Explorez tous les épisodes du podcast Chlorgesänge
| Titre | Date | Durée | |
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| Bestimmt verpasst: Gerettet! | 28 Oct 2026 | 00:37:34 | |
Wenn wir in Not geraten, hoffen wir, dass wir gerettet werden. Immer. Deshalb wiederholen wir heute eine Folge aus dem Sommer. Denn auf der Unteren Havel in Berlin, direkt am Wannsee, sorgen Ehrenamtliche der Berliner DLRG dann jedes Wochenende dafür, dass kein Unglück unbeobachtet bleibt. Deswegen beginnt die Folge auch mit einer Fahrt im Rettungsboot: Lene, Sven und Patrick bringen uns damit zu ihrer Wasserrettungsstation, die man ansonsten nur schwimmend erreichen könnte. Macht schon Spaß, so eine kleine Spritztour! Und auch die drei sind bester Dinge. Zum Glück gab es an diesem Tag noch keinen Einsatz, und so zeigen sie uns voller Begeisterung ihre Station. Alle drei sind anderweitig voll berufstätig, für die DLRG arbeiten sie ehrenamtlich - und verbringen hier an den Sommerwochenenden nicht nur ihre Tage, sondern übernachten auch in dreistöckigen Etagenbetten. Denn auch nachts können sie per Funk jederzeit alarmiert werden. Man muss sich schon sehr gut verstehen, um es auf diesem engen Raum miteinander auszuhalten, aber das tun die drei offenbar. Oft haben sie zudem Verstärkung und das ist auch gut so: 13 Menschen sind in diesem Jahr bereits in Berliner Gewässern ertrunken, zum Glück keiner in ihrem Einsatzgebiet. Aber natürlich kann jederzeit was passieren. Doch während wir ganz aufgeregt auf die Surfer deuten, die bereits minutenlang im Wasser liegen, bleiben die drei völlig cool. Sie haben mittlerweile ein Auge dafür, wann jemand tatsächlich in Not ist oder im Wasser einfach mal eine Pause braucht. Patrick kennen wir ja schon aus unserem Rettungsschwimmerkurs, er hat seit vielen Jahren Erfahrung in der DLRG und ist zudem Ausbildungs-Rettungsschwimmer. Sven ist der Leiter Einsatz und Lene die Jugendvorsitzende der DLRG Friedrichshain-Kreuzberg. Sie hatte gerade erst am letzten Wochenende einen Einsatz, da wurde eine Person am Ufer vermisst, die dann aber glücklicherweise wieder aufgetaucht ist. Das sei schon immer aufregend, aber noch dramatischer findet Lene es, wenn im Wasser Personen vermisst werden, dann zählt wirklich jede Sekunde. Sven ist als Leiter Einsatz dafür verantwortlich, dass die Technik funktioniert, veranlasst entsprechende Reparaturen und sorgt dafür, dass die Wasserrettungsstation immer mit genügend Menschen besetzt ist. Das ist nicht immer einfach, leider zeigt sich auch hier ziemlich deutlich der Nachwuchsmangel. Da ist es schon praktisch, dass alle gut befreundet sind und gern ihre Zeit miteinander verbringen. Außerdem finden hier regelmäßig Jugendeinsatzteam-Tage statt, um Jugendliche für die DLRG zu begeistern - da kommt auch schon mal jede Menge Kunstblut zum Einsatz! Was an so einem Wochenende los sein wird, ist nie wirklich abzusehen. Bei viel Wind gibt es mehr Segelboot-Unfälle, an heißen Tagen eher vermisste Personen, erzählen die drei. Schließlich ist die Crew auf der Wasserrettungsstation Rettungsdienst, Feuerwehr und ADAC zugleich. Von Personensuche, medizinischen Notfällen bis hin zum Motorschaden ist alles möglich. Koordiniert werden die Einsätze von der DLRG-Leitstelle. Die wiederum wird von der Feuerwehr informiert wird, wenn die DLRG mit dem Boot einfach schneller vor Ort sein kann, beispielsweise an der Pfaueninsel, wo kein Auto hinkommt. Um hier im Einsatz zu sein, braucht einen Rettungsschwimmerschein und eine Zusatzausbildung für offene Gewässer. Außerdem muss immer ein ausgebildeter Bootsführer dabei sein, der dann auch den Einsatz vor Ort koordiniert. Und es braucht Leidenschaft: Fürs Schwimmen, für Menschen und vor allem dafür, ehrenamtlich für andere da zu sein! Transparenzhinweis: Auch wir sind (passive) Mitglieder der DLRG. Wir sind eingetreten, als wir den Rettungsschwimmer-Kurs gemacht haben, anders wäre das nicht gegangen. Aber wir sind Mitglieder geblieben - weil wir es ausgesprochen wichtig finden, dass es diese Organisation gibt! | |||
| Bestimmt verpasst: Held der Meere | 21 Oct 2026 | 00:44:52 | |
Der Sommerurlaub ist schon eine Weile vorbei, aber auch in den Herbstferien zieht es viele nochmal ans Meer. Deshalb wiederholen wir hier eine Folge, in der es nicht um Chlor- sondern um Salzwasser geht! Denn das Meer lädt ein zum schwimmen, tauchen oder surfen und es gibt wohl wenige Menschen, die sich der Faszination der Ozeane entziehen können. Wenn da nicht dieses kleine „aber“ wäre … Auch wenn wir es nur zu gern verdrängen: Natürlich ist uns allen klar, dass es den Meeren und somit auch den darin schwimmenden Lebewesen nicht wirklich gut geht. Nicht nur wegen der zunehmenden Erwärmung der Meere, sondern auch wegen des ganzen Unrats, der darin herumschwirrt, allem voran das viele Plastik. Unser Gesprächspartner ist deshalb der Speaker und Podcaster Christian Weigand, der das Konzept „Blue Awareness“ entwickelt hat, was mittlerweile ein gemeinnütziger Verein geworden ist. Er ist professioneller Redner für Unternehmen und Veranstaltungen und spricht über Nachhaltigkeit, Meere und Selbstwirksamkeit. Das Tolle an ihm: Er läuft nicht etwa den ganzen Tag mit erhobenem Zeigefinger herum und fordert dazu auf, ab sofort asketisch zu leben, sein Motto ist vielmehr: „take three for the sea“. Heißt: Wenn wir beispielsweise im Urlaub am Strand entlang gehen und nur drei Plastikteile aufheben, haben wir schon was getan. Denn das sind drei Teile weniger, die von den Meeresbewohnern mit wertvoller Nahrung verwechselt werden können, drei Teile weniger, an denen ein Wesen im Wasser ersticken oder sich damit strangulieren kann. Diese Haltung spürt man auch in seinem erfolgreichen Podcast „Helden der Meere“. Auch hier geht es nicht darum, moralinsauer aufzuzählen, dass vermutlich rund fünf Trillionen Plastikteile in den Ozeanen schwimmen oder um wieviel Grad die Meerestemperatur mal wieder gestiegen ist - stattdessen hat er alle 14 Tage Gäste, die von der Faszination des Meeres erzählen. Wie sie mit Haien schwimmen oder Orcas filmen, abenteuerliche Expeditionen machen, von steilen Klippen springen, als Tankerkapitän arbeiten oder ein mexikanisches Drogenkartell verfolgen, das illegal in einem Naturschutzgebiet fischt. Aufregende und faszinierende Geschichten, die einem auf ihre ganz eigene Art bewusst machen, was sich für eine wunderbare und besondere, mitunter aber auch ganz schön unheimliche Welt da unter Wasser auftut. Auch für Christian selbst ist das ein großer Spaß - selbst wenn es sehr häufig gar nichts mit Meeresschutz zu tun hat. Wir können nicht anders - wir müssen ihn auch danach fragen, wie er die Aktion rund um den Wal in der Ostsee erlebt hat. An dieser Stelle nur so viel: Begeistert hat ihn diese ganze Sache nicht. Christian ist nicht nur Redner und Podcaster - und leidenschaftlicher Surfer - er hat zusammen mit dem Journalisten Florian Sturm auch ein Buch gemacht: „Ein Leben für den Ozean“ heißt es und eine von uns hat es natürlich zuhause im Regal stehen und ist im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig begeistert! Umso größer die Freude, dass im November 2026 die zweite Ausgabe erscheinen wird. Während es im ersten Band um Ostsee, Nordsee und Nordatlantik geht, dreht sich der zweite Band um den Europäischen Atlantik. Und wer nicht nur lesen, sondern auch schauen will, bekommt außerordentlich schöne Bilder zu sehen - aus den Tiefen der Ozeane. Das Weihnachtsgeschenk ist safe! | |||
| Folge 175: Auf Pedalen durchs Wasser | 14 Oct 2026 | 00:20:15 | |
Fahrrad fahren - das machen viele gern. Aber Fahrrad fahren im Wasser? Klingt erstmal komisch. Ist es aber nicht. Aquacycling hält nicht nur fit, sondern ist auch im Reha-Sport eine wirksame Bewegungstherapie. Als wir das erste Mal davon gehört haben, waren wir gleich neugierig. Allerdings - so einfach ist es nicht, einen Aquacycling-Kurs zu finden. In Berlin wird so etwas gar nicht angeboten. Aber immerhin in Falkensee, am westlichen Stadtrand. Normalerweise bucht man hier einen mehrtägigen Kurs - das mussten wir nicht, sondern durften bei einer Stunde aktiv dabei sein. Denn natürlich wollten wir nicht nur zuschauen, sondern selber mitmachen. Die Trainerin Claudia Seischab-Liedtke zeigt uns erstmal, wie man das speziell für den Wassereinsatz gebaute Fahrrad-Ergometer einstellt - dann hieven wir es gemeinsam ins Wasser. Das ist herrliche 30 Grad warm, also nichts wie los! Allerdings - so flott wie an Land geht es im Wasser nicht. Der Widerstand beim Treten ist 12mal höher als in der Luft. Bis zu 800 Kalorien kann man in so einer Stunde verbrauchen - das haben wir aber ganz sicher nicht geschafft. Dafür waren wir zu sehr damit beschäftigt, in den Pedalen zu stehen und gleichzeitig die Balance zu halten. Ohne Bauchspannung geht hier nichts! Denn genauso wie beim Spinning im Fitnessstudio muss man auch beim Aquacycling nicht nur die ganze Zeit in die Pedale treten, sondern auch im Stehen fahren, während die Arme seitlich mit Hanteln durchs Wasser pflügen, man muss Sprints hinlegen oder sich wie ein Rodeo übers Rad schwingen. Und nicht zu vergessen: Intervalltraining! Aber eins ist sicher: Aquacycling ist gesund, bei entsprechender Indikation werden die Kursgebühren sogar zum Teil von der Krankenkasse übernommen. Im Rehasport werden Aquacycling-Kurse gerne für Menschen nach Hüft-OPs oder mit Adipositas angeboten. Der Sport ist ausgesprochen gelenkschonend, der Wasserdruck wirkt wie eine Lymphdrainage, außerdem verliert der Körper 90 Prozent des Gewichts im Wasser (nimmt es an Land aber leider direkt wieder zu). Angeblich bekommt man vom Aquacycling auch noch eine glattere und festere Haut - klingt verlockend. Kurz und krumm: Aquacycling ist für jeden und jede gut. Einziger Nachteil: Fürs Aquacycling braucht man festes Schuhwerk, denn wie beim Spinning werden auch hier die Füße an den Pedalen festgeschnallt. Wir hatten Badeschuhe dabei, die sind aber eigentlich zu dünn und deshalb nicht wirklich gut geeignet. Besser wären feste - und saubere! - Turnschuhe, mit denen man vorher natürlich nicht auf der Straße unterwegs gewesen sein darf. Claudia jedenfalls leitet ihre Kurse mit Begeisterung. Und freut sich, dass die Leute in den Kursen immer besser werden. Normalerweise dirigiert sie die Kurse vom Rand aus. Wenn die Kurse nicht allzu voll sind, setzt sie sich aber auch selber mit aufs Rad. So hat für sie auch alles angefangen: Am Anfang hat sie einfach nur teilgenommen und dann einen Trainerschein gemacht. Wettbewerbe im Aquacycling gibt es übrigens nicht. Was vermutlich auch daran liegt, dass sich die Räder natürlich nicht bewegen, sondern fest auf dem Beckenboden stehen. Der bei diesem Sport übrigens auch gut trainiert wird! | |||
| Folge 174: Bitte nicht auf meiner Bahn! | 07 Oct 2026 | 00:34:06 | |
Beim Bahnen ziehen geht einem so manches durch den Kopf, was man später gar nicht mehr so richtig in Worte fassen kann. Heute gehen wir mal auf die Kurzstrecke - 25 Meter, 25 Fragen, die wir uns gegenseitig zum Schwimmen stellen und natürlich auch beantworten. Da geht es um so Sachen wie „Was fühlst du beim ersten Abstoßen, wenn du los schwimmst?“ oder „Was sind deine größten Ausreden?“ Wir schwelgen in Erinnerungen, gestehen aber auch ein, dass es uns nicht immer so leicht fällt, zum schwimmen zu gehen. Bei der einen schwindet der innere Schweinehund, sobald sie am Beckenrand angekommen ist, bei der anderen schaut er noch eine ganze Weile zu. Und während die eine es furchtbar findet, wenn sie überholt wird, hat die andere gar keine Schwierigkeiten damit. Im Gegenteil - dann schwimmt man halt ein Stückchen weiter nach rechts und schon geht es weiter. Wenn wir selbst überholen, finden wir es allerdings ziemlich schrecklich, wenn der zu Überholende plötzlich richtig Gas gibt. Das ist anstrengend! Vor allem bei sehr viel Gegenverkehr. Wir erlauben uns aber auch, ein bisschen zu träumen. Von Öffnungszeiten von 6 Uhr bis Mitternacht. Oder regelmäßigen Events im Freibad. Oder 72-Stunden-Tagen. Und wir reden darüber, warum wir viele Jahre gar nicht geschwommen sind - was ja vielen Leuten so geht. Weil sie in der Jugend vielleicht zu viel geschwommen sind. Oder später erstmal ganz andere Prioritäten setzen. Wir stellen aber auch fest, dass wir ganz schön widersprüchlich sind in dem, was wir wollen. Einerseits setzen wir uns immer dafür ein, dass alle schwimmen können sollen und gleichzeitig wünschen wir uns klammheimlich: Aber bitte nicht auf meiner Bahn. Weil es so herrlich ist, auf einer (fast) leeren Bahn zu schwimmen. Außer wir beide schwimmen zusammen! Und zum Schluss nehmen wir uns vor, nach dem Sommer wieder eine richtige Hallenbadroutine einziehen zu lassen. Kann ja nicht schaden! | |||
| Folge 173: Der Geschmack der Donau | 30 Sep 2026 | 00:36:20 | |
In 60 Tagen 2.600 Kilometer durch 10 Länder schwimmen - das ist wohl für die meisten von uns völlig unvorstellbar. Der Extremschwimmer Joseph Heß aus Dresden hat das gemacht - (fast) von der Quelle der Donau bis zum Schwarzen Meer. Gestartet ist Joseph am 4. Juli durch den zweitlängsten und zweitgrößten Fluss in Europa. Für den 39jährigen war das aber nicht das erste Mal, dass er sich einer solchen Herausforderung stellt: 2016 hat der promovierte Wirtschaftswissenschaftler bereits die Straße von Gibraltar durchquert, 2017 ist er 620 Kilometer die Elbe entlang geschwommen - also quasi auch an seiner Haustür vorbei - 2022 hat er es dann mit dem Rhein aufgenommen, das waren dann schon 1300 Kilometer. Damit will er längst nicht mehr nur beweisen, was man alles schaffen kann - Joseph geht es auch darum zu zeigen, dass wir mehr Bewusstsein für den Gewässerschutz entwickeln müssen. Das hat er beim Schwimmen durch die Donau auch selbst ganz hautnah erfahren: Unfassbar viel Schrott liegt in dem Fluss, sodass er vor allem dort, wo der Wasserstand niedrig war, sehr aufpassen musste, nicht daran hängen zu bleiben. In Belgrad, wo das Abwasser ungefiltert in die Donau geleitet wird, schwamm er durch Fäkalien und anderen Dreck. Bloß nicht aus Versehen einen Schluck Wasser nehmen! Diesen Teil der Strecke hat er zum Glück ziemlich unbeschadet überstanden - bis auf eine Infektion des Ohres, die ihm dann am Ende doch ziemlich zu schaffen gemacht hat. Und der Fußpilz, der erst danach richtig abheilen konnte. Wundgeriebene Stellen durch den Neopren-Anzug sind dagegen für ihn nicht weiter wild - „Ich hab jetzt drei Narben mehr, was soll´s“, für ihn letztendlich eine Lapalie. Viel wichtiger war ihm, dass er bei seiner Tour durch die Donau auch wissenschaftlich begleitet wurde, untersucht wurde die Belastung mit Mikroplastik entlang der Strecke, die Ergebnisse stehen bislang noch aus. Rund 50 Kilometer ist Joseph jeden Tag geschwommen - ohne sein Team wäre das nicht möglich gewesen. Begleitet wurde er unter anderem von dem Wildwasserexperten Thorsten, der auch schon beim Schwimmen durch den Rhein dabei war, von Dani, die sich um das Essen gekümmert hat und Monica, die den Begleit-Caravan an Land gesteuert und für die Sicherheit gesorgt hat. Gefilmt wurde Joseph zudem auf der ganzen Strecke von dem Filmemacher Markus Weinberg. Und Joseph hat jeden Tag auf seinem Instagram-Account von der aktuellen Strecke berichtet. Jeden Tag rund 35.000 Armzüge, jeden Tag ein Verbrauch von 8.000 bis 10.000 Kalorien - das muss man erstmal durchhalten. 15 Kilogramm hatte Joseph vorher zugelegt, um diese Strapazen zu überstehen. Richtig Angst hatte er, als an der ukrainischen Grenze plötzlich Drohnenalarm zu hören war. Passiert ist ihm zum Glück nichts, es hätte aber auch anders kommen können. Schon sehr schade fand er, dass er zu wenig Zeit hatte, auch mal mit den Menschen am Rande des Flusses zu sprechen. Aber nach 10 Stunden im Wasser fehlte am Ende dann doch die Energie. Trotzdem ist er froh, dass er es geschafft hat und am 01. September ins Schwarze Meer springen konnte. Dass ihn seine Partnerin Stefanie rückhaltlos unterstützt, hilft ihm bei seinen Unternehmungen sehr. Das nächste Projekt hat er auch schon im Auge: Einmal durch den Ärmelkanal schwimmen. Dann aber ohne Neopren, nur mit Kappe, Badehose, Schwimmbrille - und Vaseline. | |||
| Folge 172: Kampfschwimmer frieren immer | 23 Sep 2026 | 00:41:03 | |
Sie sind in geheimer Mission unterwegs – die Kampfschwimmer der Bundeswehr. Über ihre Einsätze dürfen sie nicht reden. 70 Prozent schaffen schon allein die Ausbildung nicht. Ihr Motto: „Lerne leiden ohne zu klagen“. Umso mehr freuen wir uns, dass Torsten Schreiber bereit ist mit uns zu sprechen - langjähriger Kampfschwimmer und Ausbilder beim Kommando Spezialkräfte der Marine, mittlerweile vor allem für die Nachwuchsgewinnung zuständig. Völlig fit und gut gelaunt sitzt er morgens um 7 Uhr an seinem Arbeitsplatz in Eckernförde. Todde wird er genannt, freundlich und zugewandt ist er, gar nicht so militärisch streng, wie man es von einem Kampfschwimmer vielleicht erwarten würde. Denn sein Job ist einer der härtesten, die man sich vorstellen kann - und hat null mit dem zu tun, was wir im Schwimmbad manchmal spöttisch als Kampfschwimmen bezeichnen. Als Kind war Todde Wettkampfschwimmer und ist dann irgendwann zum Triathlon gewechselt. Mit 18 hat er dann ein Video über Kampfschwimmer gesehen und war sofort angefixt. Erstmal hat er seine Ausbildung zuende gemacht. Aber dann gab es kein Halten mehr. Auch wenn ihm am Anfang gar nicht klar war, was das bedeuten würde. Denn wer zum Kommando Spezialkräfte der Marine gehören will, muss erstmal eine sehr harte dreijährige Ausbildung absolvieren. Und diese Ausbildung ist neben der zum Piloten eine der längsten, teuersten und körperlich forderndsten Ausbildungen der Bundeswehr. Das muss aber auch so sein, denn als Kampfschwimmer kommt man immer wieder in sehr gefährliche Situationen, sagt Todde. Und dann muss man seine Grenzen kennen. Bilder oder gar Filme von dieser Ausbildung gibt es nicht. Eine Reportage des NDR über Minentaucher gibt aber einen guten Eindruck, was die Anwärter dort erwartet. Schon allein das Beckentraining ist eine Herausforderung: Marschieren unter Wasser mit schwerem Gerät - und das minutenlang. Entsprechend kompromisslos sind auch die Ausbilder: „Wir können die Anforderungen nicht heruntersetzen“, sagt Todde. Wer diesen Beruf ausüben wolle, müsse hier bestehen. Ein Gefühl für seinen eigenen Körper entwickeln. Und vor allem lernen, wie man sich taktisch und lautlos unter Wasser bewegt, ohne von außen wahrgenommen zu werden. Immerhin: Seitdem es das Kommando Spezialkräfte der Marine gibt, ist noch keiner der Soldaten im Einsatz gestorben. Zur Wahrheit gehört aber auch: 70 - 80 Prozent fallen in der Ausbildung durch. Eine Frau hat es noch nie geschafft - zu hart schon allein der erforderliche körperliche Einsatz. Dabei sind die Voraussetzungen angenommen zu werden, gar nicht mal so hoch: 1000 Meter schwimmen unter 24 Minuten, 5000 Meter laufen unter 22 Minuten - das scheint machbar. Ja, sagt Todde - aber wer gerade so besteht, wird es schwer haben. Wer wirklich eine Chance haben will, müsse diese Anforderungen schon deutlich unterbieten. Wettkampferfahrung sei nicht schlecht. Außerdem müsse man geistig sehr flexibel und ausgesprochen teamfähig sein. Ein Jahr werden die Rekruten in der Halle ausgebildet - schon hier scheiden die meisten aus. Die Hälfte packt es mental einfach nicht, die andere Hälfte hält körperlich nicht durch, erzählt Todde. Wer es am Ende trotzdem schafft, auf den wartet die Ausbildung im Freiwassertauchen. Und ganz zum Schluss dann: 30 Kilometer schwimmen durch die Ostsee. Und die ganze Zeit immer an der Leistungsgrenze. Über die Einsätze der fertigen Kampfschwimmer kann und will Todde nichts sagen, hier bekommt man aber einen kleinen Eindruck. Und er hat ein Buch darüber geschrieben, das erklärt, wie man sich militärisch topfit hält. „Lerne leiden und auch noch Spaß daran zu haben“ scheint ein Motto zu sein, was Todde auf jeden Fall für sich entdeckt hat. Und wer jetzt ebenfalls angefixt ist und sich für die Ausbildung zum Kampfschwimmer interessiert, kann ihm gern schreiben. Einmal im Monat bietet er für Interessierte in Eckernförde einen Truppenbesuch an. Eins sollte man allerdings wissen: Kampfschwimmer frieren immer! | |||
| Folge 171: Nur Luftanhalten ist langweilig | 16 Sep 2026 | 00:48:57 | |
Sie wird dafür gefeiert, dass sie über 6 Minuten die Luft anhalten kann - das allein findet Anna von Boetticher allerdings ziemlich öde. Dass ihr diese Fähigkeit allerdings den Zugang zu spannenden neuen Welten verschafft, ist für sie sie immer wieder Herausforderung und Faszination zugleich. Wir treffen Anna von Boetticher in einem Café in Kreuzberg und spüren von Anfang an die Energie, die sie ausstrahlt. Bereits im Alter von 17 machte sie ihren ersten Tauchschein. Zum Freitauchen - also ohne Gasflaschen - kam sie allerdings erst 20 Jahre später. Innerhalb weniger Monate entwickelte sie sich seit 2007 zur Spitzenathletin und stellte im so genannten Apnoetauchen bereits im ersten Jahr mehrere Rekorde auf. Mittlerweile ist sie Deutschlands erfolgreichste Apnoetaucherin und taucht mit nur einem Atemzug weit über 100 Meter tief. Und das, obwohl die auch als Waterwoman bekannte gebürtige Münchnerin dafür körperlich keineswegs ideale Voraussetzung mitbringt. Ihre Lunge ist rund 25 Prozent kleiner als bei den meisten anderen Menschen, zudem lebt sie mit einer Autoimmunerkrankung. Aber auch im Gespräch ist immer wieder spürbar - Anna hat nicht nur jede Menge Energie, sondern auch einen sehr starken Willen. Sie ist so fasziniert von der Welt unter Wasser, vom Tauchen, von den Begegnungen mit den Lebewesen im Meer, dass sie einfach immer wieder hin muss. Für sie ist klar: Erfolg ist weniger eine Frage außergewöhnlicher Talente. Vielmehr brauche es Neugierde, Training, Konzentration - und den bewussten Umgang mit Angst. Den braucht sie auch, denn was Anna wagt, ist außergewöhnlich. Wenn sie beispielsweise durch Schiffwracks taucht und sehr genau aufpassen muss, dass sie auch den Ausgang wieder findet. Beim Eistauchen hat sie tatsächlich mal kurz die Orientierung verloren, fand unter der geschlossenen Eisdecke nicht auf Anhieb den Ausstieg. Solche Momente sind es, die wohl definieren, was Anna ausmacht: „Nicht die Angst bestimmt, was ich dann tue“, sagt sie. „Sondern ich bestimme!“. Nicht, dass ihr in solchen Momenten nicht auch das Adrenalin durch die Adern schießt. Aber selbst dann behält sie die Übersicht. Und hat auch keine Angst vor Krokodilen, Blauhaien, Schwefelwolken oder verlassenen Bergwerken. Neben ihrer Karriere als Leistungssportlerin hält Anna Vorträge über Stressbewältigung, Konzentration und mentale Stärke. Sie hat Kampfschwimmer, Minentaucher und Polizeitaucher trainiert. Und bereits 2019 ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben: „In die Tiefe“ ist eine Mischung aus Autobiografie, Extremsport-Erzählung und Motivation. Sie beschreibt darin aber auch ihre Rückschläge, Ängste und die Bedeutung mentaler Stärke. Wer sie in Aktion erleben will, sollte sich unbedingt Waterwoman anschauen - in zwei Staffeln hat die ARD Anna von Boetticher bei ihren Aktionen begleitet. Am 16. September 2026 erscheint ihr zweites Buch: „Es ist nie nichts“ - Gedanken aus der Tiefe über Resilienz und Entdeckerfreude. Man kann es kaum glauben - aber eine Sache hat Waterwoman bislang noch nicht gelernt: Kraulschwimmen. Aber wir sind sicher - das wird noch! | |||
| Folge 170: Ein Euro pro Bein | 09 Sep 2026 | 00:31:01 | |
In der Schwimmgemeinde geht die Trauer um: Nach und nach schließt ein Freibad nach dem anderen, die Sommersaison neigt sich dem Ende zu. Ausgerechnet jetzt bieten Bäder in Deutschland Hundeschwimmen an. Doch worauf sich die einen schon das ganze Jahr freuen, sorgt bei anderen für großen Missmut: Hunde? Euer Ernst? Lasst doch lieber die Menschen länger schwimmen! Wir sind für diese Folge ins Sommerbad Staaken-West gefahren, denn zum zweiten Mal überhaupt bieten auch die Berliner Bäderbetriebe Hundeschwimmen an. Doch während eine von uns sich bereits am Eingang vor Begeisterung kaum einkriegt, bleibt die andere erstmal skeptisch. Was nicht nur, aber auch mit ihrer latenten Angst vor Hunden zu tun hat. Zurück zum Eingang - hier wird erstmal kontrolliert, ob für den mitgebrachten Hund ein aktueller Impfausweis und eine gültige Haftpflichtversicherung vorliegt, sonst kommt der Vierbeiner gar nicht erst rein. Der Eintritt wird nach der Anzahl der Beine berechnet: Hunde kosten vier, Menschen zwei Euro. Auf der großen Liegewiese dann ein einziges Gerenne und Gejage - aber alles total spielerisch, kein Hund bellt, alle tollen munter umeinander herum. Was sicher auch daran liegt, dass hier kein Hund an die Leine muss. Freie Bahn! Die beiden Schwimmbecken dahinter sind ebenfalls ungeleint, hier passt kein Rettungsschwimmer drauf auf, dass niemand untergeht. Dafür müssen Frauchen und Herrchen schon selber sorgen. Die Hunde reagieren sehr unterschiedlich auf dieses ungewohnte Event: Während sich die eine mit gewagtem Sprung direkt ins Wasser stürzen, umrunden andere erstmal skeptisch mehrfach das Becken und halten allenfalls eine Pfote ins Wasser. Vizsla-Besitzerin Moni hat sich schon lange auf das Hundeschwimmen gefreut. Sie geht mit ihrem Hund Kalle zwar auch sonst regelmäßg in den See, aber hier habe er einfach noch sehr viel mehr Spaß, vor allem wegen der vielen anderen Hunde. Und in der Tat: Während sie erzählt, stürzt sich Kalle zusammen mit seinem Hundefreund Balou ein ums andere Mal ins Wasser, apportiert Spielzeug oder Bälle und man hat fast den Eindruck, er würde vor Freude strahlen. Hundeschwimmen-Organisatorin und Meisterin für Bäderbetriebe Jennifer Heide freut sich darüber, dass das Event so großen Anklang findet. Sie versteht aber auch die Skeptiker. Umso wichtiger ist es ihr, klarzustellen, dass niemand wegen des Hundeschwimmens auf einen Freibadbesuch verzichten muss. Das Badpersonal sei schon längst mit der so genannten Auswinterung beschäftigt und stünde als Aufsicht gar nicht mehr zur Verfügung. Das Wasser ist zudem nicht mehr gechlort, sonst wäre es auch für die Hunde gar nicht verträglich. Auch sei es überhaupt nicht eklig, wenn Hunde ins Beckenwasser gehen: Das wird nämlich nach dem Hundeschwimmen komplett abgelassen und die Fliesen gründlich gereinigt - ein Vorgang, der am Ende der Saison ohnehin fällig wird. Außerdem: „Auch Hundebesitzer:innen sind unsere Kunden. Und wir freuen uns, dass wir ihnen einmal im Jahr ein ganz spezielles Angebot machen können.“ In Berlin dieses Jahr übrigens noch dreimal: am 12., 13. und 19. September. In deutschlandweit über 70 Orten wird mittlerweile Hundeschwimmen am Ende des Sommers angeboten, Berlin ist da absolut kein Vorreiter. Oft wird in den Bädern dann die Gelegenheit genutzt, Spenden für das regionale Tierheim zu sammeln. Auch in Ländern wie der Schweiz oder in Großbritannien findet am Ende der Sommersaison Hundeschwimmen in öffentlichen Bädern statt. Spanien, Italien oder Belgien gehen noch ein Stück weiter: Hier gibt es sogar spezialisierte Hunde-Wasserparks oder ganzjährige Doggy-Pools. Die Skeptikerin von uns beiden findet das Hundeschwimmen im Sommerbad Staaken-West am Ende auch ganz amüsant. Ja, sicher - den Geruch von nassem Hund muss man mögen. Aber die Toiletten sind beim Hundeschwimmen deutlich sauberer, als wenn Menschen im Bad ihre Bahnen ziehen! | |||
| Folge 169: Zu tun gibts immer was! | 02 Sep 2026 | 00:33:31 | |
Liebesbriefe hat er in diesem Sommer jetzt nicht bekommen, der Betriebsleiter der Berliner Bäderbetriebe, Ricardo Haas. Aber nichts gesagt ist bekanntlich genug gelobt und so kann man davon ausgehen, dass die Mindesttemperaturen von 22 Grad in den Berliner Freibädern überall Anklang gefunden haben. Mit Schaudern erinnern wir uns noch an letztes Jahr: Damals lag die Wassertemperatur im Olympiabad um diese Zeit bei 17 (!) Grad. Dieses Jahr waren es auch zum Schluss noch wohlige 24 Grad. Wir haben die angenehmen Temperaturen genossen und tun das immer noch - denn sieben Freibäder sind mindestens bis Mitte September geöffnet. Mehr war nicht drin, sagt Ricardo Haas: Die Hallen müssen wieder in Betrieb genommen werden, das Schulschwimmen startet und die Vereine legen auch wieder richtig los. Dafür brauche es Personal, was bis jetzt in den Freibädern eingesetzt war. Insgesamt war die Sommersaison aber auch für die Bäderbetriebe zufriedenstellend, rund 1, 6 Millionen Menschen sind gekommen. Allein am letzten Juni-Wochenende tummelten sich bei rund 40 Grad Außentemperatur über 120.000 Menschen in den Berliner Freibädern. Und vor allem: Es gab den ganzen Sommer keine besonderen Vorkommnisse, keine Schlägereien, keine Übergriffe - allen anderslautenden Gerüchten zum Trotz. Ein bisschen enttäuscht sind wir allerdings davon, wie wenig die Berliner Bäderbetriebe aus ihrem 30jährigem Jubiläum dieses Jahr gemacht haben. Es gab ein paar Kinder- und Familienparties, eine Ticket-Verlosung - aber das war´s dann auch schon. Das eigentlich geplante 24-Stunden-Schwimmen Ende Oktober in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) muss auf nächstes Jahr verschoben werden, die electronic pool session im Neuköllner Columbiabad fand gar nicht erst statt. Die Gründe dafür sind vielfältig, wir hoffen aber, dass es nächstes Jahr dann umso schöner wird! Aber ein Ereignis in diesem Sommer wollen wir nicht unerwähnt lassen: Das Mittsommerschwimmen im Insulaner am 21. Juni. Bereits zum Start um 4:30 Uhr waren viele begeisterte Menschen da, bis 21:30 war das Bad geöffnet. Mehr davon! Ein paar gute Nachrichten hat Ricardo Haas auch noch im Gepäck: Das Paracelsusbad in Reinickendorf soll nun endlich im April 2027 wieder eröffnet werden! Und das Stadtbad Schöneberg macht hoffentlich auch in diesen Tagen wieder auf. Hier erwartet die Besucher:innen dann auch in absehbarer Zeit etwas berlinweit Einzigartiges: Der Einsatz von KI, zur Unterstützung des Bäderpersonals bei der Überwachung der Wasserflächen - im fachdeutsch: Anti-Ertrinkungssysteme. Allerdings noch nicht gleich, die Kameras hängen zwar schon, aber erst muss noch der Personalrat zustimmen. Die Sanierung der Neuen Halle in Charlottenburg nimmt ebenfalls Formen an, die Fertigstellung ist für 2031 geplant. Weniger gute Nachrichten leider aus Spandau Süd: Es gibt Komplikationen, mit der Sanierung des Freibads konnte noch gar nicht begonnen werden, das passiert erst 2027. Und dann muss dort auch noch eine zusätzliche Halle gebaut werden. Ist die fertig, können die Wassersport-Vereine vom Sachsendamm dahin umziehen - denn auch dort muss dringend saniert werden. Zu Mariendorf wagt Ricardo Haas heute noch gar keine Prognose, aber das Kreuzberger Spreewaldbad wird hoffentlich Anfang 2028 fertig sein. Und an der Holzmarktstraße hat gerade der Spatenstich stattgefunden. Haas ist froh, dass die Berliner Bäderbetriebe im Rahmen des Klima-Pakts bis 2023 rund 204 Millionen Euro zusätzlich bekommen: 170 Millionen sollen in die (energetische) Grund- und Teilsanierung von Hallenbädern gehen, 34 Millionen sind für spezifische Einzelmaßnahmen geplant. Solarbetriebene Heizsysteme beispielsweise oder der Austausch alter Pumpensysteme. Insgesamt wollen die Bäderbetriebe bis 2030 Bauvorhaben im Wert von mehr als 600 Millionen Euro umsetzen. Eins ist Ricardo Haas aber trotzdem klar: „Fertig werden wir nie werden. Bei über 60 Bädern gibt es auch danach noch viel zu tun!“ Und man sieht ihm an, dass er Spaß daran hat. | |||
| Folge 168: Gerettet! | 26 Aug 2026 | 00:37:34 | |
Wenn wir in Not geraten, hoffen wir, dass wir gerettet werden. Auf der Unteren Havel in Berlin, direkt am Wannsee, sorgen Ehrenamtliche der Berliner DLRG im Sommer jedes Wochenende dafür, dass kein Unglück unbeobachtet bleibt. Deswegen beginnt unsere heutige Folge auch mit einer Fahrt im Rettungsboot: Lene, Sven und Patrick bringen uns damit zu ihrer Wasserrettungsstation, die man ansonsten nur schwimmend erreichen könnte. Macht schon Spaß, so eine kleine Spritztour! Und auch die drei sind bester Dinge. Zum Glück gab es heute noch keinen Einsatz, und so zeigen sie uns voller Begeisterung ihre Station. Alle drei sind anderweitig voll berufstätig, für die DLRG arbeiten sie ehrenamtlich - und verbringen hier an den Sommerwochenenden nicht nur ihre Tage, sondern übernachten auch in dreistöckigen Etagenbetten. Denn auch nachts können sie per Funk jederzeit alarmiert werden. Man muss sich schon sehr gut verstehen, um es auf diesem engen Raum miteinander auszuhalten, aber das tun die drei offenbar. Oft haben sie zudem Verstärkung und das ist auch gut so: 13 Menschen sind in diesem Jahr bereits in Berliner Gewässern ertrunken, zum Glück keiner in ihrem Einsatzgebiet. Aber natürlich kann jederzeit was passieren. Doch während wir ganz aufgeregt auf die Surfer deuten, die bereits minutenlang im Wasser liegen, bleiben die drei völlig cool. Sie haben mittlerweile ein Auge dafür, wann jemand tatsächlich in Not ist oder im Wasser einfach mal eine Pause braucht. Patrick kennen wir ja schon aus unserem Rettungsschwimmerkurs, er hat seit vielen Jahren Erfahrung in der DLRG und ist zudem Ausbildungs-Rettungsschwimmer. Sven ist der Leiter Einsatz und Lene die Jugendvorsitzende der DLRG Friedrichshain-Kreuzberg. Sie hatte gerade erst am letzten Wochenende einen Einsatz, da wurde eine Person am Ufer vermisst, die dann aber glücklicherweise wieder aufgetaucht ist. Das sei schon immer aufregend, aber noch dramatischer findet Lene es, wenn im Wasser Personen vermisst werden, dann zählt wirklich jede Sekunde. Sven ist als Leiter Einsatz dafür verantwortlich, dass die Technik funktioniert, veranlasst entsprechende Reparaturen und sorgt dafür, dass die Wasserrettungsstation immer mit genügend Menschen besetzt ist. Das ist nicht immer einfach, leider zeigt sich auch hier ziemlich deutlich der Nachwuchsmangel. Da ist es schon praktisch, dass alle gut befreundet sind und gern ihre Zeit miteinander verbringen. Außerdem finden hier regelmäßig Jugendeinsatzteam-Tage statt, um Jugendliche für die DLRG zu begeistern - da kommt auch schon mal jede Menge Kunstblut zum Einsatz! Was an so einem Wochenende los sein wird, ist nie wirklich abzusehen. Bei viel Wind gibt es mehr Segelboot-Unfälle, an heißen Tagen eher vermisste Personen, erzählen die drei. Schließlich ist die Crew auf der Wasserrettungsstation Rettungsdienst, Feuerwehr und ADAC zugleich. Von Personensuche, medizinischen Notfällen bis hin zum Motorschaden ist alles möglich. Koordiniert werden die Einsätze von der DLRG-Leitstelle. Die wiederum wird von der Feuerwehr informiert wird, wenn die DLRG mit dem Boot einfach schneller vor Ort sein kann, beispielsweise an der Pfaueninsel, wo kein Auto hinkommt. Um hier im Einsatz zu sein, braucht einen Rettungsschwimmerschein und eine Zusatzausbildung für offene Gewässer. Außerdem muss immer ein ausgebildeter Bootsführer dabei sein, der dann auch den Einsatz vor Ort koordiniert. Und es braucht Leidenschaft: Fürs Schwimmen, für Menschen und vor allem dafür, ehrenamtlich für andere da zu sein! Transparenzhinweis: Auch wir sind (passive) Mitglieder der DLRG. Wir sind eingetreten, als wir den Rettungsschwimmer-Kurs gemacht haben, anders wäre das nicht gegangen. Aber wir sind Mitglieder geblieben - weil wir es ausgesprochen wichtig finden, dass es diese Organisation gibt! | |||
| Bestimmt verpasst: Schwimmen in Israel | 19 Aug 2026 | 00:40:26 | |
Der Sommer ist schon deutlich fortgeschritten, wir machen gerade Urlaub - aber während wir dort so unsere Bahnen ziehen, wollen wir gern mal daran erinnern, wie es eigentlich andere Länder mit dem Schwimmen so handhaben. Deshalb wiederholen wir unsere Folge über Israel. Wir reden hier mit Jörg Poppendieck, der seit 2024 als Korrespondent der ARD immer wieder über das Land im Nahen Osten berichtet und dort regelmäßig schwimmen geht. Für ihn ist es ein Ausgleich zu der doch sehr anstrengenden Arbeit dort. Oft geht er schon früh am Morgen schwimmen, am liebsten in den Gordon Pool in Tel Aviv, ein 50-Meter-Schwimmbecken mit Aussicht aufs Mittelmeer. Aber warum braucht es einen Pool, wenn man doch auch im Meer schwimmen könnte? Das hat sich Jörg auch gefragt und herausgefunden, dass beim Bau des Gordon Pools in den 1950er Jahren das Wasser im Meer längst nicht die Qualität hatte wie heute. Damals flossen die Abwässer noch ungeklärt ins Mittelmeer, was heute nur noch bei sehr starken Regenfällen vorkommt, wenn die Kanalisation überlastet ist. Der Gordon Pool hat das ganze Jahr über geöffnet, bei einer Wassertemperatur von stabilen 24 Grad, leicht salziges Wasser, das jeden Tag frisch aus 150 Meter Tiefe gepumpt wird. Ein öffentliches Bad, von denen es in Israel allerdings nur sehr wenige gibt. Und wenn, dann sind sie sehr teuer, umgerechnet 20 Euro kann man für den Eintritt dort locker loswerden. Viele gehen deshalb auch lieber ins Mittelmeer - wenn sie denn dort leben. Hier herrscht ein reges Treiben, es gibt Strandspielzeug, das allen zur Verfügung steht, Rettungsschwimmer haben das Geschehen im Auge und Wellenbrecher parallel zur Küste sorgen dafür, dass die Strömung auch für unsichere Schwimmer:innen beherrschbar ist. Quallen und Haie soll es dort zwar auch geben, aber zumindest Jörg hat noch keine gesehen. Für orthodoxe Israelis gibt es getrennte Bereiche für Frauen und Männer am Strand. Der Talmud sagt übrigens, das Erlernen des Schwimmens sei eine lebenswichtige Fertigkeit und elterliche Pflicht, diese ihren Kindern beizubringen - womit allerdings nur die Söhne gemeint sind. Verpflichtenden Schwimmunterricht an Schulen gibt es nur in Orten, die in der Nähe der Küste liegen. Während in Westjerusalem seit 1967 immerhin 18 kommunale Schwimmbäder gebaut wurden, gibt es in Ostjerusalem kein einziges. 2022 sollte hier endlich ein modernes Sportzentrum mit drei Schwimmbecken entstehen, doch dieses Vorhaben wurde durch die Ereignisse am und seit dem 7. Oktober 2023 erstmal auf Eis gelegt. Jörg war auch schon mal im Toten Meer, mit 30 Prozent Salzgehalt allerdings weniger zum Schwimmen als zum Schweben geeignet. Außerdem gibt es in der Negev-Wüste kleine Oasen, in denen man schwimmen kann - allerdings eher was für Hartgesottene. Im Spitzensport hat Israel durchaus Erfolge - Anastasia Gorbenko gewann 2024 als erste israelische Schwimmerin überhaupt eine Medaille bei Weltmeisterschaften, Silber über 400 Meter Lagen. Seit einiger Zeit gibt es zudem einen großen Olympiastützpunkt nördlich von Tel Aviv. Jörg erzählt auch, wie es ist, wenn in Israel plötzlich der Alarm ertönt, weil es zu Luftangriffen kommt. Beim Schwimmen ist ihm das noch nicht passiert, allerdings gibt es mittlerweile viele Menschen, die sich so an den Alarm gewöhnt haben, dass sie trotzdem im Meer schwimmen gehen. Wenn Jörg in Israel ist, berichtet er auch über das Westjordanland und den Gaza-Streifen, auch wenn er dort als Journalist zur Zeit nicht reinkommt. Aber er weiß von Kollegen, dass die wenigen Schwimmbäder und Pools im Gaza-Streifen durch den Krieg zerstört wurden und das Mittelmeer nicht ungefährlich ist. Die Kläranlagen sind ebenfalls kaputt, zudem ist dort die israelische Marine häufig mit Schnellbooten unterwegs. Im besetzten Westjordanland gibt es zwar Schwimmbäder, aber aufgrund der vielen Checkpoints ist es schwer, dorthin zu gelangen. Und von Ramallah aus kann man zwar direkt aufs Mittelmeer schauen - aber hin kommt man nicht. | |||
| Bestimmt verpasst: Schwimmen in Mexiko | 12 Aug 2026 | 00:36:03 | |
Wir machen Urlaub - und wiederholen deshalb eine Folge über ein Land, in dem man nicht nur gut Urlaub machen, sondern auch schwimmen kann. Was allerdings nicht immer ganz einfach ist. Gesprochen haben wir mit Jenny Barke, die für die ARD aus Mexiko-Stadt über die Länder der Karibik, Mittelamerika und natürlich Mexiko berichtet. Für ihre Leidenschaft zum Schwimmen ist das Land aber eher suboptimal, obwohl das Land 11.000 Kilometer Küste hat und als große Freischwimmer-Nation gilt. Mexiko-Stadt allerdings liegt in einem Tal mitten im Festland - doch von den vielen Seen, die es hier mal gab, ist praktisch nichts mehr übrig. Auch öffentliche Schwimmbäder sind hier Mangelware, Freibäder gibt es gar nicht. Die Schwimmhalle Alberca Olímpica Francisco Márquez, einst gebaut für die Olympischen Spiele 1968, wurde zwar 2008 saniert und sieht wirklich beeindruckend aus, um hier schwimmen zu können, muss man allerdings Vereinsmitglied sein. Doch die Wartezeiten sind lang und man braucht nicht nur eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Arzt - das ist auch in Deutschland durchaus üblich - sondern muss auch seine Geburtsurkunde vorlegen. Und dann ist man an feste Slots gebunden. Für Jenny keine Option, weiß sie doch als Korrespondentin nie, wann sie worüber gerade berichten muss. Bleibt ihr nur einer der recht teuren privaten Fitnessstudios, die sich die meisten Mexikaner allerdings nicht leisten können. Aber auch hier sind die Bedingungen ganz anders, als Jenny es von Berlin her kennt, wo sie im Verein Seitenwechsel regelmäßig trainiert hat (Folge 31). Das Wasser ist um die 30 Grad warm, unter Wasser läuft laute Musik, das Becken ist in der Regel nicht tiefer als 1,20 Meter und eine Bahn meist abgesperrt für Menschen, die gehend ihre Bahnen ziehen, um auf diese Art ihre Muskeln zu trainieren. Bikini ist hier nicht erlaubt und nackt unter der Dusche stehen geht gar nicht. Jenny macht das Beste draus - und wenn sich die Gelegenheit ergibt, fährt sie an natürliche Gewässer, wie die zahlreichen Cenoten - diese Kalksteinhöhlen sind regelrechte Naturpools, die von Wasserfällen mit Süßwasser gespeist werden, zu finden insbesondere auf der Halbinsel Yucatán. Allerdings: Schwimmwesten sind hier Pflicht, das Wasser ist tief und die Gefahr groß, dass sich die Schwimmer:innen überschätzen. In den weit verzweigten Höhlen ist es schwierig, Menschen zu retten, deshalb baut man vor. Rettungsschwimmer, die das Treiben beobachten und im Zweifel eingreifen, sieht man allerdings selten, hat Jenny beobachtet, auch nicht am Meer. So etwas wie die DLRG gibt es in Mexiko nicht, aber auch keinen verpflichtenden Schwimmunterricht an den Schulen. Wer es sich leisten kann, zahlt seinen Kindern teuren privaten Schwimmunterricht, alle anderen müssen sich das Schwimmen selber beibringen, wenn sie nicht das Glück haben, zufällig von einem sozialen Projekt gefördert zu werden. Und das in einem Land, das zwischen zwei Meeren, dem Atlantik und dem Pazifik liegt. Und dort ist das Wasser zwar in der Regel für Schwimmer:innen angenehm warm, dafür lauern andere Gefahren: Die Wellen sind mitunter meterhoch, jährlich ertrinken hunderte Menschen, die die Gefahr unterschätzen. Hinzu kommen an der mexikanischen Karibikküste riesige Sargassum-Algenteppiche, in diesem Jahr ist der Befall besonders groß. Als Hauptursachen gelten Düngemittel aus der Landwirtschaft sowie steigende Wassertemperaturen. Und noch was anderes hat Jenny beim Schwimmen und Tauchen beobachtet: Vor der Küste Mexikos, insbesondere im Karibischen Meer und dem Pazifik, findet eine massive Korallenbleiche statt. Anhaltend extreme Wassertemperaturen von bis zu 33 Grad Celsius infolge des Klimawandels führen dazu, dass ganze Riffe absterben. Trotzdem: Mexiko hat für Schwimmer:innen viel zu bieten. Wenn man entsprechend vorsichtig ist. Und Rücksicht auf die Umwelt nimmt. | |||
| Folge 167: Urlaubszeit - schönste Zeit! | 05 Aug 2026 | 00:24:32 | |
Wir machen Urlaub - allerdings: Während für die eine die Ferien schon vorbei sind, gehen sie für die andere erst los. Aber zwischendurch haben wir uns nochmal gesehen - schließlich gibt es einiges zu besprechen! Und das haben wir getan, während wir im Freibad in aller Ruhe nebeneinander her geschwommen sind (Aufgezeichnet haben wir diese Folge dann allerdings doch erst danach)! Am Strand von Kreta war jedenfalls genug Zeit, mal ein bisschen zu recherchieren, was in diesem Sommer alles so los ist. Schwer beeindruckt hat uns eine Geschichte aus Anröchte, einer Gemeinde in Soest (NRW). Dort hat eine anonyme Bürgerin nämlich während der gesamten Sommerferien im Waldfreibad die Eintrittsgelder für alle Kinder und Jugendlichen übernommen. Ebenfalls eine herrliche Geschichte ist die von Erpel Emil: Er ist seit Mitte Juli Stammgast im Karlsruher Freibad Rüppurr und angeblich auch ein ständiger Begleiter beim Bahnen ziehen. Aber Karlsruhe ist ja auch für Tiere im Freibad bekannt - da haben sich auch schon mal Wildschweine hin verirrt. Was wir auch entdeckt haben - wussten wir halt noch nicht - in Gladbeck gibt es ein 100-Meter-Becken! Coole Sache, müssen wir auch mal ausprobieren! Habt ihr hier vielleicht schon Erfahrung? Außerdem freuen wir uns schon jetzt auf das Volksbad vor der Berliner Volksbühne. Zur Zeit wird es noch aufgebaut, aber seit dem 4. August kann man sich bereits online zweistündige Zeitslots sichern. Der Eintritt ist kostenfrei, los geht´s am 7. August und dann immer Dienstags, Mittwochs, Freitags und Samstags von 12-20 Uhr, Donnerstags von 13-21 Uhr. Aber Achtung, auch wenn Rettungsschwimmer:innen am Rand stehen: Der Pool ist 1,30 m tief, man sollte also schon gut schwimmen können. Es gibt Umkleiden, Duschen und Toiletten, Schließfächer, einen Trinkwasserbrunnen - und natürlich Pommes! Wir sind echt gespannt, wie das Ganze ankommt und werden auf jeden Fall hingehen! Über unseren Urlaub haben wir natürlich auch geredet. Darüber, dass es einem auch im Meer ein wirklich gutes Gefühl gibt, wenn man mit Boje oder dem Restube-Gürtel unterwegs ist. Vor allem frühmorgens, wenn keiner am Strand ist, der einen womöglich untergehen sieht. Aber auch hierzulande kann man Abenteuer erleben, zum Beispiel wenn man morgens am Strandbad Wannsee vorbei schwimmt. Oder in der Uckermark Wasserwandern macht. Wie auch immer es passieren konnte - das klang so begeisternd, dass wir jetzt zu einer gemeinsamen Tour verabredet sind … Am Ende reden wir dann noch ein bisschen über den Sinn und Unsinn von Hydrohex-Kursen, worüber wir aber noch ein bisschen nachdenken müssen - bis dahin machen wir erstmal eine kleine Sommerpause. Die nächste aktuelle Folge kommt am 26. August! | |||
| Folge 166: Zusammen sind wir stärker | 29 Jul 2026 | 00:29:05 | |
Man kann es nicht anders sagen - es ist einfach ein Elend: Rund 60 Prozent der Grundschulkinder in Deutschland können nicht sicher schwimmen, 20 Prozent können es gar nicht. Wir haben hier im Podcast schon mehrfach darüber berichtet, darüber, dass es zu wenig Schwimmlehrer:innen gibt, zu wenig Kurse und vor allem viel zu wenig Wasserflächen. Zwar ist Schwimmunterricht in Deutschland in der 3. Klasse Pflicht - aber das reicht hinten und vorne nicht, besonders, wenn die Grundschulkinder bis dahin mit Wasser praktisch gar nicht in Berührung gekommen sind (außer zum Waschen natürlich). Hinzu kommt, dass der Unterricht nicht überall verlässlich stattfindet oder stattfinden kann, weil es an Lehrkräften fehlt oder kein Bus zum Schwimmbad fährt - und das, obwohl der Schwimmunterricht in allen Bundesländern fest im Lehrplan verankert ist. Die Stiftung „Deutschland schwimmt“ will das ändern und setzt sich dafür ein, dass Schwimmen lernen ein Grundrecht wird. Mit dem Gründer der Stiftung, Alexander Gallitz haben wir in Folge 90 schon mal gesprochen, er ist zudem der Präsident des Deutschen Schwimmlehrerverbandes, ihm liegt besonders am Herzen, dass auch Kinder mit Beeinträchtigungen sicher und angstfrei schwimmen lernen. Zudem ist für unseren Podcast auch Sabine Kurz zur lieb gewonnenen Gesprächspartnerin geworden, nach 30 Jahren als Managerin bei Siemens steuert sie nun die Geschicke von „Deutschland schwimmt“. Heute haben wir aber einen ganz besonderen Anlass, um zu viert miteinander zu sprechen - „Deutschland schwimmt“ und die Chlorgesänge sind nämlich ab sofort Kooperationspartner! Völlig gemeinnützig und nicht kommerziell, aber gemeinsam wollen wir die Themen Schwimmsicherheit und Schwimmen lernen noch viel stärker an die Öffentlichkeit tragen. Bei der Gelegenheit erzählt Sabine von ihrer aktuellen Aktion „Planschen, lernen, sicher werden, die zur Zeit bundesweit in 500 Kindergärten stattfindet. Mit dabei: Die Schwimmpuppe Lizzie, mit der wir uns auch schon ganz herrlich vergnügt haben! Alex wiederum freut sich darüber, dass die Stiftung immer mehr Inklusions-Schwimmlehrer:innen ausbilden kann, erst kürzlich allein 60 in Hamburg. 400 ausgebildete Schwimmlehrer:innen sind es mittlerweile insgesamt, und das in einem Zeitraum von gut drei Jahren. Da ist die Stiftung zu recht sehr stolz drauf. In Planung ist zudem, eine Plattform zu schaffen, auf der Eltern mit beeinträchtigten Kindern gezielt weitergeholfen wird, wenn sie einen Schwimmkurs für ihr Kind suchen. Auch pädagogisches Fachpersonal wird von der Stiftung in Sachen Wassergewöhnung ausgebildet - und dafür braucht man noch nicht mal ein Schwimmbad! Schwimmen im Freiwasser ist ebenfalls ein Thema für die Stiftung. Und dass der Speaker und Para-Schwimmer Janis McDavid durch die Stiftung überhaupt erst schwimmen gelernt hat und mittlerweile Weltrekorde erzielt, ist für uns alle immer noch der Wahnsinn! Ende Oktober soll zusammen mit Round Table 44 ein Charity-24-Stunden-Schwimmen stattfinden, Schirmherrin wird Britta Steffen sein. Das Ziel: Schwimmsicherheit für Berliner Kinder, mit den Spenden soll Schwimmunterricht finanziert werden. Aber auch so freut sich die Stiftung immer über Spenden - jeder Euro zählt. Denn das Ziel ist am Ende immer, dass ein weiteres Kind schwimmen lernt. | |||
| Folge 165: Schwimmen im Pott | 22 Jul 2026 | 00:32:20 | |
Diesmal sprechen mit einer regelmäßigen Hörerin unseres Podcasts, mit der Dortmunderin Cordula Althaus. Cordula hat uns bei einem Fehler erwischt: In Folge 150 haben wir die Zahl der Bäder in 10 deutschen Städten verglichen und behauptet, in Dortmund gebe es nur zwei Hallenbäder und ein Freibad. Das ist falsch! Cordula hat uns korrigiert: In Dortmund gibt es sogar zwölf Hallenbäder und sechs Freibäder. Allerdings: Nur zwei städtische Hallenbäder und ein städtisches Freibad, was zudem wegen langjähriger kostenintensiver Sanierung noch immer geschlossen ist. Die anderen Bäder werden entweder von der Sportwelt Dortmund betrieben - einer gemeinnützigen Betriebsgesellschaft im Auftrag der Stadt - oder von Vereinen. Und das ist vermutlich der Grund für unseren Fehler, denn wir hatten explizit nach städtischen Bädern gesucht. Umso froher sind wir, dass die Ruhrgebietsstadt doch nicht so dürftig mit Schwimmbädern versorgt ist, wie wir befürchtet haben. Und Cordula ist auch sehr zufrieden mit dem Angebot, erzählt sie uns: Mindestens zweimal die Woche geht sie schwimmen, ihr Partner sogar täglich. Und sie hat sich uns zum Vorbild genommen und war tatsächlich mal in allen Dortmunder Bädern unterwegs. Das einzige, was sie etwas nervt, sind die unterschiedlichen Ticketpreise durch die unterschiedlichen Betreiber. Moderat sind sie aber alle, findet Cordula, von 3,50 bis gut fünf Euro. Was ihr Lieblingsbad ist, wollen wir an dieser Stelle nicht verraten, sonst ist das zu ihren Lieblingszeiten womöglich viel voller als sonst, fürchtet Cordula. Aber was das Schöne ist: Auch Nicht-Vereinsmitglieder können in die Vereinsbäder gehen. Nicht zu allen Zeiten, es wird ja auch trainiert. Aber doch häufig genug, findet Cordula. Allerdings - auch in Dortmund fehlt das Personal. Und so mussten in diesem Sommer zwischenzeitlich alle Hallenbäder schließen, weil die Bademeister:innen in den Freibädern gebraucht wurden. Cordula ist da pragmatisch. Wenn es in Dortmund eng wird, könne man ja auch noch in Witten, Hagen, Bochum, Lünen, Herne oder Hamm schwimmen gehen. Besonders schön findet Cordula das Westfalenbad in Hagen. Wir plaudern noch ein bisschen über besondere Freibäder in der näheren und weiteren Umgebung von Dortmund, zum Beispiel über Hamm, was seit geraumer Zeit auf so genannten Kombibäder setzt, die sowohl Schwimmbecken drinnen wie draußen haben. Auch spannend: Der Aquapark Oberhausen, hier gibt es einen 18-Meter-Turm, der einem Förderturm nachgebaut worden ist. Von dem kann man (anders, als während der Aufnahme gedacht) nicht springen, aber rutschen - für viele ein absolutes Highlight. Und in den Sommerferien hat das Werksschwimmbad in der Essener Kokerei Zollverein geöffnet. Wo früher Kohle zu Koks gebacken wurde, stehen jetzt zwei aneinander geschweißte Überseecontainer, in die man kostenlos eintauchen kann. Ebenfalls in Essen: Das Grugabad, ein Freibad der Nachkriegsmoderne, hier gibt es sogar ein Wellenbecken (was in den Sommerferien auch wieder geöffnet sein soll). Wenn man den Blick noch ein bisschen weiter schweifen lässt. dann sollte das Waldfreibad Gudenhagen nicht unerwähnt bleiben, das liegt im Hochsauerlandkreis bei Brilon und hat ein 200-Meter Becken, was allerdings streckenweise doch sehr flach ist, erzählt Cordula, die dort in der Gegend aufgewachsen ist. Ebenfalls ein Highlight für sie: Das Allwetterbad Walsum in Duisburg. Hier wird im Sommer, je nach Wetterlage - wie bei einem Cabrio - über dem 50-Meter-Edelstahlbecken das Dach weggefahren. Wir beschließen - wir müssen unbedingt mal im Ruhrgebiet schwimmen. Und sind für weitere Tipps sehr dankbar! | |||
| Folge 164: (Nicht nur) Den Neckar entlang | 15 Jul 2026 | 00:29:33 | |
Martin Tschepe liebt das Freiwasser - und ganz besonders den Neckar. So sehr, dass er vor einigen Jahren zusammen mit seinem Freund Volker den ganzen Fluss entlang geschwommen ist - über 300 Kilometer in knapp zwei Wochen. Von Sulz durch Stuttgart und Ludwigsburg bis nach Mannheim. Und das, obwohl in dem Fluss das Baden streckenweise verboten ist - in Stuttgart zum Beispiel. Aber das hat die beiden nicht gestört: Sie wollten zeigen, was für ein großartiges Naherholungsgebiet so ein Fluss sein kann - und haben nebenher noch Spenden gesammelt, damit Menschen mit Behinderung Schwimmtraining bekommen können. Genannt hat Martin das Projekt „Bahn neun“. Denn wenn der Bademeister in seiner Jugend das Freibad direkt neben dem Neckar schloss, sagte er immer: „Jetzt habt ihr nur noch Bahn neun“. Allerdings - in den 1970er Jahren kam das noch überhaupt nicht in Frage, zu verdreckt war der Neckar, der immerhin der zwölftgrößte Fluss Deutschlands ist. Aber offenbar hat Martin dieser Gedanke nicht mehr losgelassen. Heute ist der Fluss an vielen Stellen deutlich sauberer, zum Baden freigegeben ist er trotzdem nicht überall. Dabei wäre diese kostenlose Möglichkeit in Zeiten des Klimawandels gerade in Großstädten wie Stuttgart so wichtig, findet Martin. Er selber schwimmt das ganze Jahr über im Neckar, auch bei knapp zwei Grad Wassertemperatur. Möglichst nie allein und immer mit Boje. Früher im Neoprenanzug, heute auch ohne - denn Martin ist mittlerweile Weltmeister im Eisschwimmen, erst im März dieses Jahres hat er sich im finnischen Oulu zweimal den Titel geholt, in 200 und 450 Meter Freistil. Überhaupt - der Mann hat eine echte Seen-Sucht: Vom Bodensee bis zur Müritz hat er schon sehr viele Seen in Deutschland durchschwommen und auch Salzwasser ist für ihn kein Problem: Er hat am Sylter Küstenschwimmen teilgenommen, ist nicht nur von Föhr nach Sylt gekrault, sondern war auch im Mittelmeer und im Atlantik unterwegs. Wenn Martin nicht gerade schwimmend unterwegs ist, schreibt er als freier Journalist unter anderem für den Staatsanzeiger oder swim.de. Was er beim Schwimmen schon so alles erlebt hat, hat er in seinem Buch „Im Element - Geschichten vom Schwimmen“ beschrieben. Und er arbeitet für die Stuttgarter Josef Wund Stiftung, die sich für sauberes Wasser und fürs Schwimmen lernen einsetzt. An dem Morgen unseres Gesprächs ist er auch schon startbereit: Allerdings geht es diesmal weder in den Fluss noch in einen See, sondern ganz bodenständig ins Freibad. Denn wer ein guter Schwimmer im Freiwasser sein will, sagt Martin, der muss dafür im Becken trainieren. | |||
| Folge 163: Als Eiswürfel geboren | 08 Jul 2026 | 00:45:27 | |
Dass er vermutlich als Eiswürfel zur Welt gekommen ist, hat der österreichische Extremsportler Josef Köberl mal im Scherz gesagt - aber wenn man seine Geschichte kennt, hat man schon den Eindruck, dass da was dran sein könnte. Josef hat als erster Österreicher die Eismeile geschafft, also 1609 Meter in unter fünf Grad kaltem Wasser, er ist Präsident des österreichischen Eisschwimmverbandes und in seinem Schlafzimmer steht tatsächlich eine Gefriertruhe, in die er sich zu Trainingszwecken immer wieder reinsetzt. Klingt super, wenn man gerade unter der Hitze ächzt - ist aber natürlich ganz und gar nicht ungefährlich. Um solch niedrige Temperaturen aushalten zu können, muss man trainieren, auch Josef Köberl. Er hat einst mit dem Langstreckenschwimmen begonnen, aber nach dem Schwimmen durch den Ärmelkanal im Jahr 2015 war ihm klar - kalte Temperaturen sind sein Ding. Auch wenn es bis heute eine Art Hassliebe ist. Denn wenn er in sehr kaltes Wasser steigt, also um die null Grad, hat er bis heute sehr große Schmerzen. Aber, sagt Josef - dieser Schmerz dauert vielleicht 20 Sekunden. Und dann sei es einfach nur großartig. Während des Schwimmens und auch danach, Dopamin sei Dank! Aber auch er stellt fest - es geht nicht immer. Deshalb achtet Josef ständig darauf, wie es ihm tatsächlich geht. Wenn sich irgendwas komisch anfühlt, bricht er das Schwimmen auch wieder ab. Er schwimmt immer mit Boje - und gibt den wichtigen Hinweis, gerade im Eiswasser immer mit offener Boje zu schwimmen, also nicht mit einer, wo man erst noch die Reißlinie ziehen muss. Wenn der Körper reagiert, dann geht es meist zu schnell, als dass man noch auf das Sichaufblasen der Boje warten könnte. Josef trainiert nicht nur seine eigenen Fähigkeiten, sondern auch andere Menschen, die sich ins kalte Wasser trauen. Im Natureispalast am Hintertuxer Gletscher kann man Eisbaden mit Josef buchen. Allerdings - ein bisschen Erfahrung sollte man schon haben, hier liegt die Wassertemperatur eigentlich immer rund um den Gefrierpunkt oder niedriger. Vor allem der so genannte Afterdrop ist gefährlich, wenn das kalte Blut aus den Extremitäten zurück in den Rumpf fließt. Josef war Hochalpinist beim Militär, er hat Erfahrung mit den Bergen, deshalb kann er viele Situationen sehr gut einschätzen. Wenn er nicht gerade im Eiswasser ist, arbeitet er als verbeamteter Qualitätsmanager für Luftfahrtsicherheit im österreichischen Klimaschutzministerium. Josef hat nicht nur österreichische Rekorde aufgestellt, sondern auch einen Weltrekord: Dass er es geschafft hat, zu Beginn der Corona-Zeit zweieinhalb Stunden in einer Tonne mit Eiswürfeln zu verbringen, hat ihm einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde verschafft. Gerade ist er einmal rund um Manhattan geschwommen - da war das Wasser für seine Verhältnisse mit 17 bis 20 Grad ziemlich warm. Sein nächstes Ziel: Die Ocean´s Seven zu vollenden. Im August ist der Santa-Catalina-Kanal dran, voraussichtlich in diesem Jahr auch noch die Tsugura-Straße in Japan. Dann fehlt ihm nur noch der Kaiwi-Kanal in Hawai - aber davor hat er großen Respekt. Das Wasser ist rund 30 Grad warm, zu kälteren Jahreszeiten schwimmen aber auch keine Alternative. Denn dann ist dort der sogenannte Cooki Cutter Shark unterwegs. Was lieblich klingt, ist sehr gefährlich: Der Hai heißt nämlich deshalb so, weil er beim Angriff mit Hilfe seines Gebisses ganze Stücke aus dem Fleisch des anderen reißt. Am Ende wird Josef aber auch das nicht abhalten. Seine eigenen Grenzen immer wieder zu verschieben - das findet er einfach großartig. Die größte Hürde ist für ihn eher das Geld, denn all diese Unternehmungen kosten Tausende von Euro. Warum er auf Spenden angewiesen ist und warum seine Lebensgefährtin für ihn bei all seinen Unternehmungen die größte Stütze ist - auch davon erzählt er in dieser Folge. | |||
| Folge 162: Am schönsten sind die Kraul-Bahnen! | 01 Jul 2026 | 00:31:16 | |
Philipp Reußner - das ist der Schwimmbadtourist! Am letzten Juni-Wochenende diesen Jahres hat er im Laufe von sechs Jahren bereits 212 unterschiedliche Frei- und Hallenbäder in Europa besucht, war in England, Island, Ungarn, Österreich, Italien, Spanien, Monaco, in der Schweiz, in Frankreich - und natürlich auch in Berlin. Dort ist auch sein 212. Bad - das Sommerbad in Wilmersdorf, vielen auch als Lochow bekannt. Wir treffen uns an diesem heißen Samstag aber im Sommerbad am Insulaner, denn da haben wir alle zum Glück noch online-Tickets ergattert. Und nach ein paar Irritationen an der Kasse haben wir dann auch tatsächlich den Weg auf die grüne Wiese gefunden - das Schwimmen muss erstmal warten. Aber Philipp ist nach wie vor begeistert von seinem doch recht aufwändigem Hobby. Als wir ihn vor zwei Jahren das erste Mal trafen, hatte er gerade gut hundert Bäder geschafft - das 100. war die Alster-Schwimmhalle in Hamburg. Das 200. Bad ist ebenfalls ausgesprochen pompös: Das Centre Aquatique Olympique in Saint-Denis, nördlich von Paris. Hier fanden die Wassersportwettbewerbe bei Olympia 2024 statt, dafür wurde die Halle extra gebaut. Überhaupt - die Schwimmbäder in Frankreich findet Philipp ziemlich cool und ähnlich ausgefallen, was Stile und Baujahre betrifft wie in Deutschland. Begeistert haben ihn die so genannten Sonnenblumenbäder, in Frankreich in den 1970er-Jahren gebaut, bei denen sich das Dach öffnen und zur Sonne ausrichten lässt. In Italien oder Spanien fand er dagegen bislang hauptsächlich Zweckbauten, hier lässt sich außer dem reinen Schwimmbecken tatsächlich rein gar nichts an Verspieltheit finden. Und in Sizilien kam er erst gar nicht rein in ein Bad, weil er dafür erstmal eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Arzt hätte vorweisen müssen. Philipp lässt sich von sowas nicht entmutigen, im Gegenteil - mehrmals die Woche schwimmen, immer so mindestens drei bis fünf Kilometer in nem guten Stündchen, das ist für den Franken Alltag. Am meisten freut er sich, wenn es in den Bädern nicht nur eine Sportbahn, sondern eine richtige Kraulbahn gibt, wo man also nur kraulen darf. Haben wir noch nie was von gehört, aber sind sofort begeistert. Keine Nahtod-Erfahrung mehr beim Überholen zwischen zwei Brustschwimmern! Soll es tatsächlich geben. Nur leider nicht in Berlin. Noch immer macht Philipp von jedem Bad und sich ein Foto - aufhängen zuhause im Flur kann er die Bilder allerdings nicht mehr, die Wände sind voll. Aber bei Instagram kann man sie sich anschauen, sieht schon cool aus. Und mittlerweile ist der Schwimmbadtourist einfach Kult - und durfte sich in Nürnberg deshalb auch die Baustelle des Volksbads anschauen, ein Jugendstilbad, das nach aufwändiger Sanierung voraussichtlich im Herbst wieder eröffnet wird. Inzwischen hat Philipp zudem einen Schwimm-Halbmarathon absolviert, beim 24-Stunden-Schwimmen letztes Jahr in Erlangen. In fünf Stunden und 43 Minuten - nicht schlecht! Würden wir auf keinen Fall schaffen - weder die Strecke und schon gar nicht die Zeit … aber Philipp macht als Schwimmbadtourist auf jeden Fall weiter - schließlich gibt es noch einige Bäder in Europa zu durchschwimmen. An diesem Wochenende wird das mit dem Meter-Machen allerdings nichts - wohl all jenen, die überhaupt noch einen Steh-Platz im Becken ergattert haben. | |||
| Folge 161: Mittsommer - Bahnen ziehen mit Ute und Martina | 24 Jun 2026 | 00:22:23 | |
Es soll ja Leute geben, die gerade traurig sind – weil der längste Tag des Jahres schon vorbei ist und sich somit für die ganz Sensiblen quasi bereits der Winterankündigt. Wir dagegen freuen uns, dass die Berliner Bäderbetriebe sich dieses Jahr für den 21. Juni was ganz Besonderes ausgedacht haben – an diesem Tag konnte man nämlich im Sommerbad am Insulaner bereits ab 4:30 Uhr ins Wasser hüpfen. Eine von uns war um die Uhrzeit bereits dabei – und echt erstaunt, wie viele sonst noch! Um die 80 Leute hat sie schon nach wenigen Minuten allein im Schwimmerbecken gezählt. Einsam Bahnen ziehen im Morgengrauen – von wegen! Die Stimmung war jedenfalls großartig, von Vätern mit ihren Kindern über Rentner:innen bis hin zu After-Party-Gästenwaren so ziemlich alle da. Ein tolles Spektakel, sollte es öfter geben! Und auch am Abend bot das Sommerbad am Insulaner was Besonderes: Öffnungszeit bis 21:30 Uhr und gleich nebenan auch noch ein Theater-Event. Also an dem Tag war wirklich für jede und jeden was dabei. Wir haben aber auch mal wieder einen Ausflug über die Stadtgrenzen gemacht und uns das Stadionbad in Nürnberg angesehen. Das liegt – wie der Name schon sagt – direkt neben dem Nürnberger Frankenstadion. Das Besondere hier neben einer tollen Rutsche und einem 10-Meter-Turm: Das Freibad hat jeden Tag bis 21 Uhr geöffnet. Und es wirdsehr gut angenommen, im 50-Meter-Becken genauso wie auf den großzügigen Sportflächen. Was wir in den Bädern nicht gesehen haben, sind Menschen mit Smart Glasses – also Brillen, mit denen manunbemerkt Fotos machen und filmen kann. Man sollte sich damit auch nicht im Schwimmbad erwischen lassen – denn das ist grundsätzlich verboten, es könnte durchausein längeres Hausverbot drohen. Wir werfen aber auch noch einen Blick in die Zukunft: Am 24./25. Oktober soll nämlich im SSE in Berlin ein 24-Stunden-Schwimmen stattfinden. Jeder dort eingenommene Euro wird dann dafür eingesetzt, dass Kinder schwimmen lernen. Unterstützt wird das Event unter anderem von RoundTable 44 und der Stiftung Deutschland schwimmt, Schirmherrinist Britta Steffen. Anmelden kann man sich schon jetzt – wir sind auf jeden Fall dabei. Ihr auch? | |||
| Folge 160: Ägypten - hier ist Schwimmen ein Privileg | 17 Jun 2026 | 00:32:31 | |
Diesmal sind wir bereits zu früher Stunde digital in Ägypten, genauer gesagt: in Kairo. Dort arbeitet unsere Gesprächspartnerin Nina Amin als Korrespondentin für die ARD und nutzt jede freie Minuten, um schwimmen zu gehen. Allerdings - ganz so einfach ist das nicht im Land der Pharaonen: Öffentliche Schwimmbäder gibt es hier nicht, wer in einem Pool seine Bahnen ziehen will, muss einen Club besuchen - Nina hat das Glück, einer ist direkt bei ihr um die Ecke. Zweimal in der Woche gibt es dort ein reines Frauenschwimmen, dann sind auch nur noch Bademeisterinnen vor Ort. Das sei immer eine richtig große Party, erzählt Nina. Dabei geht es dann weniger ums Bahnen ziehen, sondern ums hin und her schwimmen und sich dabei in aller Ruhe zu unterhalten und Spaß zu haben. Für die meisten Ägypter sind solche Clubs viel zu teuer. Auf dem Land gibt es oft noch nicht einmal das. Schwimmen ist kein Unterrichtsfach in der Schule, dabei liegt Ägypten im Norden direkt am Mittelmeer und im Osten am Roten Meer. Der Nil, der sich quer durch das ganze Land zieht, wird zwar oft zum Abkühlen genutzt. Hier kommt es allerdings immer wieder zu Todesfällen durch Ertrinken, weil jemand in die Strömung gerät und dann einfach untergeht, viele Ägypter behalten beim Bad im Fluss zudem ihre Kleidung an. Wer es sich leisten kann, bezahlt privaten Schwimmunterricht für seine Kinder, aber sehr viele Ägypter:innen können gar nicht schwimmen. Wasser ist in dem Land ein sehr kostbares Gut. Darin zu schwimmen, in Bädern seine Freizeit zu verbringen, wie es für viele Heranwachsende in Deutschland einfach selbstverständlich dazu gehört - das gibt es hier nicht. Badekleidungsvorschriften gibt es in den Clubs in der Regel nicht, hier sieht man Bikinis neben Burkinis bunt gemischt, erzählt Nina. So wenig wie in Clubs Fahren die meisten Ägypter:innen aber auch nicht an Meer, zum Strand. Dort gibt es meist abgegrenzte Resorts, zu vielen Strandabschnitten hat man gar keinen Zutritt. An manchen Stränden gibt es eigene Bereiche nur für Frauen. Für alle gilt immer und überall: Oben ohne geht gar nicht! Man muss nicht im Burkini ins Wasser gehen, aber schon ausreichend bedeckt sein. An der ägyptischen Mittelmeerküste gibt es sehr starke Strömungen - immer wieder gehen Menschen dort trotz roter Flagge ins Mehr, erst im letzten Jahr gab es einen spektakulären Fall, wo an der Küste acht Menschen ertrunken sind. Am Roten Meer gibt es andere Probleme. Es ist eins der schönsten Meere, die Nina kennt, erzählt sie, mit einem faszinierenden Fisch- und Korallenwelt, nach wie vor. Hier ist der Tauchtourismus noch immer stark ausgeprägt, Ägypten setzt aber vermehrt auf Korallenschutz. Nachts im Roten Meer schwimmen darf man ohnehin nicht. Nachtaktive Raubtiere wie Haie, Muränen und Steinfische beginnen dann ihre Jagd, während Strömungen und Riffkanten nicht mehr gut zu erkennen sind Weltklasse-Schwimmer:innen aus Ägypten gibt es durchaus - wie Farida Osman, die 2017 als erste ägyptische Schwimmerin eine Medaille bei einer Weltmeisterschaft gewann. In der Regel kommen sie jedoch aus eher privilegierten Elternhäusern. Auch in Ninas Club gibt es eine Trainingsgruppe, lauter Frauen, „und alle wahnsinnig gut und schnell!“ Drei- bis viermal pro Woche werde dort trainiert, wenn sich ein Talent herauskristalliere, dann werde das vom Staat auch gefördert. Schließlich gebe es im Land auch Begeisterung für Schwimmwettkämpfe bei Olympia, erzählt Nina. Aber andere Sportarten wie Fußball stehen dann doch weit mehr im Fokus. | |||
| Folge 159: Held der Meere | 10 Jun 2026 | 00:44:52 | |
Die Sommerurlaubszeit hat längst begonnen und deswegen geht es in dieser Folge nicht um Chlor- sondern um Salzwasser! Denn viele zieht es in diesen Wochen ans Meer, zum schwimmen, tauchen oder surfen und es gibt wohl wenige Menschen, die sich der Faszination der Ozeane entziehen können. Wenn da nicht dieses kleine „aber“ wäre … Auch wenn wir es nur zu gern verdrängen: Natürlich ist uns allen klar, dass es den Meeren und somit auch den darin schwimmenden Lebewesen nicht wirklich gut geht. Nicht nur wegen der zunehmenden Erwärmung der Meere, sondern auch wegen des ganzen Unrats, der darin herumschwirrt, allem voran das viele Plastik. Uns heutiger Gesprächspartner ist deshalb der Speaker und Podcaster Christian Weigand, der das Konzept „Blue Awareness“ entwickelt hat, was mittlerweile ein gemeinnütziger Verein geworden ist. Er ist professioneller Redner für Unternehmen und Veranstaltungen und spricht über Nachhaltigkeit, Meere und Selbstwirksamkeit. Das Tolle an ihm: Er läuft nicht etwa den ganzen Tag mit erhobenem Zeigefinger herum und fordert dazu auf, ab sofort asketisch zu leben, sein Motto ist vielmehr: „take three for the sea“. Heißt: Wenn wir beispielsweise im Urlaub am Strand entlang gehen und nur drei Plastikteile aufheben, haben wir schon was getan. Denn das sind drei Teile weniger, die von den Meeresbewohnern mit wertvoller Nahrung verwechselt werden können, drei Teile weniger, an denen ein Wesen im Wasser ersticken oder sich damit strangulieren kann. Diese Haltung spürt man auch in seinem erfolgreichen Podcast „Helden der Meere“. Auch hier geht es nicht darum, moralinsauer aufzuzählen, dass vermutlich rund fünf Trillionen Plastikteile in den Ozeanen schwimmen oder um wieviel Grad die Meerestemperatur mal wieder gestiegen ist - stattdessen hat er alle 14 Tage Gäste, die von der Faszination des Meeres erzählen. Wie sie mit Haien schwimmen oder Orcas filmen, abenteuerliche Expeditionen machen, von steilen Klippen springen, als Tankerkapitän arbeiten oder ein mexikanisches Drogenkartell verfolgen, das illegal in einem Naturschutzgebiet fischt. Aufregende und faszinierende Geschichten, die einem auf ihre ganz eigene Art bewusst machen, was sich für eine wunderbare und besondere, mitunter aber auch ganz schön unheimliche Welt da unter Wasser auftut. Auch für Christian selbst ist das ein großer Spaß - selbst wenn es sehr häufig gar nichts mit Meeresschutz zu tun hat. Wir können nicht anders - wir müssen ihn auch danach fragen, wie er die Aktion rund um den Wal in der Ostsee erlebt hat. An dieser Stelle nur so viel: Begeistert hat ihn diese ganze Sache nicht. Christian ist nicht nur Redner und Podcaster - und leidenschaftlicher Surfer - er hat zusammen mit dem Journalisten Florian Sturm auch ein Buch gemacht: „Ein Leben für den Ozean“ heißt es und eine von uns hat es natürlich zuhause im Regal stehen und ist im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig begeistert! Umso größer die Freude, dass im November 2026 die zweite Ausgabe erscheinen wird. Während es im ersten Band um Ostsee, Nordsee und Nordatlantik geht, dreht sich der zweite Band um den Europäischen Atlantik. Und wer nicht nur lesen, sondern auch schauen will, bekommt außerordentlich schöne Bilder zu sehen - aus den Tiefen der Ozeane. Das Weihnachtsgeschenk ist safe! | |||
| Folge 158: KI is watching you | 03 Jun 2026 | 00:36:42 | |
Auf den ersten Blick ist da erstmal nichts Besonderes. Das CabrioLi im westfälischen Lippstadt ist ein Kombibad mit Hallen- und Freibad. Betriebsleiter Tobias Göbel führt uns durch die Halle und deutet nach oben. Und jetzt sehen wir sie: Kleine weiße Kameras an der Decke oder hoch oben an der Wand, die jeden Winkel der drei Schwimmbecken in der Halle im Blick haben. Das CabrioLi in Lippstadt war bundesweit das erste Schwimmbad, das KI zum Einsatz gebracht hat. Auslöser war aber nicht der tragische Tod eines Kleinkindes im Jahr 2019, wie viele vermuten, sondern der pure Zufall, erzählt Tobias. Auch Bäder haben nämlich immer wieder Besuch von Vertretern, die ihnen die neuesten Entwicklungen auf dem Markt präsentieren. Und von so einem Vertreter erfuhr man im CabrioLi von der israelischen Firma Lynxight, die Pionierin in Sachen Schwimmbad-KI. Das war 2022. Das Bad willigte ein, das Programm zu testen, Anfang 2023 gings los: Kameraüberwachung in Echtzeit, auch unter Wasser. Das System macht eine ständige Bewegungsanalyse aller Menschen, die gerade im Wasser sind. Erkennt sie untypische Bewegungsmuster, sendet sie einen Alarm auf die Smartwatch, die hier jeder Bademeister trägt (und natürlich auch jede Bademeisterin). Mit dem Alarm wird der exakte Standort des Geschehens gesendet, außerdem ein Livebild. Zu sehen ist auch, was in den Sekunden davor geschah. Allerdings darf man sich das nicht als einen glasklaren Film vorstellen, erzählt Tobias, die eigentlichen Kameraaufnahmen werden nicht gespeichert. Stattdessen wandelt das Tool sie in so genannte Vektordaten um, sodass nur die Umrisse der Schwimmenden zu sehen sind. Wichtig für den Datenschutz! Seit drei Jahren ist Lynxight jetzt in Lippstadt im Einsatz, am Anfang war das noch ganz schön holperig, erzählt Tobias. Da wurde auch schon mal der Schatten einer Liege als Ertrinkender gewertet, auch ließ sich der Alarm mit „Toter-Mann-Spielen“ viel leichter auslösen. Aber: Diese KI lernt. Nach jedem Alarm melden die Bademeister:innen zurück, ob die KI die Situation richtig erfasst hat. Die Fehlalarme werden deutlich seltener. Und dass eine heikle Situation NICHT erkannt wurde, sei zum Glück noch nie passiert. Ab und zu würden es Gäste auch mal darauf anlegen, den Alarm auszulösen, indem sie sich beispielsweise auf den Beckenboden sinken ließen - doch mittlerweile in der Regel ohne Erfolg. Betriebsleiter Tobias Göbel ist von dem System begeistert, das merkt man. Über die Anschaffungskosten schweigt er sich aus, die jährlichen Betriebskosten seien aber mit rund 10.000 Euro absolut überschaubar. Für ihn hat diese Technik Zukunft - aber nicht, weil er Badpersonal sparen will - „Retten können nur wir, da hilft uns keine KI“ - sondern weil er kaum noch Personal bekommt. Gerade wenn es sehr voll ist, sei aber jedes Auge wichtig - auch das der Kamera. Mittlerweile haben auch schon einige andere Bäder in Deutschland nachgezogen, das System Lynxight kommt in sieben Ländern weltweit zum Einsatz. Mittlerweile sind wir draußen am Schwimmbecken angelangt. Hier gibt es keine KI, an heißen Sommertagen müssen sich die Bademeister:innen nach wie vor auf ihre eigenen Augen und Erfahrungen verlassen. Das Problem: Hier gibt es weder hohe Wände noch Decken, an denen die KI-Kameras aufgehängt werden können. Stangen oder ähnliches wären zu wacklig. Da ist also im wahrsten Sinne des Wortes noch Luft nach oben. | |||
| Folge 157: Blaue Glücksorte | 27 May 2026 | 00:31:15 | |
Diesmal treffen wir uns mit Steffi Memmert-Lunau am Schlachtensee - einer der blauen Glücksorte, die sie in ihrem gleichnamigen Buch beschrieben hat. Darin geht es um lauter Berliner Highlights am Wasser - nicht nur für Schwimmer:innen. Schon der Ort, an dem wir sitzen, ist besonders: Das Café am Bootsverleih ist ein sehr romantischer Ort, besonders in der Abendsonne. Schade nur, dass die bisherigen Betreiber aufgehört haben. Jetzt wird es von der Fischerhütte ein paar hundert Meter weiter mit betrieben, Boote kann man sich aber immer noch ausleihen und es gibt auch zu essen und zu trinken. Während wir da so sitzen, philosophieren wir über die vielen Orte am Wasser, die Berlin zu bieten hat, von der Dahme im Osten bis hin zu kleinen und größeren Seen wie dem Lietzensee Nähe Kudamm, dem Amerika-See im Botanischen Garten oder auch dem Teufelssee in Grunewald. Wir kommen ins Schwärmen über den Mauerradweg entlang der Havel und hören mit leichtem Gruseln die Geschichte des Plötzensees: Dort, wo der See samt Strandbad heute liegt, soll sich nämlich einst ein Dorf befunden haben, dessen Gutsherr sehr hartherzig zu seinen Tagelöhnern war. Ein Geist forderte soziale Gerechtigkeit, weil aber nichts passierte, flutete er das ganze Dorf und alles ging unter, einschließlich Rittergut und Kirche. Angeblich sei auch heute noch in Vollmondnächten ihr Glockengeläut zu hören - wer das nicht glaubt, muss es einfach mal ausprobieren! Wo viel Wasser ist, sind auch viele Inseln, hier sei nur die Pfaueninsel und die Insel der Jugend erwähnt und ja - auch die Altstadt von Köpenick ist eine Insel und überall von herrlichen Gewässern umgeben. Hier kann man rudern, fischen, schwimmen, tauchen - hat auch Steffi alles schon mal ausprobiert. Ohnehin schlägt ihr Schwimmerinnenherz vor allem für öffentliche Gewässer, das sei schon als Kind so gewesen, erzählt sie uns. Zum Schwimmen in der Spree war sie allerdings noch nicht, aber an der Schloßbrücke in Mitte lohnt sich auch einfach mal genaueres Hinschauen: Für das dekorative Geländer wählte Karl Friedrich Schinkel nämlich Delfine und Pferde mit Fischschwänzen aus. Ist uns noch gar nicht aufgefallen, werden wir aber auf jeden Fall demnächst mal drauf achten. Und so kann man sich herrlich vertiefen in Erzählungen über die Atmosphäre am Wasser, eine von uns gibt noch zum besten, dass es die Frühlingsstimmung am Landwehrkanal war, die sie vor knapp vierzig Jahren bewogen hat, Berlin nach einem harten Winter nicht fluchtartig wieder zu verlassen. Derweil schaukeln die Boote leise auf dem Schlachtensee und wir sind sicher - mit diesem Buch finden wir noch viele weitere herrliche Orte am Wasser und können es nur empfehlen! | |||
| Folge 156: Bahnen ziehen mit Ute und Martina - die schönste Freibadsaison beginnt | 20 May 2026 | 00:31:03 | |
Wir sind so aufgeregt! Endlich öffnet ein Freibad nach dem nächsten und wir haben die ersten Bahnen unter freiem Himmel auch schon gezogen. In Berlin waren das am ersten Mai-Wochenende noch 25.000 weitere Badegäste und es hat sehr viel Lust auf mehr gemacht. Natürlich gibt es auch in diesem Jahr wieder Ausweis- und Videokontrollen an den Kassen und am Eingang und mittlerweile ist auch gerichtlich bestätigt, dass das rechtens ist. Da loben wir doch die Initiative Respekt Pommes, die eher auf Überzeugung als auf Kontrolle setzt: „Versalze anderen nicht die Stimmung“, heißt es da beispielsweise bei der Kampagne, die von der Abteilung Bäder der Niederrhein Energie und Wasser GmbH ins Leben gerufen wurde, oder auch: „Gierige Blicke sind nur bei Pommes okay“. Immerhin 121 Schwimmbäder bundesweit sind schon dabei, unter anderem auch das Blu in Potsdam. Großstädte wie Hamburg, Berlin oder München tun sich damit allerdings noch schwer - dabei wäre es einen Versuch doch wirklich mal wert. Mit dem beginnenden Sommer haben wir auch unseren Spieltrieb entdeckt - es gibt nämlich tatsächlich eine Puppe, die schwimmen können soll. Wir konnten nicht anders und haben es flugs mal ausprobiert: Badewanne voll Wasser, Puppe rein - es war eine Riesengaudi! Und es funktioniert tatsächlich. Andere leben ihren Spieltrieb lieber im Verein richtig professionell aus - mit Stone Skimmung, besser bekannt als: Wir titschen Steine übers Wasser. In Berlin kann man das im Verein THC Franziskaner FC machen und die kriegen jetzt sogar Trainingszeit im Kreuzberger Prinzenbad - natürlich erst nach Badeschluss. Denn so ein 75-Meter-Nichtschwimmerbecken eignet sich offenbar ganz vorzüglich dafür. Das müssen wir uns unbedingt auch mal anschauen! Andernorts kann man über unsere freudige Aufregung übrigens nur müde lächeln - im westfälischen Oelde wurde das Freibad bereits Mitte März eröffnet, und zwar mit einer Wassertemperatur von 26 Grad. Der Grund: Die Abwärme der nahe gelegenen Biogasanlage eines Landwirts kann für die Wassererwärmung genutzt werden, es fallen also keine zusätzlichen Stromkosten an. Bis Ende Oktober ist das Bad geöffnet - sowas hätten wir auch gern! Egal - wir genießen jetzt erstmal das, was wir haben. Am Pfingstwochenende werden die nächsten Freibäder geöffnet. Und dann nehmen wir die Puppe mit - mal sehen, wer schneller ist! | |||
| Folge 155: Die Ozeanschwimmerin | 13 May 2026 | 00:34:10 | |
Wir tauchen ab in die Welt der Fantasie - und in einen Roman über eine Frau, die alle sieben Meerengen der Ocean´s Seven bezwingen will. Aber nicht etwa, weil sie so wahnsinnig ehrgeizig ist, sondern weil sie so versucht, über den Tod ihres Mannes und ihres Sohnes hinwegzukommen. „Die Ozeanschwimmerin“, so der Titel des Buches, das am 13. Mai im Goldmann-Verlag erscheint, und wir haben mit der Autorin gesprochen: Charlotte Tarnowski, die eigentlich Carin Müller heißt, aber unter verschiedenen Pseudonymen bereits über vierzig Romane veröffentlicht hat. Das Interessante - Carin ist gar keine richtige Schwimmerin, jedenfalls nicht, wenn es darum geht, selber ins Wasser abzutauchen. Aber die Geschichten von André Wiersig, der als erster Deutscher die Ocean`s Seven gemeistert hat, haben sie so in den Bann geschlagen, dass sie sie unbedingt auch literarisch verarbeiten musste. Wir finden: Das ist ihr sehr gut gelungen! Ein wunderbares Buch für den Urlaub am Strand und anderswo - egal, ob man nun selber schwimmt oder eben nicht. | |||
| Folge 154: Schwimmen in Israel | 06 May 2026 | 00:40:26 | |
Die ersten Freibäder in Berlin und anderswo in Deutschland sind bereits geöffnet, aber während wir unter freiem Himmel unsere ersten Bahnen ziehen, wollen wir weiterhin schauen, wie es eigentlich andere Länder mit dem Schwimmen so handhaben. Diesmal geht es nach Israel, wir reden mit Jörg Poppendieck, der seit 2024 als Korrespondent der ARD immer wieder über das Land im Nahen Osten berichtet und dort auch regelmäßig schwimmen geht. Für ihn ist es vor allem ein Ausgleich zu der doch sehr anstrengenden Arbeit dort. Oft geht er deshalb schon früh am Morgen schwimmen, am liebsten in den Gordon Pool in Tel Aviv, ein 50-Meter-Schwimmbecken mit Aussicht aufs Mittelmeer. Aber warum braucht es einen Pool, wenn man doch auch im Meer schwimmen könnte? Das hat sich Jörg auch gefragt und herausgefunden, dass beim Bau des Gordon Pools in den 1950er Jahren das Wasser im Meer längst nicht die Qualität hatte wie heute. Damals flossen die Abwässer noch ungeklärt ins Mittelmeer, was heute nur noch bei sehr starken Regenfällen vorkommt, wenn die Kanalisation überlastet ist. Der Gordon Pool hat das ganze Jahr über geöffnet, bei einer Wassertemperatur von stabilen 24 Grad, leicht salziges Wasser, das jeden Tag frisch aus 150 Meter Tiefe gepumpt wird. Ein öffentliches Bad, von denen es in Israel allerdings nur sehr wenige gibt. Und wenn, dann sind sie sehr teuer, umgerechnet 20 Euro kann man für den Eintritt dort locker loswerden. Viele gehen deshalb auch lieber ins Mittelmeer - wenn sie denn dort leben. Hier herrscht ein reges Treiben, es gibt Strandspielzeug, das allen zur Verfügung steht, Rettungsschwimmer haben das Geschehen im Auge und Wellenbrecher parallel zur Küste sorgen dafür, dass die Strömung auch für unsichere Schwimmer:innen beherrschbar ist. Quallen und Haie soll es dort zwar auch geben, aber zumindest Jörg hat noch keine gesehen. Für orthodoxe Israelis gibt es getrennte Bereiche für Frauen und Männer am Strand. Der Talmud sagt übrigens, das Erlernen des Schwimmens sei eine lebenswichtige Fertigkeit und elterliche Pflicht, diese ihren Kindern beizubringen - womit allerdings nur die Söhne gemeint sind. Verpflichtenden Schwimmunterricht an Schulen gibt es nur in Orten, die in der Nähe der Küste liegen. Während in Westjerusalem seit 1967 immerhin 18 kommunale Schwimmbäder gebaut wurden, gibt es in Ostjerusalem kein einziges. 2022 sollte hier endlich ein modernes Sportzentrum mit drei Schwimmbecken entstehen, doch dieses Vorhaben wurde durch die Ereignisse am und seit dem 7. Oktober 2023 erstmal auf Eis gelegt. Jörg war auch schon mal im Toten Meer, mit 30 Prozent Salzgehalt allerdings weniger zum Schwimmen als zum Schweben geeignet. Außerdem gibt es in der Negev-Wüste kleine Oasen, in denen man schwimmen kann - allerdings eher was für Hartgesottene. Im Spitzensport hat Israel durchaus Erfolge - Anastasia Gorbenko gewann 2024 als erste israelische Schwimmerin überhaupt eine Medaille bei Weltmeisterschaften, Silber über 400 Meter Lagen. Seit einiger Zeit gibt es zudem einen großen Olympiastützpunkt nördlich von Tel Aviv. Jörg erzählt auch, wie es ist, wenn in Israel plötzlich der Alarm ertönt, weil es zu Luftangriffen kommt. Beim Schwimmen ist ihm das noch nicht passiert, allerdings gibt es mittlerweile viele Menschen, die sich so an den Alarm gewöhnt haben, dass sie trotzdem im Meer schwimmen gehen. Wenn Jörg in Israel ist, berichtet er auch über das Westjordanland und den Gaza-Streifen, auch wenn er dort als Journalist zur Zeit nicht reinkommt. Aber er weiß von Kollegen, dass die wenigen Schwimmbäder und Pools im Gaza-Streifen durch den Krieg zerstört wurden und das Mittelmeer nicht ungefährlich ist. Die Kläranlagen sind ebenfalls kaputt, zudem ist dort die israelische Marine häufig mit Schnellbooten unterwegs. Im besetzten Westjordanland gibt es zwar Schwimmbäder, aber aufgrund der vielen Checkpoints ist es schwer, dorthin zu gelangen. Und von Ramallah aus kann man zwar direkt aufs Mittelmeer schauen - aber hin kommt man nicht. | |||
| Folge 153: SEZ - Es wird nie wieder, wie es war | 29 Apr 2026 | 00:37:21 | |
Heute machen wir mal eine Reise in die Vergangenheit: Als das Berliner Sport- und Erholungszentrum SEZ 1981 eröffnet wurde, war es nicht nur für die DDR, sondern europaweit einzigartig. Das multifunktionale Gebäude sah aus wie ein Raumschiff, ein futuristischer Spaßtempel, der nicht nur architektonisch hervorstach, sondern schon im ersten halben Jahr mehr als zwei Millionen Besucher anlockte. Das Herzstück war eine Schwimmlandschaft mit sieben teils ineinander laufenden Becken, Wellenbad, Sprungturm, Kaskadenbecken, Außenbecken, einer Saunalandschaft und so genannten Bräunungsebenen, kurz: Solarien. Doch das SEZ war noch viel mehr: Es gab allein zehn verschiedene gastronomische Einrichtungen, eine Eis- und eine Rollschuhbahn, Fitnessstudios, eine Sporthalle, eine Bowlinganlage, Gymnastik- und Ballettsäle, Veranstaltungsräume, eine Kampfsportschule, einen Friseur, einen Kindersportgarten und vieles, vieles mehr. Es war ein Geschenk der SED, um das Volk bei Laune zu halten, hieß es damals - und das Volk war begeistert. Auch im Westteil der Stadt, dort allerdings auch ein wenig neidisch, denn so eine ungewöhnliche Anlage suchte man hier vergebens. Heute ist das SEZ schon seit vielen Jahren eine Ruine. Eingezäunt, mit blinden Fenstern und voller Graffities liegt das Gebäude völlig leblos an der Landsberger Allee im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Seit Jahren brennt der Streit darum. ob man das SEZ wiederbeleben oder doch besser abreißen soll. Seit Jahren kämpfen Initiativen für den Erhalt, will die Stadt hier lieber Wohnungen bauen. Wir wollten wissen: Wie war das damals eigentlich? Und haben uns sehr gefreut, dass wir einen der letzten Badleiter des SEZ für unseren Podcast gewinnen konnten: Jürgen Reinhardt, mittlerweile 86 Jahre alt. Mit dabei auch die Schwimmmeisterin Brigitte Kabbe, die ihm damals zur Seite stand, sowie die Sportlehrerin Monika List, die sogar 1981 bei der Eröffnung dabei war. Wir treffen uns zum Kaffeeklatsch in Jürgen Reinhardts Wohnung in Berlin-Treptow. Und spätestens als er den Rettungsring hervorholt, den ihm seine damaligen Kollegen und Kolleginnen zum 60. Geburtstag geschenkt haben, schwelgen alle wieder in Erinnerungen. Alle drei haben ihre Arbeit im SEZ über alles geliebt. Und von ihr profitiert: Wer im SEZ angestellt war, konnte eine Neubau-Wohnung aus dem so genannten SEZ-Kontingent bekommen. Jürgen schwärmt vor allem vom Kollektiv, von der Gemeinschaft im SEZ. Brigitte von der herrlichen Schwimmlandschaft, auch wenn man immer wieder aufpassen musste, dass man nicht den Überblick verliert. Wenn sich Erwachsene zu sehr für Kinder interessierten, beispielsweise. Oder jemand die Sanitäranlagen mit Kot verschmierte. Und Monika schwärmt von der Bauzeit des SEZ, die sie ebenfalls schon miterlebt hat: „Das war damals schon herrlich!“ Jürgen erzählt von der Interflug, die im Becken Rettungsversuche geübt hat. Von der Mitternachtssauna. Dem Weihnachtsschwimmen. Und der Love-Parade, die in den 1990ern auch im SEZ mal Station machte. Rund 1000 Sportlehrer:innen arbeiteten zur DDR-Zeit im SEZ, berichtet Monika. Und dass sie mal einen Surf-Kurs ausarbeiten sollte, was sie heute noch amüsiert. Und Brigitte erinnert sich an ganze Busladungen, die angefahren kamen, um das SEZ zu besuchen. Was deutlich wird: Dass der Westen in der Nachwendezeiten solche Lieblingsorte wie das SEZ nicht wertschätzen konnte, dass der Berliner Senat es am Ende zugelassen hat, dass ein solcher Publikumsmagnet erst an einen Investor geht und dann mehr oder weniger verfällt - das trifft nicht nur unsere drei Gesprächspartner bis ins Mark. Auch uns wird nochmal bewusst, wie rüde man damals (und mitunter bis heute) mit dem umgegangen ist, was die Identität vieler Menschen im Osten ausmacht. Denn auch wenn sich die drei am Ende einig sind, dass man das SEZ wohl nicht mehr wiederbeleben kann - der Schmerz über dieses Ende und das Gefühl auch der eigenen Wertlosigkeit wirkt bis heute nach. | |||
| Bestimmt verpasst: Warum wir immer müssen müssen | 22 Apr 2026 | 00:40:46 | |
Eigentlich sollte hier eine neue Folge stehen - aber aufgrund eines Krankheitsfalls in der Familie haben wir es leider nicht rechtzeitig geschafft. Wird nachgeholt, versprochen! Wir bitten um Nachsicht und wiederholen hier deshalb eine Folge aus unserer Anfangszeit: Warum wir immer müssen müssen! Oder auch: Der Gauer-Henry-Reflex. Wer die Folge noch nicht kennt - oder sie einfach gern nochmal hört - viel Spaß dabei! Immer das gleiche - nach dem Schwimmen müssen wir. Spätestens danach. Woran liegt das bloß? Läuft das ganze Wasser beim Schwimmen in uns rein - und muss dann dringend wieder raus? Sind wir porös? Nicht ganz dicht? Nein - das Elend hat einen Namen und es trifft jeden und jede: Der Gauer Henry Reflex. Und wenn er zuschlägt, wird´s dringend. Und dann - schnell pinkeln unter der Dusche? Oder sogar - wenn es richtig pressiert - im Becken? Was wohl los wäre, wenn das alle machen! In Folge 3 haben wir die Antworten auf all diese Fragen, die wir viel zu selten zu stellen wagen. | |||
| Folge 152: In den Gewässern von Mexiko | 15 Apr 2026 | 00:36:03 | |
Als Korrespondentin in einem anderen Land arbeiten zu dürfen, ist eine großartige Sache, findet Jenny Barke, die für die ARD aus Mexiko-Stadt über die Länder der Karibik, Mittelamerika und natürlich Mexiko berichtet. Für ihre Leidenschaft zum Schwimmen ist das Land aber eher suboptimal, obwohl das Land 11.000 Kilometer Küste hat und als große Freischwimmer-Nation gilt. Mexiko-Stadt allerdings liegt in einem Tal mitten im Festland - doch von den vielen Seen, die es hier mal gab, ist praktisch nichts mehr übrig. Auch öffentliche Schwimmbäder sind hier Mangelware, Freibäder gibt es gar nicht. Die Schwimmhalle Alberca Olímpica Francisco Márquez, einst gebaut für die Olympischen Spiele 1968, wurde zwar 2008 saniert und sieht wirklich beeindruckend aus, um hier schwimmen zu können, muss man allerdings Vereinsmitglied sein. Doch die Wartezeiten sind lang und man braucht nicht nur eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Arzt - das ist auch in Deutschland durchaus üblich - sondern muss auch seine Geburtsurkunde vorlegen. Und dann ist man an feste Slots gebunden. Für Jenny keine Option, weiß sie doch als Korrespondentin nie, wann sie worüber gerade berichten muss. Bleibt ihr nur einer der recht teuren privaten Fitnessstudios, die sich die meisten Mexikaner allerdings nicht leisten können. Aber auch hier sind die Bedingungen ganz anders, als Jenny es von Berlin her kennt, wo sie im Verein Seitenwechsel regelmäßig trainiert hat (Folge 31). Das Wasser ist um die 30 Grad warm, unter Wasser läuft laute Musik, das Becken ist in der Regel nicht tiefer als 1,20 Meter und eine Bahn meist abgesperrt für Menschen, die gehend ihre Bahnen ziehen, um auf diese Art ihre Muskeln zu trainieren. Bikini ist hier nicht erlaubt und nackt unter der Dusche stehen geht gar nicht. Jenny macht das Beste draus - und wenn sich die Gelegenheit ergibt, fährt sie an natürliche Gewässer, wie die zahlreichen Cenoten - diese Kalksteinhöhlen sind regelrechte Naturpools, die von Wasserfällen mit Süßwasser gespeist werden, zu finden insbesondere auf der Halbinsel Yucatán. Allerdings: Schwimmwesten sind hier Pflicht, das Wasser ist tief und die Gefahr groß, dass sich die Schwimmer:innen überschätzen. In den weit verzweigten Höhlen ist es schwierig, Menschen zu retten, deshalb baut man vor. Rettungsschwimmer, die das Treiben beobachten und im Zweifel eingreifen, sieht man allerdings selten, hat Jenny beobachtet, auch nicht am Meer. So etwas wie die DLRG gibt es in Mexiko nicht, aber auch keinen verpflichtenden Schwimmunterricht an den Schulen. Wer es sich leisten kann, zahlt seinen Kindern teuren privaten Schwimmunterricht, alle anderen müssen sich das Schwimmen selber beibringen, wenn sie nicht das Glück haben, zufällig von einem sozialen Projekt gefördert zu werden. Und das in einem Land, das zwischen zwei Meeren, dem Atlantik und dem Pazifik liegt. Und dort ist das Wasser zwar in der Regel für Schwimmer:innen angenehm warm, dafür lauern andere Gefahren: Die Wellen sind mitunter meterhoch, jährlich ertrinken hunderte Menschen, die die Gefahr unterschätzen. Hinzu kommen an der mexikanischen Karibikküste riesige Sargassum-Algenteppiche, in diesem Jahr ist der Befall besonders groß. Als Hauptursachen gelten Düngemittel aus der Landwirtschaft sowie steigende Wassertemperaturen. Und noch was anderes hat Jenny beim Schwimmen und Tauchen beobachtet: Vor der Küste Mexikos, insbesondere im Karibischen Meer und dem Pazifik, findet eine massive Korallenbleiche statt. Anhaltend extreme Wassertemperaturen von bis zu 33 Grad Celsius infolge des Klimawandels führen dazu, dass ganze Riffe absterben. Trotzdem: Mexiko hat für Schwimmer:innen viel zu bieten. Wenn man entsprechend vorsichtig ist. Und Rücksicht auf die Umwelt nimmt. | |||
| Folge 151: Schwimmkunst am anderen Ende der Welt | 08 Apr 2026 | 00:30:46 | |
Am frühen Morgen mit Melbourne zu sprechen, ist auch für uns was Besonderes. Aber die australische Künstlerin Jane O´Neill hat uns so fasziniert, dass wir uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollten. Jane ist nämlich nicht nur regelmäßige Schwimmerin, sie macht auch Schwimmkunst. Oder besser: Bäderkunst. Was sie fasziniert, ist die Bewegung im Wasser und das Wasser selbst. Früher hat sie sich sehr für die Unterwasserwelt der Meere interessiert, aber auch für mystische Meereswesen. Sie ist eine Anhängerin des so genannten Hydrofeminismus, wonach durch das Wasser alle Wesen miteinander verbunden sind. Und schließlich besteht ja auch der Mensch selbst zu einem sehr großen Teil aus Wasser. Zur Zeit näht sie ein Schwimmbecken aus Jeansstoff. Den bekommt sie als Abfallprodukt von einer Firma, die den Stoff ansonsten wegschmeißen würde. Den dunkleren Stoff verwendet sie für das typische T am Boden, die helleren Stoffe für die Darstellung der Fliesen. Und weil die vielen hellen Blaus so unterschiedlich sind, hat man tatsächlich das Gefühl, hier ist auch Wasser und das Sonnenlicht reflektiert sich darin. Ein solches Schwimmbad hat Jane in den 90er Jahren schon mal mit echten Fliesen gemacht, aber fand es nicht sehr umweltfreundlich. Und so ist es folgerichtig, dass sie jetzt für ihre Kunst Jeansstoff benutzt, der bei der Produktion übrig geblieben ist. Denn für die Herstellung von Jeans braucht man Unmengen an Wasser. Deswegen findet sie Jeansstoff ein tolles Material, um Wasser darzustellen. Jane spricht aber nicht nur voller Energie über ihre Kunst, sondern auch übers Schwimmen - und den Unterschied zwischen Australien und Berlin. Drei Jahre hat sie in ihrer Jugend in der Schweiz gelebt, neun Monate war sie 2018 in der deutschen Hauptstadt, um im Rahmen der Bauhaus-Ausstellung zu arbeiten. In der Zeit hat sie über 20 Berliner Schwimmbäder besucht. Und festgestellt, dass hier doch einiges anders ist. In Australien schwimmt man beispielsweise andersherum auf der Bahn - also links statt rechts, im Uhrzeigersinn statt dagegen. Und man lege wesentlich weniger Wert auf Hygiene, so Janes Erfahrung. Duschen vor dem Schwimmen sei in Australien eher nicht üblich. Und dass man sich die Straßenschuhe auszieht am Beckenrand - das hat sie in Deutschland ebenfalls überrascht. Durchschreitebecken gäbe es in Australien nicht. So sähe man am Ende des Sommers am Beckenboden auch jede Menge Haargummis und vor allem - sehr viel Sand. Was in Australien allerdings sehr streng gehandhabt werde, sei die Einteilung der Schwimmbahnen in langsam - mittel - schnell. Und es werde sehr stark darauf geachtet, dass das auch eingehalten wird und sich kein langsamer Rückenschwimmer auf der Schnellbahn verirrt. Nächstes Jahr zeigt Jane O´Neill ihre Kunst übrigens auch in Deutschland, gemeinsam mit der Künstlerin Petra Lüning von Kunst im Bad. Wir halten euch auf dem laufenden! | |||
| Folge 150: Was Schwimmen in Deutschland so kostet | 01 Apr 2026 | 00:29:58 | |
Die Aufregung war groß im Frühjahr, als in Berlin bekannt wurde, dass es die beliebte Sommer-Mehrfachkarte nicht mehr geben soll. Für alle Nicht-Berliner: Diese Karte erlaubt bis zu 20 Eintritte in die Freibäder der Stadt und war im letzten Jahr im Vorverkauf noch für 60 Euro, danach dann für 70 Euro (online) oder 80 Euro (an der Kasse) zu haben. So oder so - ein unschlagbar günstiger Preis. Doch die Berliner Bäderbetriebe haben ihr Tarifsystem umgestellt und sich bei der Gelegenheit - quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit - auch von der Sommer-Mehrfachkarte verabschiedet. Mittlerweile hat sich die Aufregung gelegt, der Protest hatte Erfolg: Es wird die Sommer-Mehrfachkarte für 80 Euro weiterhin geben. Wann und wie steht noch nicht fest - aber immerhin: sich wehren lohnt sich! Für uns war das die Gelegenheit mal zu schauen, wie es im Vergleich zu Berlin eigentlich in anderen deutschen Großstädten aussieht. Also haben wir uns die Preise in den Hallen- und Freibädern von Hamburg, Rostock, Magdeburg, Dortmund, Köln, Frankfurt, Leipzig, Chemnitz, Stuttgart und München angeschaut. Eins vorweg: Um die Datenmenge etwas zu sortieren, haben wir KI genutzt. Wir haben aber trotzdem bei jedem einzelnen Bad nochmal selber nachrecherchiert. Dennoch kann es sein, dass sich bei aller Sorgfalt mal ein Fehler eingeschlichen hat, was nur Menschen vor Ort wirklich beurteilen können. Wir freuen uns über entsprechende Hinweise! Was auffällt: Die teuersten Schwimmbäder sind definitiv in Hamburg und München. Und das, obwohl hier der Eintrittspreis pro Badegast mit 11 bzw. 10 Euro am höchsten subventioniert wird. Dafür bieten beide Städte aber auch ganz besondere Highlights an: In Hamburg gibt es sieben so genannte Ganzjahresbäder, in denen man auch im Winter draußen bei angenehmen Wassertemperaturen seine Bahnen ziehen kann. In München wiederum hat das Dante-Winter-Warmfreibad ganzjährig auch draußen geöffnet, und zwar jeden Tag von 7:00/7:30 bis 23 Uhr! In beiden Städten kann man sich auf der Webseite die Echtzeit-Auslastung der Hallenbäder anschauen. Ob die mit der Wirklichkeit übereinstimmt, wissen allerdings nur die Nutzer:innen. Ebenfalls auffällig: Die Dichte öffentlicher Bäder pro Einwohner ist in den ostdeutschen Städten deutlich höher. Das könnte an den Nachwirkungen der DDR-Sport-Infrastrukturprogramme liegen, aber auch daran, dass man hier weiter eher auf kleinere Stadtteilbäder als auf große private Freizeitbäder setzt. Auch der Eintritt ist hier oft günstiger, in Magdeburg beispielsweise kostet die Saisonkarte für die Freibäder 100 Euro. Hier soll übrigens jetzt auch das seit Jahren geplante nationale Schwimmzentrum gebaut werden. Möglich macht die die so genannte „Sportmilliarde“ vom Bund, der Spatenstich soll noch 2026 erfolgen. Im Westen sieht dagegen vieles ziemlich trübe aus. Trauriger Spitzenreiter: Dortmund. Hier kommt auf rund 200.000 Einwohner gerade mal ein öffentliches Bad, es gibt nach unseren Recherchen nur zwei städtische Hallenbäder und ein Freibad in der Stadt. Wer übrigens wissen will, wie hoch die Bäderdichte in der eigenen Region so ist, kann dies im Bäderatlas der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen nachschauen. Interessant fanden wir auch, wie mit den Eintritten für Kinder umgegangen wird. Während in München und Frankfurt/Main Kinder unter 12 bzw. 14 Jahren kostenlos die Bäder nutzen können, sind woanders zwischen 0,50 und über 2 Euro fällig. Natürlich gibt es überall auch noch unterschiedliche Ermäßigungsmöglichkeiten, das aber ist von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich. Fazit am Ende: So richtig vergleichbar sind die Ticketpreise nicht. Mal ist es teurer, mal günstiger, aber auch die Infrastruktur ist eben sehr unterschiedlich. Für uns sind am Ende vor allem zwei Fragen offen geblieben: Wie schwimmt das Ruhrgebiet? Und: Was ist euer Kultbad und warum? Schreibt uns! Gern auch hier in den Kommentaren. | |||
| Folge 149: Hier kann man übers Wasser gehen | 25 Mar 2026 | 00:41:23 | |
Diesmal sind wir ausnahmsweise in einem Hotel - einem Hotel mit Schwimmbadgeschichte. Unsere Gesprächspartnerin ist Verena Jaeschke, Leiterin des Hotels Oderberger im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg und als promovierte Kulturhistorikerin bestens vertraut mit der wechselvollen Vergangenheit dieses Ortes. Denn das einstige Stadtbad an der Oderberger Straße wurde bereits 1902 eröffnet, als Volksbadeanstalt mit Seifräumen und über 100 Wannen- und Brausebädern. Mittendrin ein knapp 209 Quadratmeter großes Schwimmbassin, außerdem Wohnungen für den Maschinenmeister der Badeanstalt und den Rektor der angrenzenden Schule. Viele Menschen hatten damals kein eigenes Badezimmer, geschweige denn Wanne oder Dusche, und so wurde die Badeanstalt über Jahrzehnte rege genutzt. Viele Berliner:innen haben hier schwimmen gelernt, auch die beiden Weltkriege konnten dem Gebäude wenig anhaben - bis das Schwimmbecken 1986 wegen baulicher Mängel geschlossen werden musste. Die Brause- und Wannenbäder wurden nach der Wende noch bis in die 1990-er Jahre genutzt, aber dann war auch damit Schluss. Was folgte, war ein jahrelanger Dornröschenschlaf. Des Gebäudes, nicht aber der vielen Menschen, die das Bad unbedingt erhalten wollten. Bereits 1990 gründete sich eine Anwohnerinitiative und legte eigene Nutzungskonzepte vor, trotzdem fiel das Bad 1994 aus der Investitionsplanung des Landes Berlin. Anderes war nach der Wende wichtiger. 1996 übernahmen die Berliner Bäderbetriebe, in Sachen Schwimmen tat sich trotzdem nichts. Trotzdem wurde das einstige Bad zu einem überaus belebten und beliebten Ort für die Off-Kulturszene, Tanz, Theater und Ausstellungen lockten ein breites Publikum an. Im Jahr 2000 wurde aus der Anwohnerinitiative dann eine Genossenschaft, die das alte Stadtbad zu seinem 100. Geburtstag kaufte - die hohen Sanierungskosten dann aber doch nicht aufbringen konnte. Erneut wechselte das Gebäude den Besitzer, 2007 übernahm die Stiftung Denkmalschutz für 100.000 Euro mit dem Ziel, das Gebäude erneut zu verkaufen. Bedingung: Die Schwimmhalle muss saniert und öffentlich zugänglich gemacht werden. Eine echte Herausforderung, erzählt Verena Jaeschke - also genau das, was ihre Familie liebt: Ihre Mutter Barbara, Leiterin der angrenzenden GLS Sprachenschule, dachte sich: Warum nicht? Und tatsächlich, sie bekam den Zuschlag. Nach umfangreicher Sanierung wurde die ehemalige Volksbadeanstalt im September 2016 als Hotel wieder eröffnet, das Schwimmbad an 5 Tagen die Woche für die Öffentlichkeit wieder zugänglich und zwar zu Preisen, die nur wenig höher sind als in den öffentlichen Bädern. Möglich ist dies, weil das Hotel an den anderen Tagen in der herrlichen Schwimmhalle mit Kreuzgratgewölbe, Arkaden und umlaufender Galerie eigene Veranstaltungen macht. Denn der Architekt stattete das Schwimmbad mit einem Hubboden aus, der nach oben fahren kann und das Wasser nach unten verdrängt: Durch die Luken im Beckenboden, die sich zu diesem Zweck öffnen lassen. So kann man dann im wahrsten Sinne des Wortes übers Wasser gehen. Überhaupt ist die Schwimmhalle und das ganze Hotel wirklich sehr liebevoll saniert und restauriert worden - auch wir kamen aus dem Staunen nicht heraus und sind total begeistert. Schwimmen waren wir dort natürlich auch - es lohnt sich! Und übrigens: Verena Jaeschke sucht nach Zeitzeugen, die einst hier im Stadtbad an der Oderberger Straße schwimmen gelernt haben. Und es noch aus der Zeit vor der Sanierung kennen. Wer darüber erzählen möchte, möge sich gern an sie wenden! Und wer jetzt noch mehr wissen möchte: Jeden ersten Dienstag im Monat gibt es um 17 Uhr eine kostenlose Führung durch das Stadtbad. | |||
| Folge 148: Die Eisschwimmen-Königin | 18 Mar 2026 | 00:33:31 | |
Wir haben ja schon mehrfach übers Eisschwimmen gesprochen, aber unsere heutige Gesprächspartnerin toppt wirklich alles: Alisa Fatum-Böker hat zum Jahreswechsel 2018/2019 mit dem Eisschwimmen begonnen und bereits 2019 über 1000 Meter einen Weltrekord geschwommen, der bis heute (außer von ihr selber) nicht gebrochen wurde. Gerade kommt sie von der Winterschwimm-WM in Oulu/Finnland - und auch wenn ihre Paradestrecke dort nicht angeboten wurde, hat sie trotzdem 7 Medaillen mit nach Hause gebracht. Im Januar war sie bereits bei der Eisschwimm-EM in Italien und konnte dort ebenfalls mehrfach über Gold jubeln. Zuhause ist Alisa in Leipzig. Hier arbeitet die Physiotherapeutin in einem ambulanten Reha-Zentrum, hier trainiert sie regelmäßig im Kulkwitzer See. Von Kindestagen an schwimmt sie im Verein, hat aber früh gemerkt, dass es die langen Distanzen sind, die ihr am meisten Spaß machen. Also trainierte sie nicht nur im Becken, sondern zunehmend auch im Freiwasser. Und im Herbst 2018 wollte sie einfach nicht damit aufhören - so begann ihre Karriere als Eisschwimmerin. Wärmer als 5 Grad darf das Wasser beim Eisschwimmen nicht sein, geschwommen wird trotzdem im ganz normalen Badeanzug. Das Besondere bei Alisa: Sie räumt sowohl auf kurzen wie auf langen Distanzen die Medaillen ab. Wie ehrgeizig sie ist, spüren wir auch in unserem Gespräch, aber nicht unangenehm: Sie ist einfach eine sehr gute Schwimmerin mit einer sehr guten Technik - das hat sie sich in den letzten 22 Jahren hart erarbeitet. Im See schwimmt sie übrigens nie allein - ihre Mutter ist immer dabei und steigt auch selber mit ins Wasser. Genauso wie Alisas Freund ist ihre Mutter sogar in Finnland mitgeschwommen, auch wenn es für eine Medaille nicht gereicht hat. Das war auch gar nicht das Ziel, sagt Alisa, allein dabei gewesen zu sein, war ein Traum. Das Becken wurde ins Meer gebaut, ganze Eisblöcke mussten herausgeschnitten werden, damit man tatsächlich schwimmen konnte. Und über all dem ein knallblauer Himmel bei Temperaturen deutlich unter null Grad. Brrr - das muss man wollen! Und Alisa will. Bis vor kurzem musste sie sogar alles selber finanzieren, von der Kleidung bis zu den Reisen und den Teilnahmegebühren. Seit gut vier Monaten ist sie Kadersportlerin und kann deshalb Fördergelder beantragen. Viel ist es nicht, was sie erwarten darf, aber eine richtig gute warme Jacke beispielsweise, die sie vor und nach dem Schwimmen tragen kann, hilft schon mal weiter. Zwar startet Alisa offiziell für den SSV Leutzsch, ihre Trainingspläne fürs Eisschwimmen schreibt sie sich jedoch selbst. Unterstützt vom Verein fühlt sie sich trotzdem - denn mehrmals in der Woche trainiert sie parallel im Becken und wird dabei von Trainer:innen begleitet. Sie findet es gut, dass Eisschwimmen 2025 als Sportart durch den Olympischen Sportbund anerkannt wurde. Wenn es soweit ist, wäre Schwimmen die einzige Sportart, die im Sommer und im Winter olympisch ist. Ob sie dann auch dabei ist? Alisa ist skeptisch. Die nächsten olympischen Winterspiele sind ja erst in vier Jahren, also 2030. Wer weiß, sagt sie, wie gut sie dann noch in Form sei. Ihr großes Ziel ist es, eines Tages die Eismeile zu schaffen - 1609 Meter. Allerdings - die 1000 Meter sind schon ein ziemliches Brett, sagt sie. „Da merke ich von Meter zu Meter, wie meine Hände und Füße zu Klumpen werden.“ Vielleicht ist sie deshalb so schnell - um schnell wieder draußen zu sein? Alisa lacht. „Vielleicht!“ | |||
| Folge 147: Gemeinsam baden gehen | 11 Mar 2026 | 00:16:27 | |
Vor der Aufzeichnung dieser Folge waren wir ziemlich aufgeregt - immerhin hatten wir uns ein kleines Experiment vorgenommen. Auf die Idee gekommen sind wir durch die Anzeige einer Berliner Schwimmschule: Schwimmbäder am Internationalen Frauentag für eine Stunde zu vermieten! Wir fackelten nicht lange und schlugen zu. Und damit nicht genug - wir luden unsere Hörerinnen ein dabei zu sein. Dörte, Anne, Susanne, Monika, Ursula und Sonja sind unserer Einladung gefolgt. Und das war nicht einfach - denn das kleine Bad in Lankwitz liegt ziemlich versteckt auf dem Gelände eines Krankenhauses. Wir waren vorher auch noch nicht da gewesen und wussten nicht, was uns da erwartet. Am Ende war es ein großer Spaß. Das Becken war zwar nicht besonders groß, vielleicht 18 Meter lang und 10 Meter breit, aber das Wasser warm und angenehm, lang einschwimmen musste man sich da nicht. Fürs Wettkampfschwimmen war der Pool ohnehin nicht ausgerichtet, wohl aber für Schwimmkurse: Rundherum lagen Nudeln, Schwimmbretter, Ringe und diverses Kleinzeug bereit. Die kleinen Gummienten haben es uns als Erstes angetan - und so übten wir uns darin, sie beim Rückenschwimmen auf der Stirn zu balancieren, mit den Nudeln durchs Wasser zu schweben oder einfach mal quer durchs Becken zu tauchen. Und weil es so herrlich warm war, kamen wir natürlich auch schnell ins Gespräch und das Schwimmen wurde zur Nebensache. Dörte hatte am Morgen ohnehin schon ihre Bahnen gezogen, Susanne sich als ehemalige Rettungsschwimmerin und Leistungssportlerin im Leben schon genug gestresst und Monika erzählte von ihrem Schwimmkurs auf den kanarischen Inseln. Auch Anne und Sonja kamen schnell miteinander ins Plaudern und Ursula freute sich über die Gelegenheit, mal ganz entspannt nur unter Frauen zu sein. Denn so verschieden alle waren - das Thema Schwimmen ist und bleibt ein guter Anknüpfungspunkt, dazu hatte jede ihre Geschichte zu erzählen. Wir haben viel gelacht - und das ein oder andere auch noch gelernt. Das machen wir wieder! | |||
| Folge 146: Für die Badi immer bereit | 04 Mar 2026 | 00:37:23 | |
Diesmal haben wir so richtig was gelernt - denn dass ausgerechnet die Schweiz eine jahrhundertealte Badetradition hat und Zürich eine der höchsten Bäderdichten Europas war uns absolut neu. Aber tatsächlich: Auf rund 440.000 Einwohner:innen kommen hier tatsächlich allein 24 (!) Freibäder, von den Schweizern liebevoll Badis genannt. Und das sind nicht nur klassische Bäder mit Schwimmbecken, so wie wir sie hierzulande kennen, sondern auch See- und Flussbäder und das mitten in der Stadt. Bärbel Buchholz, die hier als deutsche Architektin seit rund 10 Jahren lebt, ist immer noch beeindruckt davon. Hier habe praktisch jeder und jede immer Badezeug dabei, erzählt sie uns, in der Mittagspause mal eben ein paar Bahnen ziehen gehört praktisch zum Alltag. Aber die Bäder in Zürich snd nicht nur viele, sie sind auch wahre Schönheiten. Das 1864 erbaute Männerbadi am Schanzengraben ist ein klassischer Holzkastenbau inmitten der Altstadt, das Frauenbadi am Stadthausquai, direkt an der Limmat, wurde 1888 als Holzbad in orientalischem Stil erbaut. Bis heute schwimmen Männer und Frauen hier jeweils unter sich, ganz herrliche Orte zum Entspannen. Bärbel selbst ist Mitglied im Winterschwimmen-Verein Utoquai, ein Badepalast direkt am Zürisee, erbaut im Jahr 1890. Sie liebt es, auch im kalten Wasser schwimmen zu gehen, eben das ganze Jahr hindurch. Wobei es in Zürich natürlich auch Hallenbäder gibt. Ein ganz klassisches Freibad wiederum ist hier das Letzigraben-Bad, 1949 eröffnet und von niemand geringerem entworfen als von Max Frisch, den viele von uns vor allem als Schriftsteller kennen, der sich aber vorher bereits als Architekt einen Namen gemacht hat. Einer der Gründe für die ausgeprägte Schweizer Badekultur ist die hervorragende Wasserqualität der Seen und Flüsse. Hinzu kommt: Das Badevergnügen ist für Schweizer Verhältnisse überaus erschwinglich und viele Flussbäder verlangen gar keinen Eintritt. Damit nicht genug: Schweizer Badis verwandeln sich abends in vielbesuchte Kulturorte und soziale Treffpunkte. Hier gibt es dann offene Bars oder Kinovorstellungen oder auch Tanzabende. Überhaupt haben die Schweizer:innen ein ganz besonderes Verhältnis zu ihren Gewässern und nutzen ihre Flüsse auch einfach mal für einen Schwumm nach Hause. Zum Beispiel in der Aare, ein Fluß, der mit ziemlich großer Geschwindigkeit durch Bern fließt. Die Klamotten werden in einen so genannten Wickelfisch eingerollt, der dann als eine Art Schwimmbrett dient, mit dem man herrlich auf dem Wasser treiben kann. Ganz ungefährlich ist dieses Vergnügen allerdings nicht, die Strömung mitunter ganz schön stark, erzählt Bärbel, die das auch schon ein paarmal mitgemacht hat. Man muss sich schon an die Anweisungen auf den Schildern halten, damit man nicht in den Schiffsverkehr oder an einen Brückenpfeiler gerät. Trotzdem lockt dieser Spaß jedes Jahr viele auch deutsche Touristen an. Denn die Schweiz ist eben nicht nur eine große Ski-Nation: Der Schweizer Noè Ponti aus dem Tessin wurde 2024 Weltmeister über 50 Meter Schmetterling. | |||
| Folge 145: Ohne Basis keine Spitze | 25 Feb 2026 | 00:29:26 | |
Olympia 2036, 2040 oder 2044? Vier Städte in Deutschland bewerben sich zur Zeit als Austragungsort, allerdings sind bislang allein die Menschen in München davon überzeugt, dass ihre Stadt genau die richtige ist. In Hamburg gibt es bereits zahlreiche Gegner:innen und in der Rhein-Ruhr-Region findet am 19. April 2026 Ratsbürgerentscheide in den betroffenen Kommunen ab. Und in Berlin? Auch hier ist die NOlympia-Bewegung sehr stark, hat für die Spiele im Jahr 2000 schon einmal eine Beteiligung verhindert. Sechs Millionen Euro steckt die Stadt allein in die Bewerbung, erhofft sich von den Spielen eine neue Dynamik für die Wirtschaft, mehr Wohnungen und womöglich auch einen Schub für die Sportstätten. Berlin ist der einzige Bewerber, der aus Verfassungsgründen kein Referendum plant, sondern eine Volksinitiative mit anschließender Abstimmung im Abgeordnetenhaus. Im Herbst diesen Jahres will der Deutsche Olympische Sportbund entscheiden, wer den Zuschlag bekommt. Wir wollen wissen - wie würden die Schwimmerinnen und Schwimmer in der Hauptstadt profitieren? Von der gescheiterten Bewerbung für die Spiele im Jahr 2000 blieb immerhin die Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE), aber die ist jetzt auch schon fast 30 Jahre alt und wäre dann sicher nicht mehr olympiatauglich. Knapp eine halbe Milliarde Euro beträgt der Sanierungsstau bei den Berliner Bädern, für ein wenig Entlastung dürfte jetzt das Klimapaket in Höhe von 200 Millionen Euro sorgen, aber diese Mittel sind zweckgebunden. Acht Bäder sind zur Zeit geschlossen, viele weitere müssen zum Teil dringend saniert werden. Allerdings - würde Olympia die Situation dieser Bäder tatsächlich verbessern? Der Vizepräsident des Berliner Schwimmverbands, Martin Weiland ist fest davon überzeugt: Auf jeden Fall. 30.000 Mitglieder hat der Verband in der Hauptstadt, sie alle brauchen unbedingt mehr Wasserflächen - und mehr Anerkennung für ihren Sport. „Ohne Basis keine Spitze“, sagt Martin Weiland. Sein Traum ist es, dass mit Olympia lauter Zweck-Schwimmhallen in der Stadt entstehen. Die nicht schön aussehen müssten, sondern vor allem ausreichend Wasserflächen für Leistungs- und Freizeit-Schwimmer böten. Und zwar VOR Olympia - damit dort die Schwimmer:innen heranwachsen, die dann unser Land bei Olympia vertreten. Und wo dann natürlich auch alle anderen ihre Schwimmzeiten hätten - Vereine, Schulen und eben Menschen wie du und ich. Er würde dafür auch alte denkmalgeschützte Bäder abreißen, statt sie für teuer Geld zu sanieren. Wir reden aber auch darüber, warum Eisschwimmen noch nicht olympisch ist. Ob Ganzjahresfreibäder in Berlin sinnvoll ist. Und warum es auch mit über 70 noch Spaß macht, sich mit dem Schwimmsport zu befassen - auch wenn man selber kaum noch schwimmt. | |||
| Folge 144: Im Schwimmrausch | 18 Feb 2026 | 00:35:11 | |
Mit unserem heutigen Gast haben wir vor einem knappen Jahr schon einmal gesprochen (Folge 107): Janis McDavid. Damals haben wir ihn als Popstar begrüßt, denn wenn Janis irgendwo auftaucht, starren ihn viele Menschen an wie einen Popstar, hat er selber mal erzählt. Der Grund: Janis hat weder Arme noch Beine. Und trotzdem hat er - was er selber nie für möglich gehalten hätte - im Jahr 2024, im Alter von 33 Jahren, das Schwimmen gelernt. Diesmal begrüßen wir ihn als Supermann. Denn Janis kann mittlerweile nicht nur super schwimmen: Er ist 6-facher Deutscher Rekordhalter, 3-facher Deutscher Kurzbahn-Meister im Brustschwimmen und hat bei den internationalen Deutschen Meisterschaften 2025 eine Silbermedaille erschwommen. Natürlich kommt er gerade vom Training - und hat mal eben auf 100 Meter Rücken eine persönliche Bestzeit geschafft. Sieben bis neun Trainingseinheiten absolviert er pro Woche, jeweils rund anderthalb Stunden, außerdem macht er noch Krafttraining, vor allem für den Rumpf - denn der hilft ihm hauptsächlich, im Wasser vorwärts zu kommen. Obwohl Janis mittlerweile echt Spitze ist - finanziell gefördert wird er nicht. Eher müsse er noch in seine Leidenschaft investieren, erzählt er. Allein schon wegen des enormen Badehosen-Verschleisses: Weil Janis keine Beine hat, bewegt er sich mit dem Po über den Schwimmbad-Boden. Da wäre ein Spoinsor schon gut. Vielleicht hat jemand eine Idee? Zum Glück ist Janis als Speaker und Influencer und Vermarkter seines Buches „All inclusive“ zeitlich relativ flexibel. Wenn er durch die Republik reist, um Vorträge zu halten, muss das Training auch mal zurückstehen. Aber der Adrenalinschub, den das Schwimmen bei ihm auslöst, hat ihn nach wie vor im Griff und es macht ihm großen Spaß, immer wieder gegen sich selbst anzutreten. Mittlerweile ist er nicht mehr im Landeskader Bayern, sondern schwimmt unter der Berliner Flagge. Sind die Paralympics 2028 in Los Angeles sein Ziel? Janis wäre nicht Janis, wenn das nicht der Fall wäre. Aber das ist gar nicht so einfach. Denn abgesehen davon, dass er seine Zeiten dafür dann doch noch um einiges verbessern müsste: In seiner Startklasse ist das Angebot an internationalen Wettkämpfen sehr schmal. Zur Zeit gibt es da nur 50 und 100 Meter Rücken - und das ist gerade eben nicht die Paradedisziplin von Janis. Aber natürlich lässt er sich davon nicht erschüttern - gerade probt er mit seinem Trainer eine neue Rückenschwimm-Technik. Denn er hat schon Lust auf die Paralympics, will sein Ziel aber auch nicht zu hoch stecken. Klassisches Understatement, würden wir sagen! Ein anderes Ziel hat er im letzten Sommer schon geschafft: Einmal den Starnberger See durchschwimmen. Die 2,4 Kilometer hat er in einer Stunde, 31 Minuten und 26 Sekunden geschafft. Eine sensationelle Leistung, finden wir, aber typisch Janis: Er hätte es schon gern unter anderthalb Stunden geschafft. Jetzt wird er erstmal im Februar beim Berolina-Cup mitschwimmen - und im Mai an den internationalen Deutschen Meisterschaften in Berlin teilnehmen. Da hofft er darauf, dass er dann auch eine internationale Klassifizierung bekommt. Wir drücken fest die Daumen! | |||
| Bestimmt verpasst: Die trüben Seiten des Schwimmsports | 11 Feb 2026 | 00:54:59 | |
Gerade ist mal wieder Olympia - wir beide haben im Moment allerdings allenfalls Ringe unter den Augen. Deshalb gibt es heute leider keine aktuelle Folge ... Allerdings ist Olympia - auch die Winterolympiade - eine gute Gelegenheit, an die unlauteren Machenschaften zu erinnern, die sich oftmals hinter den Kulissen des Sports abspielen. Deshalb wiederholen wir diese Woche die ausgesprochen spannende Folge zum Doping im Schwimmsport: Wir sprechen mit einem Kollegen - einem Investigativ-Journalisten, vor dem sich Funktionäre, Verbände und auch Sportler in der ganzen Welt fürchten. Hajo Seppelt hat international und national maßgeblich zur Aufdeckung von Dopingvergehen beigetragen und dafür zahlreiche Preise bekommen. Angefangen hat der einstige Berliner Jahrgangsmeister im Brustschwimmen 1985 als Sportreporter beim Sender Freies Berlin, von 1992 bis 2006 war er Live-Kommentator für das ARD-Fernsehen bei Schwimmwettkämpfen, war unterwegs bei Olympia, Europa- und Weltmeisterschaften. Schon damals hat er sich mit dem Thema Doping befasst. 1997 erschien sein Film „Staatsgeheimnis Kinderdoping - Doping-Täter und -Opfer des DDR-Schwimmsports“. Gleichzeitig kommentierte er immer noch Schwimm-Wettkämpfe - und merkte zunehmend, wie sehr ihm die reine Ergebnis-Berichterstattung auf die Nerven ging. Aus seiner Sicht gab es viel mehr zu erzählen über die Sportler - aber vor allem auch über die Geschäftemacher, Ärzte und Verbände, die am Sport verdienen. Und mitunter tatsächlich auf ALLES setzen, damit am Ende eine Medaille, ein Sieg dabei herauskommt. Auch auf Doping. Ein mitunter lebensgefährliches Mittel zum Zweck. Hajo ist ein Typ, der macht, was er für richtig hält. Eine öffentlich gewordene privaten E-Mail, in der er die unkritische Sport- und Doping-Berichterstattung der ARD kritisierte, so erzählt es Seppelt, führte 2006 dazu, dass er nicht mehr von Wettkämpfen berichten durfte. Gebremst hat ihn das nicht. Beim WDR baute er eine Doping-Redaktion auf, seitdem ist er in Sportsendungen, Nachrichtensendungen und Magazinen sowie als Autor von Dokumentationen zum Thema Doping zu sehen, mittlerweile hat er auch eine eigene Produktionsfirma. Aber kann man es einem Sportler verdenken, wenn er alles versucht, um noch schneller, besser, toller zu werden? Anders als früher, sagt Seppelt, kann er den einzelnen Sportler mitunter verstehen. Der Druck sei immens, die Medien machen zusätzlich Stimmung. Ihn ärgern vor allem die großen Verbände, die mitmachen, vertuschen und mit dem Risiko der Sportler ihr Geld verdienen. Besonders schlimm sei dies, weil auch die WADA, die internationale Anti-Doping-Agentur häufig nicht wirklich hinschaue. Dabei ist sie dafür da, Doping zu verhindern. Eigentlich, sagt Seppelt, sei Doping alles, was man dem Körper zuführt, um bessere Leistungen zu erzielen. Offiziell - und damit offiziell verboten - ist alles, was auf der Doping-Liste der Anti-Doping-Agenturen stehe, sei das nun Doping mit sauerstoffangereichertem Eigenblut, Anabolika, Hormone oder Medikamente wie Trimetazidin. Das war im April 2024 bei 23 chinesischen Schwimmern nachgewiesen worden. Angeblich hatten sie im Hotel verunreinigtes Essen zu sich genommen. Die WADA akzeptierte diese Erklärung zunächst - und Hajo zeigte in seinem Film, dass diese Begründung sehr unwahrscheinlich - aber vor allem nie wirklich überprüft worden sei. Übrigens: Wer glaubt, nur in China, Russland oder den ehemaligen Ostblockstaaten werde gedopt, der irrt. Doping im Sport gibt es überall. Im Herbst 2025 wird Hajo einen Film über Kinderdoping im Sport in aller Welt veröffentlichen. "Geheimsache Doping" heißt der Podcast, der er zusammen mit seiner Kollegin Kerstin Hermes macht. Bereits 2019 hat er das Buch „Feinde des Sports“ veröffentlicht, in dem er über die Hintergründe seiner mitunter sogar gefährlichen Arbeit berichtet. Er selbst geht mittlerweile zu keinen (Schwimm-)Wettkämpfen mehr. Den Spaß daran habe er schon lange verloren. | |||
| Folge 143: Im Zweifel - Badekappe streicheln | 04 Feb 2026 | 00:31:11 | |
Es ist Anfang Februar - und wir machen Schwimmbadferien. Was in unserem Fall heißt: Ferien vom Schwimmbad. Denn die eine von uns wird ihre Erkältung nicht los, die andere hat eine sehr unschöne Begegnung mit gefrorenem Wasser gehabt und muss jetzt erstmal ihre schmerzenden Rippen schonen. Ans Schwimmen und ans Schwimmbad denken wir natürlich trotzdem, zumal Ute gerade aus Island zurück ist und dort natürlich auch die herrliche isländische Schwimmkultur genossen hat: Ordentlich einseifen vor dem Schwimmen und dann ganz geordnet ihre Bahnen ziehen können. Was vielleicht damit zu tun hat, dass es in Island so viele Schwimmbäder gibt und die deshalb niemals wirklich voll werden, Gedränge also gar nicht erst entsteht - ganz anders als bei uns. Und schon sind wir beim Thema. Warum klappt das Miteinander auf den Bahnen so häufig nicht? Oft gibt es schlicht zu wenig. Und dann steht da vielleicht mal ein Schild mit „Schnellschwimmerbahn“ - aber was ein Schnellschwimmer ist, beurteilt ja auch jeder und jede anders. Wir jedenfalls checken immer erstmal ab, wie schnell die Schwimmer:innen so auf der jeweiligen Bahn eigentlich sind, bevor wir uns eine aussuchen. Und auch, wie wir selber an dem Tag drauf sind. Eher gemütlich? Dann sind die Schnellschwimmer:innen heute eher nichts für uns. Oder doch mal wieder ein bisschen auf die Tube drücken? Dann sollten wir uns aber trotzdem nicht gleich mit den trainierten Vereinsschwimmer:innen messen. Allerdings - und das kennt wohl jeder und jede - das machen längst nicht alle so. Man kann fast drauf schwören: Da hat man sich auf einer Bahn mit mehreren anderen gerade so richtig gemeinsam eingezirkelt - schon steigt garantiert jemand ein, der entweder wesentlich schneller oder deutlich langsamer ist. Und schon gibt´s Stress. Auch der Ort, wo Schwimmer:innen zwischendurch mal ein Päuschen machen, sollte mit Bedacht gewählt sein: Wer am Beckenrand mal kurz verschnaufen will, sollte das niemals in der Mitte tun, sondern immer in der Nähe der Leine - damit die anderen auch weiterhin gut wenden können. Was wir auch niemals verstehen werden - Menschen, die, wenn sie überholt werden, erst recht mittig schwimmen, statt leicht nach rechts auszuweichen. Würde es doch allen deutlich leichter machen. Oder auch am Beckenrand jemanden vorlassen, der schneller schwimmt - macht den oder die andere glücklich und selbst hat man absolut null Nachteil. Deswegen haben wir kurzerhand mal fünf goldene Regeln aufgestellt: 1. Immer rechts im Kreis schwimmen 2. Beim Überholtwerden leicht nach rechts schwimmen und Platz machen 3. Am Beckenrand niemals in der Mitte einer Bahn verschnaufen, sondern an der Leine. 4. Schnellere Schwimmer einfach vorlassen 5. Und wenn gar nichts mehr hilft: Die eigene Badekappe streicheln und einfach mal kurz durchatmen! Übrigens - so mancher fragt sich vielleicht, warum die Bademeister auf den Bahnen nicht für Ordnung sorgen. Aber mal ganz ehrlich: So schwer ist es ja nicht, was man beachten sollte. Das kriegen wir auch alleine hin, oder? | |||
| Folge 142: Man kann mehr als man denkt | 28 Jan 2026 | 00:48:03 | |
Kirsten Bruhn ist eine der bekanntesten und erfolgreichsten Athleten im Parasport - umso mehr freuen wir uns, sie im Berliner Sportforum Hohenschönhausen treffen zu können. Ihre Haare sind noch etwas feucht, denn auch wenn Kirsten bereits 2024 ihre aktive Karriere beendet hat, geht sie im Schnitt doch immer noch jeden zweiten Tag schwimmen. Heute dann „nur“ 2000 Meter, aber sie wollte sich dann doch noch vorher auf das Gespräch mit uns einstimmen. Kirsten ist ein Phänomen: Sie ist 54 Weltrekorde und 64 Europarekorde geschwommen, ist 6-fache Weltmeisterin und 8-fache Europameisterin. Ihre Bestzeiten sind zum Teil bis heute unerreicht, dabei war sie schon über dreißig, als sie sie erschwommen hat. Allerdings: Ein glatter Durchmarsch war ihre Karriere nicht, im Gegenteil. Denn als sie 1991 im Alter von 21 Jahren durch einen Motorradunfall plötzlich querschnittsgelähmt war, glaubte sie, niemals wieder so schwimmen zu können wie vorher. Denn schon in ihrer Jugend war Kirsten Leistungsschwimmerin, allerdings nie bei internationalen Wettkämpfen dabei. Aber immer mit großer Leidenschaft, schon mit drei Jahren konnte sie schwimmen. Mit der Diagnose allerdings schien dieser Weg endgültig vorbei zu sein. Das war ein ganz tiefes Tal, erzählt uns Kirsten, aus dem sie lange nicht rausgekommen ist und das sie auch in ihrem Buch „Mein Leben - und wie ich es zurückgewann“ sehr eindrucksvoll beschreibt. Ja, nachdem der erste Schock und vor allem die ganz großen Schmerzen erstmal vorbei waren, entwickelte sie einen großen Ehrgeit, wieder vollständig am Leben teilnehmen zu können, ohne auf Hilfe angewiesen zu sein. „Das habe ich in meiner Familie so gelernt“, erzählt sie uns, hängen lassen gilt nicht. Aber schwimmen? Elf Jahre dauerte es, bis sie es wieder wagte. Weil ihr ein Reha-Trainer den Tipp und auch ein paar Adressen gegeben hatte. Und schon nach wenigen Monaten des harten Trainings war Kirsten Bruhn Deutsche Meisterin auf 50 Meter Rücken. „Aber nicht, dass ihr denkt, ja klar, Paraschwimmen, das ist auch nicht sooo schwierig!“ Denken wir nicht. Im Gegenteil - wir sind extrem beeindruckt. Denn Kirsten räumte nicht nur im Rücken- und Kraulschwimmen ab. Sie begann, auch in ihrer alten Paradedisziplin, dem Brustschwimmen, wieder zu trainieren. Was für jemanden mit einer Querschnittslähmung extrem schwierig ist. Denn die Kraft beim Brustschwimmen kommt zu 70-80 Prozent aus den Beinen. „Ich glaube, da hat mir mein Körpergedächtnis sehr geholfen“, sagt sie. Und ein extremer Wille, vermuten wir. Kirsten hat das Glück im Unglück, nicht vollständig querschnittsgelähmt zu sein. So holte sie bereits 2004 bei den Paralympics Gold - auf 100 Meter Brust. Und so ging es weiter, bis sie - unzählige Medaillen und Rekorde später - ihre Karriere beendete. Dem Schwimmsport ist sie trotzdem treu geblieben, auch als Mentaltrainerin für junge Athlet:innen. Außerdem ist sie seit 2016 bei den Paralympics als Expertin für die ARD dabei. Sie ist Botschafterin für Rehabilitation, Prävention und Sport beim Unfallkrankenhaus Berlin und seit 2015 ist ein Schwimmbad in ihrer Geburtsstadt Eutin nach ihr benannt. Sie war eine von drei Protagonist:innen in dem Film „Gold - du kannst mehr als du denkst“, der bei der Berlinale 2013 seine Weltpremiere feierte und sie bekam den Bambi für ihre herausragenden Leistungen. Sie hält Vorträge darüber, wie wichtig es ist, sich wieder ins Leben zurückzukämpfen und wie der Sport einem dabei helfen kann. Und seit 2026 ist sie Ehrenbürgerin in Schleswig Holstein. Eins ärgert sie trotzdem bis heute: Dass so wenig Schwimmbäder barrierefrei sind. Und selbst, wenn man sie so nennt, sagt sie, seien sie allenfalls barrierearm. Fast nie gebe es ein Leitsystem für Blinde, angemessene Duschen für Rollstuhlfahrer:innen oder die Möglichkeit, dass sich kognitiv eingeschränkte Menschen dort ohne Hilfe bewegen können. Muss man unbedingt endlich mal ändern, findet sie. Finden wir auch. | |||
| Folge 141: Mobi - Schwimmen für alle und überall | 21 Jan 2026 | 00:39:00 | |
Diesmal haben wir gleich drei Menschen zu Gast - denn ohne sie wäre dieses einzigartige Projekt wohl nie zustande gekommen: Mobi ist ein mobiles Schwimmbad, bestehend aus drei transportablen Stahlbauten in T-Form. Im Hauptteil ist natürlich das Schwimmbecken, beheizt und 3x13 Meter groß. In einem weiteren Modul sind Umkleiden, Duschen und Toiletten, jeweils für Mädchen und Jungs getrennt. Und in einem dritten Modul findet die Wasseraufbereitung statt. Das Ganze auf einer Fläche von 25x15 Metern - passt praktisch auf jeden Schulhof! Und das soll es auch. Denn Mobi ist dafür da, dass sich Kinder ans Wasser gewöhnen können, unabhängig von eingeschränkten Wasserzeiten an öffentlichen Schwimmbädern und viel zu schnell ausgebuchten Schwimmkursen. Deshalb steht das mobile Schwimmbad bis zu drei Monaten immer an einer anderen Schule im Raum Köln/Bonn. Morgens findet hier Schwimmunterricht statt, nachmittags können auch alle anderen in der Umgebung Schwimm- und Aquakurse buchen. Sogar Schwimmtraining ist möglich, denn Mobi hat bei Bedarf auch eine Gegenstromanlage. Und das Ganze für alle - kostenlos! 10 Stunden am Tag ist Mobi in Betrieb, an 350 Tagen im Jahr. Entstanden ist die Idee im Rahmen der Schwimminitiative Nordrhein-Westfalen (NRW). Projektträger ist der Kreissportbund Düren, dessen Geschäftsführer Wolfgang Schmitz uns als erstes von dem Projekt erzählt hat. Was ohne Unterstützung des Fördervereins der Sparkasse Köln/Bonn - immerhin in Höhe von 3 Millionen Euro - gar nicht zustande gekommen wäre. Deshalb ist auch Gero Wiesenhöfer heute zu Gast. Und natürlich Verena von der Gathen, die nicht nur für das Projekt verantwortlich ist, sondern es an der Sporthochschule Köln auch wissenschaftlich begleitet. Denn das mobile Schwimmbad Mobi ist tatsächlich einzigartig, sagt Wolfgang Schmitz: Selber geplant und ausgetüftelt und mittlerweile sogar patentiert - der Stolz ist ihm deutlich anzuhören. Kostenpunkt: 750.000 Euro allein für die drei Module, mit Solarpaneelen auf dem Dach. Hinzu kommen nochmal rund 450.000 Euro im Jahr für Energie- und Betriebskosten, Schwimmlehrer:innen und was sonst noch so alles anfällt. Seit September 2025 ist Mobi unterwegs, sein Einsatz ist für fünf Jahre geplant, immer an Schulen mit hohem Sozialindex. Denn dort sind die Schülerinnen und Schüler vorher oft noch nie mit einem Schwimmbecken in Berührung gekommen. Ein bis zwei Tage braucht es für den Aufbau, dann nochmal etwa fünf Tage für Vorbereitung, Wasser einlassen und temperieren, bis Mobi startklar ist. Wichtig: Mobi kann sich sogar an einen unebenen Untergrund anpassen, das Wasser kommt mit Unterstützung der Feuerwehr aus öffentlichen Hydranten. Und natürlich kommt auch regelmäßig das Gesundheitsamt vorbei, um zu kontrollieren, dass das Wasser auch tatsächlich hygienisch einwandfrei ist. Wichtig ist allen dreien zu betonen, dass Mobi keine Schwimmbäder ersetzen soll, sondern als Zusatzangebot gedacht ist. Damit sich Kinder spielerisch ans Wasser gewöhnen können. Und nicht mehr monatelange Schwimmkurse brauchen, sondern recht zügig in einem öffentlichen Schwimmbad das Seepferdchen und später dann auch das Schwimmabzeichen machen können. Am liebsten würden die drei ganz viele Mobis bauen und vor Schulen stellen. Auch vor unserem inneren Auge tauchen lauter Mobis in Kreuzberg, Neukölln und anderen Berliner Stadtteilen auf. Das wäre doch tatsächlich mal eine gute Idee! Vielleicht fragen wir mal beim Berliner Senat und der Berliner Sparkasse an. Wer ist dabei? | |||
| Folge 140: Gesänge über Chlor - und seinen Geruch | 14 Jan 2026 | 00:39:21 | |
Heute wollen wir unserem Namen mal alle Ehre machen und über Chlor reden. Nein, keine Angst, das wird keine Chemiestunde. Aber die meisten von uns machen sich vermutlich wenig Gedanken darüber, was eigentlich alles dazu gehört, damit das Wasser im Schwimmbecken klar, sauber und hygienisch einwandfrei bleibt und wir bedenkenlos reinspringen können. Was alles so dazu gehört, das war auch uns nicht wirklich klar und nötigt uns großen Respekt ab! Unser Gesprächspartner ist der Sachverständige für Wasseraufbereitung Dirk Dygutsch, der neben vielen anderen Tätigkeiten auch in der Schwimm- und Badebeckenwasserkommission des Bundesgesundheitsministeriums sitzt. Mit anderen Worten: Ein echter Auskenner. Der zudem noch - obwohl er in Chemie einen Doktor hat oder vielleicht auch gerade deswegen - sehr anschaulich erklären kann. Eins stellt er gleich am Anfang klar: Es reicht nicht, eine Handvoll Chlor ins Wasser zu schmeißen und dann ist alles prima. Vielmehr gehören sehr viele komplizierte Abläufe im Hintergrund dazu, damit wir uns im Schwimmbad weder vor Infektionen noch vor Verätzungen fürchten müssen und auch nicht ständig irgendwelche Dinge um uns herumschwinmen, die da nicht reingehören. Mindestens ebensso wie wichtig wie Chlor sind sehr gute Filter und weitere Desinfektionsmittel. Dreimal täglich muss kontrolliert werden, ob das Mischungsverhältnis auch wirklich stimmt. Das Wasser im Schwimmbecken ist Trinkwasser, für jeden Badegast müssen rund 30 Liter nachgefüllt werden, also ein ständiger Kreislauf. Zudem werden die Beckenböden mindestens zweimal die Woche gereinigt, die Beckenwände alle 14 Tage und die Überlaufrinne einmal wöchentlich. Und auch das Gesundheitsamt schaut regelmäßig vorbei. Im Gespräch geht es natürlich auch darum, wie schlimm es denn eigentlich ist, wenn man ins Becken pinkelt. Der bekannte amerikanische Schwimmer Michael Phelps hat dazu mal gesagt: „Ich denke, jeder pinkelt in den Pool. Wenn man zwei Stunden im Wasser ist, geht man nicht raus, um Pipi zu machen.“ Er empfände das aber auch nicht als problematisch, das Chlor im Becken käme damit schon klar. So ganz stimmt das allerdings nicht, sagt Dirk Dygutsch. Wenn jeder statt der Toilette das Becken benutze, gäbe es sehr wohl ein Problem. Mit geringen Mengen, die Menschen womöglich „aus Versehen“ verlieren, käme das Chlor aber schon klar. Der typische Chlorgeruch in Schwimmbädern - den wir beide sehr lieben - kommt allerdings nicht vom Chlor, das riecht kaum. Vielmehr entstehe er durch flüchtige Gase, die frei werden, wenn Chlor den Harnstoff abbaut. Es ist also tatsächlich was dran - je mehr es nach Chlor riecht, desto mehr … Eine andere Story kann Dygutsch aber klar entkräften: Es ist nicht möglich, dass sich Urin verfärbt, wenn er dann doch mal ins Beckenwasser fließt. Also keine Sorge. Mindestens genauso wichtig, um das Badewasser sauber zu halten, ist das Duschen vorab. Denn das größte Risiko, Schadstoffe ins Wasser zu tragen, sind wir selbst. Vorher ordentlich einseifen und gründlich abduschen, rät Dygutsch, das wäre die allerbeste Hygiene. Wir schauen uns an und müssen ein bisschen lachen. In Hallenbädern wird das sicher von vielen gemacht. Im Freibad haben wir noch nie jemanden vor dem Schwimmen mit Seife unter der Dusche stehen sehen … | |||
| Folge 139: Faszination Eisschwimmen | 07 Jan 2026 | 00:48:38 | |
Es ist ein Trend, ein Hype, ein Wahnsinn geradezu - das Eisschwimmen. Gerade fanden vom 1. bis zum 6. Januar bundesweit die Eisschwimmtage statt, seit 2025 ist Eisschwimmen eine offizielle Sportart im Deutschen Schwimmverband. Immer mehr Menschen hüpfen im Winter mal eben in den eiskalten See (obwohl man auf keinen Fall hinein „springen“ sollte!). Wir sprechen heute mit Anke Rubien, eine unserer Hörerinnen, aber vor allem - einer Eisschwimmexpertin. Denn sie ist nicht nur selber Eisschwimmerin seit 2016, sondern hat sich auch zum Ice-Instructor ausbilden lassen, quasi zu einer Eisschwimmlehrerin. Zur Zeit kann man diese Ausbildung nur beim bayerischen Schwimmverband machen, Anke kommt selber aus Hessen und lebt zur Zeit bei Hannover - aber das war es ihr wert. Denn so schön und aufregend Eisschwimmen auch sein kann - es ist nicht ungefährlich. Die beiden wichtigsten Regeln, sagt Anke: NIEMALS allein und - immer bedenken, dass man aus dem kalten Wasser auch wieder rauskommen muss! Wer sich beispielsweise ein Loch in die Eisfläche eines Sees schlägt, handelt grob fahrlässig. Denn da kommt man zwar sehr schnell rein, aber nur sehr schwer wieder raus. Und auch für Retter ist es sehr schwierig, jemanden aus einem Eisloch herauszuziehen. Wenn man im kalten See schwimmen geht, sollte man auf jeden Fall immer eine Boje dabei haben. Nicht nur, weil man sich im Zweifel daran festhalten kann, sondern weil man einfach besser gesehen wird. Ob mit oder ohne Neoprenanzug, -socken oder -handschuhe - das müsse jeder und jede für sich selber entscheiden, sagt Anke. Neoprensocken seien oft sehr hilfreich, weil man nie so genau wisse, wie der Untergrund im See gerade beschaffen ist. Und wenn man reingeht, so ihr Tipp, dann erstmal bis zum Bauchnabel - und dann langsam, aber zügig den Rest. Und dabei gaaaaanz ruhig atmen! Anke selbst ist eher durch Zufall zum Eisschwimmen gekommen. Als Kind hatten ihr ihre Eltern das Schwimmtraining verboten, weil sie Angst hatten, dass sie zu muskulös, zu wenig weiblich dadurch werden würde. Mit 40 hat sie dann aber mit den eigenen Kindern wieder angefangen, hat zahlreiche internationale Wettkämpfe mitgeschommen, diverse Trainerscheine gemacht, als Volunteer bei Wettkämpfen unterstützt und sich dann auch noch zum Total Immersion-Coach ausbilden lassen. Kurz und krumm - das Wasser war und ist ihr Element. Zunächst vor allem im Becken, später, wenn auch zögerlich, im See. 2016 war sie als Zuschauerin bei der Eisschwimm-WM in Burghausen dabei, plötzlich fehlte eine Starterin in der Staffel und Anke wurde gefragt, ob sie nicht vielleicht …? Sie wollte. 25 Meter in eiskaltem Wasser. Bei 1,5 Grad Wasser- und minus 13 Grad Außentemperatur. Danach gab es kein Zurück mehr. Mittlerweile schwimmt sie auf Wettkämpfen 500 oder auch 1000 Meter. Brust oder Kraul, wobei sie betont, dass Kraulschwimmen im kalten Wasser nochmal eine ganz andere Überwindung ist. Rollwenden sind bei Eisschwimmwettkämpfen übrigens verboten. Und spätestens nach fünf Metern muss der Kopf wieder aufgetaucht sein - „sonst wird man disqualifiziert“. Das Eisschwimmen war auch eine gute Vorbereitung für eine ganz andere Idee, die Anke mit drei anderen Frauen im Jahr 2023 in die Tat umsetzte: Staffelschwimmen durch den Ärmelkanal und dabei Spenden sammeln für die „German Doctors“, die damit ein Dorf in Indien unterstützen wollten. 4.000 Euro sollten zusammenkommen. Am Ende waren es 32.000. Am 10. und 11. Januar 2026 wird Anke am vEItSbad Cup teilnehmen, der der Station beim aktuellen Deutschland Ice Cup. Wir wünschen ihr gutes Gelingen und viel Erfolg! | |||
| Folge 138: Happy New Year! | 31 Dec 2025 | 00:32:57 | |
An diesem letzten Tag des Jahres 2025 schauen wir zurück auf all das, was dieses Jahr für uns und hoffentlich auch unsere Hörerinnen und Hörerinnen besonders gemacht hat - allerdings erst, nachdem wir gemeinsam die Päckchen für die Gewinner:innen unseres Adventskalenders gepackt hatten. Allein der war schon wirklich speziell, nicht nur wegen der Fragen, sondern auch wegen der Entstehungsgeschichte: Immerhin durften wir für einige Szenen eine Stunde ganz allein in einem Berliner Schwimmbad drehen und dabei feststellen, was für ein unglaublicher Aufwand betrieben werden muss, um so ein Bad sauber zu halten. Richtig glücklich sind wir, dass wir nach drei Jahren jetzt auch endlich den angemessenen Windschutz für unsere Mikrophone haben: Dunkelwasserblau und natürlich mit dem Schriftzug „Chlorgesänge“! Regelmäßig kommen auch unsere Schwimmponchos mit dem gleichnamigen Schriftzug zum Einsatz - im Moment ganz allein unser Privateigentum, aber wenn wir es irgendwann tatsächlich mal schaffen, ein Gewerbe anzumelden, dann bieten wir sie womöglich auch zum Verkauf an. Genauso wie unsere Badekappen, die es mittlerweile immerhin schon in acht Farben gibt. 2025 haben wir aber auch erstmals eine Tombola gemacht, und das erste Mal Werbung für Schwimmbrillen (mit dem Code CHLOR20 gibt es 20 Prozent Rabatt), von denen wir aber auch wirklich immer noch total überzeugt sind. Und von den neuen Badeanzügen, die sich zumindest eine von uns gegönnt hat, wollen wir gar nicht reden … Aber natürlich haben wir auch für 2026 schon Pläne - zum Beispiel endlich mal nach Lippstadt zu fahren, wo es deutschlandweit das erste KI-Überwachungssystem gibt, was das Badpersonal unterstützen soll. Mindestens genauso neugierig sind wir auf „Wischael“ im Moselbad in Koblenz, ebenfall eine KI, die bei der Reinigung in Schwimmbädern unterstützen kann. Ein Bad mit einer 100-Meter-Bahn wollen wir unbedingt besuchen, bei einem 24-Stunden-Schwimmen teilnehmen, beim Aqua-Cycling mitmachen … und da geht bestimmt auch noch mehr. Wenn Ihr Anregungen für uns habt, worüber wir unbedingt mal berichten und wohin wir dringend mal fahren müssen - meldet Euch bei uns! Aber jetzt erstmal für alle: Wir wünschen Euch ein wunderbares Jahr 2026, auf dass ihr bei jeder Gelegenheit und immer freudig ins Wasser gehen könnt und vor allem - ganz viel Spaß habt! | |||
| Folge 137: Beschlagene Waschbäraugen | 17 Dec 2025 | 00:32:07 | |
Diesmal reden wir über etwas, was wir unbedingt brauchen und was trotzdem immer wieder ein Ärgernis ist: Die Schwimmbrille. Wobei sie natürlich auch ein Modeaccessoire sein kann - findet jedenfalls eine von uns (die mittlerweile zu jedem Badeanzug mindestens eine farblich passende Schwimmbrille hat). Aber die Schwimmbrille ist eben nur so lange cool, wie sie wirklich klare Sicht gewährt und nicht dauernd beschlägt. Im Moment schwören wir da ja gerade auf die OZEAN von buddyswim (kriegt ihr mit dem Code CHLOR20 übrigens immer noch 20 Prozent günstiger) - aber wir haben schon gemerkt, auch die fängt irgendwann an zu schwächeln. Der aktuelle Vergleichstest von vergleich.org sieht übrigens gerade die Cressi Clear Eyes ganz weit vorn - lohnt sich sicher mal auszuprobieren. Oder hat die vielleicht schon jemand getestet? Auch immer gern weit vorn ist die Arena The ONE, eine von uns hat damit auch schon sehr gute Erfahrungen gemacht. Grundsätzlich kommt es ohnehin auf die richtige Pflege an: Also nach dem Schwimmen mit kaltem (!) klaren Wasser abspülen, an der Luft trocknen lassen und auf jeden Fall in einem schützenden Behältnis oder Beutel aufbewahren. Und niemals (!) innen mit den Fingern an den Gläsern rumwischen! Die meisten Schwimmer und Schwimmerinnen sagen ja, dass die Antibeschlag-Beschichtung eben mit der Zeit abnutzt. Dann kann man sich Anti-Fog-Spray kaufen - oder man greift zu Hausmitteln, besser gesagt: zu Spucke. Aber nicht etwa reinspucken und den Schleim dann mit dem Finger verteilen - am besten die Gläser von innen ablecken. Ablecken? Ganz genau! Die Zunge beschädigt die Gläser nicht (außer ihr habt ein Zungenpiercing) und die Spucke enthält Nucine, also Schleim, der sich wie ein Schutzfilm über die Gläser legt. Danach einmal kurz ins Wasser tauchen - fertig. Aber wieso beschlägt die Brille überhaupt? Die Luft ist in der Regel wärmer als das Wasser, in dem wir schwimmen und unsere Körpertemperatur sowieso. Die warme Luft in der Brille schlägt sich dann in den (von außen gekühlten) Gläsern der Brille nieder. Deshalb ist zusätzlich zum Anlecken ein guter Tipp: Erst einmal untertauchen und dann erst die Brille aufsetzen - seitdem sie das weiß, war bei einer von uns die Brille nicht mehr beschlagen! Ein weiteres Schwimmbrillen-Phänomen: Die Waschbäraugen. Weil die Brille zu fest sitzt oder sich zu sehr ansaugt. Am Kopf festzurren soll man die Schwimmbrille ohnehin nicht, die Bänder müssen gar nicht so eng sitzen. Stattdessen die Glässer an den Augen leicht andrücken, dann saugt sich das Silikon im besten Fall von selber an. Aber ganz ohne Abdrücke wird es wohl nicht geht - Hauptsache, sie verschwinden nach dem Schwimmen schnell wieder. Eine gute Erfindung der letzten Jahre: dioptrische Schwimmbrillen. Vorbei die Zeiten, in denen sehbeeinträchtigte Menschen die Orientierung verloren, sobald sie im Wasser sind, diese Schwimmbrillen kann man an seine Kurz- oder Weitsichtigkeit individuell anpassen Für viele Schwimmer:innen ein Quantensprung. Ebenfalls eine gute Errungenschaft: Photochromatische Brillen, bei denen spezielle Filter die Lichteinstrahlung polarisieren und somit verhindern, dass sie direkt ins Auge geht - vor allem draußen im Sommer ein echter Gewinn. Grundsätzlich ist draußen auf jeden Fall ein UV-Schutz wichtig. Den gibt es übrigens bei getönten und klaren Gläsern. Welche Schwimmbrille die beste ist, muss am Ende jeder und jede selber ausprobieren. Manche schwören auch auf verstellbare Nasenstege oder die so genannten Schwedenbrillen, die so puristisch sind, dass die Augenschalen gar keine Dichtung haben. Allerdings beschlagen die auch ziemlich schnell. Außer … genau! | |||
| Folge 136: Auf heissen Kohlen | 26 Nov 2025 | 00:25:04 | |
Das tollste Erlebnis hatten wir dieses Mal, als die Aufnahme für den Podcast leider schon im Kasten war - ein Wenik-Aufguss eine halbe Stunde nach Mitternacht, mit Birkenzweigen und Rückenschlägen, wie es sich gehört. Und mit einem gut gelaunten Team, das einfach nur begeisterte! Doch der Reihe nach. Mitternachtschwimmen und lange Saunanacht im Berliner Stadtbad Lankwitz, das fanden wir interessant. Zugegeben - zunächst mal reizte uns vor allem das Mitternachtsschwimmen. Wann hat man das schon mal, dass man so spät am Abend noch seine Bahnen ziehen kann? Das allein schon hat sich gelohnt. Denn da die meisten Gäste lieber in der Sauna schwitzten statt im Schwimmbad Meter zu machen, hatten wir eine ganze Bahn für uns. Umso mehr reizte es uns dann aber auch, mal zu schauen, was die Sauna-Gäste denn eigentlich vom Becken fern hielt. Und die Überraschung hätte kaum größer sein können. Wir beide waren schon oft im Stadtbad Lankwitz. Aber dass sich hinter einer unscheinbaren Tür eine wahre Saunalandschaft verbirgt, hatten wir nie bemerkt. Zwei 95-Grad-Saunen, ein Dampfbad und eine 50-Grad-Sauna, dazu viele Duschen, Abkühlbecken, eine große Liegefläche zum Ausruhen und eine Dachterasse - allein das ist schon großartig. Seit diesem Jahr bieten Badleiterin Angelique Biesecke und ihr Team neben dem normalen Betrieb aber auch besondere Saunanächte an. Und das wird sehr gut angenommen. An diesem Samstag gab es alle halbe Stunde einen Aufguss in einer der beiden heißen Saunen, mal Glühwein-, mal Lebkuchen-, mal Biersauna (oder auch: Malz-Märchen) - ganz der Jahreszeit entsprechend. Nach jedem Saunagang dann passende Schnittchen und Getränke, die Stimmung hätte kaum besser sein können. Das ist sicher vor allem auch dem engagierten Team zu verdanken. Keiner tanzte aus der Reihe, alle hielten sich an die Regeln. Auch wir haben es sehr genossen! Und damit nicht genug - wir haben auch die Gelegenheit genutzt, unseren Adventskalender vorzubereiten. Und ein paar Szenen im und außerhalb des Wasser gedreht. Ihr dürft gespannt sein - jeden Tag gibt es eine Badekappe zu gewinnen, wenn ihr die richtige Antwort auf unsere Fragen wisst. Wir waren rutschen, tauchen, schwimmen - und haben alles gegeben, damit ihr ein bisschen Spaß habt. Wir haben keine Peinlichkeit ausgelassen! Los geht es - natürlich - am 1. Dezember. Wir freuen uns schon! | |||
| Folge 135: Arschbomben verboten | 19 Nov 2025 | 00:47:01 | |
Diesmal geht es über den Teich - und ein lang gehegter Wunsch von uns geht endlich in Erfüllung: Wir sprechen mit einer Wasserspringerin, und zwar nicht mit irgendeiner! Lena Hentschel ist eine der erfolgreichsten Synchronspringerinnen Deutschlands. Gerade erst hat sie bei den World University Games zusammen mit Luis Avila Sanchez Gold gewonnen, sie war bei der WM 2025 und bei Olympia 2024. Ihr Verein ist der Berliner TSC und sie ist in diesem Jahr als Berlins Sportlerin des Jahres nominiert. Zurzeit studiert sie an der Ohio State University, wo sie Training und Studium optimal verbinden kann. Ihre Haare sind noch nass, sie kommt gerade vom Training, als es mit unserer Schalte losgeht. Lena ist ausgesprochen gut gelaunt, die 24jährige, die seit 20 Jahren als Wasserspringerin aktiv ist, liebt ihren Sport, das merkt man, von Anstrengung ist bei ihr nichts zu spüren. Dabei ist ihre Disziplin alles andere als eine leichte Sache. Turnen, Akrobatik, Körperbeherrschung - da sind sechs Stunden Training täglich (!) keine Seltenheit. Alles muss perfekt sein, für jede Ungenauigkeit gibt es im Wettkampf Punktabzüge. Und das dann auch noch synchron mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin auf dem Nebenbrett. Trainiert wird viel auch an Land, mit Trampolin und Sprunggrube. Dass Lena nur 1,57 m groß ist, ist ihr großer Vorteil, sagt sie - „da ist man einfach noch beweglicher!“ Ein spezielles Outfit haben Wasserspringerinnen nicht, „man nimmt den Badeanzug, in dem man sich wohlfühlt“. Wichtig allerdings ist das Tuch, das sie immer dabei hat, wenn sie springt, „der Lappen“, wie sie selber sagt. Denn Wasserspringer müssen trocken sein, bevor sie springen, zu groß ist die Gefahr, dass sie sonst beim Salto, einer Drehung oder Schraube von ihrem eigenen Körper abrutschen. Ebenfalls wichtig: Das Wasser, in das sie springen, muss immer leicht in Bewegung sein - „sonst können wir die Oberfläche nicht erkennen“. Denn das ist das i-Tüpfelchen am Ende jedes Sprungs: Eintauchen, ohne dass es spritzt. Lena ist ein sehr offener Mensch - und deshalb spricht sie auch über etwas, was alle Schwimmerinnen umtreibt, auch wenn die wenigsten darüber reden - die Menstruation. In keinem anderen Sport ist die Sorge so groß, dass jemand etwas davon mitbekommt. Sie erinnert sich noch sehr gut, wie sie als 13jährige das erste Mal ihre Periode hatte und sofort Tampons benutzen musste - Binden im Training sind im Wassersport natürlich undenkbar. „Das war furchtbar und ich war erstmal eine Woche krank“, erzählt sie rückblickend. Aber auch Tampons sind im Schwimm- und Wasserspringtraining nicht immer angenehm, saugen sich mit Wasser voll und drücken. Mittlerweile hat sich Lena allerdings längst daran gewöhnt, eine Menstruationstasse käme weder für sie noch für ihre Trainingskolleginnen in Frage - zu groß die Gefahr, dass die verrutscht oder nicht dicht hält. Was sie aber im letzten Sommer für sich entdeckt hat: Ihr Menstruationszyklus kann ihr beim Training durchaus nützlich sein. „Ich bin wahnsinnig leistiungsfähig kurz vorm Eisprung“, sagt sie. „Und die Zeit danach kann ich sinnvoll zur Regeneration nutzen“. Wettkämpfe allerdings halten sich nicht an den Zyklus der Athletinnen. Und auch zyklusbasiertes Training im Leistungssport, wie es in anderen Sportarten hier und da mittlerweile probiert wird, ist für ihren Trainer kein Thema. Dabei liege darin durchaus eine Chance, findet Lena. „Ich sehe den Zyklus als Ressource, nicht als Problem.“ Durchgesetzt hat sich diese Einstellung bislang aber noch nicht - die Forschung über zyklusbasiertes Training steckt nach wie vor in den Kinderschuhen. | |||
| Folge 134: Achtsam schwimmen | 12 Nov 2025 | 00:32:37 | |
Einen Kilometer Delphin schwimmen? Das kann sich keine von uns vorstellen, schon beim Gedanken daran werden die Arme ganz müde und der Rücken schmerzt. Kathrin Lamm dagegen macht das regelmäßig. Dabei konnte sie bis vor acht Jahren nur Brust schwimmen, und auch das nur mehr schlecht als recht. Mittlerweile beherrscht die Hamburgerin nicht nur alle vier Schwimmstile - sie ist selber Schwimmlehrerin für Erwachsene, Rettungsschwimmerin und hat die Trainer-C Lizenz im Breitensport. Als Hamburgerin ist sie zudem Mitglied bei den Berliner Regenbogenforellen. „Ich bin eine Gast-Forelle“, sagt sie lachend. Bei Kathrin Lamm lernt man nicht die klassisch-traditionellen Schwimmstile, sie bildet nach der so genannten Shaw-Methode aus. „Es geht darum, ohne Anstrengung zu schwimmen“, sagt sie. Im Mittelpunkt stehe die Körperausrichtung, die Verbindung zwischen Kopf, Nacken und Rücken. Und die Rotation des Körpers „Mit dem Wasser schwimmen - nicht dagegen!“, so ihr Credo. Zu ihr kommen oft Triathleten, die beim Schwimmen nicht so gut vorankommen wie beim Laufen oder Radfahren. Oder Menschen, denen es weniger um Leistung im Becken geht als darum, sich unangetrengt im Wasser fortzubewegen. Entwickelt hat diesen Schwimmstil der Engländer Steven Shaw. Einst selber Leistungsschwimmer hatte er immer öfter Schmerzen beim Schwimmen, wollte aber trotzdem nicht damit aufhören. Auf der Suche danach, wie er sich müheloser im Becken fortbewegen könnte, stieß er auf die so genannte Alexander-Technik. Die hat mit Schwimmen erstmal gar nichts zu tun, sondern ist eine Methode, die sich mit dem Erkennen und Ändern eigener Gewohnheiten beschäftigt, besonders bei körperlichen Fehlhaltungen, die sich dann durch Verspannungen, Schmerzen oder Funktionseinschränkungen äußern. Besonders Menschen, die ihrem Körper oder ihrer Stimme besondere Leistungen abverlangen, wie Musiker, Schauspieler, Tänzer oder Sportler können von dieser Methode profitieren. Steven Shaw hat die Alexander-Technik genutzt, um die verschiedenen Schwimmstile zu modifizieren. Bei Kathrin Lamm hat das voll eingeschlagen. Innerhalb kürzester Zeit schwamm sie nicht nur sicherer Brust, sondern lernte auch Kraul, Rücken und Delphinschwimmen. Und war so begeistert, dass sie eine Ausbildung als Schwimmlehrerin machte - bei Steven Shaw. Mittlerweile gibt sie selber Schwimmkurse in einem Hamburger Fitnessstudio - ausschließlich für Erwachsene. Auch wer bereits schwimmen kann, muss hier eigentlich nochmal von vorn beginnen, erzählt sie. Es gehe darum, seinen Körper nochmal ganz anders wahrzunehmen. Verinnerlichte, aber womöglich schmerzhafte oder unangenehme Bewegungsmuster zu überschreiben. Mit einer Unterrichtsstunde sei es deshalb nicht getan, wenn man dauerhaft nach der Shaw-Methode schwimmen möchte, so ihre Erfahrung. Aber ein bisschen Übung braucht es dann eben schon, wenn man mühelos 1000 Meter Delphin schwimmen will. | |||
| Folge 133: Schnell und schlau | 05 Nov 2025 | 00:51:01 | |
Heute besuchen wir eine Schwimmerin, die mit Anfang zwanzig schon mehrfache Welt- und Europameisterin ist und diverse deutsche und europäische Rekorde aufgestellt hat: Johanna Schikora ist Flossenschwimmerin, eine Disziplin, die auch als Finswimming oder Speedswimming bekannt ist. Ebenfalls beim Gespräch dabei: Ihr Trainer Volko Kucher vom Bundestützpunkt Berlin, früher selber Flossenschwimmer und zudem Fachhändler für Wettkampfflossen. Johanna Schukora ist mit vielen Talenten gesegnet, sie spielt seit dem 5. Lebensjahr Klavier und gewann mehrmals den ersten Preis bei „Jugend musiziert“. Als Ausgleichssport begann sie im Alter von 12 Jahren mit dem Flossenschwimmen, beim Tauchclub FEZ. Bereits zwei Jahre später war sie Mitglied der Jugendnationalmannschaft. Dabei hat Johanna nie eine musikbetonte Schule oder ein Sportgymnasium besucht. Sie ist einfach sehr begabt, schwärmt Trainer Volko, dem man anmerkt, wie stolz er auf die Erfolge seines Schützlings ist. Vor allem eins kam Johanna viele Jahre zugute: Der Druck, der bei Weltklassesportler:innen immer präsent ist, hat ihr wenig ausgemacht. Sie liebt es, mit bis zu 12 Stundenkilometern durchs Becken zu gleiten, den Blick immer fest auf den Boden gerichtet, denn Flossenschwimmer:innen atmen durch einen so genannten Mittelschnorchel. Die Schwimmbewegung mit der ca.4-5 Kilo schweren Monoflosse ähnelt dem Delphinschwimmen, die Arme werden flach nach vorn ausgestreckt. Besonders wichtig ist deshalb bei dieser Schwimmart das Training der Bein- und Rumpfmuskulatur. Praktisch genauso viel Zeit wie im Wasser verbringt Johanna deshalb im Kraftraum. Diesen Wechsel liebt sie besonders: Während sie im Wasser die Welt auch mal draußen lassen kann, genießt sie beim Krafttraining Musik. Ebenfalls sehr wichtig, ergänzt Volko, ist das Training der Muskulatur rund um die Fußgelenke - denn die werden durch das auf und ab der Flosse enorm beansprucht. Johanna hat aber nicht nur viele Talente, sondern auch ein großes Herz - auch wenn sie im Gespräch keine große Sache daraus macht: Als sie erfuhr, dass ihre ukrainische Konkurrentin Anastasia Antoniak im Frühjahr 2022 nach Berlin geflohen war, hier aber keine Bleibe fand, nahm sie sie in ihrer Eineinhalb-Zimmer-Wohnung auf. Auch zum Training gingen sie fortan gemeinsam. Bei den World Games im Sommer 2022 holten sie dann beide eine Medaille: Johanna in Gold, Anastasia in Bronze. Wenig später wurde Johanna mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet. Wenn man dann auch noch hört, dass Johanna gerade erfolgreich ihren Bachelor in Psychologie bestanden hat, kann man das kaum glauben. Die nötige Willenskraft, all das zu schaffen, hat sie sicher auch durch den Sport mitgekriegt, sagt sie. Aber sie erlebt - wie alle Spitzensportler - auch schlechte Phasen. In denen der Körper nicht so mitmacht und alles zu viel zu werden droht. Auch darüber spricht Johanna. Dass es eben nicht selbstverständlich ist, wieder zu gewinnen, nur weil es schon mal gelungen ist. Aber dass das dann eben jeder erwartet. Dass vieles, was leicht und locker ausssieht, das Ergebnis sehr harter Arbeit ist. Und dass es manchmal schon ein sehr großer Erfolg ist, einfach nur dabei zu sein. | |||
| Folge 132: Herbstblues und Schwimmerschnupfen | 29 Oct 2025 | 00:26:26 | |
Da können die Blätter noch so hübsch bunt sein, wenn es jetzt tagsüber immer dunkler wird, kriegt man einfach den Herbstblues. Kann man ja was gegen machen, sich bewegen und schwimmen gehen zum Beispiel - blöd nur, dass der Herbst häufig nicht nur trübe ist, sondern auch ganz schön ansteckend. Und so hat sich eine von uns prompt Corona eingefangen und das Einzige, was noch läuft, ist die Nase! Was nutzt es also, lauter gute Tipps gegen schlechte Herbsttimmung zu kennen, wenn man sie nicht anwenden darf? Weil man sich, auch wenn die schlimmsten Symptome langsam abgeklungen sind, eben nicht einfach ins Schwimmbad stürzen kann? Das macht ganz schön schlechte Laune und da macht Eine von uns auch keinen Hehl draus - während die andere von bunten Blättern und leuchtenden Fahrradwesten schwärmt … Aber wie ist das eigentlich - kann man mit Erkältung tatsächlich nicht schwimmen gehen? Auf jeden Fall nicht in der akuten Phase! Zu groß ist die Gefahr, dass durch die Anstrengung - derf Körper kämpft gegen Viren und soll sich gleichzeitig auch noch im kalten Wasser behaupten - das Herz in Mitleidenschaft gezogen wird. Deshalb gilt sowieso immer: Bei erhöhter Temperatur oder Fieber: Schwimmverbot! Wenn die akute Phase vorbei ist, gilt die so genannte „Nackenregel“. Also: Wenn die Nase noch ein bisschen (!) läuft, sonst aber alles okay ist, kein Kratzen im Hals oder gar Husten, und man sich auch ansonsten wieder ganz wohl fühlt, kann man es probieren. In allen anderen Fällen sollte man nach Abklingen der Symptome unbedingt ein bis besser zwei Wochen warten, bevor man wieder ins Becken springt. In jedem Fall gilt: Nach einer Erkältung, einem grippalem Infekt oder einer Grippe ist es wichtig, es langsam angehen zu lassen. Nicht gleich wieder alles dran setzen, um die lahme Ente vor einem zu überholen, nicht gleich wieder tausende Meter und auch nicht unbedingt gehen, wenn alle gehen! Denn man hat nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern auch für die anderen. Wer möchte sich schon gern im Schwimmbad anstecken? Und ja, das Wasser ist gechlort. Aber Chlor zerstört diese kleinen Mikroorganismen eben nur langsam. Auf jeden Fall - vorher und nachher viel trinken und nach dem Schwimmen auf keinen Fall in die Sauna oder in den Whirlpool. Besser einfach hinlegen und sich ausruhen. Ganz unabhängig davon gibt es übrigens auch den berühmten Schwimmerschnupfen, ausgelöst durch Chlor, Pollen oder andere Stoffe im Wasser. Auch der kann der Beginn einer Erkältung sein. Leistungsschwimmer:innen sind übrigens ebenfalls nicht vor Erkältungen oder grippalen Infekten gefeit, auch wenn man meinen könnte, sie seien abgehärtet. Im Gegenteil - sie kann es im Herbst und Winter leider auch so richtig erwischen. Der Corona-Test ist übrigens mittlerweile negativ - die Schwimmbecken der Stadt müssen trotzdem noch eine Zeit auf eine von uns verzichten. Besser erstmal kein Risiko eingehen! Auch wenn das die Stimmung trübt. | |||