommen kann. Nach Solaris ist es Tarkowskis zweiter Science Fiction Film, nur… fast ohne Science Fiction. Man begegnet hier nichts Fremden, keinem Wesen aus einer anderen Welt, sondern sich selbst, vielleicht. Stalker spielt in der Nähe der sogenannten Zone, die ein Überbleibsel eines unbekannten Ereignisses ist, oder sein soll. Sei es ein Meteoriteneinschlag, oder die Landung einer Außerirdischen Zivilisation. Ein als Stalker bezeichneter Abenteurer, der dafür bezahlt wird Menschen in und durch die Zone zu leiten, wurde von zwei Männern angeheuert, sie in ein Zimmer zu bringen, welches sich in der Zone befindet und in welchem Wünsche bzw. die insgeheimen Wünsche in Erfüllung gehen sollen. (Dieser Unterschied ist wichtig.) Bei den Männern handelt es sich um einen Schriftsteller, dem die Inspiration abhanden gekommen ist und einen Wissenschaftler, der, so scheint es zunächst, nach dem Nobelpreis strebt. Merkwürdige Dinge sollen in der Zone geschehen, gefährlich soll es in ihr zugehen, der kürzeste Weg sei nicht der schnellste, überall lauerten tödliche Fallen, die es aufzuspüren gilt. Aber… so viele Anzeichen, die darauf schließen ließen, dass wir uns hier in einer fremden und gefährlichen Umgebung befinden, gibt es gar nicht. Keine Effekthascherei, keine Action, vielmehr wird der Weg zum Wunschzimmer zu einer Reise ins Innere. Stalker ist kein dynamischer Film, zumindest nicht in physischer Hinsicht aber er bewegt viel tiefgehender, weil Tarkowski hier etwas berührt, was in uns selbst stattfindet und was sich in weitestem Sinne als Conditio humana oder Psyche bezeichnen ließe und selbst nichts festes, sondern etwas dynamisches ist. Diese Dynamik ist im Film verborgen, man muss sie sich erschließen, sie entdecken. Sie entfaltet sich in dem Augenblick, wenn man sich selbst dem Film öffnet und beginnt hinter die Fassade zu blicken, die uns Tarkowski hier vorspielt. Denn es ist keineswegs eindeutig, was hier die Zone ist! Ist es wirklich das Gebiet, das von der Natur zurückerobert wird und in dem es gefährlich sein soll? Oder ist es vielleicht doch die in Sepia getauchte karge Welt, die eindeutig die Anzeichen von Ideologie trägt und in der Soldaten oder Polizisten mit Waffengewalt verhindern wollen, dass man hinter die Grenze gelangt? Was meint Ihr? Was ist die Zone?
Episode 69: Tiger and Dragon und der chinesische Wuxia-Film27 Apr 202201:30:26
Der chinesische Begriff Wuxia setzt sich aus zwei Silben zusammen. Die erste Silbe Wu bedeutet so viel wie Kampfkunst, die zweite Silbe Xia steht für die Personen, die dieser Kampfkunst in dem Genre des Wuxia Films oder Wuxia Romans nachgehen. Dabei handelt es sich um wandernde Ritter für die gute Sache, aber auch um Personen die in einem Spannungsverhältnis zu Gesellschaft und Obrigkeit stehen. Sie sind gesellschaftliche Randfiguren, zugleich aber auch Helden, die in abgelegeneren Regionen Chinas für die gerechte Sache streiten. Der Film “Crouching Tiger, Hidden Dragon” aus dem Jahr 2000 war Ang Lees Versuch dieses spezifisch chinesische Filmgenre einem westlichen Publikum nahe zu bringen. Erzählt wird von der Region rund um Peking zur Zeit der Qing Dynastie im späten 18. Jahrhundert. Das grüne Schwert der Unterwelt, die Waffe des ehrwürdigen Wudang Meisters Li Mu Bai wurde gestohlen, kurz nachdem es dem Hohen Rat von Peking geschenkt wurde. Die Schwertmeisterin Yu Xiu Lian versucht die wertvolle Waffe wiederzufinden. Schnell stellt sich heraus, wer die Diebin ist: Yu Jiao Long, die junge Tochter des Gouverneurs, die bald verheiratet werden soll. Doch nicht nur das. Diese ist eine herausragende Kämpferin, die sich selbst die äußerst komplexe Wudang-Kampfkunst gelehrt hat und zugleich mit Jadefuchs im Bund steht, eine abtrünnige kriminelle Schwertmeisterin, die für den Tod von Li Mu Bais Lehrmeister verantwortlich ist. Aber es ist nicht allein die Geschichte um Ehre, Kampfkunst, Liebe und die Suche nach dem richtigen Lebensweg, die Tiger and Dragon glänzen lässt. Der Film lebt von seiner Inszenierung des Kampfes und der Akrobatik seiner Schwertmeisterinnen: Menschen trotzen den Gesetzen der Physik, springen, tanzen und beginnen im wahrsten Sinne des Wortes zu fliegen. Der Kampf ist hier auch immer ein Stück Zauberei, die Welt ist eine magische und poetische, in der Kampf und Schönheit eng beieinander liegen. Johannes, als durch und durch westlicher Zuschauer. Ist es diesem Film gelungen, dich in die Welt der Kampfkünste und diese fantastische Version des historischen Chinas zu entführen? War es eine Reise, die du gerne wiederholen würdest, oder bleibt es bei diesem einmaligen Trip?
Episode 68: Groundhog Day - Das Murmeltier und die Five Stages of Grief20 Apr 202201:30:18
Its Groundhog day! Its Groundhog day! Its Groundhog day! Wieder und wieder und wieder… Was kann man aus dem wiederholen von Fehlern lernen? Kann man sein Wesen um 180 Grad drehen, wenn man sich nur lang genug selbst langweilt? Den meisten Zuhörer*Innen werde ich diesen Film aus dem Jahr 1993 nicht vorstellen müssen, trotzdem sei in kürze zusammengefasst: Phil ist ein miesepetriger Wetterfrosch, der als Reporter zum Murmeltiertag in ein kleines Städtchen geschickt wird um dort von den Festivitäten zu berichten. Nach widerwillig vollbrachtem Tag wacht er am nächsten wieder am 2. Februar, dem Murmeltiertag auf. Und am nächsten Tag ist wieder der 2. Februar. Murmeltiertag in a loop. Uns beschleicht natürlich schnell der Verdacht dass Phil lernen soll nett zu seinen Mitmenschen zu sein und den inneren Scrooge abzulegen. Natürlich gibt es eine entsporechende Liebesgeschichte mit der großartigen Andie MacDowell, die ihm als Love Interest ein paar dutzend Ohrfeigen geben darf. Bill Murray in Höchstform und ein Comedy-Drama wie es im Lehrbuch steht und vielleicht genau wegen dieses Films dort seinen Platz findet. Ein Rewatch, der sich gelohnt hat? Oder einer der einen dazu bringt sich mit einem Murmeltier von einer Klippe zu stürzen? Was meinst du Plor? Was würdest du mit der Zeit machen?
Episode 67: Bonnie und Clyde - Das Kultverbrecherpaar und New Hollywood14 Apr 202202:08:33
Wir befinden uns im Texas der frühen 30er Jahre. Die amerikanische Wirtschaft steckt in einer tiefen Krise: Banken werden geschlossen, Häuser werden verpfändet. Viele Menschen befinden sich am Rande ihrer finanziellen Existenz. In dieser Zeit formiert sich die Barrow-Bande, angeführt von Clyde Barrow überfällt sie Lebensmittelläden, Tankstellen und schließlich vor allem auch Banken. Aus ihren Taten werden sich in den folgenden Jahren und Jahrzehnten romantisierende Legenden um das große Verbrecherpaar Bonnie und Clyde herausbilden. Wir befinden uns im Hollywood der späten 60er Jahre und das alte Hollywood-Studiosystem steckt in einer tiefen Krise. Zu viele, zu formalisierte Stoffe. Das Publikum langweilt sich und wird zum immer populärer werdenden Fernsehen, nicht dem Hays-Code untergeordneten B-Movies oder der Konkurrenz aus dem Ausland gezogen. In dieser Zeit entwickelt Produzent und Schauspieler Warren Beatty noch im klassischen Studiosystem verhaftet den Stoff für eine Verfilmung der Geschichte von Bonnie und Clyde, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten als Vorläufer und Geburtsstunde des New Hollywood angesehen wird. So, Johannes, und jetzt gleich zu Beginn die schwierigste Frage an dich. Kriegen wir das irgendwie zusammen? Die Wirtschaftskrise der USA in den 30er Jahren und die Krise des goldenen Hollywood in den 60ern? Kriegen wir das zusammen, die Begeisterung für ein kriminelles Outsiderpaar und die Begeisterung für ein von vermeintlichen Outsidern geschaffenes neues amerikanisches Kino, das stilbildend für die weitere US-Filmgeschichte sein sollte? Your Turn.
Episode 66: Das Fenster zum Hof - Alfred Hitchcock und der Voyeurismus06 Apr 202201:36:45
Mit gebrochenem Bein muss der Fotograf Jeff in seinem Hinterhofappartment der Langeweile trotzen und einen Weg finden sich zu beschäftigen, während er sehnsüchtig den Tag erwartet, an dem sein Gips abgenommen werden soll. Eine Woche noch. Dann ist es geschafft. Aber was macht man mit so einer Woche? Jeff beschließt seine Nachbarn zu bespitzeln, die wegen einer Hitzewelle alle Fenster weit offen stehen lassen. Und damit Einblicke geben in ihr mehr oder weniger spannendes Leben. Besonders bei einem Nachbarn wird Jeff im Zuge seiner Beobachtungen misstrauisch. Hat der Typ etwa seine Frau umgebracht? Jeff steigert sich in diesen Gedanken und zieht seine Freundin und einen befreundeten Detective mit in die Sache rein. Die ganze Zeit sieht man Jeff am Fenster sitzen das nicht zufällig Cinemascope-Format hat. Er schaut wie auf eine Leinwand ins leben der anderen. Ist "Rear Window" in Deutschland bekannt als "Das Fenster zum Hof" aus dem Jahr 1954 etwa ein Film über das Filmemachen? Was meinst du Plor?
Episode 65: This is Spinal Tap30 Mar 202201:14:55
Spinal Tap, das sind David, Nigel, Derek, Viv und Mick. Bestimmt nicht die beste oder erfolgreiche Hardrock- und Heavy Metal Band der frühen 80er Jahre, aber eine Gruppe, die sich nicht unterkriegen lässt und trotz so mancher Misserfolge weiter Platten aufnimmt, weiter tourt, und weiter um ihren Platz in den Annalen der Musikgeschichte kämpft. Wir schreiben das Jahr 1984 als der Dokumentarfilmer Marty sie bei ihrer aktuellen Tour und den Aufnahmen zu ihrem neuesten Album begleitet. Mittlerweile wissen wir natürlich, dass der dabei entstandene Film keine Dokumentation ist sondern eine bissige Satire auf Künstlertum und Musikbusiness. Nichts desto trotz hat der Film This is Spinal Tap einen gewaltigen Impact hinterlassen: Von Roger Ebert damals als witzigster Film des Jahre bezeichnet, bis heute Kultfilm vieler 80er Musikliebhaber, natürlich in der Liste der 1000 Filme, die man vor dem Tod gesehen haben sollte… und nicht zuletzt verantwortlich für eine fiktive aber doch ziemlich beständige Band, die bis zum heutigen Tage tourt und Platten veröffentlicht. Johannes… mir fällt keine gescheite Frage ein. Also diesmal ganz platt und direkt: Hattest du denn Spaß?
Episode 64: Dancer in the Dark - Lars von Trier, Björk und das düstere Ende eines Musicals25 Mar 202201:47:47
Dancer in the Dark... 2000. Lars von Trier. Wer ihn kennt weiß dass man den Rest des Abends knicken kann. Entweder weil einem Schlecht ist, oder weil man depressiv geworden ist... oder beides. In diesem Falle ist eine depressive Episode vorprogrammiert und ich hatte mir Taschentücher bereitgelegt, allerdings hat es mich am Ende doch gar nicht sooo schlimm erwischt wie ich dachte. Woran liegt das? Das Melodram hat alles was es braucht: Selmas deprimierendes Leben in einem Trailer im Garten eines befreundeten Pärchens, Ihre fortschreitende Krankheit die sie erblinden lässt, ihre aufopferungsvolles Sparen für die OP für den Sohn, die Flucht in Musical-Fantasien die die Tragik nur noch intensivieren, der Vermieter der ihr Erspartes klaut um seine eigene Ehe zu retten, und der Unfall/Mord an selbigem der zur Verurteilung der gefühlt unschuldigen Selma führt… und schlussendlich der Tod durch den Strick. Jetzt wo ich es so aufschreibe, fällt mir doch auf: das ist ganz schön viel. Ist der Film zu überladen und holt deswegen nicht alles an Tränen aus mir raus, was er könnte? Was meinst du Plor?
Episode 63: The Witch - Historizität und Post Horror16 Mar 202201:33:32
Es war einmal… oder? So beginnen doch die klassischen Märchen, die von Hexen und Waldgeistern handeln. Also… Es war einmal ein junger Regisseur namens Robert Eggers, der bei seinem filmischen Debüt persönliche Ängste seiner Kindheit in einem Horrorfilm verarbeiten wollte. Vielleicht war auch einmal ein ambitionierter Regisseur namens Robert Eggers, der vorhatte, ein historisch akkurates Porträt der Pilger- und Puritanerzeit zu gestalten. Oder da war ein spezieller Regisseur namens Robert Eggers, der an düsteren Familiendramen mit tiefenpsychologischem Subtext interessiert war. So ganz lässt sich das nicht auseinanderklamüstern… Der Debütfilm jenes Robert Eggers, der alle drei Personen in sich vereint, The Witch aus dem Jahr 2015, spielt jedenfalls im Jahr 1630 und begleitet eine Pilgerfamilie, die nachdem sie von ihrer Gemeinde verstoßen wurde, versucht sich am Rande eines Waldes in Neuengland ein neues Leben aufzubauen. Dieses scheint jedoch unter keinem guten Stern zu stehen. Zuerst verschwindet der jüngste Spross, das Baby Samuel, spurlos. Dann verfault die Maisernte und die Familie steht plötzlich vor den Trümmern ihrer Existenz. Hat Gott sie verlassen? Oder ist doch eine im Wald lebende Hexe für das Unglück verantwortlich, wie die jungen Zwillinge behaupten? The Witch ist ein düsterer Hybrid aus Horror, Historical Period Drama und psychologischer Auseinandersetzung mit Familienbildern, paganer und christlicher Religiosität. Ein Film, der zwischen den Stühlen sitzt und vielleicht gerade deswegen ein Horrorfilm, der dir gefallen könnte, Johannes. Hat er das denn?
Episode 62: 101 Dalmatiner und das Silver Age des Disney Zeichentrickfilms09 Mar 202201:31:00
Endlich ein Disney-Classic! Oder gehört 101 Dalmatiner aus dem Jahr 1961 überhaupt zu den Disney-Klassikern? Damals läutete dieser Film eine neue Ära ein, heute wird er oft in einem Atemzug mit Dumbo, Pinocchio und Peter Pan genannt. Doch bevor wir uns um die Umstände seiner Entstehung und seiner Einordnung kümmern ein kurzer Abriss der Story: Der Dalmatiner Pongo lebt bei seinem Haustier Roger, einem Menschen, in einem Dachgeschoss Apartment London. Pongo schaut mitleidvoll auf Roger der noch keine Lebensgefährtin hat und beschließt kurzerhand sich darum zu kümmern. Vielleicht auch weil er sich hals über Kopf in eine Dalmatinerdame verliebt hat. Man könnte meinen der Film kreise um die Eroberung der Herzensdame, aber die Annäherung geht recht schnell und wir springen in der Zeit nach vorn. Pongo und Perdita erwarten Welpen, wovon Cruella DeVille, eine alte Schulfreundin von Anita, Wind bekommt und die kleinen kaufen will. Als ihr der Kauf versagt bleibt, beschließt sie, sie einfach zu stehlen, sobald sie ihre Punkte im Fell entwickelt haben, um einen Fellmantel daraus machen zu lassen. Natürlich lassen sich die beiden Eltern es nicht bieten und eilen ihren Welpen zur Rettung. Schlussendlich retten sie allerdings nicht nur ihre eigenen Kinder, sondern insgesamt 99 Dalmatinerwelpen, die alle dem kruden Modegeschmack unserer Schurkin zum Opfer fallen sollten. Plor, gehört der Film zu den Disney-Classics oder ist er der Beginn des Abstiegs Disneys in die mageren Jahre?
Episode 178: Die Truman Show - Von wahren und falschen Menschen29 May 202401:37:58
Und falls wir uns heute nicht mehr sehen, guten Tag, guten Abend und gute Nacht! - Wir reden über den ersten großen Wurf Jim Carreys, als ernster Schauspieler wahrgenommen zu werden, The Truman Show aus dem Jahr 1998. Wir reden über den ersten Dramenausflug des Schauspielers, das Visionäre in diesem Film und über die Frage, was einen wahren Menschen ausmacht.
Episode 61: Arizona Junior und das Kino der Coen Brothers02 Mar 202201:29:19
Die Brüder Joe und Ethan Coen gehören zu den renommiertesten Regisseuren Amerikas. Seit mittlerweile über 30 Jahren drehen sie Filme, die sich dezidiert mit den Glanz- vor allem aber auch Schattenseiten des Landes der unbegrenzten Unmöglichkeiten auseinandersetzen. Bei der Frage nach dem besten Film des Paares hat wohl jeder eine andere Antwort: Der frostige und zugleich humanistische Thriller Fargo? Die surreale Groteske Barton Fink? Die Neowestern Actiondekonstruktion No Country for old Men? Die Stoner-Komödie The Big Lebowski? Aber kaum jemand denkt dabei an ihren zweiten Spielfilm Raising Arizona aus dem Jahr 1987, der in Deutschland unter dem Titel Arizona Junior veröffentlicht wurde. Zeit diesem surrealen Komödienkleinod ein wenig Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Im Mittelpunkt stehen der Kleinkriminelle H.I. und die Polizistin Ed, die sich bei H.I.s zahlreichen Mugshots ineinander verlieben und schließlich heiraten. HI beschließt seine kriminelle Karriere hinter sich zu lassen und eine Familie zu gründen, jedoch wird die junge Ehe davon getrübt, dass Ed keine Kinder kriegen kann. Auch eine Adoption ist wegen H.I.s Vorleben unmöglich. Und so beschließen die beiden das Familienglück in die eigene Hand zu nehmen. Der erfolgreiche Möbelmogul Nathan Arizona wurde gerade mit Fünflingen bedacht. Mehr Babys als er brauchen kann, da wird er es doch verschmerzen können, wenn eines fehlt. Und so entführen Ed und H.I. Nathan Junior, um ihn als ihren eigenen Sohn großzuziehen. Sie ahnen nicht, welche Kette bizarrer Ereignisse sie damit in Gang setzen. Raising Arizona ist eine wilde und absurde Komödie… und doch so viel mehr: Klein- und Großkriminelle mit dem Herz am rechten Fleck, wohlsituierte Bürger, die dem Wahnsinn anheim gefallen sind, ein US Bundesstaat, in dem jeder Bewaffnet ist und keine Scheu hat wild um sich zu schießen, ein fucking Reiter der Apokalypse und dazwischen Freude Schöner Götterfunken als Blue Grass Hymne. Arizona Junior ist ein kapitalismus- und gesellschaftskritisches Redneck-Märchen, eine tiefenpsychologische Auseinandersetzung mit Familie, Bürgerlichkeit und Antibürgerlichkeit, sowie eine gehässige Satire auf den amerikanischen Traum. Deutlich weiser und tiefgründiger, als er auf den ersten Blick vermuten lässt, deutlich mehr Konzept als die irre und durchgedrehte Fassade vermuten lässt. Oder wie siehst du das, Johannes?
Episode 60: Bang Boom Bang23 Feb 202201:32:33
Jetzt ist hier Schluss mit dreistündigen Import-Filmen, die selbst imdb nicht kennt und auch Schluss mit ton- und farblosen Clownsparaden, aus einer Zeit, als ein Ausrutscher auf der Bananenschale noch als gute Abendunterhaltung durchging. „Bang, Boom, Bang “ aus dem Jahre 1999 ist weder schlau geschrieben, noch schön gedreht. Er ist, viel schlimmer: Kult! Zumindest im Ruhrgebiet. Die Sprüche des Films sind zumindest aus meiner Jugend nicht mehr wegzudenken: „Was hat der meine Olle zu ficken?“, „Der Pferd heißt Horst!“, „Ich bin da was am planen dran!“ Worum geht es? Die Geschichte ist beinahe ein wenig egal. Eine Gangster-Komödie. Jeder bescheißt jeden, alle brauchen Kohle. Kein Glamour, keine schlau ausgeklügelten Heist-Pläne, dafür aber absurde Charaktere und großartige Schauspieler. Man könnte mit dem Lexikons des Internationalen Films gehen, die eher kritisch urteilen: „dramaturgisch unausgegorene, streckenweise zotige Ruhrpottklamotte, deren ordinärer Tonfall genauso aufgesetzt wirkt wie einige nur um des Gags willen inszenierte Zynismen.“ blablabla. Oder man hört auf die Leute, auf die es ankommt: YouTube-Kommentatoren, die sagen „dieser film kann in einem atemzug mit Scarface, Casino, Leon der Profi und anderen Klassikern genannt werden. Das beste was deutsche Schauspielkunst je hervorgebracht hat. Man könnte sagen LEGENDÄR!“ Also Plor, also Johannes – fühlt ihr endlich auch die Ballonseide auf eurer Haut und die Currywurst im Magen? Waren das 104 Minuten Hardcore – echte Gefühle?
Episode 59: Murder by Death16 Feb 202201:26:55
Murder by Death aus dem Jahr 1976 ist eine Abrechnung: Mit Agatha Christie, mit Dashiell Hammett und mit Earl Derr Biggers - aber auch einfach allgemein mit dem “who done it”-Film, also mit Filmen in denen es darum geht einen Mord zu klären und wir mitraten dürfen wer es war. Fünf berühmte Detektive treffen in einem alten Herrenhaus aufeinander und sollen einen Mord der erst noch geschehen soll untersuchen und den Mörder finden um ihre Ehre als beste Ermittler der Welt zu verteidigen. Dabei sind die fünf Figuren echten Romanfiguren nachempfunden. Der Drehbuchautor schaut mit einem bösen aber auch einem liebenden Auge auf seine Detective-Abziehbilder, die alle Klischees bedienen dürfen und leider auch die rassistischen, sexistischen und homophoben Klischees, zwar auf die Schippe nehmen, aber eben auch affirmieren. Oder was meinst du Plor?
Episode 58: Moonlight09 Feb 202201:42:31
Moonlight von Barry Jenkins aus dem Jahr 2016 ist ein Triptychon, das aus drei Episoden aus dem Leben des schwarzen Homosexuellen Chiron in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts erzählt. Ein Triptychon, bestehend aus drei Episoden, die allerdings von einem zentralen Handlungspunkt zusammengehalten werden: Dem Strand Miamis. Drei Schlüsselszenen sind es, die an diesem Strand spielen und dem Leben Chirons, dem Protagonisten dieses ebenso fantastischen wie zersplitterten Films eine klare Kontur geben. Am Strand lernt „Little“ Chiron (Alex R. Hibbert) von seinem Ersatzvater, dem Drogenhändler Juan als Zehnjähriger das Schwimmen. Am Strand macht der sechzehnjährige Chiron (Ashton Sanders) seine ersten sexuellen Erfahrungen. Und ein Strand ist es, den wir auch in der letzten Szene noch einmal sehen, noch einmal im Blick des erwachsenen Chiron (Trevante Rhodes), durch die Augen des Kindes, hinaus ins Meer und schließlich zu uns Zuschauern. Der Strand ist in Moonlight immer Sehnsuchtsfläche und Hoffnungsschimmer, in einem Film der sonst schweren emotionalen Ballast mit sich herumträgt: Es geht um eine zerbrochene Kindheit, um Außenseitertum, um frühen Kontakt mit dem was Drogen mit Menschen machen können. Es geht um Gewalterfahrung, Mobbing, darum keinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Und so scheint sich der Film im ständigen Zwiespalt zu befinden: Poesie oder Realismus? Hoffnungsloses Gesellschaftsporträt oder magische Coming of Age Geschichte? Selbstverlust, Selbstbehauptung, Selbstfindung? Pessimismus oder Optimismus? Was hat bei dir denn überwogen, Johannes?
Episode 57: City Lights - Die Lichter der Großstadt und Charlie Chaplin03 Feb 202201:19:07
Charlie Chaplin darf sich in City Lights aus dem Jahr 1931 als der mittellose Tramp in ein blindes Blumenmädchen aus ärmlichen Verhältnissen verlieben. Dieses hält ihn für einen eleganten reichen Typen, kein Wunder, besucht er sie doch immer wieder, bringt ihr Geldgeschenke und Essen und bezahlt schließlich sogar ihre Augenoperation. Woher der Tramp das Geld hat? Von einem betrunkenen reichen Taugenichts, der ihn nur unter Einfluss von Alkohol als besten Freund erkennt, dann aber für ihn Partys schmeißt und ihn reich beschenkt. Das beste von Chaplin in einem Film: Slapstick, Romantik und ...Ach überhaupt alles was das Genius von Chaplin ausmacht. Plor im Vergleich zu Monsieur Verdoux vom letzten Mal; wieviel Genius siehst du in diesem Film? Bitte beachte, dass die richtige Antwort “100% Genius und kein einziger Punktabzug, weil perfekter Film” ist, und wir uns prügeln müssen wenn du es wagst eine andere Meinung zu haben.
Episode 56: Warum läuft Herr R. Amok und der Neue Deutsche Film26 Jan 202201:18:25
Es ist mal wieder Zeit für ein wenig Filmgeschichte. Und zwar deutsche Filmgeschichte… Wenn man an die Höhepunkte dieser denkt, kommt einem natürlich als erstes die Stummfilmzeit in den Sinn: Die Weimarer Republik, die goldenen 20er Jahre, der Expressionismus, Metropolis, Nosferatu… und dann war lange Zeit nichts. Eine reichhaltige Filmwelt, zerstört vom nationalsozialistischen Wahn, eine propagandistische Filmwelt, im zweiten Weltkrieg in den Untergang geritten. Und danach Weltflucht, Eskapismus: Ein wenig Sissi, ein wenig Heimatfilm, ein paar Heinz Rühmann Komödien… Es sollte einige Jahrzehnte dauern, bis es im deutschen Film wieder so etwas wie Aufbruchsstimmung herrschte. 1962 veröffentlichten 26 Filmemacher das Oberhausener Manifest und sorgten damit für die Geburt des Neuen Deutschen Films. Sein Ziel war es, unabhängig von der alten Filmwirtschaft und deren Interessenverbänden zu sein, er sollte Experimentierfeld werden und soziale und politische Konflikte realistisch darstellen. Realismus ist auch eine der Triebfedern von Michael Fenglers Film “Warum läuft Herr R. Amok”, der mit seiner Veröffentlichung 1970 in eine Hochphase des Neuen Deutschen Films fällt. Erzählt wird aus dem Alltag von Herrn Raab, immer begleitet von der titelgebenden Frage, wie es denn zu seinem Amoklauf kommen konnte. Was wir sehen, sind Banalitäten, Alltägliches, Triviales, in dem sich peu à peu der Abgrund des kleinbürgerlichen Lebens offenbart. Und so haben wir es hier auch letzten Endes weniger mit einer Sozialstudie, als viel mehr mit einem Horrorfilm zu tun: Unterdrückte Wut, passive Aggressivität, verschleppte Angst und Verzweiflung. Warum läuft Herr R. Amok ist ein Zerrbild der bürgerlichen Hölle. Ein verbitterter, zynischer, fast schon bösartiger Film, der mit einem unglaublichen Gespür für Details den Wahnsinn und die Ausweglosigkeit des alltäglichen Lebens eines deutschen Spießbürgers aufdeckt. Für mich auch heute noch, 50 Jahre nach seiner Entstehung, einer der besten deutschen Filme. Schwer zu ertragen, schmerzhaft, unfassbar unheimlich und brutal, ein Film voller Gewalt, obwohl der eigentliche Amoklauf gerade einmal ein paar Sekunden der Leinwandzeit einnimmt. Wie hast du das empfunden, Johannes? Und denkst du, mit Blick auf diesen Stellvertreter, dass der neue deutsche Film uns auch heute noch etwas geben kann?
Episode 55: Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)20 Jan 202201:26:26
Riggan Thomsons Ruhm verschwindet langsam in der Versenkung. Immer wieder macht er sich Vorwürfe, seine große Erfolgsrolle des Birdman abgegeben zu haben. Beziehungsweise eigentlich beschwert sich Birdman, der Riggan immer wieder in Visionen erscheint. Meist nur als Stimme, aber einmal auch in full flesh und in full costume mit riesigen Schwingen. Riggan Thomson will etwas von Bedeutung schaffen: Eine Theateradaption einer Kurzgeschichte am Broadway. Er gibt alles was er emotional und finanziell zu bieten hat in dieses Projekt. Birdman aus dem Jahr 2014 besteht aus einem einzigen zweistündigen Shot (zumindest will er so wirken), ein Film über Theater und Filmbusiness, über Fanservice versus Kunst, ein Film über Ambitionen und ein Film übers Scheitern. Apropos Scheitern… Plor, Alejandro Iñárritu wirkt mit dem Projekt schon ein wenig größenwahnsinnig. Scheitert er? Oder hält er alles in der Waage, ohne dass der Film kippt?
Episode 54: Boyhood12 Jan 202201:17:22
Zu Beginn von Boyhood sehen wir den sechsjährigen Mason im Gras liegen und in den Himmel schauen, während Yellow von Coldplay erklingt. Dieses Bild repräsentiert wohl wie kein zweites die Haltung von Richard Linklaters Film. Es ist das Bild, das alle Kinoplakate schmückt, das jede Rezension, jede Kritik, jeden längeren Bericht begleitet; und tatsächlich ist es auch das Bild, das sich dem Zuschauer am stärksten einprägt. Und doch ist es innerhalb weniger Sekunden vorbei. Ein flüchtiger Moment, ein Augenblick, der keinen großen Pathos, keinen wahnwitzigen Symbolgehalt nach sich trägt; nur ein Augenblick im Leben eines Kindes, ein Augenblick, auf den in diesem Film noch viele weitere wunderschöne, erinnerungswürdige, banale und tiefgründige Augenblicke folgen werden. Zwölf Jahre lang hat Richard Linklater an diesem Projekt gearbeitet, hat seinen Hauptdarsteller Ellar Coltrane einmal im Jahr aufgesucht, um gemeinsam mit ihm ein Stück Kindheit – später ein Stück Jugend und Adoleszenz – für die Leinwand zu erzählen. Nicht weniger als ein Mammutprojekt, das im Jahr 2002 seinen Anfang nahm und Ende 2013 rechtzeitig für den Kinostart in diesem Jahr abgeschlossen wurde. Eine gesamte Dekade auf Zelluloid gebannt, aber weder ein Jahrzehnt der Politik, noch eines der Gesellschaft oder der Kultur, sondern nur die Zeit eines Jungen, der durch Irrungen und Wirrungen des Lebens langsam zum Mann heranreift. Ein Gimmickfilm also… und auch irgendwie ein größenwahnsinniges Projekt für eine einfache Coming of Age Geschichte. Zahlt sich ihr Größenwahn denn aus, Johannes?
Episode 53 Der Tatortreiniger05 Jan 202201:51:14
Heiko Schottes Arbeit beginnt da wo sich andere vor Entsetzen übergeben. So beschreibt er seinen Job in der ein oder anderen der 31 Folgen der 2011 bis 2018 vom NDR produzierten Serie. Schotte ist Tatortreiniger, was vielleicht einen Krimi vermuten lässt, aber immer vor allem Sozialkommentar und oft auch Sozialkritik ist. Er trifft auf seinen Jobs auf skurrile Typen, auf Flüche, Geister, Sexroboter... aber wer jetzt auf der Fantasy oder Science Fiction Spur ist, liegt genauso daneben wie beim Krimi. Schotte erlebt einfach nur die zugespitzte Realität, die Absurdität des Lebens. Und die wird ausgekostet. Mizzi Meyer schafft es Dialoge auf den Punkt zu schreiben, jeder Satz trifft. Und Arne Feldhusen kann sich beinahe ins gemachte Nest der Drehbuchautorin setzen. Macht er aber nicht. Er gibt dem ganzen eine brillante Inszenierung, setzt die Puzzlestücke gewohnt situationskomisch zusammen. Und Bjarne Mädel kann sich voll und ganz darauf konzentrieren der beste Heiko Schotte zu sein den man sich vorstellen kann. Ein einfacher, nicht allzu gebildeter, aber herzenswarmer Mensch, der gewillt ist genauer hinzusehen und neues zu lernen.
Episode 52: 204629 Dec 202101:32:05
2046 ist das letzte Jahr von Hongkongs Sonderstatus als autonome Sonderverwaltungszone innerhalb der Volksrepublik China. 2046 ist die Nummer des Hotelzimmers, neben dem der Schriftsteller Chow Mo-Wan im Hong Kong des Jahres 1968 sein Quartier bezieht. Er mag die Zahl, nicht zuletzt auch, weil das Hotelzimmer, in dem er viele Jahre zuvor eine Affäre hatte, die gleiche Nummer besaß. 2046 ist der Titel des von Chow geplanten Romans. Es geht weniger um das Jahr 2046 als vielmehr um einen abstrakten zukünftigen Ort, 2046, ein Ort der Sehnsucht, durchzogen von einem komplexen Schienennetz, ein Ort, der sich - so sagt man - nie verändert. Menschen pendeln in endlos lange fahrenden Zügen dort hin… oder von dort weg, und einer der Passagiere verliebt sich in eine Androidin, die seine Liebe jedoch nicht erwidern kann. 2046 aus dem Jahr 2004 ist der achte Spielfilm von Wong Kar Wai, einem der wichtigsten Regisseure Hongkongs. Er erzählt von Chows Leben im Hotelzimmer 2047 und vor allem von den Frauen, denen er im Nebenzimmer 2046 begegnet. Da ist die Tänzerin Lulu, der er einst in Singapur begegnete und die sich nicht mehr an ihn erinnern kann. Da ist Jing-Wen, die Tochter des Hotelbesitzers, die in einen Japaner verliebt ist, der von ihrem Vater nicht akzeptiert wird. Da ist die Prostituierte Bai Ling, die sich schließlich auf eine leidenschaftliche Affäre mit Chow einlässt. Dazwischen gibt es Erinnerungen an verflossene Lieben und Affären, Träume und Hoffnungen… und eine scheinbar stillstehende Zeit, zumindest zeitweise. Der ultimative Liebesfilm, so wurde 2046 im deutschen Verleih genannt. Ein größenwahnsinniges Statement, aber durchaus ein passendes. In 2046 geht es um die Liebe als Sehnsuchtsort, als abstrakten Raum, als Gesuchtes und Nicht Gefundenes. Als Versprechen, dass es bei dem nächsten Mal vielleicht doch endlich klappen wird. Als Hoffnung und Enttäuschung. Das alles in elegischen Cinemascope-Bildern, die sich in ihrer beiläufigen Poesie immer wieder einer konkreten Erzählung entziehen. Und dann auch noch mit der kulturellen Barriere, die ein Film aus Hong Kong für uns als westliches Publikum praktisch zwangsläufig mitbringt. Puh… trotzdem sehenswert? Johannes?
Episode 177: Mamma Mia! - Zwei Dudes im Abba-Musical22 May 202401:42:26
Dancing Queen, Money Money Money, Super Trooper, Mamma Mia und natürlich Waterloo... Man muss kein großer Abba-Fan oder 70er Popexperte sein, um beim Hören dieser Songtitel ein paar harte Ohrwürmer verpasst zu bekommen, die nicht so schnell wieder verschwinden. Seitdem ich den heute zu besprechenden Film gesehen habe - was immerhin schon eine Woche her ist - ertappe ich mich auf jeden Fall täglich beim Summen irgendeines Abba Hits.  Mamma Mia! Aus dem Jahr 2008 ist die Verfilmung des gleichnamigen Musicals aus dem Jahr 1999, eine bunte Romcom, die in Griechenland spielt und musikalisch von zahllosen Abba-Songs weniger begleitet und viel mehr getragen wird. Im Mittelpunkt stehen Sophie und ihre Mutter Donna. Sophie steht kurz davor zu heiraten, und sehnt sich danach, von ihrem Vater zum Altar geführt zu werden. Leider weiß sie von diesem nur, dass er eine Sommerromanze ihrer Mutter war, und da laut deren Tagebuch aus dieser Zeit gleich drei Typen in Frage kommen, werden diese auch - ohne von der potentiellen Tochter zu ahnen, zur Hochzeit eingeladen. Da Donnas ehemalige Bandkolleginnen auch auf der Gästeliste stehen, ist für eine Menge Tohuwabohu gesorgt, und eine Menge Tanz und Gesang.  Und damit kommen wir auch schon zur Gretchen oder in diesem Fall Agnetha-Frage: Johannes, wie hältst du es mit Abba. Und wie hältst du es mit diesem späten cineastischen Revival der schwedischen Popikonen?
Episode 51: A Christmas Carol / Eine Weihnachtsgeschichte22 Dec 202103:39:33
Weihnachten. Die schönste Zeit im Jahr. No contest. Und was gibt es schöneres als die Vorweihnachtszeit zu zelebrieren, als sich mit den echten Klassikern der Weihnachtserzählungen zu befassen. Also, was hätten wir da denn? Die traditionellen evangelikalen Erzählungen? Näh… Zu alt, zu christlich, zu weit von all den schönen Weihnachtsbräuchen entfernt. Kevin allein zu Haus oder Stirb Langsam? Nähh… zu neu, zu amerikanisch, zu viel Yippee-ki-yay, Motherfucker. Es muss doch irgendwas dazwischen geben… Irgendwas mit ein bisschen Action, ein bisschen Fantasterei, aber auch ein bisschen “God bless Us, Every One!”. Seien wir ehrlich, es kann unter den großen Weihnachtserzählungen nur eine geben, und das macht diese auch auch gleich mit ihrem Titel klar: Eine Weihnachtserzählung, a christmas carol… eigentlich viel zu bescheiden. Es müsste viel mehr DIE Weihnachtserzählung heißen, THE christmas carol, hat sich doch keine andere traditionelle Weihnachtsgeschichte so gut gehalten und wurde so oft adaptiert wie Charles Dickens Roman. Veröffentlicht im Jahr 1843, mit Bezug auf unzählige christliche und heidnische Tradionen und zugleich mit einer damaligen Aktualität und einem universellen Anspruch, der sie schlicht und ergreifend zeitlos werden lässt. Erzählt wird von Ebeneezer Scrooge, einem alten Geizkragen, der für Weihnachten nichts übrig hat, es als bloßen Ahh Humbug empfindet, aber auch im restlichen Jahr weder sich noch seinen Mitmenschen auch nur ein bisschen Freude gönnt. Am Weihnachtsabend wird er daher von drei Geistern besucht, die ihn mit seiner Vergangenheit, Gegenwart und möglichen Zukunft konfrontieren. Erzählt wird dies irgendwo zwischen Märchen, Grusel, Sozialkritik und dem obligatorischen Kitsch, der diese Zeit umso schöner macht. Also dann, lieber Grinch… lieber Johannes. Schauen wir mal, ob wir auch dich im Laufe dieser Episode zum Weihnachtsfreund bekehrt kriegen.
Episode 50: The Irishman15 Dec 202101:50:05
Plor. Ich muss dir ein Geständnis machen. Ich habe Martin Scorseses "The Irishman" aus dem Jahr 2019 nicht ausgewählt weil ich ihn damals als er rauskam so toll fand, sondern weil ich mal deine Meinung zu all diesen Mafiafilmen hören wollte. Jetzt hab ich den Film nochmal gesehen und will nun doch mit dir über den Film reden. Er ist viel besser als ich in Erinnerung hatte. Kurz zusammengefasst behandelt der Film das Leben dreier Mafia-Kumpels, deren Machenschaften, deren Freundschaft und Loyalität untereinander. Der Film zieht sich über viele Jahrzehnte - ohne dass die über 75 jährigen Schauspieler für die Szenen in den 50ern 60ern und 70ern gegen jüngere Kollegen ersetzt wurden. Sie wurden digital verjüngt, was diesen Film mit seinen 3,5 Stunden Lauflänge zum Wahnsinnsprojekt macht. Plor! I heard you paint houses. In Which color would you paint this one?
Episode 49: The Evil Dead II - Die Fortsetzung von Tanz der Teufel08 Dec 202101:09:34
Die Legende sagt, dass es von den dunklen Mächten geschrieben wurde: NECRONOMICON EX MORTES; Das Buch der Toten. Um den Ursprung des Buches zu verfolgen müssen wir zurückreisen… zurück zu den Tagen, als die Geister die Welt regierten. Als die Meere aus rotem Blut bestanden. Es war dieses Blut, das benutzt wurde, um das Buch zu schreiben…. Hmmm… Das klingt ja fast wie die Prämisse für einen bemüht düsteren Horrorfilm. Was Sam Raimi, Scott Spiegel und Bruce Campbell daraus machen, ist aber alles andere als das. In Evil Dead II aus dem Jahr 1987 spielt Campbell Ash, der mit seiner Freundin zu einer entlegenen Waldhütte fährt. Dort werden sie von aus dem Necronomicon beschworenen dämonischen Mächten heimgesucht. Und im Anschluss gibt es fliegende Köpfe, Blutfontänen und Kettensägenmassaker. Business as usual in a cabin in the woods? Nicht so ganz. Die Quasi-Fortsetzung von The Evil Dead aus dem Jahr 1981 ist viel mehr ein Remake oder auch eine Kreuzung von Ideen des ersten Films mit einer Horrorparodie. So versucht er seinen B-Movie-Status gar nicht zu verschleiern und packt zugleich auf alles ein bisschen mehr drauf: Mehr Blut, mehr Bizarrerien, mehr Dämonen… und vor allem auch mehr Humor. Frei nach dem - hier sehr gut passenden - deutschen Synchrontitel tanzen in diesem Film die Teufel. Im übertragenen Sinnen und im wahrsten Sinne des Wortes. Tanz der Teufel 2 ist eine schräge Geisterbahnfahrt: Laut, wild, hemmungslos, dreckig, albern, infantil und einfach sau unterhaltsam: Man gruselt sich, man ekelt sich, man lacht, man vergießt eine Träne… und am Ende weiß man, dass das Leben einfach wunderschön ist… und groovy, zumindest wenn man mit einer Kettensäge als Armprothese dämonische Zombies metzeln kann. Johannes, als jemand der keine Horrorfilme mag, aber durchaus gerne Geisterbahn fährt… Hattest du denn Spaß?
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