Retour

Explorez tous les épisodes du podcast Chlorgesänge

Plongez dans la liste complète des épisodes de Chlorgesänge. Chaque épisode est catalogué accompagné de descriptions détaillées, ce qui facilite la recherche et l'exploration de sujets spécifiques. Suivez tous les épisodes de votre podcast préféré et ne manquez aucun contenu pertinent.

Rows per page:

1–50 of 173

TitreDateDurée
Folge 81: Mit Boje ins Paradies04 Sep 202400:41:03

Diesmal waren wir im Paradies! Also eigentlich war es das Berliner Sommerbad Mariendorf, aber es kam uns vor wie das Paradies. Denn an diesem herrlichen Spätsommertag bei 26 Grad im Schatten waren gefühlt höchstens 20 Menschen im Bad. Und wir natürlich. Und dann war das 50-Meter-Becken auch noch geleint und zwar mit zwei Bahnen in der Mitte! Mehr perfekt geht einfach nicht!

Auch die Schwimmmeisterin machte einen ausgesprochen gelassenen Eindruck und erklärte uns, warum man sich zu den geleinten Bahnen in der Mitte entschlossen habe. Wenn die Leinen an der Seite sind, nutzen sie nämlich viele Menschen, um sich dranzuhängen und zwischendurch zu verschnaufen. Das aber ist ziemlich gefährlich! Da laufen nämlich feste Stahlseile durch und an denen kann man sich ganz schön weh tun! Wieder was gelernt.

Wir tauchen erstmal ein paar Bahnen ab und genießen dann noch bei unserem Freibadgedeck - Cola zero mit Pommes rotweiß - die entspannte Atmosphäre im Mitte der 1950er Jahre erbauten Sommerbad, liebevoll „Rixe“ genannt. Mit riesigem Nichtschwimmerbecken plus Wasserpilz und Rutsche, das wirklich ideal für Familien mit Kindern ist. Hier ist alles sehr liebevoll angelegt, mit hübschen Zeichnungen an den Wänden und noch den original Umkleidekabinen, mittlerweile alles unisex-Bereiche. Im Winter 1971 soll hier mal eine Traglufthalle über das Schwimmerbecken gespannt worden sein - das erwies sich dann aber doch als zu zugig.

Wir lassen die Sommersaison an uns vorbeiziehen, erwähnenswerte Gewaltvorfälle hat es in den Freibädern nicht gegeben, was die Befürworter:innen der 2,5 Millionen teuren Sicherheitsmaßnahmen inklusive Ausweiskontrollen, online-Tickets und höheren Zäunen sicherlich für sich verbuchen werden. Wir glauben eher, dass es am nassen Juli lag, aber wer weiß das schon?

Im Sommerbad Wilmersdorf und im Strandbad Tegel konnten in letzter Minute zwei Kinder gerettet werden, ein paar Tote gab es leider auch - aber zum Glück nicht in den Berliner Freibädern. Wohl aber in den Seen in und um Berlin - und einer von uns ist aufgefallen, dass mittlerweile immer mehr Menschen mit Bojen im Freiwasser unterwegs sind. Die andere zieht natürlich gleich zwei Exemplare aus der Tasche und gemeinsam begutachten wir, was denn so eine Boje kann - und was nicht. Eine Schwimmhilfe ist sie auf jeden Fall nicht, aber man kann Handy oder Handtuch trocken in ihr verstauen und sollte man doch mal einen Krampf kriegen, sich für einen Moment daran festhalten - bis Hilfe kommt. Zu sehen jedenfalls ist man damit gut - zumindest so lange, wie nicht Hunderte von Menschen mit Bojen im See unterwegs sind, dann wird es auch wieder etwas unübersichtlich …

Zum Schluss finden wir, dass auch dieser Sommer mal wieder einfach nicht lange genug gedauert hat und stellen mit Bedauern fest, dass die ersten Freibäder bereits schließen. Dabei haben wir doch noch Tickets auf unserer Mehrfachkarte! Es ist ein Elend. Aber ein schönes!

https://www.berlinerbaeder.de/baeder/detail/sommerbad-mariendorf/

https://www.instagram.com/explore/locations/212178722152057/sommerbad-mariendorf/?locale=de

https://www.schwimm-blog-berlin.de/2015/07/03/sommerbad-mariendorf/

https://www.geo.de/vergleich/schwimmbojen-test/




Folge 80: Fotografieren verboten28 Aug 202400:30:21

Dass man in (Berliner) Bädern nicht fotografieren darf, war im wahrsten Sinne des Wortes der Auslöser für Pia Henkel, aktiv zu werden. Die freie Fotografin liebt aber vor allem das Schwimmen - und die ganz besondere Atmosphäre, die jedem Schwimmbad innewohnt. Die wollte sie unbedingt festhalten, das wurde ihr klar, als sie im Sommerbad Pankow staunend vor den weißen Umkleidekabinen stand. Und zwar nicht mit einem Handy, sondern mit einer analogen Kamera, einem Stativ und ganz viel Geduld..

Also fragte sie die Berliner Bäderbetriebe, ob sie nicht vielleicht doch fotografieren dürfe. Und sie durfte. Immer früh am Morgen, wenn noch keine Gäste da sind und die Sonne die Bäder in ein ganz besonderes Licht taucht, immer anders, je nach Wetter und Jahreszeit.

Herausgekommen sind eindrucksvolle Bilder, finden wir. Was das Besondere ist: Jeder und jede von uns, egal ob man Schwimmbäder mag oder nicht, verbindet mit ihnen ganz eigene Gefühle. Gute oder schlechte, intensvive oder flüchtige, aber alle haben zu Schwimmbädern eine eigene Geschichte zu erzählen, erinnern sich an besondere Erlebnisse. Und Pias Bilder wecken diese Erinnerungen, im besten Falle gute! Und sie rücken das Bad von nebenan, in dem man doch eigentlich nur schwimmen will, nochmal in ein ganz besonderes Licht: Denn jedes hat seine ganz eigene Schönheit, die Pia in ihren Fotos ganz wunderbar herausgearbeitet hat.

Im Moment arbeitet Pia an ihrem Fotobuch, das sie für ihre Masterarbeit einreichen will, sie studiert in Dortmund Photographic Studies. „No running“ hat sie ihre Foto-Serie genannt, denn in Bädern darf man nicht nur nicht fotografieren, sondern auch nicht laufen. Und so sind ihre Fotos Momente des Innehaltens im Kontrast zur gewohnten lärmigen Schwimmbadatmosphäre. Mitte Oktober soll es im Studio 35 in Berlin-Lichtenberg dann auch eine Ausstellung geben. Alles Weitere erfahrt Ihr bei den Chlorgesängen und auf Pias Webseite!

https://piahenkel.com/

https://panorama.pm/project/no-running/

https://www.itsnicethat.com/articles/pia-henkel-no-running-project-photography-150922

https://taz.de/!5987725/







Folge 75: Der Kronprinz10 Jul 202400:30:56
Diesmal führt uns der Weg mal wieder ins tiefste Neukölln, in das Kombibad Gropiusstadt. Da waren wir letztes Jahr schon mal, an einem sehr heißen Sommertag, in einem vollem, aber ausgesprochen friedlichen Bad mit einer Bademeister-Crew, die freundlich, aber bestimmt die Lage jederzeit im Griff hatte. Seit diesem Jahr ist Sven Kraatz der Chef dieser Crew, also Leiter des Kombibads. Er begrüßt uns mit festem Händedruck und von der ersten Sekunde ist klar - er hat sehr großen Spaß an seiner Arbeit. Und dass es an diesem Tag immer wieder regnet und nur drei Menschen im Schwimmbecken ihre Bahnen ziehen, ist für ihn fast ein bisschen langweilig. Was womöglich auch daran liegt, dass er praktisch im Schwimmbad aufgewachsen ist: Sein Vater war viele Jahre Leiter im Kreuzberger Prinzenbad. Und der Sohn ebenfalls dort, wann immer er Zeit hatte. Und irgendwann stellte er dann fest - das will ich auch. Also machte seine Ausbildung als Fachangestellter für Bäderbetriebe, 2014 war er fertig und hatte seinen ersten Einsatz - im Prinzenbad! „Das war das erste richtige Jahr für mich und das letzte Jahr für meinen Vater“, erzählt er uns. Und die beiden hatten offensichtlich Spaß gemeinsam am Beckenrand - von Generationenkonflikt keine Spur. Sein Vater war eine Größe im Prinzenbad, man kannte ihn in Kreuzberg, den Erhard Kraatz, eine Respektsperson. Auch Sven findet ihn cool, fachsimpelt mit ihm immer noch gern am Abendbrottisch, sodass es seiner Frau auch schon mal zu viel wird. Beim Fachangestellten wollte Sven es dann aber doch nicht belassen, Vater hin oder her. Also machte er an der Akademie Saarbrücken seinen Meister und übernahm im Juni 2021 die Leitung der Schwimmhalle Sewanstraße - mit bis zu 20 Mitarbeitenden, Standortplanung, Aus- und Weiterbildung, Einkauf und alles, was dazu gehört. Drei Jahre später nun also der nächste Schritt - die Leitung eines Ganzjahresbades, Halle und Freibad, mit den unterschiedlichsten Bedingungen und Erwartungen, je nach Jahreszeit und Kundschaft. Für Sven, wie er sagt, eine tolle Herausforderung. Sein Ziel ist es, dass er nicht unvorhergesehen schließen muss - und dass die Gäste sich wohl fühlen. „Die Leute kommen doch hierher, um Spaß zu haben und sich zu entspannen“, sagt er. „Und das sollen sie auch können!“. Deshalb freut er sich auch schon auf das Sportangebot, das es demnächst auf dem Gelände des Kombibads das ganze Jahr über geben soll, von Volleyball bis Tischtennis. Außerdem will er, wenn es nicht ganz so voll ist, im Sommerbad zwei Bahnen abtrennen - „damit auch die sportlichen Schwimmer Lust haben vorbeizukommen!“. Nur länger öffnen als bis 20 Uhr kann er im Sommer leider nicht: „Wir haben hier draußen keine Beleuchtung - das wäre einfach zu gefährlich!“. Seine Geschichte, sagt Sven, sei übrigens keine Besonderheit. Bei den Berliner Bäderbetrieben gäbe es viele Familien in zweiter und dritter Generation. Mit seinem Sohn übt er auch schon die Abendroutine - allerdings nur zuhause. Der kleine Mann ist erst zweieinhalb und muss das Schwimmen erst noch erlernen. Aber wer weiß?
Folge 74: Abtauchen in Geschichten03 Jul 202400:30:23
Endlich Sommerferien! Endlich wegtauchen von Job und Alltagsstress, eintauchen in neue Welten, egal, ob im Urlaub oder auf dem Balkon, am Strand oder im Freibad. Und weil man in dieser Zeit so gar keine Lust auf Höchsleistungen verspürt, sondern sich lieber den Abenteuern von anderen widmet, empfehlen wir gleich zwei Bücher von zwei sehr starken Frauen, deren gößte Leidenschaft es ist, das Meer zu bezwingen - jede auf ihre ganz eigene Art und Weise. Die Extremschwimmerin Nathalie Pohl erzählt in ihrem Buch „Im Meer bin ich zu Hause“ von ihrem Traum, alle sieben Meerengen der „Ocean´s Seven“ zu durchqueren, wie sie sich immer wieder akribisch darauf vorbereitet - und doch scheitert. Es ist ein sehr lesenswertes Buch, weil hier keine Heldin von ihrer Großartigkeit erzählt. Im Gegenteil - Nathalie Pohl hat im Laufe der Zeit vor allem Demut gelernt. Vor dem Meer, den Gezeiten, dem Wind und den Meeresbewohnern. Sechs der sieben Meerengen hat sie mittlerweile geschafft, in diesem Herbst steht die letzte an. Wer dieses Buch gelesen hat, wird ihren Kampf durch den Nordkanal zwischen Schottland und Irland voll Spannung verfolgen. Ebenfalls extrem ist die Leidenschaft von Anna von Boetticher. Sie kann mit nur einem Atemzug 100 Meter tief tauchen, kommt sechs Minuten unter Wasser ohne Sauerstoff aus. In ihrem Buch „In die Tiefe“ erzählt sie, wie sie eine der erfolgreichsten Apnoe-Taucherinnen der Welt wird - und das, obwohl man ihr bereits als Kind eine zu kleine Lunge attestiert. In den Tiefen der Weltmeere schwimmt sie mit Haien, Rochen und Schildkröten - und ihre Begegnung mit einem Orca lässt einen schon beim Lesen das Blut in den Adern gefrieren. Und macht Mut. Ihr Motto: „Einfach mal ganz ruhig bleiben“. Gute Romane sollen hier aber auch nicht zu kurz kommen: „Solange wir schwimmen“ von Julie Otsuka ist ein Buch, was bei uns beiden sehr lange nachgehallt hat. Im Kern geht es um eine Mutter-Tochter-Geschichte und den Umgang mit Demenz - aber die Beschreibung der Schwimmbadbesuche gehören zum Besten, was wir seit langem gelesen haben. Bis eines Tages der Riss auftaucht - im Becken, in der Geschichte, im Buch. Unbedingt lesen! Ein Buch, was sich eher für den Balkon als für den Urlaub eignet, ist „Ein Leben für den Ozean“. Zehn Geschichten über die Helden der Meere, zusammengetragen vom Macher des Podcasts „Helden der Meere“. Ein schweres und zugleich leichtes Buch, mit eindrucksvollen Bildern und starken Geschichten. Im wahrsten Sinne des Wortes - zum Eintauchen. Leicht und verzaubernd kommt dagegen „Wasserzeiten“ daher, das Büchlein von Kristine Bilkau. Wer mit eigenen Worten nicht zusammenfassen kann, was ihm/ihr das Schwimmen bedeutet - nach der Lektüre dieses Buches fällt es leichter. Es wird im wahrsten Sinne des Wortes immer klarer und klarer - und beschert einem auf jeden Fall eine entspannte kleine Auszeit. Auch ein Krimi soll hier nicht fehlen: „Der Schwimmer“ von Joakim Zander. Schon ein paar Jahre alt, aber deswegen ist nicht weniger spannend, die Geschichte von einem amerikanischen Agenten, der nur zur Ruhe kommt, wenn er schwimmen gehen kann. Und noch ein Tipp: Elizabeth Strout „Mit Blick auf´s Meer“. Wer ihre Hauptperson, die pensionierte Lehrerin Olive Kitteridge einmal kennengelernt hat, wird sie niemals vergessen. Und jetzt: Viel Spaß beim Lesen! https://www.amazon.de/Meer-bin-ich-Hause-Reiseberichte-ebook/dp/B0CLL1YJ4C https://www.amazon.de/die-Tiefe-Grenzen-suchte-Chancen/dp/3864930707 https://www.kulturkaufhaus.de/de/detail/ISBN-9783866486911/Otsuka-Julie/Solange-wir-schwimmen https://ein-leben-fuer-den-ozean.de/ https://www.kulturkaufhaus.de/de/detail/ISBN-9783716028193/Bilkau-Kristine/Wasserzeiten?wt_mc=p.sea.ecom_campaign.google.dsa_kategorie.&gad_source=1&gclid=CjwKCAjwp4m0BhBAEiwAsdc4aFqNT0ZjHajqW5Yk3c3TsrOsnaZOpi2MenLhzkIfhFGz2ojf8_b3HBoCgtgQAvD_BwE https://www.amazon.de/Schwimmer-Klara-Walld%C3%A9en-Band/dp/3499268876 https://www.perlentaucher.de/buch/elizabeth-strout/mit-blick-aufs-meer.html
Folge 73: Stadtbad reloaded26 Jun 202400:31:35
Heute geht es um den beeindruckenden Versuch, einem alten Schwimmbad wieder Leben einzuhauchen - und das ganz ohne Wasser. Das Hubertusbad in Berlin-Lichtenberg ist ein genialer Ort mit Option auf mehr, davon waren wir bei unserem Besuch an einem warmen Juni-Sonntag jedenfalls auf Anhieb überzeugt. Anlass war die Ausstellung „Stadbad reloaded“, die zur Zeit in dem 96 Jahre alten Schwimmbad stattfindet: Über 150 digitale Kunstwerke auf über 150 Tablet-Bildschirmen, von mehr als 30 Künster:innen aus aller Welt - im Foyer, in den Duschen, an und in den Umkleidekabinen und sogar in den Toiletten. Dabei ist das Bad schon selbst ein Kunstwerk. Erbaut in den 1920er Jahren, im Stil des Expressionismus mit Jugendstil-Elementen, mit einem Schwimmbecken für Frauen (20 Meter lang) und einem Schwimmbecken für Männer (25 Meter lang), jeweils in einer eigenen Halle. Dazwischen: Die Wannen- und Brauseabteilung, wo sich Menschen einfach nur waschen und baden konnten, weil sie in der eigenen Wohnung oft keine Möglichkeit dazu hatten. Das Schwimmbad hat eine wechselvolle Geschichte. Vereine schwammen hier, Rettungsschwimmer wurden ausgebildet und sogar Wettkämpfe fanden hier statt, was man sich kaum vorstellen kann, weil die Becken auf der einen Seite zwar 3,50 Meter, auf der anderen Seite allerdings nur 50-70 Zenttimeter tief sind. Und doch - Anfang der 90er Jahre war Schluss mit dem Hubertusbad. Wasseraufbereit und Heizungsanlage funktionierten nicht mehr, Baumängel und Geldmangel taten ihr übriges. Allerdings - das Gebäude stand und steht unter Denkmalschutz, einfach abreißen also unmöglich. Die erneute Nutzung als Schwimmbad allerdings auch nicht - obwohl sich zahlreiche Initiativen dafür immer wieder einsetzten. Bis 2016 der Berliner Senat beschloss, dass das Hubertusbad zwar trocken bleibt, aber als Veranstaltungsort und Begegnungszentrum genutzt werden soll. Und wir müssen sagen - der erste Teil der Sanierung ist einfach wirklich toll geworden. In der Frauen-Schwimmhalle wurde aufgeräumt und der alte Zustand liebevoll konserviert. So lässt sich der Glanz der alten Zeiten nach vielen Jahren des Stillstands heute wieder erahnen, wir haben das Gefühl, wir sind auf Zeitreise: Ein Holzboden, der über das Beckengezogen wurde, lädt mit dicken Kissen zum Verweilen ein. Von hier aus schweift unser Blick über die zahlreichen Umkleidemöglichkeiten, die sich rund um die Schwimmbecken im Erdgeschoss und auf der Galerie verteilen. Dahinter der so genannte Stiefelgang, nach vorn führt der Weg aus der Kabine direkt in den Badebereich. Fun fact: Vor dem Schwimmen musste eine Körperreinigung ohne Badekleidung vorgenommen werden, und das wurde von den Badefrauen dort such stichprobenartig kontrolliert. Heute kaum vorstellbar! Die Ausstellung, die Kunstwerke auf den Tablets nehmen die Umgebung auf, spielen mit ihr, spinnen die Geschichte weiter oder kehren sie um, manchmal entrückt, manchmal detailverliebt, manchmal verstörend. Der Kurator Dennis Peqas, selbst Lichtenberger, hat die Ausstellung allein finanziert, über 20.000 Besucher:innen haben sich seit Ende Februar hier inspirieren lassen. Auch wir sind einfach nur begeistert - vor allem, weil wir die noch unsanierte „Männerhalle“ zwar nicht betreten, durch durchsichtige Plexiglawände aber reinschauen dürfen. Als Ausstellungsort ist das alles eine Wucht, als Veranstaltungsort aber auch - hier tanzt man wahrhaftig auf dem Boden der Vergangenheit. Wir finden übrigens, die Ausstellung ist ein super Ort für ein erstes Date. Hier gibt es so viel zu entdecken, dass man gleich merkt, ob man auf einer Wellenlänge schwimmt … Mindestens bis Ende Juli ist „Stadtbad reloaded“ auf jeden Fall noch geöffnet, immer von Donnerstags bis Sonntags von 12 bis 22 Uhr. https://www.stadtbadreloaded.de/ https://docs.google.com/document/d/e/2PACX-1vQ8TyEj3vSNCK7Ne2ULT0E3cKdwa5LI3zlLx0bOK9VahkR2C7uf750_hd2vfIlaJOGWEjQrnhAlmrQr/pub https://swim.de/aktuell/szene/lost-places-in-berlin-wie-digitale-kunst-dem-stadtbad-lichtenberg-neues-leben-einhaucht/ https://de.wikipedia.org/wiki/Stadtbad_Lichtenberg#cite_note-6
Folge 72: Der 5-Punkte-Plan19 Jun 202400:43:08

Er hat ganz klare Vorstellungen, was sich in (Berliner) Bädern ändern muss, damit alle im Becken zu ihrem Recht kommen: Alexander Steinhart ist Trainer mit A-Lizenz des Deutschen Schwimmverbands, betreut und trainiert mit seinem Unternehmen xray sports GmbH nationale und internationale Schwimmer:innen, Kaderathleten, Leistungsschwimmerinnen. Auch Nachwuchs für das Landesleistungszentrum hat er bereits gesichtet. Bei unserem Gespräch kommen wir dann auch gleich auf seinen 5-Punkte-Plan zu sprechen: 1. In jedem Bad müsse es mindestens 3 geleinte Bahnen geben, um auch sportliches Schwimmen zu ermöglichen, im Freibad am besten in der Mitte - dann hätten alle anderen zudem jederzeit die Sicherheit eines Beckenrands (Finden wir eine sehr charmante Idee!) 2. Fünf Meter vor dem Rand müsste jede Leine mit einem Fähnchen versehen sein - für Rückenschwimmer und gegen das schmerzhafte Autsch am Ende der Bahn (Absolut!). 3. Schwimm-Equipment müsse überall ohne Einschränkungen zugelassen werden - also alle Schwimmer:innen sollten Paddles, Kurzflossen, Schwimmbretter oder Pullbuoys mitbringen und jederzeit nutzen können (an dieser Stwelle müssen wir das erste Mal widersprechen - auf engen Bahnen mit Flossenschwimmern unterwegs zu sein, ist nicht automatisch ein Vergnügen. Da kriegt man schnell mal einen mit der Flosse gewischt und das kann schon weh tun. Aber natürlich - wenn alle wirklich rücksichtsvoll sind …). 4. Auf den geleinten Bahnen müsse es unbedingt nutzbare Startblocks geben, um Startsprünge üben zu können. (Auch hier können wir den Wunsch zwar nachvollziehen - wenn es allerdings richtig voll ist, könnte es andere Schwimmer doch stören, wenn an allen Bahnen gesprungen wird. Aber ein Versuch wäre es wert!) 5. Es müsse optimale Öffnungszeiten für Berufstätige geben - also auch im Sommer in den Freibädern bis 22 Uhr, am Wochenende verlässlich durchgehend von 8 bis 21 Uhr. Und zwar in jedem Bezirk bei mindestens einem Schwimmbad. (Hach … Seufz. Ja, das wäre schön. Aber es gibt ja schon jetzt zu wenig Fachpersonal. Und außerdem auch nicht in jedem Bezirk ein Schwimmbad …) Alexander hat diese Forderungen schon häufiger vorgetragen, genutzt hat es leider nichts, sagt er. Er wünscht sich auch eine Diskussion darüber, wie Schwimmtrainer eigentlich vergütet werden müssen. In der Regel haben sie ihre Ausbildung selbst finanziert, sie unterrichten etwas, was überlebenswichtig ist - da wäre auch eine größere finanzielle Anerkennung angemessen, findet er. Und meint nicht, dass Eltern oder Schwimmer:innen tiefer in die Tasche greifen müssen. Sondern dass der Staat unterstützt, was dringend gebraucht wird. 60 Euro kostet es zum Beispiel schon, eine Bahn zu mieten. Ein Personaltraining bietet Alexander Steinhart schon ab 85 Euro an. Alexander trainiert seine Schützlinge in der Regel im Berliner Kombibad Seestraße, Athlet:innen genauso wie Kinder. Beim Seepferdchen startet er mit Rückenschwimmen, dann Kraul und dann erst Brust. „Alles andere ist für die Kinder oft viel zu schwer“, findet er. Generell ist er der Meinung - wer regelmäßig gut schwimmen will, sollte nicht nur im Wasser trainieren, sondern auch darüber hinaus Muskelaufbau und Muskeltraining betreiben, Deshalb macht er am 22 Juni in Berlin-Kreuzberg ein eigenes Personal Training Studio auf. Schwim-Camps kann man da übrigens auch buchen. ⁠https://www.xray-sports.com/⁠ https://www.provenexpert.com/de-de/xray-sports-ug/ https://selbststaendigkeit.de/news-interviews/interview-schwimmtrainer-alexander-steinhart-xray-sports-berlin/ https://www.instagram.com/alexandersteinhart/ https://www.instagram.com/xray_sports/


Folge 71: Wassertherapie12 Jun 202400:38:55
Enja Kanzelmeyer ist Hörerin unseres Podcasts seit der ersten Folge - und deshalb hat die Physiotherapeutin aus Stade (on der Nähe von Hamburg) uns einfach mal angeschrieben. Denn auch in ihrem Beruf hat Enja immer ihre Leidenschaft zum Wasser und dem Schwimmen gepflegt, und davon wollte sie uns gern mal erzählen. Wir fanden das sehr interessant - und weil Enja sowieso regelmäßig in Berlin ist, um Tochter und Enkelkind zu besuchen, haben wir uns kurzerhand verabredet - und zwar im Kombibad Seestraße, wo Enja regelmäßig schwimmen geht, wenn sie in der Hauptstadt ist. Enja ist Aquafitness-Trainerin, Baby- und Kleinkindschwimmlehrerin und gibt für die Rheumaliga Funktionstrainingskurse im Wasser. Sie erzählt, dass Patienten, die zu ihr zur Manuellen Lymphdrainage kommen, sich oft von ihr anhören müssen, dass Bewegung im Wasser eine der tollsten Methoden ist, um ihre Wassereinlagerungen zu beheben. Viele Patienten habe sie dadurch zu regelmäßigen Schwimmer:innen gemacht. Aber natürlich gibt es auch Physiotherapie IM Wasser. Allerdings - in der ärztlichen Verordnung muss auf dem Rezept "Krankengymnastik im Bewegungsbad" stehen. Und längst nicht alle Physiotherapeuten wollen und können das, erzählt Enja. In der Ausbildung zum Physiotherapeuten sei dies ein Unterrichtsfach, das mit nur 10 Stunden abgedeckt wird. Sie selbst hat dieses Fach über mehrere Jahre an der Berufsfachschule für Physiotherapie in Stade unterrichtet. Die nötige Praxis hat sie: Neun Jahre war sie in einer Physiotherapie-Praxis mit Bewegungsbad tätig. Deswegen hat sie dort auch besonders gern gearbeitet. Sie ist genauso überzeugt wie wir davon, dass das Medium Wasser uns und unserem Körper gut tut! Ein "Wasserthema", über das wir auch kurz gesprochen haben, ist Wasser als Entspannungsmedium. Bewegen oder bewegt werden im ca. 35° warmen Wasser hat einen großartigen Einfluß nicht nur auf unseren Körper, sagt Enja, sondern auch auf unsere Psyche/Seele. Sie selbst hat früher in einem Verein in Leverkusen geschwommen, dann, wie die meisten, nur so ab und zu. Doch weil sie wegen eines Rückenproblems nicht mehr längere Strecken joggen konnte, hat sie den Schwimmsport wiederentdeckt - und erneut in einen Verein eingetreten: Den „Schwimmladies“ des Stader Schwimmvereins. Seit letztem Frühjahr ist sie auch ausgebildete Rettungsschwimmerin in Silber, damit eine Rettungskraft beim Vereinstraining präsent ist, die dann aber auch mitschwimmen darf. Diese Ausbildung zum Rettungsschwimmer sei von ihr und ihren Schwimmkolleg:innen vom Verein deutlich unterschätzt worden: „Wir sind alle sehr gute Schwimmer, aber die Prüfungsaufgaben, zu denen wir uns bis auf die Befreiungsgriffe nicht vorbereitet haben, haben wir deutlich unterschätzt!“ Seitdem habe sie großen Respekt vor allen Menschen, die das Rettungsschwimmen betreiben! Wir hatten ein sehr munteres Gespräch und Enja hat echt tolle Ideen und probiert vieles aus. Eine Idee muss sie uns unbedingt noch mitgeben: Liebesgeschichten, die unsere Hörer:innen zu erzählen/schreiben/berichten haben, die mit dem Schwimmen zu tun haben. Sie selbst hat ihren ersten Freund mit 15 Jahren im Schwimmverein kennengelernt. Er schwamm Brust, sie kraulte und es war eine erste zarte Liebe, die das Erwachsenwerden nicht überlebte. Vor 15 Jahren gab es ein Ehemaligentreffen des damaligen Schwimmvereins und die beiden sind sich wieder begegnet. Die Liebe flammte zwar nicht wieder auf, aber seitdem haben die beiden wieder losen Kontakt. Wir finden, das ist eine tolle Idee. Wer hat Lust, uns von seiner Schwimm-Liebesgeschichte zu erzählen??? https://heilmittelkatalog.de/massnahmen-der-physiotherapie https://www.drk.de/hilfe-in-deutschland/kurse-im-ueberblick/gesundheitskurs-wassergymnastik/  https://bez-hildesheim.dlrg.de/fileadmin/groups/8300000/DLRG_Quiz.pdf https://www.watsu.de/ https://www.youtube.com/watch?v=rZ8LylrPbPM  https://www.youtube.com/watch?v=7vOgAhdhXE4  
Folge 70: Einmal sozial, immer sozial05 Jun 202400:37:42
Schon die erste Begegnung unweit der Berliner Schwimmhalle Fischerinsel war herrlich: Ohne große Umstände ließ sich Katja Kipping auf dem nahe gelegenen Spielplatz gemeinsam mit uns auf einer Holzplattform nieder, ein bisschen so, als wollten wir jetzt ein Picknick machen. Dann noch schnell ein Selfie von uns dreien - und schon ging es los. Genauso unkompliziert wie ihre Zusage - Chlorgesänge? Kenn ich. Mach ich! - war dann auch unser Gespräch. Und unter Sportlerinnen waren wir dann auch gleich per Du. Denn bekannt ist die 46jährige zwar vor allem als engagierte Sozial- und Linkenpolitikerin - weniger bekannt aber ist, dass sie sich nach der (vorläufigen?) Beendigung ihrer Karriere verstärkt ihrer anderen Leidenschaft widmet - dem Schwimmen. Schon als Berliner Sozialsenatorin sei sie mindestens einmal die Woche schwimmen gegangen, erzählt sie uns, am liebsten ins Prinzenbad oder in die Schwimmhalle am Europasportpark. Als Gegenmittel zum vielen Sitzen. Um runterzukommen, sich zu bewegen. Bevorzugte Lage: Rückenschwimmen. Nach der Wiederholungswahl 2023 in Berlin schied Katja Kipping Ende April aus dem Senat aus - und lernte erstmal was Neues - Kraulschwimmen bei den Regenbogenforellen, leise lang und leicht (Chlorgesänge Folge 37). „Ich habe viele Vereine angeschrieben“, sagt sie, „und ich bin sehr froh, dass ich hier gelandet bin!“. Doch da es ihr offenbar widerstrebt, einfach nur was für sich selber zu tun, fing sie nicht nur ein Personalmanagement-Studium an, sondern machte im Herbst 2023 auch noch einen Rettungsschwimmerkurs, absolvierte Kurse zur Qualifikation als Schwimmtrainerin und erwarb die Trainerlizent im Breitensport. Vor allem das Tieftauchen mit den Füßen zuerst hatte es in sich, erzählt sie. Die wahre Herausforderung beim Rettungsschwimmkurs aber war, nach dem Schwimmen in Klamotten auf Zeit, im Wasser Hose und Jacke auszuziehen und dann auch noch weit über den Beckenrand zu werfen. „Weitwurf war noch nie meine Stärke, das sitzt fest im Kopf!“ Sie hat es geschafft, seitdem gibt sie nicht nur selber ehrenamtlich Kurse beim DLRG - sie unterrichtet auch einmal die Woche drei dritte Klassen beim Schul-Schwimmunterricht. Schwimmen können ist eben einfach überlebenswichtig, findet sie - und will ihren Teil dazu tun, dass Kinder schwimmen lernen. Und das ist nicht nur Ambition - ihre Augen leuchten, wenn sie erzählt, welchen Spaß sie daran hat, den acht- oder neunjährigen zu helfen, sich ans Wasser zu gewöhnen, ihre Angst zu überwinden, das Seepferdchen zu schaffen. Und dann wollten wir natürlich von ihr wissen: Becken oder Freiwasser? Sie mag beides. Und sie wünscht sich, dass es gerade noch viel mehr freie Zugänge zu Seen gibt. Weil hier jeder kostenlos schwimmen kann: „Wir brauchen einfach mehr Wasserfläche für alle!“ Und natürlich auch mehr Wassserzeiten in den Bädern für Schulen und Vereine, für private Gäste, für die DLRG. Schwierig in Berlin, wo trotz der über 60 Schwimmbäder alle um Wasserzeiten rangeln und oft einfach zu wenig Geld für die dringend notwenige Sanierung von Bädern da ist. Ihre Idee: Wenn nicht genug Geld vorhanden ist, um allen einen erschwinglichen Zugang zum Bad zu ermöglichen, sollten private Pools besteuert werden, um im Gegenzug die Bäderinfrastruktur für alle zu finanzieren. Sie selber geht weiterhin regelmäßig schwimmen, auch mal bei 12 Grad Wassertemperatur im Prinzenbad oder zum winterlichen Eisbaden im See. Was sie an Schwimmbädern mag: Dass sich hier Menschen aus allen Gesellschaftsschichten begegnen. Bikini oder Burkini - völlig egal. Jetzt aber muss sie los, in die Schwimmhalle Fischerinsel, zum DLRG-Kurs. Noch ein letztes Selfie, ein fröhliches Winken - Katja Kipping wird gebraucht und hat offensichtlich Spaß daran. https://de.wikipedia.org/wiki/Katja_Kipping https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/ex-linke-chefin-katja-kipping-ueber-burkini-und-fkk-im-prinzenbad-li.2194321 https://www.saechsische.de/politik/parteien/die-linke/fruehere-linkenchefin-bringt-berliner-kindern-das-schwimmen-bei-5962468.html https://www.instagram.com/katja.kipping/?hl=de https://de.linkedin.com/in/katja-kipping-1375b6269
Folge 69: Unser Mann für Olympia29 May 202400:38:20
Diesmal waren wir beide ziemlich aufgeregt, auch wenn eine von uns das vermutlich vehement bestreiten würde. Nicht nur, dass wir das erste Mal die Schwimmhalle im Sportforum Hohenschönhausen betreten würden - wir hatten einen Termin mit Deutschlands bestem Rückenschwimmer! Und Ole Braunschweig ist wirklich beeindruckend. Weil der 26jährige zwar seit Jahren Bestzeiten, Siege und Rekorde nach Hause bringt, aber ansonsten ein überaus netter und bodenständiger Mensch ist. Das ist sicher auch das Besondere an ihm. Ole war nie der Überflieger, auch in der Sportschule nicht. Jedesmal musste er zittern, wenn die nächste Überprüfung anstand. War er gut genug, um an der Sportschule bleiben zu dürfen? Zum Glück gab es dann doch immer noch jemanden, der oder die sich für ihn einsetzte - Ole blieb. Obwohl ihm immer wieder attestiert wurde, dass es ihm eigentlich an Athletik fehle. Dass er nicht genug Talent habe. Und dann waren da noch die Verletzungen, die ihn immer wieder aus der Bahn warfen. Eine Scherbe im Knie. Dann der Kreuzbandriss. Das Pfeiffersche Drüsenfieber. Und natürlich Corona. Ole hat trotzdem immer weiter gemacht. Sein ADHS hat ihm dabei geholfen, sagt er. Im Tunnel zu sein und sich auf´s Schwimmen zu konzentrieren. Geholfen hat ihm sicher auch der Ansporn in der eigenen Familie. Sein Bruder, Malte Braunschweig, drei Jahre jünger - aber viel früher schon als Schwimmer erfolgreich. Er tritt bei den Paraschwimmern an, hat eine Dysmelie, eine Fehlbildung am Arm - und wird genauso wie Ole in diesem Sommer in Paris sein. Ole bei Olympia. Malte bei den Paralympics. Und weil das historisch einmalig ist, treten die beiden auch oft gemeinsam bei Interviews auf. Doch in dieser Folge soll es nur um Ole gehen. Der nicht nur schwimmt, sondern auch Aktivensprecher ist. Also andere Schwimmer und Schwimmerinnen vertritt, wenn es um ihre Rechte geht, darum, ob sie nicht doch an einem Wettkampf teilnehmen können. Um Trainingsbedingungen und vieles andere mehr: Er nehme eben kein Blatt vor den Mund, sagt Ole. Und trete gern für andere ein. Neben dem Sport studiert Ole noch - natürlich Sport. Und angewandte Trainingswissenschaft an der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport (DHGS). Das hilft ihm auch beim eigenen Training. Was sein Ziel nach seiner Schwimmerkarriere ist, weiß er noch nicht. Vielleicht eine Ausbildung machen. Als Tischler zum Beispiel. Jetzt ist er erstmal froh, dass er so viele Schwimmerinnen und Schwimmer als Freunde hat. Da musss er sich nicht dauernd erklären, warum er ausgerechnet diesen Sport gewählt hat, ständig in der Bahn, täglich 5 Stunde 6 Tage die Woche, 1800 Kilometer im Jahr. Den anderen geht es ja genauso. Kein Wunder, dass er mit einem Schwimmer zusammenwohnt. Und seine beste Freundin eine Schwimm-Weltmeisterin ist. Wir wünschen ihm alle Gute für Olympia. Und werden seine Wetkämpfe auf jeden Fall mit fest gedrückten Daumen verfolgen! Ins Schwimmbecken im Sportforum haben wir übrigens auch mal einen Zeh reingestreckt, die können wir jetzt in die Liste unserer absolvierten Schwimmbäder aufnehmen. Ute war übrigens die erste … https://www.ole-braunschweig.de/ https://de.wikipedia.org/wiki/Ole_Braunschweig https://www.sueddeutsche.de/sport/schwimmen-ole-braunschweig-portraet-berlin-1.6281031 https://www.berlinerbaeder.de/baeder/detail/sportforum-hohenschoenhausen/ https://de.wikipedia.org/wiki/Dysmelie https://de.wikipedia.org/wiki/Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivit%C3%A4tsst%C3%B6rung
Folge 68: Durch´s Wasser flickern22 May 202400:27:58
Wir haben es endlich geschafft - und waren beim Unterwassehockey-Training! Genauer gesagt war nur eine von uns dabei, während die andere versucht hat, Unterwasser-FOTOS zu machen - aber immerhin waren wir beide im Wasser. Aber das Ganze ist eben doch anspruchsvoll: Alex Kootstra, gebürtiger Niederländer und seit 20 Jahren dabei, erklärt uns deshalb wirklich sehr geduldig, was es mit diesem Sport auf sich hat. Man braucht natürlich Hockeyschläger, die sind aber mitnichten so lang wie beim Hockey an Land, sondern messen höchstens 35 Zentimeter und sehen ein bisschen aus wie kleine Säbel. Damit „flickert“ man den rund anderthalb Kilo schweren Puck über den Beckenboden in Richtung gegnerisches Tor. Flickern heißt, dass der Puck mit einer Drehung des Handgelenks nach vorne geschleudert wird. Das erfordert einiges an Übung, kann man aber in ein, zwei Monaten lernen, meint Alex. Unterwasserhockey-Spieler:innen tragen Tauchermaske mit Schnorchel, Flossen, Mundschutz, die Hand mit dem Schläger steckt in einem mit Silikon verstärktem Handschuh, um Verletzungen zu vermeiden. Denn beim Kampf um den Puck könnte man sich sonst auch schon mal am Beckenboden die Hand aufschrammen oder gar im schlimmsten Fall den Finger brechen - obwohl es sich bei Unterwasserhockey eigentlich um einen kontaktlosen Sport handelt. Man darf also den Gegner weder schubsen noch an ihm zerren, aber ganz vermeiden lässt sich der Körperkontakt beim Kampf um den Puck eben nicht. Die Regeln sind schnell erklärt: Man braucht ein mindestens zwei Meter tiefes Becken, was mindestens 15 Meter lang ist, 2 Mannschaften mit je 6 Spielern und gespielt wird 2x15 Minuten. Ziel ist es, den Puck so oft wie möglich ins gegnerische Tor zu bringen. Drei Schwiedsrichter im und einer außerhalb des Wassers achten darauf, dass die Regeln auch eingehalten werden. Alle anderen achten darauf, möglichst lange unter Wasser die Luft anzuhalten. Besonders publikumsfreundlich ist dieser Sport allerdings nicht: Richtig spannend ist es nur, wenn die Zuschauer:innen selber unter Wasser sind. Insofern auch nicht wirklich verwunderlich, dass lediglich in zehn deutschen Städten Unterwasserhockey gespielt wird, sieben Clubs kämpfen um die deutsche Meisterschaft. Aber die Deutschen spielen beim Unterwasserhockey ohnehin keine große Rolle, in Europa sind vor allem die Franzosen und die Engländer weit vorn. Aber auch das ist nichts gegen Australien und Neuseeland - hier kann man Unterwasserhockey sogar als Wahlfach in der Schule belegen! Gespielt wird übrigens außer auf nationaler Ebene immer in gemischten Teams. In Berlin bei den Sporttauchern Berlin e.V. Was man dafür braucht: Spaß am Tauchen und Lust auf Spaß. Dann ist man hier bestimmt richtig! https://sporttaucher-berlin.de/unterwasser-hockey/ https://sporttaucher-berlin.de/media/ https://www.youtube.com/watch?v=-ylBLd3bQlc https://de.wikipedia.org/wiki/Unterwasserhockey https://www.youtube.com/watch?v=Z46c7vt9TME
Folge 67: Mehr Gewalt in Freibädern? Falsch!15 May 202400:35:06
In Berlin hat die Freibadsaison begonnen - und damit auch mal wieder unzählige Debatten. Grund genug, dass wir uns diesmal mit Claudia Blankennagel treffen, sie arbeitet in der Abteilung Kommunikation der Berliner Bäderbetriebe. Und da ist einiges schief gelaufen, räumt sie gleich zu Beginn unseres Gesprächs ein. Denn dass sowohl im Kreuzberger Prinzenbad wie auch im Neuköllner Columbiabad wichtige Schwimmbecken noch bis Mitte/Ende Juni geschlossen bleiben, das hätte man auch schon mal bekannt geben können, BEVOR die Schwimmbäder Ende April/Anfang Mai geöffnet haben. War aber nicht so, und deshalb gab es vor allem im bevölkerungsreichen Kreuzberg jede Menge Unmut, weil die Badegäste zum einzig offenen Schwimmbecken durch diverse Bauzäune irren müssen und vor allem Kinder und Jugendliche komplett Neese sind. Kein Nichtschwimmer-, kein Plantschbecken und auch das zweite 50-Meter-Becken - geschlossen. Im nicht allzuweit entfernten Neuköllner Columbiabad sieht es nicht viel besser aus: Hier ist das einzige Sportbecken zu. Und damit stellt sich auch gar nicht erst die Frage, ob wohl der Sprungturm in dieser Saison wieder aufmacht … Wir finden es gut, dass Claudia gar nicht lange drumrumredet, dass das für alle Beteiligten extrem Mist ist. Die Bauarbeiten zogen sich nicht nur länger hin, die unterirdischen Rohre erwiesen sich aich als maroder als gedacht, an einer Stelle kam gleich auch noch die Betondecke runter und im Columbiabad lösten sich Fliesen im Becken - hat keiner so gewollt, ist aber trotzdem kein Spaß. Spaß verstehen Bäderbetriebe und Berliner Bäderbetriebe auch nicht, wenn es um das diesjährige Sicherheitskonzept in den Bädern geht. Ausweiskontrolle ohne Ausnahmen, höhere Zäune und Online-Tickets, dazu natürlich Verstärkung der Sicherheitskräfte in mindestens vier der 13 geöffneten Freibäder und ein Ampel-System auf der Webseite - 2,5 Millionen soll das Ganze kosten. Geld, das man auch gut für was anderes ausgeben könnte, zumal entgegen anderslautender Meldungen die Zahl der Straftaten in Berliner Freibädern sogar GESUNKEN ist! Von 512 Fällen im Jahr 2013 auf 285 Fälle 2022! Und anders als immer behauptet, gab es im Sommerbad am Insulaner in den letzten beiden Jahren genau EINEN Vorfall - und der war vor allem deshalb so spektakulär, weil die Wasserpistolenschlacht von so vielen Menschen gefilmt und ins Netz gestellt wurde. Neben den Ausweiskontrollen erhitzen vor allem die Online-Tickets die Gemüter, zumal es in einigen Bädern ab 10 Uhr keinen Ticket-Verkauf mehr geben wird. Was ist mit Kindern, die spontan ins Freibad wollen, aber kein Handy haben? Claudia verspricht Bei unserem Gespräch im windigen Sommerbad Wilmersdorf (Lochow), dass man sich das Ganze genau anschauen und gegebenenfalls auch nochmal nachsteuern wird. Einen Vorteil haben die Online-Tickets zumindest für Menschen wie uns - wir können, genauso wie zu Corona-Zeiten, die Tickets wieder ins Wallet laden - und brauchen so weder Handy noch Portemonnaie, sondern nur eine Smartwatch. Muss man sich allerdings auch erstmal leisten können - und wollen. https://www.berlinerbaeder.de/ https://www.tagesschau.de/faktenfinder/freibaeder-straftaten-100.html?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR3JWGCcFJRHurZFaDxGky-fhdkWU0Z2t9EEJ7D6yVT7Oei2FU_l9L2JTjM_aem_AVs63dWPkE_mA7kTM3eusPhjqNuY0-hprrkgiCgT0_WpI2tcUItxPcbazzlFLdPSI8dc9W8xYw6SZsZWqSFfRcWT https://www.tagesspiegel.de/berlin/probleme-bei-sanierung-berliner-freibader-columbiabad-und-prinzenbad-erst-im-juni-fertig-11658068.html https://www.tagesspiegel.de/berlin/wasserpistolen-spritzerei-fuhrt-zu-massenschlagerei-in-berliner-freibad-4341313.html
Folge 66: Der Schwimmbadtourist08 May 202400:36:20

Diesmal treffen wir uns mit unserem Gast im Park - denn Philipp Reußner war an diesem kühlen Samstag schon schwimmen - im Kreuzberger Prinzenbad. Um 9 Uhr hatte er sich tatsächlich einen Platz in der Sportlerbahn erobert und danach erstmal den guten Kaffee auf der Schwimmbadterasse genossen. Über 100 Bäder hat der 34jährige Franke schon besucht. Viele in Deutschland, aber auch in England, Island, Ungarn oder Österreich. Und in Berlin fing alles an: Hier hat er während der Coronazeit eine Freundin besucht und genauso wie wir festgestellt: Berlin hat ja über 60 Schwimmbäder. Also hat er sich einen Slot gebucht - als erstes im Sommerbad am Olympiastadion. Später dann auch in der Finckensteinallee, im Stadtbad Mitte, in Lankwitz - und das hat ihm so viel Spaß gemacht, dass er nach seinem Berlin-Besuch auch woanders weitermachte. Wenn er nicht gerade in seinem Stammbad, im Nürnberger Südstadtbad schwimmt, schaut er, was es noch für Bäder zu entdecken gibt. Ganz besonders fasziniert ihn die Münchner Olympia-Schwimmhalle - "das Wasser ist hier besonders schnell und das Zelt-Dach einfach traumhaft" - aber auch historische Bäder wie das Wiener Amalien-Bad findet er beeindruckend - auch wegen der 33-Meter-Bahn. Und er war auch schon einmal in einem Freibad mit 100-Meter-Becken. Dafür brauchte er noch nicht einmal weit zu reisen - das Waldstrandbad Windsbach ist nur wenige Kilometer von Nürnberg entfernt. Am Anfang hat Philipp die Gelegenheit genutzt, schwimmen zu gehen, wenn er sowieso irgendwo war, in einer anderen Stadt, einem anderen Land. Mittlerweile macht er gezielt Reisen zu Schwimmbädern, in denen er gern abtauchen möchte - wie das Aquatics Center in London. Eine Stunde für 15 Euro - da hat er jede Minute doppelt genossen! Wichtig ist Philipp allerdings nicht nur architektonische Schönheit - er will in dem jeweiligen Bad auch richtig schwimmen können. Drei bis fünf Kilometer in einer Dreiviertelstunde bis Stunde, geleinte Bahnen müssen dann schon sein. Plantschen allein reicht ihm nicht, es müssen schon Meter gemacht werden. und das vier bis sieben Mal die Woche. Wichtig ist ihm immer, alle Leute im Blick zu haben, wer wie wendet, wer wann ausschert, damit es nicht zu Kollisionen kommt. Streit im Schwimmbad, darauf hat er gar keine Lust. Man muss und kann sich arrangieren, wenn alle mitmachen, davon ist er überzeugt. Auch wenn die Bahn mal voller ist. Wichtig ist dem Franken auch das Foto danach. Was nicht immer einfach ist, denn in vielen Bädern ist fotografieren nicht erlaubt. Aber Philipp will auch keine Menschen festhalten, sondern das jeweilige Schwimmbad in seiner ganzen Schönheit. Die Bilder hängen alle bei ihm zu Hause im Flur. So lange noch Platz ist, jedenfalls. Auf der Suche nach neuen Bädern recherchiert der Verkehrsingenieur im Netz oder bekommt auch Tipps aus seiner Insta-Community. Super findet er, wenn für das jeweilige Schwimmbad ein Bahn-Belegungsplan im Netz zu finden ist und er weiß, ob wirklich Platz ist. Das ist allerdings eher die Ausnahme. Sein 100. Schwimmbad war übrigens die Alster-Schwimmhalle in Hamburg. Und da hat er nach dem Schwimmen sogar noch gechillt - im Regenerationsbecken mit Blick von oben auf die Halle. Wir haben ihm übrigens das Berliner Strandbad Plötzensee empfohlen - denn da gibt es sogar geleinte Bahnen! https://www.instagram.com/schwimmbadtourist/ https://nuernbergbad.nuernberg.de/suedstadtbad/ https://www.olympiapark.de/de/der-olympiapark/parkuebersicht/olympia-schwimmhalle https://www.londonaquaticscentre.org/ https://www.waldstrandbad-windsbach.de/startseite https://strandbad.ploetzensee.de/


Folge 79: Eine Woche Zeit für mich21 Aug 202400:45:35

Die Ferien gehen langsam dem Ende zu und in manchen Bundesländern sind sie sogar schon längst vorbei. Zurück bleibt für viele die Erinnerung an See, Meer und Strand, wo sie sich so richtig mal erholen können. Für unseren heutigen Gast eine gruselige Vorstellung: Margit Schreiber erholt sich am besten beim Mehrfach-Ultra-Triathlon! Denn das Durchschwimmen des Ärmelkanals und der Straße von Gibraltar hat ihr nicht gereicht. Sie findet, schwimmen, Fahrrad fahren und laufen gehören einfach zusammen. Strange, finden wir - aber gleichzeitig auch sehr faszinierend.

3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer laufen - das ist der so genannte Langdistanz-Triathlon oder auch Ironman. Alles, was darüber hinausgeht, nennt man Ultra-Marathon. Aber Margit macht nicht nur EINEN Ultra-Thriathlon, sondern hat diesen Sommer in Colmar den FÜNFFACHEN Iron-Man absolviert - also 19 Kilometer Schwimmen, 900 Kilometer Radfahren und 211 Kilometer Laufen. Allein bei der Vorstellung werden Ute und Martina ganz müde - Margit dagegen lebt immer mehr auf, während sie erzählt. „Eine Woche Zeit für mich“ sei das gewesen, kein Handyklingeln, keine Rechnung öffnen, nichts organisieren, einfach nur Schwimmen, Radfahren, Laufen, immer unterstützt von ihrem Mann, den sie vor genau 10 Jahren nach einem Triathlon geheiratet hat.

Allerdings hat sie nicht durchgemacht wie die amtierende Weltmeisterin, sondern zwischendurch auch gegessen und geschlafen und konnte auch in aller Ruhe auf die Toilette gehen. Alles akribisch vorbereitet, um 4 Uhr morgens ging es in der Regel los. Und dann - sehr viel im Kreis, was vor allem Ute etwas fassungslos macht. Margit nicht. „Solche Rennen werden zwischen den Ohren entschieden und nirgendwo sonst“, sagt sie lakonisch und lacht.

Muskelkater hatte sie danach nicht, nur eine kleine Blase am Fuß. Aber nochmal neue Motivation. Mittlerweile schwimmt sie wieder am Tag 4 Kilometer oder läuft 11 Kilometer oder fährt ein paar Dutzend Kilometer Rad. Im nächsten Jahr will Margit Schreiber den 10fach-Ironman in Angriff nehmen - es sich dabei „gemütlich“ machen, wie sie sagt: 38 Kilometer Schwimmen, 1800 Kilometer Radfahren, 422 Kilometer Laufen. Wir wünschen ihr voller Demut und Hochachtung auf jeden Fall viel Erfolg!

https://bretzelultratri.com/resultats-2/

https://www.tagesspiegel.de/berlin/stadtleben/die-kanalarbeiterin-1536019.html

https://www.donaukurier.de/archiv/vom-challenge-vor-den-traualtar-4253572

https://de.wikipedia.org/wiki/Ultratriathlon

https://www.podcast.de/episode/623620710/folge-41-die-extremschwimmerin

Folge 65: Draußen ist es doch am schönsten!01 May 202400:27:49
Yeah - die Freibadsaison ist eröffnet! Das nutzen wir doch gleich für einen Besuch im legendären Kreuzberger Prinzenbad! Am Eingang, natürlich - Ausweiskontrolle, Taschenkontrolle. Dann aber rein ins Vergnügen! Vergnügen? Nicht wirklich. Leidglich eins der beiden 50-Meter-Becken ist geöffnet, Plantschbecken, Nichtschwimmerbecken - alles umzäunt und nicht benutzbar. Kein Wunder, dass wir an diesem herrlichen Spätfrühlingstag draußen noch Platz für unsere Räder gefunden haben - das Schwimmvergnügen ist ausgesprochen begrenzt. Und das ist ganz wörtlich gemeint: Im einzig verbliebenen Becken ist es so voll, dass allenfalls ein paar lockere Freizeit-Schwimmbewegungen möglich sind, am besten mit dem Kopf ÜBER Wasser. Diverse unverdrossene Sportschwimmer ziehen zwar unbeirrt in den vier abgetrennten Bahnen neben dem offenen Bereich ihre Runden, aber auch sie kommen schnell an ihre Grenzen. Oder besser - an die Grenzen der anderen. Doch vor allem Kreuzberger Kinder und Jugendliche sind hier echt verraten und verkauft: Zum Toben und Springen und Spaß haben ist im Kreuzberger Prinzenbad einfach überhaupt kein Platz mehr! Und die Außenduschen funktionieren leider auch nicht … Wie lange die Sanierungsarbeiten noch andauern werden, ist unklar. Da bleibt nur der Weg in die Pommesbude - die zumindest funktioniert wie eh und je und die Pommes sind wie jedes Jahr ausgesprochen lecker. Natürlich werden in den nächsten Tagen und Wochen in Berlin immer mehr Freibäder öffnen - aber auch hier fällt auf: Viele sind im Mai nur zwischen 10 und 18:30 Uhr zugängig - für Berufstätige nicht wirklich optimal. Die beiden Kombibäder in Spandau und Mariendorf bleiben gleich ganz geschlossen. Mal sehen, wie gut das neue Sicherheitskonzept funktioniert, das die Berliner Bäder am 6. Mai vorstellen wollen, wenn sich so viele Menschen immer weniger Bäder und Wasserzeiten teilen müssen. Immerhin hatte eine von uns schon ein herrliches Schwimmerlebnis im Sommerbad am Olympiastadion und kann außerdem von wunderbaren Schwimmbädern im Ausland berichten. Und ein paar Wochen sind ja auch noch einige Berliner Hallenbäder geöffnet. Allerdings - wer einmal wieder unter freiem Himmel unterwegs war, der möchte nur ungern wieder nach drinnen. https://www.tagesspiegel.de/berlin/ich-brauche-ein-paar-bahnen-am-morgen-im-berliner-prinzenbad-hat-der-sommer-begonnen-11597078.html https://www.berlinerbaeder.de/news/detail/sommersaison-2024-starttermine-der-sommerbaeder/
Folge 64: Die Macherin24 Apr 202400:43:05
Vor einigen Jahren hätte sich Heike Witte kaum vorstellen können, dass sie eines Tages für´s Schwimmen ihren Job an den Nagel hängen würde. Doch dann ist es genau so gekommen - und ihr strahlendes Gesicht an diesem Sonntagmittag im Strandbad Tegeler See macht klar, dass ihr nichts Schöneres hätte passieren können. Angefangen hat alles damit, dass die Veranstaltungsmanagerin 2014 begann, sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren. Damals überlegte sie, welche Integrationsmöglichkeiten es für diese Menschen hier geben könnte und las durch Zufall, dass überall Rettungsschwimmer gesucht werden. Das ist doch vielleicht eine Idee für Menschen, die selber oft unter widrigsten Umständen übers Meer nach Europa gekommen sind, dachte sie sich. Die Rettungsschwimmerausbildung kann in Deutschland nämlich jeder machen, egal, welchen Aufenthaltsstatus er oder sie hat - und sie ist dann international gültig. Zunächst suchte Heike einen Ausbildungsplatz für zwei junge Syrer. Als die dann ihren Rettungsschwimmer erfolgreich bestanden hatten, wandte sie sich an den Berliner Verein TV Waidmannslust - und stieß auf ein ganz großes, offenes Ohr: Die Schwimmabteilung im Verein war kurz vor dem Ende, man fand einfach keine Rettungsschwimmer mehr - die beiden jungen Männer waren hochwillkommen. Und mit den Männern kamen auch wieder Kinder in den Verein - Kinder aus Flüchtlingsheimen, die unbedingt schwimmen lernen wollten. Das war der Anfang. Es sprach sich rum. Noch mehr Männer aus den Flüchtlingsunterkünften wollten Rettungsschwimmer werden - mussten zum Teil aber erstmal selber schwimmen lernen. Und dann waren plötzlich auch geflüchtete Frauen interessiert, schwimmen zu lernen - allerdings nur, wenn Heike ihnen das beibringt. "Das war eine Katastrophe", erzählt Heike lachend - denn sie hatte weder einen Rettungs- oder Trainerschein, noch konnte sie die Sprache der Frauen. Sie hat es trotzdem gemacht. Der Deal: Nur im flachen Wasser und ein Rettungsschwimmer, der zuschaut, muss immer dabei sein! Die Frauen haben es geschafft - und Heike auch. Mittlerweile hat sie längst ihren Rettungsschwimmer und ihren Trainerschein und macht das Ganze hauptberuflich. Am liebsten im Strandbad Tegeler See, an ihrer Seite: Rettungsschwimmer und Rettungsschwimmerinnen mit Flüchtlingshintergrund. Sie bringen jedem das Schwimmen bei, der oder die das lernen will. Und am Wochenende - wenn es nicht allzu voll ist - sogar umsonst. Auch Camps organisiert Heike hier im Sommer. Und ab Mai aktiviert sie ihren Tiktok-Schwimm-Kanal, wo sie "ohne viel blabla" erklärt, wie das funktioniert mit dem Schwimmen: frauheike_online Für Heike sind geflüchtete Menschen die besten Rettungsschwimmer, sagt sie - denn sie wissen, wie gefährlich Wasser ist. Alle haben unmittelbare Erfahrungen damit gemacht, zum Teil Menschen aus der eigenen Familie verloren und wissen, was täglich im Mittelmeer passiert. Was sie weiterhin sucht, sind Menschen, die Lust haben, auch als Schwimmtrainer:in zu arbeiten: "Einfach ein cooler Beruf!" Wer Lust und Zeit hat, kann sich gern bei ihr melden: ⁠wasserlage@gmail.com⁠ https://tv-waidmannslust.de/sportarten/schwimmen/ https://seeee.de/
Folge 63: Freunde auf dem Wasser17 Apr 202400:39:10

Man muss es wollen - das wird an diesem Spätnachmittag im April sehr schnell klar. Es ist noch ziemlich frisch draußen auf der Insel Eiswerder im Berliner Bezirk Spandau, aber vor allem die Wassertemperaturen von etwa 14 Grad lassen einen schon beim Gedanken daran erschauern. Lina Pomorin und Torben Günzel aber freuen sich. Die beiden spielen Kanupolo bei den Havelbrüdern, korrekt heißt der Verein KSV Havelbrüder e.V. - im Kanupolo einer der besten Vereine Deutschlands. Die Winterpause ist gerade wieder vorbei, also - Neoprenhosen und -T-shirt an, Schwimmweste drüber, Helm auf, Kanu ins Wasser - und los geht´s!

Wir dürfen auch gern mit, bieten sie uns an, aber uns ist schon nach Sekunden klar - das kann nur peinlich enden. Vielleicht würden wir im Einer-Kanu nicht gleich umkippen, aber dann auch noch Paddel und Ball und Gegner:innen - da schauen wir lieber zu!

Kanupolo ist ein rauer Sport. Hier greift man sich gegenseitig mit Booten an, um dem anderen den Ball abzuluchsen. Den wirft oder hält man mit den Händen oder den Paddeln. Der Gegner wird mit dem Boot attackiert, man darf ihn mit den Händen aber auch umschubsen. Die Eskimorolle sollte man also drauf haben!

Trotzdem verletzt man sich kaum, erzählen Lina und Torben, vielleicht mal ein verstauchter Finger, das war´s aber auch schon. Aber: Es braucht Athletik, Kraft und Technik! Und schwimmen können muss man natürlich auch.

Alle paar Minuten schöpfen die Spielerinnen und Spieler Wasser aus ihrem Boot. Kalt ist ihnen trotzdem nicht, während sie mit ihren Booten durchs Wasser cruisen. Man merkt: Hier sind Freunde unterwegs, die viel Spaß haben bei ihrem Sport. Allein drei Geschwisterpaare sind seit Jahren bei den Havelbrüder-Männern, die im letzten Jahr wieder einmal deutscher Meister geworden sind. Torben spielt bereits in der 3. Generation Kanupolo, sein Großvater war bereits Spieler und Trainer, sein Vater coacht die Mannschaft. Und mit René Kirchhoff, der seit seiner Kindheit bei den Havelbrüdern spielt, haben sie sogar den besten Kanupolo-Torwart der Welt!

Auch die Frauen spielen in diesem Jahr wieder Bundesliga, sogar eine Europameisterin spielt hier im Kader. Doch mit dem weiblichen Nachwuchs gibt es ein Problem, seufzt Lina: Bei einem Girls Day, den sie mal gemacht haben, blieb am Ende nur ein Mädchen beim Verein - aber acht Jungen!

Doch auch für sie sind die Hürden hoch. Nicht nur, weil es eine ganze Weile dauert, bis man Kanupolo beherrscht, wenn man nicht gerade wie Torben quasi im Boot geboren wurde. Der Sport ist teuer. Ein Boot kostet schon mal 2500 bis 3000 Euro, Paddel dann auch nochmal 300 Euro, der Helm ungefähr genauso viel, hinzu kommen Kleidung, Wasserschuhe und einiges mehr. Und Kanupolo ist zeitintensiv: Man muss nicht nur regelmäßig bis zu fünf Mal die Woche trainieren, man ist auch ständig unterwegs. Zwar wird die Bundesliga nicht wie beim Fußball wöchentlich sondern in Form von Turnieren gespielt - aber dafür muss man dann ganz schön weit fahren.

Trotzdem - Lina und Torben möchten es nicht missen. Sie genießen es, auf dem zauberhaften Gelände ihres Vereins zu sein. Und wenn sie grad nicht auf dem Wasser sind, dann wird halt gegrillt, die Boote gepflegt oder einfach nur gechillt. Man muss diesen Sport lieben - die beiden tun es auf jeden Fall!

https://ksvh.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Kanupolo

https://www.ardmediathek.de/video/mittagsmagazin/kontaktaktiver-sport-deutschland-dominiert-kanupolo/das-erste/Y3JpZDovL3Nwb3J0c2NoYXUuZGUvNTI3MWYzNTgtN2QwZC00Y2E5LTg5ZmMtNjMzYTBlYzEyZmY0

Folge 62: Der Netzwerker10 Apr 202400:44:22
Diesmal haben wir uns mal wieder sehr früh auf den Weg gemacht - und treffen um 7 Uhr morgens den Mann, dessen Verband in Berlin in punkto Schwimmen alles zusammenhält: Manuel Kopitz, seit immerhin schon 25 Jahren Geschäftsführer des Berliner Schwimmverbands (BSV). Der BSV kümmert sich um zahlreiche Bereiche, nicht nur ums Schwimmen, sondern auch um Wasserball, Wasserspringen, Paraschwimmen, Synchronschwimmen, Schulschwimmen, um den Leistungs - und den Breitensport, um Vereine, Trainerausbildungen, ums Ehrenamt und vieles andere mehr. Gerade das mache die Arbeit so spannend, sagt Manuel Kopitz, während wir uns fragen, wie man das alles unter einen Hut bringen kann. Martin Kopitz war früher selber Leistungsschwimmer, war auf einer Sportschule und hat danach BWL, Sport und Management in Leipzig studiert und nebenbei auch seine Trainerlizenz erworben. Er weiß also, wovon er spricht, wenn es ums Schwimmen geht - und sieht eine seiner Hauptaufgaben darin, die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt zusammenzubringen, damit was vorangeht. Zusammen mit Henrick Fritz hat er die Schwimmlernkonzeption "swim to go" entwickelt, einen Leitfaden für Schwimmlehrer:innen, der genau aufdröselt, welche Schritte man bei der Schwimmausbildung gehen sollte - je nachdem, ob man den Menschen als Erstes Brustschwimmen oder Kraul-/Rückenschwimmen beibringt. Vor allem aber beschäftigt Manuel Kopitz, wie man das Schwimmen in Berlin für alle gut möglich machen kann - egal, ob es sich um Anfänger, Hobbyschwimmer:innen oder Profis handelt. Denn sie alle brauchen Wasserflächen - und die sind bekanntlich knapp in Berlin, obwohl es hier so viele Schwimmbäder gibt. Aber eben auch sehr viele Menschen, die sie auf unterschiedliche Art und Weise nutzen wollen. Mindestens 50 Prozent der Wasserfläche muss für die Öffentlichkeit vorgehalten werden, so sieht es die Nutzungssatzung der Berliner Bäderbetriebe vor. Und deshalb muss gerechnet und verhandelt werden, wann denn die Vereine und Schulen reindürfen. Und welche Fläche sie dann nutzen können. Und das ist ausgesprochen schwierig. Manuel Kopitz hat ein plastisches Beispiel parat: "Sie wissen, es gibt Bäder mit 25-Meter-Becken und Bäder mit 50-Meter-Becken. Man kann sagen, eine 25-Meter-Bahn ist mit 7 Schwimmer:innen gut ausgelastet. Das heißt aber nicht, dass auf einer 50-Meter-Bahn 14 Menschen schwimmen können!" Kein Wunder, dass 50-Meter-Becken in Berlin sehr oft geteilt werden. Und dann gibt es in Schwimmhallen immer die Schokoladenzeit, erzählt Kopitz - nämlich dann, wenn alle wollen: Die Vereine dürfen erst ab 16 Uhr in die Bäder - dann will aber auch die breite Öffentlichkeit gern ins Wasser. "Die Zeit zwischen 16 und 18 Uhr könnten wir drei- bis vierfach belegen!", sagt Kopitz. Weiteres Problem: Rettungsschwimmer:innen dürfen in Berlin, anders als beispielsweise in NRW, nur vom DLRG ausgebildet werden. Ein Nadelöhr. Zu wenig Ausbilder:innen, zu wenig Plätze. Dürften Vereine Rettungsschwimmer:innen ausbilden, gäbe es vermutlich sehr viel mehr. In Freiwasserschwimmen und -wettkämpfe wie im Strandbad Plötzensee wird der Berliner Schwimmverband auf jeden Fall weiter investieren. Und auch der Leistungssport bleibt extrem wichtig. So früh wie möglich sollen Schwimmer:innen gesichtet werden, um sie dann im Schul- und Leistungssportzentrum Hohenschönhausen weiter zu fördern. Allerdings - auch hier gibt es Engpässe. Denn im Hochleistungssport ist eine 50-Meter-Bahn mit zwei Schwimmer:innen schon gut belegt. Mit seinen 70 Vereinen und fast 30.000 Mitgliedern stößt der Berliner Schwimmverband angesichts der vorhandenen Wasserflächen immer wieder an seine Grenzen. Trotzdem - wir haben mal wieder viel gelernt. Dass es im Stadtbad Mitte eine Strömung gibt, weshalb die Synchronschwimmer:innen hier nicht gut trainieren können. Dass man beim Schwimmen lernen auch mit Delphin anfangen kann. Und dass es demnächst Wassergewöhnungskurse auch in Berliner Kitas geben soll. https://www.berliner-schwimm-verband.de/
Folge 60: Tausendmal und mehr27 Mar 202400:46:24
Sie wollte an 1000 Tagen hintereinander schwimmen gehen - mittlerweile sind es weit mehr geworden. Für Petra Hünnebeck ist ein Tag nicht mehr vorstellbar, an dem sie nicht wenigstens einmal im Wasser war. See oder Becken - fast egal. Aber eben dann doch nicht ganz. Denn obwohl ihr der See anfangs nicht sonderlich geheuer war - was zumindest eine von uns sehr gut nachvollziehen kann - ist Petra mittlerweile lieber in offenen Gewässern unterwegs. Hier erlebt sie traumhafte Sonnenuntergänge, angriffslustige Schwäne oder schneebedeckte Ufer - Erfahrungen, die sie jeden Tag auf Instagram teilt. Aufenommen mit einer GoPro, die sie an einer Boje hinter sich herzieht - eine Idee, die sie von einem bayrischen Anästhesisten übernommen hat. "Der war genauso verrückt wie ich!" Ihr Auto ist eine fahrende Umkleidekabine mit unzähligen Badeanzügen, Bikinis, Badekappen, Schwimmbrillen und Handtüchern, sodass sie jederzeit abtauchen kann. Am liebsten morgens früh, wenn es langsam hell wird. Eisschwimmen hat es ihr seit Corona besonders angetan. Dann will sie aber nicht in erster Linie Strecke machen - sondern vor allem das Wasser genießen. Ansonsten legt sie aber auch mal 12 bis 15 Kilometer zurück - mit Lust auf mehr. Dazu gehört für sie auch ein Trainingsprogramm - "sonst komme ich ja nicht weiter!", das sie aber meist in der Halle absolviert. Immer so, dass die Lehrerin rechtzeitig zum Unterricht wieder trocken ist - ihre Schüler:innen und Kolleg:innen kennen das schon, dass sie morgens immer mit nassen Haaren kommt. Für ihre Sicherheit im See sorgt sie, in dem sie immer am Ufer entlang schwimmt - "sodass ich mich ohne Probleme retten kann". Und auch wenn sie es immer noch nicht schön findet, wenn Wasserpflanzen oder anderes Grünzeug ihren Körper berühren - sie hat sich daran gewöhnt. "Und Schlingpflanzen gibt es in Deutschland nicht!" Die 1000 Tage hat sie mittlerweile längst überschritten - aufhören will die 55jährige deshalb aber noch lange nicht. Im Gegenteil: Sie hat schon ihre nächsten Ziele vor Augen: Eine mehr als 30 Kilometer lange Strecke im Sommer zum Beispiel - oder auch mal alle über 60 Berliner Bäder durchschwimmen. https://www.instagram.com/peti.goes.swim/
Folge 59: Schwimmen ist bunt20 Mar 202400:32:04
Sport für Menschen mit Fluchterfahrung - das ist die Mission von Sandra Kilbert und ihrem Team bei SPORTBUNT. Im Rahmen des Berliner Masterplans Integration und Sicherheit, so heißt es auf ihrer Webseite, soll mit dem Projekt „SPORTBUNT – Vereine leben Vielfalt“ die Integration im und durch Sport ermöglicht werden. Und natürlich werden hier auch Schwimmlehrer:innen ausgebildet - im aktuellen Jahrgang immerhin 20 Menschen, 12 Männer und 8 Frauen. Ausgebildet werden sie zu Schulschwimmtrainer:innen - eine Initiative, die infolge von Corona 2021 entstanden ist. Weil die Zahl der Kinder, die nicht schwimmen konnten, in dieser Zeit rapide angestiegen ist, wurden so genannte Schulschwimm-Zentren in Berlin gegründet. Und die bei SPORTBUNT ausgebildeten Schwimmtrainer:innen mit Fluchterfahrung unterstützen dort die Lehrerinnen und Lehrer dabei, den Kindern das Schwimmen beizubringen. Menschen zu finden, die Lust dazu haben, sei überhaupt nicht schwierig, erzählt Sandra. SPORTBUNT hat bereits seit 2017 fast 300 Menschen mit Fluchterfahrung zu Übungsleitern mit C-Lizenz im Breitensport aus, das ist für alle die Basis. Und dann kann man sich weiterqualifizieren - zum Beispiel zum Schulschwimmtrainer. Es gibt allerdings auch so genannte Quereinsteiger - die gleich die Ausbildung zum Schwimmtrainer machen. Weil sie beispielsweise schon in ihrer Heimat als Schwimmlehrer gearbeitet haben oder dort geschwommen sind. SPORTBUNT geht auch in die Unterkünfte, um gezielt nach Interessierten zu suchen oder macht Veranstaltungen, wie beispielsweise das jährliche Sportfest der Willkommensklassen. Wer Schulschwimmtrainer:in werden will, muss allerdings sehr gute Sprachkenntnisse haben, denn eine Übersetzung gibt es bei der Ausbildung nicht. Trotzdem ist das Interesse der Geflüchteten mittlerweile so groß, dass es Wartelisten gibt. Sie kommen aus dem Libanon, Syrien, der Ukraine, Afghanistan, Nigeria und aus vielen Ländern mehr - und alle sind in den Jahren seit 2015 nach Deutschland gekommen. Manche sind erst seit 6 Monaten hier, andere schon acht Jahre. Für die Vereine und Schulschwimmzentren ein großer Gewinn! Denn viele Kinder, die traumatische Erfahrungen hinter sich haben, tun sich leichter ins Wasser zu gehen, wenn der Trainer oder die Trainerin ihre Muttersprache spricht. Ziel der Ausbildungen bei SPORTBUNT ist möglichst eine Festanstellung. In einem Schulschwimmzentrum, bei den Berliner Bäderbetrieben oder einem Verein, je nach Bedarf und Möglichkeiten. Von den rund 60 bislang ausgebildeten Schwimmtrainer:innen sind 5 fest bei den Berliner Bäderbetrieben angestellt worden, andere wurden an Schulen angestellt oder arbeiten in Vereinen. SPORTBUNT hilft Menschen mit Fluchterfahrung übrigens auch bei der Suche nach einem passenden Verein, wenn sie einfach nur Sport machen wollen - und zwar egal in welcher Sportart.. Gefördert wird SPORTBUNT vom Berliner Senat. Entstanden ist die Idee 2015, als sehr viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Und das nächste Sportfest für Berliner Willkommensklassen findet voraussichtlich am 9. Juli statt. https://sportbunt.de/ https://sportbunt.de/fuer-gefluechtete/sportangebote/details/angebot/show/schwimmen/ https://sportbunt.de/fuer-gefluechtete/ausbildung-zumr-schwimm-trainerin-fuer-schulkinder/ https://sportbunt.de/de/aktuelles/news/details/artikel/sportfest-fuer-willkommensklassen-der-berliner-schulen/ https://www.lsb-berlin.de/
Folge 57: Faszination Ganzjahresfreibad06 Mar 202400:41:39
Die Chlorsängerinnen sind auf Betriebsausflug! Wir fahren nach Hamburg. Denn dort gibt es Ganzjahresfreibäder. Also Schwimmbäder, in denen man das ganze Jahr über drinnen UND draußen schwimmen kann! Begeistert machen wir uns an einem Samstag im Februar - Außentemperatur 7 Grad - morgens um 6:30 Uhr auf den Weg. Als erstes nach Rahlstedt, in Hamburgs jüngstest Ganzjahresbad. Das Hallenbad mit seinem 25-Meter-Becken gibt es schon viele Jahre. Seit 2021 hat es auch ein Außenbecken, ebenfalls 25 Meter lang und mit einer Wassertemperatur von 28 Grad einfach nur herrlich an diesem Morgen! Wir teilen uns das Becken mit nur einem anderen Schwimmer und sind regelrecht geflasht, als wir aus dem Wasser steigen. Allerdings: Nicht alle sind begeistert: Um das Ganzjahresfreibad möglich zu machen, wurde an anderer Stelle ein Sommerbad geschlossen, das Grundstück verkauft. Da das Bad in Rahlstedt weit weniger Außenfläche hat, ist es im Sommer hier ganz schön eng, hören wir. Das gefällt nicht jedem. Wir fahren weiter, nach Eppendorf, ins Holthusen-Bad. 1914 eröffnet ist es eines der ältesten Bäder der Hansestadt. Und scheinbar das Lieblingsbad vieler Hamburger Familien! Mit Therme und Wellenbad, in das auch wir uns erstmal stürzen - herrlich! Draußen dann - wie in Rahlstedt mit einer Schleuse verbunden - ein dampfendes 25-Meter-Becken, Wassertemperatur 25 Grad. Kostet uns null Überwindung - und die überaus freundliche Schwimmmeisterin macht sogar schnell noch ein paar Beweisfotos von uns. Nach dem Schwimmen treffen wir uns mit Karin Hopert, sie ist Leiterin der strategischen Angebotsentwicklung im Hamburger Bäderland und sichtlich stolz auf das Hamburger Bäderangebot - den deutlich höheren Preis als in Berlin findet sie durchaus gerechtfertigt. 7,50 Euro für die Einzelkarte, die in manchen Bädern nur für anderthalb Stunden gilt - ein Besuch im Kino koste mehr, findet sie. Außerdem gäbe es viele Ermäßigungsangebote. Es gibt auch Überlegungen, die großen Außenanlagen der Hamburger Sommerbäder ganzjährig zu nutzen - das wurde bislang allerdings als zu riskant bewertet, so Karin Hopert. Die großen Becken seien im Winter nicht nutzbar, das Wasser müsse aber drinbleiben, damit es nicht zu Frostschäden kommt. Und da könnte dann jemand reinfallen, das sei zu gefährlich. Und Zäune keine Option. Unsere Beobachtung, dass man in Hamburg seine Schuhe nicht vor der Umkleide ausziehen muss, nimmt sie mit Verwunderung zur Kenntnis. Das Berliner Modell - Schuhe aus! - sei in Hamburg nicht vorstellbar. Sichtbar stolz ist sie aber auf die längeren Öffnungszeiten - mitunter sogar bis 24 Uhr! Und auch im Sommer haben manche Bäder deutlich länger als bis 20 Uhr geöffnet. Wir freuen uns sehr, dass sie sich für uns an einem Samstag Zeit genommen hat - und ziehen weiter in die Schwimmoper. Dort gibt es zwar kein Außenbecken mehr - aber die frisch sanierte Alsterschwimmhalle ist ein Wunderwerk der Superlative! Sechs Schwimmbecken, darunter ein 50x25-Meter-Becken, ein 25-Meter-Becken, ein Sprungturm mit 3 und 5 Metern, ein Entspannungsbecken, von dem man aus einen Rundumblick in die Halle hat, eine Saunalandschaft und vieles mehr. Nachdem wir auch dort unser Bahnen gezogen haben, sind wir erschöpft - aber glücklich! Unser Fazit: Ganzjahreschwimmbäder sind großartig - die wollen wir auch in Berlin! Föhne sind in Hamburg umsonst - das ist super. Und noch eins fanden wir richtig gut: In Hamburg kann man auf der Webseite des Bäderlands nachschauen, welche Bahnen belegt und welche frei sind. Das ist ein toller Service, weil man dann weiß, wieviel Platz für die Öffentlichkeit zur Verfügung steht. In Berlin heißt es immer nur „eingeschränkte Wasserfläche“. Und keiner weiß, was das genau bedeutet. https://www.baederland.de/ https://www.baederland.de/baeder/ganzjahresfreibaeder/ https://www.baederland.de/baeder/standorte/familienbad-rahlstedt/ https://www.baederland.de/baeder/standorte/holthusenbad/ https://www.baederland.de/baeder/standorte/alsterschwimmhalle/
Folge 56: Träumerei aus dem Prinzenbad28 Feb 202400:43:15
Marina Sylla, Manuel Heck und die anderen von Pool Potentials haben eine Vision: Sie wollen die Berliner Sommerbäder das ganze Jahr über nutzbar machen! Entstanden ist die Idee während ihre Architekturstudiums. Denn rund zwei Drittel des Jahres sind die Flächen der Sommerbäder ungenutzt - also rund 500.000 Quadratmeter, die man doch eigentlich auch anders nutzen könnte: Für Spaziergänge, Werkstätten, Theateraufführungen oder Märkte - und vielleicht sogar auch zum Schwimmen im Frühjahr, Herbst oder Winter! Und das möglichst gemeinwohlorientiert. Eine von uns ist sofort elektrisiert, die andere bleibt skeptisch: Und dann zertrampeln die den ganzen Rasen, der im Sommer ohnehin schon ganz schön leiden muss? Aber natürlich haben Marina und Manuel auch dafür schon Ideen. Und die haben sie sich nicht allein ausgedacht, sondern Umfragen unter Menschen gemacht, die die Schwimmbäder im Sommer besuchen. Und festgestellt: Mit dem Berliner Prinzenbad könnte man doch schon mal anfangen, konkret zu werden! Denn in Kreuzberg ist der Bedarf an Freiflächen besonders hoch - einfach weil es hier nicht viele gibt. Und weil hier sehr viele Menschen auf engem Raum zusammenwohnen. Also wurde die Nachbarschaft rund um das Prinzenbad zusammengetrommelt und gemeinsam in einer Projektwerkstatt ganz konkrete Vorschläge erarbeitet. Die Umsetzung ist jedoch nicht einfach, auch wenn das Interesse des Bezirks, des Senats und auch der Bäderbetriebe durchaus da ist. Trotzdem: Es gilt viele Fragen zu klären: Wie kann man die Ideen finanzieren? Wie sorgt man für Sicherheit, dass keiner ins mit Wasser befüllte Becken fällt? Denn das muss im Winter drin bleiben, damit die Rohre nicht zufrieren, ist aber nach jetzigem Stand zum Schwimmen nicht geeignet. Trotzdem wollen Marina und Manuel nicht so schnell aufgeben. Eine erste Maßnahme ist für Ende 2024 bereits geplant. Was genau - das wollen sie noch nicht verraten. Aber wir schauen es uns dann an - versprochen! https://poolpotentials.de/
Folge 55: Alles schwimmt auf ihr Kommando21 Feb 202400:32:05
Sie kam eigentlich eher durch Zufall zu ihrem Job: In Spandau zog Annika Gellert mit ihrer kleinen Familie zufällig in das Haus neben den Leiter des Schwimmbads im Sport Centrum Siemensstadt. Und der kriegte schnell mit, dass sie aus dem Leistungssport kommt. Also fragte er sie mal eben über den Gartenzaun, ob sie nicht Lust hätte Schwimmkurse zu geben. Und das hat ihr von Anfang an totalen Spaß gemacht. Dabei hatte Annika nach dem Ende ihrer aktiven Zeit jahrelang einen großen Bogen um jedes Schwimmbecken gemacht. Erst während der Schwangerschaft mit ihrer Tochter entdeckte sie die Bewegung im Wasser neu. Mittlerweile ist sie die Leiterin der Schwimmschule mit insgesamt 26 Trainern und Trainerinnen. Die Schule ist Teil des Berliner Sport Centrums Siemensstadt, an die praktischerweise auch der Verein SC Siemensstadt angegliedert ist. Sollte sich also schon während der ersten Schwimmkurse herausstellen, dass da ein kleiner Welbrock oder eine kleine Köhler heranwächst, kann es danach gleich im Verein weitergehen. Die gute Nachricht: Es gibt praktisch keine Wartezeit in der Schwimmschule von Annika Gellert. Allerdings kosten die Kurse auch etwa doppelt so viel wie bei den Berliner Bäderbetrieben oder in einem Verein - dafür wird hier pro Kurs ein Vierteljahr lang zweimal die Woche geübt. Schwimmen lernen können im SCS nicht nur Kleinkinder, sondern auch Erwachsene, Anfänger und Fortgeschrittene. Da war dann auch mal ein 83jähriger dabei, der sich auf Drängen seiner Kinder entschlossen hatte, doch noch schwimmen zu lernen, erzählt Annika. Und nach einem halben Jahr konnte er tatsächlich die Seepferdchenprüfung ablegen! Oft sind es aber auch Zugewanderte, die nie Schwimmunterricht hatten, die zu ihr kommen. Oder Menschen, die sich in der Schule durchgemogelt haben und jetzt doch richtig schwimmen können wollen - mit ihren Kindern zum Beispiel. Trotzdem haben gerade Erwachsene im Wasser erstmal sehr große Angst. Anke Gellerts Rezept: Ganz viel reden! Damit sie irgendwann Vertrauen fassen. Und: Alle Trainer gehen mit ins Wasser. Und sind somit sofort greifbar. Auch Menschen mit Beeinträchtigungen sind hier willkommen, das Programm nennt sich SchwaP. Die Idee entstand, weil Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen oft eine andere, intensivere Betreuung brauchen. Die SchwaP-Trainerin hat deshalb eine zusätzlichen Rehaschein und Erfahrungen mit Menschen mit Behinderungen. Es gibt zudem einen Lifter, einen Nass-Rollstuhl und Umkleiden extra für Rollstuhlfahrer:innen. SchwaP ist in dem Sinne kein Kurs, sondern bei SchwaP wird man Mitglied. Kinder sind hier genauso zu finden wie Menschen über 60. Allerdings: Für SchwaP gibt es lange Wartezeiten. Denn Trainer in diesem Bereich sind rar. Doch auch die anderen Schwimmtrainer sind heiß umworben. Bei Annika Gellert sind allerdings viele Trainer aktiv, die selber hier schwimmen gelernt haben. Annika Gellert setzt weiter auf dieses Konzept - und bietet Schwimmschüler:innen Unterstützung dabei an, selber mal Trainer:innen zu werden. Im Sommer macht die Schwimmschule regelmäßig Camps, in denen Kinder ab Seepferdchen-Niveau den ganzen Tag schwimmen können. Viele gehen danach mit dem nächsten Schwimmabzeichen nach Hause. Ab Mai lohnt es sich für alle Interessierte, mal auf die Webseite zu schauen! https://www.scs-berlin.de/uber-uns/team/schwimmbad/ https://www.schwimmen-berlin.de/schwap/
Folge 54: Pommes mit Respekt17 Feb 202400:33:30

Heute sind wir an einem Ort, wo man Kalorien abbauen kann - wenn man schwimmen geht - oder sich welche zuführen: Im Restaurant „Seepferdchen“, dem Bistro im Berliner Kombibad Seestraße. Zu Gast bei uns ist der Chef, Ersan Gümüsboga, der das Bistro nicht nur jetzt im Winter betreibt, sondern auch im Sommer die zahllosen hungrigen Badegäste mit Pommes, Cola und anderen Snacks versorgt. Seit 20 Jahren macht Ersan das jetzt schon - und das offenbar immer noch gern. Schließlich könne er hier in Badelatschen zur Arbeit gehen, scherzt er, und im Gegensatz zu seinem früheren Job in einem Moabiter Zeitungsladen muss der gelernte Schweißer und Schlosser auch nicht so früh aufstehen. Ohne Frage trotzdem ein hartes Geschäft, dem er da nachgeht, auch wenn Ersan einen sehr entspannten Eindruck macht. Im Winter läuft das Ganze recht gut, erzählt er, von 11 bis 20 Uhr (am Wochenende 10-17 Uhr) sind mehr oder weniger immer Gäste da, die sich nach oder vor dem Schwimmen nochmal stärken wollen. Und: In den Wintermonaten kann man den Laden am Wochenende abends auch mieten - für ein Geburtstags-, Weihnachts- oder Hochzeitsfest oder was immer man zu feiern hat, 90 bis 100 Gäste haben hier locker Platz. Und das Ambiente ist besonders für Schwimmliebhaber:innen großartig: Die Längswand des Bistros ist aus Glas, während unseres Gesprächs schauen wir auf die Nichtschwimmer, direkt dahinter das 50-Meter-Becken, so sind wir fast mittendrin in der Schwimmhalle. Für uns jedenfalls eine herrliche Aussicht! Der Winter ist für Ersan Erholung. Im Sommer dagegen kommen bis zu 12.000 Menschen an einem Tag ins Freibad Seestraße - und fast alle sind hungrig. Da hilft nur: ruhig bleiben, sagt der Chef und schmunzelt. Natürlich sei das stressig und laut, und manchmal gehe es auch etwas rabiat zu, vor allem, wenn die Leute in der Hitze mal länger warten müssen - aber dass im Freibad ständig Randale sei, wie es im letzten Sommer mal wieder hieß, kann er nicht bestätigen. Dabei liegt das Schwimmbad mitten im Wedding und ähnlich wie in Neukölln sind auch hier sehr viele Jugendliche zu Gast, bei denen das Testosteron immer mal wieder in die Höhe schießt. Und doch liest man praktisch nie von Auseinandersetzungen im Schwimmbad an der Seestraße. Ob das auch an Ersan liegt, der seine Pappenheimer genau kennt und weiß, wie er mit ihnen umgehen muss - das würde der türkeistämmige Bistro-Chef so nie behaupten. Er weiß einfach, dass besonders muslimische Jungs ihm mit großem Respekt begegnen - weil er selber Muslim ist. Ersan-Abi eben. Und er kann auch nicht bestätigen, dass es in den letzten Jahren schlimmer geworden sei, die Jugendlichen schlechter erzogen oder brutaler. „Starke Affen“, wie Ersan sie nennt, habe es früher genauso gegeben wie heute. Mit 18, 19 kämen sie dann langsam zu Vernunft. Daran habe sich nach seiner Erfahrung nichts geändert. Und vieles werde einfach völlig überzogen dargestellt - und meist gar nicht so wild. Ersan hat viele Menschen im Schwimmbad aufwachsen sehen und freut sich über jeden, der auch als Erwachsener noch kommt. „Das ist eine Gemeinschaft, man kennt sich einfach. Fast wie eine Familie.“ Selber schwimmen geht er allerdings selten - leider, wie er sagt. Aber auch da bleibt er entspannt. https://www.spacebase.com/de/venue/restaurant-seepferdchen-berlin-restaurant-seepferdchen/ https://www.berlinerbaeder.de/baeder/detail/kombibad-seestrasse-hallenbad/ https://www.berlinerbaeder.de/baeder/detail/kombibad-seestrasse-sommerbad/


Folge 78: Nur eine von 10.00014 Aug 202400:26:45

Dieses ist zwar einerseits eine Urlaubsfolge - Martina verbringt zwei Wochen an der Südküste von Kreta und liebt es trotz ihrer Freiwasser-Phobie, dort im kristallklaren libyschen Meer zu kraulen - aber es geht in dieser Folge um mehr. Denn der Strand dort ist nicht etwa nur für Touristen da, wie manche Menschen meinen. An der Messara Bay rund um Matala suchen sich die Caretta Caretta an den Stränden alljährlich ihren Eier-Ablageplatz. Und das ist überlebenswichtig, denn die Caretta Caretta, bekannt auch als Unechte Karettschildkröte, ist eine von nur noch sieben Meereschildkrötenarten und sie alle sind vom Aussterben bedroht.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Meeresschildkröten werden intensiv bejagt, ihr Fleisch und auch die Schildkröteneier gelten als Delikatesse, ihr Panzer ist wertvoll. Mehr als 250.000 Schildkröten sterben jährlich in Fischernetzen. Das das ist nicht die einzige Bedrohung: Ihre Lieblingsspeise sind Quallen. Und die verwechseln sie nur allzu oft mit - Plastik. Qualvoller Erstickungstod ist die Folge.

Doch erstmal müssen sie überhaupt schlüpfen. Und dafür ist es wichtig, dass die Caretta Caretta ihre Eier ablegen kann, bis zu 100 können das sein. Dafür kehrt sie zurück an den Ort, wo sie selber einst aus dem Nest gekrochen ist. Warum das so ist? Weiß man nicht. Aber jeder erschlossene Strand, an dem womöglich gebaut wird oder Touristen unachtsam entlangtrampeln, schränkt die Eier-Ablageplätze immer weiter ein.

Organisationen wie „Archelon - the sea turtle protection society of Greece“ sorgen dafür, dass die Nistplätze am Strand gekennzeichnet und geschützt werden. Jeden Morgen in aller Herrgottsfrühe laufen Freiwillige aus aller Welt die Strände an der Messara Bay entlang, um neue Nester zu finden und zu markieren. Auch nachts sind sie unterwegs, wenn die Schildkröten schlüpfen. Rund 500 Volunteers machen alljährlich mit, von Ende Mai, wenn die ersten Schildkröten ihre Eier ablegen, bis Ende September, wenn die letzten Schildkröten schlüpfen. Die meisten Freiwilligen sind in dieser Zeit drei bis vier Wochen da, viele kommen direkt nach dem Schulabschluss oder in den Semesterferien. Einzige Voraussetzung: Die Liebe zur Natur und die Bereitschaft, mit Menschen aus aller Welt zusammenzuarbeiten. Nähere Informationen s. u. in den Links.

Martina hat bei ihren Urlauben auf Kreta schon mehrfach dabei sein dürfen, wenn sich die kleinen, höchsten handtellergroßen Schildkröten aus ihrem Nest am Strand emporwühlen und den Weg zum Meer suchen. Damit sie den finden, braucht es absolute Dunkelheit, denn Schildkröten orientieren sich am Mond und an den Sternen. Nahe Straßenlaternen, laute Tavernen, Camper am Strand sind Gift für sie.

Ein Wunder, dass sie es überhaupt schaffen. Kein Wunder ist es unter diesen Umständen allerdings, dass am Ende nur eine von 10.000 überlebt! Um dann, nach gut 20 Jahren, zurückzukehren und selber Eier zu legen.

WICHTIG!

Was Touristen in Schildkrötengebieten deshalb unbedingt beachten sollten:

- Den Strand nachts nicht betreten - sie stören die Mutter-Schildkröten genauso wie die Schlüpflinge!

- Kein Auto fahren auf dem Strand

- Alle Strandmöbel abends wegräumen, damit die Schildkröten ungestört ihr Nest bauen können

- Keine Lichter und Parties am Strand in der Nacht!

- Eingezäunte Nester respektieren und nicht darauf herumlaufen

- Die Schlüpflinge müssen das Meer selbst erreichen - nicht anfassen und nicht mit Handys leuchten

- Keinen Müll hinterlassen

Übrigens - man kann auch Schildkröten-Pate werden, ohne an den Strand zu fahren, ganz einfach von zuhause aus. Alles Weitere findet ihr in den Links!

https://de.wikipedia.org/wiki/Unechte_Karettschildkr%C3%B6te

https://archelon.gr/en

https://www.matala.gr/en/the-sea-turtle-caretta-caretta/

https://archelon.gr/en/project-areas/crete-messaras-bay

https://archelon.gr/en/volunteer/project-areas/crete-messaras-bay

https://archelon.gr/en/support-us/at-the-beach







Folge 53: Der Marathonschwimmer07 Feb 202400:55:15
Fünf der Ocean´s Seven hat er bereits geschafft - als Extremschwimmer würde sich Matthias Kaßner trotzdem nicht bezeichnen. Er mag es lieber, Marathonschwimmer genannt zu werden. In der Küche seiner Neuköllner Wohnung hängen zahlreiche Urkunden seiner Erfolge: Die Straße von Gibraltar war die erste Meerenge, die er überwunden hat und danach folgten viele weitere Abenteuer. Angefangen hat alles, als er vor Jahren beim Berliner Müggelseeschwimmen das Freiwasser für sich entdeckt hat. Vor allem längere Strecken haben es ihm angetan. Die 16 Kilometer lange Straße von Gibraltar war 2010 sein erstes Soloschwimmen - und das erste durch´s offene Meer. Danach konnte Kaßner nicht mehr aufhören. Oft war seine Frau Ina im Beiboot dabei - allerdings hat Matthias schon manchmal ein schlechtes Gewissen, was er ihr so alles zugemutet hat. Denn so hat sie immer hautnah mitbekommen, wenn es ihm nicht gut ging. Zum Beispiel im 33 Kilometer langen North Chanel zwischen Irland und Schottland, bei 13 Grad Wassertemperatur und 10 Grad Lufttemperatur nur in Badehose. Am Ende war er so erschöpft, dass er an der felsigen Küste nicht an Land kam und sich diverse Schrammen zuzog. Der Kapitän hat ihn dann ins Boot geholt, das Schwimmen war überstanden - aber die Geschichte noch nicht zuende: Denn plötzlich, Stunden später, hustet Matthias Blut. Im Krankenhaus heißt es dann, er habe sich eine Lungenentzündung zugezogen. Eine Behandlung mit Antibiotika schlägt glücklicherweise gleich an. Solche Erfahrungen sind extrem, auch für die Angehörigen - aber trotzdem würde Matthias nie darauf verzichten wollen. Er liebt es, im Freiwasser zu schwimmen, Trainingscamps zu absolvieren, Menschen auf der ganzen Welt kennenzulernen und so neue Freunde zu gewinnen. Und auch die Naturerlebnisse sind für ihn immer wieder atemberaubend. Oder einfach die Aussicht - wie bei seinem Schwimmen rund um Manhattan. Was ganz Besonderes war die 30 Kilometer lange Tsugaru Strait in Japan für ihn. Das erste Schwimmen der Ocean´s Seven, was er nicht auf Anhieb geschafft hat. 7000 Euro kostete allein der Wettkampf, ohne Anreise und Übernachtung - deshalb wollte Matthias es trotz Bronchitis unbedingt schaffen. Aber das Meer ist tückisch an dieser Stelle, es gibt nicht nur Haie, sondern eine sehr starke Strömung, die die Schwimmer einfach wegdrücken kann. Schon in der ersten Stunde war klar - er wird es nicht schaffen. Ein Jahr später hat er es noch einmal versucht - und war erfolgreich. Darauf ist er heute besonders stolz. Ob er die beiden letzten Schwimmen der Ocean´s Seven noch machen wird, weiß er noch nicht. Während der Corona-Zeit ging das sowieso nicht - also hat er sich ein heimisches Solo-Schwimmen ausgedacht: 30 Kilometer rund um die Berliner Müggelberge. Das war ihm ein besonderes Vergnügen - und das nicht nur, weil es auch ein bisschen verboten war. Sechs Tage die Woche trainiert Matthias Kaßner, um fit zu bleiben, insgesamt meist zwischen 25 und 35 Kilometer. Immer nach seiner Arbeit als Ingenieur. Und das Marathonschwimmen allein reicht dem 56jährigen Berliner längst nicht mehr: Weil er bei jedem Wetter im Freiwasser schwimmen wollte, hat er seit einigen Jahren auch das Eisschwimmen für sich entdeckt. Und in dieser Disziplin sogar an zwei Weltmeisterschaften teilgenommen. Sein Trick? Ruhig atmen! Und sich vom Zittern danach nicht beunruhigen lassen. Denn wenn der Körper zittert, wärmt er sich wieder auf. Eins aber gibt Matthias Kaßner unumwunden zu - wenn er eine Meerenge durchquert, ist das Schwimmen nicht nur reines Vergnügen für ihn. Besonders, wenn der Magen rebelliert. Und auch Panikgefühle sind ihm nicht unbekannt. Aber das Glücksgefühl danach möchte er nicht missen: „Es ist einfach meine Leidenschaft!“ https://www.openwaterpedia.com/wiki/Matthias_Ka%C3%9Fner https://longswims.com/p/matthias-kassner/ https://www.deutschlandfunkkultur.de/eisbaden-vom-warmduscher-zum-winterschwimmer-100.html https://www.schwimmkalender.de/sk_documents/Interview_Kassner.pdf
Folge 52: Aller Anfang ist - zauberhaft!31 Jan 202400:30:31
Diesmal sind wir zu Gast bei Tini in der Schwimmhalle an der Finckensteinallee - eigentlich ein Meer, wie Ute immer sagt, denn das Schwimmbecken ist 50x25 Meter groß. Heute sind zwanzig 25-Meter-Bahnen abgeleint, zahlreiche Vereine sind mit ihren Schützlingen in der Halle um zu trainieren - auch die ganz Kleinen. Fünf angehende kleine Seepferdchen ziehen auf der letzten Bahn ihre Kreise: Auf dem Rücken schwimmend, mit Flossen an den Füßen und Schwimmkissen um den Bauch - und vor allem mit strahlenden Gesichtern! Sie machen bei der Schwimmgemeinschaft Steglitz Berlin e.V. ihre ersten Erfahrungen im Wasser - und eben hier ist Martina Lorenczat - von allen nur Tini genannt - zuständig für die Schwimmausbildung. Das Besondere an diesem Verein: Je nachdem, wo die Kleinen ihr Seepferchen machen, können sie zuerst Brust oder Rücken lernen. In flachen Gewässern starten sie mit Brust, in tieferem Wasser, wie hier an der Finckensteinallee, wird als erstes das Schwimmen auf dem Rücken gelehrt. Der Vorteil: Besonders die Beinbewegung kennen die Kinder bereits vom Krabbeln und Laufen. Sie üben gleich die richtige Wasserlage und: Sie müssen nicht sofort mit dem Gesicht ins Wasser. Das kostet nämlich doch noch Überwindung! Außerdem ist es vom Rückenschwimmen zum Kraulen nur ein kleiner Schritt. Allerdings - es dauert etwas länger, bis sich die Kinder so sicher fühlen, dass sie sich über Wasser halten können. Beim Brustschwimmen dagegen geht das relativ schnell. Viele Eltern finden es deshalb besser, wenn ihr Kind zuerst Brustschwimmen lernt, erzählt Tini. Eine sehr deutsche Eigenart - denn besonders in angelsächsischen Ländern legt man schon seit Jahrzehnten Wert darauf, dass Kinder gleich Rücken- und Kraulschwimmen lernen. Und auch Leistungsschwimmerin Franziska van Almsick hält das für die bessere Variante. So oder so - mit einem guten Vierteljahr muss man rechnen, bis die Kleinen so sicher sind, dass sie ihre Seepferchenprüfung ablegen können: 25 Meter schwimmen, vom Beckenrand springen und einen Gegenstand aus schulterhohem Wasser rausholen. Und auch dann sind sie noch keine sicheren Schwimmer! Man sollte sie also im Pool oder im Meer auch danach nicht aus den Augen lassen! Und - wer sein Kind zum Seepferdchen-Kurs anmelden will, muss mit einer sehr langen Wartezeit rechnen. Beim SG Steglitz dauert die rund ein Jahr, woanders ist es nicht besser. Gerade die Kurse der Berliner Bäderbetriebe sind oft schneller ausgebucht, als man gucken kann. Tini bedauert das sehr. Wenn es nach ihr ginge, sollten alle so schnell und gut wie möglich schwimmen lernen. Sie selber konnte es schon mit anderthalb und das Becken hat sie nach Leistungsschwimmerin- und Wasserball-Karriere bis heute nicht losgelassen. Grund für die langen Wartezeiten sind ihrer Erfahrung nach aber nicht nur die knappen Wasserzeiten in den Schwimmbädern - es fehlt überall an (ehrenamtlichen) Trainer-innen. Denn dafür braucht man nicht nur Rettungsschwimmer- und Trainerschein, sondern auch Lust - und Zeit! Und einen Platz in einem Ausbildungskurs - denn auch die sind rar gesät. Ein Dilemma, finden wir. Deshalb - vielleicht habt ihr ja Lust, euch in dieses Abenteuer zu stürzen? https://www.dlrg.de/mitmachen/schwimmausbilder-werden/ausbilder-schwimmen/ https://sportbunt.de/fuer-gefluechtete/ausbildung-zumr-schwimm-trainerin-fuer-schulkinder/ https://www.dsv.de/schwimmen/bildung/ https://www.berliner-schwimm-verband.de/seminare/ https://www.sg-steglitz.de/
Bestimmt verpasst: Die Lebensretter24 Jan 202400:40:00
Diesmal sprechen wir mit zwei Menschen, die einen großen Teil ihrer Freizeit damit verbringen, dafür zu sorgen, dass Menschen aus dem Wasser gerettet werden - ehrenamtlich und unentgeltlich. Denn Micky und Ines arbeiten beide bei und für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Ines ist Rettungstaucherin und sucht nicht nur nach vermissten Personen, sondern auch mal nach Brieftaschen oder Eheringen. Micky ist mit dem DLRG groß geworden und nicht nur Vorsitzende der Bezirksjugend Steglitz-Zehlendorf, sie hat mit der Abteilung Rettungswettkampf auch schon den Zukunftspreis Berliner Sport gewonnen, hat selber das Rettungsschwimmabzeichen Silber und bringt anderen das Rettungsschwimmen bei. Beide sind mit Feuereifer dabei, auch Mickys Sohn ist mittlerweile aktives DLRG-Mitglied. Doch zusammen mit dem DLRG stoßen sie auch immer wieder an Grenzen: Der Andrang für Schwimmlernkurse ist so groß, dass man sich auf die Warteliste für die Warteliste setzen lassen muss. Die Wartezeit für Rettungsschwimmerkurse beträgt im Schnitt etwa zwei Jahre. Es fehlt an Wasserzeiten in den Bädern und an Ehrenamtlichen, die nicht nur am Beckenrand stehen, sondern sich auch um Organisation und Verwaltung kümmern. Dabei werden gleichzeitig Rettungsschwimmer händeringend gesucht: Nicht nur an Seen und Badestellen - auch in Schulen! Denn wenn Kinder in der dritten Klasse schwimmen lernen, muss immer jemand dabei sein, der mindestens den Rettungsschwimmer in Silber hat. Der hat es übrigens durchaus in sich. Mal eben so die Prüfung ablegen gelingt den wenigsten, das Abschleppen in Kleidung, Tauchen nach Ggenständen und das Hochziehen eines erschöpften oder bewusstlosen Menschen über den Beckenrand muss in der Regel erstmal geübt werden. Aber warum nicht? Wir haben dann doch ein wenig Lust bekommen. Statt ein Leistungs-Schwimmabzeichen zu machen, könnte Ute sich auch vorstellen, Rettungsschwimmerin zu werden. Und Martina liebäugelt ebenfalls damit - Kindern zu ermöglichen, schwimmen zu lernen, ohne dass sie dabei Schaden nehmen, ist ja auch keine schlechte Sache. Wer einen Schwimmlernkurs oder einen Rettungsschwimmer-Kurs bei der DLRG machen will, muss übrigens DLRG-Mitglied sein. Doch die Kosten halten sich in Grenzen - ein Erwachsener beispielsweise zahlt 70 Euro - im Jahr! Kinder und Jugendliche entsprechend weniger. https://www.dlrg.de/
Bestimmt verpasst: Exot im Schwimmbad17 Jan 202400:31:22
In dieser Folge ist Frank unser Gast. Schwimmen hilft ihm fit zu bleiben, Wasser ist sein Element. Hier kann er alle Gliedmaßen bewegen und er fühlt sich einfach nur gut. Denn wenn Frank nicht im Wasser ist, sitzt er im Rollstuhl Er hat eine seltene chronische Erkrankung, die dazu führt, dass seine Gelenke versteift sind. Sein Lieblingsbad ist das Sommerbad Pankow in Berlin. Aber nicht, weil es so behindertengerecht ist. Sondern obwohl es das, wie praktisch alle Berliner Sommerbäder, eben nicht ist. Frank nimmt uns mit zu einem typischen Besuch ins Schwimmbad und erzählt, wo überall Barrieren lauern: Das fängt schon mit dem fehlenden Behindertenparkplatz an und hört kurz vorm Beckenrand nicht auf: Mit seinem Rollstuhl kann er nicht durchs Fußbecken fahren. Also muss er an einem Gatter warten, bis einer der Bademeister ihn sieht und ihm aufschließt. Einen Schwenksitz oder Wasserlift gibt es nicht - also muss sich Frank allein irgendwie ins Wasser und auch wieder heraushieven. Was er zum Glück schafft, weil er im Gegensatz zu anderen Rollstuhllfahrer:innen nicht gelähmt ist. Trotzdem ein schwieriges Manöver - immer beäugt von Badegästen, die es überhaupt nicht gewöhnt sind, dass Menschen Im Rollstuhl schwimmen gehen. Wie auch, wenn die Ausstattung so vieler Schwimmbäder überhaupt nicht darauf ausgerichtet ist. Die neu gebaute Rampe an den sanierten Terassen im Sommerbad Pankow führt nicht etwa zu behindertengerechten Duschen und Toiletten - die sind ganz woanders und in keinem guten Zustand, berichtet Frank. Deswegen fühlt er sich in seinem Rollstuhl auch immer wieder wie ein Exot, wenn er schwimmen geht. Er hat nicht alle Berliner Bäder getestet - aber einem Hallenbad kann er wirklich gute Noten geben. Und dem Strandbad Plötzensee - denn hier kommt man mit dem Rollstuhl ungehindert bis ans Wasser.
Folge 51: Idealist oder doof?10 Jan 202400:44:45
Um diesen Job machen zu können, muss man entweder Idealist sein - oder doof. Das hat Badleiter Thomas Nacke vor vielen Jahren von seinem Ausbilder gehört. Wir können definitiv sagen: Doof ist Thomas Nacke ganz sicher nicht! Im Gegenteil: Ihm ist es gelungen, dass er und sein Team in „seinem“ Bad, dem Stadtbad Tiergarten, während der vierjährigen Sanierung deutlich mitgestalten durften. Bei technischen Erneuerungen, dem Umbau der nun behindertengerechten Umkleidekabinen, aber auch bei der Farbgestaltung. Und das Ergebnis ist überaus sehenswert: Grau- und Rottöne bestimmen neben dem Blau des Wassers die angenehme Stimmung in der Halle, jedes Becken hat seinen eigenen Beckenkreislauf, sodass im kleinen Becken in Zukunft auch Babyschwimmen bei 35 Grad möglich sein wird - und Energie spart das Ganze auch noch. Mit einer ausfahrbahren Wand lässt sich das 50-Meter-Becken entweder ganz in zwei 25-Meter-Becken aufteilen - oder auch nur zur Hälfte! So kommen Schwimmlehrkurse UND geübte Schwimmer:innen gleichzeitig zu ihrem Recht. Und das ist das, was Badleiter Nacke besonders freut: Im Stadtbad Tiergarten sollen sich nach der Eröffnung am 23. Januar alle wohl fühlen: Vereine, Schulen, Sportler:innen und Spaßbader. Eine Garantie dafür dürfte die Kletterwand am Sprungbecken sein, direkt gegenüber vom 3-Meter-Turm. Damit das Kreischen der Spaßgemeinde hier nicht die anderen Badegäste stört - und gleichzeitig eine sichere Aufsicht möglich ist - ist der Sprung- und Kletterbereich durch eine Wand vom restlichen Bad getrennt. Auch das eine Idee von Thomas Nacke und seinem Team. Der Badleiter hat noch zu DDR-Zeiten in der Lutherstadt Wittenberge seinen Meister gemacht, die Liebe zog ihn dann in den 90er Jahren nach Berlin. Hier musste er dann „nochmal ganz klein anfangen“, wie er sagt, arbeitete als Fachangestellter für Bäderbetriebe zunächst in der Thomas-Mann-Schwimmhalle in Prenzlauer Berg, in Kaulsdorf, in Buch und in der Schwimmhalle am Sachsendamm in Schöneberg - bis er dann doch endlich Badleiter wurde. Im Sommer im Sommerbad Humboldthain, im Winter im Stadtbad Tiergarten. Dienst nach Vorschrift ist nicht sein Ding, das merkt man ihm an - auch wenn es ihn nervt, dass er im öffentlichen Dienst jeden einzelnen Bleistift beantragen muss. Umso mehr will er gestalten, wo er gestalten KANN: So entstand in den Jahren vor Corona im Sommerbad Humboldthain die Idee vom so genannten Ramadanschwimmen: In dieser Zeit hatte das Bad bis ein oder zwei Uhr nachts geöffnet, statt der üblichen rund 2000 Gäste waren auch schon mal 10.000 Leute da. Das sei eine tolle Veranstaltung gewesen, sagt Nacke, und man sieht ihm an, dass er immer noch stolz darauf ist. Sowas geht aber nur, wenn man ein gutes Team hat, auf das man sich 100 Prozent verlassen kann, davon ist der Badleiter überzeugt. Wenn man gemeinsam eine klare Haltung hat - und klare Ansagen macht. Ohnehin - die Stimmung im Team ist ihm wichtig. Und selbstverständlich putzt er als Badleiter Kletterwand, Gänge oder Klos genauso wie seine Kolleginnen und Kollegen. Und auch wenn, wie er sagt, im Humboldthain „das gleiche Klientel“ ist wie im Neuköllner Columbiabad oder in Pankow - hier hört man nie etwas von größeren Auseinandersetzungen. Trotzdem bedauert Nacke, dass ohne Security kein Bad mehr zu leiten ist - auch nicht das Stadtbad Tiergarten. Dennoch freut er sich schon auf seine Gäste. Am 20. Januar, drei Tage vor der offiziellen Wiedereröffnung, darf schon mal die Nachbarschaft ins Bad - auch so eine Idee von Nacke und seinem Team. 200 Leute, die in der Umgebung wohnen, bekommen eine Einladung in ihren Briefkasten geworfen und haben drei Stunden kostenfreien Eintritt. Es könnte der Beginn einer guten Freundschaft werden. https://www.berlinerbaeder.de/baeder/stadtbad-tiergarten/ https://www.berlinerbaeder.de/baeder/sommerbad-humboldthain/
Folge 50: Das Flussbad03 Jan 202400:46:35

Ein Flussbad mitten in Berlin? Ein Traum! Auch Ute bekommt ganz leuchtende Augen, wenn sie davon schwärmt, wie es wäre, durch den knapp 2 Kilometer langen Spreekanal am Humboldt-Forum vorbeizuschwimmen, kraulend das das Bode-Museum hinter sich zu lassen oder einfach nur entspannt mit den Füßen im Wasser rüber zur Museumsinsel zu schauen (Anschauen würde Martina sich das auch, auf jeden Fall!). Doch dieser Traum ist zwar bereits Ende der 1990er Jahre entstanden, doch ob er eines Tages tatsächlich Wirklichkeit werden kann, steht nach wie vor in den Sternen. Wir reden diesmal mit Tim Edler einer der Initiatoren dieses Projekts, heute Projektautor des Vereins Flussbad Berlin. 2012 wurde der Verein von 15 Flussbad-Begeisterten gegründet, heute hat er 500 Mitglieder. Ihm geht es, wie Tim sagt, nicht allein darum, eines Tages durch die Stadt schwimmen zu können. Es geht um einen sauberen Fluss, Zugang zum Wasser, einen attraktiven öffentlichen Ort und eine ökologische Wasserlandschaft. Denn im Moment wird das Wasser in Spree und Spreekanal regelmäßig über mehrere Tage massiv verschmutzt. Der Grund: Die Berliner Mischkanalisation. Dann übersteigt das Regenwasser das Fassungsvermögen der Rohre und der Inhalt wird samt Abwasser aus den Berliner Haushalten und Straßendreck in den Fluss geleitet, mitsamt aller Keime und Bakterien. An den anderen Tagen aber haben Spree und Spreekanal schon jetzt durchaus Badequalität und entsprechen den Grenzwerten der EU-Badegewässer-Richtlinie. Die vom Berliner Kompetenzzentrum Wasser entwickelten Webseite badberlin.de zeigt in einer Art Ampel sogar in Echtzeit, ob das Wasser gerade zum Baden taugt. Möglich machen dies Sensoren an relevanten Überlaufstellen, die im Ernstfall warnen und die Badeampel auf Rot springen lassen. Die Seite läuft zur Zeit im Testbetrieb und ohnehin gilt in Spree und Spreekanal striktes Badeverbot - aber man kann sich einen guten Eindruck davon verschaffen, dass das Flusswasser oft sauberer ist, als man denkt. Knapp 7 Millionen Fördermittel hat der Verein als „nationales Projekt des Städtebaus“ von Bund und Land seit 2014 bekommen - doch das Flussbad gibt es immer noch nicht. Aber viele wichtige Erkenntnisse, wie Tim erzählt: Eine Studie bestätigte bereits 2015 die grundsätzliche Machbarkeit eines Flussbads, ein viereinhalbjähriges Forschungsprojekt kam 2022 zu dem Ergebnis, dass der Aufwand dafür womöglich gar nicht so groß sein müsste wie gedacht. Aber es gibt auch kritische Stimmen: Verschwendung von Fördergeldern, heißt es, der Bund der Steuerzahler spricht gar von einem Millionengrab. Denkmalschützer sehen das historische Antlitz der Stadtmitte gefährdet. Dabei gab es hier bereits vor 120 Jahren Flussbäder, die viele Berlinerinnen und Berliner nicht nur zum Waschen, sondern auch zum Schwimmen nutzten. Tim Edler ist zuversichtlich, dass das Flussbad vielleicht sogar schon in zwei Jahren Wirklichkeit wird - wenn Senat und Bezirk es wirklich wollen und die konkrete Planungsphase bald beginnen kann. Bis dahin gibt es zwischen Mai und Oktober weiterhin regelmäßig so genannte „Flussläufe, geführte Spaziergänge durch das Projektgebiet. Und Informationsveranstaltungen im Fluss Bad Garten, der an den Campus der Wirtschaftshochschule ESMT grenzt. Wer sich jetzt schon schlauer machen will, kann sich den Podcast „Fluss Bad Berlin“ anhören (überall, wo es Podcasts gibt). https://www.flussbad-berlin.de/ https://badberlin.info/ https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=Podcast+Fluss+Bad+Berlin http://chorhkw.de/portfolio-item/flussbad-berlin-2/


Folge 49: Das war´s …!27 Dec 202300:35:52

Zumindest für dieses Jahr. Wir schauen nochmal zurück - in aufregende Bäder, zu zauberhaften Menschen, auf waghalsige Aktionen und sogar ein paar Erfolge: Wir sind mit Seehunden (Folge 42) und Regenbogenforellen (Folge 37) geschwommen, haben uns beim Unterwasser-Rugby in die Tiefe gestürzt (Folge 35) und (fast) so elegant wie eine Meerjungfrau die Flossen geschwungen (Folge 45).

All das wäre nicht möglich gewesern ohne unsere tollen Gäste: Die Extremschwimmerin Margit Schreiber (Folge 41), Sina von „Bleib cool am Pool“ (Folge 25), die Bäderbau-Expertin Uta Maria Bräuer (Folge 26), die Schriftstellerin Anne Hahn (Folge 47) oder die Auszubildende Elisa (Folge 34).

Wir haben Bäder wie das Strandbad Plötzensee (Folge 23) oder das Insulaner (Folge 22) noch einmal von einer ganz anderen Seite kennengelernt und sind dafür sogar nach NRW gereist (Folge 33). Allen unseren Gästen - und wir können sie hier gar nicht alle aufzählen - sind wir sehr dankbar. Denn sie haben uns immer wieder ganz neue Perspektiven eröffnet.

Und deshalb machen wir auch weiter: Im Januar werden wir mit dem Initiator des Berliner Flussbads reden. Und mit dem Badleiter über das frisch sanierte Stadtbad Tiergarten. Im Februar dann wird einer unserer Lieblings-Schwimmbuch-Autoren bei uns zu Gast sein. Und wir haben noch diverse andere Ideen!

Danke, dass ihr euch mit uns immer wieder ins (kalte) Wasser stürzt!

Und danke natürlich auch den Berliner Bäderbetrieben, die uns so einiges möglich machen.

Und jetzt allen einen guten Rutsch und einem fetten Platsch in ein bewegtes und bewegendes Jahr 2024!

Folge 48: Alles in Arbeit20 Dec 202300:36:14
Diesmal treffen wir uns mit Jasmin Meiswinkel - die sich an uns gewandt hat. Denn Jasmin ist bei den Berliner Bäderbetrieben Referentin für strategisches Nachhaltigkeits- und Qualitätsmanagement. Und damit auch zuständig für die Kundenzufriedenheit. Deswegen findet sie unseren Podcast sehr interessant - und wir es wiederum, mit ihr zu sprechen! Also trafen wir uns zum Schwimmen im Weddinger Kombibad Seestraße. Aber vorher haben wir im angeschlossenen Bistro "Seepferdchen" erstmal unseren Podcast aufgezeichnet. Denn wir hatten viele Fragen, die wir auch schon in unserem Podcast gestellt haben. Warum es in diversen Bädern so schwierig ist für Menschen mit Behinderung, beispielsweise. Warum es so wenig Merchandising-Artikel gibt - und man die wenigen noch nicht einmal online bestellen kann. Warum die Jahreskarte so ein unhandliches Format hat - und warum die Sommerbäder im Winter nicht genutzt werden können. Viele dieser Probleme sind Jasmin längst bekannt - doch das meiste ist eben nicht so einfach umzusetzen. Trotzdem freut sie sich, wenn so viele Badegäste wie möglich an den Kundenservice schreiben und auf Missstände aufmerksam machen, womöglich gar Verbesserungsvorschläge haben. Was möglich ist, soll auch umgesetzt werden - auch wenn es nicht immer ganz so schnell geht. Auch das Wohlbefinden der Beschäftigten bei den Berliner Bäderbetrieben liegt Jasmin am Herzen. Deswegen organisiert sie immer wieder Möglichkeiten des Austauschs, um auch hier Verbesserungsvorschläge aufzunehmen und umzusetzen. Auf unsere Frage, was sie sich für´s nächste Jahr wünschen würde, muss sie nicht lange überlegen: Dass alle Umbaumaßnahmen im Zeot- und Kostenrahmen bleiben, sagt sie. Das wünschen wir uns auch! Und freuen uns schon mal auf den 22. Januar. Denn dann, das hat Jasmin schon mal verraten, wird das Stadtbad Tiergarten endlich wieder für die Öffentlichkeit freigegeben! https://www.berlinerbaeder.de/kontakt/kontakt-und-kundenzentrum/
Folge 47: Über Wasser13 Dec 202300:37:21

Diesmal sind wir zu Gast bei Anne Hahn - in einer der gemütlichsten Wohnungen, die wir je gesehen haben. Man merkt es jeder Ecke, jedem Zimmer an, dass es sich hier um einen Schriftstellerhaushalt handelt. Denn man ist nirgendwo wirklich allein - sondern immer behaglich von Büchern umgeben.

Die aus Magdebuch stammende Anne Hahn hat nicht nur Bücher geschrieben wie „Dreizehn Sommer“ (später erschienen unter dem Titel „Gegenüber von China“), „Das Herz des Aals“ oder ganz aktuell „Träumt Christian Beck“, sie veröffentlicht auch regelmäßig eine Kolumme im Neuen Deutschland, wo sie unter dem Titel „Über Wasser“ durch die Gewässer der Welt schwimmt.

Dort berichtet sie über Wechselbäder in Island genauso wie über die strenge Stille eines Schwimmbads in Belgrad, über die Lebensretter vom Wedding oder die Angst vor der reißenden Strömung der Havel im Havelland. Kurze Alltagsbeobachtung mit Tiefe, kurze Eindrücke, die mal kleinere, mal größere Wellen schlagen.

Ganz besonders beeindruckt hat uns Anne Hahns Geschichte über die Wasserminna, die im Jahr 1900 als 15jährige beim Flussschwimmbad an der Berliner Ebertsbrücke arbeitete, wo sie herzschwache Damen beim Schwimmen begleitete, nach heruntergefallenen goldenen Uhren tauchte oder Kinder, die kein Ende fanden, mit dem Kanthaken aus dem Wasser zog - bis sie eines Tages vom Zirkus engagiert wurde: Von keinem geringeren als dem Zirkus Busch. Hier wurde sie schnell ein Star in der Wassermanege, blieb bis zu ihrem Lebensende bei Paula Busch und liegt heute im Familiengrab der Buschs im Wedding begraben.

https://www.zeitzeugenbuero.de/zeitzeugensuche/zeitzeuge/hahn-anne

https://www.ddr-zeitzeuge.de/ddr-zeitzeugen-recherchieren/ddr-zeitzeuge/anne-hahn-524.html

Folge 46: Neue Welten06 Dec 202300:34:04
Diesmal tauchen wir so richtig ab - in ganz neue Welten. Und zwar mit den Unterwasser-Fotografen von Pool-Position. Pool Position ist ein Kunstprojekt der Kulturfabrik Moabit in Berlin. Als Zusammenschluss von Berliner Unterwasserfotografen und Kulturschaffenden ist Pool Position im Rahmen der Langen Nacht des Tauchens 2007 entstanden, einem jährlichen Event in der Kulturfabrik, was es allerdings seit Corona nicht mehr gibt. Auf sie aufmerksam geworden sind wir durch unser Gespräch mit dem ersten und einzigen Berliner Inklusions-Tauchclub (Folge 36), denn mit ihnen arbeiten die Fotografinnen und Forografen von Pool Position sehr eng zusammen und holen sich dort auch die ein oder andere Inspiration. Und auch bei den Meerjungfrauen sind wir Pool Position bereits begegnet - denn auch sie wurden von ihnen fotografiert. Stefan, Christoph und Sybille sind diesmal mit uns im Gespräch, wobei Sybille nicht nur Fotografin, sondern auch Modell ist. Keine einfache Aufgabe bei Unterwasser-Shootings. Nicht nur, dass man dabei ziemlich lange die Luft anhalten und dabei auch noch interessant aussehen sollte - die Kommunikation mit den Fotografen unter Wasser ist wesentlich komplizierter als an Land, da nutzen auch Trockenübungen im Vorfeld wenig. Denn keiner weiß, wie Stoffe unter Wasser reagieren, ob sie sich im schlimmsten Fall in Armen oder Beinen verfangen oder sich womöglich so mit Wasser vollsaugen, dass das Auftauchen zum Kraftakt wird. Und während die Fotografen in der Regel Taucherbrillen und Sauerstoffflaschen tragen, müssen Unterwassermodels ohne solche Hilfsmittel auskommen - denn das stört ja das Bild von Leichtigkeit und Schwerelosigkeit in der Schwimmbad-Unterwasserlandschaft. Bei Pool Position arbeiten Fotografen, Models und Kulturschaffende zusammen. Und so entstehen neue Perspektiven auf bekannte Szenen genauso wie völlig Unkonventionelles: Ein Bobbycar-Rennen mit wehender Startflagge. Ein an Luftballons schwebender Rollstuhlfahrer. Oder die Unterwasser-Weihnachtsmann-Gang. Auf jeden Fall kreativ! 
Die künstlerische und organisatorische Umsetzung von PoolPosition wird von einem festen kleinen Team durchgeführt, aber Pool Position will offen bleiben für Neues - neue Ideen und neue Menschen, Modells, Fotograf:innen, Ideengeber:innen. Das Projekt arbeitet vor allem ehrenamtlich - hier geht es weder um Preise noch um das große Geld, sondern vor allem am Spaß an der Sache. Wer sich einbringen kann und will ist herzlich willkommen. Wir wollen auf jeden Fall auch mal bei einem shooting von Pool Positopn dabei sein! Und freuen uns auf ihre neue Ausstellung in der Kulturfabrik, die im März 2024 zu sehen sein soll. http://www.pool-position-berlin.de/ https://kulturfabrik-moabit.de/projekte/pool_position/
Bestimmt verpasst: Mit ihm trauen sich alle ins Wasser07 Aug 202400:30:33

Heute sprechen wir mit einem Schwimmer, der uns schon vorher, währenddessen und auch danach außerordentlich beeindruckt hat: Mohammad Shaban ist Syrer und lebt seit 2016 in Deutschland. Während seiner Flucht, im Schlauchboot zwischen der Türkei und Griechenland, hat er etwas gesehen, was er nie vergessen wird und was fortan der wichtigste Antrieb seines Handelns werden soll - die Angst in den Augen der anderen Insassen. Weil sie nicht schwimmen können. Nicht wissen, ob sie den Weg über das offene Meer überleben werden. Darunter auch sein bester Freund. Mohammad selbst hat mit vier Jahren das Schwimmen gelernt, sein Vater hat es ihm damals beigebracht. Während der Fahrt mit dem Schlauchboot nimmt er sich vor: Ich will in Zukunft anderen Menschen das Schwimmen beibringen. Damit sie niemals solch eine Angst vorm Wasser haben müssen! Doch erstmal landet Mohammad in Augsburg, lernt deutsch, freundet sich mit einer Augsburger Familie an, die ihm beibringt, wie die Deutschen so ticken und was alles wichtig ist in Sachen deutscher Kultur und deutscher Mentalität. Doch dann hört er eines Tages von dem bundesweit einzigartigen Berliner Projekt SPORTBUNT. Menschen mit Fluchthintergrund können hier einen Trainerschein machen, auch einen Schwimmtrainerschein. Für Mohammad ist klar: Das will er machen, er muss nach Berlin. Also verlässt er 2019 Augsburg, zieht in die Hauptstadt, lebt zunächst mit mehreren Menschen in einem Zimmer, zieht von Unterkunft zu WG, bis er eines Tages tatsächlich eine kleine Wohnung findet. Viel wichtiger ist für ihn ohnehin etwas anderes: Anderen Menschen das Schwimmen beibringen. Durch SPORTBUNT macht er seinen Trainerschein, wird zudem Rettungsschwimmer und arbeitet bald darauf in einem der zu Coronazeiten eingerichteten Schulschwimmzentren. Alle, die ihn dort bei seiner Arbeit mit den Kindern beobachten, geraten sofort ins Schwärmen - denn der 35jährige Syrer hat eine ganz besondere Gabe: Er kann den Kindern die Angst nehmen. Mit Mohammad trauen sich alle ins Wasser. Weil er den Kindern auf Augenhöhe begegnet. Und manchmal auch, weil er ihre Sprache spricht. Die deutsche Sprache hat er durchs Schwimmen auch noch viel besser gelernt - wenn ihm auch Worte wie "Seepferdchen" oder "Poolnudel" erst einmal ein ziemliches Rätsel waren. Manchmal tauscht er mit den Kindern auch die Rolle - und er ist der Schüler, der noch besser deutsch lernen will und die Kinder seine Lehrer. Mittlerweile ist Mohammad selbst Trainerschein-Ausbilder und angestellt beim Berliner Schwimmverband. Sein Traum ist es, eines Tages als Schwimmlehrer an einer Schule angestellt zu sein. Und was ihn besonders freut: Alle Menschen auf dem Schlauchboot damals haben überlebt. Sein Freund besucht ihn mittlerweile regelmäßig in Berlin. Und dann gehen sie gemeinsam schwimmen.

⁠https://www.radiodrei.de/programm/schema/sendungen/das_gespraech/archiv/20240707_1900.html⁠

⁠https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/mohammad-shaban-fluechtete-im-schlauchboot-uebers-mittelmeer-jetzt-ist-er-schwimmlehrer-a-b5e9b516-baec-4e3d-9cb1-d17083653be0?giftToken=9aadfef8-2c0e-4f5d-9b00-e3ca4c278574⁠


Folge 45: Endlich Meerjungfrau!29 Nov 202300:27:45
Einmal elegant wie eine Meerjungfrau durchs Wasser gleiten - wir haben es zumindest versucht! In einem Schwarm von anderen jungen Meerjungfrauen im Berliner Kombibad Spandau-Süd. Dort bietet nämlich die Meerjungfrau-Apnoe-Akademie seit mehreren Jahren jeden Samstag Kurse an. Geduldig angeleitet hat uns die Trainerin Chrissie, die natürlich im Gegensatz zu uns eine perfekte Meerjungfrau ist. Ihre Passion dafür hat sie schon als Kind entdeckt - durch den Film „H2O - plötzlich Meerjungfrau“ - mit echten Free-Diverinnen. Kein Zeichentrick wie Arielle, das hat sie besonders geflasht. Und weil sie ohnehin Schwimmerin war und ist, ist Chrissie auf die Meerjungfrauen-Community gestoßen. Dabei gibt es Meerjungfrauen-Schwimmen - eine Mischung aus Freitauchen und Synchronschwimmen - noch gar nicht so lange. Die Chefin der Meerjungfrau-Apnoe-Akademie, Natalie Camacho, gilt als eine der Vorreiterinnen in Deutschland. In den USA ist die gebürtige Australierin Hannah Fraser als Mermaid-Ikone bekannt, eine Schauspielerin, Tänzerin und Performerin, die sich auf unterwasser- und ozeanorientierte Freitauchdarbietungen spezialisiert hat, oft in Meerjungfrauenkostümen. Wir hatten ja bei unserem Versuch ein wenig Sorge, ob wir überhaupt den Meerjungfrauen-Strumpf samt Flosse über unsere Beine gezerrt kriegen. Aber das ging wunderbar und man fühlte sich auch gar nicht eingequetscht. Die Bewegung der Flosse unter Wasser geht aber nicht etwa, wie man denken könnte, von der Hüfte aus - sondern von der Schulter, wie uns Chrissie unermüdlich immer wieder vorgemacht hat. Okay - ein bischen Übung ist dann eben doch vonnöten. Aber ganz herrlich ist schon mal der Start - das so genannte Duckdiving (wir haben zunächst erstmal immer nur „Sackdiving“ verstanden …): Man klappt den Oberkörper wie eine Ente nach unten, streckt die Beine nach oben - und schwupps ist man schon mindestens in zwei Meter Tiefe! Das jedenfalls haben wir unter Chrissies Anleitung schon mal gut hingekriegt. Als lizensierte Meerjungfrauen-Trainerin musste sie nicht nur einen 1. Hilfe-Kurs und einen Rettungsschwimmer-Schein in Silber machen - sondern auch eine richtige Ausbildung, an der Meerjungfrauen-Akademie. Wer das auch gern will: Man sollte vor allem tauchfest sein - also sehr tief tauchen und lange die Luft anhalten können. Zum Equipment: Von der klassischen Monoflosse mit buntem Stoffüberzug bis hin zu extra angefertigten Silikonflossen gibt es praktisch alles. Je individueller, desto höher der Preis. Eine Taucherbrille braucht man zumindest am Anfang auf jeden Fall, damit kein Wasser in die Nase kommt. Die Meerjungfrauen in Deutschland haben auch eine eigene Facebookgruppe. Und natürlich schwimmen echte Meerjungfrauen nicht nur im Becken, sondern im - Meer! Es gibt sogar eine World Mermaid Championship, an der 70 Wettbewerberinnen und Wettbewerber aus aller Welt teilnehmen. Wer jetzt Lust bekommen hat, kann einen Meerjungfrauen-Kurs einfach privat buchen — oder sich für den Samstags-Kurs im Kombibad Spandau-Süd anmelden, Equipment zum Ausprobieren gibt es vor Ort. Alle sind willkommen - Mädchen, Frauen, aber auch Jungs und Männer sind immer mal wieder dabei. Und vielleicht sehen wir uns ja da mal ;-)! https://www.meerjungfrau-apnoe-akademie.de/ https://www.hannahmermaid.com/ https://www.facebook.com/groups/634757569995193
Folge 44: Gehampel mit Nudel?22 Nov 202300:29:08
Heute reden wir über eine Sportart, die völlig zu unrecht gern als Rentnersport verschrieen ist - Aqua fit. Falsch! Denn wer richtig mitmacht, bringt bei schmissiger Musik nicht nur seinen Kreislauf in Schwung, sondern kommt sogar richtig ins Schwitzen! Aqua fit schont die Gelenke und ist trotzdem ein richtiger Fettkiller - wenn man ordentlich mitmacht. Der Trainingseffekt wird vor allem durch den Widerstand des Wassers erzielt - denn der kann bis zu 5x stärker sein als an Land! Tammy jedenfalls ist davon total überzeugt. Die Sportwissenschaftlerin kam übers Studium zu ihrer Begeisterin für´s Workout im Wasser. Und sie geht nicht nur ins Sportstudios - hauptberuflich ist sie Sportlehrerin bei der Berliner Polizei. Aqua-Kurse stießen dort erstmal auf eine gehörige Portion Misstrauen - vor allem bei den Männern. Mittlerweile aber sind auch sie durchaus angetan. Denn: Tammy weiß, wen sie vor sich hat. Und baut in ihren Wasserkursen auch schon mal ein paar Kampfsportelemente ein. Ansonsten natürlich - Nudeln und Hanteln. Gehört einfach dazu. Nach Verletzungen ist Aqua fit ebefalls eine gute Möglichkeit, wieder in die Spur zu kommen - nicht nur bei der Polizei. Ist halt auch immer die Frage, wie intensiv man mitmacht. Denn am Ende nutzt es nichts, wenn vorne ein Trainer engagiert seine Übungen vormacht - und man selber nur ein bisschen Wasser vor sich herschiebt. Allerdings: Menschen mit Bluthochdruck und Herzaerkrankungen sollten vorher ihren Arzt fragen. Und auch Schwangere können nicht immer alle Übungen mitmachen. Wer dabei ist, stellt aber schnell fest - nicht nur schwimmen, auch Aqua-Fit kann glücklich machen! Nach dem Kurs mit Tammy jedenfalls strahlten viele Gesichter. Auch das von Ute und mir!
Folge 43: Die Lebensretter15 Nov 202300:40:00
Diesmal sprechen wir mit zwei Menschen, die einen großen Teil ihrer Freizeit damit verbringen, dafür zu sorgen, dass Menschen aus dem Wasser gerettet werden - ehrenamtlich und unentgeltlich. Denn Micky und Ines arbeiten beide bei und für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Ines ist Rettungstaucherin und sucht nicht nur nach vermissten Personen, sondern auch mal nach Brieftaschen oder Eheringen. Micky ist mit dem DLRG groß geworden und nicht nur Vorsitzende der Bezirksjugend Steglitz-Zehlendorf, sie hat mit der Abteilung Rettungswettkampf auch schon den Zukunftspreis Berliner Sport gewonnen, hat selber das Rettungsschwimmabzeichen Silber und bringt anderen das Rettungsschwimmen bei. Beide sind mit Feuereifer dabei, auch Mickys Sohn ist mittlerweile aktives DLRG-Mitglied. Doch zusammen mit dem DLRG stoßen sie auch immer wieder an Grenzen: Der Andrang für Schwimmlernkurse ist so groß, dass man sich auf die Warteliste für die Warteliste setzen lassen muss. Die Wartezeit für Rettungsschwimmerkurse beträgt im Schnitt etwa zwei Jahre. Es fehlt an Wasserzeiten in den Bädern und an Ehrenamtlichen, die nicht nur am Beckenrand stehen, sondern sich auch um Organisation und Verwaltung kümmern. Dabei werden gleichzeitig Rettungsschwimmer händeringend gesucht: Nicht nur an Seen und Badestellen - auch in Schulen! Denn wenn Kinder in der dritten Klasse schwimmen lernen, muss immer jemand dabei sein, der mindestens den Rettungsschwimmer in Silber hat! Der hat es übrigens durchaus in sich. Mal eben so die Prüfung ablegen gelingt den wenigsten, das Abschleppen in Kleidung, Tauchen nach Ggenständen und das Hochziehen eines erschöpften oder bewusstlosen Menschen über den Beckenrand muss in der Regel erstmal geübt werden. Aber warum nicht? Wir haben dann doch ein wenig Lust bekommen. Statt ein Leistungs-Schwimmabzeichen zu machen, könnte Ute sich auch vorstellen, Rettungsschwimmerin zu werden. Und Martina liebäugelt ebenfalls damit - Kindern zu ermöglichen, schwimmen zu lernen, ohne dass sie dabei Schaden nehmen, ist ja auch keine schlechte Sache. Wer einen Schwimmlernkurs oder einen Rettungsschwimmer-Kurs bei der DLRG machen will, muss übrigens DLRG-Mitglied sein. Doch die Kosten halten sich in Grenzen - ein Erwachsener beispielsweise zahlt 70 Euro - im Jahr! Kinder und Jugendliche entsprechend weniger. https://www.dlrg.de/
Folge 42: Eis frei!08 Nov 202300:26:44

Diesmal waren wir bei den Berliner Seehunden - und haben uns sogar mit ihnen zusammen ins 11 Grad kalte Wasser getraut! Für uns eine große Herausforderung, die Ute natürlich gewohnt lässig bestanden hat, während Martina nach dem Eintauchen bis zu den Schultern den See dann doch lieber schnellstmöglich verlassen hat. Für die Seehunde dagegen fühlte es sich eher warm an - denn sie gehen regelmäßig in den See, wenn andere nicht einmal mehr dran denken! Ihre Saison beginnt Ende September und dauert bis März - Wassertemparaturen von 0 Grad und weniger sind für sie nichts Ungewohntes. Dann, so versichern sie uns, macht es erst richtig Spaß - wenn man bei Minustemperaturen draußen erst einmal das Eis aufhacken muss, um sich in die Fluten zu stürzen! Für Kalt- und Eiswasserbadende gibt es aber ganz klare Regeln. Die allererste: Niemals allein! Wichtig ist zudem das Tragen von Neoprensocken und Mütze - denn an Füßen und Kopf kühlt man am schnellsten aus. Und: Die Hände sollten aus dem Wasser bleiben, wenn es richtig kalt wird, auch gern in Handschuhen. Ansonsten baden die Seehunde am liebsten nackt! Gut ist es, für danach einen Bademantel dabei zu haben. Den haben wir diesmal leider vergessen - ging aber trotzdem. Denn Kaltwasserbaden ist stimmungssteigernd! Und härtet natürlich auch ab. Das haben auch Charité-Ärzte bestätigt, die die Seehunde anfangs in den 1980er Jahren begleitet haben. Der 88jährige Gerd ist fast von Anfang an dabei, seit 42 Jahren - jeden Sonntag in Herbst und Winter. Er schwört drauf - und ist gleichzeitig der muntere Beweis, dass es einfach gut sein MUSS. Auch Peggy, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, und Francesca - sie macht die Jugendarbeit und ist Ansprechpartnerin für die englischsprachigen Seehunde - kommen wirklich jeden Sonntag. Und: Seehund können alle sein, egal wie alt - die jüngste zur Zeit ist 12 Jahre alt. Allerdings - zur Zeit gibt es einen Stop auf der Schnupperliste, es werden zur Zeit keine neue Mitglieder mehr aufgenommen. Aber das kann sich ja schnell wieder ändern. Und am 13. Januar 2024 ist Eisfasching - da kann jeder und jede kommen! Da wird bestimmt auch die Seehunde-Hymne gespielt - und die kann man sich zur Einstimmung auf jeden Fall schon mal anhören! https://soundcloud.com/user-645375676/wenn-die-seehunde-kommen?utm_source=Email&utm_campaign=social_sharing&utm_medium=widgetutm_content=https%3A%2F%2Fsoundcloud.com%2Fuser-645375676%2Fwenn-die-seehunde-kommen https://www.berliner-seehunde-orankesee.de/


Folge 41: Die Extremschwimmerin01 Nov 202300:38:37
Die Begegnung mit Margit Schreiber wird uns lange im Gedächtnis bleiben. 2007 hat sie als damals schnellste deutsche Schwimmerin den Ärmelkanal durchquert, in 11 Stunden und 40 Minuten. Eine der stärksten befahrenen Wasserstraßen der Welt. Mit Gezeiten, hohen Wellen - und ziemlich kaltem Wasser. Es ist die legendärste Schwimmstrecke überhaupt - und eine gefürchtete, auch wegen der Schwärme von Feuerquallen. Wer die 32 Kilometer (Luftlinie!) überwinden will, darf laut Regelwerk nur einen Badeanzug, Badekappe, Schwimmbrille und Ohrstöpsel tragen. Margit - damals hieß sie noch Bohnhoff mit Nachnamen - hat es geschafft. Und man merkt ihr an, dass sie bis heute sehr stolz darauf ist. Klar - weil sie es geschafft hat. Aber ist das wirklich ein schönes Erlebnis? So lange im Meer zu schwimmen, das bedeutet: nichts sehen, schnell zwischendurch was essen und dabei nicht abzutreiben. Brechen, weil man zu viel Salzwasser geschluckt hat. Und ständig aufpassen, weil Feuerquallen, Holzpaletten oder große Fische immer eine Bedrohung sein können. Trotzdem - der Weg ist das Ziel, findet Margit. Und eine schöne Herausforderung, die sie nicht missen möchte. "Es ist ein Gefühl von Freiheit", sagt die Verwaltungsangestellte. "Von unendlicher Freiheit." Vorbereitet hat sich die Extremschwimmerin, indem sie zu jeder Jahreszeit schwimmen gegangen ist. Nackt. Auch im Winter. Um sich an die kalten Temperaturen zu gewöhnen. In Brandenburger Seen und in der Ostsee. Außerdem hat sie sich ein spezielles Fett zum Schutz besorgt, damit sich die Haut beim Schwimmen nicht wund reibt. 2010 wollte es die Extremschwimmerin dann noch einmal wissen - und durchschwamm die Straße von Gibraltar: 21 Kilometer von Spanien bis nach Marokko in 4 Stunden und 33 Minuten, auch das damals ein neuer Frauenrekord. Noch heute schwimmt sie regelmäßig morgens 4 Kilometer, um in Form zu bleiben. Das Meer durchquert sie nicht mehr - es ist ihr einfach zu teuer. 10.000 Euro hat sie die Durchquerung des Ärmelkanals damals gekostet, das konnte und wollte sie nicht noch einmal auftreiben. Und Sponsoren sind im Schwimmsport eher rar gesät. Aber - immerhin wurde ein Tunnel unter der Havel nach ihr benannt! Heute hat sich Margit auf Triathlon-Wettkämpfe verlegt - zusammen mit ihrem Mann. Aber nicht einfach irgendwelche Triathlons - nein, es müssen schon Ultra-Triathlons sein. Also 7,6 Kilometer schwimmen, 360 Kilometer Radfahren und 84 Kilometer laufen. Und das mit 60 Jahren! Wir sind beeindruckt. Wer noch mehr übers Extremschwimmen wissen will, sollte sich den Film Nyad anschauen - Diana Nyad ist mit 64 Jahren 170 Kilometer von Kuba nach Florida geschwommen. Ihre Geschichte ist seit dem 19. Oktober im Kino zu sehen - und ab dem 3. November bei Netflix. https://www.filmstarts.de/kritiken/290953.html https://www.epd-film.de/tipps/2023/netflix-nyad
Folge 40: Tanz im Wasser25 Oct 202300:30:43
Diesmal haben wir wohl zwischendurch tatsächlich mit offenem Mund dagestanden - denn wir haben beim Synchronschwimmen-Training zugeschaut. Beim Schwimmclub Wedding, einer der renommiertesten Synchronschwimmvereine in Deutschland. Hier werden sehr gute Plätze bei den ganz großen Meisterschaften gemacht. Entsprechend diszipliniert wird auch trainiert. Jede Bewegung muss sitzen und abgestimmt sein mit der Musik. Und, wenn es kein Solo ist, natürlich auch mit den anderen im Team. Das ist Körperspannung pur, was man da zu sehen bekommt - und jahrelange harte Arbeit. Denn Synchronschwimmer:innen brauchen nicht nur Rhythmusgefühl, sondern auch Beweglichkeit, Kondition und Kraft. Möglichst lange tauchen können sollten sie natürlich auch. Und das Ganze dann auch noch mit den anderen koordinieren - puh!!! Unsere Gäste sind diesmal die Trainerin Marie, selber jahrelang Synchronschwimmerin, die Abiturientin Felizitas und der Student Frithjof. Felizitas gehörte mehrere Jahre zum Bundeskader und Frithjof ist auch international ganz vorn. Und das ist eine Besonderheit: Denn Synchronschwimmen ist zwar von Männern erfunden worden, wurde ihnen aber in den 1950er Jahren verboten. Männer hätten nicht die richtige Wasserlage, hieß es, das sei ein rein weiblicher Sport - und eine Athletin verstieg sich sogar zu der Aussage, Synchronschwimmen für Männer sei "widernatürlich". Es ginge schließlich um Schönheit und Grazie und nicht um Stärke. Erst seit 2015 sind Männer vom Dachverband der nationalen Schwimmverbände "World Aquatics" (bis 2022 FINA) wieder zu Wettkämpfen zugelassen, allerdings nur in so genannten Mix Duetts, also zusammen mit Frauen. An einer Weltmeisterschaft dürfen sie erst seit 2023 teilnehmen, an Olympischen Spielen sogar erst 2024. Und so ist Frithjof auch der einzige Synchronschwimmer beim SC Wedding. Das stört aber weder ihn noch seine Mitschwimmerinnen. Immerhin ist er erst seit 2021 dabei und hat bereits zusammen mit seiner Partnerin EM-Silber in Krakau geholt. Egal ob Mann oder Frau - wer Erfolge im Synchronschwimmen will, muss mindestens vier bis sechs Mal die Woche trainieren. Und am Ende hängt alles von der Performance ab. Nicht nur die physiologischen, auch die ästhetischen Anforderungen sind hoch: Lächeln, gut aussehen, perfekt sein - all das fließt in die Bewertung ein. Kein Wunder, dass es hier ähnlich wie im Turnsport auch immer wieder Debatten über das Gewicht der Sportler:innen gibt. Denn im Vordergrund steht die Show: Die Haare werden mit Gelatine festgeklebt, wasserfeste Schminke ist Pflicht und bei der Kür sind Schwimmbrillen verboten. Und noch eins ist wichtig im Team: Streit darf es nicht geben. Denn wer miteinander im Clinch liegt, kann nicht gemeinsam lächeln - und im Einklang schwimmen schon gar nicht! Synchronschwimmen ist harte Arbeit, die ganz leicht aussehen soll. Am Ende geht es eben doch um Stärke, finden wir. In jeder Hinsicht.
Folge 39: Wasserfreunde für immer18 Oct 202300:24:50
In Berlin gibt es ein Schwimmbad in allerbester sportlicher Lage, was aber längst nicht jedem und jeder zugänglich ist: Mitten im Charlottenburger Olympiasportpark liegt das 50-Meter-Sommerbecken, direkt daneben eine Schwimmhalle für kältere Zeiten. Hier schwimmen und trainieren die Mitglieder der Wasserfreunde Spandau 04. Die einen ab und zu, die anderen regelmäßig mehrmals die Woche. So wie Angela und René. Zuverlässig wie ein Uhrwerk stehen sie dreimal die Woche um 6 Uhr am Startblock, dann wird eine Stunde trainiert: Delphin, Rücken, Brust, Kraul - einen Trainer gibt es nicht, den Trainingsplan machen sie sich selbst. Mindestens 2000 Meter werden da abgeschwommen, meist aber mehr. Manchmal schwimmt der ein oder die andere aus der Truppe auch noch Wettkämpfe, eigentlich soll das Ganze aber vor allem Spaß machen. Angela hat eine klassische Leistungssportkarriere in der DDR hingelegt, René war als Jugendlicher ebenfalls Wettkampfschwimmer. Und das Schwimmen am frühen Morgen reicht ihnen nicht - an den anderen Tagen machen sie per Zoom zusammen Frühsport. Und fahren gemeinsam zu Schwimmfesten. Und zwischendurch gehen sie natürlich auch noch schwimmen - man darf ja nicht aus der Übung kommen! https://spandau04.de/
Folge 38: Nix geht über Nixen11 Oct 202300:35:55
Allein schon ihr Name ist zauberhaft - diesmal haben wir zwei Nixen zu Gast. Die "Nixe" ist der älteste und einzige noch existierende Damen-Schwimmverein in Deutschland. Mitmachen kann hier jeder - falsch: jede. Denn das ist die einzige Bedingung - wer hier dabei sein will, muss weiblich sein. "Das ist doch diskriminierend!" tönte gleich ein gemeinsamer Bekannter - nö, finden wir nicht. Männer waren Jahrhunderte unter sich - hier sind es dann mal die Frauen. Diskriminierend war höchstens, was geschah, als der Schwimmverein 1893 von fünf jungen Mädchen (die 1. Vorsitzende Margarete Hoffmeister war gerade 14 Jahre alt) gegündet wurde. Es gab öffentliche Proteste, die Medien liefen Sturm und schimpften über unfassbare Unmoral. Doch die Nixen ließen sich nicht von ihrem Projekt abbringen, sondern setzten sogar durch, dass sie nach wenigen Jahren auch an Wettkämpfen teilnehmen durften. Allerdings wurden die "Damen" damals noch in große Laken oder Handtücher gehüllt zum Startblock gebracht, damit bloß niemand irgendwas sieht, was er (!) nicht sehen soll. Bald feierten die Nixen große Erfolge, nahmen 1936 auch an Olympia teil - eine Zeit, an die die heutige Vorsitzende Anja Lachmann nicht wirklich gern zurückdenkt. Denn die Nazis schmückten sich gern mit den durchtrainierten jungen Frauen und unterstützten sie entsprechend. Nach dem Krieg wurde der Verein 1951 neu gegründet - und auch danach waren die Nixen eine angesagte Adresse im Leistungssport, bis in die 2010er Jahre nahmen sie an Deutschen Meisterschaften und Olympischen Spielen teil. Mittlerweile ist es im Verein etwas ruhiger geworden, der Schwerpunkt liegt im Breitensport. Untergegangen ist der Verein mit seinen rund 300 Mitgliedern deshalb aber nicht. Erst Anfang 2023 verlieh ihm der Berliner Schwimmverband das Zertifikat "Gesund und fit im Wasser und an Land". Für Karin, unseren zweiten Gast und Mitglied seit zehn Jahren, ist der Verein ein regelrechter Jungbrunnen. Mädchen ab 4 Jahren können hier mitmachen, der Monatsbeitrag kostet 11 Euro. Für Kinder bietet der Verein an, das Seepferdchen zu machen. Die Nixen haben auch schon darüber nachgedacht, ob sie nicht auch Kurse für muslimische Frauen anbieten sollen, die nicht im Beisein von Männern schwimmen lernen wollen. Der Bedarf wäre sicher groß. Aber: Der Verein hat kein "Heimatbad", sondern bekommt Wasserzeiten und einzelne Bahnen in verschiedenen Bädern der Stadt. Und da sind dann eben immer auch andere Vereine und Bademeister. Eine Garantie für eine rein weibliche Umgebung gibt es also nicht. In diesem Jahr wird der Verein 130. Groß feiern wollen die Nixen aber nicht. Lieber so oft wie möglich schwimmen, https://schwimmverein-nixe.de/
Folge 37: Leise, lang und leicht04 Oct 202300:28:34
Diesmal waren Ute und Martina nicht nur schwimmen - sondern bei einem echten Training dabei! Allerdings haben wir da schon gemerkt, dass wir unsere Komfortzone schon länger nicht mehr verlassen haben, vor allem bei den kleinen Sprints zwischendurch ... Aber um die ging es diesmal auch gar nicht. Sondern um eine ganz spezielle Trainingsmethode, die der Berliner Schwimmclub Regenbogenforellen entwickelt hat: LLL - Leise, Lang und Leicht. Wir waren sehr gespannt, ob man die Regenbogenforellen dann vielleicht gar nicht mehr hört im Wasser, aber ganz so ist es dann doch nicht. Aber: Hier setzt man beim Schwimmen viel stärker als beim herkömmlichen Training auf den Einsatz der gesamten Körperlänge, das Einbeziehen der Rumpfmuskulatur und darauf, den Wasserwiderstand deutlich zu reduzieren. Das, so die Erfahrung der Forellen, schone nicht nur die Gelenke, sondern auch Schultern und Nacken. Wir geben zu - in einer Schwimmstunde haben wir es nicht sofort gerafft. Ist ja eh immer schwierig, von lieb gewonnenen Routinen abzuweichen. Aber die Idee ist uns durchaus klar geworden. Und sie entwickelt sich ständig weiter. Denn bei den Regenbogenforellen gibt es keine festen Trainer. Hier kann jeder und jede mal die Rolle tauschen und selbst am Beckenrand stehen. Das Konzept geht auf, das Training bei den Regenbogenforellen ist so beliebt, dass es eine Warteliste für potentielle Mitglieder gibt. Da heißt es, sich in Geduld zu üben: Leise und leicht und hoffentlich nicht allzu lang! https://www.regenbogenforellen.de/
Folge 36: Einfach nur Stille27 Sep 202300:37:49
Sebastian ist blind und Martin hat Multiple Sklerose. Beide sind seit Jahren beim ersten und einzigen Berliner Inklusionstauchclub aktiv. Seit 2015 tauchen hier Behinderte und Nicht-Behinderte gemeinsam. Die ersten Übungen unter Wasser machen sie im geschützen Schwimmbecken an der Seestraße oder im Stadtbad Wilmersdorf II. Zweimal die Woche können sie hier lernen, was unter Wasser wichtig ist - auch für versierte Taucher:innen eine gute Möglichkeit, sich das ganze Jahr über fit zu halten. Begleitet werden sie von ausgebildeten Tauchlehrer:innen und einer Tauchärztin, die ihr Handwerk von der Pike auf gelernt haben. Unterstützt werden alle Mitglieder vor allem beim An- und Ausziehen der schweren Ausrüstung. Ungefähr 30 Kilo wiegen Weste und Sauerstoffflasche. Und in so einen Neoprenanzug muss man auch erstmal reinkommen, da kann auch Martina ein Lied von singen. Für Menschen mit Querschnittslähmung oder anderen körperlichen Behinderungen ist es mindestens doppelt so schwer. Für Sebastian und Martin aber ist das keine Last. Wenn sie einmal unter Wasser sind, genießen sie einfach nur das Gefühl der Schwerelosigkeit. Vor allem Martin kann sich so mühelos bewegen, wie es ihm an Land nie möglich wäre. Und Sebastian genießt einfach die Stille, die unter Wasser einzigartig ist. Der Verein finanziert sich hauptsächlich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Die Ausrüstung mit den Atemreglern und Tauchflaschen, die die Mitglieder kostenlos nutzen können, muss regelmäßig gewartet werden. Seit neuestem hat der kleine Verein auch ein Boot im Tegeler See. Barrierefrei, mit Bugklappe zum einfachen Ein- und Ausstieg, getauft auf den Namen "Vielfalt". Finanziert wurde das Boot zu einem Viertel von Aktion Mensch, 30.000 Euro steuerten Vereinsmitglieder bei. Aber getaucht wird nicht nur im Tegeler See - auch andere Brandenburger Seen werden regelmäßig besucht und manchmal klappt sogar eine gemeinsame Reise in fernen Ländern. Für den blinden Sebastian ist das Tauchen Auszeit vom Alltag. Seine Frau und seine beiden Kinder unterstützen ihn dabei. Wie die anderen Vereinsmitglieder wünscht er sich mehr Nachwuchs. Durch Corona hat der Verein rund die Hälfte seiner Mitglieder verloren. Jetzt will man wieder vermehrt werben - Kinder ab 10 Jahren können Mitglied werden. Und Erwachsene sowieso. http://www.tcb-siemensstadt.de/
Folge 61: Mit ihm trauen sich alle ins Wasser07 Aug 202400:30:33
Heute sprechen wir mit einem Schwimmer, der uns schon vorher, währenddessen und auch danach außerordentlich beeindruckt hat: Mohammad Shaban ist Syrer und lebt seit 2016 in Deutschland. Während seiner Flucht, im Schlauchboot zwischen der Türkei und Griechenland, hat er etwas gesehen, was er nie vergessen wird und was fortan der wichtigste Antrieb seines Handelns werden soll - die Angst in den Augen der anderen Insassen. Weil sie nicht schwimmen können. Nicht wissen, ob sie den Weg über das offene Meer überleben werden. Darunter auch sein bester Freund. Mohammad selbst hat mit vier Jahren das Schwimmen gelernt, sein Vater hat es ihm damals beigebracht. Während der Fahrt mit dem Schlauchboot nimmt er sich vor: Ich will in Zukunft anderen Menschen das Schwimmen beibringen. Damit sie niemals solch eine Angst vorm Wasser haben müssen! Doch erstmal landet Mohammad in Augsburg, lernt deutsch, freundet sich mit einer Augsburger Familie an, die ihm beibringt, wie die Deutschen so ticken und was alles wichtig ist in Sachen deutscher Kultur und deutscher Mentalität. Doch dann hört er eines Tages von dem bundesweit einzigartigen Berliner Projekt SPORTBUNT. Menschen mit Fluchthintergrund können hier einen Trainerschein machen, auch einen Schwimmtrainerschein. Für Mohammad ist klar: Das will er machen, er muss nach Berlin. Also verlässt er 2019 Augsburg, zieht in die Hauptstadt, lebt zunächst mit mehreren Menschen in einem Zimmer, zieht von Unterkunft zu WG, bis er eines Tages tatsächlich eine kleine Wohnung findet. Viel wichtiger ist für ihn ohnehin etwas anderes: Anderen Menschen das Schwimmen beibringen. Durch SPORTBUNT macht er seinen Trainerschein, wird zudem Rettungsschwimmer und arbeitet bald darauf in einem der zu Coronazeiten eingerichteten Schulschwimmzentren. Alle, die ihn dort bei seiner Arbeit mit den Kindern beobachten, geraten sofort ins Schwärmen - denn der 35jährige Syrer hat eine ganz besondere Gabe: Er kann den Kindern die Angst nehmen. Mit Mohammad trauen sich alle ins Wasser. Weil er den Kindern auf Augenhöhe begegnet. Und manchmal auch, weil er ihre Sprache spricht. Die deutsche Sprache hat er durchs Schwimmen auch noch viel besser gelernt - wenn ihm auch Worte wie "Seepferdchen" oder "Poolnudel" erst einmal ein ziemliches Rätsel waren. Manchmal tauscht er mit den Kindern auch die Rolle - und er ist der Schüler, der noch besser deutsch lernen will und die Kinder seine Lehrer. Mittlerweile ist Mohammad selbst Trainerschein-Ausbilder und angestellt beim Berliner Schwimmverband. Sein Traum ist es, eines Tages als Schwimmlehrer an einer Schule angestellt zu sein. Und was ihn besonders freut: Alle Menschen auf dem Schlauchboot damals haben überlebt. Sein Freund besucht ihn mittlerweile regelmäßig in Berlin. Und dann gehen sie gemeinsam schwimmen. https://www.radiodrei.de/programm/schema/sendungen/das_gespraech/archiv/20240707_1900.html https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/mohammad-shaban-fluechtete-im-schlauchboot-uebers-mittelmeer-jetzt-ist-er-schwimmlehrer-a-b5e9b516-baec-4e3d-9cb1-d17083653be0?giftToken=9aadfef8-2c0e-4f5d-9b00-e3ca4c278574
Folge 35: Kampf unter Wasser20 Sep 202300:35:09

Diesmal haben wir uns etwas angeschaut, was bei allen, denen wir davon erzählt haben, die gleiche Reaktion auslöste: Hä? Was???? Wir waren beim Unterwasser-Rugby. Genau - Rugby unter Wasser. Können sich die meisten nicht vorstellen, was kein Wunder ist, denn den Sport gibt es zwar schon seit 50 Jahren, aber bis vor kurzem war es kaum möglich, bei einem Spiel zuzuschauen. Und so ist es kein Wunder, dass Unterwasser-Rugby nicht vielen bekannt ist. Auch wir haben es eher durch Zufall entdeckt.

Dabei ist das ein wirklich faszinierender Sport - und der einzige, der dreidimensional unter Wasser gespielt wird. Darüber reden wir in dieser Folge mit Wolf und Christine, die beide über einen Tauchkurs an der Uni zu diesem Sport gekommen sind und mittlerweile bei Sporttaucher Berlin e.V. Unterwasser-Rugby spielen.

Die Regeln sind ähnlich wie beim Rugby an Land: Berührt werden darf nur der Spieler/die Spielerin, die den Ball hat - und die oder der darf auch andere berühren. Alle anderen Spieler:innen müssen Abstand halten. Ziel jeder Mannschaft, ist es, ein Tor zu machen, was bedeutet, den mit Salzwasser gefüllten Ball in einem Korb abzulegen, der in 3-4 Metern Tiefe auf dem Beckenboden steht, auf jeder Seite einer. Und das Ziel der jeweils anderen Mannschaft ist natürlich, genau das zu verhindern. Aber eben - alles unter Wasser!

Eine Mannschaft besteht aus zwölf Spieler:innen - davon sind immer sechs unter Wasser, die anderen sechs schwimmen an der Wasseroberfläche und schauen zu. Sobald ein Spieler nach ca. 30 bis 45 Sekunden Luft holen muss, wechselt er sich mit seinem Partner-Spieler an der Wasseroberfläche ab.

Allerdings - wer das erste Mal zuschaut, braucht eine Weile, um zu verstehen, was da eigentlich passiert. Denn ähnlich wie beim Rugby an Land sieht man vor allem Menschenknäuel, die miteinander um den Ball rangeln. Während Ute natürlich beherzt mitgemacht hat und tatsächlich auch mal für wenige Sekunden den Ball erobern konnte, hat sich Martina das ganze Gewusel vorwiegend von der Seitenlinie angeschaut. Ganz unbehelligt blieb sie dabei allerdings nicht, denn die Unterwasser-Rugby-Spieler:innen geben alles, um den Ball zu kriegen - und dabei kann einem eine Schwimmflosse auch mal schnell an der falschen Stelle erwischen!

Trotzdem ist das Ganze im wesentlichen ein körperloser Sport,bei dem es wenig Verletzungen gibt. Wolf und Christine genießen bei allem Kampf um den Ball vor allem die Stille unter Wasser, das mit dem Luft anhalten sei mit ein bisschen Übung auch nicht wirklich ein Problem. Und wer denkt, hier spielen nur durchtrainierte Mittzwanziger - weit gefehlt! Egal, wie alt, groß oder schwer - unter Wasser werden alle oft beweglicher als an Land. Und so war die Altersspanne bei diesem Training auch von ca. 17 bis 60 - und alle hatten großen Spaß!

Das Spiel wurde übrigens von Deutschen erfunden - die Besten in der Welt sind zur Zeit jedoch die Kolumbianer und Kolumbianerinnen. Und dadurch, dasss man die Spiele mittlerweile unter Wasser streamen kann, gibt es auch immer mehr Fans.

Allerdings - weil der Sport eben doch noch nicht so bekannt ist, suchen die Berliner Sporttaucher immer nach Nachwuchs - und wollen jetzt auch eine Gruppe für Kinder aufmachen. Und - Lust gekriegt?


https://sporttaucher-berlin.de/unterwasser-rugby/

https://www.youtube.com/watch?v=YjrRZzjg2Qg

https://www.youtube.com/watch?v=nkxqEovOWI4

https://de.wikipedia.org/wiki/Unterwasser-Rugby



Folge 34: Traumjob auf Fliesen13 Sep 202300:31:13
Diesmal hat es endlich geklappt - Elisa ist bei uns im Podcast zu Gast! Elisa ist Auszubildende zur Fachangestellten für Bäderbetriebe im 3. Lehrjahr. Wir haben sie morgens um zwanzig nach 6 im Berliner Sommerbad Humboldthain getroffen. Und während wir zu dieser Stunde kaum die Augen offen halten konnten, war sie so frisch, als wäre sie gerade erst schwimmen gewesen! Das nämlich kann und muss sie als Auszubildende jeden Tag. Und zwar während der Arbeitszeit! Um fit zu bleiben, aber auch, um sich auf ihre Abschlussprüfung vorzubereiten. Denn gute Schwimmzeiten gehören da genauso dazu wie gute Kenntnisse in Mathe, Physik und Chemie oder die Fähigkeit, ohne Höhenangst auf dem Zehner zu stehen und aufgeregte Springer:innen zu beruhigen. Überhaupt ist der Beruf des Fachangestellten für Bäderbetriebe wesentlich vielfältiger, als es das Wort "Schwimmmeister" vermuten lässt. Sie beufsichtigen nicht nur die Schwimmerinnen und Schwimmer, sie geben Kurse, nehmen Schwimmabzeichen ab, leisten 1. Hilfe, desinfizieren Becken, Sauna, Duschen, sitzen an der Kasse, warten die Anlage und prüfen die Wasserqualität. Und vor allem tragen sie eine hohe Verantwortung, denn im Zweifel sichern sie das Überleben der Badegäste. Selbst am wuseligsten Sommertag behält Elisa mittlerweile den Überblick, erzählt sie - auch wenn sie sich manchmal sehr wundern muss. Wenn beispielsweise Eltern ihre Kinder vom Einer springen lassen - obwohl die noch gar nicht schwimmen können. Da geht es dann in voller Montur ins Wasser - Zeit zum Ausziehen bleibt da nicht mehr. Kein Wunder, dass Schwimmmeister:innen fit bleiben sollten. Und sich Respekt verschaffen müssen. Vielleicht ein Grund, warum eher Männer als Frauen diesen Beruf ergreifen - was Elisa sehr schade findet. Sie jedenfalls ist von ihrer Berufswahl absolut überzeugt, nach ihrem ersten Job in einer Verwaltung kann sie sich heute nichts Besseres mehr vorstellen. Selbst dass sie arbeitet, während sich alle anderen um sie herum vergnügen, stört sie nicht, erzählt sie. Schließlich hätten die meisten doch gute Laune. Und sie also auch. Vielleicht will sie nach ihrer Ausbildung noch den Meister machen und eines Tages sogar die Leitung eines Schwimmbads übernehmen - das ist noch Zukunftsmusik, aber nach ihrem Abschluss nächstes Jahr alles möglich. Wir drücken ihr die Daumen, dass sie alles schafft, was sie will! P.S. Wer jetzt Lust bekommt auf diesen Beruf: Für das Ausbildungsjahr 2024 kann Frau und Mann sich jetzt im Herbst 2023 schon bewerben! https://www.berlinerbaeder.de/unternehmen/ausbildung/ausbildung-zurzum-fachangestellten-fuer-baederbetriebe/
Folge 33: Freischwimmen - Kunst im Bad06 Sep 202300:38:02

Für diese Folge haben wir mal unsere Komfortzone verlassen. Statt in einem der Berliner Bäder sind wir diesmal in - Erwitte. Wo??? Erwitte liegt in Westfalen, so etwa zwischen Paderborn, Soest und Hamm. Und dort gibt es ein Freibad, das Schlossbad. Das allein wäre vermutlich nicht so spektakulär, aber vom 4. bis zum 10. September 2023 kann man sich hier „freischwimmen“ - mit Kunst im Bad.

Und das finden wir so spannend, dass wir diesem Projekt eine ganze Folge widmen möchten. Und zwar nicht nur aus der Ferne, sondern eine von uns ist auch tatsächlich hingefahren. Hat Fotos vom Dreier aus geschossen und es sich mit der Künstlerin Petra Lüning auf dem Ein-Meter-Brett gemütlich gemacht.

Petra Lüning ist die Initiatorin des Projekts „Kunst im Bad“ und sie ist auch Künstlerin. Zusammen mit 9 anderen Künstlerinnen und Künstlern hat sie das Ganze auf die Beine gestellt: Kunstobjekte IM Bad, die alle was mit Schwimmen, Wasser, Bädern, Fliesen zu tun haben: Da wird die Mädchenumkleide zum gelben Salon, ein riesiger Wasserfleck prangt unter dem Sprungturm und Startblöcke kommen am Beckenrand miteinander ins Gespräch.

Und das Ganze bei laufendem Badebetrieb, so dass wirklich alle was davon haben, die Interessierten genauso wie die Aktiven, über und unter Wasser. Möglich war das auch, weil das Schlossbad in Erwitte nicht von der Stadt, sondern von einem Förderverein betrieben wird - da läuft alles etwas geschmeidiger, als wenn man erstmal lauter Genehmigungen von den Behörden einholen muss. Unterstützung der Landrätin Eva Irrgang gibt es trotzdem und auch die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen ist begeistert!

https://kunstimbad.de/

https://lüning.net/

https://www.schlossbad-erwitte.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Erwitte



Folge 32: Exot im Schwimmbad30 Aug 202300:31:22
Heute ist Frank unser Gast. Schwimmen hilft ihm fit zu bleiben, Wasser ist sein Element. Hier kann er alle Gliedmaßen bewegen und er fühlt sich einfach nur gut. Denn wenn Frank nicht im Wasser ist, sitzt er im Rollstuhl Er hat eine seltene chronische Erkrankung, die dazu führt, dass seine Gelenke versteift sind. Sein Lieblingsbad ist das Sommerbad Pankow in Berlin. Aber nicht, weil es so behindertengerecht ist. Sondern obwohl es das, wie praktisch alle Berliner Sommerbäder, eben nicht ist. Frank nimmt uns mit zu einem typischen Besuch ins Schwimmbad und erzählt, wo überall Barrieren lauern: Das fängt schon mit dem fehlenden Behindertenparkplatz an und hört kurz vorm Beckenrand nicht auf: Mit seinem Rollstuhl kann er nicht durchs Fußbecken fahren. Also muss er an einem Gatter warten, bis einer der Bademeister ihn sieht und ihm aufschließt. Einen Schwenksitz oder Wasserlift gibt es nicht - also muss sich Frank allein irgendwie ins Wasser und auch wieder heraushieven. Was er zum Glück schafft, weil er im Gegensatz zu anderen Rollstuhllfahrer:innen nicht gelähmt ist. Trotzdem ein schwieriges Manöver - immer beäugt von Badegästen, die es überhaupt nicht gewöhnt sind, dass Menschen Im Rollstuhl schwimmen gehen. Wie auch, wenn die Ausstattung so vieler Schwimmbäder überhaupt nicht darauf ausgerichtet ist. Die neu gebaute Rampe an den sanierten Terassen im Sommerbad Pankow führt nicht etwa zu behindertengerechten Duschen und Toiletten - die sind ganz woanders und in keinem guten Zustand, berichtet Frank. Deswegen fühlt er sich in seinem Rollstuhl auch immer wieder wie ein Exot, wenn er schwimmen geht. Er hat nicht alle Berliner Bäder getestet - aber einem Hallenbad kann er wirklich gute Noten geben. Und dem Strandbad Plötzensee - denn hier kommt man mit dem Rollstuhl ungehindert bis ans Wasser.
© My Podcast Data