Explorez tous les épisodes du podcast Denken, Glauben, Fragen – aus der Katholischen Akademie Berlin
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| Korruptionskontrolle in Deutschland – Zwischen Problemverleugnung, Moralismus und Regelungsillusion | 08 Jun 2026 | 01:06:19 | |
Im nächsten Ordnungspolitischen Salon spricht Prof. Dr. Georg Cremer mit Bundesverfassungsrichterin a.D. Prof. Dr. Dr. h.c. Gertrude Lübbe-Wolff. Gertrude Lübbe-Wolff ist seit 1992 Professorin für Öffentliches Recht an der Universität Bielefeld. Von 2002 – 2014 war sie Richterin des Bundesverfassungsgerichts. Von 2015 – 2016 war sie Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin und von 2017 – 2018 Fellow am Käte Hamburger Kolleg „Recht als Kultur“ in Bonn. Sie ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. In 2025 erschien ihre Studie: „Der ehrliche Deutsche: Über Problemverleugnung, Moralismus und Regelungsillusionen in Sachen Korruption“ (Verlag Vittorio Klostermann). | |||
| Gott als Dichter: Ozan Zakariya Keskinkılıç und sein Buch „Hundesohn“ | 17 Apr 2026 | 01:06:50 | |
Unverkrampft und schön beschreibt Ozan Zakariya Keskinkılıç in seinem Roman wie Glaube, die Tradition der türkischen Eltern und syrischen Großeltern und das liebeshungrige Leben des Ich-Erzählers eine Einheit bilden – immer auf der Suche nach der eigenen Identität, zwischen Berlin, der Türkei, Dating-Apps und in Gesprächen mit seiner besten Freundin Pari. Keskinkılıç zeigt in "Hundesohn" leichtfüßig und poetisch, wie es ist, heute an Gott, den Koran und die Propheten zu glauben. Moderation: Dr. Katrin Visse und Larissa Gerg | |||
| Alles schrecklich ungerecht? Sozialdebatte in der Zeitenwende | 24 Feb 2026 | 00:58:40 | |
Im nächsten Ordnungspolitischen Salon ist Kerstin Griese, MdB, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales zu Gast. Sie diskutiert mit Prof. Dr. Georg Cremer über Leistungen und Defizite des Sozialstaats anlässlich der Neuerscheinung seines neues Buches „Alles schrecklich ungerecht? Mythen, Halbwahrheiten, Fakten zum deutschen Sozialstaat“ (Herder Verlag 2025). Moderation: Ralph Bollmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Redaktion Berlin. Der Sozialstaat ist eine tragende Säule des demokratischen Gemeinwesens und zugleich scheint er immer zu wenig zu leisten, wenn man der öffentlichen Kritik folgt. Angesichts des Kostendrucks werden grundlegende Reformen gefordert, in ihren Konsequenzen aber mehrheitlich dann doch abgelehnt. Was sind unerfüllbare Erwartungen und was sind gerechtfertigte Anforderungen an den Sozialstaat? In seinem Buch unternimmt Georg Cremer eine Entwirrung der Sozialstaatsdebatte. Welche Prioritäten müssen jetzt gesetzt werden, damit der Sozialstaat leistungsfähig bleibt? Auf welche Gruppen und Problemlagen sollte er sich konzentrieren? Kerstin Griese, MdB ist seit 2018 Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Von 2014 bis 2018 war sie Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit und Soziales des Deutschen Bundestages. Von 2002 bis 2009 war sie Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Von 2006 bis 2009 und von 2011 bis 2018 war sie SPD-Fraktionsbeauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften. Sie ist Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Sprecherin des Arbeitskreises Christinnen und Christen in der SPD. Von 2009 bis 2010 war sie hauptamtliches Bundesvorstandsmitglied des Diakonischen Werkes der EKD. Prof. Dr. Georg Cremer ist Volkswirt und Publizist. Er war von 2000-2017 Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes. Zu seinen sozialpolitischen Publikationen gehören: Armut in Deutschland. Wer ist arm? Was läuft schief? Wie können wir handeln?, München 2016. Sozial ist, was stark macht. Warum Deutschland eine Politik der Befähigung braucht und was sie leistet, Freiburg 2021. | |||
| Bürokratie – das geliebte Monster | 14 Oct 2025 | 01:18:51 | |
Prof. Dr. Georg Cremer im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Normenkontrollrates Baden-Württemberg, Dr. Dieter Salomon„Bürokratieabbau“ ist wichtiger Bestandteil der angestrebten Staatsmodernisierung und sogar zur ministerialen Chefsache erklärt worden. Aber was wird unter Bürokratieabbau eigentlich verstanden, und wird er in seinen praktischen Konsequenzen tatsächlich unterstützt? Was alle sich zu wünschen scheinen, sei es im Hinblick auf die Vorgaben der Europäischen Union, sei es auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene, erweist sich in der Praxis als vertrackt. Warum ist das so? Die hohe Regelungsdichte und Verrechtlichung ist nicht zuletzt Ergebnis vielfältiger Forderungen von Bürgern und kollektiven Akteuren. Wie kann Bürokratie wieder zu einem Stützpfeiler effizienter und überschaubarer staatlicher Rahmensetzung für Bürger und Unternehmen werden?Dr. Dieter Salomon ist seit 2023 Vorsitzender des Normenkontrollrates der Landesregierung Baden-Württembergs und dort maßgeblich für Bürokratieabbau zuständig. Seit 2019 ist er außerdem Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein. Er war von 2002 bis 2018 Oberbürgermeister der Stadt Freiburg im Breisgau. Zuvor war er ab 1992 Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg für die Grünen sowie ab 2000 deren Fraktionsvorsitzender.Prof. Dr. Georg Cremer ist Volkswirt und Publizist. Er war von 2000-2017 Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes. Zu seinen sozialpolitischen Publikationen gehören: Armut in Deutschland. Wer ist arm? Was läuft schief? Wie können wir handeln? München 2016. Sozial ist, was stark macht. Warum Deutschland eine Politik der Befähigung braucht und was sie leistet. Freiburg 2021; im November 2025 erscheint ‚Alles schrecklich ungerecht? Mythen, Halbwahrheiten, Fakten zum deutschen Sozialstaat‘.Der „Ordnungspolitische Salon“ der Katholischen Akademie in Berlin: Die Soziale Marktwirtschaft beruht auf zwei wichtigen Säulen: Der Ordnungspolitik des Liberalismus und der Gesellschaftspolitik in der Tradition einer christlich geprägten Soziallehre. Stark ist die Soziale Marktwirtschaft dort, wo beide Säulen sie gemeinsam tragen. Das gelingt nur, wenn sie wandlungsfähig ist. Prof. Dr. Georg Cremer spricht mit ausgesuchten Gästen über das Miteinander von Ordnungs- und Gesellschaftspolitik anhand zentraler sozial- und wirtschaftspolitischer Herausforderungen. | |||
| Weltbetrachtungen – Romano Guardini und Hans Urs von Balthasar über Literatur | 01 Jul 2025 | 01:13:34 | |
Dichtung kann mehr sein als private, anregende Lektüre. Sie kann die Theologie bereichern und verändern. Diese Überzeugung teilten gleich zwei große katholische Theologen in der Mitte des 20. Jahrhunderts: Romano Guardini und Hans Urs von Balthasar. Sie schaffen ein neues Verständnis davon, wie Literatur die Theologie gleichzeitig erden und erweitern kann. Dazu wählen sie einerseits vergleichbare Wege, andererseits deutlich voneinander verschiedene Konzeptionen. Der Vortragzeichnet diese Entwicklungen nach, fragt aber zugleich nach der Bedeutung der beiden Ansätze für heute.Der Abend findet statt im Rahmen des „Forum Guardini“, der Kooperationsplattform der Katholischen Akademie in Berlin und der Guardini Stiftung. | |||
| Ästhetische Bildung und liturgischer Aufbruch: Kunst und Reform bei Romano Guardini | 24 Jun 2025 | 01:23:28 | |
Liturgie und Kunst haben vieles gemeinsam, jedenfalls im Denken und Werk Romano Guardinis. Beide vereint eine ästhetische Prägekraft. Zugleich fordern sie zur Unterbrechung gängiger Wahrnehmungsmuster heraus, schaffen alternative Welten und Realitäten. Im Kontext der Frage nach einer zeitgemäßen liturgischen Bildung gilt es deshalb, das Verhältnis von Kunst und Liturgie auszuloten. Beispielhaft sollen daraufhin anhand von Odo Casels Primat des Objektiven vor dem Subjektiven Ansprüche an die Liturgie markiert und die Unterschiede zu Romano Guardini herausgearbeitet werden. Ein Blick in die Praxis soll uns die aktuellen Herausforderungen vergegenwärtigen. Denn während in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Vatikanum vor allem die gemeinschaftliche Dimension der Liturgie betont wurde, wird heute wieder vermehrt nach der persönlichen Dimension innerhalb der Liturgie gefragt. Suchbewegungen hin zu einer „persönlichen Gebetsatmosphäre“ sind zu beobachten. Wie steht es um die Liturgiefähigkeit heute? Wie lassen sich die beiden Pole des Subjektiven und Objektiven in der Liturgie zusammenführen? Und welche Rolle spielen dabei Kunst und Ästhetik, speziell in Form des liturgischen Raums? Prof. Dr. Andreas Bieringer ist Lehrstuhlinhaber für Liturgiewissenschaft, Hymnologie und christliche Kunst an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen. Veröffentlichungen zuletzt u.a.: Gottesdienst in der Literatur. Entwurf einer kultursensiblen Liturgiewissenschaft, Tübingen 2023. Prof. Dr. Isabella Bruckner ist Professorin für Christliches Denken und spirituelle Praxis am Päpstlichen Athenäum Sant’Anselmo in Rom. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählt die philosophisch-theologische Reflexion (monastischer) Spiritualität. Veröffentlichungen zuletzt u.a.: Gesten des Begehrens: Mystik und Gebet im Ausgang von Michel de Certeau, Innsbruck 2023. | |||
| Gesundheitswesen – unsteuerbar? | 10 Jun 2025 | 00:58:45 | |
Prof. Dr. Georg Cremer im Gespräch mit Staatssekretär a.D. Prof. Josef Hecken, Unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses. Das Bewusstsein von den Folgen des demographischen Wandels für die Finanzierung des Gesundheitssystems ist jüngst im Schlepptau der Rentensicherungsdebatte stärker geworden. Ebenso hat mit den jüngsten geopolitischen Ereignissen die scharfe Konkurrenz zwischen drängenden Finanzierungsbedarfen zugenommen. Gibt es eine Perspektive für organisatorische Veränderungen im Gesundheitswesen, die den Kostendruck mindern, ohne die Qualität der Versorgung zu gefährden? Ist es überhaupt möglich, ein politisch so umkämpftes Feld wie die Gesundheitspolitik nach ordnungspolitischen Prinzipien zu steuern? Das Handlungsfeld ist extrem komplex. Die Krankenhausfinanzierung und Bedarfsplanung ist besonders umstritten, und das schon seit langem. Ebenso gibt es Verteilungskämpfe innerhalb der Leistungserbringer des Gesundheitssystems im ambulanten Bereich sowie an der Schnittstelle von ambulant und stationär. Was bewirkt der Fachkräftemangel und der Schwund des „Hausarztes auf dem Lande“? Sind die parallelen Versicherungssysteme ein Reformhemmnis? Über diese und weitere Fragen spricht Georg Cremer mit Josef Hecken. Prof. Josef Hecken ist seit 2012 Unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses. Er war von 1999–2004 Staatssekretär im Ministerium für Frauen, Arbeit, Gesundheit und Soziales des Saarlandes und von 2004–2008 Minister für Justiz, Gesundheit und Soziales des Saarlandes sowie ab 2008 auch für Arbeit. 2004–2008 war er Vorsitzender des Gesundheitsausschusses. Von 2008–2009 war er Präsident des Bundesversicherungsamtes, von 2009–Juli 2012 Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Prof. Dr. Georg Cremer ist Volkswirt und Publizist. Er war von 2000-2017 Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes. Zu seinen sozialpolitischen Publikationen gehören: Sozial ist, was stark macht. Warum Deutschland eine Politik der Befähigung braucht und was sie leistet. Freiburg 2021; Deutschland ist gerechter, als wir meinen. Eine Bestandsaufnahme. München 2018; Armut in Deutschland. Wer ist arm? Was läuft schief? Wie können wir handeln? München 2016. | |||
| Der Becher meiner Lust ist voller Tränen. | 08 Apr 2025 | 01:06:25 | |
Weibliche Stimmen in der islamisch-mystischen Dichtung persischer Sprache.Sufis und ihr mystischer Zugang zu Gott und dem Koran sind weitgehend bekannt. Weniger bekannt ist jedoch die mystische Literatur, die Frauen verfasst haben – auf Persisch. Kurt Scharf und Ali Abdollahi haben diese Texte erstmalig ins Deutsche übertragen und stellen diese und das Leben und Denken ihrer Autorinnen vor.Aus der christlichen religiösen Tradition ist uns der Widerspruch zwischen Gesetz und Liebe, Orthodoxie und Mystik vertraut. Aber zumindest dem eigenen Anspruch nach wird er im Christentum zugunsten der Liebe aufgelöst. Sie, heißt es in Röm 13,10, sei des Gesetzes Erfüllung.Im Islam ist diese Spannung stärker. Einerseits gibt er mit seinen fünf Säulen ein Fundament aus Regeln, zu denen noch detaillierte Vorschriften hinzukommen, die das Leben des Einzelnen bestimmen. Andererseits hat die Mystik unter Muslimen und Muslimen große Bedeutung. Ihr Inhalt ist die Liebe, die Sehnsucht nach der Vereinigung mit Gott. Und ihre Anhänger haben wahrscheinlich mehr für die Verbreitung des Islams getan als die orthodoxen Religionslehrer. Anders als diese verstehen und lesen die Sufis die Botschaft des Korans auf eine eigene Weise: Danach hat das Heilige Buch eine äußere und eine innere Seite. Die Regeln seien nur die äußere, die wichtigere aber sei die innere.Damit setzten Sufinnen und Sufis sich in einen scharfen Gegensatz zur iranischen Orthodoxie. Dennoch wurden sie unter Chomeyni, der selbst eine Ausbildung als Sufi durchlaufen hatte, geduldet; unter Chamene’i dagegen macht man ihnen das Leben schwer: Schreine von Sufischeichs werden zu einfachen Gräbern zurückgebaut, sodass man dort nicht mehr spenden kann und die Gelder für Stipendien für die Schulung von Sufijüngern ausgehen, und gegen mehrere Sufischeichs ist Hausarrest verhängt worden.Eine besondere Provokation stellen für die herrschende Orthodoxie der Islamischen Republik sowohl die weibliche Seite und als auch die erotische Orientierung dieser Glaubensrichtung dar. Der Mystiker, der sich nach der Vereinigung mit Gott sehnt, wird gewissermaßen zur Braut Gottes. Insofern ist es besonders, die Stimmen von Sufidichterinnen zu hören, die diese feminine Seite des Glaubens noch verstärken.Ali Abdollahi ist Dichter, Literaturkritiker und Übersetzer von Lyrik und Erzählprosa und Philosophie. Er lebt in Berlin.Kurt Scharf war stellvertretender Leiter des Goethe-Instituts in Teheran und Gründungsmitglied des Hauses der Kulturen der Welt. Er ist Herausgeber und Übersetzer von Literatur aus u.a. dem Persischen.Mahya Taheri ist Buchillustratorin und lebt in Berlin.Udo Steinbach war bis 2007 Direktor des Deutschen Orient-Instituts in Hamburg. Seit 2019 verantwortet er das Programm MENA Study Centre bei der Maecenata-Stiftung. | |||
| Morde nicht! Maria-Maria | 03 Mar 2025 | 00:54:49 | |
Am 2. Februar wird weltweit in den katholischen Kirchen Maria Lichtmess gefeiert. Anlass für uns, einen Abend mit einer besonderen Lesung zum Thema Maria anzubieten. Die Schriftstellerin Carmen-Francesca Banciu liest ihren Text „Morde nicht! Maria-Maria“. Darin denkt die Figur der Maria-Maria, rumänische Tochter einer jüdisch-katholischen Mutter, über die Entstehung der Ambivalenzen in ihrem Verhältnis zur Mutterschaft nach. Diese ergeben sich aus einer doppelten Strenge, der sie in ihrem Heranreifen ausgesetzt war. „Marie, die reine Magd“ war das stumme Ideal – es geriet in einen stürmischen Konflikt mit anderen Idealen, mit einer harten „sozialistischen“ Wirklichkeit und mit den unter all den verschiedenen Anforderungen verschütteten oder verbogenen eigenen Wünschen. Carmen-Francesca Banciu ist eine deutsche und rumänische Schriftstellerin. Sie studierte Kirchenmalerei in Arad und Außenhandel in Bukarest. Die Verleihung des Internationalen Kurzgeschichtenpreises der Stadt Arnsberg für die Erzählung Das strahlende Ghetto (1985) hatte für sie ein Publikationsverbot in Rumänien zur Folge. 1991 kam Banciu nach Deutschland, eingeladen durch das Künstlerprogramm des DAAD, und lebt seit 1992 als freie Autorin in Berlin. Zu ihren zahlreichen Auszeichnungen zählt die Nominierung ihres Romans Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten! für den Deutschen Buchpreis 2018. Ihre Texte wurden in viele Sprachen übersetzt. Aktuelle Veröffentlichungen: 2024 ILSEBILL salzt nach. Ein Briefroman, PalmArtPress 2024 MUTTERS TAG. Das Lied der traurigen Mutter, PalmArtPress, Neuauflage, mit einem Nachwort von Sieglinde Geisel | |||
| Ordnungspolitischer Salon: Welche Zukunft haben die Sozialversicherungssysteme? | 12 Feb 2025 | 01:19:22 | |
Die demographische Alterung setzt alle umlagefinanzierten Sozialversicherungssysteme unter Druck. Dies wird insbesondere im Hinblick auf die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung deutlich, mit ihren Effekten auch für Beschäftigung und Lohnkosten.Wird diese Entwicklung einen Systembruch erzwingen, oder lässt sie sich moderieren? Ist eine Bürgerversicherung die Lösung, die alle Bürger unabhängig von ihrem Beschäftigtenstatus in die gesetzliche Renten- und Krankenversicherung einbezieht, also etwa auch Beamte und Selbstständige? Welche Maßnahmen sind notwendig, um die Finanzierung tragfähiger zu machen und die Lasten fair auf die Generationen zu verteilen? Können wir uns von den Vorsorge- und Sicherungssystemen in Österreich oder der Schweiz etwas abschauen? Wie müssen die Prinzipien der Leistungsgerechtigkeit und der Bedarfsgerechtigkeit in Zukunft austariert werden?Über diese und weitere Fragen spricht Georg Cremer mit Martin Werding.Prof. Dr. Martin Werding ist seit September 2022 Mitglied des Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Seit 2008 ist er Professor für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen an der Ruhr-Universität Bochum. Seine Forschungsschwerpunkte sind Effekte des demografischen Wandels für die öffentlichen Finanzen, ferner Alterssicherung, Familienpolitik, Grundsicherung und weitere Zweige der Sozialpolitik sowie Bevölkerungsökonomie und Arbeitsmarktpolitik. Martin Werding war außerdem als wissenschaftlicher Politikberater für das BMFSFJ, das BMF, für den Vierten Armuts- und Reichtumsbericht sowie für den Expertenrat Demografie des BMI tätig.Prof. Dr. Georg Cremer ist Volkswirt und Publizist. Er war von 2000-2017 Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes. Zu seinen sozialpolitischen Publikationen gehören: Sozial ist, was stark macht. Warum Deutschland eine Politik der Befähigung braucht und was sie leistet. Freiburg 2021; Deutschland ist gerechter, als wir meinen. Eine Bestandsaufnahme. München 2018; Armut in Deutschland. Wer ist arm? Was läuft schief? Wie können wir handeln? München 2016. | |||
| “1989. Das Jahr beginnt” | 07 Nov 2024 | 01:27:20 | |
Zsuzsa Breier komponiert aus historischen Momenten, Zitaten und Archivtexten aus Ungarn, der BRD und der DDR einen Zeitstrom, der staunen und mitunter auch erschaudern lässt. Das dichte Panorama vereint Alltagsmenschen und Funktionäre, hohe Politik und vergessene Schicksale, Hoffnung und Niedertracht, Hellsichtigkeit und Verblendung. Mitunter kann es im Rückblick verblüffen, welche Ereignisse tatsächlich parallel geschahen. In seinem Grundgestus setzt das Buch all denen, die diktatorischer Gewalt mit Mut und Hoffnung begegneten – im Kleinen oder im Großen – ein Denkmal, ohne sich über die Zeitgebundenheit der Handelnden zu erheben. Das Buch bewahrt zugleich das Wissen um die Bedeutsamkeit der Freiheitsbestrebungen in den osteuropäischen Gesellschaften und hier insbesondere Ungarn davor, von nachfolgenden Enttäuschungen untergepflügt zu werden. Zsuzsa Breier, in Budapest geboren, erlebte das Jahr 1989 in Ungarn. Sie promovierte über Max Frisch, forschte zur deutschsprachigen Nachkriegsliteratur, initiierte und leitete das Kulturjahr der Zehn und war Staatssekretärin für Europaangelegenheiten in der Hessischen Landesregierung. Seit 2016 ist sie freie Autorin und Publizistin und lebt in Berlin. Durch Lesung und Gespräch führt der Autor und Literaturwissenschaftler Dr. Bernhard Viel. | |||
| Ordnungspolitischer Salon: Schieflagen des Sozialstaats – wie kann er zukunftsfähig werden? | 26 Jul 2024 | 01:12:54 | |
„Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“ So die Formulierung des Sozialstaatsprinzips im Grundgesetz. Der Staat soll nicht allein formelle Rechtsstaatlichkeit sicherstellen, sondern Bedingungen schaffen, die ‚soziale Gerechtigkeit‘ ermöglichen. Soziale Gerechtigkeit ist kein Synonym für Gleichheit, andererseits können sich Bürgerinnen und Bürger in der Demokratie nur als Gleiche begegnen, wenn sie dafür die materiellen Grundlagen haben und ihre Teilhabe gesichert ist. Welche Ungleichheiten muss der Sozialstaat bekämpfen, welche sind zu akzeptieren? Wieviel Einzelfallgerechtigkeit ist möglich, wo sind Pauschalisierungen angemessener? Im Fokus von Reformforderungen stehen aktuell die Verzahnung von Arbeitsmarktpolitik und Grundsicherung sowie die Zukunft der Rente angesichts der demographischen Herausforderung. Welche Zielvorstellungen sollten leitend für Reformen sein? Darüber spricht Georg Cremer mit Rainer Schlegel. Prof. Dr. Rainer Schlegel trat 1987 in die Sozialgerichtsbarkeit ein. 1997 wurde er zum Richter, 2008 zum Vorsitzenden Richter am Bundessozialgericht ernannt. Von 2010 bis Ende 2013 war er Leiter der Abteilung Arbeitsrecht und Arbeitsschutz im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Nach Rückkehr an das Bundessozialgericht wurde er im Juli 2014 dessen Vizepräsident. Am 1. Oktober 2016 wurde Prof. Dr. Rainer Schlegel zum Präsidenten des Bundessozialgerichts ernannt. Seit Februar 2024 ist er im Ruhestand. Prof. Dr. Georg Cremer ist Volkswirt und Publizist. Er war von 2000-2017 Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes. Zu seinen sozialpolitischen Publikationen gehören: Sozial ist, was stark macht. Warum Deutschland eine Politik der Befähigung braucht und was sie leistet. Freiburg 2021; Deutschland ist gerechter, als wir meinen. Eine Bestandsaufnahme. München 2018; Armut in Deutschland. Wer ist arm? Was läuft schief? Wie können wir handeln? München 2016. | |||
| Peter Schäfer: Das aschkenasische Judentum // Herkunft, Blüte, Weg nach Osten. | 09 Jul 2024 | 01:12:46 | |
Aschkenas: So nannten die seit dem Mittelalter in Europa ansässigen Juden ihr Siedlungsgebiet vor allem in Deutschland. Peter Schäfer hat in seinem jüngsten Buch deren wechselvolle Geschichte aus der Perspektive der aschkenasischen Juden nachgezeichnet und wird im Gespräch mit Gesine Palmer die besonderen Aspekte dieser Geschichte hervorheben. Peter Gößwein wird aus den Quellentexten, die hier teilweise von Peter Schäfer neu übersetzt wurden, lesen. Ein frühes Edikt des Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321 betrifft die Juden in Köln, doch erst für die Zeit um das Jahr 1000 sind jüdische Gemeinden in Köln, Mainz, Speyer, Worms, Regensburg, Prag oder Frankfurt sicher belegt. Woher kamen diese Juden? Wie waren ihre Gemeinden organisiert? Wovon lebten sie, und welche Beziehungen pflegten sie zu ihrer christlichen Umgebung? Peter Schäfer kennt wie kaum ein anderer die Schriften des mittelalterlichen Judentums und beschreibt auf ihrer Grundlage – jenseits einiger bis heute verbreiteten Klischeevorstellungen – den Alltag und die mystisch geprägte Frömmigkeit der aschkenasischen Juden. Sein Buch erzählt von den Verfolgungen und Vertreibungen im Spätmittelalter, der erneuten Blüte jüdischen Lebens in Polen, Litauen und Russland und vom Weg der Juden in eine ambivalente Moderne, die Emanzipation versprach und Vernichtung brachte. Seither liegen die Zentren des aschkenasischen Judentums in den USA und Israel, doch seine Wurzeln reichen weit in das europäische Ostjudentum, in das mittelalterliche Deutschland und in die Antike zurück. Peter Schäfer, Professor em. für Judaistik, lehrte an der Freien Universität und der Princeton University und war bis 2019 Direktor des Jüdischen Museums Berlin. | |||
| Zum Bilderverbot. Studien zum Judentum im späten Werk Max Horkheimers | 13 Jun 2024 | 01:09:00 | |
Als die Kritische Theorie in Deutschland breiter rezipiert wurde, war ihren Leser:innen wohl bewusst, dass ihre Begründer, Max Horkheimer und Theodor W. Adorno als Juden ins Exil vertrieben und von dort nach der Shoa wieder zurückgekehrt waren. Die unermüdliche Bildungsarbeit der beiden Philosophen war getrieben von dem Auftrag, im Land der Täter das „Nie wieder!“ zu vermitteln. Wie sehr gerade Max Horkheimer sein Konzept von Herrschafts-, Ideologie- und Gesellschaftskritik in der jüdischen Tradition verankert, ist in der Rezeption wenig bemerkt worden. Kritik an „falscher Positivität“ hat ihre Wurzel bereits im biblischen Bilderverbot. In ihrer Arbeit über Max Horkheimer und seine Treue zum „säkularen Judentum des 20. Jahrhunderts“ bringt Yael Kupferberg die Tradition hinter dem Aufklärungsimpuls zur Entdeckung. Prof. Dr. Yael Kupferberg ist Literaturwissenschaftlerin am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin. | |||
| Papst und Zeit. Heilsgeschichte und Weltpolitik | 29 Apr 2024 | 01:21:49 | |
Am 7. März 2024 erschien das umfängliche Buch “Papst und Zeit. Heilsgeschichte und Weltpolitik” im Verlag Matthes & Seitz Berlin. Die Buchvorstellung am 12. März wird einige ausgewählte Aspekte diskutieren. In der Einleitung charakterisiert Otto Kallscheuer seinen Angang folgendermaßen: “PAPST UND ZEIT – Dumpf mag dieser Titel tönen, oder allzu erhaben, auf fundamentalontologische Tonart gestimmt. Doch es geht in diesem Buch nicht um Holzwege im Unbegangenen, sondern … um Macht: um die Macht (in) der Kirche, um die Vollmacht ihres Chefs, um den Wandel und die Zukunft dieser Institution. Zugegeben, ich hätte auch den Titel PONTIFEX UND SAECULUM wählen können. Das klingt weniger flott, meint aber dasselbe: Als Oberhaupt der weltgrößten Institution (mit weit über einer Milliarde Mitglieder) beansprucht der Papst geistliche Macht – aber er übt diese aus in unserer weltlichen Zeit. Der Papst ist ein PONTI-FEX, ein Brücken-Bauer: zwischen dem vor aller Zeit, in der Ewigkeit gründenden göttlichen Willen und dem Handeln sterblicher Menschen in der Weltzeit – auf Kirchenlateinisch: im Saeculum. WORT UND WELT – Darum braucht die Analyse des Papsttums beides, theologische Semantik und Weltgeschichte. Um diese Institution zu begreifen, um die Ziele und das Handeln der Päpste zu verstehen, dürfen wir uns nicht auf nur eine der beiden Dimensionen beschränken: Beide Instanzen (in)formieren, strukturieren, modifizieren einander wechselseitig. Das ewiggeltende WORT Gottes (der Logos allen Sinns von Sein) hat unter uns gewohnt – in der Zeit. Diese Frohe Botschaft verkündet uns die Kirche: ebenjenes Corpus, dem der Papst vorsteht. Aufgabe der Kirche und Job des Papstes ist es, dieses WORT so zu artikulieren, dass es der Welt verständlich wird: auf dass es die Wirklichkeit von (uns) Sterblichen zu berühren, zu verändern, zu heilen vermag. GESCHICHTE UND AKTUALITÄT – Hier folgt keine neue Geschichte des Papsttums, die sich chronologisch von Pontifex zu Pontifex hangelt. (Wo sollte man da überhaupt anfangen?) Und auch kein weiteres Buch über Papst Bergoglio. Freilich stehen auch die Pontifikate, die Profile und Projekte heutiger und morgiger Päpste von vorneherein im Focus. Dieses Buch versucht eine konzeptionelle oder Problemgeschichte des Papsttums. Wer will, kann auch Theorie sagen. Eine deduktive Theorie allerdings ist hier nicht möglich – eher schon eine historische Semantik: Der weltliche Erfahrungsraum des Corpus der Kirche hat sich in zwei Jahrtausenden verändert, ihr politischer Horizont erweitert, vom römisch-hellenistischen Mediterran bis zur Globalisierung.” Detlef Pollack diskutiert mit Otto Kallscheuer über ausgewählte Abschnitte aus dieser historisch-politikwissenschaftlichen Vermessung des Papsttums: die „Päpstliche Revolution“ des 11.-12. Jahrhunderts, Reformation und Tridentinum, die Entwicklung der Sakramente, sowie in der Moderne das Verhältnis von Demokratie und Kirche mit einem Ausblick auf aktuelle Herausforderungen für das Papstamt. | |||
| Ordnungspolitischer Salon: Wo steht die Soziale Marktwirtschaft? | 17 Apr 2024 | 01:09:20 | |
Ordnungspolitik ist kein geschützter Begriff. Aber im Verständnis der Sozialen Marktwirtschaft geht es um die Rahmenordnung eines freiheitlichen Systems mit einer sozial mehr oder weniger stark eingehegten Marktökonomie. Von zwei Seiten ist dieses Modell unter Druck: Es gibt regelmäßig Kritik an einer staatlichen Regulierung der Rahmenordnung mit Verweis auf Fehlsteuerungen oder zu tiefen Eingriffen in die unternehmerische Verantwortung. Zugleich gibt es in der Bevölkerung teilweise auch den Wunsch nach anti-kapitalistisch konnotierten Systemalternativen. In Zeiten hohen Transformationsdrucks für Unternehmen und Privathaushalte ist die Erwartung an Stützungs- und Subventionsmaßnahmen hoch. Wie muss die Grundidee der Sozialen Marktwirtschaft heute politisch umgesetzt werden, um Akzeptanz zu finden? Wo genügt eine gute Rahmensetzung, und wo ist auch die individuelle Moral gefordert? Auch von außen steht die Soziale Marktwirtschaft unter Druck: weltweite Rechtsstaatlichkeit und Kooperation bei Menschenrechts- und Produktionsstandards liegen in weiter Ferne. Wird die Soziale Marktwirtschaft sich in einem solchen Umfeld behaupten können? Darüber spricht Georg Cremer mit Norbert Lammert. Prof. Dr. Norbert Lammert war Präsident des Deutschen Bundestages von 2005-2017 und ist Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. Er war von 1980-2017 Mitglied des Deutschen Bundestages für die CDU/CSU-Faktion und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft (1989-1994), im Bundesministerium für Wirtschaft (1994-1997) sowie im Bundesministerium für Verkehr (1997-1998). Prof. Dr. Georg Cremer ist Volkswirt und Publizist. Er war von 2000-2017 Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes. Zu seinen sozialpolitischen Publikationen gehören: Sozial ist, was stark macht. Warum Deutschland eine Politik der Befähigung braucht und was sie leistet. Freiburg 2021; Deutschland ist gerechter, als wir meinen. Eine Bestandsaufnahme. München 2018; Armut in Deutschland. Wer ist arm? Was läuft schief? Wie können wir handeln? München 2016. | |||
| Diaspora Dialogues: Transformationshoffnung | 09 Apr 2024 | 00:52:52 | |
Ein Dialog mit Annette Edenhofer. Annette Edenhofer ist seit 2021 Professorin für Religionspädagogik an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin. Von der Buchhändlerin über die Fortbildungstätigkeit im pastoralen Dienst als Diplom-Theologin, von der Verlagsvolontärin über die eifrig publizierende Lehrbeauftragte bis zur Professur, führt ihr beeindruckender Bildungsweg. Seit ihrer Schulzeit in Frankfurt am Main und über alle Stationen des beruflichen und familiären Lebens hat sie sich auch ehrenamtlich engagiert – für Amnesty International, für Strafgefangene, für die geistliche Frauenarbeit und die Belange intersexueller Menschen. Durchgängiges Thema ihrer Projekte und Veröffentlichungen ist die Verwandlung: Wie kann aus verfahrenen Lebensläufen und Strukturen ein Neuanfang gelingen, wie kann der „Übergangszorn“ helfen, von Feindschaft in die Kooperation zu finden? Im Diaspora Dialog diskutieren wir über einen kreativen Umgang mit negativen Erfahrungen bei Einzelnen und Gemeinschaften. | |||
| Paul Celans “Todesfuge” | 06 Feb 2024 | 01:12:13 | |
Kein anderes Gedicht hat nach 1945 solche Berühmtheit erlangt wie Paul Celans »Todesfuge«. Entstanden unter dem unmittelbaren Eindruck der Ermordung seiner Eltern durch die Nationalsozialisten, gilt es als eines der frühesten literarischen Zeugnisse im Angesicht der Shoah. Thomas Sparr zeichnet die Geschichte dieses Gedichts nach, das wie kein zweites deutschsprachiges Werk in der Nachkriegszeit eine ganze Epoche ins Bild setzt und eine enorme, bis heute andauernde internationale Wirkungsgeschichte entfaltet. Er spannt den Bogen von seiner Entstehung über seine zunächst kontroverse Aufnahme in den 1950er-Jahren bis hin zu den Literaten und Künstlern, die sich bis in unsere Tage davon inspirieren lassen. Seine Erzählung zeigt auch, dass das Gedicht auf besondere Weise die Biographie Celans birgt. Martine Benoit ergänzt dies durch eine Erkundung der Rezeption Paul Celans in Frankreich. Im Fokus steht dabei die Figur des großen Hellenisten und Celan-Lesers Jean Bollack. Durch die Vermittlung Peter Szondis lernten sich Celan und Bollack im Jahre 1959 in Paris kennen. Ab 1989 leitete Jean Bollack ein einflussreiches Seminar, das der Lektüre der »Niemandsrose« gewidmet war. | |||
| Hildegard von Bingen: Lehrerin der Kirche | 14 Dec 2023 | 00:41:49 | |
Von Papst Benedikt XVI wurde Hildegard von Bingen (1098-1179) im Jahr 2012 zur “Kirchenlehrerin” ernannt. Dies ist die höchste intellektuelle Anerkennung, die von der katholischen Kirche vergeben wird. Es gibt etwa 40 Männer, die diesen Titel tragen, und nur 4 Frauen. Die anderen drei Frauen sind: Teresa von Avila, Caterina von Siena und Thérèse von Lisieux. | |||
| Robert Yelle: The Invisible Border: The Vanishing Line of Separation Between Church and State | 17 Oct 2023 | 00:56:58 | |
Secular liberalism requires a separation of church and state, so as to guarantee both the security of the polity and religious freedom. However, where to draw the line between religion and politics remains the subject of debate, with a growing number who claim it is not possible, and may not even be desirable, to do so. This problem is hardly new. As Robert Yelle recounts, it has roots in the early modern period, when the foundations of the liberal, secular constitution were laid by such figures as Thomas Hobbes and John Locke in England. Where Hobbes argued for a state church and a civil religion, Locke argued for a stricter division of labor between church and state, reprising older formulas from Christian theology. Revisiting this history sheds light on our current predicament. This episode is a cooperation between TheoPodcast and the Catholic Academy in Berlin. --- Der säkulare Liberalismus verlangt eine Trennung von Kirche und Staat, um sowohl die Sicherheit des Gemeinwesens als auch die Religionsfreiheit zu gewährleisten. Die Frage, wo die Grenze zwischen Religion und Politik zu ziehen ist, ist jedoch nach wie vor umstritten. Immer mehr Menschen behaupten, dass dies nicht möglich und vielleicht nicht einmal wünschenswert ist. Dieses Problem ist nicht neu. Wie Robert Yelle darlegt, hat es seine Wurzeln in der frühen Neuzeit, als in England von Persönlichkeiten wie Thomas Hobbes und John Locke die Grundlagen für eine liberale, säkulare Verfassung gelegt wurden. Während Hobbes für eine Staatskirche und eine Zivilreligion eintrat, plädierte Locke für eine striktere Arbeitsteilung zwischen Kirche und Staat und griff dabei auf ältere Formeln der christlichen Theologie zurück. Die Aufarbeitung dieser Geschichte wirft ein Licht auf unsere aktuelle Lage. Diese Folge ist eine Kooperation zwischen TheoPodcast und der Katholischen Akademie in Berlin. Foto: © Robert Yelle - TheoPodcast - Katholische Akademie Berlin | |||
| Marcia Pally: From Human Hypercooperativity to Populist Aggression: How Did We Get Here? | 17 Oct 2023 | 00:56:15 | |
In this podcast, Marcia Pally explores that paradox of foundational human cooperativity—as both evolutionary biology and our Christian and Jewish traditions tells us—and yet breakdowns of the very cooperativity that makes us flourish, leading to violence and divisiveness. The specific divisiveness investigated here is the rise of right-wing populism among America's white evangelicals, which emerges not from "us" thinking but from "us-them" thinking. Pally traces the path from religio-political history and current conditions to us-them thinking among white evangelicals, providing detailed information about current evangelical political and policy positions. This episode is a cooperation between TheoPodcast and the Catholic Academy in Berlin. --- In diesem Podcast untersucht Marcia Pally das Paradoxon der grundlegenden menschlichen Kooperationsbereitschaft – wie sie uns sowohl die Evolutionsbiologie als auch unsere christlichen und jüdischen Traditionen lehren – und des Zusammenbruchs eben dieser Kooperationsbereitschaft, welcher zu Gewalt und Spaltung führt. Die spezifische Spaltung, die hier untersucht wird, ist der Aufstieg des Rechtspopulismus unter Amerikas weißen Evangelikalen, der nicht aus einem "Wir"-Denken, sondern aus einem "Wir–Die"-Denken erwächst. Pally zeichnet den Weg von der religionspolitischen Geschichte und den aktuellen Bedingungen zum Wir-Die-Denken unter weißen Evangelikalen nach und liefert detaillierte Informationen über aktuelle politische Positionen der Evangelikalen. Diese Folge ist eine Kooperation zwischen TheoPodcast und der Katholischen Akademie in Berlin. Foto: © Marcia Pally - TheoPodcast - Katholische Akademie Berlin | |||
| John Thatamanil: Do Religions Have Borders? Geography, Porosity, and the Question of Appropriation | 17 Oct 2023 | 00:50:33 | |
This podcast argues that although it is virtually impossible to demarcate clear descriptive boundaries between religious traditions—religious traditions are too porous, fluid, and relationally constituted for such stark lines to exist—nonetheless, persons from within traditions often find that they must draw normative boundary lines. Here, John Thatamanil considers one particular case, namely recent talk about the risks of appropriation. If there really is something ethically problematic when communities within one tradition take practices from another—this podcast explores Christian appropriation of Passover practice during Holy Week—then, clearly that is because traditions recognize that some rituals properly belong to one tradition and not another. One is not free to do as they please with their practices. Thatamanil argues that despite the fact that it may prove descriptively difficult to demarcate the lines between traditions, persons from religious communities may and often do need to come together to build and maintain boundaries between each other, even if those boundaries too will need routine renegotiation and maintenance. This episode is a cooperation between TheoPodcast and the Catholic Academy in Berlin. --- In diesem Podcast wird argumentiert, dass es zwar praktisch unmöglich ist, klare deskriptive Grenzen zwischen religiösen Traditionen zu ziehen – religiöse Traditionen sind zu durchlässig, fließend und relational konstituiert, als dass es solche klaren Linien geben könnte –, dass aber dennoch Personen innerhalb von Traditionen oft feststellen, dass sie normative Grenzen ziehen müssen. John Thatamanil betrachtet hier einen besonderen Fall, nämlich die jüngste Diskussion über die Risiken der Aneignung. Wenn es wirklich ethisch problematisch ist, wenn Gemeinschaften innerhalb einer Tradition Praktiken von einer anderen übernehmen – in diesem Podcast geht es um die christliche Aneignung der Pessach-Praktiken während der Karwoche – dann liegt das eindeutig daran, dass die Traditionen anerkennen, dass einige Rituale zu einer Tradition gehören und nicht zu einer anderen. Es steht einem nicht frei, mit seinen Praktiken zu tun, was man will. Thatamanil argumentiert, dass trotz der Tatsache, dass es sich als schwierig erweisen kann, die Grenzen zwischen den Traditionen zu beschreiben, Personen aus religiösen Gemeinschaften zusammenkommen können und oft auch müssen, um Grenzen zwischen ihnen zu schaffen und zu erhalten, auch wenn diese Grenzen regelmäßig neu ausgehandelt und gepflegt werden müssen. Diese Folge ist eine Kooperation zwischen TheoPodcast und der Katholischen Akademie in Berlin. Foto: © John Thatamanil - TheoPodcast - Katholische Akademie Berlin | |||
| Gary Slater: Ethical Thinking Across Religious, Political, and Planetary Borders | 17 Oct 2023 | 00:54:52 | |
When the Berlin Wall fell in 1989, the world had fifteen international border walls. Today it has seventy-four. Across every continent except Antarctica, borders are increasingly prominent, monitored, reinforced, and transgressed. In this podcast, Gary Slater shows how the world's borders can be organized into a short list of different forms, with three particular types of borders—religious borders, political borders, and ecological borders—interacting in a way that is uniquely analytically stimulating, morally compelling, and relevant to some of the most significant challenges of the twenty first century. This and the next three episodes are a cooperation between TheoPodacst and the Catholic Academy in Berlin. --- Als 1989 die Berliner Mauer fiel, gab es weltweit fünfzehn internationale Grenzmauern. Heute sind es vierundsiebzig. Auf allen Kontinenten, mit Ausnahme der Antarktis, werden Grenzen immer deutlicher, überwacht, verstärkt und übertreten. In diesem Podcast zeigt Gary Slater, wie die Grenzen der Welt in eine kurze Liste verschiedener Formen gegliedert werden können, wobei drei besondere Arten von Grenzen – religiöse Grenzen, politische Grenzen und ökologische Grenzen – in einer Weise miteinander interagieren, die in einzigartiger Weise analytisch anregend, moralisch überzeugend und relevant für einige der wichtigsten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sind. Diese und die nächsten drei Folgen sind eine Kooperation zwischen TheoPodcast und der Katholischen Akademie in Berlin. Foto: © Gary Slater - TheoPodcast - Katholische Akademie Berlin | |||
| Deutschlands Blick nach Osten | 07 Mar 2023 | 01:07:15 | |
Diskussion am 20.10.2022 in Kooperation mit RENOVABIS - der Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa Deutschland und die Deutschen sind geographisch und historisch eng mit dem Osten Europas verbunden, auch durch die intensive, höchst wechselvolle, teils schwer belastete gemeinsame Geschichte. Trotz der vielfältigen Beziehungen zu verschiedenen Regionen und Nationen gibt es in der Bundesrepublik eine mentale Abgrenzung und ein verbreitetes Gefühl der Überlegenheit, die in dem Begriff des „Ostens“ ebenfalls mitschwingen. In Zeiten des Kalten Krieges blieb „Osteuropa“ die „vergessene Hälfte“, wie der verstorbene FAZ-Herausgeber Johann Georg Reißmüller einst formulierte. Insbesondere die nichtrussischen Völker innerhalb der Sowjetunion wurden nicht wahrgenommen. Aber auch Nachbarstaaten wie Polen und Tschechien lagen lange im Schatten besonderer Aufmerksamkeit. Der Krieg in der Ukraine hat überkommene politische Denkmuster neu in Frage gestellt. Heute wird deshalb eine weitere Europäisierung des „Blicks nach Osten“ benötigt, denn zahlreiche mittel- und osteuropäische Nationen sind längst Teil des „Westens“ und weitere Länder streben in die Europäische Union. Darüber diskutierten in der Katholischen Akademie Berlin: Knut Abraham MdB, Diplomat und Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestags Dr. Marek Prawda, Botschafter a.D. der Republik Polen in Deutschland Kateryna Stetsevych, Leiterin der Projektgruppe Mittel- und Osteuropa in der Bundeszentrale für politische Bildung Prof. Dr. Claudia Weber, Professorin für Europäische Zeitgeschichte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) Moderation: Gemma Pörzgen, freie Journalistin und Chefredakteurin der Zeitschrift „Ost-West. Europäische Perspektiven“. | |||
| Sebastian Holzbrecher: Der ostdeutsche Katholizismus in den Jahren 1970-1990: Aufbrüche, Enttäuschungen, Transformationen | 28 Feb 2023 | 00:59:19 | |
Vorträge zur Kulturgeschichte von St. Hedwig: Wie war die Lage der Katholiken im Osten nach dem Mauerbau und vor der politischen Wende? Prof. Dr. Sebastian Holzbrecher, derzeit an der Universität Regensburg tätig, erschließt uns die Lage der katholischen Christen in der DDR während einer bewegten Phase. Dies kann helfen die Ereignisse um und die Erfahrungen mit der Berliner Kathedrale in den letzten zwei Jahrzehnten vor dem Mauerfall einzuordnen. | |||
| Ich bin ein Chamäleon - Lesung und Gespräch mit Annabel Wahba | 07 Sep 2022 | 01:00:45 | |
Die Autorin und ZEIT-Journalistin Annabel Wahba hat einen Vater, der aus einer kleinen Stadt im Nildelta stammt und koptischer Christ ist. Ihre Mutter ist eine katholische Bayerin. Am Bett ihres sterbenden Bruders wurde ihr klar, wie wichtig die Einflüsse aus beiden Welten für sie sind – und dass sich ihre Vorstellung von Heimat aus vielen Orten, Gerüchen und Gefühlen speist. Wie Scheherazade erzählt sie die Geschichte ihrer Familie zwischen Kairo und München, Wassermelonen und Griesnockerlsuppe, Glauben und Gemeinschaft. Dabei wird schnell deutlich: Die koptische Großmutter aus dem Nildelta und die katholische aus Bayern sind sich eigentlich sehr ähnlich. Und diese deutsch-ägyptische Familie wird mit viel Liebe, Fürsorge und Lebenskraft zusammengehalten, die auch aus ihrem Glauben gespeist wird. Ein deutsch-ägyptisches Chamäleon zu sein hat viele Vorteile – und wird eigentlich erst zum Problem, wenn Außenstehende daraus eines machen… | |||
| 3/3: Gesine Schwan: Postmetaphysisch, Postsäkular? Jürgen Habermas über Glauben und Wissen | 08 Aug 2022 | 00:21:00 | |
Reaktion von Prof. Dr. Gesine Schwan auf die Beiträge von Prof. Dr. Vittorio Hösle und Prof. Dr. Thomas Schmidt im Rahmen der Veranstaltung "Postmetaphysisch, Postsäkular? Jürgen Habermas über Glauben und Wissen" am 11.07.2022. Zur Veranstaltung: Welche Rolle kommt Religionen und den Kirchen in unserer demokratischen Kultur zu? In seinem monumentalen Alterswerk "Auch eine Geschichte der Philosophie" widmet sich Jürgen Habermas der Konstellation von Glauben und Wissen. Dass ein Philosoph oder ein Soziologe sein umfangreichstes und vermutlich intellektuell ehrgeizigstes Werk im Alter von neunzig Jahren veröffentlicht, ist nicht gewöhnlich. Wenn es sich dabei zudem noch um den bekanntesten öffentlichen Intellektuellen der Bundesrepublik Deutschland handelt, darf das Buch zu Recht mit einem starken Interesse rechnen. Vittorio Hösle hat das Buch durch gründliche Lektüre und die Explikation einiger Hintergrundannahmen geehrt, an der er uns teilhaben lässt. Er gibt dabei den Blick frei auf Habermas‘ Faszination vor der Religion, insbesondere dem Rätsel ihrer sozialen Unersetzbarkeit selbst in einem säkularen Zeitalter. Bei Habermas resultieren daraus jedoch weder Anwandlungen von Bekennersehnsucht noch eine Anerkennung des Vernunftanspruchs von Religion. Das Bemühen um eine rettende Übersetzung religiöser Traditionen konfrontiert deshalb mit der Legitimität von Weltbildern. Gibt es einen Erkenntnisanspruch des Glaubens im Ensemble der Wissenschaften? | |||
| 2/3: Thomas M. Schmidt: Postmetaphysisch, Postsäkular? Jürgen Habermas über Glauben und Wissen | 08 Aug 2022 | 00:15:56 | |
Reaktion von Prof. Dr. Thomas M. Schmidt auf den Beitrag von Prof. Dr. Vittorio Hösle im Rahmen der Veranstaltung "Postmetaphysisch, Postsäkular? Jürgen Habermas über Glauben und Wissen" am 11.07.2022. Zur Veranstaltung: Welche Rolle kommt Religionen und den Kirchen in unserer demokratischen Kultur zu? In seinem monumentalen Alterswerk "Auch eine Geschichte der Philosophie" widmet sich Jürgen Habermas der Konstellation von Glauben und Wissen. Dass ein Philosoph oder ein Soziologe sein umfangreichstes und vermutlich intellektuell ehrgeizigstes Werk im Alter von neunzig Jahren veröffentlicht, ist nicht gewöhnlich. Wenn es sich dabei zudem noch um den bekanntesten öffentlichen Intellektuellen der Bundesrepublik Deutschland handelt, darf das Buch zu Recht mit einem starken Interesse rechnen. Vittorio Hösle hat das Buch durch gründliche Lektüre und die Explikation einiger Hintergrundannahmen geehrt, an der er uns teilhaben lässt. Er gibt dabei den Blick frei auf Habermas‘ Faszination vor der Religion, insbesondere dem Rätsel ihrer sozialen Unersetzbarkeit selbst in einem säkularen Zeitalter. Bei Habermas resultieren daraus jedoch weder Anwandlungen von Bekennersehnsucht noch eine Anerkennung des Vernunftanspruchs von Religion. Das Bemühen um eine rettende Übersetzung religiöser Traditionen konfrontiert deshalb mit der Legitimität von Weltbildern. Gibt es einen Erkenntnisanspruch des Glaubens im Ensemble der Wissenschaften? | |||
| 1/3: Vittorio Hösle: Postmetaphysisch, Postsäkular? Jürgen Habermas über Glauben und Wissen | 08 Aug 2022 | 00:36:53 | |
Vortrag von Prof. Dr. Vittorio Hösle im Rahmen der Veranstaltung "Postmetaphysisch, Postsäkular? Jürgen Habermas über Glauben und Wissen" am 11.07.2022. Zur Veranstaltung: Welche Rolle kommt Religionen und den Kirchen in unserer demokratischen Kultur zu? In seinem monumentalen Alterswerk "Auch eine Geschichte der Philosophie" widmet sich Jürgen Habermas der Konstellation von Glauben und Wissen. Dass ein Philosoph oder ein Soziologe sein umfangreichstes und vermutlich intellektuell ehrgeizigstes Werk im Alter von neunzig Jahren veröffentlicht, ist nicht gewöhnlich. Wenn es sich dabei zudem noch um den bekanntesten öffentlichen Intellektuellen der Bundesrepublik Deutschland handelt, darf das Buch zu Recht mit einem starken Interesse rechnen. Vittorio Hösle hat das Buch durch gründliche Lektüre und die Explikation einiger Hintergrundannahmen geehrt, an der er uns teilhaben lässt. Er gibt dabei den Blick frei auf Habermas‘ Faszination vor der Religion, insbesondere dem Rätsel ihrer sozialen Unersetzbarkeit selbst in einem säkularen Zeitalter. Bei Habermas resultieren daraus jedoch weder Anwandlungen von Bekennersehnsucht noch eine Anerkennung des Vernunftanspruchs von Religion. Das Bemühen um eine rettende Übersetzung religiöser Traditionen konfrontiert deshalb mit der Legitimität von Weltbildern. Gibt es einen Erkenntnisanspruch des Glaubens im Ensemble der Wissenschaften? Tags: Jürgen Habermas, Immanuel Kant, René Descartes, Cusanus, Leibniz, Auguste Comte, Soziologie, Philosophie, Religion, Gott, Glaube, Gesellschaft | |||
| Hans Joas: Warum Kirche? Selbstoptimierung oder Glaubensgemeinschaft | 22 Apr 2022 | 00:23:37 | |
Aus der Buchvorstellung am 11.04.2022. Das Video der gesamten Veranstaltung ist online unter: https://youtu.be/B4GowQIQI9E Shownotes: Braucht es um spirituell zu sein, um moralisch zu sein eigentlich eine Institution? Kann man das nicht einfach für sich sein und leben? Ist es sogar besser, wenn man ganz verschiedene religiöse und spirituelle Traditionen auf eigene Faust kombiniert und sich daraus ein Weltbild oder eine Lebenspraxis selber formt? Sinn des Buches ist es, Verständnis zu schaffen für das, warum es Kirche gibt. Der große evangelische Theologe Ernst Tröltsch hat einen Versuch gemacht, auszusprechen, was die Grundcharakteristika des Christentums sind. Bei ihm sind es drei: Universalismus, Individualismus und Liebesethos. (...) Der Punkt, auf den es mir ankommt, ist der Universalismus oder wie es in der heutigen Philosophie oft heißt der moralische Universalismus. Das meint, dass Christen, wenn sie sich überlegen ob eine Handlung, zu der sie sich anschicken, moralisch gerechtfertigt werden kann, sich nie damit begnügen können, zu sagen, es ist einfach gut für mich oder gut für die mir Nahestehenden, z.B. meine Familie, meine Sippe, mein Volk, meinen Staat oder die Angehörigen meiner christlichen Religionsgemeinschaft. Das Ethos weist über jedes begrenzte Gemeinwesen hinaus, vielleicht sogar über alle Menschen, die bisher gelebt haben und heute leben. Es ist fordert uns auch auf, das Wohl künftiger Menschen mit einzubeziehen. Das meine ich mit moralischem Universalismus. Die zentrale These des Buches ist, dass wir die Existenz von Kirche nicht verstehen können, wenn wir nicht diese universalistische Dimension des Christentums in den Mittelpunkt rücken. Warum? Weil eine universalistische Religion sich nicht einfach in den gegebenen sozialen Organisationsform einer bestimmten Gesellschaft organisieren kann. (...) Natürlich ist es eine Aufgabe, von diesem enorm herausfordernden Universalistischen etwas weiterzugeben an die kommenden Generationen. Kein Kind wächst von selbst in Richtung solcher universalistischen Vorstellungen. Sie müssen gewissermaßen durch Aufreißen eines Horizonts erst eröffnet werden. Hier liegen Aufgaben der Religionspädagogik, Theologie, Philosophie, vielleicht auch weiterer Wissenschaften. Und ganz wichtig: es muss, damit es gelebt werden kann, auch immer wieder rituell vergegenwärtigt werden. Wir müssen erleben können, dass das, was so schwierig zu verwirklichen ist, nicht gewissermaßen ein völlig unrealisierbarer Traum ist. Ich denke, dass die christlichen Gemeinden, dass der Gottesdienst eine solche Chance bieten, etwas schon erfahrbar zu machen, was vielleicht später in höherem maße auch außerhalb des rituellen Kontextes erfahrbar ist. Selbstoptimierung ist zur Zeit ein Modewort. Wenn Sie Interviews mit Prominenten lesen, warum sie gläubig seien, steht dort oft: Ich bin gläubig, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass es mich stärkt, dass es mich tröstet. Ich habe nichts gegen Stärkung und Tröstung, aber ich habe natürlich etwas dagegen, wenn Glaube wie eine Technik der Autosuggestion erscheint. Ich setze mich kontrovers mit der Frage auseinander, ob dieser Universalismus, den ich jetzt da so angepriesen habe, das Spottwort verdient, das von Konservativen manchmal dagegen aufgefahren wurde, nämlich, er sei Fernstenliebe. Das, was ich sagen wollte, endet mit der Behauptung, dass diese Überlegungen über Kirche nicht nur Kirche, sondern auch etwas am Universalismus des Christentums erschließen, der spezifisch anders ist als ein nationalistischer Universalismus, ein konkreter Universalismus. Genannte Personen: Ernst Tröltsch, Jürgen Klinsmann, Alfred Döblin, Leszek Kolakowski | |||
| Armin Nassehi: Kohäsion durch Konflikt? Religion und Demokratie | 22 Apr 2022 | 00:29:57 | |
Zum Auftakt des interreligiösen Programmes "Kohäsion durch Konflikt“ des „Netzwerkes Religion & Demokratie“ Das Video der gesamten Veranstaltung ist online unter: https://youtu.be/8BEn1FoNS-Y Shownotes: Ich will versuchen zu beschreiben, dass das Verhältnis von Religion und Demokratie oder Religion und Politik kein Verhältnis ist, in dem es um demokratischen Ausgleich zwischen diesen beiden Kräften geht, sondern in dem Sprecherinnen und Sprecher unterschiedlicher Provenienz unterschiedliche Probleme lösen müssen und davon auch Gebrauch machen. In dem Thema „Kohäsion durch Konflikt? Religion und Demokratie“ sind viele Fragen aufbewahrt und noch mehr Begriffe, die mehr Eindeutigkeit suggerieren, als es den Antworten letztlich gut tun kann, und ich will einige dieser Fragen jetzt rekonstruieren und das wohlgemerkt aus der Perspektive eines Soziologen. Das Thema impliziert z.B. die Frage, wie viel Religion die Demokratie eigentlich verträgt. Das ist keine simple frage, da Religion aus sich selbst heraus schwer demokratisierbar ist, übrigens die Gesellschaft auch... Wie viel Demokratie verträgt eigentlich die Religion? Und: Wie viel oder besser gesagt welche Gesellschaft verträgt eigentlich die Demokratie? Welche gesellschaftlichen Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit Demokratie möglich ist? Die Begriffe produzieren Adressen, die es im richtigen Leben gar nicht gibt. Das führt zum Problem der Adressierbarkeit bei Religion: Wen sprechen wir da eigentlich an? Kirchen oder funktionale Äquivalente für Kirchen in anderen Weltreligionen, die es womöglich dann gar nicht gibt oder religiöse Eliten oder Wissenschaften, die sich mit offenbarten Texten beschäftigen oder irgendwelche Organisationen? Schon die Vielfalt der möglichen Antworten ist ein Hinweis darauf, dass es offenbar keine eindeutige Adresse gibt. Und jetzt könnte man sagen: Dann adressieren wir wenigstens die Demokratie. Das ist aber genauso schwierig. Viele halten ja die moderne Gesellschaft für eine demokratische Gesellschaft. Selbst wenn sie es wäre, was sie nicht ist, wäre die Adressierbarkeit nicht gegeben. Die Gesellschaft ist unerreichbar. Man muss beschreiben, worin der Konflikt liegt, um seine Lösung überhaupt denkbar zu machen. Aber was ist eigentlich der Streit zwischen zwei Akteuren, die unterschiedliche Bezugsprobleme haben und deshalb gar nicht zu einem gemeinsamen kommen können? (...) Das Problem ist, welche Art von Kommunikation da eigentlich stattfindet. In der Einführung wurde gesagt: Wir sehnen uns alle nach gesellschaftlichem Zusammenhalt. Ich nicht! Eine Gesellschaft mit starkem gesellschaftlichen Zusammenhalt ist meistens pathologisch. Moderne Gesellschaften sind komplex – das sagt man immer, wenn man nicht weiterkommt, aber Komplexität bedeutet eigentlich nur, dass es oft für den gleichen Satz mehrere Anschlussmöglichkeiten gibt, die gleichzeitig erwartbar sind. Das interessante an modernen Gesellschaften ist, dass sie aus unterschiedlichen Perspektiven an das gleiche immer unterschiedlich anschließen können, ohne dass eines davon falsch sein muss. Das Gespräch zwischen politischen und religiösen Akteuren lebt von der Differenz und muss die Differenz nicht aufheben. Religion kann – im Gegensatz zur Politik – erlebend reagieren und erwirtschaftet sich damit Handlungsmöglichkeiten, nämlich Dinge zu sagen, die sonst schwer sagbar sind. Wir sind unglaublich gut darin, uns zu streiten und Konflikte auszutragen. Dafür gibt's sogar tools... Was wir nicht haben, das ist die Frage, wie eigentlich Akteure unterschiedlicher Problemlösungskompetenz und Problemlösungsnotwendigkeiten produktiv miteinander reden können. Barmherzigkeit ist die Fähigkeit, mit der Schwäche der Menschen und nicht ihrer Stärke zu rechnen. Das ist in Krisensituationen unglaublich wichtig. | |||
| Rotraud Wielandt: Vergessene Innovationen in der neueren islamischen Theologie | 21 Mar 2022 | 00:48:33 | |
Der neueren isIamischen Theologie ist von außenstehenden Beobachtern nicht selten eine grundsätzliche Neigung zur Rückwärtsgewandtheit zugeschrieben worden. Dabei haben einige muslimische Intellektuelle schon im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert – auf der Basis ihrer eigenen Tradition und zugleich in Auseinandersetzung mit Fragestellungen und Ideen aus dem zeitgenössischen Europa – innovative theologische Denkansätze entwickelt, an die anzuknüpfen sich auch unter heutigen Bedingungen durchaus noch lohnen würde, wenngleich sie im Islam zunächst nur wenig rezipiert worden und inzwischen weithin in Vergessenheit geraten sind. Der Vortrag von Prof. Dr. Rotraud Wielandt stellt ausgewählte Beispiele solcher Neuansätze aus dem arabischen, türkischen und kazantatarischen Bereich vor und geht der Frage nach, welche Probleme, aber auch welches Anregungspotential sie bieten. Prof. Dr. Dr. h.c. Rotraud Wielandt ist Islamwissenschaftlerin und Arabistin und war bis 2009 Professorin für Islamkunde und Arabistik an der Universität Bamberg. Sie ist Beraterin in der Päpstlichen Kommission für religiöse Beziehungen zu den Muslimen und hat zahlreiche Ehrungen und Preise für ihre wissenschaftliche Arbeit erhalten, darunter die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Fribourg (CH) und die Auszeichnung „Pro meritis scientiae et litterarum“ des Freistaats Bayern. | |||
| Diaspora Dialogues: Elisa Klapheck | 18 Feb 2022 | 00:48:36 | |
„Seit Adam und Eva leben wir alle im Exil“ Die Rabbinerin Prof. Dr. Elisa Klapheck im Gespräch mit Dr. Gesine Palmer (Berlin Center for Intellectual Diaspora der Katholischen Akademie in Berlin e.V.) Elisa Klapheck, geboren 1962, ordinierte Rabbinerin seit 2004, ist als ein bekanntes Gesicht des liberalen Judentums zugleich auf vielen anderen Gebieten in der Öffentlichkeit präsent. Sie studierte Politik, Rechtswissenschaft und Judaistik in Nijmegen, Hamburg und war anschließend als Journalistin für Funk und Fernsehen sowie den Tagesspiegel und die Taz tätig. 1998 wurde sie Pressesprecherin für die Jüdische Gemeinde zu Berlin. Sie ist Mitbegründerin der Liberalen Synagoge in der Oranienburger Straße, in der, ebenfalls seit 1998, egalitäre Gottesdienste stattfinden. In jenen Jahren studierte sie und bildete sich fortwährend weiter. 2005 übernahm sie ihr erstes Rabbinat als erste Frau auf diesem Posten in Amsterdam. Seit 2009 ist sie Rabbinerin des Egalitären Minyan in Frankfurt am Main. Im Jahr 2012 promovierte sie summa cum laude mit einer Arbeit über Margarete Susman und ihren Beitrag zur politischen Philosophie. Seit 2016 ist sie neben ihrer Arbeit als Rabbinerin Professorin für Jüdische Studien am Zentrum für Komparative Theologie der Universität Paderborn. Damit sind nur die markantesten Stationen dieser hochaktiven Frau benannt. Zum Glück führt Elisa Klapheck eine sehr übersichtliche Website, auf der man sich über ihre Mitgliedschaft in der Allgemeinen Rabbinerkonferenz, über die von ihr herausgegebene Streitschrift Machloket, über die Vereinigung Torat Hakalkala (Verein zur Förderung der angewandten jüdischen Wirtschafts- und Sozialethik) und vieles mehr informieren kann. In unserem Interview spricht Elisa Klapheck über die Situation einer jüdischen Theologie in der Diaspora, über die Gewohnheit, auch fast zeitgenössische Texte wie das Werk von Margarete Susman so zu lesen wie biblische und andere Traditionstexte, und über eine Welt, in der es nur noch Minderheitsreligionen geben kann. Shownotes Es ging Margarete Susmann und anderen jüdischen Autoren ihrer Zeit weniger um Religion als Glaube als vielmehr um das Judentum als eine Religion der Tat, politisch verstanden: die Verbesserung der Gesellschaft. Das Judentum muss anders als die anderen Religionen, die dominante Mehrheitsreligionen sind, lernen, aus seiner Deckung herauszukommen und die Brücken zu schlagen, wie man mit den anderen diskutieren kann. Das ist in den letzten Jahrhunderten, ja Jahrtausenden wenig passiert. Aber zur Zeit von Margarete Susmann und auch heute gibt es Stimmen, die sagen, wir wollen einen vom Judentum her gebauten interreligiösen Dialog. Wir haben die Shoah noch in der DNA. Das ist noch gar nicht so lange her und es ist noch heute die Frage: War das das Opfer für die Gründung des Staates Israel? In dieser Welt ist das Judentum geopfert worden, ist preisgegeben worden. Es ist ein großes Opfer passiert, und ich trauere jeden Tag, wenn ich feststelle, dass es überhaupt keine kritische Masse mehr an jüdischem Denken in Deutschland gibt, an jüdischer Realität. Wir müssen, wenn wir Religion im 21. Jahrhundert glaubhaft weiterdenken wollen, mit der Shoah umgehen. Die große Frage ist, wo ist das Böse einzuordnen? Das ist nicht nur eine Frage an die großen Religionen. Wenn Religion zur Kuschelecke wird, wenn wir so mit unserem Gottesverständnis umgehen, haben Religionen nichts zu sagen, denn wir brauchen auch Antworten auf die Wirkmächte des Bösen. Ich sehe aber trotz allem, was passiert ist, ein europäisches Judentum im Werden, das aus dem Schatten der Shoah heraustritt. Es wird sehr lange dauern, bis es sich als solches versteht, aber es ist auf jeden Fall im Werden. Das sieht man auch an der jüngeren Generation. | |||
| Mutter, Messe, Moderne – über Brigitte Kronauer | 27 Jan 2022 | 01:42:01 | |
Ein Dialog über die Erzählkunst der Schriftstellerin Brigitte Kronauer (1940–2019) zwischen Prof. Dr. Ursula Renner und Dr. Lorenz Jäger. Kathleen Morgeneyer (Deutsches Theater) liest aus "Die Kleider der Frauen". Eine Veranstaltung der Katholischen Akademie in Berlin am 1. Dezember 2021. Foto © Wikimedia Commons/Nutzer: udoweier (Udoweier - cropped and slightly revised version of File:Brigitte Kronauer.jpg: Brigitte Kronauer, Düsseldorf Heine Haus, 13.November 2013. Lesung aus "Gewäsch und Gewimmel") | |||
| Klaus Mertes SJ: Dostojewski wiedergelesen | 20 Jan 2022 | 01:23:38 | |
Religiöse Mächte und endliche Menschen Den 200. Geburtstag von Dostojewski (geboren 1821 in Moskau) hat Klaus Mertes SJ zum Anlass genommen, den religiösen Spuren in seinem Werk zu folgen und Dostojewski neu zu entdecken. Als Leitfaden diente ihm dabei das Buch von Romano Guardini „Religiöse Gestalten in Dostojewskis Werk“, München 1951. Im Wechsel von Gespräch und Lesung stellen Klaus Mertes, Joachim Hake und Peter Gößwein diese Relektüre vor. Peter Gößwein liest hierzu ausgewählte Texte aus dem Werk Dostojewskijs. Pater Klaus Mertes SJ ist Superior des Ignatiushauses in Berlin, Mitglied der Redaktion der Kulturzeitschrift Stimmen der Zeit und Autor. Zuletzt: Den Kreislauf des Scheiterns durchbrechen. Damit die Aufarbeitung des Missbrauchs am Ende nicht wieder am Anfang steht, Patmos 2021. | |||
| Sibylle Lewitscharoff: Warum Dante? | 13 Jan 2022 | 00:47:35 | |
„Kaum erklingt der Name Dante, bin ich geneigt, in haltlose Jubeltöne auszubrechen.“ So beginnt Sibylle Lewitscharoff ihr neues Buch „Warum Dante“ (Insel 2021), das in der Katholischen Akademie Berlin im Gespräch mit Joachim Hake und der Autorin vorgestellt wird. Sibylle Lewitscharoff ist eine Danteanerin von der Fußspitze bis zum Scheitel. Schon an ihrem wunderbaren Roman „Das Pfingstwunder“ (Suhrkamp 2016) konnten Danteliebhaber – und alle anderen natürlich auch – ihr Lesevergnügen finden. Nun eine Hinführung zu Dante, luftig und hinreißend: Vom Straftheater der Hölle bis in die höchsten Himmelsregionen, von den gepeinigten Seelen der Sünder bis zur glanzvollen Schwirrnis der Engel. Sibylle Lewitscharoff studierte Religionswissenschaften in Berlin, lebte in Buenos Aires und Paris und nun wieder in Berlin. Für ihre Werke wurde sie 2013 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen: Das Pfingstwunder (2015), Von oben (2019) und Warten auf. Gericht und Erlösung: Poetischer Streit im Jenseits (2020). Keywords: Literatur, Poesie, Dante, Religion, Lesen, Einführung | |||
| Digitale Welt und Künstliche Intelligenz – wie „unterlegen“ ist der Mensch? | 08 Oct 2021 | 00:56:09 | |
Podiumsdiskussion mit Markus Beckedahl, Armin Grundwald, Diana Kinnert und Sabine Speicher. Moderation: Joachim Hake. Die rasant fortschreitende Digitalisierung ist mit vielen Hoffnungen und Ängsten verbundenen. Der Erwartung größerer Freiheiten, wirtschaftlichen Wachstums und mehr Gesundheit stehen die Ängste vor Überwachung, der Manipulation der öffentlichen Meinung und der Ersetzung menschlicher Arbeitsplätze durch KI, Robotik usw. gegenüber. Wie „unterlegen“ ist der Mensch? Wie lässt sich der digitale Wandel gestalten? In Kooperation mit der Görres-Gesellschaft | |||
| Tauchgang: Der Preis des Christseins | 05 Oct 2021 | 00:51:26 | |
Moderation: Katrin Visse, Peter Gößwein Zu Gast: Dr. Philip Geister SJ, Rektor des Newman-Instituts in Uppsala und Mitglied der Redaktion der Kulturzeitschrift "Signum". Der promovierte Theologe und Jesuit lebt seit 1991 in Schweden. „Was fürchtest du, Herodes? Christus kommt und will dir doch nichts nehmen.“ Diese Frage aus dem Stundengebet sprach Philip Geister an. Dabei ist die Angst des Kindermörders von Betlehem doch völlig nachvollziehbar. Kann der Retter der Welt retten, ohne die Mächtigen vom Thron zu stürzen? Und tut der Sturz vom Thron nicht weh? „Du musst, um frei zu sein, um das Eine zu machen, das andere einfach, lassen. Aber das ist durchaus eine befreiende Erfahrung.“ | |||
| Tauchgang: Der Fremdenführer führt mich im Geheimnis umher | 05 Oct 2021 | 00:52:00 | |
Moderation: Katrin Visse, Peter Gößwein Zu Gast: Thomas Hirsch-Hüffell, Pastor der Nordkirche. Von 1997 bis 2018 Leiter des Gottesdienstinstituts, Hamburg. Thomas Hirsch-Hüffell hat es erlebt: „… ich stehe da und das Ganze, also das All, das Ganze und ich sind dasselbe. Und gleichzeitig komplett unterschieden. Also das Ganze ist das Ganze und ich bin mehr Ich denn je.“ Seither versucht er Räume zu schaffen, in denen man dem Geheimnis begegnet. Wenn das Ganze, nämlich Gott, also der ganze Kosmos, auf einem einzelnen Gesicht erscheinen kann – dann ist das möglich. Oder? | |||
| Gemeinsame Interessen? Bürgerbeteiligung in der Europäischen Union | 13 Jul 2021 | 00:58:14 | |
Podcast der Deutschen Nationalstiftung in Kooperation mit der Katholischen Akademie in Berlin e.V. „Bürgernähe“ gilt als Tugend demokratischer Systeme und politisches Engagement jenseits von Parteien ist Trend. Wenn von der Europäischen Union die Rede ist, wird oft „Bürgerferne“ konstatiert und im Vergleich zu den nationalen Politikarenen ist dies auch kaum vermeidbar. Das weitgehende Fehlen einer europäischen Öffentlichkeit, die ihren Namen verdient, könnte einer mangelnden Wahrnehmung gemeinsamer Interessen jenseits der nationalen politischen Kulturen geschuldet sein. Wozu braucht es länderübergreifendes bürgerschaftliches Engagement für gemeinsame Interessen jenseits der repräsentativen politischen Organe? Wie können sich Anliegen auf europäischer Ebene organisieren und hörbar machen? Was kann – oder sollte – Bürgerbeteiligung auf europäischer Ebene leisten? Es diskutieren Jacob Birkenhäger, Senior Consultant für den Bereich „Demokratie, Europa, Gesellschaft“ beim Institut für Organisationskommunikation (IFOK); Róża Gräfin von Thun und Hohenstein, Mitglied des Europäischen Parlament für Polen seit 2009; Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Agrarwissenschaftler, Vorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft. Moderation: Jörn Thießen, Leiter der Fakultät für Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften der Führungsakademie der Bundeswehr. | |||
| Erzählen als Widerstand: Vom Missbrauch an erwachsenen Frauen in der Kirche | 29 Jun 2021 | 00:51:06 | |
Wenn es um Missbrauch in der Kirche geht, ist zumeist nur von Minderjährigen die Rede. Aber auch erwachsene Frauen haben dort geistlichen und sexuellem Missbrauch erlebt. 23 von ihnen haben ihre Erfahrungen aufgeschrieben. Regina Heyder und Barbara Haslbeck haben daraus ein Buch gemacht. Sie berichten davon und zeigen an den Erzählungen auf, wie Missbrauch in der Kirche sich tarnt und anbahnt und warum es so schwer ist, sich dagegen zu wehren. | |||
| Elmar Salmann: Einführung in Rhythmus, Poesie und Geheimnis der Karwoche | 02 Apr 2021 | 00:07:02 | |
Brief von Elmar Salmann OSB, eingesprochen von Peter Gößwein | |||
| Phrase unser. Die blutleere Sprache der Kirche | 26 Mar 2021 | 01:14:28 | |
Die kirchliche Sprache - so die Autoren Jan Feddersen und Philipp Gessler - ist nicht nur unverständlich und unklar und hat sogar oft etwas Verlogenes, das immer mehr Gläubige abstößt und ist so ein Grund für die Krise der hiesigen Kirchen ist. Mit Sinn für die vielen Facetten des Problems kirchlicher Sprache, nach vielfachen Recherchen und Interviews mit Fachleuten und ohne Besserwisserei stellen die Autoren fest: Nur wenn die Kirche auch ihre Sprechweise erneuert, kann sie sich selbst erneuern. Im Gespräch mit Joachim Hake stellen sie ihr Buch „Phrase unser. Die blutleere Sprache der Kirche, Claudius 2020“ vor und diskutieren seine Hauptthesen. Jan Feddersen ist Redakteur bei der „Tageszeitung“. Philipp Gessler ist Redakteur bei der Zeitschrift „zeitzeichen“. | |||
| Nora Gomringer: Licht aus! – Über Corona und Kränkungen | 19 Mar 2021 | 00:52:52 | |
Ein Gespräch mit Nora Gomringer über das Licht, das Angestrahltwerden und Leuchten, die Dunkelheiten der Bühne, über Talente und Gaben, über die Kränkungen und Verletzungen, die Corona einem zufügen und über die Wünsche von Künstlerinnen und Künstlern, wenn das Publikum fehlt. Und über vieles andere mehr… Nora Gomringer ist Lyrikerin und Performerin. Als Direktorin leitet sie das Internationale Künstlerhaus des Freistaats Bayern in Bamberg. Zuletzt u.a.: Gottesanbieterin, Voland & Quist 2020. Das Gespräch führt Joachim Hake, Direktor der Katholischen Akademie in Berlin e.V. | |||
| Herta Nagl-Docekal: Zur Aktualität von Hegels Religionsphilosophie | 19 Mar 2021 | 00:28:31 | |
Vortrag im Rahmen des 14. Berliner Kolloquiums Junge Religionsphilosophie am 26.02.2021 Prof. Dr. Herta Nagl-Docekal (Universität Wien) widmet sich in ihrer Auseinandersetzung mit Hegel der szientistisch geprägten Religionskritik, dem Religionsverständnis unter Bedingungen der Moderne sowie der gegenwärtigen Gefahr einer zunehmenden Entsolidarisierung. Es sind drei Herausforderungen, auf die das Augenmerk gerichtet werden soll: Erstens, die weithin akzeptierte Auffassung, Gläubigkeit stelle eine vormoderne, obsolete Haltung dar; zweitens, die heftigen inner-konfessionellen Konflikte um eine zeitgemäße Ausdeutung der tradierten Lehren und Normen, i.e., der Disput zum Verhältnis von Religion und Moderne; drittens, die zunehmende Entsolidarisierung in einer atomistisch verfassten Gesellschaft. Sondiert werden soll, welche Kategorien für eine argumentative Auseinandersetzung mit diesen Problemstellungen sich aus Hegels Werk beziehen lassen – selbst dann, wenn die systematische Architektur der Konzeption des Absoluten als nicht voll überzeugend eingeschätzt wird. Dabei wird auch zur Sprache kommen, dass Hegel Untiefen der in „unserer Zeit“ gängigen Lebenseinstellungen thematisiert, die kaum mehr als solche wahrgenommen werden, doch gerade deshalb neu ins Bewusstsein gerufen zu werden verdienen. Das Berliner Kolloquium Junge Religionsphilosophie ist eine Kooperation der Katholischen Akademie in Berlin e.V. mit dem Forschungsinstitut für Philosophie Hannover (fiph) und der Deutschen Gesellschaft für Religionsphilosophie (DGR). | |||
| Tauchgänge #1: Jasmin El-Manhy | 10 Mar 2021 | 00:57:09 | |
„Vielleicht bin der Punkt auch einfach ich.“ (21.02.2021) Das sagt Jasmin El-Manhy. Die evangelische Pfarrerin erzählt, wie sie aus einem muslimisch-katholischen Elternhaus mit all dessen Geschichten ihre eigene Stimme fand. Sie fragt sich, was die zweitausend Jahre alten Geschichten der Bibel mit ihr heute zu tun haben und warum sie mehr als Geschehnisse sind. Diese Geschichten erzählt sie weiter. Alle weiteren Folgen finden Sie im Podcast "Tauchgänge": https://anchor.fm/tauchgaenge | |||
| Episode 2/2 #anstanddigital 11 Gebote für Haltung und Respekt im Netz | 19 Feb 2021 | 00:30:39 | |
Präsentation der 11 Gebote für Haltung und Respekt im Netz mit Joachim Hake (Direktor Katholische Akademie Berlin), Johann Hinrich Claussen (Kulturbeauftragter EKD), Monika Grütters (Staatsministerin für Kultur und Medien), Nora Bossong (Schriftstellerin), Markus Beckedahl (netzpolitik.org), Ijoma Mangold (Journalist und Autor), Jule Weber (Spoken-Word-Autorin), Hasnain Kazim (Journalist und Autor) am 9.02.2021 in der Katholischen Akademie Berlin (Teil 2) „…Ich weiß, man klingt dann wie ein pensionierter Oberstudienrat, der sagt „Wir brauchen wieder mehr Anstand und Moral!“ Aber die Wahrheit ist: Wir brauchen wieder mehr Anstand und Moral … und zwar überall dort, wo Menschen miteinander umgehen.“ (Hasnain Kazim, Statement zu #anstanddigital: https://youtu.be/B3j8t0H2_8s ) In einem längeren Prozess (siehe www.anstanddigital.de) haben wir mit Autoren wie Hasnain Kazim, Philosophinnen wie Svenja Flaßpöhler oder Manuela Lenzen, Politikern wie Wolfgang Thierse, Netzaktivistinnen wie Hanna Gleiß und vielen, vielen anderen darüber nachgedacht, welche Anstandsgebote und -regeln für eine demokratische und digitale Kultur grundlegend sind. Welche Maximen helfen uns im Netz zu mehr Anstand, der eigentlich selbstverständlich sein sollte? Mittlerweile liegt ein erstes Ergebnis vor. Es wurden „11 Gebote“ niedergeschrieben, die am 9.2.2021 um 18:30 Uhr der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Diese Gebote sind nicht „in Stein gemeißelt“, aber fordern Beachtung und Aufmerksamkeit und leben von freiwilliger Umsetzung, die nicht durch das Recht eingefordert wird. Grußworte: Joachim Hake (Direktor der Katholischen Akademie in Berlin), Prof. Monika Grütters MdB (Staatsministerin für Kultur und Medien) Podium: Ijoma Mangold (Schriftsteller, Berlin), Nora Bossong (Schriftstellerin) und Markus Beckedahl (netzpolitik.org) Moderation: Dr. Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter der EKD Interventionen: Hasnain Kazim (Autor), Jule Weber (Poetry-Slam) | |||
| Episode 1/2 #anstanddigital 11 Gebote für Haltung und Respekt im Netz | 19 Feb 2021 | 00:36:19 | |
Präsentation der 11 Gebote für Haltung und Respekt im Netz mit Joachim Hake (Direktor Katholische Akademie Berlin), Johann Hinrich Claussen (Kulturbeauftragter EKD), Monika Grütters (Staatsministerin für Kultur und Medien), Nora Bossong (Schriftstellerin), Markus Beckedahl (netzpolitik.org), Ijoma Mangold (Journalist und Autor), Jule Weber (Spoken-Word-Autorin), Hasnain Kazim (Journalist und Autor) am 9.02.2021 in der Katholischen Akademie Berlin (Teil 1) „…Ich weiß, man klingt dann wie ein pensionierter Oberstudienrat, der sagt „Wir brauchen wieder mehr Anstand und Moral!“ Aber die Wahrheit ist: Wir brauchen wieder mehr Anstand und Moral … und zwar überall dort, wo Menschen miteinander umgehen.“ (Hasnain Kazim, Statement zu #anstanddigital: https://youtu.be/B3j8t0H2_8s ) In einem längeren Prozess (siehe www.anstanddigital.de) haben wir mit Autoren wie Hasnain Kazim, Philosophinnen wie Svenja Flaßpöhler oder Manuela Lenzen, Politikern wie Wolfgang Thierse, Netzaktivistinnen wie Hanna Gleiß und vielen, vielen anderen darüber nachgedacht, welche Anstandsgebote und -regeln für eine demokratische und digitale Kultur grundlegend sind. Welche Maximen helfen uns im Netz zu mehr Anstand, der eigentlich selbstverständlich sein sollte? Mittlerweile liegt ein erstes Ergebnis vor. Es wurden „11 Gebote“ niedergeschrieben, die am 9.2.2021 um 18:30 Uhr der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Diese Gebote sind nicht „in Stein gemeißelt“, aber fordern Beachtung und Aufmerksamkeit und leben von freiwilliger Umsetzung, die nicht durch das Recht eingefordert wird. Grußworte: Joachim Hake (Direktor der Katholischen Akademie in Berlin), Prof. Monika Grütters MdB (Staatsministerin für Kultur und Medien) Podium: Ijoma Mangold (Schriftsteller, Berlin), Nora Bossong (Schriftstellerin) und Markus Beckedahl (netzpolitik.org) Moderation: Dr. Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter der EKD Interventionen: Hasnain Kazim (Autor), Jule Weber (Poetry-Slam) | |||
| Episode 3/8 zwei nach zwölf: Vergebung in der Krise | 18 Feb 2021 | 00:52:48 | |
Joachim Hake im Gespräch mit Jeremias Schroeder OSB, 9.02.21, 12:02 Uhr „Wir werden in ein paar Monaten einander wahrscheinlich viel verzeihen müssen.“ Dieser Satz von Jens Spahn aus dem Frühjahr 2020 stellt über die Nöte der Corona-Pandemie hinaus die Frage nach der Bedeutung von zukünftiger Vergebung in Krisenzeiten. Vor allem jene, die in Krisen oft unabsehbar schwierige Entscheidungen zu treffen und zu verantworten haben, sind offensichtlich auf die Bereitschaft späterer Verzeihung angewiesen. Was aber bedeutet dies konkret im geistlichen und politischen Umgang miteinander? Wie kann der Gedanke zukünftiger Verzeihung hier und jetzt unser Handeln bestimmen? Jeremias Schröder OSB war von 2000 bis 2012 Erzabt von St. Ottilien. Seit 2012 ist er Abtpräses der Benediktinerkongregation von St. Ottilien mit ca. 1.100 Mönchen weltweit. Weitere Folgen im Podcast zwei nach zwölf. Gespräch über Gott und die Welt | |||
| Episode 2/8 zwei nach zwölf: Dissidentisches Denken | 15 Feb 2021 | 00:58:33 | |
Joachim Hake im Gespräch mit Marko Martin, 4.02.2021, 12:02 Uhr Marko Martin „Dissidentisches Denken. Reise zu den Zeugen eines Zeitalters, Berlin 2019“ ist eine Liebeserklärung an die Freiheit und den Mut des Denkens, an das Leben und Lesen in den Gewalterfahrungen und Umbrüchen des 20. Jahrhunderts. In emphatisch-essayistischen Porträts von Jürgen Fuchs, Melvin Lasky, Czesƚaw Miƚosz, Tomas Venclowa und vielen anderen wird das Wasserzeichen eines Denkens ansichtig, das den Herausforderungen von Gewalt und Unfreiheit ohne Moralismus, mit Sinn für Freundschaft und für die Not des Anderen zu bestehen versucht. In seinen Reisen erschließt Marko Martin verborgene Netzwerke an Freundschaften, in denen die unprätentiöse Maxime von Hans Sahl: „Gescheit sein und gütig – und nie das eine ohne das andere“ anerkannt ist und sich gegen die bornierte „Internationale der Einäugigen“ (Ralph Giordano) stellt. Marko Martin lebt, sofern nicht auf Reisen, als Schriftsteller in Berlin. In der Anderen Bibliothek erschienen außerdem seine Bücher Schlafende Hunde und Die Nacht von San Salvador. Zuletzt bei Tropen: Die verdrängte Zeit. Vom Verschwinden und Entdecken der Kultur des Ostens, Stuttgart 2020. Weitere Folgen im Podcast zwei nach zwölf. Gespräch über Gott und die Welt | |||